InSpace Magazin #352 vom 1. September 2008

In Space Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"In Space" Magazin

Ausgabe #352
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> ISS Weekly Report:
Im Zeichen des Abschieds

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Karl Urban

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

sieben Jahre sind eine lange Zeit. Hat man sieben Jahre an einem Ort verbracht, kann man sich als verwurzelt bezeichnen. Ist man sieben Jahre in einer Firma angestellt, gehört man so langsam zum harten Kern. Die meisten Ehen brechen nach sieben Jahren - oder sie halten bis zur goldenen Hochzeit. Auch für mich sind sieben Jahre vergangen: Als ich am 2. September 2001 in die Newsgroup de.sci.raumfahrt setzte, war mir noch nicht klar, wie sich Raumfahrer.net entwickeln würde.

Was bedeutet es, sieben Jahre an einem Internetprojekt beteiligt gewesen zu sein? Das allwissende Internet erzählt lange Geschichten - die Kombination aus Raumfahrer.net und meinem Namen erbringt 1.500 Suchergebnisse. Das Leben in der Onlinewelt hinterlässt viele Spuren, die für immer auf den digitalen Pfaden hinterlassen wurden.

Sieben Jahre sind eine Zeit, nach der man geruhsam einen Blick zurückwerfen darf. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern arbeitete ich in der ersten Jahreshälfte 2001 an der Ausarbeitung eines inhaltlichen Konzepts, an Artikeln, Layout und Technik, bevor das Portal unter dem damaligen Namen InSpace - the Raumfahrer.net Anfang August 2001 online ging. Wir erhielten Unterstützung vieler Partnerseiten und im November kam dieses Magazin zum ersten Mal heraus.

Seitdem hat sich Raumfahrer.net dank vieler ehrenamtlicher Helfern weiterentwickelt, worüber ich heute ausnahmsweise nicht weiter schreiben möchte. Denn auch mein Leben hat sich gewandelt. Meine freie Zeit für das Projekt ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen und auch die Motivation hat etwas gelitten. Aus diesem Grund werde ich als Chefredakteur des InSpace Magazins und von Raumfahrer.net zurücktreten. Meine Nachfolger werden Michael Stein und Axel Orth, die sie bereits durch die letzten Ausgaben begleitet haben.

Raumfahrer.net werde und kann ich nicht den Rücken zukehren. Ich werde meine Prioritäten lediglich neu bewerten. In den News werden Sie in Zukunft etwas häufiger meinen Namen lesen - und etwa alle vier Wochen auch weiterhin unter dem Intro des InSpace Magazins.

Sollten Sie sich über die stark gesunkene Gesamtauflage dieses Magazins wundern, so dürfen Sie mich dafür in meiner letzten Ausgabe als Chefredakteur verantwortlich machen. Aufgrund eines älteren Programmierfehlers meinerseits wurden von unserer Software etliche nicht existente Leser mitgezählt.

Ich möchte Ihnen, den Lesern des InSpace Magazins, herzlich für das große Interesse und regelmäßigen Lobe, aber auch Ihre kritischen Botschaften bedanken. - Machen Sie weiter so!

Karl Urban
Scheidender Chefredakteur von Raumfahrer.net

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Updates / Umfrage

» Raumfahrtkalender
Aktuelle Ereignisse in der Raumfahrt in den nächsten Jahren

» TV-Guide
Fernsehsendungen zu Astronomie und Raumfahrt im neuen TV-Guide auf Raumfahrer.net

» Venus Express Sonderseite
Aktuelle Information über die ESA-Mission zur Venus finden Sie auf dieser Sonderseite.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

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News

• Computerwurm auf ISS-Notebooks «mehr» «online»
• Vorbereitungen zu STS 125 «mehr» «online»
• Rapid-Eye-Formation gestartet «mehr» «online»
• Kurznachrichten vom Mars «mehr» «online»
• ISS - Orbitabsenkung durch ATV wegen Trümmerfeld «mehr» «online»
• GLAST - Name bekannt gegeben: FERMI «mehr» «online»
• Rosetta auf dem Weg zu Šteins «mehr» «online»
• Flares, verursacht von Dunkler Materie «mehr» «online»


