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23. März 2019, 19:29:42
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Autor Thema: Die erste deutsche Astronautin?  (Gelesen 79019 mal)

Offline Voyager_VI

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #425 am: 13. März 2019, 15:32:08 »
Chancen muss man nutzen, sie kommen sehr selten noch einmal

Als die damals zuständige Staatssekretärin für Raumfahrt nur warme Worte und kein Geld in ihrem Budget für die Unterstützung dieses Projektes fand, war dies de facto der Todesstoß. Als Bundesministerin hätte sie noch in der Mittelfristigen Haushaltsplanung die Weichen für die Zukunft stellen können. Aber es gab ja im BMWi kein Vorhaben mit entsprechenden „Verpflichtungsermächtigungen“ (spezielles Instrument in der Haushaltsführung der öffentlichen Haushalte) für die Folgejahre.

Frauen brauchen keine warmen Worte zum 8. März sondern konkretes Handeln.
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Offline F-D-R

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #426 am: 13. März 2019, 16:21:49 »
Ja, ich kann mich noch sehr, sehr gut an die "tolle" Rede von Frau Zypries 2017 in Berlin erinnern. Da hätten alle Politiker sofort vor Scham im Teppich versinken müssen!
https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/25042017083852.shtml
Ich hatte im Vorfeld zu diesem Artikel mit einigen bekannten Größen in der Raumfahrtberichterstattung geredet. Auf die Frage: "Wird das was werden?" kam einhellig die Antwort: "Zweifellos, selbstverständlich!". Als ich dann fragte, ob ich das so namentlich zitieren darf, kam ein einhelliges "NEIN!".

Trotzdem möchte ich diesen schönen Traum noch nicht als gescheitert begraben... .
Obwohl im Moment für den Außenstehenden alles dagegen spricht.   

Offline Schillrich

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #427 am: 13. März 2019, 19:12:25 »
Hallo zusammen,

sorry, dass ich das sagen muss, aber die letzten Beiträge sind eine Verklärung der Tatsachen.

Es gibt ein ordentliches, deutsches Raumfahrtprogramm, dass über die ESA bemannte Raumfahrt finanziert. Das Astronautencorps ist klein, aber es gab eine große, offene Ausschreibung. Da durfte sich jeder berufen fühlen, sich zu bewerben. Es wurden gute Kandidaten ausgewählt. Diese Raumfahrer wurden dann ordentlich ausgebildet und mit ihnen betreiben wir, zusammen mit unseren Partnern, die ISS im Orbit.
Und dann kommt da eine private, laute Initiative und fordert ein Extra-Budget und eine Sonderrolle ... mit viel PR-Tamtam ... und setzt der Politik fast schon "die Pistole auf die Brust". Es war ganz klar, dass das nicht durchkommt (alle, die was anderes sagten, kennen sich mit dem deutschen Raumfahrtprogramm nicht aus). So eine Sonderbehandlung wäre unfair allen anderen Kandidaten und Mitwirkenden im echten Raumfahrtprogramm gegenüber.
Außerdem vermute ich: so eine reine PR-Kampagne (Wir bringen eine Frau hoch ... egal wofür ... egal wo das Geld herkommt ... Hauptsache eine Frau) täte auch der Frauenrolle keinen guten Dienst. Wenn, dann doch unter gleichen Bedingungen, und gerade nicht "weil Frau eine Frau ist".

Diese Kampagne darf ja gerne weitermachen und auf einen Spender hoffen ... aber nicht auf Steuergelder ... für eine "Ein-Frau-Show".
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

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Offline Gertrud

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #428 am: 13. März 2019, 19:34:23 »
Hallo Schillrich,

deine Worte geben meine Gedanken wieder und ich stimme dir voll zu.

Mit dankenden Grüßen dafür
Gertrud

die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
***
Die Gabe des Staunens lässt uns die Welt aufgeschlossener sehen und ihre Wunder würdigen. (Richard Henry Lee)

Offline tomtom

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #429 am: 13. März 2019, 20:09:04 »
sorry, dass ich das sagen muss, aber die letzten Beiträge sind eine Verklärung der Tatsachen.

sorry, deine ist jetzt aber auch eine etwas verklärende Darstellung.

