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Autor Thema: Stern/Planeten-System  (Gelesen 14233 mal)

H.J.Kemm

  • Gast
Stern/Planeten-System
« am: 23. September 2009, 11:40:29 »
Moin,

es gibt viele Beiträge über Exoplaneten und Sterne hier im Forum aber nicht über komplette Stern/Planeten-Systeme.
Da es dabei um ganz interessante Konstellationen geht, eröffne ich diesen Thread.

Hier können wir über einzelne solcher Konstellationen berichten und diskutieren.

Ich stelle mir vor, dass wir den Haupttitel so lassen, dass wir aber über die folgenden Beiträge jeweils den Namen des Systems schreiben.

Falls es da Unstimmigkeiten gibt, dann werden wir diese gemeinsam lösen.

Ich werde beginnen mit dem *Stern/Planeten-System PSR B1620-26*

Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Stern/Planeten-System - PSR B1620-26
« Antwort #1 am: 23. September 2009, 12:55:02 »
Moin,

unabhängig von der Diskussion über die Benennung dieses Systemes ( ) sollten wir uns damit etwas näher befassen.

*Messier 4* (M 4) ist mit 7.000 Lj Entfernung der nächste Kugelsternhaufen von uns. Er wird daher von Wissenschaftlern sehr häufig zu Untersuchungen herangezogen und dabei haben die Wissenschaftler den Neutronenstern/Pulsar *PSR B1620-26* entdeckt.


Bild: NASA/ESA / Sternenmeer im Kugelsternhaufen *M 4* mit der Position des Pulsars *PSR B1620-26* (grüner Kreis)

*PSR B1620-26* ist ein Binär-Stern-System rund 12.400 Lj entfernt in M 4, Sternbild Skorpion. Das System besteht aus einem Pulsar (PSR B1620-26 A) und einem weißen Zwerg mit 0,34 MSo (WD-B1620-26 oder PSR B1620-26 B). Im Jahr 2000 ist auch bestätigt, dass ein Exoplanet gefunden wurde (PSR B1620-26 c), ein Gasriese, kein Steinplanet. Hier umkreist also ein Planet mit ~ 2,5 MJ in ~ 100 Jahren zwei *Sternleichen*!
Wissenschaftler haben jetzt ermittelt, dass der weisse Zwerg mit seinem Exoplaneten bereits längere Zeit exixstierte und dann durch einen noch nicht geklärten Vorgang von einem Neutronenstern eingefangen wurde. Es ist auch unklar, wann diese beiden Sternleichen in ihren Jetztzustand gewechselt sind. Es steht aber fest, dass der Exo eine fürchterliche Zeit durchgemacht haben muss, denn er war ja während der SN des vormals roten Riesen (WD-B1620-26 oder PSR B1620-26 B) mit nur 23 AE in seiner unmittelbaren Nähe und somit der mörderischen ultravioletten Strahlung dieser SN und deren Schockwelle ausgesetzt. Er scheint es aber gut überstanden zu haben, denn er ist eindeutig der älteste existierende, bekannte Exoplanet, da angenommen wird, dass er rund 12,7 Mrd Jahre alt ist!  


Die Entwicklung des PSR B1620-26-Systems.

Es gibt aber noch Ungereimtheiten, denn der Exoplanet *PSR B1620-26 c* wackelt. Da diese Laufstörung nicht vom Binärsystem kommen kann, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass er möglicherweise einen eigenen Mond besitzt. Dieser müsste ihn in einem Abstand von 0,46 AE mit 0,5 MSaturn umkreisen.

Was es nicht alles gibt im grossen Weltall!

Jerry




 

« Letzte Änderung: 31. Oktober 2009, 06:19:35 von H.J.Kemm »

Offline Domeneit

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #2 am: 23. September 2009, 13:22:00 »
Immer wieder faszinierend welche "Kombinationen" von Objekten zu immer neuen Resultaten führen können. Was mir hier jedoch schwer fällt, ist im Falle von 0,46 AE mit 0,5 MS noch von einem "Mond" zu sprechen. Wäre es nicht sinnvoll bei immer mehr entdeckten Exoplaneten neue Begrifflichkeiten einzuführen oder gibt es sowas möglicherweise schon?
"Shut up and calculate!" David Marmin

H.J.Kemm

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #3 am: 23. September 2009, 13:24:59 »
Moin,

Wäre es nicht sinnvoll bei immer mehr entdeckten Exoplaneten neue Begrifflichkeiten einzuführen oder gibt es sowas möglicherweise schon?

