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Autor Thema: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?  (Gelesen 96538 mal)

Offline pikarl

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Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« am: 12. Juni 2014, 14:16:01 »
Hallo,

wie redmoon gerade nebenan schreibt, ist die ESA wohl bemüht, die Bilder der Rosettamission nur vereinzelt herauszugeben. Vermutlich werden die freigegebenen Bilder vorher allesamt bearbeitet, von Vorgesetzten abgesegnet, vom PR-Team aufbereitet und erst dann ins Netz gestellt. Jedenfalls machte die ESA auch bei früheren Missionen so einen Eindruck - etwa als wir nach der Ankunft von Mars Express wochenlang auf neue Bilder warten mussten.

Zitat
Die OSIRIS-Kamera von Rosetta sollte zwar mittlerweile regelmäßig Aufnahmen von dem Kometen anfertigen, welche dabei von Mal zu Mal deutlich besser ausfallen als die zuletzt veröffentlichten Fotos. Allerdings finden diese Aufnahmen - zumindestens bisher - keinen Einzug in die Öffentlichkeit. Von "zeitnahen Veröffentlichungen" einmal ganz zu Schweigen...

Im Vergleich zur NASA zeichnet sich die ESA in Bezug auf das Thema "Öffentlichkeitsarbeit" ( zumindestens meiner Meinung nach ! ) in erster Linie nach wie vor dadurch aus, dass dabei ein erheblicher Nachholbedarf herrscht.
...
Von einer kontinuierlich erfolgenden Veröffentlichung aktueller Aufnahmen wage ich sowieso bereits seit mehreren Monaten nicht mehr zu träumen... Abgesehen von kleinen "Appetithäppchen", welche von Zeit zu Zeit erscheinen werden - so meine gegenwärtige Einschätzung - wird dabei wohl in den nächsten Monaten nicht allzu viel herausspringen

Was machen wir daraus? Ich denke, wir (die Öffentlichkeit) müsste den Druck erhöhen. Wir sollten uns nicht mit der bisherigen Frequenz an Neuerungen zufrieden geben, sondern die NASA als Standard nehmen. Alle NASA-Bilder - selbst die schmutzigsten Navigationsbilder - landen in Echtzeit im Netz. Wir erwarten, dass eine milliardenteure Mission aus Europa mindestens die gleiche Transparenz zeigt.

Die ESA schuldet der Öffentlichkeit, sich endlich an heutige Standards der Wissenschaftskommunikation anzupassen, gerade wenn es sich um ihre Vorzeigemission handelt.

Ich wäre stark dafür, eine öffentliche Kampagne zu starten, um den Druck auf die ESA zu erhöhen. Ideen dazu sind willkommen. :)

PS: Ich vermute die ESA hat Angst, im Falle von Problemen ausgelacht zu werden. Aber wir alle wissen, dass Raumfahrt immer riskant ist und Fehler nun mal passieren. Noch dazu wird eine Mission umso spannender, wenn sie am seidenen Faden hängt (siehe Apollo 13).

PPS: Wie dringend eine Kampagne ist, zeigt ein trauriger Kommentar im Blog der Planetary Society, auf den Redmoon hinweist: Als ein NASA-verwöhnter Planetologe die ESA-Verantwortlichen zu mehr Offenheit drängte - und ein Abfuhr erhielt. ???

Zitat
I tried to leverage their outreach success to date: please, please.. continue even stronger and try to remove the sharp edges of your well-established 6 month embargo for PI’s.. See fantastic results in UMSF and other internet places if you need to be convinced..

