InSpace Magazin #467 vom 18. Mai 2012

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #467
ISSN 1684-7407


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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

nun scheint es soweit zu sein: Der erste Flug der Dragon-Kapsel zur internationalen Raumstation steht bevor. Die Rakete, eine Falcon 9, steht bereits auf der Startrampe und am Samstag soll es losgehen. Doch es ist unsicher, ob der Flug gelingt: Bis zuletzt wurden die Startvorbereitungen von Softwareproblemen überschattet, welche aber gelöst scheinen. Gestern Abend erfolgte dann die Startfreigabe und es sieht so aus, als ob der Start pünktlich stattfinden kann.

Mit der Hoffnung, dass dies auch so eintritt, wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe.

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

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News

• Falcon-9-Triebwerkstest verzögert aber erfolgreich «mehr» «online»
• Ein neues Bild von Messier 78 «mehr» «online»
• Atlas V erfolgreich gestartet «mehr» «online»
• JUICE – Europas neue Mission zum Jupiter «mehr» «online»
• GSAT-7 und GSAT-7A auf der Wartebank «mehr» «online»
• Erster Galileo-FOC-Satellit zusammengesetzt «mehr» «online»
• Galileo-Verwaltungszentrum ab 1. August in Prag «mehr» «online»
• Tian Hui 1B im All «mehr» «online»
• Shenzhou-9-Vorbereitungen gehen in die letzte Phase «mehr» «online»
• SpaceX, ihr Drache und die Salamitaktik «mehr» «online»
• Der Kugelsternhaufen Messier 55 «mehr» «online»
• China startet Spionagesatelliten «mehr» «online»
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• H-2A startet Satellitenquartett «mehr» «online»
• Nimiq-6 erfolgreich gestartet «mehr» «online»
• Venus Express: Orbitmanöver und Uhrensynchronisation «mehr» «online»
• Erneut russischer Bildaufklärungssatellit gestartet «mehr» «online»


» Falcon-9-Triebwerkstest verzögert aber erfolgreich
01.05.2012 - Der gestrige Test aller Triebwerke der ersten Stufe der dritten einsatzfähigen Falcon 9 der Firma Space Exploration Technologies (SpaceX) verlief positiv.
Allerdings kam es kurz vor dem eigentlich geplanten Zündzeitpunkt zu einer Unterbrechung des Countdowns. Ursache dafür war offenbar die Überschreitung eines Parameters für die Auslenkung des Zweitstufentriebwerks. Nach der Lösung des Problems wurde der Countdown, der bis zur einzigen Unterbrechung korrekt ablief, wieder aufgenommen. Der zweisekündige Betrieb der Triebwerke erfolgte somit gut eine Stunde nach dem geplanten Termin.

Im Falle eines Fluges zur Internationalen Raumstation wäre damit die Startchance für diesen Tag vorbei. Hier müssen Startparameter so genau wie möglich eingehalten werden, da man sonst die Raumstation mit dem zur Verfügung stehenden Treibstoff nicht erreichen kann.

Am 25. April hatte man die Betankung des Dragon-Raumschiffes mit Treibstoffen für den Einsatz in der Umlaufbahn abgeschlossen. Insgesamt 18 Draco-Triebwerke stehen für Bahnänderungen, Rendezvousmanöver und Lageregelung zur Verfügung. Jedes liefert einen Schub von etwa 400 N und kann sowohl im Impulsbetrieb für nur wenige Millisekunden als auch im Dauerbetrieb einige Minuten lang laufen.

Am 26. April wurde das Raumschiff mit der Trägerrakete verbunden und am Folgetag die Nasenkappe aufgesetzt. Am 28. April schließlich wurden Rakete und Nutzlast zum Startkomplex 40 in Cape Canaveral transportiert und aufgerichtet. Der gestrige Triebwerkstest diente zum einen der Funktionsprüfung der Triebwerke, zum zweiten können dabei noch einmal alle Prozeduren des Countdowns trainiert und eventuelle Schwachstellen aufgedeckt werden.

Der Start ist gegenwärtig für den 7. Mai, 15.38 Uhr geplant. Am 9. Mai ist ein Umfliegen der Raumstation und am 10. Mai die Kopplung geplant. Diese wird aber nur dann in Angriff genommen, wenn alle vorherigen Manöver der Testmission erfolgreich verlaufen. Für diesen Fall erwartet die ISS-Besatzung knapp eine halbe Tonne Fracht, darunter Nahrungsmittel, Bekleidung, Ausrüstung, ein Nano-Racks-Modul, leere Frachtbehälter, Computer und Computerzubehör. Da die Dragon-Kommandokapsel nach der Mission zur Erde zurückkehrt, soll auch ein Frachtrücktransport durchgeführt werden.

Verwandte Meldung:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, SpaceX, Raumcon)


» Ein neues Bild von Messier 78
04.05.2012 - Eine am Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme der Himmelsregion um den Reflexionsnebel Messier 78 zeigt kosmische Staubwolken, welche den Nebel wie eine Perlenschnur durchziehen. Anhand der Wärmestrahlung der interstellaren Staubkörner können die Astronomen diejenigen Bereiche des Nebels identifizieren, in denen gerade neue Sterne entstehen.
Der im Jahr 1780 von dem französischen Astronomen Pierre Méchain entdeckte und im Sternbild Orion gelegene Reflexionsnebel Messier 78 ist etwa 1.600 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 8,3 mag und einer Winkelausdehnung von 8 x 6 Bogenminuten ist er einer der hellsten Reflexionsnebel am nächtlichen Himmel und kann bereits mit kleineren Amateurteleskopen erfolgreich beobachtet werden. Er befindet sich links oberhalb des Sterns Alnitak im "Gürtel" des Orion.

Als Reflexionsnebel bezeichnen Astronomen ausgedehnte interstellare Staubwolken, welche das Licht benachbarter Sterne reflektieren. Die von den Sternen ausgehende ultraviolette Strahlung ist dabei nicht heiß genug, um den kosmischen Staub wie bei einem Emissionsnebel zu ionisieren und so zum Leuchten anzuregen. Stattdessen wird das Sternenlicht durch die mikroskopisch kleinen Staubpartikel gestreut und reflektiert, wodurch der Nebel selbst überhaupt erst für uns sichtbar wird.

Eine neue, am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme der Himmelsregion rund um den Reflexionsnebel Messier 78 zeigt ausgedehnte Staubwolken, welche den Nebel wie eine Perlenschnur durchziehen. Bei diesen Wolken aus Gas und Staub handelt es sich um die Geburtsstätten neuer Sterne.

Im sichtbaren Licht erscheint Messier 78 als ein sogenannter Reflexionsnebel, der schwach bläuliche Farbton ist dafür typisch. Die Reflexion des Sternenlichtes an den Staubpartikeln ist bei Licht mit kürzeren Wellenlängen, also "blauem" Licht, wesentlich effektiver als bei rotem Licht, welches in längeren Wellenlängenbereichen ausgestrahlt wird.

Die dem Bild zugrunde liegende Aufnahme im sichtbaren Licht wurde mit Beobachtungsdaten des APEX-Radioteleskops überlagert, welche in der nebenstehenden Aufnahme in orangenen Farbtönen dargestellt werden.

Das APEX-Teleskop beobachtet seine Ziele bei merklich größeren Wellenlängen, wodurch das schwache Leuchten der dichten und kalten Staubkonzentrationen sichtbar wird. Einige dieser Strukturen weisen Temperaturen von weniger als minus 250 Grad Celsius auf. Im sichtbaren Licht erscheint der Staub dunkel und verdeckt die dahinter liegenden Objekte. Aus diesem Grund sind Teleskope wie das APEX für Untersuchungen der interstellaren Staubwolken unverzichtbar.

Eine der von APEX beobachteten langgezogenen, filamentartigen Strukturen erscheint im sichtbaren Licht als ein dunkler Streifen, welcher anscheinend quer über Messier 78 verläuft. Offenbar liegt dieses Staubband von der Erde aus gesehen direkt vor dem Reflexionsnebel und verschluckt so das von Messier 78 ausgehende blaues Licht.

Eine weitere in den APEX-Daten deutlich erkennbare Staubregion berührt dagegen den unteren Rand des Nebels. Da sich hier im sichtbaren Licht kein dunkles Staubband zeigt, muss sich diese Staubkonzentration hinter dem sichtbaren Nebel befinden.

Weitere Beobachtungen zeigen, dass aus einigen der dichten Staubkonzentrationen mit hoher Geschwindigkeit Gas ausströmt. Diese Gasströme, so die Interpretation der Astronomen, werden von jungen, noch in der Entstehungsphase befindlichen Sternen ausgestoßen.

Zusätzlich zu Messier 78 befindet sich am oberen Bildrand noch ein weiterer Reflexionsnebel, NGC 2071. Während die Gebiete weiter unten im Bild lediglich junge Sterne mit geringen Massen enthalten, befindet sich im Inneren von NGC 2071 ein deutlich massereicherer Stern. Er verfügt in etwa über die fünffache Masse der Sonne und befindet sich im hellsten Bereich der APEX-Daten.

Die für die Erstellung dieses Bild verwendeten APEX-Beobachtungen wurden unter der Federführung von Thomas Stanke von der ESO, Tom Megeath von der University of Toledo/USA und Amy Stutz vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg durchgeführt.

Das 12 Meter durchmessenden APEX-Teleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, welche auch für den Betrieb des Teleskops verantwortlich ist. Bei dem Teleskop handelt es sich nicht nur um ein eigenständiges Beobachtungsinstrument, sondern vielmehr auch um einen technologischen Wegbereiter für das ALMA-Teleskop, so die Abkürzung für das "Atacama Large Millimeter/submillimeter Array" der Europäischen Südsternwarte.

Das APEX basiert auf dem Prototypen einer Antenne für das ALMA-Projekt, welches nach seiner Fertigstellung aus 54 solcher Antennen mit 12 Metern Durchmesser und zusätzlichen 12 Antennen mit sieben Metern Durchmesser bestehen wird. ALMA wird über ein ungleich höheres Auflösungsvermögen als das APEX verfügen. Allerdings wird dafür auch das Gesichtsfeld von ALMA deutlich kleiner ausfallen. Die beiden Teleskope werden sich daher nahezu perfekt ergänzen. APEX, so die Erwartung der Astronomen, wird viele interessante Beobachtungsziele entdecken, welche anschließend durch ALMA im Detail untersucht werden können.

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Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Atlas V erfolgreich gestartet
04.05.2012 - Heute startete eine Atlas V 531 von Cape Canaveral aus einen Satelliten in den Orbit. Dabei handelt es sich um einen militärischen Kommunikationssatelliten.
Der Start erfolgte heute um 14:28 Uhr Ortszeit (20:42 Uhr MESZ) vom Startkomplex 41 der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Cape Canaveral, Florida. 116 Sekunden nach dem Start wurden zwei der drei Feststoffbooster der Atlas V 531 abgeworfen, eine Minute später folgte der dritte Booster. Nach 215 Sekunden Flug wurde die 5-m-Nutzlastverkleidung der Rakete, welche auch die Centaur-Oberstufe umschließt, abgeworfen. Nachdem die Erststufe nach 258 Sekunden Betrieb ausgebrannt war, wurde sie bei T+264 Sekunden abgeworfen. Darauf begann die Centaur die erste ihrer zwei Brennperioden. Das erste Mal wurde das einzelne RL-10-A4-2-Triebwerk dabei nach etwa 8:30 Minuten abgeschaltet und die Stufe begann eine neunminütige Freiflugphase. Die zweite Brennperiode dauerte 5:40 Minuten, wobei die Nutzlast erst 51 Minuten nach dem Abheben ausgesetzt wurde. Dabei war dies der zweite Startversuch, nachdem man den gestrigen abgebrochen hatte, weil ein Entlüftungsventil in der Interstage (Adapter) zwischen Centaur und Erststufe nicht ordnungsgemäß funktionierte.

Als Nutzlast startete die Rakete dabei den Militärkommunikationssatelliten AEHF-2. Das AEHF-Satellitensystem soll in den nächsten Jahren das ältere Milstar-Kommunikationssatellitensystem ersetzen, wobei die AEHF-Satelliten sicherere Kanäle und höhere Kapazitäten besitzen.

Der Satellit wog beim Start 6.168 kg und basiert auf dem Satellitenbus A2100M von Lockheed Martin, welche auch den Satelliten bauten. Die Nutzlast des Satelliten, nämlich eine Kaskade von Funkantennen, baute dagegen die Firma Northrop Grumman. Als Energiequelle besitzt er zwei große, entfaltbare Solarzellenflächen, während als Triebwerke sowohl ein großer konventioneller Satellitenantrieb, ein chemisches Triebwerk, sowie eine Reihe von Ionentriebwerken Verwendung finden. Diese nutzte der Vorgängersatellit AEHF-1 auch, um in seinen endgültigen Orbit zu kommen, nachdem der Hauptantrieb ausfiel (Raumfahrer.net berichtete).

Der heutige Start war der zweite einer Atlas V in diesem Jahr sowie der 30. Flug einer Atlas V überhaupt und der zweite Flug der Atlas V 531. Des Weiteren war es der dritte Start für die USA in diesem Jahr und der weltweit 20. Flug 2012.

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Raumcon:


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: ULA, SpaceFlightNow)


» JUICE – Europas neue Mission zum Jupiter
05.05.2012 - Am 2. Mai gab die europäische Weltraumagentur ESA bekannt, dass die nächste große, wissenschaftliche Mission zum Jupiter und zu seinen Monden gehen und den Namen JUICE tragen wird.
Im Jahr 2022 soll eine neue Flaggschiff-Mission zum Jupiter aufbrechen: Der JUpiter ICy moons Explorer, kurz JUICE. Mit insgesamt 11 Instrumenten an Bord soll er untersuchen, inwiefern bewohnbare Himmelskörper im Bereich der Gasriesen möglich sind. Zudem soll auch die Entstehungsgeschichte des Jupiters als einem Stellvertreter für das Sonnensystem untersucht werden.

Nach dem Start im Juni 2022 soll es etwa siebeneinhalb Jahre dauern, bis der Zielplanet erreicht wird. Dabei wird es sogenannte Swing-by-Manöver an Venus und Erde geben, bei denen Geschwindigkeit aufgenommen wird. Im Januar 2030 soll dann der Einschuss in einen Jupiterorbit erfolgen.

In den ersten 11 Monaten beim Jupiter werden Beobachtungen der Atmosphäre und der Magnetosphäre durchgeführt. Gleichzeitig wird dabei der Orbit weiter angepasst, wozu auch Vorbeiflüge an Ganymed und Kallisto, zwei Jupitermonden, genutzt werden. Im Anschluss daran erfolgen innerhalb von 36 Tagen mehrere Vorbeiflügen am Mond Europa, welcher eine vollkommen vereiste Oberläche besitzt.

Die nachfolgenden 260 Tage werden dazu genutzt, mit Hilfe von Kallisto die Bahnneigung auf 30° anzuheben, wodurch auch die Polarregionen des größten Planeten im Sonnensystem beobachtet werden können. In weiteren 11 Monaten schließlich wird sich JUICE Ganymed annähern, um in der zweiten Jahreshälfte 2033 in einen Orbit um diesen Mond einzuschwenken.

Die Umlaufbahn um Ganymed wird zunächst eine Höhe von etwa 5.000 km haben. Nach und nach soll diese Höhe auf bis zu 200 km abgesenkt werden, um verschiedenste Ansichten des Mondes zu erhalten. Zum Abschluss der Mission wird die Sonde im Juni 2033 dann auf Ganymed einschlagen.

