InSpace Magazin #425 vom 6. September 2010

In Space Magazin
Raumfahrer.net

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"In Space" Magazin

Ausgabe #425
ISSN 1684-7407


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Updates / Umfrage

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Nachrichten der Woche

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Orcus Patera im Fokus von Mars Express

> Saturn Aktuell:
Der Orbit Nummer 138 von Cassini

> ISS Aktuell:
Mission ISS-Versorgung abgeschlossen

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Disclaimer & Kontakt

Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

die Beobachtung unseres Zentralgestirns ist zweifellos eine der interessantesten Aufgaben der Weltraumwissenschaften. Schon mehrere Raumsonden wurden zur Beobachtung der Sonne auf den Weg gebracht, die bekanntesten Namen dürften Helios, Ulysses, Soho und STEREO sein. Alle bisherigen Sonnensonden hielten allerdings gebührenden Abstand von ihrem Beobachtungsobjekt.

Zur Zeit wird eine neue NASA-Sonde namens "Solar Probe Plus" entwickelt, die in einem stark elliptischen Orbit der Sonne so nahe auf die Korona rücken soll wie noch keine Sonde zuvor: In mehreren Passagen soll sie im Abstand von nur knapp 6 Millionen Kilometern an der Sonnenoberfläche vorbeifliegen. Das entspricht gerade mal 4 Prozent des durchschnittlichen Abstandes zwischen Erde und Sonne sowie dem 8,5fachen Sonnenradius. Solar Probe Plus soll somit bis zu 24 Mal die äußere Korona der Sonne durchfliegen, wo Temperaturen von über 1400 °C und eine Strahlungsintensität auf den 17 Zentimeter dicken Schutzschirm einwirken, die dem 520fachen dessen entspricht, was Satelliten im Erdorbit ertragen müssen. Das wichtigste Ziel dieser Mission ist die Ergründung des Rätsels, warum die innere Korona Millionen von Grad heiß ist, die Sonnenoberfläche selbst aber nur ca. 5.500 °C.

Der Starttermin ist für 2018 geplant. Ursprünglich war gar geplant, sich der Sonne bis auf 3 Sonnenradien zu nähern, aber dieser Plan musste fallen gelassen werden, da Solarzellen die dort noch höheren Temperaturen nicht verkraften und eine nuklear basierte Energieversorgung zu teuer geworden wäre.

Axel Orth
Chefredakteur Raumfahrer.net

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast ist zurück - mit einer zusammenfassenden Sendung pro Woche. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

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» Sternenhimmel im September 2010
01.09.2010 - Die Sommersternbilder ziehen sich in die westliche Himmelshälfte zurück und die Herbststernbilder zeigen sich am östlichen Nachthimmel. Der September ist der neunte Monat des Jahres im gregorianischen Kalender und hat 30 Tage. Früher hieß der Monat September auch Herbstmond oder Scheiding, da mit ihm der Herbst beginnt.
Zu Beginn der Septembernächte stehen die Sommersternbilder noch hoch am Himmel. Doch der mächtige Pegasus und in seinem Gefolge Kassiopeia nehmen dann wieder eine zentrale Position am Himmel ein. Auch das Sommerdreieck mit den Sternbildern Leier mit dem Hauptstern Wega, Adler mit Atair und Schwan mit Deneb zeigen sich noch vordergründig, doch wenn die Septembernacht da ist, dann verabschieden sie sich im Westen, wo sie noch bis in den Winter hinein am frühen Abend zu sehen sind.

In klaren Septembernächten ist immer das helle Band der Milchstraße sehr gut zu sehen. Es zieht sich von Südwesten über den Zenit nach Nordosten, vom Schützen durch den Schlangenträger, vorbei an Leier und Schwan über Kassiopeia und Perseus bis zum Fuhrmann im äußersten Nordosten. Es sind zwei Spiralarme unserer eigenen Galaxie, die wir als milchige Wolken am Nachthimmel sehen, zehn bis zwanzig Grad breit. Spechtler können hier viele Deep-Sky-Objekte entdecken. Besonders in Blickrichtung Süden zeigt sich der Wassermann (Aquarius). In ihm befinden sich viele reizvolle Deep-Sky-Objekte wie Galaxien und Kugelsternhaufen. Auffällig sind 2 planetarische Nebel - der Saturnnebel (NGC 7009) und der Helixnebel (NGC 7293) sowie Messier 2, ein Kugelsternhaufen in etwa 50.000 Lichtjahren Entfernung. Im Osten zeigen sich die Fische und der unscheinbare Widder. Dann zeigt sich schon der Fuhrmann, das erstes Wintersternbild. Auch der offene Sternhaufen, die Plejaden (Messier 45) sind bereits zu sehen, sichere Vorboten des Winters, gefolgt vom Stier mit dem stark leuchtenden Aldebaran. Um Mitternacht gehen die Winterbilder Orion und Zwillinge auf, dann folgt schon der grosse Hund mit Sirius (Canis Majoris), dem hellsten Stern des Nachthimmels. Bis zum Morgen ist dann das ganze Wintersechseck am östlichen Himmel versammelt.

Die Mittagshöhe der Sonne schrumpft im Monatsverlauf von 47° auf 35,9°. Der Sonnenaufgang verspätet sich von 6.44 Uhr zu Monatsbeginn auf 7.31 Uhr am Monatsende, gleichzeitig verfrüht sich der Sonnenuntergang um über eine Stunde von 20.18 Uhr am 1. bis auf 19.12 Uhr am 30. September. Die Sonne läuft während des ersten Monatsdrittels durch das Sternbild Löwe. Am 16. September wechselt sie in die Jungfrau, wo sie am 23. September um 5.09 Uhr den Himmelsäquator von Norden nach Süden überschreitet. Damit beginnt auf der Nordhalbkugel der Erde der astronomische Herbst - es ist die Tagundnachtgleiche – die Sonne steht genau über dem Äquator und geht an diesem Tag im Osten auf und im Westen unter.

Am 1. September beginnt der Halbmond seine Reise erst kurz nach 23.00 Uhr, knapp südlich an den Plejaden vorbei bis 7° über Aldebaran, dem hellen Auge des Stiers. In der ersten Septemberwoche ist er nur in der zweiten Nachthälfte zu sehen, wenn er steil am Osthimmel aufsteigt - jede Nacht rund eine Stunde später. Seine schrumpfende Sichel wandert vom Sternbild Stier zu den Zwillingen, wo sie in der Nacht zum 5. September in einer Linie unter deren hellsten Sternen Kastor und Pollux steht, wenn sie um 2.30 Uhr aufgegangen ist. Die nur noch sehr schmale Mondsichel kann letztmals am 7. tief in der ost-nordöstlichen Dämmerung nahe Regulus im Löwen gesehen werden. Nur einen Tag später, am 8., ist Neumond. An diesem Tag hat unser Trabant seinen kleinsten Abstand zur Erde - er ist nur 357.000 km von uns entfernt. Am 11. des Monats um 14.35 Uhr zieht die dünne Mondsichel exakt im Süden ganz knapp unter der hellen Venus hindurch. Nur 1° trennt sie von unserer Nachbarin. Dieses Ereignis ist zu sehen - auch im strahlenden Sonnenschein. Am 13. und 14. hält sich der Mond in der Nähe von Antares im Skorpion auf, am 15. finden wir die zunehmende Scheibe im Sternbild Schütze. Am 18. ist ab der Abenddämmerung bis ~ 2.00 Uhr der "Goldene Henkel" auf dem Mond sichtbar. Während der darauffolgenden Tage wird der Mond immer runder und in der Nacht vom 22. auf den 23. besucht er den hellen Jupiter im Sternbild Fische. Am 23. September um 11.17 Uhr zeigt sich die volle Mondscheibe - der Erntemond. Am 27. September erreicht der Mond das Siebengestirn, den hübschen Sternhaufen der Plejaden im Stier.

Der innerste unserer Planeten, der schnelle Merkur, kann während des ganzen Monats nicht gesehen werden. Er erreicht zwar fast seinen theoretisch maximalen Abstand zur Sonne, geht aber zu früh unter.
Die Venus, -4,5 mag hell, ist noch Abendstern. Der Venusuntergang erfolgt am 1. um 22.46 Uhr, am 15. um 22.06 Uhr und am 31. bereits um 21.18 Uhr. Am 9. überholt die Venus den Saturn. Diese Begegnung ist unter optimalen Bedingungen mit bloßem Auge sichtbar. Am 20. steht die Venus mit einem Abstand von 46,0° in größter östlicher Elongation, trotzdem neigt sich ihre Abendsichtbarkeit dem Ende zu. Am 23. September überholt die Venus den roten Planeten Mars, verbleibt aber unserem Auge verborgen.
Der rote Planet Mars steht im Septemberanfang in der Jungfrau, kann aber nur unter günstigen Sichtbedingungen noch rund 30 Minuten gesehen werden. Die Begegnung mit Saturn am 9., wo der rote Planet den deutlich helleren Ringplaneten mit einem südlichen Abstand von knapp 4 Vollmonddurchmessern überholt, kann bei klarer Sicht noch verfolgt werden.
Der Planetenriese Jupiter steigert seine ohnehin schon beachtliche Helligkeit auf -2,9 mag und beschleunigt seine rückläufige Bewegung in den Fischen. Der Jupiteraufgang erfolgt am 1. um 23.01 Uhr, am 15. um 22.05 Uhr und am letzten Tag des Monats um 21.00 Uhr. Da zu diesen Zeiten noch Abenddämmerung herrscht ist Jupiter praktisch während der ganzen Nacht zu sehen. Morgens, wenn es hell wird, finden wir den Riesenplaneten noch hoch im Südwesten. Am 21. September um 13.35 Uhr erreicht Jupiter seine Opposition im Sternbild Fische, ebenfalls der Planet Uranus mit 5,7 mag.
Ab 22.00 Uhr abends wird es für Himmelsbeobachter am 22. September interessant, denn im Osten geht ein bemerkenswertes Duo auf - Jupiter und Uranus. Die beiden äußeren Planeten stehen gerade ganz dicht beieinander, weniger als 1° voneinander entfernt. Uranus befindet sich dabei ganz eng westlich über Jupiter. Durch ein Fernglas erscheinen beide deutlich als Scheibchen. Und schon durch ein einfaches Teleskop können interessierte Spechtler Jupiters gestreifte Oberfläche und seine hellsten Monde erkennen.

An Sternschnuppen hat der September leider nur wenig zu bieten: Der bemerkenswerteste Strom sind noch die Alpha-Aurigiden mit einer ZHR von 5 bis 10 Schnuppen. Sie erreichen in der Nacht zum 1. September und der darauffolgenden Nacht ihr Maximum. Der Radiant liegt im Sternbild Fuhrwerk. Der Mutterkörper ist der Komet C/1911 N1 Kiess. Leider stört in diesem Jahr der Halbmond erheblich, der gegen Mitternacht aufgeht und dann bis in den Morgen am Himmel bleibt. Doch noch etwa bis zum 8. September können sich vereinzelt Alpha-Aurigiden zeigen.
Ohne störenden Mond könnten sich um den 9. September ein paar Sternschnuppen der September-Perseiden zeigen mit einer ZHR 5. Der Radiant befindet sich im östlichen Areal des Sternbildes Perseus, etwa 5° südöstlich des Sternes Mirfak. Die September-Perseiden wurden über viele Jahre gemeinsam mit den Delta-Aurigiden als ein Meteorstrom betrachtet. Erst genauere Untersuchungen ergaben, dass es sich um zwei separate Ströme handelt, welche nahtlos ineinander übergehen.
Für Spechtler gibt es vom 8. bis 20. September ein besonderes Schauspiel. Da die Morgenstunden mondlos sind und es noch dunkel genug ist, können sie das Tierkreislicht sehen. Doch es muss absolute Dunkelheit herrschen. Das Tierkreislicht oder auch Zodiakallicht ist eine äußerst schwache permanente Leuchterscheinung am Himmel, sie ist auf die Umgebung der Ekliptik, den Zodiak, begrenzt. Das Zodiakallicht entsteht durch Reflexion und Streuung des Sonnenlichts an den Bestandteilen der Gas- und Staubwolke, die die Sonne als dünne Scheibe in der Planetenebene umgibt. In absolut klaren Nächten kann man auf flacher Ebene über dem Horizont kurz vor der astronomischen Dämmerung im Osten einen schwachen Lichtstreifen erkennen. Diese Leuchterscheinung ist nur einige Hand breit und für ~ 2 Stunden sichtbar.

Als Sternbild des Monats betrachten wir Pegasus. Es gehört zu den 48 Sternbildern der antiken Astronomie. Pegasus ist mit einer Fläche von 1.121 Quadratgrad eines der größten Sternbilder am Herbsthimmel nördlich des Himmelsäquators. Das markanteste ist das große Pegasus-Rechteck mit dem kleinen, gleichseitigen Dreieck an dessen nordwestlichen Ecke. In diesem Dreieck vermutet man fälschlicherweise meist den Kopf des geflügelten Pferdes, aber es ist der Ansatz seiner beiden Vorderläufe, denn dieses Sternbild soll ein auf dem Kopf stehend fliegendes Pferd darstellen. Die Sterne y (Algenib), a (Markab), ß (Scheat) und Sirrah (a And) bilden dessen Körper – wobei Sirrah eigentlich zum Sternbild Andromeda gehört. In Pegasus finden Spechtler den Kugelsternhaufen Messier 15 (NGC 7078), mit einer visuellen Helligkeit von 6,2 mag. Gut beobachten kann man auch e Pegasi, ein Dreifachsternsystem in 673 Lichtjahren Entfernung. Der Hauptstern ist extrem leuchtkräftig und besitzt die 11-fache Masse und den 175-fachen Durchmesser unserer Sonne. 1972 zeigte der Stern einen Helligkeitsausbruch, wobei er mit 0,70 mag auffallend hell wurde. Im weiten Abstand von 138 Bogensekunden befindet sich ein 7,8 mag heller Begleitstern, der bereits im Fernglas sichtbar wird. Zur Beobachtung der dritten Komponente benötigt man aber ein Teleskop.

Die Galaxien NGC 7317, NGC 7318A, NGC 7318B, NGC 7319 und NGC 7320 bilden eine Gruppe, die Stephans Quintett genannt wird. Aufgrund ihrer Entfernung von etwa 380 Millionen Lichtjahren besitzen die Galaxien eine geringe Helligkeit, weshalb man zu ihrer Beobachtung ein Teleskop ab 20 cm Öffnung benötigt. In diesem Sternbild befindet sich auch 51 Pegasi, er war der erste Stern, nach unserer Sonne, bei dem ein Planetensystem nachgewiesen wurde. Bei der Auswertung des Spektrums zeigte sich, dass der Stern von einem Planeten von der Größe des Jupiter umkreist wird.

