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Autor Thema: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?  (Gelesen 16851 mal)

Offline Martin

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Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« am: 03. April 2006, 07:28:54 »
Einer neuen Untersuchung zu Folge schlug der bisher fuer das Aussterben der Aurier verantwortlich gemachte Koerper 300.000 Jahre vor dem Massensterben an der Kreide/Tertiaer - Grenze ein und scheidet als der Schuldige damit aus. Auch duerfte er damit nicht der Verursacher der Iridiumhaltigen Sedimentschicht sein, die man weltweit findet und ihm bisher zuschrieb (aber anders als im untenstehenden SPON Artikel kommt Iridium auf der Erde vor).

http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,409051,00.html

Martin
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H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #1 am: 03. April 2006, 09:19:11 »
Moin Martin,

es gibt ja verschiedene Zeitangaben für das Aussterben der Dinos.

65 Millionen Jahre bzw. 64,5 Millionen Jahre. Das ist bereits eine Differenz von 500 000 Jahren.

Wenn der jetzt ermittelte Zeitpunkt 300 00 Jahre vorher gewesen sein soll, stellt sich die Frage, vor welchem Zeitpunkt.


Jerry

Offline Martin

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #2 am: 04. April 2006, 08:57:23 »
Hallo Jerry,

absolut schwanken vielleicht die Angaben fuer die K-T Grenze, aber man kann relative Angaben machen. Auch wenn man die K-T Grenze und den Einschlag nicht eindeutig bestimmen kann, ist es moeglich, Aussagen ueber die Reihenfolge (und hier wiederum mit absoluten Zahlen zueinander) zu treffen.
Den Beobachtungen in dem Artikel zufolge sind Spuren des Einschlags in aeltern Schichten als der des Iridiummarkers zu finden.

Martin
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H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #3 am: 04. April 2006, 09:33:51 »
Moin Martin,

da gibt es doch noch einen Rhythmus von ~ 62 Millionen Jahren (+/- 2,8), nämlich dann, wenn sich unser Sonnensystem nach unterhalb bzw. oberhalb des galaktischen Äquators (Scheibenebene) bewegt.

Zu diesem Zeitpunkt soll es auch zu starken genetischen Veränderungen kommen, man nennt diese auch Biodiversität.

Ich finde aber leider nichts über den Zeitablauf.


Jerry

Offline Martin

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #4 am: 06. April 2006, 02:05:42 »
Hallo,

astronews.com hat guenstigerweise heute was zum Thema geschrieben:
http://www.astronews.com/news/artikel/2006/04/0604-001.shtml
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H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #5 am: 07. April 2006, 04:56:06 »
Moin Martin,

sehr gut; diese Aussage bestätigt meinen Kenntnisstand.

Aber ein Problem bleibt dennoch ungeklärt:

Wenn der Rhythmus bei ~ 62 Millionen ( +/- 2,8 Millionen ) Jahren liegt, und vor ~ 65 Millionen ( +/- 0,5 Millionen ) Jahren die Dinos ausgestorben sind, dann müßte demnächst eine solche Biodiversität stattfinden.

Aber unser Sonnensystem liegt zur Zeit ~ 15 Lj nördlich der galaktischen Ebene und müßte also in kürzester Zeit auf die galaktische Ebene zurück und das ist ja wohl unwahrscheinlich.

Somit ist wohl diese Theorie auch nicht hilfreich, oder?


Jerry

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #6 am: 27. Oktober 2006, 11:11:16 »
Moin,

zu diesem Thema schreibt www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23840/1.:

Zitat
Viele Einschläge und ein Massensterben

Andrea Naica-Loebell 27.10.2006
Es brauchte wohl mehr als einen Meteoriten, um die Dinos auszulöschen
In Philadelphia tagten gerade die amerikanischen Geologen und erneut wurden Beweise vorgelegt, die Zweifel nähren, dass der Meteoriteneinschlag im heutigen Mexiko, der den Chicxulub-Krater schuf, für das Massensterben am Ende der Kreidezeit verantwortlich ist, dem auch die Dinosaurier zum Opfer fielen. Wahrscheinlich veränderte zuerst ein massiver Vulkanausbruch das Klima der Erde und dann schlugen noch mehrere gigantische kosmische Geschosse nacheinander ein. Ein echtes Horrorszenario.

