InSpace Magazin spezial vom 04. Februar 2003

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.   

 

"In Space Magazin"

spezial
ISSN 1684-7407


> News:
Die relevanten Nachrichten

> Reaktionen:
- Aktuelle NASA-Pressekonferenz

- Rede des US-Präsidenten zur Columbia

> Hintergründe:
- Die Besatzung der Columbia

- Hätte die Columbia gerettet werden können?

- Nach der Columbia - macht bemannte Raumfahrt Sinn?

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro

Herzlich willkommen zur Spezialausgabe des InSpace Email-Magazins,

diese außerplanmäßige Ausgabe informiert Sie umfassend um das tragische Ereignis rund um die Columia. Am kommenden Samstag erscheint dann wie gewohnt die nächste reguläre Ausgabe dieses Magazins. Ständig aktuelle Informationen und Nachrichten finden Sie weiterhin auf unserer Sonderseite unter columbia.raumfahrer.net.


Stellungnahme von Raumfahrer Net

Am 1. Februar 2003 verunglückt nach erfolgreicher 16-tägiger Mission die amerikanische Raumfähre Columbia und mit ihr die sieben Besatzungsmitglieder. Dieses Ereignis wurde weltweit mit größter Bestürzung aufgenommen und wird zweifellos große Auswirkungen auf die amerikanische und internationale Raumfahrt haben. Die Redaktion von "Raumfahrer Net" trauert um die tapfere Besatzung der Columbia und ist in Gedanken bei ihren Angehörigen.

Unfälle wie dieser gehören in der heutigen Raumfahrt, die noch immer die größe technische Herausforderung unserer Zeit bildet, zum Geschäft. Dies ist kein Grund, sich vom bemannten Raumflug abzuwenden, sondern im gleichzeitigen Gedenken der Opfer nach vorn zu blicken. Die Raumfahrt bildet ein großes Entwicklungsgebiet hochinnovativer Technologien zum Nutzen der Erdbevölkerung und zum Antrieb der Wirschaft. Sie ist darüber hinaus auch angetreten, eine der letzten Grenzen, die uns Menschen nach Jahrhunderten voller Entdeckungen und Eroberungen noch geblieben ist, in Angriff zu nehmen: Wie jede Grenzüberschreitung eine Herausforderung an Intellekt und Phantasie für alle, die sich auf dieses Abenteuer einlassen - so auch die Raumfahrt. Wir müssen aus dem Columbia-Unglück lernen wie wir aus der tragischen Apollo1- (1967) oder Challenger-Katastrophe (1986) gelernt haben.

Die Columbia gibt es nicht mehr und nach der Aufklärung der Ereignisse während des Fluges werden zweifelslos Konsequenzen gezogen, die die bemannte Raumfahrt erneut sicherer machen und vielleicht auch einen Weg zum Space Shuttle-Nachfolger liefern werden. Rick Husband, William McCool, Kalpana Chawla, Laurel Clark, David Brown, Michael Anderson und Ilan Ramon setzten ihr Leben einem unerschöpflichen Glauben an den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt der Menschheit aufs Spiel. Wir dürfen sie jetzt nicht enttäuschen.

Die Redaktion von Raumfahrer Net


 
 

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      News

Fortschritte bei der Trümmersuche <mehr>
Stellungnahme der Angehörigen <mehr>
Risse im Flügel als Ursache für die Katastrophe? <mehr>
ESA Pressemitteilung zur Raumfähre "Columbia" <mehr>
Kommentare zum Columbia Unglück <mehr>
Folgen des Unglückes: Besseres Shuttle? <mehr>
ISS-Besatzung ist bis Juni versorgt <mehr>
NASA-Administrator ruft zur Aufklärung des Unglücks auf <mehr>
Space Shuttle Columbia verunglückt <mehr>



» Fortschritte bei der Trümmersuche
04. Februar 2003 - Eine Untersuchungs-Mannschaft des Shuttle-Unglücks fand kürzlich zwischen den in Texas niedergegangen Bruchstücken die "Nase" der Columbia.
Eine Bergungsmannschaft kehrte kurz darauf an den Ort zurück, um das größte bisher gefundene Bruchstück des Raumfahrzeugs aus dem fast sechs Meter breitem Loch zu heben, das durch die Wucht es Aufpralls entstanden war.
"Es ist hauptsächlich die Front der Shuttle-Nase", sagte Warren Zehner von der Environmental Protection Agency (EPA). "Es ist noch ziemlich intakt."
Die "Nase" des Shuttles ist bis heute eines der größten Fundstücke. Obwohl bei der Suche nach Teilen der Columbia bereits mehrere tausend Funde zur Folge hatte, könnte der aktuelle aufgrund des relativ guten Zustands Hinweise auf die Destabilisierung des Space Shuttles und dem Tod der sieben Astronauten an Bord liefern.
Das zerbrochene Raumfahrzeug muss aus Bruchstücken, die auf einem über tausend Quadratkilometer großen Gebiet verstreut liegen, zusammengesetzt werden, um die Unglücksursache herauszufinden. Die Brocken werden zum Teil mit Sonargeräten gesucht.
Allein 12 000 Trümmerteile wurden bis Montagabend in der Region eingesammelt. Die Suche war zum Teil grausam, als auch menschliche Überreste der Besatzung der Columbia gefunden wurden.
Die Shuttle-Nase wurde einige Kilometer von der Kleinstadt Hemphill gefunden. Hemphill liegt etwa 200 Kilometer von Housten und dem dortigen Johnson Space Center entfernt.
Die EPA, welche die Trümmersammlung überwacht, hat ein Flugzeug mit Infrarotsensoren ausgestattet, die nach Fragmenten suchen, die mit gefährlichen Chemikalien verseucht sind.
Die Fundorte markiert ein unabhängiges Untersuchungsteam, geleitet vom pensionierten Admiral Harold W. Gehman Jr. und ein NASA-Team mit Reißzwecken auf einer Karte im vorübergehenden Kommandostützpunkt der Suchoperation, der Louisiana's Barksdale Air Force Base.
NASA Shuttle-Programmmanager Ron Dittemore sagte, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde an allen Teilen, die vom Himmeln heruntergekommen sind, interessiert ist. In Arizona beteiligte sich auch das FBI an der Suche nach Trümmerteilen.
"Es scheint die Suche der Nadel im Heuhaufen zu sein", sagt Dittemore in Anspielung auf gefundene 15 mal 15 Zentimeter große Bruchstücke des Hitzeschildes der Columbia. "Aber das hält uns nicht davon ab, es zu tun."
(ku - Quelle: Space.com)


» Stellungnahme der Angehörigen
03. Februar 2003 - Heute veröffentlichte die NASA folgende Stellungnahme der Angehörigen der Columbia Astronauten. Lesen Sie eine Deutsche Übersetzung.
"Am 16. Januar sahen wir die Menschen, die wir so liebten, in einen strahlenden und wolkenfreien Himmel aufbrechen. In ihren Herzen trugen sie Enthusiasmus, Stolz auf ihr Land, das Vertrauen auf Gott und die Bereitschaft Risiken einzugehen um Wissen zu erwerben - Wissen, welches die Lebensqualität der ganzen Menschheit steigern könnte.
Die 16-tägige Forschungsmission der Columbia war ein großer Erfolg, der in nur wenigen Minuten zunichte gemacht wurde. Doch er wird in unseren Gedanken für immer weiterleben. Wir wollen der NASA-Familie und den Leuten von überall auf der Welt für ihre überwältigende Liebe und Unterstützung danken.
Doch auch obwohl wir tief trauern, wie schon die Familien der Apollo 1 und Challenger-Astronauten vor uns, muss die Erforschung des Weltalls weiter gehen. Sobald der Grund für diese Tragödie gefunden und korrigiert worden ist, muss die Hinterlassenschaft der Columbia weitergehen - für unsere Kinder und die Eurigen."
(dl)


