| In Space - The Raumfahrer.net Newsletter #039 vom 24. August 2002
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Der Raumfahrtnewsletter des TrekZone Networks.
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"In Space Newsletter" Ausgabe #039
> Updates:
Updates / Umfrage
> News:
Astronomie- und Raumfahrtnews
> Space Focus:
Interstellare Nebel und Sterne
> HotSpot:
Atlas 5 - Facelifting für einen Veteranen
> ISS:
Weekly Report
> Surftipp:
Mars Exploration Rover
> InDetail:
Erde-Mond-Entfernung
> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
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Verehrte Leserinnen und Leser,
an Ihren Zuschriften zur Umfrage der letzten Wochen über die weitere Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS lässt sich ablesen, wie sehr dieses Projekt bei vielen Menschen, mich eingeschlossen, wirkt. Um so trauriger ist der Tatbestand, dass die Raumstation aufgrund von Fehlplanungen in erster Linie auf amerikanischer Seite wohl nie ihre geplante Größe und Vollbemannung erreichen wird - jedenfalls nicht in absehbarer Zukunft.
Was können wir dagegen tun? Nun, zuerst müsste die Akzeptanz der Bevölkerung für die "teure bemannte Raumfahrt" vergrößert werden - Otto Normalverbraucher muss begreifen, dass die bemannte Raumfahrt ein Ticket für die Zukunft ist. Bemannte Raumfahrt bringt, viel mehr als die unbemannte, Know-How auf die Erde, das in allen Bereichen das Leben verbessern und erleichtern kann. Die harten Bedingungen des Alls helfen somit indirekt dabei, die Wirtschaft der Raumfahrtnationen durch innovative Techniken zu unterstützen.
Doch Otto Normalverbraucher wird schlecht informiert - über den Nutzen der bemannten Raumfahrt und auch über den Nutzen der teuren ISS. Das sieht man auch daran, dass im Internet kaum eine vernünftige deutschsprachige Raumfahrtseite zum Thema Internationale Raumstation existiert. Oder kennen Sie eine?
Raumfahrer.net möchte das ändern. Wir suchen Redakteure, die unsere ISS-Rubrik wieder zu etwas machen. Haben Sie Interesse? Mailen Sie uns oder schreiben Sie bequem ins Kontaktformular.
Karl Urban
Chefredakteur "Raumfahrer.net"
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Auswertung: Halten Sie es für sinnvoll, die Internationale Raumstation auch unter großen finanziellen Einschränkungen weiter zu unterhalten?
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Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.
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• Beeinflusst die Sonne das Erdklima? <mehr>
• Smog auf dem Mond Titan <mehr>
• Zweiter Start eines Satelliten innerhalb von acht Stunden <mehr>
• Erfolgreicher Jungfernflug der neuen Atlas 5-Rakete <mehr>
• "Rosso Corsa" bewirbt sicht für eine außergewöhnliche Qualifikation <mehr>
• Voyager: 25-jähriges Jubiläum einer Odyssee <mehr>
• Wissenschaftler bereiten die nächste Mars-Landung vor <mehr>
• Zehn Astronauten üben in Europa für ihren ISS-Einsatz <mehr>
• Pluto-Atmosphäre wandelt sich drastisch <mehr>
• Kometensonde CONTOUR vielleicht zerstört <mehr>
» Beeinflusst die Sonne das Erdklima? 24. August 2002 - Die Sonne hat großen Einfluss auf das irdische Wetter - die ESA hilft nun bei der Erforschung der Phänomene. Meteorologen sehen die Erde nicht mehr als nach außen isoliertes System. Sowohl langzeitliche Klimaveränderungen als auch das alltägliche Wetter zeigt Zusammenhänge mit der Sonnenaktivität. Wissenschaftler erforschen aus diesem Grund nun massiv die Natur dieser Verbindung. Mit Daten der ESA- Raumfahrzeuge SOHO, Cluster und Ulysses, existieren jetzt genügend Informationen, um den Einfluss der Sonne auf das irdische Wetter aufzudecken. Die Studie ist auch der erste Schritt zu einer neuen Art der Wetter-Vorhersage - dem Weltraumwetter.
Um das Wetter der Erde zu beeinflussen, muss sich das Verhalten der Sonne in bestimmten Bereichen verändern. Im sichtbaren Spektralbereich scheint die Sonne konstant zu leuchten. Satelliten zeigten aber in der Vergangenheit, dass sich dahinter tatsächlich dramatische Veränderungen abspielen. Zum Beispiel strahlt die Sonne einen "Wind" von geladenen Teilchen ins All, dessen Intensität variiert. Die ultraviolette Strahlung variiert ebenfalls. Die Beobachtung der Wechselwirkungen von solaren Veränderungen und dem Klimasystem der Erde ist eine Wissenschaft für sich, die als Weltraumwetter ("space weather") bekannt ist.
Die Veränderungen der Sonne lassen sich durch ihr sich ständig wandelndes Magnetfeld erklären. Alle 11 Jahre verändert sich dieses von einem "solaren Minimum" in ein "solares Maximum". Am Höhepunkt dieses Zyklus, der im vergangenden Jahr erreicht wurde, ist der Sonnenwind sehr stark, so dass die geladenen Teilchen explosionsartig ins all katapultiert werden. Die Energie, die bei einer Explosion von der Sonne abgegeben wird, kann bis zu einer Milliarde Megatonnen reichen. Das entspricht 6,6 Milliarden Hiroshima- Atombomben. Diese Ergeignisse sind auch die Urheber für die variierenden ultravioletten Strahlungsemissionen.
Die "solare Flotte" der ESA beobachtet diese Phänomene sehr vorsichtig und von verschiedenen Punkten im All aus. Das NASA/ESA-Gemeinschaftsprojekt SOHO (Solar and Heliospheric Observatory) beobachtet die Sonne und zeichnet deren Aktivität auf. Die Veränderungen des Sonnenwinds wird vom Sonden-Quartett Cluster erforscht, während Ulysses die Sonne in einem entfernteren Orbit umkreist, um eine globalere Sicht des Sonnenwinds zu erhalten.
