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"In Space Newsletter" Ausgabe #009
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Was wird aus der deutschen Raumfahrt?
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Verehrte Leserinnen und Leser,
da kommt man als an Raumfahrt und Astronomie interessierter Leser doch schon mal kurzzeitig ins Stocken: Um bescheidene 45 Milliarden Dollar will der amerikanische Präsident den Militäretat für das kommende Haushaltsjahr aufstocken, all dies natürlich vor dem Hintergrund der erhöhten Aufwendungen für den "Kampf gegen den Internationalen Terrorismus". Ob dort die gleiche Sorgfalt bei der Mittelverwendung aufgewendet werden wird, wie sie von der NASA beispielsweise in Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der Internationalen Raumstation ISS (durchaus zu Recht) verlangt wird? Aber wer will sich schon vorwerfen lassen, nicht genug gegen die Bedrohung der Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu unternehmen...
Unsere Autoren Raphael Kallensee und Günter Fischer entführen Sie in den Rubriken History Special und Space Focus heute wieder einmal in die Frühzeit der Raumfahrt und bringen Ihnen das »Gemini«-Programm der NASA nahe, während Karl Urban im HotSpot einen Blick auf den Stellenwert der Raumfahrt im Deutschland unserer Tage wirft. Wie jede Woche bieten auch der Surftipp und unsere Rubrik InDetail wieder neuen Lesestoff für Sie, und die InSpace-News der vergangenen Woche vermitteln einen Überblick über alle wichtigen aktuellen Ereignisse aus Astronomie und Raumfahrt.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Michael Stein
Chefredakteur
"In Space - The Raumfahrer.net"
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Space Focus: Computer und Raumfahrt (Teil 4) |
von Günter Fischer | |
Der Gemini Digital Computer
Der Ferrit-Kern-Speicher wurde im vorangegangenen Artikel (siehe »In Space Newsletter« #008) sehr ausführlich behandelt. Dies war nötig, da dieser Ferrit-Kern-Speicher zu dieser Zeit die Innovation in der Computertechnik darstellte. Wenn man sich eine typische Mission vor Augen hält wird es sofort deutlich, worin der Vorteil der Ferrit-Kern-Speicher lag. Der Computer wurde in der Startsequenz genutzt um die Brennzeit der Trägerrakete zu steuern. Wurde der Orbit erreicht, so wurde der Rechner ausgeschaltet um Strom zu sparen. Durch die Ferrit-Kern-Speicher gab es keinen Datenverlust und beim erneuten Anfahren des Rechners keine Zeitverluste. Im zuvor verwendeten Speicher, welcher fest verdrahtet war, wurde das Programm nicht permanent gehalten, kein Strom - keine Daten. Das Programm musste immer wieder von einem Bandgerät eingelesen werden, was mitunter Wartezeiten von bis zu sechs Minuten bedeutete und somit für schnelle Manöver nicht zu verwenden war.
Der Gemini-Digital-Computer besaß drei Interfaces:
1. Die Manuelle Dateneingabeeinheit (MDIU-Manual Data Insertion Unit)
2. Den Geschwindigkeitsanzeiger (IVI-Incremental Velocity Indicator) und
3. die Computer Controls.
Sie beinhalteten einen Modusschalter, einen Startschalter sowie einen Resetschalter. Es gab zwei optische Anzeigen, ein Betriebslicht und ein Licht für Funktionsstörungen. Der Modusschalter hatte sieben Positionen zur Auswahl. Es konnten auszuführende Programme oder verschiedene Messungen ausgewählt werden. Der Startschalter startete den Rechner und lud das gewählte Programm in den Hauptspeicher. Der Resetschalter hatte schon damals die Funktionen, die er noch heute inne hat: Den Neustart des Rechners aus dem laufenden Betrieb heraus, die Selbstdiagnose und die Wiederherstellung des betriebsbereiten Zustandes.
Die Einheit zur Dateneingabe (MDIU) befand sich auf der Seite des Gemini-Kopiloten. Sie bestand aus einer 10-Ziffern-Tastatur mit festen Funktionen. Wurden Daten eingegeben, so waren zuerst zwei Tasten zu drücken, welche die Speicheradresse festlegten. Fünf Tasten dienten zur Dateneingabe. Negative Zahlen wurden durch das Voranstellen der Ziffern "Neun" gekennzeichnet. Um Daten auszulesen waren wiederum zwei bestimmte Tasten zu drücken welche den Speicherort angaben. Letztendlich wurde noch die Readout-Taste gedrückt und das Ergebnis wurde auf der Ausleseeinheit angezeigt. Fehlfunktionen wurden durch ein rotes Licht auf der Armaturentafel des Kopiloten angezeigt.
