InSpace Magazin #466 vom 1. Mai 2012

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #466
ISSN 1684-7407


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Mars Express vermisst die Umlaufbahn von Phobos

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Titansee Ontario Lacus ähnelt der Etosha-Pfanne

> ISS Aktuell:
Progress-Frachter angedockt

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

leider gibt es vom ESA-Satelliten Envisat keine guten Nachrichten. Trotz aller Bemühungen besteht kein Kontakt und damit ist wohl auch nicht mehr zu rechnen. Für die ESA ist Envisat das Flaggschiff unter ihren Erdsatelliten - er dürfte für die ESA einen ähnlichen Rang haben (gehabt haben) wie das Hubble-Teleskop für die NASA. Man stelle sich nur mal vor, Hubble würde von einem Tag auf den anderen ausfallen! Nun gut, Envisat war auch schon doppelt so lange im Orbit wie eigentlich geplant, während Hubble sich trotz seines Alters immer noch (mehr oder weniger) in seinem geplanten "Lebenszyklus" bewegt. Trotzdem ist ein solch totaler und auch noch urplötzlicher Satelliten-Ausfall wie bei Envisat eher selten, da hat die ESA wirklich Pech gehabt.

Laut einem Interview mit Volker Liebig, Direktor für Erdbeobachtungsprogramme bei der ESA, haben Tausende von Mitarbeitern mit den Daten von Envisat gearbeitet, und auch wenn andere Satelliten ähnliche Daten liefern können und Ersatz für Envisat ohnehin schon lange geplant ist, kann man sich unschwer vorstellen, dass es nun zu gewissen Einschränkungen kommen wird.

Ein anderes Thema, von dem zur Zeit viel geredet wird, ist die von einigen ziemlich berühmten Leuten unterstützte US-Firma "Planetary Resources", die die Ausbeutung von erdnahen Asteroiden innerhalb der nächsten Jahrzehnte angehen will. Eine technische wie finanzielle Stütze dieses Konzepts sollen ja "Tankstellen" in niedrigen Erdorbits sein, bei denen Satelliten und Sonden, die nach weiter "außen" wollen, aufgetankt werden können. Überhaupt kann man sich den Erdorbit dann wesentlich bevölkerter vorstellen als jetzt und dann wären vielleicht auch Reparatursatelliten, die einen schweigenden ENVISAT besuchen und nach dem Rechten sehen könnten, keine visionäre Science Fiction mehr, sondern einsetzbare Realität?

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

• Progress-Transporter auf dem Weg zur ISS «mehr» «online»
• Dragon vor letzten Prüfpunkten «mehr» «online»
• Fehlersuche bei Envisat «mehr» «online»
• Wo ist die Dunkle Materie? «mehr» «online»
• Dragon-Start verschiebt sich weiter «mehr» «online»
• YahSat 1B im Übergangsorbit «mehr» «online»
• Ressourcensuche im erdnahen Weltall «mehr» «online»
• Indischer Fernerkundungssatellit gestartet «mehr» «online»
• Was macht eigentlich ... Virgin Galactic? «mehr» «online»
• Moon-Express-Entwicklungspaket bei NASA-Tests «mehr» «online»
• Chandrayaan 2 muss warten «mehr» «online»
• SES 4 im kommerziellen Einsatz «mehr» «online»
• Der Offene Sternhaufen NGC 6604 «mehr» «online»
• China startet zwei weitere Navigationssatelliten «mehr» «online»


» Progress-Transporter auf dem Weg zur ISS
20.04.2012 - Heute Nachmittag, gegen 14.50 Uhr MESZ hob eine Sojus-U-Trägerrakete vom Startkomplex 31 des Kosmodroms Baikonur ab. An der Spitze befand sich ein weiteres russisches Transportraumschiff vom Typ Progress-M-M.
An Bord des Raumschiffes werden rund 2,4 Tonnen Treibstoffe, Versorgungsgüter, Ersatzteile, Experimentiermaterial, Ausrüstungen, Wasser und Sauerstoff zur Internationalen Raumstation transportiert. Die automatische Kopplung ist für den Nachmittag des 22. April geplant. Falls die Automatik Probleme bereitet, stehen mehrere ausgebildete Raumfahrer bereit, die Fernsteuerung aus dem Inneren der ISS von Hand zu übernehmen.

Gestern hatte der Vorgänger, Progress-M 14M, gegen 13.03 Uhr MESZ von der Station abgekoppelt. Das Raumschiff fliegt noch mehrere Tage autonom und soll am 28. April in der Atmosphäre verglühen. Bis dahin läuft das Experiment Radar-Progress, bei dem Dichte, Temperatur und chemische Veränderungen der dünnen Ionospäre in der Umgebung des Raumschiffs während des Betriebs der Triebwerke des Frachters untersucht werden.

Ebenfalls am russischen Teil der Internationalen Raumstation angekoppelt sind gegenwärtig die Raumschiffe Sojus-TMA 22, Sojus-TMA 03M und ATV 3. Während die Sojus-Raumschiffe für die Rückkehr der Besatzungen verwendet werden, ist ATV ein Frachttransporter der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA.

Die Raumstation umläuft die Erde gegenwärtig in einer Höhe zwischen 387 und 397 Kilometern und ist von sechs Raumfahrern bewohnt. Diese führen wissenschaftliche und technische Experimente aus und halten den Betrieb der Station aufrecht.

Für den 30. April ist der Start eines US-amerikanischen Raumschiffs geplant, das ebenfalls die ISS als Ziel hat. Dabei handelt es sich um einen Testflug eines Dragon genannten Frachters der US-Firma Space Exploration Technologies (kurz SpaceX). Im Unterschied zu anderen unbemannten Transportraumschiffen können mit der Dragon-Kapsel auch Materialien zur Erde zurückgeführt werden.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, Raumcon)


» Dragon vor letzten Prüfpunkten
22.04.2012 - Das erste voll funktionsfähige Dragon-Raumschiff der US-Firma Space Exploration Technologies (SpaceX) könnte noch im April ins All starten.
Die letzten noch offenen Überprüfungen betreffen bestimmte Teile der Software sowie einen Triebwerkstest der ersten Stufe. Die Softwaretests waren im Rahmen der Flugbereitschaftsüberprüfung am 16. April genannt worden, der Triebwerkstest am 25. April ist ohnehin Bestandteil der Startvorbereitungen. Ob die Softwaretests zur Zufriedenheit der Verantwortlichen verlaufen sind, soll am 23. April bekanntgegeben werden.

Dann könnte der Start des Dragon-Raumschiffs zur Internationalen Raumstation an der Spitze einer Falcon-9-Trägerrakete am 30. April gegen 18.22 Uhr MESZ erfolgen. Nach dem Eintritt in einen Erdorbit und der Überprüfung der Funktionstüchtigkeit aller Systeme würde die Bahn an der der Raumstation ausgerichtet und durch mehrere Manöver angenähert werden. Am 3. Flugtag (2. Mai) soll dann die ISS umflogen werden. Der Umflug beginnt in 200 Kilometern horizontalem Abstand, wobei Dragon in 10 bis 2,5 Kilometern Abstand unter der ISS hindurchfliegt und diese anschließend in 7 bis 10 Kilometern Abstand überfliegt. Dabei kann getestet werden, ob GPS-Navigation und Kommunikation zwischen Raumschiff und Raumstation wie gewünscht funktionieren.

Läuft alles wie geplant, würde der erklärte Testflug in eine neue Phase eintreten. Dabei nähert sich das Raumschiff der ISS am 4. Flugtag (3. Mai) schrittweise auf 10, 2,5 bzw. 1,4 Kilometer von hinten und unten. Nach dem Zwischenstopp bei 1,4 Kilometern geht es weiter bis 250 m unter der Station. Hier sollen dann verschiedene Manöver durchgeführt werden, die beweisen sollen, dass das Dragon-Raumschiff bestimmte Abbruchszenarien beherrscht und die für Annäherung und Rendezvous benötigte Hardware korrekt funktioniert. Dazu gehören unter anderem spezielle Kommunikationsanlagen sowie Positions- und Geschwindigkeitsmessung über Laser, Radar und GPS. Ähnlich war man bereits 2008 bei den Jungfernflügen des ATV der ESA und des japanischen HTV verfahren.

Erstes Manöver ist ein von der Besatzung der ISS initiierter Abbruch des Rendezvous in etwa 220 Metern Entfernung. Dabei soll sich das Raumschiff autonom auf die vorherige Position, 250 Meter unter der Station zurückziehen und hier relativ zur ISS halten. Anschließend beginnt eine erneute Annäherung mit einem Halt ohne Rückzug auf Befehl von der ISS. Werden beide Manöver erfolgreich absolviert, dann wird anschließend eine Entscheidung getroffen, ob eine Kopplung versucht wird. Diese geht über zwei weitere Haltepositionen, 30 bzw. 10 Meter unter der Station. Die letzte Position muss dann so lange gehalten werden, bis die Greifvorrichtung am Dragon-Raumschiff am entsprechenden Gegenstück am kanadischen Manipulatorarm der ISS befestigt ist. Danach wird der Kopplungsvorgang von Bord der Station gesteuert.

Die Luken zwischen Station und Frachter sollen am 6. Flugtag geöffnet werden. Dragon bringt 460 kg Nahrungsmittel, Bekleidung, Ausrüstung, ein Nano-Racks-Modul, leere Frachtbehälter, Computer und Computerzubehör sowie Eisbarren zur Station. Den Rückweg soll der Frachter am 21. Mai mit 620 kg antreten. Im Unterschied zu anderen unbemannten Frachtern, verfügt Dragon über eine Rückkehrkapsel, mit der Gegenstände unbeschadet zur Erde zurück transportiert werden können. Bereits im Dezember 2010 hat eine Vorserienkapsel nach zweifacher Erdumrundung eine erfolgreiche Wasserung absolviert. Die Rückfracht besteht im Wesentlichen aus nicht mehr benötigter Hardware von wissenschaftlichen Experimenten oder Systemen, die zum Betrieb der Station erforderlich sind. Diese könnten nach mehrjährigem Einsatz im All auf der Erde genauer untersucht werden.

Verläuft der Testflug in allen Punkten erfolgreich, dann könnte eine weitere Dragon-Kapsel noch in diesem Jahr für einen regulären Versorgungsflug zur ISS eingesetzt werden. SpaceX plant außerdem, die Dragon für bemannte Raumflüge weiterzuentwickeln.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, SpaceX, Raumcon)


» Fehlersuche bei Envisat
22.04.2012 - Der ESA-Umweltforschungssatellit Envisat sendet seit dem 8. April keine Signale mehr auf die Erde. Am Boden wird nun nach der Ursache geforscht. Dazu bedient man sich auch anderer Satelliten im Orbit.
So lieferte Pleiades am 15. April eine optische Aufnahme im Vorbeiflug mit etwa 30.000 Kilometern pro Stunde aus etwa 100 km Entfernung. Darauf ist Envisat genau wie auf einer bereits zuvor am Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik Wachtberg mit einer 49-Meter-Antenne gemachten Radaraufnahme intakt zu erkennen. Befürchtet worden war eine Kollision mit Weltraumschrott, die auch jetzt noch nicht ganz auszuschließen ist. Wahrscheinlicher ist allerdings ein Hard- oder Softwaredefekt, da größere Schrotteile im Orbit erfasst werden und man ausweichen könnte.

Envisat wurde im März 2002 gestartet und hatte gerade sein zehnjähriges Jubiläum erreicht. Der Satellit stellt den bisher anspuchvollsten Umweltforschungskomplex im All dar. Mit einer Vielzahl an Instrumenten können verschiedene Aspekte erkundet werden. Um alle Gebiete der Erde erfassen zu können, befindet sich Envisat auf einer sogenannten sonnensynchronen Bahn. Dabei überfliegt er im Abstand von 35 Tagen jede Stelle der Erde jeweils zur selben Tageszeit.