Tagesaktuelle Termine und Ereignisse stehen im Astronomiekalender und historische Daten stehen im Historischer Kalender
(Autor: Hans J. Kemm - Quelle: eigenes Archiv)


» Exoplaneten-Spektrum zeigt Überraschendes
01.09.2010 - Astronomen der University of Hawaii haben mit dem 10-m-Keck-II-Teleskop des W. M. Keck Observatory auf Mauna Kea das Spektrum des Exoplaneten HR 8799 b analysiert. HR 8799 b befindet sich rund 130 Lichtjahre entfernt und gehört zu den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die mittels direkter Beobachtung entdeckt wurden.
Trotz über 500 bisher gefundener Planeten ist dies einer von nur sechs, welcher direkt abgelichtet werden konnte. Das System um den mit nur 60 Millionen Jahren noch sehr jungen Hauptreihenstern HR 8799, auch bekannt als V342 Pegasi (da im Sternbild Pegasus gelegen), besteht aus insgesamt drei bekannten Planeten. Die drei Planeten wurden vor weniger als anderthalb Jahren ebenfalls am Keck-Observatorium entdeckt. Nun konnte erstmals das Spektrum eines der Planeten aufgenommen werden. HR 8799 b ist mit etwa sieben Jupitermassen der leichteste der drei Planeten, die ihren Stern allesamt recht weitläufig in einem Abstand von 24, 38 und 68 Astronomischen Einheiten (AE) umlaufen. HR 8799 b ist mit 68 AE mehr als doppelt so weit von seiner Sonne entfernt wie der äußerste Planet unseres Sonnensystems, Neptun.

Aus dem Spektrum eines Planeten lassen sich sehr viel mehr Informationen lesen, als aus einem einzigen Bild: Es lassen sich Rückschlüsse auf Temperatur, chemische Zusammensetzung und Wolkeneigenschaften ziehen. "Wir sind nun an einem Punkt, an dem wir nicht nur Planeten um andere Sterne direkt abbilden, sondern auch die Eigenschaften ihrer Atmosphären im Detail untersuchen können. Direkte Spektroskopie ist die Zukunft dieses Forschungsfeldes", sagt Brendan Bowler, Erstautor der Studie, welche in der nächsten Ausgabe des Astrophysical Journal erscheinen wird.

Im Fall von HR 8799 b sind die Astronomen auf Temperaturwerte gestoßen, welche sich mit herkömmlichen theoretischen Modellen von Gasriesen nicht gut erklären lassen. Die Temperatur lässt sich vor dem Hintergrund einiger theoretischer Annahmen gut anhand der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre ablesen. Bei HR 8799 b wurde so gut wie kein atmosphärisches Methan nachgewiesen, was ein Zeichen für eher hohe Temperaturen ist. So wird die geringst mögliche Temperatur auf 1.200 Kelvin (etwa 930 °C) geschätzt. Bisherige Modelle gingen jedoch von einer um 400 Kelvin geringeren Temperatur für einen Planeten dieses Alters und bei der abgestrahlten Energiemenge aus.

Das Forschungsteam vermutet, dass die höheren Temperaturen durch wesentlich mehr Staub und Wolken als erwartet in der Atmosphäre zustandekommen. "Die direkte Untersuchung von extrasolaren Planeten steckt noch in den Kinderschuhen", kommentiert Michael Liu, Coautor der Studie. Aber sogar in dieser frühen Phase sehen wir, dass wir es mit gänzlich anderen Objekten als den bisher bekannten zu tun haben."

Möglich wurde die Beobachtung durch die Hochkontrast-Adaptive Optik des Teleskops in Verbindung mit OSIRIS, einem speziellen Spektrographen. OSIRIS steht für OH-Suppressing Infra-Red Integral-field Spectrograph. "OH-Suppressing" bedeutet, dass die Emissionslinien von Hydroxilmolekülen herausgefiltert werden, bevor das eingefangene Licht den Spektrographen erreicht. Auf diese Weise erscheint der Nachthimmel im Infrarot, dem Beobachtungsbereich von OSIRIS, um einige Magnituden dunkler. Hydroxilmoleküle in den oberen Schichten der Erdatmosphäre stören bodengestützte Beobachtungen im Infrarotbereich, was auf diese Weise umgangen werden kann. OSIRIS kann Spektra an bis zu 3.000 Punkten gleichzeitig aufnehmen und somit gewissermaßen "Spektral-Bilder" erzeugen, wie hier in Abbildung 1 erkennbar.

Weitere Untersuchungen und insbesondere der Vergleich mit den noch unbekannten Spektra der Nachbarplaneten werden die genauere Natur dieser neuen Klasse von jungen Gasriesen Stück für Stück enthüllen.

Direkte Studien an extrasolaren Planeten befinden noch in ihren Anfängen. Dennoch ist es bemerkenswert, wie viele Informationen bereits über weit entfernte Planeten gesammelt werden können. Das Licht des Planeten ist etwa 100.000 Mal schwächer als das seines Zentralgestirns und konnte nur mit adaptiver Optik fokussiert werden.

Raumcon-Diskussionsforum:

Verwandte Meldungen:

Quellen:


(Autor: Timo Lange - Quelle: W. M. Keck Observatory)


» Dreimal GloNaSS-M
02.09.2010 - Vom Startplatz 81 des Kosmodroms Baikonur hob am Morgen, gegen 2:54 Uhr MESZ eine Proton-M-Trägerrakete mit drei Satelliten für das russische Globale Navigations-Satelliten-System (Globalnaja Nawigationnaja Sputnikowaja Sistema) ab.
Nach der Antriebsphase der dreistufigen Trägerrakete übernahm eine Endstufe des Typs Block-DM 2 den Übergang in die Zielbahn in etwa 19.100 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung von 64,8 Grad. Dazu waren zwei Antriebsphasen erforderlich.

Die drei Satelliten mit den Bezeichnungen Uragan-M 27 bis 29 verstärken die Flotte von bisher 21 operationellen und drei Reservesatelliten auf insgesamt 3 Bahnen. Mit 24 aktivierten Satelliten, jeweils 8 auf jeder Bahn, ist das System spätestens zum Jahreswechsel weltweit einsatzbereit. Die Satelliten des Typs Glonass-M haben eine geplante Funktionsdauer von 7 Jahren.

Im November soll noch ein weiterer Start mit drei Satelliten dieses Typs erfolgen. Außerdem steht kurz vor Jahresende der erste Start eines weiterentwickelten Satelliten des Typs Glonass-K auf dem Plan. Das ebenso wie der Vorgänger von Reschetnjow gefertigte Raumfahrzeug mit einer projektierten Funktionsdauer von 10 Jahren, geringerer Masse und erhöhter Genauigkeit soll mit einer Sojus-Trägerrakete in den Zielorbit gebracht werden.

Die Uragan-M-Satelliten haben eine Startmasse von jeweils 1.415 kg, sind dreiachsenstabilisiert und besitzen an der Oberseite des weitgehend zylindrischen Körpers zwei Solarzellepaneele. Die Positions- und Zeitsignale hoher Genauigkeit werden von Antennen an der Unterseite auf 25 Kanälen des L-Bands (1,24 - 1,26 GHz bzw. 1,60 - 1,62 GHz) abgestrahlt und erlauben Positionsgenauigkeiten im Bereich von 10 bis 20 Metern. Die Zeitsignale werden von Cäsium-Atomuhren bereitgestellt.

Gegen 6:26 Uhr MESZ erreichte die Nutzlast den Zielorbit und die drei Satelliten wurden nacheinander ausgesetzt. Sie werden in den nächsten Wochen an ihre endgültigen Positionen driften und damit das Navigationssystem ergänzen. Gegenwärtig fliegen sie auf Bahnen mit Höhen zwischen 19.089 und 19.155 Kilometern bei Bahnneigungen von 64,8 Grad.

Verwandte Meldung:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, Raumcon, Skyrocket, SpacefligtNow)


» Japanischer Erbeobachtungssatellit IGS 4A ausgefallen
02.09.2010 - Nach Angaben einer japanischen Regierungsstelle hat der Radaraufklärer IGS 4A am 23. August 2010 seinen Betrieb eingestellt.
Der Ausfall des Satelliten ist auf eine Fehlfunktion im Stromversorgungssystem zurückzuführen, wird vermutet. Als wahrscheinlich betrachtet man ein Versagen im Zusammenhang mit den Akkumulatoren des Satelliten.

Das am 2. Februar 2007 auf einer H-2A-Rakete von Tanegashima aus zusammen mit IGS 4B ins All transportierte Raumfahrzeug war zuletzt in einer annähernd kreisförmigen Bahn zwischen 480 und 500 Kilometern über der Erdoberfläche und mit einer Neigung von etwa 97,4 Grad unterwegs. IGS 4A ist der zweiten Radarsatellit, den Japan insbesondere zur Aufklärung von Aktivitäten in Nordkorea und China eingesetzt hat. Vor seinem Ausfall war er der einzige aktive japanische Radaraufklärer. Die Aussichten, den Satelliten noch einmal in einen betriebsfähigen Zustand versetzen zu können, werden als ausgesprochen gering eingeschätzt. Mit Arbeiten zur Reaktivierung des Trabanten hat man aber trotzdem begonnen.

Fünf Jahre lang hätte IGS 4A im Weltraum nutzbar sein sollen, bis 2012 wollte man ihn einsetzen. IGS 1B alias IGS R-1, Japans erster operativer Radaraufklärungssatellit, erreichte ebenfalls nicht seine Auslegungsbetriebsdauer von fünf Jahren. Der 2003 gestartete Satellit fiel 2007 wegen eines Akkumulatorenproblems aus. Bleibt IGS 4A unbenutzbar, bedeutet dies einen weiteren einer ganzen Kette von Rückschlägen im japanischen Aufklärungssatellitenprogramm.

IGS 4A alias IGS R-2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 30.586 bzw. als COSPAR-Objekt 2007-005A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Mainichi Japan, THE DAILY YOMIURI)


» Habitat im Studentenwettbewerb
02.09.2010 - Die NASA und die National Space Grant Foundation der USA hat drei Universitätsteams als Finalisten in einem Wettbewerb zu Entwicklung, Bau und Test einer Demonstrationseinheit für entfaltbare Module ausgewählt.
Die Teams stammen von der Oklahoma-Staatsuniversität sowie den Universitäten von Wisconsin-Madison und Maryland. Aufgabe ist eine zügige Entwicklung von entfaltbaren Modellstrukturen für die nächste Generation von Weltraumforschern.

"Dieser Wettbewerb eröffnet diesen Studenten die Gelegenheit ihres Lebens", sagte NASA-Cheftechnologe Bobby Brown im Hauptquartier in Washington. "Sie werden neue Hardware entwickeln und bauen. Wenn ihr Team gewinnt, dann bekommen sie die Chance, ihre Entwicklung mit einem starren Habitat der NASA zu verbinden und bei Einsatztests dabei zu sein."

Der Wettbewerb trägt den Titel "inaugural eXploration Habitat Academic Innovation Challenge" und wird im Juni 2011 in einem direkten Wettbewerb am Johnson Space Center in Houston entschieden.

In den 1990er Jahren hatte die NASA an der Entwicklung von entfaltbaren Raumstationen gearbeitet, diese Entwicklung später jedoch eingestellt und Patente an Bigelow verkauft. Mittlerweile verspricht man sich allerdings wieder Vorteile von einer derartigen Technik, nachdem Bigelow mit ersten Erprobungsmustern die Machbarkeit nachgewiesen hat.


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceRef)


» Suborbitale Tests der Kommerziellen
03.09.2010 - In diesem Herbst und Winter sollen 7 Tests wiederverwendbarer Fahrzeuge durchgeführt werden, die in Zukunft Forschungsmöglichkeiten bei suborbitalen Flügen bieten könnten. (Newsimage: Armadillo Aerospace)
Die NASA fördert im Rahmen der ersten Etappe eines speziellen Programms, des Commercial Reusable Suborbital Research Program (CRuSR) die Firmen Armadillo Aerospace (Texas, USA) und Masten Space Systems (Kalifornien, USA) mit insgesamt etwa 475.000 US-Dollar. Dafür sollen Testflüge der Super-Mod und Xombie genannten Systeme durchgeführt und ausgewertet werden.

Armadillo will sein Super-Mod im Herbst zweimal auf etwa 15 Kilometer Höhe bringen und anschließend sicher landen. Im Winter folgt ein Flug auf bis zu 40 Kilometer Höhe. Masten beteiligt sich mit jeweils zwei Flügen auf 5 bzw. 30 Kilometer.

Erfahrungen (und Preise) haben beide Unternehmen schon im Rahmen der Northrop Grumman Lunar Lander Challenge 2008 und 2009 sammeln können. Dabei ging es darum, mit einem Gefährt aufzusteigen, es in einer bestimmten Höhe zu halten und horizontal zu einem Zielpunkt zu bewegen. Nach der Punktlandung musste innerhalb einer kurzen Zeitspanne auch der Rückweg erfolgreich bewältigt werden. Dabei musste sich das Fahrzeug ohne Eingriff von Menschen autonom steuern. Raumfahrer.net berichtete darüber mehrfach und ausführlich.

Ziel des CRuSR-Programms sind letztlich Höhen um 100 Kilometer. "Diese beiden Prämien sind erst der Anfang einer innovativen Zusammenarbeit [der NASA] mit der Industrie, um einen erschwinglichen Zugang zum erdnahen Weltraum zu ermöglichen, wobei diese Mikrogravitationsumgebung für zukünftige wissenschaftliche und technologische Experimente evaluiert werden soll", sagte NASA-Cheftechnologe Robert Brown im NASA-Hauptquartier in Washington.

Armadillo arbeitet bereits jetzt im Rahmen von Project M mit der NASA eng zusammen. Dabei will man einen menschenähnlichen Roboter auf den Mond bringen und dort als mechanischen Forscher einsetzen. Der Lander stammt weitgehend von Armadillo Aerospace, während der Roboter vom Robonaut-2-Projekt abgewandelt werden soll.

Während dieser suborbitalen Testserie allerdings werden Super-Mod und Xombie mit dem Automatic Dependent Suveillance-Broadcast System (ADS-B) ausgrüstet, mit dem Daten über Position und Zustand des Luftfahrzeugs an Bodenstationen übertragen werden können. Die Positionsbestimmung erfolgt an Bord des Vehikels mittels GPS.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceRef, NASA, Armadillo Aerospace, Masten Space Systems)


» Kanadier wird ISS-Kommandant während Expedition 35
03.09.2010 - Der Kanadier Chris Hadfield soll erster Kommandant der ISS-Expedition 35 werden. Dies wurde von der kanadischen Raumfahrtorganisation CSA bekanntgegeben.
Er fliegt mit Sojus-TMA 07M gemeinsam mit Tom Marshburn und Roman Romanjenko zur ISS und übernimmt mit der Rückkehr des vorherigen Kommandanten im Frühjahr 2013 für mehrere Wochen das Kommando über die Internationale Raumstation. Chris Hadfield weilte während zweier Missionen bisher gut 20 Tage im All.

Im Allgemeinen stammen die Kommandanten der ISS entweder aus den USA oder aus Russland. Bisher einzige Ausnahme war der Belgier Frank de Winne, der dieses Amt im letzten Jahr für mehrere Wochen ausübte.

