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» Sternenhimmel im März 2010
01.03.2010 - Was gibt es am nächtlichen Märzhimmel zu beobachten?
Der März ist der dritte Monat des Jahres im gregorianischen Kalender und wurde nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt. Der römische Kalender begann ursprünglich mit dem März als erstem Monat. Hieraus leiten sich auch die Namen der Monate September (lat. septem = sieben), Oktober (lat. octo = acht), November (lat. novem = neun) und Dezember (lat. decem = zehn) ab, jeweils benannt nach ihrer Position in der Abfolge der Monate.
Der nächtliche Sternenhimmel zeigt in diesem Monat, dass eine neue Jahreszeit anbricht. Das markante Wintersechseck geht nun im Westen unter und macht Platz für die Frühlingssternbilder Krebs, Löwe und Jungfrau.
Der Nachthimmel ist zwar noch winterlich und lang, aber doch schon merklich kürzer wie der Vormonat. Er beginnt am Monatsanfang gegen 19.50 Uhr, zur Monatsmitte gegen 20.20 Uhr und am Monatsende gegen 21.50 Uhr. Sonnenaufgang am 1. März ist um 7.05 Uhr, am 15. März geht die Sonne um 6.35 Uhr auf und am Monatsende um 6.55 Uhr.
Die winterliche Milchstraße erstreckt sich vom Südwesten bis in den Norden und liegt im Nordwesten etwa 45 ° über dem Horizont.
Das markante Wintersechseck geht abends früh im Westen unter und macht Platz für die Frühlingssternbilder. Im Norden zeigt der Abendhimmel die zirkumpolaren Sternbilder Drache, Kleiner Bär und Kepheus. Tief im Nordosten treten Bootes und die Nördliche Krone über dem Horizont auf. Im Osten geht die Jungfrau auf, das Haar der Berenike befindet sich bereits hoch über dem Horizont. Im Südosten findet man im März die Konstellationen Wasserschlange, Rabe und Becher. Der Kopf der Wasserschlange, Löwe und Krebs, mit dem offenen Sternhaufen Praesepe (M44 oder auch Krippe) überqueren den Meridian hoch im Süden. Sirius im Sternbild grosser Hund kann noch tief im Südwesten bestaunt werden. Die Sternbilder Orion und Stier gehen im Westen unter, darüber erkennt man die Zwillinge und den Fuhrmann. Im Nordwesten befinden sich Perseus, das Dreieck, Kassiopeia und Andromeda. In der Nähe des Zenits zeigen sich die Sternbilder Luchs und grosser Bär.
Für eine nächtliche Beobachtung lohnen sich die offenen Sternhaufen M 45 (Plejaden), Hyaden, M 35 im Sternbild Zwillinge, M 44 (Praesepe) und M 67, die Kugelsternhaufen M 3 und M 5, die Nebel M 1 (Krebsnebel) und M 42 (Orionnebel); sowie in Blickrichtung Norden die Galaxien M 31 (Andromedanebel), sowie M 81, M 82 und M 101 im Sternbild grosser Bär. Nicht zu vergessen ist Alkor, der freiäugig sichtbare Begleiter des hellen Sterns Mizar im Sternbild grosser Bär als Augenprüfer.
Die Planeten am 1. März
Venus wird ab Eintritt der bürgerlichen Abenddämmerung sichtbar und bleibt für rund 1 Stunde am Abendhimmel zu sehen. Unser heller Nachbar geht um 19.00 Uhr im Westen unter. Venus ist -3.9 mag hell und wandert durch das Sternbild Wassermann. Die Scheibe von Venus ist zu 98% beleuchtet und ihr Durchmesser beträgt 10".
Mars ist bereits am frühen Abend zu sehen. Er erreicht um 22.00 Uhr mit 64° seine grösste Höhe und geht um 6.15 Uhr im Nordwesten unter. Mars hat eine Helligkeit von -0.6 mag.
Saturn geht am Abend um 19.45 Uhr im Osten auf und erreicht gegen 2.00 Uhr seine höchste Höhe bei 41°. Saturn zeigt mit der Helligkeit von 0.6 mag seine Ringe bei 3.9° Erhebung.
Die Planeten am 15. März
Venus wird ab 19.25 Uhr sichtbar. Anschliessend ist sie für rund 1½ Stunden am Abendhimmel zu sehen. Um 19.45 Uhr macht sie sich im Westen unsichtbar. Ihre Helligkeit liegt weiterhin bei 3.9 mag.
Mars kann am frühen Abend beobachtet werden. Er erreicht um 21.00 Uhr in 63° Höhe den höchsten Punkt seiner täglichen Bahn. Sein Untergang im Nordwesten findet um 5.45 Uhr statt. Im Fernrohr erscheint deutlich die Phasengestalt von Mars; die Scheibe ist zu 93% beleuchtet, seine Helligkeit beträgt aber nur noch +0,2 mag.
Saturn geht ungefähr bei Sonnenuntergang im Osten auf und bei Sonnenaufgang im Westen unter. Der Ringplanet erreicht eine Kulminationshöhe von 42° über Horizont bei einer Helligkeit von 0,5 mag.
Der volle Mond geht am 1. März um 19.35 Uhr im Sternbild Jungfrau auf, erreicht um 1.30 Uhr im Süden seine maximale Höhe von 35° und verschwindet wieder bei Sonnenaufgang. Am 15. März ist um 22.01 Uhr Neumond. Der Mond steht zu nahe bei der Sonne und kann nicht gesehen werden.
Als besonders interessant sind für Spechtler diese Termine: Am 16. um 19.00 Uhr ist das jüngste Neulicht (erste Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel) des Jahres zu sehen. 21 Std. nach Neumond zeigt sich die extrem schmale Sichel knapp über dem Westhorizont. Am 25. ist ab der Abenddämmerung bis ~ 22.00 Uhr der Goldene Henkel auf dem Mond sichtbar. Am 26. erreicht der Komet C/2009 O2 (Catalina) mit 120,9 Mill. km (0,808 AE) seinem geringsten Abstand zur Erde (Helligkeit 9.0 mag).
Tagesaktuelle Termine und Ereignisse stehen im Astronomiekalender.
(Autor: Hans J. Kemm - Quelle: eigene Dateien)
» Intelsat 4 ausgefallen
04.02.2010 - Der Kommunikationssatellit Intelsat 4 ist am 1. Feburar 2010 ausgefallen, teile die Intelsat S.A. aus Luxembourg am gleichen Tag mit.
Intelsat 4 versagte gegen 01:28 MEZ am 1. Ferbuar, Intelsat und der Hersteller des Trabanten, Boeing, untersuchen den den Vorfall. Mit seinen Kunden, für die Dienste auf Intelsat 4 etabliert waren, arbeitet Intelsat daran, entsprechend notwendige Kapazitäten nutzbar zu machen.
Am 3. August 1995 als PAS 4 auf einer Ariane-4-Rakete in den Weltraum gebracht war der Satellit zum Schluß an einer Position von 72 Grad Ost im geostationären Orbit positioniert. Das auf dem Boeing 601er Satellitenbus basierende Raumfahrzeug wird Ende 2010 seine Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren erreicht haben.
Im August 1998 hatte der formalige Betreiber PanAmSat eingräumt, dass ein Steuerrechner an Bord des Satelliten (SCP, engl. für satellite control processor) nicht mehr arbeite, aber ein Backuprechner das Weiterbetreiben des Satelliten ermögliche. Eine Unverträglichkeit von Metallen unter bestimmten Umgebungsbedingungen in einem Typ von elektrischen Schaltern hat damals vermutlich dazu geführt, dass ein solcher Schalter nach dem Wachsen einer Art kristallinen Struktur kurzgeschlossen wurde, was schließlich zum Ausfall des Steuerrechners mit dem betroffenen Schalter führte.
Der Backupsteuerrechner könnte aus dem selben Grund ausgefallen sein; Intelsat hat Erkenntnisse über die Ausfallursache bisher nicht mitgeteilt. Der Steuerrechner wird für die Lageregelung des Raumfahrzeugs sowie zur Ausrichtung der Solarzellenausleger und Antennen benötigt.
Wegen eines Ausfalls beider SCP mussten bisher die auf dem gleichen Satellitenbus wie Intelsat 4 basierenden Kommunikationssatelliten Galaxy 3R, Galaxy 4, Galaxy 7 und Solidaridad 1 aufgegeben werden. In später gebauten und nach 1997 gestarteten Satelliten hat der Hersteller modifizierte Bauteile verwendet, sodass deren Steuerrechner nicht aus dem gleichen Grund ausfallen sollten.
Intelsat 4 alias PAS 4 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 23636 bzw. als Objekt 1995-040A.
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, Intelsat S.A., Harland/Lorenz: Space Systems Failures)
» Komet Schwassmann-Wachmann 1 im Ausbruch
04.02.2010 - Spanische Astronomen berichten von einem massiven Ausbruch des Kometen 29P/Schwassmann-Wachmann. Auf aktuellen Fotoaufnahmen erscheint der Komet dabei ungewöhnlich sternförmig mit einer fotografischen Helligkeit von ca. 11.5 Magnitude.
Der kurzperiodische Komet 29P/Schwassmann-Wachmann, auch bekannt unter der Bezeichnung Schwassmann-Wachmann 1, wurde am 15. November 1925 von den Astronomen Arnold Schwassmann und Arthur Arno Wachmann auf Fotoaufnahmen entdeckt, welche an der Sternwarte in Hamburg-Bergedorf angefertigt wurden. Man nimmt an, dass dieser Komet zur Familie der Zentauren gehört, von denen bisher lediglich 45 Objekte bekannt sind. Diese Körper bewegen sich auf Bahnen um die Sonne, welche sich zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Jupiter und Neptun befinden.
Sie haben sich wahrscheinlich in der Entstehungsphase unseres Sonnensystems im Bereich des Kuipergürtels jenseits der Neptunbahn gebildet und sind von dort aus in den inneren Bereich des Sonnensystems gewandert. Spektrografische Untersuchungen erbrachten bei einigen dieser Objekte den Nachweis von gefrorenem Wasser auf deren Oberfläche.
Der Komet 29P/Schwassmann-Wachmann bewegt sich auf einer nahezu kreisförmigen Umlaufbahn um die Sonne, welche eine numerische Exzentrizität von lediglich 0,0441 aufweist. Mit einer mittleren Entfernung von 5,986 Astronomischen Einheiten (AU) zur Sonne befindet sich sein Orbit knapp außerhalb der Umlaufbahn des Jupiters. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt der Komet 14,65 Jahre.
Seit seiner Entdeckung wurde 29P/Schwassmann-Wachmann regelmäßig von Profi- und Amateurastronomen beobachtet. Dabei stellte man fest, dass der Komet in der Nähe seines Perihels, derjenige Punkt der Umlaufbahn, an dem die größte Annäherung an die Sonne erreicht wird, normalerweise eine scheinbare Helligkeit von etwa 17 Magnitude (mag) erreicht. Im Aphel, dem Punkt der größten Entfernung zur Sonne, werden dagegen in der Regel lediglich 19 Magnitude beobachtet. Allerdings konnte man bei diesen kontinuierlichen Beobachtungen auch feststellen, dass der Komet relativ häufig sogenannte Helligkeitsausbrüche durchlebt. In diesen Phasen einer kurzfristig gesteigerten Aktivität kann der Komet zeitweise bis zu 13 Magnitude hell erscheinen. In sehr seltenen Fällen erreichte er sogar die 10 Größenklasse.
Im Laufe der letzten Woche konnte eine regelmäßig verlaufende, aber nur schwache Helligkeitszunahme beobachtet werden. Am 20. Dezember 2009 betrug die Helligkeit des Kometen 16,4 Magnitude, welche sich bis zum 27. Januar 2010 auf 15,1 Magnitude steigerte. Am 3. Februar 2010 wurde von spanischen Beobachtern berichtet, dass bei 29P/Schwassmann-Wachmann erneut ein außergewöhnlich großer Helligkeitsausbruch zu beobachten sei. Nach vorläufigen Analysen handelt es sich wahrscheinlich sogar um den stärksten Ausbruch der letzten zehn Jahre. Fotografisch und visuell liegt die Helligkeit demzufolge gegenwärtig bei 11,5 Magnitude. Der Kern des Kometen erscheint dabei nahezu stellar, also sternförmig, und erreicht einen scheinbaren Durchmesser von 15 Bogensekunden.
Die Beobachter aus Spanien weisen darauf hin, dass weitere Beobachtungen des Kometen 29P/Schwassmann-Wachmann wünschenswert seien. Hier ergibt sich momentan die seltene Gelegenheit, die physikalischen Prozesse bei der Entwicklung einer Kometenkoma direkt nach einem massiven Ausbruch zu studieren.
Bei einer Helligkeit von 11,5 Magnitude ist für die Beobachtung des Kometen ein Fernrohr nötig, welches mindestens über eine 8-Zoll-Optik verfügt. Schwassmann-Wachmann 1 ist zur Zeit im Sternbild Löwe (Leo) zu beobachten. Er bewegt sich dabei relativ zu den Hintergrundsternen nur sehr langsam in Richtung Sternbild Krebs (Cnc). Interessierte Beobachter finden diese Sternbilder gegenwärtig gegen 22:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit etwa 40 Grad über dem Horizont am Südosthimmel.
Verwandte Artikel
Raumcon-Forum
(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Astronomers Telegram, Kronk’s Cometography, Wikipedia)
» Kollisionswolke statt Kometenschweif
04.02.2010 - Im Asteroidengürtel erschien Anfang Januar ein längliches unscharfes Objekt, einem Kometenschweif nicht unähnlich. Kometen können hier kaum auftreten: Eine gestochen scharfe Aufnahme des Hubble-Teleskops zeigte nun, dass es erstmalig gelang, die Auswirkungen einer Kollision im Asteroidengürtel zu beobachten.
Am 6. Januar vermeldete das US-Programm zur Himmelsdurchmusterung Lincoln Near Earth Asteroid Research (LINEAR) die Entdeckung eines neuen, bisher unbekannten Kometen. Während LINEAR nach Gesteinsbrocken Ausschau hält, die potentiell die Erdbahn kreuzen könnten, ist das neu entdeckte und P/2010 A2 getaufte Objekt sichere 140 Millionen Kilometer von uns entfernt. Es ist in der inneren Randregion des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter anzutreffen.
