InSpace Magazin #091 vom 23. August 2003

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.   

 

"In Space" Magazin

Ausgabe #091
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> HotSpot:
SIRTF - Das letzte der Großen Teleskope

> Special:
Shenzhou 1

> Space Focus:
X-20/Dyna Soar

> ISS Weekly Report:
Progress M-47 auf Abkopplung vorbereitet

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Karl Urban

Verehrte Leserinnen und Leser,
 
wer hat nicht schon einmal davon geträumt: Einen Flug ins All miterleben zu können. Doch die Auswahlverfahren für Raumfahrer sind äußerst hart und die Preise für die letzten beiden ISS-Touristen Dennis Tito und Mark Shuttleworth waren horende (etwa 20 Millionen Euro). Für einen Normalsterblichen dürfte der Weltraum also in den kommenden Jahren ein verschlossenes Tor bleiben.

Doch eine Alternative ist nahe. Derzeit versuchen mehrere Teams auf der ganzen Welt im Wettkampf ein Raumfahrzeug zu entwickeln, mit dem Weltraumtouristen billiger in eine suborbitale Höhe gelangen können, um dort den Ausblick auf die Erdkugel genießen zu können: Der X-Prize (Raumfahrer.net berichtete).

Sollte Ihnen das noch zu lange dauern oder ist Ihnen auch dieser Flug zu teuer? Dann hat Andreas Bergweiler von unserer bekannten Partnerseite Space-Odyssey ein Angebot für Sie: Im Rahmen der Zero-G Flight Campaign 2003 fliegt er gemeinsam mit sieben weiteren Mitstreitern nach Russland, um dort einige "Weltraum-geprägte" Tage zu verbringen.

Während für die öffentlich finanzierte Raumfahrt in der westlichen Welt momentan die Gelder immer mehr gekürzt werden, strebt eine neue Weltraummacht nach oben: China will noch in diesem Jahr seinen ersten bemannten Weltraumflug durchführen. Wir haben eine umfangreiche Sonderseite zu diesem Thema für Sie eingerichtet. Schauen Sie doch einmal auf china.raumfahrer.net vorbei.
 

            Karl Urban
            Chefredakteur Raumfahrer.net

 
 

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      Updates / Umfrage


» china.raumfahrer.net
Die Volksrepublik China steigt noch in diesem Jahr zur dritten Macht auf, die Menschen ins All schicken kann. Raumfahrer.net informiert Sie ausführlich auf dieser neuen Sonderseite über alle Fakten, die Sie brauchen.

» radio.raumfahrer.net
Sie können sich die aktuelle Sendung des Raumfahrer.net-Webradions InSound (Länge: 22.33 Minuten) noch immer direkt aus dem Internet anhören oder die Datei der Sendung downloaden.

» mitarbeit.raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

 
 

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      News

25 bemannte deutsche Raumfahrt - Live-Übertragung <mehr>
Brasilianische Rakete explodiert <mehr>
 25 Jahre bemannte Raumfahrt in Europa <mehr>
Shuttle-Modell Phoenix im Windkanal <mehr>
Japan: 18 neue Satelliten bis 2007 <mehr>
Doch keine Ozeane auf dem Mars? <mehr>
Neuer Shuttle-Flug im März 2004? <mehr>
Finaler Untersuchungsbericht erscheint am 26. August <mehr>
Nächste Progress-Mission live <mehr>
Kosmodrom Plessetzk mit mehr Aufträgen <mehr>
Mindestens zwei Startverschiebungen in Cape Canaveral <mehr>
Nigeria will eigenen Satelliten starten <mehr>
Taikonauten sind "herzlich willkommen" in der ISS <mehr>
Indien plant Mondmission <mehr>
Staubige Zeiten in Sicht <mehr>
Finanzspritze für die russische Raumfahrt <mehr>
Russland startet weitere Militär-Satelliten <mehr>
Brasiliens Raumfahrt wird international <mehr>
Columbia-Crew am Himmel verewigt <mehr>
Neue Webseite zu Chinas Raumfahrt <mehr>



» 25 bemannte deutsche Raumfahrt - Live-Übertragung
23. August 2003 - Am kommenden Samstag, den 30. August, findet in Markneukirchen (Vogtland) ein Festakt zu Ehren des 25. Jahrestages des ersten Fluges eines Deutschen ins All unter dem Motto "Raumfahrt - eine Zeitreise" statt.
Zu Gast sein werden zahlreiche Astronauten und Kosmonauten aus Ost und West sowie Bundespräsident Johannes Rau, Forschungsministerin Edelgard Buhlman sowie Vertreter des DLR und der ESA. Als Highlight ist zudem eine Live-Schaltung zur Internationalen Raumstation geplant. Der Festakt beginnt ab 11 Uhr. Leider handelt es sich dabei um eine geschlossene Veranstaltung, d.h. Einlass nur auf Einladung der Veranstalter. Trotzdem dabei sein können Sie durch den Webstream des DLR oder per TV über ASTRA (19,2° Ost), Analog - Empfang, Frequenz: 10,921 GHz, Polarisation: Horizontal, Ton: 7,02 / 7,20 MHz.
Raumfahrer.net wird für Sie natürlich dabei sein und umfangreich vom Festakt und sonstigen Veranstaltungen um das kommende Wochenende in Wort und Bild berichten!
Am Sonntag, den 31. August, wird im Heimatort Sigmund Jähns, des ersten Deutschen im All, Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland, ebenfalls das bedeutsame Jubiläum begangen. Ab 10.00 Uhr beginnt vor der dortigen Raumfahrtausstellung ein "Raumfahrerfrühschoppen". Mit dabei sein werden auch hier viele Ehrengäste, unter ihnen deutsche, russische und US-amerikanische Raumfahrer. Für eine Autogrammstunde und interessante Gesprächsrunden wird gesorgt sein.
(Felix Korsch - Quelle: DLR/eig. Bericht)


» Brasilianische Rakete explodiert
23. August 2003 - Tragischer Zwischenfall in Alcantara: eine Trägerrakete explodiert auf dem Startpodest und tötet mindestens 16 Menschen. Hintergründe noch unklar.
Eine tragische wie folgenreiche Tragödie ereignete sich gestern auf dem Weltraumbahnhof Alcantara im brasilianischen Urwald. Plötzlich explodierte eine Rakete auf dem Startpodest, welche am Montag mit zwei kleinen Satelliten an Bord den dritten Versuch hätte unternehmen sollen, einen eigenen Satelliten in den Orbit zu schießen. Augenzeugenberichte sprechen von einer riesigen Explosion auf dem Gelände im Nordosten des Landes. Verschiedenen Presseberichten zu Folge wurden dabei zwischen 16 und 19 Menschen - vor allem Zivilarbeiter - getötet, mindestens 20 weitere zum Teil schwer verletzt, darunter auch Militärs, welche das Startzentrum mit nutzen. Die Explosion der VLS-Rakete ereignete sich aus noch ungeklärten Gründen um 13:30 Uhr Lokalzeit (18:30 Uhr MESZ).
Bereits 1997 und 1999 gingen Raketen dieses Typs nach dem Start verloren; damals mussten die Raketen jeweils gesprengt werden, um keinen unkontrollierten Absturz zu riskieren. Das jetzt geschehene Unglück deutet allerdings auf einen Fehler im Treibstoffsystem oder beim Betanken hin, wasdie Rakete zur Detonation gebracht haben könnte. Zur Klärung des Vorfalles hat die brasilianische Regierung eine Untersuchungskommission einberufen. Die Explosion war noch dutzende Kilometer entfernt in Sao Luis, Hauptstadt der Provinz Maranhao, zu hören; eine hunderte Meter hohe Rauschschwade breitete sich über dem Dschungel aus. Mit dem gestrigen Unglück verlor Brasilien nicht nur ein 6,5 Millionen US-Dollar teures Startgerät, sondern auch den über ein Jahrzehnt andauernden Traum, selbst in den Weltraum zu gelangen.
Mehr Details folgen...
(Felix Korsch - Quelle: AFP)


»  25 Jahre bemannte Raumfahrt in Europa
22. August 2003 - 2003 ist für Europas bemannte Raumfahrt in mehrfacher Hinsicht ein Jubiläumsjahr. Vor 25 Jahren trat unser Kontinent mit dem Flug des Tschechoslowaken Wladimir Remek im Rahmen des Kooperationsprogramms Interkosmos zwischen der Sowjetunion und verschiedenen Partnerländern in die Ära der bemannten Raumfahrt ein.
Remek hob am 2. März 1978 an Bord der Sojus 28 von Baikonur zu einer 8-tägigen Mission zur Raumstation Saljut 6 ab. Kurz darauf, vom 27. Juni bis 5. Juli, nahm der Pole Miroslaw Hermaszewski an der Mission Sojus 30 teil. Am 26. August desselben Jahres brachen der deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn und sein sowjetischer Mannschaftsgefährte Valerij Bykowski mit der Sojus 31 von Baikonur zur dritten bemannten Interkosmos-Mission auf; während der 8-tägigen Mission zur Raumstation Saljut 6 umkreisten sie 141mal die Erde, bevor sie am 3. September sicher zur Erde zurückkehrten. Der erste Westeuropäer, der an einer Mission mit einem sowjetischen Raumfahrzeug teilnahm, war der französische CNES-Astronaut Jean-Loup Chrétien, der am 24. Juni 1982 mit einer Sojus T-6 zur Raumstation Saljut 7 flog.

Vor 20 Jahren, 1983, startete Westeuropa im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung zwischen der ESA und der NASA sein erstes eigenes Weltraumlabor: Das Spacelab absolvierte während der 10-tägigen Mission STS-9/Spacelab 1 vom 28. November bis 8. Dezember an Bord des NASA-Raumtransporters "Columbia" seinen Jungfernflug. Dieser Flug war gleichzeitig der erste eines Westeuropäers - und der erste eines Nichtamerikaners überhaupt - mit einem US-Raumfahrzeug, nämlich des deutschen ESA-Astronauten Ulf Merbold, der danach noch zweimal im All war: bei der Spacelab-Mission mit dem Internationalen Schwerelosigkeitsforschungslabor 1 (Flug STS-42) im Januar 1992 und - im Rahmen des Gemeinschaftsprogramms Euromir 94 zwischen der ESA und Rußland - an Bord einer Sojus TM-20 zur russischen Raumstation Mir vom 3. September 1995 bis 29. Februar 1996. Damit ist Merbold als erster Europäer sowohl mit einem amerikanischen als auch mit einem russischen Raumfahrzeug geflogen.

Der Zufall will, daß Sigmund Jähn und Ulf Merbold zwar in der Zeit ihrer historischen Raumflüge unterschiedliche Pässe besaßen - Jähn kam aus der DDR, Merbold aus der Bundesrepublik -, jedoch beide aus derselben Region im "grünen Herzen" Deutschlands stammen, dem Vogtland zwischen Nürnberg und Leipzig. Jähn wurde in Morgenröthe-Rautenkranz geboren, Merbold in Greiz.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 haben Jähn und Merbold dann bei denselben Weltraumprogrammen zusammengearbeitet, zunächst für die russische Raumstation Mir und anschließend für die Internationale Raumstation.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) organisiert mit Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation am Samstag, den 30. August in Markneukirchen im Vogtland eine Jubiläumsveranstaltung zum 25. Jahrestag des Raumflugs von Sigmund Jähn. Sie beginnt um 11.00 Uhr.

