InSpace Magazin #576 vom 30. Januar 2018

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #576
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

bei den Falcon-9-Raketen von SpaceX gab es zwar letztens etwas Aufregung um den ZUMA-Start, dessen hochgeheime Nutzlast angeblich beim Start verloren gegangen ist. Immerhin hat die U.S. Air Force selbst neulich vorläufig bestätigt, dass den Raketenhersteller daran keine Schuld trifft - womit die Serie erfolgreicher Starts (und Landungen!) der Falcon 9 wieder etwas länger geworden ist und immer mehr zur Routine werden scheint.

Überhaupt keine Routine ist hingegen der bevorstehende erste Start der "Falcon 9 Heavy", des Schwerlastträgers von SpaceX. Dieser besteht zwar aus bekannten Komponenten, nämlich drei gekoppelten Falcon-9-Raketen. Und die Rakete ist fertig und bereit für ihren Start. Trotzdem ist es keine Selbstverständlichkeit, dass beim ersten konzertierten Einsatz von 27 Triebwerken auf Anhieb alles klappt - Elon Musk selbst hat sich schon vor Monaten diesbezüglich eher skeptisch geäußert. Das "Static Fire", eine erste sekundenlange Probezündung der Triebwerke bei festgehaltener Rakete, hat letzte Woche immerhin schonmal reibungslos funktioniert. Der Start ist nun für den 6. Februar um 19:30 Uhr unserer Zeit angesetzt. Und soviel kann man jetzt schon sagen: Das wird der spannendste Raketenstart seit Jahren.

Was es in der Raumfahrt sonst noch Neues gab, können Sie in diesem Inspace-Magazin lesen, zu dem wir Ihnen nun viel Spaß wünschen.

Axel Orth

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News

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• China: SuperView 1-03 und 1-04 im All «mehr» «online»
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• Delta IV bringt NROL 47 ins All «mehr» «online»
• Angosat 1 – Das Abenteuer geht weiter «mehr» «online»
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» Astronautenpionier John Young verstorben
07.01.2018 - John Young ist am 05.01.2018 im Alter von 87 Jahren verstorben. Ein nicht ganz objektiver Rückblick auf seine erstaunliche Karriere als Astronaut und Pionier der bemannten amerikanischen Raumfahrt.
Akribie, Hingabe und Ausdauer – das sind lediglich drei von vielen Attributen, die John Young ausgezeichnet haben. Doch sind es wahrscheinlich die drei, welche dazu beigetragen haben, dass John Young zu vielen „Firsts“ in der bemannten Raumfahrt beigetragen hat. Neben der notwendigen Ernsthaftigkeit und klarer Worte war jedoch auch der ein oder andere Schabernack dabei.

John Watts Young wurde am 24. September 1930 in San Francisco, USA geboren, wuchs jedoch nach Umzügen nach Georgia und später Florida im Sunshine State an der Atlantikküste auf. Durch sein bereits in der Jugend gefördertes Interesse für das Fliegen studierte Young Luftfahrttechnik am Georgia Institute of Technology in Atlanta. Nach Abschluss des Studiums 1952 trat er der US-Marine bei und diente im Koreakrieg auf dem Zerstörer USS Laws.

Nach Ende des Koreakriegs absolvierte er eine Ausbildung zum Piloten und begann schließlich 1959 das Training zum Testpiloten in der United States Naval Test Pilot School. Nach erfolgreichem Abschluss war er in mehrere Systemtests involviert und erzielte dabei verschiedene Flugrekorde, z.B. den schnellsten Steigflug auf 3000 m und später auf 25000 m in einer Phantom II. Sein späterer Astronautenkollege und ehemalige NASA-Administrator Charles Bolden beschreibt Youngs Fähigkeiten in bezeichnender Weise: „Während meiner Karriere als Testpilot habe ich keinen wie ihn getroffen. Jeder andere stieg in sein Flugzeug. John zog es an wie einen Anzug! Es war einfach unglaublich.“

Inspiriert durch John F. Kennedys Rede 1961 einen Amerikaner bis zum Ende des Jahrzehnts zum Mond zu bringen, meldet Young sich bei der NASA zur Astronautenauswahl. Er gehörte zur zweiten Gruppe an Astronauten, die für die Gemini- und späteren Apollomissionen trainiert wurden. Am 23. März 1965 startete John Young mit seinem Kommandanten Gus Grissom an Bord von Gemini 3 zum Erstflug des Geminiprogramms. Der Flug verlief reibungslos bis auf einen kleinen Zwischenfall, der bis ins Repräsentantenhaus des US-Kongresses Wellen schlug und John Young die Verschwendung von Steuergeld vorgehalten wurde. Der Grund, er schmuggelte ein Corned Beef Sandwich an Bord, da es ein Lieblingsessen von Gus Grissom war und dieser die übliche Astronautennahrung nicht mochte. Das Transkript des Gemini 3-Funkverkehrs legt jedenfalls nahe, dass Young durchaus seinen Spaß an der Aktion hatte (Seite 45, Gemini 3 Mission Air-to-Ground Transcript ).

Durch Verschiebungen in der Crewrotation und der Zuteilung von Ed White zur ersten Apollo-Mission wurde Young Kommandant von Gemini 10 im Juli 1966. Zusammen mit Michael Collins war er der erste, der Rendezvous mit zwei verschiedenen Agena-Stufen durchführte, während Collins zudem zwei Raumspaziergänge unternahm.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1966 wurde Young als Kommandomodulpilot einer Apollo-Besatzung zugeteilt, deren Kommandant Thomas Stafford und deren Mondlandefährenpilot Eugene Cernan waren. Die Besatzung war zunächst für den zweiten bemannten Apollo-Flug vorgesehen. Durch die durch den Feuerunfall von Apollo 1 notwendig gewordene Neuzuteilung absolvierten Stafford, Young und Cernan das Training für Apollo 7 als Backup-Besatzung und schließlich die Vorbereitungen für einen Test der Mondlandefähre in der Mondumlaufbahn mit Apollo 10. Im Mai 1969 flogen Stafford und Cernan das Mondlandemodul im Mondorbit, während Young der erste war, der Solo den Mond umkreiste.