Trotz der großen Entfernung zur Sonne soll JUICE zur Energieversorgung mit Solarzellen ausgestattet werden. Diese werden eine beachtliche Größe von 60-75 m2 haben, um den Stromhunger von Sonde und Instrumenten zu stillen. Um zur Erde zu funken, wird eine Hochgewinnantenne mit einem Durchmesser von drei Metern verbaut werden, mit der etwa 1,4 GB pro Tag zur Erde übermittelt werden können. Da ein Funksignal von der Erde zur Sonde und zurück 1:46 Stunden brauchen wird, muss eine gute Vorrausplanung erfolgen und der Bordcomputer autonom operieren.

Für den wissenschaftlichen Betrieb wird es elf Experimente geben, darunter unter anderem zwei Kameras. Auch verschiedene Spektrometer und Instrumente zur Messung von Strahlung und Partikeln sollen an Bord sein. Zuletzt wird es auch ein Radar zur Bestimmung der Eisdicke und dem, was darunter ist, sowie ein Laserinstrument zur morphologischen Untersuchung der Monde geben.

Raumcon:

Weitere Bilder finden Sie in unserer Mediengalerie.
(Autor: Simon Plasger - Quelle: ESA)


» GSAT-7 und GSAT-7A auf der Wartebank
05.05.2012 - Zwei Kommunikationssatelliten, die das indische Militär im Geostationären Orbit betreiben will, werden voraussichtlich deutlich später in den Weltraum gelangen als ursprünglich vorgesehen.
GSAT-7 und GSAT-7A sind dedizierte Kommunikationssatelliten für das indische Militär. Die indische Marine möchte GSAT-7 alias INSAT-4F für sich nutzen, der Satellit hätte ursprünglich bereits im Jahre 2010 in den Weltraum transportiert werden sollen. Die indische Luftwaffe (IAF) will GSAT-7A für eigene Kommunikationsverbindungen einsetzten. Zunächst war man in Indien davon ausgegangen, dass dies ab 2009 möglich sei.

Aufgrund der mangelnden Zuverlässigkeit der indischen Trägerrakete GSLV (Raumfahrer.net berichtete), welche extra für den Start von Nutzlasten, die eine geostationären Umlaufbahn erreichen sollen, entwickelt wurde, gerieten die beiden Satellitenprogramme ins Stocken.

Ende 2011 sah es so aus, dass GSAT-7 Ende 2012 auf einem nicht näher spezifizierten nicht-indischen Träger ins All gelangen könnte. Angenommen wird, dass Arianespace den Start von GSAT-7 besorgen wird. Im April 2012 berichtete der indische Verteidigungsminister Arackaparambil Kurien Antony, dass er derzeit von einem GSAT-7-Start 2012 oder 2013 ausgehe, und den Start von GSAT-7A 2013 oder 2014 erwarte.

Der auf der indischen Satellitenplattform I-2K bzw. I-2000 basierende GSAT-7 für die Marine trägt eine Kommunikationsnutzlast mit Transpondern für das C-, das Ku- und das S-Band sowie den UHF-Bereich. Die Solarzellenausleger des rund 2.330 Kilogramm schweren Satelliten mit einer projektierten Lebenserwartung von 9 Jahren sind so dimensioniert, dass sie die Kommunikationsnutzlast mit einer elektrischen Leistung von bis zu 2.000 Watt versorgen können.

Im Geostationären Orbit bei 74 Grad Ost über einem IOR für Indian Ocean Region genannten Meeresgebiet mit einer Ausdehnung von etwa 600 x 1.000 nautischen Meilen (~1.110 x 1.800 Kilometer) positioniert soll GSAT-7 Verbindungen zwischen einzelnen Marineeinheiten sowie mit Kommandostellen ermöglichen.

GSAT-7A für die Luftwaffe ist unter anderem dazu gedacht, Verbindungen zu bis zu sechs fliegenden mit Radaranlagen des Typs EL/W-2090 aus Israel in Flugzeugen des russischen Typs Iljuschin IL 76 ausgerüsteten AWACS-Radarstationen bereitzustellen, und die Kommunikationsanforderungen anderer fliegender und am Boden stationierter Radareinheiten zu befriedigen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: IPCS, ISRO, PIB, PTI)


» Erster Galileo-FOC-Satellit zusammengesetzt
05.05.2012 - In Bremen hat die OHB System AG den ersten von 22 Seriensatelliten des Galileo-Navigationssatellitensystems fertig zusammengesetzt und für bevorstehende Tests präpariert, gab das Unternehmen am 3. Mai 2012 bekannt.
OHB gewann zwei Ausschreibungen über den Bau der Satelliten für das Galileo-FOC-Programm. FOC steht Full Operational Capability, übersetzt volle Einsatzkapazität. Die Satelliten des FOC-Programms sollen beginnend ab 2013 im Rahmen einer Anzahl von Raketenstarts in den Weltraum transportiert werden.

Ausliefern möchte OHB den ersten FOC-Satelliten Ende 2012. Auf dem Weg dorthin erreichte der Satellitenhersteller jetzt einen wichtigen Meilenstein. Nachdem im April 2012 in Bremen die erste von der Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) in Großbritannien konstruierte Navigationsnutzlast eingetroffen war, stand einer Integration des ersten, FM1 genannten Flugmodels unter Nutzung von durch AMPAC-ISP in Niagara Falls in den USA gebauten Antriebskomponenten und einer in Bremen von OHB vorbereiteten Satellitenplattform nichts mehr im Wege.

Vom Start des Programms bis zur Integration des ersten FOC-Flugmodells benötigte man nur 27 Monate, worauf man bei der OHB AG den Worten des Vorstandsvorsitzenden Marco R. Fuchs nach sehr stolz ist.

Bevor man das FM1 einer rigiden Flug- und Funktionsprüfung aussetzen kann, müssen noch einige abschließende Testarbeiten erledigt werden. Parallel dazu laufen bereits Fertigungsarbeiten am FM2 und Vorbereitungsarbeiten für das FM3.

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Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: OHB)


» Galileo-Verwaltungszentrum ab 1. August in Prag
05.05.2012 - Vermutlich zum 1. August 2012 erfolgt der Umzug des Galileo-Verwaltungszentrums GSA von Brüssel nach Prag, teilte Tschechiens Verkehrsminister Pavel Dobeš mit.
Ende Januar 2012 war die Verlegung des Verwaltungszentrums des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo in die Hauptstadt Tschechiens besiegelt worden. Der Direktor der Europäischen Aufsichtsbehörde für Satellitennavigation (GSA), Carlo des Dorides, und der Verkehrsminister der Tschechischen Republik, Pavel Dobeš, hatten in Prag eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Im Wettbewerb um einen neuen Verwaltungsstandort konnte sich Prag gegen Mitbewerber wie Athen, München, Noordwijk, Rom oder Straßburg durchsetzen. Das Unterhaus des tschechischen Parlaments hat dem Umzug der GSA jetzt zugestimmt. Am 3. Mai 2012 wurde in Prag bekannt gegeben, dass es grünes Licht gebe für die Installation der europäischen Behörde in Prag.

Schon bald also kann das Verwaltungszentrum im Prager Stadtteil Holešovice etabliert werden. Untergebracht werden sollen seine Mitarbeiter im Gebäude der ehemaligen Tschechischen Konsolidierungsagentur (ČKA, Česká konsolidační agentura), die Altkredite von tschechischen Banken und staatlichen Unternehmen aus der Transformationszeit verwaltet hatte. Dort will man unter anderem einen neuen abhörsicheren Konferenzraum einrichten. Man hofft, dass die Arbeit des Verwaltungszentrums in Prag spätestens im September 2012 beginnen kann. Das Gebäude teilt man sich dann mit der tschechischen Raumfahrtbehörde.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Aktuálně.cz, Český rozhlas, Europolitics, Space Daily)


» Tian Hui 1B im All
06.05.2012 - Vom chinesischen Raumfahrtzentrum Jiuquan aus ist heute morgen, gegen 9.10 Uhr MESZ, eine Rakete vom Typ Chang Zheng 2B mit einem Erdfernerkundungssatelliten gestartet.
Tian Hui 1B ergänzt den Betrieb von Tian Hui 1A und umläuft die Erde auf sonnensynchroner Bahn in einer Höhe von etwa 500 Kilometern bei einer Bahnneigung von ca. 97 Grad. Betrieben wird er von der chinesischen Volksbefreiungsarmee, soll aber sowohl militärischen als auch zivilen Zwecken dienen. In diesem Bereich arbeitet man mit dem brasilianischen Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (Nationales Institut für Weltraumforschung) zusammen.

Ausgerüstet ist Tian Hui 1B mit einer hochauflösenden Stereoübersichtskamera, einer Detailkamera mit einer Auflösung von etwa 5 Metern und einer Multispektralkamera, die in 4 Kanälen vom sichtbaren Licht bis zum nahen Infrarot aufzeichnet, eine Schwadbreite von 60 Kilometern und eine Auflösung von 10 Metern besitzt. Die Energieversorgung geschieht über zwei Solarzellenpaneele.

Gebaut wurden TH 1A und B vom Unternehman Hangtian Dongfanghong Weixing unter Mitwirkung der China Aerospace Wissenschafts- und Technologie-Korporation sowie der Chinesischen Akademie für Weltraumtechologie. TH 1A gelangte bereits im August 2010 auf seine Bahn, mit TH 1B kann man nun schneller reagieren, da man interessante Gebiete öfter überfliegt.

Verwandte Meldung:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua, Skyrocket, Raumcon)


» Shenzhou-9-Vorbereitungen gehen in die letzte Phase
06.05.2012 - Mit einer speziellen Zeremonie wurde die Fertigstellung der Trägerrakete vom Typ Chang Zheng 2F für den Flug des bemannten Raumschiffes Shenzhou 9 offiziell gefeiert.
Die einzelnen Komponenten des Trägers waren bereits am 11. April beim Hersteller abgenommen worden. Danach erfolgte ihr Transport zum Jiuquan-Raumfahrtzentrum, von wo aus der Start Ende Juni oder Anfang Juli erfolgen soll. Das Raumschiff war, ebenfalls in Einzelteilen am 9. April dort eingetroffen und ist inzwischen weitgehend fertig montiert.

Wie am Rande der Zeremonie gestern bekannt wurde, soll das vierte bemannte Raumschiff aus dem Land der Mitte eine dreiköpfige Besatzung haben, darunter die erste Chinesin, die einen Raumflug absolviert. Vorgesehen ist eine Kopplung des Raumschiffs mit der seit 2011 im Erdorbit befindlichen Mini-Raumstation Tiangong 1 (sprich: Tjen-gung). Hier gelang im November letzten Jahres bereits die Kopplung eines unbemannten Raumschiffes im automatischen Modus, einmal auf der Nacht- und einmal auf der Tagseite der Erde.

Nach vier unbemannten Testflügen in den Jahren 1999 bis 2003 absolvierte Yang Liwei am 15. Oktober 2003 mit Shenzhou 5 (sprich: Schin-dschou) den ersten bemannten Raumflug für die Chinesische Volksrepublik. Ihm folgten im Oktober 2005 Fei Junlong und Nie Haisheng an Bord von Shenzhou 6. Sie hielten sich viereinhalb Tage im All auf. Im September 2008 schließlich erreichte Shenzhou 7 mit dreiköpfiger Besatzung eine Erdumlaufbahn. Im Rahmen eines Außenbordeinsatzes wurde ein in China entwickelter Raumanzug getestet. Zhai Zhigang, hielt sich dabei etwa 14 Minuten außerhalb des Raumschiffes auf. Liu Boming nahm ebenfalls am Ausstiegsmanöver teil, verblieb aber im Schleusenmodul, während Jing Haipeng die Operation aus dem Kommandomodul begleitete.

Die Testraumstation Tiangong 1 wurde am 29. September 2011 gestartet und umläuft die Erde gegenwärtig in einer Höhe zwischen 341 und 356 Kilometern bei einer Bahnneigung von 42,8 Grad. Sie ist etwa 9 m lang, hat einen Durchmesser von maximal 3,3 m und wog beim Start 8,4 Tonnen. Das Modul besitzt zwei Solarzellenpaneele mit einer Gesamtspannweite von 17 m. Es besteht aus zwei großen Sektionen, dem vorderen Orbitalmodul und dem Servicemodul. Das Orbitalmodul besitzt ein Raumvolumen von etwa 15 m3 und am vorderen Ende einen Kopplungsstutzen. Hier können Raumschiffe vom Typ Shenzhou ankoppeln.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: CALT, NASAspaceflight, Raumcon)


» SpaceX, ihr Drache und die Salamitaktik
06.05.2012 - SpaceX visiert nun den 19. Mai für ihre ISS-Misson an - eine weitere Verzögerung beim Demoflug 2 von SpaceX, trotz erfogreichem Triebwerkstest am vergangenen Montag. Als Grund werden weitere Tests an der Dockingsoftware ihres Raumtransportes Dragon (zu Deutsch: Drachen) angegeben.
Scheibchenweise präsentiert SpaceX in immer kürzeren Abständen neue Starttermine für ihre erste Mission zur Internationalen Raumstation. Nach dem 30. April, dem 7. und dem 10. Mai soll es jetzt der 19. Mai richten. Startzeit wäre 10.55 Uhr (MESZ), kurz vor Sonnenaufgang an der Ostküste Floridas, Cape Canaveral. Im Falle schlechten Wetters oder anderer Probleme stünde erst 3 Tage später die nächste Gelegenheit an, damit das Raumschiff genügend Spielraum beim Treibstoff hat für die zusätzlichen Manöver des Testfluges.

Durch die erneute Verschiebung rutscht der Start damit zeitlich hinter die am 14. Mai angesetzte Sojus-Mission, die die Crewstärke auf der ISS wieder auf sechs anheben soll. Aus Sicherheitsgründen vermeiden es die Stationsbetreiber, gleichzeitig 2 Vehikel auf dem Weg zur ISS zu haben.

Seit Anfang des Jahrs schon musste SpaceX eine Verschiebung nach der anderen verkünden, weil die Software für das Docking nicht die entsprechenden Tests besteht. Peinlicherweise äußerte sich der Softwarechef von SpaceX letztes Jahr bei einer Anhörung, er mache sich über Fehler keine Sorgen, da die Software keine Fehler aufweise. Offenbar eine gehörige Portion Selbstüberschätzung.

Die Dragon Kapsel ist belegt mit einigen Hundert Kilogramm Fracht und viel Treibstoff für die Manöver im All. SpaceX hatte selbst initiiert, die beiden verbliebenen Testflüge auf einen zu reduzieren. Ursprünglich sollte bei der zweiten Mission lediglich eine Annäherung an die ISS stattfinden, nicht jedoch eine Kopplung. Die sollte erst beim dritten Start im Rahmen des COTS-Programmes erfolgen. SpaceX sah sich aber selbst in der Lage, auf einen Testflug zu verzichten und damit natürlich auch Geld einzusparen.

Sollte die Falcon 9 mit der Dragonkapsel am 19. Mai pünktlich vom Startpad abheben, würde die Kopplung mit der Raumstation 3 Tage später stattfinden. Natürlich nur, wenn vorher alle Ziele der COTS-2-Mission erreicht wurden. Dazu gehört der Vorbeiflug an der ISS in knapp 3 km Abstand und ein Kommunikationscheck mit der ISS. SpaceX bekommt 396 Millionen Dollar von der NASA für die Entwicklung ihres Raumfrachters. Das ist vergleichsweise günstig, natürlich nur, wenn die Mission auch klappt. Sollte SpaceX erfolgreich sein, würde man in den nächsten Jahren für 12 weitere Flüge 1,6 Milliarden US-Dollar kassieren.

Sollte SpaceX im Mai keinen Flugversuch unternehmen können, wird es knapp im Sommer. Denn im Juni gibt es einen zweiwöchigen Beta Angle Cut Out und danach eine Atlas V mit NROL-38 am 18. Juni. Der Juli ist quasi vollgepackt mit Sojus-, HTV- und Progress-Missionen und im August steht wieder ein Beta Cutout an. Zudem muss man wahrscheinlich dann warten, bis HTV-3 am 27. August wieder von der ISS ablegt, welches den gleichen Docking Port wie die Dragon Kapsel in Anspruch nimmt. Entweder es klappt noch im Mai, oder SpaceX muss im schlimmsten Fall bis September warten mit ihrem nächsten Versuch.

