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» Russlands Mondpläne in Bewegung
01.08.2012 - Wie erwartet werden nach dem frühen Misserfolg der Fobos-Grunt-Mission Pläne zur Erforschung anderer Himmelskörper überarbeitet. Vorreiter soll vernünftigerweise der Mond werden, für dessen weitere Erkundung zeitliche Planungen bereits mehrfach umgestellt wurden.
Insbesondere wird zunächst eine Mission im Mondorbit einer unbemannten Landung vorgezogen. So soll 2015 der Luna-Glob-Orbiter den Missionsreigen eröffnen. Bis dahin möchte man sich mehr Zeit nehmen, alle Komponenten ausgiebiger zu testen. Dies wird gegenwärtig als Hauptgrund für das Versagen bei der Fobos-Grunt-Mission gesehen. Die ambitionierten Pläne nach dem gewaltigen Umbruch in der russischen Gesellschaft und Wirtschaft sowie jahrzehntelanger Unterfinanzierung kamen einfach zu früh.
Ihm könnte 2016 der Luna-Glob-Lander folgen. Bisher sollte im Rahmen von Luna-Resurs 1 bereits 2016 ein Lander mit indischem Rover auf den Weg geschickt werden, dem 2018 bereits ein größeres russisches Modell folgen sollte. Die russisch-indische Mission ist nun auf 2017 terminiert. Mit Luna-Grunt könnte 2019 eine Probenrückführung vom Erdtrabanten durchgeführt werden, eine Generalprobe für künftige Marspläne. Diese wandern ins kommende Jahrzehnt mit Fobos-Grunt 2 und einer für 2024 angepeilten Marsprobenrückführung.
Zuvor gilt es, eine umfassende Umstrukturierung und wirksame Prüfmechanismen in der russischen Raumfahrt auf den Weg zu bringen. Bisher litt diese unter Kompetenzgerangel, mangelhafter Kommunikation zwischen verschiedenen Gruppen, die an einem Projekt arbeiteten, teilweise unklarer Mittelverwendung und Überalterung in Forschung, Entwicklung und Raumfahrtindustrie. Selbst neue Projekte, wie der Bau des russischen Kosmodroms Wostotschny im fernen Osten des großen Landes, sind davon teilweise betroffen.
Offenbar will man nun aber in kleineren Schritten und veränderter Reihenfolge zurück auf den Erfolgspfad. Heutige Elektronik beispielsweise ist zwar erheblich leistungsfähiger als die der früheren russischen Erfolge aus den 1960er und 70er Jahren, allerdings auch deutlich empfindlicher gegen Strahlung und Temperaturschwankungen. Um die Grenzen auszuloten, muss umfassend und nachprüfbar getestet werden. Dafür wird vor allem Zeit benötigt. Etwas wurmt es die russische Seele aber schon, dass man damit bei der Mondforschung wahrscheinlich hinter China zurückfällt. Hier wird ein erstes Mondfahrzeug bereits für 2013 vorbereitet.
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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, IKI, Lawotschkin)
» Ariane 5 bringt zwei Kommunikationssatelliten ins All
03.08.2012 - Dabei handelt es sich um Intelsat 20 und HYLAS 2, die auf einen Transferorbit für die geostationäre Bahn gelangten.
Der Start erfolgte gegen 22.54 Uhr MESZ vom Raumfahrtzentrum Kourou aus. Dabei handelte es sich um den 64. Start einer Ariane 5 und den 50. erfolgreichen nacheinander. Als Oberstufe fand eine ECA Verwendung, wobei mit einer Gesamtmasse von 10.181 kg die größte Nutzlast dieser Rakete bisher in einen Transferorbit transportiert wurde.
Nach 28 Minuten und 2 Sekunden wurde zunächst Intelsat 20 vom Transportsystem getrennt. Dieser internationale Kommunikationssatellit (6,1 t) wurde von Space Systems Loral gebaut, verfügt über 60 Transponder im Ku-Band, 24 im C- sowie einen im Ka-Band und soll 24 Jahre lang im Geostationären Orbit seine Aufgaben erfüllen können.
Angeboten werden Kommunikationsdienste für Europa, den Mittleren Osten, Russland und Asien. Hier sollen vor allem Fernsehprogramme ausgestrahlt werden, während weltweit auch Video-, Telefon- und sonstige Daten übertragen werden.
Fünf Minuten nach dem Absetzen von Intelsat 20 wurde die SYLDA-Trägerstruktur entfernt, so dass die zweite Nutzlast startbereit wurde. Deren Aussetzen erfolgte gegen 23.28 Uhr MESZ. HYLAS 2 wurde von der Orbital Sciences Corporation für die britische Avanti Communications Group gebaut und verfügt über 24 Ka-Band-Transponder. Er hat eine Masse von 3,1 t und soll mindestens 15 Jahre lang im Geostationären Orbit arbeiten. Hauptversorgungsbereiche sind Afrika, Osteuropa und der Mittlere Osten. Allerdings verfügt HYLAS 2 über eine variable Richtantenne, die auch auf andere Zielgebiete ausgerichtet werden kann.
Beide Satelliten werden in den kommenden Tagen mit eigenem Antrieb in die Geostationäre Bahn gelangen und dort zu ihrer Zielposition driften. Dies ist für Intelsat 20 bei 68,5 Grad östlicher Länge über dem Äquator, HYLAS 2 soll auf der Position 33,5 Grad westliche Länge arbeiten.
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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceflightNow, Skyrocket, SSL)
» Dürrer als erlaubt – Warum ist die Erde zu trocken?
03.08.2012 - Auf den ersten Blick scheint es paradox: Wasser ist die häufigste Verbindung auf der Erdoberfläche. Vom All aus betrachtet, ist der blaue Planet zu 71% von Wasser bedeckt. Und dennoch ist die Erde mit Blick auf die Grundannahme ihrer Entstehung trockener, als sie sein sollte.
Der größte Anteil des Erdwassers befindet sich in den Ozeanen. Doch Wasser existiert auf der Erde auch in der Erdkruste (als Kristallwasser und frei beweglich) sowie in der Atmosphäre. Zudem ist Wasser maßgeblich am Aufbau organischer Substanzen beteiligt. Pflanzen, Menschen und Tiere bestehen zu 50 – 80 % aus Wasser. Der Wasseranteil im menschlichen Körper beträgt ungefähr 70 % seines Gesamtgewichts. Auf der Erdoberfläche haben sich seit ihrer Entstehung etwa 1,38 Milliarden Kubikkilometer Wasser angesammelt. Und dennoch macht das Wasser weniger als ein Prozent, genauer gesagt 0,023 % der Erdmasse aus.
Darüber hinaus war es nicht von Anfang an da, sondern wurde im Laufe der frühen Erdentwicklung durch den Eintrag von Kometen und vor allem von Asteroiden auf der jungen Erde etabliert. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren nahm alles seinen Anfang. Die Erde war eine feurige Materiekugel, ein Schmelztiegel der Elemente, ohne erkennbare Struktur. Von einer blauen Atmosphäre, geschweige denn von flüssigem Wasser war weit und breit nichts zu sehen. Doch bald kam Ordnung in das Chaos: Angetrieben von der Schwerkraft begannen sich die Elemente der Erde zu sortieren. Schweres Metall wie Eisen und Nickel sank hinab ins Zentrum der Erde und bildete den Kern. Leichtere Elemente dagegen trieben nach außen. So entstanden der Erdmantel und schließlich, als Schlacke auf dem brodelnden Inneren, die Erdkruste. Sie trennte von nun an das heiße Innen vom immer kühler werdenden Außen. Durch Ausgasungen dieses gigantischen Magmaballes und im weiteren Verlauf durch Vulkanismus gelangte ein Teil des irdischen Wassers in die Uratmosphäre.
Dieser Teil des Wassers auf der Erde entstammt also dem Erdinneren. Dennoch ist die Herkunft des irdischen Wassers, und insbesondere die Frage, warum auf der Erde zwar deutlich mehr Wasser vorkommt, als auf den anderen erdähnlichen Planeten des Sonnensystems, und sie dessen ungeachtet bei einem nur ein-prozentigen Anteil des Wassers an der Gesamtmasse der Erde an sich trotzdem ein eher trockener Planet ist, bis heute nicht vollständig geklärt.
