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Autor Thema: Acetam - russischer Raketentreibstoff  (Gelesen 44897 mal)

Gast-N

  • Gast
Acetam - russischer Raketentreibstoff
« am: 18. November 2012, 19:09:31 »
Acetam - neuer Raketentreibstoff

Die erste offizielle Publikation zu Acetam erfolgte von NPO Energomasch im Dezember 2011, wo aber auch über andere Projekte berichtet wurde. Hier einige relevante Punkte:

1. Forschung an wiederverwendbaren Triebwerken.
2. Forschung an einen zwei Modi drei Komponententriebwerk.

3. Entwicklung eines neuen Raketentreibstoffes mit verbesserten Rheologie auf polymerbasierten Zusatz zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz eines Kerosin- Sauerstoff Triebwerks.
 
4. Entwicklung und Anwendung von hocheffizienten Treibstoff "Acetam", eine hochkonzentrierte Lösung des Acetylens in verflüssigten Ammoniak.

Die Entwicklung von polymerbasierten Zusatz für Treibstoffe ist aber nicht neu, dazu gibt es auch mehrere Patente und insgesamt eine interessante Richtung für eine Verbesserung der Effizienz als auch zur Senkung der Transportkosten.
 
http://www.npoenergomash.ru/
« Letzte Änderung: 18. November 2012, 21:11:39 von Gast-N »

Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #1 am: 19. November 2012, 20:18:07 »
Energomasch-Skolkovo


Die Petersburger Abteilung von NPO Energomasch haben zusammen mit FGUP RNC "Angewandte Chemie" eine Pilotanlage für die technologische Verarbeitung des Acetam im Labormassstab entwickelt, als auch Untersuchungen von Eigenschaften und chemische Beständigkeit der erforderlichen Konstruktionsmaterialien vorgenommen.

In Skolkovo, nach Bereitstellung der erforderlichen Finanzmitteln, wird der Übergang zu nächsten Phase der Acetam-Technologie vorgenommen. Dabei handelt sich um:

1. Bau einer Pilotanlage für die industrielle Produktion bei der FGUP RNC.
2. Erste Brennversuche an einen Demonstrations-Triebwerk. 

 http://www.npoenergomash.ru/about/news/news2_740.html

Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #2 am: 20. November 2012, 21:06:23 »
Acetam Triebwerke, ene kurze Zusammenfassung

Entwicklung eines Demonstrationstriebwerks auf Basis eines RD-161 mit einen Schub von 2-3 Tonnen für Beschleunigungsstufen (2013-2014).

Bei der Entwicklung des Acetam Triebwerks ist das finden des optimalen Verhältnisses von Acetylen und Ammoniak von signifikanter Bedeutung für die weitere Entwicklung. Mit diesen Daten wird es möglich sein die Parameter für das neue Triebwerk festzulegen.

Nach bisherigen Berechnungen, da die physikalischen Eigenschaften des Acetam nicht viel von Kerosin abweichen, sind keine grosse Veränderungen an den bestehenden Triebwerken notwendig und es bedarf keine Neuentwicklungen als auch neue RB. 

Das neue RD-161 AC werde um rund 35% effektiver als der gleiche mit Kerosin sein. Danach ist geplant ein Acetam Triebwerk mit einer Leistung von 85 bis 100 Tonnen auf Basis des RD-120 zu entwickeln. In den Jahren 2015-2016 wird die technische Dokumentation erstellt und danach von 2017 bis 2020 erfolgt die Fertigstellung als auch die ersten Brennversuche des Triebwerks.   

Zum Schluss, von 2019 bis 2020, wird die Fertigstellung der Raketenstufe mit dem RD-120 Acetam Triebwerk erwartet. Die Flugerprobung des kleinen RD-161 AC sei aber früher zu erwarten. 

Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #3 am: 20. November 2012, 22:04:09 »
RD-161AC, technische Daten

Nach Unterlagen von NPO Energomasch hat das weltweit erste Acetam Triebwerk, RD-161AC, folgende technische Daten:

Km – 2,13
Brennkammerdruck – 120 Bar
Schub im Vakuum – 3 Tonnen
Sp.Impuls Vakuum – 395s
Trockenmasse – 120 kg
Acetamdruck – 2 Bar
Acetamtemperatur – -40C

Das Verhältnis von Acetylen zu Ammoniak wurde vorerst auf 32% zu 68% festgelegt und wird weiter optimiert. Noch zu Dichte des Treibstoffes und ein Vergleich zu Wasserstoff:

Acetam – 590 kg/м3

Acetam/Sauerstoff – 880kg/м3
Wasserstoff/Sauerstoff – 350kg/м3

Ja, die Werte sind wirklich hervorragend und in Verbindung mit der sehr hohen Dichte, freundliche Lagerung, um die 2000% billiger als H2, erhalten wir einen zukunftsträchtigen Treibstoff.   

Die Brennversuche des RD-161AC und somit die Optimierung des Treibstoffes beginnen 2013 und werden 3-4 Jahre dauern. Meine Berechnungen haben aber auch gezeigt das ein Impuls von 415s, abhänig vom Triebwerk und dessen Parameter und insbesondere vom Verhältnis der Düse, möglich ist. Fakt ist, die erste Acetam Trägerrakete werde früher als die geplante Methan Trägerrakete starten. 

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #4 am: 21. November 2012, 09:19:14 »
Angara-A5 RB mit Keriosin, H2 und Acetam, ein technischer Vergleich

Um die Leistungsfähigkeit des Acetam zu zeigen, wobei einge Vertreter der russischen Raumfahrtindustrie von der Möglichkeit sprechen das Acetam eines Tages ev. H2 ablösen könnte, poste ich die folgende Tabelle einer NPO Energomasch Fachpublikation.

Basis der Analyse ist eine Angara-A5 mit Beschleunigungsstufen mit AT-DMG, Kerosin, H2 und Acetam Treibstoff. Eine ausführliche Übersetzung ist wahrscheinlich aber nicht notwendig, die Zahlen sprechen für sich.


Quelle: NPO Energomasch

Beschleunigunsstufe mit H2 vs. Acetam

Treibstoffmasse: 16,25 und 17,77 Tonnen
Trockenmasse der RB: 3,85 und 2,78 Tonnen, Acetamstufe ist um 1 Tonne leichter

Länge der RB: 9,3 und 5,8 Meter
Durchmesser: 4,1 und 4 Meter, Acetamstufe ist in der Länge um 3,5 Meter kleiner

Schub der Triebwerke: 7,5 und 3 Tonnen, bei Acetam ist der RD-161AC
Masse der Triebwerke: 305 und 120 kg, Acetamtriebwerk ist um 200 kg leichter!!!
ISP: 468s und 395s, Obwohl der ISP bei H2 weit grösser als bei Acetam ist, aber aufgrund der hohen Dichte kommt die Nutzlastmasse sehr nahe an H2.

Nutzlast auf eine GEO Bahn: 5,09 und 4,6 Tonnen

Insgesamt ein überwältiger Vortel, dazu kommen noch die Eigenschaften die ich schon erwähnt habe, für den zukünftigen Treibstoff.




jakda

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #5 am: 21. November 2012, 10:43:58 »
Helft mir mal ...
Acetam - das deutsch Acetyl - Mischung Acetylen und Ammoniak?

... fragt sich ein in Chemie nicht gerade gut gewesener jakda

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #6 am: 21. November 2012, 10:50:25 »
Helft mir mal ...
Acetam - das deutsch Acetyl - Mischung Acetylen und Ammoniak?

... fragt sich ein in Chemie nicht gerade gut gewesener jakda

Acetam ist die russische Bezeichnung für den neuen Treibstoff, dabei handelt sich um eine Mischung von Acetylen und Ammoniak.

Offline Fabi485

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #7 am: 21. November 2012, 10:58:40 »
Da stellen sich für mich dann einige Fragen.

Soweit ich das (mit meinem etwas angestaubten Chemie Wissen) noch in Erinnerung habe sind Acetylen und Ammoniak nicht so ohne weiteres mischbar (polares und unpolares Molekül).
Auch die Siedepunkte dieser beiden Stoffe sind recht unterschiedlich, Acetylen ist zwischen -84 und -80 Grad flüssig und Ammoniak zwischen -77 und 33 Grad.