"Envisat-Daten werden kontinuierlich über Ölteppiche, Meereseis, verschiedene meteorologische Vorhersagen, Wasserstände, für atmosphärische Überwachungssysteme und ebenso für die Überwachung von Bodenabsenkungen verschiedener Städte in Europa und anderswo genutzt", sagte Volker Liebig, ESA-Direktor für Erderkundung. Mit seinen Vorgängern ERS 1 und 2 und Envisat sind somit 20 Jahre Daten über Phänomene auf der Erdoberfläche gesammelt worden.

Ursprünglich war eine Funktionsdauer von 5 Jahren geplant. Aufgrund der vorhandenen Reserven und weiterhin guten Funktion der Systeme und Forschungsgeräte wurde die Mission des Umweltwächters mehrfach verlängert. Zuletzt hoffte man, Envisat bis 2014 nutzen zu können. Dann sollen mehrere Sentinel-Satelliten als Nachfolger im Einsatz sein. Sie sollen als kleinere Einheiten und mit verbesserter Technik die Aufgaben von Envisat übernehmen.

Durch den plötzlichen Ausfall würde Envisat auf seiner Flugbahn in derzeit etwa 774 Kilometern Höhe selbst zu unkontrollierbarem Weltraumschrott. Mit 8 Tonnen Masse und etwa 30 Meter größter Ausdehnung böte er ein großes Ziel für Einschläge von kleinen und größeren Schrottteilen auf verschiedenen Umlaufbahnen, wodurch weitere gefährliche Bruchstücke entstehen würden. Eigentlich wollte man Envisats Bahn 2014 mit dem dann noch verbliebenen Treibstoff deutlich absenken, so dass er nach einigen Jahren in die dichten Schichten der Erdatmosphäre eintreten würde. In der gegenwärtigen Bahn würde er aber noch viele Jahrzehnte die Erde umlaufen.

Die Techniker am Kontrollzentrum in Darmstadt forschen nun intensiv an den Ursachen. Bei fehlender Kommunikation mit dem Satelliten ist die Hoffnung, Envisat weiter nutzen zu können aber eher gering. Bei anderen Satelliten war es allerdings in der Vergangenheit bereits mehrfach gelungen.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ESA, Spaceflightnow, Wikipedia, Raumcon)


» Wo ist die Dunkle Materie?
22.04.2012 - Die bisher genaueste Untersuchung von Sternbewegungen innerhalb unserer Heimatgalaxie hat keinen Hinweis auf die Existenz der sogenannten Dunklen Materie in einem großen Raumbereich rund um unser Sonnensystem ergeben.
Nach dem Dritten Keplerschen Gesetz und dem Newtonschen Gravitationsgesetz müsste die Rotationsgeschwindigkeit in den äußeren Bereichen von Galaxien abnehmen. Entgegen dieser Annahme verlaufen die beobachteten Rotationskurven jedoch konstant oder steigen sogar leicht an. Diese Diskrepanz legt die Vermutung nahe, dass im Universum eine Materieform existiert, welche nicht in Form von Sternen, Staub oder Gas sichtbar ist. Diese nicht sichtbare Materie wird von den Astrophysikern als "Dunkle Materie" bezeichnet.

Die Existenz der Dunklen Materie gilt bisher als nicht nachgewiesen, wird aber neben der Galaxienrotation noch durch eine Vielzahl weiterer astronomischer Beobachtungen wie etwa der Dynamik von Galaxienhaufen oder dem Gravitationslinseneffekt nahegelegt, welche unter Zugrundelegung der anerkannten Gravitationsgesetze allein durch die sichtbare Materie nicht erklärbar sind. Der Dunklen Materie wird eine wichtige Rolle bei der Strukturbildung im Universum und bei der Galaxienbildung zugeschrieben.

Messungen im Rahmen des Standardmodells der Kosmologie legen nahe, dass der Anteil der Dunklen Materie an der Gesamtmasse des Universums etwa fünfmal so hoch ausfällt wie der Anteil der gewöhnlichen, sichtbaren Materie. Nach den weitgehend anerkannten Theorien sollten etwa 83 Prozent der Materie des Universums aus dieser Dunklen Materie bestehen.

Diesen Theorien zufolge sollten auch in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems beachtliche Mengen dieser unsichtbaren Materie existieren, welche sich den Astronomen allerdings lediglich durch ihre Schwerkrafteinwirkung, nicht jedoch durch die Abstrahlung von Lichtwellen verraten würde. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch keine Hinweise für das Vorhandensein Dunkler Materie in der Umgebung unseres Sonnensystems.

Für diese Studie verwendete ein Astronomenteam um Christian Moni Bidin vom Departamento de Astronomía der Universidad de Concepción in Chile das MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) und weitere Teleskope, um die Bewegungen von mehr als 400 Sternen in einer Entfernung von bis zu 13.000 Lichtjahren von der Sonne zu vermessen. Auf der Grundlage dieser Datensätze berechneten die Astronomen anschließend die Gesamtmasse aller Materie in der Umgebung des Sonnensystems. Die Auswertung umfasst dabei ein viermal größeres Raumvolumen als vorherige Studien.

"Die von uns berechnete Gesamtmasse entspricht sehr genau der Masse aller sichtbaren Materie - also von Sternen, Staub und Gas - in der Umgebung unserer Sonne", so Christian Moni Bidin. "Dies lässt keinen Raum für zusätzliches Material - die Dunkle Materie - welche wir eigentlich erwartet haben. Sie hätte sich bei unseren Beobachtungen sehr deutlich zeigen müssen, aber sie ist einfach nicht vorhanden."

Für ihre Studie haben die beteiligten Astronomen die Bewegungen der beobachteten Sterne sehr sorgsam vermessen, wobei sch ihr besonderes Augenmerk auf weit von der Galaxienscheibe der Milchstraße entfernte Sterne richtete. Insgesamt flossen über 400 Beobachtungen von roten Riesensternen in die Studie ein, welche in Richtung des südlichen galaktischen Pols liegen und deren Abstände zur galaktischen Ebene stark variieren. Die Bewegungen der Sterne werden von der kombinierten Schwerkraftanziehung aller vorhandenen Materie bestimmt. Sterne und interstellare Wolken aus Gas und Staub tragen dazu ebenso bei wie die in der Dunklen Materie verborgene Masse. Auf diese Weise konnten die Forscher Rückschlüsse auf die insgesamt vorhandene Materiemenge ziehen.

Laut den gegenwärtig von Astrophysikern favorisierten Modellen zur Entstehung und Rotation von Galaxien sollte unsere Heimatgalaxie von einem Halo aus Dunkler Materie umgeben sein, dessen exakte Form nach dem jetzigen Forschungsstand allerdings noch nicht bekannt ist. Allgemein wird jedoch auch in der unmittelbaren Umgebung des Sonnensystems das Vorhandensein nennenswerter Mengen an Dunkler Materie erwartet. Demzufolge sollte sich in jedem Raumbereich mit dem gleichen Volumen wie dem der Erde durchschnittlich zwischen 0,4 und einem Kilogramm Dunkler Materie befinden. Laut den neuen Messungen können sich in der Umgebung unseres Sonnensystems allerdings maximal 70 Gramm Dunkler Materie pro Erdvolumen befinden.

Die Wissenschaftler um Christian Moni Bidin weisen darauf hin, dass ihre Studie kein bestehendes Problem löst, sondern dass statt dessen neue Fragen aufgeworfen werden. Der offensichtliche Mangel an Dunkler Materie in unserer kosmischen Nachbarschaft ließe sich auch durch eine allerdings sehr unwahrscheinliche Form des Halos erklären. Zum Beispiel könnte sich die Dunkle Materie in einer senkrecht zur Galaxienscheibe der Milchstraße orientierten langgestreckten Struktur konzentrieren, welche in ihrer Form einem Rugbyball ähnelt.

Die unerwarteten Ergebnisse des Teams um Christian Moni Bidin, welche demnächst in der Fachzeitschrift "The Astrophysical Journal" publiziert werden, legen zudem nahe, dass vermutlich auch sämtliche weiteren Versuche, die Dunkle Materie von der Erde aus durch die gravitativen Wechselwirkungen zwischen Dunkler und normaler Materie nachzuweisen, nicht zum Erfolg führen werden.

"Trotz dieser neuen Resultate bleibt es eine Tatsache, dass die Milchstraße insgesamt viel schneller rotiert, als durch die normale Materie alleine erklärt werden kann. Wenn die Dunkle Materie also nicht dort zu finden ist, wo wir sie erwartet haben, so ist eine neue Lösung für das Problem der fehlenden Masse nötig. Unsere Ergebnisse widersprechen den derzeit anerkannten Modellen. Die Dunkle Materie ist damit noch ein Stück geheimnisvoller geworden. Zukünftige Messkampagnen wie die der GAIA-Mission der ESA werden von entscheidender Bedeutung sein, um in dieser Frage Fortschritte zu erzielen", so Christian Moni Bidin.

Raumcon-Forum:

Vorabdruck des Fachartikels:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)


» Dragon-Start verschiebt sich weiter
24.04.2012 - Aufgrund weitergehender Tests wird der Start vom 30. April auf einen Termin im Mai verschoben.
In der Diskussion ist der 7. Mai mit dem 10. als Reservedatum. Allerdings könnte sich hier ein Konflikt mit dem nächsten Start eines bemannten Sojus-Raumschiffes anbahnen, so dass eine weitere Verschiebung bis zum 19. Mai oder danach wahrscheinlicher ist. Mit dem Starttermin verschiebt sich auch der Triebwerkstest der ersten Stufe sowie die Betankung des Raumschiffs mit den gefährlicheren selbstzündenden Treibstoffen.

Derzeit hängt es wohl vor allem an einem System, in dem verschiedene Hard- und Softwareszenarien parallel durchgespielt werden können. Demnach initiiert die Software Rendesvouzabbrüche aufgrund von Hardwaredaten, obwohl diese formal noch akzeptabel wären. Ob hier die Programmierung zu "vorsichtig" vorgenommen wurde oder die Hardware widersprüchliche Werte liefert, wurde nicht bekannt gegeben. Auf jeden Fall möchte man weitere Tests durchführen, um den Flug mit höherer Sicherheit zum Erfolg zu führen.

Die geplante Mission, welche die Bezeichnung Dragon C2+ erhalten hat, da sie Elemente der ursprünglichen Testflüge 2 und 3 miteinander vereint, soll neben einem erfolgreichen Start, der schrittweisen Annäherung und einem Umfliegen der Station, bei Erfolg der ersten Etappen auch eine weitere Annäherung, Abbruch- und Haltemanöver in unmittelbarer Nähe zur Internationalen Raumstation sowie eine Kopplung mittels des Stationsmanipulatorsystems Canadarm2 umfassen. Klappt alles, spart man sich einen Testflug.

Der Flugplan der ISS ist im Frühjahr 2012 aber ohnehin recht voll, so dass es nicht einfach wird, eine ausreichend große Lücke für einen Testflug zu finden. Zudem gibt es auch am Boden Überschneidungen mit anderen Missionen, so Anfang Mai mit dem Start des militärischen Kommunikationssatelliten AEHF 2 mit einer Atlas V. Dieser könnte allerdings eventuell auf den 3. Mai vorverlegt werden.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA Spaceflight)


» YahSat 1B im Übergangsorbit
24.04.2012 - Der Kommunikationssatellit YahSat 1B ist nach seinem Start heute Nacht mittlerweile im Geotransferorbit angekommen und von der Oberstufe abgetrennt. Den Zielorbit, die Geostationäre Bahn, ca. 35.780 km über dem Erdäquator, soll er mit eigenem Triebwerk erreichen.
Der Start mit einer Proton-M-Trägerrakete erfolgte vom Kosmodrom Baikonur heute Nacht gegen 0.18 Uhr MESZ. Nach etwa 9 Minuten hatten die 3 Stufen der Proton ihre Arbeit erfolgreich absolviert. Im Verlaufe von 5 Antriebsphasen der Bris-M-Oberstufe innerhalb von reichlich 9 Stunden wurde der zunächst niedrige Erdorbit in einen Transferorbit angehoben. Die Bahn verläuft nun zwischen etwa 3.890 und 35.755 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung von 23,7 Grad gegen den Äquator.

