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» See auf Titan chemisch analysiert 03.08.2008 - Mindestens einer der großen Seen auf dem Saturnmond Titan besteht definitiv aus flüssigen Kohlenwasserstoffen. Damit ist Titan der einzige andere Himmelskörper unseres Sonnensystems neben der Erde, auf dessen Oberfläche Seen existieren.
Die Entdeckung stammt aus den Daten des Instruments VIMS (Visual and Infrared Mapping Instrument) an Bord von Cassini, das chemisch unterschiedliche Materialien anhand ihrer Reflektion von infrarotem Licht identifiziert. Vor Cassini wurde angenommen, dass Titan große Ozeane aus Flüssigkeiten wie Methan und Ethan aufweist. Aber über 40 enge Vorbeiflüge der NASA-Sonde zeigten keinerlei große Ozeane. Statt dessen wurden Hunderte von dunklen, seeähnlichen Strukturen gesichtet. Bis jetzt war nicht sicher, ob diese Strukturen aus Flüssigkeit oder einfach nur aus dunklem, festem Material bestehen.
"Dies ist die erste Beobachtung, die hieb- und stichfest beweist, dass Titan einen echten Oberflächensee besitzt", sagte Bob Brown von der Universität von Arizona, der Forschungsleiter des Instruments. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Journals "Nature" veröffentlicht. Zu behaupten, dass Erde und Titan die einzigen Himmelskörper sind, auf denen überhaupt Flüssigkeit existiert, wäre etwas gewagt, da die heiße Lava, die auf dem vulkanisch hoch aktiven Jupitermond Io häufig austritt und ganze Landstriche bedeckt, zumindest vorübergehend ebenfalls flüssig ist.
Die Titanatmosphäre besteht zu 95 Prozent aus Stickstoff und zu 5 Prozent aus Methan, das unter der Einwirkung des Sonnenlichts zum Teil aufgespalten wird, wobei Ethan und andere einfache Kohlenwasserstoffe entstehen. Diese reagieren weiter und formen feine Aerosol-Partikel, und zwar in solchen Mengen, dass sie wie ein dichter Nebel über Titan hängen und die Beobachtung der Oberfläche erheblich erschweren. Nur mit Radar und in wenigen schmalen Bereichen des Infrarotlichts können Instrumente bis auf die Oberfläche sehen. Im Dezember 2007 wurde bei einem Vorbeiflug die seeähnliche Struktur "Ontario Lacus" in der Südpolregion von Titan mit VIMS analysiert. Die Struktur ist etwa 20.000 Quadratkilometer groß, etwas größer als der Ontariosee in Nordamerika, nach dem sie benannt wurde.
Das VIMS-Team identifizierte das Material, aus dem "Ontario Lacus" besteht, nun anhand seiner Spektralsignatur sicher als Ethan. Es existiert in einer Lösung mit Methan, anderen Kohlenwasserstoffen und Stickstoff, quasi flüssiges Erdgas. Bei den Oberflächentemperaturen auf Titan kann Ethan aber nur in flüssiger und allenfalls noch gasförmiger Form existieren. Und wo ein See ist, sind andere sicher nicht weit - das VIMS-Team geht davon aus, dass es bald auch andere seeähnliche Strukturen als aus Ethan bestehend identifizieren kann. Die Wissenschaftler schlossen ferner die Existenz von Wassereis, Ammoniak, Ammoniakhydraten und Kohlendioxid im "Ontario Lacus" aus.
Darüber hinaus hat schon die europäische Landesonde Huygens im Jahre 2005 Bilder mit überwältigenden Anzeichen von Verdunstung, Regen und ausgetrockneten Fließkanälen zur Erde übertragen. Wo die Erde einen hydrologischen Kreislauf basierend auf Wasser besitzt, hat Titan also einen Methan-Kreislauf. Die parallel durchgeführten Beobachtungen des "Ontario Lacus" mit anderen Instrumenten zeigen übrigens einen breiten dunklen Strand rings um den See und Riffe im flachen Ethan, was nahe legt, dass dieser südpolare See derzeit im Begriff ist, durch Verdunstung zu verlanden.
"Während der nächsten paar Jahre wird die Seenplatte innerhalb von Titans nördlichem Polarkreis aus der dortigen, derzeitigen Polarnacht mehr und mehr in den Einfluss des Sonnenlichts kommen", sagte Larry Soderblom, ein interdisziplinärer Wissenschaftler vom US Geological Survey. "Dann wird VIMS reichlich Gelegenheit bekommen, die jahreszeitlichen Veränderungen von Titans Seen zu beobachten."