Da stellt sich schon ein wenig die Frage wie das technisch umgesetzt werden soll.
Vielleicht haben wir aber auch irgendwas an der Mischung falsch verstanden.

ilbus

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #8 am: 21. November 2012, 11:36:29 »
In dem von dem Gast-N reingestelltem russischem Papier wird unter anderem auf die Toxizität von Acetyl eingeganggen. Die wird hauptsächlich durch das Ammoniak verursacht und durch die neutralisierende wirkung von Acetylens(Ethin) veringert

websquid

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #9 am: 21. November 2012, 12:29:25 »
Schub der Triebwerke: 7,5 und 3 Tonnen, bei Acetam ist der RD-161AC
Masse der Triebwerke: 305 und 120 kg, Acetamtriebwerk ist um 200 kg leichter!!!
Grundsätzlich ist ein Acetamtriebwerk also nicht leichter... 40% der Schubkraft und 40% der Masse.
Aber an den sonstigen hier aufgeführten Vorteilen ist natürlich was dran - die leicht schwächere Leistung gegenüber Wasserstoff dürfte durch die zumindest theoretisch deutlich billigere Technik soweit ausgeglichen werden, dass das Preis/Leistungsverhältnis mindestens gleich gut ist.

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #10 am: 21. November 2012, 14:27:57 »
Schub der Triebwerke: 7,5 und 3 Tonnen, bei Acetam ist der RD-161AC
Masse der Triebwerke: 305 und 120 kg, Acetamtriebwerk ist um 200 kg leichter!!!
Grundsätzlich ist ein Acetamtriebwerk also nicht leichter... 40% der Schubkraft und 40% der Masse.
Aber an den sonstigen hier aufgeführten Vorteilen ist natürlich was dran - die leicht schwächere Leistung gegenüber Wasserstoff dürfte durch die zumindest theoretisch deutlich billigere Technik soweit ausgeglichen werden, dass das Preis/Leistungsverhältnis mindestens gleich gut ist.

Deine Aussage ist nicht ganz korrekt.

Zunächst, es geht nicht um Schubkraft und Masse Verhältnis eines Acetamtriebwerks, sondern explizit um das Gesamtpaket bei einer Angara-A5 und der zu befördenden Last  im Vergleich zu anderen Treibstoffen.

Ein noch ganz wichtiger Aspekt möchte noch kurz erwähnen, dazu habe ich auch Diagramme. Es geht um das Verhalten bei Betankung der Trägerrakete am Startplatz. Im Baikunur haben wir ein Temperaturspektrum von -45 und bis 50 Grad im Sommer und das hat einen Einfluss auf das Verhalten und  Verflüchtigung der Treibstoffe bei der Betankung. Bei Acetam haben wir keinen signifikanten Unterschied in den Jahreszeiten und somit der technischer Aufwand bei weiten nicht mit einer H2 Betankung vergleichbar ist.
 

Die Untersuchungen haben gezeigt, das wir kein Triebwerk mit 7,5 Tonnen für die fast gleiche Nutzlast benötigen, sondern ein kleines mit 3 Tonnen Schub wäre ausreichend. Das sind schon Unterschiede da die H2 Triebwerke durch ihre Bauart und die damit verbundenen enormen Leistung der Turbopumpen im Preis sehr teuer sind. Dazu gab es mehrere Aussagen der verantwortlichen von Skolkovo als auch von der NPO Energomasch Seite. Selbst die Verwendung bei der Proton Trägerrakete wird erwogen.   

Insgesamt ist Preis/Leistungsverhältnis recht deutlich auf der Acetam Seite, siehe auch Aussagen als auch diverse Publikationen und meine Postings hier im Forum.

Offline Fabi485

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #11 am: 21. November 2012, 15:02:01 »
Toll wäre es schon, nur irgendwie fehlt mir der Glauben....

Sieht auf dem Papier sicher alles toll aus, ob / wie / wann es dann umgesetzt und praxistauglich ist steht auf einem anderen Blatt.

