InSpace Magazin #570 vom 19. Juni 2017

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #570
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

nach langen problemlosen Jahren zeigt der Marsrover Opportunity der NASA jetzt doch mal wieder gewisse Alterungserscheinungen: Eines der sechs Räder ließ sich neulich nicht lenken, weil der Motor, der fürs Schwenken des Rades nach links und rechts zuständig ist, nicht auf das Steuersignal reagierte. Erste Wiederholungsversuche waren erfolglos, das Rad blieb zunächst in einer 30-Grad-Kurvenfahrtposition eingeschlagen stehen. Mittlerweile hat man das Rad zwar doch wieder bewegen können und es auf Geradeausstellung stellen können. Die Ursache, warum genau das Rad blockierte und mit welchen Maßnahmen man es dann wieder bewegen konnte, sind allerdings noch nicht genannt worden.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

• Ariane-5-Start: Eutelsat 172B und ViaSat 2 im All «mehr» «online»
• Russland: Frühwarnsatellit EKS 2 gestartet «mehr» «online»
• Hispasat 36W-1 auf Station und einsatzbereit «mehr» «online»
• Hispasat 1C im Friedhofsorbit «mehr» «online»
• China: ChinaSat 9A gelangt auf ungeplante Bahn «mehr» «online»
• Jahrestreffen Raumcon-Forum und Raumfahrer Net 2017 «mehr» «online»


» Ariane-5-Start: Eutelsat 172B und ViaSat 2 im All
04.06.2017 - Am 1. Juni 2017 startete um 23:45 Uhr UTC zu Beginn eines eine Stunde langen Startfensters vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch-Guayana eine Ariane-5-Trägerrakete mit zwei Kommunikationssatelliten an Bord. Die Erdtrabanten für die Eutelsat S.A. aus Frankreich und ViaSat, einem Anbieter von Breitbanddiensten und Kommunikationstechniklösungen aus Carlsbad im US-Bundesstaat Kalifornien, wurden nach rund einer halben Stunde Flug erfolgreich ausgesetzt.
Rekordnutzlast für Ariane-5-ECA
Verwendet wurde eine Ariane-5-ECA, die von der Startrampe ELA-3 zum zweiten Flug einer Ariane 5 im Jahr 2017 abhob. Transportiert wurden bei der Mission VA237 der europäische Kommunikationssatellit Eutelsat 172B (Masse beim Start 3.551 kg) und der US-amerikanische Kommunikationssatellit ViaSat 2 (Startmasse 6.418 kg, unbetankt 4.197 kg).

Bei der Mission VA237 wurde laut Arianespace bei einer Gesamtstartmasse von rund 780 Tonnen 10.865 kg transportiert, von denen 9.969 kg auf die beiden Satelliten entfielen. Eutelsat 172B wurde zum 32. Satelliten für Eutelsat, der mit einer europäischen Ariane-Rakete ins All gelangte. ViaSat ist der 54. von Boeing hergestellte und von einer Ariane-Rakete in den Weltraum transportierte Satellit.

Beide Satelliten waren zusammen unter einer 17 Meter hohen Nutzlastverkleidung von RUAG mit einem Durchmesser von 5,4 Metern und einer Masse von rund 2.400 kg untergebracht. ViaSat 2 wurde als erster der Satelliten etwa 29 Minuten nach dem Start ausgesetzt, er saß zuoberst auf der Nutzlasttragstruktur SYLDA 5 B (SYLDA ist die Abkürzung von "Système de Lancement Double Ariane", Ariane-Doppelstartvorrichtung). Nach Abstoßen der SYLDA wurde Eutelsat-172B dann rund 41 Minuten nach dem Start freigegeben.

Die zwei Satelliten werden aus dem erreichten Geotransferorbit (GTO) mit Perigäum von 249 km über der Erde (geplant 248,9 km) und einem Apogäum von 35.860 km über der Erde (geplant 35.848 km) mit eigenen Antrieben den Geostationären Orbit (GEO) ansteuern. Die Antriebe müssen auch den Abbau der Rest-Inklination, der verbliebenen Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, von circa 6 Grad bewerkstelligen.

All-Electric: Eutelsat 172B
Eutelsat 172B ist eine Konstruktion von Airbus Defence and Space aus Toulouse in Frankreich und basiert auf der Satellitenplattform Eurostar E3000e. Eutelsats neuer Satellit soll im geostationären Orbit eine Position im Bereich von 172 Grad Ost beziehen, um von dort insbesondere Empfänger im asiatisch-pazifischen Raum zu versorgen. Dafür ist er mit 14 C-Band-, 36 Ku-Band-Standard- und weiteren 11 Ku-Band-Transpondern für hohen Durchsatz (~1,8 Gbps) ausgerüstet. Eutelsat 172A, den Eutelsat 172B ersetzen soll, wird laut Eutelsat künftig an einer anderen Position eingesetzt. Er war als AMC 23 für SES Americom gestartet worden und kreist seit dem 29. Dezember 2005 um die Erde.