Nach der erfolgreichen Landung auf dem Mond durch Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit Apollo 11 und der Präzisionslandung von Apollo 12 von Charles Conrad und Alan Bean bereitete sich Young als Backup-Kommandant auf Apollo 13 vor. Durch das Rotationsprinzip der Missionszuteilung wurde John Young Kommandant von Apollo 16, der zweiten Mondmission die einen wissenschaftlichen Schwerpunkt hatte. Daher studierte Young zusammen mit seinen Landefährenpiloten Charles Duke und den Crews von Apollo 15 und 17 Geologie. Am 21. April 1972 landet Apollo 16 im Descartes Hochland und Young erkundete zusammen mit Duke zu Fuß und mit einem Rover während drei Exkursionen das Umland, wobei sie zahlreiche Experimente durchführten und etwa 96 kg Mondgestein sammelten.

John Youngs letzter Einsatz innerhalb des Apollo-Programms war die des Backup-Kommandanten für Apollo 17. Mit Ende der Apollomissionen wurde Young im Januar 1973 zunächst Leiter der Space Shuttle-Abteilung im Astronautenbüro und ein Jahr später im Januar 1974 mit dem Rücktritt von Alan Shepard der Leiter des Astronautenbüros. In dieser Funktion koordinierte er die Missionszuteilungen, die Trainings und Flugvorbereitungen und involvierte die Astronauten in den Entwicklungsprozess des Space Shuttles. Aufgrund seiner Erfahrung wurde Young für den Erstflug des Space-Shuttles als Kommandant bestellt. Erstmals wurde ein neues Raumflugsystem ohne vorherigen unbemannten Test gleich bemannt geflogen. Zusammen mit Bob Crippen hob Young am 12.04.1981 mit STS-1 ab und wurde damit der erste Raumfahrer, der fünf Flüge ins All unternommen hatte. Der von der NASA als „kühnster Testflug aller Zeiten“ bezeichnete Flug wurde von John Young wie gewohnt mit professioneller Akribie durchgeführt. Im Nachhinein gab er in einem Interview zu Protokoll, dass ihm keine Daten vorgelegen hätten, die ein höheres Risiko belegt oder widerlegt hätten.

Seinen sechsten und damit letzten Raumflug unternahm Young 1983 mit STS-9, der ersten Spacelab Mission. Mit an Bord war auch Ulf Merbold, der im Vorfeld von Young als Astronautenneuling einer kritischen Betrachtung unterzogen wurde. So berichtet Merbold, dass John Young darauf Bestand mit jedem seiner Crewmitglieder mindestens einen gemeinsamen Trainingsflug unternommen zu haben. So musste auch Merbold sein Können im Trainingsflugzeug T-38 unter Beweis stellen und „seinen Commander“ von sich überzeugen. Neben seinen direkten Astronautenkollegen konnten sich auch viele weitere an seinen Missionen Beteiligten von Youngs außerordentlicher Akribie in der Vor- und Nachbereitung der Raumflüge erinnern. Die an der Entwicklung und am Bau des Spacelabs beteiligten Ingenieure der Firma Erno erzählen noch heute von John Youngs genauer und akribischer Arbeitsweise und besonderer Fähigkeit, direkt zum Kern eines technischen Problems vorzudringen und auch unangenehme Fragen zu stellen, um leicht ironisch zu enden: „… ich frag bloß!“

Nach STS-9 wurde Young für STS-61-J als Kommandant nominiert. Ursprünglich sollte diese Mission das Hubble-Weltraumteleskop aussetzen, der Challenger-Unfall im Januar 1986 führte jedoch zur Absage der Mission STS-61-J. So bliebt STS-9 Youngs letzter Flug ins All.
Im Mai 1987 wurde Young zum speziellen Assistenten des Direktors des Johnson Space Centers in Houston ernannt und als Leiter des Astronautenbüros durch Daniel Brandenstein abgelöst. Seiner eigenen Einschätzung nach erfolgte die Versetzung wahrscheinlich aufgrund seiner öffentlichkeitswirksamen Kritik an den Sicherheitsstrukturen und vor allem der Sicherheitskultur der NASA, welche zum Verlust der Challenger und ihrer Besatzung führte.

Getrieben vom Verlust der Challengercrew und seines Freundes und Kollegen Gus Grissom, der bei Apollo 1 ums Leben kam, setzte er sich für Verbesserungen der Space Shuttle Flotte und der operativen Sicherheit der künftigen internationalen Raumstation ISS ein. Im Februar 1996 wurde Young zum technischen Direktor des Johnson Space Centers ernannt und überwachte in dieser Funktion ebenfalls Sicherheitsaspekte und technische und operative Abläufe von NASA-Missionen.

Im Alter von 74 Jahren ging John Young am 31. Dezember 2004 nach 42 Dienstjahren als damals dienstältester Astronaut der NASA in den Ruhestand. Als „alter Mondgeologe“ wäre er jedoch gerne nochmal dorthin geflogen.

Am vergangenen Freitag, den 05. Januar 2018 ist John Young an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. Er war der einzige NASA-Astronaut, der im Gemini-, Apollo- und dem Space Shuttle-Programm involviert war und sechsmal ins All flog.
Mit ihm geht ein weiterer der ersten Astronauten, die sich dafür einsetzten und vorlebten, dass der Mensch den nächsten Schritt in den Weltenraum macht. Er war in jedweder Hinsicht ein astronautischer Astronaut! Er wird vermisst werden.

Ruhe in Frieden, John Watts Young.

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(Autor: Oliver Karger - Quelle: NASA, Raumfahrer Net)


» SpaceX transportiert Zuma – Wohin?
09.01.2018 - Zuma gelangte möglicherweise nicht ins All. Um die geheime Nutzlast zu befördern, wurde eine Falcon-9-Rakete benutzt. Die Rakete hat möglicherweise funktioniert wie vorgesehen – anderes vielleicht nicht.
Um 1:00 Uhr UTC am 8. Januar 2018 am Anfang eines zwei Stunden langen Startfensters erfolgte das Abheben der zweistufigen Falcon-9-Rakete von SpaceX mit Northrop Grummans Nutzlast Zuma an Bord. Der für die US-amerikanische Regierung angesetzte Flug begann von der Startrampe 40 auf Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida.

Für die transportierte Nutzlast endete er nach Erledigung des Flugprogramms der zweiten Stufe mit derzeit unklarem Ausgang, für die erste Stufe nach einer Missionsdauer von sieben Minuten und 59 Sekunden mit dem erfolgreichen Aufsetzen auf der Landezone 1 (Landing Zone 1, LZ-1) auf der Luftwaffenbasis Cape Canaveral (Cape Canaveral Air Force Station, CCAFS) in Florida. Die erste Raketenstufe war eine der Variante Block 4 und diejenige mit der Baunummer 1043. Sie war vorher noch nicht bei einem Raumfahrtstart zum Einsatz gekommen.

