InSpace Magazin #061 vom 26. Januar 2003

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.   

 

"In Space Magazin"

Ausgabe #061
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> HotSpot:
Projekt Prometheus: Das neue Nuklearprogramm der NASA

> Special:
Raumfahrer-Treffen in Berlin

> ISS Weekly Report:
Arbeiten mit dem Roboterarm

> Surftipp:
Eagle Lander 3D

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Karl Urban

Leuchtend schwarze Buchstaben erschreckten vergangende Woche die Raumfahrt-interessierten Zeitungsleser: "Astrium streicht europaweit 1200 Stellen" hieß es da. Astrium ist der größte deutsche Raumfahrtkonzern. Nach dem Fehlstart einer Ariane 5 am 11. Dezember 2002 wird in der Presse oftmals behauptet, die europäische Raumfahrt sei in der Krise. Doch es gibt Lichtblicke: Nach dem erfolgreichen Start der Großprojekte Envisat und Integral im vergangenden Jahr dürfte der Start der Kometensonde Rosetta, der für Januar geplant war und verschoben werden musste, eventuell noch dieses Jahr durchgeführt werden. Zudem interessiert sich zunehmend die Europäische Union für die Raumfahrt und könnte in Zukunft für Auftrieb sorgen (siehe den News).

Auch der Bund der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland sorgt sich um die Zukunft und investierte in den letzten Jahren in die Renovierung des Raumfahrtzentrums Orbitall in Berlin - mehr dazu können Sie im heutigen Special lesen, in dem wir von der Neueröffnung berichten, an der auch vier Raumfahrer teilnahmen.
Natürlich sollten Sie sich auch die anderen Rubriken des Newsletters wieder einmal nicht entgehen lassen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
 

            Karl Urban
            Chefredakteur Raumfahrer.net

 
 

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Umfrage: Glauben Sie, dass Europa in den nächsten 20 Jahren eigene bemannte Raumflüge durchführen kann?

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      News

Buschfeuer bedroht das Deep Space Network <mehr>
EU kann der ESA aus der Krise helfen <mehr>
Rosetta-Start um Monate verschoben <mehr>



» Buschfeuer bedroht das Deep Space Network
24. Januar 2003 - Mit dem Deep Space Network in Australien der NASA ist eine Kommunikation mit Sonden im Weltraum möglich. Durch das große Buschfeuer in Australien war das Deep Space Network für eine kurze Zeit außer Betrieb.
Das Feuer erreichte am Samstag den Komplex des Netzes in Canberra, Australien. Arbeiter versuchten mit Wasserschläuchen die Anlage feucht zu halten und löschten am Montag immer wieder kleine Brandherde.
"Alle Gruppen des Stabs arbeiteten hervorragend. Sie stellten sicher, dass das Feuer nicht in den Komplex eindringen konnte, so Peter Churchill, Direktor des Canberra Antennen-Komplex.

Die riesigen Antennen waren am Samstag einmal für drei Stunden und später noch mal für eine halbe Stunde inaktiv, sodass die Arbeiter sich vollkommen auf das Bekämpfen des Feuers konzentrieren konnten. Starke Winde und eine sehr trockene Landschaft verbreiteten das Feuer sehr schnell. Ein Eingang zum Canberra-Komplex wurde wegen einer durch das Feuer zerstörten Brücke geschlossen. Ein entlegener Turm, der Systeme für die Kalibrierung der Antennen beinhaltet, wurde leicht beschädigt. Das Besucherzentrum des Standortes ist vorübergehend geschlossen.

Der Standort verfügt über eigene Generatoren zur Stromerzeugung und eine eigene Wasserversorgung. Damit können die Arbeiter und die Anwohner, die in der Nähe des Komplexes wohnen und deren Häuser, die durch das Feuer zerstört worden sind, mit Strom und Wasser versorgt werden.
(la - Quelle: JPL NASA)


