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Autor Thema: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou  (Gelesen 39097 mal)

Offline Pirx

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #50 am: 26. April 2012, 13:14:48 »
Auf sciencemag.org hieß es am 23. April 2012, die ESA habe weiterhin keinen Kontakt zu Envisat.

Nutzer der Radarbilder von Envisat könnten möglicherweise solche von kanadischen Radarsatelliten verwenden, diesbezüglich gebe es eine Vereinbarung zwischen der ESA und Kanada.

Radarhöhenmesser-Daten könnte CryoSat 2 liefern.

Für die Erforschung der Atmosphäre und Untersuchung der Luftqualität gebe es laut sciencemag.org aber derzeit keine adäquaten Alternativen. Der Start des entsprechend ausgerüsteten Sentinel 3 sei für 2014 geplant.

Bei Nature hieß es am 24. April 2012, man halte laut Manfred Warhaut vom ESA-Standort Darmstadt sowohl den Ausfall des Hauptcomputers von Envisat als auch des zentralen Energieversorgungssystems des Satelliten für denkbar.

Gruß   Pirx
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Offline Pirx

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #51 am: 27. April 2012, 09:07:01 »
Dort http://gmesdata.esa.int/web/gsc/news/20120426 berichtet die ESA mit Datum vom 26. April 2012, dass man die Chancen, noch einmal Kontrolle über den Satelliten zu bekommen, für eher gering hält.

Die Bemühungen, Verbindung zu Envisat zu bekommen, laufen weiter. Aus den zuletzt von Envisat empfangenen Daten versucht man darauf zu schließen, was an Bord geschehen sein könnte.

Gleichzeitig untersucht man, wie man den Ausfall von Envisat bestmöglich kompensieren kann, bis die zur Fortsetzung der bisher von Envisat durchgeführten Datenerfassungen entsprechenden unterschiedlichen Sentinels im All sind.

Gruß   Pirx
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Offline klausd

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #52 am: 29. April 2012, 18:57:05 »

Ein Interview:

"Wir müssen der Tatsache ins Gesicht sehen, dass wir Envisat verloren haben", so Liebig, Direktor für Erdbeobachtungsprogramme bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

http://www.wiwo.de/technologie/forschung/raumfahrt-envisat-war-unser-arbeitstier/6563186.html

Gruß, Klaus

Offline Terminus

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #53 am: 30. April 2012, 10:36:06 »
Ein Interview:

http://www.wiwo.de/technologie/forschung/raumfahrt-envisat-war-unser-arbeitstier/6563186.html

Interessantes Detail aus diesem Interview: Nach dem letzten geglückten Funkdatenkontakt (bei dem also auch Daten übermittelt wurden) hat der Satellit immerhin noch ca. 10 Stunden lang seine Trägerfrequenz (Carrier) gesendet, allerdings ohne jede Daten. Erst danach ist der Kontakt wirklich vollständig abgerissen.

Ferner interessant:

Zitat
Lässt sich die Fehlerquelle denn bereits eingrenzen?

Liebig: Es ist auf jeden Fall kein Treibstoffproblem. Wir haben zwei Fehlerszenarien, die aufgrund der spärlichen Informationen, die wir haben, schwer zu bestätigen sind: Entweder ist die Stromversorgung der Datenverarbeitung defekt, oder die des ganzen Satelliten.

Terminus

Offline pikarl

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #54 am: 09. Mai 2012, 16:20:22 »
Envisat ist offiziell verloren, sagt die ESA:
http://www.esa.int/esaCP/SEM1SXSWT1H_index_0.html

Man will allerdings noch zwei Monate lang nach möglichen Fehlerursachen fahnden. So lange soll es auch noch weitere Kontaktversuche geben.

Und: Sentinel-3 soll jetzt ganz schnell starten, eine Art Envisat-Nachfolger, der statt von der ESA von Eumetsat betreut wird:

Zitat
Now with the end of the mission, the launch of the upcoming GMES Sentinel satellites has become even more urgent to ensure the continuity of data to users, improve the management of the environment, understand and mitigate the effects of climate change and ensure civil security.

Offline Nitro

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #55 am: 09. Mai 2012, 16:33:08 »
Wirklich schade, aber es war nach den anfaenglichen Zeichen zu erwarten.

