| InSpace Magazin #079 vom 31. Mai 2003
|
» In Space Magazin « Raumfahrer.net
|
| Inhalt
|
Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.
|
|
|
"In Space" Magazin
Ausgabe #079
ISSN 1684-7407
> Updates:
Updates / Umfrage
> News:
Nachrichten der Woche
> HotSpot: "Odissea" im Vogtland
> Space Focus: Nutznießer der neuen optischen Teleskope
> ISS Weekly Report: Raumstation weicht Satellit aus
> Surftipp: Universität Bayreuth
> InDetail: Sonnenfinsternis
> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
|
Verehrte Leserinnen und Leser,
und wieder einmal haben wir ein Naturphänomen miterleben dürfen. Heute am frühen Morgen war über ganz Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. In anderen Ländern wie Schottland war sie sogar Ringförmig zu beobachten. Mehr über dieses Phänomen erfahren sie in unserem heutigen InDetail.
Morgen ist es endlich soweit. Morgen startet der ESA-Satellit, Mars Express in Baikonour. Raumfahrer.net wird sie morgen zeitnah darüber informieren. Wir arbeiten dafür ständig an der Sonderseite unter MarsExpress.raumfahrer.net.
Mark Weimar
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
Umfrage: Sollte Europa nach dem Columbia-Unglück mehr Verantwortung beim Ausbau der ISS übernehmen?
|
» marsexpress.raumfahrer.net
Europas erste Mission zum Roten Planeten ist sogleich eine sehr aufwändige. Neben dem Orbiter ist auch das Landefahrzeug Beagle 2 mit auf der Reise. Wir informieren Sie ständig über den aktuellsten Stand der Mission.
» mars2003.raumfahrer.net
Raumfahrer.net hat eine Sonderseite zum neusten Marsprojekt der NASA gestartet: In wenigen Monaten sollen zwei baugleiche Rover zum Roten Planeten starten. Auf der Seite finden Sie neben Artikeln zu den Landern immer aktuelle Statusreports.
» radio.raumfahrer.net
Sie können sich die aktuelle Sendung des Raumfahrer.net-Webradions InSound (Länge: 22.33 Minuten) noch immer direkt aus dem Internet anhören oder die Datei der Sendung downloaden.
» mitarbeit.raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
|
• Mars Express - der schnellste Weg zum Roten Planeten <mehr>
• Trümmerteil verantwortlich für Shuttle-Unglück? <mehr>
• Nachruf: Kosmonaut Makarow verstorben <mehr>
• Mars Express: Auf der Suche nach Leben <mehr>
• Europas Mond-Premiere <mehr>
• Neues Ziel für Rosetta <mehr>
• Start des ersten Mars Rover verschoben <mehr>
• Galileo offiziell beschlossen - Ariane wird gerettet <mehr>
• Mars Express-Start wird übertragen <mehr>
» Mars Express - der schnellste Weg zum Roten Planeten 30. Mai 2003 - Die ESA-Mission Mars Express ist in mehrfacher Hinsicht ein Pioniervorhaben: Zum einen handelt es sich um die erste europäische Reise zum Mars, zum anderen wurde die Sonde zu außergewöhnlich niedrigen Kosten und in Rekordzeit gebaut. Mars Express ist das erste Beispiel für das neue Konzept der ESA zur Entwicklung von Wissenschaftsmissionen: schneller, besser und kosteneffizienter, und das ohne Beeinträchtigung der Zuverlässigkeit und Qualität - denn gespart wurde weder bei den Erprobungen noch bei den Startvorbereitungen. Die Sonde wird während ihrer Reise zum Roten Planeten extreme technische Herausforderungen zu bewältigen haben, auf die sich die Ingenieure der ESA gründlich vorbereitet haben. "Mit Mars Express erarbeitet sich Europa seine eigenen Fachkenntnisse auf zahlreichen Gebieten. Diese reichen von der Entwicklung von wissenschaftlichen Experimenten und für die europäische Industrie neuen Technologien bis zur Kontrolle einer Mission, zu der die Landung auf einem anderen Planeten gehört - was wir noch nie gemacht haben", sagt der Projektleiter für Mars Express, Rudi Schmidt. Schneller, besser - und dabei sicher! Die Entwurfs- und Entwicklungsphase für Mars Express hat etwa vier Jahre gedauert, verglichen mit rund sechs Jahren für ähnliche frühere Missionen. Vor allem jedoch kostet die Mission mit 300 Millionen Euro weitaus weniger als vergleichbare interplanetare Missionen. Der "Trick": ein neuer Managementansatz, der zum einen in der Wiederverwendung von vorhandenen Geräten und Instrumenten und zum anderen in der Entwicklung durch ein kleineres Team der ESA resultierte, das der Industrie mehr Verantwortung übertragen hat. Gebaut wurde die Sonde von einem Konsortium unter der Leitung des Hauptauftragnehmers Astrium, dem 24 Unternehmen aus den fünfzehn ESA-Mitgliedstaaten und den USA angehörten. Dabei wurde die Sicherheit der Mission zu keinem Zeitpunkt vernachlässigt. "Obwohl wir gegen Ende des Projekts stark unter Druck standen, haben wir kein einziges Mal erwogen, aus Zeitgründen einen geplanten Test ausfallen zu lassen. Ich würde das Ganze eine schnelle Entwurfsphase mit anschließender gründlicher Testphase nennen", so Schmidt. Diese neue, straffere Entwicklungsmethode soll auch bei Venus Express und voraussichtlich noch bei anderen künftigen Missionen zur Anwendung kommen. Der Start Mars Express wird am 2. Juni mit einem Sojus-Fregat-Träger vom Raumflugzentrum Baikonur in Kasachstan aus ins All befördert. Die Mission, die aus einem Orbiter und dem Landegerät Beagle 2 besteht, wird in der Konfiguration eines 1.223 kg schweren Aluminiumkastens mit den Abmessungen 1,5 x 1,8 x 1,4 m (ohne Sonnenzellenflügel) gestartet. Das seitlich an der Sonde befestigte Landegerät bleibt während des Flugs "zugeklappt" wie eine riesige Taschenuhr. Die Ankunft am Mars ist für Ende Dezember geplant:Dann wird Beagle 2 auf dem Mars landen, während der Orbiter in seine Umlaufbahn um den Mars einschwenkt. Gegenwärtig läuft in Baikonur die Endphase einer umfangreichen Startkampagne. Die Sonde ist dort am 20. März eingetroffen. Mit 457 kg Treibstoff betankt, wurde sie am 24. Mai in den Sojus-Träger integriert - ein Vorgang, den die Russen "Hochzeit" nennen. Träger und Nutzlast wurden dann am 29. Mai, vier Tage vor dem Start, zum Startplatz gerollt. Der schnellste Weg zum Roten Planeten Einer der Gründe, weshalb die Wissenschaftler Mars Express in so kurzer Zeit entwickeln mußten, ist die derzeit außergewöhnlich günstige Konstellation zwischen der Erde und dem Mars. Zwar bietet sich eine Startgelegenheit zum Mars alle 26 Monate - nämlich dann, wenn Sonne, Erde und Mars in einer Geraden zueinander stehen -, aber so gering wie gerade jetzt ist die Entfernung zwischen Erde und Mars nur alle 15 bis 17 Jahre. Berechnungen ergaben zudem, daß die Kombination aus geringstem Treibstoffverbrauch und kürzester Reisedauer nur unter der Voraussetzung zu realisieren ist, daß der Start zwischen dem 23. Mai und dem 21. Juni erfolgt. Das Mars Express-Team hat alles daran gesetzt, dieses Startfenster nicht zu verpassen. Als Zeichen des gegenseitigen Respekts zweier europäischer High-Tech-Organisationen wird Mars Express einen kleinen Behälter mit der roten Farbe der Ferrari-Rennwagen mitführen. Nach dem Start 90 Minuten nach dem Start wird sich Mars Express von der Oberstufe der Sojus-Fregat lösen. Anschließend werden sich die Sonnenzellenflügel entfalten, worauf die Sonde Funkkontakt mit der ESA-Bodenstation in New Norcia, Westaustralien, aufnehmen wird. Mars Express wird sich mit einer Geschwindigkeit von 3 km/s von der Erde entfernen. Ein wesentlicher Vorgang in diesem frühen Flugstadium wird die Abtrennung der Befestigungsklammern von Beagle 2 drei Tage nach dem Start sein. Diese Vorrichtungen, die dafür sorgen, daß das Landegerät während des Starts fest mit der Sonde verbunden bleibt, werden im Weltraum nicht