» Risse im Flügel als Ursache für die Katastrophe?
03. Februar 2003 - Israelischen Zeitungsberichten zufolge wurden bereits fünf Tage nach dem Start der US-Raumfähre "Columbia" zwei Risse im linken Flügel entdeckt.
Bei einer Liveschaltung, während der der Israels Staatspräsident Ariel Sharon mit dem ersten israelischen Astronauten Ilan Ramon sprach, wurde ein Bild der Tragfläche übermittelt, auf dem deutlich zwei Risse zu sehen sind. Sie könnten laut Expertenberichten die Ursache für den Absturz sein; es wird allerdings vor voreiligen Schlussfolgerungen gewarnt. Der Manager des Shuttleprogramms der US-Raumfahrtbehörde NASA, Ron Dittermore, gab bekannt, dass Augenzeugen gesehen haben wollen, wie sich Teile des Shuttles lösten. Kurz vor dem Ausfall der Sensoren der Raumfähre war ein starker Temperaturanstieg gemessen worden. Anschließend brach der Kontakt ab.
Führende Experten betonten, dass es unmöglich gewesen wäre die defekten Kacheln zu reparieren, da die Astronauten für einen derart riskanten Einsatz nicht vorbereitet waren; auch das benötigte Werkzeug sei nicht vorhanden gewesen.
Ein Anflug der ISS wäre aufgrund der geringen Treibstoffreserven problematisch gewesen.
Nachtrag: Der deutsche Astronaut Ulrich Walter hat angeblich Zweifel an der Echtheit der Aufnahmen geäußert. Sie könnten zumindest nicht vom Flügel stammen, da dies der Blickwinkel der Kammeras verhindere.
Wir halten Sie natürlich auch weiterhin auf dem laufenden.
(dm)


» ESA Pressemitteilung zur Raumfähre "Columbia"
03. Februar 2003 - Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA hat heute folgende Presseinformation veröffentlicht.
Am Samstag, den 1. Februar um etwa 15.00 Uhr MEZ ging die Raumfähre "Columbia" verloren. Die sieben Astronauten an Bord - Missionskommandant Rick Husband, Pilot William McCool, Nutzlastkommandant Michael Anderson, die Missionsspezialistinnen Kalpana Chawla und Laurel Clark, Missionspezialist David Brown und der israelische Nutzlastexperte Ilan Ramon - kamen bei dem Unglück ums Leben.
Generaldirektor Antonio Rodotà und der Direktor für Bemannte Raumfahrt, Jörg Feustel-Büechl, haben im Namen der ESA dem Administrator der NASA, Sean O'Keefe, und anderen leitenden Bediensteten der NASA und über sie den Angehörigen der Astronauten ihr Beileid ausgedrückt.
Angaben zur Mission
Die Raumfähre "Columbia" war am 16. Januar mit einem Spacehab-Modul an Bord zu der 16-tägigen Wissenschaftsmission STS-107 gestartet. Die Mission wurde in 274 km Höhe mit einer Bahnneigung von 39° durchgeführt. Es handelte sich nicht um eine Mission zur Internationalen Raumstation (ISS), sondern um eine autonome Raumtransportermission ohne Rendezvous mit der ISS und ohne Mannschaftswechsel.
In einem planmäßigen Wiedereintrittsszenario beginnt die Wiedereintrittsphase knapp eine Stunde vor der Landung in rund 8 000 km Entfernung von der Landebahn im Kennedy Space Center (KSC) in Florida. Zu diesem Zeitpunkt fliegt der Orbiter in ca. 170 km Höhe mit einer Geschwindigkeit von etwa 28 000 km/h. Er wird dann in die richtige Fluglage gebracht, und mit der Zündung der Steuertriebwerke wird der Abstieg eingeleitet.
Rund 5 Minuten später beginnt in 120 km Höhe mit einer von einem Bordkontrollsystem gesteuerten automatischen Sequenz der Eintritt in die obere Atmosphäre. Zwischen 81 und 49 km Höhe herrscht Funkstille, da die Raumfähre in dieser Phase von einer für Funkwellen undurchdringlichen Hülle aus ionisierten Gaspartikeln umgeben ist. Die Funkstille dauert etwa 16 Minuten.
Der gesamte Wiedereintritt kann automatisch erfolgen oder von der Mannschaft gesteuert werden.
Die Wiedereintrittsphase von "Columbia" am 1. Februar verlief nicht planmäßig. Etwa um 15.00 Uhr MEZ brach der Funkkontakt zur Raumfähre ab. Zu diesem Zeitpunkt, rund eine Viertelstunde vor der geplanten Landung, flog die Fähre mit 18-facher Schallgeschwindigkeit in 63 km Höhe über Texas und war noch 1 400 km von der Landebahn im KSC entfernt.
Videoaufnahmen zeigen, daß die Raumfähre einer gleichmäßigen Bahn folgte, wobei sie offenbar langsam auseinanderbrach. Die Trümmer sind über ein weites Gebiet im Osten von Texas und in Louisiana verstreut und werden nun nach und nach eingesammelt.
NASA-Administrator Sean O'Keefe hat eine Untersuchungskommission gebildet, die eine unabhängige Ermittlung der Ereignisse und Aktivitäten, welche den tragischen Tod von sieben Astronauten auf der Raumfähre "Columbia" zur Folge hatten, durchführen soll. Der Direktor des Raumtransporterprogramms, Ron Dittemore, hat in einer Stellungnahme die Möglichkeit der Beschädigung einer Tragfläche der Raumfähre beim Start angesprochen; bisher sei jedoch nicht bekannt, ob dies zu der Katastrophe beigetragen haben könnte. Derzeit werden sämtliche Daten gesichert. Durch die Auswertung dieser Daten und die Begutachtung der eingesammelten Trümmerteile soll die Ursache des Unglücks ermittelt werden.
Unterdessen bleiben alle Raumtransporter am Boden, was unter anderem bedeutet, daß der Termin des geplanten Flugs des ESA-Astronauten Christer Fuglesang an Bord der Raumfähre "Atlantis", d.h. Juli 2003, nun überprüft werden muß.
Internationale Raumstation (ISS)
Gegenwärtig befindet sich eine dreiköpfige Mannschaft an Bord der ISS: Kommandant Kenneth Bowersox (NASA) und die Flugingenieure Nikolai Budarin (RKA) und Donald Pettit (NASA). Sie kamen am 24. November 2002 mit der Raumfähre "Endeavour" (STS-113) an und sollten Mitte März 2003 mit der "Atlantis" zurückfliegen.
Ein russischer Progress-Entsorgungsfrachter (9P) koppelte sich am 1. Februar planmäßig von der ISS ab, und am 2. Februar um 13.59 Uhr MEZ wurde eine Sojus-Rakete mit einem weiteren Progress-Frachter (10P) erfolgreich für eine planmäßige Versorgungsmission gestartet.
An Bord der ISS sind ausreichende Vorräte (Proviant, Wasser, Treibstoff, usw.) für mehrere Monate nominalen Betriebs vorhanden. Auch ist ein Sojus-Fahrzeug des Typs 5S angekoppelt, das der Station als "Rettungsboot" bis mindestens Mai 2003 zur Verfügung steht.
Rosaviakosmos und die NASA bestimmen gegenwärtig den Nachschubbedarf für die ISS und ihre Mannschaft in den kommenden Monaten und werden das Manifest für den nächsten Progress-Flug (11P, geplant für Juni 2003) und Sojus-Flug (6S, geplant für April 2003) neu festlegen.
Der nächste Mannschaftswechsel sollte beim Flug der Raumfähre "Atlantis" im März 2003 stattfinden. Der am 26. April vorgesehene nächste Sojus-Flug war als Taxi-Flug mit dem ESA-Astronauten Pedro Duque geplant. Dieser Flug wird nun einer eingehenden Überprüfung unterzogen, doch werden Duque und sein ESA-Kollege André Kuipers, der am Sojus-Flug 7S im Oktober teilnehmen soll, einstweilen ihr Trainingsprogramm wie geplant fortsetzen.
Die nächsten Raumtransportermissionen zur ISS sahen nach einem MPLM-Logistikflug fünf Montageeinsätze für den Anbau von Gittersegmenten und Solargeneratoren vor und sollten im Februar 2004 zum Start des Verbindungsknotens Nr. 2 führen. Wie sich der Verlust der "Columbia" auf diese Planung auswirken wird, soll in den nächsten Wochen geklärt werden.
ESA-Nutzlasten an Bord der "Columbia"
Die Raumfähre "Columbia" führte das Spacehab-Forschungsdoppelmodul mit sieben ESA-Nutzlasten mit, deren Gesamtmasse 600 kg betrug und rund 25 % der Nutzlast auf dem Mitteldeck der Raumfähre und im Spacehab ausmachte.
Alle Nutzlasten haben während des 16-tägigen Einsatzes planmäßig funktioniert. Für die folgenden vier Instrumente, die der biologischen Forschung und Proteinkristallzüchtung dienten, werden jedoch keine wissenschaftlichen Ergebnisse zur Verfügung stehen, da den Experimentatoren keine Proben oder elektronischen Daten bereitgestellt werden können:
Die Verbesserte Protein-Kristallzüchtungsanlage (APCF) umfaßte 38 Experimentbehälter, deren Daten auf Digitalband aufgezeichnet wurden und deren wissenschaftliche Ergebnisse in den verarbeiteten Experimentproben bestanden.
Die "Biobox" wurde für vier Experimente genutzt, deren Ergebnisse in verarbeiteten Proben bestanden. Für diese Einrichtung liegen nur Telemetriedaten vor, die zeigen, daß sie einwandfrei funktioniert hat.
Der "Biopack" diente acht Experimenten, deren wissenschaftliche Ergebnisse in den verarbeiteten Proben bestanden.
Die Europäische Forschungseinrichtung zur Osteoporose im Weltraum und auf der Erde (ERISTO) umfaßte zwei Experimente mit 12 Experimentproben in Form menschlicher Knochenzellen. ERISTO benutzte das von der kanadischen Raumfahrtagentur CSA leihweise bereitgestellte Versuchsgerät OSTEO. Auch hier bestanden die wissenschaftlichen Ergebnisse in den Proben selbst.
Für die folgenden drei Forschungsinstrumente stehen alle Daten für die wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung:
Die Einrichtung "Com2Plex" ermöglichte drei technologische Experimente, die der Erprobung neuer Kreislauf-Wärmerohrkonzepte für die Industrie dienten. Die empfangenen Telemetriedaten aller Experimente lassen bereits erhebliche Verbesserungen der Wärmetransportfähigkeit erkennen. Die Daten sollen nun genauer ausgewertet werden.
Mit der Anlage für Adsorptions- und Oberflächenspannungsmessungen (FAST) konnten während des Flugs alle drei geplanten Experimente zum Abschluß gebracht werden. Alle Informationen (Telemetrie- und Videodaten) stehen den drei Experimentatorgruppen zur weiteren Auswertung zur Verfügung.
Das Verbesserte Atmungsüberwachungssystem (ARMS) war für 7 Flugexperimente und 1 Bodenexperiment zur Untersuchung der Lungen- und Herzkreislauf-Funktion unter Schwerelosigkeit bestimmt. Alle vor dem Flug gesammelten Basisdaten und alle Flugdaten liegen den Experimentatoren in elektronischer Form zur Auswertung vor.
(dm - Quelle: ESA)


