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» Asiasat will den Falken fliegen lassen
10.02.2012 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber Asia Satellite Telecommunications Co. Ltd. (Asiasat) mit Sitz in Hong Kong hat das US-amerikanische Unternehmen Space Exploration Technologies Corp. (SpaceX) aus dem kalifornischen Hawthorne mit dem Start von zwei Kommunikationssatelliten beauftragt.
In der ersten Hälfte des Jahres 2014 sollen Asiasat 6 und Asiasat 8, beide basierend auf dem 1300er Satellitenbus von Space Systems/Loral (SS/L), bei zwei Flügen von Falcon-9-Raketen von der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida aus in den Weltraum gelangen, gab Aisasat am 8. Februar 2012 bekannt. Nach dem Aussetzen auf sogenannten Geotransferbahnen werden die Satelliten eigene Triebwerke zum Erreichen von Positionen im Geostationären Orbit benutzen.
An Bord von Asiasat 6 kommen den derzeitigen Planungen zufolge künftig 28 C-Band-Transponder zum Einsatz, auf Asiasat 8 24 Ku-Band-Transponder und eine Ka-Band-Kommunikationsanlage.
Asiasat will Asiasat 6, ursprünglich einmal als Ersatz für Asiasat 3S bei 105,5 Grad Ost vorgesehen, bei 120 Grad Ost im Geostationären Orbit betreiben. Asiasat 8 möchte Asiasat bei 100,5 Grad Ost in Kolokation mit dem seit dem 11. August 2009 im All befindlichen Asiasat 5 einsetzen.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Asiasat)
» Sentinel 2A und Sentinel 3A fliegen Rockot
11.02.2012 - Am 9. Februar 2012 wurde zwischen der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) und dem Raketenvermarkter, der Eurockot Launch Services GmbH, ein Vertrag über den Start der beiden europäischen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 2A und Sentinel 3A auf Rockot-Raketen unterzeichnet.
Die zwei Starts werden in Plesezk im Norden Russlands voraussichtlich ab Ende 2013 stattfinden. Sentinel 2A und Sentinel 3A sollen dabei auf niedrige polare Erdumlaufbahnen befördert werden. Bei den dabei zur Verwendung kommenden dreistufigen Rockot-Raketen des Anbieters Eurockot handelt es sich um konvertierte Interkontinentalraketen (SS 19), ausgestattet mit Oberstufen des Typs Bris-KM vom russischen Raumfahrtkonzern Chrunitschew. Letzterer ist mit 49% an der in Bremen ansässigen Eurockot Launch Services GmbH beteiligt, Astrium hält 51% der Unternehmensanteile.
Sentinel 2A war 2008 von der ESA bei Astrium in Auftrag gegeben worden. Das unter Verwendung eines in Spanien von CASA hergestellten Satellitenbusses in Friedrichshafen gebaute Raumfahrzeug mit einer Masse von rund rund 1.180 Kilogramm besitzt ein hochauflösendes optisches Sensorsystem. Die Abtastbreite des Systems beträgt rund 290 Kilometer. Das System ist in der Lage, Bilddaten im Bereich des sichtbaren Lichts und im Infraroten in 13 Bändern des Spektrums zu erfassen. Bei vier Bändern beträgt die Auflösung 10 Meter, bei sechs Bändern 20 Metern, und auf drei Bändern ist eine Auflösung von 60 Metern möglich. Die tägliche Datenausbeute wird auf rund 800 Gigabyte geschätzt.
Bei Sentinel 3A handelt es sich um ein Erzeugnis des französisch-italienischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Thales Alenia. Bei seiner Konstruktion wurde direkt auf die Erfahrungen mit den europäischen Erdbeobachtungssatelliten ERS 2 und Envisat zurückgegriffen. Mit einer im C- und im Ku-Band arbeitenden Radaranlage namens Synthetic Aperture Radar Altimeter (SRAL) soll eine Auflösung von rund 300 Metern erreicht werden. Für das Ocean and Land Colour Instrument (OLCI) an Bord von Sentinel 3A wird ebenfalls eine Auflösung von rund 300 Metern angegeben, Daten sollen auf 21 unterschiedlichen Bändern erfasst werden. Außerdem erhält Sentinel 3A ein SLSTR für Sea and Land Surface Temperature Radiometer genanntes Radiometer zur Temperaturmessung. Die Messgenauigkeit dieses Instruments mit 9 Kanälen und 2 zusätzlichen Bändern zur Feststellung von Bränden auf der Erdoberfläche liegt bei unter 0,3 Grad Kelvin. In der Fläche liegt die Auflösung je nach verwendetem Spektralband zwischen 500 Metern und einem Kilometer.