Die ISS-Stammbesatzung besteht seit Expedition 20 aus 6 Personen. Dabei sind jeweils 3 Plätze für Russland bzw. die USA vorgesehen. Im Rahmen internationaler Abkommen werden jährlich ein bis zwei US-Plätze durch Kanadier, Japaner oder ESA-Raumfahrer genutzt.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: CSA, NASA)


» SpaceX zielt mit Dragon jetzt auf den 23. Oktober
03.09.2010 - Der erste SpaceX-Demonstrationsflug im Rahmen des Commercial Orbital Transportation Services im Auftrag der NASA ist nun für Ende Oktober anvisiert. (Newsimage: Space Exploration Technologies)
Dabei soll ein funktionsfähiges Dragon-Raumschiff ausgesetzt und im Flug erprobt werden. Nach drei Erdumläufen soll außerdem die Rückkehr der Landekapsel eingeleitet werden. Diese soll nach erfolgreicher Wasserung aus dem Pazifik nahe Kalifornien geborgen und für einen weiteren Einsatz vorbereitet werden.

Für das Testprogramm erhält Space Exploration Technologies, kurz SpaceX, 278 Millionen US-Dollar. Es umfasst insgesamt 3 Flüge, von denen zwei im kommenden Jahr durchgeführt werden sollen. Bei der zweiten Mission soll ein Dragon-Raumschiff bereits bis auf 10 Kilometer an die Internationale Raumstation heran manövriert werden. Für den dritten Flug ist dann die erste Kopplung geplant.

Anschließend soll SpaceX im Rahmen von 12 Flügen zur Versorgung der ISS beitragen. Dabei soll zunächst nur Fracht zur Station transportiert werden. Dragon kann aber aufgrund seiner geplanten Rückkehrfähigkeit auch Ergebnisse von Experimenten und Materialien zur Erde zurückführen. In der Folgezeit soll das Raumschiff außerdem für einen bemannten Einsatz weiterentwickelt werden.

Trägerrakete für Dragon ist die Falcon 9, die am 4. Juni ihren ersten und erfolgreichen Einsatz hatte. Die Falcon 9 ist ebenfalls eine Eigenentwicklung von SpaceX. Einen weiteren Vertrag zur Versorgung der ISS hat die Orbital Sciences Corporation mit dem bisher unerprobten Träger Taurus II sowie dem Versorgungsraumschiff Cygnus.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceRef)


» Neue Interpretation von Viking-Daten
04.09.2010 - Die Ergebnisse des Marslanders Phoenix scheinen für die der Viking-Sonden, die in den 1970er Jahren den Roten Planeten erkundeten, neue Interpretationen und Erklärungen zu ermöglichen.
Die Vikinglander konnten keine organischen Bestandteile in den Bodenproben entdecken, obwohl man sie erwartet hatte. Stattdessen hatte man nur (Di)Chlormethan entdeckt und damals als eine Kontamination aus Reinigungsmitteln erklärt.

Die von Phoenix überraschend nachgewiesenen Perchlorate im Marsboden können jetzt die Erklärung sein. Bei Tests auf der Erde konnte man mit organisch kontaminierter Erde bei Zugabe von Perchlorat und einer Erwärmung der Proben genau die Ergebnisse nachstellen, die Viking erzielt hat. Die Perchlorate im Marsboden könnten bei tiefen Temperaturen inaktiv liegen und bei der Erwärmung an Bord der Vikinglander "sofort" alle organischen Bestandteile zerstört haben. Dabei können die nachgewiesenen Chlormethane freigesetzt worden sein.

Ein Indiz dafür, dass die alte Interpretation doch zutreffen könnte, ist, dass das Isotopenverhältnis in den Chlormethanen der Vikinglander dem der Erde entsprach, während es für den Mars noch nicht sicher bestimmt ist. Sollte es auf dem Mars deutlich von dem der Erde abweichen, wäre ein Teil der nachgewiesenen Substanzen aber doch von unserem Heimatplaneten.

Interessant an diesem Ergebnis ist auch, dass man unter diesem Blickwinkel die zukünftige Suche nach organischen Molekülen auf dem Mars umstellen müsste.

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Raumcon:

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(Autor: Daniel Schiller - Quelle: NASA)


» Russischer Frühwarnsatellit vermutlich ausgefallen
04.09.2010 - Russlands einziger geostationärer Frühwarnsatellit Kosmos 2440 ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr nutzbar und hat, nachdem er seine Position offensichtlich nicht mehr halten kann, begonnen zu driften. Damit besitzt das russische Frühwarnsatellitensystem nur noch zwei auf hochelliptischen Umlaufbahnen fliegende Trabanten zur Erfassung gegnerischer Raketenstarts.
Vor dem Versagen war Kosmos 2440 im geostationären Orbit ab dem 11. Juli 2008 bei 80 Grad Ost positioniert. Das am 27. Juni 2008 um 1:59 Uhr MESZ auf einer Proton-K-Rakete mit DM-2-Oberstufe gestartete Raumfahrzeug vom Typ 71kh6 bzw. US-KMO diente der Überwachung des größten Teils von Europa, des mittleren Ostens, von Nordkorea und China hinsichtlich startender, eventuell auf Russland zielender Raketen.

Ende Februar 2010 gelang ein regulär anstehendes Bahnkorrekturmanöver von Kosmos 2440 nicht wie vorgesehen oder fand nicht statt. Deshalb begann der Frühwarnsatellit im geostationären Orbit zu treiben. Er hat zwischenzeitlich den Bereich bei 75 Grad Ost erreicht und driftet weiter. Dass die Bewegung des Satelliten Ergebnis einer beabsichtigten Umpositionierung ist, wird ausgeschlossen.

Im September 2010 befanden sich laut russianforces.org nur noch die beiden folgenden russischen Frühwarnsatelliten in Betrieb:

Kosmos 2430

  • NORAD Nr. 32.268
  • Start am 23. Oktober 2007
  • hochelliptischer Orbit
  • Typ 73D6
  • 84. US-K, Oko

Kosmos 2446

  • NORAD Nr. 33.447
  • Start am 2. Dezember 2008
  • hochelliptischer Orbit
  • Typ 73D6
  • 85. US-K, Oko

Das russische Frühwarnsatellitensystem hätte voll ausgebaut einmal den gesamten Globus abdecken sollen. Dafür wären vier Satelliten im geostationären Orbit notwendig. Sieben Positionen im geostationären Orbit waren festgelegt worden: 159 Grad West, 24 Grad West, 12 Grad Ost, 35 Grad Ost, 80 Grad Ost, 130 Grad Ost und 166 Grad Ost, für die auch die alternativen Positionsbezeichnungen Prognoz 1 bis 7 genannt werden. Auf hochelliptischen Umlaufbahnen hätten im Vollausbau acht Erdtrabanten unterwegs sein sollen.

Kosmos 2440 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 33.108 bzw. als COSPAR-Objekt 2008-033A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ITAR-TASS, RIAN, russianforces.org)


» GOES 15 getestet und für gut befunden
04.09.2010 - Eine fünfmonatige Testphase des US-amerikanischen geostationären Wettersatelliten GOES 15 ist erfolgreich abgeschlossen worden, berichtete die US-amerikanische Raumfahrtagentur NASA am 1. September 2010.
GOES 15 war am 5. März 2010 als GOES-P auf einer Delta-IV-Rakete in den Weltraum transportiert worden. Seit dem 16. März 2010 ist er an einer Postion bei 89,5 Grad West im geostationären Orbit stationiert. Dort wurden intensive Tests der Systeme des Raumfahrzeugs mit einer Startmasse von 3.238 Kilogramm durchgeführt. Dabei konnte zur Zufriedenheit aller Beteiligten festgestellt werden, dass die verschiedenen Untersysteme des Raumfahrzeugs, seine Kommunikationsanlagen und die Instrumente an Bord wie vorgesehen funktionieren und betriebsbereit sind.

Während der Tests lieferte GEOS 15 hochaufgelöste Bilder aus dem Weltraum. Darunter befinden sich mit dem von ITT gebauten Hauptinstrument aufgezeichnete Erdansichten im Bereich des sichtbaren und des infraroten Lichtes, sowie im Röntgenstrahlenbereich mit einem von Lockheed Martin hergestellten Instrument erfasste Bilder der Sonne.

Bis GOES 15 auf einer der beiden Stationen GOES West (135 Grad West) oder GOES Ost (75 Grad West) benötigt wird, wird der von Boeing gebaute Satellit eine Warteposition bei 105 Grad West im geostationären Orbit einnehmen. Dort steht zur Zeit auch GOES 14. Jeder der beiden Satelliten kann nach Angaben der NASA innerhalb von 24 Stunden derart aktiviert werden, dass er in der Lage ist, einen älteren Satelliten zu ersetzen. Dies kann erforderlich werden, wenn einer der älteren Satelliten eine unerwartete Störung erfährt oder dessen Treibstoffvorrat zur Lageregelung und Positionskorrektur unter ein bestimmtes Minimum fällt.

GOES 15 alias GOES-P ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.411 bzw. als Objekt 2010-008A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)


» GPS 2F-1 im Betriebsnetz integriert
04.09.2010 - Einer Meldung der US-amerikanischen Luftwaffe vom 1. September 2010 zufolge hat sie den Navigationssatelliten GPS 2F-1 am 26. August 2010 in das Netz ihrer aktiven Navigationssatelliten integriert.
Über eine Milliarde Nutzer rund um die Erde können die Navigationsdaten der jetzt 31 aktiven Satelliten des Satellitennavigationssystems GPS nutzen. GPS 2F-1 nahm als Navigationssatellit Nummer 62 (SVN62) die Position 2 in der Ebene B als Nachfolger von GPS 2A-27 ein. GPS 2F-1 soll Navigationssignale mit mehr der doppelten Genauigkeit gegenüber denen der Vorgängergeneration GPS 2R bieten.

Etwas enttäuschend arbeitet eine Rubidiumatomuhr an Bord des am 27. Mai 2010 in den Weltraum gebrachten GPS 2F-1, wurde Mitte August 2010 bekannt. Mit Bezug auf einen Bericht des United States Naval Research Laboratory meldete GPS World am 19. August 2010, dass diese Atomuhr nicht den an sie gestellten Erwartungen gerecht wird. Atomuhren an Bord von Navigationssatelliten liefern die Grundlage für die generierten Navigationssignale. Genauigkeit und Stabilität der Zeitsignale beeinflussen direkt die mit den ausgestrahlten Navigationsdaten erzielbare Genauigkeit bei der Navigation. Auf Zeiträume von weniger als 1.000 Sekunden bezogen arbeitet die an Bord von GPS 2F-1 aktivierte Rubidiumatomuhr genauer als jede andere in einem GPS-Satelliten eingebaute Uhr. Betrachtet man längere Zeiträume, ist sie allerdings nicht genauer als der Durchschnitt der Rubidiumatomuhren auf den 2R-Satelliten.

Eine Analyse von L1- und L2-Signalen des Satelliten ergab ein periodisches Fluktuieren der Zeitsignale. Bestimmten Veränderungen wiederholen sich mit Perioden von sechs und zwölf Stunden. Worauf die Schwankungen zurückzuführen sind, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit der Dynamik im Thermalhaushalt des Satelliten.

Die Satelliten des neuen Typs 2F sind im Unterschied zu früheren Baureihen serienmäßig zusätzlich mit einer Navigationsnutzlast ausgestattet, die auch L5-Signale ausstrahlen kann. Nach Angaben der US-Luftwaffe haben Tests mit dem im All kreisenden GPS 2F-1 ergeben, dass die Qualität der ausgestrahlten L5-Signale allen Anforderungen genügt, teilte Boeing, der Hersteller des Satelliten, mit. Entsprechend eines vorgeplanten Ablaufs wird das L5-Signal laut Boeing zunächst fortgesetzt im Testbetrieb gesendet. Die Qualität des Signals soll noch weiter untersucht werden. Es wird möglicherweise ebenfalls von wechselnden Temperaturen im Satelliten beeinflusst, hatte GPS World am 20. Juli 2010 berichtet.

In den kommenden 12 bis 15 Jahren hätten die Satelliten vom Typ 2F das Rückgrat des US-amerikanischen Satellitennavigationssystems stellen können, wären wie ursprünglich vorgesehen 33 solche Satelliten gebaut worden. Der Start des nächsten Satelliten des neuen Typs, GPS 2F-2, war zwischenzeitlich einmal für November 2010 geplant. Die Atlas-V-Rakete mit der Seriennummer 023 wird ihn wahrscheinlich aber frühestens Anfang 2011 von Cape Canaveral in Florida aus in den Weltraum transportieren. Folgen werden nach aktuellem Planungsstand anschließend noch 10 weitere Typ-2F-Raumfahrzeuge.

GPS 2F-1 alias USA 213 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.585 und als Objekt 2010-022A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, GPS World, USAF)


» Chinesischer Komsat SinoSat 6 gestartet
04.09.2010 - Am 4. September 2010 wurde der chinesische Kommunikationssatellit SinoSat 6 gestartet. Der Start erfolgte auf einer Langer-Marsch-3B-Rakete vom Xichang-Satellitenstartzentrum (XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan um 18:14 Uhr MESZ.
Vor Ort war der 5. September 2010 bereits angebrochen, als die Langer Marsch 3B mit SinoSat 6 an Bord abhob. Das dreistufige Projektil brachte den Satelliten mit einer Startmasse von rund 5.000 kg in einen Geotransferorbit, in dem er 26 Minuten nach dem Start ausgesetzt wurde. SinoSat 6, ein auf dem Satellitenbus DFH-4 basierendes Raumfahrzeug, ist als Ersatz für den am 31. Mai 2007 auf einer Langer-Marsch-3A-Rakete ins All gebrachten, auf dem Bus DFH-3 aufgebauten SinoSat 3 alias Chinasat 5C gedacht. Ausgestattet ist SinoSat 6 mit 24 C-Band- und 8 Ku-Band-Transpondern. Zusätzlich ist ein S-Band-Transponder vorhanden. Von einer Position bei 125 Grad Ost im geostationären Orbit wird der Satellit China und Teile der Nachbarländer Chinas mit Signalen versorgen können (der Hersteller des Satelliten, die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASTC), nennt eine Position von 126,4 Grad Ost). Betreiben wird ihn die China Direct Broadcast Satellite Corporation (CHINA DBSAT), ein Zusammenschluss aus der Sino Satellite Communications Company (Sinosat) und der China Satellite Communications Corporation (China Satcom). 15 Jahre lang soll sich der Satellit mit den Alternativbezeichnungen Xinnuo 6, Chinasat 6A und ZX 6A einsetzen lassen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: China Daily, ChinaNews, China.org.cn, People’s Daily Online, Xinhua)


» Achtung Probe!
05.09.2010 - Das Bodenteam der MESSENGER-Mission hat zwei Wochen Flugtests ihrer Instrumente und Prozeduren abgeschlossen, um sich für die Orbitphase ab dem 18. März 2011 zu qualifizieren.
Bei diesen Tests war die Sonde selbst mit einbezogen worden und hat unter anderem die Lagekontrolle in einem "Quasi-On-Orbit"-Modus geflogen. Dazu wurden die Ephemeridendaten in MESSENGER (MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry and Ranging) selbst so modifiziert, dass die Sonde "dachte" sie wäre im Orbit um Merkur. Gleichzeitig war die Geometrie der Sonne-MESSENGER-Erde-Konstellation ähnlich der im März nächsten Jahres.

Auch die Kommunikation wurde modifiziert. Täglich gab es "direkte Kontakte" zum DSN, um für 13 Stunden die Übertragung von Daten und Kommandos zu simulieren sowie fünf Stunden, in denen die Sonde "wegschaute", um Beobachtungen zu simulieren und wissenschaftliche Untersuchungen mittels Funkwellen (Radio-Science) durchzuführen.

