InSpace Magazin #476 vom 19. September 2012

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #476
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Curiosity nimmt sich unter die Lupe

> ISS Aktuell:
Kounotori 3 verglüht

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich jetzt schreibe, dass eine Ära vorbei ist, brauchen Sie sicher nicht lange zu raten, was ich meine: Mit der Endeavour hat nun auch das letzte Space Shuttle das Kennedy Space Center verlassen. Huckepack auf einen der altgedienten umgebauten Boeing-Shuttlecarrier geflanscht, wurde sie in niedriger Höhe nach Los Angeles geflogen, um dort auf abenteuerlichen Umwegen ins "California Science Center" gebracht zu werden, ein Museum, das vor Allem der Jugend gewidmet ist. Apropo, ich frage mich, was jetzt wohl aus den beiden umgebauten Boeings wird - sollen die ihrerseits als Ausstellungsstücke in Ehren gehalten werden, werden sie vielleicht erneut für andere Zwecke umgebaut, oder werden sie einfach verschrottet?

Aber jenseits der ausgemusterten Space Shuttles und ihrer ausgedienten Infrastruktur geht das Leben auf der ISS, für deren Errichtung die Shuttles mal unverzichtbar waren, einfach weiter. Andere, schwächere Raketen und Kapseln haben die Rolle der Shuttles übernommen und sind jetzt dafür zuständig, die Raumfahrer zur und von der Raumstation zu befördern. Was zur Zeit dort los ist, können Sie im neuesten ISS Aktuell von Günther Glatzel in dieser Inspace-Ausgabe lesen, zu der ich Ihnen jetzt viel Spaß wünsche.

Axel Orth

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• PSLV-C21 bringt zwei Satelliten ins All «mehr» «online»
• Gaia übersteht Temperaturtests «mehr» «online»
• Arianespace erhält zwei Startaufträge aus Spanien «mehr» «online»
• Roskosmos ruft Breeze-M-Oberstufen zurück «mehr» «online»
• Atlas 5 startet Aufklärungssatelliten und Nanosats «mehr» «online»
• Jupitermeteorit von Amateurastronomen gesichtet «mehr» «online»
• SpaceX mit stillen Fortschritten «mehr» «online»
• Mastens Xaero bei Unfall zerstört «mehr» «online»
• IS-19: Sealaunch und SS/L suchen weiter nach Fehler «mehr» «online»
• Astrium führt Vorbereitungen von DEOS für das DLR «mehr» «online»
• Europäischer Wettersatellit MetOp-B gestartet «mehr» «online»
• Testplan für Grasshopper von SpaceX «mehr» «online»


» PSLV-C21 bringt zwei Satelliten ins All
09.09.2012 - Am Morgen des 9. September 2012 ist die PSLV-C21-Rakete vom Satish Dhawan Space Center (SDSC) auf Sriharikota an Indiens Südküste gestartet und hat den Erdbeobachtungssatelliten SPOT 6 sowie den Amateurfunk- und Technologieerprobungssatelliten PROITERES auf Umlaufbahnen um die Erde gebracht.
Um 6.23 Uhr MESZ (9.53 Uhr Ortszeit in Indien) war die PSLV-C21 mit SPOT 6 und PROITERES an der Spitze nach einem rund 51 Stunden dauernden Countdown vom Pad Nummer 1 des SDSC gestartet. Die erste Stufe wurde beim Flug der PSLV-C21 nicht von zusätzlichen, seitlich angebrachten Boostern unterstützt, die Rakete flog in der sogenannten Core Alone Version, abgekürzt CA genannt. Nach dem Aufbrauchen des festen Treibstoffes in der ersten Stufe und der Zündung der zweiten, mit flüssigen Treibstoffen (UH25 und N2O4) betriebenen Raketenstufe wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Anschließend trat die dritte Stufe in Aktion, die festen Treibstoff verbrannte. In der vierten und letzten Raketenstufe wurden wieder flüssige Treibstoffe (MMH und MON-3) verwendet. Nachdem diese ihre Arbeit erledigt hatte, erfolgte nach einer kurzen Freiflugphase die Abtrennung der Nutzlasten von der vierten Stufe rund 20 Minuten nach dem Start.

Der französische Erdbeobachtungssatellit SPOT 6 ist nach Angaben der indischen Weltraumforschungsorganisation (ISRO) der massereichste Satellit, den die ISRO bisher für einen Kunden aus dem Ausland in den Weltraum transportiert hat. Die ISRO nennt für den von Astrium SAS hergestellten, auf dem Satellitenbus AstroSat 500 MkII basierenden SPOT 6 eine Startmasse von rund 712 kg. Der Satellit erreichte einen polaren Erdorbit in rund 659 km Höhe über der Erde mit einer Neigung gegen den Erdäquator von rund 98,3 Grad. Entsprechend seiner Bezeichnung, SPOT steht für "Satellite Probatoire de l’Observation de la Terre" und bedeutet schlicht Messsatellit zur Beobachtung der Erde, ist es seine Aufgabe, seinen Betreibern regelmäßig Aufnahmen der Erdoberfläche zu liefern.

Die künftig von SPOT 6 zur Verfügung gestellten Aufnahmen sollen eine maximale Auflösung von 1,5 m erreichen. Die Schwadbreite beim Abtasten der Erdoberfläche wird bei rund 60 km liegen. Mindestens 10 Jahre soll SPOT 6 der Erdbeobachtung dienen. Anfang 2014 wird SPOT 6 durch den identisch aufgebauten SPOT 7 Verstärkung erhalten. SPOT 6 und SPOT 7 sind dazu gedacht, die Arbeit der französischen Erdbeobachtungssatelliten SPOT 4 und SPOT 5 fortzusetzen. Gegenüber den älteren Satelliten zeichnen sich die Nachfolger durch eine deutlich geringere Masse aus (SPOT 4 und SPOT 5 hatten Startmassen im Bereich von 3.000 kg), was unter anderem durch die Verwendung der Ingenieurkeramik Siliziumkarbid (SiC) beim Bau möglich wurde. Die neuen Satelliten weisen außerdem eine erheblich gesteigerte Beweglichkeit auf.

Astrium plant, das Duo SPOT 6 und SPOT 7 schließlich im Verbund mit den beiden Erdbeobachtungssatelliten Pléiades 1A und Pléiades 1B einzusetzen. Diese Konstellation würde es nach Angaben von Astrium erlauben, jeden Punkt auf der Erdoberfläche einmal pro Tag mit hoher und sehr hoher Auflösung abzubilden. Die Abbildungen großer Flächen sollen dann SPOT 6 und SPOT 7 bereitstellen, Detailbilder mit einer Auflösung im Bereich von 50 cm Pléiades 1A und Pléiades 1B liefern. Pléiades 1A, Startmasse rund 970 kg, kreist seit dem 17. Dezember 2011 um die Erde.

Der auf der PSLV-C21 ins All transportierte erheblich kleinere japanische Amateurfunk- und Technologieerprobungssatellit PROITERES mit dem Amateurfunkrufzeichen JL3YZK hat eine Startmasse von rund 15 kg. Seine Bezeichnung steht für "PRoject of OIT Electric-Rocket-Engine onboard small Space ship". Er wurde von Studenten und Fakultätsmitgliedern des Instituts für Technologie Osaka (Osaka Institute of Technologie - OIT) gebaut. Zielorbit ist eine Kreisbahn in 695 km über der Erdoberfläche mit einer Neigung gegen den Erdäquator von rund 98,2 Grad.

Die Aufgaben von PROITERES im Bereich der Funktechnik sind, der Überprüfung der Ausbreitungscharakteristik von Funksignalen auf Amateurfunkbändern zu dienen, Tests von Kommunikationsverbindungen unter Einsatz von Standardkomponenten an Bord des Satelliten zu erlauben, um den Einsatz solcher Komponenten zu qualifizieren, und sein Tracking durch Amateurfunkstationen in aller Welt und die Kommunikation mit ihm zu ermöglichen.

