InSpace Magazin #064 vom 15. Februar 2003

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Raumfahrer.net

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.   

 

"In Space Magazin"

Ausgabe #064
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> HotSpot:
WMAPs Blick zurück

> Special:
Die deutsche Raumfahrt am Scheideweg

> Space Focus:
Quasare liegen in weiter Ferne

> ISS Weekly Report:
Zukunft der Stammbesatzung weiterhin ungewiss

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Karl Urban

Verehrte Leserinnen und Leser,
 
die europäische Raumfahrt sieht sich dieser Tage einer der größten Chancen ihrer Geschichte gegenüber: Die Europäische Union könnte bald in die Raumfahrt einsteigen und so die Möglichkeiten für Europa in der Raumfahrt enorm steigern. Dies könnte auch für deutsche Raumfahrtbetriebe wie Astrium, der erst kürzlich 1200 Stellen streichen musste, den benötigten Aufwind liefern. Doch weit gefehlt: Der Bundestag möchte mehr als 25 Prozent des deutschen Raumfahrtbudgets streichen und gefährdet damit maßgeblich die Zukunft von Raumfahrt in Deutschland. Deutsche Raumfahrtvereine protestieren dagegen und riefen eine Unterschriftenaktion im Internet ins leben, die auch Sie unter Pro-Raumfahrt.de unterzeichen können. Mit dem gleichen Thema beschäftigt sich auch unser heutiges Special.

Natürlich finden Sie weitere interessante Artikel, wie zum Beispiel zur NASA-Sonde MAP, mit deren Hilfe man das Alter des Universums nun ziemlich genau auf 13,7 Milliarden Jahre bestimmen konnte.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

            Karl Urban
            Chefredakteur Raumfahrer.net

 
 

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Umfrage: Glauben Sie, dass Europa in den nächsten 20 Jahren eigene bemannte Raumflüge durchführen kann?

Ja
Nein
 
      Updates / Umfrage

» columbia.raumfahrer.net
Auf unserer Sonderseite zum Columbia Unglück informieren wir Sie über die Einzelheiten und Hintergründe zum Absturz des Space Shuttles.

» mitarbeit.raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.
 

 
 

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      News

Allerletzter Ariane 4-Flug erfolgreich <mehr>
War Plasma schuld am Columbia-Unglück? <mehr>
Das Auge sieht ihn kaum, SOHO schon - der Komet NEAT <mehr>
Ariane-4-Start wegen schlechtem Wetter verschoben <mehr>
ESA und Russische Föderation arbeiten näher zusammen <mehr>
Bilder aus dem Säuglingsbett des Universums <mehr>
Noch Chancen für das deutsche Raumfahrtbudget <mehr>
Gasschlieren durchziehen planetarische Nebel <mehr>
Drastische Kürzung des Raumfahrtbudgets <mehr>
Vulkanforschung wird verfeinert <mehr>



» Allerletzter Ariane 4-Flug erfolgreich
15. Februar 2003 - Die 15-jährige Geschichte der zuverlässigsten europäische Trägerrakete endete heute früh mit dem 113. erfolgreichen Start.
Die Rakete vom Typ Ariane 44L transportierte auf ihrem Flug einen Kommunikations-Satelliten in einen Orbit - er war bereits der 182., der durch eine Ariane 4 ins All gelangte.
Heute morgen startete noch einmal die schubstärkste Version der Rakete: Eine Standardversion der Ariane 4 wird dabei von vier Flüssigtreibstoff-Boostern verstärkt, um den Schub beim Abheben und den ersten Flugsekunden zu erhöhen. Für Flug Nummer 159 war heute jeder Booster mit einem grünen Kleeblatt bedruckt worden, das den Schriftzug "good luck for the last flight" ("viel Glück für den letzten Flug") trug.
An Bord des historischen Flugs befand sich ein Intelsat 907-Satellit. Während ihrer Arbeitszeit transportierte die Ariane 4 insgesamt 23 in den Orbit - ein Beweis für das große Vertrauen des Herstellers in die Trägerrakete.
Nun wurde die Ariane 4 "ehrenvoll in den Ruhestand entlassen" und ihr Platz wird von der neueren Ariane 5 eingenommen. Seit Ende Januar steht definitiv fest, dass der Flugbetrieb vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana weitergehen wird.
Der nächste Start einer Ariane 5-Trägerrakete ist für März / April geplant.

(ku - Quelle: ESA / Arianespace)


» War Plasma schuld am Columbia-Unglück?
14. Februar 2003 - Die unabhängige Untersuchungs-Kommission, unter der Leitung von Harold Gehman, soll herausfinden, was zum Absturz der Columbia führte. Am Donnerstag dieser Woche gab die Kommission den ersten Bericht ab.
Die Untersuchungskommission teilte am Donnerstag in Houston mit, dass die hohen Temperaturen am linken Fahrwerkschacht beim Eintreten in die Erdatmosphäre wahrscheinlich durch Plasma oder durch heißes Gas verursacht wurden. Es ist auch wahrscheinlich, dass die Raumfähre Columbia durch einen Bruch oder einen Riss an der linken Tragfläche verunglückte, wodurch Plasma oder ein heißes Gas in den Fahrwerkschacht eindringen könnte. In Moment werden verschiedene Szenarien durchgespielt, um herauszufinden, wie das Plasma durch einen Bruch in den Fahrwerkschacht eindringen könnte oder auch an anderen Stellen der linken Tragfläche. Fehlende Hitzeschilder führten nicht zum Temperaturanstieg in den letzten Flugminuten der Columbia. Dafür war die Beschädigung der Hitzeschilder nicht groß genug.