Unter dem Motto "Raumfahrt - eine Zeitreise" werden der Vorstandsvorsitzende des DLR, Professor Sigmar Wittig, und der ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt, Jörg Feustel-Büechl, im Beisein von Bundespräsident Johannes Rau und der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, mehr als 1 000 geladene Gäste empfangen.

In einem vielseitigen und informativen 90-Minuten-Bühnenprogramm, das live im Fernsehen und im Internet übertragen wird, sollen Jähns Beitrag zur friedlichen internationalen Zusammenarbeit im Weltraum gewürdigt und Merbolds Rolle beim ersten Flug des im Auftrag der ESA von einem europäischen Industriekonsortium unter der Leitung des deutschen Unternehmens ERNO (heute EADS Space Transportation) in Bremen gebauten Spacelab erläutert werden. Auch die mehr als 20 weiteren Spacelab-Flüge sollen beleuchtet werden, insbesondere die deutsche Spacelab-Mission D-2 vor zehn Jahren (26. April bis 6. Mai 1993) mit den deutschen Astronauten Hans Schlegel und Ulrich Walter. Schlegel stieß später zum Europäischen Astronautenkorps der ESA in Köln, dessen Leiter Ernst Messerschmid mit dem niederländischen ESA-Astronauten Wubbo Ockels und dem deutschen DLR-Astronauten Reinhold Furrer an der ersten deutschen Spacelab-Mission, Spacelab D-1 (Flug STS-61 A), im Jahr 1985 teilnahm.

Die "Zeitreise" wird auch auf die vier Missionen zur russischen Raumstation Mir unter Beteiligung europäischer Astronauten eingehen. Zwei davon fanden im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem DLR und Rußland bei Mir 92 und Mir 97 statt, die beiden anderen im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der ESA und Rußland bei Euromir 94 und Euromir 95.

Viele der an diesen Missionen beteiligten europäischen und russischen Astronauten und Kosmonauten werden bei der Veranstaltung in Markneukirchen dabeisein, darunter Sigmund Jähn, Eberhard Köllner (Jähns Ersatzmann für Sojus 31), Valerij Bykowski (Sojus 31), Ulf Merbold (Spacelab 1, Spacelab IML-1 und Euromir 94), Ernst Messerschmid (Spacelab D-1), Klaus-Dietrich Flade (Mir 92), Ulrich Walter (Spacelab D-2), Thomas Reiter und Jurij Gidzenko (Euromir 95), Reinhold Ewald, Wassilij Zbliyew und Valerij Korsun (Mir 97).

Auf der Jubiläumsfeier sollen indes nicht nur die bisherigen Leistungen Europas in der bemannten Raumfahrt gewürdigt werden. Auch die Gegenwart und die Zukunft sollen zur Sprache kommen: Edelgard Bulmahn, Jörg Feustel-Büechl und Sigmar Wittig werden die europäischen und deutschen Ansichten und Pläne für die Internationale Raumstation präsentieren und über Europas und Deutschlands künftige Rolle in der bemannten Raumfahrt informieren.

Einer der Höhepunkte wird eine Video-Liveschaltung zur Internationalen Raumstation sein, in der die beiden derzeitigen Besatzungsmitglieder Jurij Malenchenko (Rußland) und Edward Lu (USA) - die im Oktober Besuch vom spanischen ESA-Astronauten Pedro Duque bekommen sollen - zum Publikum sprechen werden.

Die Veranstaltung wird über das ASTRA-Satellitensystem europaweit live übertragen und kann in allen Haushalten mit einer analogen Satellitenanlage empfangen werden. Die Empfangsdaten lauten: ASTRA 19,2° Ost, Analog-Empfang, Frequenz 10,921 GHz, Polarisation horizontal, Stereoton auf 7,02 / 7,20 MHz. Parallel dazu wird eine weltweite Live-Übertragung per Internet im "Streaming Video"-Modus über www.dlr.de und www.esa.int erfolgen.

Die Übertragung beginnt um 11.00 Uhr und endet um 12.30 Uhr.
(Meik Lampmann - Quelle: ESA)


» Shuttle-Modell Phoenix im Windkanal
22. August 2003 - Die Windkanal-Erprobung des sieben Meter langen PHOENIX-Flugmodells - der mögliche Vorläufer eines unbemannten europäischen Transportsystems - hat in den Niederlanden begonnen.
Die europäische Weltraumbehörde ESA fördert mehrere Projekte zur Entwicklung neuer und innovativer Transportsysteme, die in Zukunft zu deutlich geringeren Kosten als heute den Nutzlasttransport in den Weltraum ermöglichen sollen. Eines dieser Projekte nennt sich HOPPER und plant bis 2015 den Bau einer unbemannten Raumfähre, die horizontal mit Hilfe eines vier Kilometer langen Schlittens starten, ihre Nutzlast in rund 130 Kilometer Höhe aussetzen und anschließend ähnlich wie die amerikanischen Raumfähren wieder landen soll. Die Nutzlast wird nach dem Aussetzen von einer Raketenstufe bis in den gewünschten Orbit transportiert, während HOPPER abhängig vom Missionsprofil beispielsweise auf den Azoren landet und von dort aus per Schiff wieder zurück zum europäischen Weltraumbahnhof in Kourou transportiert wird. Aufgrund eines anderen Winkels beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erwärmt sich HOPPER deutlich weniger stark als die US-Raumfähren, so dass auch einfachere und damit kostengünstigere Wärmeschutzmethoden zur Anwendung kommen können.
 
Doch lange bevor es zum Erstflug von HOPPER kommen kann müssen die aerodynamischen Eigenschaften der geplanten Raumfähre erprobt werden. Zu diesem Zweck ist das maßstabsgetreue Flugmodell PHOENIX von EADS Space Transportation entwickelt und gebaut worden. Das Aluminum-Modell ist rund eine Tonne schwer und sieben Meter lang. Die Tragflächen sowie die Steuer wurden so klein wie möglich konzipiert, um die beim Wiedereintritt entstehende Reibungswärme zu minimieren. So haben beispielsweise die Tragflächen von PHOENIX nur eine Spannweite von 3,9 Metern.
 
Der erste Schritt in der praktischen Erprobungsphase hat nun mit Windkanaltests in der Large Low-speed Facility (LLF) des Deutsch-Niederländischen Windkanals in den Niederlanden begonnen, die Auswertung der so gewonnen Daten erfolgt dabei durch das DLR. Bei diesen Tests geht es um die Ermittlung der aerodynamischen Langsamflugeigenschaften von PHOENIX. Für das kommende Jahr wird es dann noch einen Schritt realistischer: Im Frühsommer 2004 soll PHOENIX in Schweden von einem Hubschrauber auf eine Höhe von 2.400 Meter gebracht und dann abgeworfen werden. Nach einem gesteuerten Gleitflug soll das Flugmodell schließlich sein Fahrwerk ausfahren und vollautomatisch landen.
 
Aber selbst nach erfolgreichen Freiflugversuchen ist noch keine Entscheidung gefallen, ob HOPPER später einmal tatsächlich gebaut werden wird. Klar ist nur - auch angesichts der wachsenden Konkurrenz im Markt für Trägersysteme -, dass Europa zukünftig auch in die Entwicklung anderer Transportsysteme als der nur einmal verwendbaren Raketen wie Ariane 5 oder Vega investieren muss, will es auf Dauer konkurrenzfähig bleiben und die Kosten für den Weltraumzugang senken.
(Michael Stein - Quelle: DLR)


» Japan: 18 neue Satelliten bis 2007
22. August 2003 - Gleich eine ganze Armada japanischer Satelliten soll in den kommenden vier Jahren in eine Umlaufbahn geschossen werden
Die neu geformte japanische Raumfahrt-Behörde JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) hat ihr unbemanntes Raumfahrtprogramm für die kommenden Jahre beschlossen. Hierzu zählt vor allem ein starkes Engagement im Bereich der Satellitenstarts, wobei sowohl eigene Systeme erprobt und angewandt, als auch ausländische Satelliten gegen Bezahlung in den Orbit gebracht werden sollen. Allein bis 2007 sollen mit Hilfe selbst entwickelter Trägertechnik - hier ist besonders das "Flaggschiff" H-2A sowie die etwas leichtere M-5 zu nennen - 18 Satelliten gestartet werden. Hierzu werden laut japanischen Angaben auch mindestens vier Spionagesatelliten zählen. Ein erster wird bereits im kommenden Jahr starten und soll ein wachsames Auge auf Norkorea werfen, das ihrerseits ein umfangreiches, militärisch dominiertes Raketenprogramm betreibt. Weitere Militärsatelliten sollen dann jährlich folgen. Parallel sollen Satelliten unter anderem für die Mond- und Sonnenerforschung, für die Beobachtung von Sternen und des Treibhauseffektes sowie zur genaueren Wetterprognose gestartet werden.
(Felix Korsch - Quelle: JAXA)


» Doch keine Ozeane auf dem Mars?
22. August 2003 - Eine neue wissenschaftliche Analyse von Daten des Mars-Orbiters Mars Global Surveyor stellt die oft geäußerte Annahme, dass der Mars in früheren Zeiten wärmer gewesen und einen Ozean beherbergt haben könnte, stark in Frage.
Obwohl Wissenschaftler mit Hilfe des Infrarot-Spektrometers an Bord der seit 1997 um den Mars kreisenden Raumsonde Mars Global Surveyor (MGS) karbonathaltige Mineralien an der Oberfläche des "Roten Planeten" entdeckt haben, die sich üblicherweise in Gegenwart von Wasser bilden, so konnten doch keine großflächigen Karbonat-Signaturen im Bereich von drei bis zehn Kilometern Ausdehnung gefunden werden, die auf das Vorhandensein eines oder mehrerer Ozeane hingedeutet hätten. Ob dieser Befund auch die frühere Existenz von größeren Seen, die nur vorübergehend existierten, ausschließt, bleibt zur Zeit unklar.
 
In ihrem heute im Wissenschaftsmagazin Science publizierten Artikel schreiben die drei Wissenschaftler Timothy Glotch, Dr. Joshua Bandfield und Dr. Philip Christensen von der Arizona State University, dass während der sechsjährigen Datenerfassung des MGS-Infrarot-Spektrometers dafür überall auf dem Planeten eine Karbonatkonzentration zwischen drei und fünf Prozent im marsianischen Staub registriert worden ist - was gleichzeitig die Fähigkeit des Spektrometers, dieses Mineral zu entdecken, beweist. Doch auch diese Spuren des Wasser anzeigenden Minerals glauben die Wissenschaftler auf andere Quellen als massive Karbonat-Vorkommen an der Oberfläche zurückführen zu können: "Wir glauben, dass die in Spuren vorhandenen Mengen die wir sehen wahrscheinlich nicht von ozeanischen Ablagerungen frühzeitlicher marsianischer Meere stammen, sondern von direkten Interaktionen der Atmosphäre mit dem Staub", erläutert Dr. Christensen. "Winzige Spuren von Wasser in der Marsatmosphäre können mit dem allgegenwärtigen Staub zusammenwirken und die kleinen Mengen Karbonat, die wir sehen, bilden. Dies scheint das Resultat der Interaktion einer dünnen Atmosphäre mit Staub zu sein und nicht von Ozeanen, die mit einer großen, dichten Atmosphäre zusammenwirkten, von der viele Leute gedacht haben, dass sie einmal dort existierte. [...] Was wir nicht sehen sind massive regionale Karbonat-Konzentrationen wie beispielsweise Kalkstein. [..] Wir sehen nicht die weißen Klippen von Dover oder irgendetwas Vergleichbares."
 