Ein Beta Angle Cut Out ist eine besondere Lage der ISS-Bahn zur Sonne. Die Mittelachse der Umlaufbahn zeigt dann fast genau auf die Sonne. Das bedeutet zum einen, dass die ISS während dieser Zeit niemals in den Erdschatten gelangt, zum anderen erfolgt die Beleuchtung von der Seite. Während die ISS den größten Teil ihrer Solarzellenpaneele auch nach der Seite drehen kann (Beta-Winkel), ist dies bei anfliegenden Raumschiffen nicht möglich. Sie können ihre Solarzellen höchstens um eine Achse drehen. Dragon bekäme also Energieversorgungsprobleme während des direkten Anfluges, weswegen man diese Möglichkeit einfach nicht zulässt.

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Raumcon:


(Autor: Klaus Donath - Quelle: NASA)


» Der Kugelsternhaufen Messier 55
09.05.2012 - Eine heute von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt den Kugelsternhaufen Messier 55. Die in Kugelsternhaufen befindlichen Sterne gehören zu den ältesten des Universums. Aus ihrer Beobachtung können Astronomen wichtige Erkenntnisse über die Entwicklungsgeschichte und die Alterungsprozesse von Galaxien ableiten.
Bei einem Kugelsternhaufen handelt es sich um eine Ansammlung von Sternen, welche durch Gravitationskräfte auf engstem Raum gebunden sind. Diese kugelförmigen Sternansammlungen verfügen über Durchmesser von mehreren Dutzend Lichtjahren und beherbergen teilweise deutlich mehr als 100.000 Sterne. Diese Sternhaufen sind dabei wiederum gravitativ an Galaxien gebunden, in deren Halo sie sich bewegen.

Bisher konnten Astronomen in der Umgebung unserer Heimatgalaxie etwa 160 solcher Kugelsternhaufen entdecken. Die meisten dieser die Milchstraße umkreisenden Kugelsternhaufen befinden sich von unserem Sonnensystem aus gesehen in Richtung der zentralen Verdickung der Milchstraßenscheibe. Größere Galaxien können allerdings von noch deutlich mehr Kugelsternhaufen umkreist werden. Aus der Umgebung der Andromedagalaxie - auch als Messier 31 bezeichnet - sind zum Beispiel mehr als 500 dieser Sternhaufen bekannt. Die im Sternbild Jungfrau gelegenen Galaxie Messier 87 wird anscheinend sogar von bis zu 12.000 Kugelsternhaufen umlaufen.

Die Beobachtungen der Astronomen zeigen, dass sich die in einem Kugelsternhaufen konzentrierten Sterne alle zur gleichen Zeit und aus der gleichen Ansammlung von interstellaren Gaswolken gebildet haben. Allgemein geschah dies bereits vor mehr als 10 Milliarden Jahren. Dies datiert die Entstehungsphase dieser Sterne in ein kosmisches Zeitalter, in dem seit dem Urknall erst wenige Milliarden Jahre vergangen waren.

Dementsprechend setzen sich die in einem Kugelsternhaufen angesammelten Sterne hauptsächlich aus den beiden leichtesten im Universum enthaltenen Elementen zusammen - Wasserstoff und Helium. Diese geringe Häufigkeit von schweren Elementen ist einer der Hauptunterschiede zwischen den in Kugelsternhaufen enthaltenen Sternen und Sternen, die zu einem späteren Zeitpunkt entstanden sind, wie zum Beispiel den in offenen Sternhaufen konzentrierten Sternen oder Einzelsternen wie der Sonne.

Die Sterne dieser jüngeren Sterngenerationen - die Sonne wurde zum Beispiel erst vor rund 4,6 Milliarden Jahren "geboren" - entstanden aus interstellaren Materiekonzentrationen, welche bereits mit schwereren Elementen angereichert waren, so dass diese eine höhere Metallizität aufweisen. Durch die Analyse der unterschiedlich alten Sterne können die Astrophysiker viele neue Erkenntnisse über die Entwicklungsgeschichte des Universums, der Entstehung und Evolution der Sterne sowie der dabei ablaufenden Prozesse gewinnen.

Die heute von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme des Kugelsternhaufens Messier 55 wurde im infraroten Licht mit dem "Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy" (übersetzt das "Astronomische Durchmusterungsteleskop für sichtbares und infrarotes Licht") aufgenommen. Das VISTA-Teleskop, so die gebräuchliche Abkürzung, verfügt über einen Spiegeldurchmesser von 4,1 Metern und befindet sich am Paranal-Observatorium der ESO im Norden Chiles.

Der Kugelsternhaufen befindet sich in einer Entfernung von etwa 17.300 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem im Sternbild Sagittarius ("Schütze"). Der Sternhaufen bedeckt eine Fläche von rund 19 Bogenminuten, was in etwa zwei Drittel des Vollmonddurchmessers entspricht. Dabei erreicht Messier 55 eine scheinbare visuelle Helligkeit von +7,42 mag.

Somit kann der auffallend große Sternhaufen auch von Amateurastronomen bereits mit einem kleineren Teleskop oder einem lichtstarken Feldstecher relativ problemlos beobachtet werden. Allerdings ist der Sternhaufen aufgrund seiner südlichen Position am Nachthimmel von Mitteleuropa aus nur schwer aufzufinden. Für eine erfolgreiche Beobachtung ist deshalb ein weiter südlich gelegener Standort zu empfehlen.

Im Inneren des etwa 100 Lichtjahre durchmessenden Sternhaufens konzentrieren sich rund 100.000 Sterne. Entdeckt wurde das Objekt am 16. Juni 1752 von dem französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille im Rahmen einer in Südafrika durchgeführten Durchmusterung der südlichen Himmelshemisphäre. Der Astronom Charles Messier nahm den Sternhaufen 26 Jahre später unter der Nummer 55 in den allgemein bekannten Messier-Katalog auf. Als "NGC 6809" ist der Haufen zudem auch in einem weiteren astronomischen Katalog, dem New General Catalogue, aufgelistet.

Zusätzlich zu den Sternen des Kugelsternhaufens Messier 55 zeigt die aktuelle VISTA-Aufnahme der ESO eine Vielzahl von Galaxien, die sich in weit größeren Entfernungen zu unserem Sonnensystem befinden als der Kugelsternhaufen. So ist zum Beispiel rechts und etwas oberhalb der Bildmitte eine besonders auffällige Spiralgalaxie zu erkennen, welche in rötlichen Farben erscheint und die wir direkt von der Seite sehen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)


» China startet Spionagesatelliten
10.05.2012 - Heute startete vom chinesischen Weltraumbahnhof Taiyuan eine Rakete vom Typ CZ 4B in den Weltraum. An Bord befand sich ein neuer Spionagesatellit.
Der Start erfolgte um 15.06 Uhr Ortszeit (9.06 Uhr MESZ) vom Weltraumbahnhof Taiyuan aus. Die Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 4B transportierte dabei den Satelliten Yaogan 14 in einen sonnensynchronen Orbit.

Sowohl über den Start als auch über die Nutzlast ist nur sehr wenig bekannt. So geben etwa die offiziellen chinesischen Medien an, dass es sich bei Yaogan 14 um einen neuen Erdbeobachtungssatelliten handelt, welcher vor allem wissenschaftliche Experimente, Erdbeobachtung, Beobachtung von landwirtschaftlichen Erträgen sowie Katastrophenerkennung durchführen soll. Westliche Experten sagen aber, dass Yaogan 14, wie schon andere Satelliten der Yaogan-Serie, ein Spionagesatellit für das chinesische Militär ist. Zurzeit baut China seine weltraumgestützten Kommunikations- und Erdbeobachtungssysteme aus, auch um die militärische Stärke des Landes zu steigern.

Mit ins All gelangte der Kleinsatellit TT 1 (Tian Tuo 1), der von der chinesischen nationalen Universität für Verteidigungstechik gebaut wurde. Er hat eine Masse von 9,3 kg uns misst 43 × 41 × 8 cm. Der experimentelle Satellit soll atomaren Sauerstoff erfassen, Tile der Erdoberfläche fotografieren und Signale ds Automatischen Identifikationssystems für Schiffe empfangen.

Dieser Start war der 159. Start im Langer Marsch-Programm sowie der 18. der CZ-4B, der siebte Start Chinas in diesem Jahr sowie der insgesamt 21. des Jahres.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: NSF)


» ATK konkretisiert Liberty-Konzept
10.05.2012 - Dieses wurde gestern auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Gedacht ist es ausdrücklich für bemannte Raumflüge. Die Entwicklung durch Alliant Techsystems und Partner könnte im Rahmen des Commercial Crew Development-Programms der NASA erfolgen.
Bisher finanziert ATK das Projekt aus eigener Tasche. Auch wenn man in der nächsten CCDev-Runde unberücksichtigt bleiben würde, wolle man es weiter verfolgen. Allerdings seien dann die zeitlichen Ziele kaum realisierbar. Gegenwärtig geht man davon aus, dass ein erster Testflug 2014 und ein bemannter Test bereits 2015 erfolgen könnte.

Das Liberty-Konzept sieht vor, dass auf einen erweiterten Feststoff-Booster die Zentralstufe einer Ariane-5-Trägerrakete aufgesetzt wird. Auf dieser sitzt letztlich die Nutzlast, die eine ebenfalls von ATK entwickelte Kapsel aus Verbundwerkstoff sein könnte. Ein Rettungssystem soll hier integriert werden. Es wird aber auch geäußert, dass die Rakete andere Raumschiffe wie die CST-100 von Boeing transportieren könnte und dies unter Nutzung bestehender Infrastruktur und Montagehallen.

Betont wurde, dass die gesamte Rakete auf bewährter Technik beruht, über nur zwei Triebwerke mit hoher Zuverlässigkeit verfügt und eine Flugbahn verfolgen kann, auf der in jeder Phase der effektive Einsatz eines Startabbruchsystems die Rettung der Besatzung ermöglichen könnte. Darin unterscheidet sich Liberty von anderen Trägern. Hier werden in der ersten Stufe mehrere Triebwerke eingesetzt, bei denen der Ausfall eines einzigen Systems zum Scheitern der Gesamtmission führen könnte.

Die Kapsel, bei der der Druckkörper aus Verbundwerkstoff bestehen soll, ist eine im Auftrag der NASA durchgeführte Studie von ATK der verganenen Jahre. Das Projekt begann Anfang 2007 und seit Januar 2009 wurden wiederholt ausführliche Tests am Langley Research Center der NASA durchgeführt. Insbesondere standen hier Messungen der Zug- und Druckbelastung sowie bei Vibrationen auf dem Plan. Und nicht nur die NASA hifft, dass Verbundwerkstoffe zukünftig in der Raumfahrt eine große Rolle spielen können.

Partner von ATK bei der Liberty-Entwicklung sind Astrium (2. Stufe), Lockheed (Kopplungs- und Rendezvoustechnik), Safran/Snecma (Vulcain-2-Triebwerk), Safran/Labinal (Verdrahtung), L-3 Communications Cincinnati Electronics (Telemetrie, Startabbruchsysteme und Avionics) und Moog (Schubvektor- und Antriebssteuerung).

Damit reiht sich Liberty allerdings in eine recht lange Reihe von Projekten ein, die eine staatliche finanzielle Förderung erwarten und zumindest kurzfristig von NASA-Aufträgen leben müssten. Neben Lockheeds Orion-Projekt mit einem SLS als Träger stehen weitere Unternehmen wie Boeing (CST-100/Atlas), SpaceX (Dragon/Falcon), SNC (Dream Chaser) oder Blue Origin (New Shepard) im Rahmen des CCDev-Programms in der Schlange. Währenddessen werden die Aussichten auf Förderung durch Kürzung der von der NASA beantragten Mittel eher geringer.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Commercial Space Watch, ATK, NASA)


» Raumsonde Juno: Kameratest erfolgreich durchgeführt
13.05.2012 - Die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde Juno hat auf ihrem Weg zum Jupiter einen Test des an Bord befindlichen Kamerasystems durchgeführt und ein Testbild an das Kontrollzentrum übermittelt.
Nach ihrem im Oktober 2016 erfolgenden Eintritt in den Jupiterorbit soll die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde Juno den größten Planeten unseres Sonnensystems insgesamt 33 Mal umrunden und dabei aus einer stark elliptischen, über die Pole verlaufenden Umlaufbahn mit den neun an Bord befindlichen wissenschaftlichen Instrumenten über einen Zeitraum von einem Jahr näher untersuchen.

Das Interesse der Wissenschaftler wird sich dabei speziell auf die Atmosphäre des Jupiters und dessen Magnetosphäre konzentrieren. Außerdem erhoffen sich die Planetenforscher neue Erkenntnisse über den inneren Aufbau des Gasplaneten. Besonders interessant ist hierbei die Beantwortung der Frage, ob der Jupiter über einen festen Kern verfügt. Im Rahmen der Untersuchungen wird sich Juno der obersten Wolkenschicht des Gasplaneten bei jedem Umlauf bis auf eine Entfernung von lediglich 5.000 Kilometern nähern.

Eines der an Bord befindlichen Instrumente ist die "JunoCam" - eine kleine Kamera, welche während der ersten sieben Orbits der Raumsonde um den Planeten dessen Polarregionen, die obersten Wolkenschichten und die in der Jupiteratmosphäre sichtbaren Wolkenbänder in drei Spektralbereichen des sichtbaren Lichts abbilden soll. Die Bilder, welche über eine Auflösung von etwa 15 Kilometern pro Pixel verfügen werden, sollen den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern die Studie der atmosphärischen Vorgänge ermöglichen. Außerdem werden diese Bilder einen wesentlichen Beitrag für die im Rahmen der Juno-Mission geplante Öffentlichkeitsarbeit der NASA darstellen.

Im Rahmen eines Funktionstests wurde die JunoCam am 21. März 2012 aktiviert und fertigte eine Probeaufnahme an. Das "astronomische Ziel" dieser am 10. Mai von der NASA veröffentlichten Aufnahme dürfte jedem Amateurastronomen hinreichend bekannt sein. Es handelt sich um das Sternbild "Großer Bär" (lat. "Ursa Major"), dessen sieben hellste Sterne im deutschsprachigen Raum auch als der "Großer Wagen" bezeichnet werden.

"Ich weiß nicht, ob dies das erste aus dem Weltraum heraus aufgenommene Bild des Großen Wagens ist", so Scott Bolton, der Principal Investigator der Juno-Mission vom Southwest Research Institute (SwRI) in San Antonio/USA. "Aber da wir es deutlich jenseits der Mars-Umlaufbahn angefertigt haben ist es wahrscheinlich das am weitesten von der Erde entfernt aufgenommene Bild. Viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass die Kamera wie vorgesehen arbeitet und - wie auch die restlichen Instrumente - bereit ist für den Eintritt in den Jupiter-Orbit."

