InSpace Magazin #346 vom 21. Juli 2008

In Space Magazin
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"In Space" Magazin

Ausgabe #346
ISSN 1684-7407


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Intro von Karl Urban

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

schon etwas länger vermissen einige von Ihnen ihn ziemlich: Den wöchentlichen Bericht von der Internationalen Raumstation, den ISS Weekly Report. In der Tat gab es diesen Bericht ausnahmslos und ohne Pause jede Woche seit dem Start dieses Magazin am 1. November 2001. Der Umstand seines Ausbleibens betrübt nicht nur Sie, sondern auch die Betreiber dieser Redaktion und wir sind auf der Suche nach Nachwuchs - bisher vergebens. Wir geben uns aber weiter jede erdenkliche Mühe und hoffe, den Bericht bald wieder in gewohnter Regelmäßigkeit anbieten zu können.

An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass Raumfahrer.net ein ehrenamtliches Projekt ist und keiner der Beteiligten für seine Arbeit entlohnt wird. Daher sind wir auf die Mithilfe anderer Raumfahrtbegeisterter und Astronomiefans angewiesen - also auch auf Ihre Mithilfe. Wir freuen uns über alle Zuschriften.

Derweilen wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen der heutigen Ausgabe.

Karl Urban
Chefredakteur Raumfahrer.net

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Updates / Umfrage

» Raumfahrtkalender
Aktuelle Ereignisse in der Raumfahrt in den nächsten Jahren

» TV-Guide
Fernsehsendungen zu Astronomie und Raumfahrt im neuen TV-Guide auf Raumfahrer.net

» Venus Express Sonderseite
Aktuelle Information über die ESA-Mission zur Venus finden Sie auf dieser Sonderseite.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

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News

• VENUS EXPRESS - Orbitmanöver «mehr» «online»
• SEA LAUNCH - EchoStar XI gestartet «mehr» «online»
• MARS EXPRESS - Rendezvous mit Phobos «mehr» «online»
• Zweithellster Stern in unserer Galaxis gefunden? «mehr» «online»


» VENUS EXPRESS - Orbitmanöver
15.07.2008 - Am 13. Juli 2008 begann der Orbiter eine Serie von Orbitmanövern, um seine Umlaufbahn um die Venus zu ändern. Auf der neuen Bahn sollen Bereiche beobachtet werden, welche von der Sonde bisher noch nicht erreicht wurden.
Für seine erste nominelle Missionsphase von Mai 2006 bis Sommer 2007 befand sich VENUS EXPRESS auf einem elliptischen, quasipolaren 24-stündigen Orbit. Während das Apozentrum konstant bei 66.000 km Orbithöhe lag, schwankte die Höhe des Perizentrums zwischen 250 und 400 km über der Planetenoberfläche. Diese Änderungen wurden v.a. durch Störungen der Sonnengravitation erzeugt und mussten regelmäßig durch Korrekturmanöver ausgeglichen werden. Momentan befindet sich die Sonde in ihrer verlängerten Mission, welche bis zum Mai 2009 andauern soll.

Am 13. Juli 2008 begann eine vierwöchige Serie von Manövern, welche das Perizentrum dauerhaft in den Bereich 180 - 300 km absenken werden. Jede Woche werden zwei kombinierte Manöver innerhalb eines Umlaufs durchgeführt. Am Perizentrum beschleunigt die Sonde, um das gegenüberliegende Apozentrum anzuheben. Beim Erreichen des neuen Apozentrums wird die Sonde dann abgebremst, um das Perizentrum abzusenken. Durch diese Kombination von Manövern soll die Umlaufzeit pro Orbit konstant gehalten werden. Nach jedem Manöver werden folgende Perizentrumshöhen erreicht:

  • Manöver 1
    • 13.07.08: 170 s Brenndauer, Anhebung Apozentrum
    • 14.07.08: 620 s Brenndauer, Absenkung Perizentrum
    • Perizentrumshöhe: 220 km

  • Manöver 2
    • 20.07.08: 7 s Brenndauer, Anhebung Apozentrum
    • 21.07.08: 195 s Brenndauer, Absenkung Perizentrum
    • Perizentrumshöhe: 200 km

  • Manöver 3
    • 27.07.08: 4 s Brenndauer, Anhebung Apozentrum
    • 28.07.08: 40 s Brenndauer, Absenkung Perizentrum
    • Perizentrumshöhe: 190 km