Das Schicksal der Nutzlast Zuma ist ebenso unklar wie die ihr zugedachten Aufgaben. Weder der Raketenbauer SpaceX noch Northrop Grumman, der Lieferant der Nutzlast und des auf der zweiten Stufe montierten Nutzlastadapters, machten Angaben zur geplanten Funktion der Nutzlast. Die beiden Unternehmen haben bis dato außerdem nicht mitgeteilt, dass eine Nutzlast erfolgreich ausgesetzt wurde.

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg und die US-Tageszeitung The Wall Street Journal haben zwischenzeitlich Meldungen veröffentlicht, nach denen ein möglicher Fehlschlag angenommen werden kann. Bloomberg berichtete, die zweite Stufe der Rakete habe laut mit der Mission befassten staatlichen Stellen versagt. Bloomberg schrieb, zweite Stufe und Nutzlast seien ins Meer gefallen.

Eine Anfrage bei der US-amerikanischen Weltraumüberwachung hat nach Angaben des Wall Street Journal die Antwort hervorgebracht, man habe dem aktuellen Katalog der künstlichen Erdsatelliten derzeit nichts hinzuzufügen.

Auf eine Anfrage bei SpaceX soll ein Sprecher des Unternehmens geantwortet haben, die Analyse der Daten zum Start deute derzeit darauf hin, dass die Rakete gearbeitet habe wie vorgesehen. Sofern also beide Stufen der Rakete funktionierten wie geplant, und eine Erdumlaufbahn anvisiert worden war, sollte sich zumindest ein Objekt katalogisieren lassen, wenn keine Trennung von zweiter Stufe und Nutzlast stattgefunden haben sollte.

In den Katalogdaten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung findet sich der Eintrag für ein Objekt aus dem Start, das neben einer für geheime US-Missionen üblichen Tarnbezeichnung (USA 280) die Katalognummer 43.098 alias 2018-001A trägt. Ob der Katalogeintrag frühzeitig und vielleicht voreilig erfolgte, ist derzeit nicht zu beurteilen, weil bei Starts von geheimen US-Nutzlasten keinen Bahndaten in den Katalog aufgenommen werden.

In Summe lässt sich ohne weitere Informationen und Beobachtungen nicht sagen, ob eine Erdumlaufbahn erreicht wurde, wenn ja, wie viele Erdumrundungen absolviert wurden, ob Nutzlast und zweite Raketenstufe von einander getrennt wurden und ob sich Zuma im Weltraum befindet. Gezielte Desinformation kann zum derzeitigen Zeitpunkt wohl auch nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Bloomberg, Northrop Grumman, SpaceX, The Wallstreet Journal)


» China: SuperView 1-03 und 1-04 im All
09.01.2018 - Die beiden chinesischen zivilen Erdbeobachtungssatelliten SuperView 1-03 und 1-04 gelangten am 9. Januar 2018 in den Weltraum. Sie sind Teil einer im Aufbau befindlichen Konstellation, die einmal mindestens 24 Raumfahrzeuge umfassen soll.
Der Start der beiden Erdbeobachtungssatelliten SuperView 1-03 und SuperView 1-04 alias GJ-3 高景一号03 / GaoJing-3 / GJ-3 und 景一号04 / Gaojing-4 / GJ-4 erfolgte am 9. Januar 2018 um 3:24 Uhr UTC bzw. 11:24 Uhr Pekinger Zeit. Die auf Bildern aus dem Startkontrollzentrum erkennbare exakte Startzeit ist 11:24:33.475 Uhr Pekinger Zeit. Die Satelliten wurden von einer Rakete des Typs Langer Marsch 2D von der Startanlage Nr. 9 (LC-9) des Satellitenstartzentrums Taiyuan (Taiyuan Satellite Launch Center, TSLC) aus ins All gebracht.

Die von der Shanghai Academy of Spaceflight Technology (SAST) gebaute Rakete mit der Seriennummer Y40 absolvierte nach Angaben der internationalen Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten aus China, der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), hier die 36. Mission der Variante 2D. Sie erledigte gleichzeitig den ersten chinesischen Raumfahrtstart im Jahr 2018. Insgesamt zählt die CGWIC jetzt 261 Flüge einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch.

Die gestarteten Raumfahrzeuge gelangten auf 97,58 Grad gegen den Erdäquator geneigte sonnensynchrone Bahnen in Höhen zwischen 516 und 536 Kilometern.

Das neue Satellitenpaar ist Teil einer kommerziellen Erdbeobachtungskonstellation. Letztere soll ab 2022 insgesamt mindestens 24 Satelliten umfassen. Die CGWIC bezeichnet die Konstellation als "16+4+4+X" und gibt an, sie werde einmal 16 Satelliten mit einer optischen Beobachtungsnutzlast mit einer Auflösung von einem halben Meter, vier Satelliten mit einer höheren Auflösung ihrer Beobachtungsnutzlast, vier Satelliten mit Radaranlagen mit synthetischer Apertur (SAR) und eine Anzahl weiterer Raumfahrzeuge mit Videokameras und Hyperspektralsensoren umfassen.

Die ersten beiden Satelliten für die Konstellation gelangten am 28. Dezember 2016 ebenfalls auf einer Langer Marsch 2D in den Weltraum. Die zwei Satelliten mit einer Masse von jeweils rund 500 Kilogramm wurden damals allerdings nicht auf den vorgesehenen sondern auf niedrigeren Umlaufbahnen (97,6 Grad, 213 x 524 Kilometer) ausgesetzt. Mit Hilfe von an Bord der auf dem Bus CAST3000B basierenden Satelliten befindlichen Triebwerken konnten die Orbits aber auf das vorgesehene Niveau angehoben werden.

Betreiber und Eigentümer der Satelliten ist die Siwei Star Co. Ltd., eine Tochter der China Siwei Surveying and Mapping Technology Co. Ltd, alias China Siwei. Letztere wiederum ist eine Tochter der allgegenwärtigen China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC). Die Beijing Space View Technology Co. Ltd. (Space View) vermarktet die von den SuperView-Satelliten gewonnenen Bilder und Daten.

Sind alle vier jetzt im All befindlichen SuperView-Satelliten einsatzfähig, werden sie zusammen rund drei Millionen Quadratkilometer der Erdoberfläche pro Tag abtasten können, berichtete die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC). Die ersten beiden Satelliten haben von ihrer Inbetriebnahme bis Dezember 2017 laut CASC zusammen über 225.000 Bilder aufgenommen und dabei eine Fläche von etwa 24,56 Millionen Quadratkilometer abgebildet.

