InSpace Magazin #092 vom 30. August 2003

» In Space Magazin «
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.   

 

"In Space" Magazin

Ausgabe #092
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> HotSpot:
Columbia lost.

> Special:
Shenzhou 2

> Space Focus:
Raketenentwicklung in Deutschland II

> ISS Weekly Report:
Progress M-48 auf dem Weg zur Raumstation

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt
 

      Intro von Mark Weimar

Verehrte Leserinnen und Leser,
 
Am vergangenden Mittwoch war der Mars uns so nah wie seit langer Zeit nicht mehr. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit um ihn an diesen Tagen zu beobachten und wurden auch mit einem tollen Anblick belohnt.
In unserer heutigen Ausgabe präsentieren wir ihnen einen Bericht über das Columbia-Unglück.

Heute erscheint endlich die Augustausgabe unseres Webradios InSound. Darin berichten unter anderem über den Geburtstag der deutschen Raumfahrt, das Simulationsprogramm für Raumflüge Orbiter sowie den aktuellen Stand beim ISS-Projekt. Sie können sich die Sendung unter radio.raumfahrer.net anhören.
 

            Mark Weimar

 
 

^ Nach oben  

 


      Updates / Umfrage

» radio.raumfahrer.net
Die Augustausgabe des Raumfahrer.net-Webradios InSound erscheint noch dieses Wochenende. Besuchen Sie unsere Radioseite, wenn Sie sich die aktuelle Sendung anhören wollen.


» china.raumfahrer.net
Die Volksrepublik China steigt noch in diesem Jahr zur dritten Macht auf, die Menschen ins All schicken kann. Raumfahrer.net informiert Sie ausführlich auf dieser neuen Sonderseite über alle Fakten, die Sie brauchen.

» mitarbeit.raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

 
 

^ Nach oben  

 

 

      News

ISS-Versorgungsflug gestartet <mehr>
Neueste Hubble-Marsbilder verfügbar <mehr>
Vorbereitungen in Jiuquan beginnen <mehr>
SIRFT: Kleinere Anfangsschwierigkeiten <mehr>
"Akte Columbia" geschlossen <mehr>
Shuttle-Programm wird umgekrempelt <mehr>
Hubble blickt zum Mars <mehr>
Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All <mehr>
Mars Express: Eine ruhige Fahrt <mehr>
Eine neue Ansicht der Erde <mehr>
SIRTF erfolgreich gestartet <mehr>
25 bemannte deutsche Raumfahrt - Live-Übertragung <mehr>
Brasilianische Rakete explodiert <mehr>



» ISS-Versorgungsflug gestartet
29. August 2003 - Ein Progress-Transportraumschiff ist heute um 03:48 Uhr (MESZ) mit Versorgungsgütern für die Internationale Raumstation (ISS) an Bord gestartet.
Als Nutzlast einer Sojus-Trägerrakete begann der gut zweitägige Flug von Progress 12 zur ISS ohne Probleme. Der russische Transporter hat Wasser, Nahrungsmittel sowie dringend benötigte Ersatzteile für die zweiköpfige ISS-Besatzung, Kommandant Juri Malenchenko und NASA ISS Science Officer Ed Lu an Bord. Mittwoch Nacht hatte der Transporter Progress 10 von der Raumstation abgedockt, nachdem er mit Abfall und nicht mehr benötigten Gütern beladen worden war, um einen Andockstutzen für das nun gestartete Versorgungsraumschiff freizumachen. Einige Stunden später ist er kontrolliert in der Erdatmosphäre über dem Pazifik verglüht.
 
Der zur Zeit noch an der ISS angedockte Raumtransporter Progress 11 wird am 4. September ebenfalls abdocken, um den Platz für das Raumschiff Sojus TMA-3 freizumachen. Mit diesem Flug wird am 20. Oktober die zweiköpfige Ablösung für die derzeitige ISS-Besatzung zur Raumstation fliegen, als dritter Mann an Bord wird bei diesem Flug mit Pedro Duque erneut ein ESA-Astronaut für einige Tage zur ISS reisen. Rund eineinhalb Wochen später wird Duque dann mit der jetzigen Besatzung an Bord von Sojus TMA-2 zur Erde zurückkehren, dem momentan an der Raumstation angedockten Sojus-Raumschiff.
 
Als Konsequenz aus der Landung von Sojus TMA-1, die die geplante Landestelle aufgrund eines Computerfehlers um mehrere hundert Kilometer verfehlte, werden mit dem jetzt gestarteten Progress-Transporter auch ein GPS-Empfänger und ein Satellitentelefon zur ISS gebracht, damit Malenchenko, Lu und Duque nach ihrer Landung - falls ihnen ein ähnliches Mißgeschick widerfahren sollte - den Bergungsteams ihre genaue Position mitteilen können. Bei der Landung der Sojus TMA-1 hatten es über zwei Stunden gedauert, bis die Bergungsteams die Raumkapsel gefunden hatten.
(Michael Stein - Quelle: NASA)


» Neueste Hubble-Marsbilder verfügbar
29. August 2003 - Das Hubble Teleskop nutzt die seltene Nähe des Roten Planeten für neue Aufnahmen.
Die beiden veröffentlichten Bilder zeigen Mars im Abstand von etwa elf Stunden mit seiner Vorder- und Rückseite. Die Bilder entstanden, als sich Mars der Erde so stark der Erde näherte, wie seit 60.000 Jahren nicht mehr. In der Zeit zwischen den beiden Hubble-Aufnahmen vollführte Mars genau eine halbe Umdrehung.
Die großformatige Version der neusten Marsaufnahme finden Sie hier. Über die neuen Aufnahmen des Hubble Teleskops informiert die HubbleSite.
(Karl Urban - Quelle: NASA/ESA)


» Vorbereitungen in Jiuquan beginnen
28. August 2003 - Trägerrakete, Raumschiff und Startmannschaften sind im chinesischen Startzentrum Jiuquan eingetroffen. Einem baldigen bemannten Start scheint nichts entgegen zu stehen.
Die letzten Vorbereitungen der Mission Shenzhou 5 - des für diesen Oktober geplanten ersten bemannten Raumfluges der Volksrepublik China - schreiten offenbar gut voran. Vor wenigen Tagen vermeldete die Hong Konger Tageszeitung Wen Wei Po, dass die für den Flug vorgesehene Trägerrakete des Typs CZ-2F (Chang Zheng, zu deutsch "Langer Marsch") bereits im Laufe der vergangenen Woche die Werkshalle ihres Herstellers, der Chinese Academy of Launch Vehicle Technology (CALT), nach der Absolvierung letzter Tests verlassen hat. Die inklusive Startturm 62 Meter hohe Rakete wurde auf einen Sonderzug verladen und umgehend Richtung Jiuquan, einer kleinen Stadt im Nordwesten der Provinz Gansu, abtransportiert. Auf der so genannten Dingxin Railway, einer militärisch betriebenen Bahnstrecke, erfolgte schließlich die Anlieferung der sensiblen Technik zu dem nach der gleichnamigen Stadt benannten Weltraumbahnhof, dem Jiuquan Satellite Launch Centre (JSLC). Gleichzeitig trafen die Startmannschaften im Kosmodrom ein, welche in den kommenden Wochen die speziell für bemannte Flüge geschaffene Startanlage auf die Erstmission vorbereiten sollen, so Wen Wei Po.
Dort, im JSLC begann man umgehend mit der Integration des Raumschiffes Shenzhou 5 (deutsch "Gottesschiff") an der Spitze der Trägerrakete im vertikalen Zustand. Das Shenzhou-Raumschiff wurde etwa gleichzeitig mit der CZ-2F fertig gestellt und bestand bereits abschließende Tests in den Werkshallen. Für die Endmontage beider Komponenten wird eine riesige, rund 82 Meter hohe Montagehalle namens BLS (auch bezeichnet als Vertical Assembly and Testing Building, kurz VATB), genutzt. Diese ähnelt äußerlich eindeutig dem so genannten Vehicle Assembly Building der Amerikaner im Kennedy Space Center. Wann der Start stattfinden wird steht derweilen noch immer nicht offiziell fest. Das Xi'an Satellite Control Centre (XSLC) nannte in der Vergangenheit den 10. Oktober als potentiellen Termin, was bisher jedoch noch nicht bestätigt werden konnte. Allerdings spricht zum jetzigen Zeitpunkt vieles für eben dieses Datum: in der Woche zuvor wird in ganz China eine Festwoche zu Ehren des Jahrestages der Gründung der Volskrepublik zelebriert. Wenn der Tag gekommen ist, wird die Rakete samt Raumschiff auf einem großen Schienenfahrzeug langsam zur nur 1,5 Kilometer vom Montagebäude entfernte Startplattform gerollt.
In Reaktion auf den kürtzlich geschehenen tragischen Unfall im brasilianischen Weltraumzentrum Alcantara (Alcantara Space Center, ASC) betonte Long Lehao, Leiter des CZ-3-Raketenprogramms, dass es in China zu einer solchen Tragödie nicht kommen könne. Im brasilianischen Dschungel, im Nordosten des lateinamerikanischen Landes, starben am 22. August bei der Explosion einer selbst entwickelten VLS-Rakete im Rahmen letzter Startvorbereitungen mindestens 21 Personen. Die chinesischen Trägerraketen seien allesamt mit doppelten Sicherungssystemen versehen, vor allem existieren redundante Systeme in der Elektronik und den Signalübertragungs-Anlagen, was einen reibungslosen Start garantiert, wird Long zitiert. Sollten einzelne Hauptsysteme von Raumschiff oder Rakete ausfallen, würden sofort die Backup-Systeme einspringen um die defekten Komponenten überbrücken. Besonders in der Phase der letzten Minuten vor dem Start und beim Abheben müsse dadurch kein Startabbruch in Erwägung gezogen werden.
(Felix Korsch - Quelle: Wen Wei Po, via SpaceDaily.com)


» SIRFT: Kleinere Anfangsschwierigkeiten
28. August 2003 - Einige Tage nach dem Start des Weltraumteleskops SIRTF präsentiert sich die Raumsonde trotz einiger Probleme insgesamt in guter Verfassung.
Wie das Missionsteam mitteilte, arbeiten alle bisher überprüften Systeme der Raumsonde mit einer Ausnahme problemfrei im Rahmen ihrer Spezifikationen. Die einzige bisher festgestellte Anomalie ist bei einem der vier so genannten Drallräder (engl. "reaction wheels") aufgetreten, mit deren Hilfe die Lage der Space Infrared Telescope Facility (SIRTF) im All kontrolliert wird.
 
