das angebrochene dritte Jahrtausend steht ganz im Zeichen der Asteroiden und Zwergplaneten. Auf anspruchsvollen Bahnen sind technisch aufwendige Missionen auf dem Weg zu den einsamen Felsbrocken des Sonnensystems. Sie fotografieren, setzen Landesonden ab oder nehmen sogar Proben. Die Hoffnung der Wissenschaftler: Die Entstehung der Planeten und unserer eigenen Welt besser zu verstehen. Asteroiden öffnen ein Fenster in die Zeit, als unser Sonnensystem noch ausschließlich aus den unförmigen Brocken bestand.
Nach den ersten zaghaften Erstlingsleistungen, etwa der Landung der NASA-Sonde NEAR auf Eros folgten ausgefeiltere Versuche: Die Probennahme der japanischen Hayabusa-Mission an Itokawa, das gezielte Herbeiführen einer Kollision der NASA-Sonde Deep Impact an Tempel 1. In der vergangenen Woche nahm die europäische Rosetta-Sonde bereits ihren zweiten Vorbeiflug an einem Asteroiden vor. Die knapp 100 Kilometer durchmessende Lutetia ist der größte bisher von einem Flugkörper besuchte Asteroid. Und es geht weiter: Im August 2011 erreicht die NASA-Mission DAWN Vesta, den zweitgrößten Asteroiden unseres Sonnensystems und wird nach einigem Aufenthalt zu Ceres weiterfliegen, der wegen seiner runden Form sogar als Zwergplanet gilt. 2014 wird die Sonde New Horizons eventuell an einem Neptun-Trojaner vorbeifliegen, einem Mitglied eines der äußeren Asteroidengürtel, bevor sie im Juli 2015 an Pluto und Charon vorbeifliegt. Pluto gilt nicht mehr als Planet, seit man entdeckte, dass er gegenüber anderen großen Asteroiden (oder "Zwergplaneten") kaum Alleinstellungsmerkmale besitzt.
Es bleibt also spannend. Einen ersten Einblick der kommenden Ereignisse können Sie beim Nachverfolgen des Lutetia-Vorbeiflugs erhalten, den wir Ihnen minutiös in unseren News zusammengestellt haben.
Viel Spaß beim Lesen bei dieses und allen anderen Beiträge des heutigen InSpace Magazins wünscht Ihnen
» InSound mobil: Der Podcast Unser Podcast ist zurück - mit einer zusammenfassenden Sendung pro Woche. Hören Sie doch mal rein.
» Constellation-Programm Mit dem Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) wird die Rückkehr bemannter Raumschiffe auf den Erdtrabanten vorbereitet: Neben einer genauen Untersuchung der Oberfläche auf mögliche Gefahren und wissenschaftliches Potential steht die Suche nach Wasser im Vordergrund. Die Zweitnutzlast LCROSS wird den bisher stärksten künstlichen Impakt auf dem Mond erzeugen, um lange gesuchtem Wasser auf die Spur zu kommen.
» Extrasolare Planeten Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.
» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.
» TRACE: Mission nach 12 Jahren beendet 06.07.2010 - Der Sonnenforschungssatellit TRACE der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA machte über 12 Jahre nach dem Start seine letzten Beobachtungen. Die Mission von TRACE ist damit abgeschlossen. Entsprechend der Mission des Satelliten bedeutet TRACE Transition Region And Coronal Explorer. Die wissenschaftliche Nutzlast des Raumfahrzeugs mit einem 30 cm Teleskop wurde vom Sonnen- und Astrophysiklabor von Lockheed Martin gebaut, den Satellitenbus des Trabanten mit einer Gesamtmasse von 211 Kilogramm bildete eine Konstruktion aus der Reihe der Small Explorer des Goddard Raumflugzentrums der NASA. Daher trägt TRACE auch die Alternativbezeichnungen SMEX 4 oder Explorer 73.
Am 1. April 1998 gelangte TRACE, gestartet auf einer geflügelten Rakete vom Typ Pegasus XL, in den Weltraum, um dort die Korona der Sonne und die Übergangszone unterhalb der Korona zu untersuchen. Ausgesetzt wurde der Satellit auf einer sonnensynchronen Bahn zwischen 518 und 563 Kilometern Höhe über der Erde, die anschließend auf rund 600 x 650 Kilometer angehoben wurde.
Schnell stellte sich der Wert des Satelliten heraus: Zum ersten Mal konnte der gesamte Zyklus der Sonnenaktivität beobachtet und dynamische Phänomene in der Sonnenkorona im Bild festgehalten werden. Die Bilder von TRACE weisen einen fünffachen Vergrößerungsfaktor gegenüber denen des UV-Teleskops an Bord des Sonnenforschungssatelliten SOHO auf. Viele Details der Feinstruktur der Sonnenkorona konnten mittels TRACE überhaupt zum ersten Mal beobachtet werden.
Schon kurz nach Beginn der Mission gelang es, feinste magnetische Strukturen im Bereich der Aufheizung von Koronalbögen in aktiven Zonen der Sonne nachzuweisen. 2001 lieferte TRACE erstaunliche Bilder von der Aktivität in der Korona, die unter anderem im IMAX-Film SolarMax zu sehen sind.
Das Auflösungsvermögen des im Bereich des Ultravioletten empfindlichen Teleskops von TRACE wird übertroffen, seit sich der neueste Sonnenforschungssatellit der NASA, SDO, im All befindet. Zusätzlich ist das Blickfeld von SDO erheblich größer als das von TRACE. Von SDO aus ist die vollständige Sonnenscheibe beobachtbar, nicht nur wie bei TRACE ein kleiner Ausschnitt vor ihr (> 8,5 x 8,5 Bogenminuten). TRACE erfüllte seine abschließenden Beobachtungsaufgaben am 22. Juni 2010. Das letzte Bild der Mission wurde um 1:56 Uhr MESZ erfasst.
TRACE alias SMEX 4 und Explorer 73 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25.280 bzw. als COSPAR-Objekt 1998-020A.
» Rosettas Ritt zum Exoten Lutetia 06.07.2010 - Die europäische Kometensonde Rosetta absolviert ihre Generalprobe: Am kommenden Samstag fliegt sie in einem Abstand von 3162 Kilometern an (21) Lutetia vorbei. Der Gesteinsbrocken gehört zu den Sonderlingen des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter. Es muss eine klare Nacht gewesen sein, als der deutsch-französische Kunstmaler und Astronom Hermann Goldschmidt am 15. November 1852 auf seinen Pariser Balkon tritt und sein Teleskop aufbaut. Die Stadt ist noch nicht elektrifiziert, Lichtverschmutzung kein Thema. Ein paar Jahre zuvor hatte er einen Vortrag des Uranusentdeckers Urbain Le Verrier gehört – und seine Leidenschaft für die Astronomie entdeckt. Angeblich verkaufte er zwei Portraits von Galileo Galilei, um sich sein erstes Teleskop zu kaufen.
An jenem Abend also, so will es die Geschichtsschreibung, entdeckt Goldschmidt den Asteroiden, der nach dem Entdeckungsort mit dem lateinischen Namen für Paris bedacht wurde: Lutetia.
Die scharfen Augen zweier Sonden
Am kommenden Samstag, den 10. Juni 2010 wird Rosetta mit einer Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Sekunde an Lutetia vorbeifliegen. Die Raumsonde ist auf dem Weg zum Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, den sie im Mai 2014 erreichen soll. Huckepack trägt sich die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Landesonde Philae. Auch an Bord von Philae werden gleich drei Instrumente an der Generalprobe teilhaben und die Muttersonde bei der Untersuchung unterstützen.
Um 17:44 Uhr (MESZ) wird Rosetta die dichteste Annäherung an Lutetia erreichen. Da sich das Raumfahrzeug derzeit in einem Abstand von 450 Millionen Kilometern von der Erde befindet (dem dreifachen Abstand zwischen Sonne und Erde), trifft das Signal erst gegen 18:10 Uhr auf der Erde ein. Erste Aufnahmen werden gegen 23:00 Uhr erwartet. Auf Raumfahrer.net können Sie das Ereignis mit Ticker und Videostream direkt aus dem ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt live verfolgen. Auch über Twitter werden wir Neuigkeiten sofort bekannt geben.
Ein seltsamer Brocken?
Lutetia ist eine widersprüchliche Welt. Der Asteroid gehört zum Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter, ist jedoch mit einer Größe von rund 100 Kilometern bei weitem nicht der größte. Historisch wurde er als metallischer M-Typ-Asteroid klassifiziert, vor allem wegen seiner großen Albedo, der Rückstrahlfähigkeit der Oberfläche. Stimmt diese Annahme, wäre Lutetia der erste Körper dieser Gruppe, der jemals von einer Raumsonde besucht wird. Jedoch spricht das bisher gemessene Spektrum eher für einen chondritischen (kohlenstoffbasierten) C-Typ Asteroiden.
Die französische Astronomin Irinia Belskaya hatte Lutetia mit Kollegen im Jahr 2007 genauer untersucht und auf dieser Basis eine Vorhersage über die Beschaffenheit gewagt: Danach dürfte es in der nördlichen Hemisphäre eine größere Unregelmäßigkeit seiner Form geben, die rund 20 Prozent seiner Oberfläche einnimmt. Das könnte etwa ein großer Krater sein. Die Oberfläche ist vermutlich heterogen und zum Teil von feinem Staub bedeckt.
Ebenfalls 2007 hatte ein Forscherteam um Bernhard Schläppi von der Universität Bern durch Simulationen gezeigt, dass sich neutrales Natrium und Sauerstoff zu einer dünnen Exosphäre um Lutetia angesammelt haben könnten. So könnten der Sonnenwind und der Vaporisation eingeschlagener Mikrometeoriten zur Entstehung der extrem dünnen Atmosphäre beigetragen haben. Rosetta kann diese Simulation nun direkt bestätigen.
Vor knapp zwei Jahren hatte Rosetta seinen ersten Asteroiden besucht (Raumfahrer.net berichtete): (2876) Šteins ist mit einer Größe von 6,67 mal 5,81 mal 4,47 Kilometern ungleich kleiner als (21) Lutetia. Der Himmelskörper hatte die Forscher mit seiner völlig kraterübersähten diamantähnlichen Form überrascht. Sein großer Bruder Lutetia wartet sicher mit ähnlichen Überraschungen auf.
» Asteroidenstaub in Hayabusa-Kapsel gefunden? 06.07.2010 - In der Rückkehrkapsel der japanischen Asteroidensonde Hayabusa wurden möglicherweise Staubpartikel vom Asteroiden Itokawa gefunden, berichtete die japanische Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung JAXA am 5. Juli 2010. Ob es sich bei den Staubteilchen in der am 13. Juni 2010 in Australien gelandeten Rückkehrkapsel um Material von der Erde, aus dem interstellaren Raum oder vom von Hayabusa 2005 besuchten Asteroiden 25143 Itokawa handelt, muss aber erst noch durch Untersuchungen geklärt werden.
Nach der unbeschadeten Landung war die Kapsel mit einer Masse von rund 17 Kilogramm nach Japan gebracht worden, wo sie am 18. Juni 2010 im westlich von Tokio gelegenen Sagamihara eintraf. Dort erfolgte eine Röntgenuntersuchung des Probenbehälters der Rückkehrkapsel, der zur Folge sich keine Teilchen mit einer Größe von mehr als einem Millimeter in dem Behälter befinden würden. Im anschließend geöffneten Behälter wurde dann Staub gefunden, dessen Herkunft noch festgestellt werden muss.
Nach Angaben der JAXA kann es mehrere Monate dauern, bis klar ist, ob Material von dem Asterioden in den Probenbehälter gelangte, obwohl das Probenentnahmeverfahren am Asteroiden nicht so ablief wie geplant. Ein Projektil, das Asteroidenstaub aufwirbeln sollte, war wahrscheinlich nicht abgefeuert worden. Allerdings setzte Hayabusa auf Itokawas Oberfläche auf, wodurch möglicherweise ausreichend Staub in Bewegung geriet. - Einige Partikel könnten daraufhin das Innere der geöffneten Probenkammer erreicht haben.
Mit Mikroskopen und Spektrometern will man die exakte Größe, die chemische Zusammensetzung und die Herkunft des Materials bestimmen. Stammt es von Itokawa, wäre die Mission von Hayabusa die erste, in deren Rahmen es gelang, eine Probe von einem Asteroiden zur Erde zu bringen.
» Ersatz für Amazonas 1 bestellt 07.07.2010 - Der Hersteller von Kommunikationssatelliten Space Systems/Loral wurde vom spanischen Betreiber Hispasat beauftragt, den als Ersatz für Amazonas 1 bestimmten Kommunikationssatelliten Amazonas 3 zu bauen. Der in Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien ansässige Satellitenbauer Space Systems/Loral (SS/L) teilte am 6. Juli 2010 mit, dass er basierend auf dem 1300er Satellitenbus für die spanische Hispasat mit Sitz in Madrid einen leistungsfähigen Kommunikationssatelliten bauen wird. 33 Ku-Band-Transponder und 19 C-Band-Transponder der Kommunikationsnutzlast des Satelliten sind für einen gleichzeitigen Betrieb vorgesehen. Am Ende der Auslegungsbetriebszeit sollen die Solarzellenausleger des Trabanten noch eine elektrische Leistung von knapp 14 kW bereitstellen können. Ein Start des Raumfahrzeugs mit einer Masse von rund fünf Tonnen ist derzeit für das Jahr 2012 geplant. Im Weltraum will der Betreiber den neuen Satelliten bei 61 Grad West im geostationären Orbit einsetzen, um Europa und die beiden amerikanischen Kontinente mit Fernseh- und Radioprogrammen sowie Telefonie- und Datendiensten zu versorgen.
Der zur Zeit bei 61 Grad West im geostationären Orbit arbeitende auf dem Eurostar 3000S von Astrium basierende Amazonas 1 wird wegen eines Treibstofflecks seine ursprüngliche Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren nicht erreichen. Während der am 16. August 2004 begonnenen Tests dieses mit 36 Ku- und 27 C-Band-Transpondern ausgestatteten Satelliten nach dem Start am 5. August 2004 stellte sich heraus, dass der Druck in einem der beiden Oxidatortanks des Antriebssystems in nicht vorgesehener Weise abnimmt. Vermutlich ist ein fehlerhaftes Pyroventil für den Druckverlust verantwortlich. In einer Anzahl gleicher Pyroventile wurden beim Zulieferer Conax aus St. Petersburg in Kalifornien Risse gefunden. Nach der Feststellung des Druckverlusts wurde von Astrium zunächst eine Betriebsdauerreduzierung von nicht mehr als fünf Jahren angenommen. Spätere Schätzungen gingen von einer möglichen Gesamtnutzungsdauer von nicht über fünf Jahren für Amazonas 1 aus.