Space View berichtet, die ersten beiden Satelliten erreichen die Auflösung von einem halben Meter im panchromatischen Einsatz bei Wellenlängen von 0,45 bis 0,89 µm. Beim multispektralen Einsatz (Blau 0,45 - 0,52 µm, Grün 0,52 - 0,59 µm, Rot 0,63 - 0,69 µm und nahes Infrarot 0,77 – 0,89 µm) liege die Auflösung bei zwei Metern. Die Schwadbreite bei der Abtastung des Erdbodens beträgt laut Space View zwölf Kilometer. Das Kamerasystem an Bord der ersten beiden Satelliten kommt vom Beijing Institute of Space Machinery and Electronics alias Institut 508. 2 Terabyte Speicher an Bord eines jeden Satelliten unterstützen laut Space View die Erfassung von rund 900.000 Quadratkilometern pro Tag und Satellit.

Mit Strom versorgt werden Beobachtungsnutzlasten und Satellitensysteme von zwei Solarzellenauslegern aus jeweils zwei Elementen. Der Transport der Beobachtungsdaten zum Boden erfolgt über zwei X-Band-Links, die jeweils eine Datenrate von 450 Megabit pro Sekunde ermöglichen.

Bei regulärem Start sollen die Satelliten eine Auslegungsdauer von acht Jahren überstehen können. Die ersten beiden Satelliten werden wegen des Treibstoffverbrauchs für die ursprünglich nicht vorgesehenen Bahnanhebungen möglicherweise nicht so lange eingesetzt werden können.

Für den jetzt erfolgten Start hat die US-amerikanische Weltraumüberwachung Objekte auf Erdorbits wie folgt katalogisiert:
NORAD 43.099 alias COSPAR 2018-002A - 517 x 535 km, 97,58 Grad,
NORAD 43.100 alias COSPAR 2018-002B - 516 x 536 km, 97.58 Grad,
NORAD 43.101 alias COSPAR 2018-002C - 512 x 534 km, 97.58 Grad,
NORAD 43.102 alias COSPAR 2018-002D - 528 x 554 km, 97,47 Grad,
NORAD 43.103 alias COSPAR 2018-002E - 530 x 583 km, 97.72 Grad,
NORAD 43.104 alias COSPAR 2018-002F - 459 x 535 km, 97.45 Grad.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: CASC, CCTV, CGWIC, Space View)


» China: Navsats BeiDou-3 M3 und M4 im All
12.01.2018 - Die beiden chinesischen Navigationssatelliten BeiDou-3 M3 und M4 gelangten am 11. Januar 2018 an Bord einer chinesischen, vierstufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/YZ-1 in den Weltraum.
Der Start erfolgte am 11. Januar 2018 von der Rampe Nr. 2 vom Satellitenstartzentrum Xichang (XSLC) aus um 23:18 Uhr UTC, das ist 7:18 Uhr Ortszeit am 12. Januar. Exakte Startzeit war 23:18:04.616 Uhr UTC. Die Nutzlast - die beiden Navigationssatelliten für das chinesische Satellitennavigationssystem BDS (BeiDou System / BeiDou Navigation Satellite System) alias Compass - saß dabei auf einer Oberstufe vom Typ Yuanzheng 1 (YZ-1).

Die ersten drei Stufen der Langer Marsch 3B brachten Oberstufe und Nutzlast auf eine Transferbahn mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt von rund 208 Kilometern Höhe und einem erdfernsten Bahnpunkt von rund 18.545 Kilometern über der Erde. Für das Verlassen der erreichten, rund 55 Grad gegen den Erdäquator geneigten Übergangsbahn hatte anschließend die Yuanzheng-1-Oberstufe zu sorgen.

Die Oberstufe ist mit einem Haupttriebwerk ausgerüstet, das unsymmetrisches Dimetyhlhydrazin (UDMH) als Brennstoff und Stickstofftetroxid (N2O4) als Oxidator nutzt. Der Nominalschub des Triebwerks beträgt 6,5 Kilonewton. Die Stufenkonstruktion soll (mindestens) zwei Brennphasen absolvieren können und sich auch für den Transport mehrerer Nutzlasten in unterschiedliche Orbits eignen.

Die beiden zuvor nebeneinander in Tandem-Konfiguration montierten Satelliten mit einer Startmasse von jeweils rund 1.010 Kilogramm wurden von der Oberstufe nach nicht ganz vier Stunden Gesamtflugzeit in annähernd kreisförmigen Umlaufbahnen mit einer Flughöhe über der Erde zwischen 21.500 und 22.200 Kilometern ausgesetzt. Die von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung beobachtete Bahnneigung gegen den Erdäquator liegt bei 55 Grad.

Bei den dreiachsstabilisierten Satelliten handelt es sich um Modelle der dritten Beidou-Generation. Konkret sind sie für einen Einsatz auf Umlaufbahnen in mittlerer Höhe, MEO für Medium Earth Orbit gedacht. Das spiegeln die Satellitenbezeichnungen M3 und M4: Das M signalisiert den Orbit in mittlerer Höhe.

Der Start von BeiDou-3 M3 und M4 war nach Angaben aus China der 262. Einsatz einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch insgesamt und der zweite einer Rakete aus China im noch jungen Jahr 2018.

BeiDou-3 M3 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.107 und als COSPAR-Objekt 2018-003A, BeiDou-3 M4 mit der NORAD-Nr. 43.108 und als COSPAR-Objekt 2018-003B. Die Yuanzheng-1-Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.109 und als COSPAR-Objekt 2018-003C, die dritte Stufe der Langer Marsch 3B mit der NORAD-Nr. 43.110 und als COSPAR-Objekt 2018-003D.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: beidou.gov.cn, CASC, CCTV, CGTN, Xinhua)


» Delta IV bringt NROL 47 ins All
14.01.2018 - Am 12. Januar 2018 brachte eine Delta-IV-Rakete von der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien aus einen neuen geheimen Satelliten in den Weltraum. Beim beförderten Satelliten handelt es sich um einen Aufklärungssatelliten für die nationale US-amerikanische Aufklärungsbehörde (NRO), über dessen Funktion von offiziellen Stellen keine Mitteilung gemacht wurden.
Für die Raketenvermarkterin United Launch Alliance (ULA) war es die erste im Jahr 2018 abgewickelte Mission einer von diesem Anbieterkonsortium betriebenen Trägerrakete. Seit Gründung der ULA hat das Konsortium damit nach eigenen Angaben 124 erfolgreiche Trägerstarts abgewickelt.

