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Raumcon
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Autor Thema: Nukleartechnik für die Raumfahrt  (Gelesen 161482 mal)

Offline Halbtoter

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Nukleartechnik für die Raumfahrt
« am: 17. Dezember 2007, 19:18:56 »
Zitat

Zitat
Diese Leute sind eigentlich recht lustig, leider werden sie ernst genommen und haben sogar eine politische Vertretung.
Ich weiß nicht genau auf welche Leute du anspielst, auf die Grünen?  
 
Die ganze Nuklear-Thematik ist bei weitem nicht nur theoretisch. Es gab Unfälle die zu einer deutlichen Steigerung der radioaktiven Hintergrundstrahlung auf der ganzen Erde geführt haben, und es gibt noch immer duzende Strahlungsobjekte im (Park-)Orbit:


Zitat
Zu nennen sind hier besonders der Wiedereintritt von Kosmos-954 in die Erdatmosphäre im Jahre 1978, wobei 31 kg hoch angereichertes Uran über Kanada freigesetzt wurden. Vier Jahre später verglühte die gleiche Menge Uran bei einem Unfall von Kosmos-1402. Bereits 1964 verteilten sich bei einem Unfall des amerikanischen Satelliten Transit 5-BN-2 mehr als 2 kg in einem Generator enthaltenes Plutonium-238, die anschließend über die ganze Welt verteilt wurden. 1996 brach beim Absturz die russische Sonde Mars-96 auseinander und verteilte das radioaktive Inventar mit 200 g Plutonium über dem Grenzgebiet von Bolivien und Chile. Siehe auch Regina Hagen: Nuclear Powered Space Misssions - Past and Future, in Martin B. Kalinowski (Hrsg.): Energy Supply for Deep Space Missions, IANUS-Arbeitsbericht 5/1998.

Quelle: http://www.iwif.de/wf303-61.htm


Zitat
Die Ansammlung von künstlichen Objekten auf Erdumlaufbahnen ruft auch wegen der Strahlung im erdnahen All ernsthafte Besorgnis hervor. In den letzten Jahren wurden 33 sowjetische Raumapparate mit nuklearen Energieanlagen an Bord gestartet. Nach Abschluss des Flugprogramms wurden die nuklearen Kraftanlagen von den Satelliten abgestoßen und auf eine so genannte Lagerungsumlaufbahn (700 bis 1000 Kilometer Höhe) überführt. Hier wurden die aktiven Zonen, also die Brennelementbündel, abgestoßen.

Gegenwärtig befinden sich 44 russische Strahlungsobjekte auf einer Lagerungsumlaufbahn. Das sind zwei Satelliten, von denen die nuklearen Kraftanlagen nicht abgetrennt wurden (Kosmos-1818 und Kosmos-1867), Brennelementbündel und 12 abgeschaltete Reaktoren mit Flüssigmetallträgern, 15 Brennelementbündel mit nuklearem Brennstoff und 15 nukleare Kraftanlagen ohne Kraftstoff, doch mit Kühlmittel im Sekundärkreis. Sie sollen mindestens 300 bis 400 Jahre passiv auf der Lagerungsumlaufbahn verbleiben. Diese Zeit wird für den Zerfall der Spaltprodukte des Uran-235 bis auf ein sicheres Niveau reichen.

Auch die USA haben ihren Beitrag zur radioaktiven Verschmutzung des erdnahen Weltraums geleistet. Im April 1964 konnte der Navigationssatellit Transit-SB mit einem Radioisotopen-Generator an Bord seine Umlaufbahn nicht erreichen und fiel auseinander. Als er in der Atmosphäre verbrannte, streute er etwa ein Kilogramm Plutonium-238 über dem Westteil des Indischen Ozeans nördlich von Madagaskar aus. Das führte zu einer fünfzehnfachen Erhöhung des natürlichen radioaktiven Hintergrunds auf dem ganzen Planeten. Einige Jahre später stürzte der Wettersatellit Nimbus-B mit einem Uran-235-Reaktor in den Indischen Ozean. Gegenwärtig befinden sich sieben amerikanische Strahlungsobjekte im erdnahen Weltraum in Höhen von 800 bis 1100 Kilometern und zwei weitere auf nebengeostationären Umlaufbahnen.