Die sterblichen Überreste der Crew wurden nun identifiziert. Die Beisetzungen finden nächster Woche im privaten Kreis statt.

Die Suche in den westlichen Teil der USA nach weiteren Trümmerteilen der Columbia geht weiter.
(la - Quelle: NASA, space.com)


» Das Auge sieht ihn kaum, SOHO schon - der Komet NEAT
13. Februar 2003 - Nur die Erfahrenen unter den Himmelsbeobachtern werden ihn gesehen haben - den Kometen C/2002 V1 (NEAT), der sich jüngst am Abendhimmel bewegte.
Um ihn zu sehen, waren jedoch Hilfsmittel, wie zum Beispiel ein Fernglas, notwendig, das genau in die richtige Richtung positioniert werden mußte. Einfacher wäre es jedoch gewesen, via Internet Bilder der ESA/NASA-Raumsonde SOHO zu beobachten. Diese Sonde nämlich war in der Lage, mehr von diesem Planeten zu zeigen als jeder andere.

Das "Solar and Heliospheric Observatory", kurz SOHO, ist eine Sonde, welche unsere Sonne erforscht. Eines der Geräte an Bord, welches normalerweise die Korona der Sonne in Augenschein nimmt, ist für die Kometenbeobachtung ideal: der "Large Angle and Spectrometric Coronagraph". Denn es deckt die Sonnenscheibe ab und schirmt damit einen Großteil des Lichtes ab, damit wird eine Beobachtung überhaupt erst möglich gemacht.

Die in unserem Sonnensystem beispiellosen Gravitationskräfte der Sonne sind Ursache dafür, dass die Sonne das Zentrum der Kometenbahnen darstellt. Kometen selbst sind Eisbrocken, oft aus dem Rand des Sonnensystems, deren Kreisbahn sich vom Rand des Sonnensystems bis zum Zentrum, also der Sonne, erstreckt. Unterwegs geben sie beispielsweise den Erdbewohnern die Gelegenheit einer Beobachtung.

C/2002 V1 hat möglicherweise aber keine sehr lange Lebensdauer mehr. Laut Bernhard Fleck, Wissenschaftler des SOHO-Projekts, könnte die Gravitationskraft der Sonne ausreichen, um ihn in Stücke zu reißen. "Aber auch, wenn das nicht passiert, der Vorbeiflug sollte spektakulär genug sein", so Fleck.

Kometen sind seit jeher gern beobachtete Himmelskörper. Der Komet C/2002 V1 wurde im Rahmen des "Near Earth Asteroid Tracking"-Programms der NASA entdeckt.
(rk - Quelle: ESA)


» Ariane-4-Start wegen schlechtem Wetter verschoben
13. Februar 2003 - Der letzte Start einer Ariane 4, der gestern vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou aus erfolgen sollte, wurde erneut wegen schlechten Wetterbedingungen abgesagt.
Obwohl das Wetter am Boden tagsüber angenehm war, sollen in höheren Luftschichten starke Winde aufgekommen sein, die einen Start unmöglich machten. Die Startvorbereitungen wurden vor dem Betanken der dritten Stufe abgebrochen. Die Verantwortlichen hofften auf bessere Bedingungen und einen Start heute Morgen, die atmosphärischen Bedingungen jedoch machten die Hoffnungen zunichte.

Die Ariane 4 (Flug 159) und ihre Ladung wurden gesichert und für den nächsten Startversuch vorbereitet, sobald das Wetter es zuläßt.
(rk - Quelle: ESA)


» ESA und Russische Föderation arbeiten näher zusammen
12. Februar 2003 - Neues Kooperations- und Partnerschaftsabkommen zwischen der ESA und der Russischen Föderation unterzeichnet.
Der Außenminister der Russischen Föderation, Igor Sergejewitsch Iwanow, und der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Antonio Rodotà, haben heute in der Pariser Hauptverwaltung der ESA das Abkommen zwischen der ESA und der Regierung der russischen Föderation über Zusammenarbeit und Partnerschaft bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen Zwecken unterzeichnet. Dieses Abkommen schließt sich an eine 1990 zwischen der ESA und der Regierung der UdSSR geschlossene Übereinkunft an und spiegelt den geopolitischen Wandel im vergangenen Jahrzehnt wider, der den Boden für eine verstärkte Zusammenarbeit und eine echte Partnerschaft zwischen der ESA und Rußland geebnet hat. Die russische Regierung hat die russische Luft- und Raumfahrtagentur Rosaviakosmos als die für die Durchführung des Abkommens zuständige Organisation benannt.
Die ESA und Rosaviakosmos arbeiten bereits auf einer Vielzahl von Gebieten wie bemannte Raumfahrt, Schwerelosigkeitsforschung, Erdbeobachtung, Satellitennavigation und Weltraumwissenschaft aktiv zusammen. Das heute unterzeichnete Abkommen wird neue Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit im Bereich der Raumfahrzeugträger mit Schwerpunkt auf zukunftsweisenden Trägertechnologien und dem Einsatz der russischen Sojus-Rakete in Kourou (Französisch-Guayana) sowie auf dem Gebiet der robotischen und bemannten Planetenexploration eröffnen. Bei der feierlichen Unterzeichnung erklärte ESA-Generaldirektor Rodotà:
Diese Zusammenarbeit ist ein konkreter Baustein für eine strategische Partnerschaft zwischen Europa und Rußland. Wir sind bereit, unsere langjährige Zusammenarbeit mit Rußland zum Nutzen beider Seiten fortzusetzen und auszubauen.
(lz - Quelle: ESA)