Der womöglich größere Anteil des heute vorhandenen Wassers ist durch Einschläge (Impakte) von Kometen, transneptunischen Objekten oder wasserreichen Asteroiden (Protoplaneten) aus den äußeren Bereichen des Asteroidengürtels auf die Erde gelangt. Messungen des Mengenverhältnisses der beiden Wasserstoffisotope Deuterium und Protium (D/H-Verhältnis) deuten dabei eher auf Asteroiden hin, da in Wassereinschlüssen in kohligen Chondriten (eine besondere Form der Steinmeteorite) ähnliche Verhältnisse gefunden wurden wie in ozeanischem Wasser, wohingegen bisherige Messungen dieses Isotopen-Verhältnisses an Kometen und transneptunischen Objekten nur schlecht mit irdischem Wasser übereinstimmten.
Das Standardmodell erklärt die Entstehung des Sonnensystems aus einer sogenannten protoplanetaren Scheibe aus Gas und Staub. Aus ihr kondensierten etwa zeitgleich die großen Körper wie die Planeten. Die Wolke bestand zu über 99% aus den Gasen Wasserstoff und Helium sowie einem geringen Anteil aus nur mikrometergroßen Staubteilchen, die sich aus schwereren Elementen und Verbindungen, wie Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, anderen Kohlenstoffverbindungen, Ammoniak und Siliziumverbindungen zusammensetzten. In der protoplanetaren Scheibe nahm die Temperatur von innen (Sonnennähe) nach außen ab. Gleichzeitig nahm der Gasdruck in der zentralen Ebene der Scheibe zunächst zu, weiter außen (jenseits von etwa 10 AE, 1,5 Mrd. km) wieder ab. Welchen Einfluss übt das Standardmodell nun auf den geringen Wasseranteil aus?
In welchem der drei Phasenzustände (gasförmig, flüssig oder fest) Wasser vorliegt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Der Temperatur und dem Druck. Die Verhältnisse in der protoplanetaren Scheibe gestalteten sich derart, dass Eis ab einer Entfernung vom Scheibenzentrum von ungefähr 2,5 AE stabil existieren konnte. Diese Entfernung wird in der Astrophysik auch als „Schneelinie“ (oder im englischen snow-line) bezeichnet. Planetesimale, (junge, kleinere Vorläufer der „ausgewachsenen“ Planeten), die sich jenseits der Schneelinie bildeten, enthalten darum auch große Mengen an Wassereis.
Da wir heute Wasser auf der Erde beobachten können, von dem wir wissen, dass es aus unterschiedlichen Quellen auf unseren Planeten gelangt sein muss, bildete sich die junge Protoerde demnach in einem Bereich, in dem die Temperaturen die Kondensation von Eis aus der Scheibe erlaubten. Eisreiches Material hätte also in großem Umfang bei der Erdentstehung zu Verfügung stehen müssen. Der Grund aber, warum unser Planet weder eine Eis- noch eine Wasserwelt geworden ist, liegt in einer verfeinerten Abgrenzung des Standardmodells zur Planetenentstehung.
Diese verfeinerte Abgrenzung verlegt den Entstehungsort der Protoerde in eine heißere und trockenere Region der Schneelinie, die auch als „Todeszone“ charakterisiert wird. Aktuell liegt die Grenze zur Schneelinie inmitten des Asteriodengürtels zwischen Mars und Jupiter. Jenseits dieser Grenze reicht der Einfluss der Sonne nicht mehr aus, um eisige Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems dauerhaft aufzuschmelzen. Die bisherige Vorstellung des Standardmodells sieht die Schneelinie zur Entstehungszeit der Erde sehr viel weiter im inneren Sonnensystem.
In der Neudefinition der Schneegrenze bleibt diese jedoch im Wesentlichen ortstreu und befindet sich zu keiner Zeit innerhalb des Erdorbits, was letztlich eine verträgliche Erklärung zum Gestaltungszustand unseres Planeten liefert. Bei dem Erklärungsansatz spielt darüber hinaus auch der Ionisationsgrad der protoplanetaren Scheibe eine wesentliche Rolle. Unter Ionisation wird im Allgemeinen der Vorgang verstanden, bei dem aus einem Atom oder Molekül ein oder mehrere Elektronen durch hohe Energien „herausgeschlagen“ werden. Im konventionellen Modell stellt sich die Scheibe in einem voll ionisierten Zustand dar. Die Gase in ihr wiesen also eine elektrische Ladung auf. Dadurch spiralten sie in das Zentrum der Scheibe, in dem sich die Protosonne befand. Ein Prozess, der die Scheibe durch die somit anwachsende Protosonne weiter aufheizt, ein Umstand, der die Schneelinie weiter nach außen verschiebt.
Im laufenden Entstehungsprozess dünnt die Scheibe immer weiter aus, da ihr Baumaterial in den Planeten verwendet bzw. durch den stärker werdenden Strahlungsdruck der Protosonne in den Raum getrieben wird. Durch das Ausdünnen verringert sich die Temperatur der Scheibe, die Schneelinie verschiebt sich zurück Richtung Sonne und passiert den Erdorbit noch bevor die Erde vollständig ausgebildet ist. Die junge Erde hätte also zu dieser Zeit von eisreichem Baumaterial umgeben sein sollen. Wie man an Planeten wie Uranus oder Neptun gut ablesen kann, sollte der prozentuale Anteil des Wassers bei Körpern, die gesichert jenseits der Schneelinie entstanden sind, bei über 10% liegen. Ein Wert, den die Erde auch im Ansatz nicht erreicht.
Was ist also geschehen? Vermutlich hat die Strahlung der Protosonne nicht ausgereicht, um die gesamte Protoplanetare Scheibe vollständig zu ionisieren. Das Gas der Scheibe wies keine elektrische Ladung auf, der Zufluss weiteren Baumaterials in Richtung Zentralgestirn versiegte somit. Stattdessen sammelte es sich in einem Bereich von 0,1 AE bis etwa drei AE um die junge Sonne herum an und bildete dort eine Art Riegel, der immer dichter wurde und schließlich zu einer „Todeszone“ innerhalb der protoplanetaren Scheibe führte. Ähnlich wie im Zentrum der Scheibe, bewirkte auch innerhalb der „toten Zone“ die immer dichter werdende Materieansammlung ein Ansteigen der Temperatur in der „Todeszone“. Dadurch wurden leicht flüchtige Stoffe wie Wasser aus der „Todeszone“ herausgetrieben und das zurückbleibende Gemisch wurde „trocken“. Die Erde, Mars und Venus sowie Merkur bildeten sich dann aus diesem trockeneren Anteil und enthalten daher nur sehr wenig Wasser.
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(Autor: Lars-C. Depka - Quelle: Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland, USA)
» US-Crewtransport: Boeing, SpaceX und SNC ausgewählt
03.08.2012 - Die NASA hat die Gewinner der dritten Runde des kommerziellen Crewprogramms in den USA bekanntgegeben. Boeing und SpaceX bekommen je ca. 400 Millionen US-Dollar und Sierra Nevada Corp ca. 200 Millionen Dollar. Der ATK/Astrium-Vorschlag geht leer aus.
Heute hat die NASA die mit Spannung erwartete Entscheidung über die nächste Phase des kommerziellen Crewprogramms bekanntgegeben. Gewonnen haben Space Exploration Technologies (SpaceX) mit der Dragon-Kapsel, Boeing mit der Kapsel CST-100 und Sierra Nevada Corporation mit dem Dream Chaser, einem Lifting-Body-Design, das auf ein altes NASA-Projekt zurückgeht (HL-20). Im Rahmen der dritten Phase des kommerziellen Crewprogramms, welche den Namen Commercial Crew Integrated Capability (CCiCap) trägt und 21 Monate dauert, sollen die Konzepte möglichst bis zum Critical Design Review (CDR) weiterentwickelt werden.