Als während eines Tests der vier Drallräder eines von ihnen nicht das gewünschte Drehmoment erzeugte wurde es vom On-Board-Computer automatisch abgeschaltet und die gesamte Raumsonde in einen so genannten "safe mode" geschaltet. Eine Gefährdung der Mission wäre selbst bei einem dauerhaften Ausfall des Drallrades nicht gegeben, da SIRTF nur drei solcher Drallräder benötigt, um alle mögichen Orientierungen im Raum einzunehmen (allerdings würde in diesem Fall natürlich das nicht umsonst als Reserve eingebaute vierte Drallrad nicht mehr zur Verfügung stehen).
 
Die Missionsspezialisten beim Jet Propulsion Laboratory der NASA und dem California Institute of Technology sind jedoch optimistisch, dass dieses Problem später gelöst werden kann. Sie vermuten als Ursache eine zu hohe interne Reibung des Drallrades, und die wiederum hängt von der Temperatur des Geräts ab: je niedriger die Temperatur, umso größer die interne Reibung. Nach dem Einschalten der wissenschaftlichen Geräte wird die Temperatur in der Raumsonde steigen, so dass damit dann auch die Reibungkräfte in dem betreffenden Drallrad reduziert werden. Das bei den anderen Drallrädern dieses Problem nicht aufgetreten ist liegt wahrscheinlich daran, dass die Temperatur dieser vier Geräte aufgrund ihrer unterschiedlichen Position in dem Weltraumteleskop verschieden ist.
(Michael Stein - Quelle: NASA)


» "Akte Columbia" geschlossen
26. August 2003 - Mit dem heute erschienenen US-Untersuchungs-Bericht gilt der Fall der verunglückten Mission STS-107 als gelöst. Trotzdem behält der Vorfall einen bitteren Beigeschmack.
Lange gab es Spekulationen über die Unglücksursache, welche zu dem tragischen Verlust des Space Shuttles Columbia sowie sieben Astronautenleben am 1. Februar dieses Jahres führte. Nach über einem halben Jahr Arbeit - Ermittlungen, Datensichtungen und Tests - stellte das CAIB (Columbia Investigation Board), ein zwölfköpfiges Gremium um den Navy-Admiral Hal Gehman, heute ihren finalen Untersuchungsbericht der Öffentlichkeit vor. Erwartungsgemäß enthält er keine Überraschungen. Bereits in vorigen Veröffentlichungen und so genannten Working Scenarios wurde die Richtung der Ermittlungen klar: bereits beim Start entstand ein nennenswerter Schaden am Orbiter, welcher beim Wiedereintritt die Katastrophe erst ermöglichte. Urheber aller Probleme ist demnach ein Stück Schaumstoff-Isolation des großen Externen Tanks, welches sich während des Aufstieges, rund 81 Sekunden nach dem Abheben vom Launch Pad in Cape Canaveral, löste und ein Loch in die linke Flügel-Vorderkante riss. Später, während des Fluges durch die Atmosphäre, bot eben jener Schaden einen Angriffspunkt für heiße Gase. Diese gelangten ins Innere der Shuttle-Struktur und zerstörten schließlich das gesamte Raumschiff.
Oft wurde in der Vergangenheit gerätselt und spekuliert über die Gründe und Ursachen sowie den genauen Verlauf der Katastrophe. Es kursierten zwischenzeitlich viele Theorien, darunter die, das Shuttle sei im Weltraum von einem Stück Weltraumschrott oder einem Mikrometeoriten getroffen worden. Unter all diese Thesen setzt das CAIB mit dem definitiven Ermittlungsberich nun den Schlussstrich. "Smoking Gun" heißt die damit bestätigte, oben beschriebene Variante, und illustriert den Vorgang am Starttag. Tragischerweise blieb der Schuss weitestgehend ungehört. Auch für die NASA als Institution wird sich der Bericht als folgenreich erweisen: nicht nur organisatorische Mängel in der Management-Struktur der Behörde sind mittlerweile bekannt geworden, auch gibt es offenbar gravierende Sicherheitsmängel - Resultate von Schlamperei und einer rigiden Sparpolitik. Die sich stellende zentrale Frage - wie konnten technische Risiken trotz früherer Warnungen bestehen bleiben? - wird somit auch zur Zerreißprobe für die NASA. Überhaupt ist das Trauma der Tragödie weitreichend. Experten rechnen mit Gesamtkosten von mehr als einer Milliarde US-Dollar für den Verlust des Shuttles, die Bezahlung professioneller Such- und Bergungsdienste sowie die Finanzierung des Untersuchungsausschusses.
Das Ziel der NASA ist eine baldige Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge. Die NASA strebt einen Termin im April kommenden Jahres an, Optimisten rechnen gar mit einem neuen Flug zur Internationalen Raumstation ISS schon um den 12. März. Bis dahin sind jedoch noch viele Probleme zu lösen, und die Überwindung des Geschehenen wird die NASA nicht nur Geld, sondern auch Nerven, vielleicht sogar führende Köpfe kosten, welche die Befürchtungen von Technikern und Ingenieuren bezüglich eines eventuellen Schadens in den Wind schlugen. Das CAIB versteht seinen Bericht daher auch als Leitfaden für die NASA auf dem Weg zur Wiederaufnahme des bemannten Raumfahrt-Programms. Hierzu wurden einige grundlegende technische Forderungen erhoben: unter anderem soll bei künftigen Flügen standardmäßig die Unterseite und die Flügelstruktur des Orbiters durch Außenbordeinsätze auf mögliche Beschädigungen hin untersucht werden. Unterstützung werden die Astronauten dabei von hochauflösenden militärischen Kameras auf der Erde bekommen, um Schäden frühzeitig zu verifizieren. Auch eine Reparaturmöglichkeit kleinerer Beschädigungen soll geschaffen werden. Dies alles erfordert zwangsweise Veränderungen der Konstruktion der verbleibenden Shuttle-Flotte und kostet damit wertvolle Zeit. Zeit, die zum Beispiel das ISS-Projekt immer weiter in einen Versorgungsenpass hineinmanövriert.
Hinweis: der Columbia-Bericht kann unter diesem Link als PDF-Dokument (10 MB, ca. 250 Seiten) heruntergeladen werden. Eine zusammenfassende Übersetzung werden Sie demnächst auf raumfahrer.net vorfinden.
(Felix Korsch - Quelle: CAIB.us/eig. Bericht)


» Shuttle-Programm wird umgekrempelt
26. August 2003 - Wie geht es weiter mit der ISS? Vieles hängt am seidenen Faden, auch wenn man das gemeinsame Projekt unter keinen Umständen sterben lassen möchte.
Die NASA steht am Scheideweg: mit der heutigen Veröffentlichung des Untersuchungs-Berichtes im Unglücksfall Columbia wird deutlich, dass seitens der USA an ein baldiges "business as usual" im Bereich des bemannten Raumfahrt-Programms nicht zu denken ist. Im Vordergrund stehen nun technische Arbeiten, um Risiken bei künftigen Missionen auszuschließen. Von dem Fortgang dieser Arbeiten hängt wahrscheinlich auch die mittelfristige Zukunft der Internationalen Raumstation (ISS) ab. Aus diesem Grunde ist man bemüht, im März oder April des kommenden Jahres die Shuttle-Flüge wieder aufzunehmen, um einen Crewaustausch in der ISS und die Anlieferung frischen Wassers und diverser Nahrungsmittel sowie dringend benötigter Treibstoffe vorzunehmen. Auf dem Flugplan der NASA steht nun die Mission STS-114, welche bereits im ersten Quartal, genauer um den 1. März - einen Monat nach der Columbia-Katastrophe -, des laufenden Jahres hätte durchgeführt werden sollen. Ein Seitenhieb gegen die ISS ist nun die Entscheidung der NASA, die Missionsziele der Atlantis zu beschneiden.
Zunächst soll kein Crewaustausch durchgeführt werden. Derzeit hält man einen Shuttle-Flug als zu risikoreich und möchte vorerst keine komplette, bis zu siebenköpfige Crew ins All schicken. An Bord befinden werden sich unbedingt Kommandantin Eileen Collins, Pilot James Kelly sowie die Missionsspezialisten Soichi Noguchi und Stephen Robinson. Hauptproblem ist die Begrenzung der Nutzlastkapazität. Diese fällt künftig der Option zum Opfer, das Shuttle auch im All durch Außenbordeinsätze (EVAs) zu reparieren - eine zentrale Forderung des Untersuchungsberichtes. Entsprechend wird mit STS-114 eventuell auch keine Nachschub-Fracht zur ISS gebracht werden können, und auch das Raffaello-MPLM-Modul (Multi-Purpose Logistics Module) bleibt vielleicht auf dem Boden. Der einzige Zweck der Mission wäre dann die Verifizierung der neu integrierten Technologie sowie der ausgebesserten Systeme, um künftige Gefahren zu vermeiden. Hierzu zählt z.B. ein aktuell in der Entwicklung befindlicher Roboterarm und eine angekoppelte Arbeitsplattform, welche es den Raumfahrern erlauben soll, jede Region der Außenhaut - gemeint ist hier die empfindliche Kachelstruktur - des Shuttles risikofrei zu erreichen und auf Schäden hin zu untersuchen.
In diesem Sinne gedenkt die NASA, auf Nummer sicher zu gehen. Die nächste, zweiköpfige, achte ISS-Stammbesatzung, welche diesen Oktober gen Orbitalstation aufbrechen wird, sollte laut der ursprünglichen Planung an Bord eines Shuttles zur Erde zurückkehren, während mit der Atlantis die nächste Crew ins All geschossen werden sollte. Hier gelangen die Russen in eine Sackgasse: erforderlich wären beim Nichteinsatz des Shuttles zusätzliche Flüge ihrer Sojus-Raumschiffe und Progress-Zubringer. Die angespannte finanzielle Lage der russischen Raumfahrt lässt dies aber kaum zu. Das "Worst-Case-Scenario" der NASA sieht den nächsten Shuttle-Flug zur ISS sogar erst Ende 2004 vor. Auch wenn man sich bemüht zu betonen, dass es hiernach nicht aussieht, schmiedet man bereits Ausweichpläne, um die permanente Bemannung der ISS nicht zu gefährden. Die Russen erklärten bereits, das von ihnen maßgeblich vorangetriebene ISS-Projekt nicht an diesem Engpass sterben zu lassen, und die zehnte Stammbesatzung könnte theoretisch im Oktober 2004 auch mit einem Sojus-Raumschiff abheben. Wie gesagt theoretisch: dadurch wäre die russische Kapazität ausgeschöpft, europäische Astronauten müssten auf dem Boden bleiben und auch für einen möglichen Weltraumtouristen, an den der dritte Sitzplatz verkauft werden sollte, wird kein Platz sein.
Während des bis zu neuntägigen Aufenthaltes der Crew von STS-114 auf der ISS sollen zumindest neue Gyroskop-Systeme (CMG), eine externe Experimentenplattform (ESP-2) und eine neue hochauflösende TV-Kamera durch mindestens zwei Außenbordeinsätze an der ISS installiert werden. Damit würde es sich allerdings um keinen Utilization and Logistics Flight (ULF-1) mehr handeln, wie nativ vorgesehen. Was der NASA und Beobachtern der Raumfahrt Stirnrunzeln bereitet ist der Umstand, dass die beschnittene Nutzlastkapazität wohl ein andauernder Faktor sein wird. Die Auswirkungen auf das ISS-Projekt könnten verheerender Natur sein. Wie dieses Szenario letztendlich eintreten wird, muss sich in den kommenden Wochen erst noch zeigen. Konkrete Lösungsansätze sollen mit den internationalen ISS-Partnern, speziell Russland, im Oktober nach dem Start der kommenden Stammbesatzung eruiert werden. Immerhin befinden sich alle verbesserten oder neu zu schaffenden Shuttle-Systeme noch in der frühen Entwicklungsphase.
(Felix Korsch - Quelle: NASA/Spaceflight.now)


