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"In Space Newsletter" Ausgabe #012
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Astronomie- und Raumfahrtnews
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ENVISAT (2)
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Apollo 13
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Verehrte Leserinnen und Leser,
die Welt ist seltsam. Amerikanische Präsidenten haben das Denken verlernt und keiner tut etwas dagegen. Die Leute wählen ihn trotzdem. Ich las vor kurzem den Science Fiction-Klassiker Fahrenheit 451 und musste voller Erschrecken feststellen, dass das Horrorbild des Autors Ray Bradbury aus dem Jahr 1951 auf unsere heutige Welt mehr als jemals zuvor zutrifft. In Bradbury's Zukunft sind Bücher verboten und werden verbrannt und obwohl die gesamte Welt hungert, lebt man in den Industrienationen ein "schönes" Leben mit neuen Medien - die Menschen sind abgestumpft und gehorchen vollkommen der Werbung. Bradburys Vision ist ein solch zutreffender Spiegel der heutigen Gesellschaft, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Denn welcher "Durchschnittsbürger" käme heute noch auf die Idee, ein Buch in die Hand zu nehmen, um einfach mal einen Abend damit zu verbringen? Gewiss, es gibt noch immer eine Vielzahl von Menschen, die sich nicht jedem Konsumterror aussetzen und die noch in der Lage sind kritisch zu denken, doch ihre Zahl schrumpft. Die jüngste Generation passt schon ziemlich genau zu Bradburys Buch, das beweist auch die PISA-Studie: Die Werbung hat sie bereits fest im Griff. Die bücherlose Welt scheint näher zu sein, als man denkt.
Aber genug von diesem depressiven Gerede - zur Ausgabe des heutigen In Space NewsLetters: Wissen Sie, wer der erste Deutsche im Weltraum war? Die Tatsache erscheint seltsam, dass diese Frage die wenigsten Deutschen beantworten können. Im heutigen Hotspot finden Sie mehr Informationen zu diesem Raumflug und seiner Wirkung. Michael Stein setzt sie weiter über das europäische ENVISAT-Projekt in Kenntnis und unser History Special informiert über Apollo 13. Natürlich finden Sie wie immer auch einen Surftipp und einen interessanten Raumfahrtbegriff in unserer InDetail-Rubrik erklärt.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Karl Urban
Chefredakteur
"In Space - The Raumfahrer.net"
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Umfrage: Werden die von ENVISAT gelieferten Umweltdaten einen signifikanten Einfluss auf politische Entscheidungen im Bereich Klimaschutz haben?
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Space Focus: ENVISAT (Teil 2) |
von Michael Stein | |
Grundlagen der Fernbeobachtung
Alle Beobachtungsinstrumente an Bord von ENVISAT kann man zunächst einmal als Empfänger beschreiben, die von der Erde ausgehende Strahlung verschiedener Wellenlängen registrieren. Sie nutzen den Umstand aus, dass alle Objekte und Prozesse auf der Erde - und natürlich auch in der Erdatmosphäre - elektromagnetische Strahlung mit verschiedensten Wellenlängen und Frequenzen aussenden, absorbieren oder reflektieren. Bei diesem Vorgang werden der elektromagnetischen Strahlung "Fingerabdrücke" in Form von spektralen Absorptions- oder Emissionslinien aufgeprägt, die für jedes Objekt und jeden Prozess charakteristisch sind. Ein Beispiel: Die Blätter von Pflanzen absorbieren ("schlucken") das gesamte sichtbare Licht mit Ausnahme des von uns als "grün" bezeichneten Anteils - weshalb wir ihre Farbe als "grün" wahrnehmen. Aus dem Absorptionsspektrum eines pflanzlichen Blattes lässt sich sogar erkennen, ob die Pflanze an Trockenheit leidet, da sich dann dieses Spektrum geringfügig verändert. Eine genauere Beschreibung der so genannten Spektralanalyse, mit der die spektralen "Fingerabdrücke" registriert werden können, finden Sie in unserem Artikel zu diesem Thema auf unserer Internetsite.
Die meisten Instrumente an Bord von ENVISAT analysieren sichtbares Licht sowie das so genannte "Nahe Infrarot" (der sich am roten Ende des sichtbaren Lichts anschließende Wellenbereich) und Mikrowellen. Die Messung der infraroten Strahlung erlaubt zum Beispiel Aussagen über die Temperatur der Erdoberfläche sowie von verschiedenen Schichten der Atmosphäre.
