InSpace Magazin #573 vom 4. September 2017

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #573
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

heute haben wir wieder einen schönen Mix von Nachrichten über alte und neue Raketen, Satelliten und die Sonnenfinsternis in den USA für Sie. Viel Spaß beim Lesen!

Axel Orth

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

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News

• Himmel-Aktuell: „Florence“ fliegt vorbei «mehr» «online»
• Berlin: (Vorab-)Einblick in „Gagarins Vermächtnis“ «mehr» «online»
• Himmel-Aktuell: Sonnenfinsternis über Nordamerika «mehr» «online»
• Anomalie auf EchoStar III «mehr» «online»
• Rückblende: Das gelüftete Geheimnis der Wostok-Rakete «mehr» «online»
• NASA-Relaissatellit TDRS M im All «mehr» «online»
• CAS500-1 und -2 aus Südkorea fliegen Sojus «mehr» «online»
• Rocketscience aus Dänemark 2017! «mehr» «online»
• Arianespace, SES und SpaceX haben umsortiert «mehr» «online»


» Himmel-Aktuell: „Florence“ fliegt vorbei
01.09.2017 - Am heutigen Tag hat uns der Asteroid „Florence“ in sicherer Entfernung passiert. Das besondere am Asteroiden “Florence“ ist seine Größe. Seit 100 Jahren ist kein Brocken von dieser Größe mehr an der Erde in diesem Abstand vorbei geflogen.
Bekannt ist der Asteroid schon länger. Er wurde im März 1981 von Schelte "Bobby" Bus am Siding Spring Observatory in Australien entdeckt. Benannt ist der Asteroid nach der britischen Krankenschwester Florence Nightingale (1820-1910), die als eine der Vorreiterinnen der modernen Krankenpflege gilt.


Das Asteroide an der Erde vorbei fliegen ist gar nicht so selten. Jedoch sind sie meistens deutlich kleiner als „Florence“. Mit einer Länge von etwa 4,4 km wäre er sicher ein „Killer“ für das Leben auf der Erde, würde er einschlagen. Er passierte die Erde heute in einer Entfernung von etwa 18,4 Mondradien, oder 0,047 Astronomische Einheiten und stellte so nie eine Gefahr für die Erde da.

Bei gutem Wetter kann „Florence“ noch kurze Zeit mit Amateurteleskopen im Sternbild Wassermann als kleines Objekt mit einer Helligkeit von ca. 9 mag beobachtet werden. Als Magnitude (Abkürzung: mag oder m) wird die scheinbare Helligkeit eines Himmelskörpers angegeben.

Auch die Profis interessieren sich für den großen Gast. Forscher der NASA versuchen mit starken Radargeräten mehr Details über den Asteroiden herauszufinden. Von Arecibo auf Puerto Rico und mit der 70-Meter-Antenne im kalifornischen Goldstone soll der Asteroid beobachtet werden. Zum Zeitpunkt seiner größten Annäherung sollen auch Oberflächendetails auf den Radarbildern erkennbar sein.

Asteroide entstanden vor etwa 4,6 Milliarden Jahren bei der Entstehung des Sonnensystems. Ihr Zusammensetzung ist für die Forschung sehr interessant und Gegenstand zahlreicher Forschungsmissionen. Die Forscher erhoffen sich mit der Erforschung der Asteroide die Entstehung des Sonnensystems besser zur verstehen.

Die NASA hat inzwischen ein eigenes Büro für die Koordinierung der Beobachtung solcher Objekte eingerichtet, genannt Planetary Defense Coordination Office (PDCO). Bislang wurden weit mehr als 14.000 erdnahe Objekte entdeckt und jedes Jahr kommen etwa 1500 dazu. Das Büro warnt und berät neben der US Regierung auch andere Länder und Organisationen, falls eine Gefahr bestehen sollte.

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Erdnahe Asteroiden (NEOs)
(Autor: Thomas Geuking - Quelle: NASA / Thomas Geuking)


» Berlin: (Vorab-)Einblick in „Gagarins Vermächtnis“
02.09.2017 - Am 4. September 2017 findet im Foyer der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin die Eröffnung der Ausstellung „Gagarins Vermächtnis“ statt. Raumfahrer.net hatte die Möglichkeit, schon vor der Eröffnung einen Blick in die Ausstellung zu werfen.
«...ich sah, wie wunderschön unser Planet ist. Menschen, lasst uns diese Schönheit erhalten und mehren und nicht zerstören.»

Dieser Ausspruch von Juri Gagarin steht gleichzeitig symbolhaft für sein Vermächtnis. Noch sind nicht alle Bildunterschriften an den Exponaten angebracht. Noch sind nicht alle Schauvitrinen gefüllt. Aber man konnte schon einen Eindruck bekommen, was sich die Ausstellungsmacher gedacht haben.

Ausrichterin der Ausstellung ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die auch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Man kann nicht mit hochwertigen oder überladenen Technikdetailfotos, wie sie etwa ein interessierter Raumfahrtfreak erwarten würde, rechnen. Auch handelt es sich nicht um eine reine Gagarin-Ausstellung, und schon gar nicht um eine irgendwie geartete Gagarin-Heldenverehrung.

Durch zahlreiche verschiedene Fotos aus unterschiedlichen Epochen versucht die Ausstellung vielmehr zum Nachdenken anzuregen. Was bedeutet uns überhaupt Raumfahrt? Dabei geht es nicht um die Faszination des technisch Machbaren. Eine Bildunterschrift bringt es auf den Punkt: „Während auf der Erde Konflikte, Terror und Hunger den Alltag bestimmen, herrschen nur 400 Kilometer über unseren Köpfen Eintracht und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ (Gemeint ist die ISS.)