Die C-Band-Transponder des neuen Eutelsat 172B adressieren den vollständigen asiatisch-pazifischen Raum mit Australien und Neuseeland sowie Alaska, Hawai und den Westen der vereinigten Staaten. Die Standart-Ku-Band-Transponder sind für die Versorgung von fünf Zonen gedacht: Der Nordpazifik-Downlink reicht vom Westen der USA über Kanada bis zum Osten Asiens mit Japan und Teilen von China und Russland. Der Südpazifik-Downlink deckt Australien und Neuseeland ab. Von Neukaledonien über Papua Neu Guinea, Indonesien und Malaysia bis Thailand und Myanmar erstreckt sich der Südwestpazifik-Downlink. Japan und die Philippinen können über den Norostasien-Downlink bedient werden, eine Reihe von Inselstaaten über den Südostpazifik-Downlink. Die 11 Ku-Band-Transpondern für hohen Durchsatz, deren Leistung mit Hilfe eines innovativen Multiport-Verstärkers (multi-port-amplifier, mpa) individuell angepasst werden können, ermöglichen elf insbesondere dem Luftverkehr gewidmete Ausleuchtzonen von der Westküste der USA über die Flugrouten über dem Pazifik und großen Teilen Südostasiens.

Mit elektrischer Energie versorgt werden Antrieb und Kommunikationsnutzlast von Eutelsat 172B durch zwei Solarzellenausleger, die dem Raumfahrzeug mit einer Transportkonfiguration von 5,7 x 3,73 x 3 Meter zusammen eine Spannweite von insgesamt 39,3 Metern geben und rund 13 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen. Die vorgesehene Standzeit des dreiachsstabilisierten Raumfahrzeugs beträgt mindestens 15 Jahre.

Das Antriebssystem von Eutelsat 172B besitzt ausschließlich elektrische Triebwerke des Typs PPS-5000 von Safran/Snecma. Die elektrischen Hall-Effekt-Triebwerke zum Betrieb in einem Leistungsbereich zwischen 2 und 5 Kilowatt verwenden das Edelgas Xenon als auszustoßende Stützmasse. Sie haben einen Schub im Bereich von etwas unter 0,2 und etwas über 0,3 Newton, lassen sich jedoch sehr ausdauernd einsetzen. 15.000 Betriebsstunden soll ein einzelnes solche Triebwerk ableisten können. Montiert sind die vier Triebwerke paarweise an ausklappbaren und schwenkbaren Roboter-Armen. Eutelsat ist der erste kommerzielle Satellitenbetreiber, der einen Satelliten mit PPS-5000-Triebwerken besitzt.

Im Einsatz zum Abbau der verbliebenen Bahnneigung gegen den Erdäquator und der Ausbildung einer annähernden Kreisbahn werden die PPS-5000-Trieberwerke in einem Betriebsregime mit 300 Volt Versorgungsspannung und einem Leistungsbedarf im Bereich von 3.000 Watt für einen Schub im Bereich von 0,3 Newton mit einem spezifischen Impuls von ~1.700 Sekunden betrieben werden. Für den Bahnerhalt soll anschließend ein Modus mit einer Versorgungsspannung von 375 Volt, einem verringerten Schub von 0,18 Newton und einem spezifischen Impuls von 1.850 Sekunden zum Einsatz kommen.

Neuartig an Eutelsat 172B ist auch der Einsatz einer 3D-gedruckten Antennentragstruktur.

Mit Chemie und Strom: ViaSat 2
Bei ViaSat 2 handelt es sich um ein von Boeing auf Basis des Satellitenbus’ BSS-702HP entworfenes und in El Segundo im Bundesstaat Kalifornien in den Vereinigten Staaten von Amerika gebautes, dreiachsstabilisiertes Raumfahrzeug, dessen Körper in Transportkonfiguration Maße von rund 6 auf 3 auf 2 Meter aufweist. Boeing war beauftragt worden, nachdem sich das Unternehmen in einem Bieterwettbewerb gegen Lockheed Martin durchgesetzt hatte. Space Systems/Loral (SS/L) wollte ViaSat nach Patentstreitigkeiten nicht mehr beauftragen. SS/L hatte ViaSat 1 gebaut.

ViaSat 2 ist dazu gedacht, Empfänger in der Karibik, in Nord-, Süd- und Zentralamerika sowie auf Routen von Luft- und Seefahrt über und auf dem Atlantik zwischen Europa und Nordamerika von einer Position bei 70 Grad West (laut ViaSat 69,9 Grad West) im Geostationären Orbit mit schnellen Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet zu versorgen. Dementsprechend ist die Kommunikationsnutzlast von ViaSat 2 mit Ka-Band-Transpondern ausgestattet. Sie sollen einen Durchsatz von rund 300 Gbps ermöglichen.

Die Energieversorgung der Satellitensysteme von ViaSat 2 erfolgt durch zwei Solarzellenausleger. Am Ende der projektierten Einsatzdauer von mindestens 14 Jahren sollen die Solarzellenausleger von ViaSat 2 noch rund 16.100 Watt elektrische Leistung bereitstellen können (Leistung bei Betriebsbeginn 18.200 Watt). Für die Stromspeicherung besitzt der Satellit Lithium-Ionen-Akkumulatorensätze.

Mit seinem hybriden Antriebssystem aus chemischen und elektrischen Treibwerken wird das Raumfahrzeug einige Monate benötigen, bis es seine Betriebsposition im GEO erreicht. Nach Ende der kommerziellen Nutzung des Satelliten soll ihn sein Antriebssystem nach Angaben von ViaSat in einen Friedhofsorbit befördern, der rund 300 Kilometer oberhalb des GEO liegt.