Quelle: NASA History Office, IBM Corporate Archives
Dieser Artikel wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.
Related Links:
Bemannte Missionen Raumsonden
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HotSpot: Was wird aus der deutschen Raumfahrt? |
von Karl Urban | |
November 2001, Edinburgh (Schottland): Die Forschungsminister der ESA treffen zusammen, um die Geldmittel für die Raumfahrt der nächsten Jahre festzulegen. Entscheidende Änderungen sind nicht geplant: Dem Betrieb und der Weiterentwicklung der Ariane 5 und der Erderforschung werden die meisten Mittel zugeteilt. Einen wirklichen Blick in die Zukunft der europäischen Raumfahrt wirft lediglich das »Aurora«-Programm. Im Rahmen von »Aurora« will die ESA im Vergleich zu internationalen Raumfahrtorganisationen aufsteigen. »Aurora« soll die ESA zum Beispiel im Bereich der Erforschung des Sonnensystems voranbringen. Allerdings ist dies vorerst noch Zukunftsmusik: »Aurora« befindet sich noch im Planungs- und Entwicklungsstadium, in den nächsten fünf Jahren will man Konzepte entwickeln, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
Deutschland wird beim ESA-Rat in Edinburgh durch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn vertreten. Doch schon im Vorhinein ist der Druck von deutschen Raumfahrtunterstützern groß. Deutschland beteilige sich in den vergangenen Jahren zu wenig an internationalen Projekten, meinen sie. Die Raumfahrt wird von der deutschen Politik generell nicht ernst genug genommen. Auch das »Aurora«-Programm wird hierzulande eher belächelt.
Doch auch unter der Bevölkerung ist die Aufklärung über den Nutzen der Raumfahrt und damit die Anzahl der Anhänger auffallend gering. Nahezu sehnsüchtig können deutsche Raumfahrtvereine in die USA schauen, wo vergleichbare Vereinigungen 100.000 Mitglieder und mehr haben. Doch ein Blick ins Nachbarland zeigt, das es auch anders geht: Die französische Raumfahrtagentur CNES beweist, dass man die Akzeptanz durch innovative Projekte und bessere Öffentlichkeitsarbeit erhöhen kann.
Die Raumfahrt ist für die menschliche Zivilisation ein unersetzbarer Bereich geworden, das beweisen Telekommunikation, Meteorologie und Geowissenschaften. Doch auch die Erforschung des Sonnensystems und des Universums spielt eine entscheidende Rolle beim Verständnis anderer Wissenschaftsbereiche auf der Erde. Daher betrübt die Tatsache besonders, das gerade Deutschland kaum Interesse zeigt, die Raumfahrt zu unterstützen.
Related Links:
Hotspot-Archiv
»Aurora«-Programm der ESA
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History Special: Das Gemini-Programm |
von Raphael Kallensee | |
Das »Gemini«-Programm, 1962 initiiert, war das zweite bemannte Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten. Den Namen des Projekts »Gemini« - zu deutsch "Zwilling" - kann man sowohl auf die zwei Personen starke Crew als auch das Sternbild beziehen. Das Programm beinhaltete zwölf Flüge, in denen zwei unbemannte Equipment-Testflüge inbegriffen waren.
Die Ziele des Projekts waren klar gefasst: eine bemannte Crew sollte mit entsprechend entwickelter Ausrüstung für zwei Wochen im All leben, im Erdorbit sollte ein Andockmanöver mit Triebwerkssystemen des Zielvehikels durchgeführt werden und die Crew musste auf dem Rückflug ein perfekt ausgeklügeltes Wiedereintritts- und Landemanöver bewältigen und schließlich auf einem vorher festgelegten Punkt landen. Im Laufe des Projekts konnten alle Ziele erfolgreich umgesetzt werden - die Landung zu Land ausgenommen, deshalb brach man den Versuch 1964 ab.
