InSpace Magazin #337 vom 19. Mai 2008

In Space Magazin
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"In Space" Magazin

Ausgabe #337
ISSN 1684-7407


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Updates / Umfrage

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

nach 4 Jahren ist es endlich mal wieder so weit: Nächsten Sonntag versucht eine Raumsonde von der Erde eine Landung auf dem Mars! Einschwenkungen von Satelliten in einen Orbit, wie vor 2 Jahren der MRO um den Mars, sind ja gut und schön, aber Landungen spielen doch in einer ganz anderen Liga, was den Herzkasper-Faktor angeht. Noch dazu auf dem Mars, wo gerade die Amerikaner vor noch gar nicht so vielen Jahren einige herbe Enttäuschungen einstecken mussten. Drücken wir dem Phoenix-Team die Daumen, dass ihre Raumsonde die Landung schafft und die nachfolgende, bis zu 10 Monaten lange Mission die erhofften interessanten Ergebnisse aus der Polarregion des Mars´ bringt.

Viel Vergnügen beim Lesen dieses "Inspace"-Magazins wünscht Ihnen
Axel Orth
Stellv. Chefredakteur

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Updates / Umfrage

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News

• CASSINI - 43. Titan Flyby abgeschlossen «mehr» «online»
• EUROPA - Polwanderung deutet auf Wasserozean «mehr» «online»
• AMC 14 bewegt sich wieder «mehr» «online»
• Progress-M 64 gestartet & angedockt «mehr» «online»


» CASSINI - 43. Titan Flyby abgeschlossen
14.05.2008 - Die Raumsonde CASSINI hat ihren 43. Flyby an Saturns Mond Titan am 12. Mai 2008 abgeschlossen.
In einer Höhe von 1.000 km passierte die Raumssonde die nördliche Hemisphäre des Mondes während ihres 67. Orbits um Saturn. Vorbereitet wurde der Vorbeiflug mit zwei Manövern am 25. April und 8. Mai. Mit ihrem Radar hat CASSINI dabei eine Xanadu genannte Region beleuchtet, welche bisher nur teilweise erfasst worden war.

Am 28. Mai 2008 folgt noch ein weiterer Überflug der nördlichen Hemisphäre, womit CASSINI ihre ursprüngliche 4-Jahres-Mission abschließen wird. Anschließend beginnt die verlängerte "zweite Tour" des Saturnsystems.
(Autor: Daniel Schiller - Quelle: NASA)

» EUROPA - Polwanderung deutet auf Wasserozean
15.05.2008 - Unter der Eisdecke von Jupiters Mond Europa wird schon lange ein Ozean aus flüssigem Wasser vermutet. Die Auswertung der Bilddaten von Voyager, Galileo und New Horizons ergab ein weiteres Indiz für diese These. Gleichzeitig werden die Oberflächenformationen durch ein neues Modell erklärt.
Auf den Aufnahmen der Mondoberfläche wurden zwei kreisförmige, 2.500 km durchmessende Regionen entdeckt, in denen ausgeprägte Vertiefungen mit bis zu 40 km Breite, mehreren Hundert Kilometern Länge und 500 m Höhe auftreten. Die beiden Gebiete liegen sich auf Europa, abseits von Polachse und Äquatorlinie, genau gegenüber. Zur Erklärung wurden Modelle mit starken Verformungen durch Gezeitenkräfte und nicht-synchroner Rotation des Eispanzers vorgeschlagen, mit denen bisher andere Eigenschaften von Europas Oberfläche erklärt werden konnten. Trotzdem war es so nicht möglich, die kreisförmigen Regionen zu erklären.

Als weiteres Modell wurde schon 1989 eine Theorie der Polwanderung (TPW, True Polar Wander, wahre polare Verschiebung) zur Erklärung vorgeschlagen. Dabei rotiert der Felskern des Mondes stabil und stetig, während der geschlossene Eispanzer davon entkoppelt rotiert und "kippen" kann. Voraussetzung für diese Entkopplung ist ein Ozean aus flüssigem Wasser, auf dem der Eispanzer schwimmt. Die Änderung der Rotation des Eises kann durch lolake Änderungen der Eisdicke angeregt werden.

Die Verifikation dieses Modells beanspruchte einen langen Zeitraum, da eine möglichst globale Kartierung der Oberfläche notwendig war. Erst mit der Galileo-Mission war dies möglich, obwohl durch technische Probleme eine vollständige Kartierung nicht durchgeführt werden konnte. Außerdem konnten auf dem vorhandenen Bildmaterial nicht alle Vertiefungen entdeckt werden, da diese sich nur während des lokalen Sonnenauf- und Sonnenuntergangs durch ihre Schatten verraten.

Aus mehreren simulierten Szenarien ergab ein Kippen der Rotationsachse des Eispanzers um 80° die beste Übereinstimmung mit den Beobachtungen. Gleichzeitig konnte bei anderen globalen Oberflächenformationen des Mondes eine Symmetrie zu diesen beiden Regionen festgestellt werden. Die Bildung dieser Merkmale kann durch das neue Modell eventuell auch besser erklärt werden.