Bis dahin werden allerdings noch über vier weitere Jahre vergehen. Gegenwärtig befindet sich Juno in einer Entfernung von etwas mehr als 400 Millionen Kilometern zur Erde. Seit ihrem Start am 5. August 2011 hat die Raumsonde über 614 Millionen Kilometer von ihrem insgesamt etwa drei Milliarden Kilometer langen Weg zum Jupiter absolviert. Das nächste Kurskorrekturmanöver der Raumsonde soll am 31. August 2012 erfolgen. Hierbei soll der Kurs so verändert werden, dass Juno am 9. Oktober 2013 einen nahen Vorbeiflug an der Erde absolviert. Durch diesen dichten Vorbeiflug soll die Raumsonde soweit beschleunigt werden, dass sie im Jahr 2016 in eine polare Umlaufbahn um den Jupiter eintreten kann.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Malin Space Science Systems)


» Solare Neuigkeiten
14.05.2012 - Nicht nur eine steigende Aktivität auf der Sonnenoberfläche kann festgestellt werden. Unser Zentralgestirn bewegt sich auch anders als erwartet durch den interstellaren Raum.
Dies hat ein internationales Astronomenteam aufgrund von Messungen mit dem NASA-Weltraumteleskop IBEX (Interstellar Boundary EXplorer) berechnet. Demnach tritt interstellares Helium anders in unser Sonnensystem ein als vorhergesagt. Dies lässt darauf schließen, dass die Sonne und mit ihr unser gesamtes Planetensystem mit deutlich geringerer Geschwindigkeit durch das interstellare Medium pflügt. Dies geht sogar so weit, dass man die jahrzehntelang postulierte Schockwelle vor dem Einflussbereich unserer Sonne zur Diskussion stellt.

Dies geht aus Worten von David McComas vom Southwest Research Institute der Universität Texas in San Antonio (USA) hervor. Demnach kann man den Daten entnehmen, dass unsere Sonne relativ zum Interstellaren Medium eine Geschwindigkeit von maximal 22 Kilometern pro Sekunde besitzt und diese Geschwindigkeit für eine richtige Bugwelle, die mit der Schockwelle eines Überschallflugzeuges in Luft vergleichbar ist, nicht ausreicht.

Konsequenz daraus wäre, dass man die Dichte des Interstellaren Mediums und die in ihr herrschende Strahlung bisher falsch eingeschätzt hätte.

Fast zeitgleich veröffentlicht wurde das Ergebnis einer Studie an der Universität Bonn zu Doppelsternen. Dazu wurden Sternhaufen unter die Lupe genommen, in denen Sterne praktisch zum selben Zeitpunkt entstanden sind. Angeregt wird die Geburt von Sternen in kosmisch vergleichsweise dichten Gaswolken durch Stoßwellen, die beispielsweise bei Sternexplosionen entstehen können. Dabei ist die Entstehung von Doppelsternen praktisch der Normalfall. Die neue Erkenntnis: Je mehr Sterne in einem solchen Sternhaufen entstehen, umso größer werden Gravitationskräfte, die bei mehr oder weniger dichten Vorbeiflügen von Sternen aneinander dazu führen können, dass Doppelsterne getrennt werden und einer der beiden Sterne sogar aus dem Sternhaufen katapultiert werden kann. Bei den sogenannten Flyby-Ereignissen wird einem Partner Bewegungsenergie entzogen und auf den anderen übertragen.

Da unsere Sonne gegenwärtig als Einzelstern gilt und auch fernab offener Sternhaufen ihre Bahn zieht, könnte sie dereinst Opfer eines solchen Rauswurfs gewesen sein. Allerdings wäre dann eine hohe Geschwindigkeit gegenüber dem Interstellaren Medium wahrscheinlich. Es bleibt also spannend.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: DLF, SwRI, Raumcon)


» Sojus-TMA 04M startbereit
14.05.2012 - Der erste Start eines bemannten Raumschiffes in diesem Jahr beginnt morgen früh vom Kosmodrom Baikonur aus. An Bord befinden sich drei Raumfahrer, welche die ISS-Expedition 31 verstärken sollen.
Der reichlich viermonatige Forschungsaufenthalt im erdnahen Weltraum beginnt gegen 5 Uhr MESZ. Wer den Start am Bildschirm live erleben will, muss also zeitig raus. Startrakete ist die bewährte Sojus-FG, das Raumschiff selbst hat eine Masse von 7 t und wird nach etwa 9 Minuten Antriebsphase eine Geschwindigkeit von ca. 28.000 km/h erreichen. Innerhalb von 2 Tagen werden Manöver durchgeführt, welche die Bahn des Raumschiffes anheben und eine Annäherung an die Station bedeuten. Die Kopplung ist für Donnerstag geplant.

Dann können Gennadi Padalka, Joseph Acaba und Sergej Rewin ihre Arbeiten in der Station aufnehmen. Dazu gehört die Fortsetzung von 200 Experimenten, die im Rahmen der ISS-Expeditionen 30 und 31 durchgeführt werden. Forschungsgebiete sind Medizin, Erderkundung, Biologie, Physik, Materialwissenschaft, Technik, Astronomie und Atmosphärenforschung.

Die Besatzung des Raumschiffes Sojus-TMA 04M soll bis zum Oktober im All bleiben. Während der Mission findet im Frühsommer ein teilweiser Besatzungsaustausch in der ISS statt. Außerdem sollen unbemannte Raumschiffe der Typen Dragon, HTV und Progress an der Station ankommen. Sowohl Dragon als auch das japanische HTV koppeln jedoch nicht direkt an die Station an. Sie fliegen parallel zu dieser und werden mit dem Hauptmanipulator der ISS "ergriffen". Dazu gibt es einen fingerdicken Metallsporn, um den sich drei ebenfalls etwa fingerdicke Metalldrahtseile wickeln. Allein die Haftreibung sorgt dann für eine feste Verbindung. Mit demselben Verfahren wurden auch Module mit 20 t Masse um die Station herum bewegt.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA)


» Bigelow und SpaceX suchen nach internationalen Kunden
15.05.2012 - ... und dies gemeinsam. Bereits in der vergangenen Woche hat man eine Vereinbarung getroffen, die vorsieht, dass man auf internationaler Bühne Gelegenheiten für wissenschaftliches Arbeiten in der Schwerelosigkeit vermarkten will.
Dazu wird SpaceX mit der Falcon einen leistungsfähigen Träger und mit Dragon ein entwicklungsfähiges Raumfahrzeug beisteuern. Bigelow Aerospace hingegen möchte mehrere seiner entfaltbaren BA-330-Module miteinander koppeln und damit viel Raum für langfristiges Engagement zur Verfügung stellen. Ein Einzelmodul bietet 330 m3 nutzbares Volumen und damit Platz für 6 Raumfahrer.

Angestrebte Zielgruppen sind nationale Raumfahrtagenturen verschiedener Staaten sowie Firmen und Universitäten. Denen könne man einen beispiellosen Zugang zur Forschung unter Mikrogravitation ermöglichen.

"Wir sind sehr froh, diesen einmaligen Service gemeinsam mit unseren Kollegen von SpaceX einer internationalen Klientel anbieten zu können", sagte Robert T. Bigelow anlässlich der Vereinbarung. Gwynne Shotwell, Präsidentin von SpaceX ergänzte: "SpaceX und Bigelow Aerospace haben viel gemeinsam. Beide Firmen wurden gegründet, eine neue Ära von Weltraumunternehmungen einzuleiten. Zusammen werden wir sowohl Nationen als auch Firmen einmalige Gelegenheiten zu längerem bemannten Engagement im All anbieten." Ein Dragon-Raumschiff der Firma Space Exploration Technologies wird gegenwärtig für einen unbemannten Flug vorbereitet, der in den nächsten Tagen oder Wochen gestartet werden soll. Raumschiff und Trägerrakete sind nach Angaben von SpaceX von vorn herein für bemannte Einsätze konzipiert. Dann soll Dragon bis zu 7 Personen ins All und zurück auf die Erde transportieren können. Insbesondere in Asien möchte man seine Marketing-Strategie umsetzen. Bereits kurz nach dem nächsten Dragon-Start möchte man mit Offiziellen in Japan ins Gespräch kommen.

Sowohl Bigelow als auch SpaceX kooperieren auch mit anderen Unternehmen der alten und jungen Raumfahrtbranche. Bigelow unterstützt Boeing bei deren Konzept für das Raumschiff CST-100, SpaceX arbeitet u.a. mit Virgin Galactic und Stratolaunch zusammen.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASAwatch, Bigelow Aerospace, Raumcon)


» Ariane 5 bringt 2 Satelliten auf Kurs
16.05.2012 - Dabei handelt es sich um JCSat 13 und VinaSat 2, beides kommerzielle geostationäre Kommunikationssatelliten für die japanische SKY Perfect JSAT Corporation sowie die vietnamesische Post und Telekommunikationsgesellschaft.
Der Start erfolgte heute Nacht gegen 0.13 Uhr MESZ vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch Guayana. Die Rakete funktionierte normal und die Satelliten wurden nacheinander etwa eine halbe Stunde nach Zündung der Triebwerke der ersten Stufe im Übergangsorbit ausgesetzt. Sie sollen mit eigenen Triebwerken in den nächsten Tagen den Geostationären Orbit erreichen.

JCSat 13 verfügt über 44 Ku-Band-Kanäle und soll bei 124 Grad Ost stationiert werden. Der von Lockheed Martin hergestellte Satellit gewinnt seine Energie über zwei entfaltbare Solarzellenpaneele, soll 15 Jahre lang funktionieren und hat eine Startmasse von 4.528 kg. Er stellt Kommunikationsdienste in beiden Richtungen für Asien und Ozeanien zur Verfügung.

Auch VinaSat 2 wurde von Lockheed Martin gefertigt, ist aber im Vergleich zu JCSat mit 2.969 kg ein Leichtgewicht. Der Satellit arbeitet mit 24 Ku-Band-Transpondern und soll ebenfalls 15 Jahre lang funktionieren. Im Geostationären Orbit soll VinaSat 2 bei 132 Grad Ost Position beziehen.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Arianespace, Skyrocket, Raumcon)


» H-2A startet Satellitenquartett
17.05.2012 - Gegen 18.39 Uhr MESZ startete eine japanische Trägerrakete vom Typ H-2A mit den Satelliten GCOM-W1, KOMPSAT 3, SDS 4 und Horyu 2. Ziel ist eine sonnensynchrone Bahn in etwa 700 Kilometern Höhe.
Der mit 1,88 t schwerste Satellit Shizuku gehört zu einem globalen Klima-Überwachungssystem, welches in den kommenden Jahren verschiedene Umweltparameter aufzeichnen soll. Shizuku, auch GCOM-W1 für Global Change Observation Mission - Water, ist auf die Überwachung großer Wasserflächen sowie Schnee spezialisiert. Dazu ist er mit einem hochentwickelten Mikrowellenradiometer ausgestattet, das die unter ihm liegenden Flächen mit einer Schwadbreite von 1.450 km abtastet. Eine 2 Meter durchmessende Antenne soll 5 Jahre ununterbrochen rotieren und von Wasserflächen reflektierte Mikrowellenstrahlung bodengestützter Systeme in 6 Bereichen zwischen 7 und 89 GHz erfassen.

Daraus sollen sich Angaben über Niederschläge, Wasserdampfkonzentration, Windgeschwindigkeiten, Meereswassertemperaturen, Wasserstände und Schneehöhen gewinnen lassen. Über Jahre oder Jahrzehnte hinweg wird dann auch eine zeitliche Entwicklung sichtbar.

KOMPSat 3 ist ein südkoreanischer Satellit und dient der Erdbeobachtung. Die optischen Systeme dafür stammen von Astrium. Der Satellit hat eine Masse von etwa 800 kg und ist die zweite Hauptnutzlast der Mission. Mit einer Auflösung von unter 1 Meter können Bilder gemacht und zur Erde übertragen werden, die für verschiedene Geoinformationssysteme genutzt werden sollen. Dazu gehören Umweltparameter, Daten für die Landwirtschaft und die Ozeanographie.

Komplettiert wird die Nutzlast durch zwei Kleinsatelliten aus Japan. SDS 4 (Small Demonstration Satellite) dient der Technologieerprobung, wobei es vor allem um die Temperaturregulierung im Inneren von Satelliten geht. Die Funktion einer neuentwickelten Wärmeableitung (heat pipe) wird genauso untersucht, wie die Degenrierung von Materialien unter Wärmeeinwirkung. Horyu 2 ist hingegen mit einem experimentellen Hochspannungssolarzellensystem ausgerüstet.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: JAXA, Skyrocket, Raumcon)


» Nimiq-6 erfolgreich gestartet
17.05.2012 - Heute Abend startete eine Proton-M/Bris-M vom Kosmodrom Baikonur in den Weltraum. An Bord befand sich ein neuer Kommunikationssatellit.
Der Start erfolgte am Morgen um 3.19 Uhr Ortszeit (Donnerstag 21.19 Uhr MESZ) von der Startplattform 81/24 des Kosmodroms Baikonur. Nach einer Flugdauer von 128 Sekunden war die Erststufe ausgebrannt und wurde abgetrennt. Die Zweitstufe zündete bereits einige Sekunden davor, was auch "heiße Stufentrennung" genannt wird. Die Zweitstufe war nach einer Flugdauer von 331 Sekunden ausgebrannt und wurde abgetrennt. Danach begann die dritte Stufe mit ihrem Betrieb, den sie planungsgemäß nach 585 Sekunden Flug einstellte und dann abgetrennt wurde. Nach der Abtrennung begann die Bris-M mit ihrer ersten Brennperiode. Insgesamt soll sie fünf davon durchführen, bis sie um 6.26 Uhr MESZ von der Nutzlast getrennt wird. Darauf wird sie noch zwei weitere Zündungen durchführen, bis die Stufe ihren Treibstoff aufgebraucht und einen Friedhofsorbit erreicht hat.

Als Nutzlast transportierte die von Chrunitschew gebaute und von ILS vermarktete Rakete den Kommunikationssatelliten Nimiq-6, welcher für die Firma Telesat Canada gestartet wurde. Dieser basiert auf der Satellitenplattform SS/L 1300 von Space Systems/Loral und soll, im Geostationären Orbit angekommen, mit seinen 32 Ku-Band-Transpondern Kanada abdecken. Als Energieversorgung nutzt der Satellit zwei Solarpaneele sowie einen Satz von Batterien, welche den Satelliten auch dann mit Energie versorgen, wenn die Solarpaneele nicht von der Sonne beschienen werden.

Dieser Start war der insgesamt 378. Start einer Proton sowie die 4. Mission dieses Trägers in diesem Jahr. Darüber hinaus war dies der weltweit 27. Orbitalstart des Jahres sowie der neunte russische.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: ILS, Chrunitschew, NSF)


» Venus Express: Orbitmanöver und Uhrensynchronisation
17.05.2012 - In den letzten Wochen führte die europäische Raumsonde Venus Express mehrere Manöver durch, um den Orbit um über 100 Kilometer anzuheben. Auch fanden weitere Operationen und Experimente an Bord statt.
Da die Atmosphäre unseres Nachbarplaneten relativ weit nach außen reicht, wird die um diesen kreisende Sonde Venus Express ständig gebremst und sinkt dadurch ab. Um dies auszugleichen, fanden am 26. und am 28. Februar zwei Orbitkorrekturen statt, bei denen die Periapsis (der tiefste Punkt der Umlaufbahn) um mehr als 120 Kilometer angehoben wurde. Solche Operationen sind regelmäßig notwendig, um ein Verglühen der Sonde in der Atmosphäre zu verhindern.

An Bord von Venus Express gibt es eine sehr simple Uhr, welche einfach die Zeit seit Missionsbeginn hochzählt. Sie hat den Vorteil, dass sie Gewicht und Kosten spart, jedoch ist sie relativ ungenau, so dass regelmäßig nachkorrigiert werden muss. Ein solches Kommando wurde am 28. Februar gesendet.

Die Instrumente des Planetenerkunders arbeiteten weitgehend normal, allerdings gab es einen Datenverlust, als Daten des Magnetometers zur Erde gesendet werden sollten. Aufgrund eines Servofehlers an der Antenne der Bodenstation in Spanien gingen einige Datenpakete auf dem Weg verloren. Da sie nicht an Bord zwischengespeichert wurden, sind die Daten verloren und können nicht wiederhergestellt werden.