» Computerwurm auf ISS-Notebooks
30.08.2008 - Wie jetzt bekannt wurde, waren im Juli mehrere Notebooks auf der Internationalen Raumstation mit Schadsoftware infiziert, und das nicht zum ersten Mal.
Auf der Internationalen Raumstation gibt es eine Vielzahl mobiler Computer, die teilweise zur Steuerung von Experimenten, teilweise aber auch zur Kommunikation und als persönliche Assistenten der Raumfahrer eingesetzt werden. Die meisten haben keinen direkten Internetzugang, viele sind aber in ein lokales Netz eingebunden. Weil der direkte Datenverkehr zwischen Bodenstation und ISS strikt überwacht wird, vermutet man in mobilen Datenspeichern wie USB-Sticks die Quelle der Infektion mit dem Wurm W32.Gammima. Dabei handelt es sich um eine Schadsoftware, die auf der Erde bereits seit dem Sommer 2007 im Umlauf ist und auf den infizierten Rechnern Kontodaten ausspähen soll.

"Dies ist nicht das erste Mal, dass wir einen Wurm oder Virus haben", sagte NASA-Sprecher Kelly Humphries. "Es ist keine häufige Erscheinung, aber es ist nicht das erste Mal."

Computer, welche die Steuerung wichtiger Funktionen auf der ISS übernehmen, waren allerdings nicht betroffen. Auf diesen Rechnern, die nicht mit Hardware "von der Stange" arbeiten und nicht in das Stations-LAN eingebunden sind, werden auch andere, als sicherer eingestufte Betriebssysteme verwendet. Somit war die Station selbst wahrscheinlich in keiner direkten Gefahr.

Die NASA und ihre nationalen sowie internationalen Partner wollen nun herausfinden, wie die Schadsoftware auf die Station gekommen ist und wie man weitere Infektionen in Zukunft sicher verhindern kann.

Raumcon: Diskussion im Rahmen des Threads ISS (Hauptthema)
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Wired)

» Vorbereitungen zu STS 125
30.08.2008 - Die Vorbereitungen verlaufen weitgehend planmäßig. Probleme bereitete zunächst der Tropensturm Fay und nun ein Gewindeschaden. Der Transport zum Startkomplex ist gegenwärtig für Dienstag geplant, der früheste Starttag ist der 11. Oktober.
Die Vorbereitungen auf die letzte Wartungsmission für das Hubble Space Telescope laufen weitgehend planmäßig. Die Atlantis wurde überprüft und auf ihren neuen Einsatz vorbereitet, die Feststoff-Booster wurden montiert und der Tank gesellte sich hinzu. Der Transport der Atlantis von der Orbiter Processing Facility 1 zum Vehicle Assembly Building verzögerte sich dann aber aufgrund eines starken Tropensturms um mehrere Tage.

In der Nacht vom 22. zum 23. August wurde der Orbiter schließlich ins Montagegebäude gefahren und noch am vergangenen Wochenende mit dem Haupttank verbunden. Beim Verbinden der Treibstoffleitungen zwischen Orbiter und externem Tank (ET) kam es dann zu einem Problem.

Nach dem langsamen Heranführen der schweren Leitungen wurde zunächst optisch der korrekte Sitz geprüft. Danach wurde jede Leitung mit drei Metallbolzen verschraubt. Beim Festziehen eines Bolzens wurde ein leicht erhöhtes Drehmoment gemessen. Nach diesem "Testlauf" werden üblicherweise die normalen Bolzen anschließend durch Sprengbolzen ersetzt, die nach Brennschluss das Lösen der Leitungen vom Orbiter sicherstellen sollen. Beim Entfernen der Probebolzen stellte man aber fest, dass sich ein Stück Aluminium von einer Trägerplatte gelöst hatte und in das Gewinde geraten war.

