InSpace Magazin #090 vom 16. August 2003

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Raumfahrer.net

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.   

 

"In Space" Magazin

Ausgabe #090
ISSN 1684-7407


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Updates / Umfrage

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Nachrichten der Woche

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Raketenentwicklung in Deutschland

> ISS Weekly Report:
Erste (Wel)traumhochzeit in der Erdumlaufbahn

> Surftipp:
Plesetsk.org

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Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Karl Urban

Verehrte Leserinnen und Leser,
 
es ist ein Jubiläum, wenn auch nur ein kleines: Heute erscheint die 90. Ausgabe des InSpace Magazins. Trotzdem geben wir uns weiter wenig betagt und präsentieren Ihnen wie immer die neusten Meldungen und Artikel aus der Welt der Astronomie und Raumfahrt - oder eher aus dem Weltraum von Astronomie und Raumfahrt.

Eine der größten Neuigkeit in dieser Woche kommt aus China: Es geht das Gerücht um, wonach am 10. Oktober 2003 der erste Flug eines Chinesen ins All starten wird. Scheinbar findet dieses Jahr, das mit dem Columbia-Unglück am 1. Februar so tragisch angefangen hat, doch noch einen gelungenen Abschluss.

Wir werden Sie natürlich weiter über die Geschehnisse in China auf dem Laufenden halten. Ja, wir werden unsere Berichterstattung in diesem Bereich demnächst sogar massiv ausweiten - soviel sei schon einmal verraten.

Erst einmal wünsche ich Ihnen aber viel Spaß beim Lesen der 90. Ausgabe des InSpace Magazins.
 

            Karl Urban
            Chefredakteur Raumfahrer.net

 
 

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      Updates / Umfrage


» marsexpress.raumfahrer.net
Europas erste Mission zum Roten Planeten ist sogleich eine sehr aufwändige. Neben dem Orbiter ist auch das Landefahrzeug Beagle 2 mit auf der Reise. Wir informieren Sie ständig über den aktuellsten Stand der Mission.

» mars2003.raumfahrer.net
Raumfahrer.net hat eine Sonderseite zum neusten Marsprojekt der NASA gestartet: In wenigen Monaten sollen zwei baugleiche Rover zum Roten Planeten starten. Auf der Seite finden Sie neben Artikeln zu den Landern immer aktuelle Statusreports.

» radio.raumfahrer.net
Sie können sich die aktuelle Sendung des Raumfahrer.net-Webradions InSound (Länge: 22.33 Minuten) noch immer direkt aus dem Internet anhören oder die Datei der Sendung downloaden.

» mitarbeit.raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

 
 

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      News

Smart-1 startet am 4. September 2003 <mehr>
Shenzhou 5 startet am 10. Oktober <mehr>
Ein Revival für Japans H-2A, Konkurrenz für Ariane 5? <mehr>
Dritter Startversuch für US-Militärsatellit <mehr>
Kosmodrom Plessetzk wird ausgebaut <mehr>
Militärischer Titan 4B-Start verschoben <mehr>
Neuer russischer Aufkläungssatellit im All <mehr>
Kanadischer Umweltsatellit gestartet <mehr>
SMART-1 Start verschoben <mehr>
Südkorea baut eigenes Startzentrum <mehr>
Bauphase des "Russisch-Kourou" beginnt bald <mehr>
Columbia-Katastrophe hat teures Nachspiel <mehr>
Erste kosmische Hochzeit vollzogen <mehr>
Fünfte CZ-2F bald startbereit <mehr>
Shenzhou 5: Sicherheit geht vor <mehr>



» Smart-1 startet am 4. September 2003
15. August 2003 - Der Start von Ariane-5 mit SMART-1 und zwei kommerziellen Satelliten an Bord war ursprünglich am 28./29. August vorgesehen.
Jetzt startet SMART-1 am 4. September um 1:04h CEST von Europas Raumflughafen Korou in Französisch-Guiana.

Die Ariane-5 Trägerrakete und die SMART-1-Raumsonde sind in perfekten Zustand, bereit für das neue Startdatum.

Den Weg zum Erdtrabanten wird SMART allein mit dem Schub eines Ionentriebwerkes erreichen, das bei dieser Mission zum ersten Mal als Hauptantriebssystem eingesetzt wird. Diese Erfahrungen werden als Grundlage für zukünftige Interplanetarische Missionen der ESA dienen.
(Meik Lampmann - Quelle: ESA)


» Shenzhou 5 startet am 10. Oktober
15. August 2003 - Die erste bemannte Mission Chinas rückt näher, während langsam aber sicher mehr Details über das bevorstehende Ereignis bekannt werden. Alle weiteren Vorbereitungen liegen im Zeitplan.
Bereits seit Dienstag verbreitet sich das Gerücht über verschiedene inoffizielle Kanäle, dass der wahrscheinlichste Termin für den ersten bemannten Raumflug Chinas der 10. Oktober sei. Am vergangenen Mittwoch griff die staatliche Tageszeitung Wen Wei Po ebenfalls das Thema auf und bestätigte den genannten Termin, wobei man sich auf eine Verlautbarung des Xi'an Satellite Control Centre (XSCC) in der Provinz Shaanxi bezieht. Demnach soll die Mission nicht am Nationalfeiertag selbst, also am 1. Oktober, begangen zu Ehren der Gründung der Volksrepublik China, sondern erst nach der offiziell im ganzen Land begangenen Festwoche stattfinden. Bisher unterlag der Starttermin der Geheimhaltung und wurde nicht genannt, auch wenn sich ein Datum um Anfang/Mitte Oktober immer mehr abzeichnete. Erst am vergangenen Sonntag zitierte der chinesische Nachrichtensender Phoenix TV die staatliche Kommission für Wissenschaft, Technik und Industrie für nationale Verteidigung (COSTIND), wonach der Starttermin feststeht und alle Vorbereitungen zur Zufriedenheit aller im Zeitplan liegen.
Die Aussage eines anonym gebliebenen Technikers der Chinesischen Akademie für Raketentechnologie (CALT) suggeriert zudem, dass an der Mission nicht, wie mehrfach spekuliert, zwei, sondern nur ein yuhangyuan teilnehmen wird. Dieser werde erst kurz vor dem Start aus einer näheren Auswahl von drei Taikonauten ausgewählt. Insgesamt seien derzeit zwölf Taikonauten im Training, welche sich allesamt aktiv auf einen Flug vorbereiten. Diese Behauptung steht jedoch im Widerspruch zu der verbreiteten Annahme, es befänden sich vierzehn chinesische Raumfahrer im aktiven Dienst. Der yuhangyuan mit der besten Kondition am Starttag wird dann an Bord von Shenzhou 5 ins All aufbrechen dürfen. Vor einer Woche vermeldete die Hong Konger Zeitung Ta Kung Pao, das sich das Startfenster gegen 6 Uhr Pekingzeit - kurz vor Sonnenaufgang - öffnen wird (0.00 Uhr MESZ). Eine der wenigen Nutzlasten an Bord sollen mehr als zwanzig verschiedene Samen landwirtschaftlich genutzter Pflanzen sein. Auf mehr wissenschaftliche Fracht soll verzichtet werden, um den oder die Taikonauten in seinem/ihrem Platzbedarf nicht einzuschränken und eventuelle Gefahren auf der Jungfernmission zu minimieren.
Interessant ist die angedachte Dauer der Mission: westliche Beobachter schätzen, dass der erste Flug wahrscheinlich nicht länger als 24 Stunden dauern wird. Dem entgegen steht nun die offizielle Angabe des landwirtschaftlichen Ministeriums von Hangzhou, wonach von ihnen fünf verschiedene Sorten Samen (u.a. Grüner Tee) mit auf die Reise geschickt werden. Die 500 Gramm leichte Last soll dann sieben Tage mit Shenzhou 5 im All verbleiben. Wird der erste bemannte Flug also gleich eine Woche dauern? Konfrontiert mit diesen Fragen negierte ein Offizieller der chinesischen Raumfahrtagentur CNSA gegenüber Beijing Youth Daily, dass bereits über die Nutzlasten der Mission entschieden sei. Die Angabe von einer Woche muss also nicht stimmen. Die nächsten Schritte in Vorbereitung auf die historische Mission sind abschließende Tests von Träger und Raumschiff in den Werkshallen sowie der Transport der Trägerrakete CZ-2F zum Kosmodrom in Jiuquan (wir berichteten) Ende der kommenden Woche. Noch bevor Shenzhou 5 wird abheben können, möchte man in China die bevorstehenden Ereignisse für eine eigens geschaffene Bildungskampagne nutzen. Im Rahmen der diesjährigen "Woche der Wissenschaft und Technik" in Beijing, welche am 23. September eröffnet, soll das Thema Raumfahrt ein zentraler Punkt werden. Spätestens dann werden wir mehr erfahren.
(Felix Korsch - Quelle: SpaceDaily.com)