Durch diese neuen Indizien ergeben sich auch neue wissenschaftliche Ziele. Zum einen ist eine genauere Karte der Oberfläche von Interesse. Gleichzeitig ist die Mächtigkeit des Eispanzers weiterhin unbekannt. Schätzungen reichen von 6 km bis 20 km. Außerdem ist der Zeitpunkt des Kippens noch unbekannt. All dies kann nur durch neue Beobachtungen vor Ort aufgeklärt werden und ruft nach einer neuen Mission ins Jupitersystem.
(Autor: Daniel Schiller - Quelle: Lunar and Planetary Institute)

» AMC 14 bewegt sich wieder
15.05.2008 - In den letzten Tagen wurden erhebliche Bahnänderungen vorgenommen.
Damit ist der Satellit auf dem Weg in die geostationäre Bahn. Von seiner Anfangsbahn (Perigäum: 771 km, Apogäum: 26.449 km, Inklination: 49,204°) wurde bereits im März das Apogäum auf knapp 36.000 km angehoben. Dann ließ man verlauten, dass der Satellit aufgegeben werden soll, ein Versicherungsfall. In den letzten Tagen erfolgten nun aber überraschend drei Korrekturen.

Erste Korrektur im Mai:
Perigäum: 1.489 km
Apogäum: 35.580 km
Inklination: 44,296°

Zweite Korrektur im Mai:
Perigäum: 6.115 km
Apogäum: 35.594 km
Inklination: 30,068°

Dritte Korrektur im Mai:
Perigäum: 11.090 km
Apogäum: 35.589 km
Inklination: 23,584°

Bei weiteren Manövern werde ich die Daten hier ergänzen.

Vierte Korrektur im Mai:
Perigäum: 15.375 km
Apogäum: 35.588 km
Inklination: 20,241°

Fünfte Korrektur im Mai:
Perigäum: 16.859 km
Apogäum: 35.594 km
Inklination: 19,367°


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NORAD)

» Progress-M 64 gestartet & angedockt
15.05.2008 - Der Frachter bringt Versorgungsgüter, Treibstoff und ... Schnecken.
Progress-M 64 startete pünktlich um 22:23 Uhr MESZ mit einer Sojus-Trägerrakete vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan. An Bord befinden sich insgesamt etwa 2,3 t Fracht, darunter 420 kg Trinkwasser, 350 kg Treibstoff, Nahrungsmittel-Konserven, frisches Obst und Gemüse, Atemluft, Hygieneartikel, Verbrauchsmaterial, Ersatzteile, ein neuer Raumanzug, Post und Pakete sowie Material für weitere Experimente.

Dazu gehören auch georgische Schnecken, an denen Langzeituntersuchungen angestellt werden sollen. Im Rahmen des Experimentes Regeneratsija (Regeneration) wird untersucht, wie sich die Schnecken regenerieren, wenn Organe oder Gewebeteile beschädigt bzw. entfernt wurden. Dazu wurden beispielsweise Augenfühler oder das Körperende amputiert. Nach fünf Monaten im All sollen die Tiere mit Sojus-TMA 12 zur Erde zurückkehren. Regeneratsija ist eines von insgesamt 34 Experimenten, die während der 17. Langzeitexpedition im russischen Teil der ISS durchgeführt werden.

Progress-M 64 soll am Freitag abend an der Internationalen Raumstation ankoppeln. Da Sojus-TMA 12 noch an Pirs und ATV Jules Verne am Heck der Station angedockt sind, wird das 29. russische Transportraumschiff am ältesten Teil der Station, am Versorgungsmodul Sarja festmachen.

Update:
Progress-M 64 koppelte am 16. Mai, 23:40 Uhr MESZ planmäßig und problemlos an.
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Energia)


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ISS Weekly Report: Neuigkeiten bei Stammmannschaften von Michael Schumacher

Die Expedition Crew 17 bereitete auf der International Space Station die Ankupplung zweier Weltraumfahrzeuge vor, speziell die der Progress M-64, die am 14. Mai 2008 in den Weltraum aufbrach.

Am 12. Mai 2008 führte die Expedition Crew 17 (EC-17), zu der Commander (CDR) Sergej Wolkow, Flight Engineer (FE) Oleg Kononenko und FE Garrett Reisman zählen, Arbeiten und Überprüfungen mit dem Mobile Transporter (MT) durch, um die Betriebsbereitschaft für die Belieferung mit Elektrizität und Daten durch die Backupanlagen an 1 Arbeitsstelle der Integrated Truss Structure (ITS) Port 1 zu bestätigen. Außerdem wurden mehrere Geräte und Systeme auf der International Space Station (ISS) für die demnächst anstehende Space Shuttle-Mission Space Transportation System 124 (STS-124) überprüft. Für die Ankupplung des Japanese Experiment Module (JEM) Pressurized Module (PM) Kibo wurde 1 Kamerasystem am Backbord-Common Berthing Mechanism (CBM) des Kupplungsmoduls Nummer 2 Harmony durch Reisman installiert.