Die potentielle Gefahr der russischen und amerikanischen nuklearen Satelliten besteht darin, dass weite Gebiete des erdnahen Raums verstrahlt werden können, wenn sie durch einen Zusammenstoß mit Weltraummüll zerstört werden. Außerdem werden vereinzelte Bruchstücke, die nach einem Zusammenstoß und der Zerstörung langsamer als die erste Weltraumgeschwindigkeit fliegen, von der Umlaufbahn abgleiten und im Endeffekt einzelne Abschnitte der Erdoberfläche verschmutzen. In besonders negativen Fällen ist eine beträchtliche Verstrahlung der Atmosphäre möglich.

Quelle:http://de.rian.ru/analysis/20070618/67405147.html

Eigentlich meinte ich allgemein alle Partein oder Vereine die durch Lügen und Falschinformation, egal ob Atomstrom, Massenzuwanderung, häusliche Gewalt, usw um vorsetzlich eine Panikmache zu verursachen um mehr Stimmen oder Spendengelder zu bekommen, aber wenn du die Grünen erwähnst wirst du wohl deine Gründe haben. Leid tun mir nur immer die Leute die darauf rein fallen.




Wenn man sich die Radioaktivität über die Zeit anschaut kann man wirklich einen Anstieg wegen den abgestürzten Satelliten im Jahr 1978 und 1982 erkennen, und vorallem die fünfzehnfachen Erhöhung 1964.  ::)

Wenn man sich aber die Atomtests anschaut weis man eher warum die Kurfe so verläuft.


MartinM

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #1 am: 17. Dezember 2007, 20:29:10 »
Als vorsichtiger Mensch, Umweltschützer und ehemaliges Mitglied bei den GRÜNEN (nein, ich diskutiere in diesem Forum keine politischen Grundsatzfragen) sehe ich das ein klein wenig anders.

Grundsätzlich hast Du recht, die Abstürze von Satelliten mit Radioisotopen-Generatoren oder Reaktoren sind, verglichen mit oberirdischen Atomwaffentests oder Großunfällen in Kernkraftwerken, "Kleinkram". Die Behauptung, dass ein Kilogramm Plutonium-238, über dem Westteil des Indischen Ozeans verteilt, zu einer fünfzehnfachen Erhöhung der radioaktiven Hintergrundstrahlung auf der ganze Erde führte, ist schon abenteuerlich.
Problematisch wird es, wenn Satelliten (oder Raumsonden) mit erheblich größerem radioaktivem Inventar verglühen. Wenn "Gallieo" oder "Cassini" bei einem missglückten "Swing By" in der oberen Atmossphäre verglüht wären), wäre die zusätzliche radioaktive Strahlung nicht einmal messbar. Etwas anders wäre die Situation bei einem Startunfall - entweder das Containment der Radiosotopen-Generatoren halten das aus (dann gibt es keine Probleme) oder sie werden beschädigt. In letzterem Fall würde das Gebiet um die Aufschlagstelle stark radioaktiv kontaminiert. (Es war ursprünglich auch die Angst vor einem Startunfall, der die Protestaktionen gegen "Gallieo" und "Cassini" befeuerte. Das Geschrei bei den Swing-By-Manövern war allerdings reine PR oder, bei einigen, Hysterie.)
Die erwähnten Satellitenabstürze sind auch "nicht ohne" - weil damit radioaktives Material unkontrolliert um die Absturzstelle verteilt wurde.

