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Autor Thema: Vorurteile und falsche Annahmen  (Gelesen 5738 mal)

xray

  • Gast
Vorurteile und falsche Annahmen
« am: 17. April 2002, 13:02:58 »
Ich denke unter den Massen findet die Raumfahrt nur wenig Akzeptanz in Deutschland und Europa. Abgesehn von den "wenigen" Raumfahrt-Enthusiasten ist die breite Masse der Bevölkerung in dem Glauben die Raumfahrt sei eine steuerfressende und wenig Nutzen bringende Angelegenheit.
Wäre die Popularität der Raumfahrt größer und wären sich die menschen über den großen Nutzen im Alltag bewusst, so würde sicher auch die Politik diesen Industriezweig nich so vernachlässigen.
Wie kann es sein das 12 europäische Nationen ihr ISS-Modul aus kostengründen auf die halbe Größe zusammenstreichen während Japan als einzelne Nation ein doppelt so großes Modul baut.
So sagte auch jemand zu mir: Würde die gesamte Raumfahrt nur einen Tag lang streiken, die Menschen würden aus ihrem Tiefschlaf erwachen. Und wenn sie dann noch wüssten, welcher Bruchteil ihrer Steuern eigentlich nur in dieser Branche landen, sie wären sicher überrascht....

mfg...xray

Stefan_Schiessl

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #1 am: 17. April 2002, 14:02:30 »
Hallo xray,

Das leuchtet vielen auch ein, nehme ich an. Das Problem scheint mir, daß wir Raumfahrt-Enthusiasten diese inzwischen lebenswichtigen Leistungen der Erdbeobachtungs- und Kommunikations-Satelliten gerne als Argument für die ganze Raumfahrt nehmen würden, während es für die Skeptiker nur etwas über den Nutzen der unbemannten Raumfahrt im Erd-Orbit besagt, die die Enthusiasten meist nicht so prickelnd finden.

Wenn es um unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen geht, sollte man die Satelliten deshalb meiner Meinung nach nur als ein gelungenes Beispiel verwenden und dann auf die ebenso vielversprechenden, aber noch brachliegenden Felder zu sprechen kommen: Mikrogravitationsforschung & produktion etwa oder Weltraumtourismus.

Und den kulturellen Aspekt der Raumfahrt nicht vergessen–
unsere Medienwelt hungert stets nach neuen Bildern & Eindücken...

Servus, Stefan

xray

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #2 am: 17. April 2002, 19:44:52 »
Hallo!

Wie Stefan schon sagte besteht die Raumfahrt ja aus mehr als nur Erdbeobachtung und Telekommunikation. Auch der Bereich Navigation wird sicher als wirtschaftlicher noch anerkannt, doch das eben auch die Bereiche Wissenschaft, Raumfahrt-Infrastruktur, Trägersysteme und auch militärische Systeme (letztere aber mal nur der Vollständigkeit halber hier mit angeführt) ihre Berechtigung und Nutzen haben, das denke ich wird von der Allgemeinheit nicht oder nur eingeschränkt akzeptiert.

Beispielsweise Grundlagenforschungen zur Proteinsynthese unter Schwerelosigkeit könnten einen ungeahnten Nutzen für  Biologie und Medizin bedeuten.  
Wäre den breiten Massen mehr bewusst an welchen Stellen die Raumfahrt überall ihre Spuren hinterlassen , bzw wichtige Impulse gegeben hat und würde die Popularität genug ansteigen, das es für Politiker ein ernstzunehmendes Thema wird, so finde ich, wäre der Forschung und daraus resultierend auch dem Alltag viel Gutes getan.

In diesem Zusammenhang können wir allerdings schon froh sein, das der Ausbau der ISS für die angeschlagene NASA günstiger gewesen ist als die Einstellung des Projektes.

mfg...