Die Gewinner im Einzelnen:
Boeing bekommt 460 Millionen US-Dollar für die Crewkapsel CST-100 für bis zu sieben Personen, die auf der Atlas V von der United Launch Alliance (ULA) gestartet werden soll. Boeings Kapsel verfügt über ein neues Rettungssystem, das – anders als die Feststoffmotoren aus Apollozeiten – mit hypergolen Treibstoffen funktioniert und denjenigen Treibstoff benutzt, der im normalen Fall für die Orbitmanöver verwendet wird. Das Rettungssystem kann den ganzen Weg bis in den Orbit genutzt werden. Gestartet werden soll vom Startplatz 41 der Cape Canaveral Air Force Station, wobei die Atlas V hier in einer Variante der sogenannten Dual-Centaur zum Einsatz kommt. Das heißt, dass die Oberstufe von zwei RL-10 Triebwerken betrieben wird, um ausreichend Schub für die schwere Kapsel zu liefern. Im Rahmen von CCiCap (Commercial Crew-integrated Capability) möchte Boeing wichtige Vorarbeiten vor dem Critical Design Review absolvieren. Dazu gehören Windtunneltests, Avioniktests, Triebwerkstests von Rettungssystem und orbitalem Manövriersystem, Designarbeiten am Atlas-V-Adapter für die Kapsel sowie Tests der Software und dem Zertifizierungsplan. Der letzte Meilenstein ist das Critical Design Review. Sollte nach CCiCap in der finalen vierten Phase des kommerziellen Crewprogramms ausreichend Geld zur Verfügung stehen, rechnet Boeing mit einem ersten bemannten Testflug Ende 2016. Genau wie bei COTS bedeutet dieser Testflug nicht den Start der regulären bemannten Flüge zur ISS, sondern ist lediglich ein bemannter Demonstrationsflug, der nicht zwangsweise zur ISS gehen muss.
SpaceX bekommt 440 Millionen Dollar ebenfalls für eine Crewkapsel für bis zu sieben Personen, die auf der hauseigenen Falcon-9-Rakete fliegen soll und von Startplatz 40 in Cape Canaveral startet. Die Kapsel baut auf der Frachtversion auf, die vor zwei Monaten einen erfolgreichen ersten Flug zur ISS absolviert hat. Im Rahmen der 21 Monate möchte man eine Reihe von Tests und Reviews absolvieren. Besondere Höhepunkte bilden dabei ein Startabbruchtest vom Startplatz und ein Startabbruchtest im Flug. Vor dem Critical Design Review sind zwei separate Preliminary Design Reviews für Bodensysteme/Start und Orbit/Landung geplant. Weiter soll ein Zertifizierungsplan erstellt und die Performance der verbesserten Falcon 9 v1.1 mit erhöhter Nutzlastkapazität verifiziert werden. SpaceX ist etwas optimistischer und rechnet für frühestens Mitte 2015 mit einem bemannten Testflug - optimale Finanzierung vorausgesetzt.
Die Sierra Nevada Corp. bekommt 212,5 Millionen US-Dollar für ein Liftingbody-Design, ebenfalls für bis zu sieben Personen, das wie die Boeing-Kapsel auf der Atlas V gestartet werden soll. Im Gegensatz zu SpaceX und Boeing wird SNC nicht das Critical Design Review bei Ende von CCiCap erreichen. Stattdessen fokussiert man sich auf Risikoreduzierung in einigen wichtigen Bereichen. So soll das Rettungssystem vom Dream Chaser einen Hybridmotor benutzen, bei dem noch weitere Vorarbeiten notwendig sind. Des Weiteren braucht man mehr Zeit, um das „grüne“ orbitale Manövriersystem zu entwickeln, welches offenbar keine hochgiftigen Treibstoffe benutzt. Weiter möchte man Windtunneltests und atmosphärische Testflüge machen.
Und das ATK-Konzept mit europäischer Beteiligung?
Der ATK/Astrium-Vorschlag mit der Liberty-Rakete und Orion-Lite wurde nicht ausgewählt. Die Liberty-Rakete benutzt die Ariane-5-Hauptstufe als Oberstufe, hat also signifikanten europäischen Anteil. Die erste Stufe ist ein Feststoffbooster, wie er schon für die eingestellte Ares I vorgesehen war. Orion-Lite ist eine abgespeckte Version der Orionkapsel, welche für die Exploration jenseits des niedrigen Erdorbits eingesetzt werden soll und von Lockheed Martin gebaut wird. Die genauen Kriterien und Bewertungen für die Auswahl sollen in ca. einer Woche veröffentlicht werden, nachdem man den Firmen ein Feedback über ihre Konzepte abgegeben hat.
Wie gehts weiter?
Nach CCiCap soll in der nächsten Phase die Zertifizierung der Systeme durch die NASA erfolgen, worauf die bemannten Flüge zur ISS starten können. Es ist noch nicht klar, wie genau die nächste Phase aussehen soll. Sicher scheint zu sein, dass ab der nächsten Phase der bisherige Ansatz mit den auf Meilenstein basierenden Space Act Agreements (SAA) verlassen und wieder auf feste Verträge zurückgegriffen wird. Ebenfalls nicht klar ist, ob Zertifizierung und ISS-Auftrag zusammen oder nacheinander ausgeschrieben werden.
In den letzten beiden Jahren gab es bereits die CCDev-Phasen eins und zwei (CCDev = Commercial Crew Development), welche z.B. für Boeing und die Sierra Nevada Corp. mit dem Preliminary Design Review geendet haben. Während das Budget von CCDev1 noch ca. 50 Millionen Dollar betrug, war es bei CCDev2 schon fast 300 Millionen. Für die dritte Phase (CCiCap) werden nun etwas über eine Milliarde US-Dollar für 21 Monate bereitgestellt. Beworben hatten sich unter anderem Boeing, SpaceX, Sierra Nevada sowie ATK zusammen mit Astrium und Lockheed Martin. Eine andere Firma, die noch CCDev-Finanzierung erhalten hatte, Blue Origin, hat offenbar keinen Antrag gestellt. Blue Origin ist ein von Amazon-Gründer Jeff Bezos ins Leben gerufenes Raumfahrtunternehmen, über das nur sehr wenig öffentlich bekannt ist, obwohl dort von Bezos sehr viel Geld investiert wird.
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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: NASA)
» Die Spiralgalaxie NGC 1187
04.08.2012 - Eine am Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt die im Sternbild Eridanus gelegene Spiralgalaxie NGC 1187.
Die Balkenspiralgalaxie NGC 1187 wurde bereits am 9. Dezember 1784 von dem deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel im Rahmen einer systematischen Himmelsdurchmusterung zum Auffinden von nebligen Himmelsobjekten entdeckt. Sie befindet sich in einer Entfernung von etwa 58 Millionen Lichtjahren zur Erde im Sternbild Eridanus. Die Galaxie verfügt über eine Winkelausdehnung von etwa 5,5 x 4,1 Bogenminuten und erscheint dem irdischen Betrachter in einer scheinbaren Helligkeit von 10,6 mag.
Die hier gezeigte, bereits am 1. August 2012 von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme von NGC 1187 ist die detaillierteste Aufnahme, welche bisher von dieser Galaxie angefertigt wurde. Die Rohdaten für dieses Bild wurden mit dem FORS1-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium in Chile gewonnen. Das VLT blickte dabei fast genau senkrecht auf das Zentrum von NGC 1187, wodurch die Spiralstruktur dieser Galaxie besonders gut zur Geltung kommt. Auf der Aufnahme sind mehrere größere Spiralarme deutlich erkennbar. Jeder dieser Spiralarme enthält große Mengen an Gas und Staub. Bei den auf dem Bild sichtbaren "bläulichen Knoten" handelt es sich um Regionen innerhalb der Spiralarme, in denen sich diese Wolken aus interstellarem Gas und Staub aufgrund gravitativer Einflüsse verdichtet haben. Dieser Prozess gipfelt in der Entstehung neuer Sterne.