» Kommentare zum Columbia Unglück
03. Februar 2003 - In der Süddeutschen Zeitung erschien heute ein sehr kritischer Kommentar, welcher gegen die bemannte Raumfahrt wettert.
Die Raumfahrtvereine in Deutschland haben zum Unglück und dem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung nun folgende Antwort verfasst:
Wir haben betroffen das Unglück der Columbia und den Verlust von sieben Menschenleben zur Kenntnis genommen. Vermutlich ist ein Teil des Hitzeschildes verloren worden, sodass die Struktur versagt hat und das Shuttle durch den Staudruck zerrissen wurde. Ist dies das Ende der bemannten Raumfahrt? Nein!
Wie jede andere Verkehrtechnologie fordert auch die Raumfahrt Opfer, trotzdem fordert niemand die Einstellung sämtlichen Verkehrs. Mithilfe des Shuttles und der anderen Raketen betreten wir Neuland, das ist ganz ohne Risiko nicht möglich.
Die Forderung nach Einstellung der bemannten Raumfahrt ist so kurzsichtig wie dümmlich. Auch hat die Reduzierung der Raumfahrtetats noch nicht einen einzigen hungernden Menschen Nahrung gebracht, außerdem ist der Raumfahrtetat im Gegensatz zu polemische Behauptungen geradezu winzig im Ver-gleich zu den Subventionen für Industrien von gestern und den Militärbudgets. Aber durch Raumfahrt konnten schon Menschen gerettet werden, die medizinische Forschung hat nur als Beispiel im Bereich der Osteoporosebehandlung durch bemannte Raumfahrt mehr als profitiert.
Von den wirtschaftlichen und technologischen Folgen gar nicht zu sprechen. Der nicht ganz unbedeutende Hersteller von Mikrochips, namens Intel, wurde mit dem Know-how aus der Apollomission gegründet. Die bemannte Raumfahrt ist ein Grund warum die USA technologisch und wirtschaftlich führend sind. Wäh-rend wir in Europa und Deutschland andauernden Ingenieur-, Wissenschaftler- und Bildungsmangel be-klagen, hat man dort etwas dagegen getan. Nur durch visionäre Programme kann man junge Leute für die Technik und die Zukunft begeistern. So bescherten sowohl das Apollo- als auch das Shuttle-Programm den Vereinigten Staaten einen deutlichen Peak bei den Studentenzahlen in den Natur- und Ingenieurswis-senschaften. Inzwischen hat die Europäische Union dies auch erkannt, und plant ein starkes Raumfahrt-engagement, als Teil des Planes die Wachstumsregion Nr. 1 in der Welt zu werden. Will sich Deutschland hier ausklinken? Können wir auf Arbeitsplätze, Visionen und Fortschritt verzichten? Deutschland krankt gerade an einer zu sehr rückwärts gewandten Sichtweise. Vielleicht sollten wir von den USA lernen, dass Probleme und Rückschläge Ansporn für mehr Anstrengungen sind.
Das kaum mehr vorhandene Raumfahrtprogramm und der Kommentar sind ein Ausdruck dieser Krankheit. Es ist Zeit für einen Aufbruch Deutschlands, auch einen Aufbruch Deutschlands in den Weltraum.

Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt e.V.
Deutsche Raumfahrtgesellschaft e.V.
Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum e.V.
Internationaler Förderkreis für Raumfahrt e.V.
Initiative 2000 plus e.V.
Deutsche Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.
Mars Society Deutschland e.V.
Raumfahrer.net
Verein zur Förderung der Raumfahrt e.V.
Wissenschaftliche AG für Raketentechnik und Raumfahrt
Weitere Informationen zum Columbia-Unglück finden Sie auf unserer Sonderseite.
Im Forum der SZ können Sie selber einen Kommentar zum Artikel schreiben.
Auch in der Raumcon, dem Diskussionsforum von Raumfahrer.net und dem Verein zur Förderung der Raumfahrt e.V wird kräftig diskutiert. Zur Diskussion geht es hier.
(dl)


» Folgen des Unglückes: Besseres Shuttle?
02. Februar 2003 - Das Columbia-Unglück kann der Entwicklung neuer Raumfahrzeuge einen Auftrieb verschaffen - das meint jedenfalls Apollo-Astronaut Harrison Schmitt.
Der tragische Verlust der Columbia und deren Besatzung bringt Trauer bei NASA, dem weißen Haus und in der amerikanischen Öffentlichkeit mit sich.
Sowohl die zukünftige bemannte Raumfahrt als auch anderen Missionen der ISS müssen bald angesprochen werden. Harrison Schmitt, Apollo 17 Raumfahrer und ehemaliger Senator von New Mexico erklärte dass es kritisch wird, ein Shuttle wieder ins All zu schicken. "Man kann nicht unbegrenzt unten stehen. Es besteht Verpflichtung zur Anstrengung für die ISS und die stationierten Raumfahrer.", sagte er gegenüber Space.com.
"Man muss genug Vertrauen in den Rest der Flotte haben um weiterzumachen - sonst hat man keine Flotte", so Schmitt.
Die hohe Maximallast sei laut Schmitt neben der regelmäßigen Neustart Möglichkeit der Schlüssel zum Erfolg des ISS-Projektes.
Der Verlust der Columbia beschränkt die NASA nun auf 3 Shuttles und hat wahrscheinlich Auswirkungen auf den Fortschritt der Raumfahrzeuge. "Ich denke dass diese Tragödie eine Triebkraft für neue Raumschiffe ist - nicht nur auf Rettungschiffe beschränkt, sondern auch für startfähige Fluggeräte.
Ende letztes Jahres rief das weiße Haus die NASA auf, sich mehr auf kleine und besser manövrierbare Luftfahrzeuge zu spezialisieren. Dabei wurden Pläne zur Erneuerung der Space Shuttles zu einer neuen Generation riesige Dollarbeträge unterzeichnet.
"Dadurch und der Tatsache, dass NASA nur noch 3 Shuttles besitzt", ergänzte Schmitt "gibt es eine neue Triebkraft zum Bau modernerer Shuttles".
Nach dem Unglück der Challenger im Jahre 1986 wurde die Shuttleflotte über 2 Jahre still gelegt.
"Ich denke jeder sollte verstehen dass nun eine Generaluntersuchung wegen des Unglückes keinen Wert hat. Sie werden keine Verzögerung wie bei Callenger machen. Sie schoben es eine Woche auf, und das ganze wurde politisch. Die NASA will eine objektive Untersuchung, sowohl technisch als auch in der Planung. Allerdings keine Komissionen, und ich hoffe das bringen sie durch" sagte Schmitt, einer der 12 Menschen, die auf dem Mond liefen. Er erklärte, dass die Öffentlichkeit bei Tatsachen bleiben solle.
Weitere Informationen zum Columbia-Unglück finden Sie auf unserer Sonderseite.
Einen Bericht über den geplanten Nachfolger des Shuttles können Sie hier lesen.
(dp - Quelle: Space.com)