Myrdin

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #3 am: 17. April 2002, 19:58:55 »
Servus! Am schlimmsten finde ich das Argument:"Das Geld für die Raumfahrt könnte auf der Erde viel sinnvoller eingesetzt werden!" Für was denn zum Beispiel?Spendengelder,Naturschutz?Blödsinn! Als ob einer dafür Geld  hergeben würde! Würde sicher nur die Rüstungsindustrie gefördert,als ob die nicht schon genug hätten!!
Es gibt genug Gebiete in der Wissenschaft,wo gewaltige Summen in die Grundlagenforschung fließen,ohne dass etwas dabei herausschaut! Ich möchte nur wissen,was da an Steuern verheizt wird,ohne dass sich jemand darüber beschwert!
Leider ist die Raumfahrt kein politisches Thema,womit man Wählerstimmen gewinnen könnte!Sonst sähe die Sache sicher anders aus... ;)

Offline Dominik Mayer

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  • Beiträge: 162
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #4 am: 17. April 2002, 22:40:50 »
Hallo,

ich finde Raumforschung schon sehr wichtig, aber wenn man bedenkt dass der Weltraum teilweise besser erforscht ist als das Meer stellt sich die Frage ob die Erde nicht auch wichtig ist.

Schöne Grüße
Dominik

nick999999

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #5 am: 18. April 2002, 16:45:17 »
Hallo

Ein Grosteil der Raumfahrt steht im Dienste der Erforschung von Mutter Erde. Ein Beispiel ist Envisat. Auserdem können wir von anderen Missionen auch Rückschlüsse über die Erde ziehen. Diese zwar nicht immer direkt, aber doch sind sie vorhanden.


Cu Nick

xray

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #6 am: 18. April 2002, 18:30:59 »
Ich denke über den Nutzen der Sparte Erdbeobachtung, Telekommunikation..eben dem Satellitengeschäft sind sich die meisten auch bewusst, nur die Ziele der bemannten Raumfahrt und dem damit verbundenen Nutzen für die Forschung und Entwicklung in allen Bereichen ist den meisten nicht klar und dessahlb wird dies leider zum Teil nur als kostenintensive "Spielerei" betrachtet.
Was eben zur Folge hat das dafür nur vergleichsweise wenig Gelder zur Verfügung gestellt werden.

nick999999

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #7 am: 18. April 2002, 20:01:49 »
Eigentlich brauch man nur ein Einziges Argument um Bemante Raumfahrt zu Rechtfertigen. Die menschliche Neugier, den egal wo es neue Grenzen gibt, wird der Mensch versuchen sie zu Überwinden. Und alles was noch dabei an Forschungsergebnissen abfält, ist ein Bonus der besonderen Art.


Cu Nick

xray

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #8 am: 18. April 2002, 20:45:19 »
..nur bei lehren Haushaltskassen würde man nur wegen Neugier nicht mehr Geld Investieren, wenn man sich an anderer Stelle mehr davon verspricht. Man muss den Nutzen schon sehen, um die Ausgaben zu rechtfertigen. Anders würde sich niemand dafür einsetzen. Der Nutzen ist ja da...nur eben wird er leider oft unterschätzt.

Spacelord

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #9 am: 19. April 2002, 19:38:15 »
Die Raumfahrt könnte ein größerer Wirtschaftsfaktor sein, als Auto-, Computer- und Telekommunikationsindustrie zusammen. Das Apollo-Programm beschäftigte damals Hunderttausende von hochqualifizierten Facharbeitern, die alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiteten. Die Wirtschaft der USA profitiert davon heute noch (und wir dadurch auch). Im Prinzip ein gewaltiges Konjunkturprogramm. Die Kosten dürften allein durch Steuermehreinnahmen mehrfach gedeckt sein.

Die Idee die dahinter steckt ist reinster Keynesianismus. Der Staat gibt für irgendein Projekt (möglicht ohne Folgekosten) eine gewaltige Summe Geld aus. Vielleicht für eine Mars-Expedition oder ein Weltraumhabitat. Damit werden hoch qualifizierte Kräfte beschäftigt und ein Anreiz gegeben für Schüler und Studenten etwas Naturwissenschaftliches zu lernen (PISA) bzw. zu studieren. Diese Kräfte verdienen natürlich ein gutes Gehalt und sind hoch motiviert, weil sie an etwas Sinnvollem arbeiten (besser als Pokemons zu zeichnen). Und weil Sie mit ihrem Geld etwas anfangen wollen geben sie es auch aus. Für Autos, Möbel, hochwertige Lebensmittel, Kleidung usw. Das kurbelt den Rest der Wirtschaft an, die Kapazitäten werden ausgelastet, es werden neue Arbeitnehmer eingestellt, der Staat nimmt mehr Steuern ein und bezahlt damit die Schulden, die er gemacht hat, um das Großprojekt zu finanzieren. Soweit Keynes. Die Praxis hat ihn widerlegt.