Laut ViaSat wurden erste Signale des Satelliten bereits kurz nach dem Start von der Erdfunkstelle Hassan in Indien empfangen.

Eutelsat 172B wurde katalogisiert mit der NORAD Nr. 42.741 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2017-029B, ViaSat 2 mit der NORAD Nr. 42.740 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2017-029A.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Airbus Defence and Space, Arianespace, Boeing, ESA, Eutelsat, ViaSat)


» Russland: Frühwarnsatellit EKS 2 gestartet
04.06.2017 - Am Morgen des 25. Mai 2017 brachte eine Rakete des Typs Sojus-2.1b mit Fregat-M-Oberstufe von Plessezk im Norden Russlands einen neuen russischen Frühwarnsatelliten ins All. Der Satellit erhielt die Tarnbezeichnung Kosmos 2.518.
EKS steht für Edinaya Kosmicheskaya Sistema bzw. Единой космической системы, die dreiachsstabilisierten Satelliten für das System sollen Erzeugnisse von Energija sein, die mit einer Beobachtungsnutzlast vom Zentralen Institut für Wissenschaft und Forschung Kometa (TsNII Kometa) ausgestattet sind und der Erkennung von anfliegenden Raketen dienen. Die Satelliten mit dem Erzeugniscode 14F142 dürften darüber hinaus auch eine gesicherte Notfallkommunikation im Falle eines Atomkriegs ermöglichen. Das EKS ist Ersatz für ein altes russisches Frühwarnsatellitensystem mit Raumfahrzeugen der Typen US-KS und US-KMO, dessen letzter Satellit im Jahre 2014 außer Betrieb ging.

EKS 1 kreist seit dem 17. November 2015 um die Erde. Der Start von EKS 2 am 25. Mai 2017 war der erste nach einer rund ein Jahr dauernden Pause mit Sojus-2-Starts vom Kosmodrom Plessezk. Er wurde von den russischen Raketentruppen abgewickelt und erfolgte im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums. Um 9:33 Uhr und 41 Sekunden Moskauer Zeit (MSK) bzw. 6:33 Uhr und 41 Sekunden Universalzeit (UTC) verließ die Rakete mit dem Erzeugniscode 14A14-1b und der Seriennummer 78072183 mit dem Satelliten unter der Nutzlastverkleidung mit der Werksnummer 111-302 an der Spitze die Startrampe 4 des Startkomplexes 43 in Plessezk.

Das russische Verteidigungsministerium meldete mit Datum vom 25. Mai 2017, Start und Aufstieg der Rakete mit dem neuen Satelliten seien wie geplant erfolgt. Rund zwei Minuten nach dem Abheben wurde die Rakete mit ihrer Nutzlast im Fluge vom Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum der russischen Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO - Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau erfasst.

Nach Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung wurde der neue Erdtrabant nach dem Start und seinem Aussetzen auf einer 63,81 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn mit einem der Erde nächstliegendem Bahnpunkt von 1.650 km und einem erdfernsten Bahnpunkt von 38.512 km beobachtet. Die verwendete Fregat-M-Oberstufe mit der Werksnummer 111-301 wurde auf einer 63,80 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn mit einem der Erde nächstliegendem Bahnpunkt von 1.660 km und einem erdfernsten Bahnpunkt von 38.513 km beobachtet.

EKS 2 alias Kosmos 2.518 wurde katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.719 und als COSPAR-Objekt 2017-027A. Die Fregat-M-Oberstufe wurde katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.720 und als COSPAR-Objekt 2017-027B.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: RIAN, Raumfahrer.net, russianforces.org, Russianspaceweb, Russisches Verteidigungsministerium (eng.mil.ru))


» Hispasat 36W-1 auf Station und einsatzbereit
05.06.2017 - Mit Datum vom 26. Mai 2017 berichtete der Kommunikationssatellitenbetreiber Hispasat mit Sitz in der spanischen Hauptstadt Madrid, dass sein jüngster Erdtrabant Hispasat 36W-1 nun vollständig einsatzbereit sei.
Nach seinem Start auf einer Sojus-Rakete unter der Ägide von Arianespace war Hispasat 36W-1 mit Hilfe seines chemischen Apogäumsmotors und einer Anzahl elektrischer Triebwerke in den Geostationären Orbit (GEO) gesteuert worden. Anschließend hatte man den Satelliten einer umfangreichen Test- und Inbetriebnahmephase unterzogen.

Hispasat 36W-1 kreist seit dem 28. Januar 2017 um die Erde. Das Raumfahrzeug mit einer Leermasse von rund 1.700 Kilogramm und einer Startmasse von rund 3.220 Kilogramm wurde zum ersten kommerziellen geostationären Kommunikationssatelliten einer neuen Baureihe kleinerer Satelliten aus europäischer Entwicklung und Herstellung. Darüber hinaus ist Hispasat 36W-1 der erste in Deutschland gebaute Kommunikationssatellit seit DFS-Kopernikus, welcher vor rund 25 Jahren ins All transportiert worden war. Jetzt ist Hispasat 36W-1 im GEO an einer Position bei 36 Grad West stationiert. Alle Ausleger und Antennen sind entfaltet bzw. ausgeklappt, was ihm in Betriebskonfiguration Abmessungen von ~ 7,5 x 20,8 x 4,95 Meter gibt.