Wir reden von 3-4 Jahren Brennversuchen / erster Einsatz ca. 2020.
Bis dahin kann viel passieren, egal ob technisch oder finanzmässig.

Es ist ja nicht das erste mal das die Russen exotische Treibstoffkombinationen testen und in Erwägung ziehen. Mal sehen was daraus wird.


Offline runner02

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #12 am: 21. November 2012, 16:34:36 »
So
Zitat
weit ich das (mit meinem etwas angestaubten Chemie Wissen) noch in Erinnerung habe sind Acetylen und Ammoniak nicht so ohne weiteres mischbar (polares und unpolares Molekül).

Ethin hat eine dreifachbindung, hier sind also viele Elektronen (-) an einer Stelle konzentriert. Negative Ladung in der Mitte, positive (H+) aussen. Bei Ammoniak ist N mit lauter H (+) umrundet.


(wikipedia, what else)


Sprich H aus Ammoniak wird von den Dreifachbindungen angezogen und somit wird es sich vielleicht schon mischen können.
(über Musk) “He wants to make people a multi-planet species, and he’s not going to quit. He’ll change the model, or he’ll spend more of his own money—he’ll do something. He’s not in it to build the rockets; that’s a means to an end. It’s a religion for him.”

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #13 am: 21. November 2012, 17:32:51 »
Zitat
Toll wäre es schon, nur irgendwie fehlt mir der Glauben....

Es ist ja nicht das erste mal das die Russen exotische Treibstoffkombinationen testen und in Erwägung ziehen

Technologische Entwicklung hat mit dem Glauben nichts zu tun, ansonsten können wir ja alles vergessen.
Bedenke, schon Ziolkowski hat in seinen Werk "Treibstoffe für Raketen", veröffentlicht im Jahr 1936, über H2, Methan, Etylen, Benzol, Acetylen, Sprit und andere sehr ausführlich beschrieben. Die gegenwärtige Entwicklung hat auch absolut nichts mit exotischen Treibstoffen zu tun. Dazu der ausführlicher Link über die geschichtliche Entwicklung der Treibstoffe, von W.F.Rachmanin, NPO Energomasch. 

http://engine.aviaport.ru/issues/57/page42.html 

Möchte noch folgende Aussagen vom  Direktor des NPO Energomasch Inovationszentrum CID, A. Lichvajcev, stichpunktartig wiedergeben.

Ballistische Berechnungen des CID die zusammen mit Keldysch Zentrum durchgeführt wurden, haben gezeigt, das ein Kerosin Austausch der Sojus-2.1b Beschleunigungsstufe auf Acetam, ermögliche eine Erhöhung der Nutzlast um 30 bis 40%. Das ist ja gewaltig!
 
Bezogen auf die Häufigkeit der Starts der letzten Jahre und deren Gesamtnutzlast, können wir mit Acetam für die gleiche Nutzlastmasse die Starts der Träger erheblich senken. Damit haben wir einen effektiven Gewinn von mehreren Milliarden Rubel.

Auch Entwickler von Hyperschall-Flugzeugen bekunden Interesse an Acetam. 

Es geht schlichtweg um wirtschaftlichen Profit der Raumfahrtindustrie, senkung der Kosten, Erhöhung der Effizienz als auch der Zuverläsigkeit der Transportsysteme.

http://synertech.ru/ru/news/420-news-ru-370.html

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #14 am: 21. November 2012, 19:30:04 »
Autor: websquid
Zitat
die leicht schwächere Leistung gegenüber Wasserstoff dürfte durch die zumindest theoretisch deutlich billigere Technik soweit ausgeglichen werden, dass das Preis/Leistungsverhältnis mindestens gleich gut ist.


Beim gleichen Preis/Leistungsverhältnis wäre die Entwicklung des Acetam eine Fehlinvestition und ohne Profit, es geht, wie Lichvajcev schon sagte, um Einsparungen in Milliarden Höhe.


Autor: Fabi485
Zitat
Es ist ja nicht das erste mal das die Russen exotische Treibstoffkombinationen testen und in Erwägung ziehen. Mal sehen was daraus wird.