Nicht nur Sentinel-3 ist ein Envisat Nachfolger, das komplette GMES Programm ist im Prinzip die Nachfolge von Envisat welches sich auf fuenf verschiedene Satelliten und Piggyback-Instrumente bezieht. Dabei uebernimmt jeder Satellit ein bestimmtes Aufgabenfeld von Envisat. Sentinel 1, 2 und 3 sollen in den naechsten zwei Jahren starten mit jeweils einem zweiten Satelliten als Backup ein, zwei Jahre spaeter. Sentinel 4 und 5 sind Instrumente welche auf den naechsten Generationen von Eumetsat Satelliten fliegen werden (MTG und METOP-SG). Bis dahin soll es einen Sentinel 5 - Precurser Satelliten geben um die Luecke zu fuellen.

Das mal nur um zu verdeutlichen welchen Datenverlust man sich hier jetzt gegenueber sieht.  :-\
Bevor man einen Beitrag letztendlich abschickt sollte man ihn sich noch ein letztes Mal durchlesen und sich dabei überlegen ob man ihn genau in diesem Wortlaut auch Abends seinem Partner und/oder Kindern ohne Bedenken vorlesen würde.

Offline Terminus

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #56 am: 09. Mai 2012, 21:25:18 »
Sentinel 1, 2 und 3 ... mit jeweils einem zweiten Satelliten als Backup ein, zwei Jahre spaeter. Sentinel 4 und 5 ... Precurser Satelliten geben um die Luecke zu fuellen.

Das mal nur um zu verdeutlichen welchen Datenverlust man sich hier jetzt gegenueber sieht.  :-\

Es verdeutlicht auch schön die Anspannung, der sich damals beim Start von Envisat die Verantwortlichen gegenüber gesehen haben müssen. ;)

Aber ich glaube, die Verlustquote bei diesen "Flaggschiffmissionen" ist bis jetzt bemerkenswert makellos. Oder ist jemals so eine milliardenteure Mission wie Viking, Cassini, Rosetta, Envisat oder neulich Curiosity schon gleich beim Start gescheitert? Mir fällt jedenfalls nichts ein.

Terminus

Offline Pirx

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #57 am: 09. Mai 2012, 22:44:21 »
Hubble Spiegel? Atlas-Able Pioneer? Cluster? Ranger-Programm?

(ok, zu den finanziellen Dimensionen hab´ich auf die Schnelle keine Zahlen greifbar)

Gruß   Pirx
Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben. (Alexander von Humboldt)

Offline Marauder

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #58 am: 10. Mai 2012, 12:31:53 »
Naja, das muß man relativieren.

Hubble war kein Totalverlust und wurde später repariert und bei Cluster flog ja das Risiko mit, nachdem man aus Kostengründen auf einen Erststart gebucht hatte. Gingen die nicht sogar für "umme" durch, genau aus dem Grund?

Die Ranger-Sonden waren recht minimalistische Objekte aus den Frühtagen der Raumfahrt und ohnehin Kamikazeflieger, da wurde eher nach dem Schrotflintenprinzip gearbeitet: Irgendeine wird schon treffen. Und für die frühen Pioneer gilt im Prinzip das gleiche. Damals war Raumfahrt noch um einiges experimenteller. Mit einem Milliardenprojekt wie Envisat oder Gallileo, bei dem alles auf eine Karte gesetzt wird und sich die aufgewendeten Ressourcen in einem einzigen Raumfahrzeug bündeln, kann man das nicht wirklich vergleichen.

Vor dem Hintergrund finde ich es auch sinnvoll, künftig die Instrumente wieder auf mehrere (kleinere?) Satelliten zu verteilen. So ist das Risiko geringer, auf einen Schlag gleich alles zu verlieren.

Offline Martin

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #59 am: 10. Mai 2012, 13:41:33 »
Sentinel 1, 2 und 3 ... mit jeweils einem zweiten Satelliten als Backup ein, zwei Jahre spaeter. Sentinel 4 und 5 ... Precurser Satelliten geben um die Luecke zu fuellen.

Das mal nur um zu verdeutlichen welchen Datenverlust man sich hier jetzt gegenueber sieht.  :-\

Es verdeutlicht auch schön die Anspannung, der sich damals beim Start von Envisat die Verantwortlichen gegenüber gesehen haben müssen. ;)

Aber ich glaube, die Verlustquote bei diesen "Flaggschiffmissionen" ist bis jetzt bemerkenswert makellos. Oder ist jemals so eine milliardenteure Mission wie Viking, Cassini, Rosetta, Envisat oder neulich Curiosity schon gleich beim Start gescheitert? Mir fällt jedenfalls nichts ein.