Die intensiven Tests zeigten, dass der von der OHB System AG auf Basis des Satellitenbus SmallGEO gebaute neuartige Satellit mit einer von Tesat-Spacecom in Backnang bei Stuttgart integrierten Kommunikationsnutzlast im Weltraum funktioniert. Seine Ausstattung mit 20 Ku-Band-Transpondern mit Bandbreiten von 33 und 36 Megahertz ist der Versorgung von Empfängern in Amerika, Afrika, und Europa gewidmet. Dabei deckt eine AME genannte Ausleuchtzone Nord- und Südamerika ab. Die EUR genannte Ausleuchtzone überstreicht die meisten Teile Europas inklusive der Balearen, Kanaren, Madeira, und den Azoren, sowie Nordafrika inklusive Tel Aviv in Israel.

Außerdem befindet sich an Bord von Hispasat 36W-1 ein "Ka-Band Demonstrator" mit einer Bandbreite von 144 Megahertz mit neuartiger Ansteuerungseinheit, drei Transpondern und einer feststehenden Sende- und Empfangs-Antenne. Er adressiert mit einer Ausleuchtzone namens IBERIA/CANARY Nutzer auf der Iberischen Halbinsel mit Spanien und Portugal sowie den Balearen und Kanaren.

Mindestens 15 Jahre soll sich der dreiachstabilisierte Satellit u.a. für Videoübertragungen, die Unterstützung von Netzen großer Institutionen, Unternehmen und von Mobilfunkanbietern sowie breitbandigen Internetzugriff einsetzen lassen.

Hispasat 36W-1 (ehemals HISPASAT Advanced Generation Satellite 1 bzw. Hispasat AG1) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.942 und als COSPAR-Objekt 2017-006A.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Arianespace, Hispasat, Tesat)


» Hispasat 1C im Friedhofsorbit
07.06.2017 - Der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space, der Hersteller des Kommunikationssatelliten Hispasat 1C des spanischen Kommunikationssatellitenbetreibers Hispasat, teilte am 2. Juni 2017 mit, dass das unbemannte Raumfahrzeug in einen Friedhofsorbit gesteuert worden ist.
Der Weg von Hispasat 1C, der gemäß unterschiedlicher Einsatzpositionen in der Vergangenheit auch als Hispasat 30W-3 und 84W-1 bezeichnet wurde, in seinen Friedhofsorbit begann am 29. Mai 2017, nachdem er nach über 17 Jahren Betrieb sein letztes Kommando vom Hispasat-Kontrollzentrum Arganda del Rey in der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid erhalten hatte. Die Auslegungsbetriebsdauer des Satelliten betrug 15 Jahre.

In der letzten Phase seines kommerziellen Einsatzes war Hispasat 1C, mit einer um rund ein halbes Grad gegen den Erdäquator geneigter Bahn, bei 83,8 Grad West im Geostationären Orbit (GEO) in durchschnittlich 35.786 Kilometern über der Erde stationiert. Nach der erfolgreichen Bahnanhebung ist der ausgediente Satellit bei weiter 0,5 Grad gegen den Äquator geneigter Bahn jetzt in Höhen zwischen 36.080 und 36.110 Kilometern unterwegs. Nach Angaben von Hispasat und Thales Alenia Space wird man mit der am 2. Juni 2017 erreichten neuen Bahn in (über) 36.000 Kilometern Höhe den Bestimmungen der Internationalen Telekommunikationsunion (ITU) und des Weltraumschrott-Koordinierungskomitees der Raumfahrtorganisationen hinsichtlich der abzuwickelnden Schritte beim Erreichen des Einsatzendes eines geostationären Kommunikationssatelliten gerecht.

Hispasat 1C kreist seit dem 3. Februar 2000 um die Erde. Der Kommunikationssatellit war von einer vom Startanbieter International Launch Services (ILS) vermarkteten Rakete vom Typ Atlas IIAS mit der Seriennummer AC-158 und Centaur-Oberstufe von der Startrampe 36B auf Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus ins All transportiert worden.

Zunächst setzte Hispasat den Satelliten an einer Position bei 30 Grad West im GEO ein. Man verwendete ihn zur Ausstrahlung von zahlreichen Fernsehprogrammen, zur Unterstützung von Netzwerken großer Unternehmen und Organisationen sowie der Bereitstellung von Breitbanddiensten. Darüber hinaus wurde der Satellit zum Beispiel für Fernschulanwendungen im Rahmen der Programme Plan Ceibal aus Uruguay und Subtel aus Chile benutzt. Auch der Telemedizin diente das Raumfahrzeug – Peru verwendete es im Rahmen eines Programms namens MEDNET. Die Anbindung entlegener Gebiete in der Antarktis an Argentinien konnte via Hispasat 1C ebenfalls realisiert werden.

2014 bezog Hispasat 1C schließlich als Hispasat 84W-1 seine letzte Arbeitsposition bei 84 Grad West im GEO, nachdem Hispasat mit dem brasilianischen Satellitenkommunikationsanbieter Star One eine Vereinbarung über die Nutzung der neuen Position getroffen hatte. Von der Position über Brasilien aus nutzte man den Satelliten zur Bereitstellung von Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet und weiterer IP-basierter Dienste.