An welche Begrifflichkeiten denkst Du?

Jerry

Offline Domeneit

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  • Beiträge: 34
Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #4 am: 23. September 2009, 13:38:33 »
Hatte an sowas wie Doppelplaneten im Sinne von Doppelsterne gedacht. Dass es diesen Begriff tatsächlich schon gibt, hab ich nicht gewusst. (An Pluto und Charon hab ich garnicht gedacht. Sind ja auch keine Planeten ;) ) http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelplanetensystem



"Shut up and calculate!" David Marmin

H.J.Kemm

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #5 am: 24. September 2009, 11:39:51 »
Moin,

das ist eigentlich alles geregelt, wenn auch Kritik daran geübt wird. Aber die Astronomen halten sich z.Z. an diese Nomenklatur.

Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #6 am: 25. September 2009, 02:42:08 »
Moin,

zu *PSR B1620-26* gibt es im Portal auch einen interessanten Beitrag >>>

Jerry

A1942D

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #7 am: 25. September 2009, 09:07:16 »
Hallo,
Der rund 13 Milliarden Jahre alte Methusalem PSR B1620-26 c umkreist ein binäres Sytem im Cluster M4

Bilder von NASA / NOAO/AURA/NSF
A.D.

H.J.Kemm

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Stern/Planeten-System - Epsilon Eridani
« Antwort #8 am: 01. Oktober 2009, 18:35:18 »
Moin,

*Epsilon Eridani* (ε Eridani), Sternbild Eridanus, 6,19 mag, ~ 10 Lj, ist ein naher Stern von unserem Sonnensystem und hat mehrere Besonderheiten.

Dieser sonnenähnliche Stern, 0,85 MSo, ist aber noch sehr jung, nämlich höchstens 1 Mrd. Jahre, und trotz seiner erst kürzlichen Bildung hat er nur eine Metallizität (besonders bei Eisen) von ~ 74 % der Sonne aufzuweisen.

Aber er hat mindestens einen Planeten, den *Epsilon Eridani b*, 1,2 MJup,  im Mittel 3,39 AE, Orbitperiode 6,9 Jahre.


Bild: NASA, ESA and A. Field (STScI)

Es ist noch ein hypothetischer Planet, der *Epsilon Eridani c*, vorgeschlagen worden; bei einer einer großen Halbachse von 40 AE. Bestätigt wurde er aber noch nicht.

Mit der Entdeckung des Exoplaneten wurde auch eine weit aussenliegende Staubscheibe aufgefunden. Diese Staubscheibe besteht wie der Kuiper-Gürtel in unserem Sonnensystem vermutlich aus eisigen Kometen und Planetoiden.

Dafür sind aber um *Epsilon Eridani* zwei Asteroidengürtel vom NASA-Weltraumteleskop *Spitzer* innerhalb der Staubscheibe gesichtet worden. Die Entdeckung dieser beiden Asteroidengürtel könnte auf die Existenz weiterer Planeten hinweisen, die diese Gürtel beeinflussen. Sie befinden sich ~ 3 und 20 AE von ihrem Zentralstern entfernt.

Es ist das erste Mal, dass ein Asteroidengürtel und ein dahinter liegender Planet bei einer fernen Sonne gefunden worden sind, die ähnlich dem Asteroidengürtel und unserem Riesenplaneten Jupiter im Sonnensystem ausgerichtet sind. Der zweite Planetenkanidat müsste nach der Auffassung der Wissenschaftler vor der inneren Kante des äußeren Asteroidengürtels seine Bahnen ziehen. Beide Exoplaneten könnten gemeinsam den Raum zwischen den beiden Asteroidengürteln nicht allein leergeräumt haben und so wird spekuliert, dass sich zwischen ihnen noch ein weiterer Exoplanet befindet.


Bild: NASA
Das System von *Epsilon Eridani* ähnelt unserem Sonnensystem (Computergrafik).

Ein leitender Wissenschafter für das *SST* am JPL meint: "Es sieht so aus, dass es kein weiteres Planetensystem mit mindestens zwei Asteroidengürtel in Sichtweite gibt."

