InSpace Magazin #565 vom 26. Januar 2017

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #565
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

nach monatelanger Pause und einer kniffligen Ursachenforschung zu der Explosion im September fliegt die Falcon-9 nun wieder. Mehr dazu können Sie in dem Kommentar von Tobias Willerding in dieser Ausgabe des Inspace-Magazins lesen, mit dem ich Ihnen nun viel Vergügen wünsche.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

• Nächster Falcon 9-Start für 14. Januar geplant «mehr» «online»
• China: Kommunikationssatellit TXJSSY 2 gestartet «mehr» «online»
• Chinas Feststoffträger KZ-1A startet drei Satelliten «mehr» «online»
• Kommentar: Die Hoffnung fliegt wieder «mehr» «online»
• Matthias Maurer neuer deutscher ESA-Astronaut «mehr» «online»


» Nächster Falcon 9-Start für 14. Januar geplant
03.01.2017 - SpaceX plant die Flugwiederaufnahme der Falcon 9 für den 9. Januar 2017. Es ist der erste Flug seit der Explosion der Falcon 9 auf dem Startplatz bei Cape Canaveral am 1. September 2016. Update: Der Start ist jetzt für den 14. Januar um 18:54 deutscher Zeit geplant.
Nach mehr als vier Monaten Flugpause ist es wieder soweit, eine weitere Falcon 9-Rakete soll ins Weltall starten und deren erste Stufe anschließend wieder auf der Erde landen. Dabei sollen die ersten 10 Iridiumsatelliten der neuen IridiumNEXT-Generation ins All geschossen werden. Es wird außerdem der erste Start der Falcon 9-Generation mit dem unterkühlten Treibstoff von dem US-Luftwaffenstützpunkt in Vandenberg, Kalifornien sein.

Vor ca. einem Jahr fand hier der letzte Start der Vorgängerversion der Falcon 9 mit Jason-3 statt. Seitdem wurde der Startplatz für die neue Falcon 9-Version modifiziert. In 2017 wird der Startplatz rege Aktivität sehen, denn es gilt noch viele weitere Satelliten für Iridium zu starten, insgesamt sind 6 weitere Starts geplant.

Nach dem Start soll die erste Stufe der Falcon 9 wieder auf dem autonomen Drohnenschiff "Just Read The Instructions" (JRTI) landen. Der Name leitet sich aus einer Science-Fiction-Romanreihe ab.

Nach einer mehrmonatigen Untersuchung konnte SpaceX die wahrscheinliche Ursache für die Explosion der Falcon 9 vom 1. September 2016 finden. Damals explodierte eine Falcon 9 plötzlich bei einem Betankungsvorgang. Die Rakete und der Satellit AMOS-6 wurden vollständig zerstört.

Unglücksursache

Laut SpaceX lag die Ursache bei den mit Fasern umwickelten Drucktanks für das Helium (engl. carbon-overwrapped pressure vessel, kurz COPV). Diese Tanks bestehen aus einer dünnen Metallinnenhaut (engl. liner), die für die nötige Dichtigkeit des Tanks sorgt und mit Kohlefasern umwickelt ist. Die Fasern sorgen für die notwendige Festigkeit und verhindern das Platzen des Tanks unter Druck.

Während der Betankung haben sich Beulen in der Metallinnenhaut gebildet und in diese Beulen ist dann flüssiger Sauerstoff eingedrungen (die Heliumtanks befinden sich im Sauerstofftank). Das Helium wurde offenbar so kalt getankt, dass der flüssige Sauerstoff gefrieren konnte (Schmelzpunkt 54,8 K bzw. -218,3 °C).

Anschließend ist es zu Reibungseffekten zwischen dem gefrorenen Sauerstoff und den umliegenden Fasern gekommen, sodass es zu lokaler Hitzeentwicklung kam, die anschließend den Heliumtank zerstört hat. Der Sauerstofftank konnte den hohen Heliumdruck nicht halten und explodierte ebenfalls.



Sabotage?

Anfangs wollte Elon Musk nicht mal einen Sabotageakt ausschließen. Auf Aufnahmen auf einem Video will SpaceX sogar verdächtige Bewegungen auf einem naheliegenden Gebäude der ULA gesehen haben. Daher hat SpaceX die ULA um Erlaubnis gebeten das Gebäudedach zu inspizieren. Die ULA hat dies jedoch verweigert und die amerikanische Militärpolizei das Dach inspizieren lassen, die aber nichts gefunden hat. Doch damit hat sich Elon Musk nicht zufrieden gegeben.