Vor zwei Jahren wurden die Kandidatinnen vorgestellt und voraus gingen mindestens zwei Jahre und seit 2008 und auf absehbare Zeit gibt es keine andere Auswahlrunde. Ich sehe nicht, dass der Politik die Pistole auf die Brust gesetzt wurde, da war Frau Zypries gerne dabei, nachdem Samantha Cristoforetti so gut ankam. Tamtam macht die ESA auch gerne. Gender wird in den Medien rauf und runter thematisiert.

Wenn es also darum geht, in erster Linie eine deutsche Frau als nationales Ziel einen Flug zu ermöglichen, ist das natürlich ein Fall für Steuergelder. Welcher Sponsor sollte sonst daran ein Interesse haben.

Genau darin liegt der Fehler des ganzen. Es ist einfach nur schlecht organisiert.

Diese Initiative, Bavaria One, Weltraumgesetz, Newspace - ich bin gespannt, ob Deutschland nochmal was zustande bringt.

Offline Schillrich

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #430 am: 13. März 2019, 20:31:08 »
Warum soll die Politik das für diese Kampagne machen und finanzieren? Für viel Geld brächte man eine Frau zur ISS. Und danach? Sie wäre nicht Teil des Astronautencorps, sie würde nicht nochmal fliegen, sie würde keinen Beitrag zur Nutzung der ISS bringen. Sie wäre praktsich auf keiner Stufe vergleichbar mit den anderen Astronauten Europas. Welches Zeichen wäre das: Wir machen Symbole, aber keine tatsächliche, nachhaltige Entwicklung in der Frage? ... Für so einen "Stunt" darf sich eine privater Spender finden.

Anders herum wäre es wohl möglich gewesen bei der damaligen Aufstockung des Astronautencorps Deutschland anders aufzustellen: 2 deutsche Astronauten, einer wird aus den männlichen und eine aus den weiblichen Kandidaten bestimmt. Dann hätte man eine echte Astronautin, an die dieselben Anforderungen gestellt wurden, die dieselbe Ausbildung durchlaufen und dieselbe Befähigung erlangt hat und die dasselbe im Orbit leistet wie die männlichen Astronauten.
\\   //    Grüße
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Offline tobi

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #431 am: 13. März 2019, 20:39:42 »
@tomtom: Also die Initiative war schon etwas zweifelhaft, oder? Mir war das ganze etwas zu sehr national und zu wenig europäisch. Und dass es mit dem Geld nicht hinhaut, war doch recht offensichtlich oder?

Die Schuld bzgl. eines Mangels an weiblichen Astronauten ist eindeutig bei der ESA zu suchen, denn die Amis schaffen es weibliche Astronauten zu finden. Wie kann das nur sein?

Aktuell gibt es keine einzige aktive weibliche europäische Astronautin. Denn Samantha Cristoforetti ist wohl aus dem aktiven Flugprogramm ausgestiegen und macht nur noch Bodenzeugs.

Zitat
Diese Initiative, Bavaria One, Weltraumgesetz, Newspace - ich bin gespannt, ob Deutschland nochmal was zustande bringt.
Nix wird da klappen. Bei der nächsten Ministerratskonferenz wird Deutschland von Frankreich richtig abserviert. Nur noch die EU kann die europäische Raumfahrt retten.
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!"

Offline proton01

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #432 am: 14. März 2019, 06:40:44 »
Beim IAC Kongress 2018 in Bremen hat ein Professor der Initiative die Experimente dargestellt, welche für den Flug der "Astronautin" angedacht sind. Dabei war höchstens eines, für welches in der iSS die Anwesenheit einer weiblichen Testperson erforderlich ist. Alle anderen können genauso gut von männlichen Astronauten durchgeführt werden.