“Body language” answer: we fully understand.. we know about UMSF.. not immediately, but perhaps from Q1 2015 onwards??
« Letzte Änderung: 12. Juni 2014, 17:20:14 von pikarl »

Offline tobi

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #1 am: 12. Juni 2014, 14:30:35 »
Es ist die ESA, wen wundert das? Diese öffentlichkeitsscheue Politik wird da doch schon seit Äonen gefahren ohne das sie sich geändert hätte. Und das zieht sich durch die komplette europäische Raumfahrtpolitik. Ich glaube nicht, dass sich da was ändert in den nächsten 30 Jahren. :-\

Es ist ein Austausch großer Teile der Führungsetage (nicht nur ESA, auch national) notwendig, damit sich hier etwas ändern kann. Befördert werden ja auch nur Leute mit derselben Denkweise. Daher wird sich hier auch nichts ändern.

Ich mache mir da keine Hoffnungen mehr, was die PR Arbeit bei der ESA angeht. :(
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McFire

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #2 am: 12. Juni 2014, 14:58:24 »
@pikarl
Das ist richtig und man sollte es (trotz scheinbarer Hoffnungslosigkeit) durchaus versuchen.
Ein FaceBook und ein Twitteraccount ist evtl nicht so arbeitsmäßig belastend. Ein Thread hier, wo gute Beispiele drin stehn und vlt auch "peinliche" Fragen, wäre eh nötig.
Irgendwie auf undurchsichtigen Kanälen werden die Leutchen ja wohl auch von unserem Geld bezahlt, das muß man ihnen klarmachen und das Gegenteil NASA zeigen. 

waldmannpeter95

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #3 am: 12. Juni 2014, 15:48:16 »
@pikarl:
Ich finde den Vorschlag gut der ESA in Bezug auf ihre unzureichende Öffentlichkeitsarbeit mal auf die Füße zu treten  ;)
@McFire:
Facebook und Twitteraccount sind ein erster Schritt und sicher wichtig um eine größere Gruppe zu erreichen

Vlt. könnte man ja auch mit Raumzeit/Tim Pritlove in Verbindung treten und einen Podcast zum Thema "Öffentlichkeitsarbeit der ESA" machen, nun da dieser Podcast nicht mehr von diesen Organisationen(ESA und DLR) finanziert wird, sollte ja auch Platz sein für einen kritischeren Blick auf diese Organisationen.

Offline Majo2096

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #4 am: 12. Juni 2014, 17:08:34 »
Ich finde den Vorschlag auch gut. Die ESA könnte ja gerade jetzt am Anfang der Wissenschaftlichen Mission die Chance nutzen und ein größeres Publikum ereichen als sonst aber es kommt nichts an bildern in die öffentlichkeit.

Hab zwar keine Ahnung aber was haltet ihr von einer Online Petition ? Denke bei einem gut organisierten Aufruf könnte man eine beachtliche menge Menschen überzeugen

PS: das Problem währe wohl gegen wenn oder was man die Petition macht die ESA gehört ja nicht zu EU also müsste man wohl gegen die 20 Mitglieds-staaten selber irgendwas machen

McFire

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #5 am: 12. Juni 2014, 17:18:44 »
Falls es was bringt, mal etwas optisch lecker zu zeigen/anzuordnen : Wenn ich Skizzen und das Material dazu bekomme, schreib ich 'ne kleine Webseite drumherum. Platz genug hab ich.

FB oder Blogs haben ja ihre Grenzen, was Optik anbelangt.  Webseiten selbst schaut zwar kaum noch einer an, aber man kann zwecks mal was schön zeigen hinverlinken.
Allerdings vermute ich, daß es hier Webmaster gibt, die mehr können als ich....

Offline Majo2096

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #6 am: 13. Juni 2014, 04:32:56 »
Ja ein wenig Öffentlicher druck schadet nicht hab deshalb mal einen kleinen Artickel http://www.raumfahrt-astronomie.blog.de/2014/06/12/kritik-oeffentlichkeitsarbeit-esa-18658361/
auf meinen neuen kleinen Blog geschrieben http://www.raumfahrt-astronomie.blog.de/

Offline tobi

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #7 am: 13. Juni 2014, 11:19:25 »
Es gibt übrigens tatsächlich eine Möglichkeit, wie die ESA transparenter werden kann. Sie muss eine EU-Agentur werden oder alternativ mindestens die Finanzierung muss mehr über EU-Seite kommen. Die Raumfahrtprojekte der europäischen Union sind ein Hort der Transparenz im Gegensatz zur abgeschirmten ESA. Wenn Rosetta von der EU bezahlt worden wäre, dann würde die Sache deutlich anders laufen.