Der Zentralbereich der Galaxie erscheint dagegen auf der Aufnahme eher gelblich. Dies ist ein Hinweis darauf, dass sich hier hauptsächlich ältere Sterne befinden. Aber auch im Zentrum von NGC 1187 laufen Prozesse ab, welche zur Entwicklung neuer Sterne führen. Ein Hinweis darauf ist ein zentraler "Balken" (daher die Bezeichnung Balkenspiralgalaxie) innerhalb von NGC 1187, welcher bei dieser Galaxie allerdings nur sehr schwach ausgeprägt ist. Derartige Balkenstrukturen, so die Annahme der Astronomen, entstehen dadurch, dass große Mengen an Gas und Staub aus den Spiralarmen in den Zentralbereich strömen, was dort anschließend zu einer erhöhten Sternentstehungsrate führt.
Auf der VLT-Aufnahme sind zudem auch verschiedene lichtschwächere und noch weiter entfernte Galaxien erkennbar. Einige dieser Galaxien leuchten sogar durch die Scheibe von NGC 1187 hindurch. Ihr rötliches Leuchten steht in einem interessanten farblichen Kontrast zum bläulich-weißen Leuchten der viel näher gelegenen Vordergrundgalaxie.
Die Galaxie NGC 1187 erscheint dem Betrachter auf den ersten Blick vielleicht als ein beschaulicher und unveränderlicher Ort im Universum. Seit dem Herbst 1982 wurden dort allerdings zwei Supernovaexplosionen beobachtet. Bei einer Supernova handelt es sich um eine gewaltige Explosion, welche das Ende der Existenz entweder eines sehr massereichen Sterns oder aber eines sogenannten "Weißen Zwergsterns" in einem Doppelsternsystem markiert.
Der erste Typ einer Supernovaexplosion besiegelt dabei das Ende eines Sterns mit mehr als rund acht Sonnenmassen. Sobald ein solcher Stern im Laufe der Zeit seinen Vorrat an nuklearem Brennstoff erschöpft hat, kann er dem gravitativen Kollaps nichts mehr entgegensetzen. Eine gewaltige Explosion ist die Folge. Ein anderer Typ einer Supernovaexplosion tritt in Doppelsternsystemen auf, in denen ein Weißer Zwergstern Materie von seinem massereicheren Begleiter abzieht. Sobald der Weiße Zwerg eine bestimmte Menge an zusätzlichem Material angesammelt hat, endet auch er als Supernova.
Supernovaexplosionen gehören zu den energiereichsten Ereignissen im Universum, welche den Astrophysikern bisher bekannt sind. Sie können innerhalb weniger Stunden so hell werden, dass sie für kurze Zeit sogar eine ganze Galaxie überstrahlen. Anschließend verblassen sie über einen Zeitraum von Wochen und Monaten wieder. Während der kurzen Zeit, in der sie leuchten, können sie allerdings so viel Energie abstrahlen wie unsere Sonne während ihrer gesamten Lebenszeit.
Die erste Supernova in NGC 1187 wurde bereits im Oktober 1982 am La Silla-Observatorium der ESO entdeckt und erhielt von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) die Bezeichnung SN 1982R. Im Jahr 2007 entdeckte der Amateurastronom Berto Monard von Südafrika aus eine weitere Supernova in dieser Galaxie: SN 2007Y. Ein internationales Astronomenteam hat diese Supernova anschließend mit verschiedenen Teleskopen über einen Zeitraum von etwa einem Jahr untersucht. Das jetzt von der ESO veröffentlichte Bild der Galaxie NGC 1187 stammt aus dieser Beobachtungskampagne. Obwohl der Zeitpunkt ihrer größten Helligkeit zum Aufnahmezeitpunkt bereits überschritten war, ist die Supernova SN 2007Y am unteren Bildrand nach wie vor deutlich zu erkennen.
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Fachartikel zur Supernova SN 2007Y von Stritzinger et al.:
(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)
» Interferenzen stören Eutelsat 25A
25.07.2012 - Die nationale französische Frequenzagentur (ANFR) meldete am 20. Juli 2012, dass es wegen Interferenzen zum Ausfall von Transpondern des von Eutelsat betriebenen Kommunikationssatelliten Eutelsat 25A gekommen ist. Als vermeintlicher Verursacher der Störungen wurde der multinationale Kommunikationssatellitenbetreiber Arabsat ausgemacht.
Eine Beschwerde von Eutelsat hat die ANFR sowohl bei der International Telecommunications Union (ITU) als auch bei der Regierung des Königreichs Saudi-Arabien als Eigner von Arabsat vorgelegt.
Sechs Transponder von Eutelsat 25A waren seit dem 14. Juli 2012 derartig gestört, dass Eutelsat von ihnen keine brauchbaren Signale mehr empfangen konnte. Der bei 25,5 Grad Ost im Geostationären Orbit positionierte und an anderer Position ursprünglich als Hot Bird 5 und später als EUROBIRD 2 bezeichnete Satellit wird von Eutelsat hauptsächlich zur Versorgung des Mittleren Ostens mit Fernseh- und Radioprogrammen sowie Breitbanddiensten eingesetzt.
Laut Eutelsat waren unter den für die Transponderausfälle ursächlichen Störsignalen Übertragungen von drei nicht autorisierten Fernsehkanälen in DVB-Formaten. Die Störsignale erreichten den Satelliten außerdem mit falscher Polarisation und/oder mit hoher Signalstärke, was zusätzliche Interferenzen verursachte, berichtete Eutelsat.
Um die eigenen Kunden weiter versorgen zu können, hielt es Eutelsat für erforderlich, verschiedene ursprünglich von Eutelsat 25A ausgestrahlte Dienste auf andere Satelliten zu transferieren.
Sicher ist man sich bei Eutelsat, dass als Quelle der Störsignale nur der Kommunikationssatellitenbetreiber Arabsat in Frage kommt. Es kann nur spekuliert werden, ob die Störsignale einfach Ergebnis menschlichen Versagens beim Ausrichten einer Sendeantenne sind, oder mit bestimmten Intentionen verursacht wurden.
Eutelsat sieht sich als einziger berechtigte Benutzer der Orbitalposition bei 25,5 Grad Ost. Eutelsat 25A steht nur rund ein halbes Grad entfernt von Satelliten, die Arabsat bei 26 Grad Ost unter anderem einsetzt, um Telekommunikationsdienste für den Iran zur Verfügung zu stellen.
Eutelsat kämpft seit zwei Jahren mit Arabsat und dem Iran um eine sinnvolle Nutzung von Frequenzen im Ku-Band-Bereich bei 25,5 Grad Ost. Bislang war von der ITU moderierten Einigungsversuchen kein Erfolg beschieden. Für Eutelsat drängt die Zeit, denn in weniger als einem Jahr soll Eutelsat 25B gestartet werden, den man im Geostationären Orbit ebenfalls bei 25,5 Grad Ost einsetzen möchte. Eutelsat 25B wird deutlich größer und leistungsfähiger sein als der seit Ende 1998 um die Erde kreisende Eutelsat 25A.
Einig sind sich Arabsat und Eutelsat, dass es in der derzeitigen Situation niemandem möglich ist, im Bereich von 25,5 bis 26 Grad Ost einen Kommunikationssatelliten problemlos zu betreiben. Iranischerseits werden Störungen der eigenen Signale angeführt, die wegen Interferenzen mit Signalen von Eutelsat 25A auftreten.
Eine bei einem Einigungsversuch vermutlich diskutierte mögliche Lösung könnte eine beiderseitige Begrenzung der Zahl auf Satelliten aktiver Transponder bei 25,5 Grad Ost und bei 26 Grad Ost sein. Arabsat und Eutelsat würden demzufolge künftig offiziell jeweils 12 Transponder mit einer Bandbreite von 36 MHz verwenden, um den Mittleren Osten und Nordafrika zu versorgen.
Um die Zusammenarbeit bei Eutelsat 25B mit Es’hailSat aus Qatar nicht einzuschränken, überlegt Eutelsat, bei Arabsat offiziell zusätzliche vier Transponder auf einem Satelliten bei 26 Grad Ost zu mieten. Praktisch würde man wohl einfach entsprechend mehr Transponder von Eutelsat 25B aktivieren, die Miete der Transponder wäre eine Geste zur Gesichtswahrung. Dienstleistungen oder Zahlungen an Arabsat für die Nutzungsmöglichkeit der vier Transponder hält Eutelsat für vorstellbar.