» Ein Revival für Japans H-2A, Konkurrenz für Ariane 5?
14. August 2003 - In den kommenden Jahren soll die japanische H-2A technisch erweitert werden. Damit entsteht ein Träger für schwere Lasten, welcher dem europäischen Pendant den Rang ablaufen könnte.
Glaubt man einer Verlautbarung des japanischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, so möchte man bald die Trägerrakete H-2A im Rahmen eines 168 Millionen US-Dollar teuren Projekts technisch aufstocken, um deren Nutzlastkapazität innerhalb von vier Jahren mehr als zu verdoppeln. Die erste derartige Rakete soll, so Shigekazu Matsuura, verantwortlich für die staatliche Raumfahrtplanung, bereits im April 2007 erfolgen können. "Das primäre Ziel ist das starten schwerer Nutzlasten zur Internationalen Raumstation". Die Kapazität des Standardmodells reiche vor allem für den Start von Modulen nicht aus, so Matsuura. Wenn die ISS im Jahre 2007 oder 2008 ihr volles Einsatzpotential erreicht hat, möchte Japan im Rahmen ihrer Verpflichtungen im ISS-Projekt bis zu acht Tonnen Fracht jährlich als Versorgungsgüter zur Raumstation entsenden. Hierzu ist ein eigenes entsprechend leistungsfähiges Trägersystem unentbehrlich.
Allerdings ist dies nicht der einzige Grund für die umfangreichen Anstrengungen auf japanischer Seite. Auch erhofft man sich, mit einer stärkeren Trägerrakete künftig attraktiver auf dem Markt der Weltraumstarts für schwere Lasten auftreten zu können. Die H-2A Plus wird sich dann mit ihren Parametern in ein Segment vorstoßen, welches derzeit von Europas Ariane 5 dominiert wird. Die technischen Erweiterungen werden geplant und durchgeführt von Mitsubishi Heavy Industries Ltd., während die neu organisierte japanische Raumfahrtagentur JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) die Starteinrichtungen auf dem Weltraumbahnhof Tanegashima entsprechend umrüsten wird. Die Hauptveränderung am bestehenden Trägersystem wird vor allem die Erhöhung des Basisdurchmessers von vier auf fünf Meter sowie die Verwendung eines zweiten Haupttriebwerkes sein. Bis zu vier Tonnen Last sollen so mühelos in einen gestationären Orbit gebracht werden können, während die Startkosten nur minimal steigen sollen.
Bisher wurden fünf Raketen des Typs H-2A erfolgreich gestartet, die letzte im März dieses Jahres mit dem ersten japanischen Spionagesatellit an Bord. Der Träger ist die bis dato schwerste japanische Rakete, konnte sich aber noch nicht auf dem kommerziellen Markt etablieren. Hervorgegangen ist sie aus dem Vorgängermodell H-2, einst einem Prestigeprojekt Japans. Notwendig wurde die Entwicklung erst durch die Beteiligung des asiatischen Landes an der Internationalen Raumstation (ISS) mit einem umfangreichen Experimentalmodul (Kibo) sowie Überlegungen, einen eigenen, unbemannten Zubringer parallel zum europäischen ATV (Automated Transfer Vehicle) zu schaffen.
(Felix Korsch - Quelle: SpaceDaily.com)


» Dritter Startversuch für US-Militärsatellit
14. August 2003 - DMSP F16 heißt der wohl unglücklichste Satellit der vergangenen Jahre. Seit 2001 musste er auf Grund anhaltender technischer Probleme auf sein Debut warten.
Der US-Satellit DMSP F16, Bestandteil des Defense Meteorological Satellite Program (DMSP) steht seit gestern das dritte mal binnen fast drei Jahren auf dem Launchpad. Ursprünglich sollte er bereits im Januar 2001 mit einer Trägerrakete des Typs Titan 2 ins All gebracht werden. Eine Serie von Problemen verhinderte damals den Start. Kaum ein Jahr später entdeckten Ingenieure eine ernste Fehlfunktion des Antriebssystems, während der Satellit erneut auf seinem designierten Träger platziert wurde, welcher selbst gerade betankt worden war. Nun setzt man seitens der NASA und dem Initiator des Projekts, der US Air Force, zum dritten Startverusch an. Diesmal hoffen die Verantwortlichen auf einen glückvolleren Verlauf bis zum Start von der Vandenberg Air Force Base und darüber hinaus. Erst gestern erfolgte die Montage des Satelliten auf die auf dem Space Launch Complex 4-West bereit gestellte Titan 2.
Der weitere Verlauf der Planungen sieht eine Reihe von abschließenden Tests sowie die Betankung des Satelliten um den 25. August vor. Die Rakete selbst erhält ihren Treibstoff aus Sicherheitsgründen erst rund eine Woche vor dem Start. Jener soll am 14. September stattfinden. Erfährt das Projekt bis dahin kein unglückliches Déjà-vu, so öffnet sich ab 18:17 Uhr MESZ ein zehnminütiges Startfenster, welches man unbedingt zu nutzen gedenkt. "Seine Zeit ist gekommen", sagte Chuck Spice, technischer Controller in Vandenberg. "Es ist noch viel zu tun", fuhr er gestern in einer Pressekonferenz fort. "Wir haben noch nicht den Punkt erreicht, bis zu dem wir beim letzten Male kamen. Wenn wir das System erst einmal betankt haben, werde ich beginnen, mich besser zu fühlen."
(Felix Korsch - Quelle: spaceflightnow.com)


» Kosmodrom Plessetzk wird ausgebaut
13. August 2003 - Während Baikonur ein Auslaufmodell ist kommt dem einst wichtigsten aller Startgelände Russlands wieder mehr Bedeutung zu. Eine komplette Modernisierung steht nun auf dem Plan.
Noch vor dem Jahre 2006 soll das russische Kosmodrom Plessetzk vollständig modernisiert und ausgebaut werden. Dies gab heute die Nachrichtenagentur Itar-TASS bekannt. Dabei wurde der Kommandant der Rakentruppen der Russischen Föderation, Anatoli Perminow, zitiert. Demnach sei der Hauptbestandteil der Arbeiten der Aufbau eines Startkomplexes für die Sojus 2-Rakete. Entsprechende Anlagen sollen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen können. Hinzu kommen Tätigkeiten an Startplattformen für die kleinere Angara-Rakete für leichte Nutzlasten sowie weitere umfangreiche Startkomplexe für alle derzeit gängigen russischen Trägerraketen. Spätestens 2005 sollen die Hauptarbeiten abgeschlossen sein. Hintergrund der Ausbaumaßnahmen sind Pläne, künftig auch kommerzielle Starts vom bisher vorrangig militärisch genutzten Weltraumbahnhof in Nordrussland aus durchzuführen. Vor allem die Angara und die neue Sojus 2 dienen hierzu.
Seine militärische Bedeutung wird Plessetzk damit allerdings nicht verlieren. Zu Sowjetzeiten war das Kosmodrom sogar die am höchsten frequentierte Einrichtung dieser Art weltweit. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden viele Starts nach und nach gen Baikonur verlegt. Die schwierige politische Lage - Baikonur liegt auf dem Terrotorium Kasachstans - und die daraus resultierenden hohen Pachtkosten bewog die russische Regierung schon vor einigen Monaten zu dem Beschluss, das Startgeschehen künftig wieder auf das Kosmodrom auf eigenem Staatsgebiet zu konzentrieren, auch wenn sich die geographische Lage weit nördlich des Äquators vorrangig für Einschüsse in polare Orbits eignet. Auf der diesjährigen Moskauer Luftfahrtschau MAKS 2003 in Zhukowsky noch in diesem Monat soll ein erstes Modell des zu erweiternden Geländes präsentiert werden. Bislang wurden von Plessetzk aus mehr als 1500 Trägerraketen gestartet, welche - zumeist erfolgreich - 1955 Nutzlasten in einen Orbit beförderten. Hinzu kommen mehr als 500 Abschüsse von Interkontinental-Raketen.
(Felix Korsch - Quelle: Itar-TASS)