Die Ausstellung wurde unter maßgeblicher Mitwirkung von Gerhard Kowalski gestaltet, der u.a. für die Bildunterschriften zeichnet und selbst Fotos beigesteuert hat.

Neben bekannten und weniger bekannten Pressefotos werden auch Bilder von Schülern zum Thema Kosmos gezeigt. An der Decke schwebt ein 1:1-Modell von Sputnik 1, eine Leihgabe aus dem Russischen Haus in der Friedrichstraße. Der Start von Sputnik 1 jährt sich dieses Jahr zum sechzigsten Mal.

Die Ausstellung wird am Montag, den 4. September 2017 um 18:00 Uhr eröffnet. Anschließend bittet man zu einer Podiumsdiskussion. Gastgeberin Dagmar Enkelmann (Vorsitzende des Vorstandes der Rosa-Luxemburg-Stiftung) hat hochrangige Gäste geladen. Neben Sigmund Jähn, ISS-Kosmonaut Oleg Wiktorowitsch Nowizki und Gerhard Kowalski ist auch Eberhard Köllner angekündigt, seinerzeit mit Wiktor Gorbatko in der Ersatzmannschaft für die Raumfahrer Bykowski und Jähn.

Man darf sich auf einen interessanten Abend freuen.

Zu finden ist die Ausstellung am Franz-Mehring-Platz 1 in 10243 Berlin. Vom Fern- und S-Bahnhof „Berlin-Ostbahnhof“ und der U-Bahnstation „Weberwiese“ ist die Ausstellung gut zu Fuß zu erreichen. Die Ausstellung endet voraussichtlich am 25. September 2017.


(Autor: Andreas Weise - Quelle: Ausstellungsbesuch)


» Himmel-Aktuell: Sonnenfinsternis über Nordamerika
16.08.2017 - In den USA fiebert man ihr schon lange entgegen, der „Great American Eclipse 2017“. Der totalen Sonnenfinsternis über Teilen des nordamerikanischen Kontinents am 21. August 2017. Es ist die erste totale Sonnenfinsternis in den USA seit 1979. Entsprechend groß ist das Medieninteresse. Amerika wäre nicht Amerika wenn man daraus kein Event machen würde.
Die Vorbereitungen laufen schon lange auf vollen Touren. Im ganzen Land werden "Eclipse-Festivals" geplant, die Hotels sind lange ausgebucht und man erwartet ein Verkehrschaos weil alle dabei sein wollen. Aber was genau passiert denn nun?

Bei unseren Vorfahren galt sie noch als Werk dunkler Mächte und versetzte die Menschen in Angst und Schrecken. Heute ist sie ein bekanntes astronomisches Phänomen. Wir sprechen von einer Sonnenfinsternis. Dabei stehen Sonne, Mond und Erde in einer Linie und der Mond wirft einen (Kern-)Schatten auf die Erde, da er sich zwischen Sonne und Erde schiebt. Die Sonne ist zwar etwa 400 mal größer als der Mond, aber eben auch sehr viel weiter entfernt, weshalb beide am Himmel etwa gleich groß erscheinen. Von der Sonne bleibt oft nur ein schmaler Ring sichtbar und es wird am hellichten Tag plötzlich fast völlig dunkel im Bereich des Kernschattens des Mondes. Man spricht dann von einer totalen Sonnenfinsternis, im Gegensatz zu einer partiellen Sonnenfinsternis wenn der Mond nur Teile der Sonne verdeckt. Die Grafik erläutert das Phänomen.

Bei der Sonnenfinsternis am 21. August 2017 wandert der Kernschatten des Mondes über die USA. Sie beginnt an der Westküste der USA im Bundesstaat Oregon und der Schatten des Mondes wandert in 90 Minuten bis zur Ostküste, um in South Carolina über dem Meer zu verschwinden. Der Durchmesser des Kernschattens wird etwa bei 100 km liegen und je nach Standort für ca. 1 ½ bis 2 ½ Minuten für die größtmögliche Finsternis sorgen. Nördlich und südlich des Kernschattens wird die Sonne nur teilweise verdeckt, aber in der gesamten USA wird man eine Abnahme des Tageslichts beobachten können. In Deutschland werden wir leider von dem Ereignis am Himmel nichts bemerken. Allerdings erwartet man, dass dieses Ereignis in den sozialen Medien ein gewaltiges Echo erzeugen wird. Wir werden also auf jeden Fall viele Bilder sehen, teilen und liken können.
Wie beobachtet man eine Sonnenfinsternis? Natürlich mit einer geeigneten Schutzbrille und entsprechenden Filtern für ein Teleskop. Niemals direkt in die Sonne schauen, schon gar nicht mit einem Fernglas, oder Telekop. Es drohen schwere Augenschäden bis zur Erblindung!!!

Wer jetzt nicht kurzfristiig in einen Flieger steigen kann um in die USA zu fliegen, sollte am 12. August 2026 in Spanien oder Portugal Urlaub machen. Neben (hoffentlich) viel Sonne gibt es dann als Extra des Tages eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten.



Update: Ein Foto der NASA von der Sonnenfinsternis
am 21.08.17 über dem nordamerikanischen Kontinent!