Aufgrund einer besonderen Orbitphase mussten bei der Kommunikation mit der Erde einige besondere Maßnahmen getroffen werden, um ein Beschädigen der Sonde zu verhindern, denn nur zwei Seiten („X+“ und „Z+“) der Oberfläche der Sonde dürfen durchgehend zur Sonne zeigen, ohne dass das Raumschiff überhitzt. Eine weitere Seite („X-“), hätte in der aktuellen Flugphase während der Kommunikation mit der Bodenstation zur Sonne gezeigt, was verhindert werden musste.

Dazu wurde Venus Express während des Kommunikationsvorgangs gedreht. Jedoch wurde dabei die Hauptantenne (HGA, High Gain Antenna) so geschwenkt, dass sie nicht mehr zur Erde „schauen“ konnte. Dies wurde beim Design der Sonde berücksichtigt und es wurde Redundanz in Form einer zweiten Antenne (HGA2) geschaffen. Diese Antenne wurde dann für die Datenübertragung genutzt.

Venus Express wurde von der europäischen Weltraumagentur ESA finanziert und von EADS Astrium und anderen Unternehmen gebaut. Der Start erfolgte am 9. November 2005 an Bord einer Sojus-Fregat von Baikonur aus. Seit dem 11. April 2006 befindet sich die Sonde in einem Orbit um den inneren Nachbarplaneten der Erde.

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(Autor: Simon Plasger - Quelle: ESA)


» Erneut russischer Bildaufklärungssatellit gestartet
18.05.2012 - Am 17. Mai 2012 um 16:05 Uhr MESZ wurde auf einer dreistufigen Sojus-U-Rakete der Aufklärungssatellit Kosmos 2.480 von Plesezk, Startplatz 16/2, gestartet.
Nach acht Minuten Flugzeit um 16:13 Uhr MESZ hatte das von Arsenal in St. Petersburg gebaute, von Progress aus Samara entwickelte Raumfahrzeug seinen Zielorbit erreicht.

Der Einsatz des Satelliten wird, soweit man sich an den Missionzeiten der Vorgänger des gleichen Typs orientiert, einige Monate andauern. Die Aufgabe von Kosmos 2.480 ist es, im Weltraum Filmmaterial zu belichten und dieses anschließend in mindestens einer Rückkehrkapsel auf russischem Territorium zu landen.

Satelliten des Typs Kobalt-M alias Yantar-4K2M bestehen aus einem raumflugtechnischen Teil und einer großen Wiedereintrittskapsel mit Kamerasystemen. Zusätzlich können bei einem solchen Satelliten weitere, kleinere Wiedereintrittskapseln mitgeführt werden.

Katalogisiert ist Kosmos 2.480 als Objekt 2012-024A bzw. mit der NORAD-Nr. 38.335.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: RIAN)



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Mars Aktuell: Schnecken auf dem Mars entdeckt von Redaktion



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» Schnecken auf dem Mars entdeckt
01.05.2012 - Die kürzlich auf Aufnahmen der HiRISE-Kamera, einem der Instrumente an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO), entdeckten Strukturen auf der Marsoberfläche sind allerdings nicht mit den auf der Erde lebenden Schnecken verwandt. Vielmehr handelt es sich hierbei um geologische Strukturen, welche sich in der Vergangenheit infolge vulkanischer Aktivitäten gebildet haben.
Die Oberfläche des Mars ist an vielen Stellen von Strukturen bedeckt, welche sich anscheinend unter der direkten Einwirkung von Wasser gebildet haben. Die prominentesten Beispiele hierfür sind diverse Talsysteme, welche sich von dem auf der Südhemisphäre des Mars gelegenen Hochland bis in die nördliche Tiefebene unseres Nachbarplaneten erstrecken.

Diese Talsysteme entstanden, als sich bereits vor mehreren Milliarden Jahren große Mengen an Wasser ihren Weg über die Oberfläche des Mars bahnten. Aber anscheinend entstanden nicht alle dieser Täler infolge einer direkten Wassereinwirkung.

Neben dem Einfluss von Wasser spielte in der Vergangenheit auch der früher auf dem Mars auftretende Vulkanismus eine wesentliche Rolle in der Ausbildung der in der Gegenwart zu beobachtenden Oberflächenstrukturen.

Wissenschaftler der Arizona State University in Tempe/USA konnten jetzt die Entstehungsgeschichte des "Athabasca Valles" entschlüsseln - eines etwa 270 Kilometer langen Talsystems im südwestlichen Bereich der Elysium-Vulkanregion.

Dieses Talsystem ist von Fließspuren durchzogen, welches an seinem Ende in deutlich erkennbare Platten mit jeweils mehreren Metern Kantenlänge zerbrochen ist. Diese Strukturen erinnern an die Frostpolygone, welche bereits im Jahr 2008 durch den Marslander Phoenix in der Nordpolregion des Mars nachgewiesen werden konnten. Hierbei handelt es sich um mehreckige und leicht aufgewölbte Strukturen mit einem Durchmesser von jeweils etwa zwei bis drei Metern, welche von flachen, relativ zum Zentrum gesehen etwa 20 bis 50 Zentimeter tiefen Gräben begrenzt sind. Auch auf der Erde sind solche polygonale Muster im Bereich der arktischen Permafrostböden bekannt.

Neue Aufnahmen der HiRISE-Kamera an Bord des von der US-amerikanischen Weltraumbehörde betriebenen Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) zeigen allerdings Oberflächendetails im Gebiet des Athabasca Valles, welche nicht mit dem Bild einer Formung durch aktive Wassereinflüsse oder einer durch Permafrost geprägten Gestaltung der Oberfläche zu vereinbaren sind. Die Planetenforscher Andrew Ryan und Philip Christensen von der Arizona State University konnten im Gebiet des Athabasca Valles insgesamt 269 spiralförmige Strukturen mit jeweils mehreren Metern Durchmesser nachweisen, welche die polygonale Plattenstruktur des Marsbodens überlagern.

Vergleichbare Strukturen sind sowohl in der Polarregion des Mars als auch auf der Erde unbekannt. Von daher ist es unwahrscheinlich, dass sich der Boden des Athabasca Valles unter den üblichen Bedingungen gebildet hat, welche unter Permafrost-Bedingungen auftreten. Ryan und Christensen bieten allerdings eine alternative Erklärung für die Entstehung dieser Strukturen an, denn ein entsprechender Bildungsprozess ist auch auf der Erde bekannt.

Ähnliche Strukturen treten nämlich auch im Bereich der Inselkette Hawaii auf, so dass die Wissenschaftler in ihrer kürzlich in der Fachzeitschrift Science publizierten Studie einen vulkanischen Ursprung der Marsregion Athabasca Valles vermuten. Erkaltende Lavaströme bildeten demzufolge eine dünne, plastische Kruste auf ihrer Oberfläche aus, welche anschließend in eine Vielzahl mehreckiger Platten zerbrach.

Einhergehend mit dem Fortschreiten der Abkühlung zog sich das so entstandene Basaltgestein noch weiter zusammen, was ein Zerbrechen der Platten in diverse kleinere Einzelstücke zur Folge hatte. Aus der unter dem erstarrten Gestein liegenden, noch immer flüssigen Lava entweichendes Gas hob die Platten in deren Zentrum an und ließ sie zugleich an ihren Rändern absinken. Diese Anhebung lässt sich laut Ryan und Christensen bei den Strukturen im Athabasca Valles deutlich erkennen.

Zusätzlich entdeckten die beiden Wissenschaftler, dass einige der Polygone in Spiralen "aufgewickelt" sind, welche an gewaltige Schneckenhäuser erinnern und Abmessungen zwischen fünf und 30 Metern erreichen. Auch diese Strukturen sind den Wissenschaftlern von der Erde bekannt und können sich auf zwei Wegen bilden.

Fließt Lava zwischen mehreren gerade auseinander brechenden Teilen der neu erstarrten Kruste, so kann diese einzelne Bruchstücke der bereits erkalteten Lava von den Kanten der Kruste ablösen. Da der Lavafluss in der Mitte des Stromes schneller erfolgt als am Rand, werden die losgelösten Bruchstücke in einem Wirbel zu Spiralen geformt. Sobald die Lava schließlich erstarrt, wird die so gebildete Spirale konserviert und ergibt das heute erkennbare Bild.

Bei einem solchen Prozess bilden sich relativ kleine Spiralen mit einem geringen Durchmesser. Größere Spiralen entstehen dagegen, wenn Magma aus temporär freigelegten Spalten zwischen den einzelnen Plattenrissen austritt. Dort kann austretende zähflüssige Lava an der Planetenoberfläche langsam rotieren und dabei zu größeren Spiralen erstarren.

Aufgrund der neuen Studie muss davon ausgegangen werden, dass sich die Region des Athabasca Valles nicht durch Wassereinflüsse sondern vielmehr durch vulkanische Aktivitäten geformt hat. Aufgrund der Häufigkeit der in diesem Gebiet gezählten Impaktkrater schätzen die Planetologen, dass sich das Gebiet vor rund 200 Millionen Jahren geformt hat und dass es sich hierbei somit um eines der jüngsten auf dem Mars durch vulkanische Aktivitäten geformten Gebiete handelt.

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Raumcon-Forum:

Internetseite der University of Arizona:

Science:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Arizona State University, Science)


» Mars Express: Die Tiefebene Acidalia Planitia
03.05.2012 - Heute veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen die Tiefebene Acidalia Planitia. Auf den Bildern sind verschiedene ausgetrocknete Flusstäler und mehrere ehemalige Kraterseen erkennbar.
Am 21. Juni 2011 überflog die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express während ihres Marsorbits Nummer 9.534 den westlichen Rand der Region Acidalia Planitia und bildete das Gebiet mit der High Resolution Stereo Camera (HRSC), einem der insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters ab. Diese heute veröffentlichten Aufnahmen zeigen einen bei 37 Grad nördlicher Breite und 306 Grad östlicher Länge gelegenen Ausschnitt des Acidalia Planitia. Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern erreichte die HRSC-Kamera dabei eine Auflösung von etwa 15 Metern pro Pixel.

Bei dem Acidalia Planitia handelt es sich um eine der ausgedehnten Ebenen des nördlichen Mars-Tieflandes. Es befindet sich zwischen der weiter westlich gelegenen Tharsis-Vulkanprovinz und dem im Südosten angrenzenden Arabia Terra. Das Acidalia Planitia beherbergt unter anderem auch die berühmte Cydonia-Region und das dort befindliche angebliche "Mars-Gesicht".

Außerdem befinden sich in dieser Übergangszone zwischen dem Marshochland und der nördlichen Tiefebene zahlreiche weit verzweigte Flusstäler. Einige dieser Täler weisen ein sogenanntes dendritisches Muster auf, welche in ihrer Form an die gleichmäßigen Verzweigungen eines Baumes erinnert. Diese Rinnenmuster bildeten sich durch Niederschlag, zum Beispiel in Form von Regen oder Schnee. Die Existenz von dendritischen Abflusssystemen auf dem Mars zeigt, dass unser Nachbarplanet in der Vergangenheit zumindestens zeitweise ein wärmeres und feuchteres Klima aufwies, welches im Gegensatz zu den aktuell vorherrschenden Bedingungen das Vorhandensein von flüssigem Wasser ermöglichte.

Das am 21. Juni 2011 durch die HRSC-Kamera abgebildete Gebiet verfügt über eine Ausdehnung von etwa 150 x 70 Kilometern und ist somit etwas größer als die Mittelmeerinsel Kreta. Im nördlichen Bereich der Aufnahme (rechte Bildhälfte im nebenstehenden Farbbild) sind vereinzelte Brüche in der Marskruste zu erkennen, welche sich bis in die angrenzende und auf diesem Bild nicht abgebildete Region "Idaeus Fossae" - einem etwa 200 Kilometer langen Grabensystem - fortsetzen. Aus diesen Bruchstrukturen, so die Interpretation der Planetenforscher, könnte einstmals Wasser, welches in Hohlräumen unter der Marsoberfläche gespeichert war, ausgetreten sein.

Im Westen der Szenerie (oberer Bildrand) sind des weiteren verschiedene zehn bis zwanzig Kilometer durchmessende und fast vollständig von Sedimenten verfüllte Krater zu erkennen, aus denen zum Teil Flusstäler entspringen. Es liegt die Vermutung nahe, dass diese Krater einst mit Wasser gefüllt waren und Seen bildeten. Die dort aufgestauten Wassermassen brachen sich schließlich einen Weg in die Umgebung und erzeugten dabei die heute noch erkennbaren Flusstäler.

Speziell im mittleren Abschnitt der Bilder fallen zudem einige kleinere und immer noch sehr gut erhaltene Krater auf. Der geringe Grad der Erosion ist ein Anzeichen für ein relativ geringes Alter dieser Krater. Sie haben sich vermutlich erst nach dem Ende Wasseraktivitäten in dieser Region gebildet, so dass sie nicht von den Wassermassen aufgefüllt und anschließend abgetragen oder durch Schlammablagerungen verfüllt wurden.

Bei der Suche nach Anzeichen für ehemaliges oder immer noch vorhandenes Leben auf dem Mars sind Gebiete wie die hier kurz vorgestellte Region des Acidalia Planitia für die Astrobiologen von großer Bedeutung. Die deutlichen Hinweise auf Kraterseen belegen das frühere Auftreten von Oberflächenwasser in der Entwicklungsgeschichte des Mars. Die Sedimente solcher ehemaliger Seen sind für astrobiologische Untersuchungen besonders interessant, da das längerfristige Vorhandensein von flüssigem Wasser nach allgemeiner Ansicht eine notwendige Grundvoraussetzung für die Entstehung und die weitere Entwicklung von Mikroorganismen darstellt.

Die hier gezeigten Farbansicht des Acidalia Planitia wurde aus dem senkrecht auf die Planetenoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- bzw. rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Das weiter unten zu sehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal der Kamera abgeleitet. Des Weiteren können die Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wird, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Institutionen aus zehn Ländern.

Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

Weitere während des Orbits Nummer 9.534 durch die HRSC-Kamera angefertigte Aufnahmen des Acidalia Planitia finden Sie auf der entsprechenden Internetseite der FU Berlin. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR, FU Berlin)


» Marsrover Opportunity : Die Fahrt wird fortgesetzt
06.05.2012 - Bereits seit Ende Dezember 2011 befindet sich der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity am Westrand des Endeavour-Kraters. Infolge des in den letzten Wochen erfolgten Anstieges der täglich zur Verfügung stehenden Energiemenge rückt jetzt aber der Zeitpunkt einer Wiederaufnahme der Fahrt näher. Bereits in wenigen Tagen wird der Rover seine Forschungsreise fortsetzen.
Auf seinem Weg über das Meridiani Planum erreichte der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity bereits am 9. August 2011, dem Sol 2.681 der Mission, den Endeavour-Krater (Raumfahrer.net berichtete). Opportunity befand sich jetzt direkt an der Südspitze des Cape York, einer mehrere hundert Meter langen, jedoch nur wenige Meter hohen Geländeerhebung, welche sich direkt am westlichen Rand dieses etwa 22 Kilometer durchmessenden Impaktkraters befindet.

Nach dem Abschluss erster Bodenanalysen in dieser Region (Raumfahrer.net berichtete) bewegte sich der Rover in die nördliche Richtung. Das Ziel der Fahrt war der Nordrand des Cape York, wo der "Robotergeologe" den anstehenden Marswinter verbringen sollte. Der Grund für die mehrmonatige Unterbrechung der Fahrt lag in der Energieversorgung des Rovers begründet, welche ausschließlich durch Sonnenenergie erfolgt. Neben der Lichtdurchlässigkeit der Marsatmosphäre und der Höhe des Sonnenstandes über dem Horizont ist dabei der Bedeckungsgrad der Solarpaneele mit Staubpartikeln entscheidend für die täglich generierte Menge an Strom.