Diese Beobachtungs-Ergebnisse werden zusammen mit meteorologischen und anderen Daten eine unschätzbare Quelle an Informationen zur Erforschung der Sonneneinflüsse auf die Erde bilden. "All die Daten werden archiviert und für die Wissenschaftsgemeinschaft verfügbar gemacht." sagt Alexi Glover aus dem Space- Weather-Team am ESTEC-Zentrum der ESA in den Niederlanden. SOHO wurde für den Betrieb von drei Jahren konstruiert. "Wenn SOHO weitere vier bis fünf Jahre funktioniert, haben wir einen vollständigen solaren Zyklus von 11 Jahren dokumentiert. Dies wäre von unschätzbarem Wert." (ku - Quelle: ESA)
» Smog auf dem Mond Titan 23. August 2002 - Auf dem Saturn-Mond Titan ist ein Tag fast 16 Erdtage lang, und an jedem Tag herrscht Smogalarm - die Luft ist schlechter als die Stufe 3 eines Smogalarms in Los Angeles. Auf dem Saturn-Mond Titan ist ein Tag fast 16 Erdtage lang, und an jedem Tag herrscht Smogalarm - die Luft ist schlechter als die Stufe 3 eines Smogalarms in Los Angeles. Um mehr Informationen über den Mond zu bekommen, müssen die Wissenschaftler eine Hülle von globalem Dunst durchdringen. In zwei Jahren wird das Raumfahrzeug Cassini zudem die Sonde Huygens auf Titan absetzen. In der Zwischenzeit hilft eine Studie, die am 22. August in der renommierten Fachzeitschrift "Nature" herausgebracht wurde, das zu bestätigen, was Forscher bisher vermutet haben - Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem mit einer dicken Atmosphäre. Aus Beobachtungen von den Voyager-Sonden geht hervor, dass die Smogschicht die Oberfläche von Titan völlig bedeckt. Titan hat einen Durchmesser von 5.150 Kilometer. Mit Hilfe von komplexen Zirkulationsmodellen, basierend auf der Erddynamik, verfolgt ein Team von der Pascal-Rannou-Universität, Paris, die Bildung, Evolution und den Weg von Smogpartikeln durch die Atmosphäre des Titan. Die Atmosphäre des Mondes besteht hauptsächlich aus Stickstoff mit einem sehr geringen Anteil von Methan, und die Beschaffenheit ähnelt sehr der frühen Phase der Erde. Mehr Informationen über die Atmosphäre und den Smog auf Titan wird 2004 von der Sonde Huygens kommen, wenn Cassini 2004 den Planeten Saturn erreicht. Die Mission Cassini/Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der NASA und der ESA. Huygens wird in die Atmosphäre von Titan eindringen, um dann unter anderem die Winde sowie die Temperaturen zu erkunden. Cassini studiert den Mond von oben aus mit Instrumenten, die viel höher entwickelt sind als die von Voyager. Den ganzen Artikel (la - Quelle: space.com)
» Zweiter Start eines Satelliten innerhalb von acht Stunden 22. August 2002 - Das amerikanisch-russische Joint Venture International Launch Services (ILS) hat den amerikanischen TV-Satelliten EchoStar VIII mit Hilfe einer Proton-Rakete erfolgreich in die geplante Erdumlaufbahn transportiert und damit zwei Satelliten innerhalb von nur acht Stunden gestartet. Das amerikanisch-russische Joint Venture International Launch Services (ILS) hat den amerikanischen TV-Satelliten EchoStar VIII mit Hilfe einer Proton-Rakete erfolgreich in die geplante Erdumlaufbahn transportiert und damit zwei Satelliten innerhalb von nur acht Stunden gestartet. Der Start erfolgte um 07:15 Uhr (MESZ), gut sechseinhalb Stunden später wurde der Satellit im vorgesehenen geosynchronen Transferorbit ausgesetzt. Die Proton hat damit bereits ihren fünften Start in diesem Jahr absolviert, wie alle Starts dieses Raketentyps in den letzten zweieinhalb Jahren waren auch die diesjährigen sämtlich erfolgreich. Die dreistufige Proton K-Rakete mit der Oberstufe Block DM startete nicht einmal acht Stunden, nachdem die neue Atlas 5 bei ihrem Jungfernflug von Cape Canaveral aus einen europäischen Kommunikationssatelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht hat. Beide Starts wurden von ILS vermarktet und betreut, einem aus den Raketenbauern Lockheed Martin (USA), Krunischew Raumfahrtforschungs- und Produktionszentrum und RKK Energija (beide Russland) bestehenden Joint Venture. (ms - Quelle: International Launch Services)
» Erfolgreicher Jungfernflug der neuen Atlas 5-Rakete 22. August 2002 - Um 00:05 Uhr (MESZ) ist am heutigen Donnerstag die neuentwickelte Atlas 5-Rakete von Cape Canaveral aus zu ihrem Jungfernflug gestartet und hat den Kommunikationssatelliten HOT BIRD 6 rund eine halbe Stunde später im geplanten Orbit platziert. Um 00:05 Uhr (MESZ) ist am heutigen Donnerstag die neuentwickelte Atlas 5-Rakete von Cape Canaveral aus zu ihrem Jungfernflug gestartet und hat den Kommunikationssatelliten HOT BIRD 6 rund eine halbe Stunde später im geplanten Orbit platziert. Die Atlas 5 stellt den jüngsten Sproß einer Raketenfamilie dar, deren Anfänge bis zum Beginn der 1960er Jahre zurückreichen. Diese von Lockheed Martin Space Systems produzierte Rakete ist die stärkste Version der Atlas-Raketen und wurde entworfen, um den Anforderungen des Evolved Expendable Launch Vehicle-Programms der U.S. Air Force sowie des globalen kommerziellen Satellitenmarktes nach zuverlässigeren und kostengünstigeren Trägersystemen zu genügen. Die heute gestartete Version Atlas 5 401 ist die leistungsschwächste Variante des neuen Trägersystems und besteht aus zwei Stufen: dem mit einem russischen RD-180-Triebwerk ausgestatteten so genannten Common Core Booster sowie der mit einem amerikanischen RL-10-Triebwerk ausgestatteten Centaur-Oberstufe. Insgesamt existieren drei verschiedene Atlas 5-Grundtypen, die jeweils mit einer verschiedenen Anzahl von Feststoffboostern ausgestattet werden können und so eine Vielzahl von Variationen erlauben. Um die Ziele "geringere Kosten", "höhere Startfrequenzen" und "höhere Zuverlässigkeit" zu erreichen wurde nicht nur die Rakete neu entwickelt, auch der Startkomplex 41 ist neu errichtet worden. Im Gegensatz zur früheren Verfahrensweise werden die einzelnen Stufen der Rakete nicht erst auf der Startrampe aufeinander montiert, sondern in einem dafür ebenfalls neu errichteten Vehicle Assembly Building. Dort wird ebenfalls die Nutzlast auf die Rakete gesetzt, erst dann erfolgt der Transport des kompletten Systems auf einer mobilen Plattform zum Startplatz. Mit dem heutigen Jungfernflug kann die Atlas-Raketenfamilie nun auf 61 erfolgreiche Starts hintereinander zurückblicken. Der nächste Start der neuen Atlas 5 ist für den kommenden Dezember geplant, dann soll ein kanadischer Kommunikationssatellit ins All gebracht werden. (ms - Quelle: International Launch Services)