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, Hispasat, SS/L, U.S. District Court Middle District of Florida)
» Booster DM-2 bereit zum Test 09.07.2010 - Am Mittwoch, dem 7. Juli 2010 gab der Boosterhersteller Alliant Techsystems (ATK) bekannt, dass Techniker der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA und von ATK den Booster für den zweiten statischen Brennversuch eines Fünfsegment-Feststoffboosters für die Ares-I-Rakete des Constellation-Programms im Teststand installiert haben. Der Test des DM-2 genannten Feststoffboosters (DM steht für "Development Motor" oder auch "Demonstration Motor") soll laut ATK Anfang September 2010 stattfinden, die NASA nannte zuletzt den 2. September 2010 als Termin für den Test. Im Rahmen des Constellation-Programms wurde am 10. September 2009 bereits der Feststoffbooster DM-1 mit fünf Segmenten getestet. Die dabei gewonnenen Daten will man mit denen des neuen Tests und denen des Fluges der Ares I-X am 28. Oktober 2009, bei dem ein Booster mit vier treibstoffgefüllten Segmenten und einem Dummysegment zur Anwendung kam, vergleichen.
Der für NASAs Ares-I-Raketen entworfene Fünfsegment-Feststoffbooster, auch RSRMV für "Reusable Solid Rocket Motor Five" genannt, erfuhr neben dem zusätzlichen treibstoffgefüllten Segment gegenüber den für das Shuttleprogramm verwendeten Boostern erhebliche konstruktive Änderungen. Zum Beispiel ist der Durchmesser des Halses der beweglichen Ausströmdüse des Motors vergrößert. Eine Verwendung eines ähnlichen Boosters in künftigen Raketentypen ist nicht ausgeschlossen. Davon unabhängig haben im Rahmen der Entwicklung bereits erworbene und noch zu gewinnende Erkenntnisse im Hinblick auf künftige Projekte einen grundsätzlichen eigenen Wert.
Das Verhalten des DM-2 will man während des Tests über 750 Datenkanäle beobachten. Daten zum erzielten Schub, zum Verhalten der Schubvektorsteuerung, zum erzeugten Lärm und entstehenden Vibrationen sollen erfasst werden. Außerdem gilt es, Veränderungen an der Ausströmdüse und Verbesserungen von Treibstoff und Isolation zu verifizieren. Es wird erwartet, dass der zu testende Motor einen Schub von umgerechnet über 16.000 Kilonewton erzeugen wird. ATK nennt 3.600.000 pound force (lbf).
In den Teststand (T-97 Large Motor Static Firing Test Facility, Einrichtung für statische Brenntests großer Motore) auf ATKs Testgelände in Promontory nördlich von Salt Lake City in Utah wurde der Motor zwischenzeitlich eingebaut. Der Test des Boosters erfolgt in waagerechter Lage.
» Überlebenstraining für ESA-Astronauten 09.07.2010 - Ende Juni wurden sechs Astronauten der ESA von einem Helikopter in der Wildnis ausgesetzt um dort ein Überlebenstraining zu absolvieren. Das Training galt der Vorbereitung unvorhersehbarer Landungen in abgelegenen Gebieten der Erde. Da eine Notlandung in der Wildnis oder im Ozean nie ausgeschlossen werden kann, ist ein Überlebenstraining auch für Astronauten von Bedeutung. Aus diesem Grund finden regelmäßige Überlebenstrainings statt, bei denen die Astronauten zuvor gelernte Überlebenstechniken unter Aufsicht umsetzen müssen.
Die Rekruten der ESA Samantha Cristoforetti, Alexander Gerst, Andreas Mogensen, Luca Parmitano, Timothy Peake und Thomas Pesquet absolvierten ein solches Überlebenstraining in den letzten Wochen in Italien. Dabei wurden Fähigkeiten in Bereichen wie Klettern, Schwimmen und Jagen ausgebaut.
Nachdem sie von einem Helikopter zum abgelegenen Trainingsgelände gebracht worden waren, mussten die Teilnehmer ein Lager aufbauen und selbstständig mit minimaler Ausrüstung für ihre Verpflegung und Gesundheit sorgen. Dieser Teil der Mission wurde nach drei Tagen erfolgreich beendet und die Astronauten frisch ausgerüstet.
Die nächste Aufgabe galt der Navigation anhand von natürlichen Signalen und Sternen. Die Astronauten mussten dabei eine Strecke durch die Wildnis bewältigen und einen zuvor bestimmten Punkt erreichen. Von dort aus wurden die Missionsmitglieder mit einem Helikopter abgeholt und auf das offene Meer gebracht, wo sie einen Tag lang in einer improvisierten Rückkehrkapsel überleben mussten.
Während der ganzen Zeit gestaltete sich das Wetter optimal. Die Temperatur lag zwischen maximal 30°C am Tag und fiel in der Nacht nicht unter 10°C. Dennoch klagten manche Missionsteilnehmer nach den ersten 48 Stunden über Hunger. Dieses Problem wurde allerdings rasch bewältigt.
» Livebericht: Rosettas Vorbeiflug an Lutetia 10.07.2010 - Um 18:10 Uhr (MESZ) flog die europäische Raumsonde Rosetta am mysteriösen Asteroiden (21) Lutetia vorbei. Hier finden Sie unseren Liveticker aus dem ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt und eine Videoübertragung. Update: Die ESA hat mittlerweile hochaufgelöste Bilder der nächsten Annäherung veröffentlicht! Hier finden Sie den Livebericht vom 10. Juli 2010 zum Vorbeiflug von Rosetta am Asteroiden Lutetia. Alle Angaben sind in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Neuste Einträge finden Sie weiter unten.
So., 11.07.2010 | 09:00:00 Uhr Wir haben mit Rosetta-Missionswissenschaftler Gerhard Schwehm über die Herausforderungen und Möglichkeiten dieses Vorbeiflugs gesprochen. Das Interview finden Sie hier.
Sa., 10.07.2010 | 23:13:47 Uhr Die nächsten Tage gibt es viel zu berichten - und das gibt es natürlich auch auf Raumfahrer.net zu lesen! Bleiben Sie uns gewogen, bis bald!
Sa., 10.07.2010 | 23:13:17 Uhr Der Stream der ESA läuft wohl noch bis 23:30 Uhr. Wir beenden an dieser Stelle unseren Livebericht und bedanken uns für das große Interesse. Wir freuen uns auch über Feedback in unserem Forum Raumcon.
Sa., 10.07.2010 | 23:12:09 Uhr Wir laden gerade die Bilder auf unseren Server:
Sa., 10.07.2010 | 23:11:02 Uhr Und es gibt weitere Nahaufnahmen: Sichtbar sind klare Furchen. Mehrere mittelgroße Krater werfen "eckige" Schatten, was relativ ungewöhnlich ist. Die Wissenschaftler werden wohl noch mehrere Jahre mit der Auswertung aller Daten verbringen.
Sa., 10.07.2010 | 23:08:10 Uhr Mehrere Teams (Lindau, Marseille, Padua) haben bereits die Spektraldaten erhalten und sind bei der Auswertung, die wohl die nächsten Tage kommen wird.
Sa., 10.07.2010 | 23:07:05 Uhr Jetzt kommen die Nahaufnahmen: Ein äquatornaher Krater dominiert Lutetia. Genau um diese Krater fliegt Rosetta herum - "mit Warpgeschwindigkeit", sagt der MPI-Vertreter. In Wahrheit waren es "nur" 15 Kilometer pro Sekunde.
Sa., 10.07.2010 | 23:05:17 Uhr Die Bilder sind phänomenal. Der Apetizer ist eine Nahaufnahme - mit Saturn (!) im Hintergrund. Dies war das letzte Bild vor dem Kontaktabbruch.
Sa., 10.07.2010 | 23:03:39 Uhr Die ersten Bilder laufen über den Bildschirm. Applaus brandet auf. Tatsächlich, sie sind ausgesprochen scharf.
Sa., 10.07.2010 | 23:02:15 Uhr Das Podium ist gefüllt: David Southwood, Rita Schulz, die Pressechefin des ESOC und ein MPI-Mitarbeiter. Die Einleitung: Der Vorbeiflug war sehr erfolgreich. Es gibt bereits sehr viele Informationen.
Sa., 10.07.2010 | 22:53:41 Uhr Michael Kahn bestätigt: Es sind tatsächlich umwerfende Bilder des nahen Vorbeiflugs da. Die ESA hat aber ein Embargo bis 23 Uhr erlassen. Sofort um 23:00:01 Uhr werden sie aber freigeschaltet. Der Stream wird auch demnächst starten. Das Podium hier in Darmstadt ist bereits aufgebaut.
Sa., 10.07.2010 | 21:42:39 Uhr Die ESA bittet darum, noch nicht offline zugehen. Die Öffentlichkeit habe noch nichts gesehen. Die wirklich interessanten Aufnahmen kommen noch! Wir warten gespannt auf 23.00 Uhr. Währenddessen haben die Wissenschaftler vielleicht zwischendrin auch Zeit, mal zum Fernseher zu blicken. Auf dem Tisch im Kontrollraum stand neben einem Rosetta-Modell ein kleines Fußballmodell.
Sa., 10.07.2010 | 18:51:35 Uhr Ich klinke mich vorerst aus und hoffe, ein paar Stimmen einfangen zu können. Der Ticker läuft spätestens zu den ersten Bildern weiter!
Sa., 10.07.2010 | 18:48:56 Uhr Hinter den Kulissen wird noch das Public Viewing anmoderiert. Nicht Lutetia: Fußball. Die Bilder vom Asteroiden werden erst danach kommen.
Sa., 10.07.2010 | 18:47:31 Uhr Rosetta ist in dem Flugmodus, in dem sich die Sonde nach dem Vorbeiflug befinden sollte. Weitere Informationen folgen wohl in den nächsten Stunden. Die ersten Bilder dürften gegen 23 Uhr verfügbar sein.
Sa., 10.07.2010 | 18:44:17 Uhr Das waren kurze 10 Minuten. Rosetta sendet wieder Telemetriesignale!
Sa., 10.07.2010 | 18:43:47 Uhr Was passiert, wenn sich Rosetta nicht wieder meldet? - Erstmal würde man abwarten. Rosetta fliegt ja einfach auf ihrer programmierten Bahn weiter. Die Sonde wird immer versuchen, sich in erster Linie selbst zu schützen und im richtigen Moment Kontakt zur Erde aufzunehmen. Aktive Kommandos würden aber vorerst nicht gesendet werden, bevor man etwas von der Sonde weiß.
Sa., 10.07.2010 | 18:42:10 Uhr Es wird wieder in den Kontrollraum geschaltet. In rund 10 Minuten sollte der Kontakt zur Sonde wiederhergestellt sein. Im Hintergrund: ernste Gesicher.
Sa., 10.07.2010 | 18:33:54 Uhr Für ESA-Wissenschaftsdirektor David Southwood ist eine Mission wie Rosetta ein unabdingbares Werkzeug dafür, die Entstehung unseres Sonnensystem zu verstehen. Wie die Planeten und die Erde entstanden sind, sollte die gesamte Gesellschaft interessieren.
Sa., 10.07.2010 | 18:20:21 Uhr Rosetta-Missionswissenschaftlerin Rita Schulz hofft, dass Lutetia ein C-Typ-Asteroid ist und kein weniger primitiver M-Typ-Asteroid. Denn C-Typ-Asteroiden (kohlenstoffbasiert) könnten Informationen aus der Entstehungszeit des Sonnensystems geben. Aber selbst wenn Lutetia ein M-Typ-Asteroid ist (wofür einiges spricht), wäre der Vorbeiflug ein Erfolg: Denn bisher wurde kein Asteroid dieses Typs direkt beobachtet.
Sa., 10.07.2010 | 18:15:25 Uhr Gerhard Schwehm ist seit 1985 (!) bei der Mission Rosetta dabei. Wissenstransfer von alten Mitarbeitern zu den jüngeren gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer so lang laufenden Mission. Immerhin wird sie erst 2017 enden - Schwehm wird als konstante Größe bis zum Ende dabei sein.
Sa., 10.07.2010 | 18:10:43 Uhr Es gibt erste Bilder von der Annäherung an Lutetia.
Sa., 10.07.2010 | 18:05:13 Uhr Michael Kahn schreibt, dass es bereits Bilder gibt, die direkt vor dem Verlust des Signals aufgenommen wurden - aus einem Abstand von 80.000 Kilometern, auf denen man bereits viele Oberflächenstrukturen erkennen kann. Die Auflösung liegt bei mehreren Pixeln pro Kilometer - das wird also bei den direkten Flybybildern (3162 Kilometer) noch deutlich höher aufgelöst.
Sa., 10.07.2010 | 17:57:18 Uhr Der Livestream aus Darmstadt hat angefangen. Herr Southwood hat das Wort.
Sa., 10.07.2010 | 17:45:10 Uhr Aktuell (17:44 Uhr MESZ) erreicht Rosetta seine maximale Annäherung an Lutetia. Es dauert jedoch 25 Minuten, die ein Signal 450 Millionen Kilometer zur Erde unterwegs ist - mit Lichtgeschwindigkeit.
Sa., 10.07.2010 | 17:44:02 Uhr Der Rosetta-Vorbeiflug wird überwiegend aus dem lokalen Rosetta-Kontrollraum überwacht. Dort konnte ich in die leicht angespannten Gesichter der Flugingenieure blicken und ein paar Worte mit Sylvain Lodriot wechseln, Space Operations Manager für die Mission und Team Manager für den heutigen Abend. Es sei frustrierend für die Besatzung, dass jedes Signal 25 Minuten zur Erde braucht. Gleichzeitig sei man aktuell aber entspannt, da sich die Raumsonde im "closed loop" befindet, sich also selbst steuert. Aufgrund der Drehung ist der Kontakt zur Sonde mittlerweile abgerissen. Gleichzeitig hat er auf einen der Bildschirme gewiesen, die eine exponentiell steigende Kurve zeigt. Das ist die Anzahl der beleuchteten Pixel einer Kamera. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass Rosetta (bis zum Kontaktabbruch) gut auf den näher kommenden Lutetia ausgerichtet war.
Sa., 10.07.2010 | 15:02:28 Uhr Das closed loop tracking hat begonnen. Rosetta hat Lutetia fest im Blick.
