In Space - The Raumfahrer.net Newsletter #052 vom 23.November 2002

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In Space - The Raumfahrer.net

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Der Raumfahrtnewsletter des TrekZone Networks.   

 

"In Space Newsletter"

Ausgabe #052
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Astronomie- und Raumfahrtnews

> Space Focus:
Strahlungsmechanismen in der Hochenergieastrophysik (4)

> HotSpot:
Weltraumschrott im erdnahen Raum

> ISS:
Weekly Report

> Surftipp:
Astronomische Gesellschaft Orion

> InDetail:
Die Cepheiden

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Mark Weimar

Verehrte Leserinnen und Leser,
 
kürzlich war ich mit meinem Kollegen, Karl Urban, in einem Vortrag von Hans Schlegel, einem Astronaut der ESA. Der Vortrag war sehr gelungen und es hat großen Spaß gemacht Herrn Schlegel zuzuhören. Astronauten life zu sehen und zu hören ist meist ein tolles Erlebnis, denn liebend gerne würde man mit diesen Menschen tauschen, nur um auch einmal ins All zu kommen.
Während der Veranstaltung in der Berliner Urania zeigte das zwar interessierte Publikum, dass es seine Unkenntnis schlecht verbergen kann: "Was ist das da hinter der Station?" fragte eine ältere Dame bei einem Dia, das die Raumstation Mir vor der Erde zeigte. Herr Schlegel wusste die Frage diplomatisch zu beantworten, doch blieb eine leichte Entrüstung bei den "Fachbesuchern" zurück.

Vor fast zwei Jahren stürzte die Raumstation, die Hans Schlegel auf einem seiner Dias zeigte, in den Pazifik. Doch nicht jedes ausgefallene Raumfahrzeug lässt sich so leicht entsorgen. Der heutige HotSpot informiert Sie über Weltraumschrott im Erdorbit und seine Gefahren für die bemannte und unbemannte Raumfahrt.
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
 

            Mark Weimar

 
 

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Umfrage: Wird die Mission Integral Ihrer Meinung nach die Erwartungen zu vielen neuen Erkenntnissen über das Universum erfüllen?

Ja
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      Updates / Umfrage

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      News

25 Jahre Meteosat-Wettersatelliten <mehr>
Erfolgreicher Jungfernflug der Delta IV <mehr>
Rasendes Schwarzes Loch entlarvt seinen Ursprung <mehr>
Gigantischer Vulkanausbruch auf Jupitermond Io <mehr>
Dunkle Energie dominiert das Universum <mehr>



» 25 Jahre Meteosat-Wettersatelliten
22. November 2002 - Am 23. November 1977 wurde der erste europäische Wettersatellit Meteosat-1 gestartet und begann einige Wochen später, die seitdem den Fernsehzuschauern vertrauten Satellitenaufnahmen des west- und mitteleuropäischen Wettergeschehens zu den Bodenstationen zu übermitteln.
Die erste Aufnahme von Meteosat-1 wurde am 9. Dezember 1977 zur Erde gesandt und begründete einen Datenstrom, der eine wichtige Säule für die seitdem ständig verbesserte Wettervorhersage war und ist. Gleichzeitig war diese Aufnahme das erste Foto unseres Heimatplaneten, das durch einen Satelliten der damals gerade zwei Jahre alten Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) aufgenommen worden ist - in zweifacher Hinsicht also ein historisches Ereignis.
 
Meteosat-1 sind in den letzten 25 Jahren sechs weitere meteorologische Satelliten dieser "Familie" gefolgt, und im letzten August wurde mit dem Start des Meteosat Second Generation (MSG) der erste Vertreter einer neuen und leistungsfähigeren Generation europäischer Wettersatelliten in eine geostationäre Umlaufbahn transportiert. Damit sind zukünftig Aufnahmen in einer größeren Anzahl verschiedener Wellenlängen und in kürzeren Intervallen als bisher möglich, was einer weiteren Verbesserung der Wettervorhersage dienen soll.
 