Die Beobachtungsinstrumente lassen sich in aktive und passive Instrumente unterteilen. Während die passiven Instrumente einfach die von der Erdoberfläche bzw. Atmosphäre kommende Strahlung registrieren, senden aktive Instrumente Strahlungspulse aus und registrieren anschließend die dadurch ausgelösten Reflektionen. ENVISAT hat Instrumente beider Typen an Bord.
Instrumente zur Atmosphärenbeobachtung
Vier der wissenschaftlichen Beobachtungsinstrumente an Bord von ENVISAT sind ausschließlich oder teilweise für die Beobachtung von Zuständen und Prozessen in unserer Atmosphäre verantwortlich.
Da ist zum einen MERIS ("Medium Resolution Imaging Spectrometer"), mit dessen Hilfe unter anderem Daten über die Wolkenbildung und die Luftfeuchtigkeit der Atmosphäre gewonnen werden können. Auch das Ausmaß des von Wolken reflektierten Sonnenlichts im sichtbaren und infraroten Bereich des Wellenspektrums wird von MERIS bestimmt.
Das Instrument GOMOS ("Global Ozone Monitoring by Occultation of Stars") nutzt das Licht von über dem Horizont aufgehenden Sternen, um durch Analyse des Lichtspektrums nach dem Durchgang durch die Erdatmosphäre Aussagen über den Gehalt von Ozon und Wasserdampf treffen zu können. Diese Messungen sind in Höhenschichten von 20 bis 200 km möglich und erlauben in Zusammenarbeit mit anderen ENVISAT-Instrumenten dreidimensionale Abbildungen der Ozonschicht.
Der "Michelson Interferometer for Passive Atmospheric Sounding" (MIPAS) arbeitet im infraroten Spektralbereich und ist in der Lage, verschiedenste Spurengase zu erkennen und unterscheiden. Diese Fähigkeit ermöglicht es, sowohl die Verteilung und Konzentration von Industrieabgasen wie auch von Treibhausgasen zu ermitteln. Die Informationen über chemische und physikalische Prozesse in der Stratosphäre sind auch für Prognosen über die zukünftige Entwicklung der Ozonschicht von Bedeutung.
Das vierte und letzte Instrument, welches die Atmosphäre als Untersuchungsgegenstand zum Ziel hat, ist das größtenteils in Deutschland entwickelte und gebaute SCIAMACHY ("Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography"). Dieser leistungsfähige Atmosphären-Sensor nimmt Messungen sowohl in einem bis zu 960 km breiten Streifen direkt unter ENVISAT wie auch in Richtung des Horizonts vor. Die annährend simultane Kombinationen dieser Beobachtungsmodi ermöglicht es, im Zeitverlauf ein dreidimensionales Bild der Atmosphäre zu erstellen. Dabei kann SCIAMACHY in Höhenschichten von 0 bis 100 km verschiedenste chemische Moleküle, Aerosole und Wolken registrieren. Dadurch soll das Wissen über Austauschprozesse zwischen den verschiedenen Atmosphärenschichten erweitert werden wie auch neue Daten über die Dotierung der einzelnen Atmosphärenschichten mit Spurengasen gewonnen werden. Auch die Auswirkung natürlicher Ereignisse auf die Atmosphäre (wie Vulkanausbrüche oder Veränderungen der Sonnenaktivität) können mit Hilfe dieses Instruments studiert werden.
| Im nächsten Teil unserer Artikelserie werden wir Ihnen einen Überblick über die weiteren ENVISAT-Beobachtungsinstrumente geben. |
Related Links:
ENVISAT-Homepage
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History Special: Apollo 13 |
von Raphael Kallensee | |
Die legendäre Apollo 13-Mission war eigentlich in Kombination mit einer Präzisionslandung im Fra Mauro-Hochland des Mondes geplant. Das Hauptziel war die Erforschung des Erdtrabanten. Neben wissenschaftlichen Tests auf der Mondoberfläche sollten auch viele Fotos gemacht werden.