Mittlerweile wurde das beschädigte Gewinde offenbar ausreichend vor Ort repariert, die NASA hat gestern ihr Okay dazu gegeben. Allerdings hat dieser Zwischenfall drei weitere Tage des Zeitpuffers ("Contingency Days") gekostet, so dass der Stack frühestens am Dienstag, dem 2. September (ab 6:00 Uhr MESZ) zur Startrampe gerollt werden kann. Der frühest mögliche Starttermin wurde vom 8. Oktober auf den 11. verschoben. Damit schafft man sich wieder eine Zeitreserve, die zuvor stark geschrumpft war. Wie notwendig derartige Reserven sind, beweist auch der Fakt, dass erneut ein Wirbelsturm die Region bedroht.

Während der Mission STS 125 der Raumfähre Atlantis sollen mindestens fünf Ausstiege durchgeführt werden. Nach dem Einfangen des seit 1990 im Orbit befindlichen Hubble Space Telescope werden alle 6 Drallräder zur Lageregelung und alle Batterien durch neue ersetzt. Außerdem sollen der defekte Space Telescope Imaging Spectrograph durch den Cosmic Origins Spectrograph und die Wide Field and Planetary Camera 2 durch ihren Nachfolger (WFPC 3) ausgetauscht werden. Zusätzlich wird ein neuer Sensor montiert. Mit dieser letzten Modernisierung und Instandsetzung - gegenwärtig funktioniert nur noch 1 Drallrad - soll der Betrieb des erfolgreichen Forschungsteleskops bis mindestens 2013 sichergestellt werden.

Raumcon: Missionsvorbereitungen zu STS 125 (ab Tropensturm Fay)
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon)

» Rapid-Eye-Formation gestartet
29.08.2008 - Fünf Satelliten einer neu entwickelten Serie von Erdbeobachtungssatelliten, die in internationaler Kooperation entstand, sind heute morgen mit einer Dnepr-Trägerrakete in einen sonnensynchronen Erdorbit gebracht worden.
Die Satelliten mit einer Masse von jeweils 150 kg sind mit hochentwickelten 5-Kanal-Multispektralkameras ausgestattet, die von der Jena Optronik GmbH geliefert wurden. Jede Kamera verfügt über fünf Zeilenscanner mit 12.000 Bildpunkten. Die Wellenlängenbereiche liegen bei 440-510 nm (blau), 520-590 nm (grün), 630-685 nm (rot), 690-730 nm (roter Grenzbereich) und 760-850 nm (nahes Infrarot). Entwicklungsarbeit wurde auch von der Kayser-Threde GmbH übernommen, unterstützt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR. Hauptauftragnehmer für den Bau der Satelliten war MacDonald, Dettwiler and Associates (MDA) in Kanada, die wesentlichen Montagearbeiten wurden bei Surrey Satellite Technology Ltd. in Großbritannien vorgenommen. Der Start schließlich erfolgte von kasachischem Territorium aus mit einer umgebauten russischen Interkontinentalrakete vom Typ Dnepr.

Pünktlich um 9:16 Uhr MESZ erhob sich die Trägerrakete aus dem Startsilo 109 in den blauen Himmel über Baikonur. Nach 15 Minuten empfing eine Bodenstation das Signal von der erfolgreichen Abtrennung der Satelliten. Diese sollen nun auf einer sonnensynchronen Bahn in etwa 630 Kilometern Höhe in gleichem Abstand hintereinander fliegen und es damit ermöglichen, dass von jedem Punkt der Erde innerhalb von 24 Stunden Aufnahmen mit einer Auflösung von 6,5 Metern gemacht und zur sofortigen Auswertung bereitgestellt werden können.

Mit Hilfe der zivilen Satellitenflotte sollen Wachstumsprognosen, Vorhersagen für Ernteerträge, die Größenordnung von Ernteausfällen bei Unwettern oder ungünstigen klimatischen Bedingungen sowie die Abschätzung von Schäden durch Katastrophen möglich werden. Mit Hilfe der Satellitendaten können aber auch verbesserte Karten mit digitalen Höhenmodellen erstellt werden.

Die Kosten des Unternehmens werden mit 160 Millionen Euro angegeben. Die Satelliten sollen mindestens 7 Jahre lang Daten liefern.