Die ersten drei Meteosats sind komplett von der ESA finanziert und entwickelt worden, und noch heute ist sie für die Entwicklung der Satelliten zuständig. Seit Dezember 1995 wird der laufende Betrieb durch die 1986 gegründete European Organisation of Meteorological Satellites (Eumetsat) abgewickelt, deren Aufgabe der Aufbau, die Wartung und der Betrieb eines Systems europäischer Wettersatelliten ist.
 
Außer Europa haben auch die Länder des Mittleren Ostens sowie der gesamte afrikanische Kontinent von Meteosat-Informationen profitiert, und natürlich sind sie auch ein wichtiger Bestandteil im globalen Netzwerk von Wettersatelliten, die unseren Heimatplaneten kontinuierlich von geostationären Umlaufbahnen aus beobachten. Angesichts der in den letzten Jahren auch in Europa häufiger und stärker als früher auftretenden extremen Wetterlagen werden die Informationen der über dem Golf von Guinea (Westafrika) stationierten europäischen Wettersatelliten auch in Zukunft von großer Bedeutung für die Bürger Europas sein.
(ms - Quelle: ESA)


» Erfolgreicher Jungfernflug der Delta IV
22. November 2002 - Ein Kommunikations-Satellit wurde beim ersten Start der neuen Delta IV-Rakete erfolgreich in einen Orbit ausgesetzt.
Am 20. November wurde ein europäischer Kommunikationssatellit beim ersten Start einer Rakete der neuen Delta IV-Familie von Boeing erfolgreich in einen geosynchronen Transferorbit ausgesetzt.
Delta IV-Rakete bedeutete. Bei diesem Start kam die so genannte Medium+ (4,2)-Konfiguration zum Einsatz, die durch zwei an der ersten Raketenstufe angebrachte Feststoffbooster und eine vier Meter durchmessende Nutzlastverkleidung charakterisiert ist.
 
Die zweistufige Rakete markiert die Indienststellung einer neuen Raketenfamilie, die aus fünf verschiedenen Versionen der neuen Delta IV-Rakete besteht. Alle Varianten dieser Familie sind zweistufige Flüssigtreibstoff-Raketen, deren erste Stufe aus dem so genannten Common Booster Core besteht (bei der stärksten Version bilden drei dieser Basiselemente gemeinsam die erste Stufe) und die sich ansonsten durch die Anzahl der Feststoffbooster (null oder zwei), die Größe der Nutzlastverkleidung (vier oder fünf Meter Durchmesser) und den Treibstoffvorrat der zweiten Raketenstufe voneinander unterscheiden. Während die kleinste Delta IV maximal 4.210 kg in einen geostationären Transferorbit positionieren kann ist die Delta IV Heavy immerhin in der Lage, Nutzlasten bis zu einer Masse von 13.130 kg in einem solchen Orbit auszusetzen. Dies ermöglicht ähnlich wie bei der neuen Ariane 5 oder der stärksten Version der vor einigen Monaten ebenfalls erstmals gestarteten neuen Atlas 5-Raketenfamilie, zwei Satelliten mit einem Start in einen geostationären Transferorbit zu befördern.
 
Der nächste Start einer Delta IV ist für Anfang 2003 geplant, insgesamt stehen für das kommende Jahr fünf Starts dieses neuen Raketentyps auf dem Kalender. Am Markt für kommerzielle Satellitenstarts ist seit dieser Woche damit ein neuer, starker Konkurrent für die europäische Ariane 5 aktiv, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ähnliche Dominanz wie ihre Vorgängerin Ariane 4 nicht wird erreichen können.
(ms - Quelle: Boeing)