Der Verbleib ausgedienter Reaktoren und Radioisotopen-Generatoren auf einem stabilen hohen"Friedhofsorbit" dürfte eine recht sichere Methode der "Endlangerung" sein, auch wenn theoretisch das Risiko besteht, dass der Orbit sich durch Kollisionen mit Raumschrott oder Mikrometeoriten ändern könnte.
(Ich würde aber dringend vor Gedankenspielen abraten, "irdischen" Atommüll in den Orbit (oder auf den Mond oder worüber sonst noch spekuliert wird) zu verfrachten. Transportunfälle sind nämlich keineswegs ausgeschlossen.)

Obwohl ich kein Freund von Kernkraftwerken bin, sehe ich die Verwendung von Reaktoren in der Raumfahrt pragmatisch. Im Gegensatz zu Radioisotopen-Generatoren sind die Brennelemente beim Start nur schwach radioaktiv, wenn Uran als "Kernbrennstoff" verwendet wird. Wenn ein Reaktor sogar erst im Orbit "geladen" wird, kann das Umweltrisiko beim Start noch weiter minimiert werden. Bei der Erforschung des äußeren Sonnensystems gibt es keine realistische Alternative zu nuklearen Energiequellen, wobei ich der Verwendung von Klein-Reaktoren gegenüber Radioisotopengeneratoren den Vorzug geben würde, aus Umweltschutzgründen, auch auch weil ich damit rechne, dass der Energiebedarf zukünftiger Raumsonden erheblich höher sein wird, als bisher (z. B. durch die Verwendung von Ionentriebwerken).
Für einen Plamaantrieb - ohne den ich einen bemannten Marsflug für nicht sinnvoll halte - ist ein leistungsstarker Reaktor unabdingbar. In diesem Falle ist das oben erwähnte "Laden" des Reaktor im Orbit kein Hindernis.

Offline Marauder

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #2 am: 18. Dezember 2007, 14:04:54 »
Was mir in dem Zusammenhang durch den Kopf geht: Gibt es eigentlich außerirdische bekannte oder mögliche Uranvorkommen im Sonnensystem?

MartinM

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #3 am: 18. Dezember 2007, 19:07:22 »
Mögliche Uran-Vorkommen: ja, schon Aufgrund der Vorgänge bei der Planetenentstehung ist auf den "Felsplanten" Merkur, Venus, Erde, Mars - wahrscheinlich auch auf "felsigen" Asteroiden und Monden mit Uranvorkommen zu rechnen.
Gesicherte Uran-Vorkommen: nein, aber was wissen wir heute schon von der Geologie anderer Planeten?
"Uran-Asteroide" oder Meteoriten, die die Erde radioaktiv verstrahlen könnten, gibt es trotzdem nur in schlechten Science-Fiction-Stories.

Offline Marauder

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #4 am: 19. Dezember 2007, 11:43:49 »
Zitat
"Uran-Asteroide" oder Meteoriten, die die Erde radioaktiv verstrahlen könnten, gibt es trotzdem nur in schlechten Science-Fiction-Stories.

Die Überlegung ist eher Folgende: Kann man, wenn man für eine groß angelegte Erforschung des äußeren Sonnensystems Brennstoff für Kernreaktoren benötigt, diesen vielleicht außerhalb der Erde gewinnen? Das würde der Kritik an dieser Energieversorgung den Wind aus den Segeln nehmen.
« Letzte Änderung: 19. Dezember 2007, 11:44:55 von Marauder »

Offline Martin

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #5 am: 21. Dezember 2007, 14:16:42 »
Hallo,