Laut einer auf reddit geleakten Rede von Musk vor dem NRO wurde sogar ein Schütze angeheuert, um einen Testtank auf SpaceXs Testgelände in McGregor zu beschießen. Dabei konnte die Explosion tatsächlich reproduziert werden. Im Forum von nasaspaceflight.com konnte man außerdem in Posts von Mitarbeitern am Cape nachlesen, dass die Autos der Mitarbeiter bei der Einfahrt in den US-Luftwaffenstützpunkt nicht sonderlich kontrolliert werden, sodass das Einschmuggeln von zusätzlichen Leuten bzw. Waffen kein Problem gewesen wäre. Eine Waffe in den USA zu besorgen, ist bekanntlich auch nicht besonders schwer.

Aber nur weil jemand die Rakete hätte beschießen können, folgt daraus noch nicht, dass es auch tatsächlich so gewesen ist. Eine große Verschwörung gab es ebenso wenig wie einen einzelnen frustrierten Mitarbeiter von einem Konkurrenzunternehmen, sondern nur ein technisches Problem, wie oben beschrieben. Allerdings möchte Musk laut der NRO-Rede in Zukunft solche Bedrohungsszenarien bei zukünftigen Designentscheidungen berücksichtigen.

Weitere Starts

Der stark zerstörte Startplatz 40 auf Cape Canaveral soll Mitte 2017 wieder einsatzbereit sein. Wenn alles gut geht, hat SpaceX also ab Mitte 2017 zwei einsatzbereite Startplätze in Florida und einen in Vandenberg.

Außerdem soll bereits Mitte Januar der erste Start von dem historischen Startplatz 39A auf dem Kennedy Space Center (KSC) stattfinden. Der Start soll den Kommunikationssatelliten Echostar-23 ins All bringen. Wenige Wochen später, also Anfang Februar, soll auch die nächste Versorgungsmission zur ISS starten.

Ebenfalls für Anfang des Jahres ist der erste Zweitflug einer ersten Stufe mit dem Satelliten SES-9 geplant, denn bisher wurden erste Stufe nur geborgen und noch nicht wiederverwendet.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX, r/SpaceX, NSF)


» China: Kommunikationssatellit TXJSSY 2 gestartet
08.01.2017 - Der chinesische Kommunikationssatellit TXJSSY 2 gelangte am 5. Januar 2017 in den Weltraum. Der Start erfolgte vom Xichang Satellite Launch Center (XSLC) in der Provinz Sichuan.
Befördert wurde der Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 (LM-3B/G2) bzw. Chang Zheng-3B/G2 (CZ-3B/G2). Die Variante 3B/G2 absolvierte hier ihre 20. Mission.

Raketen der Varianten 3B wurden in der Vergangenheit zum Transport von Navigationssatelliten und geostationären Kommunikationssatelliten verwendet. Dem entsprechend wurde TXJSSY 2 auf einen Geotransferorbit (GTO) gebracht.

Von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung ermittelte Daten sprechen für eine Übergangsbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächsten Bahnpunkt, von rund 222 Kilometern über der Erde, einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 35.823 Kilometern und einer Neigung der Bahn gegen den Erdäquator von etwa 27,49 Grad. Die Oberstufe der Rakete wurde nach dem Start in einem Orbit mit einem Perigäum von rund 164 Kilometern, einem Apogäum von rund 34.340 Kilometern und einer Bahnneigung von etwa 27,46 Grad beobachtet.

Chinesische Quellen sprechen vom 245. Start einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch insgesamt. Im Jahr 2017 war es der erste Start eines Raumfahrtträgers aus China, und international der erste Raumfahrtstart des Jahres. Verwendet wurde das Projektil mit der Seriennummer Y39.

Der Start erfolgte am 5. Januar 2017 um 23:18 Uhr und 4 Sekunden Pekinger Zeit, das ist 16:18 Uhr und 4 Sekunden MEZ, von der Rampe Nr. 2 des Satellitenstartzentrums Xichang. Letzteres befindet sich in rund 65 Kilometern Abstand von der Stadt Xichang.

Nach Angaben aus China handelt es sich bei TXJSSY 2 um einen experimentellen Kommunikationssatelliten. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, die Hauptaufgabe des Satelliten seien Tests von Hochgeschwindigkeitsdatenverbindungen bei paralleler Nutzung von mehreren Funkfrequenzen.