Myrdin

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #10 am: 20. April 2002, 15:15:30 »
Hi! Zum Thema Neugier: Die Neugier ist eine mächtige Kraft doch fürchte ich,dass sie allein nicht Grund genug ist! Wenn man die Geschichten der großen Entdecker etwas näher betrachtet, wird oft klar,was die treibende Kraft für kühne Expeditionen war:GELD,GELD und nochmals GELD!!! >:(
Auch wenn Christopher Kolumbus vielleicht aus Forscherdrang gen Westen segeln wollte,ohne Investoren(sprich dem Königshaus) hätte er nie die Mittel gehabt,seine Reise anzutreten! Und der Wunsch des Königshauses war auch klar:Gold,oder ertragreiche Handelsbeziehungen!
Auch die Wikinger waren nur so gute Seeleute,weil es leichter war,auf dem Seeweg Handel zu treiben!

Daher halte ich es für sinnvoller eher an die menschliche Gier zu appellieren.Mal sehen obs klappt... ;) ;)

defind1

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #11 am: 30. Mai 2002, 12:32:08 »
Natürlich ist dies alles eine Kostenfrage mit der Forschung-auch aus allen Bereichen-die der Steuerzahler aufzubringen hat.
Aber die Philosphie liegt hier doch im Großen und es geht nicht um einzelne Anschaungen.
Es wäre mir persönlich auch lieber wenn sich die Menschen
für solche zukunftsorientierte Bereiche mehr begeistern würden als um ihre persönlichen kleinen Interessen zu kümmern-die ja schon bekannt sind.
Deshalb sind solche Ansätze-wie hier schon wichtig um die
Interessengemeinschaften zu erhöhen.
Ich persönlich bin noch bei Seti@deutschland als Moderator
tätig und unsere Mitgliedszahl wächst stetig was auch hier als
positive Resonanz am Interesse für Astronomie/Raumfahrt bestärkt.
Sind nur einige Beispiele wie man sich persönlich einbringen
kann in verschiedene Projekte.
S.E.T.I = Search for Extraterrestical Intelligence also die
Suche nach intelligenten Lebensformen außerhalb des Solar-
Systems mit Hilfe der Radioastronomie.
Es werden hier bestimmte Himmelsbereiche nach Signalen aus
einem Freguenzbereich abgesucht und von den Mitgliedern-
weltweit ca 3.4 Millionen User ausgewertet und zurückgesendet.
Viele haben sich zu Vereinen/Clubs zusammengeschlossen und sind eine Gemeinde von begeisterten Menschen,zu denen
auch die Astronomie und Raumfahrt zählt.
Wie ich meine ein sehr interessantes Hobby das immer mehr Anhänger in seinen Bann zieht! :D
URL:http://www.seti-deutschland.de

defind1

jungt

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #12 am: 31. Mai 2002, 09:11:41 »
Hallo zusammen,

ihr diskutiert hier ueber die Moeglichkeiten die Oeffentlichkeit besser zu informieren oder sie zu begeistern von den Themen die uns (als Raumfahrtbegeisterte) interresieren. Als Ansatzpunkt wuerde ich empfehlen einmal darueber nachzudenken was uns an diesen Themen so begeistert.
Ich habe das mal versucht und bin einfach klaeglich gescheitert. Fuer mein Interesse gibt es keine logische Erklaerung, es ist einfach da!
Auch ich kann vielen anderen Themen keine interessante Seite abgewinnen. Wuerde ein Enthusiast auf einem Gebiet versuchen mir sein Thema naeherzubringen, waere seine Aussicht auf Erfolg gleich Null.
Daher denke ich, man sollte versuchen lediglich eine Akzeptanz in der Bevoelkerung zu erreichen, die die Bereitstellung von ausreichend Resourcen fuer die weitere Forschung und Entwicklung ermoeglicht.

Ich denke auch, das in der Vergangenheit viele visionaere Projekte einfach eingestellt wurden nachdem viel Geld hineingesteckt wurde, und das vielmal nur weil einzelnen Beteiligten das Hemd naeher war als die Hose. Was passiert den wenn in der ESA ein Grossprojekt, wie Galileo jetzt, ansteht. Die einzelnen Mitgliedslaender streiten sich um jeden Pfennig hin und her. Einzelnen Beteiligungen werden Monatelang genau ausgehandelt. Natuelich schafft so ein Verhalten lediglich Verwirrung in der Bevoelkerung ("Wenn es wirklich so erfolgversprechend ist, warum wird das Geld dann nicht einfach investiert? Wahrscheinlich sagen die das alles nur um uns mehr Geld aus der Tasche zu ziehen! Raumfahrt ist doch Sch... und kostet nur unnoetig Geld !! ").