YahSat 1B gehört der Al Yah Satellitenkommunikationsgesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese hatte 2007 bei einem internationalen Konsortium zwei Satelliten sowie das zugehörige Bodensegment bestellt. YahSat 1A wurde im April 2011 gestartet, sein "Zwilling" rund 1 Jahr später. Die Konstruktion beruht auf dem Eurostar-3000-Bus von EADS Astrium. Der Satellit hat eine Anfangsmasse von ca. 6.100 kg und soll 15 Jahre in Funktion bleiben. Zur Steuerung verfügt YahSat über elektrische Triebwerke. Rund 15 kW Leistung liefern zwei Solarzellenpaneele.

YahSat 1B ist mit mehreren Transpondern ausgestattet. Damit soll er neben Fernsehprogrammen auch Datendienste bereitstellen. Diese sollen sowohl von staatlichen als auch privaten Organisationen genutzt werden können.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Skyrocket, Raumcon)


» Ressourcensuche im erdnahen Weltall
25.04.2012 - Gestern wurde auf einer Pressekonferenz das Projekt Planetary Resources der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Großen geht es um die zukünftige industrielle Nutzung von Rohstoffen aus dem All.
Voraussetzung für eine ökonomisch sinnvolle Nutzung ist die Senkung der operationellen Kosten bei Weltraumprojekten. Dann könnten sich koordinierte Aktionen in dieser Richtung lohnen.

Vorgestellt wurde ein dreistufiger Plan: Entdeckung - Erkundung - Nutzung. Die erste Phase soll bereits in zwei Jahren starten. Eine Reihe von Weltraumteleskopen soll möglichst viele erdnahe Asteroiden erfassen, deren Bahnen vermessen und nach möglichen Rohstoffen kategorisieren. Bisher sind etwas über 9.000 sogenannte NEOs (Near Earth Objects) bekannt, man erwartet aber mehr als eine halbe Million potenziell lohnenswerter Objekte mit Durchmessern über 50 Metern. Gerade die kleineren Objekte könnten für eine Rohstoffgewinnung durch automatische Stationen geeignet sein.

Danach würden als vielversprechend eingeschätzte Objekte von Raumsonden zur direkten Untersuchung angeflogen. Daran würde sich die zweite Phase anschließen. Automatisierte und ferngesteuerte Systeme könnten auf ausgesuchten Objekten bestimmte Rohstoffe abbauen und in Richtung Erde transportieren. Als besonders geeignet sieht man Wassereis und seltene Edelmetalle an. Insbesondere aus Eis ließen sich sowohl Sauerstoff für den Menschen als auch Treibstoffe für Weltraumdepots relativ einfach herstellen. Als geeignete Metalle wurden Platin, Palladium, Iridium und Osmium genannt. Diese könnten zur weiteren Nutzung auf die Erde gebracht werden. Ob dies wirtschaftlich möglich ist, hängt allerdings von vielen Bedingungen ab.

Zu den Gründern, Unterstützern und Investoren von Planetary Resources gehören bekannte und wohlhabende Personen wie Microsoft-Entwickler und Weltraumtourist Charles Simonyi, Space-Adventures-Gründer Eric Anderson, X-Prize-Mitinitiator Peter Diamandis, Hollywood-Regisseur James Cameron, Google-CEO Larry Page oder Präsidentenberater Eric Schmidt.

Auf der gestrigen Pressekonferenz äußerten sich einige von ihnen voller Optimismus. So sei die Zeit gekommen, den Weltraum auch wirtschaftlich zu nutzen. Viele neue Unternehmen würden sich mittlerweile mit dem Weltraumtransport beschäftigen und dabei neue Wege gehen. Die Technologie sei heute entwickelt genug, um einfache aber elegante Lösungen innerhalb kurzer Zeit zu finden und zu entwickeln. Das Vorhaben sei zwar mit hohen finanziellen Risiken verbunden, die Ölindustrie investiere jährlich aber auch Milliarden in die Erschließung neuer Rohstoffquellen.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Hobbyspace, Raumcon)


» Indischer Fernerkundungssatellit gestartet
26.04.2012 - RISat 1 (Radar Imaging Satellite) ist mit einem in Indien hergestellten Radarsystem ausgestattet und kann damit die Erdoberfläche bei Tag und Nacht sowie durch Wolken oder Nebel abtasten.
Der Start des 1.850 kg schweren Satelliten auf einer PSLV-XL-Rakete erfolgte gegen 2.17 Uhr MESZ vom Satish Dhawan Raumfahrtzentrum auf der Insel Sriharikota. Die vierstufige Rakete setzte RISat 1 bereits nach 18 Minuten auf dem geplanten Orbit in etwa 600 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung von 97,6 Grad aus.

Die indische Raumfahrtorganisation ISRO entwickelte den Satelliten, um bei Naturkatastrophen wie Überflutungen oder Wirbelstürmen Daten zu liefern. Weitere Anwendungsgebiete finden sich in der Landwirtschaft aber wohl auch in der militärischen Aufklärung.

Dies war der 20. erfolgreiche Start einer indischen Trägerrakete vom Typ PSLV (Polar Space Launch Vehicle) seit 1993 bei nur einem Fehlschlag. Außerdem verfügt Indien mit RISat 1 über 11 Satelliten zur Erdfernerkundung, die in allen Wellenlängenbereichen arbeiten. RISat 2 startete übrigens bereits 2009, war allerdings noch mit einem aus Israel stammenden Radarsystem ausgestattet. Mittlerweile wurden in Indien Technologien entwickelt, die eine eigene Herstellung ermöglichen.

Erste Radarbilder vom neuen Satelliten werden in 5 Tagen erwartet, wenn alle Bordsysteme aktiviert und getestet worden sind.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ISRO, Raumcon)


» Was macht eigentlich ... Virgin Galactic?
27.04.2012 - Nach nachrichtenarmen Monaten könnten Entwicklungsfortschritte beim Triebwerk in den nächsten Wochen auch für die Öffentlichkeit substanzielle Neuigkeiten bringen.
Wie beim Wall Street Journal gestern zu lesen war, erwartet man bei Virgin Galactic in den nächsten 2 Monaten den Abschluss der Entwicklungsarbeiten am neuen Hybridtriebwerk für das SpaceShip Two. Mit diesem soll das ballistische Raumschiff bis auf eine Geschwindigkeit von etwa 5.000 km/h beschleunigt werden und im steilen Steigflug die 100-Kilometer-Grenze überschreiten. Dabei erwartet die Passagiere ein atemberaubender Ausblick auf die Erde und den umgebenden Weltraum sowie für etwa 5 Minuten Schwerelosigkeit.

Eine Kurzreise an die Grenzen des Kosmos’ soll etwa 200.000 Euro kosten. Bisher haben sich mehr als 500 Personen für einen Flug angemeldet. Nummer 500 war Mitte März der Schauspieler Ashton Kutcher.

Vor ein paar Tagen wurde Abu Dhabi als Standort für einen zweiten Weltraumhafen ausgewählt. 32% von Virgin Galactic, dem Anbieter der Weltraumreisen, sind im Besitz von Aabar Investments, weshalb die Wahl des Standortes wenig verwundern dürfte.

Im Februar wurde die US-Firma NanoRacks ausgewählt, Rahmenstrukturen mit Stromversorgung und Datenanschlüssen zu entwickeln, die für Experimente in kurzer Schwerelosigkeit verwendet werden können. Offenbar ist das Interesse von Industrie, NASA und Forschungsinstituten vorhanden, so dass sich eine derartige Investition ebenso lohnen könnte wie man dies vom Touristengeschäft erwartet. Im Oktober letzten Jahres hatte man dazu einen "Industry Day" organisiert, zu dem Hunderte Interessenten angereist waren.

Ebenfalls im Oktober 2011 wurde mit dem ehemaligen Testpiloten Keith Colmer der erste Pilot für die kommerziellen Flüge mit dem Spaceship Two aus einer Gruppe von etwa 500 Bewerbern ausgewählt. Er trainiert im Augenblick mit den Testpiloten des Spaceship One.

Gegenwärtig strebt man an, Ende 2013 mit ersten Touristenflügen beginnen zu können. Zuvor stehen noch umfangreiche Tests an. Immerhin will die gut betuchte Kundschaft das Abenteuer zum großen Teil risikoarm genießen. Bisher hat Virgin Galactic drei erfolgreiche Testflüge mit Gipfelhöhen über 100 Kilometer mit dem Spaceship One, einige Gleitflüge des Nachfolgers Spaceship Two sowie Testzündungen des Triebwerks am Boden vorzuweisen.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Virgin Galactic, Wall Street Journal, Raumcon)


» Moon-Express-Entwicklungspaket bei NASA-Tests
28.04.2012 - Die privat finanzierte US-Firma Moon Express hat der US-Weltraumagentur NASA im Rahmen eines Vertrages ein Designmodell eines zukünftigen Mond- und Asteroidenlanders übergeben.
Dabei handelt es sich um einen 90 kg leichten Lander in Form eines sechsseitigen Prismas mit aufgesetztem Pyramidenstumpf und 4 Landebeinen am unteren Ende. Dieser Lander soll in Zukunft verschiedene Messgeräte, Werkzeuge oder Fahrzeuge transportieren können. Gegenwärtig wird die Entwicklung von der NASA mit 10 Millionen US-Dollar im Rahmen des Innovative Lunar Demonstration Data Program gefördert. Hier werden jährlich 30 Millionen US-Dollar zur Entwicklung neuer Technologien vergeben. Außerdem nimmt Moon Express als eines von 24 angemeldeten Teams am Google Lunar X-Prize teil, bei dem ein privat finanziertes Fahrzeug auf dem Mond eine bestimmte Strecke zurücklegen soll.

Die dafür durch ein Studententeam entwickelten Fahrzeuge "Arthur" (C. Clarke) und "Robert" (E. Heinlein) ähneln "fahrenden Hanteln", sind also zylindrische Körper mit je einem raupenartigen Antrieb an beiden Enden. Als Rakete für den Start zum Mond, der derzeit für 2013 geplant ist, zieht man Orbitals Taurus II oder eine Falcon 9 von SpaceX in Betracht. Die Flugbahn zum Erdtrabanten soll der von Apollo 8 ähneln.

Erklärtes Ziel der Bemühungen von Moon Express ist die Errichtung einer Infrastruktur zur Förderung wertvoller Bodenschätze auf dem Mond. Diese sollen sowohl aus Mondgestein als auch aus auf der Mondoberfläche zu findenden Überresten abgestürzter Asteroiden gewonnen werden. Genannt werden neben Wasser(eis) erneut Metalle der Platin-Gruppe, neben diesem also auch Iridium, Osmium, Ruthenium und Rhodium.

Im US-Magazin "Resource Word" war im April 2011 sogar die Rede von "the biggest mining story in history". Sie könne das Leben von Millionen Erdenbürgern beeinflussen.

