InSpace Magazin #243 vom 23. Juli 2006

In Space Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"In Space" Magazin

Ausgabe #243
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Routine an kalten Tagen

> ISS Weekly Report:
Nächster deutscher Weltraumfahrer im nächsten Jahr

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Michael Stein

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

in den heißen Tagen dieses - wieder einmal - rekordverdächtigen europäischen Sommers fällt es schwer sich vorzustellen, dass es andernorts ganz anders geartete Temperaturprobleme gibt. Auf dem Mars beispielsweise kämpfen die beiden amerikanischen Rover schon seit Wochen mit den Folgen des Winters und Temperaturen von mehreren Dutzend Grad unter Null.

Während Thomas Reiter nun schon seit mehreren Tagen in der Internationalen Raumstation um die Erde kreist ist in dieser Woche der nächste deutsche ESA-Astronaut benannt worden - mehr dazu lesen Sie im ISS Weekly von Michael Schumacher.

Viel Spaß bei der Lektüre & eine gute Woche wünscht Ihnen


          Michael Stein           
Redakteur Raumfahrer.net

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Updates / Umfrage

» Raumfahrtkalender
Aktuelle Ereignisse in der Raumfahrt in den nächsten Jahren

» TV-Guide
Fernsehsendungen zu Astronomie und Raumfahrt im neuen TV-Guide auf Raumfahrer.net

» Venus Express Sonderseite
Aktuelle Information über die ESA-Mission zur Venus finden Sie auf dieser Sonderseite.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

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News

Land in Sicht - auf Titan <mehr>
Im Zentrum der Milchstraße <mehr>
Falcon-1-Fehlstart endgültig aufgeklärt <mehr>
MetOp-A-Start auf unbestimmte Zeit verschoben <mehr>
Discovery ist gelandet! <mehr>
Venus Express: Fleißig, fleißig <mehr>



» Land in Sicht - auf Titan
22. Juli 2006 - Wie neue Radaraufnahmen der Sonde Cassini belegen, ähnelt der Saturnmond Titan der Erde in vielerlei Hinsicht. Cassini lichtete ein helles Gebiet von der Größe Australiens - die Xanadu-Region - ab, das geologische Merkmale aufweist, wie man sie auch auf einem irdischen Kontinent erwarten würde.
Die Radarbilder aus einem 4.500 Kilometer langen Bildstreifen zeigen, dass Xanadu von dunklerem Gebiet umgeben ist, was an eine freistehende Landmasse denken lässt. Am westlichen Ende des Gebietes findet man dunkle Sanddünen, die in Land übergehen, das von Flussläufen, Bergen und Tälern durchzogen ist. Auch findet man eine runde Struktur, die von einem Asteroideneinschlag oder von Wasservulkanismus herrühren könnte. Durch den östlichen Teil Xanadus schlängeln sich viele Rinnen, die in einer dunklen Ebene enden, in der die sonst reichlich vorhandenen Dünen zu fehlen scheinen und immer wieder durchkreuzen Bergketten das Gebiet.
"Über die Natur des mysteriösen, hellen Landes konnten wir nur spekulieren. Sowohl für erdgebundene als auch für Weltraumteleskope ist die Entfernung viel zu gewaltig, um Details zu erkennen. Aber jetzt, dank Cassinis starker Radaraugen, ersetzen wir die Spekulationen durch Tatsachen“, sagte D. Jonathan Lunine von der Universität von Arizona. „Überraschenderweise hat diese kalte, weit entfernte Region geologische Eigenschaften, die denen der Erde bemerkenswert ähnlich sind.“
Titan ist ein durch den ihn umgebenden Kohlenwasserstoffnebel in Zwielicht gehüllter Ort. Cassinis Radarinstrument blickt durch den Dunstschleier hindurch, indem es Radiosignale zur reflektierenden Oberfläche sendet und deren Dauer bis zur Rückkehr misst. Auf den Radarbildern weisen helle Regionen auf unebenes oder streuendes Material hin, wohingegen dunkle Gebiete auf flacheres oder absorbierendes Material deuten..., Flüssigkeiten möglicherweise.
Xanadu wurde 1994 durch das Hubble-Weltraumteleskop der NASA entdeckt, als es im infraroten Bereich einen hellen Fleck entdeckte. Als Cassini am 30. April 2006 Xanadu mit seinem Radar betrachtete, entdeckte man eine Oberfläche, die von Wind, Regen und der Bewegung von Flüssigkeiten verändert wurde. Bei den auf Titan herrschenden Temperaturen kann es sich bei der Flüssigkeit nicht um Wasser handeln. Man ist sich beinahe sicher, dass es sich hierbei entweder um Methan oder Ethan handelt.
„Obwohl Titan weit weniger Sonnenlicht erhält und erheblich kleiner und auch kälter als die Erde ist, ist Xanadu nicht mehr nur ein heller Fleck, sondern ein Land, in dem Flüsse zu einem sonnenlosen Meer fließen“, meint Lunine. Beobachtungen durch die Huygens-Sonde, die von Cassini zum Saturn mitgenommen wurde, und durch die NASA-Sonde Voyager weisen stark darauf hin, dass Methanregen und Kohlenwasserstoffpartikel von dunkeloranger Färbung als Ruß vom düsteren Mondhimmel fallen.
Auf Xanadu könnte Methan als Regen herabfallen oder aus Quellen sickern. Methanflüsse könnten die Rinnen gestalten und Körnchen des Oberflächenmaterials mitreißen, die andernorts auf Titan zu Sanddünen wachsen.
„Das Land ist schwer gezeichnet, verschachtelt und von Hügeln und Bergen übersät“, erläutert Steve Wall vom Jet Propulsion Laboratory. „Es scheint sich um das einzige große Gebiet zu handeln, das nicht von organischem Schmutz bedeckt ist. Xanadu wurde reingewaschen. Was jetzt zutage tritt, sieht aus wie sehr poröses Wassereis, das möglicherweise von Höhlen durchzogen ist."
In den 80er Jahren entdeckte man mit Hilfe des Shuttle-Radars unterirdische Flüsse in der Sahara – hätten wir das Cassini-Radar nicht, hätten wir all das verpasst. Wir haben einen neu entdeckten Kontinent zu erforschen“, meint Wall.
Am heutigen Samstag, dem 22. Juli 2006 wird Cassini die hohen nördlichen Breitengrade erforschen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird der Orbiter Titan 29 Besuche abstatten, beinahe zwei mal so viel wie in der ersten Hälfte der für vier Jahre angesetzten Primärmission. Bei zwölf der geplanten Vorbeiflüge wird das Radar eingesetzt.
Eine beeindruckende Animation zur Erläuterung der Entdeckungen finden Sie auf der Internetseite der NASA
(Eric Honstraß - Quelle: NASA)