Die beiden Satelliten sind Bestandteil einer GMES für Global Monitoring for Environment and Security genannten europäischen Initiative zur Nutzung satellitengestützter Erdbeobachtung, die unter anderem der Umweltüberwachung, dem Katastrophenmanagement und der Gewinnung sicherheitsrelevanter Informationen dient. Organisiert und durchgeführt wird GMES unter gemeinsamer Führung der Europäischen Kommission und der ESA.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, ESA, Eurockot)
» VEGA-Jungfernflug VV01 live
12.02.2012 - Am Montag, dem 13. Februar 2012, soll Europas neue kleine Trägerrakte, die VEGA, zu ihrem ersten Flug starten. Livebilder vom Start, der in einem Zeitfenster zwischen 11:00 und 13:00 Uhr MEZ erwartet wird, will die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) im Internet zeigen.
Erfolgen wird der Start von einer für die VEGA intensiv überarbeiteten Startanlage in Kourou, die einst als ELA-1 von Ariane-1-Raketen benutzt wurde und jetzt als ZLV für Zone de Lancement Vega bezeichnet wird. Die ESA plant, ab 10:40 Uhr MEZ aus Französisch-Guayana mit bewegten Bildern und englischsprachigen Kommentaren zu berichten. In deutscher Sprache will Spacelivecast.de sich ab 10:30 Uhr MEZ zu Wort melden und unter anderem auf die wechselvolle Entwicklungsgeschichte der VEGA eingehen.
Bei ihrem als Qualifikationsflug gedachten Jungfernflug transportiert die VEGA, welche in ihren ersten drei Stufen Feststofftriebwerke verwendet, eine internationale Nutzlast aus neun Satelliten. Die Passagiere der VEGA beim Flug mit der Nummer VV01 sind die folgenden:
- LARES (Laser Relativity Satellite) - Italienische Raumfahrtagentur (ASI), ca. 390 kg
- ALMASat-1 (ALma MAter SATellite) - Universität Bologna, Italien, ca. 12,5 kg
- e-st@r - Politechnikum Turin, Itlaien, ca. 1 kg
- Goliat - Universität Bukarest, Rumänien, ca. 1 kg
- MaSat-1 - Universität für Technologie und Ökonomie Budapest, Ungarn, ca. 1 kg
- PW-Sat 1- Technische Universität Warschau, Polen, ca. 1 kg
- ROBUSTA (Radiation on Bipolar Test for University Satellite Application) - Universität Montpellier 2, Frankreich, ca 1 kg
- UniCubeSat GG (University CubeSat - Gravity Gradient) - Römische Universität La Sapienza, Italien, ca. 1 kg
- XaTcobeo - Universität Vigo und Nationales Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (INTA), Spanien, ca. 1 kg
Um die zahlreichen Satelliten sicher auf getrennten Bahnen aussetzten zu können, kommt eine auf einer russischen Konstruktion basierende wiederzündbare Oberstufe zum Einsatz, die gemäß den Anforderungen beim Betrieb als Teil eines Satellitenträgers angepasst wurde. Die AVUM für Attitude and Vernier Upper Module genannte Stufe bei späteren Missionen durch eine europäische Konstruktion zu ersetzen ist bereits angedacht.
Im Rahmen des Fluges VV01 ist es Aufgabe der Oberstufe, zunächst LARES in einem kreisförmigen Orbit in rund 1.450 Kilometern über der Erde und mit einer Neigung von 69,5 Grad gegen den Erdäquator auszusetzen, um anschließend ihren der Erde am nächsten liegenden Bahnpunkt auf rund 350 Kilometer über der Erde abzusenken, damit die übrigen Passagiere abgesetzt werden können.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)
» Perfekter VEGA-Jungfernflug ... und nun?