Hier ein Bericht aus der Portalseite von Raumfahrer.net über *Epsilon Eridani* >>> ein extrasolares Planetensystem gleich nebenan

Jerry

NS: Im Anhang sind die Bilder von oben in einer anderen Grösse zu sehen.    
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2009, 06:20:35 von H.J.Kemm »

A1942D

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #9 am: 01. Oktober 2009, 19:27:05 »
Hallo, interessant; aber diese Aussage stimmt ja wohl nicht.
Zitat
Ein leitender Wissenschafter für das *SST* am JPL meint: "Es sieht so aus, dass es kein weiteres Planetensystem mit mindestens zwei Asteroidengürtel in Sichtweite gibt."
Zumindest unser Sonnensystem ist ja so aufgebaut, somit gibt es schon zwei. A.D.

H.J.Kemm

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #10 am: 02. Oktober 2009, 06:15:22 »
Moin,

to A.D.: Zumindest unser Sonnensystem ist ja so aufgebaut, somit gibt es schon zwei.

Eigentlich schon, aber da machen die Wissenschaftler doch wohl einen Unterschied.

Der *Asteroidengürtel* würde passen.


Der *Kuipergürtel* (Edgeworth-Kuiper-Belt) passt aber nicht, da er kein geschlossenes System im Sinne von *Asteroidengürtel* ist.


Dann die *weit aussenliegende Staubscheibe*, die kann mit unserer *Oortschen Wolke* nicht verglichen werden, denn diese ist keine Scheibe, sondern eine Schale.


Jerry 

A1942D

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Stern/Planeten-System - HD 41004 A
« Antwort #11 am: 15. Oktober 2009, 04:36:50 »
Hallo, in diesem Sternsystem befinden sie sogar 3 Sterne und ein Planet. Kann das eigentlich lange gut gehen oder sind da Karambolagen vorgeplant? A.D.
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2009, 06:21:22 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #12 am: 15. Oktober 2009, 19:41:27 »
Moin.

*HD 41004 A* ist schon ein sonderbares Stern- / Planetensystem.

Ein *oranger Zwerg* (HD 41004 A), Sternbild Maler, 138 Lj, 8,65mag, hat in 1,7 AE einen Planeten, den Gasriesen (HD 41004 Ab), 2,56 MJup. Ausserdem hat er noch einen Begleiter, den roten Zwerg *HD 41004 B*, 12,33mag, und bildet so ein Doppelsternsystem. Der Abstand dieser beiden Sonnen beträgt ~ 21 AE zueinander. Dieser *Rote Zwerg* wiederum hat auch einen Begleiter, den braunen Zwerg *HD 41004 Bb*, der seinen Mutterstern in 0,018 AE umkreist.

Eigentlich handelt es sich hierbei um ein Mehrfachsternsystem mit 2 Primär-Komponenten (HD 41004 A und HD 41004 B) und 2 Sekundär-Komponenten (HD 41004 Ab und HD 41004Bb).

Eine Karambolage untereinander ist wohl nicht zu erwarten, denn dies Mehrfachsystem ist bereits ~ 1,65 Mrd Jahre alt.

Jerry

A1942D

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #13 am: 15. Oktober 2009, 22:45:03 »
Hallo,
Zitat
Eine Karambolage untereinander ist wohl nicht zu erwarten, denn dies Mehrfachsystem ist bereits ~ 1,65 Mrd Jahre alt.
Und das kann man ausschliessen? A.D.

Offline GG

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #14 am: 16. Oktober 2009, 12:07:32 »
Ja, der Begleitstern ist 21 AE von seinem Zentralstern entfernt. Da "spürt" man nur noch die gravitativen Wirkungen, so als wäre da ein seeehr schwerer Planet. Daraus ergibt sich ein stabiles System. Zwischen Planet und Begleitstern liegen immer mehr als 19 AE, also rund 3 Milliarden Kilometer.

H.J.Kemm

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v Octantis
« Antwort #15 am: 22. Oktober 2009, 12:38:19 »
Moin,

Moin,

das hatten wir schon festgestellt:

Bei der Entstehung von Sternen und Planeten gehen wir ja mittlerweile von einem Standard aus: Ausgangspunkt für die Sternentstehung ist eine Gaswolke, die überwiegend aus Wasserstoff besteht, und die aufgrund ihrer eigenen Schwerkraft kollabiert. Durch die weitere Verdichtung der Gaswolke entstehen einzelne Globulen aus denen anschließend der Stern hervorgeht. Als Folge des Drehimpulses der Globule bildet sich eine Scheibe aus, die den jungen Stern umkreist, und aus der er weiter Masse akkretiert. Aus dieser Akkretionsscheibe können ein oder mehrere Sterne sowie Planeten entstehen.