Einen Kometen im Asteroidengürtel zu finden, ist aber äußerst unwahrscheinlich. Die mobilen Objekte aus den Jugendtagen des Sonnensystems entstammen der Oortschen Wolke und dem Kuipergürtel am Rande des Sonnensystems und sind meist überkrustet von einer Mischung aus Eis und Staub. So weit draußen ist die Sonne zu schwach, um flüchtige Gase und Wassereis auszutreiben. Kometen bilden ihren charakteristischen Schweif erst aus, wenn sie der Sonne zu nahe kommen. Dann verdampft der Eispanzer. Dies ist für ein Objekt im Asteroidengürtel innerhalb der Jupiterbahn äußerst unwahrscheinlich. Hier ist es einfach zu warm: Asteroiden sind deswegen deutlich trockener als ihre Kollegen aus der Peripherie des Planetensystems, sie haben die flüchtigen Stoffe schon vor langer Zeit verloren. Selbst wenn sie der Sonne eine Stippvisite abstatteten, würden sie kaum einen Schweif ausbilden.
Mehrtägige Beobachtungen bestätigten nun, dass tatsächlich kein Komet in den Asteroidengürtel eingedrungen ist. Die Bahn der Wolke deckt sich mit jener der Flora-Gruppe. Das sind Gesteinkörper im inneren Bereich des Asteroidengürtels, die etwa fünf Prozent aller Asteroiden stellen. Ein von außen eingedrungener Komet hätte eine völlig andersartige Bahncharakteristik. Also muss zwischen bisher nicht bekannten Mitgliedern der Flora-Gruppe etwas vorgefallen sein.
Am Dienstag sind nun Aufnahmen des Hubble-Teleskops von P/2010 A2 veröffentlicht worden, die viele neue Details enthalten. "Der Staub unterscheidet sich deutlich von den diffusen Wolken, die normale Kometen umgeben", erklärt David Jewitt von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. "Die Wolke besteht aus Staub und Gestein, die erst vor Kurzem aus dem Nukleus entwichen sind."
Mit Nukleus meint Jewitt einen bisher unbekannten, 140 Meter großen Gesteinskörper. Er scheint der Ausgangspunkt der Wolke zu sein, da er sich an einem der Enden der langgestreckten, X-förmigen Wolke befindet, die von mehreren Filamenten durchzogen wird. Auch die Form unterscheidet sie von einem handelsüblichen Kometenschweif. "Manche dieser Filamente werden durch den Strahlungsdruck des Sonnenlichts zurückgeworfen, was die Streifen hervorruft. In sie sind kleine Verklumpungen aus Staub eingebettet", so Jewitt weiter.
Diese Interpretation wird von spektroskopischen Messungen gedeckt: Die Staubwolke enthält kaum flüchtige Gase und Wasserdampf, die in Kometenwolken zu den Hauptbestandteilen gehören. Wenn ein schmelzender Eispanzer als Ursache ausscheidet, muss der Staub durch rohe Gewalt ins All geschleudert worden sein: Mindestens fünf Kilometer pro Sekunde dürfte die Geschwindigkeitsdifferenz beider Körper betragen haben.
Solche Kollisionen passierten vor wenigen Milliarden Jahren ständig. Heute sind sie zur Seltenheit geworden. Obwohl der Begriff Asteroidengürtel nahelegt, dass die Gesteinsbrocken dicht an dich liegen, befindet sich hier sehr viel leerer Raum zwischen den Asteroiden. Daher wusste man bisher auch nicht, was genau in den beschleunigten Staubwolken passiert, auch wenn ähnliche Phänomene schon 1996, 2002, 2005 und 2008 beobachtet worden sind. Anders als bei P/2010 A2 ist man sich jedoch nicht sicher gewesen, ob wirklich eine Kollision stattgefunden hatte.
Raumcon
(Autor: Karl Urban - Quelle: NASA, Universetoday)
» Endeavour-Countdown läuft
04.02.2010 - Seit 8 Uhr läuft der Countdown der Mission STS 130. Diese steht unter dem offiziellen Motto: Zimmer mit Ausblick (Room with a view).
Das Zimmer ist das in Italien unter der Leitung von Thales Alenia Spazio gefertigte dritte Knotenmodul des US-basierten Teils der Internationalen Raumstation. Dabei handelt es sich um ein fast 7 Meter langes und 4,40 m durchmessendes, zylindrisches Modul mit einer Masse von etwa 13,5 t. Über einen Wettbewerb wurde im letzten Jahr nach einem Namen für Node 3 gesucht. Die NASA entschied sich schließlich zu Ehren der vor gut 40 Jahren erfolgten ersten Mondlandung im Meer der Ruhe für Tranquility (dt. Ruhe).
In diesem Modul werden mehrere Water Recovery System Racks für die Aufbereitung von Schmutzwasser und Urin sorgen. Damit will man jährlich etwa 2.850 Liter Frischwasser ersetzen, das sonst teuer von der Erde zur Station transportiert werden müsste. Das bedeutet eine Einsparung von etwa 100 Millionen US-Dollar pro Jahr. Das Wasser kann sowohl zur Kühlung als auch zur Sauerstoffproduktion verwendet werden. Dazu befindet sich ein Oxygen Generation System Rack in Tranquility. Hier wird Wasser mittels Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Sauerstoff wird der Atmosphäre der Station beigemischt, während der Wasserstoff ins All abgelassen wird. Maximal lassen sich pro Tag 9 kg Sauerstoff produzieren.
Zur Reinhaltung der Stationsluft dient ein Air Revitalization System. Dieses überwacht und filtert etwa 200 Substanzen aus der Luft, vor allem dient es aber der Absorption von Kohlenstoffdioxid. Zum ebenfalls in Node 3 untergebrachten Equipment gehört ein Waste and Hygiene Compartment genanntes Hygieneabteil, mit einer Toilette, sowie Sportgeräte. Ein schwingungsgedämpftes Laufband und ein Kraftsporttrainingsgerät sollen dafür sorgen, dass die Raumfahrer während ihres langen Aufenthaltes in der Schwerelosigkeit fit bleiben. Das Advanced Resistive Exercise Device arbeitet mit Vakuumzylindern und erlaubt eine Maximalbelastung, die dem Heben von 270 kg Masse auf der Erde entspricht.
Den Blick ins All, auf die Erde und ins nahe Arbeitsumfeld der Station erlaubt die ebenfalls bei Thales Alenia Spazio gefertigte Cupola. Sie ist 1,50 m hoch, hat einen Durchmesser von 2,95 m und eine Masse von etwa 1,8 t. Sie verfügt über 6 rundum angebrachte trapezförmige Fenster und ein 80 cm durchmessendes rundes Fenster an der Decke. Über diese vierlagigen, austauschbaren und mit einer einfachen Abdeckung versehenen Fenster sollen astronomische sowie Erdbeobachtungen, Fotografie und Überwachung von Operationen mit dem Haupt-Roboterarm der Station vorgenommen werden. Am Bau waren Firmen in Spanien, Schweden, Deutschland, Belgien und der Schweiz beteiligt. Die Metallstruktur der Kuppel wurde aus einem Stück gefertigt und bietet daher eine besondere Festigkeit.
Die Endeavour soll am 7. Februar, um 10:39 Uhr MEZ starten und knapp zwei Tage später am Bug der ISS andocken. Die Besatzung besteht aus George Zamka, Terry Virts, Nicholas Patrick, Robert Behnken, Stephen Robinson und Kathryn Hire. Während der auf knapp 13 Tage geplanten Mission sollen 3 Außenbordeinsätze durchgeführt werden.
Nach dem Start und dem Manöver zum Einschwenken in eine stabile Erdumlaufbahn wird sich die Raumfähre auf einer mehrfach anzuhebenden Bahn der Internationalen Raumstation nähern. Am zweiten Flugtag wird der Hitzeschutz der Endeavour untersucht, am dritten erfolgen Rendezvous, Rotationsmanöver und Kopplung. Am 4. Tag werden die Wasseraufbereitungsanlage in der ISS repariert und der erste Ausstieg vorbereitet. Während des Ausstiegs wird das zuvor aus dem Laderaum der Endeavour gehobene und an Unity-Backbord angedockte Tranquility-Modul, an dessen einem Ende die Kuppel angebracht ist, an die Avionik der Station angeschlossen. Am folgenden Tag wird das Modul in Betrieb genommen und Cupola auf die Umsetzung vorbereitet. Diese erfolgt am 8. Flugtag an die Unterseite von Tranquility. Zuvor werden beim 2. Außenbordeinsatz Kühlmitteldruckleitungen an dessen Außenseite angeschlossen. Damit wird Tranquility in den äußeren Kühlkreislauf des US-basierten Stationssegments einbezogen.
Anschließend wird der Kopplungsadapter PMA 3 von Harmony-Zenit nach Tranquility-Bug umgesetzt. Hier soll es als Lagerraum und zusätzlicher Meteoritenschutz dienen. Für Kopplungsmanöver wurde PMA 3 nur einmal benutzt. Nach der Umsetzung und Reaktivierung von PMA 3, zu der auch die Arbeiten während des dritten Ausstiegs beitragen, werden letzte Versorgungsgüter und Ausrüstungen aus dem Shuttle in die Station gebracht. Verpackungsmaterial, Forschungsergebnisse und Abfälle nehmen den umgekehrten Weg. Möglicherweise wird abschließend die Bahn der Station mit Hilfe der Shuttle-Triebwerke angehoben. Am 12. Tag koppelt die Endeavour von der Station ab, umfliegt sie und macht sich anschließend auf den Heimweg. Die Landung am KSC in Florida soll nach gegenwärtigen Planungen am 20. Februar erfolgen.
Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)
» 685 Mikrometeoriten-Treffer an Hubbles alter Kamera
04.02.2010 - Update der Untersuchungen von September 2009: Hubbles Kamera war 16 Jahre lang im Weltraum dem Beschuss durch Meteoriten und Mikroschrott ausgeliefert. Untersuchungen sollen nun Aufschluss über die Beschaffenheit und Verteilung der Einschläge geben, die Basis für zukünftigen Meteoritenschutz für Raumfahrzeuge.
Raumfahrer.net informierte in den News vom 17.Oktober 2009 über erste Untersuchungsergebnisse an Hubbles alter Wide Field and Planetary Camera 2 (Weitwinkel- und Planetenkamera, kurz WPFC 2). Die WPFC 2 wurde im Mai 2009 während der überaus erfolgreichen HST-Wartungsmission STS 125 gegen die neue Wide Field Camera 3 (WFC 3) ausgetauscht und mit dem Space Shuttle Atlantis zur Erde zurückgebracht. Mittlerweile sind die Untersuchungen voran geschritten und neuere Erkenntnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der „Orbital Debris Quarterly News“ (Volume 14, Issue 1, January 2010) veröffentlicht. Der sich an der Kamera befindende Radiator misst 2,2 Meter mal 0,8 Meter und besteht an der Außenseite aus einem gewölbten, 4 Millimeter starken, mit weißem Wärmeanstrich versehenen Aluminiumblech. Seit dem Einbau der Kamera ins HST im Jahre 1993 war dieser Radiator dem Weltraum ausgesetzt. Aufgrund seiner großen Abmessungen und seiner langen Aufenthaltsdauer im All ist dieser Radiator eine einzigartige Messplatte für die MMOD-Umgebung in einer Höhe von 560 km und 620 km, so die Bewertung durch das Orbital Debris Programm Office der NASA. MMOD steht dabei für Micrometeorids and Orbital Debris, soviel wie Mikrometeoriten und Weltraummüll. Die 6-wöchige Untersuchung, die vom NASA Orbital Debris Program Office geleitet und mit dem NASA Hypervelocity Impact Technology Facility, dem NASA Meteoroid Environment Office, dem NASA Curation Office und mit voller Unterstützung des HST-Programms durchgeführt wurde, bediente sich im Wesentlichen zweier Instrumente - zum Einen einem Laser-Scanner, um ein schnelles Abbild der Einschläge zu erstellen, und zum Anderen einem digitalen Mikroskop für detaillierte zwei- und dreidimensionale Bilder der einzelnen Einschläge. Zusätzlich wurde ein Laser-Schablonen-Projektor eingesetzt, um die genauen Koordinaten der Einschläge zu ermitteln. Die Untersuchung wurde auf Einschläge größer 300 µm Durchmesser begrenzt, da diese Größenordnung wahrscheinlich die Grenze darstellt, welche wichtig für MMOD-Risikoanalysen ist. Letztendlich wurden im Rahmen dieser Untersuchung 685 MMOD-Einschläge identifiziert und dokumentiert. Der größte wies einen Kraterdurchmesser von 1,6 mm auf, mit einer umgebenden Splitterzone auf der beschichteten Radiatorfläche von 1,4 cm Durchmesser. Die Mehrheit der Einschläge durchbrach nicht einmal die Wärmeschutzlackierung. Der Krater im linken Teil von Bild 3 ist ein typisches Beispiel dafür, während der rechts in Bild 3 dargestellte Krater die Lackierung durchbrach und auch das Metall des Radiators beschädigte. Weiterhin wurden im Rahmen der Untersuchung an die 200 Auffälligkeiten dokumentiert, welche nicht auf Einschläge zurückzuführen sind. Hierbei handelt es sich um Auffälligkeiten, welche durch Kontamination und Werkzeuge herbeigeführt wurden. Die Untersuchung der Kraterbilder ist momentan noch nicht abgeschlossen. Bild 4 zeigt im oberen Bereich einen der größten Krater, mit eingezeichneter roter Messlinie und im unteren Bereich das Höhenrelief entlang der Messung. Die Beschädigung ist rund 1,4 mm lang (Entfernung zwischen "C" und "D") mit einer fast doppelt so großen Splitterzone. Die grüne Linie, bezeichnet mit "A", kennzeichnet den Anfang der Lackschicht, welche dort in etwa eine Dicke von 0,28 mm aufweist und die Linie "B" den Boden des Kraters im Aluminium. Der Krater ist an dieser Stelle ca. 0,35 mm tief.
Wenn alle Bilder prozessiert sind, werden die Auffälligkeiten in Bezug auf Verteilung, Durchmesser und Tiefe ausgemessen. Erste Hochgeschwindigkeits-Einschlagsversuche an identischem Material sind für Februar 2010 geplant. Die dabei ermittelten Testergebnisse werden zur Modellierung der Einschlagbedingungen herangezogen. Weiterführend plant man auch die HST-Höhenentwicklung in das Modell einzuarbeiten. Einige Krater sollen einer Bestandteilanalyse zugeführt werden, mit der man das Einschlagmaterial und somit dessen Herkunft (irdisch / außerirdisch) bestimmen kann. Weitere Informationen sollen im Rahmen der Orbital Debris Quarterly News veröffentlicht werden.
(Autor: Thomas Wehr - Quelle: NASA: „Orbital Debris Quarterly News“ (Volume 14, Issue 1, January 2010))
» Cygnus-Demo-Frachtmodul wird montiert
06.02.2010 - Das erste Frachtdruckmodul des künftigen ISS-Zubringers Cygnus der US-Firma Orbital Sciences Corporation mit Sitz in Dulles wird gegenwärtig in Italien zusammengebaut, meldete der Auftraggeber in der ersten Februarwoche.