Aufgrund dieser Daten und der früheren Entdeckung gefrorener Wasservorkommen auf dem Mars vermutet die Wissenschaftlergruppe, dass der Mars immer schon kalt, eisig und gefroren war. Wenn es früher wärmer gewesen wäre und Ozeane vorhanden gewesen wären, so die Argumentation, dann sollten auch die damals gebildeten, mit Karbonat durchsetzten Gesteinsschichten zu finden sein - und das ist bisher nicht der Fall. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte das Karbonatvorkommen im marsianischen Staub vielmehr sogar mit dafür verantwortlich sein, dass die Marsatmosphäre so dünn, trocken und kalt geworden ist wie sie sich heute darstellt: Die Bildung der Karbonate könnte der früheren Marsatmosphäre viel des ursprünglichen Kohlendioxids entzogen haben.
 
Weiteren Aufschluss über die Geschichte des marsianischen Wassers und die damit natürlich einhergehende (mögliche) Geschichte von organischem Leben auf dem Mars erhoffen sich die Wissenschaftler von den beiden amerikanischen Mars-Rovern, die im Januar nächsten Jahres auf unserem äußeren Nachbarplaneten landen und ihre Landegebiete auf Spuren früherer Wasservorkommen hin untersuchen werden.
(Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Neuer Shuttle-Flug im März 2004?
21. August 2003 - Während die NASA weiter schweigt gab nun die russische Seite einen Starttermin für die nächste Shuttle-Mission bekannt. Kommt das ISS-Projekt endlich wieder in Schwung?
Laut russischen Quellen wird das US-amerikanische Space Shuttle nach einer über einjährigen Zwangspause im kommenden März zu einem neuen Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) aufbrechen. Dies gab heute Juri Koptew, Chef der russischen Weltraumbehörde Rosaviakosmos, im Rahmen der Luft- und Raumfahrtausstellung MAKS-2003 in Zhukowski bei Moskau bekannt. Demnach werde von der NASA ein Datum um den 12. März anvisiert. Hierbei soll es sich um die Atlantis handeln, welche im Rahmen der Mission STS-114 mit einer Minimalausstattung zur ISS aufbrechen soll. An Bord befinden wird sich wahrscheinlich das Raffaello-Modul (MPLM; Multi-Purpose Logistics Module), eine externe Plattform sowie neue Gyroskope für die Lageregelung der Orbitalstation. Hinzu kommen dringend erwartete Versorgungsgüter, vor allem Wasser und frische Nahrungsmittel.
Seit der Columbia-Katastrophe vom 1. Februar dieses Jahres, bei der auch sieben Raumfahrer ums Leben kamen, ist die gesamte verbliebene Shuttle-Flotte der NASA, bestehend aus der Atlantis, der Endeavour und der Discovery bis auf weiteres gegroundet worden. Bisher nannte die NASA kein definitives Datum für eine Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge; in der Diskussion war bereits der April des kommenden Jahres. Umso mehr überraschte die Verlautbarung russischer Quellen, welche den oben bezeichneten 12. März ins Spiel brachte. An Bord befinden wird sich wahrscheinlich nur eine kleine Crew, bestehend aus Kommandantin Eileen Collins, Pilot James Kelly, sowie den Missionsspezialisten Soichi Noguchi und Stephen Robinson. Grund hierfür ist, dass die NASA vorerst keine unnötigen Risiken mehr eingehen will. Die angedachte Flugdauer von elf Tagen ist daher ebenfalls mit einem dicken Fragezeichen zu versehen.
Bis dahin ist es allerdings noch ein steiniger Weg für die Amerikaner. An erster Stelle auf der "return to flight"-Agenda steht die Umsetzung der Empfehlungen des Columbia Investigation Boards (CAIB), welches am kommenden Dienstag seinen endgültigen Untersuchungsbericht veröffentlichen wird. Im Rahmen der Untersuchung des Unglücks offenbarten sich eine Reihe technischer und organisatorischer Unzulänglichkeiten. Angemahnt wird zum Beispiel die nicht vorhandene Möglichkeit, Space Shuttles im Orbit auf mögliche Schäden hin zu untersuchen und - bei tatsächlich auftretenden Defekten - diese zu reparieren. Künftig soll der Einsatz von hochauflösenden Kameras zur Inspektion des Shuttles beim Start und in der Erdumlaufbahn zur Standardprozedur werden. Die nötige Technologie ist bereits vorhanden. Zusätzlich müssen die NASA-Techniker die Struktur der Flügelvorderkanten überdenken, welche die Columbia-Katastrophe mit hervorriefen. Auch die Verankerung der seitlichen Feststoffbooster erwies sich als eine potentielle Gefahrenquelle.
Alle genannten Punkte müssen nun eine technische Realisierung erfahren. Dies erfordert möglicherweise umfangreiche Umkonstruktionen der verbliebenen Shuttle-Flotte. Eine innerhalb der NASA gegründete "return to flight"-Taskgroup wird sich in den nächsten Wochen intensiv hiermit auseinandersetzen. Neben dem Shuttle werden im kommenden Jahr fünf unbemannte russische Progress-Transporter starten, hinzu kommen zwei bemannte Sojus-Zubringer. Das Vorhandensein des Space Shuttles ist hier bereits fest eingerechnet. Russland allein kann den gesamten Materialbedarf der ISS durch die eigenen Raumschiffe aus finanziellen Gründen nicht mehr erfüllen. Der Crewaustausch wird dennoch vorerst in russischer Hand bleiben. Dies gilt auch für die europäischen Besucher auf der ISS. Laut Koptew wird jeder dritte Sitz ihrer Sojus TMA-Raumschiffe für jeweils zehn Millionen US-Dollar an die Europäer verkauft.
Die weitere Zukunft der ISS ist hierdurch noch nicht gesichert. Während die Russen weiter mit finanziellen Engpässen zu kämpfen haben soll eine Versammlung aller internationalen Partner am ISS-Projekt nach dem Start der achten Stammbesatzung am 18. Oktober dieses Jahres in Moskau Klärung bringen. Dann sollen auch die Startdaten aller Missionen im kommenden Jahr festgelegt werden. Durch den Stopp des Shuttle-Programms verlor man bereits über zwölf Monate. Die Wiederaufnahme der US-Flüge wird daher als existentiell für das gesamte Programm angenommen. Koptew bezeichnete die Rolle Russlands an der ISS wörtlich als "kosmischer Taxifahrer". Man biete zwar mit den vorhandenen Wohn- und Servicemodulen anderen Staaten die nötige Infrastruktur, werde sich aber wahrscheinlich kein eigenes Labor mehr leisten können. Zu schwer wiegen die Belastungen durch den plötzlichen Ausfall der Amerikaner.
(Felix Korsch - Quelle: RIA Novosti)


» Finaler Untersuchungsbericht erscheint am 26. August
21. August 2003 - Die Akten im Falle der Columbia-Katastrophe werden bald geschlossen - ein entsprechender Bericht wird demnächst veröffentlicht
Das Columbia Investigation Board (CAIB) wird seinen engültigen und als definitiv anzusehenden Bericht zu den Umständend er Verunglückung des Space Shuttles Columbia am 1. Februar dieses Jahres am kommenden Dienstag, den 26. August, veröffentlichen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Parallel zu einer entsprechenden Pressekonferenz soll gegen 17 Uhr MESZ eine digitale Version des Berichtes als PDF-Datei auf der Website des CAIB zur Verfügung gestellt werden. Darin enthalten sein sollen die Ergebnisse der Ermittlungen des 12-köpfigen Gremiums unter Admiral Hal Gehman, welche klären sollen, wie die Crew der Columbia ums Leben kam. Hinzu kommen Empfehlungen an die NASA, um solche Geschehnisse künftig zu verhindern. Eine vollständige Aufklärung der Katastrophe gilt zudem als Voraussetzung der Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge, welche in Folge des Unglücks auf Eis gelegt wurden. Hierunter leidet vor allem die Versorgung der Internationale Raumstation.
(Felix Korsch - Quelle: CAIB.us)


» Nächste Progress-Mission live
21. August 2003 - NASA-TV wird die Ankunft des nächsten russischen Frachters (Progress 12) an der Internationalen Raumstation live in alle Welt übertragen.
Beginn der Live-Übertragung ist etwa 6:00 Uhr MESZ am 31. August, umfasst werden soll dabei die komplette Kopplung, welche um exakt 6:42 Uhr MESZ stattfinden soll. Mit der neuen Progress-Mission werden 500 Kilogramm Nahrung und Treibstoff zur ISS gelangen. Diese ist derzeit bemannt durch die siebente ISS-Stammbesatzung, bestehend aus Ed Lu und Juri Malentschenko, welche bereits seit April dieses Jahres ihren Dienst verrichten. Mehr Informationen zu NASA-TV finden Sie hier. Der Empfang eines Online-Streams ist ebenfalls möglich!
(Felix Korsch - Quelle: NASA)


» Kosmodrom Plessetzk mit mehr Aufträgen
21. August 2003 - Auch Deutschland beteiligt sich zunehmend an der Nutzung russischer Infrastruktur. Militärische Anwendungen werden dabei nicht ausgespart.
Im Rahmen der aktuell stattfindenden Moskauer Luft- und Raumfahrtausstellung MAKS '03 in Zhukowski bei Moskau konnten nach russischen Angaben zahlreiche neue Kunden für kommerzielle Starts mit russischen Trägersystemen vom Kosmodrom Plessetzk im Norden des Landes aus gewonnen werden. Zu den neuen Partnern zählt auch die deutsche Firma OHB Systeme, mit der seitens der staatlichen Firma Rosoboronexport und den russichen Weltraumtruppen heute ein entsprechender Vertrag abgeschlossen werden konnte. Enthalten seien mehrere Starts, die in der Zeit von 2005 bis 2007 durchgeführt werden sollen, berichtet RIA Novosti. Dabei soll es sich vor allem um die Satelliten ausländischer Militärs handeln, so die Presseberichte weiter. Der Vertrag beweise, so eine offizielle Verlautbarung, "das große Potential russisch-deutscher Zusammenarbeit."
(Felix Korsch - Quelle: RIA Novosti)


» Mindestens zwei Startverschiebungen in Cape Canaveral
20. August 2003 - Die Planungen der NASA hinsichtlich kommenden Weltraumstarts geraten durch technische Probleme etwas durcheinander.
Gleich zwei Raketenstarts in den kommenden Tagen sind vorerst verschoben wurden. Hierunter befindet sich zunächst die Titan 4B der US Air Force, welche im Auftrag des National Reconnaissance Office einen streng geheimen militärischen Kommunikationssatelliten ins All befördern soll. Auf Grund diverser technischer Probleme mit der Zweitstufe des Trägers wird der Start aus Sicherheitsgründen nicht vor dem 6. September stattfinden können. Bei vorangegangenen Tests stellte sich heraus, dass ein Sensorensystem im Tank nicht ordnungsgemäß funktioniert und somit das Auslaufen von dutzenden Litern toxischer Treibstoffe beim Betanken der Titan-Rakete zuließ (wir berichteten). Hinzu kommen Befürchtungen, dass das auch das Triebwerkssystem an sich fehlerhaft sein könnte.
 