» "Rosso Corsa" bewirbt sicht für eine außergewöhnliche Qualifikation 21. August 2002 - Ferrari hat erst kürzlich die zähen Wettkämpfe auf der Rennstrecke bewältigt. Als nächstes Ziel gilt das Erreichen der Qualifikation, die der berühmten roten Farbe "Rosso Corsa" ins Weltall verhilft. Ferrari hat erst kürzlich die zähen Wettkämpfe auf der Rennstrecke bewältigt. Als nächstes Ziel gilt das Erreichen der Qualifikation, die der berühmten roten Farbe "Rosso Corsa" ins Weltall verhilft. Drei Testcontainer der Farbe erreichten im Juli das ESTEC (European Space Research and Technology Centre) in den Niederlanden. Dort wurden sie erwartet um für den Flug zum Mars, an Board der Mars Express, getestet zu werden. In den folgenden Wochen wurde die Farbe sicher in einem speziellen Glaszylinder installiert. Spitzname des 2 cm dicken Zylinders ist "Fred". Dieser wurde in einem Fieberglas block versenkt, um sich den diversen Testprozeduren unterziehen zu können. Jedes Stück oder wissenschaftliches Experiment wird zunächst auf Herz und Nieren geprüft, bevor es in die unbekannten Weiten geschickt wird, wo Temperaturen rapide zwischen tiefen Minusgraden und hohen Plusgraden springen. Auf diesem Weg wurde das Ferrari Rot die letzten 3 Wochen getestet. Dies war die genaueste Untersuchung, der sich die Farbe jemals unterzog. Anfang August wurde die Farbe auf mechanische Einflüsse geprüft. Dabei wurde sie durchgeschüttelt um die Vibrationen des Startes zu simulieren. Wärme- und Vakuumstests standen ebenfalls am Programm. (fs - Quelle: ESA)
» Voyager: 25-jähriges Jubiläum einer Odyssee 20. August 2002 - Heute vor 25 Jahren brach die erste der beiden Voyager-Raumsonden zu ihrer Reise in das äußere Sonnensystem auf, und immer noch senden die unendlich schwachen Signale der beiden Zwillingssonden Informationen über die Randgebiete unseres Sonnensystems zu den riesigen Antennen des Deep Space Network der NASA. Heute vor 25 Jahren brach die erste der beiden Voyager-Raumsonden zu ihrer Reise in das äußere Sonnensystem auf, und immer noch senden die unendlich schwachen Signale der beiden Zwillingssonden Informationen über die Randgebiete unseres Sonnensystems zu den riesigen Antennen des Deep Space Network der NASA. Wohl kaum einer der Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker, die am 20. August 1977 die mächtige Titan III E/Centaur mit Voyager 2 an Bord in den nächtlichen Himmel über Florida steigen sahen, hätte angenommen, dass noch 25 Jahre später die beiden im Abstand von gut zwei Wochen gestarteten Raumsonden Kontakt zur Erde haben würden: Unmittelbares Ziel ihrer Reise waren damals nur die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems, Jupiter und Saturn, die nach vier Jahren Reisezeit erreicht werden sollten. Dieses Ziel erreichten die beiden identischen Sonden dann auch ohne Schwierigkeiten und bescherten den Wissenschaftlern eine ungeheure Fülle an neuen Aufnahmen, wissenschaftlichen Messdaten und Erkenntnissen. Die aktiven Vulkane auf dem Jupitermond Io, Wellen und speichenförmige Strukturen in den Saturnringen, die dichte Atmosphäre des Saturnmondes Titan, eine Vielzahl neu entdeckter Monde: Alles Entdeckungen, die mit Hilfe der beiden Voyager-Sonden gemacht worden sind. Doch die Reise sollte noch weiter gehen. Nur alle 176 Jahre kommt es zu einer Planetenkonstellation wie in den Jahren 1977 bis 1979, die es einer in dieser Zeit gestarteten Raumsonde erlaubt, durch geschickte Ausnutzung der planetaren Gravitationskräfte neben Jupiter und Saturn auch noch Uranus und Neptun anzufliegen, so der seit 1972 am Voyager-Projekt beteiligte Wissenschaftler Dr. Edward Stone. Nun also Voyager 2 weiter zu Uranus und Neptun, beide bis dahin noch nie und seitdem nie wieder von einem Raumfahrzeug angesteuert. Auch dort wieder gleichermaßen wissenschaftlich faszinierende wie für das Auge einfach nur wunderschöne Aufnahmen der beiden großen Gasplaneten. Und natürlich auch wieder ein Füllhorn neuer Erkenntnisse und Entdeckungen: Die höchsten bisher gemessenen Windgeschwindigkeiten unseres Sonnensystems in der Neptunatmosphäre, der puzzleartig aus neuen und alten Oberflächenstrukturen zusammengesetzte Uranusmond Miranda, aktive Geysire auf dem Neptunmond Triton, die Ringe um Uranus und Neptun und wieder neu entdeckte Monde. Die am 5. September 1977 gestartete Raumsonde Voyager 1 ist mittlerweile das am weitesten von der Erde entfernte von Menschenhand geschaffene Objekt. Seit dem Vorbeiflug am Saturn im November 1980 fliegt das Raumfahrzeug in nördlicher Richtung (relativ zur Ekliptik) auf die äußerste Grenze unseres Sonnensystems - die so genannte Heliopause - zu, wo der Sonnenwind und der interstellare Teilchenstrom in einer Schockzone aufeinander treffen. Zurzeit ist Voyager 1 85 Astronomische Einheiten (AE = durchschnittliche Entfernung Erde-Sonne [rund 149,6 Mio. km]) von der Sonne entfernt und nähert sich pro Jahr um rund 3,6 AE der Heliopause. Voyager 2 ist nach seinem Vorbeiflug an Neptun im August 1989 ebenfalls auf den Weg zur Heliopause und befindet sich rund 68 AE von der Sonne entfernt. Um diese gigantischen Entfernungen besser einschätzen zu können: Voyager 1 ist knapp 13 Milliarden Kilometer oder mehr als doppelt soweit wie Pluto von der Sonne entfernt, und die Funksignale von der Raumsonde benötigen trotz Lichtgeschwindigkeit eine Reisezeit von knapp 12 Stunden, bevor sie von den 70 m-Antennen des Deep Space Network registriert werden. Doch nun haben die Wissenschaftler den beiden Reisenden ein neues Ziel gesteckt: Sie hoffen, dass zumindest eine der Voyager-Sonden funktionsfähig den interstellaren Raum erreichen wird, wohin