Die ersten Bahnvermessungen ergaben Flughöhen zwischen 583 und 646 Kilometern bei einer Bahnneigung von knapp 98°. Die Oberstufe hat man offenbar etwas aus dem Weg geräumt (617 x 1.349 km). Genauere Bahndaten gibt es in den nächsten Tagen in der Starttabelle 2008.

Raumcon: Dnepr mit 5x RapidEye
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: DLR)

» Kurznachrichten vom Mars
28.08.2008 - Neues von den drei aktiven Forschungsapparaten auf dem Roten Planeten. Außerdem wurde die erste "Mars-Webcam" freigeschaltet.
Während der Marsrover Spirit den schlimmsten Teil des Winters offenbar ohne neue Probleme überstanden hat, ist sein Gegenstück Opportunity am Rand des 800 Meter durchmessenden Viktoria-Kraters angekommen. Nachdem man am Rover Probleme mit einem Rad festgestellt hatte, entschloss man sich, den Krater zu verlassen, solange dies noch ohne Schwierigkeiten möglich war. Während der insgesamt etwa 340 Tage im Krater hat man mehr herausgefunden, als man ursprünglich beabsichtigte. Dies ist aber bei der Mission der Marsrover wahrlich nichts Außergewöhnliches. Die weitere Funktionsdauer möchte man nutzen, kleinere Feldbrocken näher zu untersuchen, die man bisher "links liegen" gelassen hatte.

Der stationäre Marslander Phoenix hat dagegen mittlerweile einen 18 Zentimeter tiefen Graben angelegt. Eine Bodenprobe vom Grund des Grabens wird nun dem nasschemischen Messkomplex MECA zugeführt. Damit wird auch die auf 90 Marstage ausgelegte Primärmission abgeschlossen. Bereits vor einigen Wochen ist die Mission aber verlängert worden. Bisher funktionieren die Geräte gut, nur der aufziehende Winter, in dem die Sonde einfrieren wird, sitzt den Wissenschaftlern im Nacken.

Seit etwa einer Woche sind Bilder der Visual Monitoring Camera (VMC) an Bord des ESA-Orbiters Mars Express online. Die Kamera diente eigentlich dem Zweck, das Ablegemanöver des später verloren gegangenen europäischen Marslanders Beagle 2 im Bild festzuhalten. Seitdem war sie jahrelang abgeschaltet, aber mittlerweile hat man sie wieder in Betrieb genommen und als "erste Webcam im Marsorbit" deklariert.

Weiterführende Webseite:

Mars Express VMC - die erste Webcam im Marsorbit (Links zu Galerien mit aktuellen Bildern unten auf der Seite)
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, ESA)

» ISS - Orbitabsenkung durch ATV wegen Trümmerfeld
29.08.2008 - Am 28. August 2008 um 18:11 Uhr MESZ führte die Internationale Raumstation ISS ein Ausweichmanöver wegen eines Trümmerfelds durch.
Zwei Triebwerke des angedockten europäischen Transportraumschiffs ATV Jules Verne wurden für fünf Minuten und zwei Sekunden gezündet. Dabei wurde die Station abgebremst, wodurch ihre Orbithöhe um ca. 1,7 Kilometer sank. Das letzte Ausweichmanöver war im Jahr 2003 durchgeführt worden. Erst zwei Mal in acht Jahren musste hierfür ein Bremsmanöver erfolgen. In Vorbereitung des Manövers war die Station durch das Kontrollzentrum in Moskau um 180° gedreht worden. Das Manöver wurde vom russischen Kontrollzentrum nahe Moskau geleitet.