» Hubble blickt zum Mars
26. August 2003 - Das Hubble Weltraumteleskop nutzt die Nähe des Mars zur Erde für neue Aufnahmen. Der Rote Planet erreicht am Mittwoch seine maximale Leuchtkraft.
Der dichteste Nachbar der Erde kommt ihr so nahe wie seit 57.000 Jahren nicht mehr. Grund dafür sind zwei Phänomene: Zum einen steht Mars im Perihel, also im sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Zum anderen ist er in Oppositionsstellung zu unserem Planeten. Beide Phänomene zusammen treten nur äußerst selten auf - so durften das letzte Mal einige Urmenschen dieses Schauspiel beobachten.
Mars ist nicht nur mit bloßem Auge als hellrot leuchtender Punkt am Südosthimmel zu beobachten, auch das Hubble Weltraumteleskop nutzt sein enormes Auflösungsvermögen für Aufnahmen, die die besten werden sollen, die jemals von Erde bzw. aus einer einer Erdumlaufbahn getätigt wurden.
Das Hubble Weltraumteleskop ist bei den neusten Aufnahmen zwar trotzdem den Marssonden unterlegen, die sehr viel genauere Bilder schießen können. Jedoch sind diese nicht in der Lage, globale Aufnahmen zu schießen. So können Mars Odyssey, Mars Global Surveyor und Co. nur kleine Ausschnitte der Oberfläche des Roten Planeten aufnehmen, die später als Mosaik zu einer globalen Planetenkarte zusammengestellt werden können.
Globalere Ansichten sind nur aus größerer Entfernung möglich - zum Beispiel von der Erde. Insofern dürften die Hubble-Marsbilder um den 27. August äußerst faszinierende Ansichten liefern.
Verwandte Links:
Hubble Teleskop

Planet Mars

(Karl Urban - Quelle: Space.com / eigene Ber.)


» Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All
25. August 2003 - Vor 25 Jahren, am 26. August 1978, flog der DDR-Bürger Sigmund Jähn als erster Deutscher ins All.
Nach der Wende bereitete er im Auftrag der ESA und des DLR europäische sowie deutsche Raumfahrer zu Missionen mit russischen Raumschiffen zur den MIR- und ISS-Stationen vor. Der Held wider Willen avancierte zum Nestor der deutschen bemannten Raumfahrt.

Als vor 25 Jahren Sojus 31 startete, avancierte ein DDR-Bürger wider Willen zum Mega-Star: Sigmund Jähn. Wer den 189stündigen Raumflug vom 26. August bis zum 3. September 1978 mitverfolgen konnte, wird die Anteilnahme, die Wogen der Begeisterung wie gestern empfinden. Der erste Deutsche im All! Jähns Entwicklungsweg unterstrich eine normale, wenngleich nicht alltägliche DDR-Karriere: Kind einer Arbeiterfamilie, Buchdrucker, als Freiwilliger zu den "bewaffneten Organen", Offiziersschule, Flugzeugführer, Leiter eines Jagdfliegergeschwaders, sowjetische Militärakademie, verantwortliche Dienststellung in den Luftstreitkräften der DDR.    

Sigmund Jähn: Der Mann aus dem Volke  

Dann die Wende. Der "staatsnahe" Jähn wurde aus der Armee entlassen und seine Teilinvalidität von einem Bundeswehrarzt aus unbekannten Gründen aberkannt. Bei der "weichen" Landung seines Raumschiffes am 3. September 1978 hatte er sich eine bleibende Rückenverletzung zugezogen, als sich die Sojus-Kapsel dreimal überschlug. Dies war, genau wie seine glänzende Doktorarbeit zur Geofernerkundung zu DDR-Zeiten geheim. Aber auch Neider versuchten mit nachweislich frei erfundenen Behauptungen sein Leben schwer zu machen. Das tat seiner Sympathie jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil. Trotz des kosmischen Höhenfluges und irdischer Wirren ist er stets geblieben, was er war, ein liebenswürdiger, geradliniger, einfacher Mensch aus dem Volke ohne Star-Allüren, der die Gabe des Entzückens, die Freude an den vielen kleinen und schönen Dingen des Lebens nicht vergessen hat. Also ein "ganz normaler Mensch", ehrlich und bescheiden. Das schätzt auch die Öffentlichkeit an ihm.

Andererseits hat er, der Öffentlichkeitsarbeiter, zugleich ein ambivalentes Verhältnis zur Öffentlichkeit. Er leidet noch heute darunter, dass er sich nicht vehementer gegen die Vereinnahmung durch die DDR-Führung gewehrt hat. Ehrungen scheint er nur wahrzunehmen, wenn sie nicht zu umgehen sind. Wenn es nach ihm ginge, sollten (seine) Jahrestage nicht begangen werden. Angst vor weiterer Vereinnahmung, Bescheidenheit oder vielleicht beides?

Schnittstelle zwischen Erde und Weltraum

Nach der Wende ist seine Kompetenz als Dolmetscher, Ausbilder und Berater für die Flüge mit deutschen und europäischen Raumfahrern zur russischen Raumstation MIR sowie zur Internationalen Raumstation ISS gefragt. Dem im Vogtland geborenen zweiten Deutschen im All, Ulf Merbold, ist es zu verdanken, dass der Vogtländer Jähn im ureigensten Metier schnell gesamtdeutschen Anschluss findet. Die Bundesrepublik war gerade dabei, den ersten Raumflug mit Russland vorzubereiten. Jähn sollte die diversen Aktivitäten rund um die Auswahl im Auftrag des heutigen Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR unterstützen. Im November 1990 flog er mit Klaus-Dietrich Flade und Reinhold Ewald - von Frankfurt am Main - in sein 30 km nordöstlich Moskau gelegenes vertrautes Sternenstädtchen. Die gemeinsame Arbeit führte systemübergreifend schnell und unkompliziert alle Seiten zusammen.

Als die Europäische Weltraumorganisation ESA 1993 die Zusammenarbeit mit Russland in der bemannten Raumfahrt begann, wollte sie auf seine Erfahrungen nicht verzichten. Fortan pendelte Sigmund nicht nur zwischen Russland, Kasachstan und Deutschland umher. Die "Neuen" durchlaufen alle die Schule Jähn. Die ersten ESA-Astronauten, die im Sternenstädtchen die Ausbildung aufnehmen, waren Ulf Merbold, Pedro Duque (Spanien), Thomas Reiter und Christer Fuglesang (Schweden). Schnell avanciert er zu einem von Ost und West gleichermaßen anerkannten und unentbehrlichen Vermittler, zu einem geschätzten "Mann für alle Fälle" bei allen nur denkbaren Weltraum-Fragen. Sein Office im Sternenstädtchen wird zur Schnittstelle zwischen Europa, Erde und Kosmos. Nahezu alle Sojus-Besatzungen begleitet er in der einen oder anderen Weise auf ihren Flug ins All.

Institution für Raumfahrt und Menschlichkeit

Heute hat der Nestor der bemannten deutschen Raumfahrt nicht nur in dem neuen Deutschland, sondern auch in dem zusammenwachsenden Europa einen festen Platz gefunden. Sigmund Jähn, der weltweit 90. Raumfahrer, gehörte zu den Mitbegründern der internationalen Vereinigung der Weltraumfahrer ASE, die das Podium für einen weltweiten Erfahrungsaustausch einer kleinen, doch gewichtigen Gruppe darstellt. Und aus dem DDR-Bürger Sigmund Jähn ist eine in Ost und West anerkannte Institution für Raumfahrt und Menschlichkeit geworden. 1998 zeichnete ihn Bundespräsident Roman Herzog aus, erhielt er den "gesamtdeutschen Ritterschlag". Am 30. August wird Bundespräsident Johannes Rau ihn in einem Staatsakt in Markneukirchen ehren.

Auch Raumfahrer kommen in die Jahre. Man mag es kaum glauben, aber Sigmund ist bereits seit 2002 in Rente. Doch wer "Sig", wie ihn die Vogtländer nennen, kennt, weiß auch, dass er seiner Raumfahrt treu bleiben wird. In Morgenröthe-Rautenkranz, seinem Geburtsort, wird das Jubiläum mit einer Festwoche begangen. Alle deutschen Raumfahrer - und nicht nur sie - werden ihn, den Helden wider Willen, hochleben lassen. Danach werden wir "Sig" bestimmt immer wieder irgendwo auf diesem Planeten erleben, wenn er sich für die internationale Zusammenarbeit in der Raumfahrt einsetzt.