mehr benötigt - und nicht nur das: Ihre Absprengung ist auch Voraussetzung dafür, daß sich Beagle 2 bei der Ankunft am Mars wie geplant vom Orbiter lösen kann. Um sicherzustellen, daß alles planmäßig verläuft, wurden keine Mühen gescheut. Schmidt betont, daß "wir alle Aspekte der Mission gründlich genug getestet haben, um voller Zuversicht sagen zu können, daß keine Fehler, vor allem keine elementaren, auftreten werden. Mars Express wurde zwar in Rekordzeit entwickelt, aber bei den Tests wurden keine Kompromisse eingegangen, was auch für das Bodensegment gilt." Eintritt in die Umlaufbahn und Landung auf dem Mars Sechs Tage vor der Ankunft am Mars wird das Landegerät ausgeklinkt. Dieser Vorgang gilt als einer der komplexesten der gesamten Mission. Beagle 2 ist mit seinen 65 kg zu leicht, um einen Steuerungsmechanismus mitzuführen, und ist auch nicht für den Empfang von Befehlen während seines Abstiegs und seiner Landung ausgerichtet. Seinen geplanten Landeplatz kann es daher nur erreichen, wenn es vom Orbiter in die richtige Flugbahn gebracht und an einem ganz bestimmten Punkt mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit ausgesetzt wird. Für die Steuerung dieses Manövers wird das Bodenkontrollteam im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt, Deutschland, zuständig sein. Mit Simulatoren, die ausgeklügelten Computerspielen ähneln, trainieren die Ingenieure seit Monaten für den Anflug auf den Mars und das Aussetzungsmanöver. Sie werden ihre Vorbereitung auch nach dem Start fortsetzen. Nach dem Ausklinken des Landegeräts wird sich der Orbiter zunächst auf Kollisionskurs mit dem Roten Planeten befinden. In einem weiteren entscheidenden Manöver müssen die Bodenkontrolleure dann seine Flugbahn korrigieren und seine Geschwindigkeit auf 1,8 km/s drosseln. Bei dieser Geschwindigkeit kann die Schwerkraft des Mars den Orbiter erfassen und ihn auf seine Umlaufbahn lenken. Anschließend sind noch eine ganze Reihe von Manövern erforderlich, bevor der Orbiter seine endgültige Einsatzposition - eine stark elliptische polare Umlaufbahn - erreichen wird und die wissenschaftlichen Beobachtungen beginnen können. Beagle 2 wird inzwischen auf dem Mars gelandet sein. Vorgesehen ist hierfür ein ausgedehntes elliptisches Gebiet von 300 km Länge und 150 km Breite in der Äquatorregion Isidis Planitia, das wegen der dort heftig wehenden Marswinde und der relativ ebenen Oberfläche ausgewählt wurde. Beagle 2 wird an Fallschirmen herabschweben und schließlich, geschützt durch große Luftkissen, auf der Marsoberfläche aufsetzen. Nach seiner Landung wird es den Betreibern in der britischen "Jodrell-Bank"-Radioteleskopstation mit einem Signal - einer Neun-Ton-Melodie, die von der britischen Popgruppe Blur für das Beagle 2-Team komponiert wurde - anzeigen, daß es sein Ziel sicher erreicht hat. Mars Express soll mindestens zwei Jahre lang die Oberfläche, die Schichten unter der Oberfläche und die Atmosphäre des Mars erforschen. Das Landegerät wird etwa sechs Erdmonate lang die Oberfläche des Planeten erkunden und seine Daten über den Orbiter zur Erde senden. Die europäische Mission Mars Express soll helfen, grundlegende Fragen über den Mars zu beantworten, darunter die, ob es auf ihm Wasser gibt und wieviel, und ob Anzeichen für vergangenes oder gar gegenwärtiges Leben zu finden sind. Ihr Name steht für die bisher umfangreichste Erforschung des Roten Planeten. Raumfahrer.net wird während des gesamten Missionsverlaufs umfangreich auf einer eigenen Sonderseite über Mars Express und Beagle 2 berichten - unter anderem exklusiv mit der deutschsprachigen Fassung des Mars Express Tagebuchs. (la - Quelle: ESA)
» Trümmerteil verantwortlich für Shuttle-Unglück? 30. Mai 2003 - Die jüngsten Untersuchungs-Ergebnisse stützen die These, dass das Schicksal der Columbia-Crew bereits beim Start besiegelt wurde. Schon seit einiger Zeit werden im Auftrag des CAIB (Columbia Investigation Board), des für die Untersuchung des tragischen Zwischenfalls am 1. Februar dieses Jahres, bei dem durch die Verunglückung des Space Shuttles Columbia sieben Astronauten ums Leben kamen, zuständigen Gremiums Test durchgeführt, in deren Rahmen die genaue Unglücksursache geklärt werden soll. Im Vordergrund steht dabei die Evaluierung der Theorie, nach der beim Start durch ein abfallendes Isolationsteil des externen Tanks die linke Flügelvorderkante beschädigt worden sei. Bisher herrschte darüber Streit, ob ein knapp zwei Kilogramm schweres Stück Schaumstoff überhaupt einen entsprechenden bleibenden Schaden hervorrufen kann. Die Simulationen der NASA, durchgeführt am Southwest Research Institute in San Antonio, Texas, in deren Rahmen ein äquivalentes Bruchstück auf eine dem betroffenen Flügel ähnliche Struktur geschossen wurde, scheinen aber eben dies nun zu bestätigen. Ohne auf weitere Details einzugehen, verkündete das CAIB, dass tatsächlich die befürchtete Beschädigung des Flügels eintrat, welche am 1. Februar dazu führte, dass heiße Gase in das Innere des Shuttles eindringen und dieses schließlich zerstören konnten. Die Videoaufzeichnungen vom Start zeigen eindeutig ein entsprechendes Trümmerteil, welches sich 81 Sekunden nach dem Start am 16. Januar löste. An sich nichts Ungewöhnliches, denn bereits bei früheren Missionen konnte exakt dies beobachtet werden, ohne dass es Folgen für Crew oder Technik gehabt hätte. Nun scheint es so, als sei jenes nur briefumschlag-großes Isolationsteil doch für das Unglück verantwortlich. Tyrone Woodyard, Sprecher des CAIB, äußerte sich folgendermaßen zu den Testergebnissen: "Es gibt uns Hoffnung, dass wir bald Gewissheit haben werden." Allerdings mahnte er auch, die entsprechende wissenschaftliche Distanziertheit zu wahren: "Wir möchten noch keine Schlüsse ziehen, bevor wir zuätzliche Analysen durchgeführt haben." Fraglich ist zum Beispiel, in wie weit die Testergebnisse überhaupt auf die Realität übertragbar sind. In der Simulation wurde ein Trümmerteil durch Gasdruck beschleunigt und mit 531 Meilen pro Stunde auf eine Fiberglas-Struktur geschleudert, welche in etwa der Struktur des Shuttle-Flügels entspricht, jedoch weitaus wiederstandsfähiger sein soll. Dabei entstand ein mehrere Zentimeter langer Riss mit einer Breite von nur wenigen Millimetern. Dieser Schaden würde in der Wirklichkeit jedoch bereits genügen, um heißen Gasen beim Wiedereintritt einen Angriffspunkt zu bieten. Im kommenden Monat soll die Testreihe fortgesetzt werden. Dabei sollen erstmals auch reale Shuttle-Komponenten, in diesem Falle die der Discovery, auf deren Bruchfestigkeit und ihr Verhalten bei einem Impakt untersucht werden. Erst dann wird man mit relativer Sicherheit sagen können, in wie weit ein recht kleines Trümmerteil einen derart weitreichenden Schaden hervorrufen kann. Zweifel sind derzeit, und dies betonen alle Raumfahrt-Experten, gegenüber allen Varianten und Thesen des Unfallhergangs angebracht. Erst Ende des Sommers wird der finale Unfallbericht des CAIB erwartet. (fx - Quelle: Floridatoday.com)