Die Fertigung erfolgt bei Thales Alenia Spazio in Turin. Die Frachteinheit beruht auf einer bewährten Konstruktion, die bereits bei den Mehrzweck-Logistikmodulen (MPLM) angewandt wurde. Thales Alenia Spazio hat im Auftrag von NASA und ESA neben den drei MPLM Leonardo, Raffaello und Donatello auch die Knotenmodule Harmony und Tranquility sowie die Cupola gebaut und ist damit der bedeutendste europäische Zulieferer für die Internationale Raumstation.
Das erste Frachtmodul für die im Rahmen des COTS-Programms (Commercial Orbital Transportation Services) der NASA von Orbital entwickelten Cygnus-Frachter soll nach gegenwärtigen Planungen Anfang des zweiten Quartals 2011 ins All gebracht werden. Dieser Flug wird eine Demonstrationsmission, bei der das Raumfahrzeug noch nicht an die ISS angedockt werden soll. Das Servicemodul des Raumfrachters mit Antrieb, Energieversorgung und Avionik wird bei Orbital selbst gebaut. Ab 2011 sollen 8 Cygnus-Frachter insgesamt etwa 20 t Nutzlast zur Station befördern, 2,0 bis 2,7 t pro Flug.
Ebenfalls eine Neuentwicklung ist die Trägerrakete Taurus II. Im vergangenen Jahr waren Tests mit beiden Raketenstufen getrennt absolviert worden. In diesem Jahr stehen Strukturtests für Rakete und Nutzlastverkleidung sowie weitere Triebwerkszündungen auf dem Programm. Den Jahresabschluss bildet ein Gesamttest des Systems auf der Startrampe auf Wallops Island.
Zum Einsatz kommt dann aber die zweite Rakete. Sie könnte im April 2011 den ersten Cygnus-Frachter in eine niedrige Umlaufbahn um die Erde transportieren. Verläuft dieser erste Flug erfolgreich, so könnte die erste Fracht noch im selben Jahr zur Internationalen Raumstation gebracht werden.
Neben der Orbital Sciences Corporation hat auch die Space Exploration Technologies Corporation (kurz SpaceX) im Rahmen eines NASA-Wettbewerbs einen Auftrag zu Fertigung und Start mehrerer Transportraumkapseln zur ISS erhalten. Der Demonstrationsflug der Dragon genannten Einheit soll noch in diesem Jahr durchgeführt werden.
Verwandte Meldungen:
Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Orbital Sciences Corporation)
» Endeavour erfolgreich gestartet
08.02.2010 - Um 10:14 Uhr MEZ erleuchtete das Space Shuttle Endeavour den Nachthimmel über Florida und begann seine 13-tägige Mission zur Internationalen Raumstation.
Nachdem gestern der Start wegen einer zu dichten Wolkendecke über dem Kennedy Space Center abgesagt werden musste, kooperierte das Wetter heute. Auch auf der technischen Seite gab es keine Probleme mit der Endeavour, sodass einem Start nichts im Wege stand. Pünktlich um 10:14 Uhr MEZ hob der Orbiter dann von der Startrampe 39A ab. 8½ Minuten später erreichte Endeavour sicher die Umlaufbahn. Die Besatzung, bestehend aus dem Kommandanten George Zamka, Pilot Terry Virts und den Missionsspezialisten Nicholas Patrick, Robert Behnken, Stephen Robinson und Kathryn Hire, begannen sofort damit, das Space Shuttle auf die bevorstehenden Arbeiten vorzubereiten.
Es war der 24. Start der Endeavour und der letzte geplante Nachtstart eines Space Shuttles, bevor das Programm Ende dieses Jahres eingestellt wird. Auch die verantwortlichen Manager bei der NASA waren vom Start beeindruckt und betonten die gute Arbeit des Teams am Boden, um diesen Bilderbuchstart zu ermöglichen. Nach der ersten groben Sicht des Filmmaterials vom Start konnte man den Verlust von kleineren Mengen Isolierschaum etwa 2 Minuten nach dem Abheben erkennen. Experten werden, wie bei jeder Mission, in den kommenden Tagen das Hitzeschild des Space Shuttle genau unter die Lupe nehmen, um eventuelle Schäden frühzeitig zu erkennen.
Während ihrer knapp zweiwöchigen Mission wird die Besatzung ein großes Modul zur Internationalen Raumstation liefern und dort anbringen. Tranquility wird den Hauptteil der amerikanischen Lebenserhaltungssysteme beinhalten, sowie Stauraum und Trainingsgeräte bereitstellen. Neben Tranquility wird auch das Observationsmodul Cupola zur Raumstation gebracht. Mit Cupola haben die Astronauten an Bord der ISS einen direkten Rundumblick auf die Raumstation und können so Arbeiten mit dem Roboterarm und Rendezvous mit ankommenden Raumfahrzeugen besser koordinieren. Cupola wird den Astronauten außerdem einen einzigartigen Blick auf die Erde ermöglichen. Um Tranquility und Cupola an die Station anzubringen, sind insgesamt drei Außenbordeinsätze geplant, welche von Nicholas Patrick und Robert Behnken durchgeführt werden. Es wird außerdem die Möglichkeit bestehen die Mission um einen Tag zu verlängern, um so zusätzliche Arbeiten an Bord der Raumstation zu erledigen.
Endeavour befindet sich derzeit in einer Höhe von ca. 230 Kilometern.
Raumcon:
(Autor: Thomas Pallmann - Quelle: NASA)
» Neue Oberflächenbilder von Pluto
08.02.2010 - Am 4. Februar 2010, dem 104. Geburtstag des Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh, veröffentlichte die amerikanische Weltraumbehörde NASA neue Aufnahmen dieses Zwergplaneten. Auf den Bildern sind deutliche Anzeichen für eine Veränderung auf dessen Oberfläche erkennbar.
Lange Zeit galt Pluto als der neunte Planet unseres Sonnensystems, bevor ihm dieser Status auf der 26. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) am 24. August 2006 aberkannt wurde. Seitdem wird Pluto der damals neu definierten Klasse der Zwergplaneten zugerechnet. Trotzdem hat das wissenschaftliche Interesse an diesem Objekt an der äußeren Grenze unseres Sonnensystems nicht nachgelassen. Allerdings ist es aufgrund der großen Entfernung zur Erde und des kleinen Durchmessers dieses Zwergplaneten selbst mit den derzeit größten erdgestützten Teleskopen nicht möglich, im sichtbaren Licht Details von dessen Oberfläche zu erkennen. Hierzu ist gegenwärtig lediglich das Weltraumteleskop Hubble in der Lage. Aus mehreren im Sommer 1994 angefertigten Aufnahmen wurde eine Karte der Oberfläche des Zwergplaneten erstellt, welche im Jahr 1996 veröffentlicht wurde.
Im März 2002 erhielt das Hubble Space Telescope eine neue Kamera, die Advanced Camera for Surveys (ACS). Mit diesem neuen Kamerasystem wurden zwischen dem 11. Juni 2002 und dem 8. Juni 2003 insgesamt 384 weitere Bilder von Pluto aufgenommen. Bei 12 Beobachtungskampagnen wurde der Zwergplanet dabei mit verschiedenen Farbfiltern abgebildet. Im Verlauf eines äußerst aufwendigen Bildbearbeitungsverfahrens, des sogenannten Ditherings, gelang es den Wissenschaftlern um Marc W. Buie vom Southwest Research Institute (SwRI) in Boulder/Colorado schließlich, eine neue Oberflächenkarte des Pluto zu berechnen. Durch das hierbei angewandte Dithering war es möglich, die gegeneinander leicht versetzt aufgenommenen Bilder mittels Computer-Bildbearbeitung miteinander zu kombinieren und auf diese Weise eine bessere Qualität zu erzielen, als dies von der theoretischen Kameraauflösung her möglich gewesen wäre. Auf diese Weise konnte die bis zum jetzigen Zeitpunkt detailreichste Karte von der Oberfläche dieses Zwergplaneten erstellt werden.
Aufgrund der Tatsache, dass Pluto auf den gewonnenen Aufnahmen nur wenige Pixel groß erscheint, glich diese Arbeit anfangs eher einem Ratespiel. Die Wissenschaftler gingen bei der Erstellung der aktuellen Karte zuerst mehr oder weniger von einer vermuteten Struktur der Oberfläche aus. Daraus wurde ein Modell der Oberfläche erschaffen. Mit entsprechenden Software-Programmen erzeugte man ein Bild davon, wie das Hubble Space Telescope diese theoretische Oberfläche dargestellt hätte. Im Anschluss erfolgte ein Vergleich mit den tatsächlich beobachteten Daten.
Anhand der dabei festgestellten Unterschiede zwischen dem Modell und der Realität erfolgte die erneute, diesmal verfeinerte Erstellung einer theoretischen Karte und ein anschließender erneuter Vergleich mit den beobachteten Werten. Durch einen permanenten Abgleich dieser vermuteten Oberfläche mit den tatsächlich beobachteten Daten und der anschließenden Erstellung eines verbesserten Oberflächenmodells gelang es schließlich, die in der letzten Woche vorgestellte Oberflächenkarte zu errechnen. Mit dieser aufwendigen Arbeit waren 20 simultan arbeitende Computer vier Jahre lang beschäftigt.
Auf diese Weise gelang es, die Oberfläche Plutos bis zu einer Größe von etwa 100 Kilometern pro Bildpunkt aufzulösen. Dies reicht zwar noch nicht aus, um Oberflächendetails wie etwa Krater oder Berge darzustellen, ist aber genug, um farbliche Unterschiede zu erkennen. Deutlich sichtbar sind sich abwechselnde Gebiete mit weißen, orangefarbenen, braunen und schwarzen Farbtönen. Auf Spektralaufnahmen des Zwergplaneten konnten bisher Wassereis, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid nachgewiesen werden. Bei den weißen Gebieten, so die Interpretation, dürfte es sich wahrscheinlich um gefrorenes Kohlendioxid handeln. Die rötlich und bräunlich erscheinende Grundfärbung der Oberfläche kommt dagegen wahrscheinlich durch Methan zustande, welches durch die UV-Strahlung der Sonne aufgespalten wird. Die dabei freigesetzten kohlenstoffhaltigen Moleküle schließen sich zu langkettigen Kohlenwasserstoffen zusammen, welche sich anschließend auf der Oberfläche niederschlagen.
Vergleicht man diese aktuelle Karte mit der älteren, auf den im Jahr 1994 vom Hubble Space Telescope aufgenommen Bildern basierenden Karte, so zeigt sich, dass Pluto zum jetzigen Zeitpunkt sehr viel röter erscheint als damals. Außerdem sind eindeutige Veränderungen auf dessen Oberfläche erkennbar. Das Gebiet um den Nordpol erscheint jetzt heller, während die Gegend im Bereich des Südpols sich verdunkelt hat. Einige der im Jahr 1994 beobachteten dunklen Gebiete haben ihre Position beziehungsweise ihre Form und Ausdehnung verändert, während andere Stellen der Oberfläche keine signifikanten Veränderungen erkennen lassen. Im gleichen Zeitraum aufgenommene Bilder von Plutos größten Mond Charon lassen diese Veränderungen nicht erkennen. Die Wissenschaftler um Marc Buie führen dies auf die starken jahreszeitlich Effekte zurück, denen Pluto unterliegt und die gerade zum jetzigen Zeitpunkt einen starken Wandel von Oberfläche und Atmosphäre nach sich ziehen.
Hierbei spielt nicht nur die extreme Achsenneigung von 122 Grad gegen die Bahnebene eine Rolle, sondern auch die stark elliptische Umlaufbahn Plutos, welche im Lauf eines Plutojahres für sehr unterschiedliche Temperaturen auf dessen Oberfläche sorgt. An seinem sonnennächsten Punkt der Umlaufbahn um die Sonne, dem Perihel, ist Pluto 29,7 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt. Am sonnenfernsten Punkt, dem Aphel beträgt diese Distanz dagegen 49,3 Astronomische Einheiten. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen befand sich Pluto mit einer Entfernung von 30,6 Astronomischen Einheiten noch immer in relativ großer Nähe zur Sonne. Der Nordpol ist dabei in Richtung auf die Sonne geneigt.
"Diese Bilder erlauben es den Planetologen, die Observationen von Pluto während der letzten mehr als 30 Jahre und die dabei gewonnenen Erkenntnisse besser zu interpretieren", so Marc Buie. "Die Beobachtungen mit Hubble sind der Schlüssel dazu, die anderen vielfältigen Beobachtungen bezüglich des Wetters und des Wechsels der Jahreszeiten in einen Zusammenhang zu setzen." Die Hubble-Bilder unterstreichen, dass es sich bei Pluto nicht um einen toten Körper aus Stein und Eis handelt, sondern dass dieses Objekt an der Grenze unseres Sonnensystems vielmehr eine dynamische Welt darstellt, welche einem dramatischen Wechsel des atmosphärischen Geschehens unterliegt. Mit erdgebundenen Teleskopen konnte man feststellen, dass sich die Masse der Atmosphäre des Zwergplaneten zwischen den Jahren 1988 bis 2002 in etwa verdoppelt hat. Dieser durch die momentane Sonnennähe bedingte Effekt lässt sich durch die Beobachtungen des Hubble Space Telescopes nun besser interpretieren.
In den Monaten vor und nach dem 14. Juli 2015 werden wir dann hoffentlich auch erfahren, wie die Oberflächen von Pluto und seinen drei bisher bekannten Monden Charon, Nix und Hydra im Detail beschaffen sind. An diesem Tag wird sich die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde New Horizons dem Pluto bis auf etwa 10.000 Kilometer nähern und ihn dabei mit insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumenten ausgiebig untersuchen. New Horizons wurde am 19. Januar 2006 gestartet und hat gegenwärtig etwa die Hälfte der Strecke zu Pluto zurückgelegt (Raumfahrer.net berichtete).
Bis zum Anfang des Jahres 2015 werden die aktuell veröffentlichten Bilder daher auch die detailreichsten Aufnahmen des Zwergplaneten Pluto bleiben, welche uns zur Verfügung stehen. Erst etwa sechs Monate vor der größten Annäherung wird das Kamerasystem "LORRI" an Bord von New Horizons in der Lage sein, die ACS-Aufnahmen des Hubble Space Telescope in ihrer Auflösung zu übertreffen.