In der Orbitphase wird es etwa einmal pro Woche Korrekturmanöver geben, um Drehimpuls aus der Reaktionsrädern zu entladen. Auch dieses Verhalten wurde dreimal in den beiden Wochen "simuliert".

MESSENGER startete am 8. April 2004, führte mehrere Swingby-Manöver an Erde und Venus durch und näherte sich dem Zielplaneten Merkur erstmals am 14. Januar 2008. Durch weitere Flybys wurde die Geschwindigkeit reduziert, so dass man im Frühjahr 2011 unter Einsatz eines Bremstriebwerkes in einen Orbit um den sonnennächsten Planeten Merkur einschwenken kann.

Die Raumsonde trägt sieben wissenschaftliche Instrumente zur Untersuchung des Planeten und dessen Umfelds. Diese sind eine kombinierte Weitwinkel- und Teleobjektivkamera für Licht und nahes Infrarot (Mercury Dual Imaging System), ein Gammastrahlungs- und Neutronenspektrometer (Gamma-Ray and Neutron Spectrometer), ein Magnetometer, ein Laser-Höhenmesser (Mercury Laser Altimeter), ein Atmosphären- und Oberflächenspektrometer (Mercury Atmospheric and Surface Composition Spectrometer) zur Bestimmung der Zusammensetzung von Oberfläche und Atmosphäre, ein Partikel- und Plasmaspektrometer (Energetic Particle and Plasma Spectrometer), ein Röntgenspektrometer (X-Ray Spectrometer) sowie ein Radio-Science-Experiment.

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(Autor: Daniel Schiller - Quelle: Johns Hopkins University/Applied Physics Laboratory, Wikipedia)


» Chang’e 2 soll schneller zum Mond
05.09.2010 - Dies teilte ein führender chinesischer Weltraumwissenschaftler der Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag mit.
Mit Chang’e 1 sammelten die chinesischen Wissenschaftler und Techniker 2007 bis 2009 ihre ersten Erfahrungen über Mondflüge. Deshalb hatte man eine treibstoffsparende und fehlertolerante Anflugvariante gewählt. Das Raumfahrzeug umlief zunächst die Erde. Danach wurde die Bahn durch mehrere Antriebsphasen zur extremen Ellipse aufgebogen, bis man so in Mondnähe kam. Hier wurde abgebremst und zunächst in eine stark elliptische Mondbahn eingeschwenkt. Durch weitere Bahnmanöver erreichte man schließlich die gewünschte kreisähnliche Bahn.

Chang’e 2 soll Ende 2010 starten und einen direkten Weg zum Mond wählen. Dadurch verkürzt man die Flugzeit von fast 14 auf 5 Tage, allerdings mit größerem Treibstoffeinsatz. Dies gab der Chefwissenschaftler des chinesischen Mondforschungsprojektes, Ouyang Ziyuan, gegenüber Xinhua an.

Die zweite chinesische Mondsonde wird mit verbesserten Geräten ausgerüstet sein und eine um 100 Kilometer niedrigere Bahn um den Erdtrabanten einnehmen. Dadurch erwartet man detailiertere Forschungsergebnisse.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua)


» ExoMars´ Antriebssystem im Test
23.08.2010 - Im ESA-Pavillon der ILA 2010 in Berlin zeigten Ingenieure des DLR Oberpfaffenhofen live Fahrtests des geplanten großen europäischen Marsrovers ExoMars. Raumfahrer.net ließ sich das System ausführlich erklären.
Der Rover ist Teil einer für 2018 geplanten europäisch-amerikanischen Gemeinschaftsmission und soll sich vorwiegend exobiologischen Fragestellungen widmen, darunter vor allem: Gab es einst und gibt es vielleicht sogar jetzt noch Leben auf dem Mars? Dazu wird er erstmals ein Bohrwerkzeug einsetzen, mit dem er Bodenproben aus bis zu zwei Metern Tiefe beschaffen kann.

Bis es soweit ist, gilt es aber zunächst, das Grundsystem auf die Räder zu stellen und sicher zu beherrschen. Dazu ist derzeit am Standort Oberpfaffenhofen des DLR ein Testrover im Einsatz, dessen Fahrwerk und wichtige dynamische Eigenschaften bereits weitgehend dem Rover entsprechen, der 2017 zum Mars starten soll. In einem Prüfstand zur flexiblen Nachbildung der Marsoberfläche fährt er rechnergesteuert Trajektorien ab und erprobt alle möglichen Fahr- und Einsatzmodi, die den Ingenieuren in Antizipation der kommenden technischen und wissenschaftlichen Aufgaben so einfallen. Dieser Prüfstand war Bestandteil des ESA-Pavillons bei der ILA 2010 und wir hatten Gelegenheit, uns ausführlich über das System und seine derzeitigen Tests zu informieren.

Der grundsätzliche Aufbau des Rovers ist natürlich ähnlich wie bei den erfolgreichen Vorbildern, den Marsrovern der NASA, Spirit und Opportunity. Auch von der Größe und Masse her spielt er etwa in derselben Gewichtsklasse. In einigen Dingen wird ExoMars aber diesen Rovern und auch dem kommenden, wesentlich größeren NASA-Rover Curiosity überlegen sein. Dazu zählen vor allem der Aufbau der Räder und die Wendigkeit des Rovers.

Mehr dazu können Sie in unserem umfassenden Bericht nachlesen.


(Autor: Axel Orth - Quelle: DLR, eigene Recherchen)


» China startet Erdbeobachtungssatelliten Tian Hui 1
25.08.2010 - Am 24. August 2010 startete vom Startgelände Jiuquan aus eine Rakete, um den neuen chinesischen Erdbeobachtungssatelliten Tian Hui 1 in den Weltraum zu bringen.
Der Start erfolgte um 9:10 Uhr MESZ vom Jiuquan Satellite Launch Center im Nordwesten Cinas, abgekürzt als JSLC bezeichnet. Die Rakete hob um 15:10 Uhr Ortszeit ab. Transportiert wurde der Satellit von einem zweistufigen Projektil des Typs Langer Marsch 2D (Chang Zheng-2D, CZ-2D). Es flog die 128. Weltraummission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch. Das von ihm ins All gebrachte Raumfahrzeug erreichte den vorgesehenen Orbit. Es wurde von Dong Feng Hong, einem Unternehmen der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC), gebaut.

Tian Hui 1 besitzt zwei Kamerasysteme. Eines der beiden ist mit CCD-Sensoren ausgestattet und kann Bilder im Spektralbereich zwischen 0,51 und 0,69 Mikrometern mit einer Bodenauflösung von rund 5 Metern in 3 D und einem Sichtfeld von rund 25 Grad erfassen. Das andere erreicht eine Bodenauflösung von rund 10 Metern und arbeitet in den vier Wellenlängenbereichen zwischen 0,43 und 0,52 Mikrometern, zwischen 0,52 und 0,61 Mikrometern, zwischen 0,61 und 0,69 Mikrometern sowie zwischen 0,76 und 0,90 Mikrometern. Aus dem Arbeitsorbit des Satelliten in rund 500 Kilometern Höhe über der Erde können die Kamerasysteme rund 60 Kilometer breite Streifen abtasten.

Nach Angaben des chinesischen Verteidigungsministeriums dient der neue Satellit im Wesentlichen wissenschaftlichen Experimenten. Außerdem soll er zur Beobachtung von Bodenressourcen und für Kartierungsaufgaben verwendet werden. Eine militärische Verwendung des Satelliten mit der Fähigkeit zur Anfertigung stereoskopischer Aufnahmen und einer Analyse der Erdoberfläche in unterschiedlichen Spektralbereichen ist nicht auszuschließen.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chinesisches Verteidigungsministerium, NSF, Xinhua)


» HD 10180: Ein außergewöhnliches Planetensystem
25.08.2010 - Im Rahmen eines langjährigen Suchprogramms nach Exoplaneten haben Astronomen nun ein besonders interessantes Planetensystem um den 127 Lichtjahre entfernten gelben Zwergstern HD 10180 entdeckt. Dort umlaufen mindestens fünf, eventuell sogar sieben, relativ leichte Exoplaneten ihren Stern. Die Entdeckung könnte eine neue Phase in der Exoplanetenforschung einleiten.
Seit der erste Exoplanet um einen anderen Stern vor rund 15 Jahren nachgewiesen wurde, dominierte die Entdeckung von einzelnen, ihren Stern eng umlaufenden Gasriesen die Exoplanetenforschung. Bis heute sind zwar einige Dutzend Planetensysteme mit mindestens zwei Exoplaneten bekannt. Unser Sonnensystem blieb mit seinen acht Planeten von Merkur bis Neptun allerdings das mit Abstand planetenreichste bekannte System. Obwohl klar ist, dass die bisher zur Verfügung stehenden Entdeckungsmethoden große, massereiche und eng umlaufende Gasplaneten favorisieren, ist es eine nach wie vor offene Frage, wie häufig Planetensysteme, die dem unseren ähnlich sind, in unserer Galaxie vorkommen.

Die Entdeckung des planetenreichen Systems um HD 10180 beantwortet diese Frage zwar nicht. Sie wirft aber ein Schlaglicht auf die Diversität planetarer Systeme im Universum und zeigt zugleich die technologische und methodische Weiterentwicklung der Exoplanetenforschung an. Außergewöhnlich ist HD 10180 nicht nur durch die Anzahl massearmer, neptunähnlicher Planeten in einem recht engen Bereich, der bei uns dem inneren Sonnensystem entsprechen würde - alle fünf bestätigten Planeten befinden sich in einem Abstand von 0,06 bis 1,4 AE (Astronomische Einheiten). Darüber hinaus fällt das System auch aufgrund der Abwesenheit großer Planeten der Jupiterklasse aus der Reihe. Zumindest bis zu einem mittleren Abstand von 10 AE konnte die Anwesenheit solcher Gasriesen ausgeschlossen werden. Einen besonderen Reiz erhält das System schließlich durch die mögliche, d. h. noch unbestätigte Existenz eines Planeten mit nur 1,4 Erdmassen. HD 10180 b wäre damit der masseärmste bekannte Planet außerhalb unseres Sonnensystems.

“Dieser bemerkenswerte Fund macht deutlich, dass wir inzwischen in einer neuen Ära der Exoplanetenforschung angekommen sind", so Christophe Lovis vom Observatorium Genf. Es ginge nicht mehr nur darum, einzelne Planeten zu entdecken, sondern ganze Planetensysteme, deren Untersuchung viel komplizierter sei, merkt Lovis an. Lovis ist Teil des Teams aus Astronomen, die am 3,6-m-Teleskop der ESO auf La Silla in Chile den HARPS-Spektrographen betreiben. HARPS steht für High Accuracy Radial velocity Planetary Search und gehört zu den weltweit führenden Exoplanetenforschungsprojekten. Mit Hilfe des HARPS-Spektrographen können Änderungen in der Radialgeschwindigkeit eines Sterns sehr präzise vermessen werden. Zieht ein Planet während seines Umlaufs einen Stern in unsere Richtung oder von uns weg, ändert sich die Radialgeschwindigkeit. Aus der genauen Analyse dieser Variationen können Astronomen auf die Mindestmasse des Planeten und dessen Abstand vom Zentralstern schließen. Dies wird um so schwieriger, je komplexer das zu untersuchende System ist, da sich die vielen Radialgeschwindigkeitskurven überlagern und die Planeten sich zudem gegenseitig gravitativ beeinflussen, was bei der Berechnung des Systems berücksichtigt werden muss. Dies macht deutlich, dass der Nachweis dieses Multiplanetensystems auch in methodischer Hinsicht eine besondere Leistung darstellt.

Weitere Beobachtungen werden zeigen müssen, ob der erwähnte innerste Planet, HD 10180 b, mit seiner extrem kurzen Umlaufperiode von etwa 28 Stunden tatsächlich existiert. Bei einer Mindestmasse von nur 1,4 Erdmassen handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen felsigen Planeten, der ähnlich wie der Erdmond gebunden rotiert und so seiner Sonne stets eine Seite zuwendet. Die Oberflächentemperaturen auf der Tagseite dürften im vierstelligen Celsiusbereich liegen. HD 10180 b würde damit zur ungewöhnlichen Klasse der extrem heißen und felsigen Planeten gehören, deren erste Vertreter erst in den letzten Jahren unter anderem durch das Weltraumteleskop CoRoT gefunden wurden. Ebenfalls unklar bleibt zum jetzigen Zeitpunkt, ob der äußerste Planet, HD 10180 h, mit 0,2 Jupitermassen ein kleiner Saturn, in der Tat existiert. Das HARPS-Team hat zwar Hinweise auf die Anwesenheit dieses Körpers, der den Stern in 6 Jahren bei 3,4 AE umrundet, betont aber gleichzeitig die noch großen Unsicherheiten bei dieser Annahme.

Durch die fünf recht sicheren Planeten mit Massen von 12 bis 25 Erdmassen befindet sich relativ viel Material nah an dem Stern, was einerseits Fragen an Modelle der Planetenentstehung und -migration aufwirft, andererseits aber auch ein Hinweis darauf sein könnte, dass neptun- und erdähnliche Planeten im Nahbereich bis zu 0,5 AE um sonnenähnliche Sterne tatsächlich häufig vorkommen, wie vorläufige, noch unveröffentlichte Erkenntnisse des HARPS-Projekts anzeigen.

Die nächste Generation von Spektrographen wird in dieser Hinsicht in neue Dimensionen vorstoßen und weltraumgestützte Planetensucher, wie das Kepler Space Telescope der NASA, ergänzen. ESPRESSO ist der Name eines Hochpräzisionsspektrographen, der ab dem Jahr 2014 den HARPS-Spektrographen als führendes Planetensuchinstrument ablösen wird. ESPRESSO soll am VLT (Very Large Telescope) der ESO am Cerro Paranal in Chile installiert werden und noch einmal um mindestens den Faktor 10 genauer sein als HARPS. Instrumente wie ESPRESSO werden die wahre Vielfalt an möglichen Ergebnissen planetarer Entstehungsprozesse deutlich machen und darüber hinaus im Gegensatz zu Kepler auch in unserer Nachbarschaft nach erdähnlichen Planeten in der gemäßigten, habitablen Zone suchen können.

Raumcon-Forum:

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Originalveröffentlichung (pdf):

The HARPS search for southern extra-solar planets. XXVII. Up to seven planets orbiting HD 10180: probing the architecture of low-mass planetary systems
(Autor: Timo Lange - Quelle: ESO)


» Orion-Testphase 2 beginnt
28.08.2010 - Trotz der Ungewissheit um die Zukunft der bemannten Raumfahrt der USA in den nächsten Jahren werden geschlossene Vertäge erfüllt. So gehen auch die Arbeiten am Orion-Raumschiff der NASA weiter.
Und zwar mit Druckbelastungstests. Dazu wurde eine Orion-Bodentesteinheit (Ground Test Article = GTA) vom Hersteller Lockheed Martin zur Michoud Montageeinrichtung in New Orleans (Michoud Assembly Facility) transportiert. Die nun zu absolvierenden Tests mit Drücken bis zu 150 kPa stellen den Höhepunkt des Testprogramms dar und können noch einmal zu deutlichen Veränderungen in der Gesamtstruktur der Kommando- und Landekapsel führen.

