In Space - The Raumfahrer.net Newsletter #031 vom 29. Juni 2002

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In Space - The Raumfahrer.net

Inhalt

Der Raumfahrtnewsletter des TrekZone Networks.   

 

"In Space Newsletter"
Ausgabe #031


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Updates / Umfrage

> News:
Astronomie- und Raumfahrtnews

> Space Focus:
Röntgenstrahlenquelle Jupiter

> HotSpot:
Reise zum Herz der Kometen

> History Special:
Sputnik III - Premiere mit Verspätung

> ISS:
Weekly Report

> Surftipp:


> InDetail:
Hauptachse

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Michael Stein 

Verehrte Leserinnen und Leser,
 
angesichts des bevorstehenden Endspiels der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung werde ich mich kurz fassen, damit Sie vor dem Gang zu dem Fernseher oder der Großbildleinwand Ihrer Wahl noch dazu kommen, einen Blick auf den Inhalt unseres heutigen Newsletters zu werfen.
 
Brandaktuell finden Sie beispielsweise in unserem HotSpot einen umfassenden Überblick von Karl Urban über die amerikanische Kometenmission Contour, die am kommenden Montag starten wird. In die entgegengesetzte Richtung der Zeitleiste blickt im History Special für Sie wieder einmal Lutz Growalt, der Ihnen die Hintergründe von Sputnik III auf gewohnt unterhaltsame und informative Weise nahe bringt. Dem hier und jetzt widmen sich die aktuellen News-Meldungen der letzten sieben Tage, und bestimmt ist auch bei unseren übrigen Artikeln für Sie wieder Neues und Interessantes dabei.
 
Viel Spaß beim Lesen (und beim Daumendrücken Richtung Yokohama) wünscht Ihnen
 

            Michael Stein
            Chefredakteur "Raumfahrer.net"
 
 

 
 

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Auswertung: Engagiert sich Deutschland Ihrer Meinung nach genug in der Raumfahrt?

 
   Ja: 9%

 Nein: 91%

(68 gezählte Stimmen)
 

      Updates / Umfrage

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» mitarbeit.raumfahrer.net
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      News

• Progress 8 dockt an der ISS an   <mehr>
• Start der Raumfähre Columbia verschoben   <mehr>
• Unerwartete Entdeckung: Junge Sterne in alten Galaxien   <mehr>
• Neuer Meilenstein bei ENVISAT-Übertragung   <mehr>
• Aqua überwindet Fehlfunktionen   <mehr>
• Europas Shuttle ist auf dem Weg   <mehr>
• Stardust testet neue ESA-Bodenstation   <mehr>

 
» Progress 8 dockt an der ISS an
28. Juni 2002 - Ein Progress-Frachter wird am 29.06.2002 an der ISS andocken.
 
Am 26.06.2002 hob die Progress 8 auf einer Sojus-Rakete um 12:37 Uhr ab. Progress 8 wird am frühen Samstag an der ISS andocken, wo dann die Mannschaft (Kommandant Valery Korzun, Astronaut Peggy Whitson und Kosmonaut Sergei Treschev) beginnt, die Ladung der Progress 8 zu entleeren. Die Ladung enthält Kraftstoff, Versorgungsgüter und Ausrüstung für die Internationale Raumstation.
 
Progress ist ein russisches unbemanntes Versorgungs-Raumfahrzeug für den Transport von Treibstoff, Ausrüstung und Lebensmittel. Die Progress hat mit Fracht eine Masse von 7.000 kg. Der erste Start einer Progress war am 20.01.1978. Das Versorgungs-Raumfahrzeug Progress ist ein Einweg-Transporter, das nach der Abkopplung in der Atmosphäre verglüht.
(la - Quelle: NASA / eigene Recherche)
 
» Start der Raumfähre Columbia verschoben
27. Juni 2002 - Die NASA hat den ursprünglich für den 19. Juli geplanten Start der Mission STS-107 um mehrere Wochen verschoben, da im Antriebssystem von zwei anderen Raumfähren kleine Risse entdeckt worden sind.
 
Die Startvorbereitungen für die Forschungsmission STS-107 sind vorläufig unterbrochen worden, um die Untersuchung mehrerer kleiner Risse im Inneren von Treibstoffleitungen der Haupttriebwerke der Raumfähren Atlantis und Discovery abzuwarten. Auch die Treibstoffleitungen des Space Shuttle Columbia werden nun auf solche Risse hin untersucht.
 
Bei routinemäßigen Inspektionen der Haupttriebwerke nach den letzten Flügen von Atlantis und Discovery wurden mehrere kleine Risse in verschiedenen Treibstoffleitungen entdeckt, die zwischen 2,5 und 7,5 mm lang sind. Einige dieser Risse sind derartig filigran, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. "Die Risse können ein Sicherheitsrisiko darstellen, und verschiedene Teams untersuchen zurzeit alle Aspekte dieser Situation", sagt Space Shuttle-Programmanager Ron Dittemore. "Das ist ein sehr komplexer Sachverhalt und wir stehen gerade am Anfang der Analyse. Im Moment gibt es noch mehr Fragen als Antworten. Unser Interesse besteht darin, die existierenden Risse zu entdecken, die Ursache dafür zu verstehen und das daraus resultierende Risiko zu benennen. Ich bin mir sicher, dass das [Untersuchungs-] Team diese Aufgabe erledigen wird, aber es wird einige Zeit dauern. Wir werden solange nicht mit den Startvorbereitungen von STS-107 fortfahren, bis wir den Sachverhalt nicht besser verstehen."
 
Die Auswirkungen der Untersuchung auf andere geplante Space Shuttle-Starts sind zurzeit noch nicht abzusehen.
(ms - Quelle: ESA)
 
» Unerwartete Entdeckung: Junge Sterne in alten Galaxien
27. Juni 2002 - Bei kombinierten Beobachtungen des Weltraumteleskops Hubble und des europäischen Großteleskops VLT ("Very Large Telescope") in Chile konnten erstmals "junge" Sternhaufen in einer alten elliptischen Galaxie entdeckt werden.
 