Terminus

... Mars-96? Phobos-Grunt?
Dein Posting kommt ohne Sand nicht an sein Ziel. Wir sind überall. Deine Geo- & Montanwissenschaften | www.wir-sind-ueberall.de

Offline Terminus

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #60 am: 12. Mai 2012, 20:37:04 »
... ist jemals so eine milliardenteure Mission wie Viking, Cassini, Rosetta, Envisat oder neulich Curiosity schon gleich beim Start gescheitert? Mir fällt jedenfalls nichts ein.

... Mars-96? Phobos-Grunt?

Okay, die sind natürlich früh gescheitert, waren aber keine Milliardenmissionen. ;)

GG

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #61 am: 12. Mai 2012, 22:03:22 »
Ich glaube, Mars 96 war schon ein international hoch angesetztes und kostspieliges Unterfangen. Man hat damals nur nicht so viel davon mitbekommen, da das WWW ja noch in den Kinderschuhen steckte.

Offline Terminus

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #62 am: 13. Mai 2012, 09:07:31 »
Ich habe bei Bernd Leitenberger eine recht ausführliche Seite über Mars-96 gefunden und davon ausgehend auch die Homepage des Projektes selbst. Angesichts der vielen geplanten Experimente kann man wirklich Respekt kriegen. Laut B.L. wurden die Gesamtkosten der Mission auf ca. 1 Mrd. US-Dollar geschätzt, davon z.B. 200 Mio. aus Deutschland für die Entwicklung der HRSC (deren Reserveexemplar es ja später doch noch zum Mars schaffte und heute noch da knipst :) ).

Jedenfalls wäre demnach Mars-96 tatsächlich mal eine (die einzige?) Großmission (aka Milliardenmission aka Flaggschiffmission), die schon beim Start gescheitert ist.

Terminus

Offline Schillrich

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #63 am: 04. Juni 2012, 19:08:44 »
Man ist sich des "Müllproblems Envisat" bei ESA bewusst. Offenbar will man das aktiv lösen und den toten Brocken nicht sich selbst überlassen. Was das dann konkret heißen wird, ist hingegen noch nicht so scharf umrissen.
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Offline pikarl

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #64 am: 12. Juni 2012, 08:28:13 »
Ähnliches habe ich neulich auch bei der ESA vernommen. Offenbar will man aber die Zeit abwarten, in der weiter versucht werden soll, wieder Kontakt zu Envisat aufzunehmen - auch wenn die Chancen dafür nahe null sind. Erst danach soll auch laut über eine Beerdigungsmission nachgedacht werden.

Offline Terminus

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #65 am: 12. Juni 2012, 09:09:17 »
Finde ich sehr beeindruckend, dass man sich zu einer solchen "Beerdigungsmission" durchringt. Das kostet ja erstmal Geld, ohne sofort Nutzen zu bringen. Andererseits dürfte die Firma und die Leute, die solche Pionierarbeit leisten, dieses Knowhow später für ähnliche Missionen vermarkten können.

Offline Schillrich

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #66 am: 12. Juni 2012, 09:16:24 »
Der Nutzen ist hier, dass man diesen wichtigen Orbit frei hält. Ein passiver Envisat würde sich über kurz oder lang zu einem nicht mehr zu ignorierendem Gefahren-/Müllrisiko entwickeln. Die anderen Missionen auf diesem Orbit würden arge Probleme bekommen.
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Offline pikarl

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #67 am: 12. Juni 2012, 09:40:36 »
... und angeblich gab es in den letzten Jahren viele und eine zunehmende Zahl von Kollisionswarnungen für Envisat. So lange er steuerbar war, war das kein Problem. Aber jetzt ist wohl vielen bei der ESA etwas mulmig zumute.

Offline Ruhri

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #68 am: 12. Juni 2012, 09:50:29 »
Die Analyse der "Bedrohnungslage" ist sicherlich korrekt. Nur was kann man dagegen tun? Immerhin steht zu befürchten, dass sich Envisat längst in ein mehr oder weniger große Trümmerwolke aufgelöst hat, bevor ein wie auch immer konzipiertes Gefährt fertig entwickelt ist und gestartet werden kann.

DEOS ist doch sicherlich noch lange nicht soweit, und von Smart-OLEV hört man auch nichts mehr. Wann müsste also sinnvollerweise eine Mission starten und ist das tatsächlich zu schaffen?