Doch alles kam ganz anders als geplant. Die drei Astronauten - James Lovell, John Swigert und Fred Haise - starteten mit einer Saturn V-Trägerrakete vom Kennedy Space Center in Kalifornien. Schon nach Absprengen der ersten Raketenstufe traten kleine Fehler in den Triebwerken der zweiten Stufe auf, die allerdings nicht von größerer Bedeutung waren. Nach mehr als 46 Stunden meldete die Crew, dass alles bestens verlaufe. Man bewegte sich auf den Mond zu. Doch neun Stunden nach Senden dieser Statusmeldung geschah etwas schreckliches, das die komplette Mission und das Leben der Astronauten gefährden sollte: ein Sauerstofftank des Service Modules explodierte und brachte die Elektrizitäts-, Licht- und Wasserversorgung des Kommandomoduls zum Zusammenbruch. Zu dem Zeitpunkt war man bereits 321.869 Kilometer von der Erde entfernt. James Lovell funkte den legendären Spruch zur Missionskontrolle auf der Erde: "Houston, wir haben ein Problem hier."
Nun mußten die Pläne geändert werden. Die Crew zog in die Mondlandefähre, die direkt mit dem Servicemodul verbunden war, um. Denn im Kommando- und Servicemodul sank langsam der Luftdruck. Nun ging es nicht mehr um die Erforschung des Mondes, sondern um das Leben der Crew. Denn angesichts der Entfernung von der Erde (die Crew befand sich bereits im Mondorbit) und dem Zustand ihres Raumfahrzeuges war die Lage mehr als bedrohlich. Bedauerlicherweise sank auch der Treibstoffvorrat. Da auch das Navigationssystem ausgefallen war, mußte man sich auf der Heimreise, bei der man die Gravitationskräfte des Mondes ausnutzte, an der Sonne orientieren. Die Crew zog nun wieder ins Kommandomodul um, das allerdings dank der stark beschädigten Systeme inzwischen eine empfindlich niedrige Temperatur hatte. Obwohl die Crew kaum Zeit zum Schlafen hatte und mit Kälte und sonstigen Problemen zu kämpfen hatte und auch die Sauerstoffwiederaufbereitung versagte, schaffte sie den Weg zur Erde zurück. Glücklicherweise gelang auch der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mit dem Kommandomodul. Die Crew landete etwa vier Tage nach der Explosion unverletzt, aber völlig erschöpft, im Pazifischen Ozean und konnte von bereits wartenden Marineeinheiten geborgen werden.
Das Raumfahrzeug bestand aus dem zweiteiligen Kommando- und Servicemodul (genannt "Odyssey") und dem ebenfalls zweiteiligen Mond-Landemodul "Aquarius". Aufgrund des Unfalls wurde allerdings keiner dieser Teile so genutzt wie ursprünglich geplant. Das Servicemodul beinhaltete alle wichtigen Steuerungssysteme und diente auch als Stauplatz für Nahrung. Durch die Zerstörung konnte es keine der Aufgaben erfüllen. Das Kommandomodul war sehr eng und nur mit drei Pilotensesseln versehen. Es war nur für den Wiedereintritt gedacht und hatte nur begrenzte Nahrungs- und Energiekapazitäten. Dennoch hielt es die Crew für einen Großteil der gescheiterten Mission am Leben. Das Mondmodul war nur als Landefähre, Aufenthaltsraum und Operationsbasis gedacht. Aber es wurde als Rettungsboot genutzt. Günstigerweise war es mit einer autonomen Energieversorgung und eigenen Navigationstriebwerken ausgerüstet.
Den Zielen der Mission, die bis auf die Aufnahme einiger Fotos beim Umfliegen des Mondes nicht erreicht wurden, konnte man mit der nachfolgenden Apollo 15-Mission nachgehen.
Eine kuriose Geschichte von der Mission zum Abschluss: Da die Crew in die Mondfähre umziehen musste, diese aber nur für zwei Mann für zwei Tage konzipiert war; gab es Probleme mit der Sauerstoffwiederaufbereitung. Die Lithiumhydroxid-Aggregate hätten ausgewechselt werden müssen - aber es gab keinen Ersatz an Bord, außer Aggregate aus den Systemen des Kommandomoduls. Diese hatten allerdings eine andere Paßform. Da diese Aggregate die einzige Überlebenschance gewährten, führten die Experten auf der Erde ein kleines Brainstorming durch und entwickelten eine Methode, wie man mit den gegebenen Mitteln - im Einzelnen Plastiktaschen, Pappstücke, Teile eines Raumanzuges und Unmengen an Klebestreifen - einen Adapter basteln kann. Diese wurde an die Astronauten gefunkt und bewährte sich auch.