Einmal mehr ist es Gerta Keller von der Princeton University, die zusammen mit ihren Kollegen Thierry Adatte von der Université de Neuchâtel sowie Zsolt Berner und Doris Stüben von der Universität Karlsruhe erneut die Debatte um den Chicxulub-Impakt anheizt.

Die Paläontologin hatte bereits in der Vergangenheit diese Auseinandersetzung initiiert (The Great Chicxulub Debate). Ausgelöst wurde die Diskussion durch Tiefenbohrungen in dem Krater auf der Yucatan-Halbinsel vor einigen Jahren, deren Resultate Hinweise darauf lieferten, dass er durch einen Meteoriteneinschlag entstand, der 300.000 Jahre vor dem Massensterben stattfand.

Jetzt legte die Forschergruppe auf dem Jahrestreffen der Geological Society of America in Philadelphia neue Beweise für ihre Theorie vor, dass eine ganze Kette von Katastrophen und nicht nur dieser einzelne Einschlag für das Massensterben am Ende der Kreidezeit verantwortlich waren. Mindestens zwei Drittel aller Tierarten überlebten die drastische Klimaveränderung am Übergang zum Paläogen) – früher Tertiär genannt – nicht.

Es musste einiges zusammenkommen, um die Bedingungen auf unserem Planeten so zu verändern, dass die meisten Tierarten und unter ihnen die Saurier endgültig aus der Erdgeschichte abtraten. Gerta Keller ist überzeugt:

Der Chicxulub-Einschlag kann das Massensterben nicht ausgelöst haben, weil dieser Einschlag vor dem Massensterben passierte und offensichtlich gar kein Aussterben verursachte.

Sedimente aus Bohrkernen im Krater, aber auch Untersuchungen von neuen Bohrungen am Brazos River in Texas belegen das. Die Wissenschaftler nahmen die Fossilien kleiner Meereslebewesen unter die Lupe und es zeigte sich, dass sie den Einschlag offenbar noch lange völlig unbeschadet überlebten. "An allen diesen Orten können wir die marinen Mikrofossilien in den Sedimenten direkt über- und unterhalb der Schicht des Chicxulub-Impakts analysieren und nirgends findet sich ein signifikanter biotischer Effekt. Wir können dem Einschlag kein spezifisches Artensterben zuordnen", erläutert Gerta Keller.

Die kleinen Kriechtiere aus dem Meer sind zwar nicht so spektakulär wie ein T-Rex, dafür gab es sie damals (und zwar direkt vor wie auch nach dem Einschlag) so reichlich, dass ihre Fossilien in großer Zahl zu finden sind. Allerdings überlebten sie genau wie die großen Echsen den Übergang ins nächste Erdzeitalter nicht mehr, sie gaben einige hunderttausend Jahre später massenhaft ihren Geist auf.

Am Ende der Kreidezeit müssen nach Meinung der Forschergruppen mehrere riesige Meteoriten eingeschlagen sein, nachdem andauernde und gigantische Vulkanausbrüche zuvor in Indien das Dekkan-Plateau aus Flutbasalt geschaffen hatten. Die Paläontologen um Keller sind der Meinung, dass die Verkettung von Katastrophen zu einer raschen Erderwärmung führte.

Die Eruptionen in Indien setzten große Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre frei, zurzeit des Chicxulub-Einschlags hatten sich die Meere bereits um 3 bis 4 Grad erwärmt. An Land hatte sich die Temperatur bereits um 7 bis 8 Grad gesteigert. Gerta Keller erklärt:

Dieser Treibhaus-Effekt ist gut dokumentiert. Der Temperaturanstieg geschah schnell, über einen Zeitraum von 20.000 Jahren und es blieb für ungefähr 100.000 Jahre derartig warm. Danach kühlte es sich wieder ab noch bevor es zum Massensterben kam.

Die meisten der kleinen Meeresbewohner hatten sich der dramatischen Veränderung ihrer Lebensumstände angepasst, in dem sie auf die Hälfte ihrer normalen Größe schrumpften und ihren Reproduktionszyklus stark beschleunigten. In diese Periode fällt der Chicxulub-Einschlag, was sich bei der Untersuchung der Fossilien zeigte.