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(Autor:
Thomas Geuking - Quelle: Thomas Geuking)


» Anomalie auf EchoStar III
18.08.2017 - Während des Umzugs zu einer anderen Position im Geostationären Orbit kam es an Bord von EchoStar III zu einer Anomalie. Danach war kein dauerhafter Kontakt zum Satelliten mehr möglich.
Nach Angaben des Kommunikationssatellitenbetreibers EchoStar mit Sitz in Englewood im US-amerikanischen Bundesstaat Colorado bemühe man sich zusammen mit dem Hersteller des Satelliten (Lockheed Martin) eine stabile, zuverlässige Verbindung zu EchoStar III zu bekommen. Sie ist Voraussetzung für eine nunmehr angestrebte regelgerechte Stilllegung des Satelliten, im Rahmen derer der Satellit in einen Friedhofsorbit zu steuern und dort zu passivieren ist.

Den aktuellen Orbit von EchoStar III, der seit dem 5. Oktober 1997 um die Erde kreist, betrachtet EchoStar nicht als Gefahr für andere Raumfahrzeuge im Geostationären Orbit. Rund 20 Jahre konnte EchoStar III laut EchoStar sinnvoll genutzt werden. Die Auslegungsbetriebsdauer des Satelliten betrug 12 Jahre, während der er bei 61,8 Grad West im Geostationären Orbit eingesetzt worden war. Seit mehr als drei Jahren war der Satellit auf einem treibstoffsparenden inklinierten Orbit unterwegs, d.h. er bewegte sich wegen ausbleibenden Bahnkorrekturen in Nord-Süd-Richtung nicht mehr exakt über dem Erdäquator.

Am 2. August 2017 hatte EchoStar mitgeteilt, dass die Probleme mit EchoStar III in der Woche davor beim Driften in Richtung der neuen Betriebsposition (von 86,85 Grad West) aufgetreten waren. Anschließend sei die Kommunikation mit dem Satelliten nur mit Unterbrechungen und schwankender Qualität möglich gewesen - der Autor hält es für möglich, dass der Satellit seine Lage im Raum nicht mehr stabil halten kann oder konnte. Beobachtungen des regulär dreiachsstabilisierten Satelliten mit optischen Teleskopen scheinen das zu bestätigen.

Der Branchendienst Spacenews meldet am 2. August 2017, dass EchoStar III vom kommerziellen Weltraumüberwachungszentrum ComSpOC in Exton im US-Bundesstaat Pennsylvania verfolgt wurde. Nach Daten des ComSpOC beginnend im Bereich bei 87,2 Grad West im Geostationären Orbit bewegte sich der Satellit mit einer Geschwindigkeit von rund 0,1 Grad pro Tag westwärts. Aktuell wird der Satellit im Bereich um 90 Grad West zu finden sein. Passagen anderer im Geostationären Orbit positionierter Satelliten sind bereits erfolgt.

Die Startmasse von EchoStar III betrug 3.674 Kilogramm, die Leermasse des auf dem Satellitenbus A2100AX basierenden, mit 44 Wanderfeldröhrenverstärkern für das Ku-Band ausgestatteten Raumfahrzeugs 1.700 Kilogramm. 32 dieser Verstärker sollten ursprünglich die gleichzeitige Nutzung von 32 Transpondern erlauben.

Ausgefallene Verstärkerröhren hatten die nutzbare Kapazität des Satelliten im Verlauf der Jahre deutlich reduziert. In Betriebsperioden mit starker Sonneneinstrahlung gab es zusätzliche Beschränkungen, da dann sich mehr als erwartet erhitzende Komponenten im Stromversorgungssystem zu schonen waren.

EchoStar III ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25.004 und als COSPAR-Objekt 1997-059A.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: EchoStar, Spacenews)


» Rückblende: Das gelüftete Geheimnis der Wostok-Rakete
21.08.2017 - Im RAUMCON-Forum wird auch über ältere Raumfahrttechnik diskutiert. So zum Beispiel die Wostok-Trägerrakete. Wie sah diese aus? Wie funktionierte sie? Sind die Fotos echt? Und wenn ja, von welchem Flug stammen die? Ein scheinbares Chaos herrscht hier an historischen Informationen. Warum?
Diese Rückblende zeigt wie das Geheimnis der Wostok-Rakete vor 50 Jahren im Westen gelüftet wurde.
In unserer heutigen Informationsgesellschaft, wo jede mutmaßliche Info nur einen Klick entfernt ist, kann man die Geheimniskrämerei in der Hochzeit des Kalten Krieges nicht mehr rational nachvollziehen. Das betrifft speziell die sowjetische Raumfahrt. Da hier alles irgendwie mit dem sowjetischen Militär verwoben war, lag über allem der Schatten der Geheimhaltung. Anders bei den US-amerikanischen Raumfahrtprogrammen. Hier wurde man gerade zu mit Informationen zugeschüttet. Es war eben ein ganz anderer Ansatz in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Und während man die amerikanischen Trägerraketen in der Fachliteratur schon recht genau dargestellt sah, wusste man über die sowjetischen Raketen fast gar nichts. Es oblag den Raumfahrtjournalisten, sich aus den wenigen Informationsschnipseln ein Bild zusammen zu reimen.



1964 erschien das „Typenbuch der Raumflugkörper“ von Herbert Pfaffe und Peter Stache noch mit einer fiktiven Darstellung der Wostok-Rakete. Im Begleittext war zu lesen: „… ist die mögliche Größe der Trägerrakete des Wostok-Raumschiffes dargestellt, wie sie sich aus einer Nutzmassenrechnung ergibt. Die Form ist willkürlich gewählt.“ Auf der Zeichnung ist das Dilemma zu erkennen. Während zu den amerikanischen Atlas- und Redstone-Raketen Informationen über das Äußere vorlagen, tappte man bei der sowjetischen Technik im Dunkeln. Das genaue Aussehen des Wostok-Raumschiffes wurde beispielsweise erst 1965 gelüftet. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Grafik aus jenem Buch von 1964 ist hier zum Vergleich kombiniert mit Darstellungen der wirklichen Größe verschiedener R-7-Trägerraketen: Sputnik, Luna und Wostok.