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Raumcon:

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Space Travel, Moon Express)


» Chandrayaan 2 muss warten
28.04.2012 - Die zweite unbemannte indische Mondmission namens Chandrayaan 2 muss warten, bis sich die GSLV-Trägerrakete bei zwei erfolgreichen Flügen bewährt hat.
Nach dem erfolgreichen Start des indischen Radarsatelliten Risat 1 auf einer Rakete des Typs PSLV berichtete der Leiter der indischen Raumfahrtforschungsorganisation (ISRO) K. Radhakrishnan Journalisten, dass man plane, im Abstand von sechs Monaten zwei Raketen des Typs GSLV zu starten, bevor man Chandrayaan 2 auf den Weg zum Mond bringe.

Im Oktober 2008 startete die erste indische Mondmission mit dem Mondorbiter Chandrayaan 1 auf einer PSLV. Für die zweite indische Mondmission ist eine weiche Landung auf dem Erdtrabanten geplant, dabei arbeitet Indien mit Russland zusammen. Mit einem indischen Orbiter soll ein russischer Lander den Mond erreichen, dessen Aufgabe es unter anderem sein wird, einen indischen Minirover auf die Mondoberfläche zu bringen. Die schwerere Sonde Chandrayaan 2 wird voraussichtlich von einer GSLV gestartet werden. Eine derartige Rakete absolvierte zuletzt 2004 mit Edusat alias GSAT-3 einen erfolgreichen Flug.

Nach mehrfachem Versagen der GSLV leiden einige Programme der ISRO unter Verzögerungen. Die in Indien konstruierte kryogene Oberstufe mit einem in Indien gebauten Antrieb für die GSLV war bisher Bestandteil einer einzigen geflogenen GSLV (D3) und funktionierte dabei nicht. Derzeit arbeitet die ISRO intensiv an einer Flugertüchtigung der Stufe.

Laut Radhakrishnan ist der nächste Einsatz der indischen kryogenen Oberstufe auf einer GSLV im September oder Oktober 2012 vorgesehen. Zwei Bodentests des flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennenden Triebwerks der Raketenstufe haben zwischenzeitlich stattgefunden.

Weil bei dem Versagen der GSLV-F06 im Dezember 2010 deren Nutzlastverkleidung mit einem Durchmesser von vier Metern eine wahrscheinliche Ursache für den Fehlschlag war, werde beim nächsten GSLV-Flug wieder die bewährte Verkleidung mit einem Durchmesser von 3,4 Metern zum Einsatz kommen, teilte Radhakrishnan außerdem mit.

Dass es schließlich gelingt, Chandrayaan 2 im Jahr 2013, wie es einmal geplant war, auf die Reise zum Mond zu schicken, ist mehr als unwahrscheinlich. Ein Start im Jahr 2014 scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt ebenfalls unrealistisch. Nicht unvorstellbar ist, dass eine Trägerrakete mit Chandrayaan 2 an Bord erst im Jahre 2016 abhebt.

Schwierigkeiten bei der Einhaltung des maximal möglichen Startgewichts von Chandrayaan 2 und der Absicherung der erforderlichen Zuverlässigkeit der russischerseits beigesteuerten Komponenten sind sicher grundlegendere Ursachen für erhebliche Verzögerungen. Auf jeden Fall werden neue GSLV im Herbst 2012 (voraussichtlich als GSLV-D5 mit GSAT-14) und im Frühjahr 2013 beweisen müssen, dass sich dieser Raketentyp mit einer gewissen Zuverlässigkeit einsetzen lässt, denn bis auf weiteres ist ein Start von Chandrayaan 2 auf einer solchen Rakete vorgesehen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: IANS, Raumfahrer.net)


» SES 4 im kommerziellen Einsatz
29.04.2012 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber SES informierte am 18. April 2012 darüber, dass der kommerzielle Einsatz des Satelliten SES 4 begonnen hat.
Das beim Start rund 6.180 Kilogramm schwere, von Space Systems/Loral (SS/L) basierend auf dem Satellitenbus 1300 konstruierte Raumfahrzeug war am 14. Februar 2012 auf einer von Chrunitschew gebauten Proton-M-Rakete mit Breeze-M-Oberstufe vom Startgelände Baikonur in Kasachstan aus in den Weltraum gebracht worden. Als NSS 14 hatte SES NEW SKIES den dreiachsstabilisierten Satelliten im Februar 2008 bei SS/L in Auftrag gegeben. Seit einer Umzeichnungsaktion Anfang 2010 wird er SES 4 genannt.

Nach dem Start gab es nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax Probleme bei der Entfaltung eines der beiden Solarzellenausleger des Satelliten. Durch gezielte Schubstöße aus Triebwerken des Satelliten gelang es laut Interfax, auch den zweiten Ausleger zur Entfaltung zu bewegen. Der Branchendienst Space News berichtete am 1. März 2012, dass nur eines der beiden pro Ausleger seitlich angebrachten Panele Probleme bereitet hatte und zunächst nicht die vorgesehene Verriegelungsposition erreichte. Zuvor hatte SS/L am 16. Februar 2012 gemeldet, dass der Satellit erste Manöver erfolgreich absolvierte habe und die Solarzellenausleger am 15. Februar 2012 entfaltet worden seien. Die beiden Ausleger sind maßgeblich für die Energieversorgung der Satellitensysteme und der umfangreichen Kommunikationsnutzlast verantwortlich. Sie wurden so dimensioniert, dass sie am Ende der Einsatzdauer von SES 4 immer noch rund 20 Kilowatt elektrische Leistung zur Verfügung stellen können.

Derzeit ist SES 4 der größte von seinem Betreiber eingesetzte Kommunikationssatellit. Gleichzeitig trägt er auch die umfangreichste Transponderphalanx auf einem Satelliten von SES. An Bord befinden sich 52 C-Band- und 72 Ku-Band-Transponder.

Positioniert ist SES 4 über dem Atlantik bei 338 Grad Ost im Geostationären Orbit. Dort dienen seine C-Band-Transponder der Versorgung Afrikas und Osteuropas, sowie der beiden amerikanischen Kontinente. Über die Ku-Band-Transponder werden Dienste für Kunden in Europa, im Nahen Osten, im Westen Afrikas sowie auf den beiden amerikanischen Kontinenten bereitgestellt. SES 4 ersetzt den 2002 von einer Ariane-4-Rakete ins All transportierten Satelliten NSS 7, welcher künftig an einer anderen Position im Geostationären Orbit betrieben werden soll.

Die geplante Einsatzzeit von SES 4 im All beträgt mindestens 15 Jahre. Dabei setzt man auf die Unterstützung eines elektrischen Antriebssystems zur Lageregelung, das mit vier Triebwerken vom Typ SPT-100 ausgerüstet ist.

SES 4 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.087 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-007A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Interfax, SES, Space News, SS/L)


» Der Offene Sternhaufen NGC 6604
29.04.2012 - Eine aktuelle Aufnahme des MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskops am La-Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile zeigt den offenen Sternhaufen NGC 6604.
Der im Sternbild Schlange (lateinische Bezeichnung "Serpens Cauda") gelegene und etwa 5.500 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt befindliche offene Sternhaufen NGC 6604 wird von vielen Amateurastronomen aufgrund seiner Nähe zu dem in der unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Adlernebel häufig übersehen. NGC 6604 befindet sich knapp zwei Grad, dies entspricht etwa vier Vollmonddurchmessern, nördlich des Adlernebels. Die hellsten Sterne des +6,5 mag hellen Sternhaufens NGC 6604 sind bereits mittels eines kleinen Teleskops auszumachen, so dass der Sternhaufen bereits im Jahre 1784 von dem Astronomen William Herschel katalogisiert werden konnte.

Eine am 25. April 2012 von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme von NGC 6604 zeigt diesen Sternhaufen eingebettet in seine Umgebung aus Gas und Staub. Die Aufnahme wurde mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La-Silla-Observatorium in Chile gewonnen und beweist eindrucksvoll, dass sich dieser Sternhaufen im Vergleich mit seinen kosmischen Nachbarn durchaus nicht "verstecken" muss.

Bei NGC 6604 handelt es sich um die helle Sterngruppierung, welche oben links im nebenstehenden Bild zu erkennen ist. Dieser noch relativ junger Sternhaufen stellt den dichtesten Teil einer viel weiter verteilten Sternassoziation dar, welche in ihrer Gesamtheit etwa hundert helle, weißlich-blau leuchtende Sterne enthält. Diese Sternassoziation wurde von den Astronomen mit der Bezeichnung "Serpens OB" versehen. Dabei bezieht sich der erste Teil des Namens auf das Sternbild, in dem die Sterne zu finden sind. Die Buchstaben "O" und "B" verweisen dagegen auf deren jeweilige Spektralklassen. Die Spektraltypen "O" und "B" charakterisieren die beiden heißesten den Astronomen bekannten Sternklassen. Ihnen angehörige Sterne leuchten in einem besonders auffälligen hellen, blau-weißen Licht.

Die Aufnahme des ESO-Teleskops zeigt außerdem einen zu dem Sternhaufen gehörenden Nebel, welcher aus einer rötlich leuchtenden Wolke aus Wasserstoffgas besteht und der auch als "Sh2-54" bezeichnet wird. Die Bezeichnung "Sh2-54" besagt, dass es sich hierbei um das 54. Objekt im zweiten Sharpless-Katalog der sogenannten HII-Regionen handelt. Der besagte Katalog wurde bereits im Jahr 1959 veröffentlicht. Zusätzlich sind in der Aufnahme Regionen sichtbar, in denen sich Ansammlungen von dunklen Staubwolken konzentrieren.

Die heißen, jungen Sterne sind aktuell für die Entstehung einer neuen Sterngeneration im Inneren von NGC 6604 verantwortlich. Durch die von ihnen ausgehende intensive Strahlung und starke Sonnenwinde wird die in der Umgebung befindliche Materie aus Staub und Gas in räumlich eng begrenzten Regionen komprimiert. Aus diesen in der Entstehung befindlichen Materiekonzentrationen werden sich in der Zukunft sogenannte Globulen bilden, welche wiederum die Geburtsstätten neuer Sterne darstellen.

Abgesehen von den ästhetischen Gesichtspunkten dieser und vergleichbarer Aufnahmen zieht der Sternhaufen NGC 6604 die Aufmerksamkeit der Astronomen auch aus einem anderen Grund auf sich. Von dem Sternhaufen geht eine rätselhafte Säule aus heißem, ionisiertem Gas aus. Vergleichbare Gassäulen - regelrechte Kanäle, entlang derer die von jungen Sternhaufen ausgestoßene Materie fließt - sind aus anderen Regionen unserer Heimatgalaxie und von anderen Spiralgalaxien bekannt. Im Gegensatz zu diesen anderen Gassäulen befindet sich NGC 6604 allerdings vergleichsweise nahe an der Erde und ermöglicht den Astronomen somit besonders detaillierte Untersuchungen der dort ablaufenden Prozesse.

Diese von NGC 6604 ausgehende Säule, von den Wissenschaftlern auch als "Kamin" bezeichnet, steht senkrecht auf der galaktischen Ebene und erstreckt sich über eine Distanz von 650 Lichtjahren. Die Astronomen gehen davon aus, dass die heißen Sterne in NGC 6604 für die Entstehung des Kamins verantwortlich sind. Die Natur dieser ungewöhnlichen Strukturen wird allerdings erst durch zukünftige Untersuchungen vollständig enthüllt werden können.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» China startet zwei weitere Navigationssatelliten
30.04.2012 - Damit beginnt nun der weltweite Ausbau des Systems, das übersetzt Kompass heißt, mit Satelliten in mittleren Bahnhöhen.
Der Start erfolgte gestern Abend 22.50 Uhr MESZ vom Raumfahrtgelände Xichang (sprich: Chitschang) an der Spitze einer Trägerrakete vom Typ Chang Zheng 3B (Langer Marsch), die Satelliten tragen die Bezeichnungen Beidou-2 M3 und M4, gehören also zur zweiten Generation chinesischer Navigationssatelliten und sind die Nummern 2 und 3 auf mittleren Bahnen (MEO = Medium Earth Orbit).