Zum ersten Mal konnten in einer Galaxie dieses Alters mehrere Perioden der Sternentstehung unterschieden werden. Bisher wurde stets davon ausgegangen, dass elliptische Galaxien eine anfängliche Periode der Sternentstehung durchlaufen und danach keine Sterngeburten mehr zu verzeichnen haben. Durch den Verbund der größten Teleskope im Weltraum und am Boden wurde jetzt nachgewiesen, dass solche Galaxien mehr in sich bergen als zunächst angenommen.
 
Die meisten Sterne sind in elliptischen Galaxien zu finden, deren Erscheinungsbild bisher vermuten ließ, dass sie und ihre Sterne alt sind. Diese Galaxien geben ein diffuses, rötliches Leuchten von sich, das normalerweise mit viele Milliarden Jahre alten Sternen in Verbindung gebracht wird. Bis vor kurzem sind die meisten Astronomen mangels anderer Beobachtungsdaten davon ausgegangen, dass die Entstehung neuer Sterne in solchen Galaxien im Wesentlichen nicht mehr stattfindet.
 
Um das "Sternengemisch" in elliptischen Galaxien in seine verschiedenen Bestandteile zu zerlegen, hat ein Team aus europäischen und amerikanischen Astronomen massereiche Sternhaufen in und um nahe gelegene Galaxien beobachtet. Diese wegen ihrer Gestalt als "Kugelsternhaufen" bezeichneten Ansammlungen kommen in großer Zahl um alle beobachteten Galaxien vor. Sie erhalten durch jede Sternbildungsepisode, die sie durchlaufen, eine besondere Prägung. Am Alter der Kugelhaufen in einer Galaxie lassen sich somit die vergangenen Epochen aktiver Sternbildung in einer Galaxie ablesen. Durch Untersuchen der Prägung und Bestimmung der Altersverteilung der Kugelsternhaufen können die Astronomen ermitteln, wann ein Großteil der Sterne in einer elliptischen Galaxie entstanden ist.
 
Ein Team aus europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern kombinierte nun eine Reihe von Galaxienaufnahmen der Hubble-Weitwinkel- und Planetenkamera Nr. 2 mit Infrarotaufnahmen, die mit dem vielseitig einsetzbaren ISAAC-Instrument auf dem 8,2 m-VLT-Teleskop Antu des Paranal-Observatoriums der ESO ("European Southern Observatory") in Chile gemacht worden waren. Dabei entdeckten sie, dass viele Kugelsternhaufen in der Galaxie NGC 4365, die zum großen Virgo-Galaxienhaufen gehört, nur wenige Milliarden Jahre alt sind - also weit jünger als die meisten anderen Sterne in dieser Galaxie, deren Alter auf rund 12 Milliarden Jahre geschätzt wird.
 
Die Astronomen konnten drei Hauptgruppen von Sternhaufen ausmachen: eine alte Population von Haufen metallarmer Sterne, einige Haufen alter, aber metallreicher Sterne und nun die erstmals aufgespürte Population von Haufen junger und metallreicher Sterne. Diese Erkenntnis wurde durch spektroskopische Beobachtungen mit einem anderen Riesenteleskop, dem 10 m-Keck-Teleskop auf Hawaii, voll bestätigt. Die Entdeckung junger Kugelsternhaufen in alten Galaxien ist überraschend, weil man bisher glaubte, dass die Sterne in den gigantischen elliptischen Galaxien ausnahmslos in einer einzigen Epoche der frühen Geschichte des Universums entstanden sind. Jetzt ist klar, dass manche Galaxien ihr wahres Wesen verbergen und in Wirklichkeit sehr viel jüngere Perioden aktiver Sternbildung durchlaufen haben.
 
"Wir freuen uns sehr, dass aus der Zusammenarbeit zwischen zwei von Europa geförderten Projekten - VLT und Hubble - so bedeutende wissenschaftliche Ergebnisse hervorgehen", sagt der Hubble-Projektwissenschaftler der ESA, Piero Benvenuti. "Die Synergie zwischen den modernsten Boden- und Weltraumteleskopen trägt weiterhin Früchte und bereitet den Weg für eindrucksvolle neue Entdeckungen, die sonst nicht möglich wären."
(ms - Quelle: ESA)
 
» Neuer Meilenstein bei ENVISAT-Übertragung
25. Juni 2002 - ENVISAT bricht die Terabyte-Barriere an übertragenen Daten.
 
Nur 3 Monate nach dem Start von ENVISAT ist ein neuer Meilenstein erreicht. ENVISAT hat mittlerweile über ein Terabyte an Daten übertragen. Da diese Daten an vier User weitergeleitet werden, ist das eine Datenmenge von über 6.000 CDs! Verantwortlich für die Übertragung dieser riesigen Menge an Daten ist das DDS-System der ESA, das die Daten mit einer Geschwindigkeit von über 8 Megabyte pro Sekunde verteilt (zum Vergleich: ein normaler ISDN-Anschluß hat durchschnittlich nur eine Übertragungsrate von 7 Kilobyte pro Sekunde)! "So sicher und schnell ist das DDS ("data dissemination system", dt.: Datenübertragungssystem) von überragender Bedeutung", sagt Stephen Briggs, Kopf von ESAs Earth Observation Applications Department.
 
So setzt ENVISAT seine Erfolgsstory fort. Man darf also gespannt sein auf weitere Highlights des größten und vielseitigsten Erdbeobachtungssatelliten, der je gestartet wurde.
(jg - Quelle: ESA)
 
» Aqua überwindet Fehlfunktionen
24. Juni 2002 - Aqua, einer der neusten Erdbeobachtungssatelliten der NASA, arbeitet wieder einwandfrei, nachdem in seinem ersten Monat im All Probleme mit einem Gerät aufgetreten waren.
 
Aqua ist der neuste Satellit des Erderforschungs-Programms der NASA. Er überträgt nun erfolgreich Daten und Bilder, die von fünf seiner insgesamt sechs Bordsysteme gesammelt und gemacht wurden. Aqua startete am 4. Mai 2002 von der Vandenberg Air Force-Basis auf seine Mission, das System von Atmosphäre, Ozeanen und Wasser der Erde zu erforschen.
 