Konstruiert worden war Hispasat 1C auf Basis des Satellitenbusses Spacebus 3000B2 von Thales Alenia Space. Seine Kommunikationsnutzlast umfasste 24 gleichzeitig einsetzbare Ku-Band-Transponder, außerdem einige für X-Band-Übertragungen für Spaniens Regierung und das spanische Militär. Zur Versorgung der elektrischen Systeme des Satelliten gab es zwei Solarzellenausleger, die bei Betriebsbeginn 7,3 Kilowatt, bei Betriebsende noch 6,3 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen sollten.

Die Leermasse von Hispasat 1C war 1.304 Kilogramm, seine Startmasse belief sich auf 3.112,5 Kilogramm. In Transportkonfiguration betrugen die Abmessungen des Satelliten 3,27 x 2,5 x 5,1 Meter. Im All mit ausgefalteten Antennen und Solarzellenauslegern sind die Abmessungen 6,95 x 28,9 x 5,1 Meter.

Hispasat 1C ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 26.071 und als COSPAR-Objekt 2000-007A.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Hispasat, Thales Alenia Space)


» China: ChinaSat 9A gelangt auf ungeplante Bahn
19.06.2017 - Der chinesische Kommunikationssatellit ChinaSat 9A alias SinoSat 4 wurde am 18. Juni 2017 auf nicht geplanter Bahn im All ausgesetzt. Der Start des Satelliten war vom Xichang Satellite Launch Center (XSLC) in der Provinz Sichuan aus erfolgt.
Befördert wurde der Kommunikationssatellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 (LM-3B/G2) bzw. Chang Zheng-3B/G2 (CZ-3B/G2). Die Variante 3B/G2 absolvierte hier ihre 22. Mission.

Der Start erfolgte am 18. Juni 2017 um 12:10 Uhr und 28 Sekunden Pekinger Zeit, das ist 18:10 Uhr und 28 Sekunden MESZ, von der Rampe Nr. 2 des Satellitenstartzentrums Xichang. Letzteres befindet sich in rund 65 Kilometern Abstand von der Stadt Xichang. Raketen der Varianten 3B wurden in der Vergangenheit zum Transport von Navigationssatelliten und geostationären Kommunikationssatelliten verwendet. Dem entsprechend sollte ChinaSat 9A auf einen Geotransferorbit (GTO) gebracht werden, wo er nicht ganz eine halbe Stunde nach dem Abheben auszusetzen war.

Wegen eines von der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) bestätigten Problems mit der dritten Stufe der Trägerrakete wurde ChinaSat 9A jedoch auf eine nicht geplante Bahn gebracht. Weiter wurde chinesischerseits mitgeteilt, dass Antennen und Solarzellenausleger des Satelliten entfaltet bzw. ausgeklappt seien, und man effektive Maßnahmen vornehme. Welche Maßnahmen das sind, wurde nicht mitgeteilt.

Von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung ermittelte Daten sprechen für eine Übergangsbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächsten Bahnpunkt, von rund 193 Kilometern über der Erde, einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 16.357 Kilometern und einer Neigung der Bahn gegen den Erdäquator von etwa 25,68 Grad. Die Oberstufe der Rakete wurde nach dem Start in einem Orbit mit einem Perigäum von rund 192 Kilometern, einem Apogäum von rund 16.354 Kilometern und einer Bahnneigung von ebenfalls etwa 25,68 Grad beobachtet.

Ob es dem Satelliten möglich sein wird, aus eigener Kraft die nach Angaben der China Satellite Communications Co., Ltd. (China Satcom) vorgesehene Position bei 101,4 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) zu erreichen, ist nach derzeitigem Informationsstand unklar. (Andere Quellen nennen 92,2 Grad Ost als Einsatzort). Der dreiachsstabilisierte Satellit ist mit einer Reihe chemischer Triebwerke ausgestattet. Dazu gehören ein sogenannter Apogäumsmotor für Bahnanhebungen und zum Abbau der nach dem Aussetzen verbliebenen Bahnneigung gegen den Erdäquator sowie eine Anzahl kleinerer Triebwerke für Bahnerhalt und Lageregelung.

Sofern sich an Bord des Satelliten überhaupt ausreichend Treibstoff zur Erreichung einer Position im GEO befindet, und sich der Satellit dorthin steuern lässt, dürfte sich die ursprünglich geplante Einsatzdauer des Satelliten nicht realisieren lassen. Die Auslegungsbetriebsdauer des von der CASC basierend auf dem chinesischen Satellitenbus DFH-4 aufgebauten Raumfahrzeugs liegt bei mindestens 15 Jahren.

Gedacht ist der neue Satellit insbesondere zur Direktausstrahlung digitaler Radio- und Fernsehprogramme. Zwischen 150 und 200 verschiedene Fernsehprogramme soll der Satellit Empfängern in China, Hongkong. Makau und Taiwan zur Verfügung stellen. Ob sich das umsetzten lässt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gewiss.

Zur Erfüllung seiner Aufgaben wurde ChinaSat 9A mit 18 Ku-Band-Transpondern mit einer Bandbreite von 36 Megahertz und vier Ku-Band-Transpondern mit einer Bandbreite von 54 Megahertz ausgestattet. Der Masseanteil der Kommunikationsnutzlast an der Gesamtstartmasse des Satelliten von rund 5.100 Kilogramm beträgt 588 Kilogramm. Die Kommunikationsnutzlast und die übrigen Satellitensysteme werden von zwei Solarzellenauslegern mit elektrischer Energie versorgt. Die Ausleger sollen bei Betriebsende des Satelliten noch eine elektrische Leistung von 10,8 Kilowatt bereitstellen können.