Aber wer will das im aktuellen politischen Klima? Hier Forum bin ich ja schonmal offensichtlich der einzige, der dafür ist.

Wörner sieht nur eine kalte Kartoffel, Le Gall hat ihm inzwischen zugestimmt.

Alles bleibt also beim alten in der europäischen Raumfahrt.
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Offline -eumel-

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #8 am: 14. Juni 2014, 02:15:12 »
@tobi:
Bisher ist es Dir noch nicht gelungen, klar darzustellen, warum Du bei einer Zuständigkeit der EU positive Effekte für die Raumfahrt erwartest.
Offenbar wurdest Du von ESA und DLR enttäuscht und meinst, andere könnten nur besser entscheiden.
Aber wieso und in welchen konkreten Bereichen enttäuschen ESA und DRL und wieso genau sollte das unter EU besser laufen?
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Offline -eumel-

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #9 am: 14. Juni 2014, 03:42:38 »
Vermutlich werden die bei ESA und DLR gar nicht verstehen, was wir eigentlich wollen.

Für die ist alles ganz normal:
Die Mission läuft und alle beteiligten Institute und Firmen sind bei der Arbeit.
Für die Öffentlichkeit haben sie schon vor Jahren eine Website erstellt.
Bei besonderen Ereignissen schreibt der jeweilige Pressebeauftragte einen fertigen Artikel, den alle Zeitungen gleich so abdrucken können und fürs Fernsehen gibt´s noch ein kurzes Animations-Video.

Alle machen genau das, wozu sie beauftragt sind. :)
Folgerichtig machen sie das nicht, wozu sie nicht beauftragt sind. ::)

Dass jetzt plötzlich eine interessierte Öffentlichkeit im Internet auftaucht, denen das nicht ausreicht, haben die überhaupt noch nicht wahrgenommen! ???
Wir sind ja auch eine relativ neue Erscheinung! 8)
Die Damen und Herren gehen halt intensiv ihrer Arbeit nach und haben uns noch nicht bemerkt. :-\
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Offline Makemake

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #10 am: 14. Juni 2014, 11:08:38 »
Naja, aber bei der Rosettamission wird doch jetzt schon ordentlich "Werbung" gemacht. ZB die ganze  wake up rosetta Kampagne, der Blog und etliche Videos über die Burns und auch die steigende Sichtbarkeit des Kometen. Wenn dann aber genau diese, ja schon extra um Spannung aufzubauen mit Datum angekündigten Bilder nicht veröffentlicht werden, was soll dann der ganze Wirbel? Das passt nicht zusammen.

Offline tomtom

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #11 am: 14. Juni 2014, 11:35:14 »
redmoon hatte es doch gut erklärt
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=12224.msg292694#msg292694
und eumel zusammengefaßt - jeder macht seinen Job und insgesamt ist der Apparat äußerst schwerfällig.

Die Idee von pikarl find ich gut, wäre doch ein Versuch wert. Allerdings sollte man sich auf den Kern konzentrieren (die ESA und die EU wird man dadurch nicht global erneuern). Der Kern wäre für mich die Aufhebung des Embargos bei Bildern und evtl. die (umständlichen) Entscheidungsprozesse transparent machen.

Wenn ich redmoon richtig verstehe, ist es aber gar nicht die ESA, sondern die Wissenschaft, wenn man gegen das 6-Monats-Embargo angehen will.