» EU kann der ESA aus der Krise helfen
23. Januar 2003 - Die Europäische Union plant, sich in der Raumfahrt in Zusammenarbeit mit der ESA mehr zu engagieren.
Am Mittwoch hat der für die Forschung zuständige EU-Kommissar Philippe Busquin in Brüssel das Grünbuch zur Weltraumpolitik der EU vorgestellt. In diesem gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) erarbeiteten Dokument werden die Stärken und Schwächen Europas in diesem Bereich unter die Lupe genommen.  
Der Bericht, der den Ausgangspunkt einer breit angelegten Debatte darstellt, geht auf Schlüsselfragen wie den eigenständigen Zugang der EU zum Weltraum, die weltraumwissenschaftliche Fachkompetenz, die industrielle und technologische Basis, die betroffenen Märkte, die Beschäftigten des Sektors, den rechtlichen und institutionellen Rahmen, die internationale Zusammenarbeit sowie Umwelt- und Sicherheitsaspekte ein. Mit dem Grünbuch soll eine Debatte angestoßen werden, die alle Akteure - nationale und internationale Organisationen, die Raumfahrtindustrie und die Nutzer in der EU, die Wissenschaft und die Bürger - mit einbezieht. Die Konsultation soll dazu beitragen, auf die sich im Zusammenhang mit der Raumfahrt stellenden Herausforderungen in bezug auf Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit eine geeignete Reaktion der EU festzulegen, die zu einem späteren Zeitpunkt in einem Weißbuch genauer erläutert werden soll. ESA-Generaldirektor Antonio Rodotà und Kommissar Philippe Busquin werden das Grünbuch am Montag, den 27. Januar um 11.00 Uhr in Brüssel offiziell der Presse vorstellen.  
Gestützt auf Jahrzehnte erfolgreicher Weltraumforschung und insbesondere dank der Anstrengungen der ESA hat Europa in der Weltraumtechnik ein hohes Maß an Eigenständigkeit erreicht und ist heute ein führender Akteur in der Raumfahrt. Europäische Satelliten, die mit europäischen Trägern gestartet werden, bieten Unternehmen, Behörden und Privatpersonen Dienste wie Fernsehrundfunk, fortschrittliche Telekommunikation, nachhaltigere Verkehrskapazität und Mobilität, kurz- und mittelfristige Wettervorhersagen, die Überwachung des Klimawandels und die Fähigkeit, schneller auf Naturkatastrophen zu reagieren. Die Anwendungen der Weltraumtechnik, Nährboden für bahnbrechende Forschung und Innovation in der wissensbasierten Gesellschaft, fördern das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. In Bereichen wie Raumordnung, Landwirtschaft und Fischerei, nachhaltiger Verkehr, Zivilschutz und Reaktion auf Notfälle tragen sie zur Erschließung neuer Märkte für die Unternehmen bei und sind für die europäischen Bürger von großem Nutzen.  
Das Satellitennavigationssystem Galileo hat einige Verzögerungen erfahren. Jedoch sind die ESA und die Kommission zuversichtlich, daß die noch offenen Fragen geklärt werden können, so daß das Vorhaben wie geplant zur Durchführung gebracht werden kann.
Während der zurückliegenden Jahrzehnte wurde die Verantwortung für die Weltraumpolitik über die ESA auf zwischenstaatlicher Ebene und über die nationalen Raumfahrtagenturen und andere nationale Stellen auf einzelstaatlicher Ebene wahrgenommen. Die ESA spielt mit ihrem einzigartigen Fachwissen eine führende Koordinierungsrolle in Europas erfolgreichen Bemühungen, seine industrielle Basis zu konsolidieren und technologisch unabhängig zu werden. Dank der von der ESA aufgebauten europäischen Kapazitäten im Träger- und im Raumfahrzeugbereich ist Europa heute einer der weltweit wichtigsten Akteure auf einem hart umkämpften Markt.
Der Weltraum ist eine wesentliche Komponente bei der Verwirklichung der europäischen Ziele und Politiken vor allem für nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz, Verkehr und Mobilität und die Informationsgesellschaft geworden. Weltraumtechnische Anwendungen bieten außerdem Antworten auf die sich abzeichnenden Sicherheitsanforderungen mit sowohl zivilen als auch Verteidigungsaspekten, die in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU (GASP) und der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) behandelt werden.
Das Galileo-Projekt und die GMES-Initiative (Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung) verdeutlichen diesen neuen Ansatz und unterstreichen die Notwendigkeit einer verstärkten Rolle der Union im Raumfahrtbereich. Sie zeigen auch, wie die von der ESA erzielten industriellen und technologischen Erfolge durch gemeinsame Weltraumvorhaben maximiert werden können. Es ist daher folgerichtig, die Möglichkeit der Einbeziehung der Raumfahrt in den Zuständigkeitsbereich der Union ins Auge zu fassen. Damit könnte die Ausarbeitung eines Weltraumprogramms in Angriff genommen werden, das ein wirksames Vorgehen der EU in diesem Bereich einschließlich einer breiten Palette neuer Anwendungen für die Industrie und die Bürger ermöglicht.
Die Konsultation
Das Grünbuch soll deshalb eine eingehende Debatte mit allen Beteiligten in Gang setzen. Es soll das allgemeine Bewußtsein der strategischen Bedeutung des Weltraums und der Weltraumpolitik für die Union und ihre Bürger steigern, zur Klärung konsensfähiger Bereiche beitragen und konkrete Antworten auf Fragen wie Zugang, Finanzierung und institutionelle Regelungen finden helfen. Die Konsultation läuft vom 22. Januar bis 30. Mai 2003. Sie wird von der Gemeinsamen Task Force der Kommission und der ESA für Raumfahrtfragen geleitet, die zur Förderung der Debatte eine Reihe von Seminaren, Arbeitstagungen und Anhörungen in ganz Europa veranstalten wird. Diskussionsbeiträge können auch on-line über ein eigens eingerichtetes Web-Forum eingereicht werden. Auf der Grundlage der Stellungnahmen aller Beteiligten will die Kommission dann ein Weißbuch verfassen, das konkrete Vorschläge in Form eines Aktionsplans enthalten und noch dieses Jahr veröffentlicht werden soll.
(ku - Quelle: ESA)