13.02.2012 - Der Countdown zählte ohne Probleme hinunter bis auf Null, und so hob die europäische Kleinrakete VEGA pünktlich um 11:00 Uhr MEZ ins All ab. Die neun Satelliten wurden alle plangemäß in ihren Orbits ausgesetzt. Doch die Zukunft der VEGA ist vielleicht weniger strahlend.
Es ist vollbracht. Ein Jahrzehnt und 710 Millionen Euro nach Entwicklungsbeginn gipfelten heute im Start der neuen VEGA. Zu den letzten einer Reihe von Verzögerungen gehörten Probleme im Wärmehaushalt mit der Triebwerkswärmestrahlung. Diese hätten Satelliten an Bord zu sehr aufgewärmt. Doch heute lief alles nach Plan. Hatte Europa mit seinen letzten Erststarts noch wenig Glück, lief diesmal alles erstaunlich reibungslos.
Nach Zündung der ersten Stufe hob die Rakete zügig von der neu konstruierten Startplattform ab. Alle Stufentrennungen verliefen wie erwartet und auch die flüssig angetriebene Oberstufe konnte mehrmals neu gezündet werden.
Die VEGA ist betriebsbereit. Doch es stellt sich die Frage, ob der Träger wirklich so oft gebraucht wird wie ursprünglich angenommen. Die Idee hinter dem Träger war die zunehmende Miniaturisierung der Elektronik und der Irrglaube, dies würde eher zu immer kleineren Satelliten führen. Tatsächlich aber hat selbst die große Ariane-V-Rakete mittlerweile Probleme, noch 2 Satelliten an Bord zu nehmen und muss entgegen ihrer Auslegung hin und wieder Einzelstarts durchführen.
Keine Frage, mit der VEGA im Portfolio ist Europa ab sofort nicht mehr abhängig von umgebauten russischen Interkontinentalraketen. Doch ob der Markt in Zukunft wirklich groß genug ist für die geplante Startrate von mehreren Starts im Jahr, wird sich zeigen. SpaceX hat die Entwicklung einer ähnlich großen Rakete, der Falcon 1e, wieder eingestellt und konzentriert sich auf die größere Falcon 9 und versucht diese sogar zur Schwerlastrakete Falcon 9 Heavy auszubauen. Die entsprechende Startanlage wird gerade gebaut.
Freuen dürften sich in jedem Fall die Universitäten und die Wissenschaft. Es ist allgemein bekannt, dass sich Arianespace aufgrund der Kundenwünsche weigert, mit der Ariane V Cubesats in den Orbit zu bringen. Für Technologie-Erprobungssatelliten scheint die VEGA optimal.
Fest steht, dass die nächsten 4 Flüge für die VEGA bereits gebucht sind im Rahmen des VERTA-Programmes. Danach gibt es bislang nur einen kommerziellen Auftrag, die beiden Satelliten Sentinel 2 und Sentinel 3 zu starten. Die Starts werden angedacht für 2014-2016. Die Satelliten sollen in eine sonnensynchrone Bahn geschossen werden in 800 km Höhe. Jeder der beiden von Astrium und Thales gebauten Satelliten wiegt 1,2 Tonnen und ist für die optische Erdbeobachtung ausgelegt.
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(Autor: Klaus Donath - Quelle: Arianespace, ESA)
» Plancks tiefer Blick in die Milchstraße
15.02.2012 - Astronomen entdecken beim Kartieren der kosmischen Hintergrundstrahlung unbekannte Details unserer eigenen Galaxie.
Beim Versuch, eine umfassende Karte der kosmischen Hintergrundstrahlung herzustellen, haben Forscher mehrere Regionen der Milchstraße genauer untersucht. Sie berichteten darüber auf einer internationalen Tagung im italienischen Bologna.
Eine erste Forschergruppe um Michael Peel von der Universität Manchester hatte eine diffuse Form der Mikrowellenstrahlung analysiert. Sie entsteht rund um die Ebene der Milchstraße und bedeckt somit einen größeren Teil des Himmels. Bereits von der US-amerikanischen Mission Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) entdeckt, waren die Ursprünge dieser Strahlung bislang unklar.