» Rasendes Schwarzes Loch entlarvt seinen Ursprung
20. November 2002 - Aktuelle Hubble-Beobachtungen zeigen, warum die Theorie um die exotischen Objekte stimmt.
Ein uns sehr nahe gelegenes Schwarzes Loch, das wie eine Kanonenkugel durch die Ebene unserer Milchstraße zu schießen scheint, bestätigte die Theorie, wonach die Objekte das Resultat von Supernova-Explosionen sind. Das Schwarze Loch mit dem Namen GRO J1655-40 bewegt sich mit mehr als 400.000 Kilometern pro Stunde durchs All. Damit ist es viermal so schnell wie die Sterne in seiner Nachbarschaft, was erneut zeigt, dass eine Supernova eines der gewaltigsten Ereignisse im Universum ist.
Obgleich per Definition Schwarze Löcher jegliche Strahlung und Materie einsaugen, besitzt es einen Begleitstern, der es den Astronomen erlaubt, das Objekt anzuvisieren. Das Hubble Weltraumteleskop war nun in der Lage, die Bewegung des Schwarzen Lochs zu verfolgen - in einer Bilderserie, die von 1995 bis 2001 gemacht wurde. Wie das Kombinieren der Hubble-Daten mit Beobachtungen von erdgebundenen Teleskopen zeigt, bewegt sich das Objekt sehr schnell in einem stark elliptischen Umlaufbahn um das Zentrum unserer Milchstraße.
"Dies ist das erste gefundene Schwarze Loch, das sich sehr schnell über die Ebene unserer Galaxie bewegt" sagt Felix Mirabel von der französischen Atomenergie-Kommission und dem Institut für Astronomie- und Weltraumphysik von Argentinien. "Diese Entdeckung ist sehr aufregend, da es die Verbindung zwischen Schwarzem Loch und Supernova aufzeigt." Lediglich die theoretisch vorhergesagten Hypernovae wären noch in der Lage, bei sehr viel stärkeren Explosionen Schwarze Löcher zu erzeugen. Die Erforschung der mysteriösen gamma ray bursts, hinter denen Hypernovae vermutet werden, hat allerdings erst begonnen (unter anderem mit dem Start des europäischen Gammastrahlen-Weltraumteleskops Integral vor wenigen Wochen.
Obwohl sich das Schwarze Loch ungefähr in unsere Richtung bewegt, wird es an uns in einer "sicheren" Entfernung von 6000 bis 9000 Lichtjahren durch das Sternbild Skorpion vorüberziehen. Mirabel geht davon aus, dass das Objekt im Zentrum unserer Milchstraße "geboren" worden ist, da sich dort die meisten Sterne gebildet haben.
Die komplette Pressemeldung zur aktuellen Beobachtung von Hubble finden Sie hier.
(ku - Quelle: Space Telescope Science Institute)


» Gigantischer Vulkanausbruch auf Jupitermond Io
19. November 2002 - Während einer Routineaufnahme der vulkanischen Aktivitäten auf dem Jupitermond Io wurde mit Hilfe der adaptiven Optik des Teleskops Keck II auf Hawaii eine erstaunliche Entdeckung gemacht.
Das Teleskop zeichnete die stärkste Eruption auf Ios Oberfläche auf, die jemals entdeckt wurde. Die Eruption fand bereits im Februar 2001 statt, allerdings konnte die Auswertung der Beobachtungsdaten erst kürzlich von der Universität von Kalifornien in Berkeley beendet werden. Die Astronomen-Gruppe wird von den Astronomie-Professoren Franck Marchis und Imke de Pater geleitet. Die Ergebnisse wurden in der November-Ausgabe des planetarischen Magazins Ikarus veröffentlicht.
„Es ist schon jetzt ersichtlich, dass diese Eruption die energiereichste jemals gesehene ist – auf Io aber auch auf der Erde,“ sagt Marchis. „Mit dem Ende der Mission der Jupiter-Sonde Galileo sind erdgebundene Teleskope mittlerweile in der Lage, mithilfe von adaptiver Optik mit ähnlicher Qualität die vulkanischen Aktivitäten auf Io zu beobachten. Es ist klar, das die zukünftige Überwachung der Aktivitäten auf Io komplett von der Erde aus durchgeführt werden kann.“
Die Technik der adaptiven Optik verhindert, dass das Flimmern der Sterne am Himmel die astronomischen Aufnahmen stören kann. Dabei werden flexible Spiegelelemente in hoher Geschwindigkeit ständig so ausgerichtet, dass sie die Störungen der Atmosphäre ausgleichen.
Io, einer der großen Jupitermonde besitzt starke vulkanische Aktivitäten mit sehr heißen Eruptionen, die vergleichbar mit denen auf der Erde sind und eine ähnliche Zusammensetzung besitzen. Die Eruption von 2001 lag in der Nähe eines Ereignisses, das 1979 von der Sonde Voyager 2 beobachtet wurde, die in diesem Jahr am Jupiter vorbeiflog.
Die komplette Pressemeldung des Keck-Teleskops finden Sie hier. Zu Jupiter und seinen Monden finden Sie Artikel auf unserem Portal.
(ku - Quelle: Keck Observatorium)