» Militärischer Titan 4B-Start verschoben
13. August 2003 - Ein plötzlich auftretendes Leck und giftige Dämpfe verhindern einen Start nach Plan
Das Problem trat gestern auf, als Techniker vergangen Nacht in Cape Canaveral die Trägerrakete des Typs Titan 4B betanken wollten. Während dieses Vorgangs wurde plötzlich ein Leck festgestellt, welches das Auslaufen von rund 190 Litern hochtoxischen Treibstoffs ermöglichte. Verletzte hätte es zwar nicht gegeben und nach Angaben des Militärs bestünde keine Gefahr für die Öffentlichkeit; dennoch erfordert der Vorfall nun eine komplette Untersuchung und als Folge eine dem entsprechende Verzögerung des Starts. Ursprünglich sollte der Lift-off am 17. oder 18. August vom Complex 40 des Kennedy Space Centers aus erfolgen. Das Leck, welches sich an der Basis der zweiten Stufe des schweren Trägers befindet, konnte binnen weniger Minuten abgedichtet werden, nachdem sofort ein Sicherheitsteam anrückte. Als Ursache vermutet werden entweder Klimaeinwirkungen oder ein Materialfehler.
Die Titan 4B trägt an ihrer Spitze einen Militärsatelliten, dessen genaue Parameter streng geheim gehalten werden. Wahrscheinlich handelt es sich um einen optischen Aufklärer oder einen Kommunikations-Satelliten des National Reconnaissance Office (NRO), einer Abteilung des Verteidigungs-Ministeriums (DoD). Laut US-Behörden diene der Satellit der "nationalen Sicherheit". Mit den Startvorbereitungen soll fortgefahren werden, sobald keine Gefahr mehr für die Techniker besteht. Der Starttermin wird vorerst aufgeschoben, da man zuerst die definitive Ursache des Vorfalls ermitteln möchte, um Risiken für den weiteren Verlauf der Mission auszuschließen. Erst gestern startete ein geheimer russischer Spionagesatellit von Baikonur aus ins All.
Mehr Informationen zur oben benannten Trägerrakete finden Sie imTitan 4B-Factsheet der amerikanischen Air Force.
(Felix Korsch - Quelle: Space.com)


» Neuer russischer Aufkläungssatellit im All
13. August 2003 - Stand das russische orbitale Aufklärungs-Programm vor einigen Jahren vor dem finanziellen und technischen Aus, wurde gestern ein neuer, topgeheimer Satellit in den Orbit gehievt.
Eine russische Trägerrakete des Typs Sojus U brachte gestern einen russischen Militärsatelliten ins All. Der Start erfolgte ohne weitere Probleme gegen 16:20 Uhr MESZ vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aus. Die Mission war bereits der 35. Weltraumstart im laufenden Jahr und der 1681. Flug einer Sojus-Rakete überhaupt. Insgesamt hoben damit in 2003 schon sieben Sojus-Träger gen Himmel ab. Die Nutzlast, bezeichnet als Kosmos 2399, unterliegt unterdessen der Geheimhaltung. Betrieben wird er vom russischen Verteidigungs-Ministerium und den Weltraumstreitkräften des Landes. Platziert wurde er wahrscheinlich in einem niedrigen Erdorbit, zumindest gab das russische Militär neun Minuten nach dem Lift-off die erfolgreiche Platzierung im vorausberechneten Zielorbit bekannt.
Die amerikanischen Behörden stufen den Satelliten als einen Aufklärer ein, weitere Daten und Hintergründe sind nicht bekannt. Ende August soll ein weiterer geheimer Satellit, diesmal von Plessetzk aus, ins All gebracht werden. Die russische Kosmos-Serie bezeichnet eine der umfangreichsten Satelliten-Programme überhaupt. Schon zu Sowjet-Zeiten wurden Nutzlasten unter diesem Alias ins All gebracht, darunter auch zahlreiche Satelliten mit militärischem Hintergrund.
(Felix Korsch - Quelle: Space.com)


» Kanadischer Umweltsatellit gestartet
13. August 2003 - SciSat 1 markiert den Wiedereinstieg Kanadas in die unbemannte Erforschung unseres Planeten
Am vergangenen Mittwoch wurde der kanadische Umwelt-Forschungs-Satellit SciSat 1 erfolgreich ins All geschossen. Der Start mit einer US-amerikanischen Pegasus XL verlief absolut problemfrei. Damit wurde gleichzeitig der 35. kommerzielle Start mit einem Träger dieses Typs vollzogen. Das Besondere: die Pegasus-Rakete, vermarktet von Orbital Sciences, startet nicht vom Boden, sondern aus der Luft. Dazu wurde die Pegasus, montiert an einem modifizierten Flugzeug des Typs L-1011, in einer entsprechenden Höhe (fast 12 Kilometer) und etwa 75 Kilometer vor der kalifornischen Küste entfernt, ausgeklinkt und schließlich um exakt 4:09 Uhr MESZ gezündet. Der Start des Flugzeugs erfolgte von der Vandenberg Air Force Base aus. Bereits nach etwa 10,5 Minuten wurde der polare Zielorbit in einer Höhe von ca. 600 Kilometern erreicht und der 40 Millionen US-Dollar teure Satellit, betrieben von der Kanadischen Raumfahrtagentur CSA, meldete sein Funktionieren zur Bodenkontrolle.
Hauptziel von SciSat 1 ist die Untersuchung chemischer Prozesse, speziell die Ozonkonzentration über Nordamerika. Aus den Resultaten der Untersuchungen des Satelliten, der im Oktober seinen Dienst aufnehmen soll, erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über Prozesse im Zusammenhang mit dem Entstehen von Ozonlöchern und die Auswirkungen schädlicher chemischer Stoffe auf unser kosmisches Schutzschild. Das Hauptinstrument an Bord ist ein hochempfindlichers Fourier-Tranform-Spektrometer, eine Eigenentwicklung Kanadas. Hiermit soll es möglich sein, die gleiche Atmosphärenregion bis zu dreißig Mal pro Tag genauer auf Daten wie Temperatur und chemische Zusammensetzung hin zu untersuchen und zu vermessen.
Die Mission ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der US-Weltraumbehörde NASA, welche den 21,6 Millionen US-Dollar teuren Start der nur 150 Kilogramm schweren Apparatur finanziert hat. Im Gegenzug stellt Kanada seinerseits einen automatischen Roboterarm (Canadarm) für die Internationale Raumstation (ISS) bereit. Es ist übrigens der erste kanadische Forschungssatellit seit über dreißig Jahren. Unterdessen setzt mit dem gestrigen Start auch die Pegasus ihre Erfolgsserie fort. Bereits zum vierten Male kam eine solche Trägerrakete in diesem Jahr zum Einsatz. Durch den unkonventionellen Luftstart werden Kosten für aufwendige Startanlagen am Boden eingespart und die Nutzlastkosten gesenkt. Für nächstes Jahr sind bereits mehrere entsprechende Flüge gebucht, so etwa ein Kommunikations- und Nachrichtensatellit der US Air Force im ersten Quartal 2004.
(Felix Korsch - Quelle: CSA/Spaceflightnow.com)


» SMART-1 Start verschoben
13. August 2003 - Arianespace gab am Dienstag bekannt, dass der Flug 162 der Ariane 5, der auch die ESA-Mondsonde SMART-1 beherbergt, verschoben wurde.
Der Start der Ariane 5 mit SMART-1 und zwei kommerziellen Satelliten an Bord sollte nach den ursprünglichen Planungen am Donnerstag, den 28. August vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana stattfinden. Nun wurde er um sechs Tage auf den 3. September verschoben.
Die Raumsonde SMART-1 der ESA ist die erste europäische Sonde, die zum Mond fliegen wird. Ihr Flug wird rund 16 Monate in Anspruch nehmen und dann einige beispiellose Studien am Erdtrabanten durchführen sowie innovative Technologien demonstrieren, die für zukünftige Deep Space-Missionen große Bedeutung haben dürften.
Die Start der Ariane 5 wurde verschoben, da einer der Kunden eines kommerziellen Satellits zusätzliche Tests daran durchführen möchte.
(Karl Urban - Quelle: ESA, Arianespace)