Sa., 10.07.2010 | 14:04:05 Uhr Rosetta hat sein Drehmanöver abgeschlossen, zumindest wenn es nach dem vorab veröffentlichen Zeitplan geht.
Sa., 10.07.2010 | 13:56:23 Uhr Rosetta und Philae sind nur noch 0,001 Astronomische Einheiten oder 260.000 Kilometer von (21) Lutetia entfernt.
Sa., 10.07.2010 | 13:34:59 Uhr Das Magnetometer- und Plasmainstrument ROMAP an Bord der in Deutschland entwickelten Landesonde Philae sendet erfolgreich Testdaten. Es wird während des Vorbeiflugs versuchen, Teilchen der Exosphäre des Asteroiden zu messen.
Sa., 10.07.2010 | 13:23:47 Uhr Die euroäische Deep Space-Antenne in Spanien ist in Kontakt mit Rosetta. Sie hat einen Durchmesser von 35 Metern - und ist seit September 2005 in Betrieb.
Sa., 10.07.2010 | 13:09:29 Uhr Ludmila Carone vom Radio Science-Experiment an Bord von Rosetta äußert sich zur Massenbestimmung von (21) Lutetia: Die Genauigkeit ihrer Messungen wird zwischen 2,6 und 29 % liegen, je nachdem, wie lange Rosetta mit der Erde Funkkontakt halten kann. Das Radio Science-Team misst die Geschwindigkeit von Rosetta, die sich durch die Gravitation des Asteroiden verändert. Die Geschwindigkeitsänderung bewirkt einen Dopplereffekt des Funksignals, eine Verschiebung innerhalb des Frequenzbandes. Die Massenbestimmung wird dann dazu verwendet, den Asteroidentyp zu bestimmen. Ist Lutetia ein relativ dichter M-Typ mit viel Metall oder ein fluffiger C-Typ mit Kohlenstoff? - Die Auswertung und die Beantwortung dieser Frage gibt es aber erst in ein paar Wochen, noch nicht heute Abend. Vielleicht können die Bilder um 23 Uhr dennoch schon helfen, sie ansatzweise zu beantworten.
Sa., 10.07.2010 | 12:41:02 Uhr Der Bilderdurchlauf der OSIRIS-Kamera heute morgen war wohl erfolgreich. Das Team meldet, das mittlerweile Oberflächenstrukturen aufgelöst werden. Wir warten weiter geduldig auf die Veröffentlichung der Bilder. Von der Sonde, die derzeit 450 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, sind sie wohl schon heruntergeladen. - Auf den letzten Kilometern hängt es noch.
Sa., 10.07.2010 | 12:04:11 Uhr (21) Lutetia ist der 21. Asteroid, der überhaupt entdeckt wurde. Das war 1852. Er ist aber bei weitem nicht der größte im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.
Sa., 10.07.2010 | 11:44:22 Uhr Noch 411.000 km, nicht viel mehr als einmal Erde-Mond.
Sa., 10.07.2010 | 11:28:36 Uhr Die Kamera OSIRIS macht bereits seit 8:18 Uhr heute früh Aufnahmen: Alle 10 Sekunden ein Bild. Der Flaschenhals ist die Downloadkapazität von Rosetta. Hier herrscht heute großer Andrang.
Sa., 10.07.2010 | 11:20:43 Uhr Armelle Hubault aus dem Rosetta-Flugkontrollteam schreibt, dass in diesen Minuten neue Aufnahmen mit der OSIRIS-Kamera aufgenommen werden. Die werden im Laufe des Tages auch schon zu Verfügung stehen, also noch vor dem Vorbeiflug und dem damit verbundenen Verlust der Funkverbindung. Erstmal müssen die Bilder aber heruntergeladen werden.
Sa., 10.07.2010 | 10:47:14 Uhr Derzeit wird der sogenannte Asteroid-Flyby-Mode (AFM) zu Rosetta hochgeladen. In diesem Modus wird Rosetta völlig autonom den Vorbeiflug an (21) Lutetia steuern. Immerhin befindet sie sich rund 25 Lichtminuten von der Erde entfernt. Jedes Signal benötigt also 25 Minuten zu uns - und 25 Minuten zurück zur Sonde.
Sa., 10.07.2010 | 10:18:25 Uhr Guten Morgen zur heutigen Liveberichterstattung aus dem Europäischen Weltraumkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Rosetta scheint auf Kurs zu sein: Eine letzte optische Navigationskampagne wurde gestern erfolgreich abgeschlossen.
Lutetia (21) gehört zu den widersprüchlichen Mitgliedern des Asteroidengürtels zwischen der Mars- und Jupiterbahn. Hier tummeln sich für gewöhnlich Gesteinsbrocken, die sich leicht einordnen lassen. Die rund 100 Kilometer durchmessende Lutetia macht eine Ausnahme: Während die spektrale Untersuchung auf einen kohlenstoffreichen C-Typ-Asteroiden hinweist, sprechen aufgezeichnete Lichtkurven auf den eisendominierten Typ M. Der Vorbeiflug von Rosetta soll uns helfen, diese widersprüchlichen Informationen zu verstehen (Raumfahrer.net berichtete).
Herschel: Alle Augen auf Lutetia
Schon im Vorfeld des Vorbeiflugs richteten sich alle Augen auf Lutetia, etwa die des erst im vergangenen Jahr gestarteten Weltraumteleskops Herschel der ESA. Es kann Bilder im Infrarotbereich in sehr hoher Genauigkeit aufnehmen – und ist so besonders in der Lage, kühle Objekte wie Asteroiden aufzunehmen. Aus den ersten Aufnahmen konnte bereits ein grobes Modell des unregelmäßig geformten Felsbrockens Lutetia berechnet werden. In seiner nördlichen Hemisphäre vermuten Forscher ein größeres Einschlagsbecken. Etwa 16 Stunden nach Rosettas Vorbeiflug wird Herschel seine Beobachtung wiederholen. Bedingt durch die Eigenrotation des Asteroiden wird das Teleskop ihn aus dem gleichen Blickwinkel sehen wie die Raumsonde selbst.
» Echostar 15 auf Proton-M gestartet 11.07.2010 - Am 10. Juli 2010 hob pünktlich um 20:40 Uhr MESZ eine Proton-M-Rakete vom Startplatz 200/39 im kasachischen Baikonur ab, um den Kommunikationssatelliten Echostar 15 für die Echostar Communications Corporation aus Englewood in Colorado ins All zu befördern. Der von Chrunitschew in Russland gebaute Proton-Träger verwendete drei Raketenstufen, um die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe Breeze-M und der Nutzlast, auf den Weg zu bringen. Nach etwas über 9 Minuten und 42 Sekunden Flugzeit wurde die Orbitaleinheit von der dritten Stufe der Proton abgetrennt. Eine erste Zündung der wie die Proton von Chrunitschew hergestellten Breeze-M-Oberstufe brachte die Orbitaleinheit in einen Parkorbit. Nach weiteren vier Brennphasen der Breeze-M-Oberstufe wurde der Satellit schließlich um 07:53 Uhr Moskauer Zeit bzw. 05:53 Uhr MESZ nach rund 9 Stunden und 13 Minuten Flugdauer am 11. Juli 2010 in einem Geotransferorbit ausgesetzt. Das Perigäum der erreichten Bahn, also der der Erde nächstliegende Bahnpunkt, liegt bei 6.012,50 Kilometern über der Erde, das Apogäum, der von der Erde am weitesten entfernte Bahnpunkt bei 35.813,34 Kilometern über der Erde. Die Inklination bzw. Neigung der Bahn gegen den Äquator beträgt etwas über 18 Grad und 42 Winkelminuten (Bahndaten nach Abschätzungen von Chrunitschew).
Der mit 32 gleichzeitig einsetzbaren Ku-Band-Transpondern ausgerüstete Satellit soll eine Position bei 61,5 Grad West im geostationären Orbit einnehmen, die er unter Nutzung eigener Triebwerke erreichen wird. Echostar 15 ist dazu gedacht, die Kapazität zur Ausstrahlung von Fernsehprogrammen von 61,5 Grad West für die DISH Network Corporation zu erweitern. Zur Zeit sind Echostar 3 (gestartet 1997), Echostar 6 (gestartet 2000) und Echostar 12 (gestartet 2003 als Rainbow 1) im Bereich von 61,5 Grad West stationiert und werden für die DISH Network Corporation betrieben. In den Vereinigten Staaten erreicht die DISH Network Corporation zur Zeit rund 14 Millionen Zuseher. Die erwartete Lebensdauer des von von Space Systems/Loral gebauten und auf dem 1300-er Satellitenbus basierenden Echostar 15 liegt bei 15 Jahren. Beim Start betrug die Masse des Satelliten 5.521 Kilogramm.
Der Transport von Echostar 15 erfolgte beim siebten Einsatz einer Proton-Rakete bzw. dem fünften Flug einer durch ILS vermarkteten Proton im Jahr 2010. Der vierte durch ILS vermittelte Start für Echostar war zugleich der 61. Proton-Start einer durch ILS vermarkteten Proton und der 360. überhaupt. In den letzten 24 Monaten starteten 24 Proton-Raketen.
Echostar 15 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.792 bzw. als Objekt 2010-034A.
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, ILS, Roskosmos, SS/L)
» INSAT 4B: Probleme mit Solarzellenausleger 11.07.2010 - Am 9. Juli 2010 berichtete die indische Weltraumorganisation ISRO, dass es ein Problem mit einem der beiden Solarzellenausleger des Kommunikationssatelliten INSAT 4B gibt. Ein Teil der Transponder des Satelliten musste wegen Strommangels abgeschaltet werden. INSAT 4B war am 11. März 2007 auf der Ariane-5-Rakete in den Weltraum transportiert und anschließend unter Einsatz seiner Bordtriebwerke auf eine Position bei 93,5 Grad Ost im geostationären Orbit gesteuert worden. Über die 12 Ku- und 12 C-Band-Transponder des Raumfahrzeuges mit einer Startmasse von 3.025 kg wurden zahlreiche verschiedene Fernsehprogramme für den indischen Raum ausgestrahlt. Der wie Eutelsat W2M auf dem indischen Satellitenbus I-3K basierende und von der ISRO in Bangalore gebaute Trabant wird von zwei Solarzellenauslegern mit Strom versorgt, die ihm eine Gesamtspannweite von 15,4 Metern geben. Einer der beiden Solarzellenausleger ist seit dem 7. Juli 2010 offensichtlich nicht mehr einsatzfähig. Nach Angaben der ISRO ist in einem der Solarzellenausleger eine Anomalie aufgetreten, in deren Folge die Hälfte der Transponder des Satelliten abgeschaltet werden musste. Eine Expertengruppe untersucht, ob man einen Teil der stillgelegten 6 Ku- und 6 C-Band-Transponder an Bord des auf ursprünglich 12 Jahre Betriebszeit ausgelegten Satelliten wieder aktivieren kann.
INSAT 4B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 30.793 bzw. als Objekt 2007-007A.
» PSLV-C15 bringt fünf Satelliten ins All 12.07.2010 - Am Morgen des 12. Juli 2010 ist die PSLV-C15-Rakete vom Satish Dhawan Space Center (SDSC) in Sriharikota an Indiens Südküste gestartet und hat fünf Satelliten in Umlaufbahnen um die Erde gebracht. Nach einem fünfzig Stunden und dreißig Minuten dauernden Countdown hob die 44,4 Meter hohe Rakete mit 230 Tonnen Startmasse um 05:52 Uhr MESZ (09:22 Uhr IST) vom Pad Nummer 1 des SDSC ab. Es war der sechzehnte Start vom SDSC. Die erste Stufe wurde beim Flug der PSLV-C15 nicht von zusätzlichen, seitlich angebrachten Boostern unterstützt. Nach dem Aufbrauchen der 138 Tonnen Treibstoffzuladung der ersten Stufe und der Zündung der zweiten, mit flüssigen Treibstoffen (UH25+N2O4) betriebenen Raketenstufe wurde um 8.24 Uhr MESZ in etwas über 115 Kilometern Höhe die Nutzlastverkleidung mit einem Durchmesser von 3,2 Metern abgeworfen. Anschließend trat die dritte Stufe in Aktion, die 7,6 Tonnen festen Treibstoffs verbrannte. In der vierten und letzten Raketenstufe wurden wieder flüssige Treibstoffe (MMH und MON-3) verwendet.
Die Hauptnutzlast, der indische Erdbeobachtungssatellit Cartosat 2B mit einer Startmasse von 694 Kilogramm, wurde schließlich nach einer Gesamtflugzeit von etwa 1.034 Sekunden in einer Höhe von rund 637 Kilometern über der Erdoberfläche in einer sonnensynchronen Umlaufbahn mit einer Bahnneigung von rund 98,1 Grad ausgesetzt. Anschließend wurde der algerische Erdbeobachtungssatellit AlSat 2A abgetrennt. Schließlich wurden die drei mitfliegenden Klein- bzw. Kleinstsatelliten Studsat aus Indien, AISSat 1 aus Norwegen und TIsat 1 aus der Schweiz von ihreren Nutzlasttragstrukturen an der vierten Stufe ab- bzw. ausgestoßen.
Cartosat 2B soll die bereits im All befindlichen Vorgängermodelle Cartosat 2 und Cartosat 2A ergänzen . Mit seiner panchromatischen Kamera (PAN) soll Cartosat 2B 9,6 Kilometer breite Streifen der Erdoberfläche abtasten. Die erwartete Auflösung liegt dabei im Bereich von 80 Zentimetern. Selbst fahrende Autos sollen mit Hilfe des optischen Systems an Bord des Satelliten aus dem All identifiziert werden können. Für eine Zwischenspeicherung der Bilddaten an Bord des Satelliten gibt es dort 64 Gigabit Speicherkapazität, die in Halbleiterlaufwerkstechnik realisiert wurde. Ist der Satellit im Empfangsbereich einer geeigneten Bodenstation, können die Daten zur Erde übertragen werden. Der Satellit wird von Indiens ISTRAC überwacht und gesteuert, dabei kommen Bodenstationen in Bangalore, Lucknow und Mauritius, im indonesischen Biak, in Svalbard und Tromso in Norwegen sowie in Troll in der Antarktis zum Einsatz. Zur Stromerzeugung stehen dem Satelliten zwei Solarzellenausleger zur Verfügung, die eine elektrische Leistung von 930 Watt erzeugen können. Zur Speicherung der elektrischen Energie ist der Satellit mit zwei Nickel-Cadmium-Akkumulatoren mit einer Kapazität von jeweils 18 Amperestunden ausgestattet. Cartosat 2B dient der Erstellung großmaßstäblicher Karten und soll Stadt- und Infrastrukturplanung unterstützen. Seine Daten sollen in Landinformationssystemen (LIS) und Geoinformationssystemen (GIS) verwendet werden. Die geplante Lebensdauer des dreiachsstabilisierten Satelliten beträgt 5 Jahre.