» Im Zentrum der Milchstraße
22. Juli 2006 - Das Chandra-Röntgenteleskop hat eine Aufnahme vom Zentrum der Milchstraße gemacht. Auf dem Bild sind drei große Sternenhaufen rund um das große Schwarze Loch in der Mitte der Milchstraße zu sehen. Die Auswertung des Bildes steht nun an.
Das Zentrum der Milchstraße ist ein sehr ereignisreicher, reaktionsfreudiger Ort, wenn man von dem aktuellsten Bild vom NASA-Chandra-X-ray-Obseratorium ausgeht. Zusammen mit dem supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum, ist dieses Gebiet eines, wo alle möglichen Sorten von kosmischen Objekten, die dort einander extrem beeinflussen, auftreten.
Das neu aufgenommene Röntgenbild zeigt drei massive Sternenhaufen, die „Arches“ (oberes Zentrum), die „Quintuplet" (oben rechts) und den GC-Sernenhaufen (unteres Zentrum), welcher sich sehr nahe an dem Schwarzen Loch Sagittarius A befindet. Die massereicheren Sterne in diesen Ansammlungen können gleichzeitig sehr helle, auf entsprechenden Bildern punktartige Röntgenstrahlenquellen sein, wenn Winde ihre Oberflächen aufwirbeln und diese Winde dann auf andere Planeten treffen. Viele Sterne in den Ansammlungen werden auch gewaltige Energiemengen am Ende ihres Lebens ausstoßen, wenn sie in Form einer Supernova explodieren. Diese Explosion hat zur Folge, dass das umherschwebende Material zwischen den Sternen stark erhitzt wird. Aber die Sterne nahe des Galaktischen Zentrums können auch Röntgenstrahlen genauso wie Sternenleichen ausstoßen – entweder in Form eines Neutronensterns oder eines Schwarzes Loches in einem binären System –, die auf der Chandra Aufnahme als punktartige Lichtquellen zu erkennen sind.
Während jeder einzelne Stern in diesen Anhäufungen sein eigenes hektisches Leben führt, sind die eigentlichen Sternhaufen genauso mit dem Reagieren und Wechselwirken mit anderen kosmischen Objekten und Erscheinungen im Galaktischen Zentrum beschäftigt. Zum Beispiel bewegen sich die Sternhaufen langsam in kühlere, dichte Molekülwolken hinein. Die daruffolgenden kraftvollen Zusammenstöße zwischen Molekülwolken und den Sternenhaufen ergeben wahrscheinlich eine höhere Anzahl an massiven Sternen als leichten. Deshalb wird es im Zentrum der Milchstraße zeitweise etwas ruhiger zugehen. Die Zusammenstöße erklären vielleicht auch die diffusen Röntgenstrahlenemissionen, die auf der Chandra-Aufnahme zu finden sind.
Mehrere Jahre, nämlich mehr als 2 Millionen Sekunden, wurden investiert, um das Zentrum der Milchstrasse mit Chandra zu beobachten. Das letzte Bild repräsentiert mehr als 1 Million Sekunden der Zeit, die genutzt wurde, um das Zentrum zu beobachten und zeigt einen rechteckigen Raumausschnitt von 168 mal 130 Lichtjahren.
(Felix Herrmann - Quelle: Chandra News Release)