Im Grunde war das »Gemini«-Programm nur der notwendige Zwischenschritt zwischen dem »Mercury«- und »Apollo«-Projekt, da die NASA in Bezug auf bemannte Raumfahrtmissionen noch einige Erfahrungen sammeln musste, um später beispielsweise eine einwandfreie Mondmission durchführen zu können. Zu der damaligen Zeit war man sich auch noch völlig im Unklaren darüber, wie sich die fehlende Schwerkraft auf den menschlichen Organismus auswirkt. Deshalb wurden bei »Gemini« zahlreiche Daten über den Zustand der Astronauten gesammelt.
Nun will ich auf das Vehikel zu sprechen zu kommen, das bei »Gemini« verwendet wurde. Es war eine vergrößerte Version der »Mercury«-Kapsel. Es war 5,8 Meter lang und 3 Meter breit, das Gewicht betrug 3,8 Tonnen. Durch die technische Weiterentwicklung der Systeme mussten die Astronauten für das Raumfahrzeug nicht mehr so viel Zeit für Wartungsarbeiten und Kurskorrekturen aufwenden. In den Orbit wurde das »Gemini«-Vehikel mit Hilfe einer »Titan II«-Rakete transportiert.
Im Verlauf des Projekts wurde die Zeit, die die Kapsel im Orbit verbringen sollte, immer weiter leicht angehoben - die ersten Kapseln befanden sich nur wenige Stunden in der Erdumlaufbahn, bis dann eine Dauer von etwa zwei Wochen erreicht wurde. Nach und nach verwendete man die Missionen dann auch dazu, um die Andockmanöver zu testen und die Landung zu perfektionieren. Letzteres schlug, wie erwähnt, fehl - man erreichte nie exakt den vorbestimmten Landepunkt.
An das »Gemini«-Projekt schloss sich nach kurzer Zeit das »Apollo«-Programm an, bei dem nach zahlreichen Testflügen schließlich der Mond erreicht wurde.
In der nächsten Ausgabe berichten wir über das »Apollo«-Programm der NASARelated Links:
Bemannte Missionen
Trägerraketen
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ISS Weekly Report |
von Raphael Kallensee | |
Zweiter Einsatz beendet
Die Crew an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) begann die Woche zunächst mit technischen Aufgaben: sie wechselte eine Computer-Datenspeicherungseinheit gegen eine Robustere aus. Dies geschah in ständiger Kommunikation mit Experten am Boden; die Einheit befand sich im zentralen Kommando- und Kontrollcomputer Eins (C&C 1). Vom Boden aus wurde ebenfalls die Kontroll- und Navigationssoftware der Station auf den neuesten Stand gebracht.
Die restliche Woche nutzte die Crew insbesondere dazu, den zweiten Weltraumspaziergang ausreichend vorzubereiten. So wurden wieder die Raumanzüge auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft sowie die Pläne für die Arbeiten genau studiert.
Ende der Woche, am Freitag, wurde dann endlich der Außeneinsatz durchgeführt. Dabei wurden elf neue Systeme an der Station angebracht. Dazu zählen sechs Triebwerksdeflektoren und eine Amateurfunk-Antenne. Auch drei Materialforschungs- und eine Physik-Stoffprobe wurden an der Station angebracht und im gleichen Zuge ein bereits schon älteres Experiment wieder in die Station zurückgebracht. Letzteres dient dazu, die Stoffe zu erforschen, die von Triebwerken im Erdorbit ausgestoßen werden. Außerdem brachten die Astronauten Schienen außen am Zvezda-Modul an, mit deren Hilfe später Equipment außen am Modul befestigt werden kann, denn der Laderaum der Station ist bekanntlich nicht gerade unerschöpflich.
Related Links:
Internationale Raumstation
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Die Seite Raumreise.com bietet viele Informationen über Astronomie und Raumfahrt. Es gibt ein mit verschiedenen Partnern betriebenes Forum, die Themen Astronomie, Sonnensystem, Milchstraße, Universum, Raumfahrt, Glossar, Links und Downloads.
Auf der Startseite findet sich immer Das NASA-Bild des Tages. Es ist verbunden mit englischen Informationen. Bei Astronomie findet man alles, von der Entwicklung bis zu Teleskopen. Unter Das Sonnensystem findet man Planeten, Monde, Asteroiden, Kometen, Meteoren und die Sonne. Die Milchstraße enthält Informationen über Sterne, Nebel, Pulsare, Neutronensterne, Weiße Zwerge, Schwarze Löcher, Sternenhaufen und Supernova. Das Universum hält Wissenswertes über Dunkle Materie und den Urknall bereit. Im Glossar sind Begriffe aus Astronomie und Raumfahrt kurz umschrieben. Bei den Downloads findet man Hintergrundbilder und Bildschirmschoner.