AlSat 2A wurde zwischen Cartosat 2B und den mitfliegenden Klein- und Kleinstsatelliten in einer separaten Nutzlasthülle (DLA, Dual Lauch Adopter) transportiert und als zweiter Satellit ausgesetzt. Aufgaben des algerischen Satelliten sind neben der Kartographie die Informationsgewinnung für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, die Suche nach Bodenschätzen, die Unterstützung von Planungen zur Landnutzung und beim Katastrophenschutz. Dafür befindet sich ein NAOMI für New Astrosat Observation Modular Instrument genanntes Teleskop an Bord, welches eine Auflösung von 2,5 Metern panchromatisch und von 10 Metern in vier bestimmten einzelen Spektralbereichen erzielt. Die Breite der auf der Erdoberfläche durch das Teleskop abzutastenden Streifen beträgt 17,5 Kilometer. Etwa alle drei Tage überfliegt AlSat 2A die gleiche Stelle der Erdoberfläche. Ein Solarzellenausleger aus zwei Elementen stellt maximal 175 Watt elektrische Leistung für den Betrieb der Satellitensysteme bereit. Elektrische Energie kann in Lithiumionenakkumulatoren mit einer Gesamtkapazität von 15 Amperestunden gespeichert werden. Das von EADS Astrium für das algerische nationale Zentrum für Weltraumtechnik (CNTS, Centre National des Techniques Spatiales) auf Grundlage der Satellitenplattform Myriade / AstroSat 100 gebaute Raumfahrzeug mit einer Startmasse von 117 Kilogramm soll sich mindestens fünf Jahre im All betreiben lassen. Um in dieser Zeit Bahnkorrekturmanöver ausführen zu können, ist der Satellit mit 4,5 Kilogramm Hydrazin für seine entsprechenden Triebwerke betankt. Drei Jahre nach dem Start von AlSat 2A soll AlSat 2B ins All transportiert werden, der in Algerien von Ingenieuren der dortigen Raumfahrtagentur (ASAL, Agence Spatiale Algérienne) gebaut wird.
Studsat (für STUDent SATellite) ist der erste indische Studentensatellit zur Erdbeobachtung und hat bei einem Volumen von rund 1,1 Litern eine Masse von 0,85 Kilogramm. Er hat annähernd die Form eines Würfels (10 cm x 10 cm x 13,5 cm). Gebaut wurde der Satellit von 45 Studenten, die bei 7 verschiedenen indischen Instituten in Karnataka und Andhra Pradesh bzw. Bangalore und Hyderabad lernen und arbeiten. Die Führung des Projekts liegt beim Niite Meenakshi Institute of Technology (NMIT). Das Hauptinstrument des Trabanten ist eine CMOS-Kamera mit einer Auflösung vom 90 Metern, welche auf einer Seite aus der würfelförmigen Grundstruktur herausragt. Für die Kommunikation mit dem Trabanten wurde eine besondere Bodenstation namens NASTRAC eingerichtet. NASTRAC steht für Nitte Amateur Satellite Tracking Centre, entsprechend ist die Station im Nitte Meenakshi Institute of Technology untergebracht. Sechs Monate will man Studsat im All erfolgreich betreiben.
AISSat 1, der erste in Norwegen entwickelte Satellit, dient der experimentellen Beobachtung des Schiffsverkehrs in norwegischen Gewässern. Dafür ist er mit entsprechender Empfangstechnik ausgestattet. Gebaut wurde der Satellit mit einer Masse von 6,5 Kilogramm vom Labor für Raumflug der Universität Toronto (SFL, Space Flight Laboratory) für die norwegische Verteidigungsforschungseinrichtung (FFI, Forsvarets forskningsinstitutt). Mit seiner Hilfe soll getestet werden, wie weit ein im All stationierter Empfänger für die von Seeschiffen mit mehr als 300 Bruttoregistertonnen auszustrahlenden AIS-Signale Verbesserungen bei der Kontrolle des Schiffsverkehrs im hohen Norden bewirken kann. Das Automatische Identifikationssystem (AIS) war ursprünglich als Antikollisionssystem für Schiffe entworfen worden. Seine Weiterentwicklung führt möglicherweise zur Möglichkeit, den Schiffsverkehr global und nicht nur in Reichweite terrestrischer AIS-Stationen zu überwachen. Drei Jahre lang soll AISSat 1 seinen Aufgaben im All nachkommen können. Die Gesamtkosten des Projekts werden mit rund 30 Millionen norwegischen Kronen beziffert, umgerechnet sind das etwa 3,7 Millionen Euro. Am 1. Juni 2010 ging bereits eine andere norwegische AIS-Testnutzlast im Weltraum in Betrieb. Der norwegische AIS-Receiver (NORAIS) ist im europäischen Modul Columbus der internationalen Raumstation (ISS) untergebracht, eine zugehörige Antennenanlage ist außen an Columbus montiert.
TIsat 1 ist ein Ausbildungssatellit der südschweizerischen Universität für angewandte Wissenschaften (SUPSI, Scuola universitaria della Svizzera italiana bzw. University of Applied Sciences of Southern Switzerland) und Amateurfunksatellit, der den Materialwissenschaften und der Technologieerprobung dient. Unter anderem will man die Zeit bestimmen, die vergeht, bis den Weltraumbedingungen ausgesetzte dünne Metalldrähte und Verbindungen auf Leiterplatten Unterbrechungen aufweisen. TIsat 1 hat eine Masse von rund einem Kilogramm und würfelförmige Gestalt. Die Kantenlänge beträgt 10 Zentimeter. Der Satellit mit dem Rufzeichen HB9DE soll sich per Funk gemorst als TISAT identifizieren.
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ISRO, FFI, SUPSI, TEAM STUDSAT, The Norway Post)
» Ein Asteroid im Vorbeiflug 12.07.2010 - Eine Animation der ESA zeigt den simulierten Vorbeiflug an dem Asteroiden Lutetia aus der Sicht von Rosetta. Update: Eine weitere Animation wurde veröffentlicht, die aus echten Bildern der Bordkamera zusammengestellt wurde. Die ESA zeigt auf ihrer Homepage zusätzlich zu den gelungenen ersten Bildern des Asteroiden Lutetia (Raumfahrer.net berichtete) zwei Animationen des Vorbeiflugs. Die erste, hier rechts zu sehende Flash-Animation stellt eine Simulation dar, wurde also nicht aus den Bildern der Sonde berechnet.
Die zweite, unter diesem Link zu sehende GIF-Animation ist zwar qualitativ nicht so hochwertig, dafür aber umso authentischer: Sie wurde aus Originalaufnahmen der OSIRIS-Bordkamera zusammengestellt, bis Rosetta auf etwa 80.000 Kilometer an den Asteroiden heran war und der Funkkontakt zur Sonde planmäßig unterbrochen wurde. Genau so sah es also aus Sicht von Rosetta aus!
Zurück zu den Fotos: Auf den Aufnahmen zum Zeitpunkt der nächsten Annäherung auf 3.162 km sind Details bis zu einer Größe von 60 Meter erkennbar. Der größte auf den Bildern sichtbare Krater mag einen Durchmesser von um die 30 Kilometer haben. An seinem Hang sind einzelne dunkle Felsbrocken erkennbar. Ein riesiger Hangrutsch könnte möglicherweise von einem weiteren Einschlag ausgelöst worden sein, dessen kleinerer Krater oberhalb davon zu erkennen ist.
Außer den wenigen großen Kratern zeigt der Asteroid auch zahlreiche kleinere Krater, die durch Regolithbedeckung meist aber schon recht abgerundet erscheinen. "Ich denke, dies ist ein sehr altes Objekt. Heute Nacht haben wir ein Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems gesehen", sagte Holger Sierks, der Chefforscher des OSIRIS-Kamerateams am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Ob es sich um einen Asteroiden vom M(etal)- oder vom noch primitiveren C(arbon)-Typ handelt, werden erst die noch laufenden spektrometrischen Untersuchungen zeigen. (Autor: Axel Orth - Quelle: ESA)
» Strahlenschutz für Sonde Juno 13.07.2010 - Der Schutz von NASAs Jupitersonde vor den Auswirkungen der Strahlungsbedingungen im Bereich um den Gasplaneten Jupiter ist eine besondere Herausforderung. Die in Bau befindliche Sonde wurde jüngst mit in einem extra entwickelten Strahlenschutzgehäuse untergebrachter Elektronik versehen. Die Sonde soll in der tückischen Umgebung Jupiters arbeiten, wo es mehr Strahlenbelastung gibt, als sonstwo in unserem Sonnensystem, sieht man einmal von der näheren Umgebung der Sonne ab. In einem Reinraum bei Lockheed Martin Space Systems in Denver, wo Juno zusammengebaut wird, haben Ingenieure kürzlich eine Elektronikabteilung mit Strahlungsschild montiert, der die empfindliche Elektronik des Raumfahrzeugs schützen soll. Ohne einen entsprechenden Schutzschild würde die Sonde schon bei der allerersten Passage des großen Gasplaneten ausfallen. Deshalb wurde für Unterbringung des Elektronengehirns der Sonde eine tresorartige Lösung gewählt.
Ein mit hochenergetischen Partikeln angereichertes unsichtbares Kraftfeld umgibt den größten Planeten in unserem Sonnensystem. Das Magnetfeld schirmt, ähnlich wie es das der Erde tut, den Planeten gegen geladene Teilchen von der Sonne ab. Elektronen, Protonen und Ionen, die sich um Jupiter herum bewegen, werden durch die schnelle Rotation von Jupiter mit Energie angereichert, und erreichen Geschwindigkeiten in der Nähe der des Lichtes. Sie bilden Strahlungsgürtel, die Jupiter auf Höhe seines Äquators donatförmig umspannen. Sie reichen über die Umlaufbahnen des Jupitermondes Europa hinaus ins All.
Während seiner auf 15 Monate angesetzten Umrundungen von Jupiter wird Juno ein Strahlenbelastung aushalten müssen, die mehr als 100 Millionen Röntgenaufnahmen bei Zahnarzt entspricht. Deswegen wurde für die zentralen elektronischen Steuergeräte Junos eine Art würfelförmige Bleischürze vorgesehen. Zum Bau des Strahlungsschutzes wurde allerdings kein Blei benutzt, das zu weich ist, um den beim Start des Raumfahrzeuges entstehenden Vibrationen standzuhalten. Andere Materialien, die ebenfalls einen Schutz vor der Strahlung ermöglicht hätten, kamen nicht in Frage, weil sie zu schwierig zu bearbeiten sind. Man entschied sich für rund einen Zentimeter dicke Wände aus Titan.
Das Gehäusematerial hatte man intensiv getestet, um sicherzustellen, dass es den Belastungen eines Raumfluges standhält und die geforderten Abschirmeigenschaften aufweist. Materialproben waren der Gammastrahlung von Kobaltpellets ausgesetzt worden. Das Titangehäuse zum Schutz vor der Strahlung hat etwa die Größe des Kofferraums eines SUVs und eine Masse von rund 200 Kilogramm. Die einzelnen Wandteile haben eine Fläche von je rund einem Quadratmeter, und eine Masse von je rund 18 Kilogramm. Das Gehäuse wird zwar nicht das Eindringen eines jeden Elektrons, Protons oder Ions verhindern, aber doch den Einfluss der Strahlung auf die eingebaute Elektronik erheblich herabsetzen. Teile der Elektronik sind zusätzlich in eigenen kleinen Schutzgehäusen untergebracht, und Teile der Elektronik selbst bestehen aus strahlungsresistentem Tantal oder Wolfram. Eine große Packungsdichte der einzelnen elektronischen Komponenten bildet einen weiteren Schutz, da sie sich gegenseitig abschirmen können. Entsprechend erfolgte ihre Anordnung. Elektrische Verbindungen zwischen den einzelnen Geräten wurden außerdem mit Metallgeflechten aus Kupfer oder Edelstahl versehen.
Am 19. Mai 2010 wurde das Schutzgehäuse auf das Antriebsmodul von Juno gesetzt. Das Gehäuse wird noch einmal intensiv getestet werden, wenn die Sonde vollständig zusammengebaut ist. Die Montage- und Überprüfungsarbeiten dauern vermutlich noch bis in den Frühling 2011 an. Dann will man auch die drei Solarzellenausleger an Juno angebracht haben. Juno ist die erste Sonde in der Geschichte der Raumfahrt, die in der Umgebung Jupiters mit Solarstrom betrieben werden soll. Frühestens Anfang August 2011 soll die Sonde nach den derzeitigen Planungen aufbrechen. Nach dem Start auf einer Atlas-V-Rakete und einem Erdvorbeiflug im Herbst 2013 würde die Sonde im Herbst 2016 Jupiter erreichen, um anschließend insbesondere die Atmosphäre des Planeten und seine Magnet- und Schwerefelder zu untersuchen. Die Wahl von Junos künftiger Umlaufbahn um Jupiter über seine Pole sorgt zusätzlich dafür, dass die Sonde nicht dauerhaft im Bereich der stärksten Strahlenbelastung operieren muss.
» Ein Exoplanet mit einem Kometenschweif 19.07.2010 - Neue Untersuchungsergebnisse des Exoplaneten HD 209458b bestätigen, dass dieser Planet aus der Klasse der "Hot Jupiters" im Laufe der Zeit aufgrund der extremen Nähe zu seinem Zentralstern seine Atmosphäre verliert. Der vom Planeten ausgehende Gasstrom bildet dabei einen Schweif aus, wie er uns aus unserem Sonnensystem auch von den Kometen her bekannt ist. Bis zum 19. Juli 2010 gelang den Astronomen der Nachweis von 464 Exoplaneten, welche außerhalb unseres Sonnensystems ihre jeweiligen Muttersterne umrunden. Eine der dabei angewandten Nachweismethoden für diese Planeten ist die sogenannte Transitmethode. Sobald ein Exoplanet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Mutterstern vorbeizieht, nimmt die Helligkeit des beobachteten Sterns um einen winzigen Bruchteil ab, da der Planet einen Teil des von seinem Zentralgestirn ausgehenden Lichts abschirmt. Je größer der dabei beobachtete Exoplanet ausfällt beziehungsweise je enger dessen Umlaufbahn um den Stern ist, umso größer wird auch der Anteil der dabei verdeckten Sternoberfläche und umso stärker nimmt dadurch die Helligkeit des bedeckten Sterns ab. Durch Messungen, welche bei diesen Ereignissen durchgeführt werden, können dabei auch die Atmosphären dieser "Transit-Planeten" untersucht werden.