Mit dem ESA-Teleskop Planck gelang es jetzt, die Eigenschaften der Strahlung deutlich genauer zu messen und mit möglichen Ursachen abzugleichen. Demnach kommen mehrere Entstehungsprozesse in Frage: Freie Elektronen könnten zu Synchrotronstrahlung angeregt werden, während sie durch das galaktische Magnetfeld wandern. Bislang kannte man solche Prozesse aber vor allem aus dem Umfeld von Supernovae, die bevorzugt im Bereich der Milchstraßenebene stattfinden. Allerdings deuten die Ergebnisse der Forscher darauf hin, dass überwiegend rotierende Staubkörner für die diffusen Emissionen verantwortlich sind. Die Körner rotieren so schnell, dass elektrische Dipole im fraglichen Frequenzbereich Mikrowellen aussenden.
Eine zweite Forschergruppe um Jonathan Aumont von der Universität Paris-Süd erstellte erstmals eine Karte des galaktischen Kohlenstoffmonoxids. Das Molekül ist zwar relativ selten, tritt jedoch meist zusammen mit Wasserstoffgas in Sternentstehungsgebieten auf und verursacht ungleich hellere Emissionslinien. Bislang konnte das Molekül mit irdischen Radioteleskopen aber nur zeitaufwendig und deshalb punktuell gemessen werden. Die neue Verteilungskarte entstand dagegen vergleichsweise schnell und lieferte nun auch Hinweise auf bisher unbekannte Gaswolken mit besonders geringer Dichte.
Beide Ergebnisse sind eine Art Abfallprodukt der Planck-Messungen: Die von den Forschern verwendeten Daten müssen herausgerechnet werden, damit sich schließlich ein ungestörter Blick auf die kosmische Hintergrundstrahlung abzeichnet. Sie entstand direkt nach dem Urknall und ist deshalb von Effekten in unserer eigenen Milchstraße unabhängig. Da die Instrumente an Bord von Planck aber sehr genau arbeiten, müssen auch schwache und bisher unbekannte Prozesse im Umfeld der Milchstraße untersucht werden, um sie dann aus der Karte des frühen Universums zu eliminieren. Diese Arbeit soll bis 2013 abgeschlossen sein.
Raumcon:
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(Autor: Karl Urban - Quelle: ESA, Peel et al. 2011)
» Neues Landsat-Instrument erreicht Orbital
16.02.2012 - Ein Instrument für die nächste Landsat-Mission Landsat Data Continuity Mission (LCDM) hat die Raumfahrtfirma Orbital Sciences Corporation (OSC) in Arizona erreicht. Dort wird es nun in den Satelliten integriert.
Das Thermal Infrared Sensor (TIRS) genannte Instrument wird mit einer neuen Technologie, welche die Quantenphysik anwendet, die Temperatur der Erde an verschiedenen Stellen messen. Dabei dauerte es nur 43 Monate, um aus einem Entwurf auf dem Papier ein weltraumtaugliches Instrument zu bauen, was laut Betsy Forsbacka, der TIRS Instrument Managerin, ein Jahr weniger ist, als eingeplant war.
TIRS benutzt sogenannte Quantum Well Infrared Photodetectors (QWIPs), um langwelliges Licht, welches von der Erde ausgestrahlt wird, zu messen. Die Stärke dieses Lichtes hängt dabei von der jeweiligen Oberflächentemperatur ab. Die Wellenlänge liegt zudem weit außerhalb des Sichtbarkeitsbereichs des menschlichen Auges.
Die Detektoren bedienen sich dabei der komplexen Grundsätze der Quantenmechanik: Galliumarsenid-Halbleiterchips, in denen die Elektronen von Licht bestimmter Wellenlängen auf eine höhere Bahn gehoben werden. Dabei entstehen elektrische Signale, welche in ein digitales Bild umgewandelt werden können. Das TIRS-Instrument benutzt für die Messungen Sensoren, welche in zwei Wellenlängenbereiche empfindlich sind, um die Temperatur der Erde von der der Atmosphäre zu trennen.
Der Satellit LCDM soll im Januar 2013 von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien aus ins All starten und wird dabei neben TIRS ein weiteres Instrument an Bord haben: Der Operational Land Imager (OLI) wird Aufnahmen im sichtbaren sowie im nahen und kurzwelligen Infrarotbereich anfertigen.