» Falcon-1-Fehlstart endgültig aufgeklärt
21. Juli 2006 - Der Fehlstart der komplett privat finanzierten Rakete "Falcon 1" von SpaceX am 24. März diesen Jahres ist auf das Versagen eines 5-Dollar-Teils zurückzuführen.
In ersten Äußerungen nur Tage nach dem Fehlstart hatte SpaceX-Chairman Elon Musk noch erläutert, dass einer der erfahrensten Techniker des Unternehmens einen bedauerlichen Fehler gemacht habe, indem er am Tag vor dem Start vergessen habe, einen abgezogenen Treibstoffstutzen wieder zu befestigen.
Der Untersuchungsausschuss der DARPA, die diesen ersten Start einer Falcon 1 gekauft hatte, gab nach eingehenden Untersuchungen der Raketentrümmer aber am 18. Juli bekannt, dass der Sicherungsdraht einer Befestigungsmutter des Stutzens noch an Ort und Stelle gewesen sei. Statt dessen sei die Mutter selbst gebrochen, und zwar aufgrund eines Spannungskorrosionsrisses im Metallgefüge. Dadurch sei es beim Start zu einem Treibstoffleck gekommen, zum Brand und letztlich zum Abschalten des Triebwerks und damit zum Absturz der Rakete.
Es war nun also doch technisches Versagen. Elon Musk sagte: "Das ist unglaubliches Pech. 18 Stunden vor dem Start wurde der Stutzen zuletzt inspiziert und da war die Mutter noch intakt."
Warum die Mutter versagte, ist dennoch einigermaßen rätselhaft. Es handelte sich um eine Aluminiummutter im Wert von 5 Dollar, die als Schutz gegen Korrosion anodisiert gewesen sei. Musk sagte, man könne natürlich nicht ausschließen, dass die Beschichtung einen Kratzer erhalten habe. Die Rakete habe vor dem Start mehrere Monate auf dem Kwajalein-Atoll in einem einfachen Hangar stehen müssen, und das heiße, feuchte Klima von Kwajalein ist für seine aggressive Korrosivität bekannt (SpaceX ist ja überhaupt nur vom ursprünglich vorgesehenen Falcon-1-Startplatz Vandenberg nach Kwajalein ausgewichen, weil es Probleme mit der US-Armee gab, die den Stützpunkt Vandenberg betreibt). Ein weiterer möglicher Einfluss sei galvanische Korrosion zwischen der Aluminiummutter und dem Stutzen selbst, der aus rostfreiem Stahl besteht.
Um das Problem in Zukunft zu vermeiden, will SpaceX beim nächsten Start im November eine Mutter aus rostfreiem Stahl verwenden. Die Maßnahme trägt auch zur Kostensenkung bei, da die Stahlmutter billiger ist als die Aluminiummutter.
Frühere Meldungen zum Thema:

Falcon-1-Fehlstart war menschliches Versagen

Falcon-1-Jungfernflug fehlgeschlagen

(Axel Orth - Quelle: Space.com)