Derweil transferierten und installierten Wolkow und Kononenko am 13. Mai 2008 wieder mehrere Behälter für zusätzlichen Stauraum im Steuerungsmodul Sarja, die mit dem Automated Transfer Vehicle (ATV) zur ISS gebracht wurden. Im Servicemodul Swjesda rekapitulierten Wolkow und Kononenko die Arbeit mit dem manuellen System zum Ankuppeln der Progress-Weltraumfrachter. Anschließend wurde das System, das für die Ankupplung der Progress-Weltraumfrachter beim Ausfall des selbsttätigen Systems gebraucht wird, überprüft.

Am 14. Mai 2008 um 15:22 Uhr Eastern Standard Time (EST) startete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan mit der Progress M-64 der 29. Progress-Weltraumfrachter zur ISS. Die 2.112 kg schwere Fracht der Progress M-64 umfasst 1.293 kg an Materialien und Hardware, 420 kg an Wasser, 350 kg an Treibstoff, 29 kg an Sauerstoff und 20 kg an Atemluft. Auf der ISS war Reisman damit beschäftigt, das Buch für die Notfallverfahren zu aktualisieren. Außerdem schauten sich Wolkow, Kononenko und Reisman die Transferverfahren für die Space Shuttle-Mission STS-124 an.

Die Progress M-64 kuppelte am 16. Mai 2008 um 16:39 Uhr EST nach zwei Tagen Flug selbsttätig an das zur Erde gerichtete Kupplungsaggregat des Steuerungsmoduls Sarja an. Nach dem Aufmachen der Luke werden Wolkow, Kononenko und Reisman ab dem 17. Mai 2008 die Fracht der Progress M-64 zur ISS transferieren. Anschließend wird die EC-17 die Progress M-64 mit Abfällen und ausrangierten Materialien beladen. Schließlich wird die Progress M-64 abkuppeln und beim Rücksturz zur Erde auf die Erdatmosphäre aufprallen.

Am 13. Mai 2008 gab die National Aeronautics and Space Administration (NASA) die Namen zweier Mitglieder des 2. Parts der 20. Stammmannschaft zur ISS bekannt. Mit der Sojus TMA-01M werden FE und NASA ISS Science Officer (SO) Timothy Creamer und FE Soichi Noguchi, Weltraumfahrer der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA), zusammen mit 1 russischem Weltraumfahrer am 16. November 2009 zur ISS starten, um ½ Jahr im Weltraum zu arbeiten. Der 1. Part der 20. Stammmannschaft wird am 01. Oktober 2009 mit der Sojus TMA-16 zur ISS starten und später durch den 2. Part auf insgesamt 6 Weltraumfahrer verstärkt werden. Die vier verbleibenden Mitglieder der 20. Stammmannschaft werden später benannt werden. Während Creamer zum 1. Mal in den Weltraum fliegen wird, war Noguchi Mission Specialist (MS) der Space Shuttle-Mission STS-114 (26. Juli 2005 - 09. August 2005) und verbrachte dabei annähernd 14 Tage im Weltraum. Zur Backup-Mannschaft der benannten Weltraumfahrer zählen Douglas Wheelock für Creamer und Satoshi Furukawa für Noguchi. Während Furukawa nicht im Weltraum war, verbrachte Wheelock während der Space Shuttle-Mission STS-120 (23. Oktober 2007 - 07. November 2007) mehr wie 15 Tage im Weltraum.

Der Weltraumfahrer Salishan Scharipow läuft Gefahr, wie am 14. Mai 2008 gemeldet wurde, aus medizinischem Anlass aus der 18. Stammmannschaft zu fallen, die am 12. Oktober 2008 zur ISS starten wird. Zunächst pausiert er mit dem weiteren Training. Außerdem wird über die weitere Beteiligung amerikanischer Weltraumfahrer an den Stammmannschaften angesichts der Zuverlässigkeit der Sojus-Rettungsraumfahrzeuge, speziell der Sojus TMA-12, nach der ballistischen Rückkehr der Sojus TMA-11 debattiert. Erwägt wird die Rückkehr Reismans mit der Space Shuttle-Mission STS-124, während Gregory Chamitoff, der nächste amerikanische FE der EC-17 a) nicht mit der Space Shuttle-Mission STS-124 zur ISS starten würde bzw. b) zwar zur ISS starten würde, aber direkt wieder mit der Space Shuttle-Mission STS-124 zur Erde zurückkehren würde. Damit würden lediglich Wolkow und Kononenko auf der ISS zurückbleiben. Machbar wäre auch, die Space Shuttle-Mission STS-124 zu starten, nachdem die Zuverlässigkeit der Sojus-Rettungsraumfahrzeuge wieder etabliert wurde, um den Mannschaftstransfer wie geplant durchzuführen. Das weitere Vorgehen wird beim Flight Readiness Review (FRR) am 19. Mai 2008 debattiert werden.


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"In Space" Magazin #337
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
19. Mai 2008
Auflage: 4088 Exemplare


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