Eine Störung von Eutelsat 25A durch Arabsat wäre, wurde sie absichtlich ausgelöst, erst recht angesichts eines praktizierbaren Ausgleichs zwischen den beiden Kommunikationssatellitenbetreibern, unverständlich. Ob der Iran im Transponder- und Positionspoker zu unlauteren Mitteln gegriffen hat, konnte bislang nicht verifiziert werden. Den geschilderten Ausgleich unterstützt der Iran nicht.
Das jüngsten Treffen unter der Ägide der ITU fand an dem Tag statt, an dem das Nutzungsrecht der Orbitalposition bei 34 Grad Ost durch den Iran verfiel, weil es dem Iran bis zum Ende einer Frist von sechs Monaten nicht möglich war, einen Satelliten für diese Position anzugeben. Möglicherweise drückt sich die resultierende Unzufriedenheit der iranischen Delegation auch in dem Protest gegen den möglichen Vergleich zwischen Arabsat und Eutelsat aus. Ein Teilnehmer an der Veranstaltung berichtete außerdem, iranischerseits sei man unglücklich, dass der Vergleich ohne Beiträge der iranischen Seite entwickelt wurde.
Eutelsat 25A ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25.495 bzw. als COSPAR-Objekt 1998-057A.
Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:
(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: advanced-television.com, cardsharinginfo.com, spacenews.com)
» Reaktionsradproblem an Bord von Kepler
25.07.2012 - Eines der vier Reaktionsräder an Bord des US-amerikanischen Weltraumteleskops Kepler bereitet Probleme. Die Schwierigkeiten wurden durch vom Raumfahrzeug gesendete Daten offenbar, die man am 16. Juli 2012 empfangen hat.
Das ADCS für Attitude and Determination Control Subsystem genannte System zur Bestimmung und Steuerung der Lage des Weltraumteleskops im All besitzt nach Angaben der US-amerikanischen Raumfahrtagentur (NASA) eine als RWA für reaction wheel assembly bezeichnete Baugruppe mit vier aktiv redundanten Reaktionsrädern.
Das Reaktionsrad mit der Nr. 2 reagierte nicht mehr auf Steuerbefehle, weshalb es am 19. Juli 2012 schließlich aus dem Prozess der Lagesteuerung von Kepler isoliert wurde. Mit den verbleibenden drei Reaktionsrädern ist Kepler weiter voll einsatzfähig. Den wissenschaftlichen Betrieb hat das seit dem 7. März 2009 im All befindliche Teleskop bereits wieder aufgenommen.
Als die Anomalie an Bord von Kepler am 14. Juli 2012 Wirkung zu zeigen begann, wechselte das Teleskop seinen Orientierungsmodus von fine-point auf coarse-point, und verblieb in der für den wissenschaftlichen Einsatz erforderlichen Lage. So konnten die anvisierten Sterne weiter beobachtet werden, wegen den im Modus coarse-point allerdings auftretenden größeren Abweichungen (jitter) hatten die so gewonnenen Informationen keinen wissenschaftlichen Wert.
Man schätzt, dass man etwa sechs Tage der wertvollen Beobachtungszeit wegen des Versagens des Reaktionsrads Nr. 2 verloren hat. In den kommenden Wochen sollen sämtliche verfügbaren Telemetriedaten von Kepler auf Hinweise für den Grund des Ausfalls des Reaktionsrads gesichtet werden. Vielleicht ergeben sich Erkenntnisse, die es zulassen, das Reaktionsrad Nr. 2 wieder in Betrieb zu nehmen.
Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)
» Galileo-Testsatellit GIOVE-B geht in Rente
25.07.2012 - Die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) meldete am 24. Juli 2012, dass der Orbit des am 27. April 2008 gestarteten zweiten Galileo-Testsatelliten jetzt schrittweise angehoben wird, um die endgültige Außerdienststellung des Raumfahrzeugs vorzubereiten.
Basierend auf Alcatels Proteus-Satellitenbus von Astrium gebaut war GIOVE-B unterschiedlichen Quellen zufolge auf 27 bzw. 50 Monate Betrieb im Weltraum ausgelegt worden. Nach etwas über vier Jahren im All wurde am 23. Juli 2012 die Navigationsnutzlast des Satelliten abgeschaltet.
An Bord von GIOVE-B befinden sich entsprechend seiner Bezeichnung (GIOVE steht für Galileo In-Orbit Validation Element, Galileo-Testelement für Überprüfungen in einer Umlaufbahn) zahlreiche Komponenten, die für einen künftigen Einsatz im Weltraumsegment des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo zu testen waren.
Unter anderem besitzt GIOVE-B Atomuhren in zwei für Galileo-Satelliten vorgesehenen Varianten. Die beiden Rubidium-Uhren der Navigationsnutzlast ermöglichten exakte Zeitinformationen mit einem Fehler von etwa drei Sekunden in einer Millionen Jahre. Eine neuartige Wasserstoff-Maser-Uhr mit einem passiven Wasserstoff-Maser (engl. Passive Hydrogen Maser, PHM), auf GIOVE-B zum allerersten Mal überhaupt im Weltraumeinsatz, zeichnete sich durch noch wesentlich geringere Gangabweichungen aus. Ihr Fehler liegt bei nur rund einer Sekunde alle drei Millionen Jahre (~1 Nanosekunde pro Tag).
Zur Ausstrahlung von Testsignalen, insbesondere solchen zur Untersuchung eines gemeinsamen Betriebs von Galileo und des US-amerikanischen Satellitennavigationssystems (GPS), besitzt GIOVE-B verschiedene Antennen, zur Erzeugung und Aufbereitung der Signale entsprechende Generatoren und Verstärker. Außerdem an Bord ist ESAs standardisierter Strahlungsmonitor zur Erforschung der Charakteristik der Strahlung in der Umgebung eines Satelliten auf seiner Bahn um die Erde.
Die während des Regelbetriebs von GIOVE-B in rund 23.222 Kilometern über der Erde gewonnen Erkenntnisse bestätigten, dass Galileo künftig so funktionieren kann, wie es beim Entwurf des Systems angedacht worden war. Zusätzlich sicherte GIOVE-B im Zusammenspiel mit dem ersten Testsatelliten GIOVE-A die künftige Verwendung bestimmter Frequenzen durch Galileo-Satelliten, indem die Frequenzen im Einklang mit den Regelungen der International Telecommunications Union (ITU) regelmäßig benutzt wurden.
Damit der demnächst vollständig deaktivierte GIOVE-B anderen Satelliten nicht unmittelbar gefährlich werden kann, ist eine Anhebung seiner Bahn um rund 600 Kilometer vorgesehen. Eine erste diesbezüglich abgewickelte Triebwerksbrennphase sorgte am 24. Juli 2012 für eine Bahnanhebung um rund 30 Kilometer. Nach einer Reihe weiterer Brennphasen wird der Testsatellit laut Plan voraussichtlich Mitte August seinen sogenannten Friedhofsorbit erreicht haben.
Beginnend ab 2013 sollen die Galileo-FOC-Seriensatelliten (FOC für Full Operational Capability, engl. für volle Einsatzkapazität) in den Weltraum gebracht werden. Die ersten beiden Satelliten der Galileo-Testkonstellation (IOV, in orbit verification, engl. für Überprüfung im Orbit) befinden sich seit dem 21. Oktober 2011 im All. Ergänzt wird die IOV-Testkonstellation durch zwei weitere Satelliten voraussichtlich im Oktober 2012.
GIOVE-B alias GSTB V2/B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 32.781 bzw. als COSPAR-Objekt 2008-020A.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)
» Sally Ride: Kritisch, unbequem, unbelehrbar
25.07.2012 - Sie war die erste US-Astronautin im All - 20 Jahren nach dem ersten Flug einer sowjetischen Kosmonautin. Geprägt hat sie die amerikanische Raumfahrt dennoch wie kaum ein anderer Raumfahrer. Im Alter von 61 Jahren verstarb sie an Krebs.