Um zu wissen wo man nach Uranvorkommen suche soll, muss man sich nur mal die Erde anschauen. Wir haben einen metallischen Kern (Eisen-Nickel Legierung + einige andere Sachen), einen ultrabasischen Mantel (~Harzburgit), eine basische ozeanische Kruste (~Basalt) und eine saure kontinentale Kruste (~Granit). Schaut man sich nun das Uran an, so stellt man fest, das es in der sauren kontinentalen Kruste gegenüber den Rest angereichert ist. Im Kern gar nicht, im Manter sehr wenig, im der ozeanischen Kruste wenig, und in der Kontinentalen Kruste etwa 3 g/t.
Warum? : Uran kommt in zwei Oxidationsstufen vor, 4 und 6wertig. Außerdem ist es ein sehr großes Atom. Dadurch passt einfach nicht in die Struktur des Kernlegierung und der Minerale des Mantels hinein. Keiner will es haben, es bleibt immer übrig. In granitischen Gesteinen fühlt es sich dagegen zu Hause. Hier kommen Minerale wie Zirkon oder Monazit vor, ideal für Uran und das ähnliche Thorium.  In seiner oxidierten Form ist es leicht in waessrigen Loesungen zu mobilisieren. Schicke ich also eine oxidierende Lösung durch ein Gestein, kann ich das Uran herausholen. Bewegt sich diese Lösung durch einen reduzierenden Bereich, fällt das Uran wieder aus. Uran liebt Kohlenstoff. So kann man die Entstehung von Uranlagerstätten leicht verstehen:
1.Pegmatite (der "Rest" einer granitischen Schmelze) und einige andere hochdiffentierte Magmatite
2.verschiedene hydrothermale Lagerstätten (heiße Lösungen, die in bestimmten Bereichen Uran konzentriert ausgefällt haben: auf Gängen, auf Störungen, in Brekkzienkörpern)
3.sedimentäre Lagerstätten - Lösungen (Oberflaechen-, Grund- und Meerwasser) scheiden Uran in reduzierenden Bereichen ab (in Sandsteinen, Tonsteinen, Kohle, Karbonaten).
Hier in der Heimat des Urans und seiner Umgebung haben wir auf relativ engen Raum (~350 km) sieben verschiedene Uranlagerstättentypen. Wir brauchen also ein marsianisches Erzgebirge. Einen Planeten mit "saurer" Geologie und Wasser. Da fällt mir nur der Mars ein, Venus weiß man nicht genau, Merkur und Mond scheiden aus.

Hinzu kommt dann noch das Problem der Gewinnung: Man muss dazu ersteinmal einen Uranerzkoerper auf dem Mars (oder sonstwo) finden, ihn bermaennisch (-robotisch) gewinnen, das Uran chemisch herausloesen, das Uran sauber durch Ionentauscher oder aehnliche Verfahren aus der Loesung holen, das gewonnen chemische Konzentrat zu Uranhexafluorid umsetzen, mit diesem das 235 Uran anreichern, das angereicherte Uranhexafluorid zu metallischen Uran/Uranoxid/Urannitrid umsetzen und daraus Brennelemente fertigen. Das ist nicht unbedingt sehr einfach.

Was Kernenergie in der Raumfahrt angeht: RTG sind so sicher und das mit ihnen nichts passieren kann. Durch ihre Keramikstruktur können sie nicht zerstäuben, also der Brennstoff kann nicht in lungengängige Form gebracht und auch nicht herausgelöst werden.
Konstruktionsbedingt sieht es bei Reaktoren anders aus: die kann man nicht so kompakt bauen wie RTG, aber dafür braucht man in ihnen kein Plutonium, sondern kann Uran verwenden. Politischer Nachteil: durch die kompakte Bauweise braucht man hochangereichertes Uran. Umweltvorteil: Uran ist vom radiologischen Standpunkt ersteinmal weitgehende unbedenklich (es ist aber genau wie Blei oder Quecksilber ein giftiges Schwermetall). Ein Startunfall mit einen abgeschalteten Reaktor ist daher ökologisch in etwa vergleichbar mit dem Absturz der Proton mit UDMH/UTM diesen Jahr in Kasachstan. Die Sache wir erst dann problematisch wenn der Reaktor läuft und sich Spaltprodukte bilden. Laufende Reaktoren auf LEO sind deshalb nicht zu empfehlen. Wenn man sie aber abgeschaltet in den Orbit sendet und dann von dort nutzt um von der Erde weg zu kommen, also sie nicht mehr zurückfallen können, ist die Sache schon unproblematischer.