Die Trümmerwolke enstand durch den Ausfall eines alten russischen Satelliten COSMOS 2421 auf seinem Orbit.
(Autor: Daniel Schiller - Quelle: ESA, Ria Novosti, Raumcon)

» GLAST - Name bekannt gegeben: FERMI
27.08.2008 - Nach dem erfolgreichen Beginn der Arbeit für das Gamma-ray Large Area Telescope (GLAST) hat die NASA am 26. August den neuen Namen des Satelliten bekannt gegeben: Fermi Gamma-ray Space Telescope.
Der Name FERMI wurde zur Ehrung Enrico Fermis (1901 - 1954) gewählt, einem Pionier in der Erforschung hochenergetischer Prozesse. In seiner Arbeit stellte er als Erster Theorien darüber auf, welche Prozesse kosmische Partikel auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigen können. Damit legte er die Grundlage für das Verständnis der Phänomene, welche FERMI beobachten soll, z. B. Vorgänge in der Nähe schwarzer Löcher, Pulsare, Gammastrahlenausbrüche.

In den letzten beiden Monaten wurden die Instrumente des Satelliten aktiviert, überprüft und kalibriert. Aus den Beobachtungen dieser Phase wurden bereits umfangreiche großräumige Daten gewonnen. Der gesamte Himmel konnte innerhalb von 95 Stunden durch das LAT- Instrument (Large Area Telescope) erfasst werden, eine Leistung, welche mit dem Compton Gamma-ray Observatory mehrere Jahre an Beobachtungen benötigte. Das GBM-Instrument (Gamma Burst Monitor) hat bereits 31 Quellen von plötzlichen Gammastrahlenausbrüchen aufgespürt.

ältere Meldungen


(Autor: Daniel Schiller - Quelle: NASA)

» Rosetta auf dem Weg zu Šteins
28.08.2008 - Die europäische Kometensonde Rosetta passiert in der kommenden Woche den Asteroiden Šteins in sehr geringem Abstand. Forscher erwarten sich neue Erkenntnisse über eine seltene Art von Objekten.
Unter den vielen Himmelskörpern, die Nikolai Stepanowitsch Tschernych am Krim-Observatorium beobachtete, war der 1969 entdeckte Šteins kein herausragender. Der russische Astronom konnte in seinem Leben 537 Asteroiden und viele Kometen entdecken. Der im Durchmesser etwa fünf Kilometer messende Šteins im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gehörte eher zu den kleineren und wurde von Tschernych nach Karlis Šteins benannt, einem wichtigen sowjetisch-lettischen Astronomen des 20. Jahrhunderts.

In Kürze wird Šteins berühmt sein. Gegen 22.30 Uhr am Freitag, dem 5. September erwarten die ESA-Mitarbeiter im Europäischen Weltraumkontrollzentrum in Darmstadt erste Signale vom Vorbeiflug von Rosetta an dem kleinen Asteroiden. Spätestens am folgenden Tag wird die ESA erste Bilder veröffentlichen. Der Flyby der Sonde gilt als wichtiger Test für die Mission. Auf dem Weg zu ihrem Zielkometen 67P/Churyumov-Gerasimenko (C-G), den sie 2014 erreichen soll, ist Šteins der erste Asteroid, der noch dazu in einem besonders geringen Abstand von nur 800 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 8,6 km/s passiert wird. Um die nötige Geschwindigkeit für das Rendezvous mit C-G zu erreichen, musste Rosetta zuvor bereits zweimal das Erdschwerefeld und einmal das des Mars´ nutzen. Nach ESA-Angaben arbeitet Rosetta während des Vorbeiflugs an seinem Limit. So ist eine schnelle Rotation direkt vor der Annäherung notwendig, um die Instrumente zum Asteroiden auszurichten. Die Distanz zu Šteins stellt das absolute Minimum für eine sinnvolle Beobachtung dar.

Bis vor kurzem wusste man nur wenig über Šteins. Wegen der herannahenden europäischen Sonde wurde er jedoch etwas näher untersucht. Mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO gelang es einem Forscherteam um den italienischen Astronomen Fornasier im Jahr 2006, den Asteroiden anhand seines Spektrums und seines Albedos, also dem Anteil reflektierten Lichts relativ zum eingestrahlten, zu klassifizieren. Šteins gehört zu den E-Typ-Asteroiden, die zwar nur einen kleineren Teil aller Objekte des Asteroidengürtels ausmachen, in seinen äußeren Regionen aber mit bis zu 60% die Mehrheit stellen. Sie bestehen aus basaltischen Silikatmineralen, überwiegend Enstatit, das auch im Erdmantel besonders häufig ist. Der Schluss liegt also nahe, dass Šteins ein Vertreter von Asteroiden ist, die während der Kollision mit differenzierten planetenartigen Körpern entstand, die zumindest Ansätze eines Schalenaufbaus besaßen. Solche Kollisionen dürften im jungen Sonnensystem häufig vorgekommen sein, als deutlich mehr kleine Objekte unterwegs waren, als das heute der Fall ist.