Die meisten Arten auf der Erde waren also bereits langanhaltendem Druck auf ihre Überlebensfähigkeit ausgesetzt, als erneut eine Katastrophe über sie hereinbrach. Vermutlich war es ein erneuter sehr massiver Meteorit, der vor 65,5 Millionen Jahren mit der Erde kollidierte und gewaltige Staubwolken aufwirbelte und weltweit die Schicht aus außerirdischem Iridium hinterließ, die tatsächlich das Ende des Zeitalters der Dinosaurier markiert. Aber wo ist der Krater? Gerta Keller kann da bisher auch nur mit den Schultern zucken:

Ich wünschte mir, ich wüsste es. Es gibt einige Hinweise, dass er in Indien eingeschlagen sein könnte, wo sich ein Krater mit einem Durchmesser von 500 Kilometern befindet, dem der Paläontologe Sankar Chatterjee vom Museum der Texas Tech University in Lubbock den Namen Shiva gegeben hat. Allerdings sind die Beweise dafür jetzt noch nicht restlos überzeugend.

Die nächste Runde der Debatte ist eröffnet und es kann davon ausgegangen werden, dass die Fossilien der Meerestiere als Beweiskette nicht alle Zweifler überzeugen werden, dass nicht der Chicxulub-Einschlag das Ende des Zeitalters der Reptilienherrschaft einläutete.

Jerry

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #7 am: 30. November 2006, 22:00:40 »
Moin,

und jetzt haben wir einen neuen Beweis, daß es doch der Chixculub-Einschlag war, der das Aussterben der Dino´s verschuldet hat.

Ken MacLeod, Geologie-Professor an der University of Missouri-Columbia sagt, daß die Proben aus dieser Region eindeutig die Ein-Einschlag-Hypothese stützen, daß dies also der Auslöser des großen Artensterbens vor 65 Millionen Jahren war. Gegner dieser Hypothese widersprechen zwar und sagen, es müßen weitere Einschläge erfolgt sein. Die Proben entstammen einer bestimmten Sedimentschicht aus dem Atlantik, ca. 4.500 km von der Halbinsel Yucatan, dem Einschlagspunkt dieses gewaltigen Asteroiden, entfert.

Mehr dazu gibt es hier >>>>>

Jerry










H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #8 am: 07. September 2007, 02:53:35 »
Moin,

von William Bottke (Southwest Research Institute, Boulder, Colorado) et al.: Nature, Bd. 449, S. 31 gibt es folgende Neuigkeit:

Vor ~ 160 Mill. Jahren fand im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter eine katastrophale Kollision statt. Nach einer Computeranalyse wollen die Wissenschaftler herausgefunden haben, daß zwei gewaltige Felsbrocken zusammenstiessen. An diesem Crash soll auch der Asteroid (298) Baptistina beteiligt gewesen sein. Baptistina bewegt sich in einem Abstand von 2,0474 (Perihel) bis 2,481 (Aphel) AE in 3,4065 Jahren um die Sonne. Die Bahn ist 6,2847° gegen die Ekliptik geneigt, die Bahnexzentrizität beträgt 0,0957.
Baptistina hat einen Durchmesser von etwa 40 km und dürfte zu den kohligen Chondriten gehören. Dabei entstanden viele größere und kleinere Bruchstücke. Eines der größeren Bruchstücke dieser kosmischen Karambolage verirrte sich wohl hundert Millionen Jahre später zur Erde. Wie die Wissenschaftler jetzt meinen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der Meteorit, der am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren in den heutigen Golf von Mexiko einschlug und einen ~ 200 Kilometer großen Krater hinterließ, ein Mitglied der Baptistina-Familie war.



Mehr dazu hier >>>

Jerry  

« Letzte Änderung: 07. September 2007, 02:59:10 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #9 am: 07. März 2010, 07:34:23 »
Moin,

jetzt meinen Wissenschaftler, dass der Chicxulub-Einschlag nun doch der Verursacher des Dino-Sterbens vor ~ 65 Mio Jahren gewesen sein soll.


Bild: uni-erlangen.de
Die mehr als zehn Meter mächtigen Sandstein-
schichten an der Kreide-Tertiär-Grenze in der
Gegend nördlich von Monterrey in Nordmexiko.
Die auffällige hell-dunkle Bänderung zwischen
den beiden Pfeilen resultiert wahrscheinlich von
hin und her gehenden Strömungen der Tsunamis
im Golf von Mexiko, die durch den Chicxulub-Einschlag verursacht wurden.  

Wer die Argumente für diese Theorie nachlesen möchte sieht hier bitte rein >>> Asteroid killed off the dinosaurs oder hier >>> Der Tod kam aus dem All

Warten wir jetzt ab, wann die nächsten Wissenschaftler mit Gegenargumenten kommen und behaupten, dass der Chicxulub-Einschlag doch nicht Verursacher ist - und diese Gegenrede kommt bestimmt.