Im Bereich Satellitenantriebe gilt es, mit PROITERES einen angetriebener Flug unter Verwendung von elektrischen Triebwerken an Bord zu demonstrieren. Die Triebwerke sind solche vom Typ Pulsed Plasma Thruster (PPT). In den Sektor der Erdbeobachtung gehört die geplante Beobachtung des Bezirks Kansai und speziell des Großraums Osaka mit einer hochauflösenden Kamera.

Zusätzlich zu beiden Satelliten SPOT 6 und PROITERES war vor dem Start eine zusätzliche Nutzlast an der vierten Raketenstufe der PSLV-C21 angebracht worden. Dabei handelte es sich um ein miniaturisiertes inertiales Navigationssystem mit der Bezeichnung mRESINS. Das Gerät mit einer Masse von rund 50 kg ist eine Weiterentwicklung einer RESINS für Redundant Strapdown Inertial Navigation System genannten Avionik. Letztgenannte lenkte bereits den Flug von Raketen der Typen GSLV und PSLV. mRESINS wurde wie geplant nicht von der vierten Stufe abgetrennt und war nicht zur Steuerung der PSLV-C21 verwendet, sondern nur getestet worden. Die Navigation der Rakete erfolgte durch ein älteres RESINS.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, ISRO, OIT)


» Gaia übersteht Temperaturtests
10.09.2012 - Etwa ein Jahr vor dem geplanten Start hat das Observatorium Gaia in einer Testeinrichtung in Frankreich Tests überstanden, in denen überprüft wurde, ob die Sonde die extremen Temperaturen der Mission aushalten wird.
Die nächste Wissenschaftsmission der ESA, Gaia, welche etwa eine Milliarde Sterne untersuchen soll, wurde erfolgreich auf die Temperaturbeständigkeit geprüft, welche für die Mission notwendig ist. Nach der Ankunft am L2-Punkt, welcher sich etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der Verlängerung der Achse Sonne-Erde befindet, wird das Observatorium bei einer Temperatur von ca. -110 °C arbeiten, wobei es durch einen Hitzeschild vor der extremen Sonneneinstrahlung geschützt wird.

Die Überprüfungen, welche sich auf das Servicemodul konzentrierten, teilten sich in zwei Tests auf. Im ersten wurden die Komponenten des Servicemoduls aktiviert und einer Temperatur von -170 °C ausgesetzt, beim zweiten wurden sie mit Hilfe von Heizgeräten auf ihr Temperaturlimit aufgeheizt. Beide Tests liefen erfolgreich, das Servicemodul arbeitete ordnungsgemäß. Dabei wurden im inneren von Gaia Temperaturen im Bereich von -20 °C bis 70 °C festgestellt.

Im weiteren Verlauf des Jahres werden die selben Tests mit dem Modul durchgeführt werden, welches die Instrumente enthält. Anschließend werden die beiden Bestandteile Anfang 2013 verbunden. Im September des selben Jahres ist dann der Start an Bord einer Sojus-2-Rakete mit Fregat-Oberstufe von Französisch-Guayana aus geplant.

Nach einem Monat Transfer soll die Astronomiemission etwa fünf Jahre lang die Milchstraße untersuchen. Dabei soll unter anderem mehr darüber herausgefunden werden, wie unsere Heimatgalaxie enstanden ist und wie sie sich weiterentwickelt.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: ESA)


» Arianespace erhält zwei Startaufträge aus Spanien
11.09.2012 - Am 10. September 2012 gab Arianespace bekannt, dass der spanische Kommunikationssatellitenbetreiber Hispasat den Startprovider mit dem Transport der beiden Satelliten Amazonas 4A und Hispasat AG1 ins All beauftragt hat.
Der Start des Satelliten Amazonas 4A soll nach den derzeitigen Planungen Anfang 2014 auf einer Ariane-5- oder einer Sojus-Rakete vom europäischen Startgelände in Kourou in Französisch Guayana aus erfolgen. Amazonas 4A basiert auf der GEOStar 2.4 genannten Satellitenplattform des US-amerikanischen Raumfahrtkonzerns Orbital Sciences Corporation (OSC), der den Satelliten in seinem Werk in Dulles im Bundesstaat Virginia baut.

Stationieren will Hispasat den neuen Erdtrabanten bei 61 Grad West im Geostationären Orbit. Von dort können die 24 Ku-Band-Transponder des Satelliten zur Versorgung Lateinamerikas, von Venezuela und Kolumbien im Norden bis Argentinien und Chile im Süden, mit Fernsehprogrammen und einer großen Bandbreite von Kommunikationsdiensten eingesetzt werden. Die Auslegungsbetriebsdauer des Satelliten mit einer Startmasse von rund 3.000 Kilogramm beträgt 15 Jahre.

Hispasat AG1 bzw. Hispasat Advanced Generation 1 wird nach den derzeitigen Planungen voraussichtlich Ende 2014 an Bord einer Ariane-5-Rakete den Weltraum erreichen. Bei dem Raumfahrzeug mit einer Startmasse von rund 3.200 Kilogramm handelt es sich laut Arianespace um das erste auf der von der OHB System aus Deutschland zusammen mit der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) und Hispasat entwickelten, SmallGEO genannten Satellitenplattform basierende, das im All zum Einsatz kommen wird.

Hispasat AG1, dessen neuartige Konstruktion insbesondere der Senkung der Kosten der über den Satelliten abgewickelten Kommunikationsdienste dienlich sein soll, erhält nach aktuellem Stand maximal 20 Ku-Band-Transponder und 3 Ka-Band-Transponder. Die Kommunikationsnutzlast des Satelliten mit einer Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren wird von Tesat-Spacecom beigesteuert. Mit ihrer Hilfe will Hispasat Kunden auf der iberischen Halbinsel, den Kanarischen Inseln und in Südamerika mit einer breiten Palette von Multimediadiensten versorgen.

Die im Rahmen des ARTES-Programms der ESA, das sich entsprechend der ausgeschriebenen Bezeichnung Advanced Research in Telecommunication Systems mit fortgeschrittener Forschung zu Telekommunikationssystemen beschäftigt, entwickelte neue Satellitenline SmallGEO erlaubt die Unterbringung einer Kommunikationsnutzlast mit einer Masse von bis zu 300 Kilogramm, die vom Satellitenbus mit einer elektrischen Leistung von bis zu 3.000 Watt versorgt werden kann.

Die OHB-System-AG aus Bremen fungiert bei Entwicklung und Bau der Raumfahrzeuge der neuen Satellitenline als Hauptauftragnehmer. Das Unternehmen aus Norddeutschland hatte im März 2007 mit der ESA den Vertrag über die Entwicklung der SmallGEO-Plattform unterzeichnet.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, DLR, OHB System)


» Roskosmos ruft Breeze-M-Oberstufen zurück
12.09.2012 - Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos ruft ein komplettes Produktionslos von Raketenoberstufen des Typs Breeze-M des Lieferanten Chrunitschew zurück. Ein Fehler bei der Herstellung einer solchen Stufe soll am 6. August 2012 zum Versagen bei der Mission mit den Kommunikationssatelliten Express-MD 2 und Telkom 3 geführt haben. Letztere strandeten in unbrauchbaren Umlaufbahnen.
Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete am 10. September 2012, dass der Leiter von Roskosmos, Wladimir Popowkin, die Rückrufaktion am gleichen Tag angekündigt habe. Die Entscheidung für die Rückrufaktion sei gefallen, damit man alle Stufen des Produktionsloses, zu dem die Stufe, die am 6. August 2012 versagte, gehörte, auseinander nehmen und intensiv untersuchen könne.