Für die Medium-Variante der Delta IV war es der drittletzte Flug insgesamt und der letzte von Vandenberg aus. Zugunsten der in Entwicklung befindlichen Vulcan-Rakete entschied sich die ULA, die Delta IV auslaufen zu lassen. Die deutlich schubstärkere Delta IV Heavy wird jedoch noch über einen längeren Zeitraum mit Missionen bedacht werden. Über alle Versionen sind jetzt inklusive des Jungfernflugs im Jahre 2008 insgesamt 36 Delta-IV-Raketen gestartet.

Der NROL 47 genannte, vermutlich mit der Tarnbezeichnung USA 281 zu versehene Satellit wurde von einer Delta IV in Medium+ (5,2)-Konfiguration transportiert. Das bedeutet, dass auf der common booster core genannten Zentralstufe mit dem flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennenden RS-68A-Triebwerk von Aerojet Rocketdyne eine Oberstufe mit einem Aerojet Rocketdyne RL10B-2-Triebwerk aufgesetzt war, seitlich an der Zentralstufe zwei GEM60-Feststoffbooster von Orbital ATK angebracht waren und die Nutzlastverkleidung 5 Meter Durchmesser hatte.

Das Haupttriebwerk der Zentralstufe der Delta IV mit der Seriennummer D379 zündete rund vier Sekunden vor dem Abheben von der Startrampe 6 (Space Launch Complex 6, SLC 6) der Luftwaffenbasis Vandenberg (Vandenberg Air Force Base, VAFB) im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien.

Beim Anlaufen des RS-68A wurde erneut zündfähiges Gasgemisch auf der Startrampe in Brand gesetzt, ohne dass es, soweit bekannt ist, Auswirkungen auf den Ausgang der Mission hatte. Das Ereignis sorgte aber wieder einmal für spektakuläre Bilder und eine deutlich sichtbare Schwarzfärbung der Rakete noch vor dem Verlassen der Startrampe.

Das tatsächliche Abheben erfolgte dann exakt um 22:11 Uhr UTC (23:11 Uhr MEZ) am 12. Januar 2018 unmittelbar mit der Zündung der vier seitlich an der Zentralstufe angebrachten Feststoffbooster. Dabei war ein Teil des Startfensters bereits verstrichen, da es im Verlauf des Countdowns zu einer Kommunikationsunterbrechung gekommen war.

Einige Sekunden nach dem Abheben begann die Rakete, ihre Flugbahn in die erforderliche Richtung zu neigen. Rund 62 Sekunden nach dem Abheben passierte die Rakete den Bahnpunkt mit der höchsten dynamischen Druckbelastung (Max-Q).

Rund 90 Sekunden nach Beginn des Fluges waren die jeweils rund 16,15 Meter langen Feststoffbooster ausgebrannt. Sie wurden aus Sicherheitsgründen noch rund 20 Sekunden mitgeführt und dann abgeworfen.

Die Nutzlastverkleidung, die den Satelliten und die Oberstufe an der Raketenspitze beim Flug durch die dichten Schichten der Atmosphäre schützte, wurde anschließend nach etwa dreieinhalb Minuten Flugzeit abgetrennt.

Der BECO für Booster Engine Cutoff genannte Brennschluss der Zentralstufe dürfte etwas über vier Minuten nach dem Abheben erfolgt sein – die Liveübertragung im Internet zeigte zu diesem Zeitpunkt bereits keine bewegten Bilder oder Animationen zum Aufstieg der Rakete mehr.

Interessierte Beobachter gehen davon aus, dass der Einschuss der Nutzlast durch die Oberstufe nach zwei Brennphasen in einen annähernd kreisförmigen Orbit erfolgte. Die Oberstufe dürfte sich danach auf eine Bahn gebracht haben, die sie letztlich zu ihrer Zerstörung beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre über der Südhalbkugel südlich von Australien führte.

Die US-Luftwaffe gab mit Datum vom 12. Januar 2018 bekannt, dass die Mission der Delta-IV-Rakete ein Erfolg war. Die ULA berichtete mit gleichem Datum über einen erfolgreichen Start mit NROL 47, der der Unterstützung der Verteidigung der nationalen Sicherheit (der USA) gewidmet sei.

Naturgemäß geizen Hersteller, Betreiber und Nutzer von Spionagesatelliten mit Informationen zu ihren Geräten. Nach Starts von US-amerikanischen Raumfahrzeugen für Geheimdienste und Militär werden von offiziellen Stellen oftmals keine Bahnparameter veröffentlicht. Hinsichtlich des mutmaßlichen Orbits von NROL 47 liefern Vergleiche mit früheren Starts von Vandenberg, die bekanntgegebenen Sperrzonen im und unter dem Flugweg der Rakete und Beobachtungen von Amateurbeobachtern Hinweise. NROL 47 wurde auf einen retrograden Orbit, das heisst auf eine in Bezug auf die Erdrotation gegenläufige Erdumlaufbahn gebracht.

Allgemein vermutet wird, dass es sich bei NROL 47 um einen Radar-Satelliten zur wetterunabhängigen Aufklärung handelt, der NROL 45 alias USA 267 ähnelt oder gleicht. NROL 45 schreibt man zu, das vierte Exemplar einer Topaz genannten Satellitenserie darzustellen. Die Raumfahrzeuge der Topaz-Serie bewegen sich auf rund 123 Grad gegen den Erdäquator geneigten, also retrograden Bahnen in Höhen zwischen 1.000 und 1.200 Kilometern. NROL 47 könnte auf eine Bahn mit einer geringeren Neigung und in größerer Höhe gebracht worden sein.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Aerojet Rocketdyne, Orbital ATK, ULA, USAF)


» Angosat 1 – Das Abenteuer geht weiter
18.01.2018 - Angosat 1, der erste Kommunikationssatellit für Angola, kreist seit dem 26. Dezember 2017 um die Erde. Anlass für Erfolgsnachrichten gibt es indes keinen. Der Hauptauftragnehmer, das Unternehmen Energia aus Russland, hat mittlerweile eingeräumt, dass es Probleme mit dem Stromversorgungssystem des Satelliten gibt.
Der neue Satellit basiert auf einem USP für Universal Satellite Platform genannten Bus, der sich bei seinen bisherigen Einsätzen nicht gerade durch bestechende Betriebssicherheit ausgezeichnet hat. Nachdem Gazprom Space Systems (früher auch Gazcom genannt), Betreiber einer Satellitenserie mit der Bezeichnung Jamal, 2009 beschlossen hatte, weitere bei Energia beauftragte und auf dem USP-Bus basierende Satelliten nicht abzunehmen, kam ein Vertrag zwischen dem Ministerium für Telekommunikation und Informationstechnik Angolas (Ministério das Telecomunicações e Tecnologias de Informação, MTTI) und Energia über die Lieferung eines auf dem USP-Bus basierenden Satelliten zustande. Nachdem eine verfügbare Trägerrakete gefunden war, konnte Angosat 1 nach entsprechender Ertüchtigung der Rakete schließlich am 26. Dezember 2017 ins All gebracht werden, Raumfahrer.net berichtete.