Die Raumreise ist also auf jeden Fall einen Besuch wert.
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InDetail: Spektralanalyse |
von Michael Stein | |
Die bereits 1859 von Robert Wilhelm Bunsen und Gustav Kirchhof entwickelte Spektralanalyse basiert auf der 1814 von Joseph von Fraunhofer gemachten Entdeckung, dass das Spektrum des Sonnenlichts an verschiedenen Stellen dunkle Linien aufweist. Während die Spektralanalyse ursprünglich nur auf das sichtbare Licht angewendet wurde, indem man es durch ein Prisma oder ein Gitter lenkte und es dadurch entsprechend der unterschiedlichen Wellenlängen seiner einzelnen Bestandteile verschieden stark abgelenkt wurde, wird sie heute oft auch auf den ultravioletten und nahen infraroten Spektralbereich angewendet. Die von Fraunhofer bei der Untersuchung des Sonnenspektrums sowie des Spektrums verschiedener Sterne entdeckten dunklen Linien sind sogenannte Absorptionslinien, die daher rühren, dass chemische Elemente Lichtteilchen (sog. Photonen) mit einer ganz bestimmten Wellenlänge absorbieren.
Wenn dieser Zusammenhang erst einmal hergestellt ist, dann ist "nur noch" viel Fleißarbeit nötig um herauszufinden, welches chemische Element an welcher Stelle des Spektrums eine Lücke bzw. dunkle Linie hinterlässt. Analog zu den Absorptionslinien gibt es im Spektrum auch Emissionslinien, die dadurch entstehen, dass chemische Elemente angeregt werden und Licht einer ganz bestimmten Wellenlänge ausstrahlen, was sich dann als hellere Linie im Spektrum des untersuchten Himmelskörpers niederschlägt. Mit Hilfe der Analyse von Absorptions- und Emissionslinien in einem Spektrum lassen sich Erkenntnisse über das Vorhandensein chemischer Elemente in einem Objekt gewinnen, ohne dieses körperlich untersuchen zu müssen. Die Astrospektroskopie als Anwendung der Spektralanalyse auf kosmische Objekte bietet somit die einzige Möglichkeit, etwas über die chemisch-physikalische Zusammensetzung von Himmelskörpern zu erfahren, die einer direkten Untersuchung aufgrund ihrer Entfernung oder aber wie bei unserer Sonne z.B. aufgrund ihrer Oberflächentemperatur nicht zugänglich sind.
Die Spektren von Sternen enthalten üblicherweise ausschließlich Absorptionslinien, während leuchtende Gasnebel Beispiele für kosmische Objekte darstellen, deren Spektrum Emissionslinien enthalten. Ursache hierfür ist die (theoretisch hergeleitete) Tatsache, dass Absorptionslinien nur dann auftreten können, wenn die das Licht verursachende Materie heißer ist als die chemischen Elemente, die dem Licht quasi ihren "Stempel" in Form eben jener Absorptionslinien aufdrücken (für Emissionslinien gilt die umgekehrte Beziehung).
Die Spektralanalyse von Sonnen- oder Sternenlicht liefert keine Informationen über die im Inneren des Sterns vorhandenen chemischen Elemente, da die Absorptionslinien erst durch Wechselwirkung des Lichts mit den äußersten Schichten der Sternenatmosphäre entstehen - nur über diesen Randbereich eines Sterns können also damit Erkenntnisse gewonnen werden.
Die Spektralanalyse stellt einen derartigen Fortschritt bei der physikalischen und chemischen Untersuchung kosmischer Objekte dar, dass ihre Entwicklung als Marke für den Übergang von der klassischen Astronomie zu Astrophysik angesehen wird.
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"In Space Newsletter" #009
Erscheinungsdatum:
26. Januar 2002
Auflage: 409 Exemplare
Chefredaktion:
Karl Urban
Michael Stein
Redaktionsleitung:
David Langkamp
Redaktion:
Christian Ackermann
Günter Fischer
Raphael Kallensee
Clemens Mach
Walter Maierhofer
Meik Lampmann (Space-Weltraum.de)
Sven Piper (Astris.de)
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