» MetOp-A-Start auf unbestimmte Zeit verschoben
17. Juli 2006 - Nach drei vorzeitig abgebrochenen Startversuchen an drei aufeinander folgenden Tagen ist der Start des europäischen Wettersatelliten MetOp-A zunächst auf einen noch zu bestimmenden neuen Termin verschoben worden.
UPDATE Do, 12:45 Uhr:
Der dritte und bisher letzte Startversuch am gestrigen Donnerstag endete 02:19 Minuten vor dem für 18:28 Uhr (MESZ) angesetzten Starttermin aufgrund eines Problems im Bodensegment des Sojus-Startsystems. Als Konsequenz aus dieser Folge abgebrochener Startversuche wird die Trägerrakete mit MetOp-A als an der Raketenspitze montierter Nutzlast zunächst einmal zurück in das so genannte Integrationsgebäude gefahren. Erst nach gründlicher Untersuchung des gesamten Startsystems in Baikonur wird es einen neuen Startversuch geben - einen Termin hierfür kann aufgrund der ungewissen Dauer der Untersuchung derzeit noch nicht genannt werden.
Sobald Informationen über einen neuen Startversuch bekannt sind, werden wir Sie an dieser Stelle natürlich zeitnah darüber auf dem Laufenden halten.
UPDATE Mi, 18:35 Uhr:
Dieses Mal stoppte der Countdown erst gut zwei Minuten vor dem geplanten Starttermin um 18:28 Uhr (MESZ). Die Ursache für den Startabbruch ist noch nicht bekannt. Sobald nähere Informationen veröffentlicht sind werden wir sie an dieser Stelle widergeben.
UPDATE Mi, 14:15 Uhr:
Der Testlauf des Startvorgangs am heutigen Vormittag verlief ESA-Angaben zufolge erfolgreich. Die Erfahrung der letzten beiden Tage zeigt zwar, dass dies keineswegs einen reibungslosen Start garantiert, doch ist die erfolgreiche Absolvierung dieses Testlaufs zwingende Voraussetzung für einen Start - diese Hürde immerhin ist nun genommen. Im Moment stehen alle Systeme also weiterhin auf "Grün", und die Startvorbereitungen verlaufen bisher nach Plan.
UPDATE Mi, 10:00 Uhr:
Nachdem am gestrigen Dienstag der Countdown dreieinhalb Stunden vor dem veranschlagten Starttermin wegen eines unzulässigen Parameterwertes abgebrochen worden ist, soll heute zur gleichen Uhrzeit wie an den beiden Tagen zuvor der dritte Versuch unternommen werden, MetOp-A in die Erdumlaufbahn zu transportieren. Derzeit stehen alle Systeme auf "Grün", und auch das in Baikonur sowieso vergleichsweise startfreundliche Wetter präsentiert sich wieder einmal von seiner guten Seite - vielleicht klappt es also heute im dritten Anlauf endlich mit dem Start des europäischen High-Tech-Satelliten.
Nach Auskunft der ESA soll heute vormittag erneut eine Startsimulation durchlaufen werden, an deren Ende um 12:00 Uhr (MESZ) im positiven Fall die Freigabe für die planmäßige Fortführung des Countdowns steht. Gestern wurde der Start nicht durch eine defekte Komponente verhindert - wie zunächst gemeldet wurde -, sondern durch eine fehlerhafte Test-Software der Sojus/ST-Trägerrakete. Während des Auftankens meldete sie mehrere Parameter, deren Werte außerhalb des erlaubten Bereichs liegen, und unterbrach daraufhin automatisch den Countdown. Letztendlich handelte es sich dabei aber um einen falschen Alarm, da die erlaubten Parameterwerte in der Test-Software nur für eine komplett leere sowie eine komplett betankte Sojus vorhanden waren - während des Tankvorgangs erreichten verschiedene Parameter jedoch andere Werte, was die Prüfsoftware zum Abbrechen des Countdowns veranlasste. Glücklicherweise handelte es sich also um einen Softwarefehler, der nur vergleichsweise moderate Folgen für die MetOp-A-Mission hatte.
UPDATE Di, 18:15 Uhr:
Auch der zweite Startversuch am heutigen Abend musste wegen technischer Probleme abgesagt werden. Laut Starsem ist an einem Teil der Sojus-Trägerrakete eine Anomalie aufgetreten, die näher untersucht werden müsse. Genauere Angaben über das aufgetretene Problem wurden nicht gemacht. Ein neuer Starttermin soll in einigen Stunden bekanntgegeben werden.
UPDATE Di, 14:45 Uhr:
Vor wenigen Minuten ist der neue Starttermin 18:28 Uhr (MESZ) am heutigen Abend von Starsem bestätigt worden. Damit kann der Countdown planmäßig fortgesetzt werden, und wenn nicht erneut technische Probleme auftreten, wird MetOp-A im zweiten Anlauf heute abend seine Umlaufbahn erreichen.
Die Startvorbereitungen waren gestern bereits weit fortgeschritten, noch rund eine halbe Stunde vor dem geplanten Starttermin vermeldete die Homepage des Satellitenbetreibers EUMETSAT einen planmäßigen Verlauf des Countdowns. Doch dann wurde zunächst eine Startverzögerung gemeldet, bis einige Zeit später der erste Startversuch abgesagt wurde.
Als Ursache für den Abbruch des Countdowns am gestrigen Montag wurde ein fehlerhafter Parameter in einem Testverfahren genannt, der zu einer Fehlermeldung und damit letztendlich zum Abbruch des ersten Startversuchs von MetOp-A führte. Nach Angaben der ESA ist der Fehler mittlerweile korrigiert. Um 10:30 Uhr (MESZ) wurde ein simulierter Start unter Einbeziehung des gesamten Startsystems durchgeführt, danach sollte der reguläre Countdown wieder aufgenommen werden. Um 15:00 Uhr (MESZ) soll nach Angaben von EUMETSAT endgültig über die Durchführung des zweiten Startversuchs am heutigen Tage entschieden werden. Bis dahin laufen die Startvorbereitungen nach Plan weiter, und auch das Wetter würde einen Start am heutigen Abend nicht verhindern.
Wir werden Sie auf Raumfahrer.net natürlich zeitnah über den Erfolg des heutigen zweiten Startversuchs der MetOp-A-Mission informieren.
(Michael Stein - Quelle: ESA)