(Autor: Axel Orth - Quelle: NASA/JPL)
» Phoenix schmeckt Wasser und Eis 01.08.2008 - Der NASA-Marslander Phoenix hat die Existenz von Wasser auf dem Mars bestätigt. Als Reaktion darauf entschieden die Verantwortlichen die Mission der Sonde um einen Monat zu verlängern.
"Wir haben Wasser", verkündete William Boynton, der wissenschaftliche Leiter des Thermal and Evolved-Gas Analyzer (TEGA), stolz, nachdem das von ihm betreute Instrument durch die Erwärmung von Bodenproben das Vorkommen von Wasser auf dem roten Planeten nachweisen konnte. "Durch die Beobachtungen des Mars-Odyssey-Orbiters sowie die verschwindenden Klumpen, die Phoenix letzten Monat bemerkte, haben wir schon Belege für dieses Wassereis erhalten. Dies ist jedoch das erste Mal, dass Mars-Wasser geschmeckt und gerochen wurde."
Die Bodenprobe stammt aus einer nur ca. 5 Zentimeter tiefen Furche, wo Phoenix' Roboterarm auf eine Schicht gefrorener Erde stieß. Zwei Versuche dieses Material zum TEGA-Labor zu transportieren, scheiterten, als die Bodenprobe einfach in der Schaufel des Roboterarms haften blieb. Nach zwei Tagen an der "frischen Luft" verdampfte ein Teil des Eises jedoch, wodurch die Probe leichter zu handhaben war. "Wir finden schon Wege mit ihr zu arbeiten...Der Mars gibt uns einige Überraschungen", kommentierte Missionschef Peter Smith die Probleme. Das Forschungsteam will jetzt die Frage klären, ob das Eis jemals soweit aufgetaut ist, um der Biologie zu nutzten und ob andere Voraussetzungen für Leben erfüllt sind.
Die zufrieden stellenden Resultate der Mission und der gute Zustand von Phoenix hat die NASA nun veranlasst, die Finanzierung für den Betrieb der Sonde um fünf Wochen zu verlängern, nachdem die 90-tägige Primärmission Ende des Monats aufhören sollte. "Phoenix ist gesund und die Vorhersagen der Sonnenenergie sehen gut aus, so dass wir diese Quelle in der interessantesten Region des Marses voll nutzen wollen", sagte ein NASA-Offizieller in Washington.
Neben den Bodenuntersuchungen erforscht Phoenix auch die Welt über ihm: Mit Hilfe eines Laserinstruments aus Kanada werden oben liegende Wolken und Staub untersucht. "Es gibt uns eine Laser-Show auf dem Mars", scherzte Victoria Hipkin von der kanadischen Weltraumagentur CSA. Ein 360-Grad Panorama-Bild der Umgebung hat der Mars-Lander ebenfalls abgeschlossen. (siehe oben)
(Autor: Christian Bewermeyer - Quelle: NASA/JPL)
» Virgin Galactic enthüllt WhiteKnight Two 30.07.2008 - Virgin Galactics neues Trägerflugzeug ist fertig, mit dem SpaceShipTwo, der erste surborbitale Weltraumtourismus-Flieger, auf seine Starthöhe gebracht werden wird. Zum Unglück bei Scaled Composites gibt es keine wirklich neuen Erkenntnisse.
Am 28. Juli hat Virgin Galactic das Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" (Deutsch: Weißer Ritter 2) vorgestellt. Das Trägerflugzeug soll ein kleines Raumschiff, genannt SpaceShipTwo, auf eine Höhe von 15 Kilometern transportieren, wo das Raumschiff dann ausgeklingt wird und selbstständig auf eine Höhe von ca. 110km fliegt. Gebaut wird das Trägerflugzeug von Scaled Composites, einer Firma, die insbesondere durch die Durchführung des ersten bemannten kommerziellen Raumflugs weltweit bekannt wurde. Im Jahre 2004 flog SpaceShipOne insgesamt dreimal ins Weltall und konnte so den mit 10-Millionen $ dotierten X Prize gewinnen.