Zu einem früheren Zeitpunkt hatte Popowkin geäußert, das Versagen am 6. August sei durch eine fehlerhafte Treibstoffleitung verursacht worden. Nach der zweiten Brennphase der Breeze-M-Oberstufe sei der Druck in der Stufe schnell gefallen, und ihre Lage im Raum nicht mehr stabil gewesen. Laut Popowkin ist es zu 100 Prozent sicher, dass ein Herstellungsfehler vorliegt.

Bei der Rückrufaktion handelt es sich um einen für die Raumfahrtbranche eher seltenen Vorgang. Zu dieser Maßnahme dürfte man sich unter anderem deswegen entschlossen haben, weil der Ruf der Proton-Rakete als ausreichend zuverlässiges Gerät zum Transport insbesondere von großen Kommunikationssatelliten auf dem Spiel steht. Rund ein Jahr vor dem Versagen bei der Mission mit Express-MD 2 und Telkom 3 war es einer Rakete vom gleichen Typ am 17. August 2011 nicht gelungen, Express-AM 4 auf der vorgesehenen Erdumlaufbahn abzusetzen.

Angesichts dieser und anderer Versager - es sei hier nur an das unrühmliche Ende der russischen Marsmond-Mission Fobos-Grunt erinnert - ist in Russland wieder von einer Reform der dortigen Raumfahrtindustrie die Rede. Eine solche Reform könnte 2016 abgeschlossen werden, glaubt Popowkin nach Angaben von RIA Nowosti.

Den nächsten erfolgreichen Flug einer Breeze-M wünscht man sich für den 14. Oktober 2012. Denn dann soll eine solche Oberstufe nach dem Start auf einer Proton-M-Rakete den Kommunikationssatelliten Intelsat 23 nach vier Brennphasen im richtigen kreisförmigen Orbit in 37.180 km Höhe über der Erde aussetzen. Wir drücken die Daumen!

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ILS, RIAN, Raumfahrer.net)


» Atlas 5 startet Aufklärungssatelliten und Nanosats
15.09.2012 - Am späten Donnerstag Abend startete eine Trägerrakete des Typs Atlas 5 von Vandenberg aus mit insgesamt 13 Satelliten an Bord ins All.
Hauptnutzlast ist NROL 36 für das Nationale Aufklärungsbüro der USA, der eigentlich aus zwei Komponenten, NOSS-3 6A und 6B besteht. Beide Satelliten halten in ihrer Umlaufbahn in mehr als 1.000 km Höhe bei einer Bahnneigung von etwa 63 Grad einen festen Abstand ein. Über deren normale Kommunikationssignale können NOSS-Raumfahrzeuge beinahe weltweit Schiffe auf den Meeren und Flugzeuge auf ihren Routen orten und verfolgen. Die Position wird mittels Triangulation bestimmt. Das Satellitenpaar bringt auf der Erde etwa 6.500 kg auf die Waage.

Die übrigen 11 Satelliten waren in einer speziellen Absetzvorrichtung an der Centaur-Oberstufe untergebracht und wurden von dort aus in ihre Zielorbits zwischen etwa 480 und 770 km Höhe bei 64 Grad Bahnneigung entlassen.

Bei Aeneas handelt es sich um einen Technologieerprobungssatelliten des US-Departments of Home Security, mit dem eine neue, strahlungsunempfindliche Flugsteuerungshardware sowie Antennentechnik zur Identifizierung und Verfolgung von Frachtcontainern auf den Weltmeeren getestet werden sollen. Dafür ist der an der University of Southern California entwickelte, nur etwa 4 kg schwere Satellit mit einer entfaltbaren Parabolantenne ausgestattet.

CINEMA 1 (Cubesat for Ion, Neutral, Electron, MAgnetic fields) dient der Messung von geladenen und neutralen Teilchen sowie Magnetfeldern im erdnahen Weltraum. Dazu ist der ebenfalls nur etwa 4 kg schwere Satellit mit zwei Messkomplexen ausgerüstet. Das MAGnetometer from Imperial College (MAGIC) ist ein Magnetometer, dass an einem Ausleger montiert ist und Angaben zu magnetischen Feldstärken liefert. Es wurde am Imperial College London (Großbritannien) entwickelt und gebaut. Das zweite Instrument nennt sich SupraThermal Electrons Ions & Neutrals (STEIN) und soll vor allem Konzentration, Verteilung und Bewegung elektrisch neutraler Atome in verschiedenen Schichten der Hochatmospäre aufzeichnen. Entwicklungsführer war hierbei die University of California, Berkeley (USA). Zwei weitere Satelliten dieser Bauart sollen die Erfassung dreidimensionaler Verteilungsmuster ermöglichen. Im Gesamtprojekt CINEMA eingebunden sind auch die Kyung-Hee-Universität Seoul (Südkorea) und das Ames Research Center der NASA in Mountain View (USA).

Aerocube 4, 4a und 4b sind drei Kleinstsatelliten (je 1 kg) der Aerospace Corporation (USA) und dienen der Technologieerprobung. Während Aerocube 4 über ein Rückkehrexperiment sowie ein Umweltdatenaufzeichnungssystem verfügt, welches während des Starts wichtige Parameter aufzeichnet, sollen mit den beiden anderen Cubesats neue Kommunikationsmittel getestet werden.

Mit den etwa 4 kg schweren SMDC-ONE 2.1 und 2.2 (Space Missile Defense Command - Operational Nanosatellite Effect) wird ein experimentelles Kommunikationssystem für die US-Armee getestet. Dazu sind die quaderförmigen Kleinsatelliten rundum mit einer Vielzahl an Stabantennen ausgerüstet, welche Funksignale auf verschiedenen Frequenzen empfangen bzw. aussenden können. Die Sender/Empfänger sind per Software konfigurierbar.

Bei STARE A (Space-Based Telescopes for Actionable Refinement of Ephemeris) handelt es sich um einen etwa 4 kg schweren Satelliten zur Bestimmung der Bahnparameter von Weltraumschrott aus dem Orbit heraus. Dem ersten Element mit der Bezeichnung "Re" soll in Kürze "Horus" folgen. Das Projekt des Lawrence Livermore National Laboratory der USA dient zunächst dem Nachweis der Machbarkeit eines solchen Systems.

CSSWE (Colorado Student Space Weather Experiment, 4 kg) der Universiät Colorado in Boulder (USA) hat zum Ziel den Einfluss von Ort, Stärke und Häufigkeit von solaren Ereignissen wie Masseauswürfen auf die Erdatmospäre, speziell die Strahlungsgürten der Erde zu studieren. Insbesondere interessiert auch die Energieverteilung der durch Sonnenaktivitäten verursachten Sekundärelektronen, welche anschließend die Erdoberfläche erreichen können. Gemessen wird bei Elektronen im Energiebereich von 0,5 bis 2,9 MeV (Megaelektronenvolt) und zusätzlich bei Protonen zwischen 10 und 40 MeV.

CXBN (Cosmic X-Ray Background, 2,6 kg) misst die diffuse Röntgen-Hintergrundstrahlung im Energiebereich von 30 bis 50 keV (Kiloelektronenvolt). Die Daten des von der Morehead State University (USA) entwickelten Messgerätes sollen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden und der Verbesserung kosmologischer Modelle dienen.

Letzter im Bunde ist CP 1 (1 kg) des interdisziplinären Cal Poly Picosatelliten-Studentenprojekts. Ziel ist die Entwicklung eines preisgünstigen Kleinsatellitenbusses zur Erprobung von Sensoren und anderen Kleinkomponenten zukünftiger Weltraumtechnik. Dazu gehören Kommunikationssysteme, Datenspeicher sowie Lageregelungstechnik.