INTERKOSMOS - Raumflug UdSSR/DDR

Start: 26.8.1978, 17.51 Uhr mit Sojus 31 vom Kosmodrom Baikonur
Besatzung: Waleri Bykowski, Sigmund Jähn
Reserve-Crew: Wiktor Gorbatko, Eberhard Köllner
Kopplung an Salut 6: 27.8.1978, 19.30 Uhr
Experimente: Fernerkundung (MKF-6M, Biosphäre, Polarisation, Polarlicht), Materialwissenschaften (Berolina), wissenschaftlich-technische Experimente (Beschleunigung, Reporter), Medizin (Sprache, Befragung, Audio, Zeit, Freizeit, Geschmack), Biologie (Gewebekultur, Bakterienwachstum, Vernetzung, Stoffwechsel)
Abkopplung von Salut 6: 3.9.1978, 11.20 Uhr
Landung: 3.9.1978, 14.40 Uhr mit Sojus 29 in der kasachischen Steppe, 140 km südöstlich der Stadt Dscheskasgan
Flugdauer: 188 h 49 min 4 s (Zeitangaben: Moskauer Zeit)
(Meik Lampmann - Quelle: ESA)


» Mars Express: Eine ruhige Fahrt
25. August 2003 - In einer Woche wird die europäische Raumsonde Mars Express die Hälfte ihrer Reisestrecke zurückgelegt haben, und bisher verläuft die Reise relativ reibungslos.
Am 1. September werden Mars Express und der "mitreisende" britische Mars-Lander Beagle 2 die Hälfte des Weges zum Mars zurückgelegt haben. Seit dem Start am 2. Juni haben sie auf ihrem Weg zum Treff mit dem Roten Planeten dann mehr als 242 Millionen Kilometer zurückgelegt. Annähernd zur selben Zeit - am 27. August - wird der Mars unserem Heimatplaneten so nahe wie seit rund 60.000 Jahren nicht mehr sein. Die Erde überholt den Mars natürlich deutlich häufiger (in zwei Kalenderjahren mindestens ein Mal), aber aufgrund des elliptischen Mars-Orbits ist der Abstand zwischen den Planeten während dieses kosmischen Überholmanövers immer verschieden groß - und in diesem Jahr befindet sich unser äußerer Nachbarplanet an einem der sonnennächsten Punkte seiner Umlaufbahn, wenn er von der Erde überholt wird.
 
Wie der Mars Express-Projektleiter Dr. Rudolf Schmidt auf Anfrage von Raumfahrer.net mitteilte ist die Phase der System- und Instrumentenüberprüfung mittlerweile abgeschlossen. Alle wissenschaftlichen Instrumente des Marsorbiters und des Landers haben während der Tests wie geplant reagiert und keinerlei Probleme gezeigt. Bis kurz vor der Ankunft beim Mars bleiben sie abgeschaltet, dann erfolgt noch einmal eine testweise Aktivierung aller Instrumente.
 
Das Problem der eingeschränkten Energieversorgung besteht allerdings weiterhin und wird auch die Planungen für den Ablauf der Mission beeinflussen, wie Rudolf Schmidt weiter erläuterte: "Messungen wurden an repräsentativer Hardware durchgeführt um zu bestätigen, dass die Ursache in der Verbindung zwischen Solar Array und zugehöriger Stromversorgung liegt. Danach haben wir begonnen alle betroffenen [Energie-]Budgets zu revidieren. Diese Aktivität läuft noch. Die Resultate, also etwaige Auswirkungen auf die Operation im Orbit um den Mars, werden den Wissenschaftlern Mitte September präsentiert werden." Wie schon früher berichtet werden die Operationen der wissenschaftlichen Instrumente an Bord von Mars Express also zumindest teilweise in anderen zeitlichen Abfolgen durchgeführt werden müssen, um der im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen nur zu etwa 70 Prozent zur Verfügung stehenden Energiemenge Rechnung zu tragen.
 
Nach dem Passieren der Halbwege-Marke am 1. September steht kurze Zeit darauf das nächste wichtige Ereignis für Mars Express an: für den 10. September ist das zweite so genannte Trajectory Correction Maneuver oder kurz TCM-2 geplant. Durch eine kurzzeitige Zündung der Steuerdüsen wird die Flugbahn der Raumsonde dann wieder an den gewünschten Kurs angepasst werden.
 
Mehr zur ersten europäischen Mars-Mission können Sie auf den Seiten unseres Mars Express-Special erfahren.
(Michael Stein - Quelle: ESA)


» Eine neue Ansicht der Erde
25. August 2003 - Die amerikanische Weltraumbehörde NASA hat als Ergebnis der Shuttle Radar Topography Mission im Februar 2000 eine neue topographische Weltkarte in bisher unerreichter Genauigkeit veröffentlicht.
Vom 11. bis 21. Februar 2000 umrundete das Space Shuttle Endeavour im Rahmen der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) die Erde, um eine topographische Karte unseres Planeten in bis dahin unerreichter Auflösung und Genauigkeit zu erstellen. In der Ladebucht der Raumfähre war zu diesem Zweck eine von Daimler-Benz Aerospace in Friedrichshafen - heute Bestandteil des europäischen Luft-, Raumfahrt- und Militärtechnologiekonzerns EADS - entwickelte Radarantenne untergebracht, die Radarsignale zur Erde sendete und die von der Erdoberfläche reflektierten Radarsignale anschließend registrierte (das Shuttle flog zu diesem Zweck "kopfüber" um die Erde, also mit der geöffneten Ladebucht zur Erde hin ausgerichtet). Nach Erreichen des Orbits wurde ein 60 Meter langer Mast ausgefahren, an dessen Ende ein zweiter Radarempfänger angebracht war. Dieser Empfänger registrierte aufgrund seiner geringfügig anderen Position ein entsprechend leicht verändertes "Radarbild" der Erdoberfläche. Durch Zusammenfügung der beiden auf diese Weise empfangenen Radarbilder - ein "Interferometrie" genannter Vorgang - konnten die Wissenschaftler nach Auswertung der Daten ein dreidimensionales Bild der Oberflächenbeschaffenheit gewinnen. (Dieser Vorgang spielt sich übrigens ähnlich ab, wenn unser Gehirn die beiden leicht verschiedenen Bilder der Augen miteinander kombiniert und dadurch räumliches Sehen ermöglicht.)
 
Während der SRTM wurde beinahe die gesamte Erdoberfläche zwischen 60 Grad nördlicher und 60 Grad südlicher Breite auf diese Weise erfaßt, also in etwa die gesamte Erdoberfläche von der Südspitze Grönlands bis zur Südspitze Südamerikas. Die NASA hat nun für dieses Gebiet eine topographische Karte mit einer Auflösung von 30 Bogensekunden aus den Radardaten generiert, was einer Distanz zwischen den einzelnen Messpunkten in Äquatornähe von etwa 928 Metern entspricht. Schon vorher gab es zwar topographische Karten mit einer vergleichbaren Auflösung, allerdings schwankte die Datenqualität erheblich, da die bisher vorhandenen Karten auf den Daten verschiedenster Quellen beruhten - es existierten also für einige Gebiete auf der Erde sehr gute, für andere Gebiete hingegen nur mangelhafte Messwerte.
 
Nun aber stehen den Anwendern im globalen Maßstab zuverlässige Daten von einheitlicher Qualität zur Verfügung. Die in Anlehnung an die zuvor beschriebene Auflösung SRTM30-Produkte genannten Karten stellen jedoch noch nicht das Maximum der erreichbaren Auflösung dar: Aus den im Rahmen von SRTM gewonnenen Daten können für weite Teile des überflogenen Gebietes Karten mit einer zehnmal besseren Auflösung der Höhendaten generiert werden!
 
Die Anwendungsgebiete für diese topographischen Daten sind vielfältig. Mobilfunkbetreiber sind beispielsweise an genauen Höhendaten interessiert, um Sende- und Empfangsmasten optimal platzieren zu können. Geologen und Geophysiker benötigen für verschiedenste Forschungsgebiete möglichst exakte topographische Daten, und auch in militärischer Hinsicht sind gute topographische Daten von Nutzen, sei es für die Programmierung von Cruise Missiles oder Flugsimulatoren. Diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig, noch viele andere Anwendungsgebiete werden von den Ergebnissen dieser Shuttle-Mission profitieren.
 
Im Planetary Photojournal der NASA sind die jetzt veröffentlichten Bilder der Mission unter den Katalognummern PIA03394, PIA03395 und PIA03396 in hoher Auflösung verfügbar.
(Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» SIRTF erfolgreich gestartet
25. August 2003 - Die amerikanische Raumfahrtagentur NASA hat heute morgen um 07:35 Uhr (MESZ) erfolgreich das Weltraum-Infrarotteleskop SIRTF mit Hilfe einer Trägerrakete vom Typ Delta II Heavy gestartet.
Rund 64 Minuten nach dem Start empfing die Deep Space-Bodenstation der NASA in Canberra (Australien) die ersten Signale von dem Weltraumteleskop. "Alle Systeme arbeiten reibungslos, wir könnten nicht zufriedener sein", so kommentierte der NASA-Projektmanager David Gallagher den erfolgreichen Beginn der ehrgeizigen Mission.
 
Als letztes der vier so genannten Großen Observatorien (Weltraumteleskope) der NASA wird SIRTF die infrarote Wärmestrahlung kosmischer Himmelskörper beobachten. Dabei stehen sowohl Mitglieder unseres eigenen Sonnensystems wie auch Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien auf der Liste der zu untersuchenden Objekte. Das neueste Weltraumteleskop der NASA soll mit seinen Beobachtungen auch neue Erkenntnisse über so genannte "Braune Zwerge" und andere wissenschaftlich interessante kosmische Objekte liefern, die aufgrund ihrer geringen Temperatur im sichtbaren Licht keine Strahlung aussenden und somit in diesem Spektralbereich auch nicht zu beobachten sind.
 