Im Sommer 1967 war man dann aber von sowjetischer Seite der Meinung, dass eine Präsentation der gagarinschen Wostok-Trägerrakete sinnvoll wäre. Wie gesagt: 1967! Da war auf US-Seite das Gemini-Projekt gerade vorbei und das Apollo-/Saturn-Programm war in der Öffentlichkeit detailliert zu bestaunen. Im sowjetischen Raumfahrtprogramm lief es zu dieser Zeit nicht gerade rund. Das geheime Mondflugprogramm, die Proton-Rakete, die N1 und die neue Sojus waren die aktuellen Sorgenkinder. Die Sowjetunion brauchte also wieder einen Knüller für die Öffentlichkeit, wenngleich der auch schon 7 Jahre alt war (!).

Dieser „Knüller“ stahl dann auch den Amerikanern und West-Europäern die Show auf dem Pariser Aerosalon Le Bourget 1967. Hier wurde erstmals ein 1:1 Modell der Wostok-Trägerrakete der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Die Rakete war in schneeweiß gehalten. Eine Farbgebung die nicht dem Flugmuster entsprach. Aber das war zu diesem Zeitpunkt nebensächlich.

Die Fachpresse stürzte sich darauf. Und so erschien im August-Heft der Aero-Sport 1967 folgender Artikel von Herbert Pfaffe.

Im Titelbild der Oktober-Ausgabe 1967 der Aero-Sport wurde dann die Stufentrennung der 1. Stufe (Außenblöcke) künstlerisch dargestellt.

Die AeroSport wurde übrigens 1970 zur FliegerRevue und ist heute Deutschlands dienstälteste Fachzeitschrift für Luft- und Raumfahrt. Wir danken an dieser Stelle für die freundliche Genehmigung, diesen Artikel hier nach 50 Jahren noch einmal präsentieren zu dürfen.

Pfaffes Artikel und speziell das Vokabular sind natürlich unter den damaligen historischen Gesichtspunkten zu betrachten. Es war die Zeit der ideologischen Auseinandersetzung der beiden sich gegenüber stehenden Weltsysteme. Der Kalte Krieg war gegenwärtig. Wenn man aber alles politisch, ideologisch Verklärte einmal bei Seite lässt, so findet man doch interessante Details, die Damals neu waren.

Nach Le Bourget 1967 tauchte eine, vermutlich diese, Wostok-Trägerrakete als Prunkstück auf der Allunionsausstellung WDNCH in Moskau vor dem damaligen Kosmos-Pavilion auf. Der Autor machte 1972 ein Foto davon. Später wurde der Eisenbahn-Transportwagen der Rakete (Original Wostok-Transportwagen) gegen einen anderen Eisenbahn-Transportwagen ausgetauscht. Wann das geschah, ist nicht genau bekannt. (Vielleicht kann ein Leser hier Informationen an den Autor geben.) Dieser „neue“ und jetzt aktuelle Transportwagen ähnelt sehr stark einem umgebauten Sojus-Raketen-Transporter. An der Spitze für die dritte Stufe ist er entsprechend gekürzt.

2011 wurde die Wostok-Trägerrakete auf der WDNCH zum 50sten Gagarin-Flugjubiläum restauriert. Zuvor war sie über die Jahre in einem bemitleidenswerten Zustand gewesen. Eine Anmerkung zur WDNCH: Derzeit finden dort (Stand Juli 2017) umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen statt. So wird zum Beispiel der ehemalige Kosmos-Pavillon entkernt und das Dach und die große Kuppel erneuert.

Aktuelle Bilder von der WDNCH-Rakete befinden sich in der Bilddatenbank von Raumfahrer.net:

Ein weiteres 1:1 Modell der Wostok-Trägerrakete, ebenfalls in weiß gehalten, befindet sich in den Außenanlagen des Raumfahrtmuseums in Kaluga. Dort kann man auch noch einen „echten“ Wostok-Eisenbahn-Transportwagen besichtigen. In Koroljow auf dem Gelände des Sojus-Herstellers Energia, steht auch eine Wostok-Trägerrakete. Die Farbgebung ist hier Dunkelgrau.

Der Grundlagenartikel zur Luna-/Wostok-Rakete bei Raumfahrer.net:


Die technischen Daten zur Luna-/Wostok-Rakete bei Raumfahrer.net:


Die Startliste der Luna-/Wostok-Rakete bei Raumfahrer.net:


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(Autor: Andreas Weise - Quelle: Typenbuch der Raumflugkörper, Aero-Sport, Andreas Weise)


» NASA-Relaissatellit TDRS M im All
26.08.2017 - Die Konstellation aus US-amerikanischen Telekommunikations- und Datenrelaissatelliten der Raumfahrtagentur NASA hat Verstärkung bekommen. Seit dem 18. August 2017 kreist TDRS M um die Erde.
TDRS-Raumfahrzeuge spielen in vielen internationalen und US-amerikanischen Raumfahrtprogrammen eine maßgebliche Rolle. Sie sind beispielsweise in der Lage, von Raketen im Flug gesendete Telemetriedaten zu geeigneten Bodenstationen weiterzuleiten und Kommunikationsverbindungen zwischen der Internationalen Raumstation (ISS) und der Erde zur Verfügung zu stellen.