Ab Ende Mai traten verstärkt Fehlfunktionen des Advanced Microwave Scanning Radiometer (AMSR-E) an Bord auf. Aber das Instrument, das den Kreislauf des Wassers zwischen Atmosphäre und Boden verfolgen soll, scheint nun wieder ordnungsgemäß zu arbeiten und erstellt wie vorgesehen eine globale Karte der Meeres- und Oberflächentemperaturen.
 
"Die gemachten Bilder sind sehr gut; sie zeigen uns, dass wir ein gesundes Raumfahrzeug gestartet haben und alle seine Instrumente nominal arbeiten", sagt Aqua-Projektmanager Phil Sabelhaus am NASA Goddard Space Flight Center in Greenbelt. "Alles deutet darauf hin, dass Aqua im September wie geplant betriebsbereit sein wird."
 
Obwohl die meisten der Aqua-Instrumente in seiner Testphase am Boden überprüft wurden, warten die Wissenschaftler weiter auf die einleitenden Daten des Instruments MODIS (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer). MODIS soll einige bestimmte Erscheinungen auf der Erde messen, zum Beispiel Wolkeneigenschaften, Veränderungen an der Oberfläche und in der Landnutzung und Atmosphären-Temperatur und -Feuchtigkeit. Die ersten Daten des MODIS-Instruments sind aber noch in dieser Woche zu erwarten.
 
Die Aqua-Missionswissenschaftler gehen davon aus, dass die Daten des Satelliten zu einem besseren Verständnis des Erd-Klimasystems führen werden und besonders für die Rolle, die das Wasser darin spielt. Zudem erhofft man sich bessere Wettervorhersagen.
 
Der Aqua-Satellit ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Forschern aus den USA, Japan und Brasilien.
Related Links:
Mehr Infos zu Aqua
(ku - Quelle: ESA)
 
» Europas Shuttle ist auf dem Weg
23. Juni 2002 - Europa ist dabei, den Testflug des wieder verwendbaren unbemannten Startvehikels Phoenix vorzubereiten.
 
Die Planungen für Testflüge in Schweden sollen im August beginnen. Das führende deutsche Raumfahrtunternehmen Astrium wird den Prototyp von Phoenix für die Testflüge produzieren. Phoenix ist Teil eines Versuchs der europäischen Raumfahrt die Technologie für wieder verwendbare Raumfahrzeuge zu entwickeln.
 
Ein zentraler Punkt für die Forschungen auf dem Gebiet ist eine Kostenentwicklung, die billige Starts von Nutzlasten ins All begünstigt. Ein weiterer Faktor ist die Verteidigung der europäischen Bedeutung beim Start von Satelliten ins All in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten. Für Europa ist es wichtig, neue kostengünstige Wege zum Flug ins All zu finden, die die europäische Industrie unabhängig von anderen Staaten, wie den USA und Russland, machen.
 
Die Esrange Division der Schwedischen Weltraum-Korporation SSC kündigte diese Woche an, dass Phoenix im Vidsel-Testgebiet in Nordschweden getestet wird.
 
Ein wichtiges Ziel der Testflüge ist die Bestätigung, dass die vollautomatischen Landesysteme von Phoenix ordnungsgemäß arbeiten. Der Prototyp RLV ist 6,9 Meter lang und 1.200 Kilogramm schwer. Er hat eine Spannweite von 3,8 Metern. Für die Tests soll Phoenix von einem Helikopter aus einer Höhe von 2,5 Kilometern fallengelassen werden. Nach dem Abstieg dem Boden entgegen soll das Vehikel automatisch auf einer Landebahn aufsetzen. Satellitengestützte Navigation und Sensoren an Bord, wie Radar-Höhenmesser, werden den freien Fall von Phoenix kontrollieren und aufzeichnen. Das Raumfahrzeug besitzt während des Testfluges kein eigenes Antriebssystem.
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Kompletter Artikel (engl.)
(ku - Quelle: ESA)
 
» Stardust testet neue ESA-Bodenstation
22. Juni 2002 - Die Raumsonde Stardust, die auf dem Weg ist, um im Januar 2004 dem Kometen Wild 2 zu treffen, half in der vergangenen Woche der ESA, ihre erste Deep Space-Bodenstation zu testen.
 
Die neue ESA-Bodenstation befindet sich in Australien, 140 Kilometer nördlich von Pearth. Die Großantenne hat einen Durchmesser von 35 Metern und dient zur Übertragung von Telemetrie-, Verfolgungs- und Kommandodaten von und an Raumfahrzeuge. Die Genauigkeit beträgt 0,01 Grad und ist somit auch in der Lage, den Kontakt zur ESA-Sonde Rosetta zu halten, die den Kometen Wirtanen besuchen soll. Diese Mission ist eine der ehrgeizigsten Wissenschaftsmissionen, die starten soll. Rosetta soll voraussichtlich Anfang 2003 ins All geschossen werden.
 
Die neue 630 Tonnen schwere Antenne der ESA wird der wichtigste Kommunikationsschnittpunkt zwischen Rosetta und der ESA-Missionskontrolle am ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt sein. Die Antenne wird außerdem genutzt, um Daten von Raumsonden zu empfangen und an diese zu senden, die sich auf Missionen außerhalb der Mondbahn bewegen, zum Beispiel von der ESA-Sonde Mars Express, die 2003 starten wird.
 
Stardust, die eine Mission des NASA Jet Propulsion Laboratory ist, wurde für den Funktionstest der neuen Deep Space-Antenne gewählt, da sie auf ihrer interplanetaren Flugbahn derzeit mehr als 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Als sie den Himmel über Australien am 8. Juni passierte, konnte die neue Antenne das Signal von Stardust empfangen und die Sonde verfolgen.
(ku - Quelle: ESA)

 

 
 

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      Space Focus: Röntgenstrahlenquelle Jupiter von Michael Stein 

Schon lange ist den Astronomen Jupiter als eine Röntgenstrahlenquelle bekannt. Das seit 1999 im Erdorbit operierende Röntgenstrahlen-Teleskop Chandra hat nun jedoch entdeckt, dass etwa alle 45 Minuten ein Röntgenstrahlen-Puls in Gigawattstärke von Jupiter ausgehend durch unser Sonnensystem rast.
 