Möglicherweise ist TXJSSY 2 schlicht ein (experimenteller) militärischer Kommunikationssatellit. Hersteller des Satelliten ist nach Angaben der internationalen Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten aus China, der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), die Akademie für Raumflug Schanghai (Shanghai Academy of Spaceflight Technology, SAST). Aufgebaut wurde der Satellit vermutlich auf Basis des Satellitenbus SAST5000.

TXJSSY 2 alias TJSW 2 und TJS 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.911 und als COSPAR-Objekt 2017-001A. Ein weiteres Objekt, die Oberstufe der Trägerrakete, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.912 und als COSPAR-Objekt 2017-001B.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: CCTV/CGTN, CGWIC, CRI, mod.gov.cn, Xinhua)


» Chinas Feststoffträger KZ-1A startet drei Satelliten
13.01.2017 - Vom chinesischen Satellitenstartzentrum Jiuquan (Jiuquan Satellite Launch Center, JSLC) aus wurden am 9. Januar 2017 auf einem Kuaizhou 1A genannten dreistufigen Feststoffträger mit zusätzlicher Oberstufe drei Satelliten in den Weltraum transportiert.
Der Start erfolgte um 12:11 Uhr Pekinger Zeit (4:11 Uhr UTC / 5:11 Uhr MEZ) vom in der Wüste Gobi rund 1.600 Kilometer von Chinas Hauptstadt Peking entfernt liegenden Startzentrum. Als genauer Startzeitpunkt wird 4:11 Uhr und 12 Sekunden UTC genannt.

Ursprünglich sollte der Start nach einer Pressemeldung des Raketenvermarkters Exspace bereits im Dezember 2016 stattfinden. Am 16. November 2016 war die Hauptnutzlast mit der Trägerrakete verbunden worden, und Tests zur elektromagnetischen Verträglichkeit konnten absolviert werden. Mit Überprüfungen der verbauten Pyrotechnik wurde am 22. November 2016 begonnen. Am 30. November 2016 wurde bekannt, dass der Start Anfang 2017 stattfinden werde.

Als Träger kam eine bei Beginn ihrer Mission rund 20 Meter lange Rakete des Typs Kuaizhou 1A mit einer Anfangsmasse von rund 30 Tonnen zum Einsatz. In drei Stufen wurden Feststoffmotore benutzt. Die erste Stufe mit einer Startmasse von 16,621 Tonnen hat eine Regelbrennzeit von rund 65 Sekunden. Die anfangs mit einer Masse von 8,686 Tonnen versehene zweite Stufe besitzt eine Regelbrennzeit von rund 62 Sekunden. Die Regelbrennzeit der dritten Stufe beträgt rund 55 Sekunden, sie hat eine Anfangsmasse von 3,183 Tonnen.

Den Einschuss der Nutzlasten in die anvisierten Orbits und ihr Aussetzen besorgte eine kleine Oberstufe mit Flüssigkeitsantrieb. Diese Stufe verbrannte Monomethylhydrazin (MMH) mit dem Oxidator Stickstofftetroxid (nitrogen tetroxide, NTO). Sie war zusätzlich auch für die Lageregelung beim angetriebenen Flug mit der zweiten und der dritten Stufe zuständig.

Die Rakete ist eine Konstruktion der China Aerospace Science and Industry Corporation (CASIC) aus Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei. Die Organisation ist Hersteller zahlreicher Raketenmodelle für die chinesische Volksbefreiungsarmee (People’s Liberation Army, PLA). Die Vermarktung erfolgt über die dafür gegründete Firma Exspace. Im Grundsatz basiert die neue Rakete auf der mobilen zweistufigen chinesischen Mittelstreckenrakete Dong-Feng 21 (DF-21) alias CSS-5 (für China Surface-to-Surface 5, was etwa chinesische Boden-Boden-Rakete Nr. 5 bedeutet).

Die Kuaizhou 1A kann von allen chinesischen Satellitenstartzentren aus zum Einsatz gebracht werden. Auf einer mobilen Startplattform wird die Rakete vom Integrationsgebäude zur Startstelle gebracht. Die mobile Startplattform ermöglicht alle notwendigen Vorstarttests. Sie versorgt die Rakete mit Energie und stellt die erforderliche Temperaturkontrolle für Rakete und Nutzlast sicher.