» Rosetta-Start um Monate verschoben
19. Januar 2003 - Um kein Risiko beim Start der Kometensonde einzugehen, einigten sich ESA und Arianespace auf eine längere Verschiebung der Mission.
Nachdem am 11. Dezember 2002 das neue Modell der Trägerrakete Ariane 5 explodierte, blickten die Verantwortlichen beim Betreiberunternehmen Arianespace und bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA gebannt auf den geplanten Start der Kometensonde Rosetta. Diese sollte Anfang Januar 2003 ebenfalls mit einer Ariane 5 starten. Da es sich bei dem Träger der ESA-Sonde um den zuverlässigeren und erprobten Typ der Rakete handelte, ging offiziell kaum jemand davon aus, dass der Rosetta-Start ernsthaft gefährdet sei.
Mit dem Anfang dieser Woche steht es jedoch fest: Die Untersuchungskommission, die mit der Erforschung der Ursachen des Fehlstarts im Dezember beauftragt worden war, hatte eine Vielzahl Fehlern von zusammen arbeitenden Systemen genannt. Wäre Rosetta in dieser Woche gestartet worden, wäre sie einem zu großen Risiko ausgesetzt worden. So jedenfalls entschieden die Experten der ESA und von Arianespace. Die Ariane 5 wird nun mehrere Monate untersucht und muss so lange am Boden bleiben.
Für das Rosetta-Team ist das ein harter Schlag: Die milliardenschwere Sonde hätte den geplanten Flugplan nur einhalten können, wäre sie in dem Startfenster abgehoben, das diese Woche endet. Nun wird nach einer "schnellstmöglichen" Startmöglichkeit gesucht. Es wird wohl mehrere Monate dauern, bis Rosetta entweder mit einem anderen Träger oder der reparierten Ariane 5 starten kann.
Das ursprüngliche Ziel, der Komet Wirtanen, lässt sich mit einer Verzögerung von mehreren Monaten nicht mehr erreichen. Derzeit wird neben einer anderen Rakete auch eine neue Route mit verändertem Ziel für Rosetta gesucht.
Mit den Missionen Envisat und Integral starteten im vergangenen Jahr zwei äußerst erfolgreich Großsatelliten der ESA in einen Erdorbit. Rosetta soll die Fortsetzung von Europas Aufbruch ins All bilden. Letztlich ist es positiv, dass die ESA kein Risiko eines möglichen Verlustes der Sonde eingehen will - denn Rosetta bedeutet für die europäische Erforschung des Sonnensystems einen großen Schritt nach vorn.
Ein Blick auf die NASA zeigt zudem, dass Fehlschläge wie die Notsprengung der neuen Ariane 5 auf allen Seiten zum Geschäft gehören: Erst im Juni 2002 verunglückte die amerikanische Kometensonde Contour.
(ku - Quelle: ESA, Arianespace)



 
 

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      HotSpot: Projekt Prometheus: Das neue Nuklearprogramm der NASA von David Langkamp 

Über sechs Monate dauert ein Flug zum Mars mit herkömmlichen chemischen Antrieben. Mit einem nuklearen Antrieb JEDOCH könnte man die Flugdauer auf zwei bis drei Monate verkürzen. Einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge wird erwartet, dass die NASA sehr bald ein neues Nuklearprogramm mit dem Titel "Prometheus" anlaufen lässt.