Eine weitere verschobene Mission ist der Start des Space Infrared Telescope Facility (SIRTF) der NASA mit einer Delta 2 aus dem Hause Boeing. Als Grund hierfür nennen die US-Behörden starke Winde und eine rauhe See im Bereich des Indischen Ozeans, was die Stationierung eines Bahnverfolgungsschiffes verzögert. Dieses ist notwendig, um das korrekte Arbeiten der zweiten Stufe der Delta 2 zu überwachen. Der Start soll daher frühestens am kommenden Montag um 07:35:39 Uhr MESZ stattfinden können, welchen die NASA live übertragen wird. Mehr über diese Mission können Sie übrigens in der kommenden Ausgabe unseres InSpace-Magazin lesen.
 
Schließlich könnte auch noch ein dritter Weltraumstart durch die Verschiebungen der beiden genannten Missionen beeinflusst werden: eine Delta 4 soll - ebenfalls von Cape Canaveral aus - am 28. August das Defense Satellite Communications System (DSCS) ins All befördern. Ob dieser Termin haltbar ist, muss sich erst noch zeigen. Alle drei Starts liegen nun sehr nahe beieinander, was gewisse Risiken mit sich bringt. Hinzu kommt eine Überbeanspruchung des Personals des Kennedy Space Centers sowie der benachbarten Air Force Station.
(Felix Korsch - Quelle: Space.com/Boeing/NASA)


» Nigeria will eigenen Satelliten starten
20. August 2003 - Das afrikanische Land möchte sich stärker im Bereich der Weltraum-Forschung engagieren. Ein eigener Satellit soll hierzu den Auftakt darstellen.
Wie der nigerianische Minister für Wissenschaft und Technologie, Turner Isoun, heute bekannt gab, plant sein Land, im kommenden Monat den ersten eigenen Satelliten ins All zu befördern. "Ich kann bestätigen, dass alles für den Start am 26. September bereit ist", sagte Turner gegenüber Pressevertretern von AFP nach einer Kabinettssitzung. Zweck des Satelliten sind Aufgaben der Erdbeobachtung und sensorischer Untersuchung. Zwar soll der Start mit einer russischen Trägerrakete von Baikonur aus erfolgen, doch soll die Missionskontrolle in eigener Hand liegen und von Abuja aus erfolgen. Das Satellitenprojekt ist Teil eines gemeinsamen, 13 Millionen US-Dollar teuren Programms in Kooperation mit Russland, welches im November 2000 anlief. Seit dem wurden auch 15 nigerianische Techniker und Ingenieure in Russland ausgebildet, um den fehlerfreien operationellen Betrieb des Satelliten sicherstellen zu können.
(Felix Korsch - Quelle: AFP)


» Taikonauten sind "herzlich willkommen" in der ISS
20. August 2003 - Die nächste ISS-Stammcrew würde die Chinesen gern in der Internationalen Raumstation willkommen heißen. Eine Kooperation steht derzeit allerdings nicht zur Debatte.
In einem aktuellen Interview äußert sich die nächste Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ISS zu den chinesischen Plänen, noch in diesem Jahr einen Menschen ins All zu bringen. Die achte Crew, bestehend aus Kommandant Michael Foale und Alexander Kaleri, welche zur Zeit des chinesischen Vorstoßes die ISS bewohnen werden, würde ihre chinesischen Kollegen demnach gern als Partner an Bord der Raumstation begrüßen. Foale erwarte diese Kooperation zwar nicht - entsprechende Pläne sind westlichen Beobachtern auch nicht bekannt - allerdings lernt er nach eigenen Angaben gerade einige chinesische Vokabeln. Foale, erfahrener US-amerikanischer Weltraum-Veteran, welcher bereits in der russischen Raumstation Mir Erfahrungen sammeln konnte, hält ein einfaches "willkommen an Bord" für die passendeste Begrüßung.
"Ich glaube, es ist ein enormes historisches Ereignis welches sich mit meiner eigenen Mission überschneidet", führte Foale das Interview fort und schlägt dabei seinem eigenen Land vor, langsam über die Folgen und neuen Möglichkeiten für die gesamte Raumfahrt nachzudenken. "Wie sollten es als positiv hinnehmen und keinesfalls als eine Bedrohung ansehen." Die achte Stammbesatzung wird am 18. Oktober an Bord von Sojus TMA-3 von Baikonur aus gen Himmel abheben. Mit an Bord befinden wird sich auch der ESA-Astronaut Pedro Duque. Zwei Tage später wird der Kopplung mit der ISS erfolgen, wo die bisherige Stammbesatzung - Juri Malentschenko und Ed Lu - abgelöst wird. Diese werden gemeinsam mit Pedro Duque einige Tage später mit ihrem alten Raumschiff Sojus TMA-2 zur Erde zurückkehren. In diesen Zeitraum könnte auch der erste chinesische Raumflug erfolgen, wobei anscheinend noch kein exaktes Datum exisitiert. Verschiedene Quellen sprechen vom 10. Oktober bis hin zur Mitte November - alles andere als konkrete Angaben.
Angesprochen auf die Möglichkeit neuer Kooperationen im All betonte Foale, dass "jeder verstehen muss, inklusive der Chinesen selbst, dass eine Zusammenarbeit eine Möglichkeit für uns alle darstellt. Wenn wir uns nicht bedroht fühlen und uns nicht auf ein Wettrennen im All einlassen, ähnlich dem, welches wir mit der Sowjetunion führten, glaube ich, dass wir sehr viele konstruktive Dinge erreichen können." Derzeit sehen viele Experten jedoch die Gefahr eines neuen Wettlaufs auch auf militärischer Ebene; Konzepte für gemeinsame Projekte existieren dagegen nicht bzw. werden nicht direkt diskutiert. "China [...] wird womöglich eine enorme Rolle in der zukünftigen bemannten Erforschung des Weltraums spielen", so Foale. Sein Kollege Kaleri ergänzt, dass es gut denkbar und wünschenswert wäre, wenn entsprechende Kooperationen zu Stande kämen. "Vielleicht, wer weiß... Die Zeit wird es offenbaren."
Kaleri hätte bereits eine Begrüßung parat: "Ich würde ihnen gratulieren und sie in dieser neuen Umgebung, im Weltraum, im Kosmos willkommen heißen." Nach letzten chinesischen Meldungen zu Folge wird die Trägerrakete CZ-2F in den kommenden Tagen zum Kosmodrom nach Jiuquan transportiert. Sowohl Rakete als auch Raumschiff haben abschließende Tests in den Werkshallen zur Zufriedenheit aller absolviert.
Unter china.raumfahrer.net finden Sie weitere umfassende Informationen und Ressourcen zu Chinas Raumfahrt.
(Felix Korsch - Quelle: Space.com)


» Indien plant Mondmission
20. August 2003 - Durch Chandrayan sollen sich weitere Rätsel unseres Mondes klären lassen. Indien erhebt mit seinen hochtrabenden Plänen Anspruch, selbst zur Weltraumnation zu werden.
Bereits am 15. August, dem Unabhängigkeitstag des Landes, verkündete Premierminister Atal Behari Vajpayee, dass Indien bis 2008 eine eigene Sonde zum Mond schicken werde. Die indische Weltraumbehörde (Indian Space Research Organization; ISRO) plant diese Mission schon seit rund acht Monaten und erhielt nun grünes Licht aus offiziellen Kreisen. Das Projekt, benannt Chandrayan-1, wird um die 100 Millionen US-Dollar kosten. Seit gestern sind neue Details über den geplanten Orbiter bekannt: so soll die 525 Kilogramm schwere Sonde den Mond bis zu zwei Jahre lang in einem polaren Orbit mit einer Höhe von 100 Kilometern umkreisen. Der Start soll dabei mit einer Rakete aus eigener Produktion stattfinden, der PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle). Die Sonde sei dabei "nur ein Vorläufer von aufwendigeren Planetenmissionen in den folgenden Jahren, inklusive automatischen Robotern auf dem Mond und Besuchen indischer Raumsonden bei anderen Planeten unseres Sonnensystems", so die ISRO.
Die Hauptaufgabe der Mission wird sein, eine chemische Karte der Mondoberfläche zu erstellen. Die dabei gewonnenen Daten sollen verwendet werden, um ein dreidimensionales Modell einiger interessanter Regionen unseres Trabanten zu gewinnen. Dabei zum Einsatz kommen soll vielfältige Sensorik im optischen und infraroten Bereich, allerdings auch hochentwickelte Röntgen-Sensoren in stereographischer Anordnung. Hierbei soll eine Genauigkeit von bis zu 5 Metern Auflösung der Oberfläche erreicht werden. Speziell unter die Lupe genommen werden sollen die Polregionen des Mondes und als besonderes Ojekt das so genannte Aitken Basin, ein Kratergebiet nahe dem Südpol. Hier vermuten einige Wissenschaftler schon länger das Vorhandensein von Spuren von Wasser oder sogar Eis.
Zu guter letzt soll Chandrayan auch in der Lage sein, ein exaktes Modell der Gravitation des Mondes zu liefern, schließlich existieren hierzu bisher nur vage Daten. Die Aufgabe soll erfüllt werden durch eine lasergesteuerte Vermessung der Mondoberfläche und Abgleiche mit den zuvor gewonnenen 3D-Bilder unseres Begleiters im All. Chandrayan-1 wäre damit die aufwendigeste unbemannte Mondmission seit Jahren. Noch in diesem Jahr wird sich der neueste europäische Beitrag an der Erforschung des Mondes, SMART-1, auf seinen Weg machen.
(Felix Korsch - Quelle: Space.com)


» Staubige Zeiten in Sicht
19. August 2003 - Die Auswertung von Daten des Sonnenorbiters Ulysses hat gezeigt, dass die durch unser Sonnensystem flutenden interstellaren Staubmengen stark vom Magnetfeld der Sonne beeinflußt werden.
Seit 1992 misst die europäische Raumsonde Ulysses den ständig durch unser Sonnensystem fließenden Strom von Sternenstaub - obwohl es vielleicht genauer ist davon zu sprechen, dass unser Zentralgestirn mitsamt allen übrigen Mitgliedern unseres Sonnensystems mit hoher Geschwindigkeit durch interstellaren Staub fliegt, der Bestandteil der lokalen galaktischen Wolke ist, durch die wir uns zur Zeit hindurchbewegen. Entsprechend unserer Reisegeschwindigkeit von 26 Kilometern pro Sekunde benötigt eines der winzig kleinen Staubkörner rund 20 Jahre, um unser Planetensystem zu durchqueren.
 
Das vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg gebaute Instrument DUST hat über Jahre die Größe, Geschwindigkeit und Einfallrichtung solcher interstellarer Partikel registriert, während Ulysses seine Bahnen um die Sonne drehte. Mehrere Wissenschaftler unter Leitung von Markus Landgraf am Max-Planck-Institut in Heidelberg haben bei der Auswertung der Messdaten festgestellt, dass die Dichte der Staubwolken, die sich durch unser Planetensystem hindurchbewegen, direkt mit dem Zustand des Magnetfeldes unserer Sonne zusammenhängt.
 