Die Mission ist die achte des Landsat-Programms, welches seit 1972 globale Erdbeobachtungen durchführt. Die dabei entstehenden Daten sind frei im Internet einsehbar.
Raumcon:
(Autor: Simon Plasger - Quelle: NASA)
» SES 4 im All
16.02.2012 - Bereits am Dienstagabend startete der niederländische Kommunikationssatellit SES 4 für SES World Skies an der Spitze einer Proton-M vom Kosmodrom Baikonur aus.
Der Satellit hat eine Startmasse von etwa 5.800 Kilogramm und basiert auf dem Satellitenbus 1300 von Space Systems/Loral. Die Kommunikationsnutzlast besteht aus 52 C- und 72-Ku-Band-Transpondern, die mindestens 15 Jahre lang betrieben werden sollen.
Der Start erfolgte nach zweimaliger Verschiebung wegen technischer Unzulänglichkeiten am 14. Februar gegen 20.37 Uhr MEZ. Nach korrekter Funktion der dreistufigen Proton-M-Trägerrakete sorgte eine Bris-M-Oberstufe mit 5 Brennphasen für den Übergang in einen Geotransferorbit zwischen 3.700 und 35.800 Kilometern Flughöhe bei einer Bahnneigung von 24,6°. Von hier aus gelangt SES 4 mit chemischem Antrieb in die geostationäre Bahn. Zur anschließenden Lageregelung und Positionierung dienen mehrere elektrische Triebwerke.
Mit seiner Vielzahl an Transpondern mit jeweils 36 MHz Bandbreite sorgt SES 4 für einen deutlichen Anstieg an Kommunikationskapazitäten bei 338 Grad Ost (22 Grad West). Diese können durch spezielle Antennenausrichtungen sowohl in Europa bzw. im Mittleren Osten und in Afrika als auch in Nord- und Südamerika genutzt werden.
Raumcon:
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, Skyrocket, Raumfahrer.net)
» Ein Sternentstehungsgebiet im Sternbild Stier
17.02.2012 - Eine von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt ein mehr als zehn Lichtjahre langes Filament aus interstellarem Staub, in dessen Innerem sich gerade neue Sterne bilden. Mit einer Entfernung von rund 450 Lichtjahren handelt es sich hier um eines der nächstgelegenen Sternentstehungsgebiete in unserer kosmischen Nachbarschaft.
Etwa 450 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt befindet sich die im Sternbild Stier (lateinischer Name "Taurus") gelegene Taurus-Molekülwolke. Eine am 15. Februar 2012 von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt zwei Bereiche einer langgezogenen, filamentartigen Struktur im Inneren dieser Molekülwolke, welche von den Astronomen auch als "Barnard 211" und "Barnard 213" bezeichnet werden. Der Namensgeber dieser beiden Objekte war der US-amerikanische Astronom Edward Emerson Barnard, welcher Anfang des 20. Jahrhunderts einen Katalog der in unserer Galaxie befindlichen Dunkelwolken erstellte.
Als Dunkelwolken oder Dunkelnebel bezeichnen Astronomen ausgedehnte Wolken interstellarer Materie. Die winzigen Partikel, aus denen sich solche Materiewolken zusammensetzen, absorbieren sichtbares Licht und versperren dem irdischen Beobachter so den Blick auf die hinter den Wolken gelegenen Sterne und Galaxien. Dies hat zur Folge, dass die betreffenden Himmelsregionen im sichtbaren Licht als dunkle Gebiete erscheinen, welche weitestgehend frei von Sternen sind. Barnard konnte die Natur dieser dunklen Regionen am Nachthimmel zusammen mit dem deutschen Astronomen Maximilian Wolf entschlüsseln.
Die Taurus-Molekülwolke präsentiert sich im sichtbaren Licht als eine besonders dunkle Region, da in ihrer näheren Umgebung keine massereichen Sterne existieren. Wäre dies der Fall, so würden diese Sterne den Nebel zum Leuchten anregen, wie dies zum Beispiel bei dem im Sternbild Orion gelegenen Emissionsnebel M 42 - besser bekannt unter der Bezeichnung Orionnebel - der Fall ist.