Wer ist da Adressat, wer ist Vorgesetzter, wer ist Öffentlichkeit, die es zu mobilisieren gilt.

Offline -eumel-

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #12 am: 15. Juni 2014, 03:20:16 »
Also : ein gewisses Verständnis auch für die PI-Teams, die nun auch die Früchte ihrer zT jahrzehntelangen Arbeit an den Instrumenten ernten wollen.

Natürlich haben wir Verständnis und Hochachtung für die Principal Investigator (PI)-Teams und wollen ihnen nichts wegnehmen!
Ohne ihre langjährige Arbeit gäbe es die Mission nicht.
Sie haben alles konstruiert, einen fürchterlichen Papierkrieg und einen schwierigen Kampf um die Finanzierung gewonnen.
Jetzt, nach 10 Jahren Flugzeit, beginnt endlich die wissenschaftliche Arbeit: Daten zusammentragen und verarbeiten, die richtigen Schlüsse ziehen.
Am Ende wollen sie nach gründlicher Arbeit und mehrfacher Prüfung die Resultate vor den wissenschaftlichen Institutionen präsentieren.

Das wird aber noch mehrere Jahre dauern und so lange haben sie keine Zeit für Öffentlichkeitsarbeit, die ihnen ohnehin nicht liegt.
Das gehört auch nicht zu ihren Aufgaben - es sind Wissenschaftler, die nur zum Schluss in Wissenschaftsjournalen veröffentlichen.
Das heißt, wenn es nur nach denen ginge, würden wir überhaupt keine Informationen kriegen.
Dann müssten wir uns in einigen Jahren ein Wissenschaftsjournal kaufen, was wir vermutlich nicht verstehen würden.

Möglich wurde ihre Arbeit aber nur, weil sie mit öffentlichen Mitteln finanziert wurde.
Nun fragt sich, ob ihnen wirklich das ganze Material allein gehört, wenn wir doch alle dafür bezahlt haben.
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Offline -eumel-

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #13 am: 15. Juni 2014, 04:05:35 »
Was könnte denn schlimmstenfalls passieren, wenn die uns das Rohmaterial der Bilder geben?

aber andererseits kann man die Besorgnis der beteiligten Wissenschaftler auch nachvollziehen, die um ihre Rechte an der Auswertung
der Bilder fürchten (bei der Landung von CASSINI-HUYGENS auf Titan hatte ein Amateur noch vor den beteiligten Wissenschaftlern des
Descent Imager and Spectral Radiometer aus den Rohbildern ein Abstiegs-Panorama zusammengebastelt - bei der komplexen Rotation von
HUYGENS beim Abstieg keine leichte Aufgabe).  Die Sitten werden halt auch immer rauher: bei den Berechnungen zu den Polarisationsmustern in der kosmischen Hintergrundstrahlung,
die kürzlich für Furore sorgten, hat das BIZEP2-Team Daten aus einer Folie mit PLANCK-Daten verwendet, die jemand bei einem Vortrag kurz gezeigt hatte und die dabei abfotografiert wurde (!)
- veröffentlicht war das noch nicht !

Und war das wirklich so schlimm? ???
Das hat doch ihr Resultat in keiner Weise geschmälert.
Es hat nur etwas früher und somit länger ein breiterer Personenkreis daran teilgenommen.
Aber das ist doch nicht die ganze wissenschaftliche Arbeit.
Dazu gehört doch viel mehr, als ein paar Bilder zusammen zu bauen!
Der Wert ihrer Abschluss-Präsentation verliert dadurch nicht, wird höchstens mit größerer Spannung erwartet.


Wir sind doch auch Menschen - und damit neugierig.
Da läuft eine spannende Raumfahrt-Mission und wird einen Kometen aus nächster Nähe erforschen!
Wir wollen zusehen und mitfiebern!
Wir wollen sehen, wie wir uns annähern und wie sich der Komet bei der Annäherung an die Sonne verändert.
Um Veränderungen gut wahrnehmen zu können, braucht man viele Bilder - nicht nur einzelne spektakuläre.
Wir wollen uns möglichst genau vorstellen können, was in unmittelbarer Nähe eines Kometen passiert, wie die Mission läuft.