ChinaSat 9A (Zhongxing 9A, ZX-9A, 中星9A) alias SinoSat 4 (Xinnuo 4) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.763 und als COSPAR-Objekt 2017-035A. Ein weiteres Objekt, die Oberstufe der Trägerrakete, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.764 und als COSPAR-Objekt 2017-035B.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: CASC, China Satcom, Xinhua)


» Jahrestreffen Raumcon-Forum und Raumfahrer Net 2017
29.05.2017 - Mitglieder und Freunde des Raumcon-Forums und des Vereins Raumfahrer Net trafen sich vom 22. bis 27. Mai 2017 zum jährlichen Erfahrungsaustausch in Potsdam und zu Exkursionen in und um Berlin.
Dieses Jahr fand das Treffen von Mitgliedern und Freunden des Raumcon-Forums und des Vereins Raumfahrer Net in Potsdam/Babelsberg statt. Die Exkursionen führten nach Berlin und ins Umland. Neben den Besichtigungen und Vorträgen dient das jährliche Treffen auch dem Kennenlernen der anderen Raumfahrt- und Astronomiebegeisterten und dem Austausch mit alten Freunden. Das diesjährige Treffen wurde organisiert durch Steven Münker und Andreas Weise.

Anreise und Kennenlernen, Montag 22. Mai 2017

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich und den Niederlanden trafen über den Tag verteilt in der Jugendherberge Potsdam-Babelsberg ein, die Zimmer wurden verteilt und der Tagungsraum mit Fotos aus Raumfahrt und Astronomie geschmückt und für Vorträge vorbereitet.

Der erste „offizielle“ Programmpunkt war das gemeinsame Abendessen. Daraufhin wurde von den Organisatoren das Programm der Woche vorgestellt und erläutert. In diesem Rahmen wurde auch die Raumcon-Tasse des Jahres 2017 vorgestellt. Diese ist der ersten Wiederverwendung einer geflogenen Erststufe von SpaceX gewidmet. In Kürze kann die Tasse auch über den Webshop bestellt werden.

Neben dem gemütlichen Abend unter Sternen auf der Terrasse wurden im Tagungsraum zwei Filme mit Raumfahrtbezug gezeigt.

Wissenschaftsgeschichte und PTScientists, Dienstag 23. Mai 2017
Nach einem reichhaltigen Frühstück machten sich rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Weg zur Archenholdsternwarte im Berliner Stadtteil Treptow. Unterwegs wurde das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park besichtigt.

Das eigentliche Ziel des ersten Ausflugs war allerdings die Archenholdsternwarte in Treptow.
Dort führte Herr Dr. Lühning, Direktor der Sternwarte, zunächst auf das Dach, um bei strahlendem Sonnenschein den „Großen Refraktor“, das größte bewegliche Linsenfernrohr der Welt, zu zeigen und seine Mechanik vorzuführen. Der Refraktor wurde ursprünglich von Friedrich Wilhelm Archenhold (02.10.1861 – 14.10.1939) für eine Gewerbeausstellung konzipiert und gebaut. Eigentlich sollte das Fernrohr nach der Ausstellung abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Allerdings wurde die Linse mit 68 cm Durchmesser nicht rechtzeitig fertig, so dass nur ein kleineres Teleskop während der Ausstellung genutzt werden konnte. Dieser Umstand und das schlechte Wetter führten dazu, dass die notwendigen Einnahmen nicht erzielt wurden. Nur der grobe Antrieb wurde realisiert, der Einbau der Feinjustage und der Abbau unterblieben wegen Geldmangel. Aber auch der grobmotorische Antrieb funktioniert, dank wiederholter Restaurationen, heute noch und mit etwas Geschick sind weiterhin Himmelsbeobachtungen mit dem Gerät möglich.

Für eine praktische Demonstration wechselte dann die Gruppe zum Cassegrain-Spiegelteleskop, das in einem separaten 5 Meter durchmessenden Gebäude untergebracht ist. Trotz des strahlenden Sonnenscheins mit wenigen Wolken, konnten nach einer kurzen Einführung alle die Venus mit ihrer Halbphase durch das Okular beobachten.

Als Abschluss der Besichtigung der Archenhold-Sternwarte wurde durch ein Forumsmitglied ein Vortrag über Einsteins Relativitätstheorie im selben Raum gehalten, in dem Albert Einstein 1915 erstmals öffentlich über seine Allgemeine Relativitätstheorie referiert hatte.

PTScientists GmbH, die aus den ursprünglich in ihrer Freizeit tätigen Googl-Lunar-X-Prize-Teilnehmern „Part Time Scientists“ hervorgegangen ist.