Marc Buie plant ab April 2010 eine weitere Beobachtungskampagne mit dem Hubble Space Telescope. Allerdings werden die dabei geplanten Aufnahmen nicht die Auflösungen der Beobachtungen von 2002 und 2003 erreichen. Trotzdem wird man auch bei diesen mit dem WFC-3-Kamerasystem zu erstellenden Bildern weitere farbliche Veränderungen auf der Oberfläche des Pluto registrieren und so den Wandel der Jahreszeiten weiterhin verfolgen können.
Zugleich stellen all diese Aufnahmen eine wichtige Vorbereitung für die Mission von New Horizons dar. Anhand dieser Bilder können die Wissenschaftler bereits jetzt die interessantesten Gebiete auf der Oberfläche von Pluto lokalisieren und so den im Sommer 2015 stattfindenden Vorbeiflug der Sonde planen und die dabei zu beobachtenden Regionen festlegen. Auch sind diese Aufnahmen wichtig, um zum Beispiel die Belichtungszeiten für einzelne Fotoaufnahmen von New Horizons festzulegen.
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Raumcon-Forum
(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: NASA, SwRI, Planetary Society, ScienceBlogs (F. Freistetter))
» Astronauten überprüfen Hitzeschild
09.02.2010 - Die Besatzung des Space Shuttle Endeavour absolvierte ihren ersten vollen Tag im All und kontrollierte dabei routinemäßig das Hitzeschild der Raumfähre.
Die Bodenkontrolle in Houston weckte die Crew um 0:14 Uhr MEZ mit dem Lied „Give Me Your Eyes“ von Brandon Heath. Das Lied wurde Pilot Terry Virts gewidmet, der als Einziger der Endeavour-Crew zum ersten Mal ins All gestartet ist.
Den Großteil des Tages verbrachte die Crew, bestehend aus dem Kommandanten George Zamka, Pilot Terry Virts und den Missionsspezialisten Kay Hire, Steve Robinson, Nicholas Patrick und Robert Behnken, mit der untersuchung des Hitzeschildes des Space Shuttle. Für die Arbeiten sind jeweils drei Personen notwendig, um alle Parameter während der Inspektion im Auge zu behalten. Zuerst kontrollierte die Besatzung die Kante des rechten Flügels, um sich anschließend der Nasenkappe und der Kante am linken Flügel zu widmen. Die gewonnenen Daten wurden im Kontrollzentrum in Houston gesammelt und werden derzeit von einem Expertenteam, dem sogenannten Damage Assessment Team, ausgewertet.
Im Mitteldeck des Space Shuttle bereiteten Nicholas Patrick und Robert Behnken ihre beiden Raumanzüge für die drei geplanten Außenbordeinsätze der Mission vor und legten erste Transfergüter bereit, die zur Internationalen Raumstation gebracht werden sollen.
Gegen Ende des Tages installierte die Besatzung eine Kamera im Andockmechanismus der Endeavour und fuhr anschließend den Andockring aus. Die Kamera dient Kommandant Zamka als Hilfsmittel, um das Shuttle präzise an den Andockadapter Nummer 2 der Raumstation anlegen zu lassen. Die Crew bereitete außerdem alle notwenigen Werkzeuge, wie z. B. Entfernungsmesser, vor, die während des Rendezvous mit der ISS benötigt werden.
An Bord der Raumstation bereiteten unterdessen die Besatzungsmitglieder der Expedition 22, bestehend aus dem Kommandanten Jeff Williams und den Flugingenieuren Maxim Surajew und Oleg Kotow sowie dem japanischen Astronauten Soichi Noguchi und dem amerikanischen Astronauten T. J. Creamer, alles für die Ankunft der Endeavour vor. Sie gingen außerdem noch einmal die Prozeduren durch, die durchgeführt werden, um während des Rendezvous-Pitch-Manövers am Mittwoch Fotos von der Unterseite des Space Shuttle machen zu können. Diese Fotos, zusammen mit den Bildern von der heutigen Inspektion, ermöglichen den Experten am Boden ein vollständiges Bild vom Zustand des Hitzschilds des Orbiters zu erhalten. Endeavour soll morgen um 6:06 Uhr MEZ an die Raumstation anlegen.
Raumcon:
(Autor: Thomas Pallmann - Quelle: NASA)
» SDO startet am 10. Februar
09.02.2010 - Das Sonnenobservatorium SDO (Solar Dynamics Observatory) der US-amerikanischen Weltraumagentur NASA soll morgen, am 10. Februar 2010, ins All transportiert werden.
Die Atlas-V-Rakete der United Launch Alliance mit SDO an der Spitze steht auf der Rampe SLC-41 der Luftwaffenbasis CCAFS auf Cape Canaveral in Florida bereit. Der Start soll in einem eine Stunde breiten Startfenster zwischen 16:26 Uhr und 17:26 Uhr MEZ erfolgen. Im Internet wird der Start via NASA-TV übertragen. Ist es nicht möglich, das Startfenster am 10. Februar zu nutzen, könnte der Start am Folgetag zwischen 16:23 Uhr und 17:23 Uhr MEZ stattfinden.
SDO ist dazu vorgesehen, den Einfluss der Sonne auf die Erde und den erdnahen Raum zu erforschen. Dazu will man die extreme ultraviolette Strahlung von der Sonne messen, seismische und magnetische Veränderungen der Sonne aufzeichnen und die volle Sonnenscheibe in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen abbilden. Auch das Verständnis der dynamischen Prozesse in der Sonne soll so erweitert werden.
Vier Teleskope bilden zusammen eine Atmospheric Imaging Assembly (AIA) genannte Baugruppe, die Oberfläche und Atmosphäre der Sonne untersuchen soll. Fluktuationen der von der Sonne ausgesandten UV-Strahlung soll das Extreme Ultraviolet Variability Experiment (EVE) erfassen. Ein Bild von den Magnetfeldern der Sonne will man sich mittels des Helioseismic and Magnetic Imager (HMI) machen. Die wissenschaftliche Nutzlast hat nach letzten Angaben der NASA an der Gesamtmasse von 3.100 Kilogramm beim Start einen Anteil von 290 Kilogramm. 1.450 Kilogramm der Masse des dreiachsstabilisierten Raumfahrzeuges entfallen auf den Treibstoff. Geplant ist zunächst eine Missionsdauer von fünf Jahren und drei Monaten. Durch die Mitnahme von ausreichend Treibstoff sollen maximal zehn Jahre Betrieb möglich sein. Das Observatorium ist Bestandteil des "Living With a Star"-Programms der NASA.
Nach dem Aussetzen von der Trägerrakete in einem geosynchronen Transferorbit (GTO) mit einem Perigäum in 2.500 Kilometern Höhe über der Erde und einem Apogäum von 35.355 Kilometern soll SDO unter Einsatz eigener Triebwerke einen annähernd kreisförmigen geosynchronen Orbit in rund 36.000 Kilometern über der Erdoberfläche mit 28,5 Grad Bahnneigung gegen den Äquator und einer Position bei 102 Grad West erreichen.
Gesteuert und kontrolliert wird SDO vom Goddard Space Flight Center (GSFC) der NASA in Greenbelt, Maryland. Den kontinuierlichen Datenempfang des wegen der inklinierten Bahn nicht an einem festen Punkt über der Erde stehenden Raumfahrzeuges stellt exklusiv eine neu errichtete Empfangsstation mit zwei nachführbaren Antennen am White Sands Raumflughafen in Las Cruces, Neu Mexiko sicher. Sie soll nach der Beendigung der Mission von SDO auch für andere Programme verwendet werden.
An Bord des Satelliten gibt es ebenfalls eine nachführbare Antenne: SDOs drehbar montierte Hochgewinnantenne wird pro Erdumlauf eine Umdrehung ausführen, um der Erde zu folgen. Im Ka-Band im Bereich von 26 GHz können die gewonnenen wissenschaftlichen Daten mit einer Geschwindigkeit von 130 Megabit pro Sekunde zur Erde geschickt werden. Die erwartete große Menge an Daten, die pro Tag der Menge von etwa einer halben Millionen Liedern in einem Audioformat in durchschnittlicher Größe entspricht (~1,5 Terabyte), und das Nichtvorhandensein adäquater Speichermöglichkeiten an Bord des Raumfahrzeugs hat verbunden mit dem Wunsch, den Datenempfang über genau eine Station bewerkstelligen zu können, zur Wahl der spezifischen Orbitparameter geführt.
Auf die eingehenden Daten sind Wissenschaftler der Stanford Universität in Palo Alto, Kalifornien, der Universität von Colorado in Boulder und des Labors für Astrophysik der Sonne von Lockheed Martin in Colorado schon gespannt.
Update 10. Februar 2010:
Wegen zu starker Winde war ein Start im Startfenster zwischen 16:26 Uhr und 17:26 Uhr MEZ nicht möglich. Am morgigen 11. Februar 2010 soll ein Start zwischen 16:23 Uhr und 17:23 Uhr MEZ versucht werden.
Raumcon:
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, ULA)
» Neue Methode zur Untersuchung von Exoplaneten
10.02.2010 - Mit einem Infrarotteleskop, dessen Hauptspiegel einen Durchmesser von lediglich drei Metern aufweist, haben Wissenschaftler organische Moleküle in der Atmosphäre des etwa 63 Lichtjahre entfernten Exoplaneten HD 189733 b nachgewiesen. Für ein erdgebundenes Teleskop dieser Größe stellt dies einen bislang nicht erreichten Erfolg dar.
Wollen Astronomen die Zusammensetzung der Atmosphäre eines Exoplaneten ermitteln, so sind sie dabei auf die Methode der Spektroskopie angewiesen. Bei dieser Vorgehensweise wird das Licht, welches von einem Sternsystem in verschiedenen Wellenlängenbereichen ausgestrahlt wird, künstlich in Hunderte von einzelnen Farben zerlegt. Diese so gewonnenen einzelnen Spektrallinien werden anschließend systematisch analysiert. Aus den so gewonnenen Daten lassen sich Rückschlüsse über das Vorkommen einzelner Molekülarten und somit auch über die chemische Zusammensetzung der beobachteten Sterne und Exoplaneten gewinnen.
Um die viele Lichtjahre entfernten Planeten und ihre Sterne in einer ausreichenden Auflösung darstellen zu können, wurden für derartige Untersuchungen bislang Weltraumteleskope oder aber die größten und modernsten erdgebundenen Teleskope benötigt. Durch eine neue Methode der Datenauswertung, welche eine Gruppe von Astronomen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland entwickelt und erfolgreich getestet hat, wird die Exoplaneten-Spektroskopie jetzt auch deutlich kleineren, billigeren und somit auch weiter verbreiteten bodengebundenen Teleskopen zugänglich.
Im August 2007 führte das Team mit der Infrared Telescope Facility (IRTF), einem lediglich 3 Meter durchmessenden und mit einem Alter von 30 Jahren auch schon recht betagten Infrarot-Teleskop auf dem Maua Kea auf Hawaii, spektroskopische Beobachtungen an dem Exoplaneten HD 189733 b und dessen Zentralgestirn HD 189733 A durch. HD 189733 b benötigt etwa zwei Tage und fünf Stunden, um seinen etwa 63 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernten Zentralstern zu umkreisen. Mit einer Masse von ungefähr dem 1,13-fachen der Jupitermasse handelt es sich hierbei um einen Exoplaneten aus der Gruppe der sogenannten "Hot Jupiters".
Von der Erde aus gesehen verschwindet HD 189733 b auf seiner Orbitbahn in regelmäßigen Abständen hinter dem Zentralgestirn. Das Spektrum des Planeten lässt sich dabei bestimmen, indem man das von dem Gesamt-System direkt vor einer solchen "Planetenfinsternis" empfangene Licht mit dem während der eigentlichen Finsternis empfangenen Licht vergleicht. Moleküle, welche bei der Finsternis nicht mehr nachgewiesen werden können, kann man eindeutig der Atmosphäre des Planeten zurechnen und nicht etwa dem Stern. Allerdings sorgen bei derartigen Messungen Turbulenzen in der Erdatmosphäre für Störungen und Messfehler, deren Einfluss auf die Korrektheit des Messergebnisses sich nur schwer beurteilen und anschließend korrigieren lassen.
Jeroen Bouwman vom in Heidelberg ansässigen Max-Planck-Institut für Astronomie erklärt dazu: "Mit einer neu entwickelten Kalibrationsmethode können wir die Lichtveränderungen, die sich durch die Planetenfinsternis ergeben, von den Lichtveränderungen durch atmosphärische Turbulenzen und von Störsignalen des Detektors unterscheiden." Für die Entwicklung der dafür verwendeten Methode benötigten die Wissenschaftler fast zwei Jahre. Dieser zeitliche Aufwand hat sich allerdings gelohnt. Mittels der neu entwickelten Auswertungssoftware können die bei den Messungen auftretenden Störeffekte nun auch bei deutlich leistungsschwächeren Instrumenten eliminiert werden, da es möglich ist, das extrem schwache Spektrum des Exoplaneten von dem dominanten Hintergrund des Zentralsterns und der Erdatmosphäre zu trennen.
Zuvor waren derartige Messungen mit der erforderlichen Präzision nur mit Hilfe von Weltraumteleskopen oder mit erdgebundenen Großteleskopen möglich gewesen. Deren Beobachtungszeit ist jedoch streng rationiert und zudem sehr teuer. Durch die neue Methode sind die spektrografischen Messungen ab jetzt auch mit bodengebundenen Teleskopen durchführbar, deren Spiegeldurchmesser lediglich wenige Meter beträgt. Der Erstautor der am 4. Februar 2010 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie, Mark Swain vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, erläutert dies weiter: "Dass wir unsere neuen Ergebnisse mit einem vergleichsweise kleinen, bodengebundenen Teleskop gewinnen konnten, ist geradezu sensationell. Dies bedeutet, dass die größten bodengebundenen Teleskope mit Hilfe dieser neuen Methode in der Lage sein müssten, erdähnliche Exoplaneten zu untersuchen. Optimale Beobachtungsbedingungen vorausgesetzt sollten wir sogar in der Lage sein, mit bereits jetzt vorhandenen Instrumenten organische Moleküle nachzuweisen."
Und genau dies ist zugleich auch eines der großen Ziele der Exoplaneten-Forscher und allgemein ein Schlüsselziel der modernen Astronomie. Die Untersuchung der chemischen Eigenschaften erdähnlicher Planeten außerhalb unseres Sonnensystems stellt einen wichtiger Schritt bei der Suche nach bewohnbaren Exoplaneten oder, noch weiter gedacht, bei der Suche nach Spuren von Leben auf solchen Planeten dar. Thomas Henning, Direktor am Max-Planck-Institut für Astronomie und Co-Autor der Studie, fügt hinzu: "Hier zeigt sich das Potenzial von neuen Instrumenten wie dem Spektrografen LUCIFER, der derzeit am Large Binocular Telescope in Arizona installiert wird."