Nach dem Aussetzen wurden die Nutzlasten auf Bahnen mit einem Perigäum, dem der Erde nächsten Bahnpunkt, von 531 Kilometern, und einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von 545 Kilometern beobachtet. Die Neigung der Bahnen gegen den Erdäquator betrug 97,54 Grad. Für die Oberstufe wurde eine bereits wieder abgesenkte Bahn mit einem Perigäum von 252 und einem Apogäum von 531 Kilometern bestimmt.

Jilin 1 ist der dritte Satellit einer Reihe kleiner Erdtrabanten zur Beobachtung der Erde mit 4K-HD-Videokamerasystemen. Daher wird er auch Jilin-1 (03) bzw. Lingqiao 1-03 oder Lingqiao C genannt. Nach Angaben aus China erreichte er am 9. Januar 2017 die vorgesehene Erdumlaufbahn. Lingqiao A und B kreisen seit dem 7. Oktober 2015 um die Erde.

Im Rahmen der Berichterstattung zum Start wird das Raumfahrzeug alternativ auch als Linye 1 bzw. Forestry 1 (林业一号卫星) bezeichnet. In einem neuen Netzwerk zur Waldbeobachtung aus fünf Erdtrabanten ist er der Erste. Im Endausbau, der für 2018 angestrebt wird, soll das Netzwerk eine hohe Wiederholrate erlauben, das heißt, in einem nicht zu großen zeitlichen Abstand wird immer wieder einer der Satelliten der Konstellation eine bestimmte Position des Waldgebietes überfliegen.

Gebaut wurde das rund zwanzig Minuten nach dem Abheben ausgesetzte Raumfahrzeug von der Chang Guang Satellite Technology Ltd. (CGST), die im Internet unter anderem unter der Adresse www.charmingglobe.com auftritt. Das Unternehmen ist ein Spinoff des Institutes für Optik, Feinmechanik und Physik Changchun (Changchun Institute for Optics, Fine Mechanics and Physics, CIOMP), welches zur Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Chinese Academy of Sciences, CAS) gehört. Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen aus Changchun hauptsächlich Sternen- und Sonnensensoren, Reaktionsräder und Gyroskope, Satelliten, Bodensysteme und unbemannte atmosphärische Flugkörper.

Der nach der waldreichen, zu über 50 Prozent mit Wald bedeckten nordostchinesischen, an Nordkorea angrenzenden Provinz Jilin benannte Satellit soll der zuständigen Forstverwaltung bei einer Reihe von Aufgaben nützliche Unterstützung bieten. Erwartet werden beispielsweise Beobachtungsdaten zu Feuchtgebieten, Hilfe bei der Bestimmung der unterschiedlichen vorhandenen Baum-Arten, Informationen, die bei der Vermeidung von Waldbränden helfen können, Daten zum Gesundheitszustand des Bewuchses und Zahlen zu Wildtierbeständen. Man hofft, rund einen Monat nach dem Start des Satelliten die Inbetriebnahme abschließen und den Regelbetrieb aufnehmen zu können.

Lingqiao C besitzt einen Durchmesser von rund 1,1 Metern und eine Höhe von etwa 1,2 Metern. Als Abmessungen des Satelliten werden alternativ auch 1,085 x 0,553 x 1,340 Meter genannt. Die Stromversorgung des Satelliten mit einer Masse im Bereich von 165 Kilogramm erfolgt über Solarzellen. Der Strombedarf der Satellitensysteme soll maximal 55 Watt betragen. Gesammelte Daten kann das Raumfahrzeug im X-Band mit einer Geschwindigkeit von 350 Megabits pro Sekunde senden. Die Auslegungsbetriebsdauer des Erdtrabanten beträgt drei Jahre.

XingYun Shiyan 1 (auch XY-S1 / 行云试验一号) wurde gemeinsam von der 9. CASIC-Akademie der China Academy of Space Science and Technology (CAST) und der Northwestern Polytechnical University (NPU / NWPU) aus Xi‘an entwickelt. Er besitzt einen Satellitenkörper in der Größe zweier Standard-Cubesat-Einheiten. Seine Abmessungen betragen also etwa 10 x 10 x 20 Zentimeter. Der Cubesat mit einer Masse von rund 2,79 Kilogramm hat die Aufgabe, schmalbandige Kommunikationsverbindungen zur Erde aus einem niedrigen Erdorbit heraus zu demonstrieren. Insbesondere geht es um die Übertragung von Kurznachrichten im L-Band und den Test von Verfahren zum Energiemanagement an Bord.