» Südkorea baut eigenes Startzentrum
12. August 2003 - Künftig möchte man aktiv mitmischen in Sachen Raumfahrt - und baut hierzu finanzaufwendig ein großes Raumfahrt-Zentrum auf
Um das eigene, nationale Raumfahrt-Programm voranzubringen plant der asiatische Staat den Aufbau eines eigenen kleinen Weltraum-Bahnhofes. Damit möchte man, so der Wunsch der Regierung, baldestmöglich der 13. Staat mit entsprechenden Einrichtungen werden. Für dieses Unterfangen wird eine 4,95 Millionen Quadratmeter große Fläche im Gebiet Goheung, Provinz South Jeoella genutzt. Bereits am vergangenen Freitag fand anlässlich dieses Regierungs-Beschlusses ein Festakt in der Hauptstadt Seoul statt. Südkoreas Präsident Roh Moo-hyun überbrachte die Botschaft, dass dieses Projekt dem eigenen Land die strategische Technologie bringen wird, welche es für den Schritt in die Aerospace-Industrie benötigt. "Das Raumfahrt-Zentrum wird aktiv zur Entwicklung von Raketen und Satelliten beitragen", so der Präsident.
Bis etwa 2005 soll das Startzentrum voll einsatzbereit sein. Hierfür werden staatlicherseits 150 Millionen Won, umgerechnet 126,5 Millionen US-Dollar aufgewandt. Betrieben werden soll das Goheung Space Center vom Korea Aerospace Research Institute (KARI), einer staatlichen Forschungseinrichtung für Luft- und Raumfahrttechnik. Zum Projekt gehören auch Bauten wie etwa ein Kontrollzentrum sowie Testgebäude und Werkshallen für eigene Trägersysteme. Erstes konkretes Ziel wird der Start einer neuen, selbst geschaffenen Trägerrakete für kleine Nutzlasten namens KSLV-1 samt einem rund 100 Kilogramm schweren Forschungs-Satelliten sein.
Der Ausbau des Luft- und Raumfahrtsektors seitens Südkoreas ist bereits seit 1996 geplant. Im Jahre 1998 wurden die Pläne ausgeweitet. Hintergrund mögen hier auch die andauernden Spannungen mit dem Nachbarstaat Nordkorea und die Rolle Südkoreas als Frontstaat zwischen den USA und dem kommunistischen Norden sein. Nordkorea verfügt seit Jahren über weltraumfähige Trägertechnologie und testet von eigenen, vornehmlich militärischen Startzentren aus regelmäßig Kurz- und Mittelstrecken-Raketen. So zum Beispiel auch im Februar dieses Jahres, als eine Mittelstreckenrakete Südkorea überflog und schließlich im Japanischen Meer einschlug. Inwieweit das südkoreanische Programm nun ebenfalls militärische Züge trägt wurde nicht bekannt gegeben.
(Felix Korsch - Quelle: SpaceDaily.com)


» Bauphase des "Russisch-Kourou" beginnt bald
12. August 2003 - Russland entsendet Techniker und Arbeiter, um womöglich noch dieses Jahr die Bauarbeiten in Französisch-Guayana aufnehmen zu können
Die Realisierung einer regen russischen Beteiligung am europäischen Weltraum-Bahnhof Kourou in Französisch-Guayana geht nun in die praktische Phase: Russland wird bald ein Team aus 200 Spezialisten entsenden, welche den europäischen Technikern beim Aufbau eines Launchpads für die russische Sojus-Rakete helfen sollen. Der Arbeitseinsatz ist laut Angaben der Nachrichtenagentur Itar-TASS ausgelegt auf eine Dauer von rund sechs Monaten. Nach dieser Zeit sollen über hundert Experten die pesonelle russische Präsenz dauerhaft sichern und vor allem entsprechende Starts mit vorbereiten. Parallel zu der eigentlichen Startanlage soll von russischer Seite ausßerdem ein etsprechendes Montagegebäude entstehen.
Der mit der europäischen Raumfahrtbehörde ESA geschlossene Deal sieht vor, russische Sojus-Raketen künftig auch von Kourou aus ins All starten zu lassen. Die ESA investiert hierzu eine Gesamtsumme von rund 314 Millionen Euro; die Russische Seite dagegen trägt ob seiner eigenen kritischen finanziellen Lage nur rund ein Drittel der Kosten. Eine künftig fruchtbare Zusammenarbeit erhofft sich vor allem Arianespace, wenn kommerzielle Sojus-Starts ins eigene Programm mit aufgenommen werden. Diese sollen ab etwa 2006 unter der Führung des Starsem-Konsortiums anlaufen. Der Standort Kourou mit seiner Nähe zum Äquator ist nicht zufällig gewählt: die Nutzlastkapazität der Sojus-Rakete samt Ikar oder Fregat-Oberstufe lässt sich von 1,5 auf 4 Tonnen steigern, so zumindest die Rechnung der russischen Raumfahrtagentur Rosaviakosmos.
Natürlich erhofft man sich durch die engere Kooperation auch einen technologischen Austausch. Europä hätte künftig Zugriff auf die bewährte russische Trägertechnologie, während Russland umgekehrt moderne Startanlagen nutzen kann, um die Kosten für einzelne Starts zu minimieren. Allerdings, so der Chef von Rosaviakosmos, Juri Koptew, werde man das eigene KosmodromBaikonur nicht aufgeben - allerdings wolle man nun "gemeinsam mit dem weltweit führenden Operator für Weltraumstarts mit mehr als der Hälfte aller kommerziellen Starts zusammenarbeiten". Bislang erwies sich das russische Startsystem mit der bewährten Sojus-Technologie als wesentlich zuverlässiger als die neue Ariane 5 mit bereits zwei Totalverlusten und zwei weiteren nicht erreichten Orbits während bislang 16 Flügen. Ein "Russisch-Kourou" könnte schon durch diesen Sicherheitsbonus attraktiv für Investoren sein.
(Felix Korsch - Quelle: Itar-TASS)


» Columbia-Katastrophe hat teures Nachspiel
11. August 2003 - Nicht nur der Verlust des Space Shuttles Columbia und dessen Besatzung wiegt schwer, auch die Kosten für die Ermittlungen
Wie Regierungsstellen gestern bekannt gaben, kosteten die Ermittlungen im Falle der verunglückten Mission STS-107 bisher rund 380 Millionen US-Dollar. Allein die Federal Emergency Management Agency (FEMA), Teil des Ministeriums für Heimatschutz (Homeland security) rechnet ihrerseits mit Kosten in Höhe von 228 Millionen Dollar. Die FEMA war zuständig für die Koordination der Suchmaßnahmen in Folge des Unglücks vom 1. Februar 2003 und sorgte für das Einsammeln der über dem Süden der USA niedergegangenen Trümmerteile des Orbiters. Hierzu zählen auch die sterblichen Überreste der insgesamt sieben Raumfahrern, die an diesem Tag auf tragische Weise ihr Leben verloren. In Folge konnten immerhin 82.500 Einzelteile eingesammelt werden, welche rund 40 Prozent der Gesamtmasse des Shuttles ausmachen.
Bei den Bergungsmaßnahmen konnte man maßgeblich auf die Hilfe tausender Freiwilliger setzen. Insgesamt 16.500 Menschen durchstreiften drei Monate lang große Landstriche des Ostens von Texas und Louisiana. Hinzu kommen jedoch noch professionelle Sucheinheiten, ausgerüstet mit Booten, Helikoptern und Suchflugzeugen. Rund 95 Prozent, so schätzt nun die FEMA, der Gesamtkosten wurden für diese Dienste aufgewandt. Die restlichen fünf Prozent gehen an die vielen Polizeistationen im ganzen Land, welche sich ebenfalls an der Suche beteiligten und die Absturzstellen absichern mussten. Einen kleineren Anteil der Kosten trägt die NASA selbst. Melissa Motichek, einer NASA-Sprecherin aus Washinton zu Folge belaufen sich die Kosten der NASA nach dem Unglück auf 133,7 Millionen US-Dollar.
Immerhin vier Millionen Dollar investierte man in Simulationen der Geschehnisse am Starttag, wozu eine komplette Struktur des linken Flügels binnen kürzester Zeit nachgebildet wurde. Bei diesen Tests offenbarte sich auch die letztendliche Unglücksursache. Die Kosten der eigentlichen Ermittlungen der Unglücksursache belaufen sich laut Laura Brown, Sprecherin des CAIB (Columbia Accident Investigation Board) auf immerhin 19,8 Millionen Dollar. Dieses mit 16 Personen besetzte Gremium erhält für seine Arbeit außerdem rund eine Million US-Dollar an Aufwands-Entschädigung. Der definitive Abschlussbericht des CAIB wird noch in diesem Monat veröffentlicht und soll die Vorgänge in und um die Columbia während der gesamten Mission lückenlos dokumentieren.
Die Hauptkosten kommen jedoch erst noch auf die NASA zu. Mit dem Verlust des Orbiters Columbia wurden rund eine halbe Milliarde Dollar in den Sand gesetzt. Zahlreiche technische Verbesserungen an der restlichen Orbiterflotte werden ebenfalls hohe Summen verschlingen. Derzeit ist man bestrebt, die Shuttle-Flüge im kommenden Frühjahr, wahrscheinlich im April, wiederaufnehmen zu können. Das letztendliche Datum hängt auch vom finalen CAIB-Bericht und der neuen finanziellen Situation der NASA ab, schließlich werden die Budgets mindestens für die kommenden beiden Jahre durch den Vorfall extrem belastet. Experten prophezeihen eine letztendliche Rechnung von annähernd einer Milliarde Dollar.
(Felix Korsch - Quelle: HoustonChronicle.com)