Der Start aller Nutzlasten erfolgte am 13. September 2012 gegen 23.19 Uhr MESZ vom Startplatz 3E der Vandenberg-Luftwaffenbasis aus. Verwendet wurde eine Atlas 5 ohne Hilfsraketen. Die Centaur-Oberstufe besaß nur ein Triebwerk.

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Skyrocket, Raumcon)


» Jupitermeteorit von Amateurastronomen gesichtet
15.09.2012 - Am 10. September wurde gegen 13.35 Uhr MESZ von US-Astronomen durch Zufall ein kurzes Aufblitzen in der Jupiteratmosphäre beobachtet und im Bild festgehalten. Zu dieser Zeit war es am Beobachtungsort früher Morgen.
Der größte Planet unseres Sonnensystems war zu diesem Zeitpunkt etwa 730 Millionen Kilometer von uns entfernt. Er ist in der Nacht aber selbst in kleinen Teleskopen als Planet erkennbar. Der US-amerikanische Amateurastronom Dan Peterson (Racine, Wisconsin) hat mit einem 12-Zoll-Spiegelteleskop gerade den Jupiter beobachtet, als er ein kurzzeitiges Aufblitzen in dessen Atmosphäre wahrnahm. Zur gleichen Zeit hatte sein "Kollege" George Hall (Dallas, USA) den Gasplaneten im Visir einer an sein Teleskop angeschlossenen Kamera, so dass es einen fotografischen Beweis für das Ereignis gibt. In Europa war zu dieser Zeit bereits Mittag, so dass der Einschlag hierzulande nicht beobachtet werden konnte.

Beweisfoto von George Hall

Da das Ereignis lediglich ein kurzes Aufblitzen verursachte und auch Stunden später keine Auswirkungen in der Atmosphäre des Planeten Jupiter gefunden wurden, geht man mittlerweile davon aus, dass der Meteorit einen geringen Durchmesser von nur etwa 10 Metern hatte und beim Eintritt praktisch vollständig in der oberen Atmosphäre verglühte. Die dadurch aufgebrachte Energie reichte nicht aus, um irgendwelche länger anhaltenden Impaktspuren zu bewirken.

Damit wurde offenbar zum sechsten Mal der Einschlag eines kleineren Himmelskörpers auf Jupiter beobachtet. Zum ersten Mal gelang dies durch Aufnahmen der Raumsonde Voyager 1 bei ihrem Vorbeiflug am Gasplaneten im Jahre 1979. Das spektakulärste Ereignis dieser Art war ohne Zweifel der Einschlag der Bruchstücke des Kometen Shoemaker Levy 9 im Jahre 1994. Die großen Fragmente verursachten in der Jupiteratmosphäre starke Turbulenzen, die auch von der Erde aus zu beobachten waren und längere Zeit nachwirkten.

Mit der Beobachtung von Dan Peterson zeigte sich allerdings wieder einmal, dass auch Amateurastronomen mit vergleichsweise bescheidener Ausstattung in der Lage sind, astronomische Entdeckungen zu machen. Kleinere Einschläge im Juli 2009 und im Juni 2010 waren ebenfalls von Hobbyisten gemeldet worden.

Diskutieren Sie mit:

Verwandte Seite:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Zauber der Sterne, Sky & Telescope, George Hall)


» SpaceX mit stillen Fortschritten
15.09.2012 - In den letzten Tagen wurden bei verschiedenen Gelegenheiten eher am Rande Fortschritte bekannt, die SpaceX und andere Firmen der Raumfahrtbranche in der jüngeren Vergangenheit erreicht haben.
So hat SES, der weltweit größte Betreiber von kommerziellen Kommunikationssatelliten, mit SpaceX einen Vorvertrag geschlossen, der den Transport von 3 Satelliten in den Geostationären Orbit nach 2013 vorsieht. Offenbar ist man zuversichtlich, dass SpaceX mit dem Anlaufen einer Startserie in kommerziellem Auftrag zügig Startkapazitäten nachschieben kann. Bisher hat SES bereits den Start eines Satelliten im nächsten Jahr gebucht. SpaceX muss und will aber zunächst einige Verpflichtungen gegenüber der NASA erfüllen, welche die regelmäßige Lieferung von Fracht zur Internationalen Raumstation vorsieht. Hier ist man aufgrund normaler technischer Detailprobleme in zeitlichen Rückstand geraten.

Der erste reguläre Frachtflug zur ISS steht nun für Oktober an, der zweite ist für Mitte Januar geplant. Diesem Flug folgt die CASSIOPE-Mission für das US-Militär, bei der zum ersten Mal die deutlich leistungsstärkeren Merlin-1D-Triebwerke an einer vergrößerten Falcon 9 zum Einsatz kommen sollen. Danach möchte SpaceX auch seine Verträge mit privaten Unternehmen erfüllen.

Das Merlin-1D liegt offenbar im Plan und soll bis Ende des Jahres vollständig qualifiziert sein, d.h. alle erforderlichen Überprüfungen erfolgreich absolviert haben. Währenddessen wurde auf einer Fachtagung über Trägerraketen in Pasadena (USA) bekannt, dass ein Landedemonstrator für die Erststufe der Falcon 9 testbereit ist und letzte Woche bereits eine erste Probezündung des Triebwerks absolviert wurde. Man erwartet für die nächste Zeit die ersten Probeflüge und -landungen des Grasshopper genannten Konstrukts.

Am 11. September gab überdies SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell während der World Satellite Business Week bekannt, dass die neue Nutzlastverkleidung für Satellitentransporte fertig ist und innerhalb eines Monats in die Testphase geht. Derweil buhlen traditionelle Raumfahrtstaaten der USA wie Texas und Florida um die Gunst, SpaceX beim Bau eines eigenen Startkomplexes auf ihrem Territorium unterstützen zu dürfen.

Bei der Orbital Sciences Corporation (OSC) geht es nun offenbar auch schneller voran. Mark Pieczynski äußerte auf dem Trägerraketen-Panel, dass man nach Fertigstellung der Startplattform für die Antares relativ zügig fortfahren könne. Innerhalb von 14 Tagen sei man bereit für einen Triebwerkstest der aufgerichteten Rakete und einen Monat später könne der erste Start erfolgen.

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NewSpaceWatch, SpaceX, Steve Jurvetson, Raumcon)


» Mastens Xaero bei Unfall zerstört
15.09.2012 - Das Testmodell eines vertikal startenden und landenden Flugkörpers mit Raketenantrieb wurde beim 111-ten Flug nach einem kleinen Fehler vollständig zerstört.
Insgesamt wurden zuvor aber 110 erfolgreiche Flüge durchgeführt. Für ein Entwicklungsmodell ist dies eine überaus erfolgreiche Bilanz. Zusammen mit einem parallel entwickelten Modell namens Xombie wurden sogar 227 erfolgreiche Erprobungen durchgeführt. Mit Xombie gewann Masten im Jahre 2009 auch die Northrop Grumman Lunar Lander Challenge.

Masten entwickelt neben anderen Firmen wie Armadillo Aerospace oder Unreasonable Rocket und der NASA vollautomatische, kostengünstige und ohne großen Aufwand wiederverwendbare Träger für ballistische Forschungsflüge mit mehreren Minuten Schwerelosigkeit sowie Lander für Himmelskörper ohne oder mit nur dünner Atmosphäre. Diese könnten sowohl für wissenschaftliche als auch unternehmerische Missionen eingesetzt werden.

In den letzten Wochen hatten sich einige Unfälle ereignet, bei denen mehrere Testflugkörper zerstört wurden. Dem gegenüber steht aber auch ein Vielfaches an erfolgreichen Flügen. Schuld am aktuellen Verlust des Xaero am 11. September war nach ersten Analysen ein in offener Stellung verklemmtes Treibstoffventil.