» Bilder aus dem Säuglingsbett des Universums
12. Februar 2003 - Die Projektwissenschaftler der amerikanischen Forschungsmission Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) haben die erste kosmische Aufnahme der Raumsonde präsentiert, die aufgrund ihrer einzigartigen Auflösung als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Jahre gelten kann.
Das neueste Portrait unseres Universums wurde während eines einjährigen Umlaufs der Raumsonde WMAP um die Sonne aufgenommen. "Wir haben das 'frühkindliche' Universum perfekt fokussiert aufgenommen, und auf Basis dieser Aufnahme können wir nun das Universum mit unerreichter Genauigkeit beschreiben", so der Projektleiter Dr. Charles Bennett vom Goddard Space Flight Center. "Die Daten sind tragfähig, eine reine Goldmine."
 
Eine der größten Überraschungen für die Wissenschaftler war nach Auswertung der WMAP-Daten die Feststellung, dass die erste Sternengeneration schon 200 Millionen Jahre nach dem Urknall das frühe Universum erhellte. Eine weitere wertvolle Aussage liefern die Daten der Raumsonde zum Alter des Weltalls: Mit einer Fehlerquote von nur einem Prozent können die Wissenschaftler daraus ein Alter von 13,7 Milliarden Jahren ableiten.
 
Die nun von WMAP beobachtete, nur wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt "warme" Hintergrundstrahlung ist gewissermaßen ein Nachleuchten des Urknalls, mit dem nach heute vorherrschender Meinung die Existenz unseres Weltalls begann. Rund 380.000 Jahre danach haben sich Muster in die bis dahin gleichförmig verteilte Strahlung "eingebrannt", die sich in Form winziger Temperaturunterschiede zeigen - genau diese Temperaturunterschiede der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung hat die im Juni 2001 gestartete Raumsonde mit unfassbar hoher Genauigkeit vermessen.
 
Ausführlichere Informationen über die von WMAP gewonnenen Erkenntnisse über die Frühgeschichte unseres Universums können Sie in unserem am kommenden Samstag erscheinenden Newsletter InSpace Magazin lesen.
(ms - Quelle: NASA)


» Noch Chancen für das deutsche Raumfahrtbudget
11. Februar 2003 - Nach neuesten Informationen von Raumfahrer.net können die geplanten Kürzungen für die deutsche Raumfahrt wahrscheinlich noch abgewendet werden.
Klaus Berge, Projektdirektor für Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), äußerte sich heute in einem Interview gegenüber Raumfahrer.net unter anderem auch zu den kürzlich bekannt gewordenen Absichten, das deutsche Raumfahrtbudget um 25 Prozent zu kürzen (siehe Newsmeldung vom 09.02.2003).
 
"Das wäre eine Katastrophe für das nationale Raumfahrtprogramm, weil sehr viele Universitäten, Doktoranden, Forscher, Firmen in dieser Republik darauf zählen und darauf angewiesen sind. [...] Ich denke, dass wir in den vergangenen Wochen sehr viel daran gearbeitet haben diejenigen [im Haushaltsausschuss] zu überzeugen, dass [es] nicht sinnvoll ist, weil der Schaden, der angerichtet wird, so groß ist - weil Fadenrisse entstehen, die Sie nie wieder aufholen können."
 
Klaus Berge wies darauf hin, dass es sich bisher nur um Vorschläge eines Haushaltsausschusses des Bundestages handele und nicht um eine offizielle Regierungsmeinung. Bis die Haushaltsdebatte abgeschlossen ist, kann sich in der Debatte um das deutsche Raumfahrtbudget noch einiges ändern.
 
"Ich bin der Hoffnung, dass zumindest der große Teil der Kürzungen [...] zurück genommen wird", fasste DLR-Direktor Berge den aktuellen Stand zusammen.
 
Mehr aus dem Interview mit Klaus Berge können Sie in der nächsten Ausgabe von InSound, dem Webradio von Raumfahrer.net, hören, die Anfang nächster Woche erscheint.
(ms & ku - Quelle: Raumfahrer.net)