Mit dem Drehimpuls einer gravitativ kollabierenden interstellaren Wolke steigt auch die Wahrscheinlichkeit für die Bildung eines Doppelsternsystems anstelle eines Einzelsterns und natürlich kann da auch ein Planet bzw. können da Planeten entstehen. Das führt dann zu diesen Möglichkeiten: Es gibt dabei zwei Typen von Planetenbahnen: Planeten vom *S-Typ* umkreisen nur einen der beiden Sterne und werden vom anderen Stern praktisch nicht beeinflusst, da der andere Stern zu weit entfernt und/oder zu massearm ist. Planeten vom *P-Typ* umkreisen beide Sterne weit außen, so als ob sie ein einziger Stern wären.

Aber da gibt es auch mal Probleme: Der Stern *v Octantis*, 3,76 mag, 690 Lj, Sternbild Oktant ist Teil eines  spektroskopischen Doppelsternsystems. Bei der Beobachtung dieses Systems zeigten sich Bewegungs-Unregelmäßigkeiten.
*v Octantis* hat die 1,4-fache MSo, sein Partner hat nur 0,5 MSo, die mittlere Entfernung beträgt 2,55 AE, wobei die Umlaufbahn sehr exentrisch ausfällt.
Wissenschaftler erklären das *schlackern* mit dem Vorhandensein eines Planeten, nur entdeckt haben sie ihn noch nicht und ausserdem, da dürfte überhaupt kein Planet existieren.

Der vermutete Exo *v Octantis b*, 2,5 MJup, soll (müsste) *v Octantis* in 1,3 AE umkreisen, aber genau da befindet sich die *Chaoszone* für Planeten. Denn hier wirkt einmal die Garvitation vom grossen Stern und dann wird sie teilweise aufgehoben und der Duopartner zerrt am Exo. Möglicherweise befindet sich aber der Exo in einer resonanten, schützenden Konfiguration, damit wäre das Problem gelöst.

Leider sind alle bisherigen Messungen von beiden Sternen und dem bisher noch unsichtbaren Exoplaneten zu ungenau, aber man will forschen.

Jerry

 

 

H.J.Kemm

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #16 am: 23. Oktober 2009, 04:29:06 »
Moin,

bei *v Octantis b* glauben die Wissenschaftler, dass ihm, wenn es ihn überhaupt gibt, eine resonante, schützende Konfiguration das Überleben rettet.

Ein typisches Beispiel geben hierfür die Exos *Gliese 876 b* und *Gliese 876 c*, sie befinden sich in einer 2:1-Resonanz.

In der Himmelsmechanik liegt eine Resonanz vor, wenn zwei oder mehrere Himmelskörper periodisch wiederkehrenden gravitativen Einflüssen unterliegen. Ursachen von Bahnresonanz sind Umlaufzeiten der beteiligten Himmelskörper, deren Verhältnis zueinander durch niedrige natürliche Zahlen beschrieben werden kann, wie beispielsweise mit 2:1 oder 3:2. Bei stabilisierenden Resonanzen verteilen sich die Orte der Bahnstörungen regelmäßig auf der Bahn des gestörten Objekts, sodass sich ihre Wirkungen einander aufheben.

Da die Transit- und die Radialgeschwindigkeitsmethode als Auffindtechnik bisher keine Ergebnisse gebracht haben wird der Nachweis von *v Octantis b* schwer. Ob die astrometrische Methode zu einem Ergebnis führt ist noch unklar, obwohl die Sternmasse und -entfernung bekannt sind. Auch eine charakteristische Variation in der Radialgeschwindigkeit konnte gemessen werden. Dadurch kann man ja die Masse des möglichen Exos ermitteln, da die Bahnneigung ermittelt werden kann. Leider haben aber bisherige Untersuchungen nach dieser Methode keine sicheren Daten hervorgebracht.

Also hilft nur noch die Interferometrie mit dem Very Large Telescope oder in der Zukunft die Space Interferometry Mission (SIM).