Wir wollen den aktuellen Status der Raumfahrzeuge verfolgen.
Wie verlaufen die Flugmanöver?
Energieversorgung, Treibstoffe, Temperaturentwicklung, Auswirkungen durch die Kometen-Nähe?
Welche Probleme ergeben sich?

Warum sollen wir das nicht live mitverfolgen können, wenn nun schon erstmals die technischen Möglichkeiten dafür vorhanden sind?
Mit welchem Recht will man uns das vorenthalten?
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McFire

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #14 am: 15. Juni 2014, 12:05:37 »
absolut d'accord !

Ich würde auch freiwillig da hingehen und denen die Arbeit des 'Infomaterial ins Netz' abnehmen.  ;D

Offline tobi

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #15 am: 15. Juni 2014, 15:17:14 »
Bei allem Respekt für die beteiligten Wissenschaftler. Aber das Interesse der Öffentlichkeit wiegt meiner Meinung nach mehr als das Interesse der Wissenschaftler. Schließlich hat die Öffentlichkeit die Mission bezahlt.
Airbus Chef Tom Enders: "Wegwerf-Raketen sind ein Auslaufmodell."

Offline redmoon

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #16 am: 16. Juni 2014, 00:54:17 »
Hallo,

immer wieder beklagen sich deutsche und europäische Raumfahrt-Wissenschaftler darüber, dass die "Politik" nicht genügend Gelder für deren Arbeiten zur Verfügung stellt und die Finanzmittel stattdessen sogar kürzt oder dass ihre Arbeit in der Öffentlichkeit nicht bzw. kaum registriert wird.


Sehr geehrte Wissenschaftler/innen :  Damit habt Ihr leider recht!
Gleichzeitig müsst Ihr Euch aber auch hinterfragen, warum dies denn der Fall ist!!!


Die ESA ist gerade dabei, eine ihrer bisher bedeutendsten planetaren Raummission nach mehr als zehn Jahren Flug durch das Weltall zu ihrem finalen Ziel zu dirigieren. Sollte dabei auch in den kommenden Wochen und Monaten wie bisher alles nach Plan verlaufen, so werden daraus einige "Firsts" resultieren. Die erste Landung auf einem Kometen ( Philae, geplant für den 11. November 2014 ) ist dabei lediglich einer von mehreren Punkten. Aus einem sehr berechtigten Grund wurde deshalb bezüglich der Rosetta-Mission Anfang dieses Jahres zunächst auch ein gewisser "Wirbel" im Internet erzeugt, der sich u.a. auch durch den entsprechenden ESA-Blog manifestiert hat.

In diesem Blog wurden und werden dann auch immer wieder verschiedene aktuelle und immer wieder erneut kritische Ereignisse des Flugverlaufes und der Kommissionierungsphase zeitnah beschrieben sowie über die aktuellen Entwicklungen berichtet. Dort kann man dann auch viele relevante Fakten und Zahlen über Geschwindigkeiten, relative Entfernungen und Annäherungen nachlesen. Meine Bitte dazu :  Macht so weiter! Jeder einzelne dieser Blog-Einträge ist lesenswert und informativ und liefert weitere Informationen zum aktuellen Status der Mission!!!

Was dort - und auch auf der entsprechenden Website der ESA - allerdings fehlt sind aktuelle Fotoaufnahmen des Kometen, welche derzeit sowohl von der OSIRIS-Kamera ( hierfür verantwortlich ist nicht die ESA ) als auch von den Navigationskameras der Raumsonde ( ESA-"Eigentum" ) angefertigt werden.