Bei einer bemannten Reise zum Mars ist die lange Flugdauer von über sechs Monaten ein nicht zu vernachlässigendes gesundheitliches Risiko für die Astronauten. Sie wären die über die ganze Zeit der kosmischen Strahlung ausgesetzt, außerdem führt, wie man aus Erfahrungen weiß, ein längerer Aufenthalt in der Schwerelosigkeit zu einem erheblichen Abbau der Knochen- und Muskelmasse. Durch eine Verkürzung der Flugdauer auf nur zwei Monate könnte die Schwere der gesundheitlichen Auswirkungen erheblich reduziert werden.

Doch nicht nur bei einer Mission zum Mars stößt man mit herkömmlichen Technologien auf Probleme. Auch der Energieversorgung von Raumsonden und Robotermissionen sind so enge Grenzen gesteckt. Diese Missionen sind zu ihrer Energieversorung auf Solarzellen oder Radioisotopengeneratoren angewiesen. Radioisotopengeneratoren machen sich den natürlichen Zerfall von Plutonium 238 zu Nutze und erzeugen dadurch die dringend benötigte Energie. Als die amerikanische Raumsonde "Cassini" 1999 mit einem RTG an Bord auf ihren Weg zum Saturn geschickt wurde, gab es wegen des Plutoniums an Bord einen breiten Protest in der Öffentlichkeit.
Die Beschränkung der verfügbaren Energie ist für viele Missionen ein Hindernis. Bei "Deep Space" Missionen müssen die Missionsplaner jahrelang ausharren, bis die Sonde an ihrem Ziel angekommen ist. Und auch bei einer Robotermission zum Mars schränkt die Energiearmut die Planer in ihren Möglichkeiten nicht unerheblich ein.

Das Projekt "Prometheus" könnte die Raumfahrt revolutionieren. Auch wenn sich die NASA mit Details noch bedeckt hält, ist einiges bereits durchgesickert. So soll sich "Prometheus" um zwei Kernbereiche drehen: Zum einen einen Nuklearreaktor, welcher im Weltraum arbeiten kann und zum anderen um Antriebstechniken fürs All.
Nachdem schon eine Milliarde Dollar in den nächsten fünf Jahren für diese Nuklearinitiative vorgesehen wurde, ersucht die NASA den Kongress nun um einen Betrag von einigen hundert Millionen Dollar um mit dem Projekt beginnen zu können. Innerhalb der nächsten Wochen wird mit Entscheidungen und Details über "Prometheus" gerechnet.

Die Vorteile einer nuklearen Antriebs liegen auf der Hand. Neben der Verkürzung der Reisezeit zum Mars auf ein Drittel könnte man die Nutzlast verdoppeln und hätte damit eine erhebliche Kosteneinsparung und weit mehr Möglichkeiten. Robert Zubrin, Vorsitzender der MarsSociety, begrüßte das Projekt als einen sehr positiven Schritt. "...Die Entscheidung die Nukleartechnologie für den Weltraum zu entwickeln ist ein weiser Schritt der Milliarden sparen und unsere Möglichkeiten erheblich ausweiten wird." sagte er gegenüber Space.com

Doch das Projekt hat verständlicherweise auch Kritiker. Seit jeher war der Einsatz von nuklearer Technologie im Weltraum umstritten. 1999 führte das Plutonium an Bord von Cassini zu massiven Protesten in der Öffentlichkeit. Außerdem muß die endgültige Entscheidung über das NASA Budget für 2004 noch getroffen werden. Es bleibt also spannend, wie es mit "Prometheus" weitergeht. Der Projektname stammt aus der griechischen Mythologie. Prometheus gab aus der Welt der Götter das Feuer zu den Menschen. Dafür wurde er aber vom Gott Zeus bestraft und an einen Felsen gefesselt wo jeden Tag ein Adler seine Leber auffraß...
 

 
 

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      Special: Raumfahrer-Treffen in Berlin von Britta Hermes
und Karl Urban
 

Zur Neueröffnung des Raumfahrtzentrums Orbitall in Berlin trafen vier bekannte Raumfahrer zusammen.