Zu guter Letzt noch ein Filmtipp - vielleicht für einen anstehenden Videoabend: der gleichnamige Film "Apollo 13" (mit Tom Hanks) beschreibt den Missionsverlauf - ein paar dramaturgische Ausschmückungen ausgenommen - wirklich realistisch.
Related Links:
Bemannte Missionen
Saturn V-Rakete
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Warum ist die Raumfahrt so faszinierend? Warum sollte man sein Leben dem Drang widmen, einmal die Erde aus dem Weltraum sehen zu können? Letztere Frage dürfte für jeden wirklichen Raumfahrtfan kaum zur Debatte stehen: Es ist einfach so - ein Blick "von draußen" auf die Erde dürfte das wohl überwältigendste Erlebnis eines jeden Raumfahrers gewesen sein.
Andreas P. Bergweiler, Webmaster der bekannten Raumfahrtseite Space-Odyssey.de hat den gleichen Traum. Und daher versucht er alles, seiner Erfüllung in irgendeiner Weise näher zu kommen. So besuchte Bergweiler im vergangenen September zusammen mit einem Freund ein echtes Raumfahrt-Survival Training in Russland, dass sonst nur von den "echten" Kosmo- und Astronauten besucht wird. Ein beschreibt auf seiner Seite zu dieser Reise alle Hürden, die er dafür bewältigen musste und wie für ihn letztlich eine Woche in Russland zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde. Wohl am wichtigsten ist allerdings ein großer Schritt in Richtung eigener Raumflug, den Bergweiler mit seiner Reise tat.
Sein komplettes Reisetagebuch findet sich unter http://www.space-travellers.com.
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InDetail: Interstellarer Staub |
von Walter Maierhofer | |
Das Weltall ist leer. Ein totales Vakuum. In der Physik ist es noch niemals gelungen, ein totales Vakuum zu erzeugen und selbst die Natur ist nicht in der Lage so etwas zu erzeugen, denn der Weltraum ist nicht völlig leer, abgesehen von den Galaxien und Schwarzen Löchern ist zwischen diesen Interstellarer Staub. Diese Staubkörner bilden ungefähr ein Prozent der Masse, die im Universum vorhanden ist und sie absorbieren kosmische Strahlung. Diese Strahlung ist selektiv, das heißt, dass die Staubkörner blaues und ultraviolettes Licht stärker absorbieren als rotes, darum erscheinen uns Sterne und Himmelskörper röter vor als sie tatsächlich sind. Durch Messung der Rötung kann ermittelt werden wie viel Staub sich zwischen der Erde und einem bestimmten Himmelskörper befindet. Der Interstellare Staub verbirgt uns den Großteil der Galaxie, insbesondere zum Zentrum hin. Dort sind nur Beobachtungen mit infrarotem Licht möglich.
Die Kerne der Staubpartikel bilden sich, so vermutet man, in den Gasförmigen Hüllen der Überriesen. Danach werden sie in die Molekularkomplexe eingebunden, wo sie Eisoberflächen erhalten. Ein Teil verdampft später und ist Quelle für den molekularen Wasserstoff, der in den interstellaren Wolken vorhanden ist.
Die Staubpartikel messen nur zwischen einem zehntel und einem tausendstel Mikrometer. Sie waren bereits Bestandteil der Urmaterie, aus dem unser Universum entstanden ist. Die Staubpartikel bestehen aus einem Kern aus Silikaten und Kohlenstoff (Graphit), der mit gefrorenen Gasen umgeben ist. Im Urnebel und auch jetzt noch bewirkt eine Anhäufung des Interstellaren Staubes die Bildung von Planetesimalen, der Beginn eines neuen Planeten oder einer Sonne.
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"In Space Newsletter" #012
Erscheinungsdatum:
16. Februar 2002
Auflage: 439 Exemplare
Chefredaktion:
Karl Urban
Michael Stein
Redaktionsleitung:
David Langkamp
Schlussredaktion:
Karl Urban
Redaktion:
Günter Fischer
Raphael Kallensee
Clemens Mach
Walter Maierhofer
Meik Lampmann (Space-Weltraum.de)
Sven Piper (Astris.de)
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