» ISS-Besatzung ist bis Juni versorgt
02. Februar 2003 - Die Crew der Internationalen Raumstation (ISS) kann bis Juni an Bord bleiben - vorher muss eine Entscheidung über weitere Shuttleflüge getroffen werden.
Während sich die Welt voll und ganz auf den tragischen Verlust des Space Shuttles Columbia und seiner sieben Besatzungsmitglieder konzentriert, schauen drei andere Raumfahrer im All zur Erde und warten darauf zu erfahren, wie lange sie im All aushalten müssen.
Zwei amerikanische Astronauten und ein russischer Kosmonaut sind seit November 2002 an Bord der ISS. Dort sind sie sicher versorgt, allerdings ist seit dem vergangenen tragischen Samstag unklar, wie lange sie dort aushalten müssen. Bis zum frühen Sommer werden sie wohl im Erdorbit bleiben müssen.
Die schrecklich Shuttlemission vom 1. Februar hat keine direkten Auswirkungen auf die Raumstation. Allerdings will die NASA erst den Grund des Desasters herausfinden, bevor eines der drei verbliebenen Schwesterschiffe der Columbia wieder ins All starten darf. Verantwortliche innerhalb und außerhalb der NASA merkten aber bereits an, dass sich das Shuttle-Programm nicht den Luxus erlauben kann, längere Zeit ausgesetzt zu werden. Immerhin durfte nach der Challenger-Explosion 1986 fast zwei Jahre lang kein Space Shuttle starten.
Ron Dittmore, Shuttle-Programmmanager bei der NASA, sagte während einer Pressekonferenz am Samstag, dass der geplante Start eines unbemannten russischen Versorgungsraumschiffs vom Typ Progress in jedem Fall durchgeführt wird.
Dittmore sagte außerdem, dass er sich mit ISS-Verantwortlichen über den Inhalt des Progress-Vehikels unterhalten habe.
"Die Ladung von Progress ist selbst ausreichend, wenn wir längere Zeit nicht starten werden", sagte Dittmore. Sie haben genug Verbrauchsgüter und Vorräte, dass sie bis Juni aushalten können, ohne dass ein Shuttle eintrifft. So haben wir einige Zeit, an dieser Sache zu arbeiten."
Die Crew der ISS besteht aus den NASA-Astronauten Ken Bowersox und Don Pettit sowie dem russischen Sojus-Kommandanten Nikolai Budarin. Falls es nötig ist, kann die Besatzung an Bord der Sojus-Rettungskapsel zur Erde zurückkehren, die ständig an die Station angedockt ist. Im Moment gibt die NASA lediglich die Auskunft, dass die Crew wohl so lange warten muss, bis Entscheidungen über die nächsten Schritte in der amerikanischen bemannten Raumfahrt getroffen wurden.
Dittmore sagte, dass man erst wenn der Hauptgrund für das Columbia-Problem gefunden worden ist eine Entscheidung über andere Flüge treffen kann. Denn erst dann lässt sich sagen, ob die Starts ohne Weiteres fortgesetzt werden können oder ob Modifikationen an der Shuttle-Flotte vonnöten sind. Er sagte, es sei zu früh um zu vermuten, wie lange der Aufklärungsprozess dauern wird.
Weitere Informationen zum Columbia-Unglück finden Sie auf unserer Sonderseite.
Daten und Artikel zur Internationalen Raumstation finden Sie hier.
(ku - Quelle: Space.com)


» NASA-Administrator ruft zur Aufklärung des Unglücks auf
01. Februar 2003 - Der Administrator der NASA Sean O'Keefe lobt in einer Pressemitteilung die Arbeit der verunglückten Astronauten und ruft zur Aufklärung auf.
"Dies wahr ein tragischer Tag für die NASA-Familie und für die Familien der Astronauten, die auf STS-107 flogen und zudem ein tragischer Tag für die ganze Nation.
Sofort nachdem der Kontakt zu STS-107 gegen 9.00 Uhr (EST) abgebrochen war, begannen wir mit dem Notfallplan, um alle Informationen, die den Flug betreffen, zu sammeln.
Ich habe sofort den US-Präsidenten informiert, nachdem der Zeitpunkt der geplanten Landung verstrichen war.
Die nächsten eineinhalb Stunden verbrachten wir damit, uns durch die Vielzahl von Informationen und Details zu arbeiten, die wir erhalten hatten. Bill Readdy, Associate Administrator am NASA Office of Space Flight ging operationellen und technischen Aufgaben nach.
Wir trafen uns mit den Familienmitgliedern der Astronauten, die sich auf dem Kennedy Space Center aufhielten und die die Columbia zurückerwarteten. Der US-Präsident sprach mit den Familienmitgliedern, um ihnen unser tiefstes Beileid auszusprechen. Wir versicherten ihnen, das Vorgefallene schnellstmöglich zu verstehen und den Grund für diese Tragödie zu finden.
Wir besitzen keine Hinweise dafür, dass das Unglück durch irgendetwas oder irgendjemand am Boden ausgelöst wurde.
Wir setzten ein Untersuchungsteam für die Katastrophe ein, als der Orbiter auch um 9.30 Uhr nicht auf dem Kennedy Space Center gelandet war. Dieses Team koordiniert alle Fakten vom Johnson Space Center, dem Kennedy Space Center und dem Marshall Space Flight Center.
Zusätzlich zu diesen internen Anstrengungen haben wir auch eine externe Gruppe von Leuten, die unabhängig von der NASA arbeiten, damit beauftragt alle Informationen zu überprüfen, die nach dem Abbruch der Kommunikation mit der Columbia gesammelt wurden.
Jedem dieser Vorkehrungen sind Beamte von anderen Bereichen der US-Bundesregierung, der Air Force, der Navy und dem Department of Transportation zugeschaltet. Dieses Untersuchungsteam wird von einer Person geleitet und koordiniert, die einen externen Blickwinkel auf alle Informationen besitzt.
Wir haben außerdem die Menschen dazu angehalten, jeglichem Material, dass sie auf der Erde finden, fernzubleiben und die Behörden zu informieren.
Ich verbrachte diesen Morgen zusammen mit den Angehörigen der Astronauten und ihren Freunden. Er begann als ein schöner und heiterer Morgen, als wir die Landung von STS-107 erwarteten. Wir waren sehr gespannt auf ihre Ankunft, denn wir konnten es nicht erwarten, ihnen für ihre ausgesprochenen Leistungen auf dieser wichtigen Forschungsmission zu gratulieren.
Sie verschrieben ihr Leben dem wissenschaftlichen Fortschritt für uns alle auf der Erde. Sie verschrieben sich selbst diesem Ziel und taten es mit einem heiteren Herzen, aus eigenem Antrieb und mit großen Enthusiasmus.
Der Verlust dieser wertvollen Crew ist etwas, über das wir niemals in der Lage sein werden, völlig hinwegzukommen. Wir haben den Familien versichert, dass wir alles in unser Macht stehende unternehmen werden, einen Weg durch diese entsetzliche Tragödie zu finden.
Wir widmen jeden einzelnen Tag sorgfältigst unseren Aufgaben, damit solche Dinge nicht passieren. Und wenn sie es doch tun, müssen wir verantwortlich handeln - und genau das werden wir tun."