» Nachruf: Kosmonaut Makarow verstorben 30. Mai 2003 - Mit Oleg Makarow verstarb ein russischer Raumfahrt-Pionier. Er flog dreimal ins All und tranierte auch für die sowjetische Mondlandung. Laut einer Meldung der russischen Raumfahrt-Agentur Itar-TASS ist der russische Kosmonaut Oleg Makarow bereits am Mittwoch an den Folgen eines Herzanfalls gestorben. Der am 6. Januar 1933 geborene Makarow war ein wirklicher Veteran der sowjetischen Raumfahrt: nach seinem Eintritt in das Kosmonauten-Korps im Jahre 1968 flog er dreimal ins All. Am 27. September 1973 gab er mit Wassili Lassarew während der zweitägigen Mission Sojus 12 sein Debüt. Einige Jahre später, 1978, blickte er bei Sojus 18A dem Tod ins Auge, da es acht Minuten nach dem Start der Sojus-Trägerrakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus zu einer schweren Panne kam. Durch das Versagen eines Sprengbolzens trennte sich in einer Flughöhe von 120 Kilometern die ausgebrannte Hauptstufe nicht wie vorgesehen. Darauf hin begann die gesamte Rakete zu taumeln und wich erheblich vom Kurs ab. Um einer drohenden Katastrophe eines gestrandeten Raumschiffes im Orbit vorzubeugen, wurde in 190 Kilometern Höhe das Raumschiff abgetrennt und eine ballistische Landung eingeleitet. Dabei wirkten kurzzeitig Kräfte von bis zu 21 g, also die 21-fache Erdbeschleunigung, auf die beiden Raumfahrer ein. Die Landung erfolgte im tiefen Schnee des Altai-Gebirges nur wenige Kilomter von der chinesischen Grenze entfernt. Lasarew starb übrigens bereits 1990 an einer Vergifung durch selbst gebrannten Wodka. Bei Sojus 27 am 10. Januar 1978 verlief dann alles wieder geplant. Gemeinsam mit Wladimir Dschanibekow wurde hierbei ein finaler Test der Systeme der Raumstation Salut 6 vor der Aufnahme der bemannten Interkosmos-Flüge durchgeführt. Dabei waren erstmals zwei Raumschiffe gleichzeitig an eine Raumstation angekoppelt: es kam zu einem kosmischen Rendezvous mit der Stammbesatzung von Salut 6, Juri Romanenko und Georgi Gretschko, welche schon am 12. Dezember der vorangegangenen Jahres zur Station aufbrachen. Auch Sojus T-3, sein dritter Weltraumflug, war eine Art Premiere, denn erstmals seit der für drei Kosmonauten tödlichen Mission Sojus 11 flogen nun wieder drei Raumfahrer in einem Sojus-Raumschiff ins All. Dabei wurde vom 27.11. bis 10.12.1980 die alternde Raumstation Salut 6 reaktiviert. Mit Oleg Makarow verstarb ein weiterer russischer Weltraumpionier. Der 70-jährige Kosmonaut schied 1968 aus der sowjetischen Kosmonauten-Gruppe aus. Neben dem Sojus-System tranierte er in den 60'er Jahren auch für das gescheiterte sowjetische Mondflug-Programm als Konkurrenz zu Apollo. (fx - Quelle: AFP/Spacedaily.com)
» Mars Express: Auf der Suche nach Leben 30. Mai 2003 - Am 2. Juni 2003 bricht für die Europäische Weltraumorganisation ESA ein neues Zeitalter an. Von Baikonur aus wird eine russische Sojus-Trägerrakete Mars Express, die erste Planetensonde der ESA, auf ihre Reise zu unserem Roten Nachbarplaneten schicken. Noch in diesem Jahr, am 26. Dezember, soll sie den Mars erreichen und in eine Umlaufbahn einschwenken. Fünf Tage zuvor wird der Lander Beagle 2 vom Orbiter getrennt. Er soll weich landen und nach Lebensspuren suchen. Der Mythos Mars ist ungebrochen. Aufnahmen früherer Missionen vom Roten Planeten zeigen neben Terrassen, Inseln, Krater, Plateaus auch versiegte Fluss-Systeme. Neue Messergebnisse lassen sogar auf bedeutende Bodeneisvorkommen schließen. Der Marsboden scheint sich über große Areale schwammartig mit einem Stoff voll gesogen zu haben, ohne den selbst die abgebrühtesten Organismen nicht auskommen können: Wasser. Wenn es in der Frühzeit des Mars über geologisch bedeutende Zeiträume von 1 bis 2 Mrd. Jahren Seen und Flüsse gab, kann sich dort zur gleichen Zeit wie auf der Erde einfaches Leben in Form einzelliger Mikroorganismen gebildet haben. Die Europäische Raumfahrtorganisation ESA will dieser Frage in den kommenden Jahren nachgehen. Mars Express, ihre erste Planetensonde bildet dabei nur den Auftakt eines ehrgeizigen europäischen Programms zur Erforschung unseres Sonnensystems in den nächsten Jahrzehnten, dem Aurora-Programm. Eine von Euphorie und Leidenschaft getragene Aufbruchstimmung begleitet diesen eigenständigen Einstieg Europas bei der Erkundung des Roten Planeten mit Raumsonden. Dabei ist die strategische Ausrichtung der Forschung einfach und überzeugend: Folge dem Wasser, denn dort ist Leben. Mars Express ist eine aus einem Orbiter sowie einem Lander bestehende einzigartige Mission. Sie ist mit wissenschaftlichen Instrumenten ausgerüstet, die die Atmosphäre, die Oberfläche sowie die Schichten im Untergrund mit einer nie zuvor erreichten Genauigkeit erkunden. Europa will damit eine Schlüsselrolle in der internationalen Erforschung des Mars spielen und in den nächsten beiden Jahrzehnten sogar noch einen Gang zulegen. Weiterführende Informationen: Mythen, Monster und Marsianer Die ungleichen Schwestern Die fünf Entdeckungen der Marsmonde Neue Hoffnungen auf Lebensspuren Europas Mars-Debüt Reise in die planetare Frühzeit Ein genial unorthodoxes Landeverfahren Der Orbiter: Das Superauge Der Maulwurf auf dem Lander ESOC: Empfangszentrale der außerirdischen Signale Epilog: Menschen zum Mars (la - Quelle: ESA)
» Europas Mond-Premiere 30. Mai 2003 - Nach Mars Express bereitet die Europäische Weltraumorganisation ESA nun eine weitere bahnbrechende Premiere vor: Europas ersten Flug zum Mond. Eine Ariane 5 soll die ESA-Technologiesonde SMART-1 Ende August in eine Erdumlaufbahn befördern. Die mit einem neuartigen und hocheffizienten Ionenantrieb versehende Raumsonde schraubt sich dann in 16-monatiger Schleichfahrt aus dem Parkorbit um die Erde in eine enge Umlaufbahn um den Mond. SMART-1 wird den Erdtrabanten genauer unter die Lupe nehmen als jedes Raumfahrzeug zuvor. SMART-1 verkörpert den Prototyp des neuen ESA-Programms „Small Missions for Advanced Research and Technology”, bei dem es um die Erprobung innovativer Technologien für Wissenschaft, Forschung und deren Anwendung geht. Ziel des Programms ist es, neue Lösungen zu finden, um die Kosten für Weltraummissionen zu senken, der europäischen Industrie Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und die Spitzenposition der europäischen Raumfahrt in technischem Know-how zu verteidigen. Hauptaugenmerk wird daher auf die Miniaturisierung gelegt. So steht SMART für klein, kostengünstig und kompakt. Mit dem 370 kg schweren Hightech-Zwerg SMART-1 verfolgt die ESA mehrere Ziele. Hauptaufgabe ist der Test eines neuartigen solar-elektrischen Antriebssystems, besser bekannt als Ionenantrieb. Hierbei handelt es sich um eine Schlüsseltechnologie, durch die kommende ESA-Missionen wie BepiColombo zum Merkur und der Sonnenorbiter erst ermöglicht werden. Was liegt näher, als diese innovative Technologie bei dem vor unserer Haustür liegenden Erdmond zu testen und dabei gleichzeitig eine Reihe von Experimenten zur Erforschung des Erdtrabanten durchzuführen? So wurde aus dem mit miniaturisierter Spitzentechnologie voll gepackten Zauberwürfel mit einer Kantenlänge von nur einem Meter eine Mondsonde, die technische Lösungen für die Raummissionen von Morgen testet. Fliegendes Technologielabor Europas erste Mondsonde hat zehn Experimente an Bord. Darunter befinden sich leistungsstarke Röntgen- und Infrarot-Spektrometer sowie eine hochauflösende Kamera, die die Mondoberfläche über sechs Monate hinweg präzise kartografieren sollen. Für die Erfüllung der vielseitigen Aufgaben liefert der über Solarpaddeln mit Strom versorgte Ionenantrieb einen schwachen, aber kontinuierlichen Schub. Er arbeitet mit einem zehnmal höheren Wirkungsgrad als herkömmliche chemische Antriebe. Dieser erlaubt völlig neue Navigationsmöglichkeiten und damit Bahnmanöver, die für künftige interplanetare Missionen