Jerry



  

Offline Kreuzberga

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #17 am: 23. Oktober 2009, 16:42:43 »
Zusätzlich erschwert wird die Suche nach diesem möglichen Planeten auf Grund der langen Periode der Radialgeschwindigkeitsstörung, die Ramm et al. (2009) mit 418 Tagen angeben. Mit 50 m/s ist der Ausschlag der Radialgeschwindigkeitskurve (Halbamplitude) allerdings doch recht deutlich.

SIM Lite, wie die immer noch unfinanzierte Mission inzwischen heißt, sollte echt mal umgesetzt werden. Wir bräuchten eigentlich eine ganze Flotte von solchen orbitalen Interferometern! SIM Lite soll ja erstmal nur Sterne bis 60 Lichtjahre nach erdähnlichen Planeten absuchen und nebenbei noch allerlei andere Aufgaben erledigen. Ob man während der Missionsdauer Zeit für v Okt hat?

Haben wir eigentlich einen Thread zu SIM? Mal schnell nachschauen...

H.J.Kemm

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PSR 1257+12
« Antwort #18 am: 18. November 2009, 17:32:03 »
Moin,

ein recht eigenartiges *Stern/Planeten-System* ist *PSR 1257+12* - eigentlich gar keins, denn es gibt in diesem System zwar Planeten, aber keinen Stern.


Bild: gresham college.ac.uk/event.

Bereits 1990 wurde *PSR 1257+12* mit den Radioteleskopen Arecibo (Puerto Rico) und Socorro (New Mexico) entdeckt und eindeutig als Pulsar identifiziert. Nebenbei: Es war das erste fremde Sonnensystem das entdeckt wurde. Die Rotationsperiode des Pulsars beträgt rund 6,219 ms, hat 1,4 MSo und er ist ~ 1.500 Lj von der Erde entfernt.

Die Pulse des Sterns kamen mit regelmäßigen Verzögerungen bei den Betrachtern an, woraus sie schlossen, dass er von mindestens 2 Trabanten begleitet wird, welche diese Störung verursachen. Nach genauester Untersuchung wurde dann festgestellt, dass es sich um 3 Exoplaneten, PSR 1257+12 b, -c und -d, handelt und ausserdem noch um einen Kometen, PSR 1257+12 e. Ausserdem ist er von einer grossen Gasscheibe umgeben. Die Planetenhaben 0,02, 4,3 und 3,9 ME, der Komet nur 0,0004 ME. Ihr Orbit liegt bei 0,19 - 0,46 AE, der Komet befindet sich in einem Orbit von 3-5 AE.


Bild: daviddarling.info/.../P/PSR1257+12.

Das Problem ist nun: woher kommen die Trabenten um den Pulsar?

Waren sie dort schon vor der SN und wenn ja, wie haben sie diese überhaupt überlebt, sind sie von dem Pulsar später eingefangen oder sind sie aus den Trümmern der SN entstanden?

Letzteres scheint wohl die einzig richtige Antwort zu sein. Es könnte nämlich damit zusammenhängen, dass *PSR 1257+12* ein Millisekundenpulsar ist. Er rotiert wahrscheinlich deshalb so schnell, weil er irgendwann nach seiner Entstehung einen Stern aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft völlig aufgezehrt hat. Dadurch erhielt er zusätzliche Rotationsenergie, zur gleichen Zeit bildete sich ringsherum eine Akkretionsscheibe aus Gas. Diese Gasscheibe dürfte dann die Materie für die neuen Planeten geliefert haben.

Mehr Information gibt es hier >>>

Jerry
  

H.J.Kemm

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HD 69830
« Antwort #19 am: 26. November 2009, 02:34:27 »
Moin,

ein Sonnensystem ohne Gasriesen ist *HD 69830*.


Bild: Digitized Sky Survey / HD 69830

Das Planetensystem von *HD 69830* ist ungewöhnlich, da jupitergrosse Gasriesen nicht existieren, dafür aber 3 terrestrische Planeten mit fester Oberfläche und einem Mehrfachen der Erdmasse. Ausserdem gibt es in diesem System noch einen Asteroidengürtel, der möglicherweise durch die Zerstörung eines weiteren Exoplaneten entstanden ist.