China hat in den vergangenen Jahren insgesamt 10 Navigationssatelliten auf Positionen im Geostationären Orbit (5) oder auf inklinierten geosynchronen Bahnen (5) stationiert. Damit erreichte man bereits im letzten Jahr eine regionale Nutzbarkeit in China und umgebenden Staaten. Diese Satelliten können natürlich weiter verwendet werden und erhöhen sowohl die Genauigkeit als auch die Empfangbarkeit insbesondere in bergigen Regionen oder den Straßenschluchten von Großstädten, da der Signaleinfall sehr steil erfolgt.

Um eine Position auf der Erde mittels eines satellitengestützten Navigationssystems zu berechnen, benötigt der Empänger mindestens 4 empfangbare Satelliten, aus möglichst weit voneinander unterscheidbaren Richtungen. Dies ist aufgrund des Aufbaus regional bereits gewährleistet. So sind zwei geostationäre Positionen östlich und westlich von China besetzt. Hinzu kommen mehrere Satelliten, die dazwischen scheinbare Achten am Himmel zurücklegen und damit manchmal deutlich nördlich des Äquators und manchmal deutlich südlich davon unterwegs sind. Auf dieser Trajektorie befinden sich insgesamt fünf Raumfahrzeuge, so dass man immer zwei weit auseinanderliegende Positionen hat. Damit ist Satellitennavigation möglich, da die Satelliten in China ständig empfangen werden können.

Drei Signale werden für eine Dreipunktpeilung benötigt, das vierte Signal liefert die Referenz für den Zeitabgleich. Aus der von den Satelliten gesendeten Position und der Laufzeit, lässt sich der Ort mit hoher Präzision vom Navigationsgerät errechnen. Satelliten in mittleren Bahnhöhen haben Umlaufzeiten von etwa 12 Stunden. Sie bleiben also einige Stunden im Empfangsbereich, gehen jedoch aus Sicht des Beobachters auf und unter. Deshalb werden auf mittleren Bahnen stets mehrere Satelliten im selben Orbit geflogen. Sie sind auf der Bahn aber zeitlich gegeneinander versetzt, so dass man hier ebenfalls gleichzeitig mehrere Satelliten empfangen kann. Dadurch wird die Breite der Dreipunktpeilung und damit die Genauigkeit vergrößert.

Der Start von Beidou-2 M3 und 4 war der erste Doppelstart chinesischer Navigationssatelliten. In den kommenden Jahren sollen noch mehr als 20 MEO-Satelliten gestartet werden, was mit dieser Methode gut 10 Starts erfordern würde. Angesichts des Arbeitstempos scheint das Ziel, das System bis 2020 komplett einsatzbereit zu haben, sicher erreichbar. Es ist sogar damit zu rechnen, dass eine globale Abdeckung bereits deutlich vorher (2015) zur Verfügung steht.

Die Konstruktion der Beidou-2-Satelliten beruht auf dem Dong-Fan-Hong-3-Bus und verfügt zur Energieversorgung über zwei Solarzellenpaneele. Die Masse eines Satelliten soll bei etwa 800 kg liegen, die Bahn in Höhen um 21.500 Kilometern bei einer Bahnneigung um 55 Grad. Als angestrebte Funktionsdauer werden 5 Jahre angegeben, heutige Satelliten müssten also regelmäßig erneuert werden. Die genaue Zeit wird in jedem Satelliten durch mehrere Atomuhren ermittelt, die Geschwindigkeits- und Positionsbestimmung geschieht über Radiosignale sowie Laserpeilung von der Erde aus. Dazu verfügen die Kompass-Satelliten über entsprechende Reflektoren. Angestrebt wird eine Positionsgenauigkeit im Bereich weniger Meter, man unterscheidet aber zwischen zivilen und ausschließlich militärisch verwendbaren Signalen.

Beidou-2 M5 und M2 sollen gemeinsam noch in diesem Jahr gestartet werden, M1 befindet sich bereits seit 2007 im All, gestartet wurde er damals noch mit der Bezeichnung Beidou 2A. Weltweit existieren mit GPS und GloNASS bereits zwei fertige Navigationssatellitensysteme aus den USA und aus Russland. Mit Galileo soll in den nächsten Jahren auch ein in Westeuropa entwickeltes System entstehen. Die ersten beiden Einsatzsatelliten arbeiten seit einigen Monaten.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Raumfahrer.net, NASAspaceflight, Xinhua, Skyrocket)



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Mars Aktuell: Mars Express vermisst die Umlaufbahn von Phobos von Redaktion



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» Mars Express vermisst die Umlaufbahn von Phobos
29.04.2012 - Am morgigen 30. April 2012 wollen die für die Steuerung der Raumsonde Mars Express zuständigen Mitarbeiter des Europäischen Raumflugkontrollzentrums ESOC in Darmstadt eine seltene Konstellation dazu nutzen, um die Daten der Umlaufbahn des Marsmondes Phobos noch genauer als bisher zu ermitteln.
Die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express befindet sich bereits seit dem Dezember 2003 in einer elliptischen Umlaufbahn um den Mars und untersucht seitdem die Oberfläche und die Atmosphäre unseres äußeren Nachbarplaneten mit insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumenten. Unter günstigen Bedingungen rücken dabei auch immer wieder Phobos und Deimos, die beiden Monde des Mars, in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Am morgigen Tag ergibt sich so die Gelegenheit, die Umlaufbahn des inneren und größeren der beiden Marsmonde, des Phobos, noch genauer als bisher zu bestimmen.

Die Berechnungen des für die Flugkontrolle der von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express verantwortlichen "Flight Dynamics Teams" haben gezeigt, dass sich am morgigen 30. April 2012 eine sehr seltene Konstellation ergibt. An diesem Tag wird sich Phobos auf seiner Umlaufbahn um den Mars für die Dauer von knapp 12 Sekunden direkt zwischen die Raumsonde und die Erde schieben. Dabei wird Phobos die von Mars Express an die in Cebreros/Spanien befindliche Station des ESTRACK-Kommunikationsnetzwerkes ausgestrahlten Radiosignale blockieren.

Sollten die Berechnungen, welche auf den bisher bekannten Orbitparametern des Mondes und der genau bekannten Position der Raumsonde basieren, korrekt sein, so können durch die Verfolgung des Radiosignals die bisher bekannten Parameter der Umlaufbahn von Phobos noch weiter verfeinert werden. Zu diesem Zweck soll die Raumsonde so ausgerichtet werden, dass die für die Kommunikation benötigte Hauptantenne direkt auf die Erde zeigt. Anschließend wird Mars Express ein stetiges Signal aussenden, welches mit der 35-Meter-Antenne in Cebreros empfangen wird.

Spezielle radiometrische Aufnahmegeräte werden dabei das eingehende Raumsondensignal aufzeichnen und so auch den Beginn und das Ende der Unterbrechung des Funksignals mit einer Genauigkeit von weniger als einer Sekunde erfassen. Laut den Berechnungen sollte das von Mars Express ausgehende Signal von 23:21:22,9 Uhr bis 23:21:34,1 Uhr MESZ (Raumsondenzeit) unterbrochen werden. Aufgrund des gegenwärtigen Abstandes von rund 140 Millionen Kilometern zwischen dem Mars und der Erde und der sich daraus ergebenden Signallaufzeit von über sieben Minuten würde diese Unterbrechung anschließend von 23:29:13,0 Uhr bis 23:29:24,2 Uhr MESZ von der Empfangsstation in Cebreros registriert.

Die Empfangsdaten von der ESTRACK-Station sollen anschließend von Spezialisten der ESA und des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA näher analysiert werden. Durch minimalste Abweichungen zwischen den berechneten und den real empfangenen Signalzeiten lassen sich die bisher bekannten Parameter der Phobos-Umlaufbahn noch weiter verfeinern. Dies ist besonders für zukünftige Untersuchungen des Marsmondes von Bedeutung. Für diese ist eine möglichst genaue Kenntnis der Umlaufbahn von Phobos nötig.

"Die Beobachtung dieser Okkultation verspricht einen gewaltigen Schub in unserem Verständnis von Phobos", so Michel Denis, der für die Mars Express-Mission verantwortliche Spacecraft Operations Manager der ESA.

Bereits wenige Sekunden nach dem Ende der Okkultation werden die Instrumente der Raumsonde um 23:22 Uhr MESZ erneut auf den Mars ausgerichtet und ihre regulären wissenschaftlichen Untersuchungen fortsetzen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)



 

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Saturn Aktuell: Titansee Ontario Lacus ähnelt der Etosha-Pfanne von Redaktion



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» Titansee Ontario Lacus ähnelt der Etosha-Pfanne
21.04.2012 - Ein mit Kohlenwasserstoffverbindungen gefüllter See auf dem Saturnmond Titan scheint sich auf die gleiche Weise gebildet zu haben wie die Etosha-Pfanne im südlichen Afrika.
Auf der Oberfläche des Mondes Titan, dem größten der 62 bisher bekannten Saturnmonde, konnten Planetologen in den letzten Jahren etwa 400 Seen identifizieren, welche sich hauptsächlich auf der nördlichen Hemisphäre des Mondes befinden. Im Gegensatz zu den Gewässern auf der Erde sind diese Titanseen allerdings nicht mit Wasser, sondern vielmehr mit flüssigen Kohlenwasserstoffverbindungen, speziell mit Ethan, Propan und Methan, gefüllt.

Bei dem Ontario Lacus handelt es sich um einen in der Südpolregion des Titan gelegenen See, welcher über eine Fläche von etwa 15.000 Quadratkilometern verfügt. Der See befindet sich im Inneren eines flachen Beckens, welches von mehreren kleineren Gebirgszügen begrenzt wird.

Im Vergleich mit irdischen Gewässern ähnlicher Ausdehnung scheint der Ontario Lacus allerdings auffallend seicht auszufallen. Verschiedene Abtastungen mit dem RADAR-Instrument an Bord der Saturnsonde Cassini, welche im Juli 2009 und im Januar 2010 erfolgten, ergaben eine durchschnittliche Tiefe des Sees von lediglich 0,4 bis 3,2 Metern bei einer Maximaltiefe von 2,9 bis 7,4 Metern. Dies führt zu einem geschätzten Volumen von etwa 7 bis 50 Kubikkilometern, weniger als ein Dreißigstel des in Nordamerika gelegenen Ontariosees, dem Namensgeber des Ontario Lacus.

Ein Team um Thomas Cornet von der Universität Nantes/Frankreich wertete jetzt weitere Radar-, Spektrometer- und Bilddaten des Ontario Lacus aus, welche bei mehreren Titan-Vorbeiflügen der Raumsonde Cassini gesammelt wurden. Dabei entdeckten die Wissenschaftler im südlichen Bereich des Sees deutliche Hinweise auf mehrere Kanäle, welche über dessen Boden verlaufen.

"Aus diesen Beobachtungen schlussfolgern wir, dass in diesem Bereich des Sees der feste Boden des Ontario Lacus offenbar frei liegt", so Thomas Cornet. Des Weiteren entdeckten die Wissenschaftler in der Umgebung von Ontario Lacus die Sedimente früherer Küstenlinien - ein Hinweis darauf, dass der Flüssigkeitsstand des Sees in der Vergangenheit höher als zum Zeitpunkt der Aufnahmen ausgefallen sein muss.

Die Wissenschaftler schließen aus diesen Beobachtungen, dass sich der "Wasser"-Spiegel des Ontario Lacus abhängig von dem "Grundwasser"-spiegel hebt und senkt. Solche Veränderungen des Wasserstandes können auch bei verschiedenen irdischen Gewässern beobachtet werden.