Zuerst entdeckte im Jahr 1979 der Röntgenstrahlensatellit Einstein der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, dass Jupiter Röntgenstrahlen emittiert. Der deutsche Röntgenstrahlensatellit ROSAT konnte diese Entdeckung dann im Jahr 1992 bestätigen. Die Beobachtungsinstrumente beider Satelliten konnten aufgrund der zur Verfügung stehenden maximalen Auflösung die Strahlungsquelle jedoch nur grob in der nördlichen Hemisphäre des Planeten lokalisieren, ohne genauere Angaben zuzulassen. Schon damals jedoch vermuteten einige Wissenschaftler, dass riesige Auroras oder Nordlichter um die Polarregion von Jupiter herum die Quelle für die beobachtete Röntgenstrahlung sein könnten.
 
Im Vergleich zu den Nordlichtern der Erde sind diejenigen des Jupiter beeindruckend: Mehrere hundert- bis tausendmal so energiereich und im Durchmesser doppelt so groß wie unser gesamter Heimatplanet! Die physikalische Ursache hingegen ist bei beiden Planeten identisch: In beiden Fällen werden Luftmoleküle zum Leuchten angeregt, indem Elektronen und Ionen (geladene Atome) in die oberen Atmosphärenschichten eindringen und mit ihnen kollidieren, was die faszinierend über den Himmel geisternden Lichterscheinungen zur Folge hat. Da die Flugbahnen sowohl von Elektronen wie auch von Ionen durch Magnetfelder beeinflusst werden, treffen sie vorwiegend an den Polarregionen auf die Atmosphäre beider Planeten, da dort die magnetischen Feldlinien in Richtung der magnetischen Pole auf die Planetenoberflächen zulaufen.
 
Einen wesentlichen Unterschied zwischen Erde und Jupiter gibt es allerdings, denn die Quelle der Elektronen und Ionen ist nicht identisch. Während irdische Nordlichter vorwiegend durch den so genannten Sonnenwind (ein permanent von der Sonne ausgehender Strom geladener Teilchen) gespeist werden, hilft im Falle des Jupiter sein Mond Io - der innerste der vier großen galileischen Monde - aus. Die vielen seine Oberfläche bedeckenden Vulkane speien ständig ionisierte Sulfat- und Sauerstoffatome aus, die dann entlang von Feldlinien der gigantischen Jupiter-Magnetosphäre von Io zum Planeten transportiert werden und dort eine weitere Beschleunigung durch lokale elektrische Felder oberhalb der Aurorazone des Planeten erfahren.
 
Als nun die hochauflösende Kamera von Chandra Ende 2000 für 10 Stunden auf Jupiter gerichtet wurde erwarteten die Projektwissenschaftler, dass der riesige Aurora-Ring als Quelle der Röntgenstrahlung der nördlichen Jupiter-Hemisphäre ausgemacht werden würde; eine nahe liegende Vermutung, ist doch schon die um Größenordnungen schwächere Aurora unseres Planeten eine solche Strahlungsquelle. Stattdessen jedoch entlarvte das Röntgenteleskop einen in unmittelbarer Nähe des magnetischen Nordpols von Jupiter gelegenen "Hot Spot" als Röntgenquelle, die zudem noch pulsierte!
 
Die Ursache für dieses Pulsieren - dessen Periode nicht konstant bei 45 Minuten liegt, sondern unregelmäßig um ein paar Prozent um diesen Wert herum schwankt - ist den Astronomen noch unklar. Erstaunlicherweise haben die Raumsonden Galileo und Cassini, die sich zur Zeit der Chandra-Aufnahmen innerhalb und außerhalb der Jupiter-Magnetosphäre aufhielten, bei ihren Messungen verschiedenster physikalischer Größen keinerlei Schwankungen festgestellt, die sich mit diesem Pulsieren in Verbindung bringen ließen. Allerdings haben Galileo und Ulysses in der Vergangenheit Radioimpulse gemessen, die ebenfalls mit einer 45-minütigen Periode wiederkehrten.
 
Eine Spekulation besagt, dass Ionen zwischen dem Nord- und Südpol des Planeten hin- und herprallen könnten. Die Anhänger dieser Theorie verweisen darauf, dass einige sich schnell bewegende Partikel gerade die beobachteten rund 45 Minuten für ihren Weg vom Nord- zum Südpol brauchen würden. Wenn eine derartig pulsierende Strahlungsquelle auch noch am Südpol des Planeten ausgemacht werden würde, wäre dies natürlich eine starke Bestätigung für diese Theorie. Allerdings gestaltet sich der Nachweis schwierig, da der Südpol des Jupiters von der Erde aus nur schlecht zu sehen ist.
 
Als nächsten Schritt planen die Wissenschaftler, Spektren der von dem "Hot Spot" ausgehenden Röntgenstrahlung zu gewinnen. Wenn sich dann vulkanische Elemente wie Sulfat und Sauerstoff finden lassen ist klar, dass Io in dem Prozess involviert ist - obwohl auch dann die Frage noch unbeantwortet ist, wie genau das Pulsieren zustande kommt.
 
Related Links:
Aufnahmen der Jupiter-Aurora und des "Hot Spots"
Astronomie
 

 
 

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      HotSpot: Reise zum Herz der Kometen von Karl Urban 

"Das Herz eines Kometen ist der Kern: Ein kleines, unförmiges Stück aus Eis und Stein, meist nur wenige Kilometer im Durchmesser. Wenn sich ein Komet der Sonne nähert, heizt sich die Oberfläche des Kerns auf, Eis verdampft und die austretenden Gase und Staub bilden den Schweif..." (NASA, CONTOUR Projekt-Homepage)
 
Der Missionstypus der neuen NASA-Sonde CONTOUR (Comet Nucleus Tour) wurde bereits zweimal zuvor durchgeführt: Der Besuch eines Kometen. Sowohl die ESA-Sonde Giotto als auch die innovative NASA-Mission Deep Space One näherte sich bereits den "großen schmutzigen Schneebällen", die wunderschöne Schweife entwickeln, wenn sie sich der Sonne nähern.
CONTOUR wird sogar zwei Kometen innerhalb weniger Jahre anfliegen. Sie soll bessere Bilder als ihre Vorgänger schießen, Staub einsammeln und analysieren und zudem viele offene Fragen beantworten. CONTOUR startet voraussichtlich am 3. Juli 2002 ins All.
 