» Erste kosmische Hochzeit vollzogen
11. August 2003 - Oder: Erstleistungen gibt es immer wieder, auch wenn sie so gar nicht dem Geschmack der Russen entsprechen
Erstmals hieß es am gestrigen Nachmittag auch an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) "ich will", als der russische Kosmonaut Juri Malentschenko seine Verlobte Jekaterina Dimitrijewa offiziell ehelichte. In einer Entfernung von über 400 Kilometern gaben sich beide das Ja-Wort - er meilenweit über Neuseeland, sie im Johnson Space Center der NASA in Houston, Texas. Es war die erste Weltraumtrauung überhaupt und ein wirkliches Medienspektakel. Der Kontrollraum in Houston wurde hergerichtet wie eine klassische amerikanische Hochzeitskapelle und Malentschenko, Mitglied der siebten ISS-Stammbesatzung, trug über seinem blauen Bordanzug einen schwarzen Smoking. Vor zweihundert geladenen Gästen, vornehmlich Freunde des Pärchens und Offizielle der NASA, wurden die Ringe getauscht - mehr oder weniger, denn einer wurde bereits mit dem letzten Progress-Frachter ins All gebracht.
Für einen Kosmonauten standesgemäß auch der Hochzeitsmarsch, denn diesen spielte Kollege Edward Lu, ebenfalls an Bord der ISS, auf einem dort befindlichen Keyboard. Vorausgegangen waren längere Streitereien zwischen den US-Behörden und der russischen Weltraumbehörde RKA. Letztere sah die Sicherheit der Station gefährdet, während Fernhochzeiten in Texas generell erlaubt sind, etwa wenn ein Ehepartner im Gefängnis sitzt oder im Militär dient. Der 41-jährige versprach seiner 27 Jahre alten Freundin bereits im vergangenen Dezember die Ehe, und beide waren sich einig, nicht bis zu seiner Rückkehr im Oktober warten zu wollen. Trotzdem soll dann, nach seiner sechsmonatigen Mission, noch einmal traditionell in Russland geheiratet werden und eine längere Hochzeitsreise in Australien soll folgen.
In Russland war man bis zum Schluss nicht begeistert von dem Vorhaben, sogar die russische Luftwaffe, bei welcher Malentschenko dient, mischte sich ein und votierte gegen eine von ihr gar nicht vorgesehene Fernhochzeit. Letztendlich drückte man doch noch ein Auge zu und versprach, dem Eheglück nicht im Wege stehen zu wollen. Allerdings begrenzte man die Dauer der Zeremonie auf wenige Minuten, denn Malentschenko bekam keine zusätzliche Sprechzeit zur Erde zur Verfügung gestellt. Hier lag auch die Befürchtung der russischen Behörden: die beiden Raumfahrer könnten ihre Pflichten auf der ISS vernachlässigen und der Gebrauch der dortigen Ressourcen für private Zwecke sei sowieso unzulässig - dies wüssten alle ISS-Raumfahrer auch. Letztendlich endete die Geschichte gestern mit einem Happy End. Ein kosmisches Standesamt wird es trotzdem nicht geben: "Weltraum-Hochzeiten werden wir verbieten", sagte ein Sprecher der russischen Weltraumbehörde. Dafür werden künftige Kosmonauten auch explizit unterschreiben müssen.
Der Weltraumhochzeit ist auch eine eigene Website gewidmet: SpaceWedding.net
(Felix Korsch - Quelle: NASA/space.com)


» Fünfte CZ-2F bald startbereit
11. August 2003 - China tritt in die heiße Phase seines Raumfahrtprogramms ein: im Oktober wird der erste bemannte Start erfolgen und alle Zeichen stehen auf "go".
Wie chinesische Tageszeitungen berichten, wird die fünfte chinesische Trägerrakete des Typs CZ-2F ("Langer Marsch") gegen Ende August ihre Endmontage erleben. Demnach wird es möglich sein, die 62 Meter hohe Rakete, auch bekannt unter dem Spitznamen Shenjian ("Gottespfeil"), in zwei bis maximal drei Wochen zum Kosmodrom in Jiuquan zu tranportieren. Ein Technikerteam des Chinese Academy of Launch Vehicle Technology (CALT), also des Herstellers des Trägers, wird den Tranport zum Kosmodrom überwachen. Bereits am Anfang dieses Monats wurden sowohl die CZ-2F als auch das für den ersten bemannten Start auserkohrene Raumschiff Shenzhou 5 ("Gottesschiff") strengen Tests in den Werkshallen unterzogen, um den hohen Sicherheitsstandards gerecht zu werden. Beim geplanten ersten bemannten Flug noch diesen Oktober will man in China nichts dem Zufall überlassen.
Während man energisch diese Mission vorbereitet, wurden die Arbeiten an anderen Raketen der Chang Zheng-Serie vorläufig unterbrochen, um alle Personenkraft in das bemannte Programm investieren zu können. Die weit fortgeschrittenen Arbeiten an Trägerrakete und Raumschiff deuten auf alle Fälle auf einen näher kommenden Termin für diese Premiere hin. Am gestrigen Sonntag gab die staatliche Zeitung Ta Kung Pao sogar ein designiertes Startfenster bekannt: der Lift-off soll um Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit erfolgen. In China beginnt es hier bereits zu dämmern (6 Uhr) und so soll auch erstmals als Tagstart der CZ-2F erfolgen. Alle bisher gestarteten vier Testflüge erfolgten in pechschwarzer Nacht. Dies wäre im Falle einer bemannten Mission allerdings ein Risiko, denn um den Weltraumbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi fallen die Temperaturen nachts in den Minusbereich. Am "Tag X", der bisher nicht näher benannt wurde, wird das Raumschiff also kurz vor Sonnenaufgang abheben.
Von offizieller Seite schweigt man sich über Details der Mission weiter aus. Zwar sei intern bereits über die Besatzung entschieden, doch will man die Identität des oder der Taikonauten erst unmittelbar vor dem Start bekannt geben. Obwohl drei Sitze in dem Raumschiff montiert sein werden, wird keine vollständige Crew starten, zu erwarten sind also höchstens zwei Raumfahrer. Westliche Beobachter rechnen mit einem etwa eintägigen Flug mit nur einem yuhangyuan - so die chinesische Entsprechung für Kosmonaut - an Bord. Die Landung würde demnach in den Morgenstunden des folgenden Tages erfolgen, was die Bergung vereinfacht. Dies wäre eine Mission nach dem Schema der frühen Wostok- und Mercury-Flüge von Sowjets bzw. Amerikanern.
Um die Mission so einfach und sicher wie Möglich zu halten, werden sich an Bord keine weiteren wissenschaftlichen Nutzlasten oder Experimentiergeräte befinden; Shenzhou 5 soll "nur" ein Testflug und Auftakt einer ganzen Serie von bemannten Flügen sein und dabei an die vier seit November 1999 durchgeführten unbemannten und äußerst erfolgreichen Missionen anknüpfen. Allerdings, so Zhang Houying, Leiter des bemannten Weltraumprogramms der Volksrepublik, werde an der Außenhaut der Kapsel eine so genannte CCD-Transmissionskamera mit einer Auflösung von bis zu 1,6 Metern befestigt sein. "Die Hauptaufgabe wird die militärische Aufklärung sein", so Zhang. Ansonsten sei das einzige Ziel der Mission "einen sicheren Start und Landung des yuhangyuan zu garantieren". Die Flugparameter werden an sonsten denen von Shenzhou 4 ähneln. Angedacht ist ein kreisförmiger Orbit von 343 Kilometern Höhe.
Im Gegensatz zu den vergangenen Missionen wird sich am vorderen Ende von Shenzhou keine externe Plattform für Experimente im freien Weltall befinden, sondern ein zylindrischer Kopplungsstutzen, welcher zukünftig Rendezvous mehrerer Raumschiffe dieses Typs und ein Docking an eine für etwa 2008 projektierte, eigene Raumstation ermöglichen soll. Die Technik für dieses androgyne Kopplungssystem ist übrigens rein russischer Bauart und findet auch bei den Sojus-Raumschiffen Verwendung, die den Shenzhou-Kapseln aus technischer Sicht extrem ähneln. Die Sicherheit des Fluges wird sichergestellt werden durch insgesamt 12 Trackingstationen auf dem eigenen Territorium sowie in Pakistan (Karachi) und Namibia (Swakopmund), wo in den vergangenen Jahren kleinere Stationen zur Bahnverfolgung entstanden.
Hinzu kommt die eigene Flotte aus vier Bahnverfolgungsschiffen, welche im Japanischen Meer (Yuanwang-1), um Südafrika (Yuanwang-2), im Atlantischen Ozean (Yuanwang-3) und nahe Australien im Pazifik (Yuanwang-4) stationiert werden sollen. Das Schiff Yuanwang-3 wird dabei die kritische Rolle übernehmen, den Wiedereintritt der Kapsel zu kommandieren und zu überwachen. Immerhin ist mit dem Netz an Bahnverfolgungsstationen ein andauernder zweiseitiger Funkverkehr möglich. Geht alles klar, wird Shenzhou 5 nach einem kurzen aber erfolgreichen Flug in der Inneren Mongolei nahe der Stadt Bawang Qi niedergehen. Und bisher deutet alles auf einen zu erwartenden positiven Verlauf hin.
(Felix Korsch - Quelle: SpaceDaily.com)