» Dunkle Energie dominiert das Universum
16. November 2002 - Astronomen fanden kürzlich neue Beweise dafür, dass sogenannte "dunkle Energie" das Universum beherrscht.
< So soll diese mehr als zwei Drittel der gesamten Energie des Universums bilden und damit Galaxien dazu bewegen, sich voneinander mit ewig wachsender Geschwindigkeit zu entfernen.
In den vergangenen Jahren hatten Forscher nach einer Erklärung für die ständige Zunahme des Wachstums des Universums gesucht. Exotische dunkle Energie scheint nun dieses zu bewirken: Sie beeinflusst Dinge über große Distanzen und "schiebt" sie auseinander. Sie übertrifft damit auch die Wirkung der Gravitation. Dies ist jedenfalls eine Theorie, die diese Effekte erklären könnte.
Nun hat ein internationales Astronomen-Team, geleitet von der Universität von Manchester, eine zehnjährige Zählung von sogenannten Gravitationslinsen abgeschlossen. Dieses Phänomen entsteht, wenn das Licht einer weit entfernten Galaxie durch eine dichtere, die direkt davor steht, rund darum abgelenkt wird. Dafür entstehen für unsere mehrere Bilder dieser weiter entfernten Galaxie.
Durch die Verbindung von der Anzahl solcher Gravitationslinsen und der aktuellsten Informationen über die Gesamtanzahl von Galaxien im Universum haben die Forscher geschlossen, dass die Überzahl der Energie im Universum ein unsichtbare und derzeit unbekannte sein müsse.
Dunkle Energie wirkt sich erst bei sehr großen Distanzen zwischen den Galaxien auf das Universum aus, sagen die Astronomen.
Wenn das Licht eines weit entfernten Quasars, einem sehr jungen und daher weit entfernten Objekt im Universum, von einer davor befindlichen Galaxie abgelenkt wird, entstehen zwei oder mehr Bilder von ihm, was allerdings schwer herauszufinden ist, da die Bilder sehr dicht zusammen stehen. Das Team setzte deshalb mehrere der leistungsstärksten Radioteleskope der Welt ein, um Bilder von tausenden entfernten Quasaren zu machen.
Nach der neuen Theorie bildet die dunkle Energie mit 65 Prozent den größten Teil der Energie des Universums. Die ebenso mysteriöse dunkle Materie bildet weitere 30 Prozent. Sterne machen danach nur 0,05 Prozent des Universums aus.
(ku - Quelle: Space.com)



 
 

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      Space Focus: Strahlungsmechanismen in der Hochenergieastrophysik (4) von Tilman Kaiser 

Kosmische Energiequellen
Die Strahlungsmechanismen können noch nicht erklären, wo die hochenergetischen Phänomene der Röntgen- und Gammastrahlenastronomie ihren Ursprung haben. Die Kernfusion, die aufgrund der starken Wechselwirkung im Inneren von Sternen wie der Sonne abläuft, liefert ca. 6* 10^{18} erg pro Gramm Materie, die verschmilzt (1 erg=10^{-7} Joule). Diese Energiequelle in der Sonne, die für die ausreichende Erwärmung der Erde noch ausreicht, kann die hochenergetischen Phänomene im Kosmos nicht mehr erklären.

Eine Energiequelle, die bei besonders massiven kompakten Objekten wie Neutronensternen oder schwarzen Löchern viel effizienter als die Kernenergie ist, wird durch die gute alte Gravitationskraft geliefert. Dabei wird potentielle Energie in kinetische Energie bzw. Wärme- oder Strahlungsenergie umgewandelt. Bei einem Neutronenstern mit einer Sonnenmasse und einem typischen Radius von 10 km ergibt sich bei der Akkretion von einem Gramm Materie ein Energieumsatz von ca. 10^{20} erg.