Bild: ESO

*HD 69830* ist ein gelb-orangefarbener Stern im Sternbild Achterdeck des Schiffs (Puppis), 5,95 mag, 41 Lj, 0,86 ME, 0,960 øSo. Seine Planeten, HD 69830 b, HD 69830 c und HD 69830 d, befinden sich im einem Abstand von 0,08 und 0,19 sowie 0,63 AE. Ihre Masse ist so hoch wie die von unserer Erde, bzw vom Planeten Neptun. Außer diesen Daten sind keine weiteren Werte bekannt. Wissenschaftler nehmen an, dass die beiden inneren Exos eine feste Oberfläche und mit einem Vielfachen an Erdmasse haben; der äussere Exo könnte ein neptunartiger Gasplanet sein.
An ihn sind die Wissenschaftler besonders interessiert, denn wenn er auch ein fester Körper wäre, dann könnte auf ihm flüssiges Wasser existieren. Die beiden inneren Exos befinden sich zu dicht an ihrer Sonne und müssten eine Oberflächentemperatur von bis zu 250° C haben. Diese 3 Exos wurden wurden vom HARPS-Spektrographen des 3,6-m-Teleskops vom La-Silla-Observatorium (ESO) nachgewiesen.

Der Asteroidengürtel wurde mit Infrarotaufnahmen von Spitzer beobachtet. Er ist ~ 25mal so massereich wie der Asteroidengürtel in unserem Sonnensystem.

Jerry    



H.J.Kemm

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BD +20 2457
« Antwort #20 am: 28. Dezember 2009, 12:07:02 »
Moin,

Brauner Zwerg oder Exoplanet - vor Ort geboren oder eingefangen - das ist hier die Frage.

Eine polnisch-amerikanische Astronomengruppe hat mit Hilfe des Hobby-Eberly-Spiegelteleskopes in Texas/USA das Lichtspektrum mehrerer Sterne untersucht. Die Astronomen hofften, dass sie Sterne finden, die durch ihr torkeln die Vermutung zulassen, dass sie Begleiter haben.

Und sie wurden fündig. Im Sternbild Löwe fanden sie *BD +20 2457*, einen aufgeblähten, massereichen Stern, 9,75 mag, ~ 650 Lj, der bereits am Ende seines Lebens steht, obwohl er nur wenig älter als 10 Mio Jahre ist.
In seinem Umfeld fanden die Astronomen dann auch 2 Begleiter, 13 bzw. 21 MJup, die den Zentralstern alle 380 bzw. 622 Tage im 1,5- bzw. 2-fachen Abstand Erde-Sonne umkreisen.

Aufgrund ihrer Grösse nehmen die Astronomen an, dass es sich hierbei um Braune Zwerge handelt, nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass es Exoplaneten sein könnten.

Das Eigenartige an diesem System ist der Zeitablauf, von der Entstehung bis jetzt. Der massereiche Zentralstern mit ~ 3 MSo ist in einer äusserst kurzen Zeit entstanden. In der protoplanetaren Scheiben mussten sich im selben Zeitraum die beiden Begleiter gebildet haben, denn nach der Zündung der Kernfusion von *BD +20 2457* hätten sie keine Chance gehabt sich zu entwickeln. Die intensive Strahlung des Zentralsternes hätte alles in seiner Umgebung aufgeheizt und verdampft.

Überlegt wird deshalb auch, ob diese beiden Braunen Zwerge oder Exoplaneten von *BD +20 2457* eingefangen worden sind.

Hier gibt es noch Informationen (bitte beachten, dass die Entfernungsangaben noch extrem unterschiedlich sind!) >>>


Jerry

   

A1942D

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Ypsilon Andromeda
« Antwort #21 am: 26. Mai 2010, 11:37:05 »
Hallo, dieser Artikel ist interessant / http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/25052010203029.shtml.
Die Frage bleibt aber, was ist an diesem System so besonderes? Bei Ypsilon Andromedae handelt es sich doch um ein Doppelsternsystem. Der primäre Sterne (Ypsilon Andromedae A) ist ein gelb-weißer Stern, der zweite Stern im System (Ypsilon Andromedae B) ist ein Roter Zwerg. Der Abstand zwischen diesen beiden Komponenten beträgt ungefähr 750 AE. So könnten doch die Bahnverläufe erklärt werden. A.D.