» Shenzhou 5: Sicherheit geht vor
11. August 2003 - Die erste bemannte chinesische Mission wird kein simpler Hopser sein, sondern soll fortgeschrittene Technologie demonstrieren.
Das erste bemannte Raumschiff Chinas, welches im kommenden Oktober ins All aufbrechen soll, wird mit intelligenter Technik versehen sein, um einen erfolgreichen Flugverlauf zu sichern. So soll sich zum Beispiel ein Kollisions-Warngerät an Bord befinden, um die Gefahren von Weltraumschrott in der Umlaufbahn des Ramschiffes Shenzhou 5 zu minimieren. Das System sei, so Du Heng, Chefwissenschaftler des Chinesischen Zentrums für Weltraum-Wissenschaften, in der Lage, die Kapsel aus dem Schussfeld solcher Teilchen weg zu manövrieren, indem Kurs, Lage und Geschwindigkeit von Shenzhou automatisch angepasst werden. Derzeit habe man 9131 Einzelteile verzeichnet, welche die Mission potentiell gefährden könnten. All dieser zumeist Weltraumschrott wird die 343 Kilometer hohe, nahezu kreisförmige Bahn der Mission kreuzen.
Die entsprechenden Teilchen seien allesamt katalogisiert worden und werden nun ständig verfolgt. Insgesamt befinden sich seit Anbeginn der Raumfahrt rund 26.000 gefährliche Teilchen in einer niedrigen Erdumlaufbahn - meist ausgebrannte Raketenstufen, gestrandete Satelliten oder Trümmer von Explosionen und gegenseitigen Crashs. "Die Erforschung und Untersuchung dieses Weltraumschrotts, welche das bemannte Raumschiff sogar zerstören könnten, ist wichtig für China", sagte Li Benzhen, Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Technologie und Industrie des Nationalen Verteidigungs-Ratens der Volksrepublik gegenüber China Daily. Bereits seit dem Jahre 2000 ist man bemüht, die hierdurch existierenden Risiken durch angewandte Forschung zu minimieren.
Mit einem Budget von umgerechnet 3,63 Millionen US-Dollar hat man nun ein fähiges, defensives Schutzsystem entwickelt, welches sich bei der kommenden bemannten Mission bewähren soll. Doch dies ist noch nicht alles: nach neuesten Informationen entwickelt man derzeit ein optisches Teleskop mit einem Durchmesser von 65 Zentimetern, welches den ständig um die Erde kreisenden Weltraumschrott kontinuierlich überwachen soll. In der Vergangenheit zeigte sich immer wieder, dass selbst kleinste Staubteilchen mit hoher Geschwindigkeit die empfindlichen Systeme von Raumfahrzeugen schwer beschädigen können. Das entwickelte Schutzsystem wäre in dieser Form ein Novum. Die Internationale Raumstation wird z.B. durch eine verstärkte Außenhaut gegen den Aufschlag von Mikropartikeln geschützt, da ein Ausweichen in der Praxis nur schwer möglich ist.
(Felix Korsch - Quelle: AFP)



 
 

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      Space Focus: Raketenentwicklung in Deutschland von Tilman Kaiser 

Die Anfänge der Entwicklung von Flüssigkeitsraketen

Anfang der 1930-er wurde die Entwicklung von Raketen mit Flüssigkeitstriebwerken in zwei Ländern durch militärische Unterstützung vorangetrieben.


In der Sowjetunion gab es in Leningrad das "Gas Dynamische Labor" (GDL), das als Raketenforschungszentrum der Armee fungierte und seit 1929 unter dem Ingenieur Valentin Gluschko ein Projekt für Flüssigkeitsraketen unterhielt.

Der Chef des Waffenamts der Armee Tukhachevsky hatte ein starkes Interesse an Raketen, da er in ihnen die Möglichkeit sah, die Beschränkungen der traditionellen Geschütztechnik zu überwinden. Anfang der 30-er unterstützte Tukhachevsky eine weitere Arbeitsgruppe von Raketenentwicklern in Moskau mit finanziellen Mitteln. Diese MosGIRD (Moskauer Gruppe zum Studium der Rückstoßbewegung) wurde ab 1932 von Sergej Koroljow geleitet, der in den 50-ern unter strenger Geheimhaltung erfolgreich als "Chefkonstrukteur" für das sowjetischen Raketenprogramm arbeitete.

Deutschland war 1929 neben der Sowjetunion das einzige Land, in dem die Entwicklung von Flüssigkeitsraketen militärisch gefördert wurde. In beiden Ländern wurde das Fundament für Raketentechnik und Raumfahrt durch die Arbeiten von Mathematiklehrern gelegt. In Deutschland fielen die Schriften des Deusch-Rumänen Hermann Oberth (1894-1989) in den 1920-er Jahren bei Ingenieuren und privaten Bastlern auf fruchtbaren Boden.

In Russland hatte Konstantin Ziolkowski (1857-1939) schon 1883 ein Raumschiff beschrieben, das nach dem Rückstoßprinzip arbeitete. Stellvertretend für die private Entwicklungsarbeit in der Sowjetunion in den 20-ern sei der Ingenieur Friedrich Zander (1887-1933) genannt.

Allerdings sollte der Tüftler, der das Prinzip der Flüssigkeitsrakete erstmals 1926 erfolgreich in die Praxis umsetzte, mit Robert Goddard (1881-1945) ein Amerikaner sein. Seine Arbeit bekam aber im Gegensatz zu den privaten Arbeiten von Ingenieuren in Deutschland und der Sowjetunion keine ausreichende militärisch-staatliche Unterstützung.

Ein wichtiger Grund, warum in Deutschland schon in der Weimarer Republik das Interesse an der Raketenentwicklung so ausgeprägt war, lag darin, dass diese im Gegensatz zur Flugzeugentwicklung nicht von der Abrüstungsbestimmung des Versailler Vertrags betroffen war.

Das aufkeimende private Interesse an der Raketentechnik in Deutschland manifestiert sich 1927 in der Gründung des "Vereins für Raumschiffahrt" (VfR) in Berlin durch Johannes Winkler (1897-1947), dem anfangs außerdem noch der raketenbegeisterte Publizist Willy Ley (1906-1969) und der Ingenieur Rudolf Nebel (1891-1978) angehörten. Auch der Mathematiker Oberth arbeitete in dieser Zeit in Berlin an einem Flüssigkeitstriebwerk (Oberth'sche Kegeldüse) und erhielt hierbei Unterstützung durch den VfR. Ein frisch immatrikulierter Student der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, Wernher von Braun (1912-1977) interessierte sich ebenfalls für die Versuche dieses Raketenpioniers.

Oberth konnte durch einen Beratervertrag mit dem Regisseur Fritz Lang, der mit der "Frau im Mond" 1929 einen Stummfilm über einen Raketenflug zum Mond herausbrachte, einen Sponsor für seine Versuche gewinnen, wodurch es ihm möglich war, Rudolf Nebel anzustellen. Ursprünglich wollte Oberth zur Premiere des Films eine funktionstüchtige Rakete starten. Da allerdings zu diesem Zeitpunkt die Schubkraft des Antriebs noch nicht ausreichte, um die Rakete abheben zu lassen, wurde auf eine peinliche Demonstration verzichtet.

Vielleicht hätte Hermann Oberth, der seine Visionen über die Raumfahrt schon 1923 in "Die Rakete zu den Planetenräumen" veröffentlichte, weiterhin finanzielle Unterstützung für die zivile Raketenentwicklung erhalten können, wenn ein Raketenstart zur Filmpremiere möglich gewesen wäre.