» Discovery ist gelandet!
17. Juli 2006 - Das Space Shuttle Discovery ist nach mehr als 12 Tagen heil von seiner Mission STS-121 zurückgekehrt. Die Entscheidung zur Landung im Kennedy Space Center stand wegen grenzwertiger Wetterbedingungen auf Messers Schneide.
Um exakt 15:14 Uhr (MESZ) setzte die Discovery auf der Landebahn 15 ihrer angestammten Heimatbasis, dem "Kennedy Space Center" (KSC) auf. Wie bei Shuttle-Landungen üblich flog Commander Steve Lindsey die Raumfähre erst auf den letzten Kilometern des Anflugs eigenhändig. "Es war eine großartige Mission, eine wirklich großartige Mission", sagte er zum Abschluss. "Der Wiedereintritt und die Landung haben Spaß gemacht."
Von kleinen Schwierigkeiten abgesehen, gab es dabei keine technischen Probleme. Auch das hydraulische Hilfsaggregat APU 1, an dem in den letzten Tagen ein winziges Leck festgestellt worden war und das daher testweise schon früher als sonst in Betrieb genommen worden war, arbeitete normal. Das Leck befindet sich offenbar wie erhofft nur im Stickstoff-Druckmittelkreislauf und nicht im Kreislauf des wesentlich gefährlicheren Treibstoffs Hydrazin - andernfalls wäre die APU 1 vor der Landung abgeschaltet worden.
Wesentlich größere Probleme hatte die NASA mit dem Wetter. Schon am Morgen hatten dunkle Wolken über dem KSC-Gelände gehangen. Als ein Pilot, der wie üblich im Shuttle-Trainingsflugzeug schon vorher entlang der Landestrecke Patrouille flog, aber dennoch grünes Licht für die Landung gab, entschied man sich, die Bremstriebwerke des Shuttles zu zünden und damit unwiderruflich die Landung einzuleiten. Später, schon während des Landeanflugs, bildeten sich dann Regenwolken in der Anflugschneise der ursprünglich vorgesehenen Landebahn 33, so dass die Discovery nur eine Viertelstunde vor dem Aufsetzen noch auf die günstiger gelegene Landebahn 15 umdirigiert wurde.

(Axel Orth - Quelle: Spaceflight Now)