Am ehesten, so die Wissenschaftler, ist der Ontario Lacus dabei mit der Etosha-Pfanne im nördlichen Namibia vergleichbar - einer flachen Senke, welche sich nur bei starken Regenfällen aufgrund eines Anstieges des Grundwasserspiegels mit Wasser füllt.

Wie die Etosha-Pfanne in Namibia, so das Team um Thomas Cornet, hat sich auch der Ontario Lacus somit vermutlich durch die langfristige Erosion einer oberflächennahen Schicht aus leicht löslichen Mineralien gebildet. Die immer wieder aus dem Untergrund aufsteigende Flüssigkeit hat diese Mineralien im Laufe der Zeit ausgewaschen und so zur Entstehung der flachen Senke geführt, welche jetzt mit flüssigen Kohlenwasserstoffverbindungen gefüllt wird.

"Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der vergleichenden Planetologie in der modernen Planetenforschung", so Nicolas Altobelli, ESA-Projektwissenschaftler der Cassini-Huygens-Mission. "Die Suche nach [von der Erde her] vertrauten geologischen Besonderheiten auf fremde Welten wie Titan erlaubt es uns dabei, die Theorien zur Erklärung ihrer Entstehung zu überprüfen."

Die hier vorgestellte Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Icarus publiziert.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA, JPL)


» Cassinis Saturnorbit Nummer 166
23.04.2012 - Vor wenigen Stunden begann der mittlerweile 166. Umlauf der Raumsonde Cassini um den Planeten Saturn. Der Schwerpunkt der während des 17 Tage dauernden Umlaufs vorgesehenen wissenschaftlichen Studien liegt diesmal in der Untersuchung der Saturnatmosphäre und der Monde Enceladus und Dione.
Am heutigen 23. April 2012 hat die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 16:46 MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,37 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren mittlerweile 166. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde wird sich bis zum 22. Mai 2012 auch weiterhin auf einer Orbitbahn bewegen, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der jetzt begonnene Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 165", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern in erster Linie dazu genutzt werden, um den Ringplaneten und dessen größere, innere Monde mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden. Den Höhepunkt des gegenwärtigen Orbits bildet ein gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Enceladus, welcher am 2. Mai in einer Entfernung von 74 Kilometern passiert werden wird.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 17 Tage dauernden Orbits insgesamt 23 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Ein großer Teil dieser Beobachtungen wird dabei erneut das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnte (Raumfahrer.net berichtete). Außerdem sind verschiedene Beobachtungen der Saturnmonde Enceladus, Dione und Titan vorgesehen.

Nach einer kurzen Aktivierung der Triebwerke von Cassini am 23. April 2012 - dieses als "Short Engine Burn Nummer 318" bezeichnete Manöver dient einer notwendigen Kurskorrektur der Raumsonde - wird die ISS-Kamera den wissenschaftlichen Betrieb während des Orbits Nummer 166 am 24. April aufnehmen. Das Ziel der Beobachtungen wird die nördliche Saturnhemisphäre und das immer noch dort befindliche, mittlerweile aber stark abgeschwächte Sturmgebiet sein. Bis zum 30. April sind insgesamt sieben solcher jeweils nur wenige Minuten andauernde Beobachtungssequenzen vorgesehen, mit denen die aktuelle Ausdehnung und Entwicklung des Sturmgebietes dokumentiert werden soll.

Ebenfalls am 24. April soll die ISS-Kamera zudem auf den Mond Erriapus ausgerichtet werden, um diesen aus einer Entfernung von rund 6,31 Millionen Kilometern über einen Zeitraum von 14 Stunden mehrfach abzubilden. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn, seinem Durchmesser von etwa acht bis zehn Kilometern und seiner im Vergleich zu den anderen Saturnmonden relativ hohen mittleren Dichte von 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter, welche auf eine Zusammensetzung aus Wassereis mit einem hohen Anteil an Silikatgestein hindeutet, ist über diesem erst im Jahr 2000 entdeckten Saturnmond bisher nur sehr wenig bekannt.

Anhand der Variationen in der sich bei der Beobachtung ergebenden Lichtkurve und dem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen dessen Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebende Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtung ist ein Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen neben den Rotationsgeschwindigkeiten der Monde wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen. Eine vergleichbare Beobachtungssequenz wird am 1. und am 3. Mai den Mond Ymir zum Ziel haben.

Am 25. April 2012 soll sich Cassini zudem zum wiederholten mal als "Exoplanetenjäger" betätigen. Zu diesem Zweck wird die ISS-Kamera zusammen mit einem der Spektrometer an Bord der Raumsonde, dem Visual Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), den im Sternbild Füchslein (lateinischer Name Vulpecula) gelegenen Stern HD 189733 ins Visier nehmen. Das Ziel dieser Beobachtungssequenz besteht darin, einen Transit des dort befindlichen Exoplaneten HD 189733b zu beobachten.

Dieser Exoplanet wurde am 11. Oktober 2005 mit Hilfe des Astrometriesatelliten Hipparcos entdeckt. Mittels erdgestützter spektroskopischer Untersuchungen konnten Astronomen Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid und Methan in der Atmosphäre des Planeten nachweisen. Durch Beobachtungsdaten, welche durch das Spitzer Space Telescope gewonnen wurden, konnte außerdem eine grobe Karte der dort befindlichen Wolkenformationen erstellt werden. HD 189733b verfügt über eine Masse von etwa 1,14 Jupiter-Massen. Für eine vollständige Umrundung seines Zentralstern benötigt er eine Zeitdauer von lediglich 2,22 Tagen.

Im Rahmen der Beobachtung wollen die an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler versuchen, den Transit des Exoplaneten vor seinem Zentralstern zu beobachten. Der rund 63 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt befindliche Stern HD 189733, welcher über eine visuellen Helligkeit von 7,67 mag verfügt, wird in den Aufnahmen der ISS-Kamera lediglich als ein relativ schwacher Lichtpunkt sichtbar sein. Der Exoplanet kann dagegen nicht direkt beobachtet werden. Allerdings erhoffen sich die Wissenschaftler, im Rahmen der Beobachtungen eine minimale Abschwächung des von HD 189733 ausgehenden Lichts registrieren zu können.

Diese Vorgehensweise ist eine der üblichen Methoden, welche Astronomen bei der Suche nach Exoplaneten anwenden. Sie wird als Transitmethode bezeichnet. Sobald ein Exoplanet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Mutterstern vorbeizieht, nimmt die Helligkeit des beobachteten Sterns um einen winzigen Bruchteil ab, da der Planet einen Teil des von seinem Zentralgestirn ausgehenden Lichts abschirmt. Um diesen Helligkeitsabfall zu erfassen - bei einem Transit des Exoplaneten HD 189733b vor seinem Zentralstern beträgt dieser Helligkeitsabfall lediglich etwa drei Prozent - wird die ISS-Kamera während der Beobachtungssequenz alle drei Minuten eine Aufnahme des Sterns anfertigen.

Am 2. Mai wird Cassini um 14:34 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während ihres 166. Orbits, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde 135.460 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden.

Bereits drei Stunden zuvor erfolgt ein dichter Vorbeiflug an dem Saturnmond Enceladus, welcher um 11:31 MESZ in einer Entfernung von lediglich 74 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 7,5 Kilometern pro Sekunde passiert werden wird. Während der Annäherungsphase soll die ISS-Kamera eingesetzt werden, um die südliche Hemisphäre des Mondes aus Entfernungen von 416.000 Kilometern bis hin zu 106.000 Kilometern abzubilden. Die Kamera soll hierbei speziell dazu eingesetzt werden, um die von der Südpolregion ausgehenden Fontänen aus Gas und feinen Wassereiskristallen abzubilden. Neben der Suche nach weiteren Plumes soll dabei eine eventuell veränderte Aktivität der bisher bekannten Auswurfzonen untersucht werden.

Im Anschluss an diese Beobachtungssequenz soll ein weiteres wissenschaftliches Instrument von Cassini, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), die zu diesem Zeitpunkt nicht von der Sonne beleuchtete Nachtseite des Mondes im mittleren Infrarotbereich abbilden und nach Temperaturvariationen auf der Mondoberfläche suchen.

Während der zwei Stunden um die dichteste Annäherung an Enceladus soll schließlich das Radio Science Subsystem (RSS) eingesetzt werden. Während des Vorbeifluges an dem Mond wird Cassini durch von Enceladus ausgehende gravitative Einflüsse minimal von der vorausberechneten Flugbahn abgelenkt werden. Diese Abweichungen machen sich in einem von Cassini ausgestrahlten Radiosignal durch eine Dopplerverschiebung bemerkbar.

Durch die RSS-Messungen sollen Informationen über die innere Struktur des Mondes gewonnen werden. Speziell erhoffen sich die Wissenschaftler durch das RSS-Experiment neue Erkenntnisse über eventuell existierende Heterogenitäten und Massekonzentrationen im Bereich des Südpols von Enceladus. Durch den Nachweis von unterschiedlichen Massekonzentrationen ließe sich eventuell die These eines dort befindlichen unterirdischen Wasserreservoirs erhärten.

Ebenfalls am 2. Mai erfolgt ein dichter Vorbeiflug der Raumsonde an dem Mond Dione. Dieser wird von Cassini um 22:13 in einer Entfernung von 8.057 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 8,5 Kilometern pro Sekunde passiert werden. Während des Vorbeifluges werden hauptsächlich das CIRS-Spektrometer und die ISS-Kamera für die Untersuchung des Mondes eingesetzt. Die ISS-Kamera soll dabei verschiedene Mosaikaufnahmen der Mondoberfläche erstellen, wobei eine Auflösung der Oberfläche von bis zu 53 Metern pro Pixel erreicht werden wird.

Nach einem weiteren Kurskorrekturmanöver am 5. Mai sind für den 6. und 7. Mai verschiedene Beobachtungen des größten der 62 bisher bekannten Saturnmonde, des etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, eingeplant. Dieser soll hierbei aus Entfernungen zwischen 700.000 bis 900.000 Kilometern abgebildet werden. Das Ziel der Beobachtungen besteht in der Dokumentation der oberen Atmosphärenschichten des Titan und der zum Beobachtungszeitpunkt eventuell dort befindlichen Wolkenstrukturen. Eine weitere Titan-Beobachtungskampagne wird am 11. Mai aus einer Entfernung von rund 2,57 Millionen Kilometern erfolgen.

Nur wenige Stunden später wird Cassini um 11:28 MESZ in einer Entfernung von rund 2,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und diesen 166. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 167 wird am 22. Mai ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan erfolgen. Dieser soll dabei in einer Distanz von rund 955 Kilometern passiert und mit verschiedenen Instrumenten untersucht werden.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)


» Mini-Jets im F-Ring des Saturn
25.04.2012 - Wissenschaftler haben zahlreiche kleine Objekte entdeckt, welche sich durch den F-Ring des Saturn bewegen und dabei leuchtende Schweife aus Eis und Staubpartikeln hinter sich her ziehen. Die nähere Analyse dieser Mini-Jets kann den Planetenforschern dabei helfen, die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Ringsystems besser zu verstehen.
Die Ringe des Saturn wurden bereits im Jahr 1610 von dem italienischen Astronomen Galileo Galilei entdeckt. Dieser erkannte das Ringsystem jedoch aufgrund der geringen Auflösung des ihm zur Verfügung stehenden Teleskops nicht als ein Objekt, welches den Saturn umgibt. Vielmehr deutete er die Ringe als zwei "Henkel", welche den Saturn berühren. Erst 45 Jahre später beschieb der holländische Astronom Christiaan Huygens die wahre Natur der Ringe wissenschaftlich korrekt.