Mehr Informationen zum Columbia Unglück finden Sie auf unserer Sonderseite.
Die NASA hat zudem unter Nasa.gov Daten zur Mission und zu den verunglückten Astronauten online gestellt.
(ku - Quelle: NASA)


» Space Shuttle Columbia verunglückt
01. Februar 2003 - Beim Landeanflug der Columbia brach der Kontakt zum Kontrollzentrum ab. Nach Augenzeugen-Berichten fielen nach einer Explosion Trümmer zur Erde. Die NASA bestätigte das Unglück.
Die eigentlich für 15.16 Uhr (MEZ) geplante Landung des Space Shuttles Columbia endete in einem Desaster: Augenzeugenberichten zufolge ereignete sich an Bord kurz nach 15.00 Uhr (MEZ) eine Explosion. Daraufhin zeigte sich eine dicke Rauchfahne hinter der Raumfähre und Trümmer fielen zur Erde. In dieser Phase des Flugs befand sich die Columbia in etwa 61.000 Metern Höhe und war etwa 20.000 Kilometer pro Stunde schnell.
An Bord befanden sich sieben Astronauten, darunter der erste israelische Raumfahrer Ilan Ramon. Die Besatzung kam bei dem Unglück ums Leben. Wegen der Teilnahme eines Israelis an dem Flug wurde auch eine terroristische Ursache vermutet. Allerdings hat die NASA die Möglichkeit nahezu ausgeschlossen, da für den Flug der Columbia die höchste Sicherheitsstufe galt und in einer Höhe von 60 Kilometern kein Angriff von außen erfolgt sein kann.
Die Katastrophe an Bord des ältesten Space Shuttles der NASA passiert genau 17 Jahre und vier Tage nach der Explosion der Challenger. Allerdings war diese bereits kurz nach dem Start verunglückt. Daraufhin hatte man den Shuttleverkehr für mehrere Jahre eingestellt und die Sicherheitsstandards stark verbessert. Bei der Landung gab es in den über 100 zurückliegenden Flügen bisher kaum ernsthafte Probleme.
Raumfahrer.net informiert Sie weiterhin in den News, sowie in der aktuellen Ausgabe des InSpace Magazins über das Unglück der Columbia. Außerdem können Sie sich auf unserer Sonderseite zur Katastrophe informieren.
(ku - Quelle: NASA, CTV, Washingtonpost)



 
 

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      Aktuelle NASA-Pressekonferenz von Lutz Growalt 

3. NASA Pressekonferenz, 03.02.03, JSC, 22:30 MEZ
Ron Dittemore (Shuttle Program Manager)

Informationen zu den ersten beiden Pressekonferenzen der NASA nach dem Absturz finden Sie hier.

"... es sieht wirklich gut aus. Wir machen Fortschritte, aber es ist eine gewaltige Aufgabe. Sie fordert täglich unsere volle Aufmerksamkeit. Wir arbeiten auf vielen Gebieten immer noch 24 Stunden am Tag, sammeln Informationen, gehen unsere technischen Analysen durch und wir planen für die Zukunft, für die notwendigen Schritte in den kommenden Tagen und Wochen. Die Zuordnung der aufgefundenen Teile ist sehr zweitaufwendig. Es ist schwierig, aber als wir uns heute mit unseren Außenteams zusammensetzten, stellte sich heraus, daß das Aufsammeln und der Transport zu den Sammelstellen langsam Fahrt aufnimmt. Ich gehe davon aus, daß dies in den kommenden Tagen noch steigern wird. Bisher haben wir noch keine Gegenstände bergen können, die von ausnehmender Bedeutung wären. Trotzdem haben wir ein Verfahren in Gang gesetzt, bei dem einzelne Fundstücke markiert und unseren Ingenieuren zur Begutachtung vorgelegt werden. (...)

[Neue Erkenntnisse] Wenden wir uns nun den technischen Details und den Änderungen gegenüber dem Status von gestern zu. Ich werde nur auf die neu hinzugekommenen Informationen eingehen.
- Um 07:52 CT [14:52 MEZ] - ich glaube, ich sagte gestern 07:53, ich gehe also eine Minute zurück - erkannten wir, daß drei Temperaturen in den Bremsleitungen des linken Hauptfahrwerks einen ungewöhnlichen Anstieg zeigten. Dies war das erste Auftreten eines signifikanten, die Erwärmung betreffenden Vorgangs im Schacht des linken Hauptfahrwerks.
- Um 07:53 CT [14:53 MEZ], während wir über Kalifornien hinwegflogen, erkannten wir, daß eine vierte Leitung, am Antrieb der Strebe des Hauptfahrwerkbeins, einen signifikanten Temperaturanstieg verzeichnete. Gestern gab ich dafür einen Anstieg um 20 bis 30 Grad binnen fünf Minuten an. Heute gehen wir eher von einer Größenordnung des Anstiegs von 30 bis 40 Grad aus.
- Um 07:55 CT [14:55 MEZ] wurden aus einer fünften Leitung im Bereich des linken Hauptfahrwerks steigende Temperaturen gemeldet.
- Um 07: 57 CT [14:57], als wir Arizona/New Mexico waren fielen die Temperaturen oberen und unteren Temperaturen in der Außenhaut der linken Tragfläche unter den Meßbereich.
- Um 07:59 [14:59 MEZ], über dem westlichen Texas, als - wie ich gestern ausführlich erklärte - das automatische Flugkontrollsystem gegen den aufgetretenen, zusätzlichen Luftwiderstand gegensteuerte, wurden nach unseren derzeitigen Erkenntnissen zusätzlich zu den Luftrudern auch die Lagekontrolldüsen für die Gierachse [Richtung links/rechts] aktiviert. Zwei der insgesamt vier Triebwerke wurden gezündet, die Düsen arbeiteten für eineinhalb Sekunden. Dieser zusätzliche Impuls unterstützte die Steuerruder bei der Korrektur des - wie wir annehmen - aufgebauten Luftwiderstands. Obwohl das automatische Kontrollsystem, wie ich gestern sagte, durchaus in der Lage ist, Abweichungen in der vorliegenden Form zu korrigieren, haben wir uns der Untersuchung der Reaktion der Automatik zugewendet. Dabei interessiert uns allerdings nicht so sehr der absolute Betrag des Gegensteuerns, sondern die Änderungsrate. Die Steuerruder taten was sie sollten, um den Luftwiderstand auf der linken Seite auszugleichen, die rechten Gierdüsen mußten zugeschaltet werden, um die aerodynamischen Steuerflächen zu unterstützen und es hat den Anschein, als hätten wir Boden verloren, was die Wenderate anbelangt.
Kurz nach diesem Punkt verloren wir die Verbindungen zum Orbiter und seiner Besatzung.

[32 Sekunden zusätzliche Daten, neuer Stand]
Wir suchen immer noch nach weiteren Informationen. Ich sprach gestern die zusätzlichen 32 Sekunden an. Die Rekonstruktion der Daten hat sich als nicht so einfach herausgestellt, wie wir zunächst dachten und so wird es uns einen weiteren Tag kosten, an diese Information heranzukommen und festzustellen, ob diese Daten für uns von Nutzen sind. Wir werden zu diesem Zweck nach White Sands fahren. Dort ist die Station, in der die Daten des Orbiters empfangen wurden. Wir werden direkt mit den Anlagen in White Sands arbeiten und sehen, ob wir die Daten herauslösen können. Diese Bemühungen laufen also weiter.

[Bedeutung der Temperaturzunahme]
Sie haben sich für die Temperaturen im Fahrwerksschacht interessiert. Ich möchte hier vor Schlußfolgerungen warnen. Eine Erwärmung um 30 bis 40 Grad innerhalb von fünf Minuten innerhalb des Fahrwerkschachts ist kein Hinweis darauf, daß in der Struktur etwas vor sich geht. Die Außentemperatur liegt bei 2.000 Grad. Eine Erwärmung um 30 bis 40 Grad im Schacht ist daher nicht unbedingt ein Hinweis auf einen thermalen "Ausreißer".
Das weißt auf etwas anderes hin. Sie erinnern sich sicher, daß gestern von einer Erwärmung der Außenseite, oberhalb der linken Tragfläche die Rede war. Ich nannte ihnen eine Erwärmung von 60 Grad in fünf Minuten. Aber ein Delta ... eine Veränderung um 60 Grad bedeutet, nochmal, kein strukturelles Problem. Obwohl das mit Sicherheit für uns von Interesse ist, suchen wir doch in der Hauptsache nach dem Grund für diese Erwärmung. Angesichts einer Temperatur von 2.000 Grad an der Vorderkante der Tragfläche wollen uns die 60 Grad Zunahme an der Hinterkante mit Sicherheit etwas sagen - wir versuchen herauszufinden, was. Hatten wir irgendeine Art Beschädigung im Flügel, so würden die Sektionen um Fahrwerk und linken Außenrumpf nur einen allgemeinen Anstieg der Temperaturen widerspiegeln, wären aber nicht der Ort einer Beschädigung. Das versuchen wir herauszubekommen. (...)

Nochmals zur Erinnerung: wird befinden uns in der Frühphase der Untersuchung, wir arbeiten uns noch durch die Daten und dies ist der fließende Aspekt dieses Geschäfts. Seien Sie also vorsichtig mit Schlußfolgerungen, wir versuchen selbst auch, vorsichtig zu sein.

[Analyse der Kacheln des Hitzeschilds]
Ich weiß, daß es dazu viele offene Fragen gibt, daher werde ich Ihnen die Zusammenhänge mit einigem Detail darstellen. Zunächst möchte ich einige Informationen über den zeitlichen Ablauf der Prozesse nachreichen, die zu unserer Schlußfolgerung führten, daß dies kein Problem darstellen wird. Der Start war am 16. Januar, die erste Sichtung des Startfilms erfolgte am folgenden Tag, dem 17. Januar. Die erste Besprechung der Ingenieure fand am 20. Januar statt, wir berichteten am 21. an die zuständige Gruppe zur Einschätzung der Gefährlichkeit von Trümmerstücken ["Debris Assesment Team"; DIT].