Der erste Planet, welcher mit dieser Methode nachgewiesen werden konnte, war der mittlerweile relativ gut untersuchte Exoplanet HD 209458b. Am 7. November 1999 konnte beobachtet werden, wie sich die Helligkeit des im Sternbild Pegasus gelegenen und rund 153 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernten Sterns HD 209458 für einen Zeitraum von etwa drei Stunden um den minimalen Wert von rund 1,7 Prozent verringerte. Diese Beobachtung konnte damals der Astronom Greg Henry am Fairborn-Observatorium/USA aufgrund der Berechnungen eines von Geoffrey Marcy, Professor an der Universität von Kalifornien, geleiteten Astronomen-Teams durchführen.
In den darauf folgenden Jahren entwickelten sich der Stern HD 209458 und sein ihn umrundender Planet zu einem beliebten Beobachtungsziel der Astronomen. Der Stern, so die bisher gewonnenen Resultate, ist unserer Sonne sehr ähnlich. Bei einem lediglich rund 15 Prozent größeren Durchmesser verfügt er in etwa über die gleiche Masse und eine ähnliche Spektralklasse (G0 V). Mit einem Alter von etwa fünf Milliarden Jahren ist er allerdings etwas älter als unser Zentralgestirn.
Der dort entdeckte Exoplanet HD 209458b, auch unter seinem inoffiziellen Namen "Osiris" bekannt, umrundet seinen Zentralstern innerhalb von lediglich etwa 3,5 Tagen. Wegen der daraus resultierenden großen Nähe zu seinem Mutterstern heizt sich die dem Stern zugewandte Seite der Oberfläche des Exoplaneten dabei laut den erstellten Modelle auf einen Wert von rund 1.100 Grad Celsius auf. Da der Planet zudem in etwa die Masse des größten Planeten unseres Sonnensystems, des Jupiters, aufweist, wird er der Klasse der sogenannten Hot Jupiters zugerechnet.
Wegen der hohen Temperaturen auf der Oberfläche des Exoplaneten vermuteten die Forscher schon seit längerem, dass dieser und andere "Hot Jupiters" größere Mengen an Gas verlieren könnten, die aus deren Atmosphären in das die Exoplaneten umgebende Weltall entweichen. Bereits im Jahr 2003 hatte es dabei aufgrund von Datenanalysen erste Hinweise auf Gasströme gegeben, welche von HD 209458b entweichen. So zeigten Daten, welche durch den Space Telescope Imaging Spectrograph (STIS) des Hubble Space Telescopes gesammelt wurden, eine aktive, sich verflüchtigende Atmosphäre des Exoplaneten.
Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Alfred Vidal-Madjar vom Institut für Astrophysik des CNRS in Paris/Frankreich entdeckte dabei einen überraschenden Abfall in der Wasserstoffemission des Zentralsterns, wofür das Vorhandensein einer extrem ausgedehnten Atmosphäre des Exoplaneten die beste Erklärung darstellte. Die äußere Atmosphäre des Exoplaneten, so die Vermutung, wird dabei durch den nur etwa sieben Millionen Kilometer entfernten Stern so stark erhitzt und ausgedehnt, dass sie beginnt, sich der Anziehungskraft des Planeten zu entziehen. Unter dem Einfluss der von dem Stern ausgehender Wärmestrahlung verdampft dabei der Wasserstoff in der oberen Atmosphärenschicht des Planeten. Allerdings ließ sich mit den damaligen Daten nicht eindeutig klären, ob der Planet im Rahmen dieses Prozesses auch einen Gasschweif ausbildet, welcher ihm wie ein Kometenschweif folgt, da das STIS-Instrument nicht in der Lage war, die hierfür nötigen spektroskopischen Details darzustellen.
Erst jetzt gelang es einem anderen Wissenschaftlerteam um Jeffrey Linsky von der University of Colorado in Boulder/USA, mit Hilfe von weiteren Daten, welche durch den "Cosmic Origins Spectrograph" (COS) an Bord des Hubble Space Telescopes gewonnen wurden, nachzuweisen, dass der Exoplanet HD 209458b tatsächlich Materie verliert, welche sich anschließend "hinter" dem Planeten ansammelt und von dort ausgehend wie ein Kometenschweif in den umgebenden Raum erstreckt.
"Seit 2003 haben Wissenschaftler vermutet, dass sich aus dem Material, welches dem Planeten verloren geht, ein Schweif bilden könnte. Und sie haben dabei sogar berechnet, wie dieser Schweif aussehen muss", so Jeffrey Linsky. "Wir sind der Meinung, dass wir mit unseren Beobachtungsergebnissen die bisher besten Beweise liefern konnten, welche diese Theorie bestätigen." Der Vorteil der durch das COS-Instrument durchgeführten Messungen besteht dabei darin, das mit diesem Spektrographen auch Untersuchungen im ultravioletten Bereich des Lichtes möglich sind. Durch diese UV-Daten gelang dann auch der Nachweis des von den Wissenschaftlern beschriebenen "Kometen"-Schweifs.
Detaillierte Auswertungen der Lichtkurven einzelner Planetentransits im September und Oktober 2009 erbrachten dabei den Nachweis, dass der Exoplanet von einer ausgedehnten Atmosphäre umgeben ist. Bei einem solchen Transitereignis reduziert diese Atmosphäre die Helligkeit des Sterns im ultravioletten Licht um bis zu acht Prozent, während der Lichtabfall im Bereich des sichtbaren Lichtes zum gleichen Zeitpunkt lediglich etwa 1,5 Prozent beträgt.
COS konnte bei diesen Analysen zudem die Elemente Kohlenstoff und Silizium nachweisen. Dies wird als ein Hinweis darauf interpretiert, dass der Zentralstern seinen Planeten auf dessen engen Orbitbahn derart stark aufheizt, dass sogar relativ schwere Elemente aus dessen tieferen Atmosphärenschichten durch Konvektionsströmungen in die oberen Schichten der Atmosphäre befördert werden und schließlich vom Planeten entweichen. Möglich wurden diese Messergebnisse durch die Kombination der sehr hohen Empfindlichkeit des COS-Spektrometers und dessen guter Spektralauflösung.
Aus den gewonnenen Daten lässt sich zusätzlich die Geschwindigkeit und Richtung ableiten, mit der sich das von dem Planeten ausströmende Material bewegt. "Wir haben festgestellt, dass das Gas mit hoher Geschwindigkeit entweicht. Ein großer Teil davon bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von rund zehn Kilometern pro Sekunde auf uns zu", so Linsky. "Die beste Interpretation hierfür ist, dass wir die Geschwindigkeit von Material in einem kometenartigen Schweif gemessen haben."
Das Gas wird dabei vom Sternwind, welcher von Zentralstern HD 209458 ausgeht, aufgenommen und dabei zu einem langen Gasschweif auseinandergezogen, welcher sich von dem Exoplaneten wegbewegt. Im speziellen Falle eines Transits, der Exoplanet befindet sich dabei genau zwischen seinem Zentralstern und unserem Sonnensystem, bewegt sich der Gasschweif dabei genau in Richtung auf die Erde zu. Dabei dürfte sich für einen nahen Betrachter ein Anblick ergeben, wie er uns aus unserem Sonnensystem von einem Kometen vertraut ist. Die hier kurz vorgestellten Ergebnisse wurden am 10. Juli 2010 in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal" veröffentlicht.
Mars Aktuell: Opportunity befindet sich erfolgreich auf Ostkurs
von Redaktion
• Opportunity befindet sich erfolgreich auf Ostkurs «mehr»«online»
» Opportunity befindet sich erfolgreich auf Ostkurs 08.07.2010 - Der von der NASA betriebene Marsrover Opportunity hat auf dem Weg zu dem noch etwa 12 Kilometer entfernten Endeavour-Krater seinen Kurs geändert und bewegt sich jetzt in östliche Richtung auf diesen Krater zu. Nach dem Abschluss der Untersuchungen des "Viktoria-Kraters" im Jahr 2008 entschlossen sich die für die Opportunity-Mission verantwortlichen Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL) den Rover zu einem neuen Ziel zu manövrieren. Hierfür wählte man den knapp 22 Kilometer durchmessenden und etwa 12 Kilometer vom "Viktoria-Krater" entfernten "Endeavour-Krater" aus. Allerdings entschloss man sich dazu, nicht den direkten Weg in die ost-südöstliche Richtung einzuschlagen, da dieser durch ein ausgedehntes Feld aus schwer zu passierenden Sanddünen blockiert war. Stattdessen fuhr Opportunity in den letzten Monaten zuerst in südwestliche und später in südliche Richtung um dieses Geländehindernis zu umgehen.
Hierbei wählte man einen Kurs, welcher den Rover über weite Strecken der Fahrt durch eine relativ ebene und ungefährliche Umgebung führte. Als wissenschaftlich interessant stellte sich diese Route im Nachhinein besonders durch die Entdeckung mehrerer Eisen-Meteoriten heraus. Für deren ausführliche Untersuchung wurde die Fahrt des Rovers für jeweils mehrere Wochen unterbrochen (Raumfahrer.net berichtete).
Seit unserem letzten ausführlicheren Statusbericht vom 9. April 2010, dem Sol 2207 der Opportunity-Mission, hat sich der Rover in den folgenden sechs Wochen bis zum 18. Mai 2010 auch weiterhin in die südliche Richtung bewegt. Der Rover fuhr in diesem Teilbereich der Strecke auch weiterhin parallel zu den hier in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, lediglich etwa 20 Zentimeter hohen Sanddünen. In 12 Etappen wurden dabei insgesamt über 450 Meter zurückgelegt. Erstmals wurde der Rover dabei am 13. Mai 2010 auch versuchsweise um 30 Meter in die östliche Richtung gesteuert. Ziel dieses speziellen Manövers war es, das Verhalten des Rovers beim frontalen Überqueren einer Sanddüne zu testen.
Mit den während dieser Fahrt gewonnenen Telemetriedaten konnten anschließend die von den Roverdrivern des JPL für die Vorbereitung der täglichen Fahrten eingesetzte Simulationssoftware sowie die bordeigene Software des Rovers für den autonomen Fahrbetrieb kalibriert werden. Bei diesem Manöver zeigten das rechte Vorderrad und das rechte Mittelrad leicht erhöhte Werte in Bezug auf den Strombedarf, welche allerdings von den an der Mission beteiligten Technikern und Ingenieuren als nicht bedrohlich angesehen wurden.
Die zwischen den einzelnen Fahrtagen eingelegten mehrtägigen Ruhephasen wurden genutzt, um die Batterien des Rovers neu aufzuladen, da aufgrund des zu dieser Zeit immer noch sehr niedrigen Sonnenstandes nur eine begrenzte Menge an Energie generiert werden konnte. Obwohl sich Opportunity im Gegensatz zu seinem baugleichen Zwilling Spirit nur knapp südlich des Marsäquators befindet, machte sich auch hier der durch die Jahreszeit bedingte niedrige Sonnenstand bemerkbar. Je tiefer und kürzer die Sonne täglich über den Horizont steigt, desto weniger Energie kann der ausschließlich solarbetriebene Rover mit seinen Solarpaneelen generieren. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurde Opportunity am Ende einer jeden Fahrt auf dem nördlichen Ausläufer einer Sanddüne positioniert. Durch die daraus resultierende minimale Neigung des Rovers in Richtung auf die im Norden stehende Sonne konnte die tägliche Energieausbeute etwas gesteigert werden.
Mit dieser Taktik war es möglich, den Rover für einen längeren Zeitraum pro Tag in einem aktiven Status zu halten. Die dabei abgegebene Eigenwärme der elektronischen Systeme innerhalb der Warm Electronic Box (WEB) hielt die Temperatur in Kombination mit der durch acht Radioisotopenheizelementen, kurz RHUs, abgegebene Wärme über einem als kritisch angesehenen Wert von minus 40° Celsius. Sobald dieser Wert unterschritten wird, würden automatisch verschiedene elektrisch betriebene Heizelemente aktiviert werden, um die elektronischen Bauteile innerhalb der WEB vor einer Unterkühlung zu schützen. Die aktivierten Heizelemente würden die Temperatur innerhalb der WEB zwar über den besagten Wert halten, gleichzeitig aber auch mit ihrem Energiebedarf die Aktionsmöglichkeiten des Rovers immens einschränken. Ende April 2010 wurde mit minus 37° Celsius der bisher tiefste Temperaturwert innerhalb der WEB von Opportunity registriert.
Am 14. Mai 2010 erfolgte schließlich die Sonnenwende auf dem Mars und auf der südlichen Hemisphäre des Planeten wurde damit der Höhepunkt des Winters überschritten. Ab diesem Tag erreichte die Sonne wieder einen höheren Stand über dem Horizont und die Energie-Werte des Rovers begannen sich langsam zu verbessern. Trotzdem waren auch weiterhin noch Ruhepausen zwischen den einzelnen Fahrten nötig.
Zwischen den 13. und 18. Mai 2010 wurde eine dieser Ruhepausen des Rovers dazu genutzt, ein sogenanntes "MarsQuake-Experiment" durchzuführen. Die Accelerometer der beiden Marsrover sind so konstruiert, dass sie geringste Vibrationen registrieren können. Deshalb können diese Messgeräte zugleich auch als Seismometer eingesetzt werden und auf diese Weise eventuelle auf dem Mars auftretende Erdbeben nachweisen. Solche Messungen sind allerdings nur dann möglich, wenn die Rover nicht in Bewegung sind. Die während einer Fahrt notgedrungenerweise auftretenden Erschütterungen würden die Messergebnisse verfälschen, da man nicht unterscheiden könnte, ob die registrierten Vibrationen von der Eigenbewegung des Rovers stammen oder durch real auftretende seismische Aktivitäten ausgelöst wurden. Nach dem Abschluss dieses Experiments, bei dem allerdings keine Marsbeben nachgewiesen werden konnten, setzte Opportunity die Fahrt am Sol 2245 mit einer weiteren Etappe über 55,5 Meter in die südliche Richtung fort.