Offline Marauder

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #69 am: 12. Juni 2012, 11:13:56 »
Grundsätzliche Dockingerfahrung hat man doch und Rücksicht auf eine weitere Betriebsfähigkeit muß man auch nicht mehr nehmen. Hat Envisat denn mögliche Andockpunkte? Es gab z.B. mal das Konzept, sich im Haupttriebwerk zu verankern. Nun hat Envisat ein solches nicht (bitte um Korrektur, falls das nicht stimmt), aber doch zumindest einen Adapter, mit dem er mal auf der Rakete montiert war. Die Abstiegsstufe selbst kann, bis auf die Anflugsteuerung, ja ansonsten durchaus einfach gehalten sein.

Offline Schillrich

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #70 am: 12. Juni 2012, 11:14:48 »
DEOS ist zu klein, wobei ESA durchaus weiß, dass wir DEOS machen.

Selbst wenn so eine Mission ein paar Jahre braucht, um dann "das Problem Envisat" zu lösen, muss man das der sonst verbleibenden Orbitzeit (Lebensdauer des Problems) gegenübersetzen. Da habe ich die Zahl nicht parat, aber das Verhältnis lohnt sich.
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Offline Schillrich

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #71 am: 12. Juni 2012, 11:19:47 »
So einfach ist das mit dem "Andocken" nicht. Das ist auch das Problem bei DEOS: ein "nicht-kooperatives" Ziel. Das gab es bei uns so bisher noch nicht. Man braucht aufwändige Sensoren, Algorithmen und Verfahren auf der einen aktiven Seite, um das Ziel ordentlich zu erfassen, dessen Zustand festzustellen und sicher zu manövrieren. Außerdem müssen wir bedenken: es gibt keinen dauerhaften Kontakt zum Boden, nur mehrere minutenlange Fenster. In dieser Zeit müssen aktuelle Daten übertragen werden, die müssen ausgewertete werden, dann muss manövriert/agiert werden und das Ergebnis muss verifiziert werden. In der langen Phase des Funkschattens danach darf sich nichts gefährliches entwickeln ... alles nicht einfach.

Ein Mensch vor Ort ist quasi sehr flexibel (ein gutes Betriebssystem), aber ein automatischer Roboter? Das ist aufwändig zu entwickeln.

Vielleicht gibt's dann aber schon EDRS ... oder man nutzt TDRS mit? Das würde helfen.
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Offline pikarl

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #72 am: 12. Juni 2012, 11:56:18 »
Selbst wenn so eine Mission ein paar Jahre braucht, um dann "das Problem Envisat" zu lösen, muss man das der sonst verbleibenden Orbitzeit (Lebensdauer des Problems) gegenübersetzen. Da habe ich die Zahl nicht parat, aber das Verhältnis lohnt sich.

Ich habe neulich mit einem der Missionswissenschaftler von SWARM gesprochen, der ja das Erdmagnetfeld sehr genau vermessen soll und insbesondere die Magnetosphäre im Blick haben soll. Ihm zu Folge scheint die Ionosphäre sich derzeit zusammenzuziehen, vermutlich als ein Resultat der globalen Erwärmung, die in oberen Atmosphärenschichten eher kühlend wirkt. Die Daten dafür stammen von der Vorgängermission CHAMP und sollen bald präzisiert werden.

Diese zusammenziehende Ionosphäre könnte das Weltraummüllproblem verschärfen, weil sie die Verweilzeiten im Orbit verlängern könnte. Für Envisat hielt mein Gesprächspartner eine Verweilzeit von 150 Jahren im schlechtesten Fall für denkbar.

Wenn diese Prognose (die die bisher kaum verstandene Dynamik der Ionosphäre berücksichtigt) so stimmt, bräuchten wir definitiv eine Entsorgungsmission für Envisat, egal ob in 10 oder 20 Jahren.
« Letzte Änderung: 12. Juni 2012, 13:20:24 von pikarl »

Offline Kryo

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #73 am: 12. Juni 2012, 12:11:46 »
wir bräuchten es dann auch sicher nicht nur für Envisat.

Offline Schillrich

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Re: Envisat auf Ariane 5G V145 vom ELA-3 Kourou
« Antwort #74 am: 12. Juni 2012, 13:35:02 »
Ja und nein. Akkut wird es quasi für Envisat, da er als dicker Brocken auf einem wichtigen Orbits gestrandet ist. Wenn man Satelliten aus diesem Orbit heraus nimmt, bevor sie "sterben", dann ist ihr weiteres Schicksal nicht ganz so schlimm für den Rest.

Wenn man aber einmal eine funktionierende Technologie hat, wäre das immer gut, um sie dann bei Bedarf abzurufen/loszuschicken.
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