Literatur:
- Charles,Seward: "Exploring the X-Ray Universe", Cambridge Univ. Press, 1st ed. (1995)
- H. Voigt: "Abriss der Astronomie", Universitätssternwarte Göttingen, 1991
- Karttunnen, Kröger, Oja, Poutanen, Donner: "Fundamental Astronomy", Helsinki, 1996
 
 

 
 

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      HotSpot: Weltraumschrott im erdnahen Raum  

"Der Weltraum – unendliche Weiten..." Für Spock, Kirk und Co. vom Raumschiff Enterprise eine Selbstverständlichkeit, im erdnahen Weltraum nur eine Wunschvorstellung. Unser blauer Planet ist umgeben von Weltraumschrott. Wie dem gefahrenvollen orbitalen Abfallproblem beizukommen ist, wollen Experten auf dem europäischen Symposium am 27. und 28. November in Toulouse erörtern. Die Europäische Weltraumagentur ESA will der Vermüllung des Alls mit intelligenterem Satellitendesign beikommen: Die Zukunft soll superleistungsfähigen Kleinstsatelliten gehören, die leicht zu entsorgen sind.

Seit den Kindertagen der Raumfahrt werden Satelliten und Raumsonden ins All geschossen. Bei mehr als 4000 Starts gelangten etwa 5000 Raumflugkörper in eine Umlaufbahn. Derzeit sind in verschiedenen Orbits rund 700 Satelliten in Betrieb. Ihre Aufgaben: Erdbeobachtung, Wettervorhersage, Telekommunikation, Himmelserkundung, militärische Aufklärung, Navigation... Daneben aber trudeln Tausende ausgemusterter Geistersatelliten, Raketenstufen und unzählige Restpartikel jeglicher Art um die Erde. Im Orbit wird es eng. Die Internationale Raumstation musste bereits mehrfach in eine höhere Umlaufbahn gehievt werden, um einer umhertaumelnden uralten Raketenstufe oder einem unbekannten Metallgegenstand auszuweichen. Zwei Fragen stellen sich daher immer drängender: Wie kann man den Verkehr im All so organisieren, dass Zusammenstöße vermieden werden? Und wohin mit dem Weltraummüll? Das sind Hauptthemen des am 27. und 28. November in Toulouse stattfindenden Symposiums "Europa und der Weltraumschrott". Die Europäische Raumfahrtagentur ESA, die französische Raumfahrtagentur CNES und die französische "Académie National de l´Air et de l´Espace" haben hierzu Europas Müll-Experten sowie die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Prof. Walter Flury vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC wird den erreichten Stand sowie die anstehenden Probleme der internationalen Kooperation vorstellen.

Chaotisches Trümmerballett
ESOC, das in Darmstadt ansässige Europäische Satellitenkontrollzentrum der ESA, beobachtet den Weltraumschrott minuziös. Derzeit kreisen rund 7500 Objekte um die Erde, die größer sind als zehn Zentimeter. Funktionsfähige Raumfahrzeuge machen dabei nur einen kleinen Teil aus (6 Prozent). Etwa die Hälfte sind ausrangierte Satelliten, ausgebrannte Raketenstufen und anderer Schrott. Die übrigen Objekte (44 Prozent) sind größere Trümmer, entstanden vor allem durch die Explosion von Treibstoffresten in alten Raketenstufen und die absichtliche Sprengung oder die Explosion von rund 150 Satelliten. Aber damit nicht genug: Rund 100 000 kleine Trümmer zwischen einem und zehn Zentimetern Größe verschmutzen den Orbit. Die Zahl der Trümmer im Millimeterbereich geht gar in die Millionen. Und der fliegende Müllberg wächst. Jedes Jahr um etwa 5 Prozent.