Wenngleich die Sonne von der Erde aus betrachtet mit bloßem Auge einen statischen Eindruck vermittelt, so ist sie tatsächlich doch ein sehr dynamischer Himmelskörper. So schwankt beispielsweise die Aktivität der Sonne, die sich in der Anzahl von "Sonnenflecken", gigantischen Protuberanzen und anderen Erscheinungen ausdrückt, in einem elfjährigen Rhythmus (die Wissenschaftler sprechen von Minima und Maxima solarer Aktivität). Schon vor einiger Zeit haben Wissenschaftler festgestellt, dass unter anderem auch alle elf Jahre eine Umpolung des solaren Magnetfelds erfolgt: Aus dem magnetischen Nordpol der Sonne wird der Südpol und umgekehrt! Solche Vorgänge gibt es zwar auch beim irdischen Magnetfeld, allerdings liegt hier zwischen zwei Neuausrichtungen des Erdmagnetfelds nicht nur ein gutes Jahrzehnt wie bei der Sonne, sondern üblicherweise mindestens mehrere zehntausend Jahre.
 
Was aber hat das solare Magnetfeld mit dem interstellaren Staub zu tun? Die Daten von Ulysses zeigen, dass das weit in den umgebenden Weltraum reichende Magnetfeld der Sonne den Großteil des Sternenstaubs aus unserem Planetensystem heraushält, da diese Partikel zu einem nicht geringen Teil elektrisch geladen sind und somit durch Magnetfelder abgelenkt werden. Die Auswertung neuester Daten, die bis Ende letzten Jahres gesammelt worden sind, hat nun aber gezeigt, dass diese abschirmende Kraft während des letzten solaren Maximums um die Jahrtausendwende herum deutlich nachgelassen hat und deshalb dreimal mehr interstellarer Staub als vorher das Sonnensystem durchströmt. Ursache für die Schwächung des Magnetfelds der Sonne ist die alle elf Jahre während eines solaren Maximums erfolgende Magnetfeldumpolung, die schon deutlich vorher und nachher ein "ungeordnetes", wenig strukturiertes und damit einhergehend auch schwächeres Magnetfeld zur Folge hat.
 
Doch dieser mit der Umpolung des Magnetfelds der Sonne einhergehende Anstieg der Staubkonzentration im Sonnensystem ist nicht noch nicht alles, was die Wissenschaftler entdeckt haben. Interessanterweise hat auch die Anordnung der magnetischen Pole unserer Sonne Auswirkungen auf die Ablenkung des interstellaren Staubs, wie Markus Landgraf gegenüber Raumfahrer.net erläuterte: "Der Grund dafür ist, dass während des ersten Minimums (z.B. 1995) der magnetische Nordpol am heliographischen Nordpol und der magnetische Südpol am heliographischen Südpol liegen. Im darauf folgenden Minimum ist es umgekehrt. Das solare Magnetfeld hat nun die Eigenschaft, elektrisch geladene Staubpartikel im ersten Minimum von der Sonnenäquatorialebene abzulenken und während des zweiten Minimums sie auf die Äquatorialebene zu fokussieren. Während der Sonnenmaxima ist die Polarität des Feldes so ungeordnet, dass es keinen Einfluss auf die Staubpartikel hat."
 
Die jetzige Pol-Anordnung führt also einer verstärkten Durchleitung der elektrisch geladen winzigen Staubpartikel in die Bereiche des inneren Sonnensystems, so dass spätestens ab 2005, wenn das Magnetfeld der Sonne in den Zeiten geringer solarer Aktivitäten besonders gut und strukturiert ausgebildet ist, eine noch einmal deutlich höhere Staubkonzentration in unserem Sonnensystem vorhanden sein wird - es wird staubig...
 
Die direkten Auswirkungen der erhöhten Staubdichte bleiben allerdings gering: Wegen ihrer winzigen Masse und Größe - die einzelnen Partikel sind im Mittel nur ein hundertstel so groß wie der Durchmesser eines menschlichen Haares - werden die Planeten davon nicht beeinflußt. Allerdings werden sie aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und Anzahl beim Aufprall auf Asteroiden und Kometen mehr Sekundärpartikel als gewöhnlich erzeugen, doch auch diese werden natürlich nur im mikroskopischen Bereich angesiedelt sein.
(Michael Stein - Quelle: ESA)


» Finanzspritze für die russische Raumfahrt
19. August 2003 - Im kommenden Jahr sollen zusätzliche 100 Millionen Dollar wenigstens die fundamentalen russischen Raumfahrt-Projekte am Laufen halten - hierzu zählt auch die ISS
Das Budget der russischen Raumfahrt soll im kommenden Jahr um rund drei Milliarden Rubel, umgerechnet 100 Millionen US-Dollar, aufgestockt werden. Dies verkündete heute der Chef der Raumfahrtbehörde Rosaviakosmos im Rahmen der Airshow MAKS '2003 in Zhukowski bei Moskau. "Dies wird es uns ermöglichen, unsere Hauptprojekte fortzuführen", sagte Koptew gegenüber Pressevertretern. Die zusätzlichen Gelder sollen dabei vor allem den internationalen Verpflichtungen Russlands zu Gute kommen: "Wir werden dadurch in der Lage sein, die Internationale Raumstation aktiv weiterzuentwickeln", so Koptew weiter. Die ISS steuert seit dem Stopp aller Flüge des US-amerikanischen Space Shuttles in Folge der Columbia-Katastrophe vom 1. Februar dieses Jahres auf einen akuten Versorgungsengpass zu. Mit dem russischen System allein lassen sich die nötigen Tranporte von Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoffen zur ISS nicht bewältigen. Hinzu kommen lang bestehende finanzielle Hürden auf russischer Seite.
Eben dieses Problem erhofft man durch die zusätzlichen Gelder lösen zu können. "Wir werden es hauptsächlich für die Lösung der Tranportprobleme und die Lebenserhaltungs-Systeme aufwenden, aber einiges wird auch zum Ausbau des russischen Segments der ISS übrigbleiben", zitiert Interfax den Chef der russischen Weltraumbehörde. Zusätzlich hofft man, auch unbemannte Projekte fördern zu können. Hierzu zählen vor allem Kommunikations- und Wissenschafts-Satelliten. Derzeit operieren rund 100 russische Satelliten aktiv in einer Erdumlaufbahn, 60 davon sind militärischer Natur. Noch vor wenigen Jahren und erst recht zu Sowjetzeiten lag deren Zahl wesentlich höher. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist das russische Raumfahrtprogramm chronisch unterfinanziert.
Zu ernsten Schwierigkeiten führte diese Lage allerdings erst in der vergangenen Zeit. Aus Mangel an Tranportkapazität musste so zum Beispiel die Größe der Stammbesatzungen auf der ISS auf zwei Personen begrenzt werden. Ausgelegt ist die Internationale Raumstation jedoch für sieben permanent arbeitende Raumfahrer. Zwar wäre es technisch kein Problem, den Ausfall des Shuttles durch mehr Starts der Sojus-Raumschiffe und der unbemannten Progress-Transporter zu kompensieren; allerdings ist man finanziell hierzu nicht in der Lage. Konkrete Zahlungen aus den USA, um die mehrfach gebeten wurde, blieben auf Grund diverser Rüstungssanktionen ebenfalls aus. Die nun zur Verfügung gestellte zusätzliche Summe, welche in den folgenden Wochen noch durch die Duma formell beschlossen werden soll, wird zumindest im kommenden Jahr den ständigen bemannten Betrieb der ISS sicherstellen. Wann die Amerikaner wieder ihren Verpflichtungen durch Shuttle-Missionen werden nachkommen können ist allerdings unklar. Die verbliebene Orbiterflotte der NASA soll noch mindestens bis zum April gegroundet bleiben.
(Felix Korsch - Quelle: Spacedaily.com/Interfax/AP)


» Russland startet weitere Militär-Satelliten
19. August 2003 - Bis Jahresende sollen zehn neue Satelliten unter Regie des russischen Militärs ins All gebracht werden. Rüstet Russland im Weltraum wieder auf?
An der Spitze einer russichen Trägerrakete des Typs Kosmos 3M in der "Light"-Ausführung konnten heute zwei Militärsatelliten erfolgreich ins All geschossen werden. Der Start erfolgte ohne Probleme um 12:50 Uhr MESZ vom Kosmodrom Plessetzk aus. Beide Nutzlasten, bezeichnet als Kosmos 2400 und Kosmos 2401, erreichten ihren Zielorbit gegen 14:44 Uhr MESZ. Mehr Details über die beiden Satelliten wurden nicht bekannt gegeben. Beide operieren unter der Führung der russischen Weltraumtruppen und dienen wahrscheinlich Aufklärungszwecken oder der militärischen Kommunikation.
Im Laufe des aktuellen Jahres startete Russland bereits vier Satelliten für militärische und Spionagezwecke. Bis zum Ende 2003 Jahres gedenkt das Verteidigungs-Ministerium, zehn Satelliten jener Bauart abwechselnd von Baikonur und Plessetzk aus in den Orbit befördern zu können. Die Lebensdauer der nun gestarteten Apparaturen beträgt zwischen sieben und zehn Jahren. Bereits am 12. August konnte mit Kosmos 2399 ein weiterer Militärsatellit gestartet werden, und dies trotz anhaltender Finanzkrise der russischen Raumfahrt wie auch der Streitkräfte des Landes.
(Felix Korsch - Quelle: Space.com/Itar-TASS)