  • Manöver 4
    • 03.08.08: 2 s Brenndauer, Anhebung Apozentrum
    • 04.08.08: 20 s Brenndauer, Absenkung Perizentrum
    • Perizentrumshöhe: 185 km

Vor allem die beiden Instrumente MAG (Magnetometer) und ASPERA (Analyser of Space Plasmas and Energetic Atoms) profitieren vom geringeren Abstand zur Planetenoberfläche. Energiereiche und neutrale Teilchen sollen über einen größeren Orbitbereich untersucht werden können. Außerdem wird man tiefer in die Ionosphäre eindringen, deren untere Grenze bei 120 km liegt. Da das Perizentrum über den nördlichen Breitengraden der Venus liegt, wird es möglich sein, in diesen Regionen das Magnetfeld genauer zu analysieren und Blitze in der oberen Atmosphäre besser zu beobachten.

Auf der neuen Perizentrumshöhe wird sich der atmosphärische Widerstand bemerkbar machen. Um diesen Effekt genau messen zu können, werden zwischen dem 30. Juli und dem 3. August zusätzliche Orts- und Bewegungsbestimmungen der Sonde durch das Deep Space Network (DSN) der NASA und die New Norcia Bodenstation der ESA erfolgen.
(Autor: Daniel Schiller - Quelle: ESA)

» SEA LAUNCH - EchoStar XI gestartet
17.07.2008 - Am 15. Juli 2008 um 7:21 MESZ hob eine Zenit-3SL erfolgreich von der Startplattform Odyssey am pazifischen Äquator ab und brachte den Kommunikationssatelliten EchoStar XI auf seine Transferbahn zum geostationären Orbit.
Kurz nach dem Abtrennen des Satelliten von der Obserstufe konnte von Australien aus der erste Kontakt erfolgreich hergestellt werden. Der Einschuss in den Zielorbit erfolgte auch erfolgreich.

Der Satellit wog beim Start 5.511 kg. Von 110° westlicher Länge wird er aus dem geostationären Orbit Kommunikationsdienste für das DISH-Network über den USA anbieten. Gebaut wurde der Satellit von Space Systems/Loral und soll für 15 Jahre im Einsatz bleiben.
(Autor: Daniel Schiller - Quelle: Sea Launch)

» MARS EXPRESS - Rendezvous mit Phobos
17.07.2008 - Zwischen dem 12. Juli und dem 3. August 2008 wird die europäische Raumsonde Mars Express eine Reihe von Flybys am Marsmond Phobos unternehmen. Dabei wird sie sich dem Mond auf bis zu 97 km nähern.
Über die beiden Marsmonde Phobos und Deimos ist bisher verhältnismäßig wenig bekannt. Sie unterscheiden sich von "typischen" Monden durch ihre geringe Größe und ihre unsymmetrische Form, was auf eine andere Enstehungsursache als bei großen Monden schließen lässt. Zur Debatte stehen die Möglichkeiten:

  1. die Monde sind durch Mars eingefangene Asteroiden.
  2. beide Monde sind Planetisimale bzw. Planetenkeimlinge aus der Phase der Planetenentstehung im Sonnensystem.
  3. Phobos und Deimos sind Überreste von größeren Einschlägen auf der Oberfläche des Mars´.
Um diese Fragen weiter zu klären, wurde die Bahn von Mars Express so verfeinert, dass bei den anstehenden Vorbeiflügen das Maximum an wissenschaftlichen Daten gewonnen werden kann. Damit wird durch die europäische Sonde die bisher detaillierteste Untersuchung von Phobos unternommen. Es werden hochauflösende Farbaufnahmen von Bereichen erwartet, welche in diesem Detailgrad bisher noch nicht erfasst werden konnten. Außerdem wird es mit den Daten des HRSC-Instruments (High Resolution Stereo Camera) möglich sein, 3D-Aufnahmen der Oberfläche zu erstellen.

Als weiteres Highlight wird versucht, die geplante Landestelle für die 2009 startende russische Marsmission Phobos-Grunt zu erfassen, was hohe Anforderungen an die Missionsspezialisten stellt.

Mit den weiteren Instrumenten an Bord der Sonde sollen die Zusammensetzung der Oberfläche und der innere Aufbau detailliert erfasst werden. Durch genaue Vermessung der Flugbahn soll die Massenverteilung im Inneren bestimmt werden. Ziel ist es, mit den Daten ein digitales Geländemodell des Mondes aufzubauen.