Orbitale Müllhalden
Besonders zugemüllt ist der erdnahe Orbit unterhalb 2000 Kilometer Höhe. Hier ist die Gefahr für Mensch und Material wegen der hohen Orbitalgeschwindigkeiten von bis zu 35 000 Kilometer pro Stunde nicht zu unterschätzen: Wenn sie mit der zehnfachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel einschlagen, können selbst millimetergroße Objekte, wie abgesplitterte Farbreste, Schäden an Raumfahrzeugen verursachen. Aber auch im geostationären Orbit (GEO) in rund 36 000 Kilometer Höhe findet sich jede Menge Schrott. Der GEO ist besonders attraktiv, weil dort Kommunikations- und Beobachtungssatelliten über einen Punkt der Erde scheinbar fest verankert werden können. Da diese Bahn bereits ziemlich voll ist, müssen ausgediente Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer in einen so genannten Friedhofsorbit oberhalb von 36 000 Kilometer gehievt werden. Der frei werdende Platz staht dann einem anderen Satelliten zur Verfügung. Aber wie überall im Leben gilt auch hier der Spruch: Verträge und Vertrauen sind gut, Kontrolle ist besser. Eine beim ESOC bestehende Arbeitsgruppe stellte "bei einer Analyse für die Jahre 1997 bis 2000 fest, dass von 58 ausrangierten Satelliten nur 22 tatsächlich in den so genannten Friedhofsorbit geschoben worden sind", wie Rüdiger Jehn von der außerirdischen Müll-Task-Force zu berichten weiß. Der Rest verblieb mehr oder weniger an Ort und Stelle. Bestehende internationale Vereinbarungen werden offenbar aus Kostengründen von nichteuropäischen Satellitenbetreibern nicht eingehalten.

Die ESA entwickelt gegenwärtig für ihre ehrgeizige Darwin-Mission zur Erkundung extrasolarer Planeten neue technische Lösungen. Möglicherweise ist diese Technologie auch einsetzbar, um kleinere und leicht zu entsorgende Satelliten zu bauen, die in Zukunft die Stelle der alten Raumriesen einnehmen können. Darwin wird aus einem Verband von sechs baugleichen Weltraumteleskopen mit einem Durchmesser von jeweils zwei Metern bestehen. Diese Instrumente werden im Formationsflug zusammenschaltet. Auf diese Weise simuliert Darwin ein Teleskop mit bis zu 250 Metern Durchmesser. Mit der in Entwicklung befindlichen Technologie können die Teleskop-Sonden ihre gegenseitigen Flugpositionen extrem genau steuern. Darwin wird dadurch in der Lage sein, die Lufthülle erdähnlicher Planeten jenseits unseres Sonnensystems detailliert zu analysieren und chemische Hinweise auf Leben aufzuspüren. Es sind aber auch andere Anwendungen denkbar: In miniaturisierter Form kann diese Technologie die wuchtigen Satelliten alter Schule ersetzen. "Stellen Sie sich vor, man würde einen Verband aus mehreren 20-Zentimeter-Teleskopen einsetzen. Sie wären klein, leicht und problemlos in Serie herzustellen. Und das zu einem unschlagbar günstigen Preis", begeistert sich Malcolm Fridlund, der ESA-Projektwissenschaftler für die Darwin-Mission. Zwergspäher dieser Art würden wahrscheinlich sogar schärfere Aufnahmen liefern als herkömmliche Satelliten. Und wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben, könnten die Wissenschaftler die Kleinstteleskope wie Sternschnuppen in der Atmosphäre verglühen lassen. Satellitenschrott würde nicht mehr anfallen.

Geringere Verkehrsdichte im Orbit
Verbessern ließe sich die Situation auch dadurch, dass man die Satelliten weiter von der Erde entfernt positioniert, um die Verkehrsdichte im erdnahen Raum zu reduzieren. "Eine solche Position wäre auch für bestimmte Aufgaben der Erdbeobachtung vorteilhaft", so Fridlund. "Im erdnahen Orbit umrundet ein Satellit den Planeten alle 90 Minuten. Er steht also immer nur ganz kurz über einen bestimmten Punkt der Oberfläche. Ein Satellit im geostationären Orbit aber hätte ständig eine ganze Hemisphäre im Blick. Man könnte also mit dem Teleskop-Verband jeden beliebigen Punkt genauer unter die Lupe nehmen." Außerdem böte diese Formationsflug-Technologie die Möglichkeit, alle Satelliten mit einem System auszustatten, das Kollisionen vermeidet. Jeder Satellit stünde so mit seinen orbitalen Nachbarn in Verbindung. Im Falle ungewollter Annäherung könnten dann Kurskorrekturen eingeleitet werden.