Um nun die oeffentliche Meinung zu aendern muss eben PR gemacht werden. Und damit meine ich nicht diese halbwissenschaftlichen Sendungen auf Pro Sieben, denen der Transport von ENVISAT zum Startplatz mehr Sendezeit wert war als die tollen Moeglichkeiten die dieser Satellit bietet.
Hier sind die Raumfahrtorganisationen aber auch die Raumfahrtverbaende wie der VFR gefragt. Sie muessen sich als kompetente Ansprechpartner anbieten und oeffentliche Veranstaltungen organisieren die auch einen entsprechenden Anklang finden. Keine trockenen Vortraege in denen die Mitglieder unter sich sind. Sondern ein "Event" zu dem alle gerne kommen !! Die Leute persoenlich ansprechen. Abholen bei Ihrer Meinung von der Raumfahrt und sie auf eine Reise mitnehmen durch unsere Vorstellungen und Wuensche davon.

MFG Torsten


Offline pikarl

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Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #13 am: 31. Mai 2002, 21:58:27 »
Hallo Torsten,

was du ansprichst, die Vereine sollten mehr Events veranstalten, um die Raumfahrt-apathischen Massen zu überzeugen, halte ich ebenfalls für fast den einzigen und meiner Meinung nach auch wirkungsvollsten Weg. Allerdings ist damit ein schwerwiegendes Problem verbunden: Solche Veranstaltungen sind nicht allzu billig durchzuführen und besonders die deutschen Raumfahrtvereine sind nicht mit großen Vereinstöpfen gesegnet. Anders ist dies in den USA und auf solche Verhältnisse müssen wir hinarbeiten (speziell auf die Raumfahrt natürlich  ;)).
Was wir vielleicht auch bräuchten wäre eine bessere Zusammenarbeit der Vereine, um solche Events gemeinsam durchführen zu können - und dies auch im richtigen Umfang.

Grüße
Karl

ssonne

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #14 am: 12. Juni 2002, 21:55:28 »
SuperSonnenServus,

als langjähriger Space night und Prof. Lesch Fan, sage ich: "alles Bewegt sich".
Die Menschen müssen dazu gebracht werden nicht nur in 1 oder 2 Generationen, sondern auch öfteres in astronomischen Zeiteinheiten zu denken. Unsere Wunderschöne Erde wird uns nicht ewig ein Zuhause bieten können. Trotz der aller Horrorszenarien bin ich ein positiv denkender Mensch und glaube an die Unsterblichkeit der Menschheit...

Gruss jd

jungt

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #15 am: 13. Juni 2002, 08:30:48 »
Hallo ssonne,

da hast voellig recht. Aber ich glaube wir muessen da gar nicht so weit in die Zukunft blicken. Stell dir mal vor was passiert wenn auf der Erde weiter so wie bisher mit den Rohstoffen umgegangen wird. Irgendwann in vielleicht 100 oder 200 Jahren werden wir die dann importieren muessen.
Aber woher nehmen.

Aber diese Ueberlegungen sind einer Gesellschaft in der das durchschnittliche Gedaechniss gerade noch die Ablaeufe des vorangegangenen Fernsehabends rekonstruieren kann wohl nur ueber populistischem Weg (also wenig wissenschaftlich) zu verbreiten.
Ich weiss nicht ob jemand von euch die Werbung vom DLR im Fernsehen gesehen hat. Die verlosen eine Reise zu einem Shuttlestart nach Florida. Das ist der richtige Weg. Wenn Big Brother, Popstar und Co eines gezeigt haben, dann doch wohl das mit richtiger Vermarktung auch aus den eigentlich langweiligsten Sachen noch genug Popularitaet gewinnbar ist.

Guss Torsten

Myrdin

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #16 am: 14. Juni 2002, 19:22:43 »
Da muss ich Torsten Recht geben! Wenn ich mir die "Fernsehunterhaltung" der letzten Jahre so anschaue, so scheinen die am populärsten zu sein, in denen alles grenzdebile Idioten herumlaufen >:(
Und anscheinen wird sowas auch noch gern gesehen, sonst würde es ja nicht produziert.....sagt das nicht viel über unsere gesellschaft aus? Und wenn man sein Interesse für Astronomie erklärt, dann wird man nur verständnislos angeschaut und für schräg gehalten!
Die meisten glauben auch noch, ich erstelle Horoskope!!!! >:( >:( >:( >:( >:(
Mehr Medienpräsenz für die Raumfahrt würde sicher nicht schaden!