» Brasiliens Raumfahrt wird international
19. August 2003 - Die Ukraine und Israel zeigen offenbar Interesse an einer Nutzung des brasilianischen Kosmodroms Alcantara. Auch für Brasilien ergeben sich hier neue Möglichkeiten.
Künftig möchte die Ukraine einige ihrer leichten und mittleren Trägerraketen vom brasilianischen Weltraumbahnhof Alcantara aus starten lassen. Hintergrund ist ein enger Kooperations-Vertrag mit dem südamerikanischen Land, welcher unter anderem die gemeinsame Nutzung des Trägers Zyklon-4 von brasilianischem Boden aus umfasst. Ein entsprechendes Treffen von Vertretern der brasilianischen und der ukrainischen Raumfahrtbehörde fand bis gestern in Brasilia statt. In rund einer Woche soll eine dazugehörige Vereinbarung getroffen werden, welche zusätzlich auf den Bau eines neuen, zu den ukrainischen Modellen kompatiblem Startkomplexes abzielt. Die Modalitäten der Bezahlung sollen ebenfalls bis kommende Woche geregelt sein, wobei die Hauptlast auf brasilianischer Seite liegen soll. Dies zumindest berichtet Itar-TASS, muss aber nicht verwundern, schließlich geriet die ukrainische Raumfahrt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in eine ebenso tiefe Krise wie die russische. Während Russland bemüht ist, nur noch eigene Träger zu vermarkten, stagniert der Einsatz der einstig unter dem Label "UdSSR" gestarteten Raketen aus der Ukraine.
Das Projekt soll insgesamt 280 Millionen US-Dollar kosten. Ein erster Start der Zyklon-4 von Brasilien aus ist für 2006 geplant. Der Standort Alcantara hat zudem den Vorteil einer großen Nähe zum Äquator, während den Ukrainern kein äquivalentes Startgelände im eigenen Land zur Verfügung steht. Die neue Zyklon-4, eine Eigenentwicklung der Ukraine und eine Fortsetzung der bewährten Zyklon-Reihe aus früheren Jahren, wird in der Lage sein, bis zu 1,8 Tonnen in einen geostationären und 5,5 Tonnen in einen niedrigen Erdorbit zu befördern. Die Startkosten sollen bei etwa 15 Millionen US-Dollar liegen, wobei das Vorgänger-Modell Zyklon-3 bereits auf spektakuläre Weise sechs Satelliten mit einem Male ins All befördern konnte. Die neue Zyklon-4 soll noch effizienter arbeiten - unterstützt vom äquatornahen Standort - und somit das ukrainische Segment auf dem Markt der Weltraumstarts vor allem gegenüber Russland behaupten und vergrößern.
Die Ukraine ist nicht das einzige Land, mit dem Brasilien im Bereich der Raumfahrt eine stärkere Kooperation anstrebt. Auch mit Israel steht man offenbar in entsprechenden Verhandlungen. Bereits im vergangenen April kam es zu einem Grundlagenvertrag zwischen den Wissenschafts-Ministerien beider Staaten, welcher unter anderem die Möglichkeit des Starts der israelischen Shavit-Trägerrakete von Alcantara aus einschließt. Zwar verfügt Israel über eigene Startkomplexe nahe dem Äquator; allerdings ist man gezwungen, sämtliche Raketen westwärts, also gegen die Erdrotation abzufeuern, um keinen Konflikt mit Saudi-Arabien oder Jordanien zu riskieren. Durch diesen politischen Zwang verliert man leider rund ein Drittel der Nutzlastkapazität, was die eigenen Möglichkeiten stark begrenzt und auch eine kommerzielle Nutzung erheblich einschränkt.
Allerdings, dies betonte israelische Quellen, seien die Kosten für diesen Technologie-Transfer im Vergleich zum brasilianisch-ukrainischen Deal gering. Die israelische Shavit-Rakete lässt sich mobil von einem eigens konstruierten Fahrzeug aus starten, was einen Einsatz praktisch von jedem Punkt der Erde aus ermöglicht. Lediglich ist man auf das Vorhandensein entsprechender Service- und Montage-Gebäude angewiesen. Die Gegenleistung gegenüber Brasilien ist die Nutzung der israelischen Trägerrakete auch für seine Zwecke. Zwar verfügt Brasilien auch über eigene Trägertechnologie, doch offenbarten sich in der Vergangenheit wiederholt technische und finanzielle Barrieren.
(Felix Korsch - Quelle: Itar-TASS/Globes Online)


» Columbia-Crew am Himmel verewigt
18. August 2003 - Sieben Asteroiden, die zwischen Mars und Jupiter um die Sonne kreisen, sind zur Erinnerung an die beim Absturz der amerikanischen Raumfähre Columbia tödlich verunglückten Besatzungsmitglieder jetzt nach ihnen benannt worden.
Am 1. Februar brach die Raumfähre Columbia während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre am Ende der Mission STS-107 auseinander. Dabei kamen alle sieben Besatzungsmitglieder an Bord des Space Shuttle ums Leben: Kommandant Rick Husband, Pilot William McCool, die Missionsspezialisten Michael Anderson, Kalpana Chawla, David Brown und Laurel Clark sowie der israelische Nutzlastspezialist Ilan Ramon, der erste Israeli im Weltraum.
 
Vor einigen Tagen sind nun sieben Asteroiden, die im so genannten Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter um die Sonne kreisen, auf Vorschlag des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA nach den Besatzungsmitgliedern der Mission STS-107 benannt worden. Dies wurde von der International Astronomical Union als für die Benennung von kosmischen Objekten zuständiger Organisation bekannt gegeben.
 
Die sieben Asteroiden wurden am Palomar-Observatorium bei San Diego (Kalifornien) in den Nächten vom 19. bis 21. Juli 2001 von der Astronomin Eleanor F. Helin entdeckt. Die Durchmesser der kosmischen Felsbrocken bewegen sich zwischen fünf und sieben Kilometer. Sie sind Bestandteil der Abermillionen, von wenigen Metern bis zu fast tausend Kilometern durchmessenden Asteroiden, die zwischen Mars und Jupiter um die Sonne kreisen und den so genannten "Asteroidengürtel" bilden. Dabei handelt es sich um Überreste aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Seit der Entdeckung des ersten Asteroiden Ceres am 1. Januar 1801, dem mit rund 933 Kilometern Durchmesser größten Mitglied des Asteroidengürtels, sind über 100.000 weitere Asteroiden in dieser Region aufgespürt worden.
(Michael Stein - Quelle: NASA)


» Neue Webseite zu Chinas Raumfahrt
17. August 2003 - Im Oktober 2003 startet der erste bemannte Raumflug Chinas. Eine neue Webseite von Raumfahrer.net informiert Sie ausführlich.
Im Oktober dieses Jahres wird die Volksrepublik China ein bemanntes Raumschiff ins All schießen und damit nach Russland und den USA zur dritten Weltraummacht aufsteigen. Im Vorgriff auf dieses historische Ereignis dokumentiert nun eine neue Website die Aktivitäten Chinas auf dem Sektor der Raumfahrt und bietet ständig aktuelle News und Informationen:
http://china.raumfahrer.net.
 
Rund um den ersten bemannten Flug werden wir sachlich und zeitnah berichten. Genannte Website ist die einzige deutschsprachige Ressource zu diesem Thema im World Wide Web und wird betrieben von Raumfahrer.net.
 
Auf der neuen Webseite finden Sie neben aktuellen Meldungen Artikel zu den Themen Geschichte von Chinas Raumfahrt, Trägerrakete "Langer Marsch", Raumschiff Shenzhou, Taikonauten und chinesische Raumfahrt-Infrastruktur. Alle Artikel können daneben auch als Druckversion abgerufen werden.
 
Wir haben umfangreiche Downloadmöglichkeiten für Sie zusammengestellt. Sie finden eine große Auswahl an Bildmaterial, einige Videos sowie mehrere PDF-Dateien mit Informationsmaterial.
 
Ansonsten stehen wir Ihnen gern für thematische Fragen aller Art zur Verfügung - china.raumfahrer.net steht natürlich ständig zur Recherche offen und wird laufend erweitert. Möglich ist auch der Download einer digitalen Pressemappe unter http://china.raumfahrer.net/presse, welche den Stand der chinesischen Raumfahrt kurz wiederspiegelt.
 
Direktlink:
http://china.raumfahrer.net
 
Ansprechpartner:
felix.korsch@raumfahrer.net
(Felix Korsch - Quelle: Raumfahrer.net)



 
 

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      HotSpot: SIRTF - Das letzte der Großen Teleskope von Michael Stein 

Einleitung
Mit dem Start von SIRTF (= Space Infrared Telescope Facility) am 25. August findet das so genannte Great Observatory Program der NASA seinen Abschluss. Hinter diesem Programm steht die Idee, mit einer Flotte von vier weltraumgestützten Teleskopen das Weltall in verschiedenen, wissenschaftlich relevanten Spektralbereichen beobachten zu können. SIRTF kommt dabei die Aufgabe zu, die auf der Erdoberfläche kaum beobachtbare kosmische infrarote Strahlung ins Visier zu nehmen.
 
Im Rahmen des Great Observatory Program sind bisher die Weltraumteleskope Compton Gamma-Ray Observatory (1991), das Chandra X-Ray Observatory (1999) sowie das Hubble Space Telescope (1990), das Beobachtungen im Bereich der Infrarotstrahlung und des sichtbaren Lichts vornimmt, gestartet worden. Während Compton aufgrund des Ausfalls eines Gyroskops aus Sicherheitsgründen 1999 bei einem kontrollierten Absturz in der Erdatmosphäre verglühte werden Hubble und Chandra voraussichtlich noch mehrere Jahre lang in Betrieb sein.
 
Vorgeschichte
Bereits Anfang der 1980er Jahre wurden von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA Vorschläge für den Bau eines großen weltraumgestützten Infrarot-Teleskops untersucht. Damals, am Anfang der Space Shuttle-Ära, hatte man ein wiederholtes Starten des geplanten Teleskops an Bord amerikanischer Raumfähren vorgesehen - immerhin herrschte seinerzeit die heute kaum noch nachvollziehbare Hoffnung vor, im beinahe wöchentlichen Rhythmus Raumfähren für bis zu 30 Tage dauernde Forschungsmissionen in den Erdorbit schicken zu können. Auch die vorhergesehene Beeinträchtigung durch die Infrarot-Emmissionen des Shuttles wurde für tolerabel und beherrschbar gehalten.
 
Doch es sollte anders kommen: Sehr schnell nach Inbetriebnahme der ersten Raumfähren war klar, dass die optimistischen Vorstellungen der 1970er Jahre über niedrige Betriebskosten und geringe Turn-Around-Zeiten der Shuttle-Flotte unrealistisch waren. Darüber hinaus war das im Januar 1983 gestartete erste weltraumgestützte Infrarot-Teleskop IRAS (= Infrared Astronomical Satellite) derartig erfolgreich, dass die NASA 1984 schließlich von der Idee eines Shuttle-basierten Teleskops Abschied nahm und die Entwicklung eines autonomen Weltraumteleskops in Auftrag gab. Welch' glückliche Hand die NASA mit dieser Entscheidung bewies zeigte sich schon ein Jahr später, als während der Shuttle-Mission STS-51-F unter anderem auch ein kleines Infrarot-Teleskop an Bord getestet wurde: Die Beobachtungen des Teleskops mit einem Spiegeldurchmesser von nur 15,2 Zentimetern, das auf der Instrumentenplattform des Spacelab 2 untergebracht war, wurden nämlich durch die Infrarot-Emmissionen der Raumfähre erheblich gestört.
 
Damit war die letzte Wendung in der Entstehungsgeschichte von SIRTF aber noch nicht erreicht. Aufgrund massiver Kürzungen der NASA-Finanzmittel in den 1990er Jahren reduzierte sich auch das für die Entwicklung und den Bau des Teleskops zur Verfügung stehende Budget erheblich. Während die Planungen 1990 noch von mehr als zwei Milliarden US-Dollar Gesamtkosten und einer Startmasse von über fünfeinhalb Tonnen ausgingen kostete die endgültige, zwei Mal "geschrumpfte" Fassung des Weltraumteleskops nur noch rund 450 Millionen Dollar, und gleichzeitig reduzierte sich das Startgewicht auf 750 Kilogramm - in jeder Hinsicht eine wahrhaft gigantische Reduktion. Obwohl SIRTF heute gegenüber dem Design des Jahres 1990 natürlich etwas geringere Fähigkeiten aufweist konnte der Großteil der geplanten Eigenschaften des Teleskops durch innovative Ideen und Ausnutzung des technischen Fortschritts erhalten werden.
 
Zuletzt mußte der ursprünglich für April geplante Start des Weltraumteleskops noch einmal verschoben werden, da es Probleme mit einem Feststoffbooster der Delta II-Trägerrakete gab. Die Beseitigung dieses Problems hätte zwar nicht vier Monate in Anspruch genommen, allerdings hatten - nachdem der Starttermin im April aufgrund der technischen Probleme verstrichen war - zunächst die beiden Mars-Rover Spirit und Opportunity Priorität, die im Gegensatz zu SIRTF nur während kurzer, wenige Wochen umfassender Startfenster ihre Reise zum Mars antreten konnten.
 