Zuletzt hatte Rosetta selbst Informationen über den in Sichtweite kommenden Asteroiden gesammelt. Um die von der Erde aus nur ungenau bestimmbare Flugbahn von Šteins zu spezifizieren, hatten die ESA-Techniker die Sonde mehrmals pro Woche ein Bild des Zielobjekts mit der optischen Kamera machen lassen. Dadurch gelang es ihnen, die Genauigkeit bisheriger Daten deutlich zu verbessern.

"Je näher wir Šteins kommen, desto präziser wird unsere Kenntnis seiner Position relativ zu Rosetta sein", sagte Trevor Morley, Leiter des Rosetta-Flugdynamik-Teams im Europäischen Weltraum-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt. "Dank der Rosetta-Kameras werden wir immer präzisere Messungen bekommen, die uns erlauben, Rosettas Orbit gegebenenfalls noch einmal zu justieren, um einen optimalen Vorbeiflug am Asteroiden zu gewährleisten."

"Obwohl wir das nicht erwartet hatten, war der Asteroid bereits zu Beginn der aktuellen Bahnberechnung ständig zu sehen und das trotz der großen Distanz", sagte Andrea Accomazzo, Rosetta-Flugleiter im ESOC. "Die außergewöhnliche Auflösung der Osiris-Kamera ermöglichte ausgesprochen scharfe Aufnahmen, was eine exakte Bahnberechnung von Šteins zuließ."

Die Navigation über optische Aufnahmen ist nicht neu, sie wurde erstmalig im Jahr 1961 von Eugene F. Lally vom Jet Propulsion Laboratory unter dem Namen Mosaic Guidance for Interplanetary Travel beschrieben. Für die ESA bedeutet der Einsatz bei Rosetta aber eine Premiere, deren Erfolg vor allem auf die hohen Auflösungseigenschaften der Hauptkamera an Bord zurückzuführen ist. Zuletzt unternahm Rosetta am 14. August eine Kurskorrektur, welche die Geschwindigkeit der Sonde um 12,8 cm/s relativ zu Šteins veränderte und die sich anhand der neu berechneten Bahndaten des Asteroiden empfohlen hatte.

Šteins bekommt zum ersten Mal Besuch von einer Raumsonde. Es ist vermutlich ein gewöhnlicher Tag für den Himmelskörper, der kaum etwas vom vorbeischießenden Technikgeschoss spüren dürfte. Auf dem blauen Planeten rund zwei astronomische Einheiten entfernt wird das Ereignis aber einigen Wirbel erzeugen. Raumfahrer.net berichtet natürlich zeitnah darüber.

Diskutieren Sie mit zum Thema Rosetta in unserem Forum Raumcon.
(Autor: Karl Urban - Quelle: ESA)

» Flares, verursacht von Dunkler Materie
25.08.2008 - Manche solare Flares werden vielleicht durch Elementarteilchen ausgelöst, die einen größeren Anteil der Dunklen Materie ausmachen könnten.
Flares gehören zum Alltagsgeschäft unserer Sonne. Fünf bis zehn mal pro Tag erhebt sich eine Fackel einige tausend Kilometer über die Sonnenoberfläche und gibt dabei UV- und Röntgenstrahlung sowie Ionen und Elektronen in das Sonnensystem ab. Sie entstehen in der Chromosphäre, einer Schicht, die fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium besteht und hauptsächlich durch das Magnetfeld der Sonne beeinflusst wird. Das starke Magnetfeld der Sonne resultiert in Magnetfeldlinien, die durch ihre Eigenrotation ständig um die Sonne "herumgewickelt" werden. Dabei kommt es regelmäßig zu einem "Reißen" und "Wiederverbinden" der Feldlinien. Eine Feldlinie, welche kurzzeitig die Chromosphäre verlässt, kann so etliche Teilchen mit sich reißen, was wir als Sonnenfackel oder Flare beobachten.