Warum sind "wir" so scharf auf entsprechende Aufnahmen? Wohl besser als alle Zahlen können entsprechende Aufnahmen verdeutlichen, dass sich Rosetta dem Kometen von Tag zu Tag etwas mehr nähert. Mit jeder Aufnahme wird somit erneut klar(er), dass die Sonde 'auf Kurs' ist. Zugleich können dadurch auch 'Amateure wie wir' den Fortschritt der Mission optisch erfassen und dadurch bedingt weiter von Tag zu Tag 'mitfiebern'.


Genau diesen Enthusiasmus könnte die ESA dann auch für ihre Öffentlichkeitsarbeit ausnutzen, durch welche letztendlich erreicht werden kann und soll, dass auch weiterhin Finanzmittel für die Weltraumforschung zur Verfügung gestellt werden. Die Ansätze Sending a Signal... und Amateur-Astronomen gehen definitiv in die richtige Richtung, sind meiner Meinung nach jedoch noch weiter ausbaufähig...


Eines der wissenschaftlichen Ziele der Kameras während der Annäherungsphase von Rosetta besteht z.B. darin, die exakte Rotationsperiode des Kometen zu bestimmen. Den Wissenschaftlern ist dies - okay, ganz vereinfacht beschrieben - dadurch möglich, indem sie die während der Annäherung zu erstellenden Fotos kalibrieren, anschließend untersuchen und dabei nach regelmäßig auftretenden Helligkeitsveränderungen suchen.

Wie genial wäre z.B. folgendes, von der ESA zu veröffentlichende Szenario : 

"Hallo,

hier eine Sequenz von 30 Aufnahmen. Jedes dieser unkalibrierten Fotos ist mit verschiedenen Daten versehen ( sekundengenauer Aufnahmezeitpunkt, dazu aktuelle Entfernung von Rosetta zu dem Kometen, Wert der dabei gegebenen Winkelabstände zwischen Raumsonde, Komet und Sonne ). Ihr habt jetzt eine Woche Zeit, um uns mitzuteilen, wie lange der Komet braucht, um sich einmal vollständig um seine Rotationsachse zu drehen. Bitte ergänzt Eure Antwort mit einer kurzen Beschreibung Eurer Vorgehensweise.

Als Hauptpreis: Der Gewinner ist dazu eingeladen, am 11. November 2014 die Landung von Philae an einem unserer Kontrollzentren in Köln, Darmstadt oder Noordwijk live zu verfolgen... "


Keiner von uns interessierten Amateuren könnte bei dieser Fragestellung Ergebnisse liefern, die mit den wissenschaftlich begründeten Resultaten der Profis mithalten können, da uns hierfür die wirklich relevanten Daten zu diesen unkalibrierten Fotos fehlen würden. Somit wären unsere Antworten auch keine "Gefahr" für professionelle Publikationen. Aber wir wären zumindestens für kurze Zeit ein "gefühlter Teil der Mission" und würden Rosetta auch in den folgenden Monaten mit einem entsprechenden Enthusiasmus begleiten...

Das Wort "Schade" ist eigentlich definitiv nicht ausreichend, um zu umschreiben, welche Chance sich die ESA und die verschiedenen an Rosetta beteiligten europäischen Institute gerade entgehen lassen...

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Nicht ewig bleibt die Menschheit auf der Erde - Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski

Offline Tycho

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #17 am: 16. Juni 2014, 17:24:18 »
Würde die FIFA handeln wie die ESA, dann fänden sämtliche Spiele der Fußball Weltmeisterschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Jeden zweiten Tag würde ein Foto einer besonders interessanten Szene zusammen mit einer entsprechenden Pressemitteilung veröffentlicht.

Bereits einen halben Tag nach dem Endspiel bekäme das mit Spannung darauf wartende Publikum den neuen Weltmeister im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert, dazu eine hübsch aufbereitete Animation des Elfmeterschießens.

Hurra!

Offline T.D.K.