Offline Gertrud

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #22 am: 26. Januar 2016, 18:44:52 »
Hallo Zusammen,

1000 Milliarden  Kilometer voneinander entfernt:
ein einsamer Planet und sein weit entfernter Stern


Die Astronomen glaubten lange, dass der 2MASS J2126 ein einsamer Planet ist. Jetzt konnten sie ermitteln, das sich der Planet in rund 7000 Erde-Sonne Entfernungen oder 1000 Milliarden Kilometer, in einer riesigen, bis jetzt größten Umlaufbahn, von seinem Stern TYC 9486-927-1 befindet.
Die Astronomen fanden in den letzten fünf Jahren eine Reihe von einsamen Planeten. Es sind Gasriesen, wie der Jupiter. Das Messen der Temperatur der Objekte ist relativ einfach, hängt aber auch vom Alter und Masse ab. Die Astronomen müssen zuerst heraus finden, wie alt die Objekte sind, erst dann können sie ermitteln, ob sie leicht genug sind um Planeten zu sein oder wenn sie schwerer sind, könnten es „verhinderte Sterne“, die Braunen Zwerge sein.
Bei einer Infrarot-Himmelsdurchmusterung fanden die Forscher heraus, das der Planet 2MASS J2126 ein mögliches junges und mit  geringer Masse ausgestattete Objekt ist. Der Wissenschaftler  Dr. Niall Deacon von der University of Hertfordshire suchte in den letzten Jahren in breiten Bahnen nach jungen Sternen und ihren Begleitern. Die Forscher fanden heraus, dass TYC 9486-927-1 und 2MASS J2126 sich zusammen durch den Raum bewegen und sie sind beide etwa 104 Lichtjahre von der Sonne entfernt, das bedeutet, dass sie miteinander verbunden sind. Es ist das breiteste Planetensystem, welches bisher gefunden wurde. Sie sind den Wissenschaftlern schon acht Jahre bekannt, aber niemand hatte an eine Verbindung der Objekte gedacht.
Das Team untersuchte dann das Spektrum ,das Streulicht des Sterns, um die Stärke der Funktion, dass durch das Element Lithium verursacht wird, zu messen. Das Element Lithium wird schon früh zerstört, je mehr Lithium vorhanden ist, um so jünger ist der Stern. TYC 9486-927-1 hat eine stärkere Signatur von Lithium als eine Gruppe von 45 Millionen Jahre alte Sterne (die Tucana Horologium Association), aber schwächere Signaturen als eine Gruppe von 10 Millionen Jahre alten Sternen, das bedeutet, er hat ein Alter zwischen beiden. Bei näherer Betrachtung ist das Team nicht in der Lage zu bestätigen, das TYC 9486-927-1 und 2MASS J2126 Mitglieder in bekannten Gruppen von jungen Sternen sind.
Basierend auf diesem Alter war  das Team in der Lage, die Masse von  2MASS J2126 zu schätzen, er könnte zwischen 11,6 bis 15-fache Masse des Jupiter haben. Dies stellt die Grenze zwischen Planeten und braunen Zwergen dar.
Bei der enormen Umlaufbahn von 2MASS J2126 dauert es rund 900.000 Jahre, um einen Umlauf zu vollenden, er hat bisher fünfzig Umlaufbahnen in der Zeit vollbracht. **Bahnen zur Verfügung, bis seine Lebensdauer beendet ist. Es besteht wenig Aussicht auf ein Leben  auf dieser exotische Welt, aber wenn, würden alle Bewohner ihre "Sonne", nicht mehr als einen hellen Stern sehen, und sich vielleicht nicht einmal vorstellen können, dass sie überhaupt mit ihm verbunden sind.

Künstlerisches Konzept von 2MASS J2126
Kredit: University of Hertfordshire / Neil Cook

Ein Falschfarbeninfrarotbild  von TYC 9486-927-1 und 2MASS J2126. Die Pfeile zeigen die  projizierte Bewegung der Sterne und Planeten am Himmel in mehr als 1000 Jahren. Die Skala zeigt eine Entfernung von 4000 Astronomischen Einheiten (AE), wobei 1 AU die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne ist.