der von unserer Sonne ausgehende Partikelstrom nicht mehr reicht. Erst dann, wenn die Heliopause passiert ist, werden die beiden Raumsonden registrieren können, wie die Bedingungen außerhalb unseres Sonnensystems sind, welche (interstellaren) Winde dort wehen; bis dahin bewegen sie sich im weitesten Sinne in der solaren Atmosphäre. So ist jetzt, lange nach dem Erreichen aller primären Ziele der Voyager-Mission, noch ein Rennen gegen die Zeit entbrannt: Während Voyager 1 mit rund 1,6 Millionen Kilometer pro Tag auf die äußerste Grenze des Sonnensystems zurast, nimmt die von dem nuklearen Miniaturkraftwerk des Raumfahrzeugs gelieferte elektrische Energie stetig ab. Die drei Generatoren an Bord der Raumsonde, mit denen die beim radioaktiven Zerfall von Plutonium entstehende Wärme in elektrische Energie umgewandelt wird, produzieren zurzeit noch gut 300 Watt, doch nach und nach werden einzelne Instrumente abgeschaltet werden müssen. Wann genau Voyager 1 die Heliopause erreichen wird ist ungewiss, da sich deren genaue Lage mit dem solaren Aktivitätsniveau verändert. Bis 2020 wird noch genug Energie an Bord der beiden Raumfahrzeuge vorhanden sein, um wenigstens eines der wissenschaftlichen Instrumente aktivieren zu können, doch wenn bis dahin der interstellare Raum nicht erreicht ist, könnte es kritisch werden: Irgendwann nach diesem Datum wird der Tag kommen, an dem die elektrische Energie nicht mehr für den Betrieb auch nur eines Instruments an Bord der Voyager-Sonden ausreicht. Spätestens dann wird das interstellare Forschungsprogramm der vor 25 Jahren auf ihre Reise ohne Wiederkehr gestarteten Raumfahrzeuge beendet sein, und sie werden nur noch als Botschafter unseres Planeten unterwegs sein, eine vergoldete Platte mit Tondokumenten und Aufnahmen von der Erde mit sich tragend. (ms - Quelle: NASA)
» Wissenschaftler bereiten die nächste Mars-Landung vor 20. August 2002 - In weniger als in einem Jahr wird die nächste Marssonde auf den Mars landen. Damit alles reibungslos abläuft, übten die Wissenschaftler mit einem nachgebauten Rover 1 Woche lang in einer Wüste. In weniger als in einem Jahr wird die nächste Marssonde auf den Mars landen. Damit alles reibungslos abläuft, übten die Wissenschaftler mit einem nachgebauten Rover 1 Woche lang in einer Wüste. Der zehntätige Test, der vom 10.August bis zum 19.August 2002 lief, diente dazu, das Wissenschaftlerteam mit Hilfe eines Rovers die Erforschung der geologischen Eigenschaften der Wüste zu üben. Diese Erfahrung wird für 2004 benötigt, damit die NASA "Mars Exploration Rover" Mission ohne Probleme abläuft. Der Test-Rover ist in der Größe sowie in der Fähigkeit zu den Mars Exploration Rover ähnlich. Obwohl wichtige Unterschiede existieren, sind die Ähnlichkeiten trotzdem groß genug, dass dieselben Arten von Herausforderungen beim Senden von Befehlen an den Rover in komplexen relalistischen Terrain existieren, wie die für den "Mars Exploration Rover" auf den Mars erwartet wird. Der Test-Rover hat täglich Befehle über einen Satelliten erhalten und diese dann ausgeführt. Jeden Tag wurden Bilder und Wissenschaftliche Daten von Test-Rover über einen Satelliten zu JPL gesandt, die die Eigenschaften der Wüstengeologie zeigten. Ein Team von mehr als 60 Wissenschaftlern rund um den Globus schickten zu den Test-Rover Befehle, was er zu tunn hat. Dieser Test ist einer von mehreren Ausbildungsoperationen, die vor dem Landen auf den Mars geplant sind. Kurz vor der Einführung der Mission wird die NASA den Landestandort auswählen. (la - Quelle: JPL NASA)
» Zehn Astronauten üben in Europa für ihren ISS-Einsatz 19. August 2002 - Vom 26. August bis 6. September veranstaltet das Europäische Astronautenzentrum (EAC) der ESA in Köln, Deutschland, erstmals für eine internationale Gruppe von Astronauten ein Trainingsprogramm, das sie auf ihre Missionen an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) vorbereiten soll. Vom 26. August bis 6. September veranstaltet das Europäische Astronautenzentrum (EAC) der ESA in Köln, Deutschland, erstmals für eine internationale Gruppe von Astronauten ein Trainingsprogramm, das sie auf ihre Missionen an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) vorbereiten soll. Die zehnköpfige Gruppe umfaßt vier ESA-Astronauten (Pedro Duque, Leopold Eyharts, Paolo Nespoli und Thomas Reiter), vier japanische NASDA-Astronauten (Takao Doi, Koichi Wakata, Satoshi Furukawa und Aikihido Hoshide) und zwei NASA-Astronautinnen (Nicole Passonno Stott und Stephanie D. Wilson). Das geplante Programm dient in erster Linie der Schulung der Astronauten für die Aufgaben, die sie beim Anbau des Japanischen Experimentiermoduls (JEM) und des Columbus-Labors der ESA an die ISS in den kommenden Jahren wahrzunehmen haben. Nach erfolgreichem Abschluß des Programms werden sie an Langzeiteinsätzen auf der ISS teilnehmen. Hauptgegenstand der fortgschrittenen Ausbildung im EAC sind die Columbus-Systeme und das Automatische Transferfahrzeug (ATV). Vorgesehen sind 24 Unterrichtsstunden über die Columbus- und ATV-Systeme und vier über die Nutzlasten sowie zwei Übungen mit der Columbus-Trainingseinheit. Die Ausbilder für die Columbus-Systeme werden von Astrium, die für das ATV von Alenia Spazio gestellt; als Mentoren für die Columbus-Nutzlasten werden ESA/EAC-Bedienstete fungieren. Die Astronauten werden am 30. August das Astrium-Werk in Bremen besuchen, um sich mit der Flugeinheit des Columbus-Labormoduls vertraut zu machen, das dort gegenwärtig integriert wird. Die Gruppe hat ihre fortgeschrittene Ausbildung im April 2001 im Johnson Space Center (JSC) der NASA in Houston begonnen, wo zunächst ein erster Kurs über das amerikanische ISS-Segment auf dem Programm stand. Von Dezember 2001 bis Januar 2002 folgte die Schulung für das JEM-System im Tsukuba Space Centre der NASDA in Japan, im Mai 2002 eine weiterer Ausbildungskurs im JSC. (ku - Quelle: ESA)