Jerry



websquid

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #10 am: 07. März 2010, 15:36:42 »
Zu diesem Thema mal eine kleine Statistik entnommen aus Frank Schätzings Sachbuch "Nachrichten aus einem unbekanntem Universum": Von 2000 bis 2005 hat sich die entsprechende Meinung 16 mal geändert. Wenn der Mann alles mitbekommen hat. Die nächste Studie mit anderem Ergebnis kommt bestimmt.
« Letzte Änderung: 07. März 2010, 16:29:51 von websquid »

Offline pikarl

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #11 am: 08. März 2010, 21:13:04 »
Ich habe den Science-Artikel von letzter Woche mal mit Geologenaugen gelesen und hier eine längere Einschätzung dazu geschrieben.

Zusammenfassung: Die Argumente der Vulkanismus-als-Ursache-des-Massensterbens-Befürworter werden dünner. Aber sie werden sich sicher nicht geschlagen geben.

So ist es nun mal in der Wissenschaft. Man kämpft mit Argumenten, bis man den anderen widerlegt hat. Und dummerweise passen sowohl Chicxulub-Einschlag wie Dekkan-Vulkanismus zu dem großen Aussterben wie die Faust aufs Auge. Wir dürfen auf die Réplique gespannt sein.

PS: Eben hab ich noch eine schönere Abbildung der Aussterbeereignisse gefunden:


vergrößern

Man sieht, wie die Biodiversität über die Zeit stark zunimmt und was für eine "Lücke" die K-Pg-Grenze (links) hineinreißt. Zumindest für ein paar Millionen Jahre. Das Leben ist eben robust.

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #12 am: 08. März 2010, 21:29:11 »
Moin Karl,

danke für diese Mordsarbeit; das ist die richtige Lektüre für stille Stunden.

Jerry

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #13 am: 09. März 2010, 09:56:57 »
Moin Karl,

war ´ne richtige schöne Morgenlektüre.
Kommt meinem anderen Hobby entgegen: Paläontologie.

Interessante Grafik. Gut zu erkennen ist auch das Massensterben im Ordovizium (488,3–443,7 Mio Jahre), auf der Grafik 1. gelber Pfeil von rechts.

Dieses Massensterben soll ja durch die grösste Vereisung während des Phanerozoikum bestimmt worden sein (GBR ?- daran wird noch gerätselt, aber möglich).

Grafik in Beitrag 11.

Jerry

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #14 am: 09. März 2010, 11:17:16 »
Moin,

im Portal gefunden >>> Löste Sternexplosion Massensterben aus?

Wenn darüber diskutiert werden sollte, dann bitte in Gamma Ray Bursts.

Jerry

Offline pikarl

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #15 am: 09. März 2010, 12:21:44 »
@Jerry: Der Zusammenhang ist aber klein. Bei dem GRB-Ereignis gehts ja um ein Massensterben im Paläozoikum (>100 Ma vor der Kreide-Paläogen-Grenze). Und die GRB-Hypothese ist relativ schwer zu beweisen, verglichen mit Chicxulub und Dekkan-Trapps.

H.J.Kemm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #16 am: 09. März 2010, 12:35:45 »
Moin Karl,

jau, mein Problem war nur einen Übergang zu finden. Ich fand die Grafik passend für einen möglichen Start hier im Forum über verschiedene Theorien von Massensterben auf unserer Erde durch *Fremdeinwirkungen* - habe aber den richtigen Dreh noch nicht gefunden, aber der kommt noch.

Muss mich mit der Grafik und den zeitlichen Abläufen noch etwas beschäftigen und dann Material raussuchen - werde dann, nach Rücksprache mit meinen beiden Moderatorenkollegen, einen neuen Titel starten.

Jerry

Offline pikarl

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #17 am: 11. April 2010, 16:32:57 »
Das ging wirklich schnell: Nachdem die Impakt-Befürworter in der Debatte ums Massenaussterben an der Kreide-Paläogen-Grenze Anfang März eine umfassende Argumentationslinie aufgebaut hatten (siehe die Meldung vom 8. März), gibt es bereits die ersten Widersprüche.

Michael L. Prauss von der Freien Universität Berlin führt in einer Veröffentlichung paläontologische Argumente an: Originalquelle, hier und hier gibt es Zusammenfassungen.