Ein Falschfarbeninfrarotbild von TYC 9486-927-1 und 2MASS J2126. Die Pfeile zeigen die  projizierte Bewegung der Sterne und Planeten am Himmel in mehr als 1000 Jahren. Die Skala zeigt eine Entfernung von 0,1 Lichtjahren. Das Licht des Sterns braucht etwa einen Monat, um zum Planeten zu gelangen.
Credit beider Bilder: 2MASS / S. Murphy / ANU

Quellen:
http://www.alphagalileo.org/ViewItem.aspx?ItemId=160294&CultureCode=en
http://www.ras.org.uk/news-and-press/news-archive/264-news-2016/2770-1-trillion-kilometres-apart-a-lonely-planet-and-its-distant-star

http://www.ras.org.uk/images/stories/press/Exoplanets/young_planet_paper.v2.pdf

Edit:**Fehler korrigiert, Danke für den Hinweis. :)

Mit den besten Grüßen
Gertrud
« Letzte Änderung: 26. Januar 2016, 19:53:11 von Gertrud »
die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
***
Die Gabe des Staunens lässt uns die Welt aufgeschlossener sehen und ihre Wunder würdigen. (Richard Henry Lee)

Offline Prodatron

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #23 am: 26. Januar 2016, 19:12:36 »
Bei der enormen Umlaufbahn von 2MASS J2126 dauert es rund 900.000 Jahre, um einen Umlauf zu vollenden, er hat weniger als fünfzig Bahnen zur Verfügung, bis seine Lebensdauer beendet ist.
Ich hab mich schon gefragt, ob der Stern ein Hyperriese oder so ist, aber das wurde falsch übersetzt: ;)
Zitat
At such an enormous distance it takes roughly 900,000 years to complete one orbit, meaning it has completed less than fifty orbits over its lifetime.
...tatsächlich hat er erst weniger als 50 mal seine Bahn um den Stern nach dessen Entstehung gedreht, ein paar mehr als 50 Bahnen wird er in Zukunft noch schaffen.

Was mich interessiert ist, ob Stern und Planet zusammen entstanden sind, oder ob der Stern ihn irgendwann eingefangen hat, er also vorher doch "einsam" war und irgendwo anders herkam. Es ist für mich kaum vorstellbar, daß die beiden bei einer solchen Entfernung aus der selben kollabierenden Gaswolke entstanden sind. Oder könnte er während der Entstehung so weit rausgeschleudert worden sein?

Offline Gertrud

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Re: Stern/Planeten-System
« Antwort #24 am: 27. Januar 2016, 14:50:20 »
Hallo @Prodatron,
Danke für den Hinweis zu der fehlerhaften Übersetzung. :) Habe es gestern schon etwas berichtigt.

Zu Deiner Frage:
Zitat
Was mich interessiert ist, ob Stern und Planet zusammen entstanden sind, oder ob der Stern ihn irgendwann eingefangen hat, er also vorher doch "einsam" war und irgendwo anders herkam. Es ist für mich kaum vorstellbar, daß die beiden bei einer solchen Entfernung aus der selben kollabierenden Gaswolke entstanden sind. Oder könnte er während der Entstehung so weit rausgeschleudert worden sein?
habe ich mich etwas durch das Internet gelesen. Der Tenor ist, dass noch darum gerätselt wird. Nur in einem Bericht hatte ich die Aussage von Dr. Murphy, ein Wissenschaftler des Team, gefunden, sie spekulieren, dass das Paar vor 10.000.000-45.000.000 Jahren in einer Gaswolke in die gleiche Richtung geschoben wurden. Die Umgebung müßte nicht sehr dicht gewesen sein, da sie nur sehr dünn miteinander verbunden sind. Ein anderer Stern in der Nähe hätte ihre Umlaufbahn vollständig zerstört.

Zitat
"We can speculate they formed 10 million to 45 million years ago from a filament of gas that pushed them together in the same direction," Dr. Murphy said.
"They must not have lived their lives in a very dense environment. They are so tenuously bound together that any nearby star would have disrupted their orbit completely."
Quelle:
http://www.spacedaily.com/reports/Lonely_Planet_Finds_a_Mum_a_Trillion_Km_Away_999.html

Es gibt vier andere Planetensysteme, die in sehr breiten Bahnen zu einander stehen.
 = WD 0806-661 mit ca. 2500 AU.
= GU Psc b mit ca. 2000 AU.
= SR12 C mit ca. 1100 AU.
= Ross 458 C mit ca. 1160 AU.
Die Wissenschaftler haben noch viel Arbeit vor sich, bis sie das Rätsel gelöst haben.

Mit den besten Grüßen
Gertrud
die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
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Die Gabe des Staunens lässt uns die Welt aufgeschlossener sehen und ihre Wunder würdigen. (Richard Henry Lee)

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