Solche Wolken aus Gas und Staub stellen allerdings nicht nur ein Hindernis für die Beobachtung der dahinter liegenden astronomischen Objekte dar. Vielmehr handelt es sich bei ihnen auch um die Geburtsstätten neuer Sterne. Sobald die Molekülwolken unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren, teilen sie sich in verschiedene kleinere Fragmente auf. In diesen Fragmenten kann sich die Materie anschließend immer weiter konzentrieren, bis das darin enthaltene Wasserstoffgas schließlich so weit komprimiert und aufgeheizt wird, dass die Fusion von Wasserstoff zu Helium, das sogenannte Wasserstoffbrennen, einsetzt und ein neuer Stern entsteht. Mit einer Entfernung von rund 450 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem handelt es sich bei der Taurus-Molekülwolke um eines der nächstgelegenen Sternentstehungsgebiete in unserer kosmischen Nachbarschaft.
Ein neu entstandener Stern ist allerdings zunächst noch von einem dichten Kokon aus Staub und Gas umgeben, welcher eine Beobachtung im Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts unmöglich macht. Für die Beobachtung der im Inneren der Dunkelwolken ablaufenden Prozesse müssen Astronomen deshalb auf den Bereich der Millimeter- und Submillimeter-Wellenlängen ausweichen. Eines der Instrumente, welches dazu eingesetzt werden kann, ist die LABOCA-Kamera am Atacama Pathfinder Experiment (APEX), das sich auf dem 5.000 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Chajnantor-Plateau in den chilenischen Anden befindet.
Der obere rechte Bereich des hier gezeigten gewundenen Filaments wird als Barnard 211 bezeichnet. Bei dem untere linken Bereich handelt es sich um Barnard 213. Die gesamte Struktur verfügt über eine Ausdehnung von mehr als 10 Lichtjahren. Die Beobachtungsdaten der LABOCA-Kamera, welche die Wärmestrahlung der in der Wolke enthaltenen Staubpartikel wiedergeben, sind in diesem Bild in Orangetönen dargestellt und einer im sichtbaren Licht angefertigten Aufnahme überlagert, die den Sternenreichtum der gesamten Himmelsregion vermittelt.
Bei dem hellen Stern in der linken Bildhälfte handelt es sich um Phi Tauri, welcher über eine scheinbare Helligkeit von 4,97 mag verfügt. Links davon befindet sich - direkt am Bildrand nur zur Hälfte erkennbar - der Stern HD 27482. Beide Sterne liegen näher an der Erde als das Filament und stehen in keiner Verbindung zu der Dunkelwolke.
Die bisherigen Beobachtungen der Struktur haben gezeigt, dass sich Barnard 213 bereits in einzelne Fragmente geteilt und dabei dichte Kerne ausgebildet hat. Die drei hell leuchtenden Staubkonzentrationen sind ein Hinweis darauf, dass sich im Inneren der Kerne sogar bereits erste Sterne gebildet haben.
Barnard 211 dagegen befindet sich noch in einem früheren Entwicklungsstadium, bei dem erst noch der Kollaps und die anschließende Unterteilung in einzelne Fragmente erfolgen muss. Aber auch hier werden in Zukunft neue Sterne entstehen. Die Beobachtung dieser Himmelsregion eignet sich somit hervorragend, um weitere Erkenntnisse darüber zu erlangen, welche Rolle Dunkelwolken bei der Entstehung einer neuen Sternengeneration spielen.
Die hier kurz vorgestellten Beobachtungen wurden von einem Astronomenteam unter der Leitung von Alvaro Hacar vom Observatorio Astronómico Nacional-IGN durchgeführt. Bei dem 12 Meter durchmessenden APEX-Teleskop handelt es sich nicht nur um ein eigenständiges Beobachtungsinstrument, sondern vielmehr auch um einen technologischen Wegbereiter für das ALMA-Teleskop der Europäischen Südsternwarte, so die Abkürzung für das "Atacama Large Millimeter/submillimeter Array". ALMA ist ein neuartiges Verbundteleskop, welches die ESO gegenwärtig in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Partnern auf dem Chajnantor-Plateau errichtet und betreibt.