Prauss argumentiert, dass es vor und nach dem Einschlag wesentliche Veränderungen im Ökosystem gab. Der Chicxulub-Impakt reite sich in diese fatalen Ereignisse ein, war aber nicht der Todesstoß für Flora und Fauna - denn der wurde durch die anhaltenen Vulkanausbrüche in Indien bereitet. Er führt die Messung verschiedener Sporen- und Pollenarten an, die für massive ökologische Schwankungen sprechen. Auch das Verhältnis stabiler Isotope (einem Indikator für organische Produktivität) spreche für diese These.

Zuletzt führt er eine Schicht an, die in besonders hohem Maß Farnsporen enthält. Farne gehören zu den Kolonisatoren verwüsteter Gebiete. Dieser Farnsporen-Peak spricht für die Auswirkungen eines Impakt - aber er wurde deutlich vor dem Beginn des Paläogens und dem großen Massenaussterben abgelagert.

Eine Schwäche ist meiner Meinung nach, dass sich Prauss vor allem auf eine geologische Schichtfolge, rund 1.000 Kilometer nördlich des Chicxulub-Kraters bezieht. Andererseits ist das eine der besterhaltenen Gesteinsaufschlüsse der Oberkreide.

Offline einsteinturm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #18 am: 09. Juli 2011, 19:12:06 »
Hallo, ich habe mir gerade die Zusammenfassung von Pikarl durchgelesen, wirklich toll und kompakt ! Ich persönlich tendiere zur Asteroidenhypothese, das es den Chixzulubeinschlag gegeben hat und das er katastrophal war, daran besteht halt kein Zweifel, ob er das komplette Aussterben bewirkt hat, ist finde ich eine Nebenfrage. Die wissenschaftliche Diskussion wirkt aber schon lange nicht mehr offen (besonders von der Antiasteroidenfraktion) sondern eher nach Recht haben wollen, aber mal sehen was noch kommt, solange nichts gefälscht wird bringt es zumindest das Wissen irgendwie voran.
Kleine Anmerkung, die mit Abstand größte vulkanische Provinz sind die sibirischen Trapps mit 1-4 Mio. Kubikkilometern Lava, interessanterweise zeitlich in der Nähe des größten Sterbens an der Perm-Trias-Grenze. Ich frage mich ob solche Dinge nicht einen direkten physikalischen Zusammenhang haben könnten ?

Der Energieeintrag in den Erdmantel bei solchen Einschlägen ist doch vielleicht groß genug, um solchen schweren Vulkanismus wie Sibirischer und Dekkan-Trapp erst in Gang zu bringen und es scheint doch absolut außergewöhnlicher Vulkanismus in beiden Fällen gewesen zu sein, innerhalb riesiger Zeitabstände ? Ein Hotspot als Erklärung klingt da etwas mau. Und so gibt es ja auch zur Perm-Trias-Grenze zwei Kandidaten
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilkesland-Meteorit und http://de.wikipedia.org/wiki/Bedout

Aber noch viel älter und noch viel schwieriger nachzuweisen.

Vielleicht hat jemand zum Zusammenhang Einschlag-Vulkanismus was gelesen oder gehört?

Offline Brainstorm64

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #19 am: 10. Juli 2011, 08:49:42 »
Ja, davon habe ich schonmal was gelesen. Durch den Einschlag sollen sich Druckwellen durch die Erde fortgepflanzt haben. Die Region auf der sich die Vulkanischen Aktivitäten abspielten lag nicht umsonst dem Einschlag genau gegenüber.
Wir kennen das heute noch von Erdbeben. Ein Erdbeben auf der einen Seite der Erde kann, wenn es stark genug ist, auf der anderen Seite der Erde registriert werden. So ein Asteroideneinschlag,besonders in der Größe wie dieser, muss also mindestens deutlich spürbare Erdbeben erzeugt haben. Da es sich bei einem Asteroiden um eine Wirkung mit deutlichem Druck auf den Boden handelt, ist durchaus vorstellbar daß es dabei auch zu Materiealauswurf, also Vulkanismus kommt. Hier müsste ein Geologe das mal durchrechnen, wie groß die Wirkung des Asteroiden ist, und wie stark das auf die Erde wirkt.
Schödingers Katze ist jetzt 77 Jahre alt, glaubt Ihr wirklich daß die noch lebt?