Das Weltraum-Teleskop
Während die erste SIRTF-Version noch eine Titan-Trägerrakete benötigt hätte, um ins Weltall befördert zu werden, reicht für das Realität gewordene SIRTF eine Delta II Heavy aus. Mit Hilfe dieser Rakete wird das Teleskop nach dem Start in eine Umlaufbahn um die Sonne befördert werden, die der Erdumlaufbahn entspricht. SIRTF wird der Erde auf ihrem Weg um die Sonne folgen und sich dabei mit einer Geschwindigkeit von rund 0,1 Astronomische Einheiten (d.h. ein Zehntel der Entfernung Erde-Sonne) pro Jahr von der Erde entfernen. Der große Vorteil dieses Orbits gegenüber einer Erdumlaufbahn ist die deutlich kältere Umgebungstemperatur von nur etwa 30 bis 40° Kelvin (= über dem absoluten Nullpunkt).
 
Warum ist man bestrebt, die Temperatur von SIRTF so gering wie möglich zu halten? Auch SIRTF selbst sendet infrarote Strahlung - also Wärmestrahlung - aus, und je wärmer das Teleskop ist, umso mehr stört dieses "Eigenrauschen" die Beobachtung. Durch den gewählten Orbit und die damit verbundene extrem niedrige Umgebungstemperatur ist nur noch ein relativ geringer Aufwand für die Kühlung des Teleskopspiegels und der Detektoren auf die Betriebstemperatur von etwa 5,5° Kelvin notwendig. Vor der Aufheizung des Teleskops durch die Sonne wird es durch einen Schutzschild bewahrt, der gleichzeitig als Träger für die Solarzellen zur Energiegewinnung dient.
 
Damit wäre auch gleich etwas über den Aufbau von SIRTF gesagt. Vor der Sonneneinstrahlung wird das Teleskop durch den erwähnten Schutzschild bewahrt, darüber hinaus ist der Teleskoptubus schwarz gestrichen, wodurch eine optimale Wärmeabstrahlung gewährleistet ist. Die einfallende infrarote Strahlung fällt auf einen Spiegel mit 85 Zentimeter Durchmesser und wird schließlich in die so genannte Multiple Instrument Chamber geleitet, wo drei verschiedene Messinstrumente die infrarote Strahlung registrieren. Dabei handelt es sich um zwei Detektoren-Arrays zur Registrierung von naher und mittlerer infraroter Strahlung bzw. von ferner infraroter Strahlung sowie um einen Spektrographen zur Untersuchung mittlerer infraroter Strahlung. Diese drei wissenschaftlichen Instrumente von SIRTF werden bei nur 1,5° Kelvin betrieben, was mit Hilfe einer cryostatischen Kühlanlage erreicht wird.
 
Was soll SIRTF beobachten?
Vom gesamten elektromagnetischen Spektrum ist für den Menschen nur ein kleiner Ausschnitt direkt wahrnehmbar - nur das sichtbare Licht und die (nahe) infrarote Strahlung in Form von Wärmestrahlung wird direkt durch die Augen bzw. die Haut registriert. Für alle anderen Strahlungsarten haben wir keine Rezeptoren, da sich im Laufe der biologischen Evolution für unsere Gattung schlicht niemals die Notwendigkeit ergab, hierfür empfänglich zu sein: Unsere Vorfahren haben offensichtlich überlebt, auch ohne beispielsweise über ein für infrarote Strahlung empfängliches Auge zu verfügen. (Ein solches Auge wäre jedoch vor Erfindung der Glühbirne ohne Frage von Vorteil gewesen; man denke nur an die Möglichkeit, auf diese Weise auch in der Dämmerung oder bei Dunkelheit gefährliche Tiere frühzeitig entdecken zu können!)
 
SIRTF ist für die Beobachtung des infraroten Strahlungsspektrums ausgelegt, das sich unmittelbar an dem von unserem Auge als rot wahrgenommenen Licht anschließt. Die infrarote Strahlung ist im Vergleich zum roten Licht energieärmer, hat eine niedrigere Frequenz und eine größere Wellenlänge. Die Astronomen unterteilen den infraroten Bereich des Strahlungsspektrums noch weiter: vom so genannten "Nahen Infrarot" mit Wellenlängen von rund einem Mikron bis zum "Fernen Infrarot" mit Wellenlängen von 200 Mikron (1 Mikron = 0,001 Millimeter) - wobei das "Nahe Infrarot" (Nomen est Omen) dem roten Licht am nächsten liegt. Anders ausgedrückt beobachtet SIRTF die Wärmestrahlung, die jedes Objekt, dessen Temperatur oberhalb des absoluten Nullpunktes liegt, emittiert. Wie schon erwähnt absorbiert die Erdatmosphäre den größten Teil dieser aus dem Kosmos stammenden Wärmestrahlung, so dass ein Weltraumteleskop für die Beobachtung dieser Strahlungsart von unschätzbarem Wert ist.
 
Die wissenschaftlichen Ziele lassen sich unter vier Überschriften zusammenfassen. Zum einen soll SIRTF nach so genannten "Braunen Zwergen" und "Super-Planeten" suchen. Dabei handelt es sich um Himmelskörper, die irgendwo in der Übergangsphase zwischen Planeten und Sternen angesiedelt sind - sie sind zwar für planetare Verhältnisse gigantisch groß, aber doch nicht so groß, dass in ihrem Inneren eine Kernfusion hätte starten können. Daher sind sie auch nur schwer zu entdecken, denn sie emittieren kaum sichtbare Strahlung, sondern so gut wie ausschließlich Infrarotstrahlung. Für Astronomen ist es interessant zu wissen wie häufig sie sind, da die "Braunen Zwerge" unter anderem auch einen Bestandteil der so genannten "Dunklen Materie" bilden, die den Großteil der Materie unseres Universums ausmacht - und von deren Umfang die weitere Zukunft unseres Universums abhängt.
 
Eine andere spannende Aufgabe wird die Suche nach Staub- bzw. Gasscheiben um nahe Sterne sein. Solche Scheiben werden als Vorformen von Planetensystemen angesehen, und für Astronomen ist es natürlich interessant zu wissen, wie häufig solche proto-planetaren Staub- und Gasscheiben um Sterne sind.
 
Daneben wird SIRTF auch nach Galaxien suchen, die den Großteil ihrer Strahlung im infraroten Spektralbereich emittieren. Dieser Umstand könnte auf eine intensive Sternenentstehung in diesen Galaxien hindeuten, die eine Folge von Kollisionen zwischen Galaxien oder von stauberfüllten, aktiven Galaxienkernen sein könnten.
 
Zu guter Letzt können die Astronomen mit Hilfe von SIRTF auch einen Blick in die Frühzeit des Universums werfen. Alle kosmischen Objekte entfernen sich mit umso größerer Geschwindigkeit von uns, je weiter weg sie sind (und damit auch: je älter sie sind). Diese hohe "Fluchtgeschwindigkeit" erzeugt jedoch eine so genannte "Rotverschiebung" der emittierten Strahlung, so dass der Großteil der von Sternen und Galaxien in der Frühzeit des Universums ausgesandten Strahlung mittlerweile in den infraroten Spektralbereich verschoben ist. Deswegen kann SIRTF den Astronomen neue Einblicke in die Entstehungsphase der ersten Galaxien und Sterne gewähren.
 
Die Mission von SIRTF soll fünf Jahre dauern und ist vor allem begrenzt durch die Menge an Kühlflüssigkeit (flüssiges Helium), die von SIRTF mitgeführt wird. Gegenüber seinen (wenigen) Vorgängern stellt diese Mission einen enormen Fortschritt an Empfindlichkeit und Auflösung der Beobachtungsinstrumente dar, so dass man mit einer Vielzahl neuer Erkenntnisse rechnen kann.
 

 
 

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      Special: Shenzhou 1 von Felix Korsch 

Am 19. November 1999 startete erstmals ein Shenzhou-Raumschiff ins All.

Start: 19. November 1999, 22.30 Uhr UT

Ursprünglich sollte der Flug um den 1. Oktober zu Ehren des 40. Jahrestages der Gründung der Volskrepublik stattfinden, wurde aber dann aus ungeklärten Gründen verschoben. Die Mission war ein Test in vielerlei Hinsicht: nicht nur das neue Raumschiff, auch die neue Trägerrakete CZ-2F und das kritische Landeverfahren wurde erprobt. Darüber hinaus kam erstmals das neue Beijinger Kontrollzentrum (BCCC) zum Einsatz und die auf vier Schiffe aufgestockte Bahnverfolgungs-Flotte konnte, stationiert in drei Ozeanen, ihr Zusammenspiel proben. Zur Erleichterung aller am Projekt beteiligten Personen und natürlich auch der chinesischen Machthaber verlief der Flug absolut problemfrei.

Über die technische Ausrüstung dieses ersten Raumschiffes ist nichts weiter bekannt. Es sollte jedoch davon ausgegangen werden, dass sich keine höheren Subsysteme an Bord befanden. Zumindest wurden keine solchen erprobt und im Orbit wurden keine Bahnmanöver durchgeführt. Der Orbit wurde zehn Minuten nach dem Start erreicht. Perigäum und Apogäum lagen zu jenem Zeitpunkt bei 196,3 bzw. 324,4 km und die Inklination betrug 42,6°. Jener Wert erwies sich während der kommenden Mission als Charakteristik der Shenzhou-Missionen. Die Bahndaten veränderten sich während des recht kurzen Fluges kaum, lediglich das Perigäum sank - ohne manuelle Eingriffe logisch - konstant.

Nach einem 14 Erdumkreisungen endete die Mission wie geplant. Am 20. November um 18:49 Uhr UT empfing das dritte Bahnverfolgungsschiff (YW-3) vor der Küste Namibias das Signal von Shenzhou 1 und gab den Befehl zur Zündung der Triebwerke. Neun Minuten später brach der Kontakt wieder ab. Der Wiedereintritt geschah, einsetzend über Afrika, von Südwesten her und verlief u.a. über Pakistan. In einer Höhe von 30 Kilometern öffnete sich der Hauptfallschirm und um 19:41 Uhr UT landete die Kapsel nach einem Flug von 21 Stunden und 11 Minuten 110 km nord-westlich von Wuhai in der Inneren Mongolei. Dabei wurde der vorausberechnete Landepunkt um nur rund 12 Kilometer verfehlt. Alle Systeme präsentierten sich den Bergungsmannschaften in einwandfreiem Zustand.

An Bord befanden sich als "Hauptnutzlast" 100 kg Samen, welche während des Fluges den Bedingungen des freien Raums ausgesetzt wurden. Diese Fracht diente danach wissenschaftlichen Untersuchungen des Landwirtschafts-Ministeriums. Freilich spektakulärer und medial präsenter zeigte sich eine lebensgroße Taikonauten-Puppe ("Taikobot"). Während die Kapsel zur Erde zurückkehrte, verblieb die Orbitalsektion noch bis zum 27. November in einem niedrigen Orbit und bewies damit - verblüffend für das westliche Ausland - die Fähigkeit, autonom zu operieren.
 