» Pluto-Atmosphäre wandelt sich drastisch 18. August 2002 - Neue Beobachtungen von Pluto zeigen, dass seine Atmosphäre innerhalb der vergangenden 14 Jahre abgekühlt ist, seine Oberfläche hingegen wärmer wurde. Neue Beobachtungen von Pluto zeigen, dass seine Atmosphäre innerhalb der vergangenden 14 Jahre abgekühlt ist, seine Oberfläche hingegen wärmer wurde. Die genauen Beobachtungen des entfernten Planeten wurden möglich, als Pluto vor einem Stern entlangflog. Die Astronomen sind sehr erstaunt über diese Veränderungen, die in einer Zeit auftreten, in der sich Pluto in seinem 248-jährigen Orbit von der Sonne entfernt. Sie sagten, dass die Ergebnisse nur von einer Sondenmission zum Pluto erklärt werden könnten. Ein solches Projekt unterstützen viele Forscher, aber die NASA machte kürzlich erneut einen Rückzieher. Im Moment weiß man noch sehr wenig über den Planeten, weil er zu weit entfernt ist, um seine Atmosphäre direkt zu erforschen, welche lediglich aus dünnen Gaswolken bestehen dürfte, die gefrieren, wenn Pluto sich weiter von der Sonne entfernt. Aus diesem Grund nutzen Astronomen jede Möglichkeit, die sich bietet, ihn genauer zu beobachten. Zuletzt verdeckte er 1988 einen Stern, und man konnte somit genauere Daten über ihn ermitteln. Am 19. Juli 2002 war dies erneut der Fall. Die aktuellen Beobachtungen wurden von Wissenschaftlern des Lowell Observatoriums und des Massachusetts Instituts geleitet. "In den letzten 14 Jahren sind eine oder mehrere Veränderungen an Pluto aufgetreten," sagte Marc Buie vom Lowell Observatorium. "Plutos Atmosphäre erlebt eine globale Abkühlung, während andere Daten darauf hinweisen, dass die Oberfläche geringfügig wärmer wird. Ein Teil der Veränderungen ist durch die Entfernung des Planeten von der Sonne zu erklären, aber was wir sehen, ist komplexer als vermutet." Related Links: Mehr zum Pluto (ku - Quelle: Space.com)
» Kometensonde CONTOUR vielleicht zerstört 18. August 2002 - Die Kometensonde CONTOUR scheint in zwei Teile zerbrochen zu sein, nachdem ihre Rakete für eine Kursänderung gezündet worden war. Die Kometensonde CONTOUR scheint in zwei Teile zerbrochen zu sein, nachdem ihre Rakete für eine Kursänderung gezündet worden war. Die Vermutung für die Zerstörung der Sonde äußerte ein NASA-Sprecher am Freitagnachmittag (16.8.). Ein Teleskop am Boden hatte zwei unbekannte Objekte fotografiert, die sich etwa 250 Kilometer von der berechneten CONTOUR-Position entfernt befinden. Diese könnten die Überreste der Raumsonde darstellen. Die Objekte wurden auf der berechneten Flugstrecke erspäht, die das Raumfahrzeug erreicht haben dürfte, nachdem die Triebwerke abgefeuert wurden. "Wir haben noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschlossen, aber die Nachricht ist sehr entmutigend," sagt Missions-Direktor Robert Farquhar vom Applied Physics Laboratory (APL) der John Hopkins Universität. "Obwohl noch nichts sicher ist, ist dies nicht sehr ermutigend." Farquhar sagte zudem, dass weitere Untersuchen nötig seien, um zu bestätigen, ob die beiden Objekte wirklich Teile von CONTOUR sind. Bis jetzt gibt es keinen schlüssigen Grund für den möglichen Unfall, aber Farquhar berichtete, dass das Triebwerk der Raumsonde bereits gezündet worden sei und dass sie nicht mehr im Erdorbit ist. Verantwortliche des Projekts sagten am 15.8., dass CONTOUR der Erdanziehungskraft nicht entkommen sein könne. Trotz der möglichen Katastrophe wird die umfassende Suche mindestens bis zum 19.8. fortgesetzt. Das Deep Space Network der NASA und das Arecibo-Observatorium werden weiter den Himmel nach Radiosignalen von CONTOUR in der Hoffnung absuchen, dass die 970-Kilogramm-Sonde meldet, dass sie noch intakt und auf dem Weg zum Zielkometen ist. Related Links: HotSpot: Die Mission CONTOUR (ku - Quelle: Space.com)
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Space Focus: Interstellare Nebel und Sterne |
von Lu Shi | |
Sterne sind auf jeden Fall keine in Flammen stehenden Objekte, die am Himmel stehen und auch keine brennende Klumpen fester Materie die auf die Erde herunterfallen - wie man 500 v. Chr. noch annahm.
Heute wissen wir, dass eine andere, in früheren Zeiten sehr gewagte, Vermutung völlig richtig ist; dass über uns lauter riesiger Gaskugeln schweben, in unvorstellbaren Entfernungen.
Sie entstehen nach bekannten Daten in Nebeln, jenen Wolken aus Gas und Staub, die wir in verschiedensten Galaxien finden. Dabei setzt sich das Gas vor allem aus Wasserstoff und etwas Helium zusammen, der interstellare Staub aus kleinen Teilchen der festen Materie. Es gibt unterschiedliche Arten von Nebeln. Die Dunkelwolke seht vor dahinterstehenden Sternen o.a., deren Licht sie abschwächt und sie deshalb dunkel ist. Ein Beispiel für eine Dunkelwolke ist der bekannte Pferdekopfnebel im Sternbild Orion. Wenn sich Sterne um, in oder bei einer Wolke befinden, kann es sein, dass diese ihr Licht von diesen Sternen bekommt, bzw. dieses reflektiert. Solche Nebel heißen Reflexionsnebel, wie zum Beispiel der Sternhaufen der Plejaden. Wird das Gas eines Nebels durch ultraviolette Strahlung von Sternen im Nebel auf 10 000 Kelvin erhitzt, kommt es zur Erregung des Wasserstoffs, und der Nebel beginnt, fluoreszierendes Licht auszusenden. Und solche Nebel heißen Emissionsnebel (Orionnebel). Ist die Gaswolke besonders dicht, bilden sich dort drinnen womöglich sogar Sterne.
Die anfängliche kleinere Kugel mit Materie, der sogenannte Protostern, nimmt immer mehr Materie auf und vergrößert sich und damit seine Gravitationskraft ständig. Folglich steigt auch der Druck, die Dichte und die Temperatur im Kernbereich kontinuierlich, bis dort eine Temperatur von etwa 10 Millionen Kelvin erreicht ist. In diesem Augenblick beginnt nun die Kernfusion von Wasserstoff zu Helium. Diese Reaktion, einmal ausgelöst, lässt den Stern Milliarden Jahre scheinen. Wenn einmal sein Wasserstoffvorat dem Ende nahe kommt, schrumpft er wegen der nun überwiegenden Schwerkraft von außen, die ihn förmlich zusammendrückt, und bläst sich daraufhin wieder auf, um schließlich in einer Nova oder Supernova zu explodieren und seine äußeren Hüllen in den interstellaren Raum zu schleudern und dabei einen neuen Gasnebel zu begründen.