Folgende Flybys sind geplant:
  • 12. Juli: Abstand 563 km
  • 17. Juli: Abstand 273 km
  • 23. Juli: Abstand 97 km
  • 28. Juli: Abstand 361 km
  • 03. August: Abstand 664 km



Frühere Meldung:

Marsmond Phobos in Gefahr?
(Autor: Daniel Schiller - Quelle: ESA)

» Zweithellster Stern in unserer Galaxis gefunden?
17.07.2008 - Deutsche Astronomen haben mit Hilfe des Infrarot-Weltraumteleskops Spitzer den Stern WR102ka untersucht. Die Astronomen fanden heraus, dass dieser Stern eine millionenfach höhere Leuchtkraft besitzt als bisher angenommen. Noch erstaunlicher: Er wäre der zweithellste Stern in der Galaxie, der bisher bekannt ist.
Der untersuchte Stern WR102ka ist ein so genannter Wolf-Rayet-Stern. Wolf-Rayet-Sterne sind massereiche Sterne, die sich in der Spätphase ihrer Entwicklung befinden. Sie besitzen hohe Sternmassen von 10 bis 50 Sonnenmassen. Ein kennzeichnendes Merkmal der Wolf-Rayet-Sterne sind ihre starken Sternwinde. Typische Geschwindigkeiten liegen bei ca. 4.000 km/s. Dies entspricht einem Masseverlust von ungefähr 3 Sonnenmassen pro eine Million Jahre.

Der Stern WR102ka ist ca. 26.000 Lichtjahre von uns entfernt und befindet sich im weniger bekannten, aber schön anzusehenden "Pfingstrosen-Nebel" (englisch: Peony nebula) nahe des Zentrums unserer Milchstraße. Dieser Nebel ist im Sternbild Schütze aufzufinden. Daher wird auch der Stern WR102ka von den deutschen Astronomen (unter der Leitung von Lidia Oskinova) scherzhaft als Pfingstrosen-Nebel-Stern bezeichnet.

Die deutschen Astronomen von der Universität in Potsdam haben nun WR102ka untersucht und ihre Ergebnisse veröffentlicht. Sie stellten zu ihrem Erstaunen fest, dass er eine Leuchtkraft von 3,2 Millionen Sonnen aufweist. Lediglich der bekannte Stern Eta Carinae weist eine noch höhere Leuchtkraft von 4,7 Millionen Sonnen auf. Eta Carinae ist mit seinen Helligkeitsveränderungen der letzten 300 Jahren und seinem bemerkenswerten Homunkulusnebel schon eine Einzigartigkeit für sich. In Sachen "Leuchtkraft" stellt sich nun der Stern WR102ka als ebenbürtig heraus. Nach den bisherigen Ergebnissen hat dieser Stern die zweitgrößte bekannte Leuchtkraft. Die Astronomen betonen aber, dass die gemachten Messungen gewisse Unsicherheiten beinhalten. Da WR102ka hinter kosmischem Staub verborgen ist, weist die Messung der Leuchtkraft von WR102ka eine gewisse Fehlertoleranz auf. Anders ausgedrückt: Es kann sein, dass die Leuchtkraft von WR102ka sogar die Leuchtkraft von Eta Carinae übertrifft. Zukünfige Messungen werden dies wahrscheinlich zeigen.

Obwohl WR102ka schon längere Zeit bekannt ist, ist man bisher nicht auf seine extrem hohe Leuchtkraft aufmerksam geworden. Die Ursache hierfür ist der kosmische Staub: Das Sternlicht von WR102ka bahnt sich seinen Weg durch die dichten Staubregionen des "Pfingstrosen-Nebels". Diese Staubregionen schwächen natürlich das sichtbare Licht des Sterns ab, das zur Erde gelangt. Und genau für solche Fälle wurde das Infrarot-Weltraumteleskops Spitzer eingesetzt. Spitzer ist in der Lage, durch den kosmischen Staub hindurch sehen zu können. Auf diese Weise kann man die kosmischen Objekte in ihrer natürlichen Einzigartigkeit untersuchen.

Weiterführender Link: Brightest Star in the Galaxy has New Competition
(Autor: Michael Johne - Quelle: Spitzer Space Telescope)


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"In Space" Magazin #346
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
21. Juli 2008
Auflage: 4178 Exemplare


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