Roland Helmrich

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #17 am: 04. Februar 2003, 14:59:15 »
Das ganze Problem liegt in einem Dilemma, das sich unsere Generation selbst geschaffen hat:
" Wir sind ein Volk von Egoisten und knallhart rechnenden Pessimisten geworden. Für uns zählt nur noch der schnell und kurzfristig erwirtschafftete eigen Profit.! Zukunft und Visionen, wozu ? - Nach uns die Sintflut!"
Gehen wir mal kurz in die Geschichte zurück:
Da baute man Gebäude ( Kirchen, Burgen, Schlösser, Parks, Brücken, Straßen usw.) deren Fertigstellung weder Bauherr noch Architekt je erleben konnten. Dennoch wurden die Projekte begonnen - für die Nachkommen und deren Nachkommen.
Dann gab es Leute, die zu Ihrer Zeit für ihre Gedanken verspottet, manche gar getötet wurden, weil sie ihrer Zeit weit vorraus waren. Galilei, Kopernikus etc..
Dann wieder gab es Menschen, die Visionen hatten, deren Umsetzung mit all ihrem Habe verfolgten und manche benötigten zwei bis drei Anläufe, weil sie mehrfach Pleite gingen ( Benz, Daimler, Ford, von Braun, Nobel, Field, Siemens, Grundig, Gates, etc.).
Gerade diese Visionen sind aber die Triebfeder der Innovation und alle obengenannten hatten schließlich auch den Erfolg. Alle großen Konzerne die wir heute haben, gehen auf wenige Einzelpersonen zurück, die hartnäckig und gegen jeden Widerstand diese Visionen umsetzten. Auch wenn es manchmal erst die Kinder und Enkel erlebten. Geld und Profit war nicht der Sinn für die Umsetzung, sondern der Fortschritt, ein leichteres besseres Leben und die Idee zum Projekt selbst. Aus diesem Grunde sind auch unsere Konzerne, aber auch der Mittelstand heute in einer Krise. Sie kapieren nicht, dass Profit und Erfolg sich von selbst einstellt, wenn man große Visionen hat und umsetzt.

Die gesamte Raumfahrt geht letztlich auf eine Vision von Jules Verne zurück - ohne ihn gäbe es Raumfahrt heute noch nicht! Denn sein Buch die Reise zum Mond hat damals einen Professor so fasziniert, dass dieser seine gesamte Freizeit damit verbrachte herrauszufinden, ob das physikalisch, und mathematisch möglich wäre. Auch er hat es nicht mehr erlebt, dafür aber einer seiner Schüler, den er mit seiner Vision in den Bann zog - kein geringerer als Werner von Braun! Auch die ISS geht letztlich auf seine Konstruktionen zurück.
Heute fehlen solche Visionen völlig - zumindest mit klaren Zeitvorgaben. Und was noch mehr fehlt ist eine Berichterstattung, die auch dem Laien aufzeigt, was die Raumfahrt für die Erde leistet.

Was wir jetzt brauchen ist also eine Vision, die die Menschen begeistert und mitzieht, nur dann wird diese auch bereit sein Gelder dafür locker zu machen.

Wie wäre es mit der Vision :
" Urlaub auf dem Mond, Mars etc.?"
"Rohstoffe vom Titan oder Mars?"
" Reise durch unser Sonnensystem?"
Geht nicht? - Mit heutigen Mittel sicher nicht, aber mit Jules Vernes technischen Möglichkeiten kam er auch nicht zum Mond!