Am darauf folgenden Tag, dem 20. Mai 2010, stellte Opportunity einen neuen Langzeitrekord in der Marsforschung auf. Mit einer Missionsdauer von jetzt sechs Jahren und 116 Tagen oder 2.246 Sols löste der Rover den bisherigen Rekordhalter, den Marslander Viking 1, als die am längsten aktive Forschungsmission auf der Oberfläche des Mars ab (Raumfahrer.net berichtete). "Dass Opportunity und vielleicht auch Spirit den Rekord des Viking 1-Landers einstellen konnten, ist wirklich bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die beiden Rover ursprünglich lediglich für eine 90-tägige Mission entwickelt worden waren", so John Callas, der für die Mars-Rover-Mission verantwortliche Projektmanager am Jet Propulsion Laboratory der NASA.
Pünktlich zu diesem Jubiläum hatte der Rover an diesem Tag auch das Glück, von einem kurzen Windstoß "getroffen" zu werden. Durch dieses sogenannte "Cleaning Event" wurde ein Teil der Staubschicht, welche sich im Laufe der Zeit auf den Solarpaneelen des Rovers abgelagert hatte, weggeweht. Dadurch bedingt konnte wieder mehr Sonnenlicht die Oberfläche der Paneele erreichen und in Energie umgewandelt werden. Dies hatte zur Folge, dass sich die tägliche Energieausbeute Opportunitys um etwa 10 Prozent steigerte. Nach einer weiteren erfolgreichen Erprobung der neuen AEGIS-Software, welche ebenfalls am 20. Mai erfolgte, trat am 23. Mai ein altes Problem mit einem der Instrumente des Rovers auf. Bei der Erstellung eines Interferogramms konnte das Mini-TES-Spektrometer nicht alle vorgesehenen Messdaten erfassen. Ein ähnliches Problem mit diesem Spektrometer wurde zuletzt vor mehreren Jahren registriert.
Auch das bereits seit dem Jahr 2007 anhaltende Problem mit den Staubablagerungen auf einer der Linsen dieses Instruments besteht trotz des letzten Cleaning Events weiter. Die Messungen des Spektrometers liefern derzeit aufgrund dieser Ablagerungen keine brauchbaren Daten. Dafür hat der Windstoß dazu geführt, dass sich die zwischenzeitlich auf den Linsen der Panoramakameras des Rovers angesammelten Staubablagerungen verringert haben. Laut Jim Bell von der Cornell University in Ithaca/USA, dem für diese Kameras des Rovers verantwortlichen Wissenschaftler, hat dies dazu geführt, dass sich die Qualität der Aufnahmen inzwischen wieder deutlich verbessert hat.
Trotz des Problems mit dem Mini-TES-Spektrometer wurde die Fahrt schließlich am 25. Mai 2010, dem Sol 2252 der Mission, fortgesetzt. Diese Fahrt über 56 Meter führte diesmal in die südöstliche Richtung, welche auch in den folgenden Tagen beibehalten wurde. Im Rahmen der am 27. und 29. Mai erfolgten Fahrten konnten dabei insgesamt weitere 51 Meter in diese Richtung überbrückt werden.
Am darauffolgenden Tag trat jedoch ein weiteres und diesmal gravierendes Problem auf. Zur Bestimmung der zukünftigen Fahrstrecke nimmt Opportunity in regelmäßigen Abständen mit seinen Panorama- und Navigationskameras Bilder der Umgebung auf. Diese Kamerasysteme sind an einem speziellen Mast montiert, welcher sich auf dem Roverdeck befindet. Die Stereo-Kameras können dabei um 360 Grad in der horizontalen und um 180 Grad in der vertikalen Ebene, 90 Grad über beziehungsweise unter den Horizont, geschwenkt werden, wobei diese Bewegungen durch zwei Motoren gesteuert werden.
Am 30. Mai konnten die Kameras für die Aufnahmen dieser "Drive Direction"-Bilder allerdings nicht wie vorgesehen bewegt werden. Eine erste Analyse ergab, dass der für die Azimut-Steuerung der "PanCam Mast Assembly" (PMA) verantwortliche Aktuator nicht wie vorgesehen reagiert hat und somit keine horizontale Ausrichtung der Kamera erfolgte. In den folgenden Tagen wurden daraufhin ausführliche Tests, zuerst des betreffenden Aktuators und anschließend mehrerer der beweglichen Systeme des Rovers, durchgeführt. Eine Einschränkung in der Beweglichkeit der Ausrichtung der Panorama- und Navigationskameras, so die für die Mission verantwortlichen Ingenieure und Wissenschaftler, hätte ernsthafte Auswirkungen auf die weiteren Aktivitäten des Rovers.
Im Prinzip wissen die für die Steuerung des Rovers verantwortlichen Roverdriver des JPL, auf welchem Kurs sie die Marsrover zu einem angepeilten Ziel oder Zwischenstopp steuern müssen. Dafür stehen ihnen die aus diversen Aufnahmen der Orbiter Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) und Mars Global Surveyor (MGS) angefertigten Karten der Marsoberfläche zur Verfügung, welche das zu passierende Gelände mit einer Auflösung bis hinunter zu 30 Zentimetern pro Pixel wiedergeben. Zur Verfeinerung dieser trotzdem nur relativ groben Daten werden die aus diesen Karten gewonnenen Informationen im Vorfeld einer Fahrplanung mit den aktuellen Aufnahmen der Navigations- und Panoramakameras kombiniert. Aus den Aufnahmen der PanCams und NavCams werden dabei dreidimensionale Geländemodelle, sogenannte DTMs, errechnet, auf denen zum Beispiel der Neigungswinkel der zu passierenden Sanddünen erkennbar ist. Erst mit Hilfe dieser Modelle wird dann die exakte Fahrtroute festgelegt.
Die hochaufgelösten Aufnahmen der Panoramakamera liefern dabei nicht nur wichtige Hinweise über den Geländeverlauf, sondern auch über die Eigenarten des zu passierenden Geländes und über die Zusammensetzung des Untergrundes. Ein Ausfall der PMA und damit auch eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit der Kameras hätte eine erhebliche Einschränkung der Möglichkeiten, den zukünftigen exakten Kurs des Rovers festzulegen, zur Folge.
Die entsprechenden Diagnose-Tests der PMA wurden am 1., 3., 4. und 8. Juni 2010 durchgeführt. Bei all diesen Tests zeigte der von dem Fehler betroffene Azimut-Antrieb der PMA keine weiteren Auffälligkeiten. Die Analyse des aufgetretenen Problems legte nahe, dass der Fehler durch ein Problem mit dem ebenfalls am Kameramast montierten Mini-TES-Spektrometer verursacht wurde. Als sich die Panorama-Kamera in Bewegung setzen sollte, hat die PMA auf ein Zustandssignal von diesem Instrument gewartet, welches die PMA allerdings nicht erreichte. Deshalb konnte die kommandierte Bewegung der Panorama-Kamera nicht ausgelöst werden. Um ein erneutes Auftreten dieses Problems zu verhindern, wurde das Mini-TES deaktiviert. Genauere Analysen des aufgetretenen Fehlers werden aber weiterhin am JPL und der für die Kontrolle des Spektrometers verantwortlichen Arizona State University durchgeführt.
Erste Vermutungen gehen dabei in die Richtung, dass eventuell die in den letzten Wochen während des Marswinters erreichten tiefen Umgebungstemperaturen für das Problem des Mini-TES-Spektrometers verantwortlich sein könnten. "Das Instrument ist sehr kalten Temperaturen ausgesetzt gewesen, welche sich unterhalb des vorgesehenen Einsatzbereiches befanden. Dies könnte die Elektronik beeinflusst und zu einem temporären oder permanenten Versagen des Instruments geführt haben", so Steve Squyres von der Cornell University, der für die Rover-Mission verantwortliche Wissenschaftler. Um eine erneute Fehlfunktion der PMA zu vermeiden, soll die Reaktivierung des Spektrometers erst erfolgen, nachdem das zugrunde liegende Problem vollständig nachvollzogen werden kann.
Erst nach zwei Wochen konnte der Rover die Fahrt am 13. Juni 2010 fortsetzen und wandte sich dabei direkt in die östliche Richtung, welche bis zum Sol 2276, dem 19. Juni 2010, beibehalten wurde. In vier Etappen über jeweils rund 70 Meter überbrückte Opportunity dabei insgesamt weitere 274 Meter. Bei der frontalen Überquerung der in diesen Bereich der Marsoberfläche etwa 20 Zentimeter hohen Sanddünen traten keine erneuten Probleme auf. Am 19. Juni 2010, dem Sol 2276 der Mission, konnte dabei ein weitere Meilenstein auf der Forschungsreise des "Robotergeologen" Opportunity überwunden werden. Kurz vor dem Ende der an diesem Tag erfolgten Fahrt wurde die Marke von 21 auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegten Kilometer überschritten.
Die nächste Fahrt am Sol 2279 führte dann wieder in die südöstliche Richtung. Diese Richtung wurde auch zwei Tage später beigehalten, wobei jeweils etwa 70 Meter überbrückt werden konnten. Die darauffolgende Fahrt am Sol 2283 führte mit einer zurückgelegten Distanz von weiteren 57 Metern nach Nordosten. Durch diesen scheinbaren Umweg konnte ein kleines Feld aus größeren Dünenkämmen auf dessen Südseite umfahren werden. Drei Tage später wurden weitere 70 Meter zurück gelegt, wobei sich Opportunity diesmal wieder direkt nach Osten wandte.
Die anschließende Fahrt am 1. Juli, dem Sol 2288, führte über weitere 71 Meter in die östliche Richtung, bevor in den folgenden Tagen eine erneute Ruhepause eingelegt wurde. Diese Unterbrechung der Fahrt wurde diesmal dazu genutzt, um mit dem APXS-Spektrometer des Rovers den Argon-Gehalt in der Marsatmosphäre zu messen. Außerdem wurden zwei weitere Tests der AEGIS-Software durchgeführt. Die nächste und bisher letzte Fahrt erfolgte am 6. Juli 2010, dem Sol 2293 der Mission. Auch im Verlauf dieser Etappe wurden 71 Meter in die östliche Richtung überbrückt.
Die Entwicklung der letzten Wochen legt nahe, dass Opportunity auch diesen Marswinter in einem guten Zustand überstanden hat. Der Plan für die Zukunft gestaltet sich relativ einfach: "Weiter fahren...", heißt es dazu am JPL. Die dabei vorgesehene Fahrstrecke wird den Rover auch weiterhin in die grob östliche Richtung führen, wobei der zur Zeit immer noch etwa 12 Kilometer entfernte Westrand des Endeavour-Kraters das angepeilte Ziel darstellt. "Wir wissen, dass es möglich ist, dass wir den Endeavour-Krater nie erreichen werden, doch er bleibt auch weiterhin das Ziel unserer Anstrengungen", so Steve Squyres. "Wenn wir ihn erreichen können, dann erwartet uns dort eine ganz besondere Art von Untersuchungsobjekten", ergänzt John Callas voller Vorfreude.
Eines der Instrumente an Bord der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO), das Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars (CRISM), konnte im Jahr 2009 in den Randbereichen des Endeavour-Kraters Schichtsilikate identifizieren. Diese Mineralien bilden sich nur unter feuchten und warmen Umweltbedingungen, welche außerdem ph-neutrales Wasser voraussetzen. Laut John Callas und Ray Arvidson, einem weiteren Mitglied des Wissenschaftler-Teams der Mars Exploration Rover-Mission, sind diese Minerale besonders gut für die Konservierung von organischen Material oder sogar von eventuell vorhandenen Mikro-Fossilien geeignet. Speziell handelt es sich bei den entdeckten Schichtsilikaten um eisen- und magnesiumhaltige Tonminerale der Smektit-Gruppe.
Trotz des gegenwärtig guten Zustandes des Rovers muss allerdings auch jederzeit mit einem Ausfall eines oder mehrerer für den Betrieb von Opportunity wichtiger Bauteile gerechnet werden. Die für die Mission verantwortlichen Ingenieure und Wissenschaftler wollen deshalb keine Zeit verlieren und Opportunity auf einen möglichst direkten Weg zu dem westlichen Rand des Endeavour-Kraters steuern. Nach dem jetzigen Stand soll der Krater dabei am Cape York, welches sich etwa zwei Kilometer nördlich des Cape Tribulation befindet und bisher noch nicht im Aufnahmebereich der Rover-Kameras liegt, erreicht werden. Sobald das dort befindliche Gebiet mit den Smektitablagerungen erreicht ist, könnten diese Funde zum Beispiel durch das Moessbauer-Spektrometer des Rovers bestätigt und untersucht werden.
Neben dem technischen Zustand des Rovers muss auch immer der Energiehaushalt von Opportunity im Auge behalten werden, da der Rover, wie bereits erwähnt, ausschließlich mittels seiner Solarpaneele durch Sonnenenergie betrieben wird. Das Wetter auf unserem Nachbarplaneten hat sich dabei in den letzten Wochen typisch für einen Sommer auf der nördlichen Mars-Hemisphäre entwickelt und zumindestens in dieser Hinsicht steht gegenwärtig einer Fortsetzung der Forschungsreise Opportunitys nichts im Weg.
Die fortschreitende Sublimation von Wassereis im Bereich der verbliebenen nördlichen Polarkappe führte global zu einem erhöhten Wasserdampfgehalt innerhalb der Marsatmosphäre, welcher wiederum eine verstärkte Bildung von Wassereiswolken in den äquatorialen Regionen zur Folge hatte. Dichtere Wolken aus Wassereiskristallen wurden dabei in den letzten Wochen speziell über den Vulkanen der Tharsis-Region, hierbei besonders über den Tharsis Montes, Olympus Mons und Alba Patera, der Elysium-Region und im Bereich des Valles Marineris beobachtet. Zudem wurden einige kleinere Staubstürme über dem Solis Planum, welches sich unmittelbar südlich des Valles Marineris befindet, sowie im Bereich der Nordpolarkappe registriert. Über dem Operationsgebiet von Opportunity, dem Meridiani Planum, zeigten sich dabei lediglich vereinzelte dünnere Wassereiswolken.
Einen Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen gibt die folgende Auflistung. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Eiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser für den Energiehaushalt des Rovers.