Die Mission
Von allen größeren Objekten im Sonnensystem sind die Kometen am zahlreichsten. Ihre Zahl wird auf über eine Billion geschätzt. Sie spielen in der Geschichte unseres Sonnensystems und auch unseres Planeten eine wichtige Rolle. Teile der Grundbausteine des Wassers der Ozeane kamen höchstwahrscheinlich mit Kometen auf die Erde, die mit dieser in ihren jungen Jahren kollidierten. Zudem gibt es auch Spekulationen, wonach sogar die Bausteine des Lebens, langkettige organische Moleküle, mit Kometen auf die Erde gelangten. Somit gibt es vielfältigste Forschungsgebiete bei einem Kometen-Besuch einer Raumsonde. Die beiden anvisierten Ziele für CONTOUR sind die Kometen Encke und Schwassmann-Wachmann 3. Der erste zu besuchende, Encke, besitzt die kürzeste Umlaufzeit aller bekannten Kometen. Er umläuft die Sonne in nur 3,2 Jahren. Er wird seit 1786 bei jeder Erscheinung beobachtet. Ende 2003 soll die Sonde bei Encke eintreffen.
 
Das zweite Ziel von CONTOUR, der Komet Schwassmann-Wachmann 3, hat noch nicht so viel Eis verloren wie Encke, da er sich der Sonne weitaus seltener nähert. Im Jahr 1996 entdeckten Astronomen große Splitter des Kerns, die sich gelöst hatten. Somit hoffen die CONTOUR-Forscher beim Eintreffen der Sonde im Juni 2006 möglicherweise Gebiete mit Elementen aus dem Untergrund des Kometenkerns vorzufinden.
 
Besonders interessant am CONTOUR-Missionskonzept ist die Flexibilität: Erscheint in Reichweite der Sonde im Laufe ihrer Mission ein unbekannter Komet, wie Hale-Bopp 1997, so ist es möglich CONTOUR auch darauf auszurichten. Die Sonde nutzt nach ihrem Start das Erdschwerefeld mehrmals, um genug "Schwung" für ihren Flug zu den Kometen zu erhalten.
 
Die Instrumente
• Der Neutral Gas and Ion Mass Spectrometer (NGIMS) wird den Anteil von vielen neutralen und ionisierten Gasen im Schweif des Kometen während des Vorbeiflugs messen. Dies soll gemeinsam mit den Ergebnissen des Gas-Experiments zum Verständnis der Zusammensetzung des Kometenkerns beitragen. Zudem möchte man darin auch Unterschiede der beobachteten Kometentypen finden.
• Der CONTOUR Remote Imaging Spectrograph (CRISP) wird beim dichtesten Vorbeiflug der Sonde am jeweiligen Kometen hochaufgelöste Bilder machen und eine infrarote Spektralkarte erstellen.
• Der CONTOUR Dust Analyzer (CIDA) soll den Staub des Schweifs der Kometen analysieren.
CFI steht für CONTOUR Foward Imager und wurde für Aufnahmen bis zum ultravioletten Spektralbereich konstruiert. Das Instrument soll arbeiten, wenn sich CONTOUR dem Kometen bis auf 2.000 Kilometer genähert hat. CFI wird den Kometen kurz vor dem Eintreffen anvisieren und beim Vorbeiflug Bilder vom Kern, jeglichen Gas- und Staub-Jets und dem inneren Schweif machen.
 
Die ESA zieht nach
Nach der erfolgreichen Kometen-Mission Giotto der europäischen Raumfahrtbehörde ESA soll im Januar 2003 ein weiteres Raumfahrzeug wiederum einen Kometen besuchen. Die Sonde Rosetta wird dann Kurs auf den Kometen Wirtanen nehmen und dort neben vielfältigen Analysen auch einen Lander absetzen, der auf der Oberfläche von Wirtanen landen soll. Zum Start von CONTOUR wünscht auch die ESA der NASA gutes Gelingen ihrer Mission.
 
Fazit
Neben den vielen Vorteilen und Perspektiven, die die Mission von CONTOUR bietet, ist sie doch auch mit Risiken behaftet. Das Missionskonzept wurde unter dem Grundsatz entwickelt, es dürfe das Budget von nur 150 Mio. US-Dollar nicht überschreiten. Bei allen Entlastungen, die dieser Einschränkung dem NASA-Etat bringen dürfte, erhöhen die geringen Mittel für die Mission doch auch das Risiko eines Totalverlustes. Noch nicht lange zurück liegt der bis heute nicht geklärte Verlust des Mars Climate Orbiter 1999 oder auch des Mars Observer 1993. In der Geschichte der Raumfahrt hat sich schon viel zu oft gezeigt, dass die Einsparung von Mitteln oft zu großen und sehr teuren Pannen geführt hat. Neben der Challenger-Katastrophe 1986 war auch der Jungfernflug der Ariane 5 nur durch ungünstige Einsparungen gescheitert.
 
Es bleibt zu hoffen, dass die Kalkulationen der NASA betreffend der Sonde CONTOUR trotz aller Befürchtungen und eines geringen Budgets aufgehen.
 
Related Links:
CONTOUR Projekt-Homepage (siehe Surftipp)
NASA Discovery Programm
Raumsonden
HotSpot-Archiv
 

 
 

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      History Special: Sputnik III - Premiere mit Verspätung von Lutz Growalt 

Als Sputnik III am 15. Mai 1958 startete, war die noch junge Geschichte der Raumfahrt um einige Superlative reicher: der schwerste bis dato geflogene Satellit mit dem größten Instrumentarium, gestartet auf der größten Rakete. Aber auch das ist Sputnik III: die erste Mission, die unrettbar hinter ihren Zeitplan zurückfiel und die erste Mission, bei der es zu einem missionsgefährdenden technischen Defekt im Orbit kam.
 