Wir müssen also wieder mehr an die Zukunft denken, die nachfolgenden Generationen im Auge haben und weniger an den eigenen Profit denken. Dann klappt es auch wieder mit der Raumfahrt. Menschen ( außer Wissenschaftler ) kann man nicht mit ein paar Kristallen oder Proteinen begeistern, noch dazu wenn das Millionen oder gar Milliarden kostet.
Aber die Aussicht einen Urlaub im All zu machen, ist heute schon einigen 20 Millionen $ wert, vielleicht finden wir so auch einen Weg das irgendwann für 10.000 $ hinzukriegen. Dann könnte sich das schon fast jeder leisten.
Hört man die beiden "Touris" , dann war ihnen das jeder Cent wert.
Ach ja, von jedem Bürger Europas nur 1 € im Monat und wir hätten fast 4 Mrd. € für solche Projekte, geht man davon aus, dass man mindestens 15 Jahre für eine Umsetzung benötigen würde wäre das Projekt finanziert!
Gruß Roland  

Sven Knuth

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #18 am: 04. Februar 2003, 23:56:31 »
 
Zitat
Ach ja, von jedem Bürger Europas nur 1 € im Monat und wir hätten fast 4 Mrd. € für solche Projekte, geht man davon aus, dass man mindestens 15 Jahre für eine Umsetzung benötigen würde wäre das Projekt finanziert!


Nur zu deiner Info, die EU denkt an deutlich mehr im Jahr für ein EU Weltraumprogramm. Ist nur die Frage, ob die Kommission damit durchkommt. Wir setzen uns gerade dafür ein, dass die EU damit durchkommt...

Sven Knuth

Offline pikarl

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Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #19 am: 05. Februar 2003, 23:48:08 »
Hallo,

wenn ich die Berichte über die bisherigen Engagements der Europäischen Union in der Raumfahrt richtig im Kopf habe, ging es dabei viel um militärische Interessen (z.B. das Galileo-Projekt, das neben den zivilen auch militärische Zwecke erfüllen soll).

Auf der Seite der ESA heißt es unter http://www.esa.int/export/esaCP/GGGM2N4UGEC_Germany_0.html#subhead9:
Zitat
Wegen ihres multinationalen Charakters und ihrer klaren Beschränkung auf friedliche Tätigkeiten nimmt die ESA unter den Raumfahrtagenturen der Welt eine besondere Stellung ein. (...)


Ich sehe da einen Widerspruch - zum einen die EU mit *auch* militärischen Interessen und zum anderen die ESA mit ausdrücklich nur friedlichen Zielen. Wie sieht die Zusammenarbeit letztlich aus? Wird die EU, sollte sie ein großes Raumfahrtprogramm starten, die ESA in dieser Frage verändern? Gibt es vielleicht eines Tages ein europäisches Raketenabwehrprogramm powered by ESA? Was meint ihr?

Viele Grüße
Karl

Sven Knuth

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #20 am: 06. Februar 2003, 09:29:54 »
Zitat
Ich sehe da einen Widerspruch - zum einen die EU mit *auch* militärischen Interessen und zum anderen die ESA mit ausdrücklich nur friedlichen Zielen. Wie sieht die Zusammenarbeit letztlich aus? Wird die EU, sollte sie ein großes Raumfahrtprogramm starten, die ESA in dieser Frage verändern? Gibt es vielleicht eines Tages ein europäisches Raketenabwehrprogramm powered by ESA? Was meint ihr?


Die Fragen lassen sich schon reecht genau antworten, jenseits der veröffentlichten Dokumente gibt es recht genaue Vorstellungen was die EU in den nächsten jahren machen möchte. Wer will kann auch selber einen Blick auf die Seite des Weltraumbürosn der EU werfen:
http://europa.eu.int/comm/space/index_en.html
Die ESA ist wegen ihrer Satzung auf frirdliche Zwecke beschränkt. Die EU nicht, sie plant auch einige Projekte mit militärischem und zivilen Nutzen, das sind GMES; Galileo ud Telekommunikation. Also das was die Amis schon längst können, weltweite Navigation, Telekommunikation und Erdbeobachtung/Spionage. Die EU möchte ihre neue kleine Armee (Eingreiftruppe) weltweit einsetzen können.

Aber jenseits davon möchte man ein ambitioniertes friedliches Weltraumprogramm durchführen, das wesentlich weiter geht und wesentlich besser finanziert ist wie das der ESA. Das ganze wurde auch durch das Europaparlament angestoßen und von der Kommission ausgearbeitet. Allerdings müssen die Mitgliedstaaten der EU zustimmen, und die Zustimmung ist noch keineswegs gesichert.

Eine eigene EU Raumfahrtagentur wird es vielleicht auch geben, aber weniger in Konkurrenz zur ESA. Es gibt eher Überlegungen die ESA mehr oder weniger aufzulösen oder nebenher existieren zu lassen. Man ist sowieso nicht so sehr gut auf die ESA zu sprchen. Die versinkt immer mehr im eigenen Sumpf durch die schlechte Struktur, viel Bürokratie und die faktische Beherrschung durch Frankreich.