Grüner Space-Punkt
Die Gefahren durch Weltraumschrott werden sich niemals völlig bannen lassen. Die Sicherheit im All kann aber durch neue Technologien verbessert werden. Will der Mensch auch noch in 100 Jahren gefahrlos zu den Sternen starten, dann ist intelligente Müllvermeidung ein Gebot der Stunde. Wie wäre es mit der Einführung eines Grünen Punktes für Raumflugkörper und Trägerraketen?

Dieser Artikel erschien im Oktober 2002 auf der Webseite der ESA.
 
Related Links:
HotSpot-Archiv
 
 

 
 

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      ISS Weekly Report  

Langzeitaufenthalt neigt sich dem Ende
Nach mehr als 170 Tagen in der Erdumlaufbahn rückt die Ablösung für die fünfte Stammbesatzung immer näher. Allerdings musste sie am Freitag, dem 22. November einen weiteren Rückschlag hinnehmen, da der Start des Space Shuttle Endeavour zur Mission STS-113 vorerst um einen Tag auf den 23. November verschoben wurde. Der Start war bereits für den 11. November vorgesehen, jedoch verhinderte damals eine leckende Sauerstoffleitung ein pünktliches Abheben. Dieses Mal verlief der Countdown ohne größere Probleme und das Wetter am Kennedy Space Center (KSC) war mit einem wolkenlosen Himmel und nur schwachen Winden nahezu perfekt, aber die Transoceanic Abort Landing (TAL) Sites in Zaragoza und Morón de la Frontera in Spanien machten einen Strich durch die Rechnung.

Als sich der Countdown langsam dem geplanten Startzeitpunkt näherte, war das Wetter in Morón de la Frontera durch Regen, niedrige Wolken und Turbulenzen bestimmt, während für Zaragoza Regenschauer vorhergesagt wurden. Mit dem weiteren Voranschreiten des Countdown verschlechterte sich das Wetter in Zaragoza und die Flugkontrolleure setzten ihre Hoffnung darauf, dass sich die Wetterbedingungen in Morón de la Frontera soweit verbessern, dass sie einen Start zulassen würden. Ungefähr zehn Minuten vor der geplanten Startzeit um 20.15:30 Uhr Eastern Standard Time (EST) war klar, dass das Wetter in Morón de la Frontera nicht mitspielt. Regenschauer und das mögliche Auftreten von Blitzen führten schließlich dazu, dass der Start wenige Minuten später endgültig abgesagt wurde.

Der nächste Startversuch soll nun, wenn es das Wetter erlaubt, um 19.49:47 Uhr EST erfolgen. Erneut erstreckt sich das Startfenster über fünf Minuten und erneut wird erwartet, dass das Wetter in Spanien bestenfalls an der zugelassenen Grenze liegt. Daher könnten sich die Missionsmanager auch dazu entscheiden, den Start ein weiteres Mal zu verschieben, um die Startgelegenheiten am Sonntag und am Montag zu freizuhalten. Die Notlandeplätze in Spanien sind ein wichtiges Startfreigabekriterium, da ein Versagen an den Space Shuttle Main Engines (SSMEs) auf halbem Weg in die Erdumlaufbahn die Besatzung zur Notlandung auf einer der zwei Landebahnen zwingen würde.

Der Space Shuttle Endeavour soll im Rahmen der Mission STS-113 die fünfte Stammbesatzung, bestehend aus Kommandant Waleri Korsun, Bordingenieur Sergej Trestschow sowie National Aeronautics and Space Administration (NASA) International Space Station (ISS) Science Officer (SO) Peggy Whitson, gegen die sechste Stammbesatzung, die aus Kommandant Kenneth Bowersox, Bordingenieur Nikolai Budarin sowie NASA ISS SO Donald Pettit besteht, austauschen. Zur weiteren Besatzung der Endeavour gehören Kommandant James Wetherbee, Pilot Paul Lockhart sowie die Missionsspezialisten Michael Lopez-Alegria und John Herrington. Die Hauptnutzlast bildet die Port 1 (P1) Integral Truss Structure (ITS), die vierte von insgesamt elf solcher Trägerstrukturen, die das Rückgrat der ISS für das Hinzufügen neuer Module sowie stromerzeugender Solarzellenflächen bilden.