[Untersuchung nach dem Start]
Das heißt also, daß die Ingenieure sich an die Arbeit machten, untersuchten, was für eine Art Trümmer vorlag und sie verbrachten einen Tag mit der Untersuchung und verschafften sich die Informationen, die sie für ihre Analysen brauchten. Am 21. trugen sie ihre Analysen dann zum DIT. Am 22. Januar erfolgte eine weitere Analyse, am 23. und 24. Januar eine Abschlußrevision, am 24. Januar auch der Bericht an das Missions-Management und nochmals am 27. Januar. Anläßlich der beiden Berichte an das Missions-Management lautete in beiden Fällen die Schlußfolgerung: das Stück, das den Orbiter traf, bedeutet keine Gefahr für die Sicherheit der Crew oder den Orbiter.

[Beschreibung des Trümmerstücks]
Nun möchte ich ein wenig über den Inhalt unserer Analysen sprechen, da es eine Menge Diskussionen um diese Sache gab. Die Größe des Trümmerstücks, in dem es bei unseren Analysen ging, beträgt 20 Zoll mal 16 Zoll mal 6 Zoll [101,6 x 40,64 x 15,24 cm], das Gewicht 2,67 Pfund [1,21 kg]. Wir haben die Größe des Stücks auf zwei verschiedene Arten bestimmt. Erstens haben wir uns den Film angesehen und wir schätzten nach unseren besten Möglichkeiten die Größe ab. Zweitens bedienten wir uns der Informationen von [Shuttleflug] ST-112. Auf diesem Flug wurde aus der gleichen Sektion des [externen] Tanks ein Stück abgerissen. Bei ST-112 hatten wir einen Film, den Die Crew von dem Tank nach Brennschluß und Abtrennen des Tanks machte. Der Tank trieb langsam vom Orbiter ab und die Crew machte Aufnahmen davon. Wir konnten eindeutig feststellen, an welcher Stelle das Stück sich gelöst hatte. Anhand dieser Fotografien konnten wir die Größe des herausgerissenen Stücks bestimmen. Wir kennen die Größe und die Stelle, und daher können wir genau sagen, woher das Stück stammte. Auf dieser Grundlage konnten wir [unabhängig vom Startfilm] die Größe und das Gewicht des Stücks bestimmen. Als wir die Analysen machten, untersuchten wir verschiedene Aufprallwinkel. Das Stück schlägt nicht im rechten Winkel auf die Unterseite der Tragfläche. [zeigt mit den Händen, nimmt ein Shuttle-Modell zu Hilfe] Das Stück kommt vom Tank, von vorn, wird im flachen Winkel auf die Unterseite des Orbiters gelenkt, es trifft die Fläche und fliegt weg. Es trifft nicht rechtwinklig auf die Fläche. Wenn es also auf den Flügel trifft, muß man berechnen, wieviel Energie es hat, was wiederum von Masse und Größe abhängt. Das ist sehr wichtig.

[Mögliche Beschädigungen]
Wir untersuchten Aufprallwinkel von 10 Grad, 13 und 16 Grad, um unsere Analysen einzugrenzen. Wir arbeiteten mit verschiedenen Gewichtswerten. Wir verwendeten ein Computerprogramm, ein Hilfsmittel, das wir schon sehr oft eingesetzt haben, um die Beschädigung irgendeiner Kachel des Hitzeschilds durch dieses Stück vorherzusagen. Aus unseren früheren Arbeiten mit dem Programm und Experimenten wissen wir, daß es dazu neigt, früh Beschädigungen vorherzusagen. (...) Dazu kommt, ohne daß ich mich Details verliere, daß das Rechenmodell selbst konservativ arbeitet. Als wir die Analyse erstellten - und dabei vom schlimmsten Fall ausgingen - ergaben sich zwei, naja es waren mehr, zwei grundlegende, schlimmste Fälle: der Verlust einer ganzen Kachel im Bereich der Klappen des Hauptfahrwerks und der teilweise Verlust von Kacheln, also Teilen einzelner Kacheln, in einem größeren Umkreis. Der größere Umkreis maß etwa 32 x 7 x 2 Zoll [81,3 x 17,8 x 5 cm].

Unser Modell sagte also vorher, daß wir Beschädigungen auf der Unterseite des Flügels in der Nähe der Fahrwerksklappen des linken Hauptfahrwerks haben könnten, dazu in anderen Regionen vom Fahrwerk nach außen bis zur Flügelspitze. Die in Frage kommenden anderen Regionen hängen von den für Masse, Größe und Aufprallwinkel gewählten Werten ab, variieren also. Für beide Fälle, also den Verlust einer ganzen Kachel und den anderen Fall, sagte die Analyse vorher, daß zwar struktureller Schaden entstehen würde - damit meine ich eine lokale Erwärmung der unter den Kacheln liegenden Struktur -, aber kein Schaden, der ausreichend wäre ein katastrophales Ereignis auszulösen und auch kein Einfluß auf die fliegerische Qualität des Orbiters. (...)


In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß Medienberichte*, datiert auf den 04.02.2003, 00:15 MEZ, aus einem internen NASA-Memo zitieren, das sich genau auf die von Dittemore geschilderten Analysen des Stücks Schaumstoff beziehen.
Das Memo gibt die gleichen Sachverhalte und Szenarios für mögliche Beschädigungen wieder, die Dittemore auf der Pressekonferenz vorstellte - Verlust einer kompletten Kachel oder teilweise Beschädigung einiger Kacheln in einem begrenzten Abschnitt der Tragfläche.
Beides, so steht auch im Memo zu lesen, führen weder zu einem "Durchbrennen" noch zu einer Gefährdung der Flugsicherheit. Die Überschrift zu dem Artikel lautet: NASA-Memo warnt vor "Potential für große Schäden".
 

 
 

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      Rede des US-Präsidenten zur Columbia von Lutz Growalt 

Dies ist die Übersetzung der ersten Rede von US-Präsident George W. Bush nach dem tragischen Absturz der Columbia.

Quelle: BBC World
Bibelzitat: bibel-online.net; Luther-Bibel
Übersetzung: Lutz Growalt
My Fellow Americans,

der heutige Tag hat schreckliche Nachrichten und große Traurigkeit über unser Land gebracht. Heute morgen um 09:00 Uhr hat Mission Control den Kontakt mit dem Space Shuttle Columbia verloren. Kurze Zeit später wurden Trümmer gesehen, die vom Himmel über Texas fielen. Die Columbia ist verloren. Es gibt keine Überlebenden. An Bord befand sich eine siebenköpfige Besatzung: Oberst Rick Husband, Oberstleutnant Michael Anderson, Commander Laurel Clark, Hauptmann David Brown, Commander William McCool, Dr. Kalpana Chawla und Ilan Ramon - ein Oberst in der israelischen Luftwaffe.

Diese Männer und Frauen, alle gingen bei ihrem Dienst an der gesamten Menschheit ein hohes Risiko ein. In einer Zeit, in der Raumfahrt nur allzu sehr als Routine angesehen wird, ist es leicht, die Gefahren zu übersehen, die mit Flügen auf Raketen verbunden sind - und die Schwierigkeiten, durch die feindliche äußere Atmosphäre zu fliegen. Diese Astronauten kannten die Gefahren und sie stellten sich ihnen nach ihrem eigenen Willen.

Indem wir anerkennen, daß sie einen hohen und noblen Lebenszweck ausgewählt haben - und wegen ihres Muts, ihrer Liebenswürdigkeit und ihres Idealismus, werden wir sie umso mehr vermissen.

Alle Amerikaner denken heute ebenso an die Familien der Männer und Frauen. Sie empfinden [unsicher] Schock und Trauer, ... , sie sind nicht allein. Eine ganze Nation trauert mit Ihnen. Und Ihnen allen werden für immer Respekt und Dankbarkeit dieses Landes zuteil.

Die Sache, für die sie starben, wird fortgesetzt. Die Menschheit wird durch den Geist der Entdecker und die Suche nach Erkenntnis in die Dunkelheit jenseits unserer Welt geleitet. Unsere Reise in den Weltraum wird weitergehen.