Das Raumfahrzeug mit einer Startmasse von rund 1.647 kg besitzt eine Kommunikationsnutzlast von Airbus Defence and Space aus dem französischen Toulouse mit 16 C-Band- und 6 Ku-Band-Transpondern. Zur Versorgung der Kommunikationsnutzlast mit einer Masse von 262,4 kg, der elektrischen Triebwerke (8x SPT-70 von Fakel bzw. Fackel) und der übrigen Satellitensysteme gibt es zwei Solarzellenausleger, die zusammen maximal rund sieben Kilowatt elektrischer Leistung bereitstellen können. Die Lebenserwartung von Angosat 1 liegt nach Angaben seiner Erbauer bei mindestens 15 Jahren. Er soll künftig eingesetzt werden, um die Republik Angola und den übrigen afrikanischen Kontinent mit Bild- und Datendiensten zu versorgen. Ob es dazu kommen wird, darf nach derzeitigem Stand mit einiger Berechtigung bezweifelt werden.

Energia teilte mit Datum vom 15. Januar 2018 mit, dass das neue Raumfahrzeug geplanten Tests unterzogen werde. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Üblicherweise durchlaufen Satelliten, die gerade im Weltraum eingetroffen sind und dort ausgesetzt wurden, eine Inbetriebnahmephase mit verschiedenen Tests, an deren Ende eine Abnahme durch den Auftraggeber erfolgen kann.

Bei Angosat 1 verläuft die Inbetriebsetzung keineswegs wie ursprünglich vorgesehen. Energia hatte, nachdem bereits kurz nach dem Start erste Pressemeldungen erschienen, die über mögliche Probleme mit dem Satelliten berichteten, mit Datum vom 27. Dezember 2017 mitgeteilt, der Satellit habe nach einer definierten Zeit den geplanten Orbit erreicht und eine Verbindung aufgebaut. Nach einer Weile seien aber keine Telemtriedaten mehr angekommen. Man sei dabei, die bisher erhaltenen Telemetriedaten zu analysieren, um festzustellen, ob man die Notfallsituation beseitigen könne. Am Folgetag gab Energia knapp an, man empfange wieder Telemetriedaten, die dafür sprächen, dass alle System an Bord von Angosat 1 arbeiten würden wie vorgesehen.

Dass nicht alle Systeme an Bord von Angosat 1 arbeiten wie vorgesehen, berichtete Energia dann in seiner Meldung mit Datum vom 15. Januar 2018. Die vom Satelliten empfangene Telemetrie habe es laut Energia ermöglicht, ein Problem beim Betrieb von den Komponenten des Stromversorgungssystems von Angosat 1 zu identifizieren. Derzeit seien Spezialisten von Energia dabei, die Verarbeitung vorliegender Telemetriedaten abzuschließen und eine Serie von Tests vorzubereiten.

Darüber hinaus teile Energia in der gleichen Meldung mit, dass Angosat 1 in naher Zukunft bei seiner Bewegung entlang des Geostationären Orbits (GEO) Richtung Westen den Empfangsbereich des Flugkontrollzentrums Koroljow verlassen werde. Angesichts der hohen Verantwortung bei Manövern im GEO sei entschieden worden, das Raumfahrzeug nicht aktiv zu beeinflussen, bevor es nicht wieder für die Bodenstation sichtbar werde. Laut Energia plane man die Wiederaufnahme der Arbeiten im Zusammenhang mit den Tests von Angosat für Mitte April 2018.

In der brasilianischen Ausgabe des staatlichen russischen Nachrichtenportals Sputniknews wird mit Datum vom 16. Januar 2018 berichtet, Angosat 1 sei nach Angaben von Energias Generaldirektor Wladimir Solntsew wegen eines Problems mit der Stromversorgung in einen Stromsparmodus versetzt worden, der in der Meldung auch „sicheres Betriebsregime“ genannt wird. Ein sogenannter Safemode ist nichts unübliches für Raumfahrzeuge in Schwierigkeiten. Er soll, kann aber durchaus nicht immer, gewährleisten, dass an Bord eines Raumfahrzeugs nur für einen Notbetrieb unmittelbar erforderliche Komponenten mit Strom versorgt und aktiviert sind, und die Lage im Raum eine solche ist, dass Strom erzeugt werden könnte und Kommunikationsverbindungen zur Erde prinzipiell möglich sind.

Die jüngsten Einlassungen von Energia kamen erst, nach dem Angosat 1 von Osten kommend in Flughöhen etwas über der Nominalhöhe des GEO an seiner an sich geplanten Einsatzposition vorbeigezogen war. Bereits vorher hatten Beobachter bei der Analyse von verfügbaren Bahnverfolgungsdaten vermutet, dass Angost 1 bis dato keine Manöver zur Veränderung seiner Umlaufhahn und zur Vorbereitung einer Stationierung im Bereich um 15 Grad Ost (laut Infrasat 12,8 Grad Ost) ausgeführt haben dürfte.

Angosat 1 ist wie bereits erwähnt mit einem elektrischen Triebwerkssystem ausgestattet. Wegen der im Vergleich zu aktuell verwendeten chemischen Antriebssystemen auf Kommunikationssatelliten erheblich geringeren Schübe seiner Triebwerke erfordern diese eine andere Einsatzplanung und längere Einsatzphasen. Darüber hinaus benötigen elektrische Triebwerke für ihren Einsatz nicht unerhebliche Mengen Strom, welchen bereitzustellen Angosat 1 es derzeit möglicherweise eben nicht möglich ist.