In den nächsten Wochen wird die noch unfertige Kapsel wachsenden Drücken ausgesetzt und dabei sowohl die Dichtheit als auch eventuelle Verformungen mit Hilfe hunderter Sensoren genau gemessen. Dies stellt die zweite Phase des Testprogramms nach etwa vierjähriger Planungs- und Entwicklungszeit dar. Zuvor waren im Juni bereits die Sicherheitsbewertungen abgeschlossen worden. Im Herbst sollen dann nach Komplettierung der Kapsel mit Instrumenten, Hitzeschild, Triebwerken, Batterien, Fallschirmen und weiteren Ausrüstungen Akkustik- und Vibrationstests folgen.

Angesichts der bereits so weit fortgeschrittenen Arbeiten kann man verstehen, dass eine komplette Einstellung aller Komponenten des Constellation-Programms absurd wirkt. Gegenwärtig haben Senat, Repräsentantenhaus und Präsident der USA jedoch noch verschiedene Vorstellungen von der Zukunft der bemannten Raumfahrt. So wird Orion derzeit als Rettungskapsel für die Internationale Raumstation geplant, allerdings mit der Option, das System zu einem Raumschiff für Flüge zum Mond sowie aus dem Anziehungsbereich der Erde hinaus weiterzuentwickeln. Mögliche Ziele sind erdnahe Asteroiden, die Marsmonde und letztlich der Rote Planet selbst.

Für erdnahe Bahnen dagegen will man nationale private Raumfahrtunternehmen nicht nur als Hersteller oder Lieferanten sondern als Anbieter gewinnen. Hier gibt es allerdings in der Politik ebenfalls weit auseinandergehende Meinungen bezüglich einer staatlichen Förderung. Die Vorstellungen schwanken zwischen beinahe Null und knapp 6 Milliarden US-Dollar in den nächsten 5 Jahren. Wird hingegen Orion noch als vollwertiges Raumschiff für erdnahe Orbits modifiziert, dann wird sich die Entwicklung derartiger Raumschiffe durch weitere Privatunternehmen mangels sicherer Kunden möglicherweise nicht bezahlt machen.

Mitte August wurde übrigens vertragsgemäß die mobile Startplattform für die mittlerweile gestrichene Trägerrakete Ares I fertiggestellt und in einer speziellen Zeremonie übergeben. Die Bauzeit der von Hensel Phelps Construction Company hergestellten Plattform mit Zugangsmast lag bei etwa 2 Jahren. Nun sollen noch Bodenversorgungseinrichtungen montiert werden. Insgesamt hat der Vertrag ein finanzielles Volumen von gut einer viertel Milliarde US-Dollar.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: OnOrbit.com, Raumcon, NASA)


» AEHF 1 im GTO gestrandet
28.08.2010 - Der am 14. August 2010 in den Weltraum transportierte US-amerikanische militärische Kommunikationssatellit AEHF 1 kann wegen Schwierigkeiten mit seinem Apogäumsmotor nicht wie geplant in den geostationären Orbit gesteuert werden.
Unter Bezugnahme auf Informationen der US-Luftwaffe, die AEHF 1 betreibt, berichtet AviationWeek.com am 27. August 2010, nach dem Start des Satelliten sei ein Problem mit dem Apogäumsmotor des Raumfahrzeuges aufgetreten. Solch ein Motor wird von vielen Satelliten, die an einer Position im geostationären Orbit eingesetzt werden sollen, verwendet, um von einem Geotransferorbit, in dem sie sich nach dem Aussetzen von der Trägerrakete befinden, in den geostationären Orbit zu kommen. Im Falle von AEHF 1 hätte ein mit flüssigen Treibstoffen arbeitender, von AMPAC gebauter Apogäumsmotor in Zusammenarbeit mit einem elektrischen Triebwerkssystem für das Erreichen einer annähernd kreisförmigen Bahn in rund 35.786 Kilometern über der Erde sorgen sollen. Das chemische Triebwerk, ein Hydrazin mit NTO verbrennender Motor vom Typ LEROS-1C, hat jedoch nicht so funktioniert wie geplant. Bei AviationWeek.com heißt es einerseits, das Triebwerk habe nach Angaben von Offiziellen des AEHF-Programms nicht gestartet werden können, andererseits, es habe laut General Robert Kehler eine unbefriedigende Zündung oder Brennphase ("bad burn") des Aggregates gegeben.

Nach Angaben von AviationWeek.com ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar, ob es der US-amerikanischen Luftwaffe gelingt, den Apogäumsmotor des von Lockheed Martin gebauten Satelliten in einen funktionstüchtigen Zustand zu bekommen, oder ob man auf eines oder beide Triebwerkssysteme zur Lageregelung und Positionskorrektur des Satelliten zurückgreifen wird, um den Satelliten mit einer alternativen Manöverfolge in den geostationären Orbit zu bringen. AEHF 1 ist mit elektrischen und chemischen Triebwerken für Lageregelung und Positionskorrektur ausgerüstet. Bei den elektrischen Triebwerken handelt es sich um sogenannte Hall-Effect-Thruster mit der Bezeichnung BPT-4000 und einer Leistung von 4,5 Kilowatt, das chemische System verwendet Motore, in welchen Hydrazin katalytisch zersetzt wird. Die Hall-Effect-Thruster und die chemischen Einstofftriebwerke lieferte Aerojet. Würden die Systeme zum Anheben der Bahn von AEHF 1 intensiv genutzt, wird dies aufgrund des eigentlich nicht geplanten Treibstoffverbrauchs die mögliche Betriebsdauer des Satelliten an seiner endgültigen Position reduzieren.

Zur Zeit werde noch untersucht, auf welche Weise AEHF 1 in den geostationären Orbit gebracht werden könnte, meldet AviationWeek.com unter Bezug auf Oberst Dave Madden, Direktor der Kommunikationssatellitenprogramme der US-Luftwaffe. Nach dessen Angaben befinde sich der Satellit in einem sicheren Zustand, und alle seine Untersystem seinen stabil.

AEHF 1 alias USA-214 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36868 bzw. als COSPAR-Objekt 2010-039A.

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Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Aerojet, AviationWeek, Lockheed Martin, USAF)


» Kurzer Sternzyklus dank Asteroseismologie entdeckt
28.08.2010 - Dem französisch-europäische Weltraumteleskop CoRoT ist es zum ersten Mal gelungen, den Zyklus eines fremden Sterns mit Mitteln der Asteroseismologie zu bestimmen.
Beobachtet wurde der etwa 100 Lichtjahre entfernte Stern HD 49.933. "Der Stern läutet wie eine Glocke", sagt Travis Metcalfe vom National Atmospheric Research Center in Boulder, Colorado (USA). "Wenn der Stern seinen Sternenflecken-Zyklus durchläuft, ändern sich die Töne und die Lautstärke des Läutens in einem sehr spezifischen Muster, mit höheren Tönen und geringer Lautstärke an der Spitze des magnetischen Zyklus."

CoRoTs Beobachtungen zeigen, dass der magnetische Zyklus dieses Sterns nur rund 240 Tage dauert. Solch kurze Zyklen waren bisher nicht bekannt. Erkenntnisse über die magnetischen Zyklen anderer Sterne helfen uns dabei, den Zyklus unserer Sonne besser einzuordnen und zu verstehen. Darüber hinaus sind solche Daten wichtig, um die Bewohnbarkeit von Exoplaneten zu bestimmen, die u. a. auch von den magnetischen Eigenschaften der Muttersterne abhängt.

CoRoT hatte bereits vor 2 Jahren bei der Beobachtung von drei Sternen wissenschaftliches Neuland betreten und das Forschungsfeld ’Stellare Seismologie’ überhaupt erst richtig ermöglicht.

Das Weltraumteleskop ist vor allem für seine Mission bekannt, Exoplaneten mit Hilfe der Transitmethode zu entdecken. Dabei nimmt CoRoT photometrische Messungen vor - Helligkeitsschwankungen des Sternenlichts können so bestimmt werden. Solche Helligkeitsschwankungen können durch einen vor dem Stern vorbeiziehenden Exoplaneten auftreten, aber auch durch Schallwellen im Stern selbst. Misst man diese Schwankungen sehr genau, kann man Rückschlüsse auf die innere Struktur der Sterne ziehen, ähnlich wie dies Seismologen mit durch Erdbeben ausgelöste seismische Wellen auf unserem Heimatplaneten machen.

CoRoT hat zum ersten Mal in der Geschichte der Astronomie solche ’Stellarbeben’ bei den sonnenähnlichen Sternen HD 49.933, HD 181.420 und HD 181.906 direkt beobachten können. Derartige Beobachtungen ermöglichen perspektivisch eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen über Struktur, Energietransportmechanismen, Masse, Alter und chemische Zusammensetzung von Sternen und damit letztlich auch ein besseres Verständnis unserer eigenen Sonne.


(Autor: Timo Lange - Quelle: ESA, Sciencemag.org, AstronomyNow)


» Ariane-5-Mission V197 auf Oktober verschoben
29.08.2010 - Weil einer der Satelliten, der bei der Mission V197 in den Weltraum transportiert werden soll, nicht rechtzeitig nach Kourou in Französisch-Guayana gebracht werden kann, wurde V197 von September 2010 auf Oktober 2010 verschoben.
Eine Ariane 5 ECA soll die beiden Kommunikationssatelliten BSAT 3b für den japanischen Fernsehsatellitenbetreiber B-SAT und Eutelsat W3B für den europäischen Betreiber von Kommunikationssatelliten Eutelsat ins All bringen. Der Start der Rakete war ursprünglich für den 15. September 2010 vorgesehen. Die Vorbereitungen des Trägers verliefen planmäßig, Arianespace berichtete am 4. August 2010, dass auf die Zentralstufe der Rakete wie vorsehen die Kombination aus Oberstufe und Gerätesektion aufgesetzt worden ist. Die Integration der Nutzlasten wird jedoch noch etwas auf sich warten lassen. Eutelsat W3B befindet sich noch bei seinem Hersteller Thales Alenia Space im französischen Cannes und durchläuft letzte Tests. Das auf dem Spacebus 4000C3 basierende Raumfahrzeug, das ursprünglich zum Start auf einer chinesischen Langer-Marsch-Rakete vorgesehen war, soll nach derzeitigem Planungsstand im September 2010 nach Kourou gebracht werden. Als Startdatum wird aktuell ein Termin in der zweiten Oktoberhälfte 2010 anvisiert.

Nicht bekannt wurde, ob eine zu knappe Zeitplanung für die verspätete Lieferung von Eutelsat W3B nach Kourou ursächlich ist. Für den Start auf einer chinesischen Rakete sollte W3B so ausgelegt werden, dass er keine die ITAR-Regeln verletzende Technik enthält. ITAR steht für International Traffic in Arms Regulation, was übersetzt schlicht "Regeln für den internationalen Verkehr mit Waffen" heißt, Eutelsat war für die Entscheidung, auf einen chinesischen Träger zurückzugreifen, teilweise heftig kritisiert worden. Am 18. Februar 2010 gab Eutelsat bekannt, dass die Startgelegenheiten von W3B und W3C getauscht werden. W3B sollte statt W3C im August oder September 2010 an Bord einer Ariane 5 fliegen. Nach im April 2009 entstandenen Erdbebenschäden in einem Werk von Thales Alenia Space im italienischen L’Aquila schienen Verzögerungen bei der Fertigstellung von W3B möglich, weswegen entschieden wurde, beim Bau gegebenenfalls auch auf Komponenten zurückzugreifen, die den ITAR-Bestimmungen unterliegen.

Eutelsat benötigt W3B dringend im All, da er der Ersatz für den ehemals bei 16 Grad Ost im Geostationären Orbit positionierten W2 ist, welcher seine Auslegungsbetriebsdauer im All überschritten hatte und nach einem Ende Januar 2010 aufgetretenen Ausfall in einen Friedhofsorbit gesteuert worden ist. Erschwerend kommt für Eutelsat hinzu, dass der seit dem 20. Dezember 2008 um die Erde kreisende, ebenfalls zur Stationierung bei 16 Grad Ost im geostationären Orbit vorgesehene Satellit W2M wegen technischer Probleme nicht vollumfänglich einsetzbar ist. Nach dem Start von Eutelsat W3B wird man diesen daher möglichst schnell bei 16 Grad Ost in Betrieb nehmen, und den Interimseinsatz der dort zur Zeit in Kolokation aktiven Eutelsat-Trabanten Eurobird 16, SESAT 1 und W2M beenden.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, ESA, Eutelsat, Thales Alenia Space)


» Stationierung von AEHF 1 wird gelingen
31.08.2010 - Am 30. August 2010 meldete Florida Today, dass die US-Luftwaffe hinsichtlich einer erfolgreichen Stationierung ihres mit einem nicht richtig funktionierenden Triebwerk auf einer Transferbahn gestrandeten Kommunikationssatelliten AEHF 1 im geostationären Orbit sehr zuversichtlich sei.
AEHF 1 war am 14. August 2010 auf einer Atlas-V-Rakete in den Weltraum transportiert worden. Ein Triebwerk an Bord des Satelliten, das für die Anhebung seiner Bahn hätte benutzt werden sollen, ließ sich in der Folge jedoch nicht wie geplant verwenden. Drei Brennphasen hätte es absolvieren sollen.

Sechs chemische Lageregelungstriebwerke an Bord des Trabanten sollen zwischenzeitlich benutzt worden sein, um seine Bahn etwas anzuheben, berichete Florida Today. So werde die Gefahr von Kollisionen mit Weltraumschrott reduziert und der Satellit nicht so stark der Reibung der bremsenden Restatmosphäre auszusetzt.

Anschließend werde man den Satelliten unter Einsatz seiner elektrischen und chemischen Triebwerke für Lageregelung und Positionskorrektur in den geostationären Orbit steuern. Oberst Dave Madden, Direktor der Kommunikationssatellitenprogramme der US-Luftwaffe, sei sich sicher, dass dies gelingt. Statt drei soll es nun zehn oder elf Monate dauern, bis AEHF 1 im geostationären Orbit angekommen ist. Dort stünde dann eine drei- bis viermonatige Testphase an.

Am 15. August 2010 sei die erste Brennphase des Apogäumsmotors kurz nach dessen Zündung abgebrochen worden, als dieser den Satelliten nicht wie vorgesehen beschleunigte. Ein zweiter Versuch am 17. August 2010 habe zu dem gleichen Ergebnis geführt. Deshalb halte man den Apogäumsmotor des Raumfahrzeugs für unbrauchbar, derzeit plane man keine weiteren Versuche, ihn einzusetzen.