An der Start der Raumsonde wird sich zunächst eine zweimonatige Überprüfung aller Instrumente, Detektoren und Systeme an Bord der Raumsonde anschließen, bevor dann weitere 30 Tage lang die wissenschaftliche Performance des neuen Teleskops getestet wird. Erst danach beginnt die auf mindestens zweieinhalb Jahre angesetzte Beobachtungsphase, deren Dauer durch die Menge des mitgeführten Kühlmittels begrenzt werden wird. SIRTF fliegt auf derselben Bahn wie die Erde um die Sonne und folgt unserem Planeten, wobei der Abstand jedes Jahr um etwa 15 Millionen Kilometer wachsen wird. Diese Bahn ist anstelle einer Erdumlaufbahn gewählt worden, um die Beeinträchtigung des Teleskops durch die von der Erde reflektierte Wärmestrahlung auszuschalten und dadurch den Bedarf an Kühlmittel zu reduzieren.
 
Einen ausführlichen Bericht über die Mission von SIRTF können Sie in diesem Artikel auf Raumfahrer.net lesen.
(Michael Stein - Quelle: NASA)


» 25 bemannte deutsche Raumfahrt - Live-Übertragung
23. August 2003 - Am kommenden Samstag, den 30. August, findet in Markneukirchen (Vogtland) ein Festakt zu Ehren des 25. Jahrestages des ersten Fluges eines Deutschen ins All unter dem Motto "Raumfahrt - eine Zeitreise" statt.
Zu Gast sein werden zahlreiche Astronauten und Kosmonauten aus Ost und West sowie Bundespräsident Johannes Rau, Forschungsministerin Edelgard Buhlman sowie Vertreter des DLR und der ESA. Als Highlight ist zudem eine Live-Schaltung zur Internationalen Raumstation geplant. Der Festakt beginnt ab 11 Uhr. Leider handelt es sich dabei um eine geschlossene Veranstaltung, d.h. Einlass nur auf Einladung der Veranstalter. Trotzdem dabei sein können Sie durch den Webstream des DLR oder per TV über ASTRA (19,2° Ost), Analog - Empfang, Frequenz: 10,921 GHz, Polarisation: Horizontal, Ton: 7,02 / 7,20 MHz.
Raumfahrer.net wird für Sie natürlich dabei sein und umfangreich vom Festakt und sonstigen Veranstaltungen um das kommende Wochenende in Wort und Bild berichten!
Am Sonntag, den 31. August, wird im Heimatort Sigmund Jähns, des ersten Deutschen im All, Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland, ebenfalls das bedeutsame Jubiläum begangen. Ab 10.00 Uhr beginnt vor der dortigen Raumfahrtausstellung ein "Raumfahrerfrühschoppen". Mit dabei sein werden auch hier viele Ehrengäste, unter ihnen deutsche, russische und US-amerikanische Raumfahrer. Für eine Autogrammstunde und interessante Gesprächsrunden wird gesorgt sein.
(Felix Korsch - Quelle: DLR/eig. Bericht)


» Brasilianische Rakete explodiert
23. August 2003 - Tragischer Zwischenfall in Alcantara: eine Trägerrakete explodiert auf dem Startpodest und tötet mindestens 16 Menschen. Hintergründe noch unklar.
Eine tragische wie folgenreiche Tragödie ereignete sich gestern auf dem Weltraumbahnhof Alcantara im brasilianischen Urwald. Plötzlich explodierte eine Rakete auf dem Startpodest, welche am Montag mit zwei kleinen Satelliten an Bord den dritten Versuch hätte unternehmen sollen, einen eigenen Satelliten in den Orbit zu schießen. Augenzeugenberichte sprechen von einer riesigen Explosion auf dem Gelände im Nordosten des Landes. Verschiedenen Presseberichten zu Folge wurden dabei zwischen 16 und 19 Menschen - vor allem Zivilarbeiter - getötet, mindestens 20 weitere zum Teil schwer verletzt, darunter auch Militärs, welche das Startzentrum mit nutzen. Die Explosion der VLS-Rakete ereignete sich aus noch ungeklärten Gründen um 13:30 Uhr Lokalzeit (18:30 Uhr MESZ).
Bereits 1997 und 1999 gingen Raketen dieses Typs nach dem Start verloren; damals mussten die Raketen jeweils gesprengt werden, um keinen unkontrollierten Absturz zu riskieren. Das jetzt geschehene Unglück deutet allerdings auf einen Fehler im Treibstoffsystem oder beim Betanken hin, wasdie Rakete zur Detonation gebracht haben könnte. Zur Klärung des Vorfalles hat die brasilianische Regierung eine Untersuchungskommission einberufen. Die Explosion war noch dutzende Kilometer entfernt in Sao Luis, Hauptstadt der Provinz Maranhao, zu hören; eine hunderte Meter hohe Rauschschwade breitete sich über dem Dschungel aus. Mit dem gestrigen Unglück verlor Brasilien nicht nur ein 6,5 Millionen US-Dollar teures Startgerät, sondern auch den über ein Jahrzehnt andauernden Traum, selbst in den Weltraum zu gelangen.
Mehr Details folgen...
(Felix Korsch - Quelle: AFP)



 
 

^ Nach oben  

 

 

      HotSpot: Columbia lost. von Felix Korsch 

Siebe Astronauten verloren am 1. Februar ihr Leben. Der heute veröffentlichte Untersuchungsbericht gibt Auskunft über das "warum". Raumfahrer.net fasst die Ergebnisse für Sie zusammen.

Am 26. August 2003 veröffentlichte das Columbia Accident Investigation Board (CAIB) ihren finalen Untersuchungsbericht zur Columbia-Katastrophe, einer der schlimmsten Unfälle der bemannten Raumfahrt, welche am 1. Februar dieses Jahres sieben Astronauten das Leben kostete. Insgesamt ein halbes Jahr lang arbeitete das zwölfköpfige Gremium um den ehemaligen Navy-Admiral Hal Gehman, analysierte Flugdaten, sichtete Trümmerteile und testete im Space Shuttle verwendete Materialien. Letztendlich konnte das Rätsel der Unglücksursache gelöst und die Akte Columbia geschlossen werden. Die Frage, wie die Raumfahrer ums Leben kamen, ist damit beantwortet. Nicht so die Frage nach dem "warum". Immerhin konnten im Laufe des Wirkens des CAIB nicht nur die Ursachen des Unglücks eruiert, sondern auch viele bedingende Faktoren innerhalb der NASA identifiziert werden: in den Medien ist und war die Rede von Missmanagement, gravierenden Sicherheitsmängeln und bewusst in Kauf genommenen Gefahren. Hier liegt die Crux der bemannten Raumfahrt - Kostenfaktoren und Sparzwänge können weitreichende Folgen haben. Sie sind nun eine Mahnung und hoffentlich ein Anstoß für einen gewissenhafteren Umgang mit einem Wissenschaftszweig, der das Wort Routine nicht kennt.

Der Bericht selbst umfasst 248 Seiten und gliedert sich in 11 Kapitel. Berichtet wird in diesen über die Entwicklung des Space Shuttles und allgemeine technische Systeme, aber auch über die Challenger-Katastrophe und daraus gezogene - oder versäumte - Lehren. Den Hauptteil schließlich machen Hintergründe zum Orbiter Columbia, der Mission STS-107 und dem genauen Flugverlauf aus. An dieser Stelle werden die Ermittlunsergebnisse minutiös und leicht verständlich zusammengefasst und ergeben ein stimmiges Bild von den Vorfällen am Starttag und während des Wiedereintritts. Diskutiert werden daneben auch Versäumnisse innerhalb der NASA und hierauf basierend mögliche Rettungsmöglichkeiten. Dokumentiert wird der Email-Verkehr zwischen Technikern und Ingenieuren, welche zeigen, dass die Katastrophe nicht wirklich ungeahnt hereinbrach. Vorgeschlagen werden an dieser Stelle auch organisatorische Veränderungen der NASA, die Verbesserung der Krisenmanagements und die Schaffung und konsequente Nutzung von Technologie, welche hilft, künftige Raumflüge einen Deut sicherer zu machen. Den Abschluss bilden Hintergrundinformationen zum CAIB selbst sowie Verweise auf Transkripte diverser Pressekonferenzen und Hearings.

Selbstverständlich ist es an dieser Stelle unsinnig, den Bericht komplett im übersetzten Wortlaut wiederzugeben. Allerdings soll hier die Chance ergriffen werden, die wesentlichsten Bestandteile der soweit bestätigten These des Unglücksherganges zu erläutern.

Rauchende Colts

Analysen von Fotographien nach dem Start zeigen, dass sich ein großes Stück Isolierschaum sowie mindestens zwei weitere Bruchstücke 81,7 Sekunden nach dem Abheben vom Launch Pad 39 vom oberen Bereich des externen Tanks gelöst haben. Das größte Materialstück schlägt bei T+81,9 Sekunden auf der linken Flügelunterkante, genauer auf den so genannten RCC-Paneelen (Reinforced Carbon-Carbon) 5 bis 9 auf; für eine Verwicklung der anderen beiden Bruchstücke gibt es keine Belege. Schätzungen auf Grund der Video- und Fotoanalyse zu Folge war das Trümmerteil zwischen 8,3 und 10,6 Zentimetern lang und 4,7 bis 7,1 Zentimeter breit. Die Wucht des Aufschlages des an sich sehr kleinen und schmalen Stücks ergibt sich durch eine relative Geschwindigkeit von 669 bis 922 Kilometer pro Stunde. Die großen Schwankungen dieser Angaben ergeben sich dabei durch die vergleichsweise schlechte Aufnahmequalität. Herangezogen für genauere Analysen wurden dabei vor allem eine 35mm-Filmkamera (E 212), 25,5 Kilometer vom Startplatz entfernt sowie eine NASA-Videokamera (E 208) in immerhin 39 Kilometern Entfernung. Aus den visuell verfügbaren Daten konnte die Masse des Objekts auf 757 Gramm geschätzt werden.

Ein deutlicher Hinweis auf einen tatsächlichen Einschlag ergibt sich dabei durch die Veränderung der Flugbahn des Trümmerteils mit 18facher Rotation pro Sekunde; ein tatsächlicher Aufschlag ist auf den vorhandenen Videos nur ansatzweise zu sehen. Gut sichtbar dagegen ist absplitterndes Material an der linken Flügelvorderkante im Moment des vermuteten Aufschlages. Unklar ist, ob es hier das Zersplittern des Trümmerstücks oder zertrümmerte Hitzeschutzkacheln beobachtet wurden. Aus der Splitterregion bewegten sich mindestens zwei größere Objekte mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit aus dem Sichtfeld der Kameras. Auch deren Identität - Schaumstoff oder Hitzeschutz - ist ungeklärt. Eine Verkettung von Zufällen - Lösen von mindestens drei Bruchstücken, die bereits beträchtliche Geschwindigkeit des Shuttles, der Aufschlagwinkel sowie der genaue Aufschlagort - führte zu der extremen Wucht des Zusammenpralls. Definitiv ist auch, dass sich lösende Eisreste am externen Tank keine Rolle bei diesem Vorfall spielten. Kameraaufnahmen bei T-5 Minuten zeigen keinerlei Vereisungen in dieser Region der Herkunft der Schaumstoffisolierung auf. Auch andere Materialien oder Bestandteile der Verkleidung des Tanks können soweit ausgeschlossen werden.