Mit XingYun Shiyan 1 erprobte Technologien sollen einmal Eingang in eine Konstellation aus 56 Yunyun-Satelliten auf niedrigen Erdumlaufbahnen finden. Die Satelliten der angedachten Konstellation sollen untereinander via Mikrowellen-Funk und mittels Laserlicht kommunizieren können und Nutzern jederzeit unterbrechungsfreien Zugriff auf das Internet und über dieses ermöglichte Dienste und Anwendungen ermöglichen. Aktuelle Planungen sehen vor, dass die Konstellation im Jahre 2020 im Weltraum vollständig und betriebsbereit ist.

Caton 1 (凯盾一号, auch Kaidun 1 oder Kaydun 1) ist eine Konstruktion der Unternehmen Beijing Kaidun Universal Technology Ltd., Beijing MSI Technology Development Co., Ltd. aus Chinas Hauptstadt Peking und der Nanjing University of Technology (NanjingTech / NJTech) im Osten Chinas. Er ist ebenfalls ein 2U-Cubsat, das heißt, seine Abmessungen bewegen sich im Bereich zweier Standard-Cubesat-Einheiten. Die Auslegungsbetriebsdauer beträgt ein Jahr.

Der Satellit mit einer Masse von rund 2,72 Kilogramm soll den Betrieb eines im VHF-Bereich arbeitenden Datenaustauschsystems namens VDES für VHF Data Exchange System demonstrieren. Beim VDES handelt es sich um eine Erweiterung bzw. Ergänzung des Automatischen Indentifikationssystems für den Schiffsverkehr (Automatic Identification System, AIS). VDES soll gegenüber AIS die rund 32-fache Datenmenge bewältigen können, und es so ermöglichen, den Führern von Wasserfahrzeugen zahlreiche zusätzliche Informationen, wie zum Beispiel Angaben über Wasserstände in Gebieten mit Tidenhub, zur Verfügung zu stellen.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


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(Autor: Axel Nantes - Quelle: CASIC, CCTV, CGST, Chinanews, Exspace, forestry.gov.cn, jl.people.com.cn, js7tv.cn, NWPU, Xinhua)


» Kommentar: Die Hoffnung fliegt wieder
15.01.2017 - Die Falcon 9 startet und landet wieder. Außerdem gab es nach einer Durststrecke von viereinhalb Monaten endlich wieder eine interessante Startübertragung.
Bei einer Umfrage im SpaceX-Subreddit auf der Webseite reddit.com unter den dortigen SpaceX-Fans sollten diese SpaceX in einem Wort charakterisieren; die häufigste Antwort bei einer Umfrage Ende 2015: "hope" oder auf Deutsch "Hoffnung". Welche Hoffnung genau mit SpaceX assoziiert wird, ist dann natürlich noch eine andere Frage. Vielleicht ist damit die Hoffnung auf Veränderung in der Raumfahrt gemeint.

Nehmen wir den Webcast von SpaceX: War er bei dem ersten Falcon 1 Start noch genauso störanfällig wie die erste Falcon 1, so hat er sich inzwischen mit der Falcon-Familie weiter entwickelt.

Hatte der erste Falcon-1 Start noch eine rudimentäre Onboardkamera (immerhin!), so gibt es heute eine Vielzahl an Kameras an der Rakete, die so ziemlich jedes Ereignis des Startes einfangen und live zur Erde übertragen. Inzwischen gibt es auch eine Reihe von Moderatoren, die den Start kommentieren und die Atmosphäre in der SpaceX-Zentrale in Los Angeles vermitteln. Und um dem noch einen draufzusetzen gibt es zusätzlich noch eine Übertragung für den hauptsächlich technisch interessierten Zuschauer ohne Moderatoren.

Dazu kommt natürlich noch das Alleinstellungsmerkmal mit der Landung der ersten Stufe, die beim Iridium-Start von Stufentrennung bis Landung im Meer quasi komplett live übertragen wurde. Solche Aufnahmen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre sind äußerst selten und werden nur von SpaceX live übertragen. Das eigentliche Missionsziel mit dem Start der Iridium-Satelliten gerät da schon fast in den Hintergrund. Immerhin: auch vom leeren Dispenser wurden am Ende noch Live-Bilder gezeigt.