Sein erstes Flüssigkeitstriebwerk konnte Hermann Oberth allerdings erst nach diesem Filmereignis im Juli 1930 erfolgreich starten. Oberth ging nach diesem Teilerfolg, der immerhin von anwesenden Vertretern der Chemisch-Technischen Reichsanstalt registriert wurde, wieder nach Siebenbürgen, um an einem Gymnasium zu unterrichten. Er übergab mit diesem Schritt die Verantwortung für weitere Entwicklungsarbeiten an Rudolf Nebel.

Literatur
- T.A. Heppenheimer: "A History of space flight", California 1996
- V. Marchis: "Wernher von Braun - Der lange Weg zum Mond", In: Spektr. d. Wissenschaft - Biografie 4/2001
 

 
 

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      ISS Weekly Report: Erste (Wel)traumhochzeit in der Erdumlaufbahn von Michael Schumacher 

Die siebte Stammbesatzung, bestehend aus Kommandant Juri Malentschenko und National Aeronautics and Space Administration (NASA) International Space Station (ISS) Science Officer (SO) Edward Lu, führte in dieser Woche wissenschaftliche Experimente durch, widmete sich Wartungsarbeiten und bereitete sich bevorstehende Kommen und Gehen von Progress und Sojus Raumschiffen vor.

Lu unterhielt sich mit dem NASA ISS SO der sechsten Stammbesatzung, Donald Pettit, um beim Auffinden von Hardware für das Experiment Pore Formation and Mobility Investigation (PFMI) zu helfen, das Lu am Montag, dem 11. August 2003 in der Microgravity Science Glovebox (MSG). Eigentlich sollte Lu in dieser Woche die wissenschaftliche Arbeit mit dem Experiment PFMI aufnehmen, aber er konnte ein für den Abschluss der Installation unbedingt erforderliches Kabel nicht ausfindig machen. Die Vorstellungen von Pettit, wo er das Kabel hinterlegt hat, waren erfolgreich. Zur sechsten Stammbesatzung gehörten zudem Kommandant Kenneth Bowersox und Bordingenieur Nikolai Budarin. Mit dem nun installierten Kabel kann Lu in der nächsten Woche eine Versuchsreihe des Experimentes beginnen.

Die Versuche zur Problembehebung an den beiden amerikanischen Extravehicular Mobility Units (EMUs), die an Bord Fehlfunktionen mit dem Kühlungssystem aufwiesen, schritten diese Woche weiter voran. Malentschenko und Lu führten ein Verfahren durch, bei dem sie die Ventile und die Filter für die Wasserzirkulation im System des ersten amerikanischen Raumanzuges, den Lu während der Mission anprobierte, aus der Nähe inspizierten. Die Untersuchungen des Kühlungssystems des Ersatzraumanzuges, der er in der letzten Woche an seine Größe angepasst hat, sind immer noch im Gange. Obwohl im Rahmen dieser Mission die Durchführung einer Extravehicular Activity (EVA) nicht vorgesehen ist, könnten Malentschenko und Lu falls notwendig auf die russischen Orlan Raumanzüge zurückgreifen, da Lu im Moment kein funktionstüchtiger amerikanische Raumanzug zur Verfügung steht.

Auch diese Woche nutzte Malentschenko wieder Sauerstoff von den unbemannten Versorgungsraumschiffen des Typs Progress, die an den hinteren Kopplungsstutzen des Service Module "Swjesda" und an das Docking Compartment (DC) 1 "Pirs" angekoppelt sind, um die Raumstationsatmosphäre aufzufüllen. Der zusätzliche Sauerstoff wird verbraucht, bevor die beiden Raumfahrzeuge beladen mit Abfällen und gebrauchten Versorgungsgütern abgekoppelt werden, um in der Erdatmosphäre zu verglühen. Progress M-47, das an den hinteren Kopplungsstutzen von "Swjesda" angekoppelt ist, wird am 27. August 2003 abkoppeln um Platz für das neue unbemannte Versorgungsraumschiff Progress M-48 zu machen, dessen Start zur Raumstation vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan für den 28. August 2003 angesetzt ist. Progress M1-10, das an "Pirs" angekoppelt ist, wird am 04. September 2003 abkoppeln um Platz für das bemannte Rettungsraumschiff Sojus TMA-3 zu machen, dessen Ankunft für den 20. Oktober 2003 vorgesehen ist. An Bord wird sich die achte Stammbesatzung und Pedro Duque, Kosmonaut der European Space Agency (ESA) befinden, der als Bordingenieur dient.

Die achte Stammbesatzung, die aus Kommandant Michael Foale und Bordingenieur Alexander Kaleri besteht, wird die siebte Stammbesatzung ablösen. Foale und Kaleri sollen am 18. Oktober 2003 zur Raumstation starten, zusammen mit Duque, der mit der siebten Stammbesatzung am 28. Oktober 2003 zur Erde zurückkehren wird, nachdem er zuvor mehr als einwöchige wissenschaftliche Arbeiten an Bord der Raumstation abgeschlossen haben wird.

Am Sonntag, dem 10. August 2003 fand die erste Hochzeit in der Erdumlaufbahn statt, als Malentschenko seine Braut Jekaterina Dimitriewa vor Familienangehörigen und Freunden im Johnson Space Center (JSC) in Houston, Texas heiratete. Malentschenko nahm per Videokonferenzschaltung an der Zeremonie teil. Der amerikanische Bundesstaat Texas erlaubt Ferntrauungen bei Abwesenheit eines Partners bei Vorlage triftiger Gründe. Malentschenko vereinbarte, dass sein Frack und sein Ehering an Bord von Progress M1-10 zu ihm gebracht wurden. Während der Zeremonie diente Lu als Trauzeuge und spielte sogar den Hochzeitsmarsch auf einem Keyboard an Bord der Raumstation.
Da die Space Shuttle Flotte seit dem Verlust des Orbiter Vehicle (OV) 102 "Columbia" an den Boden gefesselt ist, verfügt die achte Stammbesatzung über keine feste Raumfahrzeugzuweisung für ihre Rückkehr zur Erde im April des nächsten Jahres. Die NASA plant vorläufig, die Space Shuttle Flüge bis zum April des nächsten Jahres wieder aufzunehmen. Ob die NASA Foale und Kaleri an Bord eines Space Shuttle zur Erde zurückbringen kann, wird davon abhängen, wie schnell sie die Empfehlungen des Columbia Accident Investigation Board (CAIB) ausführen kann, die den Unfall der "Columbia" am 01. Februar 2003 untersucht.

Foale und Kaleri bilden die zweite zweiköpfige Stammbesatzung, die seit dem Auseinanderbrechen der "Columbia" am Himmel über Texas zur Raumstation aufbrechen soll, wobei die Besatzung der Mission STS-107, Kommandant Rick Husband, Pilot William McCool, die Missionsspezialisten David Brown, Kalpana Chawla, Michael Anderson und Laurel Clark sowie Nutzlastspezialist Ilan Ramon ums Leben kam. Die vorangegangen Stammbesatzung umfassten drei Besatzungsmitglieder, aber die NASA und ihre internationale Partner verringerten die Größe der Stammbesatzungen, um die Menge der Versorgungsgüter zu verringern, die zur Raumstation transportiert werden müssen, während die Space Shuttle Flotte an den Boden gefesselt ist. Die jetzigen zweiköpfigen Stammbesatzungen werden daher auch als Interimsbesatzungen bezeichnet.

Foale, Kaleri und Duque verfügen allesamt über Raumflugerfahrung. Foale kann auf fünf Raumflüge mit einer Raumflugerfahrung von 178 Tagen, 23 Stunden, 44 Minuten und 7 Sekunden zurückblicken. Er diente als Missionsspezialist bei STS-45 vom 24. März 1992 bis zum 02. April 1992, bei STS-56 vom 08. April 1993 bis zum 17. April 1993, bei STS-63 vom 03. Februar 1995 bis zum 11. Februar 1995 sowie bei STS-103 vom 19. Dezember 1999 bis zum 27. Dezember 1999. Zudem startete er am 15. Mai 1997 als Missionsspezialist bei STS-84 und landete am 06. Oktober 1997 nach einem Aufenthalt als Bordingenieur auf der russischen Raumstation Mir als Missionsspezialist bei STS-86. Kaleri flog bereits drei Mal zur russischen Raumstation Mir in den Weltraum und besitzt eine Raumflugerfahrung von 415 Tagen, 3 Stunden, 19 Minuten und 1 Sekunde. Er diente als Bordingenieur bei Sojus TM-14 vom 17. März 1992 bis zum 10. August 1992, bei Sojus TM-24 vom 17. August 1996 bis zum 02. März 1997 sowie bei Sojus TM-30 vom 04. April 2000 bis zum 16. Juni 2000. Duque befand sich als Missionsspezialist bei STS-95 vom 29. Oktober 1998 bis zum 07. November 1998 8 Tage, 21 Stunden, 43 Minuten und 56 Sekunden im Weltraum.