Die Atmosphäre des Exoplaneten HD 189733 b wurde bereits im Jahr 2008 durch das Weltraumteleskop Hubble untersucht. Dabei konnten unter anderem Wasser, Methan und Kohlendioxid nachgewiesen werden. Bei den aktuellen Beobachtungen des Teams um Mark Swain konnte dieser Nachweis bestätigt werden. Die gewonnenen Daten stimmen so gut mit denen des Weltraumteleskops überein, dass die Wissenschaftler sehr optimistisch sind, in Zukunft zahlreiche weitere Exoplaneten mit vergleichsweise einfachen und billigen Mitteln vom Boden aus erfolgreich untersuchen zu können.
Die ersten Beobachtungen mit der neuen Methode haben jedenfalls bereits interessante Erkenntnisse zu den Eigenschaften der Atmosphären von HD 189733 b erbracht. Bisherige Modelle basieren auf der Annahme, dass Veränderungen in der Atmosphäre eines Exoplaneten vergleichsweise langsam ablaufen müssen. Bei den Beobachtungen von HD 189733 b stellte man jedoch fest, dass sich auf dessen Tagseite unerwartet starke Emissionen von Methan nachweisen lassen. Dies wiederum ist ein Anzeichen für eine bisher nicht näher bestimmte, aber auf jeden Fall sehr starke Aktivität in dessen Atmosphäre. "Dies stellt lediglich einen Vorgeschmack auf die Überraschungen dar, welche wir bei der Erforschung von Exoplaneten noch erleben werden", so Mark Swain.
Bis zum heutigen Tag sind uns insgesamt 429 Exoplaneten bekannt. Bei den meisten dieser Planeten handelt es sich um jupiterähnliche Gasriesen, welche sich wiederum auf Bahnen bewegen, die in unmittelbarer Umgebung ihres Zentralgestirns verlaufen. Einige wenige Exoplaneten werden aber von ihrer Masse her auch bereits der Kategorie der sogenannten "Supererden" zugerechnet. Die Wissenschaftler sind optimistisch, dass es dem Weltraumteleskop Kepler gelingen wird, erstmals auch Exoplaneten von der Größe der Erde nachzuweisen. Die jetzt entwickelte Untersuchungsmethode hat die Möglichkeiten für deren zukünftige Erforschung ohne Zweifel erweitert.
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Raumcon-Forum:
(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: MPIA, JPL, exoplanet.eu)
» Atlas V transportiert SDO ins All
11.02.2010 - Am 11. Februar 2010 brachte eine Rakete vom Typ Atlas V NASAs Sonnenobservatorium SDO ins All. Der Start erfolgte um 16:23 Uhr MEZ von der Startrampe 41 der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida.
Der achtzehnte Start einer Atlas V von der CCAFS fand direkt zu Beginn des eine Stunde breiten Startfensters statt und wurde von der United Launch Alliance (ULA) durchgeführt. Für die ULA war es die erste im Jahr 2010 abgewickelte Mission einer von diesem Anbieterkonsortium betriebenen Trägerrakete.
Das Solar Dynamics Observatory (SDO) genannte Observatorium mit einer Startmasse von 3.100 Kilogramm wurde von einer Atlas V in 401-Konfiguration transportiert. Das bedeutet, dass auf der Zentralstufe mit RD-180-Triebwerk von RD-AMROSS eine Centaur Oberstufe mit einem Triebwerk aufgesetzt war, seitlich an der Zentralstufe keine Feststoffbooster angebracht waren und die Nutzlastverkleidung vier Meter Durchmesser hatte.
Nach der Zündung trug die Zentralstufe Centaur und Nutzlast in die Höhe. Etwas über vier Minuten Flugzeit vergingen, bis die Zentralstufe ausgebrannt war und abgetrennt werden konnte. Anschließend war es Aufgabe der Centaur, mit zwei von einer fast neunzig Minuten dauernden Freiflugphase unterbrochenen Brennphasen seines RL10A-4-2-Triebwerks von Pratt & Whitney Rocketdyne die Nutzlast in den vorgesehenen Zielorbit zu bringen.
Dies gelang, das Raumfahrzeug ist nach Informationen der US-amerikanischen Weltraumagentur NASA im richtigen Orbit angekommen, nachdem es sich von der Raketenoberstufe um 18:13 Uhr MEZ getrennt hatte. Die Systeme des Observatoriums funktionieren wie vorgesehen, die Solarpaneele sind ausgeklappt. SDO wird seinen Apogäumsmotor R4D von Aerojet einsetzen, um in die geplante, annähernd kreisförmige geosynchrone Umlaufbahn in rund 36.000 Kilometern über der Erdoberfläche und mit 28,5 Grad Bahnneigung gegen den Äquator zu kommen.
SDO ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.395 bzw. als COSPAR-Objekt 2010-005A.
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Raumcon:
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, ULA)
» Intelsat 16 auf Proton gestartet
12.02.2010 - Am 12. Februar 2010 hob um 1:39 Uhr MEZ eine Proton-M-Rakete vom Startplatz 200/39 in Baikonur, Kasachstan, ab, um den Kommunikationssatelliten Intelsat 16 für Intelsat in den Weltraum zu befördern. Der Start wurde von International Launch Services, abgekürzt ILS, durchgeführt, es war die erste ILS-Proton-Mission im Jahr 2010.
Der von Chrunitschew in Russland gebaute Proton-Träger verwendete drei Raketenstufen, um die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe Breeze-M und der Nutzlast, auf den Weg zu bringen. Die Startmasse betrug dabei 691 Tonnen. 583 Sekunden Flugzeit wurden benötigt, bis die Orbitaleinheit von der dritten Stufe der Proton abgetrennt werden konnte.
Nach vier Brennphasen der Oberstufe wurde der Satellit mit einer Startmasse von 2.056,6 Kilogramm schließlich nach neun Stunden und vierunddreißig Minuten Flugdauer in einem supersynchronen Orbit ausgesetzt. Das Beziehen der vorgesehenen Position im Geostationären Orbit wird der Satellit aus eigener Kraft bewerkstelligen. Dafür ist er mit einem entsprechenden Antriebssystem mit einem japanischen Zweistofftriebwerk vom Typ IHI 500 N und einer Anzahl Lageregelungstriebwerke ausgerüstet.
Der mit 24 Ku-Band-Transpondern ausgerüstete, ursprüglich als PAS-11R bezeichnete Satellit soll nach jüngsten Angaben an einer Position von 58 Grad West im Geostationären Orbit Intelsats Kapazitäten ausweiten. SKY Mexico will seine Kunden via Intelsat 16 mit hochaufgelöstem Satellitenfernsehen versorgen. Für SKY Brazil soll der noch von PanAmSat bestellte Satellit Reservekapazität bereithalten.
Die erwartete Lebensdauer des von der Orbital Sciences Corporation (OSC) in Dulles, Virginia gebauten und auf dem Satellitenbus Star 2.4 basierenden Intelsat 16 beträgt nach Angaben seines Herstellers 15 Jahre, ILS nennt 16 Jahre. Laut OSC ist ausreichend Treibstoff für 16 Jahre an Bord.
Ursprünglich hätte Intelsat 16 mit einer Zenit-3SLB-Rakete von Land Launch ins All befördert werden sollen. So war es zwischen Intelsat und dem Raketenanbieter im Januar 2008 vereinbart worden. Wegen Schwierigkeiten bei Land Launch, den vereinbarten Zeitplan einzuhalten, beauftragte Intelsat im März 2009 ILS mit dem Transport des Satelliten ins All.
Intelsat 16 alias IS-16 und PAS-11R ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.397 bzw. als COSPAR-Objekt 2010-006A.
Raumcon:
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ILS, Chrunitschew, Roskosmos)
» Satelliten-Doppelstarts auf Proton-M-Raketen
14.02.2010 - Die Kommunikationssatelliten KazSat 2 und SES 3 sollen laut einer am 11. Februar 2010 von International Launch Services (ILS) bekannt gegebenen Information zusammen auf einer Proton-Rakete gestartet werden.
Voraussichtlich in den letzten Tagen dieses Jahres oder aber Anfang 2011 soll der Doppelstart von KazSat 2 und SES 3 stattfinden. Die zur Verfügung stehende Leistung der von Chrunitschew hergestellten und von ILS vermarkteten Trägerrakete ist für den Transport der beiden Raumfahrzeuge mehr als ausreichend.
Die Startmasse des von der Orbital Sciences Corporation gebauten und auf dem Satellitenbus Star 2.4 basierenden SES 3 beträgt 3.170 Kilogramm, die von KazSat 2, der von Chrunitschew gebaut wurde und bei dem die einzelnen Komponenten des Satelliten um eine zylinderförmige, lasttragende Struktur herum montiert sind, 1.330 Kilogramm. KazSat 2 und SES 3 sollen nach dem Start Positionen im Geostationären Orbit beziehen.
KazSat 2 wird im All dringend als Ersatz für den nach zahreichen technischen Problemen frühzeitig ausgefallenen KazSat 1 benötigt (Raumfahrer.net berichtete). Aufgrund der Erfahrungen mit KazSat 1 war man bestrebt, beim zweiten Kommunikationssatelliten für Kasachstan eine Reihe von Konstruktionsänderungen und -verbesserungen umzusetzen.
KazSat 1 mit einer Startmasse von 1.092 Kilogramm war am 18. Juni 2006 schließlich auf einer Proton-K-Rakete in den Weltraum transportiert worden. Ursprünglich war geplant, schon KazSat 1 im Rahmen eines Doppelstarts auf einer Proton-M zu beförden, wozu es jedoch wegen Unstimmigkeiten über die Nutzung des in Kasachstan liegenden Startgeländes Baikonur durch Proton-Raketen nicht kam. Wie KazSat 2 war seine Struktur für das Aufsetzen eines weiteren mitfliegenden Satelliten ausgelegt. Man wollte KazSat 1 zusammen mit einem Express-AM-Satelliten starten.
Am 11. Februar 2009 wurden die russischen Kommunikationssatelliten Express-AM 44 und Express-MD 1 im Rahmen eines Doppelstarts transportiert. Der von Reschetnjow in Zusammenarbeit mit Thales Alenia Spazio gebaute Express-AM 44 mit einer Startmasse von 2.532 Kilogramm saß dabei auf dem von Chrunitschew konstruierten Express-MD 1 mit einer Startmasse von 1.140 Kilogramm.
Beim Start eines Kommunikationssatelliten kleinerer Masse zusammen mit einem mittlerer Masse auf einem Proton-M-Träger handelt es sich also um ein bereits erprobtes Verfahren. Daher sollte es für SES kein besonderes zusätzliches Risko darstellen, SES 3 auf diese Weise ins All senden zu lassen.
Andere Verfahrensweisen sind ebenso möglich. Bereits praktiziert wurde der Start zweier gleichartiger, direkt aufeinandersitzender Kommunikationssatelliten. So wurden die von RSC Energia in Zusammenarbeit mit Thales Alenia Spazio gebauten Yamal-201 und -202 am 24. November 2003 für Gascom auf einer Proton-Rakete ins All befördert.
Unter dem Titel "Proton Duo" will ILS künftig eine in Zusammenarbeit mit der Orbital Sciences Corporation (OSC) entwickelte Lösung anbieten, die es ermöglichen soll, bei einem Start einer Proton-Rakete zwei von OSC gebaute Kommunikationssatelliten zusammen zu transportieren. In einem Interview kündigte Frank McKenna, Präsident von ILS, an, Proton-Duo-Missionen Einzelkunden anzubieten, die bei einem Start zwei Satelliten ins All bringen lassen wollen und schätzte, die erste derartige Mission könnte Anfang 2012 stattfinden. Welche Marktbedeutung dieses proprietäre Konzept erlangen wird, bleibt abzuwarten.
Eine Proton-M-Rakete im Phase-III-Design ist in der Lage, maximal 6.150 Kilogramm Nutzlast in einen Geotransferorbit zu bringen.
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Raumcon:
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, ILS, Kazakhstan Today, Roskosmos)
» KSLV-1-Versagen weiter unklar
15.02.2010 - Techniker und Ingenieure sind sich nicht sicher, warum die Rakete KSLV-1 im August letzten Jahres den Forschungs- und Technologiesatelliten STSat 2 nicht in der vorgesehen Bahn aussetzten konnte.
Am 25. August 2009 war eine KSLV-1-Rakete, eine Gemeinschaftsentwicklung russischer und südkoreanischer Unternehmen, vom südkoreanischen Naro-Raumfahrtzentrum in der Provinz Süd-Jeolla zu ihrem Jungfernflug gestartet. Weil eine der beiden Hälften der Nutzlastverkleidung nicht rechtzeitig abgeworfen wurde, verlief die Trajektorie nicht wie vorgesehen. Nach dem Erreichen einer größer als geplant geratenen Flughöhe bei einer zu gering ausgefallenen Geschwindigkeit stürzte STSat 2 zurück zur Erde und dürfte dabei völlig zerstört worden sein. Das fehlerhafte Verhalten der Nutzlastverkleidung konnte bisher nicht eindeutig auf ein konkrete Ursache zurückgeführt werden.
Der Ablauf der Ereignisse am Starttag stellt sich nach Angaben des südkoreanischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Technik wie folgt dar (Zeiten in MESZ):
- 10:00:23 Uhr Abheben der zweistufigen Rakete.
- 10:03:36 Uhr Abwurf einer Hälfte der Nutzlastverkleidung, nicht beider Hälften.
- 10:03:50 Uhr Brennschluß der ersten Stufe.
- 10:03:53 Uhr Die erste Stufe wird abgeworfen.
- 10:06:35 Uhr Der Feststoffmotor der zweiten Stufe zündet wie vorgesehenen in 303 km Höhe und brennt wie vorgesehen 59 Sekunden. Dabei gerät das Gefährt ins Taumeln.
- 10:07:34 Uhr Die zweite Stufe ist in 327 statt 302 km Höhe ausgebrannt.
- 10:09:00 Uhr Beim Aussetzen des Satelliten wird auch die zweite Hälfte der Nutzlastverkleidung abgetrennt.
- 10:11:20 Uhr Der Satellit erreicht bei zu geringer Geschwindigkeit eine Gipfelhöhe von 387 km.
Am 8. Februar 2010 informierte der Vorsitzende der zur Untersuchung des Fehlstarts eingesetzten Untersuchungskommision, der Experte Lee vom südkoreansichen Institut für Wissenschaft und Technik KAIST (engl. für Korea Advanced Institute of Science and Technology) über gewonnene Erkenntnisse.