Warum das Stromversorgungssystem von Angosat 1 nicht arbeitet wie erwartet teilte Energia bis dato nicht mit und machte auch keine Angaben dazu, welche Komponenten des Stromversorgungssystems Auslöser der Schwierigkeiten sind oder sein könnten. Typische Szenarien bei Fehlern von Stromversorgungssystemen sind beispielsweise Beschädigungen an elektrischen Leitungen, Kurzschlüsse wegen unvorhergesehenen Umgebungsbedingungen, Kapazitätsprobleme mit Akkumulatoren, Defekte von Reglern zur Akkumulatorladung und Fehler beim Entfalten und beim Betrieb von Solarzellenauslegern.

Angosat 1 bewegt sich derzeit mit rund drei Längengeraden pro Tag westwärts. Wenn er nach einer fast vollständigen Erdumrundung wieder in den Empfangsbereich einer von Energia nutzbaren Bodenstation kommt, ist nicht auszuschließen, dass Energia noch einmal Daten vom Satelliten beziehen kann. Ob beim Weiterflug des Satelliten dann genug Zeit ist, ob der tatsächliche Zustand des Raumfahrzeugs es zulässt, und ob am Boden vor Ort bereitzustellende Kapazitäten an Arbeitskraft, Technik und Wissen überhaupt ausreichen können, um den Satelliten zu retten, ist unklar.

Bis dato gibt es von keiner der beteiligten Organisationen und Unternehmen direkt konkrete Aussagen, nach denen es nach dem Start und über einen bestimmten Zeitraum hinweg möglich war, den Satelliten mit Kommandos vom Boden aktiv zu beeinflussen. Die vorliegenden Bahnverfolgungsdaten geben darauf keinerlei Hinweis. Sie sprechen nicht gegen eine Annahme, dass bis dato kein Einsatz der Treibwerke an Bord erfolgt ist. Ein solcher Einsatz wäre im übrigen nur dann sinnvoll, wenn die am Hauptkörper angebrachten Solarzellenausleger und Antennenreflektoren entfaltet worden sind, weil sie die Triebwerke in der Transportkonfiguration abdecken. Auch dazu, dass die entsprechenden Entfaltungsvorgänge erfolgreich abwickelt wurden, liegen von offizieller Seite keine Informationen vor.

Angesichts der Informationslage sind bestimmte Aussagen kaum nachvollziehbar:
Das Büro für das Management des nationalen Raumfahrtprogramms Angolas (Gabinete de Gestão do Programa Espacial Nacional, GGPEN) hatte mit Datum vom 29. Dezember 2017 mitgeteilt, nach einem Problem mit Ausgasen, Verunreinigungen und einer gewissen Untätigkeit des Bordrechners mit Ausfall von Telemetriedaten über einen gewissen Zeittraum gehe man von einem mittlerweile optimalen Zustand des Satelliten aus.

Die staatliche angolanische Nachrichtenagentur Agência Angola Press (ANGOP) meldete mit Datum vom 3. Januar 2018, der bevollmächtigte Botschafter der Russischen Föderation in der Republik Angola, Wladimir Tararow, habe in Luanda mitgeteilt, Angosat 1 arbeite wie vorgesehen, und platziere Angola innerhalb der internationale Gemeinschaft im Club der Weltraummächte. Die Botschaft selbst veröffentlichte ebenfalls einen Text, demzufolge alle Satellitensysteme trotz gewisser Schwierigkeiten regulär arbeiten würden.

Am 5. Januar 2018 meldete beispielsweise die Broadcast Media Africa, Manuel Homem, Angolas Minister für Information und Telekommunikation sei erleichtert, dass man in der Lage war, Angosat 1 (wieder) zu finden. In der selben Quelle heißt es, man habe einem Regierungssprecher von Seiten einer Arbeitsgruppe aus Technikern versichert, ein weiterer Abbruch der Verbindung mit der Ausrüstung (an Bord des Satelliten) werde nicht mehr vorkommen.

Alles in allem muss festgestellt werden, dass eine transparentere, offenere Informationspolitik es Beteiligten und Beobachtern eher ermöglichen würde, zu einer der den tatsächlichen Fakten gerecht werdenden Beurteilung der Situation zu kommen. Wenig aussagekräftige Mitteilungen, die den Veränderungen der Situation deutlich hinterherhinken, sind nicht geeignet, erforderliches Vertrauen zu untermauern und zu stärken.

Die Investitionen der öffentlichen Hand Angolas im Zusammenhang mit Angosat 1 betragen nach Angaben aus Angola rund 320 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 270 Millionen Euro.

Angosat 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.087 und als COSPAR-Objekt 2017-086A.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


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    (Autor: Axel Nantes - Quelle: ANGOP, Broadcast Media Africa, Energia, GGPEN, MTTI, Russische Botschaft in Angola, Sputniknews)


    » China: Shijian 13 alias ChinaSat 16 im Regelbetrieb
    26.01.2018 - Wie zwischenzeitlich bekannt wurde, befindet sich der chinesische experimentelle Kommunikationssatellit Shijian 13 mittlerweile im Regelbetrieb.
    Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua gab mit Datum vom 25. Januar 2018 bekannt, der für hohen Datendurchsatz ausgelegte Kommunikationssatellit sei nach Angaben der chinesischen nationalen Raumfahrtbehörde (China National Space Administration, CNSA) nach dem Abschluss eines Tests zur Kommunikation mittels Laserlicht in Betrieb genommen worden.

    Die CNSA habe mitgeteilt, zwischen Satellit und Boden habe zum ersten Mal auf der Welt ein Kommunikationstest mit einem Zwei-Wege-Hochgeschwindigkeitslaser stattgefunden, berichtete Xinhua.

    Den leitenden Satellitenentwickler Li Feng von der China Aerospace Science and Technology Corporation zitiert Xinhua mit der Aussage, der Satellit werde Nutzer in China unterstützen und Kommunikationskopfstationen in abgelegenen Gebieten anbinden, um dem dortigen Bedarf an Information, Bildung und Notfallkommunikation gerecht zu werden.

    Im Geostationären Orbit ist Shijian 13 bei 110,6 Grad Ost positioniert. Er basiert auf dem chinesischen Satellitenbus DFH-3B und wurde nach Angaben der China Satellite Communications Co., Ltd. (China Satcom) von der China Aerospace Science and Technology Corporation, dem China Space Technology Research Institute und der China Aerospace Science and Technology Corporation’s China Pacific Group Co., Ltd. entwickelt.

    Shijian 13 war am 12. April 2017 vom Satellitenstartzentrum Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) aus in den Weltraum gebracht worden, Raumfahrer.net berichtete. 15 Jahre soll sich das neue Raumfahrzeug im All einsetzen lassen.