Eigentlich ist Sputnik III ja der erste Satellit der Sowjetunion – seine Wurzeln reichen bis in die frühen 1950er Jahre zurück, als der Satellitenpionier Michail Tichonravow sich wissenschaftlich fundierte Gedanken über einen künstlichen Erdsatelliten zu Forschungszwecken machte. Die Sache wurde zwar nie auf breiter Bühne diskutiert, tauchte aber in den folgenden Jahren hin und wieder im offiziellen Schriftverkehr auf. In den frühen 1950er Jahren liegt das Hauptaugenmerk der Regierungsstellen auf anderen Gebieten: das Wettrüsten mit den USA, die neuentwickelte H-Bombe und – vor allem – die Suche nach Möglichkeiten, diese Bombe zu transportieren. In der UdSSR hatte man sich schon sehr früh entschieden, den Transport von Kernwaffen nicht Flugzeugen anzuvertrauen, sondern für diese Aufgabe Raketen einzusetzen.
 
Hauptakteur des sowjetischen Raketenprogramms ist Sergei Koroljew, in dessen Büro – dem legendären OKB-1 – Raketen für militärische Nutzung entwickelt werden. Koroljew wiederum ist erstens ein guter Freund von Tichonravow, zweitens war sein erklärtes Ziel immer die Raumfahrt und drittens will er unbedingt einen Satelliten vor den Amerikanern in den Orbit bringen. Die Mischung aus Tichonravows Visionen und Koroljews "eisernem Charakter" bilden so den Nährboden für die frühe sowjetische Satellitenfliegerei.
 
Um seine Satellitenpläne verwirklichen zu können, hatte Koroljew einen Deal gemacht: Er hatte für das sowjetische Militär in langen Jahren die erste Interkontinentalrakete der Welt – die R-7 – entwickelt. Mit ihren 5 Tonnen Nutzlast – soviel brauchte man damals für den Transport der schweren sowjetischen H-Bombe – könnte sie ohne Schwierigkeiten einen Satelliten von vielleicht einer Tonne Gewicht in eine Erdumlaufbahn bringen. Koroljew hatte seinen Oberen in jahrelangem Hickhack die Erlaubnis zum Start von zwei Satelliten abgerungen unter der Bedingung, dass die R-7 zwei erfolgreiche Testflüge vorweisen könne. Parallel dazu hatte Tichonravow seinen Entwurf eines wissenschaftlichen Satelliten im Lauf der Jahre immer weiter präzisiert und eine Liste von Instrumenten zusammengestellt, die wissenschaftlichen Nutzen versprachen.
 
Anfang 1956 kommt das Unternehmen richtig in Fahrt. "Objekt D", wie der Satellit fortan heißt, soll 1 bis 1,4 Tonnen wiegen, wovon üppige 200 bis 300 kg für wissenschaftliche Instrumente zur Verfügung stehen. Man muss sich die Größenordnung vergegenwärtigen: die entsprechenden Satellitenpläne der Amerikaner gehen zur gleichen Zeit in ihren kühnsten Überlegungen von Gewichten um vielleicht 50 Kilogramm aus. Die Instrumentierung der amerikanischen Satellitenentwürfe jener Zeit ist noch nicht einmal festgelegt.
 
Bis Sommer 1956 hat Koroljew seine R-7 auf die Satellitenmission umgebaut: überflüssige Systeme verschwinden, die Triebwerke werden verstärkt und an der Spitze der Rakete wird ein zuverlässiger Absprengmechanismus für den Satelliten installiert. Im September 1956 bekommt Tichonravow die letzte Genehmigung für sein wissenschaftliches Satellitenkonzept.
 
Doch schon vorher waren Schwierigkeiten aufgetreten. Bereits im Sommer 1956 liegt Objekt D hinter dem Zeitplan zurück. Probleme gibt es mit den zahllosen Zulieferbetrieben in der Planwirtschaft der UdSSR – Teile und ganze Systeme verschwinden, passen nicht oder werden gleich gar nicht geliefert, während die Zeit verrinnt. Als sich das Jahr 1956 dem Ende zuneigt, ist allen völlig klar, dass der sowjetische Großsatellit so schnell nicht fertig werden wird.
 
Koroljew sieht seine Felle davonschwimmen. Nervös war er vorher schon gewesen, ob nicht vielleicht die Amerikaner doch schneller sein würden und als erste einen Satelliten in den Orbit bekämen. Er hat gerüchtehalber (und nicht zutreffend) von einem geheim gehaltenen Versuch der Amerikaner gehört, mit einer Jupiter-C-Rakete einen Satelliten in den Orbit zu bringen, der angeblich im September 1956 stattgefunden habe. Seine R-7 macht ihm ebenfalls Kummer. Sie bringt weniger Leistung als erwartet – auf eine undefinierbare Weise scheint alles gegen ihn zu arbeiten.
 
Anfang 1957 kommt dann der große Schnitt. Koroljew entschließt sich, den ersten Satellitenstart mit einem simplen Vehikel zu wagen und Objekt D auf eine etwas längere Bank zu schieben – Hauptsache, dass sein Satellit der erste im Erdorbit ist! Sein Plan gelingt, die R-7 legt nach drei schmerzlichen Misserfolgen im Spätsommer 1957 zwei Bilderbuchflüge hin und am 4. Oktober 1957 ist Koroljews Sputnik I der erste künstliche Satellit im Erdorbit.
 
Es wird schließlich Frühjahr 1958 – zwischenzeitlich hatte Koroljew auch Sputnik II mit dem ersten Lebewesen der Welt an Bord in den Orbit gebracht – als Sputnik III endlich fertig gestellt ist. Ein Wunderwerk sowjetischer Ingenieurskunst: 1,3 Tonnen schwer, ein Paket mit 12 wissenschaftlichen Instrumenten. An Bord alles, was Forschers Herz begehrt. Top-Thema der damaligen Forschung ist die kosmische Strahlung. Wo kommt sie her? Was sind ihre Bestandteile? Wie wirkt sie auf die Erde? Objekt D hat alles: Messgeräte für alle Arten von Partikeln, Strahlung und Magnetfelder. Es gibt sogar ein kleines Mikrophon an Bord, mit dessen Hilfe das Kloink! von Mikrometeoriten aufgefangen werden soll, die möglicherweise auf die Außenhülle prallen.
 