» Venus Express: Fleißig, fleißig
16. Juli 2006 - Am 4. Juli erklärte die ESA die Inbetriebnahmephase von "Venus Express" für beendet. Die Raumsonde ist damit betriebsbereit. Doch auch vor dieser offiziellen Freigabe hat die Sonde schon fleißig Daten gesammelt.
Die Raumsonde und die meisten ihrer Instrumente befinden sich in gutem Zustand und funktionieren normal. Eines der Instrumente, das Planetary Fourier Spectrometer (PFS), zeigt allerdings eine Fehlfunktion, die bisher trotz aller Versuche nicht behoben werden konnte: Der Spiegel des Instruments ist in geschlossener Position mechanisch blockiert, so dass das Instrument zwar an sich funktioniert, aber dennoch nichts sieht.
In den nächsten Monaten sollen weitere Versuche unternommen werden, den Spiegel frei zu bekommen. Außerdem werden unabhängige Untersuchungen angestellt, wie es überhaupt zu der Blockierung kommen konnte. In der Zwischenzeit können andere Instrumente an Bord hoffentlich die Aufgaben des PFS mit übernehmen. Das PFS soll die chemische Zusammensetzung und Temperatur der Venus-Atmosphäre untersuchen sowie die Temperatur der Venusoberfläche messen und so nach Anzeichen vulkanischer Aktivität suchen.
Erste wissenschaftliche Ergebnisse
Schon seit Erreichen ihres endgültigen 24-Stunden-Orbits um die Venus - also lange vor der jetzt offiziell verkündeten Betriebsbereitschaft - sammelt Venus Express unermüdlich Daten. Die ersten spektakulären Bilder des doppeläugigen Wirbels am Venus-Südpol waren bereits ein "Erstmals" in der Geschichte der Planetenforschung und eine sehr angenehme Überraschung für die Wissenschaftler, da niemand erwartet hatte, dass der Wirbel, obzwar schon bekannt, eine derart komplexe Struktur hat.
Infrarot-Bilder, die mit dem Ultraviolet/Visible/Near-Infrared spectrometer (VIRTIS) der Sonde aufgenommen wurden, hatten Ende Mai die ersten klaren Ansichten des Wirbels gezeigt. VIRTIS kann in verschiedenen Wellenlängen abbilden. Jede Infrarot-Wellenlänge zeigt die Venusatmosphäre in einer anderen Höhe, also jeweils eine andere Schicht der Atmosphäre. Und der Wirbel präsentiert sich von Schicht zu Schicht unterschiedlich: "Als wir uns diesen gigantischen Wirbel in verschiedenen Höhen ansahen, realisierten wir erst, wie sehr seine Form über die Höhe variiert", sagte Pierre Drossart, Co-Forschungsleiter des Instruments. "Es ist, als ob wir auf verschiedene Strukturen schauen würden, statt auf eine einzige."
Warum sich die Form des Südpolwirbels über die Höhe so stark ändert, ist bisher noch ungeklärt. "Dieses Rätsel zu lösen, ist genau der Grund, warum wir eine eigene Beobachtungskampagne nur für den Wirbel organisieren wollen", sagte Giuseppe Piccioni, ebenfalls VIRTIS-Co-Forschungsleiter. "Erst wollen wir die Form des Wirbels verstehen, indem wir mit VIRTIS sein dreidimensionales Bild ermitteln. Dann hoffen wir, die treibenden Kräfte besser zu verstehen, die ihn formen."
Wolken und Winde
In den ersten Wochen zeichnen sich bereits viele andere Details der dicken Atmosphäre ab. Sowohl die Venus Monitoring Camera (VMC) als auch VIRTIS begannen damit, das Wolkensystem und seine komplexe Dynamik zu beobachten, während die Spektrometer SpicaV/SOIR Untersuchungen über Chemie und Temperatur der Atmosphäre zu sammeln begannen.
Ultraviolett-Bilder der VMC zeigen die komplexe Form der Wolkendecke, charakterisiert durch sehr dünne, zarte Streifen. Möglicherweise sind dafür starke Winde verantwortlich, die oft solche länglichen Strukturen produzieren. Periodische Wellenmuster in den Wolken wurden ebenfalls gesichtet und könnten ein Hinweis auf lokale Variationen von Druck und Temperatur sein, oder aber eine Form von Gezeitenkäften.
Eine der wichtigsten Bestätigungen früherer Entdeckungen aus den ersten analysierten Datensätzen ist die Beobachtung der so genannten "UV-Absorber": Ultraviolette Markierungen auf der Wolkendecke, als dunklere Strukturen sichtbar in den VMC-Bildern. Sie werden so genannt, weil sie fast die Hälfte des einstrahlenden Sonnenlichts absorbieren. Die mysteriöse Substanz, die dafür verantwortlich ist, stellt ein weiteres Rätsel für die Wissenschaftler dar.
"Die Entstehung dieser Markierungen und ihre enorm starke Absorptionsleistung zu verstehen, ist eines der Hauptziele von Venus Express", sagte Wojciech J. Markiewicz, der VMC-Forschungsleiter vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Lindau am Bodensee. "Wir haben jetzt die Bestätigung, dass wir sie tatsächlich mit unserem Instrument sehen können - somit können wir jetzt mit der Arbeit beginnen, ihre Quelle zu enträtseln."
Die Venus Express-Wissenschaftler haben bereits damit begonnnen, die Bewegungen der Wolken zu verfolgen und Windgeschwindigkeiten zu analysieren. Eine spektakuläre Nachtansicht der mittleren bis niedrigen Wolkenschichten über niedrigen Breitengraden von VIRTIS zeigt Wolken, die eindeutig von Winden angetrieben werden.
"Wir können jetzt eine erste qualitative Abschätzung der Windfelder und der Zirkulation geben, in guter Übereinstimmung mit früheren Messungen der Galileo-Mission am Jupiternordpol", sagte Giuseppe Piccioni. "Wir sammeln auch bereits die ersten Informationen über die weniger häufigen chemischen Bestandteile der Atmosphäre, wie etwa Kohlenmonoxid", fügte Pierre Drossart hinzu. "Mit VIRTIS können wir tiefer in die Atmosphäre der südlichen Hemisphäre blicken als bei jeder früheren Mission. Die Variation der weniger häufigen Bestandteile über verschiedene Tiefen und Breitengrade ist ebenfalls eine sehr nützliche Informationsquelle für die globale Bewegung der Atmosphäre."
(Axel Orth - Quelle: ESA/Space.com)