Michael Mußler führte durch die erst vor wenigen Wochen bezogenen Räume (passenderweise gleich neben der Allee der Kosmonauten!). In einem spannenden Vortrag stellte er Mission, Vision und Team vor, das mit einem selbst entwickelten Mondlander (ALINA) zwei fernsteuerbare Rover auf der Mondoberfläche absetzen will. Er erläuterte auch dass PTScientists nach dem Gewinn von zwei Milestone-Preisen (Mobilität und Kamerasystem) aktuell nicht mehr den Gewinn des Hauptpreises für die erste private Landung auf dem Mond anstreben. Geschäftsziel sei es dagegen Nutzlast, z.B. für wissenschaftliche Einrichtungen, auf dem Mond abzusetzen und die komplette Missionsdurchführung als Dienstleistung anzubieten.

Auf dem anspruchsvollen Weg dorthin werden sie schon seit einiger Zeit durch die Fa. Audi unterstützt. So wurde nicht nur das Design der Rover „verschönert“ sondern mit Hilfe der Audi Ingenieure und deren Entwicklungslabors auch das Gewicht von ursprünglich 40 kg auf 25 kg fast halbiert. Viele Teile werden bei Audi im Laser-Sinterverfahren als additives 3D-Druckverfahren aus Aluminiumlegierungen gefertigt. Die erst vor kurzem eingetroffenen neuen Räder, die den Rovern noch mehr Traktion im Gelände verschaffen sollen, konnten von allen Seiten begutachtet werden. Hierzu wurden Vorteile, wie weitgehend freie Gestaltung des Bauteils und Nachteile, z.B. die nötige aufwändige Nacharbeit, fachkundig diskutiert.

Noch mit den alten Rädern wurde ein Rover im Mond-Testbed vorgeführt. Durch seine vier unabhängig angetriebenen und separat steuerbaren Räder kann der Rover bei Bedarf in alle Richtungen fahren; anders als sechsrädrige auch seitwärts! Bei ca. 10° Steigung war allerdings Schluss bzw. wühlte sich der Rover in das Kunst-Regolith, das aus Lava-Asche bzw. Lava-Gestein besteht.

Als weiteren Partner konnte PTScientists vor kurzem die Fa. Vodafone gewinnen. Mit deren Hilfe soll auf dem Mond ein Mini-Mobilfunknetz (LTE der fünften Generation) zwischen Lander und den beiden Rovern aufgebaut werden. Neben der reinen Funktionalität hat dies auch Vorteile für das Energiemanagement. Sollten nämlich die Rover nach einigen Kilometern aus dem Empfangsbereich des Landers, der zunächst die Fernkommunikation zur Erde übernehmen soll, herausfahren, müssen sie mit einer separaten Antenne direkt mit der Bodenstation Kontakt halten. Dafür wird dann allerdings die Hälfte des gesamten über Solarzellen bereitgestellten Leistung benötigt. Mit der LTE-Technik liegt der Leistungsbedarf bei nur einem Watt.

Während vom Audi Lunar Quattro Rover bereits funktionsfähige Prototypen getestet werden, zeigt das Mock-Up des Landers ALINA (Autonomous Landing and Navigation Module) zwar bezüglich der vier Landefüße ausgeklügelte Konstruktionsdetails, aber für die „inneren Werte“ (Triebwerke, Treibstoffversorgung, Batterien, Thermalmanagement, Bordcomputer etc.), die Landeprozedur und die notwendige autonome Navigation scheint noch erhebliche Entwicklungsarbeit notwendig. Angesichts eines anvisierten Starts in 2018 müssten die Prozeduren und Programme eigentlich schon weitgehend fertiggestellt sein und getestet werden.

Am Abend trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Abendessen in der Jugendherberge. Der Tag wurde mit einem Vortrag von Joachim Boensch zur Mars-Architektur von SpaceX abgerundet.

Planetenforschung und ein Mikroskop für Raum und Zeit, Mittwoch 24. Mai 2017
Nach dem obligatorischen Frühstück ging es zum Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof. Der Planetologe Ulrich Köhler gab eine informative Einführung in die Arbeit des DLR-Standorts und des Instituts für Planetenforschung. Dabei nahm insbesondere der Mars breiten Raum ein. In einem weiteren Vortrag ging es um das spannende Thema „Suche nach extrasolaren Planeten“. Anschließend konnten die Anwesenden in die dreidimensionale Welt der Marsoberfläche eintauchen, die aus Aufnahmen der HRSC-Kamera (High Resolution Stereo Camera) von Mars Express errechnet wurden.

Der Nachmittag war dem Speicherring BESSY II, der Photonenquelle des Helmholtz Zentrums in Berlin-Adlershof gewidmet. Frau Kolatzki führte die Gäste zunächst in Funktion und Aufgaben des Elektronenspeicherrings BESSY II ein. Danach gab es eine ausführliche Führung durch das Donut-förmige Gebäude, das den Speicherring und die zahlreichen Messplätze beherbergt.

Nach dem Abendessen in der Jugendherberge führte Peter Schramm in einem Vortrag zu „Meilensteinen der Astronomie“ von den ersten bekannten Himmelsbeobachtungen bis zum Ende des 19ten Jahrhunderts in die spannende Welt der Astronomiegeschichte ein.