Wie Masten äußerte, würden nun die Arbeiten an einem bereits in Entwicklung befindlichen größeren und verbesserten Fluggerät namens Xaero B beschleunigt.



Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Masten Space Systems, New SpaceWatch)


» IS-19: Sealaunch und SS/L suchen weiter nach Fehler
16.09.2012 - Sealaunch und Space Systems/Loral (SS/L) wollen eine unabhängige, aus drei Personen bestehende Kommission installieren, die die Arbeit der verschiedenen wegen der Startanomalie mit Beschädigung eines der Solarzellenausleger von Intelsat 19 ermittelnden Spezialisten überwachen und koordinieren soll.
Noch während des angetriebenen Fluges der von Sealaunch vermarkteten Zenit-3SL-Rakete mit dem von SS/L gebauten Kommunikationssatelliten Intelsat 19 an der Spitze waren am 1. Juni 2012 Probleme mit einem der beiden, zu diesem Zeitpunkt noch zusammengefalteten Solarzellenausleger offenbar geworden. Teile des Auslegers wurden nach Abwurf der Nutzlastverkleidung der Rakete von der Sonne beschienen, die Telemetriedaten für dadurch erzeugte elektrische Energie lagen außerhalb der erwarteten Werte.

Bereits rund 72 Sekunden nach dem Abheben der Rakete hatten Druck- und Schallmesssensoren ungewöhnlich Werte erfasst. Eine ähnliche Sensorsignatur war am 11. Januar 2004 beim Start des Kommunikationssatelliten Telstar 14 alias Estrela do Sul 1 aufgetreten. Einer der beiden Solarzellenausleger von Telstar 14 konnte nach der Abtrennung von der Raketenoberstufe nicht entfaltet werden. Laut SS/L belegten Abbildungen von Telstar 14 im All später erhebliche Beschädigungen des nicht entfalteten Auslegers. Nach der Abtrennung von Intelsat 19 von der Raketenoberstufe ließ sich dessen mutmaßlich beschädigter Solarzellenausleger zunächst ebenfalls nicht entfalten.

Eine gemeinsame Untersuchungsgruppe aus Mitarbeitern von Sealaunch und SS/L arbeitet schon eine Reihe von Wochen daran, die Ursache für die Anomalie herauszufinden. Man hat laut SS/L zum jetzigen Zeitpunkt keine Anzeichen für Probleme bei Bauqualität und Testprozessen gefunden. Hinsichtlich des eigentlichen Auslösers der Anomalie tappt man jedoch noch im Dunklen.

Mit den Aufzeichnungen, die Bau von Satellit und Rakete dokumentieren, den Daten, die bei Bodentests gewonnen wurden und den Telemetriedaten vom Flug mit Informationen zu Beschleunigungs-, Druck- und Schalldruckwerten hat sich die gemeinsame Untersuchungsgruppe bereits intensiv beschäftigt. Möglicherweise gelingt es jetzt mit Unterstützung der neuen Kommission, die Bemühungen zur Aufklärung des Missgeschicks in die richtige Richtung zu lenken.

Seit dem 13. August 2012 befindet sich Intelsat 19 an einer Position bei 166 Grad Ost im Geostationären Orbit im kommerziellen Einsatz. Ein Teil seiner 24 C-Band- und 36 Ku-Band-Transponder werden zur Versorgung der Kundschaft mit Diensten, die vorher über Intelsat 8 verbreitet wurden, eingesetzt. Wegen des beschädigten Solarzellenauslegers steht der Kommunikationsnutzlast von Intelsat 19 nur rund 75% der eigentlich vorgesehenen elektrischen Leistung zur Verfügung.

Intelsat 19 alias IS-19 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.356 und als COSPAR-Objekt 2012-030A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Intelsat, Sealaunch, SS/L)


» Astrium führt Vorbereitungen von DEOS für das DLR
16.09.2012 - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Astrium GmbH am 13. September 2012 mit der der Gesamtsystemführung bei der Vorbereitung einer deutschen Mission zur kontrollierten Entsorgung ausgedienter Satelliten namens DEOS beauftragt.
DEOS steht für "Deutsche Orbitale Servicing Mission" und kennzeichnet ein Konzept, das zur Realisierung einer Möglichkeit führen soll, gealterte und deaktivierte Satelliten auf niedrigen Erdumlaufbahnen einzufangen und anschließend bei kontrollierten, zerstörerischen Wiedereintritten in der Erdatmosphäre zu entsorgen. Außerdem werden im Rahmen von DEOS Möglichkeiten zur robotischen Wartung und automatisch ablaufenden Nachbetankung von Satelliten im Weltraum untersucht.

Die Astrium GmbH hat jetzt die Aufgabe, mit ihren Geschäftsbereichen "Satellites" in Friedrichshafen und "Space Transportation" in Bremen im Rahmen einer auf ein Jahr angesetzten Designphase vorbereitende Missions- und Produktdefinitionen zu erledigen und zu koordinieren. Das Unternehmen erhält dafür 15 Millionen Euro.

Am mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finanzierten Projekt DEOS wird schon geraume Zeit gearbeitet. Dabei wurde eine Reihe von Projektphasen bereits abgeschlossen. Phase 0 begann Ende April 2007, ein Mission Definition Review (MDR) fand im Juli 2007 statt. Zu Vorschlägen für die Phase A wurde Ende Februar 2008 aufgerufen, die Studien im Rahmen der Phase A endeten im Februar 2009 unter der Systemführung der SpaceTech GmbH, Immenstaad (STI). Im Januar 2010 begann die Definitionsphase Phase B, die Gesamtsystemführung lag bei der OHB-System AG, Bremen.

Ob das Projekt tatsächlich zu einer erfolgreichen Technologiedemonstrationen führt, bei der sich zwei gemeinsam gestartete Satelliten im All in rund 550 km über der Erde zunächst voneinander trennen sollen, damit anschließend ein komplexes Testprogramm und schließlich ein gemeinsamer Wiedereintritt in die Erdatmosphäre durchgeführt werden kann, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt angesichts knapper Kassen alles andere als sicher. Industrievertreter rechnen mit einem Start von DEOS ab dem Jahr 2018. Im Hinblick auf die Vermarktung eines deutschen Systems zur Satellitenentsorgung hofft man seitens des DLR Raumfahrtmanagement auf eine erste Mission zu einem früheren Zeitpunkt.

Die sich zuspitzende Situation im Bereich der am intensivsten genutzten Erdorbits, insbesondere auch der niedrigen Erdumlaufbahnen macht es unbedingt erforderlich, möglichst bald über einsatzfähiges System zur Beseitigung havarierter und stillgelegter Satelliten zu verfügen. Die Wahrscheinlichkeit von Kollisionen mit oder zwischen ausgedienten Raumfahrzeugen ist wegen der bisher stetig zunehmenden Zahl der Erdtrabanten auf ein Besorgnis erregendes Maß angestiegen.

Bisher auf niedrige Erdumlaufbahnen transportierte Satelliten haben nur in seltenen Fällen ausreichend Betriebsmittel an Bord, um nach Einsatzende einen gezielten Wiedereintritt abzuwickeln. Manche der nicht entsprechend ausgestatteten Satelliten sind plötzlich und unerwartet ausgefallen, ohne dass beispielsweise Prozesse zur Sicherung von Treibstofftanks und Akkumulatoren ausgelöst werden konnten. Eine solcher, außerdem besonders massereicher und großer Satellit ist Envisat. Dieser bisher größte europäische Erdbeobachtungssatellit kreist seit dem 8. April 2012 ungesteuert in rund 774 km Höhe um die Erde. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes mit einem anderen Stück Weltraumschrott liegt ausgehend von der derzeitigen Population auf niedrigen Erdorbits für die Restlebensdauer des Satelliten auf einer Bahn um die Erde im zweistelligen Prozentbereich.