Im Übrigen, Deutschland hat bei der ESA den neuen Astronauten Matthias Maurer nachgemeldet. der ist nun offiziell ESA-Astronaut und es besteht null Notwendigkeit einen weiteren Kandidaten oder Kandidatin nachzureichen.

Schillrich hat völlig recht, die ganze Aktion ist m.E. überflüssig.

Offline Rücksturz

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #433 am: 14. März 2019, 22:13:48 »
Anders herum wäre es wohl möglich gewesen bei der damaligen Aufstockung des Astronautencorps Deutschland anders aufzustellen: 2 deutsche Astronauten, einer wird aus den männlichen und eine aus den weiblichen Kandidaten bestimmt. Dann hätte man eine echte Astronautin, an die dieselben Anforderungen gestellt wurden, die dieselbe Ausbildung durchlaufen und dieselbe Befähigung erlangt hat und die dasselbe im Orbit leistet wie die männlichen Astronauten.

Natürlich wäre das besser gewesen, aber es ist halt nicht passiert. Momentan gibt es soweit ich weiß keine Frau "im Wartestand", so wie Mathias Maurer auf seine Chance gewartet hat.

Wegen der fehlenden Finanzierung, glaube ich momentan nicht an einen Erfolg der Initiative.
Ich würde mich aber freuen, wenn es doch noch klappen sollte.
Schade dass ich es nicht geschafft habe Suzanna Randall zu einem Vortrag beim Raumcon-Treff zu bekommen, eine Einschätzung aus erster Hand wäre nicht schlecht gewesen.

Generell denke ich, die ESA müsste langsam darüber nachdenken für den Mond zu planen und eine neue Astronauten-Bewerbungsrunde starten.
Das wäre dann auch die Gelegenheit deutlich mehr Frauen für eine Bewerbung zu motivieren und dann auch mehr Frauen auszuwählen.

Viele Grüße
Rücksturz
BFR/BFS: One rocket to rule them all!

Offline Voyager_VI

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #434 am: 15. März 2019, 00:24:45 »
Man kann es drehen und wenden wie man will, die Tür für eine deutsche Astronautin ist m. E. auf der ISS bis zum Ende der Station zu.

Die erste deutsche Astronautin wird vermutlich Sonja Rohde auf einem ballistischen Flug sein, dessen Finanzierung sie organisiert hat.
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Offline LeavingOrbit

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Re: Die erste deutsche Astronautin?
« Antwort #435 am: 15. März 2019, 12:42:43 »
Danke, Schillrich. Ganz meine Meinung. Inklusive des Blickwinkels auf den Nutzen für uns Frauen allgemein. Eine Einmal-Astronautin, die erst jahrelang um Spenden betteln muss, damit auch nur der Parabelflug stattfinden kann, hat nichtmal eine Alibi-Funktion in der Emanzipation.

Und dass es ausgerechnet eine deutsche Frau sein muss, geht mir auch gegen den Strich. Das ist un-europäisch. (Verstanden hätte ich diese Fixierung auf die Nationalität bestenfalls noch bei Ländern wie Luxemburg, aus dem sich 2008 keine Frau überhaupt auch nur bei der ESA beworben hat.) Aber einfach "Frau ins All" hätte ja nicht gezogen - es waren ja schon viele oben.  ::)

Aus einem "Zeit"-Artikel nach der damaligen Wahl der Kandidatinnen wurde deutlich, dass HE-Space bzw. Kessler wohl hoffte, "Die Astronautin" später für weitere Flüge quasi vermieten zu können, um Forschungsarbeiten für Firmen und Institute durchzuführen. Leih-Astronautin einer Leiharbeitsfirma, gewissermaßen. Im Grunde war die ganze Aktion also ein Versuch, die Aus- bzw. weiterbildung einer verdammt teuren Mitarbeiterin von Spendern und der Kandidatin selbst bezahlen zu lassen und alle Beteiligten auch noch glauben zu machen, sie hätten damit etwas für die Rechte der Frau getan.

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