« Letzte Änderung: 05. August 2010, 11:30:16 von Martin »
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Drakath

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #6 am: 21. Dezember 2007, 17:24:18 »
Könnte man das Risiko beim Start nicht auch vermindern, indem man auf die Rakete eine Art Rettungsturm mit Fallschirm setzt der die Sonde (oder nur den Reaktor) im Notfall aus der Gefahrenzone bringt?
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2007, 17:26:17 von Drakath »

Offline Voyager_VI

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #7 am: 21. Dezember 2007, 18:08:49 »
Zitat
Könnte man das Risiko beim Start nicht auch vermindern, indem man auf die Rakete eine Art Rettungsturm mit Fallschirm setzt der die Sonde (oder nur den Reaktor) im Notfall aus der Gefahrenzone bringt?

Erscheint mir technisch nicht das Problem zu sein, man müsste die gesamte Sonde dann kompakter bauen (damit die Sonde nicht zerreisst) und damit wird die auch teurer. Ohne internationale Vereinbarungen wird dies aber niemand machen.

Gruß Ingo
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."
Immanuel Kant

Offline Marauder

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #8 am: 07. Januar 2008, 16:58:06 »
Zitat
Erscheint mir technisch nicht das Problem zu sein, man müsste die gesamte Sonde dann kompakter bauen (damit die Sonde nicht zerreisst) und damit wird die auch teurer.

Nüchtern betrachtet bräuchte man diesen Rettungsturm doch eigentlich nur für den Reaktor selbst und nicht für die ganze Sonde?

Offline Klakow

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #9 am: 14. Januar 2008, 23:18:11 »
Hallo Raumfahrtbegeisterte,

weis jemand von euch detailliert über Kernspaltreaktoren bescheid die Im Weldraum eingesetzt werden können?

Es geht mir speziell um den Punkt das im Weltall ja wärme nur abgestrahlt werden kann. Wenn ich richtig informiert bin, (ich bin kein Machinenbauer, sondern E-Technik Ing.) geht eine Ennergieumwandlung von Kernenergie nur über eine Wärmekraftmaschine und dazu braut es soweil mir bekannt ist, eine Kühlung damit z.B. Heliumgas nach einem Turbinendurchlauf gekühlt und dann wieder komprimiert am neuen Prozess mitmachen kann.
Speziell: Gibt es eine Möglichkeit die Restwärme z.B. mittels nachgeschalteter Dampfturbine noch teilweise zu nutzen und hierdurch den Wirkungsgrad zu verbessern und gleichzeitig die Abwärme zu zu senken das mal sie im Weltall schneller wieder los wird?

Gruß, U.Klakow
« Letzte Änderung: 14. Januar 2008, 23:18:52 von Klakow »

Offline Martin

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #10 am: 15. Januar 2008, 01:25:09 »
Hallo,

schau mal hier http://www.world-nuclear.org/info/inf82.html (englisch) und http://www.bernd-leitenberger.de/zukuenftige_antriebe.shtml (deutsch). Wir haben auch schon Threads zum Thema meines Wissens, nutz mal die Suchfunktion, da findest Du bestimmt was. Ich geh erstmal ins Bett,

Gute Nacht

Martin
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Offline technician

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #11 am: 16. Januar 2009, 23:07:59 »
Wie die "orbital debris" quaterly news vom orbital debris Programm der Nasa in ihrer aktuellen Ausgabe vom Januar 2009 berichtet, kam es Anfang July 2008 unerwartet zu einer Trümmerwolke um einen 21 Jahre alten Satelliten, der im Ferbruar 1987 von der damaligen Soviet union gestartet wurde und eine nukleare Stromquelle an Bord hat.