von immanenter Bedeutung sind. Während der gesamten SMART-1-Mission überwachen zwei bordeigene Diagnose-Instrumente – sie firmieren unter den Kürzeln EPDP und SPEDE – die Arbeitsweise des innovativen Antriebs. Getestet wird auch das neue Navigationssystem OBAN, das Raumsonden anhand bestimmter Bezugswerte die selbstständige, d.h. erdunabhängige Navigation in den Tiefen des Alls ermöglicht. Da für Deep-Space-Missionen die Kommunikation von zentraler Bedeutung ist, werden mit dem Experiment KaTE innovative Verfahren und technische Lösungen zur Datenübertragung im Mikrowellenbereich getestet. Ein weiteres Experiment soll die Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer optischen Datenkommunikation via Laser ausloten. Die Lasertechnologie ist, was die übertragenen Datenmengen betrifft, herkömmlichen Kommunikationsverbindungen um ein Vielfaches überlegen. Die Herausforderung besteht darin, eine Laserverbindung zu einem mobilen Objekt im All aufrecht zu erhalten, das sich immer weiter von der Erde wegbewegt. Allesamt Verfahren, die die europäische Telekommunikationsindustrie mit großem Interesse verfolgt. Hochauflösendes Porträt der Mondoberfläche Neben der Technologie-Evaluierung sind mit SMART-1 aber auch wissenschaftliche Untersuchungen geplant. Die Sonde soll den Mond genauer unter die Lupe nehmen als jedes Raumfahrzeug zuvor. Das unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Aeronomie in Katlenburg-Lindau gebaute Infrarot-Spektrometer SIR wird die mineralische Zusammensetzung der Mondoberfläche anhand der reflektierten Infrarotstrahlung systematisch untersuchen. Das nur 2 kg schwere Instrument arbeitet auf bis zu 266 unterschiedlichen Wellenlängen und erlaubt so eine detaillierte Analyse des Gesteins. Und mit Hilfe des hochauflösenden Röntgenspektrometers D-CIXS soll der Mond im kurzwelligen Röntgenbereich vollständig kartografiert und chemisch analysiert werden. Hohe Erwartungen werden auch an das extrem kompakte Kamerasystem AMIE geknüpft, das die ESA zusammen mit dem Centre Suisse d‘Electronique et de Microtechnique im schweizerischen Neuchatel entwickelt hat. Dank verschiedener Filter liefert die nur 450 Gramm schwere Farbkamera hochauflösende Bilder der Mondoberfläche sowohl im sichtbaren, als auch im UV- sowie nahen Infrarot-Bereich. Zudem wird die Mondoberfläche aus verschiedenen Winkeln heraus fotografiert. AMIE soll vor allem Informationen über die Topografie und Struktur der Mondkruste liefern. Anhand der multispektralen Daten dieser drei Instrumente können beispielsweise sehr präzise dreidimensionale Karten und Darstellungen der Mondoberfläche errechnet werden. Den Rätseln des Erdtrabanten auf der Spur Die Wissenschaftler wollen anhand der detaillierten Daten über die Zusammensetzung der Mondkruste aber auch klären, wie der Erdtrabant entstanden ist. Einer weit verbreiteten Theorie zufolge verdankt der Mond seine Geburt einer kosmischen Katastrophe: Vor etwa 4,5 Mrd. Jahren, so die Annahme, kollidierte die Erde mit einem marsgroßen Himmelskörper. Dabei wurden gewaltige Mengen Erdmaterie ins All geschleudert. Aus diesen Trümmern hat sich schließlich der Mond gebildet. Nach dieser Theorie müssten sich auf dem Mond vor allem leichtere Elemente finden, die aus dem damaligen Erdmantel stammen, beispielsweise Magnesium. Schwere Elemente aus dem Kern der jungen Erde dagegen sollten nur partiell vorhanden sein. Mit seinen Instrumenten AMIE und SIR soll SMART-1 außerdem in die noch unerforschten dunklen Bereiche des Mondsüdpols blicken. Unter anderem hoffen die Wissenschaftler, im lunaren Dauerschatten die Infrarotsignaturen von Wassereis auszumachen. Sollte SMART-1 auf der Jagd nach Wasser tatsächlich fündig werden, dann könnte dies die Tür zur Besiedlung des Erdtrabanten aufstoßen. Mehr zur Sonde SMART-1 finden Sie in unserem Beitrag. (la - Quelle: ESA)
» Neues Ziel für Rosetta 29. Mai 2003 - Die europäische Kometensonde Rosetta wird im Februar 2004 zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko aufbrechen. Nach dem Fehlstart der neuen Ariane 5 ESC-A im Dezember 2002 wurde aus Sicherheitsgründen der für Januar 2003 geplante Start von Rosetta zum Kometen Wirtanen abgesagt, da Arianespace vor einem erneuten Start der europäischen Trägerrakete Ariane erst verschiedene Komponenten, die für den Fehlschlag im letzten Jahr verantwortlich waren, überprüfen wollte. Durch diese Startverschiebung ist jedoch der ursprünglich als Ziel für die Raumsonde vorgesehene Komet Wirtanen mit der Basisversion der Ariane 5 nicht mehr erreichbar, so dass die ESA ein neues Ziel für Rosetta suchen musste. Auf der letzten Sitzung des ESA-Wissenschaftskomitees am 13. und 14. Mai wurde nun beschlossen, Rosetta auf den Weg zu dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko zu schicken. Der Start ist nun für Februar 2004 an Bord einer Ariane 5 G+ vorgesehen, es wird also wie auch schon für Januar 2003 geplant die Basisversion der Ariane 5 zum Einsatz kommen. Die Ankunft beim Zielkometen ist für November 2014 geplant, wo dann auch ein kleiner Lander abgesetzt werden soll. In den letzten Monaten ist Tschurjumow-Gerasimenko intensiv vom Weltraumteleskop Hubble sowie dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile beobachtet worden, um so viel Informationen wie möglich über ihn in Erfahrung zu bringen und dadurch seine Eignung als neues Ziel der Rosetta-Mission beurteilen zu können. Der neue Zielkomet ist massereicher als Wirtanen, so dass die Landeprozedur für den von Rosetta mitgeführten Lander angepasst werden muss. Die Kosten für die Verschiebung des Rosetta-Starts belaufen sich auf rund 70 Millionen Euro, die durch einen vorhandenen finanziellen Spielraum im ESA-Gesamtetat zumindest teilweise finanziert werden sollen, so dass nicht der ohnehin schon angespannte Etat des Wissenschaftsprogramms der ESA über Gebühr strapaziert wird. Wäre diese auf der Ministerratstagung in Paris am 27. Mai getroffenen Entscheidung zur Finanzierung der Mehrkosten anders ausgefallen hätte dies unter Umständen negative Auswirkungen auf zukünftige Forschungsmissionen der ESA gehabt. (ms - Quelle: ESA)
» Start des ersten Mars Rover verschoben 28. Mai 2003 - Der Start des ersten der beiden amerikanischen Mars Exploration Rover ist um drei Tage verschoben worden. Der nach einigen Änderungen für den 5. Juni 2003 geplante Start des Mars Exploration Rover A (MER-A) ist um drei Tage auf Sonntag, dem 8. Juni um 20:05:55 Uhr (MESZ) verschoben worden. Ein Grund für die Startverschiebung wird in der Pressemitteilung des Kennedy Space Center nicht genannt, jedoch wird auf der Internet-Site Spaceflight Now ein NASA-Pressesprecher mit der Aussage zitiert, dass durch die Startverschiebung den Ingenieurteams mehr Zeit für die letzten Tests und Überprüfungen vor dem Start eingeräumt werden soll - neue technische Probleme sind demnach nicht Ursache für diese Startverschiebung. Ursprünglich war der Start von MER-A für den 30. Mai geplant, musste dann jedoch um knapp eine Woche verschoben werden, da vor einigen Wochen noch ein neu entdecktes potentielles Problem beseitigt werden musste (Raumfahrer.net berichtete). Trotz der erneuten Verschiebung ist der Start von MER-A nicht gefährdet, dass Startfenster für den ersten der beiden identischen Mars-Rover endet erst am 19. Juni und bietet bis dahin zwei mögliche Starttermine pro Tag. Der Start des zweiten Rovers (MER-B) ist unverändert für Mittwoch, dem 25. Juni geplant. Die beiden noch namenlosen Mars-Rover der NASA werden im Rahmen einer am 7. Juni stattfindenden Veranstaltung auch endlich einen Namen bekommen. Statt der wenig einprägsamen technischen Bezeichnungen MER-A und MER-B werden dann die Gewinner eines Namenswettbewerbs verkündet, an dem über 9.000 amerikanische Studenten teilgenommen haben. Mehr Artikel und Bilder zu den Mars Exploration Rovers finden Sie auf unserer Sonderseite unter Mars2003.raumfahrer.net. (ms - Quelle: NASA/SpaceflightNow)