» Gasschlieren durchziehen planetarische Nebel
10. Februar 2003 - Eine neue Aufnahme des Hubble-Teleskops zeigt ein farbenreiches Spektakel nahe einem planetarischen Nebel.
Wenn ein alter Stern die letzten Augenblicke seines Daseins durchlebt, bildet er viele Gasschlieren, die scheinbar von ihm weg durch das All treiben. Ein solches Spektakel zeigt auch eine neue Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops aus dem "Hantel-Nebel".
Der planetarische Nebel mit der Form einer Hantel ist etwa 1.200 Lichtjahre von uns entfernt. Seine Form und Farbe verdankt er einem sehr alten Stern, der den letzten Abschnitt seines Daseins durchläuft und dabei leuchtende, farbenprächtige Gasschlieren ins All bläst. Der Nebel ist auch bekannt unter dem Namen M27 nach dem Himmelskatalog des französischen Astronomen Charles Messier, der den "Hantel-Nebel" im Jahr 1764 entdeckte.
Die aktuelle Hubble-Aufnahme des Objekts zeigt sehr viele ausgestoßene Gaswolken und -schlieren in unerreichter Qualität. Die typische Länge eines solchen Gebildes beträgt 17 bis 56 Milliarden Kilometer - das ist teilweise mehr als die Entfernung zwischen Sonne und Pluto. Jede Gasschliere enthält etwa die dreifache Masse der Erde.
Die Gebilde bieten die Verbindung zwischen den heißen (ionisierten) und kühlen (neutralen) Gebieten des "Hantel-Nebels". Dieses Gebiet der Temperaturunterschiede entfernt sich von dem Zentralstern, den der Nebel umgibt.
Dichte Gasschlieren scheinen ein natürlicher Teil der Evolution eines planetarischen Nebels zu sein. Sie bilden sich in den Anfangsphasen und sie ändern ihre Struktur, wenn der Nebel wächst. Ähnliche Wolken wurden in mehreren anderen planetarischen Nebeln gefunden, die in einer Phase der heutigen Bildungstheorie solcher Objekte sind. So wurden sie auch auf Hubble-Fotos des "Ring-Nebels" NGC 6720, des "Eskimo-Nebels" NGC 2392 und des "Retina-Nebels" IC 4406 gefunden. Die Entdeckung der charakteristischen Gasschlieren nahe planetarischer Nebel mit Hubble hilft den Astronomen bei der genaueren Erforschung dieser Objekte.
Das aktuelle Bild wurde mit der Wide Field Planetary Camera 2 im November 2001 von Bob O'Dell von der Vanderbilt Universität und seinen Mitarbeitern aufgenommen. Die verwendeten Filter für das Bild zeigen das chemische Element Sauerstoff in blau, Wasserstoff in grün und Schwefel-Stickstoff-Verbindungen in rot.
(ku - Quelle: STScI)


» Drastische Kürzung des Raumfahrtbudgets
09. Februar 2003 - Die deutsche Bundesregierung will das Raumfahrtbudget um 25% kürzen
Die Bundesregierung plant das deutsche Raumfahrtbudget um 25% zu kürzen, so die Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner (CSU) gegenüber Raumfahrt Concret (Der Bericht erscheint in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift). Die Gesetzesvorlage liegt dem Haushaltsausschuss vor, u. a. ausgearbeitet von dem SPD Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider. Und das obwohl Deutschland z. B. im Vergleich mit Frankreich nur halb soviel für Raumfahrt ausgibt, gemessen am Bruttosozialprodukt.
Das nationale Budget in Höhe von 158,5 Mio. Euro soll um 25% auf ca. 120 Mio. Euro gesenkt werden. Damit wäre nicht einmal die Einhaltung bestehender Verträge und Verpflichtungen möglich. Auch wäre es der Todesstoss für einige mittlere und kleinere Raumfahrtbetriebe, und damit nahezu das Ende der deutschen Raumfahrtindustrie, nachdem Astrium in den französisch-europäischen Konzern EADS eingegliedert wurde. Auch werden die Folgen für die Universitäten unabsehbar sein, leben sie doch auch von Drittmitteln für Projekte, die sie auch vom DLR einwerben.
Ein harter Schlag gegen die Raumfahrt und den Nachwuchs in Deutschland. Und das gerade während die EU in den Weltraum aufbricht, siehe dazu auch die Homepage der EU zum Thema Raumfahrt. Wenn die EU Gelder zur Verfügung stehen (die Kommission denkt an 5 Mrd. Euro pro Jahr), wird es in Deutschland kaum noch Nachwuchs und keine Industrie mehr geben. Die Arbeitsplätze und die Visionen werden dann in den anderen Ländern entstehen.
In Zeiten von Arbeitsplatz- und Nachwuchsmangel ein völlig falsches Signal, ein Signal gegen Forschung, Innovation und Nachwuchs.
(dp - Quelle: Marssociety Deutschland)


» Vulkanforschung wird verfeinert
09. Februar 2003 - Durch verbinden einzelner Messinstrumente will NASA einen großen Fortschritt in der Untersuchung von Vulkanen erzielen

Letzten Oktober, als der Ätna, Europas größter und aktivster Vulkan, ausbrach, spuckte er Asche und Schwefeldioxid in die Luft. Ein viertel von NASAs ferngesteuerten Beobachtungssystemen flog über den Ausbruch um das ätzende Gas zu analysieren.
NASAs Atmosphär- und Vulkanforschung kann nun die Entwicklung und Struktur der Gasfahnen des Ätnas so gründlich wie noch nie untersuchen. Dabei verbinden sie den "Multi-angle Imaging SpectroRadiometer" (Misr), den "Moderate Resolution Imaging SpectroRadiometer (Modis)" und den amerikanisch/japanischen "Advanced Spaceborne Thermal Emission and Reflection Radiometer (Aster)".
"Die Zusammenarbeit dieser Funktionen helfen uns die Auswirkungen eines Vulkanausbruchs zu verstehen und die Folgen für die Umwelt zu veranschaulichen.", so Dr. Vince Realmuto, Mitglied der weltweiten Vulkanolgenorganisation und Vorstand der "Visualization and Scientific Animation Group", Pasadena, Calif. "Durch das Kombinieren von Airs, Aster, Misr und Modis Daten, können wir Vulkanausbrüche und Wolken aus vielen Sichten auf einmal beobachten."
(dp - Quelle: NASA)