COSMOS 1818 (1987-011A, bzw. 17369) ist der erste von zwei Satelliten (COSMOS 1867, war der andere), welche mit einem weiterentwickelten Nuklearen-Thermoionischen Reaktor ausgerüstet sind, welcher im LEO getestet wurde.

Die Energiequelle von COSMOS 1818 steht in keinem Verhältnis zu den viel einfacheren Thermoelektrischen Nuklear Geräten, welche in den allbekannten Radar-See-Aufklärungssatelliten (RORSATs) in den 70er und 80 Jahren zum Einsatz kamen. Aus der RORSAT-Famile kam COSMOS 954 zu zeifelhaften Ruhm, als er 1978 seine radioaktiven Trümmerteile über Kanada niederregnen lies.

Laut russischen Berichten haben die Reaktoren der beiden Schwestersatelliten 5 und 11 Monate lang gearbeitet. In den folgenden zwei Jahrzehnten kam es zu keinen signifikanten ereignissen bei den beiden Satelliten welche nicht wir Ihre anderen Kollegen der RORSAT Serie in ca.250 km, sondern in rund 800 km Höhe stationiert wurden um vorzeitige Wiedereintritte zu vermeiden.

Bei diesem immer noch nicht geklärten Debris-Ereignis, so der Bericht, wurden Dutzende kleine Trümmerteile freigesetzt.

Nach dem Ereignis, welches um den 4. Juli 2008 stattfand wurde mittlerweile ca. 30 Teile katalogisiert, welche in Orbits von rund 740 bis 860 km bei Umlaufzeiten von 100,4 bis 101,6 Minuten einnehmen.

Weiterhin wird berichtet, dass die Mehrzahl der 30 kleinen Teile sich mit Geschwindigkeiten unter 15m/s vom Satelliten entfernt, was auf ein "verhältnismäßiges Niedrig Energie Ereignis" hindeutet. Gleichzeitig wurde auch sehr kleine Teile freigesetzt, deren Verfolgung nahezu unmöglich sei.

Allerdings deutet viel darauf hin, dass es sich weitestgehen um metallische Komponenten handele, welche Ihren Ursprung im Kühlsystem haben sollen....


Allerdings, so wird berichtet kam es bei dem Schwesterobjekt COSMOS 1867 bisher zu keinem solchen Ereignis.....

mehr auf http://orbitaldebris.jsc.nasa.gov

Offline tobi

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #12 am: 16. Januar 2009, 23:14:51 »
Wie lange dauert es denn bis die Objekte in die Erdatmospäre wiedereintreten ?

OT: Gibt es eigentlich irgendeine Grafik, wo man abhängig von den Bahndaten die Zeit ablesen kann, bis es zu einem Wiedereintritt kommt? Gibt's da vielleicht eine Faustformel oder so?
« Letzte Änderung: 16. Januar 2009, 23:17:35 von tobi453 »
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

Offline technician

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #13 am: 16. Januar 2009, 23:25:55 »
Zitat
Wie lange dauert es denn bis die Objekte in die Erdatmospäre wiedereintreten ?

Von den beim ASAT Test von Fengyun-1C (Orbit des Hauptkörpers ca. 850-880km) sind nach zwei Jahren gerade einmal 2% verglüht.

Tobi auf der von mir angegebenen Seite gibt es auch ein Link zu einem Programm namens DAS (ich glaube damit kann man Wiedereintritts-Ereignisse bestimmen - aber das hängt alles auch vom jeweiligen Sonnenzyklus ab) Bei den chinesischen Trümmerteilen wird davon ausgegangen, dass sie erst in 100 Jahren verglüht sein werden zumindest zeigen dies Grafiken auf www.celestrak.com .....