Der am 18. August 2017 auf einer Rakete vom Typ Atlas V gestartete TDRS M ist der dritte und letzte einer mit TDRS K begonnenen und mit TDRS L fortgesetzten Baureihe. Das von Boeing in El Segundo im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien für einen Preis von 289 Millionen US-Dollar gebaute Raumfahrzeug wurde beim 72. Flug einer Atlas-V-Rakete in den Weltraum transportiert.

Die Mission der von Lockheed Martin gebauten und der United Launch Alliance (ULA) vermarkteten Rakete begann um 12:29 Uhr UTC (14:29 Uhr MESZ) von der Rampe Nr. 41 der Luftwaffenbasis Cape Canaveral (Cape Canaveral Air Force Station, CCAFS) im US-Bundesstaat Florida. Angesetzt war der Start auf 12:03 Uhr UTC zu Beginn eines vierzig Minuten langen Startfensters, musste aber wegen einer Auffälligkeit beim Herunterkühlen des Triebwerks der Centaur-Oberstufe um einige Minuten verschoben werden.

TDRS M mit einer Startmasse von rund 3.454 Kilogramm wurde von einer Atlas V in 401-Konfiguration, die hier zum 37. Mal zum Einsatz kam, transportiert. Das bedeutet, dass auf der Zentralstufe mit dem Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrennenden RD-180-Triebwerk von RD-AMROSS eine Centaur-Oberstufe mit einem Triebwerk aufgesetzt war, seitlich an der Zentralstufe keine Feststoffbooster angebracht waren und die Nutzlastverkleidung 4 Meter Durchmesser hatte.

Das Haupttriebwerk der Zentralstufe der Atlas V mit der Seriennummer AV-074 zündete rund 2,7 Sekunden vor dem Abheben von der Startanlage. Etwa 19 Sekunden nach dem Abheben begann die Rakete, ihre Flugbahn in die erforderliche Richtung zu neigen. Rund 92 Sekunden nach dem Abheben passierte die Rakete den Bahnpunkt mit der höchsten dynamischen Druckbelastung (Max-Q).

Der BECO für Booster Engine Cutoff genannte Brennschluss der Zentralstufe erfolgte rund vier Minuten und 2 Sekunden nach dem Abheben. Wenige Sekunden später wurde die Zentralstufe abgetrennt. Vier Minuten und 18 Sekunden nach dem Abheben begann die erste Brennphase des RL10C-1-Triebwerks von Pratt & Whitney Rocketdyne am Heck der Centaur-Oberstufe. Acht Sekunden später wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen, die den Satelliten an der Raketenspitze beim Flug durch die dichten Schichten der Atmosphäre geschützt hatte.

Nach der etwas über 13,5 Minuten dauernden ersten Brennphase der Centaur war eine elliptische Parkbahn erreicht. Deren der Erde nächster Bahnpunkt lag bei rund 193 Kilometern über der Erde, ihr erdfernster Bahnpunkt bei rund 25.680 Kilometern über der Erde. Die Neigung dieser Bahn gegen den Erdäquator betrug rund 27 Grad.

Rund 90 Minuten befanden sich Centaur und Nutzlast in einer Freiflugphase, bevor die Centaur wieder ihr Haupttriebwerk startete. Letzteres geschah rund eine Stunde und 48 Minuten nach dem Abheben. Die Brennphase dauerte rund 56 Sekunden und bewirkte die Ausbildung einer 4.644 x 35.790 Kilometer-Bahn, die 26,23 Grad gegen den Äquator geneigt war. Die angestrebten Sollwerte waren 4.640 x 35.788 Kilometer bei 26.2 Grad. Rund eine Stunde und 54 Minuten nach dem Abheben war es dann soweit: TDRS M wurde erfolgreich auf einer Erdumlaufbahn ausgesetzt.

Aus der erreichten Bahn heraus besorgt TDRS M den Flug zu einer Position im Geostationären Orbit (GEO) innerhalb von 18 Tagen nach dem Start aus eigener Kraft. Zu diesem Zweck wurde er mit einem 490 Newton starken Zweistofftriebwerk des Typs R-4D-11-300 von Aerojet Rocketdyne ausgerüstet, das Monomethylhydrazin (MMH) als Treibstoff und Stickstofftetroxid (NTO / N2O4) als Oxidator benutzt.

Nach Abschluss einer umfangreichen Test- und Inbetriebnahmephase, die rund fünf Monate dauern soll, will die NASA TDRS M als TDRS 13 in das aktuelle TDRS-Betriebsnetz integrieren. Mindestens 15 Jahre soll sich das auf Boeings Satellitenbus BSS-601HP basierende Raumfahrzeug dann bestimmungsgemäß verwenden lassen.

Mit Strom werden die Kommunikationsnutzlast und die übrigen elektrischen Systeme von TDRS M von zwei Solarzellenauslegern versorgt, die je nach Beleuchtungssituation zwischen 2,8 und 3,3 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen. Zwei richtbare, in Startkonfiguration zusammengefaltete Antennen mit 4,6 Meter durchmessenden Gitternetzreflektoren von TDRS M können für Einzelverbindungen zu anderen Raumfahrzeugen im S, Ku- und Ka-Band mit hohen Datenraten verwendet werden. Gleichzeitige Verbindungen zu mehreren Raumfahrzeugen ermöglicht eine phasengesteuerte Gruppenantenne (Phased-Array-Antenne), die auf dem in Betriebsposition dem der Erde direkt zugewandten Deck des Satellitenkörpers montiert ist. Für Verbindungen mit Bodenstationen auf der Erde gibt es eine zusätzliche Antenne mit einem Reflektordurchmesser von 1,9 Metern.