Aber es gibt auch Schwierigkeiten in letzter Minute. Ein Novum der Mission soll der erstmalige Einsatz eines Bandrekorders an Bord eines sowjetischen Satelliten sein. Auf Magnetband sollen Messdaten gespeichert werden, die anfallen, wenn der Satellit sich nicht in der Reichweite einer Bodenkontrollstation befindet und somit die Daten nicht direkt gesendet werden können. Für die Wissenschaft ein wichtiges Gerät: es erlaubt die kontinuierliche Beobachtung von Phänomenen um den ganzen Globus herum statt der bis dato üblichen stichprobenartigen Messungen an einzelnen Stellen.
 
Kurz vor dem Start sollen nun alle Instrumente einem letzten Funktionstest unterzogen werden – eine Routineprozedur. Alle Instrumente funktionieren einwandfrei – bis auf den Bandrekorder. Man ist schon drauf und dran die ganze Mission erneut zu verschieben, als der für den Rekorder verantwortliche Ingenieur – der dem Vernehmen nach ohnehin in einem zweifelhaften Ruf hinsichtlich der Zuverlässigkeit seiner Geräte steht – den Fehler herunterspielt. Er verweist fadenscheinig auf die vielen elektromagnetischen Felder im Testraum, die seinen Recorder durcheinander gebracht hätten. Seltsamerweise lässt sich Koroljew – sonst auf jedes Detail bedacht – darauf ein und erteilt Sputnik III die Freigabe zum Start.
 
Am 27. April 1958 steht Sputnik III dann endlich auf der Rampe. Der Startvorbereitungen verlaufen erfreulicherweise glatt und auch der Start der R-7 geht ohne Zwischenfälle ab. Auf etwa 15 Kilometern Höhe jedoch fällt der Antrieb der R-7 aus. Ohne Schub stürzen Rakete und Satellit zur Erde zurück. Damit hat die Geschichte der sowjetischen Raketenfliegerei ihren ersten Fehlschlag. Für die Qualität der Bordgeräte spricht, dass einige der Instrumente des unglücklichen Sputnik IIIa – wie er heute bezeichnet wird – noch funktionieren, als man sie schließlich findet und bergen kann.
 
Knapp drei Wochen später, am 15. Mai 1958, steht Sputnik III wieder auf der Rampe in Baikonur. Diesmal läuft alles glatt, nach gut fünf Minuten Flugzeit ist Sputnik III im Orbit. Dann jedoch ist es mit dem Glück schon wieder vorbei: der Bandrekorder funktioniert nicht. Damit ist das gesamte wissenschaftliche Programm der zwölf Instrumente über den Haufen geworfen. Wieder sind nur Punktmessungen im Orbit möglich. Statt, wie erhofft, die Verhältnisse im erdnahen Raum unter Flutlicht untersuchen zu können, tappt man wieder nur mit einer Taschenlampe durch ein dunkles Fußballstadion.
 
Heute wissen wir, dass damit der größte wissenschaftliche Erfolg an Sputnik III wegen eines lausigen Bandrekorders, der sich bereits vorher verdächtig gemacht hatte, vorbeigegangen ist. Sputnik III hätte, wie von seinen Vätern erhofft, Forschungsgeschichte schreiben können.
 
Das heißeste Thema war 1958 unter den Wissenschaftlern die mit Explorer I und Sputnik II entdeckten Hinweise auf eine intensive Strahlungszone in rund 800 Kilometern Höhe. Sowohl Explorer I als auch Sputnik II hatten in bestimmten Regionen des erdnahen Raums sehr starke Strahlung festgestellt. Man war sich aber nicht sicher, ob es sich hierbei um irgendwelche zeitlich und räumlich begrenzten Regionen mit irgendwelcher starken Strahlung oder tatsächlich um einen Gürtel handelte.
 
Hier hätte Sputnik III mit intaktem Rekorder natürlich Punkte machen können, denn genau zur Beantwortung dieser Frage war er ausgerüstet. Immerhin gelang es dem Leitenden Wissenschaftler, Sergeij Vernow, die verräterischen Strahlungswerte in den Momenten zu messen, in denen sich Sputnik III im Sichtbereich der Bodenstationen befand. Nur konnte er natürlich nicht sagen, ob es sich um ein lokales oder globales Phänomen handelte...
 
So lief die Wissenschaftsgeschichte haarscharf an Sputnik III vorbei - die wissenschaftliche Literatur erkennt immerhin an, dass Sputnik III die Ergebnisse amerikanischer Sonden "bestätigt" habe. Bis Sommer 1958 hatte James van Allen, der wissenschaftliche Vater von Explorer I, III und IV, seine lückenhaften Daten so weit zusammengepuzzelt, dass er die Existenz eines Strahlungsrings um die Erde wirklich beweisen konnte. Van Allen konnte beim Flug von Explorer IV allerdings auch auf den ersten (voll funktionsfähigen) Bandrekorder im All zurückgreifen, der während der gesamten Mission wunderbar funktionierte. Mit dessen Hilfe gelang die Aufzeichnung der intensiven Strahlung entlang der ganzen Flugbahn von Explorer IV.
 
Damit war endlich der Beweis für einen Strahlungsring um die Erde erbracht. Der Ring heißt heute "Van-Allen-Gürtel". Jim Van Allen schrieb später, dass "auf der Grundlage reiner Beobachtung die Daten von Sputnik 3 tatsächlich die Entdeckung des äußeren Strahlungsgürtels darstellen ... insofern, als dass die Daten vor Explorer 4 ... gewonnen wurden".
 
Die Sowjets nahmen es gelassen. Es gab noch mehr Gebiete, auf denen man vor den Amerikanern Pioniertaten vollbringen konnte. Nach Sputnik III kursierte unter den Russen ein Witz, Zeugnis des unerschütterlichen Humors der russischen Seele: "Der Strahlungsgürtel soll ja jetzt in Vernow-Van Allen-Gürtel umbenannt werden. Wieso, was hat Vernow denn damit zu tun? Na ja, er entdeckte den Van Allen-Gürtel." Immerhin.
 