Verläuft jetzt alles weitere nach Plan sieht der ungefähre Missionsablauf folgendermaßen aus. Die Endeavour startet am 23. November und koppelt am 25. November an die Raumstation an. Die drei Extravehicular Activities (EVAs) werden am 26. November, am 28. November beziehungsweise am 30. November durchgeführt. Das Abkoppeln von der Raumstation findet am 02. Dezember statt, gefolgt von der Landung der Endeavour am 04. Dezember.

Am Abend des 18. November wurde die Carbon Dioxide Removal Assembly (CDRA) im Labor Destiny erfolgreich gestartet und arbeitete bis zum Morgen des 19. November bevor sie sich erneut abschaltete. Das Mission Control Center (MCC) in Houston nimmt an, dass die Einheit auf unbestimmte Zeit durch wiederholte manuelle Neustarts arbeiten kann, so dass gegenwärtig die wichtigen körperlichen Ertüchtigungen um die Besatzung auf die Rückkehr zur Erde vorzubereiten nicht eingeschränkt werden müssen.

Whitson reaktivierte am 20. November die Microgravity Science Glovebox (MSG) für das Experiment Pore Formation and Mobility Investigation (PFMI). Allerdings kam es zu einem Absinken der Energieversorgung, nachdem die erste von zwei Proben ungefähr fünf Stunden behandelt wurde. Bis dahin verlief alles reibungslos und das Personal des Payload Operation Center (POC) hofft, diese Probe zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu behandeln. Die wahrscheinliche Ursache liegt in der Power Distribution Control (PDC) Box. Eine Ersatzeinheit befindet sich nicht an Bord und das Versagen, sollte es in der Tat in der PDC Box begründet sein, wäre in der Erdumlaufbahn momentan nicht reparabel. Die möglichen Einflüsse eines größeren Ausfalles der MSG auf das Wissenschaftsprogramm der sechsten Stammbesatzung werden abgeschätzt.
 
Related Links:
Internationale Raumstation
 
 

 
 

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      Surftipp: Astronomische Gesellschaft Orion von Clemens Mach 

Die Seite der AG Orion beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit dem Orion. Sie beobachten das Sternbild und suchen nach allen Möglichen interessanten Objekten.
Allerdings ist das Orion-Sternbild nicht das einzige Thema der AG, sondern auch Astrofotografie, Planetenwanderweg, Polarlicht und Lichtverschmutzung. Es sind auch Bilder der Mitglieder veröffentlicht, die einen Blick in den Weltraum ermöglichen.
Weiterhin ist auf der Seite eine umfangreiche Liste mit Links zu anderen Seiten mit astronomischem Thema vorhanden. Wer sich nun genauer über die Astronomische Gesellschaft Orion Bad
Homburg e. V. informieren möchte, der klickt einfach hier.
 

 
 

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      InDetail: Die Cepheiden von Mark Weimar 

Die Cepheiden sind pulsierende Riesensterne die heutzutage gerne als Messindex für Entfernungen im Weltall genommen werden.
Die Riesensterne pulsieren in regelmäßigen Perioden die zwischen zwei und 50 Tagen liegen. Am aller häufigsten sind die Cepheiden in Spiralarmen und äußeren Bereichen der Galaxie vorzufinden.
Im Jahr 1784 wurden die Helligkeitsperioden der Cepheiden zum ersten mal untersucht und zwar von John Goodricke.Er beobachtete den Stern d Cephei daher stammt der Name Cepheiden.
 

 
 

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"In Space Newsletter" #052
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
23.November 2002
Auflage: 741 Exemplare
 
 
Chefredaktion:
Karl Urban

Supervising:
Lorenz Ulrich
 
Redaktionsleitung:
David Langkamp
 
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Jan Großmann
Tilman Kaiser
Raphael Kallensee
Clemens Mach
Sebastian Mateja
Dominik Mayer
Dominik Puckert
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Franz Schmied
Michael Schumacher
Michael Stein
Lu Shi
Mark Weimar
Lorenz Zistler
 
Meik Lampmann
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