Der Weltraum, und endliche Weiten - und mittendrin der Mensch, der auf der im Vergleich zum Universum winzigen Erde seine Bahnen um die Sonne zieht. Vielleicht kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in einer sternenklaren Nacht an den Himmel blicken und erkennen, dass es dort draußen so unendlich viel zu entdecken gibt. So lässt sich vielleicht der menschliche Wunsch erklären, ins All zu fliegen - doch dieser Traum wird heute meist nur noch von Kindern geträumt. Vier bekannte Astro- und Kosmonauten, die sich am 10. Januar 2003 in Berlin zur Neueröffnung des Raumfahrtzentrums Orbitall in Berlin zusammenfanden, fordern, sich diesen "Kindheitsfaktor" im Innern zu erhalten.

Schon für sich genommen war es ein Ereignis: Am 10. Januar fanden sich die deutschen Raumfahrer Sigmund Jähn, Thomas Reiter und Ulrich Walter sowie der Russe Sergej Saljotin zur Neueröffnung des Raumfahrtzentrums Orbitall im Freizeit- und Erholungszentrum - Wuhlheide (FEZ) in Berlin ein.
Das FEZ ist mit 13.000 m² Fläche und mehr als 30 verschiedenen thematischen Bereichen Deutschlands und sogar Europas größtes, vielfältigstes nicht kommerzielles Kinder- und Jugendfreizeitzentrum. Heute besuchen jährlich rund 1,2 Millionen Neugierige die im Südosten von Berlin gelegene Einrichtung, deren Ziel es ist, Spaß am außerschulischen und praktischen, erlebnisorientierten Lernen zu fördern.

Zur Steigerung der Popularität trugen schon damals weit bekannte Raumfahrerpersönlichkeiten wie Sigmund Jähn, Rheinhard Furrer, Edgar Mitchel, Waleri Bykowski, Reinold Ewald und Ulrich Walter bei. Das Raumfahrtzentrum beschäftigte sich zu DDR-Zeiten mit der prestige-trächtigen sowjetischen Raumfahrt, zu deren technischen und naturwissenschaftlichen Verständnis wichtige Kenntnisse vermittelt wurden.
Wichtiger Bestandteil der Arbeit des FEZ ist auch die technische Jugendbildungsarbeit, deren Hauptattraktion das wiedereröffnete Raumfahrtzentrum Orbitall bildet.

Die vier anwesenden Astro- und Kosmonauten haben alle mindestens einen Raumflug hinter sich: Sigmund Jähn war 1978 als erster deutscher Raumfahrer für die DDR auf einer Mission zur Raumstation Salut 6 ins All geflogen. Ulrich Walter nahm 1993 an der deutschen Space Shuttle-Mission D2 teil. Thomas Reiter hielt sich 1995 für 179 Tage als Forschungskosmonaut auf der russischen Raumstation Mir auf. Er gehört zum Astronauten-Corps der ESA und wird voraussichtlich 2005 zu einem Langzeitflug zur Internationalen Raumstation (ISS) starten. Sergej Saljotin, für den es keinen Unterschied zwischen Astro- und Kosmonauten gibt, da sie beide in die gleiche Richtung fliegen, startete im Jahr 2000 ins All, um die Mir auf den kontrollierten Absturz vorzubereiten. Erst im vergangenden Jahr hatte er einen Kurzaufenthalt auf der ISS, von der er im November 2002 zurückkehrte.