AEHF 1 alias USA 214 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.868 bzw. als COSPAR-Objekt 2010-039A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Florida Today)


» Booster DM-2 erfolgreich getestet
31.08.2010 - Am Dienstag, dem 31. August 2010, testeten die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA und der Hersteller des Feststoffmotors ATK zum zweiten Mal einen Fünfsegmentbooster, wie er zur Verwendung in der Ares-I-Rakete des Constellation-Programms vorgesehen war.
Für den Brennversuch im Teststand T-97 (Large Motor Static Firing Test Facility, Einrichtung für statische Brenntests großer Motore) auf dem Testgelände des Motorherstellers ATK in Promontory nördlich von Salt Lake City war der Fünfsegmentbooster in waagerechter Lage eingebaut. Der DM-2 genannte Feststoffbooster (DM steht für "Development Motor" oder auch "Demonstration Motor") wurde am 31. August 2010 gegen 17:27 Uhr MESZ gezündet und brannte dann rund zwei Minuten. Daten zum erzielten Schub, zum Verhalten der Schubvektorsteuerung, zum erzeugten Lärm und entstehenden Vibrationen wurden aufgezeichnet. Mehr als 760 Sensoren erfassten die gewünschten Informationen zu 53 verschiedenen Testthemen. Noch nie zuvor war ein Booster diese Formats mit derartig viel Messtechnik ausgerüstet in einem Test betrieben worden.

Während des statischen Brennversuchs des zur Simulation von Startbedingungen bei kühlem Wetter vorher auf rund 4,5 Grad Celsius heruntergekühlten Motors sollte ein Schub von umgerechnet mehr als 16.000 Kilonewton erzeugt werden. Eine vorläufige Bewertung der beim Test gewonnenen Daten geht davon aus, dass sich der Fünfsegmentbooster im Test hervorragend verhalten hat, wurde in der Pressekonferenz nach dem Test mitgeteilt. Die in dem Booster verwendeten Segmentgehäuse waren zuvor bei zusammen 59 Missionen des Shuttle-Programms zum Einsatz gekommen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, NASA-TV)


» Instrumente für Chandrayaan 2 festgelegt
31.08.2010 - Die indische Raumfahrtorganisation ISRO gab am 30. August 2010 die endgültige Instrumentenausstattung ihrer Mondsonde Chandrayaan 2 bekannt.
Chandrayaan 2, die zweite indische Mondsonde, soll voraussichtlich im Jahre 2013 Richtung Mond auf den Weg gebracht werden. Das Raumfahrzeug setzt sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen: einem Orbiter, der den Mond nach der Ankunft dort einen gewissen Zeitraum umkreisen soll, einem Lander, um mobile wissenschaftliche Nutzlast sicher zur Mondoberfläche zu bringen, und einem Rover, der Forschungsfahrten auf der Mondoberfläche unternehmen soll.

Eine GSLV-Rakete (GSLV steht für Geosynchronous Satellite Launch Vehicle) soll Chandrayaan 2 ins All bringen. Orbiter und Rover sind laut ISRO genau wie die Trägerrakete indische Erzeugnisse, beim Lander verlässt sich die ISRO gemäß aktuellem Planungsstand auf die Erfahrungen russischer Entwickler. Die Gesamtstartmasse von Chandrayaan 2 beziffert die ISRO mit rund 2.650 Kilogramm, wovon etwa 1.400 Kilogramm auf den Orbiter und 1.250 Kilogramm auf Lander und Rover entfallen.

Der Orbiter der Chandrayaan-2-Mission wird sechs wissenschaftliche Experimente tragen. Ein CLASS für Large Area Soft X-ray Spectrometer genanntes Röntgenspektrometer ist zur Kartierung der auf der Mondoberfläche hauptsächlich vorkommenden chemischen Elemente gedacht. Das Spektrometer ist eine Entwicklung des ISRO Satellite Centre (ISAC) aus Bangalore. Vom Labor für physikalische Forschung Ahmedabad (Physical Research Laboratory, PRL) wird der als XSM abgekürzte Solar X-ray Monitor beigesteuert. Das Zentrum für Weltraumapplikationen (Space Applications Centre, SAC) Ahmedabad stellt eine im L- und im S-Band-Bereich arbeitende Radaranlage mit synthetischer Apertur (SAR) bereit, das die obersten 10 Zentimeter des Mondbodens auf bestimmte Substanzen, wie z.B. Wassereis hin untersuchen soll. Beim als IIRS für Imaging IR Spectrometer bezeichneten Gerät handelt es sich um ein abbildendes Infrarotspektrometer. Das System vom SAC soll eingesetzt werden, um die Mondoberfläche in einem breiten Wellenlängenbereich abzutasten, wovon man sich Erkenntnisse über den Gehalt an Mineralien, Wassermolekülen und Hydroxyl-Radikalen verspricht. Detaillierten Untersuchungen der Exosphäre des Mondes wird das ChACE2 genannte Spektrometer dienen. Es kommt vom Labor für Weltraumphysik (Space Physics Laboratory, SPL) aus Thiruvananthapuram. Die mit TMC2 für Terrain Mapping Camera 2 abgekürzte Kamera vom SAC schließlich soll Bilder für eine dreidimensionale Karte erfassen, um Mondmineralogie und -Geologie zu unterstützen.

An Bord des Rovers sollen zwei wissenschaftliche Geräte Erkenntnisse über die chemische Zusammensetzung der Mondoberfläche in der Umgebung des Landeorts liefern. Das LIBS für Laser Induced Breakdown Spectroscope genannte Spektroskop vom Labor für elektrooptische Systeme (Laboratory for Electro Optic Systems, LEOS) in Bangalore und das als APIXS für Alpha Particle Induced X ray Spectroscope bezeichnete Röntgenspektroskop vom PRL können einander ergänzen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ISRO)



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Mars Aktuell: Orcus Patera im Fokus von Mars Express von Redaktion



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» Orcus Patera im Fokus von Mars Express
01.09.2010 - Ende der letzten Woche veröffentlichte Aufnahmen der von der ESA betriebenen Raumsonde Mars Express zeigen eine rätselhafte Struktur auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten. Die Entstehung dieser als Orcus Patera bezeichneten Struktur kann auch über 30 Jahre nach deren Entdeckung durch die Viking-Orbiter der NASA noch nicht erklärt werden.
Den Begriff "Patera" verwenden Geologen für komplexe oder irregulär geformte Krater und Bodenstrukturen mit einem geringen topographischen Relief. Eine solche Formation auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zeigen die Ende der letzten Woche veröffentlichten Aufnahmen der von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Marssonde Mars Express. Orcus Patera, so der Name der abgebildeten Struktur, befindet sich ungefähr auf halbem Weg zwischen dem im Osten gelegenen Vulkan Olympus Mons und dem im Westen befindlichen Vulkan Elysium Mons bei ungefähr 14 Grad nördlicher Breite und 177 Grad östlicher Länge.

Hierbei handelt es sich um eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende, ellipsenförmige Vertiefung in der Marsoberfläche mit einer Ausdehnung von etwa 380 Kilometern Länge und durchschnittlich 140 Kilometern Breite. Die Ränder dieser sogenannten Depression erheben sich bis zu 1.800 Meter über das nördliche Tiefland des Mars. Der Boden von Orcus Patera liegt dagegen zwischen 400 und 600 Meter unterhalb der Umgebung.

Die Aufnahmen, die den hier kurz vorgestellten Bildern zugrunde liegen, wurden von der an Bord von Mars Express befindlichen High Resolution Stereo Camera (HRSC) am 5. beziehungsweise 11. Oktober 2005 aus einer Höhe von jeweils rund 600 Kilometern aufgenommen. Während dieser Orbits mit den Nummern 2.216 und 2.238 konnte Orcus Patera durch die HRSC-Kamera mit einer Auflösung von bis zu etwa 30 Metern pro Pixel abgebildet werden.

Die meisten der auf dem Mars entdeckten Paterae, wie zum Beispiel Hadriaca Patera und Tyrrhena Patera am nordöstlichen Rande des markanten Hellas-Impaktbeckens auf der Südhemisphäre des Mars, wurden einst, so die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen, durch Vulkanismus gebildet. Die Entstehung von Orcus Patera ist dagegen auch mehr als 30 Jahre nach ihrer Entdeckung durch die amerikanischen Viking-Sonden noch nicht endgültig erklärt.

Eine der gängigen Theorien geht davon aus, dass es sich bei Orcus Patera um die Caldera eines Marsvulkans handeln könnte, was unter anderem auch durch die relative Nähe zu den beiden größten Vulkanregionen unseres äußeren Nachbarplaneten, der Tharsis- und der Elysium-Vulkanregion, begründet wird. Eine andere Theorie sieht die Entstehung von Orcus Patera in einem oder mehreren Impakten von Asteroiden oder Kometen begründet. Demzufolge handelt es sich hier um einen großen und im Laufe der Zeit stark deformierten Impaktkrater, welcher ursprünglich einmal kreisrund war. Durch anschließend auftretende tektonische Kräfte und lokale Bewegungen der Marskruste wurde dieser Krater nach seiner Entstehung zusammengeschoben und dabei zu der jetzt erkennbaren länglichen Struktur verformt. Aber auch die Erosion der Ränder von zwei oder mehreren eng aneinandergrenzenden oder sich sogar überschneidenden Impaktkratern wird in diesem Zusammenhang in Erwägung gezogen. In einer dritten Theorie wird die Depression auf Druckspannungen in der Marskruste zurückgeführt und dabei als eine große tektonische Kompressionsstruktur interpretiert.

Dass tektonische Kräfte bei der in der Gegenwart sichtbaren Ausprägung von Orcus Patera auf jeden Fall eine bedeutende Rolle gespielt haben müssen, kann man sehr gut an den zahlreichen markanten und fast geradlinig verlaufenden Gräben erkennen, welche sich durch den östlichen und westlichen Rand der Formation schneiden (Bildausschnitt 1 in der nebenstehenden Schwarz-Weiß-Aufnahme). Diese bis zu zweieinhalb Kilometer breiten und jeweils mehrere hundert Meter tiefen Gräben verlaufen nahezu in Ost-West-Richtung. Diese Ausrichtung der Gräben wird als ein Beweis dafür angesehen, dass die Marskruste während der Entstehung der Gräben in Nord-Süd-Richtung gedehnt wurde.

Diese Gräben sind jedoch nur noch auf den Rändern von Orcus Patera und in deren näheren östlichen und westlichen Umgebung zu erkennen. Im Zentrum der Depression wurden die Spuren dieser relativ großen Gräben dagegen durch spätere Ablagerungen überdeckt. Auf dem Boden der Depression können allerdings trotzdem kleinere Gräben in der gleichen geographischen Orientierung beobachtet werden (Bildausschnitt 2). Dies lässt darauf schließen, dass zum einen im Laufe der Zeit in der hier abgebildeten Region über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere tektonische Aktivitäten auftraten, und zum anderen mehrere Ereignisse stattfanden, bei denen der Boden der Depression durch Ablagerungen bedeckt wurde.

Die Existenz von sogenannten Runzelrücken innerhalb von Orcus Patera zeigt des Weiteren, dass neben der Dehnung der Marskruste, wie sie an den Gräben abgeleitet werden kann, zusätzlich auch eine Stauchung der Planetenkruste in dieser Region erfolgte und dabei einen wichtigen tektonischen Prozess darstellte (Bildausschnitt 3). Diese im Englischen "wrinkle ridges" genannten geologischen Formationen entstehen durch tektonische Prozesse, bei denen Ablagerungen komprimiert und übereinander geschoben werden. Einige wenige Einschlagkrater auf der sehr ebenen Oberfläche im Inneren von Orcus Patera legen den Schluss nahe, dass die Depression nach ihrer Entstehung von Sedimenten verfüllt wurde, welche durch vulkanische Prozesse oder Windverfrachtung in Orcus Patera eingebracht worden sein könnten. Die zackenförmigen, dunklen Gebiete nahe des Zentrums der Depression entstanden dagegen sehr wahrscheinlich erst in der geologisch betrachtet jüngeren Vergangenheit durch äolische Prozesse (Bildausschnitt 4). Durch Windverfrachtung wurde hierbei relativ dunkles Material, zum Beispiel vulkanische Asche oder Staub, abgelagert.

Die Impaktereignisse, von denen die bis zu 30 Kilometer durchmessenden Krater auf dem Boden von Orcus Patera zeugen, haben das von hellen Ablagerungen bedeckte dunkle Material aus dem Untergrund zutage gefördert und in der Depression ausgeworfen, so dass es anschließend durch Windaktivität weitertransportiert werden konnte. Mit der nebenstehenden Farbansicht lassen sich diese feinen Unterschiede im Oberflächenmaterial darstellen, welche ebenfalls auf äolische Prozesse, also die Einwirkung der über den Mars wehenden Winde, zurückzuführen sind. Wo sich dem Wind im Gelände Hindernisse bieten, zum Beispiel an den bis zu 1.000 Meter hohen Wällen der verschiedenen Impaktkrater, welche aus der Ebene von Orcus Patera heraus ragen, zeigen fahnenförmige Ablagerungen im Lee, also der windabgewandten Seite dieser Strukturen, die vorherrschenden Windrichtungen an.

In der näheren, zum Teil stark zerklüfteten und zudem von Kratern übersäten Umgebung von Orcus Patera sind zudem verschiedene Fließstrukturen erkennbar. Diese Strukturen könnten unter Umständen ein Hinweis darauf sein, dass in diesen Bereichen in Hohlräumen unterhalb der Planetenoberfläche Eis vorhanden gewesen sein könnte, welches infolge eines Asteroidenimpaktes oder einer vulkanischen Aktivität geschmolzen und so zeitweise mobilisiert wurde. Es könnte sich hierbei, so die Interpretation der Wissenschaftler, aber auch um einen Hinweis auf vulkanisches Material handeln, welches im Rahmen einer Eruption über die Oberfläche floss.

Die Farbansichten der hier angeführten Bilder wurde aus dem senkrecht auf die Oberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- und rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die Schrägansicht wurde aus Bildern der Stereokanäle der HRSC berechnet. Bei dem Schwarzweißbild handelt es sich um eine Nadiraufnahme, welche von allen gewonnenen Aufnahmen die höchste Auflösung erreicht. Die höhenkodierte Bildkarte wurde aus dem digitalen Geländemodell abgeleitet, welches aus den Nadir- und Stereokanälen errechnet wurde.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption dieser hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das Wissenschaftsteam besteht aus 45 Co-Investigatoren von 32 Institutionen aus zehn Ländern. Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung des PI Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Daten erfolgt am DLR. Die Darstellungen wurden vom Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR, TU Berlin, ESA)



 

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Saturn Aktuell: Der Orbit Nummer 138 von Cassini von Redaktion



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» Der Orbit Nummer 138 von Cassini
25.08.2010 - Am 24. August 2010 begann der mittlerweile 138. Orbit der Raumsonde Cassini um den Planeten Saturn. Da in den folgenden drei Wochen keine näheren Vorbeiflüge an den Monden des Ringplaneten stattfinden, konzentrieren sich die wissenschaftlichen Beobachtungen diesmal in erster Linie auf die Atmosphäre und das Ringsystem des Planeten.
Am 24. August 2010 erreichte die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt der größten Entfernung zu dem Ringplaneten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Cassini etwa 2,58 Millionen Kilometer von der obersten Wolkenschicht des Saturn entfernt und begann zugleich ihren 138. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde befindet sich gegenwärtig in einem leicht geneigten Orbit, welcher etwa 4,6 Grad außerhalb der Ringebene verläuft. Der jetzt begonnene 20 Tage dauernden Umlauf wird daher unter anderem dazu genutzt werden, um mit den wissenschaftlichen Instrumenten mehrere Begegnungen mit verschiedenen Monden des Saturn zu dokumentieren. Das Hauptaugenmerk der Wissenschaftler wird sich jedoch auf die Atmosphäre des Saturn und dessen Ringsystem richten.