Hier der Aktuelle Debris-Report (auch für unsere ATV-Freunde interessant):
http://www.orbitaldebris.jsc.nasa.gov/newsletter/pdfs/ODQNv13i1.pdf

PS: Melde dich bitte einmal falls du mit DAS experimentiert hast per PN - mir fehlt dazu gerade die Zeit

Liebe Grüße
Thomas
« Letzte Änderung: 16. Januar 2009, 23:27:41 von technician »

Offline Pirx

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #14 am: 16. Januar 2009, 23:38:59 »
Zitat
....Die Energiequelle von COSMOS 1818 steht in keinem Verhältnis zu den viel einfacheren Thermoelektrischen Nuklear Geräten, welche in den allbekannten Radar-See-Aufklärungssatelliten (RORSATs) in den 70er und 80 Jahren zum Einsatz kamen. ....

Servus Thomas! Wie meinst Du das "steht in keinem Verhältnis?". Die Konstruktion des Topaz-1 in dem auch Plazma-A genannten Sat war vielleicht weniger "primitiv", aber radioaktives Inventar und Kühlmittel sind genauso vorhanden. Und die grössere Orbithöhe ist imho erstmal der Tatsache geschuldet, daß man es bei den RORSATs der ersten Generation nicht immer geschafft hat, das radioaktive Material bei Missionsende des Satelliten in eine höhere Umlaufbahn zu schaffen.
Übrigens soll der Betrieb von Cosmos 1818 bei einigen Experimenten auf Satelliten in wissenschaftlicher Mission für falsche Meßergebnisse gesorgt haben. Nach Quellenlage könnte es sein, daß ein gewisser Gorbi die Weiterentwicklung von Radarsatelliten mit Atomstromversorgung schließlich abbrechen ließ.

Gruß  Thomas

P.S.:
http://www.bernd-leitenberger.de/cassini-rtg.shtml
http://en.wikipedia.org/wiki/Topaz_Nuclear_Reactor
http://www.astronautix.com/craft/plazmaa.htm
http://www.friends-partners.org/partners/mwade/craft/usa.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/RORSAT
http://www.svengrahn.pp.se/trackind/RORSAT/RORSAT.html
« Letzte Änderung: 16. Januar 2009, 23:42:32 von tonthomas »
Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben. (Alexander von Humboldt)

Offline technician

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #15 am: 16. Januar 2009, 23:49:35 »
Hallo Thomas ich denke, dass damit die Bauweise und die zum Einsatz gekommene Technologie bewertet wurde - nicht die eigentliche Leistungsfähigkeit oder die an Bord befindliche strahlende Masse...

Egal wie- ich bin der Meinung, dass man das tickende Zeug da lassen sollte wo es ist - in der Erde oder halt im Raum wo es seine natürliche Position hat.....   ich denke das sollte weitestgehend möglich sein.

Thomas

Offline Pirx

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #16 am: 31. Januar 2009, 13:03:18 »
Zitat
...COSMOS 1818 (1987-011A, bzw. 17369) ist der erste von zwei Satelliten (COSMOS 1867, war der andere), welche mit einem weiterentwickelten Nuklearen-Thermoionischen Reaktor ausgerüstet sind, welcher im LEO getestet wurde.....
COSMOS 1818 ist eine Entwicklung des KB Arsenal aus Leningrad,
dort gibt es auch eine künstlerische Darstellung des Satelliten im Orbit, noch ohne den Schwarm von Debris (evtl. aus Tropfen von ausgetretenem Reaktorkühlmittel):


(Quelle: KB Arsenal)
(zum Vergrößern anklicken)

Cosmos 1818 hat, wie auch in der Darstellung hier sichtbar, keine Radarantennen für die Ozeanüberwachung, und lt. KB Arsenal auch keinen abtrennbaren Reaktorkern. Wenn er denn irgendwann (nach aktueller russischer Berichterstattung im Jahre 2045) den Wiedereintritt beginnt, dann mit dem kompletten TOPAZ-Reaktor (im Bild am rechten Ende des Satelliten).