 
 

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      HotSpot: WMAPs Blick zurück von Michael Stein 

In dieser Woche haben die Wissenschaftler der amerikanischen Forschungsmission Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) aufsehen erregende Ergebnisse präsentiert, die grundlegende kosmologische Fragestellungen betreffen.
 
Die WMAP-Mission
Im Jahr 1965 wurde die Kosmische Hintergrundstrahlung entdeckt. Dabei handelt es sich um eine überaus gleichmäßig verteilte Mikrowellenstrahlung, die als Nachwirkung des so genannten "Urknalls" messbar ist. Anfang der 1990er Jahre wurden von der Raumsonde COBE jedoch winzige Unregelmäßigkeiten entdeckt, was natürlich die Neugier der Wissenschaftler weckte. Aus diesem Grund wurde am 30. Juni 2001 von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA die Raumsonde WMAP gestartet, die eine neue Karte der Kosmischen Hintergrundstrahlung mit einer Auflösung von 0,3 Bogengrad erstellen sollte. Die Sonde ist in der Lage, Temperaturunterschiede der Kosmischen Hintergrundstrahlung von nur 20 Millionstel Grad Kelvin zu registrieren!
 
Nach dem Start kreiste die Raumsonde zunächst einige Male um die Erde, bevor sie mit einem so genannten "Swing-by-Manöver" die Schwerkraft des Mondes ausnutzte, um ihre Geschwindigkeit zu erhöhen und den Weg zu ihrer Beobachtungsposition anzutreten. Das Ziel der Reise war der in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde gelegene Lagrange-Punkt L2, eine quasi-stabile Position in der Sonne entgegengesetzter Richtung. An dieser Position gleichen sich die Anziehungskräfte von Erde und Sonne aus, und WMAP ist die erste Raumsonde, die um diese Position in einem semi-stabilen Orbit kreist (d.h. es sind regelmäßige Korrekturmanöver erforderlich, um den Orbit um diesen Punkt zu halten). Durch die Positionierung der Raumsonde an diesem sonnenabgewandten Punkt blicken die Messinstrumente von WMAP ständig in die entgegengesetzte Richtung von Sonne, Erde und Mond, was einen kontinuierlichen, ungestörten Blick in den Weltraum garantiert.
 
Am 1. Oktober 2001 erreichte WMAP schließlich die geplante Beobachtungsposition und begann mit der Kartierung der Kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Beobachtungszeit ist auf zwei Jahre veranschlagt, und mittlerweile wurde von der Sonde der gesamte Kosmos vermessen.
 
Die wichtigsten Ergebnisse
Die von WMAP gelieferte und dieser Tage präsentierte Karte des Kosmos ist eine Aufnahme der Mikrowellenstrahlung, die rund 380.000 Jahre nach dem "Urknall" - also der Entstehung unseres Universums - entstanden ist. Dieser Satz beinhaltet schon eine erste Aussage der WMAP-Wissenschaftler, die in ihren Analysen eine weitere Bestätigung der so genannten Urknalltheorie sehen. Das neueste Portrait unseres Universums wurde während eines einjährigen Umlaufs der Raumsonde WMAP um die Sonne aufgenommen. "Wir haben das 'frühkindliche' Universum perfekt fokussiert aufgenommen, und auf Basis dieser Aufnahme können wir nun das Universum mit unerreichter Genauigkeit beschreiben", so der Projektleiter Dr. Charles Bennett vom Goddard Space Flight Center.
 
Die Aufnahme der Raumsonde zeigt winzige, nur wenige Millionstel Grad Kelvin kleine Temperaturunterschiede an, die jedoch von großer Bedeutung sind: Mit diesen geringfügigen Temperaturfluktuationen korrelieren erste Materieagglomerationen, die Keimzellen späterer Sterne und Galaxien. Womit wir bei einer weiteren, überraschenden Schlussfolgerung aus den von WMAP gelieferten Daten sind, der Frage nach dem Aufleuchten der ersten Sterne in dem bis dahin sternenlosen, jungen Universum. Die Wissenschaftler mussten nach Auswertung der WMAP-Daten feststellen, dass die erste Sternengeneration schon viel früher als bisher angenommen das Dunkel des Weltalls erleuchtete, nämlich bereits 200 Millionen Jahre nach dem Urknall.
 