Sven Knuth
The Mars Society
http://www.marssociety.de

Offline pikarl

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Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #21 am: 06. Februar 2003, 21:44:54 »
Zitat
Eine eigene EU Raumfahrtagentur wird es vielleicht auch geben, aber weniger in Konkurrenz zur ESA. Es gibt eher Überlegungen die ESA mehr oder weniger aufzulösen oder nebenher existieren zu lassen. Man ist sowieso nicht so sehr gut auf die ESA zu sprchen. Die versinkt immer mehr im eigenen Sumpf durch die schlechte Struktur, viel Bürokratie und die faktische Beherrschung durch Frankreich.


Wow - das hört sich wirklich nicht gut an. Ich hatte eigentlich bisher kein so schlechtes Bild von der ESA - das hat IMHO auch die Presse kaum vermittelt. Es gab einige Probleme, die meistens auf das sinkende Budget geschoben wurden.
Zur französischen Beherrschung möchte ich anmerken: Das kann man aber nicht allein auf die Bürokratie und schlechten Strukturen der ESA schieben. Immerhin hat sich auch ein für die Finanzierung wichtiges Mitgliedsland, Deutschland, mehr und mehr zurückgenommen...

Grüße
Karl
« Letzte Änderung: 06. Februar 2003, 21:46:41 von PiKarl »

Sven_Knuth

  • Gast
Re: Vorurteile und falsche Annahmen
« Antwort #22 am: 06. Februar 2003, 23:29:51 »
Hi Karl,

das Problem ist sehr tiefgehend. Frankreich ist insoweit für die Probleme veantwortlich, als das es Ariane 5, Hermes und weitere Projekte aus der Taufe gehoben haben und mit Macht durchgedrückt haben. Dabei war z. B. bei Hermes klar, dass das Konzept schlecht ist. Und die Ariane 5 wurde an den Hermes angepasst. Das dahinter steckende Problem ist, Frankreich sieht sich als Hegemonialmacht in der europäischen Raumfahrt. In der Praxis sieht es dann so aus, dass man Projekte konzipiert und in den ersten Phasen entwickelt, dann wenn es teuer wird, wird das Projekt europäisiert. Auch Franzosen bemängeln das, es findet nämlich keine wirkliche Kooperation staat. Das sorgt auch dafür, dass Kritiker mundtot gemacht werden oder technisch bessere Lösungen aus anderen Ländern unter den Tisch gekehrt werden.

Wir in Deutschland haben das Problem, dass wir viel zu wenig für Raumfahrt ausgeben. Am Bruttosozialprodukt gemssen geben wir nur halb soviel für Raumfahrt aus wie Frankreich, da wünschte ich mir, wir würden und an Frankreich orientieren. Außerdem hat die Verschmelzung der DARA und der DLR der Raumfahrt sehr geschadet.Denn jetzt verwaltet die DLR das Raumfahrtbudget, macht Ausschreibungen und bewirbt sich selber darum und gibt dann das Geld selber aus. Deshalb produziert das DLR in erster Linie Papier, man hat ja keine Konkurrenz und muss keine Ergebnisse vorweisen.

Mit der ESA ist das auch so eine Sache. Sie ist wegen des starken Raumfahrtengagements Frankreichs, deren Hegemonialansprüchen und dem schwachen Engagement Deutschland natürlich französisch beherrscht. Turnismässig wäre ein Deutscher als neuer Direktor der ESA dran gewesen, nun jetzt ist es ein Franzose.

Aber ohne das starke finanzielle französische Engagement könnte Europa nur halb soviel machen. Die Ursachen sind vielfältig, so sollte es aber nicht weitergehen. Genauso wie die NASA entwickelt sich auch die ESA zum Papiertiger. :(

Ich denke zuerst müssen wir die deutschen Politiker dazu bekommen, mehr in die Raumfahrt zu investieren. Dann sollten die Leute die das Geld ausgeben und kontrollieren nicht gerade neben den Leuten sitzen die sich um Aufträge bewerben  ;D Jedenfalls hatte Deutschland nie ein höheres Raumfahrtbudget, aber von der einen Milliarde Euro merkt man nicht soviel. Wo sind die deutschen Missionen?

Viele Grüße

Sven

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