Das hiermit genährte Bild zeigt, dass das Shuttle quasi in ein Projektil hinein flog. Die Bezeichnung des "rauchenden Colts" für diese These war geboren. Doch damit war die Serie an Zwischenfällen noch nicht beendet. Direkt nach dem Unglück vom 1. Februar begann das Air Force Space Command den eigenen Datenbestand zu analysieren, um mögliche Anomalien während des Fluges im Orbit aufzuspüren. Auf Relevanz überprüft wurden 3.180 optische und Radarbeobachtungen von verschiedenen Airforce-Basen aus. Tatsächlich wurde ein verdächtiges, wenn auch sehr kleines Objekt gesichtet, in Folge bezeichnet als 2003-003B (der Nomenklatur von Weltraummissionen folgend; Columbia trägt die Nummer 2003-003A). Eine erste Beobachtung am 17. Januar um 15:57 Uhr (EST) gemacht, nachdem der Orbiter zuerst in eine leicht geschwenkte (rechter Flügel voran) und dann wieder die normale Fluglage (Heck voran) gebracht wurde. Das dubiose Objekt löste sich scheinbar um die genannte Uhrzeit herum vom linken Flügel und konnte bis zum 20. Januar um 21:45 Uhr (EST) von verschiedenen Radarstationen beobachtet werden, bis es schließlich verglühte.

In jenem Zeitraum führte die Columbia weder aufwendige Flugmanöver aus, noch wurde z.B. die Kollision mit Weltraumschrott oder einem Mikrometeoriten verzeichnet noch registrierte die Telemetrie ungewöhnliche Sensorendaten. Die einzigen bekannten Daten des Objektes sind seine ballistischen Komponenten; Material, Masse oder Form konnten dagegen nur vage vermutet werden. Tests mit verschiedenen Bestandteilen des Shuttle-Orbiters - insgesamt 31 Objekte -, welche sich gelöst haben könnten, wurden schließlich durchgeführt. Ein Fragment des RCC-Paneels - also ein Bruchstück aus jener Region, welche beim Start von benanntem Stück Schaumstoff getroffen wurde - mit einer Größe von nur 0,09 Quadratmetern würde als einziges den empfangenen Radardaten entsprechen. Das Objekt konnte nicht sicher identifiziert werden, ein Zusammenhang des "Flight Day 2 Object" mit den Vorgängen am Starttag ist jedoch gut denkbar und wird vom CAIB als gegeben angenommen.

Katastrophale Folgen

Am 1. Februar um 2:30 Uhr (EST) nahm das Entry Flight Control Team (EFCT) in der Missionskontrolle seine Arbeit auf, um die Wiedereintritt der Columbia vorzubereiten. Zu jenem Zeitpunkt gab es keinerlei Probleme - weder technische Defekte noch kompromittierende Sensorendaten. Dem EFCT muss, so das CAIB, der Vorfall am Starttag bekannt gewesen sein. Allerdings befürchtete man keinerlei Folgen für das Ende der Mission, eine der heikelsten Phasen der gesamten Mission. Zwanzig Minuten vor der Zündung zur Einleitung des Wiedereintritts wurde daher das "Go" gegeben. Um 8:10 Uhr (EST) bestätigte die Crew des Fluges STS-107 den Befehl. Das Deorbit-Manöver wurde schließlich um 8:15:30 Uhr (EST) von Pilot McCool durch eine zwei Minuten und 38 Sekunden lange Zündung der Haupttriebwerke eingeleitet; das Shuttle befand sich zu diesem Zeitpunkt über dem Indischen Ozean. Um 8:44:09 Uhr wurde der Wiedereintrittspunkt in 122 Kilometern Höhe über dem Pazifik erreicht. In den kommenden Minuten traten Temperaturen um die 1.400° Celsius auf - wie es auf jeder Shuttle-Mission normal ist.

Um 8:48:39 Uhr registrierte erstmals ein Sensor der linken Flügelvorderkante einen abnorm hohen Wert einwirkender Kräfte. Festgestellt wurde dies jedoch erst nach dem Unglück, denn jener Sensorwert wurde nicht zur Missionskontrolle weitergeleitet und der Crew selbst nicht angezeigt. Kaum dreieinhalb Minuten später, um 8:52:00 bei Mach 24,5 und in 71 Kilometern Höhe, begann die Erhitzung und schrittweise Verringerung von Geschwindigkeit und Höhe des Orbiters. Dabei erreicht die Temperatur um das Shuttle ein Maximum, wobei speziell an den Flügelkanten extreme Werte auftreten. Weitere anderthalb Minuten später, um 8:53:46 Uhr, wurden am Himmel erstmals mögliche Trümmerteile gesichtet; die von der Columbia am Himmel gezogene Spur, erzeugt durch heiße Gase, erhellt sich plötzlich und einzelne Lichtpunkte entfernen sich vom Raumfahrzeug in dem Moment, als die Columbia in den Luftraum von Nevada eintritt. In den kommenden 23 Sekunden wiederholte sich dies und zahlreiche Personen wurden Augenzeugen des tragischen Schauspiels. Die Trümmerspur zog sich schließlich über Utah, Arizona, New Mexico und Texas.

Erst ab 8:54 Uhr mehrten sich im Kontrollzentrum die Anzeichen für Probleme. Zunächst fielen einzelne, zunächst nur vier, Sensoren für Hydrauliksysteme im linken Flügel der Columbia aus bzw. zeigten Werte um Null an. Aus den später aufgesammelten Trümmerteilen am Erdboden konnte rekonstruiert werden, dass sich zu dieser Zeit erste Hitzeschutzkacheln vom linken Flügel lösten. Bis 8:59:15 Uhr fiel der Druck in beiden linken Reifen ab. Der Flugdirektor entschied schließlich, über den Capsule Communicator (CAPCOM) die Crew über die Probleme zu informieren und sich nach der aktuellen Situation in der Raumfähre zu erkundigen. Die Funkverbindung zur Columbia brach jedoch abrupt ab und die letzte Transmission verstummte und konnte auch nicht wiederhergestellt werden. Die letzte Meldung wurde um 8:59:32 Uhr empfangen und nach dem "Roger..." unterbrochen. Um 9:00:18 Uhr ging die Columbia komplett verloren, als Beobachter am Boden die Desintegration des Space Shuttles beobachten konnten.

Im Nachhinein zeichnen sich die Vorgänge beim Wiedereintritt als logische Folge des Geschehnisses am Starttag ab. Durch einen beträchtlichen Schaden - auf alle Fälle umfangreicher als ein Haarriss - in der am linken Flügel konnten ultraheißes Plasma ins Innere der Struktur eindringen und dort Systeme lahm legen. Gleichzeitig bot sich auch außerhalb ein Angriffspunkt gegen die einzelnen Hitzeschutzkacheln, welche nacheinander der enormen Belastung nachgaben. Hierdurch waren große Teile der Außenhaut ungeschützt dem Druck des Deorbits ausgesetzt. Schließlich zerbrach das Shuttle unter diesem Einfluss.

Die Katastrophe war geschehen.

Der komplette Bericht steht unter http://boss.streamos.com/download/caib/report/web/full/caib_report_volume1.pdf (PDF-Format, 10 MB) zum Download bereit.

Verwandte Webseiten
Columbia Sonderseite
 

 
 

^ Nach oben  

 

 

      Special: Shenzhou 2 von Felix Korsch 

Mehr als ein Jahr nach dem glücklichen Erststart erhob sich am 9. Januar 2001 erneut eine CZ-2F gen Himmel.

Start: 9. Januar 2001, 17.00.03 Uhr UT

Nachdem der Start absolut problemfrei verlief und die CZ-2F-Trägerrakete erneut ihr Können erwies, wurde das Raumschiff in einen Orbit mit einem Perigäum von 196,5 Kilometern und einem Apogäum von 333,8 Kilometern eingeschossen. Am 10. Januar um etwa 13.25 Uhr UT wurden die Bahnparameter erstmals gezielt in einem Manöver verändert (327,7 bzw. 332.7 km 91.041 min. Umlaufzeit). Am 12. Januar folgte um 12.20 Uhr UT das erneute Zünden der Triebwerke (329,3 bzw. 339,4 km bei 91,126 min. Umlaufzeit). Ein drittes Mal wurden die Triebwerke am 15. Januar eingesetzt (328,7 bzw. 345,4 km bei 91.181 min. Umlaufzeit). Hiermit wurde eindrucksvoll auch die Funktionsfähigkeit des Lagekontrollsystems bewiesen. Übrigens waren in der Kapsel bereits vier komplette Konturensitze montiert.

An Bord des Raumschiffes befand sich erstmals umfangreichere wissenschaftliche Fracht sowie komplette Subsysteme inklusive dem Lebenserhaltungssystem, mit welchem ein Affe, ein Hund und ein Hase am Leben gehalten wurden. Hinzu kamen gesamthaft 64 wissenschaftliche Nutzlasten. Zwölf davon befanden sich im Orbitalmodul und 37 waren auf der vorwärtigen externen Plattform (attached segment) befestigt. Auch diese war eine Überraschung für ausländische Beobachter, schließlich wurde damit das wissenschaftliche Potential der Shenzhou enorm gesteigert. Überhaupt war Shenzhou 2 die bis dato umfangreichste Wissenschaftsmission Chinas. Die durchgeführten Experimente beschäftigten sich mit Kristallwachstum, Beobachtungen des Wachstums einiger Pflanzen- und Tierarten (u.a. Schildkröten, Bakterien und Fruchtfliegen) sowie dem Einfluss kosmischer Strahlung und diverser Mikropartikel im Orbit des Raumschiffes.