Die Probleme mit der Nutzlastverkleidung könnten durch elektrische als auch durch mechanische Fehler ausgelöst worden sein. Der Abwurf der beiden Verkleidungshälften soll durch elektrisch gezündete Sprengbolzen ausgelöst werden. 216 Sekunden nach dem Start trennte sich jedoch nur eine Verkleidungshälfte von der Rakete. Als 540 Sekunden nach dem Start der Satellit von der zweiten Stufe ausgesetzt wurde, bewirkte dies wahrscheinlich auch die Ablösung der zweiten Verkleidungshälfte. Bilder einer in der Rakete entsprechend ausgerichteten Kamera sprechen dafür, dass der Satellit bei seiner Abtrennung die Verkleidungshälfte wegstieß. Lee zufolge legen auch Daten über Vibrationen 540,8 Sekunden nach dem Start dieses Szenario nahe.
Eine elektrische Entladung könnte die Zündung eines Teils der Sprengbolzen verhindert haben, sagte Lee auf einer Pressekonferenz im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technik. Die Sprengbolzen selbst waren vermutlich sämtlich funktionsbereit. Mit den maßgeblichen Komponenten am Boden durchgeführte Simulatonen sprechen dafür, dass unterschiedliche elektrische Potentiale den für die Zündung benötigten Zündstrom auf einer Verkleidungsseite derart herabsetzen könnten, dass eine Zündung nicht erfolgt. Möglicherweise ist ein Entwurfsfehler der Verdrahtung der elektrischen Zündanlage für das Auftreten einer entsprechenden Entladung verantwortlich.
Da es vom Jungernflug der KSLV-1 jedoch keine Daten gibt, aus denen sich ablesen ließe, ob alle Sprengbolzen oder vielleicht nur diejenigen an einer Verkleidungsseite funktionierten, könnte auch ein mechanisches Problem zum Verbleib der Verkleidungshälfte an der Rakete geführt haben, falls alle Sprengbolzen gezündet worden sind.
Das südkoreanische Institut für Luft- und Raumfahrtforschung KARI (engl. für Korea Aerospace Research Institute) arbeitet nach Aussagen eines Mitarbeiters für die Entwicklung von Raketen an Verbesserungen der zweiten Stufe der KSLV-1. Verkabelung und mechanischer Aufbau sollen überarbeitet werden, damit die für möglich gehaltenen Fehler nicht mehr auftreten können.
Im März oder April 2010 erwartet man in Südkorea die Lieferung einer neuen, von Chrunitschew in Russland gebauten Startstufe. Der zweite Flug einer KSLV-1 könnte Ende Mai oder Anfang Juni 2010 mit STSat 2b an Bord stattfinden.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: koreatimes.co.kr, koreascience.or.kr)
» Zieltermin für ersten Falcon-9/Dragon-Test
15.02.2010 - Nachdem in der letzten Woche die Oberstufe der Falcon 9 in Florida eingetroffen ist, steht nun die Endmontage auf dem Plan.
Dabei werden Erst- und Oberstufe sowie die Nutzlast miteinander verbunden. Damit ergibt sich eine 47 Meter hohe und 3,60 m durchmessende Rakete. An deren Spitze wird eine Qualifikationseinheit der Dragon-Kapsel montiert sein. Diese Einheit verfügt noch nicht über Antriebs- und Lageregelungssysteme, hat aber bereits die für das spätere Raumfahrzeug geplante Masse und Form.
Offiziell soll der Erststart der neuen Trägerrakete Falcon 9 innerhalb von drei Monaten nach der Montage erfolgen. Dem gehen noch einige Tests voraus. "Wir erwarten den Start ein bis drei Monate nach erfolgter Montage der kompletten Rakete", sagte Brian Mosdell, Leiter der SpaceX-Mannschaft in Florida. "Unser primäres Ziel ist ein erfolgreicher Erststart und wir nehmen uns dafür so viel Zeit wie nötig, alle Daten auszuwerten, bevor wir den nächsten Schritt machen."
So sind die bekanntgegebenen nächsten Termine auch nur Richtwerte. Am 18. Februar soll an Startkomplex 40 in Cape Canaveral ein Tanktest vorgenommen werden. Für den 22. Februar ist ein Triebwerkstest geplant und der Start der ersten Falcon 9 könnte am 8. März erfolgen.
SpaceX entwickelt und erprobt die Falcon 9 nebst Dragon-Kapsel mit Förderung der NASA im Rahmen des COTS-Programms. In den kommenden Jahren erhält SpaceX für 12 Frachtflüge zur ISS insgesamt 1,6 Milliarden US-Dollar. Außerdem soll die Dragon-Kapsel zunächst zu einem rückkehrfähigen System und später zu einem bemannten Raumfahrzeug für niedrige Erdumlaufbahnen weiterentwickelt werden.
In der Vergangenheit gab es bei SpaceX allerdings mit der Trägerrakete Falcon 1 mehrfach Probleme. Bei 5 Starts wurde lediglich zweimal der vorgesehene Orbit erreicht. Nicht zuletzt deshalb lässt man es bei der größeren und teureren Falcon 9 nun etwas ruhiger angehen.
Update: Mittlerweile wird von einer Verschiebung auf mindestens den 22. März ausgegangen.
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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceX, Raumcon)
» STS 131 verschiebt sich
16.02.2010 - Aufgrund der kalten Witterung derzeit in Florida wird die nächste Shuttle-Mission STS 131 verschoben.
Steht der Stack längere Zeit bei Temperaturen unter 7 °C im Freien, ist ein negativer Einfluss auf Ventile und Dichtungen der Triebwerkssysteme des Orbiters nicht ausgeschlossen. Zur Steuerung und Lageregelung verfügt das Space Shuttle über insgesamt 44 unterschiedlich große Triebwerke, die größtenteils zu Blöcken zusammengefasst sind.
Da besseres Wetter in dieser Woche nicht mehr zu erwarten ist, verschiebt man den Transport der Raumfähre Discovery vom Orbiter-Wartungszentrum in die große Montagehalle auf den 22. Februar. Anfang März soll dann der fertig montierte Stack, bestehend aus zwei Feststoffboostern, dem externen Tank und der Raumfähre zum Startplatz transportiert werden.
Der Start soll dann frühestens am 4. April erfolgen. Zuvor steht nämlich noch die Ankunft einer neuen Stammbesatzung mit dem Raumschiff Sojus-TMA 18 auf dem ISS-Flugplan. Allerdings sollte man sich auch dann nicht mehr allzuviel Zeit lassen. Ab dem 15. April liegt die Bahn der ISS um die Erde so, dass die Station ständig von der Sonne angestrahlt wird. In dieser sogenannten Beta-Cutout-Phase, die bis zum 1. Mai andauert, kann keine US-Raumfähre an der ISS angedockt bleiben. Die Lage des Shuttles lässt sich im Verbund mit der Raumstation nicht so regeln, dass eine optimale Kühlung über die in den Ladebuchttüren integrierten Wärmeabstrahler gewährleistet ist.
Nutzlasten der Discovery sind das Mehrzweck-Transportmodul Leonardo sowie ein Experimentträger für Außenlasten (Lightweight Multi-Purpose Experiment Support Structure Carrier = LMC). Im Inneren von Leonardo werden 2 Stauraumschränke mit allerlei Stückgut, Express Rack 7, ein Untersuchungs- und Trainingsgerät (Muscle Atrophy Resistive Exercise Unit), eine Installation zur Montage und Ausrichtung von Beobachtungs- und Aufzeichnungsgeräten am großen Fenster im US-Labor Destiny (Window Orbital Research Facility), eine Tiefkühlanlage (MELFI), ein viertes Besatzungsquartier und weitere Behälter für Stückgut transportiert, auf der LMC ein voller Kühlmitteltank nach oben und ein leerer sowie ein ESA-Experiment zurück zur Erde.
Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon)
» Cryosat 2: Mit dem Krokodil zum Teufel
17.02.2010 - Am 15. Februar 2010 brachte ein spezielles Transportfahrzeug den in die Raketenspitze eingekapselten Eisforschungssatellit Cryosat 2 zum Silo mit der ursprünglich als Waffe gebauten Trägerrakete.
Das grün lackierte, Krokodil genannte Transportfahrzeug hatte am 12. Febraur 2010 im Integrationsgebäude MIK den Raketenkopf geladen, um ihn später zum in Luftlinie zwisch 7 und 8 Kilometern entfernten Startplatz 109 des Kosmodroms Baikonur zu bringen. Der rund 13,5 Kilometer lange Weg zur Siloanlage „Wojewoda" mit der wartenden Dnepr-Rakete wurde am 15. Februar 2010 absolviert. Die vorsichtige Fahrt war so langsam, dass es Kameraleuten der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos möglich war, sich zu Fuß vor den Fahrzeugkonvoy zu setzen und diesen beim Passieren zu filmen. Nach der Ankunft am Silo wurde der Raketenkopf mit Cryosat 2 in seinem Inneren noch am gleichen Tag auf die Rakete aufgesetzt.
Bei der Dnepr-Rakete handelt es sich um eine umgewandelte ehemalige Interkontinentalrakete. Zu Zeiten des Kalten Krieges war die Rakete neben ihren russischen Bezeichnungen RS-20 und R 36M im Westen auch als SS 18 oder Satan bekannt. Abrüstungsvereinbarungen sehen die Beseitigung der Interkontinentalraketen des Typs RS-20 vor. Erfüllen lassen sich diese Vereinbarungen auch durch die Nutzung der von Juschnoje/Juschmasch in Dnepropetrowsk in der Ukraine gebauten Raketenstufen der RS-20 in einem Raumfahrtträger.
Die ersten beiden Stufen der Dnepr sind unveränderte Bestandteile ehemaliger Interkontinentalraketen, deren dritte Stufe zur Anwendung als Obertstufe zum Einschuss von Nutzlast in eine Satellitenbahn Anpassungen unterzogen werden musste. Ehemals als Plattform zum nacheinander ablaufenden Aussetzen einer Anzahl von Sprengköpfen vorgesehen ist die dritte Stufe mit einem geänderten Steuersystenm ausgerüstet, das es ermöglicht, bis zu 36 Körper auf unterschiedlichen Bahnen auszusetzen. Für zukünftige Missionen stehen nach Angaben des kommerziellen Anbieters der Dnepr, Kosmotras, noch 150 eingelagerte Interkontinentalraketen zur Verfügung.
Eine Anzahl von Flügen mit einzelnen oder mehreren Nutzlasten haben nach dem gleichnamigen Fluß benannte Dnepr-Raketen bereits erfolgreich bewältigt, zuletzt gelang ein Start am 29. Juli 2009 mit sechs Satelliten. Beim jetzt bevorstehenden Start gibt es nur einen Passagier - Cryosat 2. Im Raketenkopf nimmt der Satellit den Raum in beiden Plattform A und Plattform B genannten Abteilungen ein, und wird von einem gasdynamischen Schild an der Spitze von Plattform A unterhalb der abwerfbaren Nutzlastverkleidung geschützt.
Die Dnepr mit einer Startmasse von 211 Tonnen und Cryosat 2 an Bord soll voraussichtlich am 25. Februar 2010 um 14:57 Uhr MEZ gestartet werden.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: DLR, ESA)
» WISE: Erste Ergebnisse und viele Bilder
18.02.2010 - Der am 14. Dezember vergangenen Jahres gestartete NASA-Satellit Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE) hat mittlerweile eine viertel Million Bilder zur Erde geschickt.
Die Auswertung ist in vollem Gange. Am 12. Januar wurde ein erster unbekannter Asteroid entdeckt. Er trägt die vorläufige Bezeichnung 2010 AB78, hat etwa einen Kilometer Durchmesser und umläuft die Sonne auf einem recht elliptischen Orbit zwischen den Bahnen der Planeten Erde und Jupiter. Der Asteroid bewegt sich allerdings nicht in der Bahnebene der Planeten (Ekliptik) und wurde mittlerweile durch ein Erdteleskop auf Hawaii bestätigt.
Dazu gesellte sich am 22. Januar auch der erste bisher unbekannte Komet. P/2010 B2 hat einen Durchmesser von etwa 2 Kilometern und umläuft die Sonne einmal in 4,7 Jahren. Sein Abstand von der Sonne schwankt zwischen 1,6 und 4 Astronomischen Einheiten (1 AE = 1,5 Mio. km). Für einen Kometen ist die Bahn vergleichsweise sonnennah.
Ein besonders gelungenes Bild ist das Foto des bereits bekannten Kometen Siding Spring, welches am 17. Februar veröffentlicht wurde. Das Objekt C/2007 Q3 wurde im August 2007 im Rahmen einer Himmelsdurchmusterung am Siding-Spring-Observatorium in Australien entdeckt und entsprechend benannt. Er ist gegenwärtig mit einem Teleskop auch von Mitteleuropa aus zu beobachten.
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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)
» Start von Cryosat 2 am 25. Februar 2010 abgesagt
19.02.2010 - Die europäische Raumfahrtagentur ESA teilte am 19. Februar 2010 mit, dass der Start des Eisforschungssatelliten Cryosat 2 auf einer Dnepr-Rakete verschoben werden muss.
Zuletzt war der Start im kasachischen Baikonur am 25. Februar 2010 vorgesehen. Wegen Befürchtungen, dass die Treibstoffmenge in der zweiten Stufe der ehemaligen Interkontinentalrakete nicht genügend Reserven zur sicheren Einhaltung des geplanten Flugprofils beinhaltet, wurde der Start auf einen zunächst unbestimmten späteren Zeitpunkt verschoben.
Juschnoje/Juschmasch aus dem ukrainischen Dnepropetrowsk als Hersteller der zweiten Raketenstufe untersuche die Angelegenheit, um gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen zu ergreifen, meldete die ESA. Sicher sei nach Angaben des Herstellers, dass die getankte Treibstoffmenge prinzipiell ausreichen würde, um Cryosat 2 in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen.
Die englischsprachige Kyiv Post aus der Ukraine berichtete am 19. Februar 2010, Interfax-Ukraine sei von einer Quelle in Baikonur informiert worden, Spezialisten von Juschnoje hätten einen Konflikt in der eigenen Software zur Steuerung der Rakete festgestellt, als sie das Interagieren zwischen Träger und Raumfahrzeug testeten. Anpassung, Installation und Überprüfung der Software würden eine Anzahl von Tagen benötigen. Mit einem Start innerhalb der nächsten anderthalb Wochen sei daher nicht zu rechnen.