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Verzwirbelungen des Magnetfelds die einzige Ursache für solare Flares sind. Jedoch konnten bisher nicht alle beobachteten Ausbrüche auch mit dieser Ursache in der Verbindung gebracht werden.

Wie ein Forscherteam um Konstantin Zoutas von der Universität von Patras in Griechenland nun berichtet, dürfte zumindest ein Teil der beobachteten Flares durch einen völlig anderen Prozess verursacht werden. So könnten hypothetische Teilchen im Innern der Sonne zu den Auslösern gehören, die Axionen. Diese - auch wenn sie bisher nicht nachgewiesen sondern nur theoretisch postuliert werden konnten - stehen im Verdacht, einen Teil der wenig verstandenen Dunklen Materie auszumachen.

Die Quantenchromodynamik (QCD) untersucht das Verhalten von Quarks, den fundamentalen Bausteinen, aus der alle Materie aufgebaut ist. Die Theorie versucht, die physikalischen Eigenschaften von Elementarteilchen wie Elektron, Proton und Neutron aufgrund derer Bausteine zu beschreiben. Sie geht davon aus, dass die Atomkern-Grundbausteine aus jeweils drei Quarks aufgebaut sind. Die experimentelle Untersuchung von Quarks ist technisch sehr aufwendig. Impulse erwarten sich Forscher durch den neuen Beschleuniger LHC am CERN in Genf.

Überwiegend kann sich die QCD jedoch nur auf theoretische Modelle stützen, welche erst in der Zukunft mit technisch hochaufwendigen Experimenten oder durch neue Beobachtungsmethoden experimentell bestätigen lassen. So erfordert die Untersuchung kleinster Strukturen die Schaffung extremer Bedingungen, um die Materiebausteine aus ihrer Verpackung zu reißen. Diese herrschen nur in Teilchenbeschleunigern und in astronomischen Objekten wie Sternen.

Wie bei experimentell nur eingeschränkt überprüfbaren Modellen in der Physik üblich, müssen mögliche Widersprüche zunächst hingenommen und verarztet werden. So gibt es ein größeres Problem mit dem elektrisch neutralen Neutron, das alle schwereren Atome nach dem Wasserstoff mit aufbaut. Dessen theoretisch mit der QCD vorhergesagten Eigenschaften stimmen nicht völlig mit den experimentell gemessenen überein. Um einen Bruch der für die Theorie essentiellen Symmetrien zu vermeiden, führte der amerikanische Physiker Frank Wilczek das Axion als hypothetisches Teilchen ein.

Bisher waren Physiker davon ausgegangen, dass sich Axionen, die im Sonnenkern entstehen, radial in ihre Außenzonen bewegen, um hier die sie umgebende Materie zu ionisieren. Die dabei von ihren Atomkernen befreiten Elektronen werden dann gestreut, was die bei Flares entstehende Röntgenstrahlung erklären würde, die keiner Vorzugsrichtung zu folgen scheint. Das Team um Zioutas schlägt nun vor, eine genauere Untersuchung solarer Flares könnte Aufschlüsse über die Masse der Axionen liefern. Denn deren Masse ist abhängig von der Dichte des Plasmas, in der sie Röntgenstrahlung erzeugen können. Schließlich könnten Kosmologen die Axionenmasse dazu nutzen, zu berechnen, wie viele von ihnen im jungen Universum erzeugt wurden und welchen Anteil sie heute zur Dunklen Materie beitragen.

Hier gelangen Sie zur Diskussion zu diesem Thema in der Raumcon.
(Autor: Karl Urban - Quelle: Zioutas et al.)