Für den Betrieb seines Bordrechners, einer internen Heizung für die wichtigsten elektronischen Bauteile und für die tägliche Kommunikation mit der Erde benötigt der Marsrover pro Tag ein Minimum von etwa 160 Wattstunden Energie. Eine Auswertung des Verlaufs des Staub-Bedeckungsgrades der Solarpaneele und ein Vergleich mit den Werten der vergangenen Jahre zeigte allerdings, dass die Solarpaneele des Rovers zu diesem Zeitpunkt mit deutlich mehr Staub bedeckt waren als in den vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre.

Aus diesem Grund wurde bereits im Sommer 2011 eine sogenannte "Winter Planning Group" ins Leben gerufen, welche sich mit der zukünftig zu erwartenden Energiesituation und den daraus resultierenden Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb des Rovers während der kommenden Wintermonate auf dem Mars auseinander setzen sollte. Die Planungsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass die tägliche Energieausbeute von Opportunity bei einer Beibehaltung des bisherigen Trends bis zur Wintersonnenwende auf dem Mars - diese erfolgte am 30. März 2012 - unter ungünstigen Umständen bis auf einen Wert von nur noch rund 200 Wattstunden Energie pro Sol abfallen könnte. Unvorhersehbare Ereignisse wie etwa das Auftreten eines Staubsturmes könnten dann zu einer für den Rover bedrohlichen Energiesituation führen.

Deshalb, so die Empfehlung der Planungsgruppe, sollte Opportunity den anstehenden Mars-Winter an einem nach Norden gerichteten Hang verbringen. Dadurch würden sich die starr am Rover-Chassis befestigten Solarpaneele automatisch in Richtung auf die Sonne ausrichten, was eine höhere tägliche Energieausbeute zur Folge haben würde. Ein solches "Überwintern" in einem Winterquartier war in den vergangenen Jahren lediglich bei dem weiter südlich operierenden Zwillingsrover von Opportunity, dem mittlerweile nicht mehr aktiven Rover Spirit, notwendig.

Als Winterquartier, so die Planungsgruppe, bot sich der nördliche Bereich des Cape York an. Die von der HiRISE-Kamera an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter aufgenommenen Bilder und die daraus entwickelten digitalen Gelände- und Höhenmodelle der Region rund um das Cape York zeigten, dass sich in diesem Gebiet verschieden Hänge befinden, welche eine Neigung von bis zu 15 Grad in die nördliche Richtung aufweisen.

Mit der aus einer solchen Neigung resultierenden erhöhten Energiegewinnungsrate, so die Planungsgruppe, sollte der Rover auch während der kommenden Wintermonate weiterhin in der Lage sein, seine wissenschaftliche Aktivitäten in Form von Fotoaufnahmen und spektroskopischen Messungen kontinuierlich durchzuführen. Speziell handelte es sich dabei um spektroskopische Untersuchungen des Bodens, dokumentierende Bildaufnahmen der diversen Kameras und eine indirekte Vermessung des Kerns unseres Nachbarplaneten.

Nach dem Bezug seines Winterquartiers begann Opportunity Ende Dezember 2011 mit seiner wissenschaftlichen Winterkampagne. Das hierbei ausgewählte primäre Ziel war eine Untersuchung der direkt vor dem Rover gelegenen Oberflächenformation "Amboy". Neben diversen Aufnahmen durch die verschiedenen Kameras und durch ein Mikroskop wurde diese Gesteinsformation in den letzten Monaten mit dem Mößbauer-Spektrometer und mit dem APXS-Spektrometer ausführlich untersucht. Durch die Analyse der chemischen und mineralogischen Zusammensetzung soll so eine eventuell in der Vergangenheit erfolge Interaktion der Marsoberfläche mit Wasser nachgewiesen werden.

Die ersten Auswertungen der bisher gewonnenen Daten von Amboy haben ergeben, dass es sich bei dieser Struktur anscheinend um eine typische Impaktbrekzie handelt, welche sich bei einem Meteoriteneinschlag gebildet hat. Bei dem Impakt wurden ältere auf der Marsoberfläche abgelagerte Gesteine zertrümmert und durch die dabei auftretenden hohen Drücke verdichtet und verschmolzen.

Außerdem wurden die verschiedenen Kamerasysteme des Rovers dazu eingesetzt, um mehrere hochaufgelöste Fotopanoramen anzufertigen. Neben dem "Greeley-Panorama", einem mit allen Farbfiltern der Panoramakamera erstellten 360-Grad-Panorama, wurde auch die unmittelbare Umgebung des Rovers mehrfach fotografisch dokumentiert. Speziell auf diesen Aufnahmen wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler nach Veränderungen auf der Oberfläche suchen. So könnten zum Beispiel während der letzten über vier Monate Veränderungen an den in der Umgebung gelegenen kleinen Sanddünen aufgetreten sein, welche durch die erosiven Kräfte des Windes verursacht wurden.

Derzeit sind die Mitarbeiter des Opportunity-Kamerateams damit beschäftigt, die gewonnenen Aufnahmen zu kalibrieren und in ihren finalen Versionen zusammenzufügen. Hierbei handelt es sich allerdings um einen sehr aufwändigen und zeitraubenden Prozess. Jim Bell, der Leiter des Panoramakamera-Teams von der Arizona State University in Tempe/USA, geht jedoch davon aus, dass das "Greeley-Panorama" der Öffentlichkeit bereits in ein paar Wochen präsentiert werden kann.

Parallel zu diesen Aktivitäten wurde seit dem 1. Januar 2012 ein sogenanntes "Radio Science"-Experiment durchgeführt, durch welches sich die Wissenschaftler nähere Einblicke in den inneren Aufbau unseres Nachbarplaneten erhoffen. Massekonzentrationen im Inneren des Mars führen dazu, dass der Planet auf seiner Umlaufbahn um die Sonne eine minimale Wackelbewegung ausführt. Dieses "Wackeln" kann durch die von Opportunity an die Kommunikationsstationen des Deep Space Network (DSN) der NASA ausgesandten Radiowellen erfasst werden, da es sich durch eine Dopplerverschiebung des Signals bemerkbar macht.

Hierfür werden minimalste Veränderungen in der Frequenz, der Amplitude und der Polarisation des von dem Rover ausgestrahlten Radio-Trägersignals untersucht. Für eine erfolgreiche Verwertung der so gesammelten Daten ist es jedoch zwingend erforderlich, dass sich der Rover im Zeitraum der Messkampagne nicht bewegt. Selbst minimale Positionsveränderungen machen sich in dem empfangenen Trägersignal bemerkbar und können die Messergebnisse verfälschen. Somit boten die vergangenen Monate eine im bisherigen Missionsverlauf einmalige Gelegenheit für eine solche Untersuchungskampagne.

Letztendlich zeigte sich, dass die diesjährige Strategie der für den Betrieb des Rovers zuständigen Mitarbeiter der Mars Exploration Rover-Mission erfolgreich war. Opportunity überstand die Zeit des diesjährigen niedrigsten Sonnenstandes auf dem Mars ohne Probleme. In den letzten Wochen profitierte der Rover dabei auch von mehreren kleinen sogenannten "Dust Cleaning Events". Bei dieser Ereignissen wehen schwache Windböen über das Roverdeck und beseitigen dabei auch einen Teil der auf den Solarpaneelen abgelagerten Staubschicht.

Einen Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Monate gibt die folgende Auflistung. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des Rovers.

  • 01.05.2012: 0,365 kWh/Tag , Tau-Wert 0,480 , Lichtdurchlässigkeit 53,40 Prozent
  • 25.04.2012: 0,366 kWh/Tag , Tau-Wert 0,521 , Lichtdurchlässigkeit 54,60 Prozent
  • 17.04.2012: 0,342 kWh/Tag , Tau-Wert 0,504 , Lichtdurchlässigkeit 52,50 Prozent
  • 12.04.2012: 0,336 kWh/Tag , Tau-Wert 0,526 , Lichtdurchlässigkeit 53,50 Prozent
  • 03.04.2012: 0,321 kWh/Tag , Tau-Wert 0,521 , Lichtdurchlässigkeit 50,60 Prozent
  • 27.03.2012: 0,306 kWh/Tag , Tau-Wert 0,521 , Lichtdurchlässigkeit 48,80 Prozent
  • 21.03.2012: 0,311 kWh/Tag , Tau-Wert 0,508 , Lichtdurchlässigkeit 49,80 Prozent
  • 14.03.2012: 0,301 kWh/Tag , Tau-Wert 0,542 , Lichtdurchlässigkeit 48,90 Prozent
  • 07.03.2012: 0,298 kWh/Tag , Tau-Wert 0,557 , Lichtdurchlässigkeit 48,70 Prozent
  • 28.02.2012: 0,305 kWh/Tag , Tau-Wert 0,520 , Lichtdurchlässigkeit 48,90 Prozent
  • 21.02.2012: 0,277 kWh/Tag , Tau-Wert 0,684 , Lichtdurchlässigkeit 47,60 Prozent
  • 14.02.2012: 0,274 kWh/Tag , Tau-Wert 0,678 , Lichtdurchlässigkeit 46,70 Prozent
  • 08.02.2012: 0,283 kWh/Tag , Tau-Wert 0,648 , Lichtdurchlässigkeit 47,80 Prozent
  • 01.02.2012: 0,270 kWh/Tag , Tau-Wert 0,679 , Lichtdurchlässigkeit 46,90 Prozent
  • 24.01.2012: 0,279 kWh/Tag , Tau-Wert 0,693 , Lichtdurchlässigkeit 47,30 Prozent
  • 17.01.2012: 0,276 kWh/Tag , Tau-Wert 0,602 , Lichtdurchlässigkeit 44,70 Prozent

Aufgrund der sich in den letzten Wochen immer weiter verbesserten Energiesituation kamen die Mitarbeiter des für die Kontrolle des Rovers zuständigen Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien zu dem Entschluss, dass Opportunity jetzt sein diesjähriges Winterquartier verlassen und die Fahrt wieder aufnehmen soll. Entsprechende Kommandosequenzen sollen bereits in wenigen Tagen an den Rover übermittelt und anschließend von diesem ausgeführt werden. Allerdings wird sich der Rover dabei in den ersten Tagen nach der Wiederaufnahme der Fahrt zunächst lediglich in "kleinen Schritten" von seiner derzeitigen Position fortbewegen. Pausen zwischen den einzelnen Fahrten sollen dazu genutzt werden, um das in der Umgebung von "Greeley Haven" - so der Name des Winterquartiers - gelegene Gebiet noch näher zu untersuchen.

Anschließend, so die aktuellen Planungen, soll sich Opportunity wieder in den Bereich des Cape York begeben, wo bereits Ende 2011 mehrere Gipsadern entdeckt wurden und die ein eindeutiges Anzeichen für das frühere Vorhandensein von Wasser darstellen (Raumfahrer.net berichtete).

"Wir wollen uns noch einmal an diese Stelle begeben und diesmal nach einer größeren Gipsader suchen, welche das Sichtfeld des APXS-Spektrometers vollständig ausfüllt", so Ray Arvidson, der stellvertretende Chefwissenschaftler der Mission. Im Rahmen der dann erfolgenden Messungen ist auch der Einsatz des "Rock Abrasion Tools" (RAT) vorgesehen. Mit diesem Gesteinsbohrer soll die oberste Schicht der zu untersuchenden Ader von Staubablagerungen und anderen Verunreinigungen befreit werden, um anschließend das reine Gipsmaterial näher zu analysieren. Die 2011 im Detail untersuchte Gipsader "Homestake" war an ihrer Oberfläche durch Sand und Staubablagerungen stark verunreinigt, was die damals gewonnenen Messdaten eventuell verfälscht hat.

Nach dem Abschluss dieser Untersuchungen wird Opportunity das Cape York nach dem bisherigen Planungsstand endgültig verlassen und sich entlang des Randes des Endeavour-Kraters in die südliche Richtung bewegen. Das "Fernziel" hierbei sind die mehrere Kilometer vom jetzigen Standpunkt entfernt gelegenen Geländeerhebungen Solander Point und Cape Tribulation. Dort, so die bisherigen Analysen der von den verschiedenen Marsorbiter gewonnenen Daten, scheinen sich Schichtsilikate und Tonminerale abgelagert zu haben, was auf eine früher erfolgte Interaktion der dortigen Oberfläche mit Wasser hindeutet. Zuvor wird der Rover jedoch eine kleine Ebene namens Bottany Bay überqueren. Verschiedene Messdaten des CRISM-Spektrometers an Bord des Mars Reconnaissance Orbiter deuten darauf hin, dass sich auch dort Gipsablagerungen befinden.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 2945 der Mission, hat der Marsrover Opportunity insgesamt 34.361,37 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei fast 167.500 Bilder von der Oberfläche und der Atmosphäre des Roten Planeten aufgenommen und an sein Kontrollzentrum in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Planetary Society, UMSF)


» Marsrover Opportunity fährt wieder
10.05.2012 - Der Marsrover Opportunity hat seine Winterpause beendet und die Fahrt nach 19 Wochen am 9. Mai 2012 erfolgreich fortgesetzt.
Der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity hatte aufgrund des anstehenden Marswinters und der daraus resultierenden sinkenden Energiereserven bereits im Dezember 2011 eine Position an einem Hang des am Rande des Endeavour-Kraters gelegenen Cape York bezogen und dort die letzten Monate ohne weitere Fahrten verbracht (Raumfahrer.net berichtete).

Nach einer Pause von 130 Sols hat der Rover am 9. Mai 2012, dem Sol 2.947 der Mission, sein "Winterquartier" Greeley Haven, einen um 15 Grad in die nördliche Richtung geneigten Hang am Westrand des 22 Kilometer durchmessenden Endeavour-Kraters, verlassen. Im Rahmen dieser ersten Fahrt seit dem 26. Dezember 2011 bewegte sich der Rover über eine Distanz von 3,67 Metern in die nordwestliche Richtung.

"Wir haben den Gesteinsaufschluss Greeley Haven verlassen und befinden uns jetzt auf dem sandigen Boden unmittelbar davor", so Ashley Stroupe, eine der für die Steuerung von Opportunity zuständigen Roverdriverinnen des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien. "Es tut gut, endlich wieder unterwegs zu sein."

Durch diese Fahrt wurde auch das seit dem 1. Januar 2012 durchgeführte "Radio Science"-Experiment beendet, mit dem die an der Mission beteiligten Wissenschaftler Daten über den inneren Aufbau des Mars gesammelt haben. Im Rahmen dieser Kampagne konnten 60 Dopplermessungen erfolgreich durchgeführt werden. Die Auswertung der dabei gewonnenen Daten wird allerdings noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Die im Anschluss an die Fahrt an das JPL übermittelten Telemetriedaten zeigen keine ungewöhnlichen Reaktionen des Rovers. Alle für die Fahrt relevanten Hardwarekomponenten haben im Rahmen der vorgesehenen Parameter gearbeitet. Auch das rechte Vorderrad des Rovers, welches während der letzten Jahre einen gegenüber den anderen fünf Rädern erhöhten Stromverbrauch aufweist, zeigte kein ungewöhnliches Verhalten.

Momentan ist Opportunity damit beschäftigt, seinen bisherigen Standort mit der Panoramakamera unter der Verwendung der verschiedenen zur Verfügung stehenden Spektralfilter abzubilden. Dadurch sollen die im Verlauf der letzten Monate gesammelten Daten der verschiedenen wissenschaftlichen Instrumente in einen noch besseren Kontext gesetzt werden.

Außerdem will das Team der Mars Exploration Rover-Mission analysieren, auf welche Weise sich die veränderte Neigung des Rovers gegenüber der Sonne auf die aktuellen Energiewerte auswirkt. Nach seiner Fahrt am Sol 2.947 hat sich die Neigung Opportunitys von den ursprünglichen 15 Grad auf aktuell nur noch acht Grad in Richtung Norden verringert.