» Galileo offiziell beschlossen - Ariane wird gerettet 27. Mai 2003 - Der Ministerrat der ESA beschließt in Paris offiziell den Bau des Satelliten-Navigationssystems Galileo und ein Rettungsprogramm für die angeschlagene Ariane 5. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) kann nun die Bedingungen für die Teilnahme am Satellitennavigationsprogramm Galileo abschließend festlegen und die Urkunde zur Gründung des gemeinsamen Unternehmens Galileo billigen, die demnächst von der ESA und der Europäischen Union (EU) unterzeichnet werden soll. Daneben beschloss der Ministerrat der ESA auf seiner Sitzung in Paris ein 1,2 Milliarden Euro schweres Rettungsprogramm für die Ariane 5, das die europäische Rakete bis 2009 wieder wettbewerbsfähig machen soll. Eine verbesserte Version der Ariane 5 war am 11. Dezember 2002 nach wenigen Minuten Flug über dem Atlantik notgesprengt worden. Dies hatte das bereits vorher angeschlagene Betreiberunternehmen Arianespace stark zugesetzt und das Image des europäischen Trägers stark strapaziert. „Dies ist ein großer Tag für Europa im allgemeinen und die europäische Raumfahrt im besonderen. Unsere Mitgliedstaaten sind sich der wirtschaftlichen, industriellen und strategischen Bedeutung der Satellitennavigation bewußt und haben eine Einigung im Interesse aller erzielt. Damit kann Galileo, dieses große Programm, das allen Bürgern zugute kommen wird, weitergehen. Galileo wird nun endgültig Realität!“ erklärte ESA-Generaldirektor Antonio Rodotà, als er nach der heutigen Ratstagung auf Delegiertenebene in Paris die deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, informierte, die auf der morgen ebenfalls in Paris stattfindenden Tagung des ESA-Ministerrats den Vorsitz führen wird. Bulmahn zeigte sich über dieses Ergebnis hocherfreut und fuhr fort: „Galileo ist nun endlich auf dem Weg. Ich danke allen ESA-Mitgliedstaaten, die sich um eine ausgewogene Lösung bemüht haben, und stelle mit Genugtuung fest, daß Europa bei einem Programm, das für jeden von uns im Alltag von großem Nutzen sein wird, erneut seinen Willen zur Behauptung einer technologischen Führungsposition unter Beweis gestellt hat.“ Das gemeinsame Unternehmen Galileo, das seinen Sitz in Brüssel haben wird, ist eine einheitliche Organisationsstruktur, die mit der Durchführung der Entwicklungs- und Validierungsphase des Programms Galileo und der Vorbereitung seiner Errichtungs- und Betriebsphase betraut wird und den Weg für den späteren Betreiber des Galileo-Systems ebnen soll. Galileo soll das jetzige, ausschließlich auf dem amerikanischen GPS (Global Positioning System) beruhende Satellitennavigationssystem ergänzen. Mit Galileo, das von der ESA gemeinsam mit der EU entwickelt und zu gleichen Teilen finanziert wird, soll ab 2008 ein vollständiges ziviles System in Betrieb gehen, das den Europäern und der ganzen Welt eine genaue und sichere Ortsbestimmung mittels Satelliten bieten wird. Die Anwendungen sind vielfältig: Steuerung und Überwachung des Straßen-, Schienen-, Luft- und Seeverkehrs, Synchronisierung der Datenübertragung zwischen Rechnern usw. Mit einem auf das 4,6fache des Investitionsvolumens geschätzten Ertrag und der Schaffung von über 140 000 Arbeitsplätzen verspricht das Vorhaben außerdem großen wirtschaftlichen Nutzen. Galileo ist das erste Projekt, das die ESA gemeinsam mit der EU durchführt. Das Galileo-System wird insgesamt 30 Satelliten (27 aktive und 3 Reservesatelliten) umfassen, die die Erde auf drei verschiedenen Kreisbahnen in 23 616 km Höhe mit einer Neigung von 56° zum Äquator umlaufen und damit eine ausgezeichnete Abdeckung unseres Planeten gewährleisten werden. Zwei Galileo-Kontrollzentren in Europa sollen den Betrieb der Satelliten überwachen und die Leitung des Navigationssystems wahrnehmen. Related Links Der Ariane 5-Fehlschlag Die Ariane 5 wird immer besser (ku - Quelle: ESA)
» Mars Express-Start wird übertragen 26. Mai 2003 - ESA-Sonde Mars Express geht auf die Reise - Live-Übertragung des Starts in den ESA-Niederlassungen. Am 2. Juni um 19.45 Uhr MESZ wird die ESA-Sonde Mars Express mit einem Sojus-Träger von Baikonur (Kasachstan) aus gestartet. Europas erste Mission zum Roten Planeten wird ihr Ziel nach einer sechsmonatigen Reise im Dezember dieses Jahres erreichen. Obwohl über den Mars bereits viel bekannt ist, sind in bezug auf seine Landschaft, seine Atmosphäre und mögliche Spuren von Leben noch viele Fragen offen, auf die sich die Wissenschaftler von Mars Express Antworten erhoffen. Medienvertreter in Europa können die Videoübertragung des Starts und der ersten Bahnmanöver in den ESA-Niederlassungen ESOC (Darmstadt, Deutschland) - das als europäisches Hauptpressezentrum fungieren wird - und ESTEC (Noordwijk, Niederlande) verfolgen. Die italienische ESA-Niederlassung ESRIN (Frascati) organisiert mit der Italienischen Raumfahrtagentur (ASI) eine gemeinsame Veranstaltung an der Universität Rom; ihre spanische Einrichtung VILSPA (Villafranca) sorgt mit der spanischen Raumfahrtagentur CDTI für eine Übertragung im Museum „Príncipe Felipe de la Ciudad de las Artes y las Ciencias“ in Valencia. An jedem dieser Orte werden Fachleute der ESA für Interviews zur Verfügung stehen. Der ESA-Fernsehdienst wird von 19.15 bis 22.00 Uhr MESZ den Start und die ersten Bahnmanöver mit Kommentaren in englischer Sprache live übertragen:
Satellit: Astra 2C, 19° Ost Empfangsfrequenz: 10832 MHz Polarisierung: horizonta Symbolrate: 22 Msymb/s
FEC: 5/6 Dienstkennziffer: 61950 Dienstname: ESA TXT: n.z.
Die Einzelheiten zur Sendezeit und zum Satellitenempfang für die Videoreportagen vor dem Start sind unter http://television.esa.int zu finden. Der Start kann außerdem ab 19.15 Uhr MESZ unter dieser Adresse live im Internet verfolgt werden. Dort können auch das Starttagebuch sowie Nachrichten, Pressemitteilungen, Videos, Bilder und vieles mehr eingesehen werden. Die umfangreiche Sonderseite von Raumfahrer.net zum Projekt Mars Express finden Sie unter MarsExpress.raumfahrer.net. (ak - Quelle: ESA)
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
HotSpot: "Odissea" im Vogtland
|
von Felix Korsch | |
Wohl kaum ein normaler Tourist würde hinter dem wohlklingenden Ortsnamen Morgenröthe-Rautenkranz ein Mekka für Raumfahrtfans aus ganz Deutschland vermuten. Doch das kaum mehr als 1.000 Einwohner zählende Örtchen im Oberen Vogtland, umgeben von einer wundervollen, naturbelassenen Mittelgebirgslandschaft an der Grenzregion zur Tschechischen Republik birgt die Deutsche Raumfahrtausstellung, ein Museum, dass sich ganz und gar der Geschichte und den Visionen der Raumfahrt widmet. Und dies nicht ohne historischen Hintergrund: der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, der am 26. August 1978 mit seinem sowjetischen Kollegen Waleri Bykowski in Sojus 31 zur Raumstation Salut 6 aufbrach, ist der Sohn dieser auf den ersten Blick unscheinbaren Gemeinde.