Die Unternehmung Kosmotras, die die kommerzielle Vermarktung der Dnepr-Rakete besorgt, wolle die ESA nach deren Angaben kurzfristig über einen möglichen neuen Starttermin informieren. Ein Probecountdown, der für den 19. Februar 2010 angesetzt war, wurde aufgrund der aktuellen Situation nicht abgewickelt.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA, Kyiv Post)
» Endeavour verlässt ISS
20.02.2010 - Das Space Shuttle Endeavour und seine sechsköpfige Besatzung legten um 01:54 MEZ von der Internationalen Raumstation ab und begaben sich auf den letzten Abschnitt ihrer Mission.
Die Astronauten wurden gestern um 21:14 Uhr MEZ mit dem Lied „In Wonder“ von Newsboys geweckt. Das Lied wurde Pilot Terry Virts gewidmet.
Direkt nach dem Ablegemanöver übernahm Virts die Steuerung über die Endeavour, steuerte den Orbiter etwa 120 Meter vor die Station und initiierte dort den sogenannten Fly-Around. Diese Umrundung der Station gibt den Astronauten an Bord die Möglichkeit detaillierte Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Insbesondere wurde die Besatzung gebeten, Fotos von der russischen Sojus TMA-16 zu machen. Dort hatte sich ein Teil einer Schutzisolierung gelöst und die Experten in Moskau wollten einen Überblick über den Zustand dieser Isolierung gewinnen.
Nach Abschluss des Fly-Around zündete Virts die Steuerdüsen des Orbiters und trennte so die beiden Raumfahrzeuge endgültig. Anschließend begann die Crew damit, das Hitzeschild des Orbiters erneut mithilfe des Orbiter Boom Sensor System auf Schäden zu untersuchen. Diese routinemäßige Untersuchung soll sicherstellen, dass das Hitzeschild keine Schäden durch Mikrometeoriten und Weltraumschrott erlitten hat, während es mit der Raumstation verbunden war. Die gesamte Besatzung wechselte sich ab, um die beiden Flügelkanten und die Nasenkappe zu untersuchen. Derzeit werden die Daten am Boden ausgewertet.
Gegen Ende des Tages begann die Crew damit, erste nicht mehr benötigte Gegenstände zu verstauen und den Orbiter auf die Landung vorzubereiten.
Die Besatzung soll um 21:14 Uhr MEZ geweckt werden und damit ihren letzten vollen Tag im All beginnen. Kommandant George Zamka und Pilot Terry Virts werden die Systeme des Orbiters testen, während der Rest der Besatzung das Mitteldeck auf die Landung am Montag vorbereiten wird.
Raumcon:
(Autor: Thomas Pallmann - Quelle: NASA)
» Virgin Galactics Testplan für 2010
20.02.2010 - Die 2008 und im vergangenen Jahr vorgestellten Komponenten des suborbitalen Weltraumtransportsystems von Virgin Galactic werden 2010 im Verbund getestet.
Im ersten Quartal laufen weiterhin Bodentests. Damit überprüft man die Stabilität des Systems aus WhiteKnight Two und SpaceShip Two bei niedrigen Geschwindigkeiten. Erste Flugtests wird es frühestens Ende März geben. Dabei bleibt das Raumschiff allerdings mit dem Trägerflugzeug verbunden.
Mit Abwurftests und passivem Rückflug, sozusagen im Segelflug, will man im dritten Quartal beginnen. Der erste Einsatz für das Antriebssystem von SpaceShip Two wird wohl im nächsten Jahr erfolgen. Wenn alles gut läuft, wird man aber vielleicht wieder den Jahreswechsel für eine erste Demonstration nutzen.
Im Verlaufe des Jahres 2011 soll dann eine Vielzahl von Testflügen des Gesamtsystems vorgenommen werden. "Wir können hier nichts abkürzen", sagte Stephen Attenborough von Virgin Galactic auf der diesjährigen Next-Generation Suborbital Researchers Conference am 18. Februar in Boulder (USA).
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Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NewSpace Journal, Virgin Galactic (Bild))
» Eutelsats W3B und W3C tauschen Startgelegenheiten
21.02.2010 - Am 18. Februar 2010 gab der europäische Betreiber von Kommunikationssatelliten Eutelsat mit Sitz in Paris bekannt, dass die Satelliten W3B und W3C auf getauschten Trägerraketen gestartet werden sollen.
Mit einer europäischen Ariane 5-Rakete soll nach den neusten Planungen nun Eutelsat W3B im August oder September 2010 ins All transportiert werden und Eutelsat W3C auf einer chinesischen Langer-Marsch-3B-Rakete zwischen Juni und August 2011.
Eutelsat W3C basiert auf der Plattform Spacebus 4000C3 von Thales Alenia Space. Das im März 2009 bestellte Raumfahrzeug soll mit 53 Ku-Band-Transpondern und 3 Ka-Band-Transpondern ausgerüstet werden. Diese sollen die Kapazitäten von Eutelsat W3A, welcher 44 Transponder besitzt, ergänzen. Dazu will man W3C wie W3A an einer Position bei 7 Grad Ost im Geostationären Orbit einsetzen.
Eutelsats W3B, ebenfalls basierend auf dem Thales Alenia Spacebus 4000C3 ist aktuell als Ersatz des Satelliten W2 vorgesehen. Der im Februar 2008 bestellte W3B wird mit seinen 53 Ku-Band-Transpondern sowie 3 Ka-Band-Transpondern dringend im All benötigt, da der auf dem Spacebus 3000B2 basierende Eutelsat W2 seine Auslegungsbetriebsdauer im All überschritten hat und am 27. Januar 2010 ausgefallen ist. Es wird nicht erwartet, dass es gelingt, den kommerziellen Betrieb von Eutelsat W2 wieder aufzunehmen. Zur Zeit strahlen drei andere, teilweise dafür extra auf 16 Grad Ost im Geostationären Orbit umpositionierte Satelliten die ehemals über Eutelsat W2 laufenden Dienste aus. Der rechtzeitig in den Weltraum gebrachte, als Ersatz für Eutelsat W2 gedachte W2M kann die für ihn vorgesehene Aufgabe nach einer schweren Betriebsstörung nicht erfüllen.
Für den Start von Eutelsat W3B hatte man ursprünglich die chinesische Trägerrakete ausgewählt. Dafür wurde Eutelsat heftig kritisiert, da die US-amerikanischen ITAR-Bestimmungen, deren Ziel die Verhinderung der Ausfuhr von im Rüstungssektor verwendbarer Hochtechnologie ist, dem Geiste nach umgangen werde, auch wenn der Satellit W3B an sich keine US-amerikanischen Komponenten beinhalten sollte. ITAR steht für International Traffic in Arms Regulation, was übersetzt schlicht "Regeln für den internationalen Verkehr mit Waffen" heisst.
Von einem Erdbeben verursachte Schäden in einem Werk des Herstellers von Euteslat W3B in Italien führten zu der Annahme, dass sich die Fertigstellung des Satelliten verzögern würde. Um den Herstellungsprozeß zu beschleunigen wurde entschieden, bei der Konstruktion dort wo es möglich und sinnvoll ist, kurzfristig verfübares Material einzusetzen. Deshalb ist nicht mehr sichergestellt, dass der Satellit keine Teile aus den Vereinigten Staaten enthält. So bat man in Peking darum, die Nutzlast der für W3C gebuchten Rakete austauschen und zu einem späteren Zeitpunkt starten zu dürfen, um dadruch den ITAR-Bestimmungen gerecht zu werden
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Eutelsat, Thales Alenia Space)
» Endeavour bereit zur Landung
21.02.2010 - Die Besatzung des Space Shuttle Endeavour bereitete den Orbiter auf die bevorstehende Landung am Montag vor.
Die Crew wurde gestern um 21:14 Uhr MEZ mit dem Lied „The Distance“ von Cake geweckt. Das Lied wurde von den Flugingenieuren in Houston ausgewählt und wurde der gesamten Besatzung gewidmet.
Kommandant George Zamka und Pilot Terry Virts widmeten sich den Landesystemen des Orbiters und unterzogen diese den üblichen Tests. Zuerst kontrollierten sie die Steuerflächen des Space Shuttle. Die Steuerflächen werden in der späten Phase des Wiedereintritts genutzt, um den Orbiter präzise zu steuern. Anschließend zündeten die beiden die Steuerdüsen des Reaction Control Systems. Diese Steuerdüsen werden während der frühen Phase des Wiedereintritts für die Lageregelung benötigt, da hier die Atmosphäre noch nicht dicht genug ist, um einen Effekt auf die Steuerflächen auszuüben.
Im Mitteldeck verstaute derweil der Rest der Besatzung alle für die Landung nicht mehr benötigten Gegenstände und bereiteten die orangenen Druckanzüge sowie die Sitze vor. Die Crew beantwortete zusätzlich noch Fragen von Reportern am Boden.
Das Wetter könnte den Astronauten allerdings am Montag einen Strich durch die Rechnung machen. Sowohl in Kalifornien als auch in Florida ist derzeit das Wetter nicht ideal. Flugdirektor Norm Knight, der für den Wiedereintritt verantwortlich ist, sagte das eine Entscheidung für eine Landung aufgrund des dynamischen Wetter wohl erst im letzten Moment fallen wird. Aufgrund der Wettersituation entschied sich das Team gegen eine geplante Veränderung der Umlaufbahn. Ursprünglich sollte diese Bahnänderung eine zusätzliche Landemöglichkeit am Montag eröffnen. Endeavour hat noch genug Reserven an Bord, um bis Mittwoch im All zu bleiben.
Die Landemöglichkeiten für Montag sind folgende:
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(Autor: Thomas Pallmann - Quelle: Nasa)
» Bau von Alphasat I-XL schreitet voran
21.02.2010 - Die Konstruktion des ersten Alphabus-Satelliten für den Einsatz im Weltraum durch ein Konsortium europäischer Satellitenbauer hat einen zentralen Meilenstein erreicht.
Das Servicemodul für den Kommunikationssatelliten Alphasat I-XL, das in Cannes bei Thales Alenia Space entstanden ist, traf Ende Januar 2010 in Toulouse in einem Werk von EADS Astrium ein. An Rahmen und Zentralrohr des Moduls sind Apogäumsmotor von EADS Astrium, zwei Treibstofftanks von MT Aerospace aus Augsburg und drei Heliumtanks angebracht. Außerdem sind Teile des elektrischen Antriebssystems und die zugehörigen Xenon-Tanks bereits installiert. Das chemische Antriebssystem wurde im Dezember 2009 in Cannes getestet. Bei EADS Astrium in Toulouse sollen in einem nächsten Schritt elektronische Baugruppen im Servicemodul integriert werden, bevor es zum ersten Mal eingeschaltet wird.
Andere Bestandteile von Alphasat I-XL sind ebenfalls im Entstehen: Im Turiner Werk von Thales Alenia Space ist die erste Hälfte der Struktur des Repeatermoduls (RM) des Satelliten gebaut worden. Mit Verkabelung und System zum Temperaturmanagement versehen wurde es zu einem englischen Astrium-Standort gebracht. Die zweite Häfte der RM-Struktur soll Portsmouth im März 2010 erreichen. Dort ist die Montage zentraler Bestandteile der Kommunikationsnutzlast vorgesehen. An den Triebwerken vom Typ PPS 1350 für das Xenon-Antriebssytem des Satelliten und den zugehörigen Schwenkvorrichtungen, TOM für thruster orientation mechanism genannt, wird in Cannes gearbeitet.
Mit Alphasat I-XL wird der Auftraggeber Inmarsat seinen bisher modernsten Satelliten bekommen. Das Raumfahrzeug mit einer Startmasse von über 6 Tonnen soll im Geostationären Orbit an einer Position bei 25 Grad Ost stationiert werden. Insbesondere mobile Sprach- und Datenkommunikationsdienste werden unterstützt. Dafür ist unter anderem der Einsatz eines großen, im All zu entfaltenden Antennenreflektors vorgesehen, was eine in Bezug auf eine Konfiguration ohne einen solchen Reflektor um 90 Grad gedrehte Ausrichtung des Raumfahrzeugs auf seiner Bahn um die Erde erforderlich macht. Der Reflektor mit einem Durchmesser von 12 Metern ermöglicht die Verwendung von 750 L-Band Kanälen, um Europa, Asien, Afrika und den Mittlern Osten zu versorgen.
Für die europäische Raumfahrtorganisation ESA bietet Alphasat I-XL Gelegenheit, das Funktioneren des Alphabus-Konzepts im Weltraum im Rahmen eins ARTES genannten Programmes zu überprüfen und zu demonstrieren. ARTES steht für Advanced Research in Telecommunications Systems, übersetzt: weitergehende Forschung im Bereich Telekommunikationssysteme.
Auf Alphasat I-XL will die ESA zur Technologiedemonstration einen neuen Sternensensor von Jenoptik, ein Laserterminal (LCT) zur Kommunikation mit einem Raumfahrzeug in einem niedriegeren Orbit oder an einer anderen Position im Geostationären Orbit, eine Einrichtung zum Monitoring der Strahlungsverhältnisse im Geostationären Orbit und eine im Q-V-Band arbeitende Kommunikationsnutzlast betreiben lassen. Mit der Q-V-Band-Nutzlast soll die Verwendbarkeit des entsprechenden Frequenzbereiches verifiziert werden. Mit dem mit einer Wellenlänge von 1.064 Nanometern arbeitenden LCT will man beispielsweise Radardaten des Fernerkundungssatelliten Tandem-X mit Geschwindigkeiten bis zu 2,8 GBit/s empfangen.
Arianespace wurde im Mai 2009 mit dem Start von Alphasat I-XL beauftragt. Geplant ist, den Satelliten im Jahr 2012 auf einer Ariane 5 ECA ins All transportieren zu lassen. Dort soll er sich 15 Jahr lang einsetzen lassen.
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA, Thales Alenia Space)
» Endeavour sicher gelandet
22.02.2010 - Space Shuttle Endeavour landete sicher um 04:20 Uhr MEZ am Kennedy Space Center in Florida und beendete damit eine äußerst erfolgreiche 14-tägige Mission zur Internationalen Raumstation.
Die Missionskontrolle in Houston weckte die Besatzung gestern ein letztes Mal um 20:14 Uhr MEZ mit der Hymne des amerikanischen Marinecorps. Das Lied wurde Kommandant George Zamka gewidmet.
Nach knapp zwei Wochen im All kehrte das Space Shuttle Endeavour sicher nach Florida zurück. George Zamka landete den Orbiter sicher auf der Landebahn 15 des Kennedy Space Center. Es war die 23. Nachtlandung in der Geschichte des Space Shuttle Programmes.
Nach der gestrigen Wettervorhersage sah es ursprünglich nicht sonderlich gut für eine Landung am heutigen Tag aus. Allerdings wendete sich das Wetter zum Positiven, sodass Norm Knight, für den STS-130 die letzte Mission als Flugdirektor war, grünes Licht für die Landung geben konnte.