Heute ist bekannt, dass sich das Ringsystem des Saturn aus mehr als 100.000 einzelnen Ringen zusammensetzt, welche aus Eis- und Staubpartikeln bestehen und die durch scharf umrissene Lücken voneinander abgegrenzt sind. Der innerste dieser Ringe, der sogenannte D-Ring, beginnt bereits etwa 7.000 Kilometer über der obersten Atmosphärenschicht des Saturn und verfügt über einen Durchmesser von 134.000 Kilometern. Der äußerste Ring, der erst im Jahr 2009 entdeckte Phoebe-Ring, erstreckt sich dagegen in einer Entfernung von mehrere Millionen Kilometern zum Saturn.

In einer Entfernung von rund 140.000 Kilometern wird der Saturn von dem F-Ring umrundet. Dieser Ring wurde im September 1979 von der US-amerikanischen Raumsonde Pioneer 11 bei ihrem dichten Vorbeiflug am Saturn entdeckt und anschließend von den Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 im Detail abgebildet. Bereits auf diesen ersten Bildern zeigte sich, dass der F-Ring nicht einfach nur einen schmalen Ring aus Staub- und Eispartikeln darstellt, sondern dass sich dort anscheinend sehr dynamische Prozesse abspielen. Auf den Aufnahmen der Raumsonden waren diverse Verästelungen und gewundene Einzelringe erkennbar.

Seit dem Sommer 2004 befindet sich die Raumsonde Cassini in einer Umlaufbahn um den Saturn und untersucht die Atmosphäre, das Ringsystem und die Monde dieses zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems im Detail.

Im Rahmen dieser Untersuchungen rückte auch der F-Ring immer wieder in das Blickfeld der ISS-Kamera, einem von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord der Raumsonde. Die Aufnahmen des Kamerasystems zeigten, dass vor allem gravitative Wechselwirkungen mit dem weiter innen liegenden A-Ring und den beiden den F-Ring begrenzenden Saturnmonden Prometheus und Pandora den F-Ring gestalten. Speziell die gravitativen Einflüsse dieser beiden als "Schäfermonde" fungierenden Monde sind für die Ausbildung der beobachteten Wellenstrukturen des F-Ringes verantwortlich.

Besonders der etwa 86 Kilometer durchmessende Mond Prometheus "fräst" durch die von ihm ausgehenden gravitativen Kräfte Furchen in die Struktur des F-Ringes. An anderen Stellen entstehen durch die einwirkende Schwerkraft dagegen schneeballartige Verklumpungen aus Ringpartikeln, welche dabei bis zu einen Kilometer durchmessende Objekte aus Wassereis und Staub bilden können. Aufgrund der vorherrschenden Gezeitenkräfte und infolge von gegenseitigen Kollisionen, so die bisherige Annahme, sollten sich diese Objekte innerhalb weniger Wochen bis Monate wieder in ihre ursprünglichen Bestandteile auflösen.

Neue Analysen zeigen jedoch, dass einige dieser "Schneebälle" anscheinend über eine längere Lebensdauer verfügen und sich über längere Zeiträume innerhalb des F-Ringes um den Saturn bewegen, wobei sie mit den kleineren Staub- und Eispartikeln des Ringes kollidieren. Diese Kollisionen erfolgen vermutlich mit vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten von etwa zwei Metern pro Sekunde.

Ausgelöst durch die von diesen "Schneebällen" ausgehende Schwerkraft ziehen diese Klumpen einen Schweif aus glitzernden Eispartikeln hinter sich her, welche typischerweise Längen von 40 bis 180 Kilometern erreichen. Diese "Moonlets" und die durch sie verursachten "Mini-Jets" sind dafür verantwortlich, dass das optische Erscheinungsbild des F-Ringes einer permanenten Veränderung unterliegt.

Eine von Dr. Carl Murray von der Queen Mary University in London, einem Mitarbeiter des Cassini-Imaging-Teams, geleitete Gruppe hat einen solchen Jet auf einer am 30. Januar 2009 erstellten Aufnahme entdeckt und diesen auf weiteren Aufnahmen über einen Zeitraum von acht Stunden verfolgt. Die dabei angefertigten Aufnahmen zeigen deutlich, dass das für die Entstehung des Jets verantwortliche Objekt sich innerhalb des F-Rings befinden muss.

Die Wissenschaftler analysierten daraufhin über 20.000 von der ISS-Kamera angefertigte Aufnahmen des F-Ringes, um weitere Anzeichen für das Auftreten solcher Mini-Jets zu finden. Im Rahmen der Untersuchung konnten so insgesamt rund 500 Jets identifiziert werden, welche sich zwischen den Jahren 2004 bis 2011 durch den F-Ring bewegten. Für die Wissenschaftler besonders überraschend waren dabei verschiedene Aufnahmen, welche gleich mehrere eng beieinander liegende Mini-Jets zeigten.

"Ich glaube, der F-Ring ist der merkwürdigste Ring des Saturn und diese jüngsten Ergebnisse der Cassini-Mission zeigen uns, dass sich der F-Ring anscheinend noch weit dynamischer verhält, als wir bislang angenommen haben", so Dr. Carl Murray. Die Beobachtung des F-Ringes könnte den Wissenschaftlern sogar dabei helfen, die Entwicklung neu entstehender Planetensysteme besser zu verstehen.

"Die Untersuchungen offenbaren uns nicht nur die exotische Schönheit des F-Rings. Durch sie erfahren wir auch mehr über die in den "protoplanetaren Staubscheiben" ablaufenden Prozesse, welche junge Sterne umgeben und aus denen sich neue Planeten entwickeln", so Linda Spilker, Projektwissenschaftlerin der Cassini-Mission am Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien. "Wir sind gespannt darauf, zu erfahren, was uns Cassini noch alles in den Saturnringen zeigen wird."

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 24. April 2012 auf einer Tagung der European Geoscience Union in Wien präsentiert. Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA, JPL, CICLOPS)


» Phoebe - Ein frühes Relikt des Sonnensystems
29.04.2012 - Neu ausgewertete Daten zeigen, dass der Saturnmond Phoebe über mehr planetenähnliche Eigenschaften verfügt als bisher angenommen. Die Daten deuten darauf hin, dass es sich bei diesem Mond nicht um einen von Saturn eingefangenen Kometen, sondern vielmehr um ein Planetesimal handelt, auf dem in der Vergangenheit sogar eine geologische Entwicklung stattgefunden hat.
Der etwa 212 Kilometer durchmessende Saturnmond Phoebe wurde im Jahr 1899 von dem US-amerikanischen Astronomen W. H. Pickering auf fotografischen Platten entdeckt, welche bereits mehrere Monate zuvor am 16. August 1898 aufgenommen wurden. Im Gegensatz zu den anderen größeren Monden des Saturn verfügt Phoebe über eine auffallend dunkle Oberfläche, welche lediglich etwa sechs Prozent des einfallenden Sonnenlichts reflektiert.

Diese geringe Albedo, welche auf eine andere chemische Zusammensetzung als bei den anderen, größeren Saturnmonden hindeutet, und die Tatsache, dass der Mond sich auf einer retrograden Umlaufbahn entgegen der Rotationsrichtung des Saturn um den Ringplaneten bewegt, legt die Vermutung nahe, dass es sich bei Phoebe um ein vom Saturn "eingefangenes" Objekt handelt. Die Planetenforscher vermuteten dabei bereits seit längerem, dass Phoebe ursprünglich aus dem Kuipergürtel stammt, welcher sich außerhalb der Umlaufbahn des Planeten Neptun erstreckt und der die Heimat mehrerer Hunderttausend kleinerer Objekte darstellt.

Am 11. Juni 2004 passierte die Raumsonde Cassini Phoebe in einem Abstand von lediglich 2.068 Kilometern und konnte erstmals detaillierte Aufnahmen der Oberfläche dieses Mondes zur Erde übermitteln. Diese Aufnahmen zeigten, dass Phoebes Oberfläche extrem stark verkratert und von diversen Erdrutschen und linearen Strukturen überzogen ist. Die Auswertung der im Rahmen dieses Vorbeifluges durch verschiedene wissenschaftliche Instrumente gewonnenen Daten und ihr Einbezug in ein neues Computermodell über die chemischen, geophysikalischen und geologischen Vorgänge auf dem Mond deuten darauf hin, dass es sich bei Phoebe um ein Planetesimal, einem Überbleibsel aus der Frühzeit unseres Sonnensystems, handelt.

Des Weiteren bestätigen die ausgewerteten Daten die bisherige Annahme, dass sich Phoebe offenbar im Kuipergürtel jenseits der Neptunbahn gebildet hat. Die Daten deuten auch darauf hin, dass Phoebe bereits in seiner Frühzeit über das heute zu beobachtende kugelförmiges Aussehen verfügte, in seinem Inneren zunächst erwärmt wurde und dass sich im Inneren des Mondes dichteres, gesteinhaltiges Material konzentriert. Die mittlere Dichte des Mondes entspricht dabei der Dichte des Zwergplaneten Pluto, einem weiteren Objekt des Kuipergürtels.

"Im Gegensatz zu anderen primitiven Objekten wie etwa Kometen scheint sich Phoebe über einen bestimmten Zeitraum zunächst aktiv entwickelt zu haben, bevor der Mond [in seiner heutigen Form] erstarrte", so die Planetenforscherin Julie C. Castillo-Rogez vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien. "Wir nehmen an, dass sich Objekte wie Phoebe einst sehr schnell gebildet haben. Sie stellen die einzelnen Bausteine dar, aus denen sich letztendlich die Planeten gebildet haben und geben uns Hinweise auf die Bedingungen, welche zu der Zeit geherrscht haben müssen, als die Planeten und ihre Monde entstanden sind."

Ursprünglich, so die Planetenforscher, könnte Phoebe einmal über einen porösen Aufbau verfügt haben. In der Folgezeit ist Phoebe dann allerdings kollabiert und verfügt deshalb in der Gegenwart über eine um 40 Prozent höhere Dichte als die anderen größeren Saturnmonde. Die Wissenschaftler gehen allgemein davon aus, dass sich Objekte in der Größenordnung von Phoebe im Rahmen des Entstehungsprozesses unseres Sonnensystems als unregelmäßig geformte Objekte gebildet und in der Folge ihre Gestalt nicht mehr verändert haben.

Manche Objekte, welche sich ganz zu Beginn der Entstehungsphase unseres Sonnensystems geformt haben, könnten in ihrem Inneren jedoch eine größere Menge an radioaktives Material angesammelt haben. Durch den natürlichen Zerfall der radioaktiven Elemente wäre dann über einen begrenzten Zeitraum Wärme freigesetzt worden, welche nicht nur das Innere des Objektes erwärmte, sondern auch zu einer Neuformung der äußeren Struktur führte.

"Aufgrund der äußeren Form des Mondes, welche wir auf den Cassini-Aufnahmen sehen und den Modellen der wahrscheinlichen Kraterbildungsgeschichte, konnten wir ableiten, dass Phoebe schon zu Beginn fast kugelförmig war und nicht etwa zunächst eine unregelmäßige Form hatte, welche später durch Impakte und Kollisionen mit anderen Himmelskörpern kugelförmiger wurde", so Peter Thomas von der Cornell University in Ithaca/USA, ein Mitarbeiter der Cassini-Mission.

Laut den Analysen der Wissenschaftler bildete sich Phoebe bereits innerhalb der ersten drei Millionen Jahre nach der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,55 Milliarden Jahren. Die Phase einer durch radioaktive Zerfallswärme bedingten Erwärmung dürfte, so die Studie, im Falle von Phoebe einige zehn Millionen Jahre gedauert haben. In diesem Zeitraum könnte Phoebe sogar flüssiges Wasser beherbergt haben. Dies wäre eine Erklärung für das Vorhandensein von wasserhaltigen Mineralen, welche durch das Visual Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), einem der 12 wissenschaftlichen Instrumente an Bord der Raumsonde Cassini, auf der Mondoberfläche nachgewiesen wurden.