Auf den ersten Blick ergibt sich dadurch allerdings keine signifikante Verschlechterung der täglich zur Verfügung stehenden Energiemenge. Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarpaneele gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarzellen trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des Rovers.

  • 09.05.2012: 0,357 kWh/Tag , Tau-Wert 0,476 , Lichtdurchlässigkeit 52,60 Prozent
  • 01.05.2012: 0,365 kWh/Tag , Tau-Wert 0,480 , Lichtdurchlässigkeit 53,40 Prozent
  • 25.04.2012: 0,366 kWh/Tag , Tau-Wert 0,521 , Lichtdurchlässigkeit 54,60 Prozent
  • 17.04.2012: 0,342 kWh/Tag , Tau-Wert 0,504 , Lichtdurchlässigkeit 52,50 Prozent

Trotz des verringerten Neigungswinkels gegenüber der Sonne und einer leichten Zunahme der Staubbedeckung der Solarpaneele ist die Menge der täglich zur Verfügung stehenden Energie am 9. Mai, dem Tag der letzten Fahrt, nur minimal abgesunken.

Auch die gegenwärtige "Großwetterlage" auf dem Mars kommt dem Rover zugute. Hier der bisher letzte Mars-Wetterbericht für den Zeitraum vom 30. April bis zum 6. Mai 2012, erstellt von Malin Space Science Systems (MSSS).

Laut MSSS zeigte das Wetter auf dem Mars in dieser Woche keine besonderen Auffälligkeiten. In den hohen nördlichen Breiten konnten entlang des Randes der nördlichen Polarkappe diffuse Staubkonzentrationen beobachtet werden. In den mittleren Breiten der südlichen Planetenhemisphäre traten dagegen speziell in der Umgebung des Hellas-Impaktbeckens und des Argyre Planitia dichtere Staubwolken auf. Diese reichten jedoch nicht aus, um einen Staubsturm zu erzeugen. Zudem konnten während der vergangenen Woche in weiten Bereichen der Äquatorregion diffuse Wolken aus Wassereiskristallen beobachtet werden, welche zu einer sporadischen Wolkenbildung über dem Meridiani Planum, dem Operationsgebiet von Opportunity führten.

Die Firma MSSS ist für den Betrieb der Kamerasysteme HiRISE, CTX und MARCI an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter verantwortlich. Die MARCI-Kamera fertigt dabei tägliche globale Aufnahmen des Mars an, mit denen sich Wetterkarten erstellen lassen. Diese Karten erlauben Rückschlüsse über die gegenwärtigen Staubaktivitäten und Wolkenbildungen in der Marsatmosphäre. Über einen längeren Zeitraum gewinnen die Wissenschaftler durch diese Aufnahmen einen Einblick in die Dynamik des Wettergeschehens auf unserem äußeren Nachbarplaneten. Die so gewonnenen Wetterdaten verfügen zwar nicht über die Qualität der aus den Tagesnachrichten bekannten irdischen Wetterberichte - für die Planung der zukünftigen Aktivitäten eines Marsrovers sind sie jedoch trotzdem sehr hilfreich.

Somit sprechen gegenwärtig weder die aktuellen Energiewerte noch das aktuelle Wettergeschehen gegen eine Fortsetzung der Fahrt des Rovers.

"Unser nächstes Ziel befindet sich ein paar Meter nördlich des jetzigen Standortes", so Matt Golombek, einer der an der Mission beteiligten Mitarbeiter des JPL. "Bei einem dort erkennbaren hellen Fleck auf der Marsoberfläche könnte es sich um eine Ansammlung von Staubpartikeln handeln. Im Rahmen der bisherigen Fahrt über das Meridiani Planum konnten wir den dort befindlichen Staub nur selten untersuchen. Wir wollen deshalb diese Chance nutzen, um den Staub näher zu analysieren." Die dafür notwenige Fahrt wird aller Voraussicht nach bereits am kommenden Wochenende durchgeführt.

Im Anschluss an diese Untersuchung, so die bisher geplante Vorgehensweise, soll Opportunity im nördlichen Bereich des Cape York nach weiteren Gipsadern Ausschau halten und diese näher untersuchen. Zumindestens in den nächsten Wochen müssen die Roverdriver des JPL bei diesen Untersuchungen allerdings darauf achten, dass sich Opportunity am Ende einer jeden Fahrt auch weiterhin auf einer leicht nach Norden geneigten Position befindet. Erst mit einem noch höheren täglichen Sonnenstand kann sich der Rover dann auch relativ gefahrlos wieder in die südliche Richtung begeben und dabei die von der Sonne abgewandten Hänge passieren.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 2.949 der Mission, hat der Marsrover Opportunity insgesamt 34.365,04 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei fast 167.500 Bilder von der Oberfläche und der Atmosphäre des Roten Planeten aufgenommen und an sein Kontrollzentrum in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Malin Space Science Systems)



 

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Saturn Aktuell: Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 167 von Redaktion



• Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 167 «mehr» «online»


» Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 167
13.05.2012 - Am 11. Mai 2012 begann der mittlerweile 167. Umlauf der Raumsonde Cassini um den Planeten Saturn. Der Schwerpunkt der während des 17 Tage dauernden Umlaufs vorgesehenen Untersuchungen liegt diesmal in der Beobachtung der Saturnatmosphäre und des Saturnmondes Titan. Außerdem wird die Raumsonde ihre Umlaufbahn verändern und dabei eine größere Inklination einnehmen.
Am 11. Mai 2012 hat die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 11.28 Uhr MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,37 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren mittlerweile 167. Umlauf um den Ringplaneten.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der jetzt begonnene Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 166", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern in erster Linie dazu genutzt werden, um den Saturn und dessen größere, innere Monde mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden. Den Höhepunkt des gegenwärtigen Orbits bildet ein gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan, welcher am 22. Mai in einer Entfernung von 955 Kilometern passiert werden wird.

Gegenwärtig bewegt sich die Raumsonde immer noch auf einer Umlaufbahn, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft. Diese äquatoriale Flugbahn der Raumsonde ermöglichte es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern seit dem Oktober 2009 unter anderem, die vertikalen Strukturen der Saturnringe zu untersuchen. Zudem konnten speziell die Äquatorregionen des Saturn und dessen größten Mondes, des etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, im Detail untersucht werden.

Im Rahmen des am 22. Mai erfolgenden Titan-Vorbeifluges wird die Raumsonde diese Orbitbahn verlassen und aus der äquatorialen Ebene in eine Umlaufbahn wechseln, welche über eine deutlich größere Neigung gegenüber der Äquatorebene des Saturn verfügt. Dieser Flugverlauf ermöglicht eine detaillierte Untersuchung der Polarregionen des Saturn und seiner inneren Monde. Zusätzlich wird auch das Ringsystem des Saturn von den abbildenden wissenschaftlichen Instrumenten der Raumsonde zukünftig in seiner "Gesamtheit" besser erfasst werden können.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 17 Tage dauernden Orbits insgesamt 27 Beobachtungskampagnen vorgesehen.

Die ISS-Kamera nahm ihren wissenschaftlichen Betrieb bereits eine Stunde nach dem Beginn des neuen Saturnumlaufs auf. Das Ziel der Beobachtung war der kleine, äußere Saturnmond Erriapus, welcher aus einer Entfernung von rund 7,3 Millionen Kilometern über einen Zeitraum von acht Stunden mehrfach abgebildet wurde. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn, seinem Durchmesser von etwa acht bis zehn Kilometern und seiner im Vergleich zu den anderen Saturnmonden relativ hohen mittleren Dichte von 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter, welche auf eine Zusammensetzung aus Wassereis mit einem hohen Anteil an Silikatgestein hindeutet, ist über diesem erst im Jahr 2000 entdeckten Saturnmond bisher nur sehr wenig bekannt.

Anhand der Variationen in der sich bei der Beobachtung ergebenden Lichtkurve und dem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen dessen Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebende Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtung ist ein Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden. Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen neben den Rotationsgeschwindigkeiten der Monde wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen.

Zwischen dem 12. und dem 17. Mai wird das Kamerasystem mehrfach auf den Titan ausgerichtet werden. Das Ziel der dabei anzufertigenden Bildaufnahmen besteht in der Dokumentation der oberen Atmosphärenschichten des Titan und der zum Beobachtungszeitpunkt eventuell dort befindlichen Wolkenstrukturen. Zwischen dem 14. und dem 17. Mai stehen außerdem mehrere Beobachtungen des Saturn auf dem Beobachtungsprogramm der Raumsonde. Die NAC-Kamera wird dabei zusammen mit einem weiteren Instrument, dem Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS), auf dessen Südpolregion ausgerichtet werden und nach dort eventuell auftretenden Polarlichtern Ausschau halten. Aus diesen täglich erfolgenden und jeweils drei bis sechs Stunden andauernden Beobachtungen wollen die beteiligten Wissenschaftler zu einem späteren Zeitpunkt verschiedene Videosequenzen erstellen.

Am 20. Mai wird Cassini um 08.26 Uhr MESZ die Periapsis, den Punkt ihrer größten Annäherung an den Saturn während des 167. Orbits, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde 134.900 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt erfolgen zwei nicht gesteuerte nahe Vorbeiflüge an den inneren Saturnmonden Tethys und Methone.

Zuerst wird Cassini den 1.062 Kilometer durchmessenden Mond Tethys in einer Entfernung von 53.800 Kilometern passieren. Neben einem aus acht Einzelbildern bestehenden Mosaik der Mondoberfläche sollen dabei verschiedene Krater und das Gebiet Ithaca Chasma im Detail abgebildet werden. Bei dem Ithaca Chasma handelt es sich um ein gewaltiges Grabensystem, welches rund und drei bis fünf Kilometer tief, bis zu 100 Kilometer breit und fast 2.000 Kilometer lang ist. Die Vielzahl der an den Talhängen und auf dem Boden erkennbaren kleineren Krater deutet auf ein sehr hohes Alter diese Canyons hin.

Über seine Entstehungsgeschichte herrscht dagegen bisher noch keine Einigkeit unter den Planetologen. Eine Theorie besagt, dass sich das Ithaca Chasma bildete, als flüssiges Wasser im Innern des Mondes ausfror und die Oberfläche infolge der Ausdehnung aufriss. Einer anderen Theorie zufolge könnte Ithaca Chasma entstanden sein, als bei dem Einschlag eines größeren Asteroiden Schockwellen durch das Innere des Mondes liefen, welche schließlich zu einem Aufbrechen der Oberfläche von Tethys führten. Ein entsprechend großer Impaktkrater wäre der auf der nördlichen Mondhemisphäre gelegene und etwa 450 Kilometer durchmessende Odysseus-Krater.

Um 08.57 Uhr MESZ wird Cassini schließlich den lediglich 3,2 Kilometer durchmessenden Mond Methone in einer Entfernung von 1.861 Kilometern passieren. Die besten Bildaufnahmen erwartet das für den Betrieb der ISS-Kamera zuständige CICLOPS-Team aufgrund der Beleuchtungsverhältnisse etwa 12 Minuten nach der dichtesten Annäherung. Aus einer Entfernung von dann rund 4.500 Kilometern wird die Kamera die Mondoberfläche unter der Verwendung verschiedener Farbfilter mit einer Auflösung von 26 Metern pro Pixel auflösen können. Methone wird auf den Bildern über eine Größe von 120 Pixeln verfügen.

Am 22. Mai 2012 wird die Raumsonde um 03.10 Uhr MESZ den Mond Titan zum 84. Mal im Rahmen eine gesteuerten Vorbeifluges nähern und diesen mit einer Geschwindigkeit von 5,9 Kilometern pro Sekunde passieren. Die dichteste Annäherung an Titan wird bei diesem als "T-83" bezeichneten Manöver bei 955 Kilometern liegen. Während der Anflugphase werden zwei weitere Instrumente, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS) und das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), dazu eingesetzt, um die Nachtseite des Mondes abzubilden. Zudem wird die ISS-Kamera Aufnahmen von der obersten Atmosphärenschicht des Titan erstellen.

Während der dichtesten Annäherung werden das RADAR-Instrument und das Ion and Neutral Mass Spectrometer (INMS) "übernehmen". Das RADAR wird dabei im SAR-Modus einen Teil der nördlichen Mondhemisphäre abbilden. Der Aufnahmebereich erstreckt sich von einem bei 20 Grad nördlicher Breite und 210 Grad westlicher Länge gelegenen Punkt bis hin zu einem Punkt bei 80 Grad nördlicher Breite und 150 Grad westlicher Länge und dann wieder zurück bis zu dem Endpunkt der Messung, welcher sich bei 40 Grad nördlicher Breite und 20 Grad westlicher Länge befindet.

In diesem schmalen Streifen befinden sich mehrere Seen aus flüssigen Kohlenwasserstoffverbindungen. Die SAR-Aufnahmen sollen mit während der Titan-Vorbeiflüge T-16 und T-19 - diese erfolgten bereits im Juli und Oktober 2006 - angefertigten Radar-Bildern dieser Region verglichen werden. Das Ziel besteht darin, eventuelle Veränderungen der dort befindlichen Seen zu erkunden.

Das INMS soll dagegen die Zusammensetzung der Titanatmosphäre ermitteln. Auch diese Daten sollen mit zuvor in den Jahren 2006 und 2007 gesammelten Messdaten verglichen werden, um eventuelle jahreszeitlich bedingte Veränderungen in der Atmosphäre des Titan zu ermitteln. Nach weiteren Radaraufnahmen wird das CIRS während der Abflugphase dazu eingesetzt, um die Oberflächentemperatur des Mondes zu bestimmen. Zusätzlich soll das VIMS die Atmosphärenschichten des Titan abbilden und nach eventuell dort befindlichen Wolkenstrukturen Ausschau halten. Beide Instrumente werden dabei durch ergänzende ISS-Aufnahmen unterstützt. Des Weiteren wird das Dual Technique Magnetometer (MAG) dazu eingesetzt, um die Stärke des Magnetfeldes in der Umgebung von Titan zu ermitteln.

In den Tagen nach dem Titan-Flyby wird schließlich der Saturn mehrmals in den Fokus der ISS-Kamera rücken. Diese Beobachtungen werden das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnte (Raumfahrer.net berichtete), mittlerweile aber immer mehr an Stärke verliert. Aufgrund der während des Titan-Vorbeifluges erreichten größeren Inklination der Raumsonde, diese wird jetzt bei fast 16 Grad liegen, kann jetzt auch das Ringsystem des Saturn wieder besser abgebildet werden. Zwei Beobachtungssequenzen werden am 23. Mai Teile des inneren D-Ringes und des äußeren A-Ringes zum Ziel haben.

Ebenfalls am 23. Mai sollen zudem mehrere der kleineren inneren Saturnmonde im Rahmen sogenannter astrometrischer Beobachtungen abgebildet werden. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen der jeweiligen Umlaufbahnen führen kann.

Das wissenschaftliche Ziel der angefertigten Aufnahmen der Monde Calypso, Pandora, Atlas, Anthe, Pan, Janus und Daphnis besteht darin, die derzeit verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können. Eine weitere astrometrische Beobachtungskampagne ist für den 27. Mai vorgesehen und wird die Monde Calypso, Epimetheus, Telesto und Prometheus zum Ziel haben.

