16.11.2002 / Autor: Karl Urban Astronomie > Sonnensystem

Leoniden gefährden Technik und Menschen im All

Obwohl die von den Leoniden erzeugten Sternschnuppen schön aussehen, gefährden sie die technischen Geräte im All.

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Der Leonidenschauer soll in diesem Ausmaß in den nächsten 100 Jahren der stärkste bleiben.
(Foto: NASA)
Der Komet Tempel-Tuttle dreht auf einer stark elliptischen Umlaufbahn alle 33 Jahre seine Runde um die Sonne und lässt dabei eine Fahne aus Eis- und Staubkörnchen hinter sich. In den Jahren 1767 und 1866 flog er durch eine Region des Sonnensystems, in der er besonders viel Material verlor und durch die nun die Erde fliegt. Wenn die kleinen Mikrometeoriten in die Atmosphäre eindringen, erzeugen sie die beliebten Sternschnuppen. Jedoch hat das Spektakel auch einen negativen Aspekt: Satelliten und die Raumstation sind gefährdet, da sie ernsthaft beschädigt werden könnten.
 
Bekannt ist der Sternschnuppen-Schwarm auch unter dem Namen Leoniden, da die Lichtstreifen am Himmel aus dem Sternbild Löwe (Leo) zu kommen scheinen. Sie kehren jedes Jahr Mitte November wieder, in der die Erde die Bahn des Kometen Tempel-Tuttle kreuzt. Allerdings dürfte die Qualität des diesjährigen Ereignisses auf lange Zeit einmalig bleiben: Erst in etwa 100 Jahren, das prophezeien Astronomen, werde es erneut einen Leonidenschauer geben, der so gewaltig sei wie in diesem Jahr. Tatsächlich werden in Spitzenzeiten bis zu 2.000 Leuchterscheinungen pro Stunde am Himmel erwartet. Für den Himmelsbeobachter stellt lediglich der Mond einen Wehrmutstropfen dar: Am Tag des Höhepunkts des Leonidenschwarms ist er fast voll und dürfte wegen seiner Helligkeit viele Erscheinungen am Himmel überstrahlen. Jedoch dürfte sich ein nächtlicher beziehungsweise frühmorgendlicher Spaziergang trotzdem lohnen - wenn das Wetter mitspielt.
 


Trotz Quasi-Vollmond sind tausende Sternschnuppen am Himmel garantiert.
(Foto: NASA)
Doch die vielen winzigen Gesteinsbrocken stellen ebenso eine große Gefahr dar: Satelliten werden nicht durch die Atmosphäre geschützt, die jene zum verglühen bringt - sie sind dem Schwarm direkt ausgesetzt.
Die Kometentrümmerstücke bewegen sich mit 20facher Schallgeschwindigkeit, also mit mehr als 71 Kilometern pro Sekunde. Treffen diese auf empfindliche Instrumente von Raumfahrzeugen - wie Spiegel, Linsen und Solarpaneele - können sie größere Schäden anrichten. Doch neben der einfachen Zertrümmerung von Satelliten-Komponenten droht eine weitere Gefahr durch die Einschläge: Aufgrund der hohen Geschwindigkeit der Mikrometeoriten verdampfen diese beim Einschlag und bilden Plasma, elektrisch geladenes und leitfähiges Gas, das bei der Elektronik an Bord des Satelliten zu Kurzschlüssen führen kann. Derzeit befinden sich etwa 700 aktive Satelliten im Erdorbit.
 


Die Module der ISS sind besonders vor Einschlägen geschützt, die Station gilt aber trotzdem als gefährdet.
(Foto: ESA)
Bei den Satelliten der europäischen Raumfahrtagentur ESA richtet man aus diesem Grund vier Stunden vor dem erwarteten Höhepunkt des Bombardements die Raumfahrzeuge so aus, dass die Leoniden nur ihre ungefährdetste Seite treffen können. Zudem werden sie in eine Art künstliches Koma versetzt, um Kurzschlüsse durch Plasmawolken nach dem Einschlag zu unterbinden.
 
Auch für die Internationale Raumstation bilden die Leoniden eine potentielle Gefahr. Allerdings ist beim Bau aller Module eine mehrwandige Schutzhülle eingesetzt worden, die vor Meteoriten im Zentimeterbereich schützen. Trifft ein solcher auf die äußere Hülle, wird er in winzige Bruchstücke zerstäubt, die aufgefangen werden und keine Gefahr mehr bilden. Bei größeren Bruchstücken ist die Station zudem in der Lage, Ausweichmanöver zu fliegen.
 
Der Start von Raketen wurde aus Sicherheitsgründen weltweit auf einen Zeitpunkt nach dem Leonidensturm verschoben. Dies zeigt, dass die Kometenbruchstücke tatsächlich nicht zu unterschätzen sind. Gerade deshalb lohnt sich aber die Beobachtung des nächtlichen Himmels - sogar trotz dem hellen Mond.
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