Nach 108 Erdumrundungen bzw. einem einwöchigen Flug landete Shenzhou am 16. Januar um 11.22 Uhr UT sicher im vorgesehenen Landegebiet. Da von der gelandeten Kapsel keinerlei Bilder veröffentlicht wurden, kamen Spekulationen auf, dass eventuell das Fallschirmsystem nicht richtig funktionierte und die Kapsel eine "harte Landung" durchgemacht hätte. Laut einer anderen Version sei die Bergung der Kapsel nicht geglückt. Obwohl es Anzeichen für einen tatsächlichen Fehler gibt - es wird mittlerweile von einer gebrochenen Halteklammer des Fallschirms gesprochen, weswegen es zu einer viel zu hohen Aufprallgeschwindigkeit kam -, wertet die chinesische Führung die Mission als vollen Erfolg. Immerhin führte der "angebliche Zwischenfall" zu einer Verschiebung der darauf folgenden Mission.

Das Orbitalmodul, ausgestattet mit eigenen Solarzellen, verblieb noch ein ganzes halbes Jahr im Orbit und vollführte dort eigenständig mehrere Bahnmanöver (nach dem Abtrennen der Orbitalsektion sowie am 20. Februar und am 15. März). Am 24. August 2001 trat sie um 9.05 Uhr UT vor der Küste Chiles in die Erdatmosphäre ein und verglühte.

Verwandte Webseiten
Columbia Sonderseite
 

 
 

^ Nach oben  

 

 

      Space Focus: Raketenentwicklung in Deutschland II von Tilman Kaiser 

Die Beendigung ziviler Raketenforschung in den 1930-ern

Nachdem die finanzielle Unterstützung durch den Regisseur Fritz Lang weggefallen war, musste Rudolf Nebel neue Geldgeber für seine Raketenprojekte gewinnen.

Der Gründervater des Vereins für Raumschiffahrt (VfR), Johannes Winkler, trat eine Stelle bei den Junkers Flugzeugwerken in Dessau an und konnte dort an einer Rakete mit Flüssigbrennstoff arbeiten, ohne aber seine Ergebnisse an den VfR weiterzugeben oder private Mittel für seinen ehemaligen Verein beschaffen zu können.

Angesichts des Geldmangels traf es sich gut, dass sich die Ballistische und Munitionsabteilung des Heereswaffenamts (HWA) unter der Leitung von Karl Becker (1879-1940) schon seit 1929 im Ballistischen Referat von Hauptmann von Horstig mit der Untersuchung von Rückstoßantrieben für militärischen Zwecken befasste und eigens hierfür einen Versuchplatz in Kummersdorf ca. 30 km südlich von Berlin eingerichtet hatte.

Während die Versuche des HWA eher der Geheimhaltung unterlagen, war die Gruppe um Nebel umgekehrt darauf bedacht, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, um auf diese Weise das Interesse von möglichen Geldgebern zu wecken.

So ist es nicht verwunderlich, dass Becker, von Horstig und ein Hilfsreferent des Ballistischen Referats, der Ingenieur Walter Dornberger (1895-1980) auf Nebels Gruppe aufmerksam wurden und deren "Raketenfluplatz" einen Besuch abstatteten.

Man muss sich vor Augen halten, dass einige der Mitglieder des VfR - darunter Ingenieure und fähige Techniker - in der Wirtschaftskrise der 1930-er ihre Arbeit verloren hatten und nun für Nebel unter spartanischen Verhältnissen lediglich für Verpflegung und Unterbringung arbeiteten, um zu verstehen, was sich diesen Pionieren der Raketentechnik für eine Chance bot, als sie 1932 von den Militärs zu einer Vorführung ihrer Rakete auf dem Versuchsgelände in Kummersdorf eingeladen wurden.

Nebels Hang zu vollmundigen Versprechungen wirkte sich in diesem Zusammenhang verheerend für den VfR aus. Die Rakete des VfR erreichte am 22. Juni statt der angekündigten 8 km nur eine Höhe von 600 m und schlug ohne Fallschirm in 1,3 km Entfernung in den Boden ein. Allerdings war Hauptmann Dornberger so beeindruckt von den Fähigkeiten des jungen Wernher von Braun, dass dieser im Oktober 1932 im Heereswaffenamt angestellt wurde.

Da Oberstleutnant Becker auch eine Professur an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin inne hatte, war es von Braun möglich, in dessen Forschungsgruppe eine Dissertation über die Raketenversuche zu bearbeiten, die er nach nicht einmal zwei Jahren im April 1934 unter dem Titel "Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete" bei Dr. Erich Schumann als nicht zu veröffentlichende "geheime Kommandosache" einreichte.

Inzwischen hatte sich in Deutschland die nationalsozialistische Diktatur etabliert und die Wehrmacht war nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg auf den "Führer und Reichskanzler" Hitler vereidigt worden.

Auch wenn von Braun zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch weit davon entfernt war, dem "Reichskanzler" eine Terrorwaffe zur Bombardierung von Zivilbevölkerung in Städten zur Verfügung zu stellen, so war er doch tief in die militärischen Versuche des HWA verwickelt, welches ein reichweitiges ballistisches Geschoss für die Artillerie des Heers bauen wollte.

Die zivile Raketenentwicklung erlebte 1934 ihren endgültigen Niedergang in Deutschland. Rudolf Nebel, der seine Raketenprojekte trotz der vielen Rückschläge unermüdlich fortsetzte und hierfür die Werbetrommel rührte, war dem auf Geheimhaltung bedachten Militär ein Dorn im Auge. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Goebbels, ließ alle nicht-militärischen Raketenprojekte verbieten. Nebel wurde von der Gestapo verhaftet und Dornberger ließ den "Raketenflugplatz Berlin" beschlagnahmen.

Literatur
- T.A. Heppenheimer: "A History of space flight", California 1996
- V. Marchis: "Wernher von Braun - Der lange Weg zum Mond", In: Spektr. d. Wissenschaft - Biografie 4/2001
 

 
 

^ Nach oben  

 

 

      ISS Weekly Report: Progress M-48 auf dem Weg zur Raumstation von Michael Schumacher 

Am Mittwoch, dem 27. August 2003 um 17.48 Uhr Eastern Standard Time (EST) koppelte das unbemannte russische Versorgungsraumschiff Progress M-47 erfolgreich vom hinteren Kopplungsstutzen des Service Module Swjesda ab. Zum Zeitpunkt der Abkopplung befand sich die International Space Station (ISS) 386 Kilometer über Ostchina. Zuvor wurde Progress M-47 mit nicht länger an Bord der Raumstation benötigten Gegenständen und Abfällen beladen. Um 20.55 Uhr EST zündete es automatisch seine Triebwerke um die Erdumlaufbahn zu verlassen und um 21.28 Uhr EST verglühte es in den dichteren Schichten der Erdatmosphäre.

An Bord der Raumstation schlief National Aeronautics and Space Administration (NASA) ISS Science Officer (SO) Edward Lu zum Zeitpunkt der Abkopplung aber Kommandant Juri Malentschenko ist es von den Flugkontrolleuren genehmigt worden, aufzubleiben um die autonome Abkopplung zu überwachen. Die Abreise von Progress M-47 setzte die Voraussetzungen für den Start des neuen russischen Versorgungsraumschiffes Progress M-48 vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan. Dieser erfolgte am Donnerstag, dem 28. August 2003 um 20.48 Uhr EST vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan. Zum Zeitpunkt des Starts befand sich die ISS in einer Höhe von 386 Kilometern über dem südlichen Atlantischen Ozean östlich von Südamerika. Weniger als zehn Minuten später erreichte Progress M-48 seine vorläufige Erdumlaufbahn und die Solarzellenflügel und Navigationsantennen wurden erfolgreich entfaltet. Die Ankopplung von Progress M-48 an den hinteren Kopplungsstutzen von Swjesda ist für Samstag, den 30. August 2003 um 22.45 Uhr EST geplant.

An Bord befinden sich fast drei Tonnen Nahrungsmittel, Treibstoff, Versorgungsgüter und Wasser für Malentschenko und Lu sowie wissenschaftliche Ausrüstung für den spanischen Kosmonauten der European Space Agency (ESA) Pedro Duque, der am 18. Oktober 2003 zusammen mit der achten Stammbesatzung, die aus Kommandant und NASA ISS SO Michael Foale und Bordingenieur Alexander Kaleri besteht, an Bord von Sojus TMA-3 vom Baikonur Kosmodrom zur Raumstation starten soll. Duque wird acht Tage an Bord der ISS mit der Durchführung wissenschaftlicher Experimente im Rahmen eines kommerziellen Vertrages zwischen der ESA und der Rossijskoje Kosmitscheskoje Agenstwo (RKA) verbringen. Er wird zusammen mit Malentschenko und Lu am 28. Oktober 2003 an Bord von Sojus TMA-2 zur Erde zurückkehren.

Zudem befinden sich an Bord von Progress M-48 persönliche Gegenstände sowie Hardware für Foale und Kaleri, die fast 200 Tage an Bord der ISS verbringen sollen. Unter den Versorgungsgütern befindet sich außerdem ein Satellitentelefon und Hardware zur Ortung mit dem Global Positioning System (GPS), die Malentschenko, Lu und Duque im unwahrscheinlichen Fall nutzen sollen, dass sie wie die sechste Stammbesatzung am 3. Mai 2003 außerhalb des Landegebiets niedergehen. Progress M1-10, das gegenwärtig an das Docking Compartment (DC) 1 Pirs angekoppelt ist, wird am 4. September 2004 abkoppeln, um Platz für die Ankunft von Foale, Kaleri und Duque in Sojus TMA-3 am 20. Oktober 2003 zu machen.

Durch das Hinzufügen einer zeitraubender Überprüfung der Hitzeschutzkacheln zur nächsten Spaceshuttle Mission, einer Extra Vehicular Activity (EVA) zum testen neuer Reparaturausrüstung und -techniken für die Hitzeschutzkacheln sowie das Fehlen eines dritten Besatzungsmitgliedes der Stammbesatzung zur Unterstützung des Ausrüstungstransfers sind die Manager der NASA gezwungen, größere Veränderungen in Betracht zu ziehen, um die Arbeitsbelastung der Besatzung zu verringern.