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HotSpot: Atlas 5 - Facelifting für einen Veteranen |
von Michael Stein | |
Die am 22. August 2002 um 00:05 Uhr (MESZ) erstmals gestartete Atlas 5 ist der jüngste Spross einer Raketenfamilie, deren Anfänge auf eine modifizierte Interkontinentalrakete in den 1950er Jahren zurückgehen. Diese von Lockheed Martin Space Systems produzierte Rakete ist die stärkste Version aller bisherigen Atlas-Raketen und wurde entworfen, um den Anforderungen des Evolved Expendable Launch Vehicle-Programms der U.S. Air Force sowie des globalen kommerziellen Satellitenmarktes nach zuverlässigeren und kostengünstigeren Trägersystemen zu genügen. Um diese Ziele zu erreichen wurde nicht nur ein neues Trägersystem entwickelt, auch die Produktions- und Startvorbereitungsabläufe wurden geändert und optimiert.
Aufbau der Rakete
Die Atlas 5 ist eine zweistufige Rakete, bestehend aus dem so genannten Common Core Booster sowie der Centaur-Oberstufe. Insgesamt existieren drei verschiedene Atlas 5-Grundtypen, die jeweils mit einer verschiedenen Anzahl von Feststoffboostern ausgestattet werden können und so eine Vielzahl von Variationen erlauben. Während der Common Core Booster eine Neuentwicklung darstellt, wurde die Centauer-Oberstufe unverändert von der Atlas 3-Rakete übernommen.
Die Atlas 5 wird den Kunden Zurzeit nur in den beiden Serien 400 und 500 angeboten. Die dritte, Heavy genannte Serie wird erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar sein und als markantestes Merkmal über eine aus drei gebündelten Common Core Boostern bestehende erste Stufe verfügen. Die Typenbezeichnungen der beiden von Beginn an verfügbaren Serien lassen sich wie folgt aufschlüsseln: Die erste Ziffer gibt den Durchmesser der Nutzlastschutzhülle in Metern an (4 oder 5), die zweite Ziffer die Anzahl der an der ersten Stufe angebrachten Feststoffbooster (zwischen 0 und 5), und die dritte Ziffer gibt an, mit wie vielen Triebwerken die eingesetzte Centaur-Oberstufe ausgerüstet ist (1 oder 2).
Die Raketen der Serie 400 können maximal Nutzlasten zwischen 4,6 und 7,6 t in einen geostationären Transferorbit und bis zu 12,5 t in einen niedrigen Erdorbit transportieren, während die Atlas 5-Raketen der Serie 500 Lasten mit einer maximalen Masse zwischen 4,0 und 8,7 t in einen geostationären Transferorbit und bis zu 20,5 t in einen niedrigen Erdorbit bringen können. Diese Vielfalt von mehr als zehn möglichen Raketenversionen mit den unterschiedlichsten Grenzen für Abmessungen und Masse der Nutzlasten erlauben es, gezielt auf die Kundenbedürfnisse eine passende Atlas 5 quasi im Baukastensystem zusammenzustellen - der Kunde bezahlt nur soviel Transportleistung, wie er wirklich benötigt.
Der neu entwickelte Common Core Booster bildet die erste Stufe der Atlas 5 und verfügt über eine selbsttragende Struktur, während die ersten Stufen früherer Atlas-Versionen nur aufgrund eines erhöhten Innendrucks nach der Montage von Oberstufe und Nutzlast nicht in sich zusammenfielen. Dadurch ist es möglich, an dem Common Core Booster je nach Bedarf und Serie bis zu fünf Feststoffbooster anzubringen und so die Transportleistung in wohldosierten Schritten zu erhöhen. Der Common Core Booster ist rund 32,5 m lang und misst rund 3,80 m im Durchmesser. Diese bei allen Atlas 5-Versionen identische erste Raketenstufe verfügt über ein russisches Triebwerke des Typs RD-180 mit zwei Brennkammern, die durch Verbrennung von Kerosin und flüssigem Sauerstoff einen Schub von insgesamt ca. 450 t entwickeln. Triebwerke dieses Typs sind in der Vergangenheit bereits in der Atlas 3 erfolgreich eingesetzt worden.
Jeder Feststoffbooster wiegt beim Start rund 46,5 t und entwickelt während seiner Brenndauer einen konstanten Schub von mehr als 48 t.
Die 12,7 m lange Centaur-Oberstufe mit einem Durchmesser von knapp 3,1 m wird bereits seit Jahrzehnten eingesetzt und ständig weiterentwickelt. Bei der Atlas 5 kommt eine bereits in der Atlas 3erprobte Version zum Einsatz, die mit bis zu zwei RL-10-Triebwerken von Pratt & Whitney ausgestattet ist. Diese mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff gespeisten Triebwerke sind mehrfach startbar und entwickeln einen Schub von jeweils rund 10 t. Weiterhin ist in der Centaur-Oberstufe auch das Navigationssystem der gesamten Rakete untergebracht, das während des Fluges die Atlas 5 steuert und bei Abweichungen vom vorgegebenen Kurs oder der vorgegebenen Lage automatisch korrigierend eingreift.
Die Startanlage
Wie zu Beginn des Artikels bereits erwähnt hat der Vermarkter der Atlas 5, das amerikanisch-russische Joint Venture International Launch Services, zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit seiner neuesten Rakete auch die Abläufe in der Produktion sowie beim Zusammenbau und der unmittelbaren Startvorbereitung optimiert. So setzen sich die vielen verschiedenen Versionen der Atlas 5 aus einer geringen Anzahl standardisierter Komponenten zusammen, um die Produktionsabläufe möglichst einfach zu halten.
Der Atlas-Produzent Lockheed Martin hat zudem eine komplett neue Startanlage auf dem Gelände des amerikanischen Weltraumbahnhofs Cape Canaveral entstehen lassen. Zu diesem Zweck wurden zwei gigantische Turmkonstruktionen auf der Mitte der 1960er Jahre errichteten Anlage Complex 41 (von der aus unter anderem auch die Viking- und Voyager-Missionen gestartet wurden) im Jahr 1999 gesprengt, um Platz für die moderne Atlas 5-Startanlage zu machen. Die um die alte Startplattform angeordneten vier großen Blitzschutzmasten sowie große Teile der Abgasschächte und Betonfundamente wurden jedoch stehen gelassen, da sie weiterhin Verwendung finden.