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Mars Aktuell: Routine an kalten Tagen von Michael Stein

Die beiden Mars-Rover führen ohne besondere Vorkommnisse ihre Forschungsmission auf dem Roten Planeten durch, und auch im Mars-Orbit herrscht derzeit Routinebetrieb.

Wie bereits letzte Woche erwähnt soll ein neues Software-Update die Fähigkeiten der beiden amerikanischen Mars-Rover in einigen Punkten erweitern. Bei Spirit ist das Update mittlerweile komplett in den Bordrechner des Rovers überspielt worden - ein Vorgang, der in vielen Etappen vor sich ging -, und seit gestern werden die insgesamt 200 Teile des Software-Updates im Speicher des Rovers zusammengesetzt und getestet, bevor danach die neue Software endgültig im Bordrechner installiert wird. Daneben nimmt der Rover weiterhin Segmente des geplanten "McMurdo"-Panoramas auf und untersucht einzelne Objekte in seiner Reichweite mit den wissenschaftlichen Instrumenten. Anders als in diesen heißen Tagen und Wochen in Mitteleuropa sind die Temperaturen im Gusev-Krater nicht eben hoch zu nennen, nähert sich dort mit großen Schritten doch die Wintersonnenwende. Am 8. August ist für Spirits Standort der kürzeste Sol des 687 Erdentage langen Marsjahres gekommen, doch schon seit Wochen sinken Sonnenscheindauer und Temperaturniveau gleichermaßen. Mittlerweile legt der Rover jeden zweiten Sol eine Ruhepause ein, die einzig dem Wiederaufladen der Akkumulatoren dient - anders wäre bei der momentan extrem geringen Energieproduktion der Solarzellen des Rovers selbst das bescheidene Beobachtungsprogramm dieser Tage nicht realisierbar.

Auch Opportunity ist - wenngleich in geringerem Maße als Spirit - von jahreszeitlich bedingten Einschränkungen bei der Energieversorgung betroffen. So nutzt der Rover nächtliche Überflüge des Orbiters 2001 Mars Odyssey anders als in der Vergangenheit nur noch selten dazu, Daten zu dieser Raumsonde zu übermitteln, die sie dann ihrerseits zur Erde weiterleitet. Ursache hierfür ist der Umstand, dass der Rover in den kalten marsianischen Nächten häufig in einen so genannten "Deep Sleep"-Modus versetzt wird, um Energie für die Fahrt Richtung Viktoria-Krater am Tage zu sparen. Das hat zur Folge, dass Aufnahmen des Rovers teilweise erst mit einigen Wochen Verspätung zur Erde gelangen.

Während Spirit auch die kommenden Wochen unbeweglich am derzeitigen Standort im Gusev-Krater verharren wird ist Opportunity weiter auf dem Weg zum jetzt nur noch rund 500 Meter entfernten Viktoria-Krater. Wahrscheinlich wird der Rover dort mehrere Monate mit eingehenden Untersuchungen verbringen, denn aufgrund der schieren Größe dieses Kraters - er durchmisst mehrere hundert Meter - hoffen die Wissenschaftler dort Material untersuchen zu können, das beim Einschlag seinerzeit in relativ großen Tiefen freigelegt worden ist. Möglicherweise wird der Viktoria-Krater auch das letzte große Ziel von Opportunity sein, denn dieser Krater ist in alle Richtungen von kilometerweiten Dünenlandschaften umgeben. Alle möglichen interessanten Beobachtungsziele sind dementsprechend weit vom Viktoria-Krater entfernt - es ist sehr ungewiss, ob der Rover nach Abschluss der Untersuchungen im und um den Krater herum in der Lage sein wird, noch mehrere Kilometer zurückzulegen.


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ISS Weekly Report: Nächster deutscher Weltraumfahrer im nächsten Jahr von Michael Schumacher

Nachdem der Space Shuttle Discovery diese Woche wieder zur Erde zurückgekehrt war, widmete sich die nunmehr wieder drei Mann starke Expedition Crew 13 der International Space Station der Vorbereitung der nächsten Extravehicular Activity.