13.04.2010: 0,227 kWh/Tag , Tau-Wert 0,347 , Lichtdurchlässigkeit 47,40 Prozent
20.04.2010: 0,247 kWh/Tag , Tau-Wert 0,348 , Lichtdurchlässigkeit 49,95 Prozent
28.04.2010: 0,245 kWh/Tag , Tau-Wert 0,355 , Lichtdurchlässigkeit 46,95 Prozent
05.05.2010: 0,245 kWh/Tag , Tau-Wert 0,322 , Lichtdurchlässigkeit 46,20 Prozent
12.05.2010: 0,249 kWh/Tag , Tau-Wert 0,314 , Lichtdurchlässigkeit 47,00 Prozent
18.05.2010: 0,232 kWh/Tag , Tau-Wert 0,421 , Lichtdurchlässigkeit 46,10 Prozent
26.05.2010: 0,275 kWh/Tag , Tau-Wert 0,317 , Lichtdurchlässigkeit 53,00 Prozent
02.06.2010: 0,269 kWh/Tag , Tau-Wert 0,465 , Lichtdurchlässigkeit 56,60 Prozent
09.06.2010: 0,287 kWh/Tag , Tau-Wert 0,371 , Lichtdurchlässigkeit 58,90 Prozent
15.06.2010: 0,297 kWh/Tag , Tau-Wert 0,280 , Lichtdurchlässigkeit 57,00 Prozent
22.06.2010: 0,320 kWh/Tag , Tau-Wert 0,257 , Lichtdurchlässigkeit 55,85 Prozent
29.06.2010: 0,354 kWh/Tag , Tau-Wert 0,295 , Lichtdurchlässigkeit 57,70 Prozent
07.07.2010: 0,359 kWh/Tag , Tau-Wert 0,226 , Lichtdurchlässigkeit 57,70 Prozent
Die im Verlauf der letzten Wochen registrierte deutliche Verbesserung der täglichen Energieausbeute ist dabei sowohl durch die fast staubfreie Atmosphäre als auch durch die Verringerung der Staubablagerungen auf den Solarpaneelen des Rovers bedingt. Bis zum 6. Juli 2010, dem Sol 2293 der Mission, konnte Opportunity insgesamt 21.550,77 Meter auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurücklegen.
» Cassinis Orbit Nummer 136 um den Saturn 14.07.2010 - Die Raumsonde Cassini beginnt am 15. Juli 2010 ihre 136. Umkreisung des Planeten Saturn. Im Verlauf dieses Orbits stehen diesmal hauptsächlich Fernerkundungen des Ringplaneten und verschiedener Monde auf dem Arbeitsprogramm der Sonde. Nahe Begegnungen mit einzelnen Monden werden dagegen nicht stattfinden. Am 15. Juli 2010 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn die Apoapsis, den Punkt der größten Entfernung zu dem Planeten, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini etwa 2,56 Millionen Kilometer von der obersten Wolkenschicht des Saturn entfernt befinden und zugleich ihren 136. Umlauf um den Ringplaneten beginnen. Die Raumsonde befindet sich jetzt wieder näher an der Ringebene des Planeten und wird diesen 20 Tage dauernden Umlauf daher unter anderem dazu nutzen, um mit seinem Kamera-Instrument mehrere nahe Begegnungen von zweien oder mehreren Monden zu beobachten.
Etwa zwei Stunden nach dem Passieren der Apoapsis wird das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment an Bord der Raumsonde Cassini die wissenschaftlichen Beobachtungen während dieses auch als "Rev135" bezeichneten Saturn-Umlaufs beginnen und in Kombination mit dem Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS) die Atmosphäre des Saturn abbilden. UVIS wird dabei die Planetenscheibe in Ost-West-Richtung abbilden, während NAC und WAC den Saturn mit verschiedenen Filtern fotografieren. Diese Beobachtungen sollen anschließend am 17., 21. und 23. Juli aus Entfernungen von 2,5 Millionen, 1,7 Millionen und 1,1 Millionen Kilometern wiederholt werden. Durch die dabei gewonnenen Daten erhoffen sich die an der Mission beteiligten Wissenschaftler weitere Erkenntnisse über die Dynamik der Saturnatmosphäre.
Vorher ist allerdings ebenfalls noch am 15. Juli eine Beobachtung des größten Trabanten des Saturns, des etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Mondes Titan, vorgesehen. Aus einer Entfernung von rund 3,75 Millionen Kilometern wird Cassinis ISS-Kamera über den dortigen Oberflächenregionen Aztlan, Quivira und Fensal nach Wolkenformationen Ausschau halten. Eine ähnliche Beobachtungskampagne vor mehreren Wochen zeigte über der südöstlichen Aztlan-Region Wolken, welche sich allerdings einen Tag später bereits wieder aufgelöst hatten. Auch bei diesen Aufnahmen steht ein besseres Verständnis der Atmosphärendynamik im Vordergrund.
Ebenfalls am 15. Juli wird zudem eine Beobachtung des irregulären Saturnmondes Kiviuq erfolgen, welcher sich zu diesem Zeitpunkt rund 9,3 Millionen Kilometer von der Raumsonde entfernt befindet. Dieser etwa 14 Kilometer durchmessende Mond umkreist den Saturn innerhalb von 449 Tagen und 17 Stunden auf einer sehr elliptischen Umlaufbahn in einer mittleren Entfernung von 11,4 Millionen Kilometern. Seine Dichte fällt mit 2,5 Gramm pro Kubikzentimeter im Vergleich zu den anderen Saturnmonden relativ hoch aus. Dieser Wert deutet darauf hin, dass sich der Mond vermutlich aus Wassereis und einem hohen Anteil aus silikatischem Gestein zusammensetzt. Die Albedo von 0,06 zeugt dabei von einer sehr dunklen Oberfläche.
Durch die ISS-Aufnahmen soll eine Lichtkurve dieses Mondes erstellt werden, mit welcher anschließend die Rotationsdauer von Kiviuq bestimmt werden soll. Außerdem will man anhand der Beobachtungsergebnisse ermitteln, ob es sich bei diesem Mond eventuell um ein binäres Objekt, also einen Doppelmond, handelt.
Am nächsten Tag werden dann gleich mehrere der kleineren inneren Monde durch das Kamerasystem abgelichtet werden. Durch die astrometrischen Beobachtungen der Monde Calypso, Atlas, Pandora, Telesto und Polydeuces sollen die bisher verfügbaren Daten über deren Umlaufbahnen noch weiter verfeinert werden. Auch diese Einzelbeobachtungen werden durchweg aus größeren Distanzen erfolgen und keine Details der jeweiligen Mondoberflächen zeigen.
Am 18. Juli wird man dann zwei Beobachtungskampagnen der Saturnatmosphäre durchführen. Ziel dieser Beobachtungen ist die Ermittlung der dortigen Windgeschwindigkeiten in einem Gebiet zwischen 10 und 20 Grad südlicher Breite. Durch die Bestimmung der variierenden Positionen von einzelnen Wolkenformationen können die an der Mission beteiligten Wissenschaftler während der anschließenden Datenauswertung die Windgeschwindigkeiten auf verschiedenen Breitengraden sowie innerhalb von einzelnen Sturmgebieten berechnen. Am 20. Juli steht dann eine erneute astrometrische Beobachtungskampagne bei mehreren kleinen Monden auf dem Arbeitsprogramm von Cassini. Diesmal sollen die genauen Positionen von Anthe, Helene, Telesto, Epimetheus, Janus und Calypso ermittelt werden.
Zwei Tage später, am 22. Juli, wird die ISS-Kamera erneut den Mond Titan abbilden, während dieser jetzt allerdings lediglich als eine sehr schmale Sichel erkennbar sein wird. Aus einer Distanz von etwa 1,84 Millionen Kilometern soll bei dieser Gelegenheit die dichte Dunstschicht der Atmosphäre untersucht werden, welche die Mondoberfläche verdeckt. Obwohl zu diesem Zeitpunkt aus der Perspektive von Cassini nur ein kleiner Teil von Titan direkt von der Sonne beleuchtet wird, wird man die oberste Schicht der Titanatmosphäre auf den Aufnahmen erkennen, wie sie sich um den gesamten Mond erstreckt.
Nach der Erstellung dieser Aufnahmen wird sich Cassini dem Saturn zuwenden und dessen nicht von der Sonne beleuchtete Seite abbilden. In Abständen von jeweils lediglich 24 Sekunden wird die Raumsonde insgesamt über 2.000 NAC-Aufnahmen anfertigen. Die Wissenschaftler hoffen, auf diesen Aufnahmen das Aufleuchten von Blitze erkennen zu können, welche innerhalb von Sturmgebieten über der südlichen Hemisphäre des Planeten auftreten. Kurz bevor er vom Saturn verdeckt werden wird, wird sich bei dieser Gelegenheit auch der Saturnmond Rhea für einen kurzen Zeitraum durch das Sichtfeld der NAC-Kamera bewegen.
Am 25. Juli wird Cassini um 05:13 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde lediglich 147.210 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. In diesem Zeitraum wird das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), unterstützt durch die ISS-Kamera, drei Mosaik-Aufnahmen des Saturn erstellen, welche die gesamte sichtbare Planetenscheibe wiedergeben sollen.
Durch diese Aufnahmen soll erneut die Dynamik der Wolkenstrukturen innerhalb der Planetenatmosphäre studiert werden. Die ersten beiden Mosaik-Aufnahmen werden dazu am 24. Juli angefertigt. Auf dem ersten Mosaik wird Saturn lediglich als eine dünne Sichel erkennbar sein, während das zweite Mosaik die Nachtseite des Gasplaneten zeigen wird. Das VIMS-Spektrometer ist dabei in der Lage, die zu beobachtenden Wolkenstrukturen im Infrarot-Bereich wiederzugeben, auch wenn diese lediglich durch die vom Planeten abgegebene innere Wärme "zum Leuchten" angeregt werden. Die dritte Beobachtung am 25. Juli wird dagegen die von der Sonne beleuchtete Tagseite des Ringplaneten zeigen.
In den ersten Stunden des 27. Juli wird Cassini sich dann knapp unterhalb der Ringebene des Saturn befinden. Aus dieser Position heraus kann die Raumsonde mehrere scheinbare nahe Begegnungen von zwei oder mehreren Monden beobachten. Am 26. Juli wird die NAC-Kamera dabei verfolgen können, wie sich der Saturnmond Dione vor die nördliche Hemisphäre von Rhea schiebt. Dione wird während dieses Schauspiels etwa 1,11 Millionen Kilometer von Cassini entfernt sein, während Rhea seine Bahn in etwa 1,59 Millionen Kilometern Entfernung zieht. Da Rhea mit einem Durchmesser von 1.528 Kilometern etwas größer ist als der lediglich etwa 1.120 Kilometer durchmessende Mond Dione, werden beide Saturnmonde auf den geplanten Aufnahmen in etwa die gleiche Größe aufweisen.
Ein vergleichbares Ereignis soll am 27. Juli beobachtet werden. Der Mond Janus wird dabei zuerst knapp oberhalb des Nordpols von Prometheus vorbeiziehen, bevor er anschließend von Epimetheus bedeckt werden wird. Zwischen diesen beiden Beobachtungen ist eine weitere astrometrische Beobachtungskampagne eingeplant, welche diesmal die Monde Pallene, Anthe, Polydeuces, Epimetheus, Atlas, Prometheus und Methone zum Ziel hat. Am 28. und 30. Juli steht eine weitere Beobachtungskampagne von Titan auf dem Beobachtungsprogramm. Titan wird dabei 2,6 beziehungsweise 3,39 Millionen Kilometer von Cassini entfernt sein. Auch bei diesen Beobachtungen steht die Verfolgung des Wettergeschehens im Fokus der Wissenschaftler.
Für den 31. Juli ist dagegen eine Beobachtung des Saturnmondes Iapetus vorgesehen. Mit einem aus fünf Einzelaufnahmen erstellten Mosaik der unmittelbaren Umgebung dieses Mondes soll nach eventuell vorhandenen Staubvorkommen in dessen Hill-Sphäre gesucht werden. Diese Aufnahmen werden aus einer Distanz von 1,97 Millionen Kilometern angefertigt werden. Ebenfalls am 31. Juli wird man eine Lichtkurve des etwa 26 Kilometer durchmessenden Mondes Albiorix erstellen, welche die gleiche Zielsetzung wie die Beobachtung von Kiviuq am 15. Juli hat. Albiorix umkreist Saturn innerhalb von 783 Tagen und 11 Stunden auf einer ebenfalls stark exzentrischen Bahn in einem mittleren Abstand von 16,4 Millionen Kilometern, wobei dessen Bahn mit fast 34 Grad stark gegen die Ekliptik geneigt ist. Seine Dichte fällt mit 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter etwas geringer als die von Kiviuq aus. Trotzdem geht man bei beiden Monden von einer in etwa vergleichbaren Zusammensetzung aus.
Zum Abschluss des 136. Umlaufs von Cassini um den Saturn sind für den 2. August weitere astrometrische Beobachtungen mehrerer der inneren Monde des Saturn vorgesehen. Ziel dieser Kampagne sind diesmal die Monde Polydeuces, Anthe, Methone, Pandora, Prometheus, Epimetheus und Telesto. Am 4. August 2010 wird die Raumsonde schließlich erneut die Apoapsis erreichen und sich zu diesem Zeitpunkt etwa 2,62 Millionen Kilometer von der obersten Wolkenschicht des Saturn entfernt befinden.
Im Verlauf der dann beginnenden 137. Umkreisung steht Cassini erneut ein prall gefülltes wissenschaftliche Programm bevor. Neben drei Begegnungen mit den Monden Titan (417.000 Kilometer Distanz), Dione (108.000 Kilometer) und Tethys (37.000 Kilometer) wird am 13. August ein gezielter Vorbeiflug an Enceladus erfolgen. Cassini wird sich der Oberfläche dieses Mondes dabei mit einer Geschwindigkeit von 6,9 Kilometern pro Sekunde bis auf eine Entfernung von etwa 2.500 Kilometern annähern. Unter anderem soll dabei das Composite Infrared Spectrometer (CIRS) die Südpolregion mit den dort befindlichen "Tiger-Streifen", den Quellen der von Enceladus ausgehendes Plumpes, beobachten und bei dieser Gelegenheit die dortigen Temperaturen vermessen.
» Fehlersuche auf der ISS 10.07.2010 - Nachdem es am letzten Sonntag zu einer erfolgreichen Kopplung von Progress-M 06M gekommen war, hatte die Langzeitbesatzung 24 am Montag einen fast arbeitsfreien Tag. Am Dienstag begannen die sechs Raumfahrer mit ihren anstehenden Aufgaben. Es ging um die Fehlersuche bei einigen Systemen, Forschungsaufgaben, eine Notfallübung und Wartungstätigkeiten. Mehrere Problemfälle werden zur Zeit auf der ISS und mit den Bodenstationen bearbeitet. Das TORU-Andockkontrollsystem wurde mit Hilfe der Bodenstation nochmals getestet, um die Fehlfunktion vom ersten Andockversuch der Progress letzten Freitag zu reproduzieren. Dies gelang allerdings nicht und die russischen Spezialisten analysieren das Problem weiter. Am Montag ist das amerikanische Sauerstoff-Erzeugungssystem OGA (Oxygen Generator Assembly) im Labormodul Destiny ausgefallen. Auch an diesem Problem wird gearbeitet, eine Gefährdung der Besatzung besteht nicht. Zur Verbesserung der Stationsatmosphäre wurden am 08. Juli die Sauerstoffvorräte des gekoppelten Raumfrachters Progress-M 06M angezapft.