Die Pläne der NASA für die Wiederaufnahme der Space Shuttle Flüge sehen den Start zur Mission STS-114 mit dem Space Shuttle "Atlantis" am 11. März 2004 vor. Am 24. Juli 2004 soll die "Atlantis" dann zur Mission STS-115 starten. Die "Discovery" soll am 13. September 2004 zur Mission STS-116 starten. Zur vierten und letzten Space Shuttle Mission des kommenden Jahres, STS-117, soll die "Atlantis" am 15. Dezember 2004 starten.

Die Besatzung der Mission STS-114 wird zunächst aus Kommandantin Eileen Collins, Pilot James Kelly sowie den Missionsspezialisten Soichi Noguchi und Stephen Robinson bestehen. Collins kann auf drei Raumflüge mit einer Raumflugerfahrung von 22 Tagen, 10 Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden zurückblicken. Sie diente als Pilotin bei STS-63 vom 03. Februar 1995 bis zum 11. Februar 1995 und bei STS-84 vom 15. Mai 1997 bis zum 24. Mai 1997. Außerdem war sie Kommandantin bei STS-93 vom 22. Juli 1999 bis zum 27. Juli 1999. Robinson diente bereits zwei Mal als Missionsspezialist bei STS-85 vom 07. August 1997 bis zum 19. August 1997 und bei STS-95 vom 29. Oktober 1998 bis zum 07. November 1998 und verfügt über eine Raumflugerfahrung von 20 Tagen, 18 Stunden, 10 Minuten und 55 Sekunden. Kelly befand sich als Pilot bei STS-102 vom 08. März 2001 bis zum 21. März 2001 12 Tage, 19 Stunden, 49 Minuten und 33 Sekunden im Weltraum. Für Noguchi wird STS-114 der erste Raumflug sein.

Kommandant Brent Jett, Pilot Christopher Ferguson sowie die Missionsspezialisten Joseph Tanner, Daniel Burbank, Steven MacLean und Heidemarie Stefanyshyn-Piper bilden die Besatzung der Mission STS-115. Jett kann auf drei Raumflüge mit einer Raumflugerfahrung von 29 Tagen, 22 Stunden, 53 Minuten und 26 Sekunden zurückblicken. Er diente als Pilot bei STS-72 vom 11. Januar 1996 bis zum 20. Januar 1996 und bei STS-81 vom 12. Januar 1997 bis zum 22. Januar 1997. Außerdem war er Kommandant bei STS-97 vom 30. November 2000 bis zum 11. Dezember 2000. Tanner nahm ebenfalls an drei Raumflügen teil. Er diente als Missionsspezialist bei STS-66 vom 03. November 1994 bis zum 14. November 1994, bei STS-82 vom 11. Februar 1997 bis zum 21. Februar 1997 sowie bei STS-97 vom 30. November 2000 bis zum 11. Dezember 2000 und sammelte eine Raumflugerfahrung von 31 Tagen, 18 Stunden, 8 Minuten und 35 Sekunden. Burbank befand sich als Missionsspezialist bei STS-106 vom 08. September 2000 bis zum 20. September 2000 11 Tage, 19 Stunden, 11 Minuten und 1 Sekunde im Weltraum. Ebenfalls einen Raumflug führte MacLean vom 22. Oktober 1992 bis zum 01. November 1992 als Nutzlastspezialist bei STS-52 durch, wobei er eine Raumflugerfahrung von 9 Tagen, 20 Stunden, 56 Minuten und 14 Sekunden erreichte. Für Ferguson und Stefanyshyn-Piper wird STS-115 der erste Raumflug sein.

Die Besatzung der Mission STS-116 wird zunächst aus Kommandant Terrence Wilcutt, Pilot William Oefelein sowie den Missionsspezialisten Robert Curbeam und Christer Fuglesang bestehen. Während es für Oefelein und Fuglesang der erste Raumflug sein wird, sammelte Wilcutt bei fünf Raumflügen eine Raumflugerfahrung von 42 Tage, 0 Stunden, 2 Minuten und 30 Sekunden. Er diente als Pilot bei STS-68 vom 30. September 1994 bis zum 11. Oktober 1994 und bei STS-79 vom 16. September 1996 bis zum 26. September 1996 sowie als Kommandant bei STS-89 vom 22. Januar 1998 bis zum 31. Januar 1998 und bei STS-106 vom 08. September 2000 bis zum 20. September 2000. Curbeam diente bereits zwei Mal als Missionsspezialist bei STS-85 vom 07. August 1997 bis zum 19. August 1997 und bei STS-98 vom 07. Februar 2001 bis zum 20. Februar 2001 und verfügt über eine Raumflugerfahrung von 24 Tagen, 17 Stunden, 47 Minuten und 2 Sekunden.

Kommandant Frederick Sturckow, Pilot Mark Polansky sowie die Missionsspezialisten James Reilly, Richard Mastracchio, Joan Higginbotham und Patrick Forrester bilden die Besatzung der Mission STS-117. Sturckow kann auf zwei Raumflüge mit einer Raumflugerfahrung von 23 Tagen, 16 Stunden, 30 Minuten und 39 Sekunden zurückblicken. Er diente als Pilot bei STS-88 vom 04. Dezember 1998 bis zum 15. Dezember 1998 und bei STS-105 vom 10. August 2001 bis zum 22. August 2001. Reilly nahm ebenfalls an zwei Raumflügen teil. Er diente als Missionsspezialist bei STS-89 vom 22. Januar 1998 bis zum 31. Januar 1998 sowie bei STS-104 vom 12. Juli 2001 bis zum 24. Juli 2001 und sammelte eine Raumflugerfahrung von 21 Tagen, 14 Stunden, 21 Minuten und 50 Sekunden. Polansky befand sich als Pilot bei STS-98 vom 07. Februar 2001 bis zum 20. Februar 2001 12 Tage, 21 Stunden, 20 Minuten und 3 Sekunden im Weltraum. Ebenfalls einen Raumflug führte Mastracchio vom 08. September 2000 bis zum 20. September 2000 als Missionsspezialist bei STS-106 durch, wobei er eine Raumflugerfahrung von 11 Tagen, 19 Stunden, 11 Minuten und 1 Sekunde erreichte. Forrester diente als Missionsspezialist bei STS-105 vom 10. August 2001 bis zum 22. August 2001 und verfügt über eine Raumflugerfahrung von 11 Tagen, 21 Stunden, 12 Minuten und 44 Sekunden. Für Higginbotham wird STS-117 der erste Raumflug sein.
 

 
 

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      Surftipp: Plesetsk.org von Felix Korsch 

Hintergründige Informationen über die russische und ehemals sowjetische Raumfahrt sind auch heute noch rar. Passend zum nun anstehenden Umbau des Kosmodroms Plessetzk - wir berichteten darüber - widmet sich eine eigene Website der Geschichte dieses ehemals wichtigsten Weltraumbahnhofes: plesetsk.org (http://plesetsk.org).

Dargestellt wird jedoch nicht nur die Geschichte des Startzentrums; vielmehr werden auch alle hier zum Einsatz gekommenden Raketentypen sowie die wesentlichen Satelliten-Serien in Wort, Bild und Ton dokumentiert. Verwendet wird viel rares Material, was die Seite zu einer außerordentlich wertvollen Quelle macht. Anders, als die URL vielleicht verheißen mag, dreht sich aber nicht nur alles um Plessetzk: auch die Kosmodrome Baikonur und Kapustin Jar werden im Detail vorgestellt, ergänzt von unzähligen Bildern und Videos. Hinzu kommen kleine Schmankerl wie die "Military Satellites Database" (http://plesetsk.org/cgi-bin/index_data.asp), welche Militär- und Spionagesatelliten aus Ost und West fast komplett vorstellt, und eine Dokumentation des Kalten Krieges und dessen Einfluss auch auf die Raumfahrt (http://plesetsk.org/Coldwar.htm).

Künftig wird der Umfang der Seite noch wachsen: viele Bereiche sind noch im Aufbau. Plesetsk.org ist aber schon jetzt einen gründlichen Blick wert, denn kaum eine andere Website - und wahrscheinlich auch nur wenige Bücher - widmet sich in dieser Ausführlichkeit der russischen Raumfahrt. Plesetsk.org verdient deshalb eine Stelle ganz oben in den Bookmarks. Texte, Bilder und Videos bieten genug Material für intensives Stöbern.
 

 
 

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"In Space" Magazin #090
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
16. August 2003
Auflage: 1244 Exemplare
 
 
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