Zwei Tage nach dem Passieren der Apoapsis wird das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment an Bord der Raumsonde Cassini am 26. August die wissenschaftlichen Beobachtungen während dieses auch als "Rev137" bezeichneten Saturn-Umlaufs aufnehmen und aus einer Distanz von 9,19 Millionen Kilometern eine Lichtkurve des Saturnmondes Hyrrokkin erstellen. Dieser etwa acht Kilometer durchmessende Mond umläuft seinen Mutterplaneten innerhalb von 932 Tagen auf einer retrograden Bahn. Die Bahnexzentrizität dieses äußeren Saturnmondes liegt bei einem Wert von 0,333, wobei die Umlaufbahn um 151,4 Grad gegen die Ekliptik geneigt ist. Die Entfernung des Mondes zum Saturn schwankt zwischen 12,3 Millionen und 24,6 Millionen Kilometern.

Die Erstellung der Lichtkurve von Hyrrokkin ist Teil einer langfristig ausgelegten Beobachtungskampagne, in deren Verlauf die Rotationsperioden mehrerer kleiner Saturnmonde genauer bestimmt werden sollen. Zugleich wollen die Wissenschaftler bei diesen Beobachtungen untersuchen, ob es sich bei diesen Monden eventuell um sogenannte binäre Objekte, also "Doppelmonde" handelt. Der Hintergedanke dieser Untersuchung liegt darin begründet, dass es sich bei mehreren Objekten des Asteroidenhauptgürtels und des Kuiper-Gürtels um Doppelasteroiden handelt. Sollte sich auch einzelne kleine Monde des Saturn als solche Doppelasteroid erweisen, so könnte man dies als ein Indiz dafür werten, dass die entsprechenden Monde einstmals von Saturn "eingefangen" wurden.

Die erste Beobachtung von Hyrrokkin am 26. August wird 15 Stunden andauern. In diesem Zeitraum sollen insgesamt 258 ISS-Bilder des Mondes aufgenommen werden. Vergleichbare Observationen sind anschließend für den 27. und 30. August für die beiden Monde Greip und Kiviuq vorgesehen. Eine kürzere Beobachtungskampagne, welche am 12. September erfolgen soll, wird genutzt werden, um die Lichtkurve von Hyrrokkin unter anderen Beleuchtungsverhältnissen erneut zu erstellen, dadurch die Qualität der gewonnenen Daten zu verfeinern und deren Aussagekraft in einen besseren Kontext zu setzen. Durch diese Aufnahmen erhoffen sich die Forscher des Weiteren auch Rückschlüsse auf die Beschaffenheit und Struktur der Oberfläche dieses kleinen Mondes.

Am 28. August erfolgt eine Beobachtung des größten Saturnmondes, des etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan. Zum Zeitpunkt dieser ISS-Beobachtungen wird Titan lediglich zu etwa 50 Prozent von der Sonne beleuchtet sein. Diese Lichtverhältnisse ermöglichen es den Wissenschaftlern aus einer Entfernung von etwa 1,74 Millionen Kilometern nach Wolkenstrukturen innerhalb der Atmosphäre des Mondes Ausschau zu halten. Entsprechende Beobachtungen werden am 8. September aus einer Distanz von 1,28 Millionen Kilometern und am 10. September aus dann 1,36 Millionen Kilometern wiederholt.

Am 29. August sollen schließlich astrometrische Beobachtungen von mehreren kleinen Saturnmonden durchgeführt werden. Durch die Abbildung der Monde Polydeuces, Calypso, Methone, Atlas und Pallene sollen die bisher verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter verfeinert werden. Diese Einzelbeobachtungen werden durchweg aus größeren Distanzen erfolgen und keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde auflösen. Zwei weitere astrometrische Beobachtungskampagnen werden am 7. und 10. September erfolgen, wobei man sich dann auf die Monde Calypso, Helene, Pallene, Methone, Janus, Pandora, Polydeuces und Prometheus konzentrieren wird.

Am 31. August sollen schließlich Aufnahmen der schwachen Staubringe und Ringbögen des Saturn erstellt werden, welche mit den Monden Pallene, Methone und Anthe in Verbindung stehen. Diese drei kleinen Monde umkreisen den Saturn auf Umlaufbahnen, welche zwischen den größeren Monden Mimas und Enceladus platziert sind. Die zu beobachtenden schwachen Ringe, so die momentan allgemein akzeptierte Theorie, bilden sich durch die permanent erfolgenden Einschläge von Mikrometeoriten auf die Oberflächen der kleinen Monde.

Durch diese "Miniimpakte" werden Staubpartikel von den Oberflächen der Monde aufgewirbelt. Die Eigengravitation der kleinen und entsprechend massearmen Satelliten ist nicht groß genug, um diese Partikel dauerhaft in deren Schwerefeld zu binden. Stattdessen entweichen die Staubpartikel aus den Gravitationsfeldern der kleinen Monde, geraten in den gravitativen Einfluss von Mimas und Enceladus und formen sich dabei in einem Orbit um den Saturn zu den besagten schwachen Ringen.

Am 2. September wird das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS) von Cassini zusammen mit der ISS-Kamera die Hauptringe des Saturn abbilden. Dabei soll aus den Einzelaufnahmen unter anderem ein Video des F-Ringes erstellt werden. Einen Tag später wird die Raumsonde um 03:39 Uhr MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, während ihres 138. Orbits erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini 148.590 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden.

Nur wenige Stunden später wird sich die Raumsonde während eines nicht gezielten Vorbeifluges dem Saturnmond Dione bis auf 39.310 Kilometer nähern. Während dieses Vorbeifluges wird die ISS-Kamera ein aus 24 Einzelaufnahmen bestehendes Mosaik von der fotografisch bisher nur relativ schlecht dokumentierten nördlichen, vom Saturn abgewanden Hemisphäre des Mondes erstellen. Diese Aufnahmen werden von ihrer erwarteten Qualität her mit die besten sein, welche bis zu diesem Zeitpunkt von dieser Region Diones erstellt werden konnten. Zugleich werden sie die bisher erstellten Aufnahmen der Nordpolregion dieses Mondes ergänzen.

Anschließend wird sich die ISS-Kamera erneut dem Ringsystem des Saturn zuwenden und dessen B-Ring abbilden. Dabei soll speziell der äußere Bereich dieses Rings an dessen Grenze zur Cassini-Teilung untersucht werden. In Kombination mit dem Composite Infrared Spectrometer (CIRS) sollen hierbei 35 Aufnahmen erstellt werden, welche man anschließend ebenfalls zu einem Video kombinieren will.

Am 4. September wird schließlich das VIMS-Spektrometer in Zusammenarbeit mit dem Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS) die Atmosphäre des Saturn untersuchen. In einem ersten Schritt soll dabei das UVIS-Spektrometer zusammen mit der ISS-Kamera photometrische und polarimetrische Daten der Wolken und Dunstschleier sammeln. Die Beobachtungen sollen am 8. September wiederholt werden. Im Anschluss an diese Beobachtungen wird die ISS-Kamera zusammen mit dem VIMS-Spektrometer die Tag- und anschließend die Nachtseite des Saturn abbilden und dabei versuchen, Blitze in der Atmosphäre des Planeten zu lokalisieren. Vergleichbare Beobachtungen waren erstmals im August 2009 erfolgreich (Raumfahrer_net berichtete).

Am 5. September wird Cassini schließlich den Saturnmond Telesto aus einer Distanz von 1,61 Millionen Kilometern abbilden, während dieser vor dem nochmals weitere 240.200 Kilometer entfernteren Mond Rhea vorbeizieht. Zum Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen während des Orbits Nummer 138 von Cassini sind für den Zeitraum zwischen dem 7. und 10. September insgesamt fünf Beobachtungen des Wolkenzuges in der Saturnatmosphäre vorgesehen, wobei speziell die Wolkenstrukturen der südlichen Hemisphäre bei unterschiedlichen Breitengraden abgebildet werden sollen.

Am 13. September erreicht Cassini erneut die Apoapsis und beendet den 138. Umlauf um den Ringplaneten. Im Verlauf des folgenden Orbits Nummer 139 wird sich die Raumsonde am 24. September dem Titan bis auf eine Entfernung von etwa 8.175 Kilometern nähern. Einen Tag zuvor erfolgt ein Vorbeiflug an Enceladus, welcher in einer Entfernung von rund 117.000 Kilometern stattfinden wird.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS)


» Berge schrumpeln aufwärts
01.09.2010 - Der große Saturnmond Titan verbirgt unter seinem für sichtbares Licht undurchdringlichen Vorhang eine Vielzahl von Überraschungen. Eine davon sind die recht ausgedehnten Gebiete relativ hoher Topografie, die als gebirgiges Terrain, ja sogar als ganze Gebirgszüge von bis zu 300 km Länge interpretiert werden.
Wie sie entstanden, bzw. ihre Natur, ist allerdings noch nicht gänzlich geklärt. Diskutiert werden aktuell vor allem Szenarien der Krustendeformation, des sekundären Impaktauswurfes und tektonische Prozesse, die durch Auf- und Abschiebungen Schollen inmitten annähernd paralleler Verwerfungen relativ zu benachbarten Schollen herausgehoben haben. Inzwischen existieren neue Erklärungsansätze, die diese Frage klären könnten.

Da auf dem Saturnmond gänzlich andere Umweltbedingungen als auf der Erde herrschen, schließt sich ein direkter Vergleich zur Entstehungsgeschichte der Gebirge bis auf Einzelfälle bei uns aus. Die beste Erklärung des Beobachtbaren liefert nunmehr eine These, die in einigen Teilaspekten jüngst auch im Zusammenhang mit dem Erdmond genannt wurde: Titan kühlt aus und schrumpelt demzufolge zusammen.

Schuld daran tragen offenbar die verschiedenen Dichten der äußeren Eisschichten des Titan. Restwärme aus der Entstehungsphase vor etwa 4 Mrd. Jahren sowie Wärme aus Isotopenzerfall halten einen Großteil des Mondinneren vermutlich in einen Zustand kinematischer Viskosität. Ammoniak und andere flüchtige organische Stoffe wurden während der Akkretionsphase in den Flüssigkeitsschichten gelöst und setzten heute den Gefrierpunkt des Liquids herab. Die Ammoniakkonzentration dürfte dabei einen Wert von 5 Volumenprozent nicht überschreiten, wie er auch gut mit den beobachteten Werten in Kometen vereinbar ist.

Allerdings strahlt Titan mehr Wärmeenergie ab, als er in seinem Inneren durch Gezeitenreibung und seinem felsigen Inneren produziert (eine Leistung von etwa 600 Gigawatt = 600 Milliarden Watt), so dass die hieraus resultierende Negativbilanz zu einem langsamen Auskühlen führt. Die oberflächennahen Regionen des unter der Eiskruste vermuteten globalen Ozeans gefrieren vor diesem Hintergrund und die äußeren Eiskrusten gewinnen an Mächtigkeit. Durch das anhaltende Auskühlen zieht sich der Titan weiter zusammen, er verliert an Umfang, schließlich falten sich die Oberflächenschichten auf.

Bislang ist der Titan der einzige Eis-Mond des Sonnensystems, bei dem ein derartiges Verhalten in globalem Umfang bekannt ist. Und doch ist in Einzelfällen ein solcher Entstehungsprozess auch auf der Erde zu beobachten, so z.B. auf dem Gebiet des heutigen Irans. Dort entstand das Zagros-Gebirge durch Einschrumpfen der Lithosphäre, d.h. der festen Gesteinskruste, die den Erdmantel bildet.


Die höchsten Gipfel erreichen auf Titan fast 2.000 m. Und machen sie daher durchaus vergleichbar mit irdischen Mittelgebirgen. Regelrechte Bergketten sind in konzentrierter Form seit 2005 in der Nähe des Mondäquators bekannt, die sämtlich eine West-Ost-Orientierung aufweisen, was eine gemeinsame Entstehungsgeschichte naheliegen lässt.

Erhebungen um 2.000 m und höher sind auf mehreren anderen Eismonden des äußeren Sonnensystems keine Seltenheit. Ihre Entstehung geht hingegen auf extensionale Tektonik zurück, also auf Kräfte, die eine Streckung und Ausdehnung der oberen Eisschichten bewirken. Für kontraktionale Tektonik, bei der durch Schrumpfung eines Körpers die Krustenschicht an Mächtigkeit gewinnt, fehlten bislang jegliche Hinweise. Titan ist der erste Satellit, bei dem kontraktionale tektonische Ereignisse in der Oberflächengestaltung als dominant angesehen werden können.

Möglich wurden die Annahmen durch die Ergebnisse simulatorischer Modellrechnungen zur Struktur und Evolution eisiger Körper des äußeren Sonnensystems und zu tektonischen Prozessen des Titan. Die gleichen Ergebnisse deuteten allerdings auf eine nur unvollkommene Differenzierung des Mondinneren hin, was nur schwierig mit den beobachteten Strukturen auf dem Mond in Einklang zu bringen ist.

Die besten Übereinstimmungen mit den Radardaten der Raumsonde liefert das Modell, wenn der innere Kern des Mondes von einer dichten Schicht aus Wassereis unter starken Druckverhältnissen umschlossen ist. Daran anschließend ein mächtiger globaler Wasser-Ammoniak-Ozean, an dem sich eine äußere Wassereiskruste angliedert. Gewissermaßen liefert vor diesem Hintergrund die angenommene Entstehungshistorie der Gebirgszüge auch ein weiteres stichhaltiges Indiz zum Vorhandensein eines globalen untergründischen Flüssigkeitsozeans auf Titan.

Von innen nach außen kühlen sich die aufeinanderfolgenden Schichten erwartungsgemäß ab. Die durchschnittlichen Temperaturwerte betragen auf der Oberfläche nicht mehr als –178 °C. Diese extrem tiefen Temperaturen führen über andauernde Zeitskalen auch bei einem Ammoniak-Wasser-Gemisch zu partiellen Überfrierungen, die die äußere Eisschicht weiter anwachsen lassen. Da diese mächtiger werdende Eisschicht weniger dicht als der Flüssigkeitsozean ist, und dieser eine geringere Dichte als die unter hohem Druck stehende innere Wassereisschicht aufweist, verlieren die inneren Schichten durch anhaltende Abkühlung an Volumen. Das Falten der Kruste ist die Folge.

Seit seiner Formation vor etwa vier Milliarden Jahren setzt Titan kontinuierlich Hunderte Gigawatt an Energie frei. Als Resultat teilt der Saturnmond ein ähnliches Schicksal, wie es kürzlich auch bei unserem Erdmond identifiziert wurde: Über die Äonen verkleinerte sich Titans Radius um etwa 7 Kilometer und verlor wohl ein Prozent seines Volumens.

Bei keinem anderen seiner jovianischen Cousins (Monde, die jupiterähnliche Gasriesen umkreisen) ist ein korrespondierendes Verhalten bekannt, was eine differente geologische Geschichte nahelegt und unter Umständen auf ein zuvor schon erwähntes globales Flüssigkeitsreservoir zurückzuführen ist.