Auch das amerikanische Sanitär- und Hygieneabteil (Waste and Hygiene Compartment) macht wieder Probleme. Ersatzteile zur Reparatur der Toilette sind auf der ISS vorhanden und somit begannen Doug Wheelock und Shannon Walker damit die entsprechenden Teile zu reinigen oder auszutauschen. Nach dem Zusammenbau gelang es allerdings nicht gleich, die Funktion wiederherzustellen. Die Fehlerursache war am Donnerstag weiterhin unbekannt und die Besatzung nutzte die Toilette im russischen Teil der Station. Am gestrigen Tag tauschten Doug Wheelock und Shannon Walker die Seperator-Pumpe gegen ein Ersatzteil aus dem russischen Stationsteil. Nach diesem Umbau war die Toilette wieder funktionsfähig. An einer endgültigen Zusammenschaltung von dem Sanitär- und Hygieneabteil (WHC) und der Urin-Verarbeitungsanlage (Urine Processor Assembly) wird noch gearbeitet.
Eine weitere Fehlfunktion trat bei der Übertragung von Urin aus der Station zum BV1 Rodnik-Tank von Progress-M 06M auf. Eine Vorab-Dichtigkeitsprüfung mit Luft zeigte ein Leck im Bereich des leeren Progress-Tanks. Die Moskauer Bodenstation wird die Urinübertragung zu BV1 bis zum Abdocken des Raumfrachters verschieben.
Viele Experimente laufen in den Labor-Modulen fast ohne das Zutun der Raumfahrer. Einige Forschungsaufgaben erfordern aber die aktive Betreuung durch sie. Alexander Skworzow und Michail Kornijenko widmeten etwas Zeit dem Plasma Crystal-3 Plus Experiment, womit elektrisch aufgeladene Staubteilchen in der Raumumgebung erforscht werden. Shannon Walker kümmerte sich um die akustischen Dosimeter, welche von Kommandant Alexander Skwortsow und den Flugingenieuren Michail Kornienko und Tracy Caldwell-Dyson getragen werden sollen. Diese Dosimeter zeichnen einen ganzen Tag lang den Geräuschpegel auf, dem die drei Besatzungsmitglieder während dieses Zeitraumes ausgesetzt sind. Diese Aufzeichnung dient der Kontrolle und Sicherung des Geräuschpegels innerhalb vorgegebener Parameter an Bord der ISS.
Fjodor Jurtschichin betreute inzwischen das russische Experiment RELAXATION, womit Strahlenmuster der Erdionosphäre beobachtet werden. Unter den vielen Wissenschaftstätigkeiten an Bord der Station arbeitete Shannon Walker mit dem VO2max-Experiment, einer Messung und Dokumentierung der Sauerstoffaufnahme eines Menschen vor, während und nach seinem Aufenthalt an Bord der Station. Verglichen und bewertet werden die Veränderungen in seiner aeroben Kapazität über einen längeren Zeitraum.
Für den Betrieb der Station hatte die sechsköpfige Besatzung etliche Wartungs- und Transportaufgaben zu erledigen. Kommandant Alexander Skwortsow und Flugingenieur Michail Kornienko entluden den Raumfrachter Progress-M 06M. Dabei werden alle transportierten Teile per BarCode Scanner eingelesen und ihr Stauplatz in das stationseigene Inventar Management System (IMS) eingetragen. Die Inventar-Datei wird regelmäßig mit den drei Bodenstationen (Houston, Moskau, Baikonur) ausgetauscht und abgeglichen.
Doug Wheelock und Tracy Caldwell-Dyson führten die Wartung der Kohlendioxid-Filteranlage (CDRA) durch, einer Komponente des Lufterneuerungssystems, mit der der Stationsluft das Kohlendioxid entzogen wird. Reinigungsarbeiten wie zum Beispiel die Säuberung von Modulen mit dem Staubsauger, die feuchte Reinigung von Oberflächen und die Entstaubung von Lüftungsgittern gehören zum Alltag der Besatzung. In Vorbereitung auf die im August stattfindenden Außeneinsätze vom Doug Wheelock und Tracy Caldwell-Dyson fanden einige Arbeiten an der Ausrüstung und den Raumanzügen im Schleusen-Modul Quest statt. Es wurde einiges an Ausrüstung verstaut, Schalter zurückgesetzt und die Kühlmittelleitungen der Raumanzüge, welche in einigen Wochen zum Einsatz kommen sollen, routinemäßig gespült. Zur Zeit wird auf amerikanischer Seite eine Streichung eines der beiden US-Raumausstiege diskutiert. Eine genaue Festlegung soll in den nächsten Tagen stattfinden.
Am gestrigen Tage begaben sich die Bordingenieure Shannon Walker und Tracy Caldwell Dyson zur Arbeitsstation RWS (Robotic Workstation) in Cupola. Sie bewegten den Stationsarm Canadarm-2 von der Halterung am Destiny-Modul zum mobilen Transportsystem (Mobile Base System) und befestigten ihn am Haltepunkt 3. Der mobile Transporter wurde anschließend zu einem neuen Arbeitsplatz bewegt, in Vorbereitung für Arbeiten mit der "Roboterhand" Dextre.
Weiter stand gestern die regelmäßig stattfindende Notfallübung für alle sechs Besatzungsmitglieder auf dem Plan. Diese Übung muss die Besatzung gemeinsam immer wieder trainieren, um im Falle einer außergewöhnlichen Notlage schnell reagieren zu können. Der Besatzung stehen zwei Raumschiffe zur Verfügung, um im Ausnahmefällen schnell zur Erde zurückkehren zu können.
Mittlere Bahnhöhe der ISS am 10.07.2010: 352,3 km bei einem Höhenverlust von 47 Metern in den letzten 24 Stunden
Zukünftige Ereignisse:
16. Juli, ISS Bahnanhebung durch Progress-M 06M
27. Juli, russischer Weltraumausstieg Nr. 25 von Fjodor Jurtschichin und Michael Kornijenko
05. August, amerikanischer Weltraumausstieg Nr. 15 von Doug Wheelock und Tracy Caldwell-Dyson
» Erdumlaufbahn der ISS angepasst 17.07.2010 - Routinearbeiten, Fehlerbehebung und eine Bahnanhebung bestimmten den Alltag der Langzeitbesatzung 24 in dieser Woche. Für die beiden anstehenden Außeneinsätze der ISS-Besatzung führten die russischen und amerikanischen Raumfahrer einige Vorbereitungsarbeiten durch. Die russischen Flugingenieure Michail Kornienko und Fjodor Jurtschichin machten sich mit den Prozeduren und dem Zeitablauf ihres Weltraumausstieges am 26. Juli vertraut. Es soll das neu angekoppelte russische Forschungs- und Dockingmodul Rasswjet mit Komponenten des automatisierten Rendezvous-System KURS für russische Raumfahrzeuge ausgestattet werden. Sie stellten außerdem die Werkzeuge für ihren sechsstündigen Außeneinsatz zusammen, wechselten Batterien und einige Komponenten ihrer Orlan-MK Raumanzüge. Fjodor Jurtschichin wird damit seinen dritten und Michail Kornienko seinen ersten Weltraumaustieg absolvieren.
Die beiden Astronauten Doug Wheelock und Tracy Caldwell-Dyson bereiten sich ebenfalls auf ihren am 5. August stattfindenden Außeneinsatz vor. Während diesem amerikanischen Ausstieg Nummer 15 werden die beiden eine neue Haltevorrichtung mit Strom- und Datenanschluss (PDGF) für den Stationsarm CANADARM-2 und die "Roboterhand" DEXTRE am Sarja-Modul montieren. Diese schafft einen größeren Arbeitsbereich für den Stationsarm während zukünftiger Außenbordeinsätze an der Internationalen Raumstation. Weiter werden sie Kabel für das mit STS-133 im November zu liefernde permanent gedockte Mehrzweck-Logistik-Modul Leonardo verlegen.
Das amerikanische Sauerstoff-Erzeugungssystem OGA (Oxygen Generator Assembly) im Labormodul Destiny ist weiter außer Funktion. Es wird vermutet, dass es zu einer Verunreinigung der Membran in der Wasserstoffkuppel gekommen ist. Als Grund dafür wird ein zu sauerer pH-Wert des verwendeten Wassers angenommen. Die Experten in Houston arbeiten an einem Plan, den Wasserkreislauf erst zu reinigen und dann ein verfügbares Ersatzteil einzubauen. Diese Reparaturarbeiten sind für die zweite Hälfte dieser Woche geplant und man hofft, das OGA am nächsten Dienstag wieder in Betrieb nehmen zu können.
Der für die Besatzung lebenswichtige Sauerstoff wird zur Zeit durch das russische Sauerstoff-Erzeugungssystem ELEKTRON und die Vorräte in den Tanks des Raumfrachters Progress-M 06M zur Verfügung gestellt. Die vom Boden eingeleitete Reaktivierung von ELEKTRON wurde von Alexander Skwortsow während der ersten zehn Minuten kontrolliert, um eine Überhitzung auszuschließen. Weiter erhielt er die Anweisung der Bodenstation in Moskau, ein Sauerstoffventil von Progress zu öffnen und so lange offen zu halten, bis die restlichen 12,8 kg Sauerstoff vollständig in die Station entleert wurden.
Kommandant Alexander Skwortsow setzte in dieser Woche die Entladung des am 4. Juli angekommenen Raumfrachters Progress-M 06M fort. Er registrierte alle Staupositionen und Vorräte per BarCode-Scanner im Inventar Management System (IMS). Es wurden auch 116 kg Treibstoff und 188 kg Oxydationsmittel in die Tanks des Sarja-Moduls gepumpt. Weitere Treibstoff-Transfers sollen folgen.
Tracy Caldwell-Dyson widmete sich in dieser Woche dem EK (EarthKAM) Experiment. EarthKAM ermöglicht Schülern auf der Erde eine Digitalkamera an Bord der ISS zu programmieren, um geografische Ziele aufzunehmen und in den Klassenräumen ihrer Mittelschulen auszuwerten. Mehr als 50 Schulen hatten sich für dieses Bildungsexteriment angemeldet. Die EK-Komponenten wurden erstmals in WORF (Windows Orbital Research Facility), einer kastenartigen Vorrichtung zur Erdbeobachtung am erdzugewandte 20-Zoll-Fenster von Destiny, eingebaut. Leider kam es beim Verbinden der EK-Komponenten mit dem A31p-Laptop zu Störungen und das EK-Experiment konnte nicht in Betrieb genommen werden. Alle Reparaturversuche von Tracy Caldwell-Dyson mit Hilfe der Bodenstation blieben bis jetzt erfolglos. Der Fehler wird in der EarthKAM Software oder dem SSC (Station Support Computer) vermutet.
Gestern, am 16. Juli, fand erneute eine Bahnanhebung des Orbitalkomplexes statt. Zuvor schloss Tracy Caldwell-Dyson die Schutzverschlüsse der Fenster von Destiny, Kibo und Cupola, um Verunreinigungen an diesen durch die Triebwerkszündungen zu vermeiden. Die acht Annäherungs- und Manövriertriebwerke von Progress-M 06M wurden um 9:42 Uhr MESZ für 17 Minuten und 45 Sekunden gezündet. Die Befehle kamen dabei vom Hauptcomputer des russischen Segmentes. Die ISS stieg um 3,7 km auf eine 355,9 km hohe Umlaufbahn, um diese für die Landung von Sojus-TMA 18, die Kopplung von Progress-M 07M und die Ankunft der Langzeitbesatzung 25 mit Sojus-TMA 01M zu optimieren. Die Geschwindigkeit der ISS erhöhte sich mit dem Manöver um 2,1 Meter pro Sekunde.
Mittlere Bahnhöhe der ISS am 16.07.2010: 355,9 km bei einer Höhenzunahme von 3720 Metern in den letzten 24 Stunden
Zukünftige Ereignisse:
27. Juli, russischer Weltraumausstieg Nr. 25 von Fjodor Jurtschichin und Michael Kornijenko
05. August, amerikanischer Weltraumausstieg Nr. 15 von Doug Wheelock und Tracy Caldwell-Dyson
20. August, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Progress-M 06M
» Tiere auf der ISS 19.07.2010 - Ebenso wie auf der Raumstation MIR möchte die russische Seite ab 2012 Forschung mit kleineren Tieren betreiben. Das russischen IBMP (Institut für Biomedizinische Probleme) plant ab dem Jahre 2012 im russischen Teil der Station Experimente mit Mäusen, Hamstern und Ratten durchzuführen. Die Nagetiere werden im neuen russischen Mehrzweck-Labor-Modul MLM, auch Nauka genannt, gehalten. In dem russischen Labormodul, welches in ca. zwei Jahren gestartet werden soll, wird es spezielle Lebenserhaltungssysteme für die Tiere geben. Man möchte damit an die vorangegangenen Forschungen an tierischen Lebewesen auf der MIR anknüpfen.
Die Lebenserhaltungssysteme der Nagetiere werden so ausgelegt sein, das die Besatzung der ISS vor dem Geruch, den schädlichen Unreinheiten und den Substanzen der Tiere geschützt sind. Das russischen IBMP geht davon aus, dass sich durch die kleinen Tiere die psychologische Einstellung, Stimmung und Moral der Mannschaft verbessern wird.
Das MLM soll 2012 mit einer Proton-M-Rakete als voraussichtlich letztes Modul zur Internationalen Raumstation fliegen. Zur Zeit ist es geplant, MLM am erdzugewandten Andockstutzen vom Swesda-Modul zu koppeln. Vorher wird allerdings das Docking- und Schleusen-Modul Pirs weichen müssen und nach dem Abkoppeln in der Erdatmosphäre verglühen. Das Mehrzweck-Labor-Modul MLM bietet Platz für wissenschaftliche Experimente, neue Lagerräume und einen Ruhebereich für die Mannschaft. Weitere Funktionen entstehen durch den neuen unteren Kopplungsknoten und die vorhandenen Triebwerke. Diese Triebwerke könnten zur ergänzenden Lageregelung der ISS genutzt werden, falls ein anderes System ausfallen sollte.
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