TDRS M ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.915 und als COSPAR-Objekt 2017-047A. Die Centaur-Oberstufe der Trägerrakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.916 und als COSPAR-Objekt 2017-047B.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Boeing, NASA, ULA, USAF)


» CAS500-1 und -2 aus Südkorea fliegen Sojus
28.08.2017 - Für neue südkoreanische Erdbeobachtungssatelliten wurden jetzt Startverträge geschlossen. Mit dem Transport von CAS500-1 und -2 wurde eine Tochter der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos beauftragt.
Nach den mit Glavkosmos und der Tochterunternehmung GK Launch Services vom Koreanischen Luft- und Raumfahrtforschungsinstitut (Korea Aerospace Research Institute, KARI) im südkoreanischen Daejeon am 17. August 2017 und vom koreanischen Luft- und Raumfahrtkonzern Korea Aerospace Industries, LTD. (KAI) im südkoreanischen Sacheon am 18. August 2017 getroffenen Vereinbarungen sollen die Erdbeobachtungssatelliten bei zwei Starts von Sojus-2.1a-Raketen in den Weltraum gebracht werden. Die Raketen werden laut Glavkosmos mit ihren Fregat-Oberstufen neben den Erdbeobachtungssatelliten aus Südkorea weitere Nutzlasten transportieren.

Die beiden Erdbeobachtungssatelliten aus Südkorea sollen unter anderem Aufgaben im Bereich des Vermessungswesens übernehmen und Daten liefern, die bei der Planung der Landschaftsnutzung verwendet werden können. Zur Erfüllung ihrer Primärmission, der Erfassung von panchromatischen und multispektralen Bilddaten, werden die Satelliten mit einer Zusammenstellung von Instrumenten ausgerüstet, die Advanced Earth Imaging Sensor System-Compact (AEISS-C) genannt wird – auf Deutsch etwa fortschrittliches kompaktes Sensorsystem für Bilder von der Erdoberfläche. Bei einer Flughöhe von rund 500 Kilometern auf einem sonnensynchronen Orbit um die Erde erwartet man bei panchromatischer Bilderfassung eine Bodenauflösung von unter einem halben Meter. Bei Multispektralaufnahmen soll die Bodenauflösung besser als zwei Meter sein.

Das KARI ist für die Entstehung des ersten Satelliten – CAS500-1 – verantwortlich. CAS500-2 soll vom KAI gebaut werden. Der Entwurf der Satelliten ist eine Gemeinschaftsentwicklung. Beide Raumfahrzeuge basieren auf einem CAS500 genannten Satellitenbus aus Südkorea. Das CAS in der Bus-Bezeichnung steht für Compact Advanced Satellite, auf Deutsch kompakter fortschrittlicher Satellit. Die Zahl 500 bezieht sich auf die Satellitenmasse – für beide Satelliten wird von einer Startmasse im Bereich von jeweils 500 Kilogramm ausgegangen. In Südkorea hofft man, weitere entsprechende Raumfahrzeuge an Interessenten aus aller Welt liefern zu können. Die Konstruktion der Satelliten wurde darauf ausgerichtet, dass eine gewisse Anzahl entsprechender Satelliten eine Konstellation bilden kann, welche in der Lage ist, Echtzeiterdbeobachtungsdaten zu liefern.

CAS500-1 wird voraussichtlich im Jahre 2019 eine Umlaufbahn um die Erde erreichen, CAS500-2 soll ihm nach derzeitigem Planungsstand etwa ein Jahr später folgen. Für beide Satelliten wird eine Auslegungsbetriebsdauer von jeweils vier Jahren genannt.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: Glavkosmos, KAI, KARI)


» Rocketscience aus Dänemark 2017!
30.08.2017 - Wieder ist es soweit. Nach einem Teilerfolg im vergangenen Jahr mit der Rakete Nexo I steht nun die weiterentwickelte Nexo II auf der Startrampe von Copenhagen Suborbitals. Voraussichtlich am 09. September soll der Start von der schwimmenden Plattform „Sputnik“ in der Nähe der Insel Bornholm erfolgen.
Copenhagen Suborbitals, das ist Raumfahrt aus Dänemark. Ohne ein Millionenbudget, finanziert aus Spenden und mit Sponsoren, möchte eine Gruppe von begeisterten Amateuren eine bemannte Rakete ins All schicken. Copenhagen Suborbitals (CS) wurde 2008 von Peter Madsen und Kristian von Bengtson gegründet und arbeitet seitdem als offenes, gemeinnütziges Projekt auf dem Gelände einer ehemaligen Werft im Hafen von Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Anfangs belächelt, konnte das Team bereits mehrfach unter Beweis stellen, dass man es ernst meint. Schritt für Schritt ist man dabei die notwendigen Technologien und die notwendige Infrastruktur zu entwickeln.


Die Raketenstarts werden von einer schwimmenden Plattform, genannt Sputnik, in einem Seegebiet von 70x35 km in der Nähe der Insel Bornholm durchgeführt. Von hier startete im vergagnenen Jahr die Rakete Nexo I. Die Mission war ein Teilerfolg, Raumfahrer.Net berichtete. Zwar hob die Rakete erfolgreich von der Startplattform ab, erreichte aber nur eine Höhe von 1,5 km und brach dann in der Luft auseinander. Fast alle Teile der Rakete konnten jedoch geborgen werden und man verfügt über alle wichtigen Telemetriedaten um den Flug rekonstruieren zu können.