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Quellen:

  • Mitri, G. et al. Journal of Geophysical Research, im Druck.
  • Anderson, J. D., Schubert, G., Jacobson, R. A., Lau, E. L., Moore, W. B., and Sjogren, W. L. 1998. Europa’s differential internal structure: Inferences from four Galileo encounters, Science 281, 2019–2022.
  • Chen, C. W. and Hensley, S. 2005. Amplitude-based height-reconstruction techniques for synthetic aperture ladar systems. J. Opt Sci. Am. A., 22(3), 529-538.
  • Collins, G.C., McKinnon, W.B., Moore, J.M., Nimmo, F., Pappalardo, R.T., Prockter, L.M., Schenk P.M. 2009. Tectonics of the Outer Planet Satellites, in Planetary Tectonics (R.A. Schultz and T.R. Watters, eds.), Cambridge University Press, pp.


(Autor: Lars-C. Depka - Quelle: Eigene Recherche (s.u.))



 

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ISS Aktuell: Mission ISS-Versorgung abgeschlossen von Redaktion



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• Forschung auf der ISS im Fokus «mehr» «online»
• Mission von Progress-M 06M beendet «mehr» «online»


» Mission ISS-Versorgung abgeschlossen
31.08.2010 - Heute verließ das russische Transportraumschiff Progress-M 06M nach 58-tägiger Kopplungsdauer die internationale Raumstation.
Seit dem 4. Juli 2010 war der Frachter Progress-M 06M an der ISS angekoppelt. Das in der amerikanischen Zählweise Progress 38P genannte Raumfahrzeug brachte damals nach viertägigem Flug 1.210 Kilogramm Trockenfracht (Ersatzteile, Lebensmittel, Ausrüstungsteile), 870 Kilogramm Treibstoff, 100 Kilogramm Wasser und 50 Kilogramm Sauerstoff zur Station. Nach zwei Tagen Flugzeit musste ein erster Dockingversuch aufgrund einer Interferenz zwischen dem Progress-TV-Übertragungssystem und dem manuellen Kontrollsystem TORU abgebrochen werden. Neben dem An- und Abtransport von Fracht, sorgten die Triebwerke der Progress am 16. Juli und 18. August für Bahnanhebungen des Orbitalkomplexes.

Vorbereitend auf das Ablegen des Transporters wurde von Kommandant Alexander Skworzow und Michail Kornijenko ein Testlauf des manuellen Kontrollsystems TORU durchgeführt. Mit ihm ist es möglich, den Abflug von russischen Raumfahrzeugen zu verfolgen und bei Problemen per Handsteuerung einzugreifen. Die Besatzung der ISS verstaute in der letzten Wochen Müll, etliche nicht mehr benötigte Gegenstände und Flüssigkeiten in dem Frachter. Der restliche in den Tanks von Progress-M 06M enthaltene Sauerstoff wurde nach Abschaltung des russischen Sauerstoff-Erzeugungssystems Elektron im Swesda-Modul in die Stationsatmosphäre abgelassen. Weiter erfolgte die Vakuum-Reinigung der Treibstoffleitungen durch das Entlüften und Ablassen von Flüssigkeiten zwischen dem Raumfahrzeug und der ISS.

Michail Kornijenko widmete seine Zeit gestern den Arbeiten für das Ablege-Manöver. Er installierte den Docking-Mechanismus zwischen Progress und dem Swesda-Modul, baute einige wiederverwendbare Bauteile aus dem Frachter aus, aktivierte dessen Elektronik und entfernte flexible Luftschläuche zur Belüftung und Heizung. Weiter demontierte er eine schnell entfernbare Vorrichtung, welche den Dockingring versteifen sollte und führte den Standard-Dichtigkeitstest der Treibstoffleitungen am Raumfahrzeug und am Servicemodul durch. Darauffolgend konnten die Luken geschlossen werden.

Das Kommando zum Ablegen wurde um 13:21 Uhr MESZ gegeben und drei Minuten später löste sich das Fahrzeug von der ISS. Damit endet die Mission von Progress-M 06M an der Station und der Platz am hinteren Andockstutzen des Swesda-Moduls ist frei für die Ankunft und Kopplung des nächsten Versorgungsraumschiffes Progress-M 07M am 10. September. Das Frachtraumschiff entfernt sich nun langsam vom Heck des Orbitalkomplexes und wird einen sechstägigen autonomen Flug durchführen. Während dieser Zeit sollen sechs Messreihen des Radar-Progress-Experimentes durchführen werden. Durch Bodenbeobachtungen werden Dichte, Volumen und Reflexionsvermögen der ionisierten Umgebung des Raumschiffes bei Testläufen seiner Triebwerke untersucht. Am 6. September soll der Raumfrachter planmäßig in der Atmosphäre der Erde verglühen.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 30.08.2010:
354,9 km bei einem Höhenverlust von 66 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 10. September, Ankunft von Progress-M 07M
  • 15. September, Bahnanhebung durch Progress-M 07M
  • 24. September, Ablegen von Sojus-TMA 18 mit A. Skworzow, M. Kornijenko,T. Caldwell-Dyson

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roscosmos)


» Ein vierter US-Knoten an der ISS ist machbar
01.09.2010 - Es besteht die Möglichkeit, ein weiteres druckbeaufschlagtes Knoten-Modul zur ISS zu transportieren. Wenn erforderlich, könnte die NASA das Modul 2013 oder 2014 auf einer unbemannten Atlas- oder Delta-Rakete starten und fünf neue Kopplungsstutzen für zusätzliche Module bereitstellen.
Diese Option eröffnet sich durch den „Node Structural Test Article“, einen Verbindungsknoten der 1990 als Prüfstand für Raumstationselemente gebaut wurde. Die letzten Jahre lagerte der Knoten unter einer Abdeckung am Stennis Space Center in Mississippi. Die NASA entschloss sich, den 4,5 Meter im Durchmesser großen Teststand mit einem Superguppy-Transportflugzeug nach Florida zu holen.

Ingenieure am Kennedy-Raumfahrtzentrum (KSC) reinigen und untersuchen in der Vorbereitungshalle für ISS-Elemente das ausgemusterte Bauteil, welches in ein paar Jahren als Mittelpunkt für aufblasbare Habitate und Technologie-Demonstrationen gestartet werden könnte. Zur Zeit werden mit einer kleinen Anzahl von Personen Untersuchungen vorgenommen, was getan werden muss, um dieses Bauteil flugfähig zu machen. Des Weiteren wird analysiert, wie und wo es an der ISS eingesetzt werden könnte.

Im Augenblick hat die ISS ausreichend viele Anlegemöglichkeiten für alle Frachtraumschiffe der nächsten Jahre, einschließlich des japanischen Versorgungsraumschiffes HTV und kommerzieller automatisierter Raumschiffe von SpaceX oder Orbital. Auch sind Plätze für eine zukünftige amerikanische Rettungskapsel oder ein Mannschafts-Transport-System vorhanden. Dies erklärte NASA-Manager Kirk Shireman bei einem Interview in der letzten Woche.

Weiter führte er aus, wenn allerdings NASA, internationale Partner oder kommerzielle Unternehmen neue Elemente zur Station hinzufügen wollten, könnte schnell eine Knappheit an verfügbaren Kopplungsmöglichkeiten entstehen. Denkbar wären da aufblasbare Module oder Raumfahrzeuge die in eine höhere Erdumlaufbahn vorstoßen sollen.

Ob der vierte zusätzliche US-Knoten jemals gestartet wird, hängt allerdings vom Raumfahrtbudget und den politischen Debatten im Kongress und dem Weißen Haus ab. Die Frage ist, wie die internationale Raumstation für die zukünftige Erforschung des Alls eingesetzt werden kann. In der Budget-Ankündigung des Präsidenten im Februar dieses Jahres gab es mehrere Punkte, wie Weltraumforschung und Technologie-Demonstrationen die ISS als Basis nutzen sollen. Das erfordert mehr Kopplungsstutzen zum An- und Ablegen von Raumfahrzeugen, sowie permanente Anlegemöglichkeiten. Kirk Shireman erläuterte auch, dass es zur Zeit keine konkreten Pläne und keinen Fahrplan zum Einsatz für den Modulknoten gibt, aber die Option, ihn ins All zu bringen, durchaus besteht.

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: Spaceflight Now, NASA)


» Forschung auf der ISS im Fokus
05.09.2010 - Die Wartung der Station, die Vorbereitung auf die Rückkehr von Sojus-TMA 18 zur Erde, eine Forcierung der Forschungstätigkeiten und ein Problem im Columbus-Modul bestimmten den Ablauf der letzten Tage in der Internationalen Raumstation.
Das stillgelegte Laufband TVIS im russischen Swesda-Modul konnte Anfang dieser Woche wieder in Betrieb genommen werden. Grund der Stilllegung waren ungewöhnliche Geräusche bei der Benutzung von TVIS, welche von einer losen Schraube verursacht wurden. Nach eingehender Prüfung der Bauteile auf Folgeschäden konnte das Laufband zum Training freigegeben werden. Zuvor fand allerdings noch die turnusmäßige Wartung des Trainingsgerätes statt. Alle Fitnessgeräte auf der Station dienen dazu, bei den sechs Besatzungsmitgliedern die Folgen des langen Aufenthaltes in der Schwerelosigkeit zu minimieren.

Am 24. September werden Kommandant Alexander Skworzow, Michail Kornijenko und Tracy Caldwell-Dyson mit ihrem Raumschiff Sojus-TMA 18 zur Erde zurückkehren. Vorbereitend darauf begann die Besatzung der Sojus mit dem Verladen der Fracht für ihre Rückreise. Weiter wurde das Iridium-Satellitentelefon geladen und verstaut, um bei einer Landung außerhalb des geplanten Bereiches eine Kontaktaufnahme mit den Bergungsmannschaften zu ermöglichen. Sojus-TMA 18 befindet sich am Docking- und Schleusenmodul Poisk (MRM 2).

Nach der Wiederinbetriebnahme des zweiten Kühlkreislaufes A konnten Experimente und Forschungsaufgaben in vollem Umfang anlaufen. Kommandant Alexander Skworzow widmete sich dem russischen Experiment SEINER, bei dem er die Ozeane der Erde fotografiert und damit den Experten auf der Erde die Möglichkeit gibt, den aktuellen Zustand, aber auch Veränderungen, in den Weltmeeren zu erkennen. Ein weiteres russisches Erdbeobachtungs-Programm nennte sich URAGAN. Es werden dabei die Auswirkungen von natürlichen oder von Menschen verursachten Katastrophen beobachtet. Daher wurde in dieser Woche ein Hauptaugenmerk auf den Verlauf des Hurrikans Earl gelegt, etliche Fotoreihen angefertigt und zur Erde gesandt.

Weitere russische Experimente waren PNEUMOCARD und PILOT-M. Ersteres untersucht die Vorhersage der physischen Reaktionen von Raumfahrern bei der Rückkehr zur Erde. Kommandant Alexander Skwortsow widmete einen Teil seiner Zeit dieser Forschungsreihe. Fjodor Jurtschichin und Michail Kornijenko führten gemeinsam das russischen Experiment PILOT-M durch. Hierbei wird die Fähigkeit eines Besatzungsmitgliedes untersucht, unter Stress im All ein Raumfahrzeug zu steuern. Es werden Reaktionszeiten des Piloten während einer Simulation auf einem Laptop gemessen und bewertet.

Die amerikanischen Flugingenieure Tracy Caldwell-Dyson und Shannon Walker nahmen an einem Experiment mit Namen BISE teil. BISE (Bodies in the Space Environment) bedeutet eine Erforschung des menschlichen Körpers in der Weltraumumgebung. Dieses kanadische Experiment ermittelt und vergleicht Daten, über die Wahrnehmung von Unten und Oben eines Besatzungsmitgliedes, während seines Aufenthaltes in der Schwerelosigkeit. Die Daten werden vor, während und nach der Langzeitmission ermittelt. Shannon Walker führte ihre zweite Sitzung für das BIORHYTHMS-Experiment der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA durch. Dafür trug sie einen Tag lang ein EKG-Aufzeichnungsgerät. Es wird hier der Einfluss des Langzeitaufenthaltes im All auf den Biorythmus anhand von auftretenden Schlafstörungen und der Schwächung des Herz-Kreislauf-Systems bewertet.

Ein Problem trat zum Ende diesen Woche an Express-Rack 3 im europäischen Columbus-Labormodul auf. Es wurde ein Leck und eine dadurch verursachte Korrosion an der Rückseite des Schrankes entdeckt. Tracy Caldwell-Dyson erhielt die Aufgabe, mit Hilfe des Columbus-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen, ein Niedertemperatur-Wasserventil auf der Rückseite von Express-Rack 3 zu fotografieren und manuell zu betätigen. Die Betätigung gelang allerdings nicht. Desweiteren wurde eine grünliche Substanz an dem Ventil festgestellt. Tracy Caldwell-Dyson wurde angewiesen, bei ihren Arbeiten Handschuhe, Schutzbrille und Mundschutz zu tragen. Die Untersuchung des Problems dauert weiter an.

An diesem Wochenende gehen alle Besatzungsmitglieder ihrem täglichen Fitnessprogramm nach, die wöchentliche Stationsreinigung steht auf dem Plan, sie werden etwas Freizeit genießen und haben die Möglichkeit, mit ihren Familien und Freunden zu sprechen. Auch morgen werden die sechs Raumfahrer einen Tag mit nur leichter Aktivität absolvieren können. Grund dafür sind die bevorstehenden Aktivitäten, welche in das nächste Wochenende hineinreichen, wie die Ankunft von Progress-M 07M und die Kommandoübergabe der Station.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 04.09.2010:
354,7 km bei einem Höhenverlust von 63 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 10. September, Ankunft von Progress-M 07M
  • 15. September, Bahnanhebung durch Progress-M 07M
  • 24. September, Ablegen von Sojus-TMA 18 mit A. Skworzow, M. Kornijenko,T. Caldwell-Dyson

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)


» Mission von Progress-M 06M beendet
06.09.2010 - Die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos teilte am 6. September 2010 mit, dass das Transportschiff Progress-M 06M wieder in die Erdatmosphäre eingetreten ist und dabei wie vorgesehen zerstört wurde.
Die Bremszündung des Haupttriebwerkes begann um 14:13 Uhr und 50 Sekunden MESZ am 6. September 2010 nach einem Kommando des Moskauer Kontrollzentrums. Die 198 Sekunden lange Brennphase verringerte die Geschwindigkeit von Progress-M 06M um 101,75 Meter pro Sekunde. Überreste des unbemannten Transportschiffs fielen in der vorausberechneten Pazifikgegend gegen 14:53 Uhr MESZ ins Meer. Roskosmos gibt dafür eine Position von 42 Grad und 7 Minuten südlicher Breite sowie 128 Grad und 25 Minuten westlicher Länge an.

Mit Abfällen beladen war Progress-M 06M, von der NASA auch als Progress 38 bezeichnet, am 31. August 2010 gegen 11:21 Uhr MESZ von der ISS abgekoppelt worden. Danach hatte man das Transportschiff noch benutzt, um Experimente zur Untersuchung von Dichte, Volumen und Reflexionsvermögen der ionisierten Umgebung des Raumschiffes bei Testläufen seiner Triebwerke durchzuführen.

Verwandte Meldungen:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Roskosmos)



 

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"In Space" Magazin #425
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
6. September 2010
Auflage: 4223 Exemplare


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