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ISS Weekly Report: Im Zeichen des Abschieds von Michael Stein

Die vergangenen Tage waren geprägt von den Vorbereitungen auf das Abdocken zweier derzeit an der Internationalen Raumstation (ISS) angekoppelten Versorgungsraumschiffe in der kommenden Woche. Bis zur Ankunft des nächsten russischen Transporters Mitte September wird dann als einziges Raumfahrzeug die Sojus-Kapsel an der ISS angedockt sein.

Am letzten Freitag wurde die Luke zum unbemannten russischen Raumschiff Progress M-64 geschlossen, nachdem die dreiköpfige Expedition 17-Besatzung der ISS in den Tagen zuvor den Raumtransporter mit Abfällen und nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenständen gefüllt hatten. Mitte der Woche hatte der russische ISS-Kommandant Sergej Wolkow noch die Sauerstoffvorräte der Raumstation mit entsprechenden Vorräten an Bord von Progress M-64 aufgefüllt. Das Abdocken des Progress-Transporters von der ISS ist für den 1. September geplant, eine Woche später soll er dann mitsamt seiner Fracht in der Erdatmosphäre verglühen. Für den 10. September ist der Start des nächsten russischen Raumtransporters Progress M-65 in Baikonour vorgesehen, der zwei Tage später dann an der ISS andocken soll.

Auch in Hinblick auf den seit April an der Internationalen Raumstation angedockten europäischen Raumtransporter (ATV) Jules Verne heißt es für die ISS-Crew langsam, aber sicher Abschied nehmen. In der letzten Woche wurde noch Fracht aus dem Raumschiff in die Raumstation transferiert, umgekehrt fanden wie beim Progress-Transporter Abfälle und nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände den Weg in das ATV. Am 5. September soll Jules Verne schließlich abkoppeln, um danach wie sein russisches Pendant in der Erdatmosphäre zu verglühen.

Unversehens hatte der erste europäische Raumtransporter am Mittwoch vergangener Woche jedoch noch ein letztes Mal die Gelegenheit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Um 18.11 Uhr (MESZ) zündeten zwei seiner vier Haupttriebwerke für gut fünf Minuten, um ein Ausweichmanöver zu fliegen - das erste derartige Manöver der Internationalen Raumstation seit 2003. Grund hierfür war ein ausgedienter Satellit, der der ISS zu nahe zu kommen drohte. Die Raumstation wurde zunächst um 180 Grad gedreht, anschließend erfolgte entgegen der Flugrichtung die Triebwerkszündung von Jules Verne, so dass sich die Geschwindigkeit der ISS um einen Meter pro Sekunde reduzierte. Diese Abbremsung führte zu einer Absenkung der Bahnhöhe um 1,7 Kilometer, was im Ergebnis wieder einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum ausgedienten Satelliten herstellte.

Doch nicht nur zwischen der ISS und den beiden derzeit angedockten Raumtransportern ging es materialtechnisch letzte Woche hin und her, auch innerhalb der Raumstation wurden erhebliche Massen bewegt: So wuchtete der amerikanische ISS-Flugingenieur Greg Chamitoff zwei so genannte EXPRESS-Gestelle vom US-Labormodul Destiny in das japanische Labormodul Kibo. Die streng normierten EXPRESS-Gestelle können bis zu zehn verschiedene Nutzlasten aufnehmen und sind zwischen dem japanischen, amerikanischen und europäischen Labormodulen aufgrund einheitlicher Schnittstellen austauschbar. Speziell für derartige Transporte der im Volumen an eine Kühl-/Gefrierkombination erinnernden Gestelle existiert an Bord der ISS ein Transportcontainer, den Chamitoff bei den beiden "Umzügen" verwendete.

Zu den routinemäßigen Wartungsarbeiten der ISS-Besatzung gehörte in der letzten Woche auch die Untersuchung der Fensterluken im russischen Teil der Raumstation auf Risse. Expedition 17-Kommandant Wolkow fotografierte zu diesem Zweck die Fenster, um beim Vergleich mit früheren Aufnahmen Unterschiede feststellen zu können. Die Aufnahmen wurden anschließend für die notwendigen Vergleichsarbeiten zur Erde übermittelt.


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"In Space" Magazin #352
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
1. September 2008
Auflage: 3660 Exemplare


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