Sigmund Jähn wurde ein Museum gewidmet, welches ab 1979 bis zur Wende vor allem das Engangement der DDR in der Raumfahrt nachzeichnete. Nach der Wiedervereinigung stand das Ende der Ausstellung an: es war ausgestaltet als typische Propagandaschau und verkam somit zur sozialistischen Wallfahrtsstätte. Damit konnte man nach 1990 freilich keine Besucher mehr anlocken, war das Museum doch vor allem auf die Person des Sigmund Jähn konzentriert, um den stets ein zweifelhalfter Personenkult betrieben wurde, der ihm selbst zuwider war. Nur dem Engagement einiger Ortsbewohner und raumfahrtbegeisterter Fans aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands ist es zu verdanken, dass das Museum ab 1992 unter dem Namen "Deutsche Raumfahrtausstellung" wiedereröffnete - neu konzipiert und darum bemüht, den deutschen Beitrag zur Raumfahrt in einen internationalen Kontext zu setzen.
Bis zu 50.000 Besucherinnen und Besucher zieht die Ausstellung, deren Markenzeichen noch immer die davor aufgestellte Mig 21 ist, mit der Sigmund Jähn in seiner NVA-Zeit selbst flog, pro Jahr an und unter Raumfahrt-Fans hat sie sich längst zu einer festen Größe entwickelt. Nicht zuletzt profitiert man auch heute noch vom Engagement Sigmund Jähns, der maßgeblich zum Erhalt und zur weiteren Außgestaltung der Einrichtung durch Beisteuern zahlreicher interessanter Exponate beiträgt. Ihm ist heute noch ein kleines Zimmer gewidmet, das an seine Mission erinnert, welche die westdeutsche Klatschpresse seinerzeit dazu verleitete, nur Hohn und Spott über den ostdeutschen Vorstoß zu äußern - schließlich könne es kaum angehen, dass der erste Deutsche im All sächsich spricht und einem BRD-Raumfahrer zuvorkommt. Dieser folgte mit Ulf Merbold erst Jahre später, bei dem es sich übrigens - Ironie der Geschichte - auch um einen Vogtländer handelt. Heute sind diese Anekdoten weitestgehend vergessen, doch Sigmund Jähn ist noch immer gern gesehener Gast in seinem Heimatdorf. Lässt er sich einmal in der Ausstellung blicken, so ist er sofort umringt von autogrammhungrigen Besuchern. Er ist halt noch immer bekannt und - ob seiner einfachen, bescheidenen Art - beliebt.
Doch Sigmund Jähn ist nicht der einzige "Star", der dem eher verträumten Ort die Treue hält. Seit 1997 finden in Morgenröthe-Rautenkranz jährlich die Raumfahrttage statt - eine mehrtägige Veranstaltungsreihe, ausgestaltet durch Vorträge und Referate von führenden Raumfahrtexperten und Raumfahrern aus aller Welt. Die Tagung ist für Raumfahrt-Interessierte aus der gesamten Bundesrepublik bereits ein Muss, und auch Fans aus dem Ausland, vor allem aus Österreich, der Schweiz und Tschechien, aber auch aus dem fernen Schweden, reisen gern an. Mittlerweile haben die Raumfahrttage Tradition und finden dieses Jahr bereits zum siebten Male statt, und auch in 2003 glänzte die Veranstaltung durch hochkarätige Referenten. So konnte das interessierte Publikum dieses Jahr die gesamte Crew der Mission Sojus TMA-1 begrüßen. Im Rahmen des internationalen Projektes "Odissea" flog die vierte Taxi-Crew, bestehend aus dem Bordingenieur Sergei Saljotin, dem Kommandanten Juri Lontschakow und dem Belgier Frank de Winne im Oktober des vergangenen Jahres für einen einwöchigen Forschungs-Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS ins All. Am Wochenende, vom 23. bis 25. Mai 2003, informierten sie nun Raumfahrtfans über den aktuellen Stand des Ausbaus der ISS nach Columbia und gaben Gelegenheit zum Fragen stellen. Dies war auch Grund zur Freude auf Seiten der eifrigen Autogrammsammler und Philatelisten. Wann ergibt sich sonst die Möglichkeit, eine komplette Besatzung zu treffen?
Eröffnet wurde die Veranstaltung offiziell am frühen Freitagbend. Noch bevor es aber richtig losging, konnte die Ausstellung ihr neuestes Exponat der Öffentlichkeit präsentieren: das Original-Trainingsmodul der Raumstation Mir, welches noch bis Anfang März im Astronauten-Ausbildungszentrum (EAC) des DLR in Köln stand. Dass die Mir nun ihren Weg ins Vogtland fand, ist auch ein Verdienst von Sigmund Jähn. Als das DLR in ihren Hallen Platz machen musste für ein aktuelles Modell der ISS, konnte er die Leihgabe arrangieren. Da die Räumlichkeiten in Rautenkranz sehr beschränkt sind - die 200 m² Ausstellungsfläche im ehemaligen Reichsbahngebäude gibt nur Möglichkeit, ein kleines Spektrum der vorhandenen Exponate zu präsentieren - landete das Basismodul vorerst im nur wenige Kilometer entfernten Waldpark Grünheide. Mehr als hundert Raumfahrtfreaks versammelten sich dann auch gegen 17 Uhr im Waldpark vor einer eigens dafür hergerichteten Halle.
Viele kamen wesentlich eher, um im Voraus einen Blick auf das Modul weitab vom Trubel der Masse werfen zu können - vergebens. Der Rummel, der von den Veranstaltern letztendlich um die Präsentation des Moduls gemacht wurde, erinnerte eher an ein Gewerbefest, auf dem kräftig und vor allem medienwirksam Werbung für den Waldpark gemacht wurde. Auf jeden Fall wurde das veranschlagte "Event" unter dem Titel "MIR 2003 - durch das Dunkel zu den Sternen" dem eigentlichen Anspruch nicht gerecht. Gegen 17 Uhr führte man uns dann in das Gebäude herein. Vom Modul trennte uns, nunmehr in einen engen, vollkommen verdunkelten Raum hineingeführt, lediglich noch eine "Multimedia-Show" - an sich nur eine Slideshow, bestehend aus scheinbar wahllos aneinander gefügten Fotos der Mir, die so ziemlich jeder im Raum mehr als gut kannte.
Letztendlich erhörte man unser gelangweiltes Stöhnen und öffnete die Pforten zum Nebenraum. Dort stand man nun schon wieder bewegungslos in einer langen Schlange und bot zunächst den anwesenden Journalisten und der so genannten Prominenz aus Politik und Industrie einen Blick in das Innere des auf einer Bühne aufgebahrten, maßgeblich aus Holz bestehenden Trainingsmoduls. Das Warten lohnte sich am Ende, denn einmal selbst in einem solchen Modul - und sei es nur ein (natürlich originalgetreues) Modell - zu stehen vermittelt einem erst einen realistischen Eindruck von den Größenverhältnissen innerhalb einer Raumstation. Das ist in gewissem Maße etwas Besonderes und rechtfertigt die bisherigen Strapazen, auch wenn sie ein wesentlicher Kritikpunkt der Veranstaltung sind. Nun denn, nach dem beschriebenen Sightseeing begannen dann die Raumfahrttage an sich mit dem Vortrag der beiden russischen Raumfahrer Sergei Saljotin und Juri Lontschakow über den Fortgang des Ausbaus der ISS, was speziell im Hinblick auf die Situation nach der Columbia-Katastrophe interessant ist.
Saljotin betonte in seinem Vortrag die Notwendigkeit der Wiederaufnahme des Shuttle-Programms. "Wir warten sehnlichst darauf, dass die Shuttles wieder fliegen. Nur so kann der geregelte Betrieb auf der ISS weitergehen. Die Russen aber können das nicht übernehmen; wir müssten sehr viele Starts in sehr kurzer Zeit durchführen und das können wir nicht." Allerdings blickt Russland inmitten aller Probleme optimistisch in die Zukunft: "Ich bin überzeugt, dass der Ausbau weitergeht. Was nach der ISS kommt, ist der Mars." Lontschakow fügte zustimmend an, dass er froh sei, "dass das, was auf der ISS betrieben wird, dem Fortschritt der Menschheit dient." Der Frage eines Teilnehmers auf die Möglichkeiten der Reaktivierung des russischen Shuttle-Pendants Buran - eine Frage, die gerade wieder aktuell geworden ist - trat Saljotin folgendermaßen entgegen: "Aus einer Reihe technischer, aber auch finanzieller Sicht scheint eine Wiederbelebung des Buran unmöglich. Man sollte auch beachten, dass der letzte und einzige Buran-Start bereits 15 Jahre zurück liegt." Der Tag endete nach den aufschlussreichen Worten der Referenten, die sich auch noch kurz zu den Problematiken des Wiedereintritts der Sojus-Kapseln äußerten. Erst jüngst wurde die Frage nach der Sicherheit jenes Systems durch die havarierte Landung von Sojus TMA-1 wieder aufgeworfen.