Am Himmel sahen wir heute Zerstörung und Tragödie. Dennoch, jenseits unseres Blickfelds liegen Trost und Hoffnung. In den Worten des Propheten Jesaja: "Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und er ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt." [Jesaja, Kap. 40, Vers 26]

Der gleiche Schöpfer, der die Sterne benennt, er kennt auch die Namen der sieben Seelen, die wir heute betrauern.

Die Besatzung von Shuttle Columbia kehrte nicht sicher zur Erde zurück. Dennoch können wir dafür beten, daß sie sicher heimgekehrt sind.

Möge Gott die trauernden Familien segnen und möge Gott Amerika seinen Segen auch weiterhin geben.
 

 
 

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      Die Besatzung der Columbia von Michael Stein 

Das Unglück der Raumfähre Columbia hat nicht nur eine enorme symbolische Wirkung, es ist natürlich einfach auch eine menschliche Tragödie für die sieben Besatzungsmitglieder und ihre Angehörigen und Freunde: Bis zum Zeitpunkt des Auseinanderbrechens von Columbia eine Viertelstunde vor der Landung war die Shuttle-Mission STS-107 von gravierenden Problemen verschont geblieben, umso größer war das Entsetzen, als die Familien der Opfer live am Bildschirm den Tod der Astronauten und Wissenschaftler miterleben mussten.  

Wer waren die Menschen, die an Bord der Raumfähre ihr Leben verloren? Die zwei Frauen und fünf Männer waren eine bunt gemischte Mannschaft, unter ihnen der erste israelische Astronaut und die erste indischstämmige Astronautin. Für vier Besatzungsmitglieder war dies der erste Flug ins All, während die übrige Crew bereits an je einer Shuttle-Mission teilgenommen hatte.  

Die Columbia-Besatzung setzte sich wie folgt zusammen:  

Kommandant Rick Husband, 45 Jahre, verheiratet, zwei Kinder.Der in Texas geborene studierte Maschinenbauingenieur und ehemalige Testpilot der US-Airforce hatte bereits einen Raumflug im Jahr 1996 als Pilot der Raumfähre Discovery bei der Mission STS-96 absolviert, die einige Monate vor Ankunft der ersten permanenten ISS-Besatzung Versorgungsgüter zur Internationalen Raumstation brachte.

Pilot William McCool, 41 Jahre, verheiratet, drei Kinder.Für den im kalifornischen San Diego geborenen Marineflieger und Testpilot war die Columbia-Mission STS-107 sein erster Flug ins Weltall, nachdem er ab Mitte 1996 beim Ausbildungsprogramm der NASA teilgenommen hatte.

Missionsspezialistin Kalpana Chawla, 41 Jahre.Die in Indien geborene und aufgewachsene Luftfahrtingenieurin emigrierte Anfang der 1980er Jahre in die USA, wo sie zwei akademische Abschlüsse erwarb und nach dem Ende ihrer universitären Ausbildung im Jahr 1988 zur NASA wechselte. Nach einer zwischenzeitlichen Beschäftigung bei einem Technologieunternehmen kehrte sie 1994 zur amerikanischen Raumfahrtbehörde zurück und wurde in das Astronautenausbildungsprogramm aufgenommen. Ihren ersten Weltraumflug absolvierte sie Ende 1997 als Missionsspezialistin bei der Shuttle-Mission STS-87.

Missionsspezialistin Laurel Clark, 41 Jahre, verheiratet, ein Kind.Die im amerikanischen Bundesstaat Iowa geborene ausgebildete Sanitätsoffizierin und Flugmedizinerin wechselte nach mehrjähriger Tätigkeit bei der US-Marine im Sommer 1996 zur NASA. Nach mehrjähriger Astronautenausbildung und Beschäftigung bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde war der Flug an Bord der Raumfähre Columbia für sie die erste Mission ins Weltall.

Missionsspezialist David Brown, 46 Jahre.Der ausgebildete Biologe und Mediziner wurde im amerikanischen Bundesstaat Virginia geboren und arbeitete mehrere Jahre als Fliegerarzt bei der US-Marine, bevor er dort erfolgreich eine Flugausbildung absolvierte. Er wechselte ebenfalls im Sommer 1996 zur NASA, und auch für ihn war die Unglücksmission der Columbia der erste Flug ins Weltall.

Missionsspezialist Michael Anderson, 43 Jahre, verheiratet.Der ausgebildete Physiker und Pilot der US-Airforce wechselte im März 1996 zur NASA, wo er schon nach relativ kurzer Zeit im Januar 1998 an einem Shuttle-Flug zur russischen Raumstation MIR teilnahm. Der Flug an Bord der Raumfähre Columbia war seine zweite NASA-Mission.

Missionsspezialist Ilan Ramon, 48 Jahre, verheiratet, vier Kinder.Der Kampfpilot der israelischen Luftwaffe war der erste Astronaut seines Heimatlandes. Von Juli 1998 an trainierte er bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde auf seinen Flug an Bord eines Space Shuttles hin. Sein Einsatz bei dieser Mission wurde in Israel mit außerordentlich hohem Interesse und großer Begeisterung verfolgt.
 

 
 

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      Hätte die Besatzung der Columbia gerettet werden können? von Dominik Mayer 

Hollywood wäre mit diesem Problem natürlich spielend fertig geworden. Im Film ist es möglich einen Kometen zu sprengen oder Menschen vom Mars zu evakuieren. Eine Rettungsmission für ein verunglücktes Shuttle wäre eine Lapalie. Doch wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Die Filmemacher sind der Realität mal wieder um einiges voraus. Nach NASA-Angaben wäre es unmöglich gewesen etwas für die Crew der Columbia zu unternehmen. Und hier stellt sich die entscheidende Frage: War das Schicksal der Astronauten von Anfang an bekannt und wurde es vielleicht sogar in Kauf genommen?

Die NASA wusste bereits zwei Tage nach dem Start, dass ein Stück Isolationsmaterial vom Tank den linken Flügel beschädigt hatte. Die dort vorhandenen, hitzebeständigen Kacheln sollen die Raumfähre beim Eintritt in die Erdatmosphäre vor den extremen Temperaturen schützen und ein Entzünden verhindern.

Experten verbrachten Tage damit die Videoaufzeichnung Bild für Bild zu analysieren. Schnell wurde bemerkt, dass sich 80 Sekunden nach dem Abheben etwas von der Columbia löste. Wie der verantwortliche Flugdirektor, Leroy Cain, Reportern gegenüber versicherte bestünde keinerlei Anlass zur Beunruhigung. Doch bereits einige Stunden nach dem Absturz erklärte der Manager des Shuttleprogramms, Ron Dittemore, dass sich die NASA womöglich geirrt habe und diese Beschädigungen zum Bruch des Shuttles beigetragen, oder ihn sogar verursacht hätten. "Es ist eine der Stellen, die wir zuerst untersuchen werden, schnell, um sicherzustellen, dass sich das Untersuchungsteam auf die Theorien oder Fakten konzentriert, die wir zu entdecken beginnen", erklärte NASA-Direktor Sean O'Keefe am Sonntag. Dittemore selbst bekannte: "Meine Gedanken drehen sich um die Dinge, die wir, die ich versäumt habe zu tun, und die das ermöglicht haben." Und zweifellos muss sich die NASA vorwerfen lassen, auf die drohende Gefahr nicht in angemessener Weise reagiert zu haben:

Da wären zum Beispiel die vielen Teleskope auf der Erde, mit denen es möglich gewesen wäre den Flügel genauer zu untersuchen ...
... oder die amerikanischen Spionagesatelliten, mit deren Hilfe schon 1998 Bilder der Raumfähre Discovery gemacht wurden. Damals konnten die Bilder jedoch nicht helfen. Dittemore rechtfertigte: "Wir hätten nichts damit machen können."
Auch die Crew der Internationalen Raumstation wurde nicht um Hilfe gebeten. Dabei wäre es ohne Probleme möglich gewesen die Kameras der Station zu verwenden um den Flügel näher zu inspizieren. Während der letzten Wochen passierte das Shuttle die ISS mehrmals in wenigen hundert Kilometern Abstand.