Sally Kristen Ride hätte das Zeug zum Popstar gehabt. Sie flog als erste Amerikanerin ins All, auf der siebten Mission des Space Shuttles. Sie gestaltete die Zukunft der US-Raumfahrt in entscheidenden Momenten mit – und scheute nicht, mit ihrem kritischen Geist auch unbequeme Haltungen einzunehmen. Bis zu ihrem Tod setzte sie sich für die Förderung von Kindern und Mädchen in den Naturwissenschaften ein. Und doch blieb sie immer sie selbst.
Ihre Begeisterung für die Wissenschaft machte sie erst zur Astronautin: In der anbrechenden Shuttleära waren nicht mehr ausschließlich Kampfpiloten gefragt, wie noch bis zum Mondprogramm. Ingenieure und Naturwissenschaftler wurden gesucht. Sally Ride setzte sich als Physikerin gegen 8.000 Bewerber durch. Sie flog zweimal ins All. Während sie auf den dritten Einsatz trainierte, verunglückte die Challenger. Sie wirkte in der untersuchenden Rogers-Kommission mit – als einzige Frau. Auch als 17 Jahre später die Columbia beim Wiedereintritt verglühte, war ihr kritischer Geist immer gefragt. Als einzige Person in beiden Kommissionen: „Ich höre hier ein kleines Echo“, sagte sie zwei Monate nach dem Unglück von 2003. Sie hatte beim NASA-Management ähnliche Prozesse beobachtet, die schon die Explosion der Challenger begünstigt hatten.
Gegen die Stereotype
Von Anfang an hatte sie es nicht leicht: als eine von sechs Astronautinnen für das neue Shuttleprogramm ausgewählt, war sie an der Entwicklung des shuttleeigenen Roboterarmes beteiligt. Das befähigte sie für Kommandant Robert Crippen über alle Maßen, an der Mission STS-7 teilzunehmen – als Frau und noch dazu als jüngster Raumfahrer der US-Geschichte. Doch unter Druck gerät sie trotzdem: „Sie fühlt sich im Copilotensessel wohl, obwohl ihr die tausend Stunden Flugerfahrung fehlen“, schreibt ein US-Magazin. Auch die vor dem Flug angereisten Journalisten stellen unerträgliche Fragen: Ob sie bei Problemen im Beruf weinen müsse? Würden ihre reproduktiven Organe beim Raumflug nicht Schaden nehmen? Ride lässt sich nicht darauf ein: „Warum fragen sie das nicht auch den Kommandanten?“
Es war dieser Kampf gegen die Stereotype, der ihren Lebensweg kennzeichnen sollte. Sie arbeitet selbstverständlich weiter als Physikerin, geht 1987 zur Stanford University und wird 1989 Professorin an der University of California in San Diego, wo sie über Freie-Elektronen-Laser forscht. Auch die Zukunft der NASA gestaltet sie weiterhin mit: Im Ride-Bericht werden 1987 wichtige Projekte der kommenden Jahrzehnte vorgeschlagen. Er bewirkt etwa grünes Licht für die Raumsonde Cassini-Huygens ins Saturnsystem. Nebenbei setzt sie sich dafür ein, Jungen und Mädchen für Raumfahrtthemen zu begeistern. Die EarthKam geht auf ihre Initiative zurück: sie ermöglicht seit 1996 Schulkindern den Zugang zu hochaufgelösten Erdaufnahmen von Space Shuttle und Raumstation. Sie ist überzeugt: Dass weniger Frauen technische Berufe ergreifen, hänge kaum mit fehlendem Interesse zusammen. Erst gesellschaftliche Normen bewirkten, dass sich die heranwachsenden Mädchen unwohl fühlten.
Am Ende ist Sally Ride auf ihre Weise zur Ikone geworden. „Sie ist der Neill Armstrong der Shuttleära“, sagt US-Raumfahrtjournalist Miles O`Brien. Zwar flog sie erst 20 Jahre nach der Russin Valentina Tereschkowa ins All. Doch selbst zu dieser Zeit waren Frauen in klassischen Männerberufen in den USA Stein des Anstoßes. Sally Ride hat geholfen, das zu ändern.
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(Autor: Karl Urban - Quelle: Eigene Recherche)
» China startet Bahnverfolgungs- und Relaissatelliten
26.07.2012 - Am 25. Juli 2012 wurde der chinesische Bahnverfolgungs- und Relaissatellit Tianlian I-03 gestartet. Sein Ziel ist der Geostationäre Orbit ca. 35.786 Kilometer über dem Erdäquator.
Der Start erfolgte am 25. Juli 2012 um 15.43 Uhr MESZ bzw. um 23.43 Uhr Ortszeit. Die Mission begann vom Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan aus. Befördert wurde der von der Chinese Academy of Space Technology (CAST) unter Ägide der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASTC) entwickelte Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3C. Sie flog nach chinesischen Angaben die 166. Mission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch und die neunte einer Langer Marsch 3C. Es war der 11. chinesische Raketenstart 2012, der eine Erdumlaufbahn zum Ziel hatte, und der sechste, der im XSLC begann.
Der transportierte, auf dem chinesischen Satellitenbus DFH-3 basierende Satellit gelangte auf eine sogenannte supersynchrone Transferbahn, von wo aus ein eigenes Triebwerk den Satelliten in den Geostationären Orbit bringen kann. Tianlian I-03 soll von dort künftig zusammen mit dem seit dem 25. April 2008 im All befindlichen und bei 76,9 Grad Ost im Geostationären Orbit positionieren Tianlian I-01 sowie dem am 11. Juli 2011 gestarteten, bei 176,77 Grad Ost stehenden Tianlian I-02 die zukünftigen Raumflüge Chinas mit der Lieferung von Bahn- und Navigationsdaten sowie der Herstellung von Kommunikationsverbindungen unterstützen.
Mit dem jetzt gestarteten dritten Satelliten verbessert sich die Abdeckung des chinesischen Bahnverfolgungs- und Relaisnetzwerkes noch einmal erheblich. Das chinesische Netzwerk für Bahnverfolgung und Weltraumkommunikation besitzt nun ein vollständiges Satellitensystem. Beim Aufbau einer eigenen Raumstation wird das Netzwerk chinesischen Angaben zufolge eine wichtige Rolle spielen. Den bis dato intensiv praktizierten Einsatz von Spezialschiffen, die mit entsprechender Technik ausgerüstet sind, kann China nun eventuell verringern.
Westlichen Angaben zufolge weisen die chinesischen Bahnverfolgungs- und Relaissatelliten Startmassen von rund 2.100 Kilogramm auf. Die Kommunikationsnutzlast an Bord der Satelliten wird auf maximal rund 220 Kilogramm Masse geschätzt. Bei der Versorgung der Satellitensysteme mit elektrischer Energie stehen am Ende der Auslegungsbetriebsdauer eines solchen Satelliten von acht Jahren vermutlich ca. 1.700 Watt zur Verfügung. Zur Stromerzeugung sind die Satelliten mit zwei Solarzellenauslegern ausgerüstet.
Tianlian I-03 alias CTDRS-3 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.730 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-040A.
Bilder von den Startvorbereitungen und vom Start:
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CALT, CRI Online, The Satellite Encyclopedia, Xinhua)
» AIS: exactView-1 im Arbeitsorbit
27.07.2012 - exactView-1, ein von der Surrey Satellite Technology Limited (SSTL) aus Großbritannien gebauter Satellit zur Überwachung des Schiffsverkehrs, gelangte nach Angaben von SSTL nach dem Start und der Abtrennung von der Raketenoberstufe auf die vorgesehene Erdumlaufbahn. An der Inbetriebnahme des Satelliten wird gearbeitet.
Am 22. Juli 2012 war exactView-1 alias EV-1 zusammen mit einer Anzahl anderer Satelliten auf einer Sojus-Trägerrakete vom Startkomplex 31/6 von Baikonur in Kasachstan aus in den Weltraum transportiert worden (Raumfahrer.net berichtete). Dort gelang rund 2,5 Stunden nach dem um 8.41 Uhr MESZ und 39 Sekunden erfolgten Start die Abtrennung von exactView-1 von der Fregat-Oberstufe der Sojus-Rakete, seitdem kreist der Satellit mit einer Startmasse von rund 100 Kilogramm (lt. Zenki 95 kg) in rund 817 Kilometern Höhe auf einer sonnensynchronen polaren Bahn um die Erde.