Bei der Präsentation waren neben vielen Journalisten auch die ersten potentiellen Weltraumtouristen anwesend, die ihren Flug schon ganz oder teilweise angezahlt haben. Der Flugpreis liegt bei 200.000 Dollar (ca. 125.000 Euro). Scaled Composites wurde von Virgin Galactic beauftragt, Trägerflugzeug und Raumschiff zu entwickeln. Bisher wurden 100 Millionen Dollar gezahlt, insgesamt rechnet man mit ca. 250 Millionen Dollar an Entwicklungskosten. Für den Bau weiterer Trägerflugzeuge und Raumschiffe nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten haben Virgin Galactic und Scaled Composites die Firma The Spaceship Company (TSC) gegründet. Virgin Galactic plant für den Anfang den Bau von zwei Trägerflugzeugen und fünf Raumschiffen. Bisher hat Virgin Galactic 30 Millionen Dollar an Anzahlungen für Weltraumflüge eingenommen.
Das Trägerflugzeug im Detail
Das erste Trägerflugzeug wurde von Richard Bransons Mutter auf den Namen "Eve" getauft. Es besteht aus zwei Rümpfen, die über eine Tragfläche verbunden sind. Außerdem hat es eine Spannweite von 42 Meter und ist das weltweit größte Flugzeug, dass nur aus Kohlefaser besteht. Angetrieben wird es von 4 Triebwerken von Pratt & Whitney (PW308). Der Jungfernflug ist für September angesetzt. Anschließend folgt ein intensives Testprogramm für das Trägerflugzeug.
Laut Burt Rutan, dem Gründer von Scaled Composites, kann das Flugzeug für weit mehr eingesetzt werden, als nur als Trägerflugzeug für SpaceShipTwo. So haben die beiden Rümpfe von WhiteKnigtTwo die gleiche Form wie SpaceShipTwo und auch die Innenausstattung ist weitgehend gleich. Daher kann das Flugzeug auch zum Training für den eigentlichen Raumflug benutzt werden. Es kann Parabelflüge ausführen und damit sowohl Schwerelosigkeit simulieren als auch hohe G-Kräfte erzeugen, wie sie zum Beispiel beim Eintritt in die Erdatmosphäre enstehen.
Weiterhin ist es sehr wahrscheinlich, dass WhiteKnightTwo ebenso wie WhiteKnight und Proteus (zwei weitere Flugzeuge von Scaled Composites) für zivile und militärische Forschungsprojekte genutzt wird. Andere Einsatzgebiete, die sich aufgrund der hohen Traglast von 12 Tonnen auf mindestens 15 Kilometer Höhe anbieten, sind Start von kleinen Satelliten, ein Einsatz als Feuerlöschflugzeug oder einfach als Frachtflugzeug.
Status von SpaceShipTwo
Ein Thema, das nur am Rande erwähnt wurde und von der Presse weitgehend unbeachtet blieb, ist die Frage nach dem Status von SpaceShipTwo. Nach dem Explosionsunglück vor etwa einem Jahr, bei dem drei Mitarbeiter von Scaled Composites getötet wurden, ist in der Öffentlichkeit immer noch unklar, ob man inzwischen weiß, was das Unglück verursacht hat. Laut Burt Rutan ist die Untersuchung abgeschlossen und der vollständige Bericht soll demnächst veröffentlicht werden. Aufgrund des Unglücks wurden im letzten Jahr nur wenige Arbeiten an SpaceShipTwo durchgeführt, weil man erst auf das Untersuchungsergebnis warten wollte. Durch das Unglück ist klar geworden, dass offenbar viele Designänderungen an SpaceShipTwo nötig sind. Die nach dem Unglück gestoppten Arbeiten an dem Raketenantrieb wurden kürzlich wieder aufgenommen. Ob es einen Wechsel beim Treibstoff geben wird, wollte Burt Rutan nicht kommentieren. Er konnte jedoch sagen, dass Treibstoffe auf Paraffin- und Asphaltbasis getestet worden sind. Bisher wollte man denselben Treibstoff wie bei SpaceShipOne benutzen, nämlich Lachgas und Hydroxyl-Terminiertes Poly-Butadien (HTPB).
Der Rollout von SpaceShipTwo ist für Anfang des nächsten Jahres geplant. Erste Testflüge ins All sind für 2009 geplant, der erste kommerzielle Flug mit Weltraumtouristen für 2010. Weitere Informationen können im Raumcon Thread Virgin Galactic gefunden werden.
(Autor: Tobias Willerding - Quelle: Virgin Galactic/FlightGlobal/HobbySpace)
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