Nach einer umfangreichen Analyse wurde festgestellt, dass es ein Problem mit dem Hauptentlüftungsventil des Tanks mit flüssigem Sauerstoff gab. Dieser dient zusammen mit einem Ethanol/Wasser-Gemisch als Treibstoff für das selbst entwickelte BPM5 Triebwerk, dass bei dem geplanten Start zum zweiten Mal zum Einsatz kommt. Der flüssige Sauerstoff wurde im Tank zu heiß und gelangte zum Teil bereits gasförmig in den Raketenmotor wodurch der Verbrennungsdruck im Motor zu niedrig war und der Motor zu schnell seinen Kraftstoff verbrauchte.


Aus diesem Grund hat man bei der Nexo II Rakete die Entlüftungsventile erneuert, der Tank wird während des Betankens isoliert und die Rakete verfügt über ein neues dynamisches Druckregelsystem, das den Tankdruck während des Fluges konstant hoch hält.

Nun steht der nächste Test vor der Tür, er soll am 09. September 2017 erfolgen. Die Rakete mit einer Gesamthöhe von 6,7 m und 0,3 m Durchmesser soll bei diesem Test eine Höhe von etwa 6-10 km erreichen, bevor sie an Fallschirmen zur Erde zurückkehrt. Ihr Bruttostartgewicht ist mit 205 kg genauso groß wie bei Rakete Nexo I. Die Treibstofftanks und die Hauptstruktur sind aus Aluminium gefertigt, um sie so leicht wie möglich zu halten. Der Nasenkonus und der Fallschirmbehälter sind aus Kohlefaser, um das Gewicht weiter zu reduzieren. Diese Mission dient dem Test der nötigen Schlüsseltechnologien, die später für den Bau einer größeren Rakete, die die Raumkapsel tragen soll, notwendig sind.

Raumfahrer Net wird weiter berichten.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:
Rocketscience aus Dänemark (2016)

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Nexø I und Nexø II

Weitere Informationen über:
Copenhagen Suborbitals
(Autor: Thomas Geuking - Quelle: Copenhagen Suborbitals)


» Arianespace, SES und SpaceX haben umsortiert
31.08.2017 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber SES mit Sitz in Luxemburg hat mitgeteilt, die beiden neuen Satelliten SES 12 und SES 14 in geänderter Reihenfolge und mit jeweils der anderen der zuvor gebuchten Rakete starten zu lassen.
Die für einen Betrieb im Geostationären Orbit (GEO) vorgesehenen Kommunikationssatelliten SES 12 und SES 14 tauschen ihre Startgelegenheiten, gab SES am 28. August 2017 bekannt. Der Tausch dient laut SES der Verbesserung von Kontinuität und Service für die Kunden von SES. Dabei gelte für beide Satelliten, dass sie mit elektrischen Antrieben für nötige Bahnanhebungen nach dem Start ausgerüstet wurden und zwischen vier und sechs Monaten nach dem Start ihren kommerziellen Einsatz aufnehmen sollen. Die elektrischen Antriebe sind auf den künstlerischen Darstellungen der Satelliten an den Auslegern zu erkennen, die im Bild links und rechts von den Hauptkörpern aus nach oben zeigen. (SES 12 besitzt nach Angaben des Branchendienstes Spacenews ein chemisches Antriebssystem als Backup).

Die von Safran/Snecma gelieferten Hall-Effekt-Triebwerke vom Typ PPS-5000 zum Betrieb in einem Leistungsbereich zwischen 2 und 5 Kilowatt verwenden das Edelgas Xenon als auszustoßende Stützmasse. Sie haben einen Schub im Bereich von etwas unter 0,2 und etwas über 0,3 Newton, lassen sich jedoch sehr ausdauernd einsetzen. 15.000 Betriebsstunden soll ein einzelnes solches Triebwerk ableisten können. Montiert sind die vier Triebwerke pro Satellit paarweise an den schwenk- und richtbaren Auslegern.

SES 12 sollte ursprünglich Ende 2017 auf einer Rakete vom Typ Ariane 5 ECA gestartet werden. Jetzt ist das erste Quartal 2018 für den Start des Satelliten anvisiert. Als Trägerrakete ist nun eine Falcon 9 von SpaceX eingeplant.

Airbus Defence and Space ist Hersteller von SES 12, welcher auf dem Satellitenbus E3000EOR basiert und 2014 von SES bestellt worden war.. Das bis dato größte für SES gebaute Raumfahrzeug mit einer voraussichtlichen Startmasse von rund 5.300 Kilogramm soll im GEO bei 95 Grad Ost positioniert werden. Von dort aus will SES Nutzer im asiatisch-pazifischen Raum und im Mittleren Osten mit direkt ausgestrahlten Fernsehprogrammen sowie Verbindungen für Netzwerke und Mobilfunkanwendungen versorgen. Insbesondere die als schnell wachsend betrachteten Märkte in Indien und Indonesien möchte SES mit SES 12 bedienen.

NSS 6, gebaut von Lockheed Martin und gestartet am 17. Dezember 2002, soll von SES 12 ersetzt werden. Mit SES 8 soll SES 12 in Kolokation betrieben werden. Von Zypern im Westen bis Japan im Ost sowie von Russland im Norden bis Australien im Süden aus könnte der neue Satellit künftig genutzt werden. Der Kommunikationsnutzlast des dreiachstabilisierten Satelliten wird eine elektrische Leistung von rund 19 Kilowatt zur Verfügung stehen, die von zwei Solarzellenauslegern bereitzustellen ist. Die Auslegungsbetriebsdauer von SES 12 beträgt 15 Jahre.