 
 

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      Space Focus: X-20/Dyna Soar von Felix Korsch 

Das Flaggschiff der Air Force

Noch während das äußerst erfolgreiche und vielbeachtete Experimentalflugzeug X-15 neue Rekorde brach, wurde in den USA die Idee eines bemannten Raumgleiters geboren. Den Anstoß gab letztendlich der Sputnik-Schock und die Forderung, ein bemanntes nationales Raumfahrtprojekt zu initiieren. Die Idee zu 'Dyna Soar' (von DYNAmic SOARing) war geboren und wurde unter den Namen X-20 entwickelt. Den offiziellen Startschuss erteilte die NACA am 14. Oktober 1957. Doch im Gegensatz zur X-15 war und blieb die X-20 stets ein Projekt unter Federführung der Air Force. Somit war in die Planungen auch von Anfang an die Verwendung der militärischen Titan-Rakete als Träger integriert. Dyna Soar hätte an der Spitze diese Rakete auf eine Ausgangshöhe gebracht werden sollen, um dann einige Erdorbits durchzuführen und wieder sicher im Gleitflug wie ein normales Flugzeug zu landen.

Werdegang
Durch den hohen Druck des Regierungszieles MISS (Man in Space soonest) entschied man sich seitens der NASA allerdings gegen das Konzept eines Raumgleiters und favorisierte eine einfache 'Konservenbüchse' für den bemannten Raumflug. Letztere war einfacher zu bauen, schneller zu realisieren und um ein Vielfaches sicherer als ein experimentales Orbitalflugzeug. Dennoch begannen ab 1961 intensivere Arbeiten und Studien zu Dyna Soar. Unverkennbar ist übrigens auch die enge Verwandtschaft mit dem deutschen Sänger-Projekt "Silbervogel" - ein transatlantischer Bomber.

Dyna Soar war ausgelegt für nur einen Astronauten und hätte mit einem minimalen Stauraum für 450 kg Materialien hinter dem Pilotensitz kaum Möglichkeiten zur Beförderung von Nutzlasten geboten. Somit war X-20 auch nur für den militärischen Sektor interessant, gab es doch vielfältige Nutzungskonzepte seitens der Air Force. Doch auch hier kam es zu Unstimmigkeiten: während seitens des DoD (Department of Defence) Dyna Soar als orbitales Waffensystem und Depot für ICBMs (Intercontinental Ballistic Missiles) angesehen wurde, wollte die USAF 'nur' den Grundstein für spätere Projekte legen und sich zunächst darauf beschränken, ein eigenes, NASA-unabhängiges bemanntes Raumfahrt-Projekt zu betreiben.

Im Jahre 1960, als man bereits erkannte, dass das Dyna Soar für Mercury keine Konkurrenz darstellen konnte, entstanden konkrete Planungen für ein ausgedehntes Flug- und Testprogramm der X-20. Man sah die drei folgenden Entwicklungsstufen vor:

- Stufe I: 20 Flüge, gestartet von einer modifizierten B-52, durchzuführen im Juli 1963; anschließend fünf suborbitale unbemannte Testflüge mit einer Titan-I-Rakete im November 1963; Abschluss: 11 bemannte Flüge von Cape Canaveral aus mit Landung auf verschiedenen Stützpunkten.

- Stufe II: umfangreichere Orbitalmissionen und Überprüfen der Tauglichkeit für Waffen- und Aufklärungssysteme

- Stufe III: ein umfassendes militärisches Raumflugprogramm basierend auf der X-20

Letztendlich musste das Programm durch den Start Juri Gagarins im April 1961 extrem beschleunigt werden, was zahlreiche Änderungen der Konfiguration der X-20 nach sich zog. Außerdem wurde nun die neue Titan-IIIC als Trägerrakete vorgezogen. Gleichzeitig entstanden konkretere Konzepte für eine Modifizierung der X-20 zu Raumbomber, Aufklärer oder Waffenträger. Aus diesen Ansätzen heraus leitete man neue Entwürfe für den Dyna Soar II, III sowie 'MOWS' (Manned orbital Weapons System) ab, die jedoch alle nicht mehr in eine konkrete Phase überführt werden konnten.

Das technisch interessante Projekt Dyna Soar wurde am 10. Dezember 1963 gestoppt - nur wenige Monate vor den geplanten Tests mit einer B-52 und den ersten Starts. Anstelle der X-20 wurden die Forschungen an anderen, ähnlichen Flugkörpern fortgesetzt. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse führten unter anderem zur Entwicklung des Space Shuttles.

Aufbau
Das gesamte X-20-System setzt sich aus drei wesentlichen Elementen zusammen. Die Grundlage bildet die 'Abort Stage'. Diese besteht aus einem Triebwerksblock von 1,80 Metern Länge und einem Durchmesser von 1,50 Meter. Die gesamte Stufe wiegt 1,36 Tonnen und ist nichts weiter als ein XM-92-Triebwerksblock, wie er auch in der Zweitstufe der Minuteman-Rakete Verwendung fand. Diese Stufe würde gezündet im Falle eines Fehlstarts oder eines Notfall-Wiedereintritts.

Es schließt sich die Mittelstufe ('Transtage') an, die das normale Triebwerk für Manöver in der Umlaufbahn beinhaltet. Sie ist 4,60 Meter lang und hat einen Durchmesser von drei Metern. Diese Stufe mit einer Masse von 3,6 Tonnen beinhaltet das Haupttriebwerk des Flugkomplexes Dyna Soar.

Die letzte Stufe ist schließlich die X-20 selbst, welche den Wiedereintrittskörper darstellt. Die X-20 allein ist 10,8 Meter lang mit einer Spannweite von 6,3 Metern. Dem Astronauten stand ein Arbeitsraum von gerade mal 3,5 m³ zur Verfügung. Die Masse der X-20 beträgt 5,165 Tonnen.

Quellen
- http://www.deepcold.com/deepcold/dyna_main.html
- http://www.astronautix.com/craft/dynasoar.htm
- Lexikon der bemannten Raumfahrt; S. 88.; Matthias Gründer
- Das NASA-Protokoll; S. 50ff.; Harro Zimmer
 

 
 

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      ISS Weekly Report: Progress M-47 auf Abkopplung vorbereitet von Michael Schumacher 

An Bord der International Space Station (ISS) untersuchten Juri Malentschenko, Kommandant der siebten Stammbesatzung, und National Aeronautics and Space Administration (NASA) ISS Science Officer (SO) Edward Lu ihre erste Probe im Rahmen eines Experimentes, das beobachtet, wie Luftblasen Metalle, Kristalle und andere Materialen schwächen können, wenn sie sich in der Erdumlaufbahn zusammenschließen. Außerdem beluden sie ein Versorgungsraumschiff mit Abfällen und bereiteten es auf seine Abkopplung in der kommenden Woche vor.

Die Verarbeitung von Proben im Rahmen des Experimentes Pore Formation and Mobility Investigation (PFMI) wurde nach deren Beginn am Mittwoch, dem 20. August 2003 in der schützenden Umgebung der Microgravity Science Glovebox (MSG) im amerikanischen Laboratory Module "Destiny" am Freitag, dem 22. August 2003 abgeschlossen. Die Verarbeitung der ersten Probe während der Mission der siebten Stammbesatzung wurde von der vorangegangenen Woche aufgrund eines fehlenden Kabels verschoben. Lu fand das Kabel nachdem er mit dem NASA ISS SO der sechsten Stammbesatzung, Donald Pettit geredet hatte. Daneben gehörten noch Kommandant Kenneth Bowersox und Bordingenieur Nikolai Budarin zur sechsten Stammbesatzung. Die Planungen sehen vor, dass Lu sieben weitere Proben verarbeiten soll.

Malentschenko nahm an der fünften Sitzung eines russischen Herzexperimentes teil, das die bioelektrische Tätigkeit des Herzens im Ruhezustand untersucht, wobei ihm Lu assistierte, der außerdem noch regelmäßige Gesundheitsüberprüfungen mit einem tragbaren Gerät zur Blutuntersuchung durchführte.

Während die siebte Stammbesatzung die Sauerstoffvorräte des unbemannten russischen Versorgungsraumschiffes Progress M-47 aufgebrauchte, das an den hinteren Kopplungsstutzen des Service Module "Swjesda" angekoppelt ist, um die Raumstationsatmosphäre aufzufüllen, belud sie es weiterhin mit Abfällen und benutzten Ausrüstungsgegenständen. Progress M-47 soll am 27. August 2003 um 17.43 Uhr Eastern Standard Time (EST) von "Swjesda" abkoppeln und später auf Kommandos vom Boden in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen. Durch die Abkopplung wird ein Kopplungsstutzen frei für Progress M-48, dessen Start zur Raumstation vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan für den 28. August 2003 um 20.48 Uhr EST angesetzt ist. Die Ankopplung an "Swjesda" soll am 30. August 2003 um 22.43 Uhr EST erfolgen.

Progress M1-10, das an das Docking Compartment (DC) 1 "Pirs" angekoppelt ist, wird 04. September 2003 abkoppeln um Platz für das bemannte russische Rettungsraumschiff Sojus TMA-3 zu machen, dessen Ankunft für den 20. Oktober 2003 vorgesehen ist. An Bord wird sich die achte Stammbesatzung und Pedro Duque, spanischer Kosmonaut der European Space Agency (ESA) befinden, die am 18. Oktober 2003 vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan starten sollen. Die achte Stammbesatzung, bestehend aus Kommandant Michael Foale und Bordingenieur Alexander Kaleri wird die siebte Stammbesatzung ablösen, die am 28. Oktober 2003 zusammen mit Duque zur Erde zurückkehren soll, nachdem er zuvor mehr als einwöchige wissenschaftliche Arbeiten an Bord der Raumstation abgeschlossen haben wird.

Am Montag, dem 18. August 2003 wurde Donald Thomas als neuer International Space Station Program Scientist der NASA bekannt gegeben, der somit die Nachfolge des ersten International Space Station Program Scientist Neal Pellis antreten wird. In dieser Funktion wird Thomas am Johnson Space Center (JSC) in Houston, Texas tätig sein. Er wird mit den Principal Investigators (PIs) und der Geschäftsstelle des Raumstationsprogramms zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, dass die wissenschaftlichen und technischen Anforderungen unter den Beteiligten deutlich miteinander verbunden sind. Er wird zudem als wissenschaftlicher Sprecher des Raumstationsprogramms für die wissenschaftlichen und internationalen Forschungsgemeinschaften sowie für die allgemeine Öffentlichkeit dienen.

Thomas nahm an vier Raumflügen teil und erreichte dabei eine Raumflugerfahrung von 43 Tagen, 8 Stunden, 12 Minuten und 19 Sekunden. Er diente als Missionsspezialist bei STS-65 vom 08. Juli 1994 bis zum 23. Juli 1994, bei STS-70 vom 13. Juli 1995 bis zum 22. Juli 1995, bei STS-83 vom 04. April 1997 bis zum 08. April 1997 und bei STS-94 vom 01. Juli 1997 bis zum 17. Juli 1997. Zudem war er als NASA ISS SO der sechsten Stammbesatzung vorgesehen, wurde jedoch aus gesundheitlichen Gründen durch Pettit ersetzt.
 

 
 

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"In Space" Magazin #091
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
23. August 2003
Auflage: 1406 Exemplare
 
 
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