Ohne Frage wäre ein möglichst bald nutzbares System zur Satellitenentsorgung für alle Raumfahrt betreibenden Nationen von Vorteil. Letztlich werden aber alle Erdbewohner profitieren. Es wäre dann nämlich auch möglich, Satelliten, deren Masse oder Aufbau vermuten lassen, dass schwere Trümmer auf den Erdboden gelangen und Menschenleben gefährden könnten, gezielt über unbewohnten Meeresregionen niedergehen zu lassen. Erst Ende Oktober 2011 stellte der deutsche Röntgensatellit ROSAT eine reale Gefahr dar. Ohne jede Möglichkeit einer beabsichtigen Beeinflussung trat der Satellit wieder in der Erdatmosphäre ein. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass ROSAT nicht über dicht besiedelten Gebieten Chinas niederging, sondern über dem Golf von Bengalen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, BmBF, BmWi, DLR)


» Europäischer Wettersatellit MetOp-B gestartet
17.09.2012 - Es ist geschafft. Nach monatelangen Verzögerungen ist MetOp-B nun endlich in seinem polaren Orbit. Er wird eine wichtige Rolle darin spielen, die Verfügbarkeit von Daten zur Erstellung von Wetterberichten sicherzustellen.
Pünktlich um 18.28 Uhr (MESZ) erhellte die Sojus-ST 2.1a den wolkenfreien Nachthimmel von Kasachstan. Mit an Bord ein Garant für die zuverlässige Erstellung von Wettervorhersagen auf der ganzen Welt. Der quasi baugleiche Vorgänger, MetOp-A, funktioniert zwar noch einwandfrei, doch seine garantierte Betriebszeit von 5 Jahren ist bereits überschritten. Ein Wegfall der MetOp-Daten, die mit bis zu 38% einen Großteil der verwendeten Daten zur Wettervorhersage darstellen, wäre eine Blamage für die europäische Raumfahrt. Um so wichtiger, dass der Start nun geklappt hat.

Zu der Verzögerung führten unter Anderem zähe Verhandlungen mit der Regierung in Kasachstan. Diese beklagte die geplante Startroute, welche durch den polaren Orbit nördlich verläuft. Ausgebrannte Raketenstufen schlagen unaufhaltsam auf dem Hoheitsgebiet von Kasachstan auf. Doch die Verhandlungen konnten letztendlich zu einem guten Ausgang für die ESA und Eumetsat gebracht werden. Gut möglich, dass zusätzliches Geld geholfen hat. MetOp-C, dessen Start für spätestens 2018 angedacht ist, wird dieses Problem sehr wahrscheinlich nicht haben. Er wird vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou starten, wo erst letztes Jahr die neue Sojus-Startrampe mit dem erfolgreichen Start der ersten Galileo-Satelliten eingeweiht wurde.

MetOp-B wiegt 4.100 kg und wird die Erde auf einer polaren Umlaufbahn in 820 km Höhe umkreisen. Mit seinen 13 Instrumenten beobachtet der Satellit das Wettergeschehen, kontrolliert und überwacht aus dem Eumetsat-Kontrollzentrum in Darmstadt. Die Kosten der Mission werden voraussichtlich 2,5 Milliarden Euro betragen. Eumetsat wird aber durch die Verwertung der Daten auch Geld verdienen. Frühestens am Donnerstag soll die Kontrolle des Satelliten von der ESA an Eumetsat abgegeben werden. Dann beginnt eine intensive Testphase, in der Instrumente kalibriert werden, bevor zahlreiche Wetterdienste die Daten erhalten.

Aufzeichnung der Startübertragung mit vielen Erklärungen

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Klaus Donath - Quelle: Eumetsat)


» Testplan für Grasshopper von SpaceX
18.09.2012 - Bereits Ende vergangenen Jahres wurde ein Plan für die ersten Tests eines Systems erstellt, mit dem die Erststufe der Falcon 9 nach ihrem Einsatz auf dem Triebwerksstrahl landen soll und damit wiederverwendet werden könnte.
Später soll dies auch für weitere Komponenten der Trägerrakete in Angriff genommen werden, wenn sich bei vergleichbarer Sicherheit ein deutlicher finanzieller Vorteil ergibt. Dann könnten die Preise für Raumflüge tatsächlich beträchtlich sinken, da die Herstellung der Raketenteile einen Großteil der Kosten ausmacht.

Wie jetzt bekannt wurde, könnten erste Tests bereits in den nächsten Wochen beginnen. In Phase 1 und 2 sollen Flüge von etwa 45 Sekunden Dauer durchgeführt werden, bei denen der "Grashüpfer" genannte Demonstrator abhebt, auf etwa 80 bis 200 Meter Höhe steigt und anschließend weich landet. Dazu wurde an einer Erststufenattrappe eine Metallkonstruktion mit 4 Landebeinen angebracht. Während der Tests soll nur ein Triebwerk des Typs Merlin 1D in Aktion treten.

In der sich anschließenden Phase 3 soll die Flughöhe schrittweise auf bis zu 3,5 km und die Flugdauer auf etwa 160 s ausgedehnt werden. Als Zwischenschritte werden 350, 750, 1.500 und 2.200 Meter Gipfelhöhe angegeben.

Zu weiteren Aktivitäten bei SpaceX äußerte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell, die Nutzlastverkleidung für die Falcon 9 sei fertig, werde derzeit getestet und soll beim Start des kanadischen Satelliten Cassiope im zweiten Quartal 2013 erstmals zum Einsatz kommen. Gleiches gelte prinzipiell für die neue Falcon-9-Version 1.1. Das Triebwerk ist im Testbetrieb, die Umbauten am Startplatz in Cape Canaveral weitgehend realisiert. Dies betrifft unter anderem zusätzliche Tankkapazität und Pumpen, um die Vorbereitungen auf Flüge möglichst kurz zu halten. Dies ermögliche auch eine notwendige Steigerung der Startrate. Die Anordnung der äußeren acht Triebwerke der Startstufe sei aufgrund der Erfahrungen mit den bisherigen Falcon 9 so verändert worden, dass sie alle den gleichen Kontakt zur Außenwand der Rakete haben. Dies sei für die Herstellung der Rakete sowie deren Stabilität besser. Als Startzeitpunkt für den Satelliten SES 8 wird Juli nächsten Jahres anvisiert. Das Interview führte Aviation Week & Space Technology.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NewSpaceWatch, Aviation Week)



^ Nach oben

Mars Aktuell: Curiosity nimmt sich unter die Lupe von Redaktion



• Curiosity nimmt sich unter die Lupe «mehr» «online»


» Curiosity nimmt sich unter die Lupe
11.09.2012 - Curiosity gönnt sich grade eine Verschnaufpause bei der Fahrt zum nächsten wissenschaftlichen Ziel, Glenelg. Das gilt allerdings weniger für den umfangreich ausgestatteten Instrumentenarm des neuen Marsrovers. Ein ausführlicher Testlauf ist dort im Gange, bei dem auch wieder einige spektakuläre Aufnahmen entstanden sind.
Seit unserem letzten Statusupdate ist wieder einiges passiert auf dem Mars. So setzt der Rover Curiosity seine Reise zum 400 Meter entfernten Glenelg-Gebiet weiter fort, zu sehen auf dieser Karte. Die letzten beiden Fahrten gingen über eine Distanz von jeweils 30 Metern. Im Rahmen dieser Fahrten wurde auch die "VISODOM"-Software des Rovers getestet, mit deren Hilfe Curiosity kurze Strecken auf dem Mars selbstständig überbrücken kann. Speziell wurde dabei die Fähigkeit zum autonomen Fahren "Autonomous Visual Odometry" überprüft. Durch die regelmäßig erfolgende Anfertigung von Bildern der Navigationskameras sowie der vorderen und hinteren Gefahrenerkennungskameras während einer Fahrt und eine anschließend autonom erfolgende Erzeugung von 3D-Bildern der Umgebung kann die Software des Rovers die Positionsveränderungen auf den Millimeter genau ermitteln. Dies ist zum Beispiel wichtig, um rechtzeitig reagieren zu können, falls der Rover sich in einer Sandfalle festfährt oder sich andere, durch das zu passierende Gelände ergebende Schwierigkeiten ergeben sollten.