Während ihrer erfolgreichen Mission lieferte die Besatzung das letzte amerikanische Modul Tranquility und das Observationsmodul Cupola, welches einen 360-Grad-Ausblick bereitstellt, zur Internationalen Raumstation. Die Crew absolvierte drei Außenbordeinsätze mit einer Gesamtzeit von 18 Stunden und 14 Minuten. Insgesamt wurden damit 140 Außenbordeinsätze zum Aufbau der Station absolviert. Mit Abschluss der STS-130 Mission ist die Raumstation nun volumenmäßig zu 98% komplett.
Endeavours nächste Mission ist STS-133 und wird der letzte Flug des Space Shuttle Endeavour sein.
Die nächste geplante Mission ist STS-131 und wird von Space Shuttle Discovery durchgeführt. STS-131 wird die letzte Mission sein, die von einer siebenköpfigen Besatzung geflogen wird und es wird außerdem das letzte Mal sein, das neue Astronauten ihren ersten Flug ins All in einem Space Shuttle durchführen. Alle restlichen Besatzungen werden aus Veteranen bestehen. Ziel von STS-131 wird die Versorgung der Internationalen Raumstation sein und aus diesem Grund das Multi Purpose Logistics Modul mitführen. Während ihrer Mission soll die Besatzung, bestehend aus dem Kommandanten Alan Poindexter, Pilot James Dutton und den Missionsspezialisten Richard Mastracchio, Dorothy Metclaf-Lindenburger, Clayton Anderson, Stephanie Wilson und Naoko Yamazaki, insgesamt drei Außenbordeinsätze durchführen. Der Start für STS-131 ist derzeit für den 5. April angesetzt.
Raumcon:
(Autor: Thomas Pallmann - Quelle: Nasa)
» GOES-P vor dem Start
24.02.2010 - Der von Boeing für die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) gebaute Wettersatellit GOES-P soll am 3. März 2010 auf einer Delta-IV-Rakete in den Weltraum transportiert werden.
Seit dem 14. Februar 2010 sitzt der Satellit unter seiner Verkleidung auf der Trägerrakte auf der Startrampe LC-37B der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida. Das Startfenster für die Delta IV der United Launch Alliance (ULA) am 3. März 2010 ist eine Stunde breit und reicht von 00:19 Uhr bis 1:19 Uhr MEZ. Sofern die Wetterdingungen, technische Probleme oder andere Schwierigkeiten die Nutzung dieses Startfensters nicht zulassen, besteht am darauffolgenden Tag zwischen 00:18 Uhr und 1:18 Uhr MEZ die nächste Startmöglichkeit für das dritte und letzte Raumfahrzeug aus der GOES-N-Serie.
Rund vier Stunden und 21 Minuten nach dem Start und nach drei Brennphasen der zweiten Stufe der Delta IV ist das Ausetzen von GOES-P vorgesehen. Der auf Boeings Bus 601 basierende Satellit mit einer Startmasse von 3.238 Kilogramm wird in eine Geotransferbahn mit 12 Grad Inklination gebracht, von der aus er unter Benützung eines eigenen Apogäumsmotors mit 490 Newton Schub den geostationären Orbit erreichen soll. Die für den Regelbetrieb von GOES-P geplante Position liegt je nach Erfordernis bei 135 oder 75 Grad West im Geostationären Orbit.
Boeing Space and Intelligence Systems im kalifornischen El Segundo wird die Kontrolle des Satelliten, wenn er nach dem Start eine Reihe von Tests bestanden hat, zunächst an die NASA übergeben. Diese wird den Satelliten vom Goddard Space Flight Center (GSFC) in Greenbelt, Maryland aus weiter testen und ihn als Backup an einer geeigneten Position im Geostationären Orbit stationieren. Nach der Weitergabe der Kontrolle über den Trabanten an die NOAA und deren Satellite Operations Control Center (SOCC) in Suitland, Maryland wird diese GOES-P als GOES 15 einsetzen, um einen der älteren Satelliten an der Position "West" (135 Grad West) oder "Ost" (75 Grad West) abzulösen, sobald sich diese Notwendigkeit ergibt. Die Positionierung der Backupsatelliten erfolgt üblicherweise bei 105 Grad West.
Den Start von GOES-P will die NASA via NASA-TV live im Internet übertragen. Auch die ULA bietet eine entsprechende Übertragung an.
Update 29. Februar 2010:
Um die erforderliche Zeit zur Beseitigung eines technischen Problems zu bekommen, wurde der Start GOES-P um einen Tag verschoben. Ein Ventil der Schubvektorsteuerung in einem der beiden Feststoffbooster der Trägerrakete soll ausgetauscht werden. Anschließend will man das Startfenster von 00:18 Uhr und 1:18 Uhr MEZ am 4. März 2010 nutzen.
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, NOAA, ULA)
» Thales Alenia Space baut Jason 3
25.02.2010 - Am 24. Februar 2010 gab Thales Alenia Space bekannt, von der französischen Raumfahrtagentur CNES den Auftrag zum Bau des Ozeanographiesatelliten Jason 3 erhalten zu haben.
Auf dem Proteus-Bus basierend soll Jason 3 unter anderem mit einem Poseidon 3B genannten Altimeter die Messungen von Jason 1 und Jason 2 fortsetzen. Außerdem an Bord: DORIS für die Bereitstellung exakter Bahndaten, ein weiterentwickeltes Mikrowellenradiometer mit der Bezeichnung AMR, eine GPS-Nutzlast mit der Bezeichnung GPSP und ein LRA genannter Reflektor für Laserlicht.
Jason 3 soll wie sein Vorgänger Jason 2 auf einer Bahn mit einer durchschnittlichen Flughöhe von 1.336 Kilometern über der Erde und 66 Grad Bahnneigung arbeiten. Der Start des Raumfahrzeuges mit einer Masse von 553 Kilogramm ist nach den derzeitigen Planungen für Mitte 2013 vorgesehen. Im All soll Jason 3 eine dreijährige Mission durchführen.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Thales Alenia Space)
» ATVs liegen im Zeitplan
25.02.2010 - Die Automated Transfer Vehicles der ESA mit den Nummern 2 bis 5 befinden sich in verschiedenen Phasen der Fertigung und liegen im Zeitplan.
Das ATV 2, das den Namen "Johannes Kepler" tragen soll, wird gegenwärtig in Bremen fertiggestellt. Dank der aufopferungsvollen Arbeit der Ingenieure und Techniker, die rund um die Uhr und teilweise auch am Wochenende arbeiten, könnten die Arbeiten im Mai abgeschlossen werden. In der Himmelfahrtswoche würden die drei Grundmodule von JoKe nach Kourou verschifft. Dort erfolgen dann abschließende Tests. Der Start ist für den 30. November 2010 geplant, Träger ist eine Ariane 5 ES.
An Avionicseinheit, Antriebs- und Frachtmodul von ATV 3 wird ebenfalls bereits fleißig montiert. Die Avionicseinheit muss dabei etwas zeitiger fertig sein, da sie weitergehenden Tests unterzogen wird. Einige davon finden am Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum ESTEC in den Niederlanden statt. ATV 3 soll Ende 2011 zur Internationalen Raumstation starten.
Für ATV 4 werden gerade in Italien die Grundstrukturen zusammengebaut und geprüft. Ebenso treffen die ersten Bauteile des ATV 5 in Turin ein. Neben bereits laufenden Verhandlungen für ATV 6 und 7 denkt man wegen der mittlerweile geplanten Verlängerung der Betriebsdauer der Internationalen Raumstation über zwei weitere ATVs nach.
Das ATV 1, das den Namen "Jules Verne" trug, startete am 9. März 2008 in den Orbit. Nach mehreren erfolgreichen Demonstrationsmanövern koppelte JuVe am 3. April 2008 am Heck der ISS an. Hier diente es bis zum 5. September nicht nur als Frachter sondern auch als Wasch- und Schlafraum sowie zur Kühlung von Getränken. Außerdem wurden mehrere Bahnanhebungen und Kurskorrekturen mit den Triebwerken des ATV ausgeführt. Vor seinem feurigen Ende in den dichten Schichten der Erdatmosphäre diente es außerdem als Müllentsorgungseinheit. ATV 1 "Jules Verne" verglühte am 29. September nach erfolgreichem Flug.
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Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Raumcon)
» Letzter Test eines Shuttle-Feststoffboosters
26.02.2010 - Am 25. Februar 2010 wurde durch die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA und den Hersteller ATK zum letzten Mal ein Test eines Feststoffboosters, wie er bei Flügen im Rahmen des auslaufenden Space-Shuttle-Programms verwendet wird, vorgenommen.
Für den Brennversuch auf dem Testgelände des Motorherstellers ATK in Promontory nördlich von Salt Lake City war der Booster mit vier treibstoffgefüllten Segmenten im Teststand in waagerechter Lage eingebaut.
Der FSM-17 genannte Feststoffbooster (FSM steht für "Flight Support Motor") wurde gegen 19:50 Uhr MEZ gezündet und brannte rund 123 Sekunden, also etwas über zwei Minuten. Dabei wurde eine maximale Leistung von über 15 Millionen PS erzielt. Daten zu 43 verschiedenen Aspekten wurden aufgezeichnet. Auf 258 Kanälen erfolgte die Erfassung der gewünschten Informationen. Eine vorläufige Bewertung der beim Test gewonnenen Daten geht davon aus, dass sich der Booster im Test genau wie erwartet verhalten hat.
Es handelte sich um den zweiundfünfzigsten solchen Test, der erste erfolgte am 18. Juli 1977. Die Versuche mit der laufenden Produktion entnommenen Boostern erfolgten immer wieder, um Änderungen im Produktionsprozess und bei den verwendeten Ausgangsmaterialien, zum Beispiel veranlasst durch einen Wechsel von Lieferanten für Komponenten und Rohstoffe, zu validieren. Die Tests dienten auch dem Nachweis der erfolgreichen Umsetzung von Verbesserungen der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Booster.
Im am 25. Februar 2010 gezündeten Booster wurden Segmente eingesetzt, die bereits bei in Summe bisher 38 Shuttle-Missionen benutzt worden sind, darunter beim fünften und beim siebten Flug eines Shuttles. Er entspricht den acht Boostern, die bei den verbleibenden vier Shuttlestarts jeweils 80 Prozent des Gesamtschubs zur Verfügung stellen werden. Unterschiedliche Entwicklungsstufen des Boosters sorgten bei bis heute 129 erfolgreichen Shuttlestarts für Vortrieb.
Raumcon:
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, ATK)
» X-37B-Test voraussichtlich ab 20. April
27.02.2010 - Dass wiederverwendbare Raumtransporter auch nach der Außerdienststellung der Space Shuttles noch eine Zukunft haben können, soll der Testflug einer speziellen Variante der X 37 beweisen.
Zu Beginn der Woche wurde das erste raumflugtaugliche Testvehikel zur Luftwaffenstation nach Cape Canaveral gebracht. Der Transport war am Montag unter strenger Geheimhaltung abgelaufen und erst am 25. Februar bekannt geworden.
Die X 37B ist knapp 9 Meter lang, viereinhalb Meter breit und hat eine Masse von etwa 5 t. Damit passt sie komplett unter eine Nutzlastverkleidung der Atlas-V-Trägerrakete. Beim Teststart in den frühen Morgenstunden des 20. April kommt eine Atlas V ohne Feststoffbooster zum Einsatz.
Das Projekt lief seit 1999 bei Boeing unter der Bezeichnung X 40, wurde später zu X 37 und 2004 von der NASA an die DARPA übergeben. Der unbemannte Transporter wird für die US Air Force entwickelt. Er soll schnell einsatzbereit sein, nach einem Einsatz auch zügig auf den nächsten vorbereitet werden können und obendrein zu vergleichsweise großen Bahnänderungen in der Lage sein. Diese betreffen sowohl Flughöhe als auch Bahnneigung.
Die militärische Nutzlast läge bei bis zu 540 kg und soll maximal 270 Tage im All verbleiben können. Allerdings müssen wichtige Systeme, z. B. zur langfristigen Energieversorgung, noch entwickelt werden.
Die Mission des Orbital Test Vehicle 1 (X 37B) besteht in erster Linie darin, zu ergründen, ob eine wiederverwendbare Satellitenplattform, mit wechselnden Nutzlasten realisierber, flexibel einsetzbar, praktisch, risikoarm, zuverlässig und rentabel sein kann.
Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceflightNow, Raumcon)
» Falcon-9-Tanktest erfolgreich
27.02.2010 - In der Nacht vom 25. zum 26. Februar wurde am Startkomplex 40 der Cape Canaveral Air Force Station ein Tanktest an einer Falcon-9-Trägerrakete von SpaceX durchgeführt.
Nachdem Anfang Februar die Montage der Einzelteile der Rakete erfolgt war und die Rakete Mitte des Monats auf der Startplattform aufgerichtet wurde, erfolgte nun ein nach Aussagen eines SpaceX-Sprechers erfolgreicher Tankvorgang im Rahmen einer Vorstartsimulation.
Dabei wurden insgesamt 280.000 Liter flüssiger Sauerstoff und Kerosin in die beiden Stufen des Trägers gepumpt und anschließend wieder abgelassen. Der Sauerstoff ist in einem kugelförmigen Tank an der Südostseite der Plattform gelagert, das Kerosin in zwei zylindischen Tanks westlich des Pads. Die Zuleitungen sind an einem Startturm befestigt, der während des Transports zur Plattform als Auflieger für die gesamte Rakete fungiert.
Ein Problem hat man im Nachhinein allerdings festgestellt. Offenbar hat sich durch den Tanktest der Hochtemperaturkork für die Wiederverwendung und Bergung der ersten Stufe teilweise gelöst. Laut Firmengründer Elon Musk wird man entsprechende Anpassungen vornehmen und den Kork in 1-2 Wochen wieder hinzufügen. Man hat wohl keine ausreichend großen Dehnungsfugen in der Korkisolierung vorgesehen, und als der Tank für flüssigen Sauerstoff gefüllt wurde, sorgte die Abkühlung der Tankwand für eine Verringerung der Auflagefläche für den Kork.
Der nächste Schritt wird eine 3,5 Sekunden dauernde Brennphase der 9 Erststufentriebwerke vom Typ Merlin 1C sein. Dieser Test soll im Verlaufe des März vorgenommen werden. Der Start könnte Ende März erfolgen.
Zwischenzeitlich hatte man die Falcon 9 wegen schlechten Wetters vorübergehend wieder in eine horizontale Position gebracht, um das Risiko einer Beschädigung zu verringern.
Verwandte Meldung:
Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceflightNow, SpaceX)