Der zweite Tag begann gegen 9.30 Uhr, nun aber wieder - wie gewohnt - im Tagungslokal der Pension "Frischhütte" in Rauntekranz. Der Andrang der Gäste war auch hier sehr groß, bis zu 130 Besucher wohnten den Experten-Vorträgen bei. Den Auftakt machte der belgische ESA-Astronaut Frank de Winne mit seinen Ausführungen über die eingangs erwähnte belgo-russische "Odissea"-Mission auf der ISS. Es schlossen sich Michael Iwanowitsch Poluchin, Chef des kosmischen Such- und Rerttungsdienstes, sowie einer seiner Kollegen, Semtschenko, an. Sie erläuterten das Wiedereintrittsschema der russischen Sojus-Kapseln, wo natürlich auch erwähnte Panne bei der Landung von Sojus TMA-1 thematisiert und die genaueren Hintergründe erläutert wurden.
Auch gab es wieder Anekdoten am Rande, die für das Publikum neu gewesen sein dürften. So wussten die russischen Referenten über den Lokalmatador Sigmund Jähn zu berichten, dass er bei seiner Mission seine Schuhe beim Wiedereintritt in der Orbitalsektion zurück ließ. Um nicht barfuß bzw. in Strümpfen weitergehen zu müssen, lieh er sich von einer Krankenschwester vor Ort die Turnschuhe. Unter dem Siegel größter Verschwiegenheit erzählte Gerhard Kowalski, Raumfahrt-Journalist und Russisch-Dolmetscher während der gesamten Raumfahrttage, dass Sigmund Jähn nur Schuhgröße 42 besäße, ihm deshalb die Schuhe der russischen Offiziere vor Ort nicht passten und er deswegen auf Frauenschuhe zurückgreifen musste. Aber auch für Sigmund Jähn gab es eine kleine Überraschung, als ihm seine russischen Freunde im Saal genau die traditionelle kasachische Tracht überreichten, die er 1978 nach seinem Flug übergezogen bekam. Zum 25. Jubiläum seines Fluges, so versprachen die Vertreter des Bergungsdienstes, wird außerdem sein Konturensessel aus der Sojus 29 ins heimische Museum gebracht. Ebenfalls wurde wie ganz nebenher erwähnt, dass ein Astronaut, dessen Name anscheinend nicht genannt werden darf, nach der Landung von Sojus TMA-1 mehrfach ohnmächtig wurde... Von daher konnten aus den Referenten auch einige neue, "interne" Informationen herausgekitzelt werden.
Es fuhr als letzter Referent des Vormittages Toshihito Oida fort. Oida ist der Direktor der NASDA in Deutschland und berichtete über das japanische Engagement in der Raumfahrt, speziell im Hinblick auf die ISS. Dabei ging es im Wesentlichen üm das Fortschreiten der Projekte Kibo und der Trägerrakte HII-A. Auch aus Deutschland gibt es starke Bemühungen um den wissenschaftlichen Gehalt der ISS, wie Tino Schmiel von der TU Dresden nach der Mittagspause eindeutig bewies, in dem er das von seiner Universität bzw. dem Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (ILR) entwickelte Experiment FIPEX vorstellte, bei dem es um die Messung des Sauerstoffflusses in kosmischer Höhe geht. Die Vortragsreihe schloss im Anschluss Dr. Helmut Bauer vom DLR in Bonn, der über die deutschen Nutzungskonzepte der Internationalen Raumstation referierte.
Langsam aber sicher klang der Tag aus, doch es ging noch weiter: auf das traditionelle Referentenfoto vor der Sigmund Jähn gewidmeten Stele folgte eine Autogrammstunde, welche scheinbar intensiv genutzt wurde, um das eigene Sammelmaterial, vor allem Fotos und postalische Belege, signieren zu lassen. Das war denn auch die letzte Qual des Tages, schließlich folgte auf die Schreibarbeit dann ein reichlich gedecktes Büffet. Bei exzellenter Kost konnten dann die einzelnen Besucher bis spät in die Nacht hinein debattieren und diskutieren oder einfach nur in geselliger Runde zwischen Gleichgesinnten beisammen sein. Auf alle Fälle ein erfreulicher Abschluss eines interessanten Tages. Am Sonntag stand schließlich eine Talkrunde mit den Referenten auf dem Programm, bei der insbesondere auf die technischen Details der Sojus TMA eingegangen wurde. Auch diese letzte Veranstaltung im Rahmen der Raumfahrttage gestaltete sich äußerst informativ und rundete den Gesamteindruck der Tagung ab.
Insgesamt waren die Raumfahrttage, bereits in siebter Auflage, wieder ein großartiges Erlebnis. Das Rahmenprogramm war ansprechend und fachgerecht gestaltet. Die Referenten haben informative Vorträge geliefert und am Rande war stets Platz für Diskussionen und Fragen, aber auch zur Erfüllung kleinerer oder größerer Sammlerwünsche. Ich empfehle jedem Raumfahrtfan, selbst einmal in der deutschen Raumfahrtausstellung vorbeizuschauen oder an der einen oder anderen Veranstaltung teilzunehmen. Die Raumfahrttage sind "Raumfahrt zum Anfassen" in einer deutschlandweit einmaligen Form. Wer sich dafür interessiert, sollte die Ohren offen halten: zu Ehren des 25. Jahrestages des ersten deutschen Raumfluges wird es Ende August eine entsprechende Festveranstaltung geben. Natürlich wieder mit vielen Raumfahrern aus aller Welt...
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
Space Focus: Nutznießer der neuen optischen Teleskope
|
von Tilman Kaiser | |
Neben Edwin Hubble, der mit den neuen Teleskopen auf dem Mount Wilson 1929
die legendäre Expansion des Weltraums entdeckte, gab es auch noch einen
deutschstämmigen Astronomen, der von George Hales "Observatories" in Kalifornien
profitierte und dort in den 40-ern eine wichtige Entdeckung für die Kosmologie machte.
Walter Baade wurde 1893 in Nordrheinwestfalen geboren und durchlief eine für das
damals in Deutschland gesellschaftlich noch bedeutende Bildungsbürgertum nicht
untypische akademische Laufbahn. Sein Studium der Astronomie schloss Baade an der
Universität Göttingen mit dem damals in den Naturwissenschaften einzig gangbaren
Weg der Promotion ab (Das Diplom für Physiker wurde erst in der NS-Zeit eingeführt)
und arbeitete anschließend in den 20-ern am Bergedorf-Observatorium der Universität Hamburg.
Etwas ungewöhnlicher für einen deutschen Akademiker war Baades Rockefeller-Stipendium,
mit dem er 1926 einen einjährigen Forschungsaufenthalt in den Vereinigten Staaten, genauer
in Harvard und verschiedenen Observatorien (Yerkes, Lick, Mount Wilson) finanzierte.
Somit kannte Baade die hervorragenden Forschungsbedingungen in der Astronomie
in den USA. Außerdem hatte er seinen Aufenthalt auch dazu genutzt, Beziehungen zu vielen
amerikanischen Astronomen aufzubauen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der
inzwischen habilitierte Baade 1931 bei einer sich abzeichnenden Verschlechterung der
politischen Lage in Deutschland auf das Angebot einer Festanstellung am Mount Wilson
Observatorium einging und mit seiner Frau in die USA emigrierte.
27 Jahre seines Lebens war es Baade vergönnt, teilweise in völliger Ungestörtheit an den
weltweit modernsten optischen Teleskopen zu arbeiten. Für seinen Ruhestand kehrte
er 1959 nach Deutschland zurück, verstarb aber ein Jahr später nach einer Operation.
Die Ironie von Baades Schicksal besteht darin, dass er als nicht-jüdischer Deutscher
während des Zweiten Weltkriegs in den USA im Gegensatz zu seinen amerikanischen
Kollegen nicht für militärische Forschungsprojekte eingesetzt wurde. So stand Baade
in den 40-ern unbegrenzte Beobachtungszeit am 2,5m Hooker-Teleskop auf dem Mount Wilson,
dem bis 1949 größten Teleskop der Welt zur Verfügung.