Offline einsteinturm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #20 am: 10. Juli 2011, 19:47:09 »
Ich kann mich auf jeden Fall erinnern, das beim Tsunamibeben und beim großen Japanbeben und auch bei dem großen in Chile von minimalen Verschiebungen der Erdachse sowie einem Nachschwingen ähnlich einer Glocke die Rede war.

Bei Einschlägen wie Chicxulub, Vredefort oder meinetwegen auch Wilkesland muss es schon im Erdkörper einiges an Bewegung gegeben haben, oder sind die Dimensionen trotzdem noch winzig für den Körper der Erde ?

Vredefort als der größte bisher bestätigte Einschlag mit 320 x 180 km Krater und einem nach Wikipedia 40 km  :o tiefen Loch in der Erdkruste, was könnte der bewirkt haben ? Wie lange "schwappt" es da im Erdinnern hin und her ? Ich muss zugeben das mir bei weitem das mathematische Handwerkszeug fehlt um überhaupt die Dimensionen zu erfassen, war es doch nur ein Nadelstich für die Erde ?

Das mit dem gegenüberliegen, würde das auch auf Perm-Trias zuterffen, wo lagen denn damals die sibirischen Trapps, nähme man mal den angeblichen 500 km Wilkeslandkrater als Verursacher an ?

Da es für Wilkesland an Iridiumspuren mangelt, wie sieht es damit bei Sudbury und Vredefort aus, das ist zwar wieder noch etliche 100 Mios früher, aber da müsste es doch was geben. Oder das hat was mit der Zusammensetzung zu tun ?

Bernard7

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #21 am: 11. Juli 2011, 17:35:04 »
Hallo,

in einer Studie, veröffentlicht in "Science", haben die 40 beteiligten Forscher der Studie aus Princeton wiederlegt. Sie sind der Meinung, dass nur der Chicxulub-Impakt das Massensterben vollständig erklären kann.

Quelle:http://www.astronews.com/news/artikel/2010/03/1003-009p.html

Die Energiemenge die dabei an das Erdsystem (Erde und Atmosphäre) abgegeben wurde war so gewaltig, das die ganze Erde lichterloh brannte.Es wurde berechnet, das der Asteroid soll eine Sprengkraft von 100 Millionen Megatonnen TNT gehabt haben. Sehr gut vergleichbar als wäre im Radius von 8 Killometer je eine Atombombe explodiert. Nach dem Einschlag sorgten womöglich noch die Hypercanes, Monsterwinde mit bis 500-800 Kilometer pro Stunde, für den Rest. Für uns ist das alles absolut unvorstellbar!

Dazu noch ein interessanter Artikel: "Das ungelöste Rätsel vom Knall aus dem All", Febraur 2011,

http://www.kunstundkosmos.de/Astronomie/Chicxulubkrater.html

und eine BBC Dokumentation "Der Megasturm"-


Der Megasturm


Gruss Bernard7

Offline redmoon

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #22 am: 11. Juli 2011, 19:01:55 »
Hallo,

dazu hatten wir übrigens auch eine Meldung auf unserer Portalseite :
http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/08032010210205.shtml 

Hier noch der Link zu dem Science-Artikel : 
http://www.sciencemag.org/content/327/5970/1214 

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Nicht ewig bleibt die Menschheit auf der Erde - Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski

Offline einsteinturm

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #23 am: 13. Juli 2011, 06:51:43 »
Interessante Sachen ! Habe es im GOCE Thread mal nachgefargt aber bisher keine Antwort bekommen: Man vermutet ja unter dem Wilkeslandeisdome einen noch wesentlich größeren Krater (500 km), der Einschlag könnte für die Perm-Trias-Grenze gesorgt haben. Womöglich gäbe es auch eine Verbindung zu den sibirischen Trapps. GOCE müsste ja nun eigentlich genauer als GRACE nachgeschaut haben, ob da was dran ist ? Leider sieht man immer nur die übrigen Kontinente :( ...und wahrscheinlich müsste sowieso gebohrt werden, um das zu bestätigen. Aber ein Zusammenhang zwischen schwersten Einschlägen und folgendem jahrtausendelangen Extremvulkanismus wäre schon ein interessanter Ansatz.

Offline hp6300

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Re: Chicxulub-Einschlag Dino-Killer?
« Antwort #24 am: 28. Oktober 2015, 11:28:02 »
Was wäre wenn ....?

das nicht passiert wäre würde es Menschen auf der Erde geben ?

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