Auch zur Frage, wie hoch das Alter unseres Universums anzusiedeln sei, gibt es nun dank WMAP eine neue, von den Wissenschaftlern als sehr genau qualifizierte Angabe. Demnach kann man aus den in den letzten zwölf Monaten gesammelten Beobachtungsdaten ein Alter des Weltalls von 13,7 Milliarden Jahren ableiten. Und auch zur Frage, wie es in Zukunft mit der kosmischen Entwicklung weitergehen wird, glauben die an dieser Forschungsmission beteiligten Astronomen und Astrophysiker einen Beitrag liefern zu können: Demnach wird es wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit expandieren, Anzeichen für eine zukünftige Kontraktion des Universums konnten aus den Beobachtungsdaten von WMAP nicht gewonnen werden.
 
Eine weitere Aussage während der Ergebnispräsentation betraf die Zusammensetzung des Universums. Demnach legen die WMAP-Daten nahe, dass das Weltall nur zu rund 4 Prozent aus Atomen in Form aktiver, "regulärer" kosmischer Objekte besteht, während sich 23 Prozent aus so genannter "Dunkler Materie" und etwa Dreiviertel aus "Dunkler Energie" zusammnensetzen. Was genau es mit diesen Bezeichnungen auf sich hat, dass ist auch für Astronomen noch in vielerlei Hinsicht offen - WMAP hat insofern also allen Antworten zum Trotz auch Stoff für viele neue Fragen geliefert.
 

 
 

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      Special: Die deutsche Raumfahrt am Scheideweg von Karl Urban 

Im Mai 2001 war es beschlossene Sache: In Deutschland wurde seit mehr als 20 Jahren wieder ein nationales Raumfahrtprogramm verabschiedet, dass die bisherigen nationalen Bemühungen auf dem Gebiet vorantreiben sollte. Doch unter den momentan schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen plant der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages nun eine Kürzung des nationalen Raumfahrtbudgets um mehr als 25 Prozent. Dies dürfte fatale Auswirkungen auf den Raumfahrtstandort Deutschland nach sich ziehen. - Aber es besteht noch Hoffnung.

In dieser Woche traf sich Raumfahrer.net mit dem Projektdirektor für Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Klaus Berge, um auch über die prekäre Lage für die deutsche Raumfahrt zu sprechen, die mit den geplanten Kürzungen verbunden ist.
"Das wäre eine Katastrophe für das nationale Raumfahrtprogramm, weil sehr viele Universitäten, Doktoranden, Forscher, Firmen in dieser Republik darauf zählen und darauf angewiesen sind. [...] Ich denke, dass wir in den vergangenen Wochen sehr viel daran gearbeitet haben diejenigen [im Haushaltsausschuss] zu überzeugen, dass [es] nicht sinnvoll ist, weil der Schaden, der angerichtet wird, so groß ist - weil Fadenrisse entstehen, die Sie nie wieder aufholen können", sagte Berge.

Das Budget für die nationale Raumfahrt betrug im Jahr 2002 158,5 Millionen Euro. Nach einer vom Finanzministerium verhängten Haushaltssperre wurden 12,3 Millionen Euro auf das Folgejahr transferiert, die schon allein den Etat belasten. Im Haushaltsausschuss des Bundestages sollen nun zusätzlich 39 Millionen Euro gekürzt werden - dies entspricht 25 Prozent.
Nicht enthalten im nationalen Raumfahrtbudget sind die Beiträge für die europäische Raumfahrtagentur ESA, zu deren wichtigster Geldgeber Deutschland zählt.

In der Tat besteht die Raumfahrtgemeinschaft in Deutschland aus einem Geflecht von Instituten, Universitäten und Unternehmen, die auf Gelder aus dem Raumfahrtetat angewiesen sind, um effektiv Forschung betreiben zu können. So massive Kürzungen können dutzende laufende Projekte gefährden, die auf lange Laufzeiten ausgelegt sind:
"Wir machen ja nicht Dinge, die [...] einen schönen Effekt haben, sondern wir arbeiten handfest, zum Beispiel an neuen Satellitensystemen, die dann kommerziell verwertet werden, wo der staatliche Beitrag sehr gering ist und der überwiegende Teil aus der Wirtschaft kommt."

Wie in kaum einen anderen Bereich beteiligt die Wirtschaft in der Raumfahrt in großem Rahmen an den staatlichen Programmen. Klaus Berge beschreibt dieses Verhältnis so: "Der Staat gibt einen gewissen Anreiz [...] und wir müssen sehen, dass wir die Industrie dann dazu kriegen, die restlichen Dinge zu bezahlen, denn das bringt [...] Arbeitsplätze in Deutschland und das wollen wir ja alle."
Die geplanten Kürzungen bringen also nur scheinbar eine Entlastung in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit. Sie gefährden akut die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, die sich in großem Rahmen an den Projekten beteiligt.

Die Initiative Pro-Raumfahrt von mehreren deutschen Raumfahrtvereinen, an dem auch Raumfahrer.net beteiligt ist, sammelt im Internet Unterschriften gegen die Sparpläne und fordert die Anhebung der Ausgaben für die Raumfahrt in Deutschland auf mindestens 0,1 Prozent des Bruttosozialproduktes. Dies ist gemessen an den Ausgaben unserer Nachbarländer Frankreichs oder Italiens immer noch gering. Der Vergleich mit den europäischen Nachbarn offenbart außerdem ein trauriges Bild der Industrienation Deutschland. Am 26. Januar 2003 veröffentlichte die Europäische Union (EU) mit dem sogenannten "Grünbuch" einen Fragekatalog, der die Diskussionsgrundlage für eine zukünftig stärkere europäische Raumfahrt unter der Beteiligung der EU bilden soll. Hat dieses Vorhaben Erfolg, könnte der gesamte Raumfahrthaushalt in Europa in naher Zukunft um ein Vielfaches des heutigen ESA-Budgets wachsen. Für ein Land wie Deutschland, das sich jedoch scheinbar eher von der Raumfahrt abwendet, als sie zu fördern, hätten solche Entwicklungen wohl aber kaum Auswirkungen.