Echte Live-Bilder können eben das Herz des raumfahrtbegeisterten Menschen deutlich mehr bewegen als es veraltete Computergrafiken können. Da kann man stattdessen ja auch ein Computerspiel mit deutlich besserer Grafik spielen.

Aber auch die Satellitenkunden profitieren von dem enormen Medieninteresse. Wann sind Iridium oder andere Satellitenbetreiber schon mal groß in der Presse vertreten? Es sei denn natürlich, man möchte als Kunde nicht in der Presse erscheinen, dann ist man bei einem anderen Startanbieter sicher besser aufgehoben.

Auf Youtube haben die beiden Webcasts zum Iridiumstart zusammen über eine Million Aufrufe. Für einen Raketenstart mit Satelliten eine ungewöhnlich hohe Zahl. Der raumfahrtbegeisterte Mensch hatte offenbar Sehnsucht nach einer vernünftigen Startübertragung (inkl. Landung).

Die nächsten Starts sind Echostar-23 vom Kennedy Space Center Ende Januar oder Anfang Februar, gefolgt von der ISS-Versorgungsmission CRS-10 und schließlich die Mission SES-10. Bei SES-10 soll das erste Mal die Falcon 9 nicht nur geborgen sondern auch wiederverwendet werden. Es fliegt die Falcon 9 Stufe, die bereits letztes Jahr die Mission CRS-8 gestartet hat und anschließend erfolgreich auf dem autonomen Drohnenschiff im Atlantik gelandet ist. Insbesondere SES-10 dürfte SpaceX im Februar oder März nochmal Rekordzuschauerzahlen bescheren.

Natürlich ist Veränderung nicht ohne Risiko, je komplexer der Webcast oder die Mission, desto mehr kann schiefgehen. Ein Moderator kann sich verhaspeln, z.B. Reentry- mit Boostback-Burn verwechseln, mal gibt es Tonprobleme oder es werden ungeplant geheime Aufnahmen gezeigt, weil jemand nicht schnell genug auf eine andere Kamera geschaltet hat. Die Falcon 9 kann auch auf der Startrampe oder im Flug explodieren, wie die Vergangenheit uns lehrt.

Man kann nur hoffen, dass SpaceX die technischen Probleme mit dem Helium jetzt im Griff hat. Nach den Heliumproblemen 2014, dem Strebenproblem beim Heliumtank 2015 und dem Temperaturproblem im Heliumtank 2016, wäre ein Jahr ohne Explosion oder Beinaheexplosion doch mal was richtig Schönes.

Ein weiterer SpaceX-Fehlschlag bedeutet vor allem eines: Wieder Monate lang keine Raketenlandung mehr und keine vernünftige Startübertragung.

Und falls Sie den Start noch nicht gesehen haben, können Sie es hier schnell nachholen:



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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX, r/SpaceX)


» Matthias Maurer neuer deutscher ESA-Astronaut
19.01.2017 - In einer Pressekonferenz am 18. Januar 2017 im ESA-Hauptquartier Paris kündigte ESA-Chef Jan Wörner die Ernennung von Matthias Maurer als neuen deutschen ESA-Astronauten an.
Außerdem sollen von der Selektionsgruppe von 2009 die Astronauten Luca Parmitano, Samantha Cristoforetti, Thomas Pesquet und Tim Peake jeweils weitere Flüge machen.

Von vorherigen Astronautengruppen sind Pedro Duque und Paolo Nespoli für weitere Flüge vorgesehen, ebenso möchte der Italiener Roberto Vittori in den aktiven Flugstatus zurückkehren.

Der promovierte Materialwissenschaftler Maurer hatte sich für die Selektion von 2009 beworben, hatte es aber nicht in die aktive Astronautengruppe geschafft. Stattdessen hat er seit 2010 im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) der ESA in Köln als Crew Support und EUROCOM eng mit den Astronauten zusammengearbeitet.

Maurer nahm zusammen mit amerikanischen und russischen Raumfahrern 2014 am ESA-Höhlentraining CAVES 2014 und 2016 an der NASA-Unterwassermission NEEMO 21 teil. Am 16. Februar 2017 wird Matthias Maurer in Bremen offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

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(Autor: Kirsten Müller - Quelle: ESA)



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"InSpace" Magazin #565
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26. Januar 2017
Auflage: 5301 Exemplare


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