Überwacht wird das auf SSTLs Satellitenbus SSTL-100 basierende Raumfahrzeug von SSTLs Missionskontrollzentrum Guildford. Dort geht die Telemetrie von exactView-1 ein, und dort werden Kommandos an den Satelliten abgeschickt. Erste via Guildford abgewickelte Tests zeigten, dass wichtige Systeme an Bord von exactView-1, wie die zur Energieversorgung sowie der Flug- und Fernsteuerung, funktionieren wie vorgesehen. Die Solarzellen auf der Oberfläche des annähernd würfelförmigen Grundkörpers des Satelliten sind betriebsfähig, der zusätzliche Solarzellenausleger ist ausgeklappt.
In den kommenden Tagen wird SSTL die Tests von exactView-1 fortsetzen. Wenn alle Bussysteme von SSTL überprüft und betriebsbereit sind, wollen Arbeitsgruppen von SSTL und dem Nutzlastlieferanten Com Dev aus Kanada die Inbetriebnahme der Nutzlast an Bord des Satelliten, des Systems zur Überwachung des Schiffsverkehrs, AIS für Automatic Identification System genannt, angehen.
Satelliten mit einer Nutzlast für das AIS erweitern das System um ein Weltraumsegment, das den Empfang von Positionsdaten von Wasserfahrzeugen auch außerhalb der Reichweite terrestrischer AIS-Stationen ermöglicht. Auf Meereshöhe beträgt die Reichweite des AIS zwischen 50 und 100 Kilometern. Terrestrische AIS-Stationen gibt es in unterschiedlicher Dichte entlang der Küstenlinien, und zum Beispiel insbesondere im Bereich von Hafenanlagen und Meerengen. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit über 70.000 Wasserfahrzeuge mit AIS-Transmittern ausgestattet sind.
Vom Weltraum aus können einzelne Schiffe über weite Strecken verfolgt werden. Dies funktioniert insbesondere dann besonders gut, wenn ein Satellitenbetreiber über eine entsprechend ausgebaute Satellitenkonstellation verfügt. Die Betreiberin von exactView-1, die exactEarth Ltd. aus dem kanadischen Cambridge im Bundesstaat Ontario, ein Joint Venture der kanadischen Com Dev International Ltd. und der spanischen Hisdesat Servicios Estratégicos S.A., arbeitet am Aufbau einer solchen Konstellation.
Bis zum Start von exactView-1 konnte exactEarth seinen Kunden Daten von den vier Satelliten AprizeSat-3, AprizeSat-4, AprizeSat-5 und AprizeSat-6 liefern. AprizeSat-3 und AprizeSat-4 kreisen seit dem 29. Juli 2009 um die Erde, AprizeSat-5 und AprizeSat-6 ziehen seit dem 17. August 2011 um unseren Planeten.
Kommt exactView-1, Auslegungslebensdauer im All fünf Jahre, ebenfalls seinen Aufgaben nach, wird er zum fünften Satelliten der AIS-Konstellation von exactEarth. Dann wird er seine S- und C-Band-Sendeanlagen regelmäßig einsetzten, um empfangene AIS-Datenpakete an die großen Bodenstationen im englischen Guildford und auf der norwegischen Insel Svalbard in der Arktis sowie an weitere rund um den Erdball verteilte Stationen weiterzuleiten.
exactEarth hat sich zum Ziel gesetzt, zum Betreiber der ersten AIS-Konstellation zu werden, deren Satelliten alle 90 Minuten jeden Punkt der Erdoberfläche überfliegen. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Satellit (EV-2) für exactEarth gestartet werden. Für das Jahr 2013 hat exactEarth den Start von zwei zusätzlichen Satelliten geplant.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: exactEarth, SSTL, Tsenki)
» Kepler 30 und was man so alles messen kann
27.07.2012 - Auf Umwegen sind Astronomen vom MIT in Cambridge (USA) darauf gekommen, dass die bisher entdeckten 3 Planeten des Sterns Kepler-30 diesen in derselben Ebene und senkrecht zu seiner Rotationsachse umlaufen.
Die Entdeckung aller drei Planeten um den etwa 10.000 Lichtjahre entfernten, in Größe und Helligkeit recht sonnenähnlichen Stern im Sternbild Leier war im Januar bekannt gegeben worden. Kepler-30b hat etwa 20% der Masse des Planeten Jupiter, 33% seines Radius’ und benötigt 29,3 Erdentage für einen Umlauf um seinen Stern in etwa 27 Millionen Kilometern Entfernung von ihm. Kepler-30c ist gut neunmal so schwer und fast 1,3 Mal so groß wie Jupiter. Er umläuft den Stern in 45 Millionen Kilometern Entfernung und benötigt dafür gut 60 Tage. Dritter im Bunde ist Kepler-30d mit 17 Jupitermassen bei etwas geringerer Größe als Jupiter (also deutlich dichter) und 143 Tagen Umlaufzeit in etwa 75 Millionen Kilometern (jeweils große Halbachse).
Damit ist es auf allen Planeten recht heiß, was diese zunächst für die Suche nach Leben uninteressant macht. Allerdings konnte man auf dem Stern selbst auch einen größeren Sonnenfleck messen, der mit der Rotation des Sterns regelmäßig auftaucht und verschwindet. Sonnenflecken sind Bereiche an der Oberfläche eines Sterns in denen es durch starke Magnetfelder zu einer Abkühlung um bis zu 2000 K kommt. Sie unterscheiden sich also deutlich von einer Bedeckung durch einen Planeten. Dabei wird ja die gesamte Strahlung des bedeckten Bereiches abgeschirmt.
Das Astronomenteam am Massachussetts Institute of Technology hat nun die Daten der 27 bisher beobachteten Bedeckungen des Planeten Kepler-30b mit den 12 von 30c und den 5 von 30d verglichen und dabei herausgefunden, dass alle drei Planeten auch den Sonnenfleck "überflogen". Damit stimmen die Bahnebene des Sonneflecks mit der jedes einzelnen Planeten bis auf wenige Grad überein. Daraus kann man schlussforlgern, dass die Planeten alle in derselben Ebene ihren Stern umlaufen und diese auch noch senkrecht zur Rotationsachse des Sterns liegt.
Dies ist auch bei unserem Sonnensystem so. Die 8 Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun umlaufen die Sonne in einer Ekliptik genannten Ebene in derselben Richtung, wie die Sonne rotiert. Als Grund dafür gilt die gemeinsame Entstehung von Sonne und Planeten aus einer riesigen Gaswolke. Aus dieser Gemeinsamkeit mit dem System Kepler-30 kann man nun schlussforlgern, dass dies auch in diesem System so ist.
Übrigens vermutet man dies für alle oder zumindest die meisten Planetensysteme. Immerhin hat man bereits bei einigen mehrere Planeten gefunden. Dazu müssen sich diese zwischen ihren Stern und unsere Position schieben. Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass die Bahnen nicht in einer Ebene verlaufen, sondern sich nur (zufällig) an einem solchen Punkt schneiden würden. Kepler-30 ist nur eben das erste System außer unserem eigenen, bei dem man diesen Fakt nachweisen kann.
Kepler-30A ist ein sonnenähnlicher Stern, der von der Erde aus eine scheinbare Helligkeit von 15,5 mag besitzt, also nur in besseren Amateurteleskopen als Punkt zu sehen ist. Der NASA-Satellit Kepler war am 7. März 2009 gestartet worden und hatte kurz darauf seine Zielbahn um die Sonne erreicht. Er verfügt über ein Spiegelteleskop und 42 CCD-Chips mit insgesamt 95 Megapixeln, das bisher leistungsfähigste Bildsensorsystem im All. Es wurde speziell für die Suche nach Exoplaneten konstruiert und gebaut. Das Teleskop bleibt über mehrere Jahre auf dieselbe Zielregion gerichtet und erfasst regelmäßige Verdunklungen einzelner Sterne. Nach einer Überprüfung mit erdgestützten Teleskopen kann danach auf die Existenz, Größe und Umlaufzeit von Exoplaneten geschlossen werden. Aus der Sternenmasse und der Umlaufzeit lässt sich zudem der Bahnradius berechnen. Bekannt gegeben wurden bisher 61 Planetenentdeckungen, weitere 2.326 Kandidaten stehen auf der Liste. Außerdem wurden 2.165 einander umlaufende Doppelsterne identifiziert.