Obwohl zwei der Besatzungsmitglieder, Michael Anderson und David Brown, für einen Weltraumspaziergang trainiert waren kam ein solcher nie in Frage. Führende Weltraumexperten erklärten, ein derartiges Unterfangen wäre reiner Selbstmord gewesen, da die Besatzung nicht speziell darauf vorbereitet wurde. Es hätten nur kleinere Notreparaturen durchgeführt werden können. Schon für dafür ausgebildete Astronauten wäre es extrem gefährlich zur Unterseite des Shuttles zu gelangen, da dort keine Möglichkeit vorhanden ist sich festzuhalten. Ohne Jetpack würde man abtreiben und nie wieder zur Raumfähre gelangen. Die NASA erklärte, dass der Schaden nicht als so gravierend angesehen wurde um ein Leben aufs Spiel zu setzen. Außerdem hätte die Columbia keine Werkzeuge an Bord gehabt mit deren Hilfe eine Reperatur möglich gewesen wäre. Und die unzähligen Kacheln sind Sonderanfertigungen und fast jede davon ein Einzelstück. Anderson hat sich bereits im letzten Sommer theoretisch damit beschäftigt wie es ihm gelingen könnte eine klemmende Falltüre am Bauch des Shuttles zu schließen. Er hätte ein 20 Meter langes Seil an einer schweren Tasche befestigen und lassoartig um einen der Flügel werfen müssen um sich dann langsam zu der verklemmten Türe vorzuarbeiten. Die Chance dass ein derart kompliziertes Manöver innerhalb der acht bis neun Stunden, auf die ein Weltraumspaziergang begrenzt ist, durchführen lässt geht gegen null. Im schlimmsten Falle hätte er nicht genug Sauerstoff um ins Shuttle zurückzukehren. Dittemore erklärte am Sonntag dass die Gefahr bestanden habe, die Situation dadurch noch zu verschlimmern. "Allein ihre Versuche sich unter dem Shuttle zu positionieren, hätten mehr Beschädigungen hervorrufen können als das, was wir reparieren wollten." Zu Beginn des Shuttleprogramms entwickelte die NASA in einer Art Flickzeug eine Abdichtpaste, die aber die Performance der Teile beeinträchtigte und nie zum Einsatz kam. Auch sie hätte hier nichts geholfen.

Was hätte man dann machen können? Der frühere Flugdirektor James Oberg wird seit Sonntag mit Vorschlägen überhäuft. Per E-Mail erhält er Ideen die zum Teil stark an den Kassenhit "Armageddon" erinnern. "Sie können unmöglich sein, aber nur ein wenig. Es ist immer eine Frage von Wundern." Einige davon waren jedoch unmöglich, gefährlich und womöglich nutzlos. Doch es hätte vielleicht eine Rettungsmöglichkeit gegeben:

Normalerweise dauert es vier Monate um ein Shuttle auf einen Start vorzubereiten, doch nach Aussagen der zuständigen Direktoren wäre es im Krisenfall möglich gewesen einen Start in weniger als einer Woche vorzubereiten; unter der Voraussetzung dass man alle Tests vernachlässigt - und damit einen weiteren Unfall riskiert - und das Shuttle bereits auf der Startplattform steht. Die Columbia hatte noch genügend Vorräte und Treibstoff an Bord um bis Donnerstag im All zu bleiben und unter günstigen Bedingungen sogar noch etwas länger. Rein theoretisch wäre es möglich gewesen die Atlantis in dieser Zeit zur Rettung auszusenden. In einer Reihe von Weltraumspaziergängen hätten die Astronauten an Bord gehen können. Wäre die Atlantis nur mit einer Minimalbesatzung von zwei Leuten gestartet hätte sie die sieben Personen von der Columbia aufnehmen können.

Nahezu unmöglich wäre es dagegen gewesen an Bord der Internationalen Raumstation zu gehen. Der Treibstoff hätte dafür nicht ausgereicht. Selbst wenn es der Raumfähre gelungen wäre in deren Nähe zu kommen hätte sie nicht andocken können, da sie auf einer Forschungsmission war und infolgedessen nicht mit einem Andockring ausgestattet war. Die Astronauten hätten in Raumanzügen übersteigen müssen.

Theoretisch hätte die NASA das Shuttle auch in einem flacheren Winkel in die Atmosphäre eintreten lassen können, in der Hoffnung die Temperaturen niedriger zu halten. Allerdings wäre auch das lebensgefährlich gewesen, da es zu schnell geworden wäre um sicher landen zu können.

Wenn es bestätigt worden wäre, dass die Crew einen Wiedereintritt nicht überleben würde und eine andere Raumfähre nicht rechtzeitig hätte starten können, dann wäre die Columbia monatelang im Orbit geblieben, bis sie langsam in einem Feuerball in der Atmosphäre verglüht wäre. "Sie wäre bei Sonnenauf- und -untergang zu sehen gewesen. Das wäre sehr gruselig", meint Oberg. "Aber andererseits wäre es ein Denkmal. Es wäre eine Viking-Beerdigung."
 

 
 

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      Nach der Columbia - macht bemannte Raumfahrt Sinn? von Lutz Growalt 

Eine Meinung zur Zukunft der bemannten Raumfahrt von Lutz Growalt. Die Trümmer auf den Wiesen von Texas rauchen noch - und schon treten die Fundamentalisten auf den Plan. Die, die es schon immer besser wußten, die die rhetorische Herumfragerei mit Argumenten verwechseln.

Die Auseinandersetzung um Sinn und Unsinn bemannter Raumfahrt und ob das Feld nicht besser den Robotern zu überlassen ist, ist nicht so neu und originell wie sie scheint. Tatsächlich reicht sie bis in die Gründerjahre der NASA zurück - auch wenn damals die Skeptiker weitaus kompetenter waren.

Schon damals gab es Stimmen, die sich gegen das Verfolgen von ?Buck Rogers?-Phantasien aussprachen - am Ende stand ein Mensch auf der Mondoberfläche, stellvertretend für die Menschheit.
In gewissem Sinne ist bemannte Raumfahrt das gleiche wie Geld - beides funktioniert nur, wenn viele dran glauben. Es müssen Menschen ins All um zu sehen, zu erleben und darüber zu berichten, wie es sich anfühlt, da draußen. Welchen wunderbaren Anblick die Erde vom All aus bietet. Sie müssen es mit dem Herzen erleben - all das können Maschinen nicht.

Hand auf?s Herz - wer hat sich noch nicht gewünscht, selbst dort oben sein zu können, das alles mit eigenen Augen zu sehen? Für uns heute scheint das (zu Recht) in unerreichbarer Ferne. Doch was ist mit der nächsten, der übernächsten Generation? Wie sollten wir ihnen erklären, daß wir diese Technologie nicht weiterverfolgt haben, weil uns irgendwie mau war oder wir uns nicht mehr so recht dafür interessierten?
Es ist so oft von der Wirtschaftlichkeit der bemannten Raumfahrt die Rede. Einem wirtschaftlich denkenden Menschen erscheint es absurd, in ein Unternehmen hunderte von Milliarden Dollar und die Karrieren der hellsten Köpfe des Planeten zu investieren, um dann das Unternehmen einzustellen, weil man keine Lust mehr hat. Oder weil nebenan ein schöneres Grundstück zu haben wäre.
Das ?Argument? des Risikos und der unbeherrschbaren Technik enttarnt sich selbst: zu jeder Zeit waren es Risiken, waren es ?unbeherrschbare Techniken?, die am Ende alle - stillschweigend natürlich auch die Skeptiker - weiterbrachten. Das gilt für den ersten Urmenschen und das Feuer, das er aus einem brennenden Busch klaute, wie für die Seefahrer, die sich auf das Meer wagten, als die Erde noch eine Scheibe wir und reicht bis zu den Fliegerpionieren, die den Weg für heutige Reisende der Business-Class ebneten. Und gilt eben auch für Juri Gagarin, als er vor 42 Jahren in seine Blechbüchse stieg.

Vielleicht ist es unserem bundesrepublikanischen Vollkasko-Versicherungsdenken einfach zu fremd, doch Astronauten kennen das Risiko tatsächlich, sie kennen die Probleme der Technik, an die sie ihr Leben hängt tatsächlich - und sie fürchten tatsächlich ?the unknown unknown?. Sie tun es trotzdem - und aus gutem Grund.
Die bemannte Raumfahrt und ihre Fortsetzung, die derzeit außer Zweifel steht, erteilt uns eine Lehre, die wir uns - ganz besonders in diesem unserem Lande - am besten ganz schnell hinter die Ohren schreiben: die Lehre von der Langfristigkeit, der Nachaltigkeit und der Dauerhaftigkeit. Bemannte Raumfahrt ist wie eine Eimerkette auf einem sinkenden Schiff - wer das bezweifelt, sollte sich schleunigst über den Zustand unseres Planeten informieren. Es bedarf vieler Hände, die weiterreichen.

Wir haben den Stab von Juri Gagrin, Neil Armstrong und Sigmund Jähn, aber auch von Ed White, Christa McAuliffe und Rick Husband übernommen - und wir dürfen ihn nicht fallen lassen. Wenn alles andere nicht zählt, dann sind wir ihnen zumindest das schuldig.
 

 
 

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"In Space Magazin" spezial
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
04. Februar 2003
Auflage: 925 Exemplare
 
 
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