Astronomie und Raumfahrt sind auf Funktechnik angewiesen, Donnerstag 25. Mai 2017
Wieder war das gemeinsame Frühstück der Start in einen ereignisreichen Tag. Nach einer längeren Fahrt mit der Berliner S-Bahn kamen die Astronomie- und Raumfahrtfans nach Königs Wusterhausen und machten sich an den „Aufstieg“ auf den Funkerberg (lt. Wikipedia eine „bis zu 67,5 Meter hohe, […] Erhebung“). Dort wurden sie von Herrn Suckow vom Förderverein „SenderKW e.V.“ und seinen Mitstreitern empfangen. Zunächst gab es im historischen Kultursaal eine Einführung in das Thema Satelliten-Amateurfunk und dann eine praktische Demonstration unter freiem Himmel. Mit einer einfachen sog. LogPer-Antenne (logarithmisch periodischen Antenne) auf einem Fotostativ, einem Funkgerät (Transceiver), zwei Laptops und ein bisschen frei verfügbarer Software gelang es sowohl die Antenne auf den Experimentalsatelliten EO-88 auszurichten, als auch dessen Telemetrie-Daten auszulesen.

Die Pause bis zum Überflug des nächsten Amateur-Satelliten nutzte die Gruppe, um sich von den Funkerberg-Enthusiasten den historischen Notstromdiesel der Fa. Deutz, Baujahr 1937 mit 1000 PS vorführen zu lassen.

Danach folgte eine Demonstration mit einem weiteren Experimentalsatelliten als Funkrelay. In der kurzen Überflugzeit gelang es Sprechkontakt mit holländischen und französischen Amateurfunkern aufzunehmen.

Eine hochinformative Führung durch ausgewählte Stationen des Sender- und Funktechnikmuseums rundete die Besichtigung ab. Leider war nicht Zeit genug, um alle Exponate und Informationen ausreichend zu würdigen. Trotzdem bekamen die Raumconler einen Eindruck von den ersten erfolgreichen Schritten zum Aufbau und Entwicklung des Rundfunks in Deutschland.

Nach dem obligatorischen Abendessen folgte ein Vortrag von Dr. Karlheinz Steinmüller (Freie Universität Berlin, Zukunftsforscher, Sci-Fi-Autor, Wissenschaftlicher Direktor der Z_punkt GmbH) zum Thema „Zukunftsforschung“. Das Thema führte zu angeregten Diskussionen bis spät in die Nacht.

Modernstes Planetarium und ganz nah am Nachrichten-Puls der Hauptstadt, Freitag 26. Mai 2017
Nach dem Frühstück machte sich die Gruppe auf den Weg zum Zeiss-Großplanetarium Berlin-Prenzlauer Berg. Dort wurden sie von Tim Florian Horn, Leiter Zeiss-Großplanetarium Berlin Prenzlauer-Berg und kommissarischer Vorstand der Stiftung Planetarium Berlin, empfangen. Er führte uns über kubanischen grauen Marmor durch die gerade neu sanierten Räume des ursprünglich 1987 noch zu DDR-Zeiten eröffneten Gebäudes. Neben einem auf moderne 3D-Technik aufgerüstetem Kino wird vor allem das modernste Planetarium Europas beherbergt. Herr Horn gab einen tiefen Einblick in die hochmoderne Projektionstechnik und löste mit immer neuen Highlights große Begeisterung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Gerne wären diese noch stundenlang in den bequemen Liegesitzen geblieben und hätten noch mehr Wissenschaftstheater mit Lasershow, Nebelmaschine und Steinway-Flügel genossen. Aber ein enger Zeitplan zwang schnell wieder zum Aufbruch.

Auf dem Weg zur nächsten Station ließen es sich einige Raumfahrt-Fans nicht nehmen in der Bar Gagarin einzukehren, die auch den regelmäßigen Berliner Raumfahrer-Stammtisch beherbergt.

In Berlin Mitte gab es dann einen tiefen Einblick in die Arbeit im ARD-Hauptstadtstudio. Dort führte der Technische Leiter Herr Schäffer durch die Radio- und Fernsehstudios. Hier gewann die Gruppe einen Eindruck von den Aufgaben der unterschiedlichsten Berufsgruppen bei Radio und Fernsehen.

Den Tagesabschluss und auch das programmatische Ende des Raumcon-Treffens bildete das Grillen am Abend in der Jugendherberge. Neben den wie immer sehr angeregten Fachgesprächen bildete ein sehr gut sichtbarer ISS-Transit ab 23:22 Uhr mit ca. 3,8 mag und rund 70° Höhe den letzten Schluss- und Höhepunkt.

Abschied, Samstag 27. Mai 2017
Auch die spannendste Veranstaltung ist irgendwann zu Ende. Nach einem letzten Frühstück wurde der Tagungsraum aufgeräumt, man dankte den beiden Hauptorganisatoren, verabschiedete sich und nach und nach machten sich alle auf den Heimweg.

Den zahlreichen oben erwähnten Kontaktpersonen und weiteren unerwähnten Ansprechpartnern sei an dieser Stelle noch einmal im Namen der Organisatoren, der Teilnehmer und des Vereins Raumfahrer Net für ihr Entgegenkommen und Unterstützung ganz herzlich gedankt!

Eine offizielle Ankündigung für das nächste Treffen steht noch aus. Aber es laufen bereits Sondierungen und Abstimmungen im Hintergrund, so dass die begründete Hoffnung besteht, dass es auch 2018 ein Raumcon-Treffen geben könnte.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


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(Autor: Stefan Goth - Quelle: Raumfahrer.net, PTScientists, DLR, Helmholtz Zentrum Berlin, Stiftung Planetarium Berlin)



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19. Juni 2017
Auflage: 7419 Exemplare


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