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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Wikipedia)
» Zweimal Gonjez, Strela und ein Studentensatellit
28.07.2012 - Heute morgen, gegen 3.35 Uhr MESZ startete vom Kosmodrom Plesezk eine Rokot-Trägerrakete mit Bris-KM-Oberstufe und den Satelliten Gonjez-M 3, Gonjez-M 4, Strela-3 143 und MiR.
Die Satelliten wurden bis 5.19 Uhr in ihren Zielbahnen in etwa 1.400 km Höhe bei 82,6° Bahnneigung abgesetzt.
Die beiden Gonjez (auf deutsch: Bote) gehören zu einer im Aufbau befindlichen Konstellation für multifunktionale persönliche Satellitenkommunikation. Dazu zählen Sprach- und Datendienste wie Email, Fax und Telex. Die Satelliten können aber auch Daten von Einbruchs- und Brandmeldeanlagen sowie Umweltsensoren entgegennehmen und weiterleiten. Gefunkt wird im A- bzw. B-Band (UHF/VHF) mit bis zu 64 kBit/s. Der Speicher an Bord jedes etwa 280 kg schweren Satelliten liegt bei 8 MByte, die Sendeleistung bei 10 W.
Vorversuche mit dem zivilen System wurden ab 1992 angestellt, die ersten funktionsfähigen Satelliten gelangten 1996 ins All. Die Gonjez-M-Serie gibt es seit 2005, da die geplante Funktionsdauer bei 5 bis 7 Jahren liegt, ist das Netz, das zunächst auf 36, später auf 12 Satelliten ausgelegt war, nach wie vor unvollständig. Ab 2014 sollen Satelliten der verbesserten Serie Gonjez-M1 folgen. Die Raumfahrzeuge werden bei Reschetnjow gefertigt.
Wesentlich erfolgreicher hingegen ist die militärische Version dieses Satellitentyps, Strela (Pfeil). Diese werden seit 1964, die aktuelle Serie Strela-3 seit 1985 gestartet und für die militärisch-taktische Kommunikation in unwegsamem Gelände verwendet. Vom Typ Strela-3 wurden etwa 130 Satelliten erfolgreich gestartet. Strela-3 143 ist weitgehend baugleich zu den zivilen Gonjez.
Zusatznutzlast ist der Jubiläumssatellit MiR (Jubilejni 2), der ebenfalls von Reschetnjow gebaut wurde, allerdings Ausbildungszwecken dient. Studenten und Absolventen der Sibirischen Staatlichen Universität für Luft- und Raumfahrt Krasnojarsk haben MiR mit einem Laserreflektor, einer Kamera zur Fernerkundung, zwei Webcams und einem neuartigen Schaltnetzteil ausgerüstet. Zudem arbeitet er mit neuen Elektronik-Komponenten und funkt im Amateurbereich. Der Satellit dient pädagogisch-studentischen Projekten.
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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, Skyrocket)
» Chang`e 3: Chinesischer Rover fliegt 2013 zum Mond
28.07.2012 - China beabsichtigt, nach Angaben des Nachrichtenportals china.org.cn im Jahr 2013 im Rahmen des nationalen Programms zur Erforschung des Mondes einen mit Atomstrom betriebenen Rover zum Mond zu bringen.
Die Mission Chang’e 3, wie bereits erfolgte chinesische Mondmissionen nach einer chinesischen Mondgöttin aus chinesischen Märchen benannt, soll die mit den Mondsatelliten Chang’e 1 und Chang’e 2 begonnene Arbeit fortsetzen.
Mit dem eigenen Programm zur Erforschung des Mondes möchte China eine Datengrundlage schaffen, die man als Voraussetzung für künftige bemannte chinesische Expeditionen zum Mond betrachtet. Vor einem Aufenthalt von Raumfahren aus China auf dem Mond soll die Oberfläche des Trabanten möglichst genau untersucht und beschrieben werden.
Gelingt es einer Landstufe im Jahr 2013, von Bremsraketen verzögert, einen chinesischen Rover auf dem Mond zu platzieren, wird es sich um die erste weiche Landung auf dem Mond nach 37 Jahren seit dem sowjetischen Lander von Luna 24 im Jahr 1976 handeln.
Nach 1976 erreichte eine Anzahl von Raumfahrzeugen den Mond, deren Aufgabe es war und ist, ihn aus einer Umlaufbahn heraus zu untersuchen. Unter ihnen war auch Chang’e 1. Der Orbiter traf am 1. März 2009 am Ende seiner Mission auf der Mondoberfläche auf, ein Schicksal, dass er mit zahlreichen seiner von anderen Nationen betriebenen Vorgänger teilte.
Im Rahmen der Mission von Chang’e 3 soll zunächst ein Raumfahrzeug mit einer Gesamtmasse zwischen 3.700 und 3.800 Kilogramm, bestehend aus Überflugeinheit, Lander und Rover, von einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 3B vom Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan aus ins All transportiert werden. Danach folgt der Überflug zum Mond und das Einbremsen auf eine annähernd kreisförmige Umlaufbahn in rund 100 Kilometern über der Mondoberfläche.
Aus dem Mondorbit heraus kann der Abstieg der Landeeinheit beginnen. Der Lander, der zusammen mit dem sechsrädrigen Rover eine Masse von voraussichtlich 1.200 Kilogramm haben wird, hat dann die Aufgabe, in einem Sinus Iridum genannten Gebiet niederzugehen.
Der eigentliche Bremsvorgang soll bei einer Geschwindigkeit von etwa 1,7 Kilometern pro Sekunde aus einer Bahn mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 15 Kilometern über der Oberfläche beginnen. Er endet 4 Meter über dem Mondboden, vor dem Aufsetzen wird das letzte Stück Weg laut Plan im freien Fall bewältigt. Anschließend kann der Rover los geschickt werden, um wie der Lander mit der Untersuchung der basaltlavahaltigen Umgebung des Sinus Iridum zu beginnen.
Man hofft, dass sowohl der Lander als auch der Rover mindestens 3 Monate auf der Mondoberfläche arbeiten werden können. Vom Rover, Masse etwa 120 Kilogramm, berichtet China.org.cn, dass seine Energieversorgung mit Hilfe eines Radioisotopengenerators ("nuclear-powered battery") erfolgen wird.
In einem Radioisotopengenerator (Radioisotope Thermoelectric Generator, RTG) wird die beim spontanen Zerfall von Atomkernen entstehende Wärme zur Erzeugung von elektrischer Energie verwendet. Nach Angaben von China.org.cn könnte eine derartige Stromquelle, die die langen und rund -160 Grad Celsius kalten Mondnächte unbeschädigt übersteht, bis zu 30 Jahre arbeitsfähig bleiben. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass die übrigen Bestandteile eines Mondrovers ähnlich lange funktionieren.
Zahlreiche Illustrationen eines künftigen chinesischen Mondrovers zeigen das Vehikel in einer Ausstattung mit Solarzellenpanelen. Sehr gut möglich ist, dass sich mindestens eine auf dem Zerfall von Atomen basierende Wärmequelle (Radioisotope heater unit, RHU) an Bord befinden wird, um das Einfrieren und die Zerstörung von Roversystemen während der Mondnächte zu verhindern.
Die projektierte Reichweite des Rovers von Chang’e 3 beträgt 10 Kilometer, was für eine intensive Untersuchung einer Fläche von 3 Quadratkilometern reichen soll.
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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: BACC, CAST, China.org.cn, CRI, SASTIND, Xinhua)