Das so genannte "Clean Pad"-Konzept sieht als wesentliche Neuerung - zumindest für amerikanische Verhältnisse - keine Montage der Rakete auf der Startplattform vor, wie es bisher üblicherweise praktiziert worden ist. Somit entfallen die früher notwendigen gigantischen Montage- und Servicetürme auf den Startanlagen, da die Rakete vollständig montiert erst wenige Stunden vor dem Starttermin auf einer mobilen Startplattform zur Startanlage gerollt wird. Dieses Konzept soll vor allem schnelle Turn-Around-Zeiten zwischen den einzelnen Startterminen als bisher ermöglichen, zumal eine weniger komplexe Startanlage auch weniger störungsanfällig ist: Maximal fünfzehn Atlas 5-Starts sollen auf dem neuen Complex 41 pro Jahr möglich sein.
Um dieses Ziel zu erreichen wurden die Abläufe im Vorfeld eines Starts grundlegend geändert. Zunächst werden die Common Core Booster sowie die Centaur-Oberstufen im klimatisierten Atlas 5 Spaceflight Operations Center (ASOC) gelagert, wo gleichzeitig auch erste Tests dieser Komponenten durchgeführt werden können. Beim ASOC handelt es sich um ein rund 6,5 km von der Startplattform entferntes Gebäude, das ursprünglich für die Montage von Feststoffboostern der Titan 4-Raketen gebaut worden ist und nun vollständig umgebaut und erweitert wurde. Bis zu sechs Atlas 5-Raketen können hier lagern, bevor erste und zweite Stufe zur Montage transportiert werden. Gleichzeitig ist im ASOC das Startkontrollzentrum untergebracht, von dem aus der gesamte Startvorgang überwacht und gesteuert wird. Auch Räume für Gäste und Kunden, die den Start verfolgen möchten, sind hier untergebracht.
In der 89 m hohen Vertical Integration Facility (VIF) werden die vom ASOC kommenden Raketenstufen montiert. Zu diesem Zweck wird die mobile Startplattform in das gut einen halben Kilometer vom Startpunkt entfernte, neu errichtete Montagegebäude gefahren, wo dann ein 60-Tonnen-Kran die einzelnen Segmente der Atlas 5 aufeinander setzt. Von sieben verschiedenen Arbeitsplattformen aus kann jeder Punkt der Rakete erreicht werden. Auch die Feststoffbooster werden im VIF an die erste Stufe der Rakete montiert. Die bereits mit Treibstoff betankten Satelliten werden hier in die Nutzlastschutzhülle eingekapselt und anschließend auf die Rakete montiert. Zuletzt erfolgen noch ausführliche Tests des gesamten Trägersystems.
Der letzte Schritt vor dem eigentlichen Start ist dann die Fahrt der startbereiten Rakete auf der mobilen Startplattform zum Startpunkt. Diesen 550 m langen Weg legt die mobile Startplattform auf Schienen zurück, gezogen von zwei so genannten "Trackmobiles". Die Plattform versorgt die Rakete mit Treibstoff und Strom und stellt die Datenverbindung zum Startkontrollzentrum her. Der bis zur Spitze 56 m messende Turm auf der Startplattform dient dem Windschutz für die Rakete nach Verlassen des VIF, außerdem werden durch ihn Treibstoffleitungen zur Centaur-Oberstufe sowie Leitungen mit klimatisierter Luft zur Nutzlast in der Raketenspitze geführt. Nach etwa einer halben Stunde hat die Plattform den Startpunkt erreicht, wo sie abgesenkt und auf dem Betonfundament gesichert wird. Nach der Ankunft der mobilen Startplattform beim Startpunkt werden die erste Stufe der Rakete sowie die Centaur-Oberstufe automatisch auf mögliche Lecks hin getestet und anschließend betankt. Danach die die Atlas 5 startbereit.
Ausblick
Die Atlas 5 soll bis zum Jahr 2020 eingesetzt werden und in dieser Zeit natürlich ständig verbessert werden. Aufgrund des Designs der Rakete und der neu konzipierten, eine effiziente und flexible Arbeitsweise ermöglichende Startanlage dürfte die Atlas 5 gute Chancen haben, sich im internationalen Satellitengeschäft zu behaupten. Der nächste grundlegende Schritt nach der Atlas 5 wird wahrscheinlich die Entwicklung eines wieder verwendbaren Startsystems sein, denn das Konzept der "Einmal-Raketen" scheint zunehmend ausgereizt zu sein.
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ISS Weekly Report |
von Michael Schumacher | |
Vorbereitungen auf zweite Extravehicular Activity
Die fünfte Stammbesatzung verbrachte ihre 11. Woche an Bord der International Space Station (ISS) größtenteils damit, sich auf die nächste Extravehicular Activity (EVA) vorzubereiten. Die Planungen sehen vor, dass Kommandant Waleri Korsun und Bordingenieur Sergej Trestschow das Docking Compartment Pirs der Raumstation am Montag, den 26. August gegen 12.00 Uhr Eastern Standard Time (EST) verlassen und ihren sechsstündigen Aufenthalt im freien Weltraum beginnen. Während Korsun und Trestschow ihre Arbeiten durchführen werden, wird Bordingenieurin Peggy Whitson die Systeme der Raumstation überwachen sowie den Roboterarm Canadarm2 steuern um Fernsehbilder von der EVA an die beiden Mission Control Centers (MCCs) in Houston und Moskau zu übermitteln.
Am Freitag letzter Woche führte Whitson noch selbst ihre allererste EVA zusammen mit Korsun durch. Dabei verbrachte sie vier Stunden und 25 Minuten außerhalb der Raumstation. Der Ausstieg am Montag wird für Trestschow ebenfalls die erste EVA sein, wohingegen es bereits die vierte EVA für Korsun sein wird.
Auf dem Arbeitsplan von Korsun und Trestschow stehen eine Vielzahl von Aufgaben. An der Außenhülle des Servicemoduls Swjesda sollen die beiden Vorrichtungen anbringen, die während zukünftiger EVAs für Sicherungsleinen und andere Ausrüstungen genutzt werden sollen. Zudem werden sie Platten für Materialproben eines japanischen Experimentes an der Außenhülle von Swjesda ersetzen. Das Experiment mißt die Auswirkungen des atomaren Sauerstoffs in niedrigen Erdumlaufbahnen und sammelt kleine Weltraumtrümmerteile. Für das russische Experiment Kromka werden ebenfalls neue Platten installiert, die Rückstände der Steuerungstriebwerke von Swjesda sammeln und untersuchen sollen. Außerdem sollen zwei zusätzliche Amateurfunkantennen an Swjesda angebracht werden, um damit Funkkontakte mit Funkamateuren auf der Erde zu steigern. Von all dieses Arbeiten werden Korsun und Trestschow Fotografien anfertigen, die dann den Ingenieuren am Boden zur Verfügung stehen sollen.