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #18 am: 16. Juni 2014, 22:35:26 »
Eine Onlinepetition ist zwar schön, allerdings gibt es mittlerweile zu hauf solche Petitionen und nur wenn da ein wirklich großer Interessenskreis zusammenkommt, hat diese überhaupt die Chance von weiter oben gehört zu werden.
Und da gefühlte 80% sich noch immer nur vom TV berieseln/informieren lassen, werden bei so "belanglosenen" Sachen nie genug Leute zusammenkommen. Letztentlich würde wohl selbst bei einer angenommenen Petition wohl nur eine Empfehlung an die ESA weitergeleitet, die dann gleich wieder in einem Aktenordner verschwindet (irgendwann in 20 Jahren stolpert dann per Zufall irgenden Mitarbeiter beim Ausmisten darüber.).

Da die ESA ja wie ich hier gelesen habe wohl nicht EU-Abhängig ist sondern eher von den Mitgliedsstaaten müßte eine Kampagne wohl eher die einzelnen Mitgliedsstaaten treffen. Dazu müßten sich dann aber Interessierte in diesen Staaten zusammenfinden die dann alle zusammen sich drüber bei Ihren jeweiligen Regierungen, der ESA und der EU beschweren damit dann solche sachen die letztentlich ausschließlich von Steuergeldern der EU Bürger Finanziert werden auch wesentlich transparenter werden.

Dazu müste man aber Kontakte aufbauen zu gleichen Interessensgruppen in den jeweiligen Ländern, hier sind Menschen gefragt, die z.B. in diesem Forum aktiv sind und z.B. Bürger anderer EU Staaten sind bzw. der jeweilige Sprache sprechen und in jeweiligen Foren aktiv sind. So könnte man einen wirklich großen Kontaktkreis von Leuten bilden, die dann evtl. etwas zusammen erreichen.

Nur eine Petition im Deutschen Bundestag einreichen bringt in den meißten fällen nichts (erster Satz), außerdem ist der Bundestag nicht die ESA. Nur viele EU-Bürger können da was richten, z.B. letztentlich alle Steuersubvensionierten Forschungsprojekte wesentlich Öffentlichkeitsnäher und transparenter zu gestalten. (Betrifft ja nicht nur die Raumfahrt)

Ich fürchte nur das dauert so lange, da weiß dann schon niemand mehr was "ein Rosetta" ist. ein Stein? Ein Auto? (ach das war ja Isetta), oder vielleicht doch ein Raumschiff?   ;)
Ist denn der Mond auch da wenn niemand hinsieht? ::)

Offline tobi

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #19 am: 17. Juni 2014, 00:47:22 »
Nun in den USA oder auch in Deutschland gibt es Informationsfreiheitsgesetze, wo man auf Antrag Behördeninformation einsehen kann. Ich habe aber keine Ahnung, ob wissenschaftliche Daten einer öffentlich geförderten Mission darunter fallen. Und die ESA ist wie gesagt eine supranationale Organisation, wo sich die Frage stellt, welche Gesetze auf diese überhaupt anwendbar sind. Im Falle einer EU Behörde wäre das deutlich klarer. Vielleicht gibts ja einen Juristen hier, der sich damit auskennt?
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Offline Ruhri

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #20 am: 17. Juni 2014, 09:20:36 »
Als supranationale Organisation ist die ESA, genau wie die EU, zum einen die Gesamtheit der Mitgliedsländer und zum anderen die hauptamtliche Verwaltung. Prinzipiell dürfte an den ESA-Standorten lokales Recht gelten, aber wichtig dürften auf jeden Fall die Verträge sein, mit denen die Mitgliedsländer die Grundlagen der ESA legen. Wenn da nichts explizit zum Thema Öffentlichkeitsarbeit drin steht, obliegt es der Verwaltung. Eine Änderung der Informationspolitik wäre aber sicherlich etwas, womit sich ein ESA-Ministerrat befassen könnte.

