11.01.2004 / Autor: Michael Müller Astronomie > Planet Mars

2100 gibts erste Kolonien auf dem Mars

… mindestens, wenn sich die Geschichte der Science-Fiction-Serie "Star Trek" bewahrheitet.

Ein Mädchen rennt in den Garten. Der Vater ruft ihr nach, sie solle ihm auf dem Rückweg die Zeitung mitbringen. Bevor sie reagieren kann, rutscht sie auf einem Ball aus und landet auf dem Boden. Sie blickt nach oben. Sie sieht zwei Monde. Moment mal, zwei Monde? Ja, zwei. Der erwähnte Garten befindet sich nicht wirklich unter freiem Himmel, sondern in einer riesigen Station. Der Ball ist nicht wirklich ein Ball, sondern das Modell TP 4-5-19-9-18-5-5 der Firma Winmac, das nach einem Wurf zehn Sekunden lang in der Luft schweben kann. Die Zeitung ist keine wirkliche Zeitung, sondern das neuste "Hoagland Red Journal", natürlich lesbar auf einem Padd. Die zwei Monde tragen die Namen Phobos und Deimos - und die Familie des Mädchens lebt nicht auf der Erde, sondern auf dem Mars.



Eine erste Marsmission könnte bereits in 20 bis 30 Jahren stattfinden.
(Bild: ESA)
Utopie? Nein, vielleicht Zukunft. In Star Trek-Romanen gibt es in rund hundert Jahren erste Kolonien auf dem Mars. Science-Fiction-Filme wie "Mission to Mars" oder "Red Planet" zeigten in den letzten Jahren auf, wie erste bemannte Missionen zum "himmlischen Krieger" aussehen könnten.

"Science-Fiction ist ganz wichtig für uns", erklärt denn auch Mars-Express-Projektleiter Rudolf Schmidt. "Vor 70 Jahren war ein Flug zum Mond Science-Fiction. Heute ist der bemannte Mars-Flug noch unvorstellbar. Für unsere Enkel wird er vielleicht zu etwas Alltäglichem. Neuartige Antriebe, Reisen durch Wurmlöcher, Warp-Speed … Das sind alles Dinge, die weit über unseren Horizont hinausgehen, aber die Physik macht das vielleicht schneller möglich, als wir uns das heute vorstellen können. Morgen schon könnte ein Physiker oder eine Physikerin à la Einstein unser Weltbild so revolutionieren, dass Fiction zur Realität wird."

Wer träumt nicht von einem kleinen, ruhig gelegenen Haus, fernab von aller Hektik, weit weg von irdischen Kriegen, auf einem anderen Planeten?

Roland Brodbeck von der Uni Zürich sinniert: "Wenn die Raumfahrt weiterhin betrieben wird, die Entwicklung weitergeht und auf einen Ionenantrieb hinausläuft… Der erste Schritt in Richtung Kolonisierung des Mars wird sicher die Besiedlung in Form einer geschlossenen Station sein, die nicht das Mars-Klima umgestaltet, sondern selbst in Containern oder Ähnlichem ein Lebenserhaltungssystem besitzt. Ob es jemals über eine wissenschaftliche Basis hinausgehen wird, kann man aus heutiger Sicht nicht sagen."

Raumfahrtexperte Bruno Stanek erinnert sich beim Thema Science-Fiction an Ereignisse aus der Vergangenheit: "Als junger Mann war ich in meinen Vorträgen immer stolz auf mein als Hoffnung ausgesprochenes Motto, in Zukunft möge die Raumfahrt und nicht mehr der Krieg Vater aller Dinge sein. Damit waren schon damals alle einverstanden. In jener Zeit wurden in Europa weiterhin Star Trek-Episoden ausgestrahlt, und die hatten es bei mir schwer, Aufmerksamkeit zu erlangen. Für mich fand die Science-Fiction nämlich in Form des Apollo-Mond-Programmes täglich als Science reality statt!"

"Heute sehe ich die Wirkung der beliebten Science-Fiction-Serie auf das Weltrauminteresse des Zuschauers anders, weil ich den Menschen anders sehe als damals mit 25 oder 30 Jahren", erzählt Stanek weiter. "Der Apollo 13-Film hatte mir zusätzliche neue paradoxe Erkenntnisse beschert - die Öffentlichkeit war 1970 so überwältigt und beängstigt vom Ereignis, dass das Konservenerlebnis nach 30 Jahren und die Fakten im Lexikon sie letztlich mehr faszinierten als die Wirklichkeit. Etwas überspitzt formuliert: Damals spielte sich die Science-Fiction in der Zukunft ab, heute eher in der Vergangenheit. Dieses Zurückschauen auf vergangene Zeiten bremst den Fortschritt vor allem in Europa und anderen alten Welten stärker als zum Beispiel in China oder den USA, also Ländern, welche in die Zukunft blicken. Falls Science-Fiction-Filme die Zuversicht bezüglich unserer Zukunft, wie früher, wieder stärken können - ja, das wäre erneut sehr gut."

Was uns die Science-Fiction auch immer prophezeien mag - die Wissenschaftler, Ingenieure und Forscher der NASA, ESA und all der anderen Organisationen haben es hier und heute in der Hand, unsere Zukunft auf dem Roten Planeten zu bestimmen. Und mitzuhelfen, dass irdische Kriege zurückgelassen werden und die Menschheit gemeinsam zum Mars und anderen fernen Welten aufbricht.
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