Auf einer Falcon 9 von SpaceX sollte SES 14 gestartet werden – gedacht war an einen Start im vierten Quartal 2017. Jetzt ist sein Start auf einer von Arianespace vermarkteten Ariane-5-Rakete zu Beginn des ersten Quartals 2018 geplant.

SES 14 ist ebenfalls ein Produkt von Airbus Defence and Space, war Anfang 2015 bestellt worden und basiert auf der Plattform E3000EOR. Für eine Position bei 47,5 Grad West im GEO gedacht wird NSS 806 ersetzen und SES insbesondere der Unterstützung von Kabelnetzen in Lateinamerika dienen. 12 Transponder von NSS 806, der wie NSS 6 eine Konstruktion von Lockheed Martin ist, sind zwischenzeitlich ausgefallen, war im Juli 2017 bekannt geworden. NSS 806 kreist seit dem 28. Februar 1998 um die Erde und ist also deutlich älter als NSS 6. SES 14 ist ausserdem dazu gedacht, die von O3b insbesondere mit eigenen Satelliten auf Erdumlaufbahnen in mittleren Höhen bereitgestellten Kapazitäten zu ergänzen.

Mit den Ku- und Ka-Band-Transpondern soll SES 14 in mehreren Ausleuchtzonen Verbindungen mit hohem Durchsatz zur Verfügung stellen – beispielsweise für die Nutzung in Luft- und Seefahrt im Bereich des Nordatlantik. Im C- und im Ku-Band will man via SES 14 wenige große Ausleuchtzonen bedienen, die den Direktempfang von Fernsehprogrammen und Kabelkopfstationen in Nord- und Südamerika adressieren.

An Bord von SES 14 befindet sich außerdem eine Weltraumwetter-Forschungsnutzlast für die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur (NASA). Das System ist dazu gedacht, im Rahmen eines GOLD für Global-Scale Observations of the Limb and Disk genannten Programms Daten zur Untersuchung der Auswirkungen der Strahlung der Sonne auf Ionosphäre und Thermosphäre der Erde zu liefern. Das Forschungsprojekt wird von der Universität Zentralflorida (University of Central Florida, UCF) geleitet.

Das Beobachtungsinstrument für den GOLD-Anteil auf SES 14, ein bildgebender, zweikanaliger Spektrograph für Wellenlängen zwischen 132 und 160 Nanometern (UV-C), wurde vom Labor für Atmosphären- und Weltraumphysik (Laboratory for Atmospheric and Space Physics, LASP) der Universität Colorado (University of Colorado Boulder, CU Boulder) gebaut. Im Januar 2017 war das Instrument mit einer Masse von rund 37 Kilogramm zu Airbus Defence and Space nach Toulouse gebracht worden, wo man es anschließend in SES 14 integriert hatte.

Die Startmasse von SES 14 bewegt sich im Bereich zwischen 4.000 und 4.200 Kilogramm. Sein Antriebssystem nutzt ausschließlich elektrische Triebwerke. Triebwerke, Kommunikations- und Forschungsnutzlast von SES 14 bekommen die erforderliche elektrische Energie von zwei Solarzellenauslegern. Die Auslegungsbetriebsdauer des dreiachstabilisierten Satelliten beträgt 15 Jahre.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: Airbus Defence and Space, Arianespace, NASA, SES, SpaceX)



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ISS Aktuell: Bahn der ISS angehoben von Redaktion



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» Bahn der ISS angehoben
27.08.2017 - Die Bahn der Internationalen Raumstation (ISS) ist am 27. August 2017 routinemäßig angehoben worden, um geeignete Bedingungen für die nächsten bemannten Ab- und Anflüge zu schaffen.
Mit den Triebwerken des am Heck des russischen Stationsmoduls Swesda angekoppelten Transportschiffs Progress-MS 06 – von der NASA auch als Progress 67 bezeichnet - wurde das auch Reboost genannte Manöver zur Bahnanhebung der ISS durchgeführt. Am 27. August 2017 gegen 6:55 Uhr MESZ wurden die Triebwerke des am 14. Juni 2017 gestarteten und seit dem 16. Juni 2017 an die ISS gekoppelten Transportschiffs gezündet und brannten dann 177 Sekunden, also nicht ganz drei Minuten lang.

Die Operation steigerte die Geschwindigkeit der ISS um 0,35 Meter pro Sekunde und die Flughöhe um durchschnittlich rund 600 Meter. Nach dem Triebwerkseinsatz lag der der Erde nächstliegende Punkt der Bahn der ISS nach Angaben der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos bei 402,2 Kilometern über der Erde, der erdfernste Bahnpunkt bei 422,5 Kilometern über der Erde. Auf dieser 51,66 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn benötigt die ISS 92,6 Minuten für eine Erdumkreisung.

Die Bahnanhebung erfolgte laut Roskosmos in Vorbereitung des kommenden Abflugs von Sojus-MS 04 und der Ankunft von Sojus-MS 06. Der Start von Sojus-MS 06 mit dem Russen Alexander Missurkin und den US-Amerikanern Mark Vande Hei und Joseph Acaba vom Kosmodrom Baikonur ist aktuell für den 13. September 2017 angesetzt.

Die Landung von Sojus-MS 04 in Kasachstan mit dem Russen Fjodor Jurtschichin und den US-Bürgern Peggy Whitson und Jack Fischer an Bord ist derzeit für den 3. September 2017 geplant. Peggy Whitson wird nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA dann mit 655 Tagen im All diejenige Amerikanerin mit dem zusammengenommen längsten Aufenthalt im Weltraum sein.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: NASA, Roskosmos)



 

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