Offline pikarl

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #21 am: 17. Juni 2014, 14:06:44 »
Hallo und vielen Dank für eure breite Rückmeldung. Ich denke, wir denken hier alle in eine Richtung: Wir sollten Druck ausüben, dass mehr Bilder freigegeben werden. Die ESA, das DLR und auch das Max-Planck-Institut in Göttingen könnten durch eine einseitige Veränderung ihrer Freigabepolitik nur gewinnen.

Die Frage ist nun, was am zielführendsten ist. Die Anmerkungen von SpaceMech und Redmoon waren aufschlussreich - wir müssten wohl nicht nur die ESA angehen, sondern auch das MPS und ggf. das DLR. Sicher ist es auch nicht verkehrt, den Druck an verschiedenen Stellen anzusetzen.

Ich würde vorschlagen, dass wir zunächst die Entwickler der Kameras anschreiben. Je nach Reaktion können wir dann überlegen, ob wir tatsächlich anfangen, Unterschriften zu sammeln. Das würde ich dann tatsächlich größer anlegen. Wir könnten da mehrere Vereine mit ins Boot holen, auch europaweit und in den USA. Denn gerade dort (wo man NASA-verwöhnt ist), dürfte der Unmut zur eingeschränkten Bilderfreigabe groß sein. An Bord von Rosetta sind immerhin drei US-Instrumente.

Offline pikarl

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #22 am: 18. Juni 2014, 09:42:47 »
Im ESA-Blog zur Rosetta wird in den Kommentaren auch schon nach neuen Bildern gefragt - und Lieferung versprochen.
http://blogs.esa.int/rosetta/2014/06/17/the-big-burns-part-3/#comments

SpaceMech

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #23 am: 27. Juni 2014, 08:58:43 »
Im ESA-Blog zu ROSETTA gibt es jetzt ein Statement des Mission Managers Fred Jansen
zur Freigabe von Bildern der beiden ESA-Navigation Cameras:
anscheinend hat ESA eine Vereinbarung mit dem OSIRIS-Team unterschrieben, der WAC
nicht mit NavCam-Bildern Konkurrenz zu machen.... (Auflösung und Bildfeld ist sehr ähnlich).
Sieht also nicht so aus, als würden wir mehr als 1 Bild pro Woche bekommen .

"As with OSIRIS, we plan to share more NAVCAM images with you as we get closer to the comet.
Because NAVCAM and the OSIRIS wide-angle camera have comparable resolution, we have an agreement
with the OSIRIS team to try and avoid publishing too much NAVCAM data immediately, as they could
be used to yield science data similar to that coming from OSIRIS. All Rosetta science instrument data
have a proprietary period of 6 months, after which they will be publicly available in our archives,
and thus all NAVCAM data will also be available no later than that."   [Fred Jansen/ESA]

Quelle:  http://blogs.esa.int/rosetta/2014/06/25/comet-67pc-g-in-rosettas-navigation-camera/

   Gruss HHg

Offline Michi

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Re: Rosetta: Kampagne für freie Bilder-Weitergabe?
« Antwort #24 am: 27. Juni 2014, 10:49:37 »
Wie werden sich diese Verträge mit der Frist von 6 Monaten auf die Landung von Philae auswirken?

Besteht die Gefahr, dass wir zwar die Mitarbeiter jubeln sehen, aber die ersten Bilder von der Oberfläche, dem Anflug etc. ... erst im Frühjahr 2015 erhalten?

Ich hoffe sehr, dass die ESA die Landung, dieses "World First!" zu einem Event macht. Diese einmalige Chance ergreift Menschen für Raumfahrt und Technik zu begeistern. Dabei spielen Bilder eine wichtige Rolle, vor allem um das Interesse von Laien (wie mir) zu wecken gilt das Sprichwort: "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte". .Hoffentlich ist die ESA da durch keine Verträge gehandicapt.

Grüße Michi

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