Einige hundert Millionen Jahre nach seiner Entstehung driftete der heutige Mond dann aus den äußeren Regionen in das innere Sonnensystem. Dabei geriet er schließlich in den gravitativen Einflussbereich des Saturn und wurde in seinen gegenwärtigen Orbit "gezwungen". Dieses "Schicksal" teilt Phoebe mit einer Vielzahl der insgesamt 62 bisher bekannten Monde des Saturn, welche sich in ihrer Größe, ihrer Zusammensetzung und den jeweiligen Umlaufbahnen teilweise drastisch voneinander unterscheiden. Bei vielen dieser Monde handelt es sich um kleinere, irreguläre Trabanten mit jeweils nur wenigen Kilometern Durchmesser, deren Bahnen nicht in der Äquatorebene des Planeten liegen. Auch bei diesen Saturnmonden dürfte es sich um Objekte handeln, welche im Laufe der Jahrmilliarden vom zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems "eingefangen" wurden.

"Durch unsere Kombination der Cassini-Daten mit Computermodellen, welche zuvor schon bei anderen Objekten des Sonnensystems angewandt wurden, konnten wir praktisch die Zeit zurückdrehen, und so herausfinden, warum der Mond sich so deutlich vom Rest des Saturnsystems unterscheidet", so Jonathan Lunine, ein weiterer an der Cornell University tätiger Mitarbeiter der Cassini-Mission.

Die hier vorgestellten Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Icarus publiziert.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, CICLOPS)



 

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ISS Aktuell: Progress-Frachter angedockt von Redaktion



• Progress-Frachter angedockt «mehr» «online»
• Drei ISS-Raumfahrer gelandet «mehr» «online»
• Mission von Progress-M 14M beendet «mehr» «online»


» Progress-Frachter angedockt
22.04.2012 - Der 47. Progress-Frachter, der sich seit 2000 auf den Weg zur Internationalen Raumstation gemacht hat, dockte gegen 16.39 Uhr MESZ automatisch am Schleusenmodul Pirs an.
Er bringt insgesamt 2.356 kg Fracht, darunter Treibstoffe, Wasser, Nahrungsmittel, medizinische Ausrüstung, Hygieneartikel, Ausrüstungsgegenstände für die russischen Module, Ersatzteile, Experimentiermaterial, Dokumentationen und persönliche Fracht für die Kosmonauten. Progress-M 15M war am Freitag Nachmittag von Baikonur aus an der Spitze einer Sojus-U-Trägerrakete gestartet und hatte im Verlauf der beiden letzten Tage den Abstand zwischen sich und der Internationalen Raumstation kontinuierlich verringert.

Unbemannte Frachtraumschiffe dienen bisher fast ausschließlich der Frachtlieferung und Müllentsorgung. Zwei Mal brachten modifizierte Progress-Raumschiffe auch kleinere Module zur Station. Insgesamt bringen es die 47 Frachter auf eine Warenlieferung von mehr als 100 Tonnen. Russland startet in diesem Jahr fünf Progress. Ihnen zur Seite stehen je ein ESA-ATV, ein HTV aus Japan und nach dem Ende der Space-Shuttle-Flüge sind erstmals US-Frachter der Typen Dragon und Cygnus geplant.

Der Vorgänger, Progress-M 14M, hatte am Donnerstag von der ISS abgekoppelt und verbleibt noch bis zum 28. April für Radarexperimente im Orbit.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA-TV)


» Drei ISS-Raumfahrer gelandet
27.04.2012 - Die drei Raumfahrer Daniel Burbank, Anatoli Iwanischin und Anton Schkaplerow sind heute Mittag, gegen 13.45 Uhr MESZ, mit der Rückkehrkapsel ihres Raumschiffes Sojus-TMA 22 in der kasachischen Steppe gelandet. Sie befanden sich seit dem 14. November 2011 im All.
Wie bereits der Start, verschob sich auch die Landung, allerdings aufgrund verschiedener Ursachen. Im August letzten Jahres misslang erstmals seit 1978 ein Flug eines unbemannten Transportraumschiffs vom Typ Progress. Da die Trägerrakete viele Übereinstimmungen mit der für bemannte Sojus-Raumschiffe bietet, beschloss man, zunächst einen unbemannten Testflug einzuschieben. Somit verschob sich der Start des letzten Raumschiffes der TMA-Serie von Ende September auf Mitte November 2011.

Die Mission an Bord der Internationalen Raumstation verlief anschließend normal. Es wurde eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen zu genau 200 Experimenten auf den Gebieten Medizin, Biologie, Astronomie, Geophysik, Atmosphärenphysik, Erderkundung, Physik, Materialwissenschaft, Bildung und Technik ausgeführt. Dabei waren die drei Raumfahrer Teil der ISS-Expeditionen 29 und 30. Am 16. Februar arbeitete Anton Schkaplerow gemeinsam mit seinem Kollegen Oleg Kononjenko mehr als 6 Stunden außerhalb der Station, wobei ein Teleskopkran umgesetzt und Materialproben geborgen wurden.

Zu den interessantesten Forschungsaufgaben gehörte u.a. das Experiment Aurora-Max der kanadischen Weltraumagentur CSA, bei dem Polarlichter während besonders aktiver Perioden zeitgleich von der Station aus und auf der Erde aufgezeichnet wurden. Daraus resultieren auch die in den letzten Tagen veröffentlichten Videos (Walking on Air).

Die ESA untersuchte im Rahmen von ALTEA-SHIELD die bei geschlossenen Augen von Raumfahrern wahrgenommenen Lichtblitze, die durch die Wechselwirkung kosmischer Strahlung mit Sinneszellen im Auge zustande kommen sowie weitere Wechselwirkungen mit dem menschlichen Gehirn. Dabei wurde auch ein Material getestet, das diese Strahlung teilweise abschirmen soll.

Die japanische Raumfahrtagentur erfasste mit MAXI mehr als 1.000 Röntgenquellen über einen längeren Zeitraum gleichzeitig. Die zugehörige hochempfindliche Spaltkamera ist auf einer Experimentierplattform außenbords angebracht. Erfasst werden können Röntgenstrahlen im Energiebereich von 0,5 bis 30 keV (Kilo-Elektronenvolt).

Gegenstand des NASA-Technologieexperiments Amine Swingbed ist die Erprobung eines Amine-Systems zur Ausfilterung von Kohlenstoffdioxid aus der Stationsluft. CO2 entsteht bei der Atmung und führt in überhöhter Konzentration zu Sinnestäuschungen beim Menschen. Auf der Erde wird das Kohlendioxid von Pflanzen aufgenommen, der Kohlenstoff für das Wachstum verwendet und der Sauerstoff an die Umgebung abgegeben. Amine sind organische Abkömmlinge des Ammoniak.

Das russische Biotechnologieexperiment Membran beschäftigte sich mit der Untersuchung der Verwendbarkeit neuartiger poröser Materialien mit regelmäßiger Molekülstruktur als Membranen und Filter. Diese könnten ökonomisch profitabel zur Stofftrennung sowohl in Flüssigkeiten als auch in Gasen verwendet werden.

Die ursprünglich für März vorgesehene Rückkehr der Besatzung wurde um gut einen Monat verschoben, da auf der Erde das Rückkehrmodul des geplanten Nachfolgeraumschiffs bei einem Test beschädigt worden war. Stattdessen wurde nun das nächste Raumschiff für eine Mission vorbereitet, wodurch mehrwöchige Verzögerungen entstanden. So kam aber die Besatzung von Sojus-TMA 22 nun doch noch zu einem fast halbjährigen Raumflug.

An den letzten Tagen waren die drei Raumfahrer bereits mit Arbeiten für ihre Rückkehr beschäftigt. Dazu gehörte das Vorbereiten und Verladen von Rückkehrfracht, ein verändertes und intensiviertes körperliches Training sowie das Durchgehen bestimmter Prozeduren und Tests am Raumschiff. Gegen 7 Uhr heute morgen (MESZ) fand eine Verabschiedungszeremonie an Bord der Station statt. Danach begaben sich die Raumfahrer in ihr Raumschiff an der Oberseite des Moduls Poisk, legten ihre Innenbord-Raumanzüge an und schlossen die Luken. Gegen 10.18 Uhr MESZ koppelte des Raumschiff von der ISS ab und entfernte sich langsam. Die abschließende Bremszündung der Triebwerke begann gegen 12.49 Uhr.

Beim Eintritt in dichtere Schichten der Erdatmosphäre wird das dreiteilige Raumschiff in seine einzelnen Komponenten getrennt. Während die Kommandokapsel aerodynamisch günstig geformt ist und über einen Hitzeschutz verfügt, bleiben Orbitalteil und Techniksektion zurück, brechen durch die Belastung auseinander und verglühen durch die entstehende Hitze. Die Kommandokapsel gleitet hingegen auf einem vorprogrammierten Pfad und wird dabei von rund 28.000 km/h auf etwa 400 abgebremst. Der Hitzeschild kühlt, indem ein spezielles Material aufschmilzt und verdampft. Ähnlich wie Schweiß unsere Haut und den gesamten Körper beim Verdunsten kühlt, wird auch hier die Hitze von der Kapsel weitgehend fern gehalten.

Nach diesem harten Bremsmanöver öffnen sich nacheinander mehrere Fallschirme, die für ein weiteres Abbremsen der Landekapsel sorgen. Etwa 1 Meter über dem Boden werden mehrere Bremsraketen gezündet. Dies und speziell stoßgedämpfte Sitze sorgen im Normalfall für eine verträgliche Landung auf hartem Steppenboden.

Wenige Minuten nach der Landung öffneten Bodenmannschaften die Kapsel und hoben die Raumfahrer heraus. Damit fand die 165-tägige Mission ihr erfolgreiches Ende. Die Raumfahrer werden sich auch in den kommenden Wochen verschiedenen Untersuchungen unterziehen. Außerdem erfolgt eine aktive Wiederanpassung an die Schwerkraft. Dabei werden Muskeln gestärkt und Knochen aufgebaut.

Der nächste Start eines Sojus-Raumschiffes zur Internationalen Raumstation mit Joseph Acaba, Gennadi Padalka und Sergej Rewin ist für den 15. Mai geplant.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, RN, NASA)


» Mission von Progress-M 14M beendet
01.05.2012 - Die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos teilte am 28. April 2012 mit, dass das Transportschiff für die Internationale Raumstation (ISS) Progress-M 14M wieder in die Erdatmosphäre eingetreten ist und dabei wie vorgesehen zerstört wurde.
Die Bremszündung des Haupttriebwerkes von Progress-M 14M erfolgte gegen 15:47 Uhr MESZ am 28. April 2012 nach einem Kommando des Moskauer Kontrollzentrums. Überreste des unbemannten Transportschiffs fielen rund 3.000 Kilometer östlich von Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland, in der vorausberechneten Pazifikgegend, die nach russischen Angaben von der Seefahrt nicht genutzt wird, gegen 16:39 Uhr MESZ ins Meer.

Mit Abfällen beladen war Progress-M 14M, von der US-amerikanischen Raumfahrtagentur NASA auch als Progress 46 bezeichnet, am 19. April 2012 kurz nach 13:00 Uhr MESZ vom ISS-Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs abgekoppelt worden. Danach hatte man das Transportschiff noch benutzt, um im Rahmen eines Experimentierprogramms namens "Radar-Progress" neun Tage lang Untersuchungen der Beeinflussung der Ionosphäre in der Umgebung des Raumschiffes durch den Einsatz seiner Triebwerke durchzuführen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Interfax, RIAN, Roskosmos)



 

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"InSpace" Magazin #466
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
1. Mai 2012
Auflage: 4646 Exemplare


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