In Vorbereitung für den Ausstieg am Montag führten Korsun und Trestschow ebenfalls das Experiment Pulmonary Function in Flight (PUFF) durch. Es dient dazu, Änderung in den Lungen der Besatzungsmitglieder festzustellen, die bei langen Aufenthalten an Bord von Raumstationen auftreten könnten. Die beiden testen ihre Lungenfunktion am Freitag, indem sie Ausrüstungen aus dem Human Research Facility Rack benutzten. Nach der EVA werden sie ihre Lungenfunktion erneut testen.
Erneut gibt es auch in dieser Woche wieder Startverschiebungen zu vermelden. So wird der Space Shuttle Atlantis anstatt am 28. September erst am 02. Oktober auf der Mission STS-112 zur ISS starten. STS-113 wurde in Zusammenhang mit dem anstehenden Flug von Sojus TMA-1 auf ein noch nicht bekanntes Datum verschoben, wobei Schätzungen von einem Datum zwischen dem 07. und 09. November ausgehen. Und auch die nicht direkt mit dem Raumstationsprogramm in Verbindung stehende Mission STS-107 des Space Shuttle Columbia wurde vom 29. November diesen Jahres bis ins nächste Jahr auf den 16. Januar verschoben. Für die anderen im Jahr 2003 anstehenden Missionen zur ISS könnte dies auch Startverschiebungen bedeuten. Allerdings sind offiziell noch keine neuen Termine bekannt gegeben worden.
Weiterhin ist der Mitflug von Lance Bass als Space Flight Participant in der Besatzung von Sojus TMA-1 noch nicht in trockenen Tüchern. Bisher hat die Rossijskoje Awiazionnoje i Kosmitscheskoje Agenstwo (RAKA) noch kein Geld für das Training und den Flug erhalten. Deshalb besteht weiterhin die Gefahr, dass er innerhalb nächster Woche aus der Besatzung ausgeschlossen werden könnte. Im Moment allerdings wird er noch als inoffizielles drittes Besatzungsmitglied angesehen und so soll er am Samstag zum Training im Johnson Space Center (JSC) nach Houston reisen. Rußland plant allerdings den dritten Sitz in Sojus TMA-1 für einen Frachtcontainer zu verwenden, falls Bass nicht zur ISS fliegen wird.
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Wenn im Mai und Juni 2003 die beiden amerikanischen Mars-Rover ihre Reise zu unserem äußeren Nachbarplaneten antreten werden, wird die NASA dieses Ereignis in gewohnter Manier auch im Internet wieder mit vielfältigen Informationen, Interviews sowie Audio- und Videomaterial begleiten.
Seit einigen Tagen ist nun die vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA betreute Internet-Site der beiden so genannten Mars Exploration Rover-Missionen online. Schon jetzt finden sich dort ausführliche Informationen rund um diese Missionen: Detaillierte Informationen zu den Delta II-Raketen, mit denen beide Rover auf den Weg zum Mars gebracht werden, ein genauer Überblick über den geplanten Ablauf der Mission und natürlich viel Wissenswertes über Lander, Rover und die wissenschaftlichen Instrumente und Kameras der beiden identischen Fahrzeuge. Die Foto- und Videogalerie der Missions-Homepage ist zurzeit nur dürftig ausgestattet, was sich aber mit Sicherheit spätestens nach dem Start der beiden Rover schlagartig ändern wird.
Wer sich bereits im Vorfeld umfassend über die im nächsten Sommer beginnende doppelte Mars-Mission der NASA informieren möchte, dem kann diese offizielle Missions-Homepage mit der Internetadresse http://mars.jpl.nasa.gov/mer nur empfohlen werden, zumal die dort vorhandenen Informationen ständig ausgebaut und aktualisiert werden.
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InDetail: Erde-Mond-Entfernung |
von Karl Urban | |
Wie groß ist die Entfernung der Erde von deren natürlich Trabanten, dem Mond?
Das Astronomie-Lexikon gibt auf diese Frage als mittlere Entfernung 384.401 Kilometer an. Doch ist dieser Wert konstant? Wir wissen von Satelliten in relativ geringer Höhe von wenigen hundert Kilometern, wie auch von Raumstationen, dass diese von Zeit zu Zeit durch das gezielte Zünden von Lagekontrolltriebwerken zurück in ihre korrekte Bahnhöhe gebrachten werden müssen. Dies liegt daran, dass die oberste Schicht der Atmosphäre, die Ionosphäre, bis in diese Höhen reicht, so dass Satelliten in diesem Bereich sehr geringer Luftreibung ausgesetzt sind, die sie abbremsen und sie somit sehr leicht in Richtung Boden sinken.
Doch was ist mit dem Mond? Wird er in Jahrmillionen die Erde aus diesem Grund rammen? Der Mond ist in über 300.000 Kilometern Höhe natürlich keiner Reibung mit der Erdatmosphäre mehr ausgesetzt. Doch das gute Astronomie-Lexikon gibt hier eine seltsame Bemerkung ab: Der Mond entfernt sich sogar um vier Centimeter pro Jahr von der Erde. Also steht uns doch keine Kollision bevor. Wie kommt es nun zu diesem Phänomen?
Bekanntlich ist der Erdtrabant verantwortlich für Ebbe und Flut, die sogenannten Gezeiten. Durch seine Gravitation bewirkt er zwei Flutberge, die die Erde ständig umlaufen. Diese reiben sich an der Erdoberfläche, bzw. dem Meeresgrund. Dies führt zu einer, wenn auch sehr sehr geringen, Abbremsung der Erdrotation: Die Erde dreht sich langsamer. In der Physik existiert jedoch ein Gesetz, dass verhindert dass in einem geschlossenem System (wie dem Erde-Mond-System) sogenannter Drehimpuls, wie der Rotation der Erde, verloren gehen kann. Also bewirkt die Abbremsung der Rotation der Erde, so verblüffend dies erscheint, eine Beschleunigung der Geschwindigkeit des Mondes. Wie bei einem Schleuderball, der ständig an einem Gummiband im Kreis gedreht wird, entfernt sich der Mond somit ganz allmählig, um nur vier Centimeter pro Jahr von der Erde. Den Tag, an dem die Erde den Mond mit Ihrer Gravitation nicht mehr an sich halten kann und er ins unendliche All entschwindet, dürften wir allerdings nicht mehr erleben.
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"In Space Newsletter" #039
Erscheinungsdatum:
24. August 2002
Auflage: 649 Exemplare
Chefredaktion:
Karl Urban
Michael Stein
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Lorenz Ulrich
Schlussredaktion:
Karl Urban
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