Exotische Treibstoffkombinationen die auch getestet wurden, belasten die Umwelt zu stark und sind nicht mehr zeitgemäss. Wir haben noch die Proton, als einen sehr starken Umweltverschmutzer im Einsatz. Für das neue Kosmodrom kommen nur saubre ökologische Treibstoffe wie Methan, Wasserstoff, Acetam zum Einsatz.

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #15 am: 21. November 2012, 20:35:29 »
Entspannungsverhältnis - Brennkammerdruck - spezifischer Impuls   



Quelle: NPO Energomasch

Möchte noch eine Tabelle aus einer NPO Energomasch Publikation zu energetischn Daten als auch ein Vergleich zu Kerosin, mit unterschiedlichen Triebwerksparametern insbesondere mit unterschiedlichen Entspannungsverhältnis, hier noch posten. Wie ich schon berichtet habe, selbst ein ISP von 415s ist bei Acetam möglich. Die Daten basieren auf ein Triebwerk mit einen Brennkamerdruck von 166kg/cm2 und einen Entspannungsverhältnis r=10,3 und 25. Das Verhältnis von Sauerstoff zu Acetam ist in Km angegeben als auch der prozentualer Anteil von Ammoniak im Brenstoff.

Es ist leicht erkennbar das Werte von 395s (RD-161AC) bis weit über 415 bis 425s möglich sind und die unterere Kerosin Kurve weit abgeschlagen ist.

Die exakten Mischungsverhältnisse von Sauerstoff, Acetylyn und Ammoniak zu jeden Sp. Impuls  kann ich mir aber ersparen. 

Offline Fabi485

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #16 am: 22. November 2012, 10:59:20 »
Technologische Entwicklung hat mit dem Glauben nichts zu tun, ansonsten können wir ja alles vergessen.

Technologisch habe ich auch noch am wenigsten Bedenken, da werden sicher genug fähige Leute daran arbeiten die das hinkriegen.
Nur ohne Geld & politische Unterstützung läuft auch in Russland nicht viel.

Es gab in Russland in den letzten Jahren / Jahrzehnten viele Projekte (neues Kosmodrom / Angara / diverse andere Nachfolger für Sojus / Proton). Und obwohl diese Dinge durchaus Vorteile gehabt hätten sind sie alle im Sande verlaufen. Das einzige was es wirklich gab waren geringfügige Weiterentwicklungen (z.B. bei der Sojus).

Ein völlig neuer Treibstoff und die entsprechenden Triebwerke sind schon eine völlig andere Dimension.

Versteht mich nicht falsch, ich würde es toll finden wenn es funktioniert und so wie angekündigt kommt. Aber meine Erfahrung / Bauchgefühl machen micht skeptisch.
Sonst hätten wir auch schon viele andere tolle Sachen.




jakda

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #17 am: 22. November 2012, 11:13:50 »
Es gab in Russland in den letzten Jahren / Jahrzehnten viele Projekte (neues Kosmodrom / Angara / diverse andere Nachfolger für Sojus / Proton). Und obwohl diese Dinge durchaus Vorteile gehabt hätten sind sie alle im Sande verlaufen. Das einzige was es wirklich gab waren geringfügige Weiterentwicklungen (z.B. bei der Sojus).

Es gibt bestimmt Projekte, die "im Sand verlauf"...
Aber gerade die, die du aufzählst, sind nicht darunter - oder liest du hier nicht mit?

Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #18 am: 22. November 2012, 20:29:02 »
Autor: Fabi485
Zitat
Ein völlig neuer Treibstoff und die entsprechenden Triebwerke sind schon eine völlig andere Dimension

Die Entwicklung von Acetam hat in Skolkovo als auch bei NPO Energomasch eine sehr hohe Priorität. Der Aufwand ist jedoch nicht vergleichbar mit anderen Projekten wie TEM, MRKN oder Wostotschny. Die heutigen Triebwerke bedürfen nur geringfügige Veränderungen und Ammoniak ist doch schon seit mehr als 40 Jahren bei den Triebwerksbauern bekannt.