Der europäischen Luft- und Raumfahrtbranche geht es nicht gut. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist der Nachwuchsmangel: Nur noch wenige junge Menschen entscheiden sich heute für ein technisches Studium oder gar eine Laufbahn in der Raumfahrt. Um die so wichtige kindliche Begeisterung für den Weltraum zu erhalten, wurde der Nachbau von Teilen der ISS im Orbitall vom Bund der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) gefördert.
Nach einer etwa 1 ½ Jahre dauernden Umbauphase in den Jahren 2001/2002 startet das Orbitall mit und für Kinder und Jugendliche, die einen Flug ins All wagen wollen, in eine moderne, interaktive Zukunft. Das Erlebniszentrum bietet für alle Altersstufen einen beeindruckenden Einblick in die aktuellste Luft- und Raumfahrttechniken.
Im Eingangsbereich der pädagogisch sorgfältig durchdachten Ausstellung findet man sich zunächst im sogenannten Infozentrum wieder. Hier werden Originalgegenstände aus der Raumfahrt (bspw. ein Spacelab-Handschuh), Modelle verschiedener Trägerrakteten, Videoprojektionen und viel Wissenswertes aus der Raumfahrttechnik gezeigt. Interaktive Arbeitsplätze und eine kleine Fachbibliothek laden dazu ein, sich tiefergehende Kenntnisse über die Raumfahrt anzueignen. Ist man durch die "Schleuse" getreten, in der Dr. Ulrich Walter per Video weitere Tipps gegeben hat, bekommt man in der "Trainingshalle" einen Eindruck von den physischen und psychischen Anstrengungen bei der Vorbereitung auf Ausflüge ins All. Die Nachbildung einer Sojuskapsel und der Eingang zu den vier hier ausgestellten Modulen der ISS sind ebenfalls in diesem Raum zu finden. Danach führt der Weg durch das Kontrollzentrum der ISS, in welchem ein fazinierender virtueller Flug zur ISS simuliert werden kann. Über das FEZ-Raumschiff und das Modul Columbus, die bei der Wiedereröffnung aus Zeitgründen nicht gezeigt wurden, landen die jungen und älteren Ausstellungsbesucher dann wieder in der Realität.

Das neue Orbitall ermöglicht das authentische Erleben moderner Raumfahrt und Raumfahrttechnik und führt junge Menschen gelungen an zukunftsweisende Themenstellungen heran. Weitere Informationen zum neuen Raumfahrtzentrum finden Sie hier.
 

 
 

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      ISS Weekly Report: Arbeiten mit dem Roboterarm von Michael Schumacher 

In der nunmehr achten Woche an Bord der Internationalen Raumstation widmete sich die sechste Stammbesatzung, die aus Kommandant Kenneth Bowersox, Bordingenieur Nikolai Budarin und National Aeronautics and Space Administration (NASA) International Space Station (ISS) Science Officer (SO) Donald Pettit besteht, vor allem weiteren Arbeiten mit dem Roboterarm.

Am Dienstag stellte Bowersox die Videoausrüstung ein, um die Übungen auf der Treadmill with Vibration Isolation and Stabilization (TVIS) während des Tages zu filmen. Nach der Durchführung der Übungssitzungen wurde die Videoausrüstung am Abend wieder verstaut. Als Vorgabe gilt ein Video einer kompletten 30minütigen Sitzung, davon fünf Minuten vom Anlegen der Gurte eines jeden Besatzungsmitgliedes. Dabei ist der gesamte Körper während der Trainings im Bild. Von Interesse sind der Laufstil und die Kraftübertragung von den Füßen auf das Laufband.

Zusammen mit Pettit führte Bowersox eine Auffrichungsüberprüfung der Dynamic Operational Ubiquitous Graphics (DOUG) Software mit neuen Dateien für die am Donnerstag anstehenden Arbeiten mit dem Roboterarm aus. Später überprüften sie die Robotic Workstation (RWS) für den Bediener des Space Station Remote Manipulator System (SSRMS) und fertigten Bilder an, um die korrekte Ausrichtung des RWS Monitors sicherzustellen. DOUG ist ein hoch entwickeltes Softwareprogramm, das Bilder vom SSRMS aus der Vogelperspektive zur Verfügung stellt, um seine aktuelle Position und Konfiguration auf einem Personal Computer (PC) während der Bedienung zu zeigen.

Bowersox führte die regelmäßige 90-Tage-Überprüfung der Gas Analyzer System for Metabolic Analysis Physiology (GASMAP) Nutzlast durch. Nachdem die Einheit am Morgen hochgefahren wurde, musste sie erst fünf Stunden aufgewärmt werden, bevor Bowersox mit der Überprüfung mittels des Human Research Facility (HRF) Computer beginnen konnte. Die 90-Tage-Überprüfung soll schließlich sicherstellen, dass innerhalb der Analyzer Module (AM) Kammer des GASMAP ein Vakuum aufrechterhalten wurde. Das Instrument misst die Stoffwechselaktivität der einzelnen Besatzungsmitglieder in Verbindung mit der entsprechenden Übungsausrüstung in einer Hemdsärmelumgebung. Es besteht aus einem vierfachen Massespektrometer, bekannt als das AM, dem Calibration Module (CM) und einem gespeicherten Gasvorrat. Die Prozedur, eine Selbstkalibrierung unterschied sich von der normalen 90-Tage-Überprüfung, da die letzte Selbstkalibrierung mehr als ein Jahr zurückliegt.