Das APEX basiert auf dem Prototypen einer Antenne für das ALMA-Projekt, welches nach seiner Fertigstellung aus 54 solcher Antennen mit 12 Metern Durchmesser und zusätzlichen 12 Antennen mit 7 Metern Durchmesser bestehen wird. ALMA wird über ein ungleich höheres Auflösungsvermögen als das APEX verfügen. Allerdings wird dafür auch das Gesichtsfeld von ALMA deutlich kleiner ausfallen. Die beiden Teleskope werden sich daher nahezu perfekt ergänzen. APEX, so die Erwartung der Astronomen, wird viele interessante Beobachtungsziele entdecken, welche anschließend durch ALMA im Detail untersucht werden können.
Das APEX-Teleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, welche auch für den Betrieb des Teleskops verantwortlich ist. ALMA dagegen ist eine internationale Einrichtung, welche von verschiedenen Instituten aus Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei der Entwicklung, dem Aufbau und dem Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für den Beitrag Ostasiens und das National Radio Astronomy Observatory der USA für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory ist für die übergreifende Projektleitung - für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb - von ALMA zuständig.
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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)
» Neue Vega-Oberstufe aus Deutschland?
20.02.2012 - Nach dem erfolgreichen Vega-Jungfernflug letzte Woche hat der Direktor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Bereitschaft Deutschland bekundet, für den neuen Kleinlastträger eine neue Oberstufe zu entwickeln.
Die Vega hat mit ihrem erfolgreichem Jungfernflug letzten Montag (Raumfahrer.net berichtete) gezeigt, dass sie flugfähig ist. Doch hat sie aus Sicht der ESA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI, welche vor allem die Entwicklung der Vega vorantrieb, noch ein kleines Manko: eine der vier Stufen wird nicht in Europa gebaut, sondern basiert aus russischer bzw. ukrainischer Technologie. Dabei handelt es sich um die AVUM, die Viertstufe der Vega. Sie als einzige mit Flüssigtreibstoff betriebene Stufe sorgt dafür, dass Abbrandungenauigkeiten der ersten drei Stufen beseitigt und mehrere Nutzlasten aus verschiedenen Umlaufbahnen ausgesetzt werden.
Um diesen Nachteil zu beseitigen, soll nun auch Deutschland in das Vega-Programm involviert werden. In den 1990er Jahren hat sich die Bundesrepublik noch dagegen gesträubt, sich am Programm zu beteiligen, sodass nur sieben der damals zwölf ESA-Mitgliedsstaaten sich unter Führung von Italien am Programm beteiligten. Nun ist laut Enrico Saggese, Präsident der ASI, Deutschland oder genauer gesagt das DLR bereit, sich am Programm zu beteiligen. Dies habe er vom Direktor des DLR, Johann-Dietrich Wörner, bei einem Anruf am Starttag zur Gratulation zum erfolgreichen Start erfahren. Dies bestätigte Andreas Shutz, ein Sprecher des DLR.
Noch steht eine endgültige Entscheidung zur neuen Vega-Oberstufe, auch bekannt als VENUS (engl. Vega Next Upper Stage für Nächste Oberstufe der Vega) aber aus. Diese soll erst bei der ESA-Ministerratskonferenz im November fallen. Falls aber die neue Oberstufe genehmigt wird, wird höchstwahrscheinlich Astrium Space Transportation in Deutschland damit beauftragt, die neue Oberstufe zu entwickeln und zu bauen. Dabei soll vor allem ein Ersatz für das Haupttriebwerk RD-869 von KB Juschnoje gefunden werden, der Rest des AVUM wurde zum Großteil in Europa entwickelt. Astrium hat sich aber schon vorher am Vega-Programm beteiligt, so ist es Hauptauftragsnehmer für das Rollkontrollsystem, welches sich im AVUM befindet.
Falls es zur Entscheidung kommt, eine neue Oberstufe in Deutschland zu entwickeln, dann wird es noch einige Jahre dauern, bis sie einsatzfähig ist. Man rechnet damit, dass es, falls die Entscheidung bei der Ministerratskonferenz fällt, zum ersten Start mit neuer Oberstufe frühestens um 2016 oder 2017 herum, wenn nicht gar später, kommen wird.
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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: SpaceFlightNow.com, ESA, DLR, ASI)