Selbst Kerosin als Treibstoff bedarf eine Verbesserung und in Fachpublikationen wird schon seit über 10 Jahren darüber berichtet. Wie ich schon schrieb, arbeitet NPO Energomasch mit polymerbasierten Zusätzen um die Rheologie und somit die Gesamtenergieeffizienz eines Kerosin- Sauerstoff Triebwerks zu verbessern.


In den Jahren 1965 bis 70 wurde das RD-301 Triebwerk, für spätere Beschleunigungsstufen als auch für die dritte Stufe der Proton Trägerrakete, bei NPO Energomasch entwickelt. Diese Demonstrationstriebwerk verwendete als Treibstoff die hochenergetische Kombination Fluor und Ammoniak und verlief sämtliche Tests als auch die offiziellen. Es handelte sich somit um den weltweit ersten und einzigen Triebwerk mit dieser Treibstoffkombination.

Diese Kombination ist heute undenkbar, ganz anders als die ökologischen Treibstoffe wie Methan oder Acetam.

Gast-N

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #19 am: 22. November 2012, 22:38:34 »
Preise der Raketentreibstoffe

Möchte die neusten Preisdaten von Raketentreibstoffen im europäischen Teil Russlands hier präsentieren: 

Sauerstoff - 7 Rubel/kg
Kerosin (RG) - 30 Rubel/kg
H2, gasförmig - 1000 Rubel/kg
H2, flüssig - 2000 Rubel/kg
Ammoniak - 5 Rubel/kg
Acetylen - 90 Rubel/kg

Acetam, (Km=2,0) - 35 Rubel/kg
O2/Kerosin, (Km=2,6) - 13,5 Rubel/kg

Quelle: NPO Energomasch Fachpublikation

Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #20 am: 27. November 2012, 09:50:50 »
Acetam - bereits 2017/18 erste Flug

Zu Acetam habe noch Aussagen vom Direktor des Zentrums für Innovation der NPO Energomasch in Skolkovo Anatoly Lichvajcev als auch von Dmitry Pajson zusammengetragen.

1) Die Entwickler planen bereits im Jahr 2017-18 mit dem ersten Start einer Trägerrakete und einer Beschleunigungsstufe mit dem Acetam Triebwerk.

2) Nach den Worten von Dmitry Pajson, Direktor der Skolkovo Stiftung für kosmische Entwicklungen, werde sich das ersetzen von Kerosin und  Wasserstoff durch Acetam als ein sehr kostengünstiger und effektiver Projekt erweisen.

3) Wasserstoff ist sehr umständlich, erfordert Schutz vor Hitze und ist sehr schwierig zu transportieren. Acetam kann bei Raumtemperatur, wie ein normales Kerosin transportiert werden. Seine Energie ist höher als der von Sauerstoff-Kerosin und durch die sehr hohe Dichte können die Behälter kleinere Abmssungen haben.   

4) Dimitri Pajson hat noch hinzugefügt, dass in Bezug auf die Verbesserung der traditionellen flüssigen Triebwerken sind wir an eine Barriere herangekommen. Es bedarf eine Suche nach neuen Lösungen, Materialien und neue Produktionstechnologien für Brennstoffe.

http://svd.kz/index.php/news/16-v-rossii-razrabotali-raketnyj-dvigatel-na-ammiake

websquid

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Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #21 am: 29. November 2012, 09:59:33 »
Die erste Testproduktion des Treibstoffs ist erfolgt und lief wie erwartet.

Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #22 am: 29. November 2012, 10:25:05 »
Die erste Testproduktion des Treibstoffs ist erfolgt und lief wie erwartet.

Die Produktion im Labormaßstab dient ausschließlich der technologischen Vorbereitung für den Bau einer Pilotanlage für die industrielle Produktion bei der FGUP RNC. Dazu mein Zitat:

Zitat
Die Petersburger Abteilung von NPO Energomasch haben zusammen mit FGUP RNC "Angewandte Chemie" eine Pilotanlage für die technologische Verarbeitung des Acetam im Labormassstab entwickelt, als auch Untersuchungen von Eigenschaften und chemische Beständigkeit der erforderlichen Konstruktionsmaterialien vorgenommen.