Sollte das Fahrverhalten bzw. das Resultat einer Fahrbewegung signifikant von den vorgesehenen Bewegungen abweichen, so würde der Rover die Fahrt automatisch abbrechen und auf weiterführende Befehle von der Erde warten. Am Sol 26 fand schließlich ein Test des CheMin-Spektrometers statt. SAM analysierte laut dem JPL zudem eine Probe der Marsatmosphäre.

Seit dem 5. September steht der Rover vorerst still, für mindestens acht Tage. In diesem Zeitraum soll die Checkout-Phase "CAP2" durchgeführt werden. Im Rahmen der (immer noch andauernden) Funktionalitätstests für Curiosity sollen dabei speziell der Roboterarm, die daran befindlichen Instrumente APXS und MAHLI sowie das Probenentnahmesystem getestet werden. Es werden Bewegungsfixpunkte für die Bedingungen auf dem Mars angepasst aufgrund der geringeren Schwerkraft und anderen Atmosphäre auf dem Mars. Des Weiteren erforderte MAHLI einen Kalibrierungstest. Die hochauflösende Mikrospkopkamera am Instrumentenarm kann sogar "einzelne Körner in Talkum-Puder auflösen", lt. der Aussage eines JPL-Verantwortlichen bei der Pressekonferenz am 6. September. Sie kann Ziele in einer Entfernung von etwa 2,1 cm bis unendlich gestochen scharf fokussieren. Allerdings ist sie sehr staubempfindlich, deshalb wurde die Staubschutzkappe erst vor kurzem und auch nur vorübergehend geöffnet. Beim APXS wird zunächst die mitgeführte Kalibrierungsprobe mit definierter Zusammensetzung gemessen, um das Instrument zu eichen. Erst danach steht es für Messungen auf der Marsoberfläche bereit.

Im Zuge der Bewegung des Instrumenten-Arms entstanden einige schöne Aufnahmen, welche neue Details zum Zustand von Curiosity auf dem Mars enthüllten. Dazu gehört neben einem Selbstportrait vom Kamera-Arm auch ein erster Blick unter den Rover. Diese Ansicht des Unterbodens wurde mit der Mars-Hand-Lens-Imager-Kamera (MAHLI) an Sol 34, dem 9.09.2012, an der unteren Vorderseite von Curiosity aufgenommen. Anschließend wurde das Kalibrierungsziel fotografiert. Curiosity hat an Sol 34, also am 9. September 2012 zur Kalibrierung der MAHLI einen Penny mit dem Portät von Abraham Lincoln aus einem Abstand von 5 cm aufgenommen. Der Penny ist eine Anspielung auf eine Tradition von Geologen, eine Münze oder ein anderes Objekt zur Größenangabe bei Nahaufnahmen von Felsen zu platzieren. Zusätzlich befindet sich eine Reihe von Abbildungen zur Einstellung der Farbtemperatur und Bildschärfe auf dem Kalibrierungsziel.


Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit in Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Klaus Donath - Quelle: JPL, Planetary Society)



 

^ Nach oben

ISS Aktuell: Kounotori 3 verglüht von Redaktion



• Kounotori 3 verglüht «mehr» «online»
• Die letzten zwei Wochen auf der ISS «mehr» «online»
• Sojus-TMA 04M gelandet «mehr» «online»


» Kounotori 3 verglüht
15.09.2012 - Das dritte japanische Transportraumschiff, welches Fracht zur Internationalen Raumstation gebracht hat, wurde am 12. September abgekoppelt und verglühte nach einem Bremsmanöver gestern früh in den dichten Schichten der Erdatmosphäre.
Dabei wurden beim Bremsen und Auseinanderbrechen des Raumschiffes Daten durch zwei spezielle Erfassungs- und Aufzeichnungsgeräte gesammelt. Das eine stammt aus den USA und nennt sich Re-Entry Breakup Recorder. Es sammelt Angaben über Temperatur, Beschleunigungen und Rotationsraten während des Wiedereintritts und ist mit einem eigenen Hitzeschutz versehen. Dadurch übersteht der Rekorder den Sturz auf die Erde und kann im Ozean wassern. Anschließend übermittelt REBR die Daten via Iridium-Telefonnetz in die USA. Baugleiche Geräte waren bereits bei ATV 2 und HTV 2 im Einsatz, aber nur teilweise erfolgreich.

Die japanische Raumfahrt setzt mit i-Ball erstmals ein eigenes derartiges System ein. Mit diesem werden zusätzlich Bilder gespeichert, die anschließend ausgewertet werden sollen. Das 40 Zemtimeter durchmessende System wurde bei IHI in Tomioka entwickelt.

Kounotori 3 war am 21. Juli mit 4,6 t Fracht zur ISS gestartet und am 27. Juli mit Hilfe des Stationsmanipulators Canadarm2 angekoppelt worden. Anschließend wurden Innen- und Außenfracht entladen und der Stauraum des Raumschiffs mit Abfällen beladen. Zur Innenfracht gehörten fünf Kleinsatelliten, die in den kommenden Wochen aus der ISS ausgeschleust werden sollen.

Nach dem Ablegen von der Station, was erneut mit Hilfe des Canadarm2 vorgenommen wurde, erfolgten mehrere Separations- und Bremszündungen der Triebwerke. Der Zeitpunkt des Wiedereintritts wird mit ca. 7.24 Uhr MESZ angegeben.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, JAXA, Raumcon)


» Die letzten zwei Wochen auf der ISS
16.09.2012 - Neben der Betreuung wissenschaftlicher Untersuchungen, Wartungsarbeiten und medizinischen Tests waren ein weiterer Ausstieg und der Abflug des Frachters Kounotori 3 die Höhepunkte der zurückliegenden Tage.
Am 5. September unternahmen Sunita Williams und Akihiko Hoshide einen zweiten Ausstieg, um den Ersatz-Energieverteiler 1 (Main Bus Switching Unit = MBSU) korrekt zu installieren. Dazu musste dieser zunächst wieder abmontiert und in der Nähe provisorisch gelagert werden. Anschließend wurden Sockelgewinde und Bolzen H2 mittels Druckluft und Drahtbürste gereinigt und mithilfe einer modifizierten Zahnbürste geschmiert. Danach konnte ein Probebolzen eingeschraubt werden. Nach erneuter Schmierung gelang schließlich das korrekte und vollständige Einschrauben des H2-Bolzens bei installierter MBSU. Diese saß nun richtig auf einer Kühlplatte und konnte anschließend aktiviert werden.

Es folgte noch der Austausch einer defekten Kamera am Stationsmanipulator Canadarm2, worauf der Außenbordeinsatz nach 6 Stunden und 28 Minuten erfolgreich beendet werden konnte. Während des Ausstiegs trugen die beiden Raumfahrer russische Dosimeter. Sunita Williams übernahm damit übrigens die Spitzenposition in der Liste der Außenbordarbeiterinnen mit 44 Stunden und 2 Minuten bei 6 Einsätzen von ihrer Kollegin Peggy Whitson.

Im Verlaufe der folgenden Tage wurden der Ausstieg nachbereitet (Überprüfung, Reinigung, Trocknung), Vorbereitungen für den Abflug von Kounotori 3 und die Rückkehr einer Teilbesatzung zur Erde mit Sojus-TMA 04M am 17. September getroffen.

Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigten sich mit der fotografischen Erfassung besonderer Phänomene auf der Erde, der Erprobung neuer Foto- und Kommunikationstechnik, Untersuchungen am menschlichen Immunsystem (IMMUNO), Strahlungsmessungen in verschiedenen Teilen der Station (u.a. Matrjoschka), Untersuchungen zu Reaktionsfähigkeit, Stressresistenz, Muskel- und Knockenabbau (u.a. spezielle Diät zur Linderung eines raschen Knochenabbaus) sowie Herz-Kreislauf-Tests.

Wartungsarbeiten betrafen eine Vielzahl der Systeme der Station, so die Luftüberwachungs- und Reinigungssysteme, Toiletten, Experimentieranlagen, Wasseraufbereitung, Computer oder Sportgeräte.

Erwähnt seien hier noch das Biorhythmusexperiment CRHYT, bei dem ein Proband über 36 Stunden spezielle Sensoren trägt, deren Messwerte aufgezeichnet und später ausgewertet werden. Bei SONOKARD trägt ein Raumfahrer ein spezielles Shirt, über das wichtige Lebensparameter erfasst werden. Im Rahmen von ASEPTIK wird untersucht, wie Experimentieranlagen über längere Zeit keimfrei gehalten werden können. Mittels einer Unterdruckhose (Tschibis) können Belastungen simuliert werden, die denen durch die Schwerkraft auf der Erde entsprechen. Mit VETEROK wird ein neues elektrostatisches Luftreinigungssystem getestet, welches über eine kurzzeitige Ionisierung organische Stoffe besser aus der Atemluft filtern soll. Hör-, Seh- und Reaktionstests in verschiedenen Phasen eines Langzeitfluges helfen, physische und phsychische Veränderungen festzustellen. Mit VISIR und der ISS Agricultural Camera werden automatisch Bilder verschiedener Flächen angefertigt. Dazu verfügen die Kameras über Computersteuerungen und spezielle Sensoren. Während VISIR noch im Erprobungsmodus läuft, werden mit der ISSAC Bilder von Weideflächen, Wäldern, Wiesen udn Feuchtgebieten in den USA für landwirtschaftliche Beurteilungen und Bildungszwecke aufgenommen.

Der Bildung dient auch die optische Aufzeichnung langwieriger physikalischer Vorgänge in der Schwerelosigkeit. Derzeit wird im Rahmen von FASA die Trennung von flüssiger und gasförmiger Phase in einem Behälter verfolgt. Das neue Experiment Coulomb Kristall beschäftigt sich mit der Anordnung elektrisch geladener Partikel in der Schwerelosigkeit. Das ebenfalls neue Aquatic Habitat läuft mittlerweile im Testbetrieb. Hier sollen Leben und Entwicklung von Fischen über mehrere Generationen beobachtet werden.

Viele Experimente werden weitgehend von der Erde aus gesteuert und laufen ansonsten autonom ab, benötigen nur selten die Betreuung durch Raumfahrer. Dazu gehörten in den letzten Tagen u.a. ein Verbrennungsexperiment, die materialwissenschaftlichen Untersuchungen KASKAD und BCAT (Kolloide in der Schwerelosigkeit), Untersuchungen zur Strukturdynamik der Station (IDENTIFIKAZIJA). Weitere Studien am Menschen betrafen Veränderungen in der Lungenfunktion (Lungenvolumen, Sauerstoffaufnahmefähigkeit im Rahmen von VO2max), Lärmmessungen durch stationäre und mobile Sensoren sowie die Wirksamkeit eines speziellen Trainings mit starker aber nur kurzzeitiger Belastung zur Minderung von Muskel- und Knochenschwund (SPRINT).

Im Rahmen von YouTube SpaceLab wurden zwei Schülerexperimente ausgewählt, die im Weltraum durchgeführt werden sollen. Bei einem wird das Leben einer Spinne in der Schwerelosgkeit unter die Lupe genommen. Dieses Experiment wurde nun vorbereitet. Zu bestimmten Zeiten soll es dazu Live-Übertragungen aus der ISS geben.

Am 12. September wurde der unbemannte Frachter Kounotori 3 mittels des Stationsmanipulators Canadarm2 von der Station abgekoppelt. Zuvor waren zwei Systeme (REBR und i-Ball) installiert und aktiviert worden, mit denen bestimmte Parameter während des für das Raumschiff zerstörerischen Wiedereintritts aufgezeichnet werden. Dieser erfolgte in den Morgenstunden des 14. September (Raumfahrer.net berichtete).

Höhepunkt der folgenden Stunden ist die geplante Rückkehr der Raumfahrer Gennadi Padalka, Joe Acaba und Sergej Rewin nach gut 4 Monaten im Weltraum.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Roskosmos, ESA, JAXA)


» Sojus-TMA 04M gelandet
17.09.2012 - Ein Teil der Langzeitbesatzung der Internationalen Raumstation ist heute früh planmäßig zur Erde zurückgekehrt.
Die Landung der Kommandokapsel des Sojus-Raumschiffes erfolgte gegen 4.52 Uhr MESZ in der kasachischen Steppe nordöstlich von Arkalyk. An Bord befanden sich Gennadi Padalka, Joseph Acaba und Sergej Rewin. Sie haben insgesamt 125 Tage im All zugebracht, den größten Teil der Zeit an Bord der ISS gearbeitet.

Mit dem Ablegen des Raumschiffes gegen 1.09 Uhr heute Nacht endete auch die ISS-Expedition 32. Gestern hatte Padalka das Kommando über die Station an Sunita Williams übergeben, die damit die zweite Frau in dieser Position ist. Expedition 33 wird nun bis Ende Oktober andauern, bis das nächste bemannte Raumschiff zur ISS startet.

Dessen Start wurde soeben wegen eines technischen Problems um einige Tage verschoben und soll im Zeitraum vom 23. bis zum 25. Oktober über die Bühne gehen.

Im Verlaufe der Dienstzeit der drei gelandeten Raumfahrer wurden drei Ausstiege absolviert, wobei allerdings nur Gennadi Padalka von diesem Team direkt daran beteiligt war. Während der Außenbordarbeiten wurden ein Kranarm verlegt, eine Schalteinheit ausgetauscht, ein neues Stromkabel verlegt, Meteoritenschutzplatten installiert, eine Kamera gewechselt und eine Experimentenbox geborgen.

Neue Fracht kam mit einem Progress-Frachter, einem HTV sowie erstmals einem Dragon-Raumschiff zur Station. Ein ATV hatte bereits im März an deren Heck angelegt. Mit diesem wurden nicht nur Experimente, Treibstoff und Verbrauchsgüter zur ISS geliefert sondern auch deren Bahn auf derzeit durchschnittlich 416 km angehoben.

Von der Besatzung betreut bzw. ausgeführt wurden viele der mehr als 200 laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen. Ein Teil davon läuft allerdings weitgehend automatisch an der Außenseite oder im Inneren der Station ab. Ein weiterer Teil bedarf zeitweilig der Betreuung. Bei Experimenten mit biologisch-medizinischem Inhalt sind hingegen die Raumfahrer Hauptakteure und Untersuchungsgegenstand gleichermaßen. Ein kontinuierliches Testprogramm absolvierte auch das siebente Besatzungsmitglied, Robonaut 2.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA)



 

^ Nach oben


"InSpace" Magazin #476
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
19. September 2012
Auflage: 4727 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Ian Benecken
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Thomas Hofstätter
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Mandy Kobs
Andreas Kurka
Timo Lange
Daniel Maurat
Ralf Möllenbeck
Kirsten Müller
Thomas Pallmann
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Peter Rittinger
Markus Rösken
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding
Julian Wohlstein

Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Karl Urban und David Langkamp.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2012 by Raumfahrer.net.