Als das nahegelegene Los Angeles aus Angst vor japanischen Luftangriffen nachts verdunkelt
werden mußte, hatte Baade auf dem Mount Wilson so ausgezeichnete Beobachtungsbedingungen,
dass er das Teleskop mit verschiedenen Tricks 1943 bis an die Grenze seines
Auflösungsvermögens ausreizen konnte. Mit dem Hooker-Teleskop konnte Baade Aufnahmen
vom Inneren der Andromeda-Galaxie machen, auf denen Sterne als einzelne Lichtpunkte
erkennbar waren, während Hubble dies mit dem selben Teleskop nicht geschafft hatte.
Literatur:
J. Gribbin: "In Search of the Big Bang", Penguin Books 1998
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
ISS Weekly Report: Raumstation weicht Satellit aus
|
von Michael Schumacher | |
Wissenschaftliche Forschung, Wartungsarbeiten und Training für Extravehicular Activities (EVA) standen diese Woche im Mittelpunkt des Interesses für die siebte Stammbesatzung, bestehend aus Kommandant Juri Malentschenko und National Aeronautics and Space Administration (NASA) International Space Station (ISS) Science Officer (SO) Edward Lu, die ihre fünfte Woche im Weltraum an Bord der Internationalen Raumstation beendeten.
Die Microgravity Science Glovebox (MSG) ist wieder in Betrieb und ermöglicht die Durchführung von Experimenten in eine abgeschlossen, kontrollierten Umgebung, nachdem die Forscher den Computer der Einheit neu gestartet hatten, um die Forschung an dem Experiment Investigating the Structure of Paramagnetic Aggregates from Colloidal Emulsions (INSPACE) fortzuführen, die während der Mission der sechsten Stammbesatzung an Bord der Internationalen Raumstation begann.
Die Wissenschaftler hoffen, bessere Flüssigkeiten für System zu entwickeln, die routinemäßig Magnetfeldern ausgesetzt sind, wie zum Beispiel Bremsflüssigkeiten in Kraftfahrzeugen und Vibrationsdämpfungssystemen. Außerdem hoffen sie, die Daten für INSPACE zur Entwicklung neuer Anwendungen zu nutzen, wie zum Beispiel Vibrationsdämpfungssysteme für Gebäude in erdbebengefährdeten Gebieten.
Am Anfang dieser Woche wurde eine defekte Batterie in den Wohnquartieren des Service Module Swjesda ausgetauscht und die Besatzung trainierte Techniken zur Durchführung einer EVA ohne die Unterstützung eines dritten Besatzungsmitgliedes. Teile der Vorführung werden aufgrund eines Problems neu angesetzt, das auftrat, als der Wasserfluss in der Unterwäsche von Lu nicht richtig arbeitete. Die Ingenieure für die EVA sind dabei, das Problem zu bewerten.
Während des sechsmonatigen Aufenthaltes der sechsten Stammbesatzung ist keine EVA geplant, aber das Training an Bord ist vorgesehen, um die Besatzung für den Fall darauf vorzubereiten, dass eine nicht vorgesehene EVA notwendig ist.
Am Freitag, dem 30. Mai 2003 planten die Flugbahnkontrolleure eine geringfügige Zündung zur Anhebung der Erdorbithöhe durch die Triebwerke des unbemannten russischen Versorgungsraumschiffes Progress M-47 und führten diese dann durch, um die Internationale Raumstation aus der Bahn des Satelliten MegSat 0 zu manövrieren.
Das Posigrade Maneuver mit einer Geschwindigkeitsänderung von einem Meter pro Sekunde dauerte etwas mehr als sieben Minuten und wurde um 11.50 Uhr Eastern Standard Time (EST) durchgeführt, nachdem eine drei Tage andauernde Bahnverfolgung die Notwendigkeit der Zündung bestätigte. Die Zündung hob die durchschnittliche Erdorbithöhe der Internationalen Raumstation um etwa 1,8 Kilometer an. Die knappste Annäherung an die Internationale Raumstation erfolgte um 15.55 Uhr EST. Das Manöver war das sechste in der Geschichte der ISS seit dem Start des Control Module Sarja am 20. November 1998. Für das Programm wird geschätzt, dass etwa zwei solche Manöver jedes Jahr notwendig sind, die tatsächliche Zahl ist bisher jedoch geringer als ein Manöver jedes Jahr.
Am Donnerstag, dem 29. Mai 2003 veranschaulichte die Flugeigenschaften in der Mikrogravitation mit Hilfe eines Papierflugzeugen und eines kleines Modells des Flugzeuges der Gebrüder Wright, das er zu Ehren des hundertsten Jahrestages der Flüge der Gebrüder Wright mitbrachte. Die Vorbereitungen für den Start des unbemannten russischen Versorgungsraumschiffes Progress M1-10 am 8. Juni 2003, das mehr als 2.268 Kilogramm an Nahrungsmitteln, Wasser und Versorgungsgütern für die Besatzung an Bord der Internationalen Raumstation transportieren wird, verlaufen planmäßig. Die Ankopplung an die ISS soll am 11. Juni 2003 erfolgen.
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
Surftipp: Universität Bayreuth
|
von Britta Hermes | |
Sie interessieren sich für die Chemie des Mars und suchen nach Antworten auf Fragen, die den "roten Planeten" betreffen?
Auf den Seiten der Universität Bayreuth finden Sie Antworten auf eine Auswahl von Fragen, die Schüler NASA-Specialists in den USA zu diesem Thema stellen durften.
Beantwortet werden beispielsweise Fragen zum Aufbau der Atmosphäre, der Geochemie sowie zu diversen Naturphänomenen:
Warum gibt es keine Ozonschicht auf dem Mars?
Gibt es Wasser auf dem roten Planeten? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen dafür oder dagegen?
Welche Gase enthalten seine Polkappen?
Auch einige der diversen Spekulationen, die sich rund um den Mars ranken, werden hier einmal genauer „unter die Lupe genommen“.
Zum besseren Verständnis wurden zusätzlich zu den gestellten Fragen weiterführende Sachinformationen hinterlegt, die die von den Experten dargelegten Zusammenhänge näher beleuchten. Bei Interesse an den englischen Originalfragen, hat man selbstverständlich die Möglichkeit auf dieselben zuzugreifen.
.
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
InDetail: Sonnenfinsternis
|
von Mark Weimar | |
Es gibt drei verschiedene Arten der Sonnenfinsternis. Die totale, die ringförmige und die partielle Sonnenfinsternis. Wenn man von einer Sonnenfinsternis spricht, dann meint man eigentlich eine verdunklung der Sonne durch den Mond. Der einzige Unterschied bei den oben genannten Typen ist der Grad der Bedeckung durch den Mond. Totale Sonnenfinsternisse kommen sehr oft vor, doch leider sind sie selten zu beobachten. Der Grund dafür ist, dass der Schatten der Finsternis nicht über dem Festland, sondern meistens über dem Ozean.
|
|
|
|
^ Nach oben
|
|
|
"In Space" Magazin #079 ISSN 1684-7407
Erscheinungsdatum:
31. Mai 2003
Auflage: 1111 Exemplare
Chefredaktion:
Karl Urban
Herausgeber:
TrekZone e.V.
Redaktionsleitung:
David Langkamp
Redaktion:
Birger Böning
Sven Flock
Jan Großmann
Britta Hermes
Tilman Kaiser
Raphael Kallensee
Andreas Kopp
Clemens Mach
Sebastian Mateja
Dominik Mayer
Thomas Pallmann
Dominik Puckert
Sabine Rossburg
Franz Schmied
Michael Schumacher
Michael Stein
Mark Weimar
Lorenz Zistler
Freie Mitarbeiter:
Lutz Growalt
Felix Korsch - MannedSpaceflight.de
Meik Lampmann - Space-Weltraum.de
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
Kontakt / Impressum / Disclaimer |
TrekZone Network - Europäische Organisation
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks.
Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des TrekZone e.V., Postfach 110426, D-19004 Schwerin.
Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.
Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.
Copyrights
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede
unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.
Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer
Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich
um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen
Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.
Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen
ohne schriftliche Genehmigung des Redaktionsleiters (E-Mail an david.langkamp@raumfahrer.net) streng untersagt.
Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche
Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten
uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.
Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 -
Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die
Redaktion des TrekZone Networks sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte
hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen
und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht
bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für
Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis,
Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.
Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß § 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.
|
|
| © 2003 by Raumfahrer.net.
|
|