In Skolkovo, nach Bereitstellung der erforderlichen Finanzmitteln, wird der Übergang zu nächsten Phase der Acetam-Technologie vorgenommen. Dabei handelt sich um:

1. Bau einer Pilotanlage für die industrielle Produktion bei der FGUP RNC

Paul

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #23 am: 02. Dezember 2012, 21:37:27 »
Autor: Fabi485
Zitat
Ein völlig neuer Treibstoff und die entsprechenden Triebwerke sind schon eine völlig andere Dimension

Die Entwicklung von Acetam hat in Skolkovo als auch bei NPO Energomasch eine sehr hohe Priorität. Der Aufwand ist jedoch nicht vergleichbar mit anderen Projekten wie TEM, MRKN oder Wostotschny. Die heutigen Triebwerke bedürfen nur geringfügige Veränderungen und Ammoniak ist doch schon seit mehr als 40 Jahren bei den Triebwerksbauern bekannt.

Selbst Kerosin als Treibstoff bedarf eine Verbesserung und in Fachpublikationen wird schon seit über 10 Jahren darüber berichtet. Wie ich schon schrieb, arbeitet NPO Energomasch mit polymerbasierten Zusätzen um die Rheologie und somit die Gesamtenergieeffizienz eines Kerosin- Sauerstoff Triebwerks zu verbessern.


In den Jahren 1965 bis 70 wurde das RD-301 Triebwerk, für spätere Beschleunigungsstufen als auch für die dritte Stufe der Proton Trägerrakete, bei NPO Energomasch entwickelt. Diese Demonstrationstriebwerk verwendete als Treibstoff die hochenergetische Kombination Fluor und Ammoniak und verlief sämtliche Tests als auch die offiziellen. Es handelte sich somit um den weltweit ersten und einzigen Triebwerk mit dieser Treibstoffkombination.

Diese Kombination ist heute undenkbar, ganz anders als die ökologischen Treibstoffe wie Methan oder Acetam.


Über dieses RD 301 wollte ich ja eh schon länger mal etwas wissen.Ich kenne es nur aus einem Buch,wo doch diese diese Treibstoffkombination sofort ins Auge fiel.

dazu mal diese Daten aus dieser veröffentlichung.

RD 301- Als Jahr wird darin 1975 angegeben.
Brennstoff: Ammoniak
Oxydator  : Fluor
Brennkammerdruck: 11,80  MPa
Vakuumschub         :   98     kN
Spezifischer Impuls: 3929   Ns/kg
Brenndauer (nom)  : 750     sek

Keine Angaben zu Gewicht und Größe

Entwickelt als Oberstufentriebwerk /Status :Prüfstandserprobung.

mfg


Gast-N

  • Gast
Re: Acetam - russischer Raketentreibstoff
« Antwort #24 am: 04. Dezember 2012, 13:48:55 »
Fluor als Treibstoff


Zitat
Über dieses RD 301 wollte ich ja eh schon länger mal etwas wissen.Ich kenne es nur aus einem Buch,wo doch diese diese Treibstoffkombination sofort ins Auge fiel

Dazu noch folgendes, umfangreiche Infos mit Links habe ich nur in russischer Sprache.

Die Arbeiten an Fluor begannen schon 1954 in OKB-456 unter der Leitung von W.Gluschko und 1958 entstanden Brennkammer EK-500 mit 0,5 und EK-1500 mit 1,5 Tonnen Schub. Anfang 1960 entstad das technische Projekt des Triebwerks  8D21 mit Ammoniak und einen Schub von 10 Tonnen. Die ersten Brennversuche begannen im August 1963 und bis Ende 65 wurden insgesamt 97 mit einer Gesamtdauer von 1200 Sekunden durchgeführt. Neben S. Koroljow für seine N-1 haben sich auch die Militärs für Fluor interessiert.

Nach Ammoniak plante Gluschko die Entwicklung eines Flur/H2 Triebwerks. Die Entwicklung, unter der Bezeichnung 11D16,  begann 1963 und der ISP betrug sagenhafte 475s.

Quelle: NPO Energomasch/Вячеслав Рахманин

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