Am Mittwoch absolvierte die Besatzung die obligatorischen Onboard Training (OBT) Notfallübung im Falle eines Druckabfalls. Ziel der Übung ist es, die Verfahrensprozeduren nach einem Druckabfall zu üben und zu besprechen, die Koordination innerhalb der Besatzung zu trainieren, Fragen und Kommentare der Besatzung zur Operations Data File (ODF) und zur Raumstationshardware zu besprechen sowie sicherzustellen, dass der Aufbewahrungsort der Notfallhandbücher bekannt ist. Die Übung, die einem niedergeschriebenen Szenario folgt und keine tatsächliche Betätigung irgendwelcher Hardware erfordert, involvierte alle drei Besatzungsmitglieder und dauerte ungefähr eine Stunde. Für die Fälle eines Feuers an Bord oder eines Notabstiegs gibt es andere obligatorische OBTs Notfallübungen.

Pettit baute die Formaldehyde Monitoring Kit (FMK) auf, jeweils zwei Einheiten im amerikanischen Laboratory Module ?Destiny? und im russischen Service Module ?Swjesda?. Er sammelte auch Proben der Kabinenluft mit dem Grab Sample Container (GSC), was jeden Monat in jedem Modul durchgeführt wird und mit der Durchführung der FMK Messreihen koordiniert wird.

Am Freitag manövrierten Bowersox und Pettit den Roboterarm Canadarm2 in eine günstige Position um zu sehen, ob der Radiator der Integrated Truss Structure (ITS) Starboard 1 (S1) frei ist, da es während der Überprüfung seines Thermal Radiator Rotary Joint (TRRJ) einige Bedenken gab. Am Tag zuvor schloss die Besatzung das RWS Display and Control Panel (DCP) Stromumleitungskabel in ?Destiny? an und das Mission Control Center (MCC) in Houston fuhr das Mobile Service System (MSS) am Freitagmorgen hoch. Die Arbeiten mit dem Roboterarm begannen mit der üblichen Kalibrierung der manuellen Kontrolleingabeeinheit und der Einstellung für das erste Manöver, wobei sie mit DOUG arbeiteten. Danach erteilten sie dem Roboterarm das Kommando, sich von seiner aktuellen Position, dem Power and Data Grapple Fixture (PDGF) an ?Destiny? zum PDGF Nummer 2 des Mobile Base System (MBS) über die Zwischenstation PDGF Nummer 1 des MBS zu bewegen. Dabei wurde die Tip Elbow (TE) Kamera genutzt, um zu überprüfen, ob die S-Band Antenne frei ist.
 

 
 

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      Surftipp: Eagle Lander 3D von Hans-Georg Urbin 

Eine gelungene Mondlande-Simulation bietet Ron Monson auf seiner Homepage zum kostenlosen Download an. Der "Eagle Lander 3D" ist eine sehr realistische Simulation der letzten Minuten der Apollo 11-Landung auf dem Mond. Dabei kann das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Das Programm bietet eine tolle Grafik und einen authentischen Sound mit dem Funkverkehr zwischen den Astronauten und Mission-Control. Die Steuerung der Mondlandefähre erfordert einige Übung. Die hervorragende grafische Darstellung fordert aber ihren Tribut: Nur Rechner mit einer leistungefähigen 3D-Grafikkarte werden unterstützt. Aber auch Besitzer eines etwas älteren Rechner kommen auf ihre Kosten: Für sie steht eine 2D-Version zur Verfügung, die aber natürlich nicht das Feeling der 3D-Variante vermitteln kann.

Raumfahrer.net bedankt sich bei der Partnerseite Urbin.de für die freundliche Bereitstellung dieses Surftipps.
 

 
 

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"In Space Magazin" #061
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
26. Januar 2003
Auflage: 802 Exemplare
 
 
Chefredaktion:
Karl Urban

Supervising:
Lorenz Ulrich
 
Redaktionsleitung:
David Langkamp
 
Redaktion:
Jan Großmann
Britta Hermes
Tilman Kaiser
Raphael Kallensee
Clemens Mach
Sebastian Mateja
Dominik Mayer
Dominik Puckert
Sabine Rossburg
Franz Schmied
Michael Schumacher
Michael Stein
Mark Weimar
Lorenz Zistler
 
Meik Lampmann
(Space-Weltraum.de)

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