Gruß   Thomas
« Letzte Änderung: 31. Januar 2009, 13:07:54 von tonthomas »
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Offline Pirx

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #17 am: 01. Februar 2009, 18:36:10 »
Zu Cosmos 1818 siehe auch:
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/31012009165135.shtml

Gruß   Thomas
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Offline Martin

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #18 am: 07. Juni 2010, 08:30:46 »
Weil wir hier gerade darauf gekommen sind: Hier und hier gibt es Bilder vom KIWI-TNT Test. Verwendet wurde ein KIWI B Reaktor mit 1000 MWt Leistung.
Fuenf dieser Reaktoren wurden gebaut und bis 1964 unter normalen Bedingungen in Nevada getestet. Dabei verbrauchten die Reaktoren 66 lbs/sec (30 kg/s) LH2. (Nuclear propulsion-a historical perspective, Stanley Gunn, Space Policy 17, 2001)
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Offline runner02

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #19 am: 07. Juni 2010, 21:42:57 »
Zitat
Dabei verbrauchten die Reaktoren 66 lbs/sec (30 kg/s) LH2

Welche Ausströmgeschwindigkeiten wurden dabei gemessen??

Zitat
KIWI B Reaktor mit 1000 MWt Leistung

Weißt du zufällig, wieviel Masse diese hatten?
(über Musk) “He wants to make people a multi-planet species, and he’s not going to quit. He’ll change the model, or he’ll spend more of his own money—he’ll do something. He’s not in it to build the rockets; that’s a means to an end. It’s a religion for him.”

Offline Martin

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #20 am: 08. Juni 2010, 04:16:02 »
Hier gibt es jede Menge Diagramme und Graphiken zu den Rover Reaktoren: Klick (.pdf)

Den hoechsten Schub erreichte das Triebwerk Phoebus-2A mit 930 kN bei 120kg/s LH2 Fluss und 5,000MWt (2,3kg/MW), den hoechsten Impuls Pewee mit 838 sec (8212 m/s).
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Offline runner02

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #21 am: 08. Juni 2010, 20:01:07 »
Zitat
Rover Reaktoren
Die waren Mobil? Ist ja krass...

Interessant...

8212 m/s diese Performance ist fast doppelt so gut wie die von chemischen Triebwerken, wohl aber noch verbesserungswürdig...
(über Musk) “He wants to make people a multi-planet species, and he’s not going to quit. He’ll change the model, or he’ll spend more of his own money—he’ll do something. He’s not in it to build the rockets; that’s a means to an end. It’s a religion for him.”

Offline Pirx

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #22 am: 08. Juni 2010, 20:28:35 »
Zitat
Rover Reaktoren
Die waren Mobil? Ist ja krass...
Nur insofern, als dass sie auf Eisenbahnschienen zum Teststand befördert wurden.

Gruß   Thomas
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Offline Martin

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #23 am: 10. Juni 2010, 03:08:02 »
Die waren Mobil? Ist ja krass...

Das Programm hiess so, hat nichts mit Rovern im Sinne von Fahrzeugen zu tun.
Dein Posting kommt ohne Sand nicht an sein Ziel. Wir sind überall. Deine Geo- & Montanwissenschaften | www.wir-sind-ueberall.de

Offline Klakow

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Re: Nukleartechnik für die Raumfahrt
« Antwort #24 am: 31. Juli 2010, 23:20:35 »
Hallo Space Mitbegeisterte,

da ich mich schon längere Zeit immer mal wieder mit elektrischen Raumantrieben beschäftige und hier im speziellen mit dem VASIMR Antrieben ( http://www.adastrarocket.com/CostaRica.html )
Stellt sich natürlich die Frage woher man Energien von 200kW oder mehr bekommen kann.
Vor allem wenn man an bemannte Missionen zum Mars oder nach weiter raus denkt bracht man wohl Nuklearenergie und zwar keine RTGs.
Ich habe zwar da ein paar Ideen aber vielleicht weiß da jemand näheres.