Der Space Shuttle Discovery kehrte am 17.07.2006 mit Commander (CDR) Steven Lindsey, Pilot (PLT) Mark Kelly, Mission Specialist (MS) Mike Fossum, MS Lisa Nowak, MS Stephanie Wilson und MS Piers Sellers zum Kennedy Space Center (KSC) zurück. Nachdem um 07:07 Uhr Eastern Standard Time (EST) die Triebwerke zum Verlassen der Erdumlaufbahn für drei Minuten gezündet wurden, setzte der Space Shuttle Discovery um 08:15 Uhr EST auf Bahn 15 der Shuttle Landing Facility (SLF) auf. Die zweite Space Shuttle-Mission nach dem Absturz des Space Shuttle Columbia, Space Transportation System 121 (STS-121), dauerte 12 Tage, 18 Stunden und 38 Minuten und ebnete den Weg für die nächste Space Shuttle-Mission, STS-115 des Space Shuttle Atlantis, die mit dem Start am 28.08.2006 den Weiterbau der International Space Station (ISS) aufnehmen wird.

Am 20.07.2006 verkündete die National Aeronautics and Space Administration (NASA) die Besatzung der Space Shuttle-Mission STS-122, die am 27. September 2007 mit der Columbus Orbital Facility (COF) der European Space Agency (ESA) zur ISS starten wird. Die Besatzung der Space Shuttle-Mission STS-122 besteht aus CDR Steven Frick, PLT Alan Poindexter, MS Rex Walheim, MS Stanley Love, MS Leland Melvin und MS Hans Schlegel. Während Poindexter, Love und Melvin ihre erste Weltraummission unternehmen werden, haben Frick, Walheim und der deutsche Weltraumfahrer der ESA Schlegel jeweils eine Weltraummission abgeschlossen. Frick und Walheim waren vom 08. April 2002 bis zum 19. April 2002 PLT beziehungsweise MS der Space Shuttle-Mission STS-110 und verbrachten 10 Tage, 19 Stunden und 43 Minuten im Weltraum. Schlegel war Payload Specialist (PS) der Space Shuttle-Mission STS-55, der zweiten deutschen Spacelab-Mission vom 26. April 1993 bis zum 06. Mai 1993 und war 9 Tage, 23 Stunden und 40 Minuten im Weltraum.

Während Schlegel noch mindestens 14 Monate bis zum Start in den Weltraum warten muss, arbeitet zurzeit ein weiterer Deutscher als Flight Engineer (FE) der Expedition Crew 13 (EC-13) auf der ISS, der während der Space Shuttle-Mission STS-121 in den Weltraum gebracht wurde. Damit ist zum ersten Mal seit der Rückreise der EC-6 am 03.05.2003 die Besatzung der ISS wieder drei Mann stark. Zusammen mit dem CDR der EC-13, Pawel Winogradow und dem FE und NASA ISS Science Officer (SO) der EC-13, Jeffrey Williams aktivierte Thomas Reiter den Minus Eighty Laboratory Freezer for International Space Station (MELFI), der es nun ermöglicht, Experimentproben auf der ISS zu lagern, bis sie zur Auswertung zur Erde zurückgebracht werden. Außerdem wurden zusätzliche Geräte zur Lärmdämmung installiert und das neue System zur Generierung von Sauerstoff überprüft, das im nächsten Jahr aktiviert wird und dann das bisherige System zur Generierung von Sauerstoff Elektron verstärken wird, um später eine sechs Mann starke Besatzung auf der ISS versorgen zu können.

Außerdem begannen die Vorbereitungen für die nächste Extravehicular Activity (EVA) der EC-13, die am 03.08.2006 ausgeführt wird. Williams und Reiter werden diese EVA in Extravehicular Mobility Units (EMUs) ausführen, um Experimente außen an der ISS anzubringen und um die Integrated Truss Structure (ITS) für zukünftige Ergänzungselemente vorzubereiten. Die Vorbereitungsaufgaben für die EVA umfassten diese Woche das Säubern der Kühlwasserkreisläufe im Joint Airlock Module (JAM) Quest und in den EMUs sowie das Konfigurieren der Luftschleusensysteme selbst und der Werkzeuge. Außerdem wurden die Verfahrensweisen zum Bewegen des Space Station Remote Manipulator System (SSRMS) Canadarm 2 besprochen.


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"In Space" Magazin #243
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
23. Juli 2006
Auflage: 4121 Exemplare


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