Doch etwas Hoffnung bleibt: Klaus Berge zeigte sich verhalten optimistisch, dass man die enormen Kürzungen für das deutsche Raumfahrtbudget vielleicht noch abwenden kann.
"Ich bin der Hoffnung, dass zumindest der große Teil der Kürzungen [...] zurück genommen wird", fasste er den aktuellen Stand zusammen.

In der Ausgabe #002 unseres Webradios InSound, die voraussichtlich in der nächsten Woche erscheint, können Sie weitere Ausschnitte unseres Interviews mit Klaus Berge vom DLR hören. Dabei geht es vor allem um die Auswirkungen des Absturzes der Columbia. Als Leser dieses Magazins werden wir Sie über des Erscheinen der neuen Radio-Ausgabe natürlich informieren.
 

 
 

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      Space Focus: Quasare liegen in weiter Ferne von Tilman Kaiser 

Die 37%-ige Rotverschiebung, die Greenstein bei 3C48 festgestellt hatte, bedeutet, dass sich die Quelle mit ca. 37% der Lichtgeschwindigkeit von der Erde entfernen musste. Hätte es sich um Sterne der Milchstraße gehandelt, so wäre die Konsequenz einer derartigen Rotverschiebung, dass sich die Sterne mit enormer Geschwindigkeit aus dem Zentrum unsere Galaxie herausgeschleudert wurden. Da aber im Laufe der weiteren Untersuchungen anderer Spektren nie eine Blau-, sondern immer nur eine Rotverschiebung festgestellt wurden, war diese Interpretation der Daten nicht zulässig.
Seit Edwin Hubbles Feststellung der Rotverschiebung von "Nebeln" Ende der 20er, die später teilweise als Galaxien identifiziert werden konnten, wurde angenommen, dass sich das Universum nach Hubbles Geschwindigkeits-Entfernungsbeziehung v = H * d ausdehnt.

(Hierbei ist v die Geschwindigkeit, d die Entfernung der Galaxie und H die Hubblekonstante, deren Wert zwischen 4 und 10 * 10^10 m/s pro Parsec liegt. 1 Parsec (1 pc) ist ein gebräuchliches Entfernungsmaß in der Astronomie und entspringt der trigonometrischen Entfernungsberechnung. 1 pc = 3.26 ly. Das Lichtjahr (ly) ist wiederum die Entfernung, die mit der Vakuumslichtgeschwindigkeit von 2,9979 * 10 ^8 m/s in einem Jahr zurückgelegt wird. Die Sonne ist 8500 pc vom Zentrum der Milchstrasse entfernt.)

Die Galaxien in einem nach der Hubble-Beziehung expandierende Universum entfernen sich ähnlich im Dreidimensionalen voneinander wie Knetkügelchen auf der zweidimensionalen Oberfläche eines Luftballons, der aufgeblasen wird.

Für Greenstein und Schmidt blieb damals nur die (richtige) Schlussfolgerung übrig, dass sich Quasare sehr weit entfernt am Rande unseres Universums befinden und berechneten die Entfernungen von 3C273 nach der Hubble-Beziehung zu 2 und von 3C48 zu 4,5 Milliarden Lichtjahren. Die Tatsache, dass diese beiden Quasare mit bodengebunden optischen Teleskopen wahrgenommen werden konnten, bedeutete, dass sie 100-mal mehr Energie als die hellsten Galaxien abstrahlten.

Literatur:

- K.S. Thorne: "Black Holes and Time Warps: Einstein's Outrageous Legacy", In: "The Common Wealth Fund Book Programme" hrsg.:Lewis Thomas, Bd. 9, 1993
- M. Begelman, M. Rees: "Gravity's Fatal Attraction" Scientific American Library, New York 1996
- J.W. Rohlf: "Modern Physics from alpha to Z" Brookline, Massachusetts 1994
 

 
 

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      ISS Weekly Report: Zukunft der Stammbesatzung weiterhin ungewiss von Michael Schumacher 

In der nunmehr zwölften Woche an Bord der International Space Station (ISS) entlud die sechste Stammbesatzung, die aus Kommandant Kenneth Bowersox, Bordingenieur Nikolai Budarin und National Aeronautics and Space Administration (NASA) ISS Science Officer (SO) Donald Pettit besteht, das russische Versorgungsraumschiff Progress M-47, das vergangene Woche an die Raumstation ankoppelte und Lebensmittel, Treibstoff, Kleidung und andere Materialien zur Raumstation lieferte, die, wenn erforderlich, einen Aufenthalt der momentanen Stammbesatzung bis mindestens Ende Juni gewährleisten.