Am 28. Mai 2012 wird Cassini um 07.16 Uhr MESZ in einer Entfernung von rund 2,3 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und diesen 167. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 168 wird am 7. Juni ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug am Mond Titan erfolgen. Dieser soll dabei in einer Distanz von rund 959 Kilometern passiert und erneut mit verschiedenen Instrumenten untersucht werden.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: ISS Symposium beginnt in Berlin von Redaktion



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» ISS Symposium beginnt in Berlin
02.05.2012 - Heute beginnt das Symposium zur Entwicklung und Nutzung der Internationalen Raumstation ISS. Nach dem Moto "Weltraumforschung zum Nutzen der Menschheit" bewerten diverse Experten und Vertreter vergangene und künftige Forschungsprojekte.
Die ISS ist die teuerste Forschungseinrichtung der Welt und zugleich durch die Gegebenheiten des Weltraums die einzige auf der spezielle Experimente möglich sind. Zwar verfolgt jede Raumfahrtagentur ihre eigenen Forschungsziele, aber sie verbindet alle eine Idee: Neue Erkenntnisse zum Nutzen der Menschheit zu gewinnen. Zu diesem Ziel sind heute Vertreter aller fünf Raumfahrtagenturen, welche an der ISS beteiligt sind, sowie Wissenschaftler, Raumfahrtexperten und Astronauten aus aller Welt zusammen gekommen um auf der dreitägigen Veranstaltung die mehr als zehnjährige Arbeit der Station und zu erörtern und zugleich die künftigen Forschungsaufgaben zu diskutieren.

Im Bereich der Medizin und Telemedizin, im Bildungswesen und in der Erdbeobachtung vom Weltraum aus zeigt sich bereits jetzt der Nutzen der Weltraumforschung für die Menschheit. Ob Impfstoffentwicklung, die Nutzung von ISS-Bildmaterial für landwirtschaftliche und Katastrophenhilfe-Projekte oder Bildungsinitiativen zur Motivation künftiger Wissenschaftler, Ingenieure und Weltraumforscher – es gibt viele Beispiele für den Nutzen der Weltraumforschung.

13:00 Uhr beginnt ein Livestream vom ISS Symposium, welchen Sie hier ansehen können:


(Autor: Ralf Mark Stockfisch - Quelle: ESA)


» ISS-Symposium: Dunkle Materie und neue Technologien
03.05.2012 - Auf die Frage, ob wir eine über 100 Milliarden Euro teure Raumstation brauchen und ob wir sie auch nach 2020 brauchen, bietet das ISS-Symposium viele Antworten. Eine davon ist zum Beispiel das Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) welches nach 17 Jahren Entwicklungszeit letztes Jahr an der ISS angebaut wurde.
Der erste Tag der internationalen Veranstaltung, welche die vergangene und künftige Nutzung der Internationalen Raumstation ISS bewerten soll, brachte viele Rückblicke und Ausblicke von den höchsten Vertretern der fünf beteiligten Raumfahrtagenturen aus den USA, aus Russland, Europa (ESA), Japan und Kanada. ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain betonte die verschiedenen Nutzungen und deren Vorteile, welche sie der Menschheit bringt. Ein großer Vorteil sei insbesondere die internationale Zusammenarbeit zwischen den Raumfahrtagenturen und letztlich zwischen den Staaten. Die auf diese Weise geschmiedeten Partnerschaften würden selbst dann noch verbleiben, wenn es die ISS schon nicht mehr gäbe. Er betonte, dass Kooperation zwar langsamer ist als Konkurrenz, aber einen länger anhaltenden Nutzen für alle bedeute. Auf die Frage angesprochen, ob man die ISS 2020 im Meer versenken sollte, sagte er: „Wir wären dumm, dies zu tun. Es gibt keine Deadline, die einzige Frage ist, wie lange können wir die ISS im Orbit halten. Es gibt auch eine Zukunft in einem niedrigeren Erdorbit. Es fragt sich jedoch, wie lange die ISS die richtige Hardware hat, um sie entsprechend nutzen zu können. Dies wiederum ist eine Frage von Kosten und Nutzen.“

Prof. Johann-Dietrich Wörner, seines Zeichens Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), untermauerte indirekt warum die Menschheit die ISS auch nach 2020 noch braucht. Man betreibe diese Raumstation und die Raumfahrt nicht als Selbstzweck. Raumfahrt bedeute mehr als „nur zum Mond fliegen“, sondern bedeutet neue Technologien, neue medizinische Verfahren, internationale Zusammenarbeit, Inspiration junger Menschen und mehr. Die Globalen Herausforderungen wie die schwindenden Ressourcen, die steigende Anzahl an Erdbewohnern, die Umweltverschmutzung und Klimaveränderung und damit einher gegende Folgeprobleme (Naturkatastrophen, Kriege etc.) machten die ISS erforderlich. Neben den durch die Schwerelosigkeit möglichen speziellen Experimenten erfüllt sie breit gefächerte Aufgaben. Eine wichtige Aufgabe, die Prof. Wörner zwar nicht direkt ansprach aber meinte, sind die Fernbeobachtung durch die Besatzung der ISS mithilfe spezieller Kameras und Sensoren.
Im Gegensatz zu zahlreichen herkömmlichen Erdbeobachtungsplattformen umkreist die ISS die Erde in einer geneigten, äquatorialen, nicht sonnensynchronen Umlaufbahn. Das heißt, die ISS passiert die Erde in einem Winkel zwischen 52 Grad nördlicher und 52 Grad südlicher Breite, und zwar zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Satelliten mit Fernerkundungssensoren zur Erdbeobachtung wie Landsat7 oder Terra dagegen befinden sich in der Regel auf einer polaren, sonnensynchronen Umlaufbahn. Sie passieren die gleiche Stelle auf der Erdoberfläche in Abständen von etwa zwei Wochen immer zu etwa der gleichen Tageszeit. Diese können im Gegensatz zur ISS keine Oberflächenprozesse untersuchen, die normalerweise früh am Morgen oder spät am Nachmittag auftreten, beispielsweise Gesetzmäßigkeiten in der Bildung küstennaher Nebelbänke. Ein weiterer besonderer Vorteil der ISS ist die Besatzung, denn diese kann unverzüglich auf neue Situationen reagieren und braucht kein neues Datenerfassungsprogramm, das erst noch von der Bodenstation hochgeladen werden muss. Das fällt insbesondere bei plötzlichen und unerwarteten Naturereignissen ins Gewicht, wie zum Beispiel Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Tsunamis. Die Beobachtung erfolgt nicht nur mit Handkamaras sondern auch mit mehreren externen Sensoren. Das HICO beispielsweise ist ein abbildendes Spektrometer, installiert an der Außenplattform des japanischen Labormoduls Kibo. Von seinen Bilddaten erhofft man sich ein besseres Verständnis von Küsten- und anderen Regionen unseres Planeten.

Schließlich ging Prof. Wörner noch auf die derzeit wichtigste Neuinbetriebnahme auf der ISS ein, das Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS). Dazu hielt im Anschluss Prof. Schael von der RWTH Aachen einen Vortrag. Raumfahrer.net hatte zudem die Möglichkeit direkt mit ihm zu sprechen. Das AMS ist ein Teilchendetektor zur Untersuchung der kosmischen Höhenstrahlung. Mit ihm können Eigenschaften von Elementarteichlen nachgewiesen werden. Ein Magnetspektrometer soll demnach die jeweilige Energie geladener Teilchen durch Einsatz eines Magnetfeldes messen. So kann damit insbesondere Antimaterie aufgespürt werden. In der Astrophysik gilt nach heutigem Stand die Hypothese, dass nach dem Urknall ebensoviel Materie wie Antimaterie entstand. Bisher wurde jedoch im Weltall noch keine Antimaterie entdeckt. Würde das AMS zum Beispiel einen Anti-Kohlenstoff-Atomkern messen, wäre das ein Hinweis darauf, dass das Universum in der Tat symmetrisch ist und nach dem Urknall eine räumliche Trennung zwischen Materie und Antimaterie stattgefunden hat. Auf der Erde konnte man solche Antimateriekerne bisher nicht messen, da sie wohl vorher mit der Erdatmosphäre wechselwirken. Am CERN in Genf konnten zwar Anti-Wasserstoffkerne hergestellt werden, deren Lebenszeit war aber extrem kurz.

Außerdem könnte man mit dem AMS beweisen, dass es die von der Wissenschaft seit langem vermutete, dunkle Materie gibt. Darunter versteht man eine Materieform, die zu wenig sichtbares Licht oder andere elektromagnetische Strahlung aussendet, reflektiert oder absorbiert, um direkt beobachtbar zu sein. Dabei handelt es sich bisher nur um eine Theorie. Grund dafür ist Folgender: Nach dem Dritten Keplerschen Gesetz und dem Newtonschen Gravitationsgesetz müsste die Rotationsgeschwindigkeit in den äußeren Bereichen von Galaxien abnehmen. Entgegen dieser Annahme verlaufen die beobachteten Rotationskurven jedoch konstant oder steigen sogar leicht an. Diese Diskrepanz legt die Vermutung nahe, dass im Universum eine Materieform existiert, welche nicht in Form von Sternen, Staub oder Gas sichtbar ist. Nur so lässt sich der Effekt mit unser bisherigen physikalischen Vorstellung erklären. Die Hoffnung liegen nun darauf, mit Hilfe des AMS eben jene dunkle Materie nachweisen zu können. Die Realisierung des multinationalen Projekts hat mehr als 16 Jahre gedauert und umfasste einen Vorgänger (das AMS-01), unzählige Testläufe und einen unerwarteten Umbau. Dabei wurde der mit flüssigem Helium gekühlte supraleitende Magnet des Spektrometers gegen einen normalen Neodym-Permanentmagneten ausgetauscht, um einen Betrieb des AMS-2 für bis zu 18 Jahre zu ermöglichen. Der supraleitende Magnet hätte nur etwa drei Jahre überstanden und hätte dann instandgesetzt werden müssen. Zwar bedeutet der Verzicht auf den gekühlten Magneten auch eine Einbuße an Messpräzision (Prof. Schael nannte es „energy resolution“), da der Magnet die geladenen kosmischen Partikel durch fünf verschiedene Detektoren leiten muss. Dafür wurde jedoch mehrere Magnetringe übereinander gestapelt, so dass das AMS-02 wesentlich schwerer und länger wurde. Zudem wurden empfindlichere Detektoren verwendet. Somit konnten die Einbußen kompensiert werden, sagt Prof. Schael.

Prof. Schael als Projektleiter für die Deutschen Beiträge zum AMS betonte, wie froh er ist, dass dieses Präzisions-Messinstrument überhaupt den Flug mit dem Space Shuttle und die anschließende Montage an die ISS überstanden hat. Immerhin fallen bei so einem Flug Kräfte über der 6-fachen Erdbeschleunigung an. Prof. Schael fuhr selbst zur Installation des AMS in das Kontrollzentrum nach Houston, um die notwendigen Arbeiten zu koordinieren. Mittlerweile nimmt das AMS-02 über 16 Milliarden Ereignisse („Events“) pro Jahr auf, welche in einem eigens dafür eingerichteten Kontrollzentrum verarbeitet werden, um sodann ausgewertet werden können. Schon jetzt hatte man einige interessante Ereignisse, wie z.B. ein Elektron mit einer Energie von über einem Terra-Elektronenvolt (1 TeV). Auf die Frage, ob er für den Fall, dass sich die Theorie der schwarzen Materie nicht verifizieren lässt, schon eine andere Theorie in petto habe, antworte Prof. Schael, dass es Aufgabe künftiger Generationen sei, mit den nun gesammelten und noch zu sammelnden Daten Theorien über unser Universum zu bilden. In jedem Fall sei das AMS-02 ein historisches Wissenschaftsprojekt das die Physik verändern könnte.



Sehen Sie ihr die 16 Jahre Entwicklungszeit des AMS-02 in 3 Minuten:

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Raumcon:


(Autor: Ralf Mark Stockfisch - Quelle: ESA, NASA, Raumfahrer.net)


» Neue ISS-Besatzung unterwegs
15.05.2012 - Eine dreiköpfige zukünftige Teilbesatzung der Internationalen Raumstation ist seit 5.01 Uhr MESZ auf dem Weg zum Rendezvous.
Der Start mit einer Sojus-FG-Trägerrakete erfolgte vom Kosmodrom Baikonur aus. Triebwerke, Steuerung und Stufentrennungen funktionierten einwandfrei, so dass das Raumschiff Sojus-TMA 04M sich nach 9 Minuten in einer elliptischen Umlaufbahn um die Erde befand. Danach wurden weitere Systeme aktiviert. Dazu zählen Kommunikations- und Rendezvousantennen sowie die Energieversorgung über ausklappbare Solarzellenpaneele.

Die Besatzung, bestehend aus Gennadi Padalka, der seinen vierten Raumflug absolviert, Joseph Acaba, der zum zweiten Mal im All weilt und Sergej Rewin, ein Weltraumneuling, wird die nächsten beiden Tage dazu nutzen, sich an die Schwerelosigkeit anzupassen und die Bahn des Raumschiffes immer weiter der der Raumstation anzupassen. Eine Kopplung ist für den Morgen des 17. Mai geplant.

Mit der Ankunft der Besatzung von Sojus-TMA 04M wird die ISS-Crew wieder auf 6 Personen steigen. Der nächste Wechsel ist dann im Frühsommer geplant. Padalka, Acaba und Rewin sollen dagegen bis Oktober in der Station arbeiten und leben.

Zu ihren Aufgaben gehört die Betreuung und Durchführung wissenschaftlicher Experimente sowie die Instandhaltung der Station. Ein Teil der Experimente läuft vollkommen automatisch ab, ein anderer Teil bedarf regelmäßiger Betreuung, wie dem Austausch von Proben, das Reinigen von Reaktionskammern, den Austausch von Batterien, die Justierung oder Eichung von Messinstrumenten sowie notwendige Reparaturen. Ein weiterer Teil der Experimente wird hingegen weitgehend von den Raumfahrern durchgeführt. Bei medizinischen Untersuchungen sind sie sogar selbst Gegenstand der Tests.

Das Sojus-Raumschiff besteht aus 3 Teilen, dem Orbitalteil, der rückkehrfähigen Kommandokapsel und dem Serviceteil mit Energieversorgung, Antrieb und weiteren technischen Systemen.

Verwandte Meldung:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA, Raumcon)


» Neue ISS-Besatzung am Ziel
17.05.2012 - Eine neue dreiköpfige Teilcrew der Internationalen Raumstation, bestehend aus Gennadi Padalka, Joseph Acaba und Sergej Rewin, hat am Morgen am Modul Poisk angekoppelt.
Das Raumschiff Sojus-TMA 04M war am Dienstag früh von Baikonur aus gestartet und hatte in den letzten beiden Tagen durch verschiedene Korrekturmanöver seine Flugbahn der der ISS angepasst. Die Kopplung erfolgte gegen 6.36 Uhr MESZ. Die Luken wurden nach Überprüfung der Dichtheit der Verbindung gegen 9.16 Uhr geöffnet und die Raumfahrer "betraten" die Station.

Bis Oktober werden die drei Raumfahrer mit den Besatzungen von Sojus-TMA 03M und 05M zusammenarbeiten. Dabei wird eine Vielzahl wissenschaftlicher und technischer Experimente ausgeführt und die Station in Schuss gehalten. Forschungsgebiete sind Medizin, Materialwissenschaften, Biologe, Astronomie. Physik und Atmosphärenforschung.

Einer neuen Meldung von Roskosmos zufolge ist auch ein Ausstieg geplant, bei dem u.a. ein kleiner Satellit ausgesetzt werden soll, mit dessen Daten man Vorhersagemodelle für den Absturz von Weltraumschrott verbessern will.

Mitgebracht wurde auch eine Stereokamera, mit der die Kosmonauten Padalka und Rewin im Auftrag einer russischen Nachrichtenagentur 3-D-Bilder über ihr Leben in der Station aufnehmen sollen. Die Bilder sollen mit der Besatzung von Sojus-TMA 03M zur Erde gelangen und anschließend veröffentlicht werden, während die Kamera für weitere Einsätze auf der ISS verbleibt.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, RIAN)



 

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"InSpace" Magazin #467
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
18. Mai 2012
Auflage: 4653 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Ian Benecken
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
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Hans J. Kemm
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Timo Lange
Daniel Maurat
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Thomas Pallmann
Simon Plasger
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