Quellen:
  - "Korolev, Sputnik, and The International Geophysical Year", Asif A. Siddiqi, NASA-HQ, http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/sputnik/siddiqi.html
  - Space Encyclopedia, Mark Wade, astronautix.com
  - Reproduction of "Space Handbook: Astronautics & Applications", ein Handbuch für "members of the congress with the assumption that the reader has little scietific training", erschienen 1959. http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/conghand/default.htm
  - James J. Harford, "Korolev’s Triple Play: Sputniks 1, 2, and 3," adapted from James J. Harford, Korolev: How One Man Masterminded the Soviet Drive to Beat America to the Moon (John Wiley: New York, 1997)
 

 
 

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      ISS Weekly Report von Michael Schumacher 

Progress M-46 erreicht Raumstation
Am 25. Juni um 10:26 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) dockte das unbemannte Versorgungsraumschiff Progress M1-8 vom Servicemodul Swjesda der International Space Station (ISS) ab. Um 13:35 Uhr MESZ wurden die Triebwerke für den Deorbit-Burn drei Minuten lang gezündet und gegen 14:12 Uhr MESZ verglühte Progress M1-8 in den dichten Schichten der Erdatmosphäre. An Bord befanden sich Abfälle, nicht länger benötigte Versorgungsgüter und Ausrüstungsgegenstände. Einen Tag später hob um genau 07:36:30 Uhr MESZ das neue Versorgungsraumschiff Progress M-46 vom Kosmodrom Baikonur ab. Mit an Bord sind 2.580 kg Fracht und Treibstoff. Nach drei Tagen in der Erdumlaufbahn dockte Progress M-46 am 29. Juni um 08:23 Uhr MESZ an die ISS an.
 
Ebenfalls am 25. Juni unternahmen Waleri Korsun, Sergej Trestschow und Peggy Whitson eine zweistündige Notfallübung, On Board Training (OBT) genannt. Diese wird in der Regel innerhalb von sieben Tagen nach der Abreise der ehemaligen Stammbesatzung von jeder neuen Stammbesatzung durchgeführt. Ziel ist es, die Bewohner der Raumstation mit den Standorten der Notfallausrüstung, den Positionen der Ventile, die in Notfallsituationen benutzt werden, vertraut zu machen, sich durch die Deaktivierungsprozeduren des russischen Stationssegmentes zu arbeiten und ein Zusammenarbeiten der Besatzung im Notfall zu entwickeln.
 
Des Weiteren gehen die Planungen für den Austausch des defekten Control Moment Gryoscope (CMG) weiter. Die Ersatzeinheit kann frühestens im Januar 2003 mit STS-114 zur ISS geflogen werden. Dafür würde dann auch eine dritte Extra Vehicular Activity (EVA) in den Flugplan aufgenommen werden. Das Missionskontrollzentrum in Moskau beabsichtigt unterdessen die beiden russischen EVAs, die ursprünglich für Juli geplant waren, in den August zu verschieben. Der Grund dafür liegt im momentan nur begrenzt möglichen Zugriff auf einen Kommunikationssatelliten, der die Übertragungen zwischen den Russian Ground Sites (RGS) und dem Zentr Uprawlenija Poljotam (ZUP) gewährleistet. Um sicherzustellen, dass es keine Überschneidungen mit der Mission STS-112 gibt, deren Start am 22. August mit großer Wahrscheinlichkeit verschoben wird, wurden die EVAs auf den 14. und 20. August verlegt. Haarrisse in den Treibstoffzuleitungen der Atlantis, die die Mission STS-112 fliegen soll, verzögern momentan die regulären Arbeiten an der Space Shuttle-Flotte, so dass es zu mehrwöchigen Terminverschiebungen kommen kann.
 
Weiterhin führte die fünfte Stammbesatzung auch wissenschaftliche Experimente durch. Trestschow und Whitson aktivierten den Schmelzofen für das Experiment Zeolite Crystal Growth (ZCG) um mit den ersten Versuchsreihen während ihres Langzeitaufenthaltes zu beginnen. Korsun und Whitson führten zudem erste Untersuchungen im Rahmen des Experimentes Pulmonary durch.
 
Related Links:
Internationale Raumstation
 
 

 
 

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      Surftipp: CONTOUR Projekt-Homepage von Karl Urban 

Die Website zur Mission CONTOUR der NASA (siehe Hotspot) erlaubt Einblicke in das Projekt um die kleine Raumsonde, die die Kometen Encke und Schwassmann-Wachmann 3 besuchen soll. Die Homepage bietet einen umfangreichen Missions-Überblick und stellt zudem die Instrumente des Raumfahrzeugs vor. Zudem bietet die NASA Informationen zu Kometen in unserem Sonnensystem an.
 
Obwohl die Mission nur 150 Mio. US-Dollar kosten durfte, wurde beim Design der Seite nicht gespart, die völlig "kometig" aufgemacht ist. Somit lohnt sich ein ein kurzer Surfabstecher zur CONTOUR Projekt-Homepage.
 

 
 

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      InDetail: Hauptachse von Michael Stein 

Als Hauptachse einer elliptischen Planeten- oder Satellitenumlaufbahn wird die Gerade durch die beiden Brennpunkte der Ellipse bezeichnet; Anfangs- und Endpunkt dieser Geraden sind die beiden Schnittpunkte mit der Ellipse selbst. Der durchschnittliche Abstand des Planeten oder (natürlichen bzw. künstlichen) Satelliten zu dem Himmelskörper, den er umkreist, entspricht genau der Hälfte der Hauptachse. In der Literatur wird diese Distanz auch als halbe Hauptachse (engl. "semimajor axis") bezeichnet.
 
Weitere Größen, die mit Hilfe der halben Hauptachse berechnet werden können, sind die Apoapsis und die Periapsis (die Punkte der größten und kleinsten Entfernung zu dem umkreisten Himmelskörper auf einer Umlaufbahn). Bei bekannter Exzentrizität 'e' der Umlaufbahn (siehe InSpace-Newsletter #023) kann die Apoapsis mit Hilfe der Formel ra = a × (1 + e) und die Periapsis durch die Formel rp = a × (1 - e) berechnet werden, wobei 'a' jeweils für die halbe Hauptachse steht.
 

 
 

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"In Space Newsletter" #031

Erscheinungsdatum:
29. Juni 2002
Auflage: 593 Exemplare
 
 
Chefredaktion:
Karl Urban
Michael Stein
 
Supervising:
Lorenz Ulrich
 
Schlussredaktion:
Michael Stein
 
Redaktionsleitung:
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Redaktion:
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Raphael Kallensee
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Michael Schumacher
Lu Shi
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(Space-Weltraum.de)

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