Obwohl eine Vielzahl von Möglichkeiten untersucht wird, scheint es unwahrscheinlich, dass die Besatzung der Mission STS-114, Kommandantin Eileen Collins, Pilot James Kelly sowie die Missionsspezialisten Soichi Noguchi und Stephen Robinson in der Lage sein wird, ihre ursprünglichen Missionsziele zu erfüllen, darunter der Transfer einer neuen dreiköpfigen Stammbesatzung und allen dazugehörigen Ausrüstungsgegenständen und Versorgungsgütern zur Raumstation. Die Manager der NASA ziehen die Möglichkeit in Betracht, den Transfer der Stammbesatzung einer späteren Mission zuzuweisen, entweder einer zusätzlichen Spaceshuttle Mission oder vielleicht einer russischen Sojus Mission und der jetzigen Besatzung der Mission STS-114 zusätzliche Besatzungsmitglieder in Form von Missionsspezialisten hinzuzufügen, um den Logistik- und Ausrüstungstransfer zu unterstützen.

Außerdem könnten einige der wissenschaftlichen Missionsziele aufgrund von Gewichtsbeschränkungen zurückgestellt werden, die vom erwartenden Hinzufügen der Reparaturausrüstung für die Hitzeschutzkacheln und eines verlängerten Auslegers des Roboterarms des Spaceshuttle herrühren, der für die Überprüfung des Thermal Protection System (TPS) des Spaceshuttle benötigt wird.

Die Debatte um den Transfer der Stammbesatzung hängt größtenteils davon ab, wann die Atlantis für ihre Mission bereit ist. Die neue zweiköpfige, achte Stammbesatzung soll am 18. Oktober 2003 an Bord von Sojus TMA-3 zur Raumstation starten. Sie sollen im Frühling des kommenden Jahres an Bord der Atlantis zur Erde zurückkehren, oder falls der Spaceshuttle nicht rechtzeitig bereit ist, an Bord von Sojus TMA-3.

Quellen gehen davon aus, dass die NASA unter hohem Zeitdruck steht, die Atlantis vor dem Sommer des kommenden Jahres zu starten. In diesem Fall würde die achte Stammbesatzung dann durch eine zweiköpfige, neunte Stammbesatzung abgelöst werden, die an Bord von Sojus TMA-4 am 25. April 2004 zur Raumstation startet. Diese neunte Stammbesatzung könnte dann aus der Ersatzmannschaft für die achte Stammbesatzung bestehen. Sie würde somit aus Kommandant Waleri Tokarew und Bordingenieur und NASA ISS SO William McArthur bestehen. Ob die Atlantis dann im Sommer des kommenden Jahres eine andere, die zehnte Stammbesatzung zur Raumstation bringen wird, oder ob die neunte Stammbesatzung in der Erdumlaufbahn verbleiben wird, bis Sojus TMA-5 im Oktober 2004 die Raumstation entweder mit einer zwei- oder dreiköpfigen Stammbesatzung erreicht, ist Teil der momentanen Debatte über die Mission der Atlantis.

Jede Möglichkeit, die das Ablösen der Stammbesatzung einer Sojus Mission zuweist, würde natürlich eine Übereinstimmung mit den Russen erfordern. Bisher haben die Russen einen Sitz in Sojus TMA-5 für die Mission im Oktober 2004 noch nicht gebucht oder verkauft und dieser könnte theoretisch eine neue dreiköpfige, zehnte Stammbesatzung zur Raumstation bringen. Aber das muss sich erst noch herausstellen.

Unterdessen schätzen die Manager der NASA eine Vielzahl von Möglichkeiten ab, um das Zeitplandefizit der Besatzung der Mission STS-114 zu mildern. Das zusätzliche Gewicht eines Auslegers des Roboterarms des Spaceshuttle mit einer Kamera zur Überprüfung der Hitzeschutzkacheln, die Vorführausrüstung für die Reparatur von Hitzeschutzkacheln und andere Nutzlasten führen dazu, dass die Atlantis nicht die geplante vollkommene wissenschaftliche Ausrüstung transportieren kann, die Forschungsausrüstung die notwendig ist, um die Mission zu einem Space Station Utilisation and Logistics Flight (SSULF) zu machen, wie es ursprünglich gedacht war. Daher wächst der Impuls sowohl innerhalb des Spaceshuttle Programms als auch des Raumstationsprogramms, das NASA Hauptquartier zu ersuchen, eine Spaceshuttle Mission einzufügen, ein Logistikflug, der die Belastung durch die Aufgaben zur Wiederaufnahme der Flüge von der Mission STS-114 nimmt.

Vor dem Absturz der Columbia am 1. Februar 2003 bereitete die NASA die Atlantis für einen Start um den 1. März 2003 vor, um eine neue dreiköpfige Stammbesatzung zusammen mit Versorgungsgütern und Forschungsausrüstungen, die im Multi Purpose Logistics Module (MPLM) Raffaello verstaut waren, zur Raumstation zu transportieren. Zusätzlich umfasste die Mission STS-114 drei EVAs von Noguchi und Robinson. Deren Ziele waren es, ein neues Control Moment Gyroscope (CMG) zu installieren, eine External Stowage Platform (ESP) für den Gebrauch bei späteren Rekonfigurationen der Solarzellenflügel sowie eine Fernsehkameraausrüstung und andere Ausrüstungen an der Außenseite der Raumstation anzubringen.

Als Folge des Absturzes der Columbia wurde die dreiköpfige, sechste Stammbesatzung aus Kommandant Kenneth Bowersox, Bordingenieur Nikolai Budarin und NASA ISS SO Donald Pettit durch die zweiköpfige, siebte Stammbesatzung abgelöst. Aufgrund des begrenzten Vorrates an frischem Wasser werden die NASA und die RKA die Raumstation solange mit zweiköpfigen Stammbesatzungen betreiben, bis die Spaceshuttle Missionen wieder aufgenommen werden, wodurch die Besatzung der Mission STS-114 einen Arbeitskräftemangel in der Erdumlaufbahn hinsichtlich dem Entladen des MPLM erfährt.

Das Columbia Accident Investigation Board (CAIB), das am Dienstag, dem 26. August 2003 seinen Abschlußbericht vorlegte, hat bereits fünf vorbereitende Empfehlungen herausgegeben, von denen eine fordert, dass die NASA in der Erdumlaufbahn eingehend die Hitzeschutzkacheln überprüft sowie eine andere die Entwicklung der Fähigkeit fordert, Hitzeschutzkacheln während der Mission zu reparieren. Seitdem entwickeln die Ingenieure eine ermüdend lange Verfahrensweise zur Überprüfung der Hitzeschutzkacheln, die am zweiten Flugtag durchgeführt werden soll, indem an einem langen Ausleger befestigte Kameras mit dem Roboterarm des Spaceshuttle um das Orbiter Vehicle (OV) herum manövriert werden, um nach Anzeichen auf Beschädigungen zu suchen. Das Verfahren wird zwei Astronauten einbinden und bis zu sieben Stunden und mehr dauern bis es abgeschlossen sein wird, was die normalen Überprüfungstätigkeiten an der Ausrüstung am zweiten Flugtag durcheinander bringen wird.

Die Stellen des Spaceshuttle, die nicht von dem Kameraausleger eingesehen werden können, werden durch die Stammbesatzung während der Endannäherung der Atlantis überprüft werden, wenn Collins ein Manöver durchführt, um die Unterseite des OV von der darüber fliegenden Raumstation einsichtbar zu machen. Sie trainiert bereits dieses Manöver in den Flugsimulatoren am Johnson Space Center (JSC) in Houston, Texas. Sobald die Ankopplung erfolgt ist, wird das Entladen des MPLM mit einem Stammbesatzungsmitglied weniger als üblich erfolgen müssen. Die Manager der NASA schätzen eine Vielzahl von Möglichkeiten ab, um die Last zu verringern, in einigen Fällen sogar wörtlich, indem sie den Transport einiger Gegenstände auf spätere Missionen verschieben.

Es wird gehofft, mindestens zwei EVAs durchzuführen. Den Austausch des CMG und die Vorführung der Reparatur von Hitzeschutzkacheln. Die Montage der ESP besitzt ebenfalls eine hohe Wichtigkeit, da sie Ausrüstung beherbergt, die bei der zukünftigen Montage der Raumstation benötigt wird. Ob diese im Zeitplan der Mission der Atlantis untergebracht werden kann ist noch unklar. Die Reparaturausrüstung für die Hitzschutzkacheln wird sich im hinteren Teil der Nutzlastbucht des Spaceshuttle befinden und ein Platte mit absichtlich beschädigten Kacheln des Hitzeschildes umfassen. Noguchi und Robinson werden versuchen die Kacheln mit Hilfe von Materialen zu reparieren, die sich zurzeit noch in der Entwicklungsphase befinden. Die Arbeiten schließen noch keine Reparaturvorführung für die Reinforced Carbon Carbon (RCC) Panels ein, die die Flügelvorderkanten der Tragflächen des OV bilden. Während viel versprechende Verfahren untersucht werden, ist es noch unklar, ob irgendeine der Reparaturtechniken rechtzeitig für eine Mission im Frühling des kommenden Jahres entwickelt werden kann. Die Planer der NASA hoffen die Anforderungen für die Mission STS-114 in den nächsten paar Wochen zu verfeinern.
 

 
 

^ Nach oben  

 


"In Space" Magazin #092
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
30. August 2003
Auflage: 1436 Exemplare
 
 
Chefredaktion &
Inhaltlich Verantwortlicher:

Karl Urban

Redaktionsleitung:
David Langkamp
 
Redaktion:
Birger Böning
Sven Flock
Jan Großmann
Britta Hermes
Tilman Kaiser
Raphael Kallensee
Andreas Kopp
Felix Korsch
Clemens Mach
Sebastian Mateja
Dominik Mayer
Thomas Pallmann
Dominik Puckert
Sabine Rossburg
Gero Schmidt
Michael Schumacher
Guido Schumann
Michael Stein
Mark Weimar
Lorenz Zistler
 
Freie Mitarbeiter:
Lutz Growalt
Meik Lampmann -
Space-Weltraum.de

      Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V.i.G., c/o Karl Urban, Wilhelmstr. 87, 10117 Berlin.
Inhaltlich verantwortlich ist Karl Urban.

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.
 

TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Copyrights
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Redaktionsleiters (E-Mail an david.langkamp@raumfahrer.net) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß § 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.
 

 
© 2003 by Raumfahrer.net.