Am Dienstag, dem 11. Februar 2003 wurden die Triebwerke von Progress M-47 gezündet, um die Bahnhöhe der ISS um ungefähr 9,7 Kilometer anzuheben, woraus sich eine durchschnittliche Erdorbithöhe von 399 Kilometern ergibt. Es handelte sich um das erste von drei solchen Manövern, die vorgesehen sind, um die Raumstation auf die Ankunft des neuen Rettungsraumschiffes Sojus TMA-2 Ende April dieses Jahres vorzubereiten. Während der Triebwerkszündung wurden die Vibrationen, die von den Motoren ausgingen, von wissenschaftlichen Beschleunigungsmessgeräten im amerikanischen Laboratory Module ?Destiny? gemessen. Dies soll den Wissenschaftlern dabei helfen, die Auswirkungen von Bewegungen auf die empfindlichen Mikrogravitationsexperimente zu untersuchen.

Am Donnerstag, dem 13. Februar 2003 arbeiteten Bowersox und Pettit mit dem Space Station Remote Manipulator System (SSRMS) ?Canadarm2?. Die Aktivitäten sollen dabei helfen, sicherzustellen, dass das Können der Besatzung hinsichtlich der Bedienung der Robotic Work Station (RWS) in ?Destiny? bestehen bleibt. Sie kontrollierten das System, indem sie eine Überprüfung durchführten, um die Arbeitsfähigkeit des Roboterarms im Weltraum sicherzustellen.

Zu Beginn der Woche stellten die Flugkontrolleure eine leichte Abnahme des Luftstroms durch das Ventilsystem zwischen den verschiedenen Komponenten der Raumstation fest. Bowersox und Pettit bauten mehrere Ventilatoren im Leitungswerk aus und reinigten die Filter von Staub, was den Luftstrom bedeutend erhöhte.

Die Problembehebung an der Microgravity Scince Glovebox (MSG) durch Spezialisten der European Space Agency (ESA) und des Payload Operations Center (POC) am Marshall Space Flight Center (MSFC) schreitet voran. Letzte Woche versagte ein Unterbrecher als Pettit die Ersatzteile einbaute, die mit Progress M-47 zur ISS gebracht wurden. Daraufhin fuhr Pettit die Ausrüstung herunter, bis die Experten für ihn einen Reparaturplan in der Erdumlaufbahn entwickelt haben.

Ursprünglich war vorgesehen, dass die sechste Stammbesatzung an Bord des Space Shuttle ?Atlantis? zur Erde zurückkehrt, aber da die Raumfährenflotte auf unbestimmte Zeit an den Boden gefesselt ist, scheint es nun so, als würden sie im Mai an Bord des Rettungsraumschiffes Sojus TMA-1 zur Erde zurückkehren, dass zur Zeit an der Raumstation angekoppelt ist. Ein dreisitziges Rettungsraumschiff vom Typ Sojus ist immer an die Raumstation angekoppelt, um für die Stammbesatzungen im Notfall eine Rückkehrmöglichkeit zur Erde zu gewährleisten. Sie sind für eine Lebensdauer von sechs Monaten im Weltraum ausgelegt und werden regelmäßig von Besuchsbesatzungen ausgetauscht, die mit einem neuen Raumschiff zur Raumstation kommen und im alten Raumschiff zurückkehren. Der nächste Flug einer Besuchsbesatzung ist für den 26. April angesetzt.

Quellen sagen jedoch, dass Bowersox, Budarin und Pettit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an Bord des momentanen Rettungsraumschiffes Sojus TMA-1 zur Erde zurückkehren. Die gegenwärtigen Pläne sehen vor, dass die Besuchsbesatzung als eine Art Interimsbesatzung an Bord der ISS verbleibt, bis entweder die Raumfährenflüge wieder aufgenommen werden oder im Oktober die nächste Besuchsmission gestartet wird.

Obwohl Raumschiffe des Typs Sojus mit drei Besatzungsmitgliedern gestartet werden können, wird davon ausgegangen, dass bei dem Start im April nur zwei Besatzungsmitglieder an Bord sein werden. Grund hierfür sind die Wasservorräte an Bord der Raumstation, die normalerweise während Kopplungsphasen mit Space Shuttles aufgefüllt werden und keine dreiköpfige Besatzung während eines Langezeitaufenthaltes versorgen können. Ihrerseits teilten Bowersox, Budarin und Pettit den amerikanischen und russischen Raumstationsmanagern mit, dass sie sich freuen würden, zusätzliche sechs Monate oder sogar länger an Bord bleiben zu dürfen.

Zur Besatzung der Mission im April wird auf jeden Fall ein russischer Kommandant gehören. Pedro Duque von der ESA ist zwar momentan dem Flug zugewiesen, aber es wird erwartet, dass er durch einen amerikanischen Astronauten ersetzt wird, der über das notwendige Training verfügt, um die amerikanischen Systeme zu warten. Quellen gehen davon aus, dass die NASA bereits eine kurze Liste mit Kandidaten für diese Mission aufgestellt hat. Allerdings ist eine Entscheidung mit allen internationalen Raumstationspartnern noch nicht beschlossen. Genauso müssen auch noch die Einzelheiten ausgearbeitet werden. Unterdessen wird die sechste Stammbesatzung weiterhin sparsam mit den Vorräten umgehen, während sie auf eine offizielle Entscheidung wartet.
 

 
 

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"In Space Magazin" #064
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
15. Februar 2003
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