Nach 1945 - Das Erbe von Peenemünde
Der erste Teil dieses Artikels berichtete über die wichtigsten technischen Errungenschaften aber auch die menschlichen Tragödien in Peenemünde bis 1945, zum Ende des Nazi-Regimes. Der zweite Teil soll einen Überblick über die Entwicklungen geben, die in und aus der Heeresversuchs-Anstalt nach dem Krieg entstanden.
Wernher von Braun will zum Mond
Bereits während seiner Entwicklungen in Peenemünde betont von Braun, dass es sein Ziel sei, Menschen zum Mond zu bringen. Dass seine Arbeit in erster Linie militärischen Zwecken diente, lag daran, dass das deutsche Heer die Versuchsanstalt finanzierte. Es ist trotzdem unwiderlegbar, dass von Braun das Nazi-Regime unterstützt, indem er 1933 Mitglied der SS wird und bis zum Ende des Krieges, während hunderte V2-Raketen in London und Holland einschlagen, für die Wehrmacht arbeitet. Im Jahr 1945, als sich Deutschlands Niederlage abzeichnet, nimmt von Braun Kontakt mit dem amerikanischen Militär auf, und stellt sich mit vielen anderen Mitarbeitern. Er führt außerdem umfangreiche Pläne zur Raketenkonstruktion mit sich. Im Juni 1945 "emigriert" er mit seinen Kollegen in die USA. In Geheimaktionen birgt das US-Militär viele V2-Raketen aus den Produktionsstollen in Thüringen und aus Peenemünde.
In den USA arbeitet von Braun an mehreren Raketenprojekten mit, wie den Redstone- und Jupiter-Raketen. 1955 wird er amerikanischer Staatsbürger. Nach der Gründung der NASA 1960 arbeitet von Braun an der Entwicklung der Großrakete Saturn, die schließlich 1969 die ersten Menschen auf den Mond befördert. 1977 stirbt Wernher von Braun an einer Krebserkrankung in Alexandria, im US-Bundesstaat Virginia.
Auch wenn von Brauns Sinneswandel, vom SS-Mitglied und technischen Leiter in Peenemünde zum Raketenentwickler in den USA, erstaunlich zu sein scheint, drückt dies doch ziemlich genau dessen oft zitierte Einstellung aus, dass er stets am Wohle der Raumfahrt interessiert war. Peenemünde war für ihn eine Chance, seinem Ziel, Menschen ins All zu bringen, näher zu kommen.
Peenemünde nach 1945
Nach der Kapitulation Deutschlands ist Peenemünde Teil der sowjetische besetzten Zone. Nachdem das amerikanische Militär einige Raketen aus der stark zerbombten Anlage geborgen hat, werden die Überreste von den neuen Besatzern in die Sowjetunion verfrachtet, um dort, wie in den USA, als Vorlage für die ersten Atom- und Trägerraketen zu dienen. In Peenemünde entsteht nach der Gründung der DDR ein Militärstützpunkt der neu gegründeten Nationalen Volksarmee NVA. Der Ort bleibt, wie zu Zeiten der Heeresversuchsanstalt, größtenteils Sperrgebiet. Die Überreste der alten Anlage werden entfernt, einiges bleibt allerdings erhalten. Das Skelett des schon im Krieg zerstörten Sauerstoffwerks bleibt stehen: Es hält neben den britischen Bombardements auch den Sprengversuchen der NVA stand - die Überreste des Gebäudes stehen bis heute. Peenemünde Ost, von wo die Raketen gestartet wurden, ist bis heute Sperrgebiet, da es munitionsverseucht ist.
1996 wird der Militärstützpunkt durch die Bundeswehr stillgelegt. Das Historisch-Technische Informationszentrum soll von der bewegenden Vergangenheit des Ortes berichten. Rund um das mittlerweile auch stillgelegt Braunkohlekraftwerk wurden Exponate zusammengekarrt, die über die Geschichte von Peenemünde Bericht erstatten sollen. Kritisiert wurde in er Vergangenheit, dass die Ausstellung zu wenig auf das tragische Schicksal der Zwangsarbeiter und der Opfer in den von der V2 bombardierten Städten eingegangen wird. Aus diesem Grund richtete der Betreiber kürzlich in den oberen Etagen des alten Kraftwerks neue Ausstellungsräume ein.
Trotz der eher mittelmäßigen Präsentation des Vergangenen in Peenemünde, strömen jedes Jahr viele Besucher in den Ort - nur angezogen durch den Namen, der trotz allem mit den Ursprüngen der Raumfahrt verbunden ist.
In der nächsten Ausgabe berichten wir über die ersten amerikanischen Raketenprojekte.