    Katalogisiert ist Shijian 13 (SJ 13) alias ChinaSat 16 (Zhongxing 16, ZX-16) mit der NORAD-Nr. 42.662 und als COSPAR-Objekt 2017-018A.

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Axel Nantes - Quelle: China Satcom, Raumfahrer.net, Xinhua)


    » China: Satellitentriplett Yaogan-30 04 gestartet
    27.01.2018 - Drei offiziell elektromagnetischen Untersuchungen und weiteren Experimenten gewidmete Fernerkundungssatelliten und ein zusätzlicher Kleinstsatellit aus China gelangten am 25. Januar 2018 in den Weltraum. Der Start erfolgte vom Satellitenstartzentrum Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der Provinz Sichuan.
    Befördert wurden die Satelliten von einer vom chinesischen Institut für Trägerraketenforschung (China Launch Vehicle Technology Research Institute, bzw. China Academy of Launch Vehicle Technology, CALT) entwickelten zweistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 2C bzw. Chang Zheng-2C (LM-2C / CZ-2C). Die unter anderem von der chinesischen nationalen Raumfahrtbehörde (China National Space Administration, CNSA) und der chinesischen Akademie der Wissenschaften (Chinese Academy of Sciences, CAS) mehr oder weniger gleichlautend zitierte staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete den 265. Start einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch insgesamt und berichtete, die Satelliten hätten den vorgesehenen Orbit erreicht, der Start sei ein vollständiger Erfolg.

    Der Start erfolgte am 25. Januar 2018 um 13:39 Uhr und 5 Sekunden Pekinger Zeit, das ist 6:39 Uhr und 5 Sekunden MEZ, von der Rampe Nr. 3 des Satellitenstartzentrums Xichang. Letzteres befindet sich in rund 65 Kilometern Abstand von der Stadt Xichang. Exakte Startzeit gemäß Displaydarstellung im Startkontrollzentrum war 13:39:04,986 Uhr Pekinger Zeit.

    Nach von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung ermittelte Daten gelangten die drei ins All transportierten Satelliten auf sehr ähnliche, rund 35 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahnen: Yaogan-30 04 Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 bewegen sich in Höhen zwischen 588 und 603 Kilometern über der Erde. Der außerdem ins All beförderte Kleinstsatellit Weina 1A Weixing gelangte auf eine ebenfalls rund 35 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahn in Flughöhen zwischen 585 und 615 Kilometern über der Erde. Die Zweite Stufe der Trägerrakete wurde zwischenzeitlich auf einer etwa 34,95 Grad geneigten Bahn mit einem der Erde nächsten Bahnpunkt von rund 395 und einer Erdferne von rund 605 Kilometern beobachtet.

    Die neuen Yaogan-Satelliten dienen nach Angaben von Xinhua elektromagnetischen Untersuchungen und weiteren Experimenten. In ihrer deutschsprachigen Ausgabe bezeichnet Xinhua die neuen Erdtrabanten als Fernerkundungssatelliten. Laut früheren Meldungen zu vorher gestarteten Raumfahrzeugen der selben Serie sind sie Konstruktionen eines Innovationszentrums für Mikrosatelliten der chinesischen Akademie der Wissenschaften (Chinese Academy of Sciences Institute of Microsatellite Innovation).

    Westliche Beobachter chinesischer Raumfahrtprogramme vermuten, dass die drei Satelliten wie andere früher gestartete Dreifachkonstellationen der elektronischen Aufklärung dienen. Dabei können elektromagnetische Abstrahlungen von militärischen Objekten am Erdboden und auf den Weltmeeren, wie zum Beispiel von Schiffen der Marinen andere Staaten, an Bord von Satelliten empfangen und zur Analyse zu geeigneten Bodenstationen weitergeleitet werden. Die Auswertung der so gewonnenen Daten kann zu Aussagen über Art, Eigenschaften und Leistung der Objekte führen, die die elektromagnetische Strahlung abgegeben haben.

    Darüber hinaus könnte der Einsatz von jeweils drei Satelliten auch genaue Standortbestimmungen von abstrahlenden Objekten erlauben, da unterschiedliche Signallaufzeiten von einem Objekt zu den drei Satelliten eines Tripletts Peilungen zulassen.

    Für möglich hält man auch, dass die Satelliten mit aufeinander abgestimmten Umlaufbahnen Aufgaben im Bereich der Raketenfrühwarnung erfüllen könnten. Spekuliert wird außerdem, dass die Satelliten mit optischen Instrumenten oder Radaranlagen ausgerüstet sind. Letzteres hält der Autor auf Grund der Größe der Satelliten für eher unwahrscheinlich.

    Zur Yaogan-30-Serie zählen jetzt vier Gruppen aus jeweils drei Satelliten. Die ersten drei Gruppen gelangten am 29. September 2017, am 24. November 2017 und am 25. Dezember 2017 ins All. Das Tempo, das China bei der Verwirklichung dieser auch Chuangxin 5 genannten Konstellation an den Tag gelegt hat, ist beachtlich. Außerdem bemerkenswert: Der Start am 25. Januar 2018 war schon der fünfte chinesische innerhalb von 17 Tagen.

    Weina-1A Weixing (微纳-1A卫星) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.169 und als COSPAR-Objekt 2018-011A. Yaogan-30 04 Nr. 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.170 und als COSPAR-Objekt 2018-011B. Yaogan-30 04 Nr. 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.171 und als COSPAR-Objekt 2018-011C. Yaogan-30 04 Nr. 3 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.172 und als COSPAR-Objekt 2018-011D. Die zweite Stufe der Trägerrakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.173 und als COSPAR-Objekt 2018-011E.


    (Autor: Axel Nantes - Quelle: CAS, CCTV, CNSA, Xinhua)


    » Ariane 5 VA241 - ein Kommentar
    28.01.2018 - Am 25. Januar 2018 stieg pünktlich die Ariane 5 VA241 mit den beiden Satelliten SES 14 und AlYah 3 in den Himmel. Alles schien super zu laufen und die raumfahrtinteressierte Gemeinde konnte am Webcast mehr oder weniger live verfolgen, wie die Rakete ihre Nutzlast in den Orbit transportierte.
    Diesmal war es aber anders, was aber erst im Nachhinein richtig klar wurde. Die Rakete flog einen anderen Kurs, man hatte keinen Kontakt zur Rakete und die Satelliten erreichten den vorgesehenen Orbit nicht. Unisono erklären Arianespace, ESA, die Sat-Betreiber und auch die Medien, dass die Satelliten aber dennoch den Einsatz-Orbit noch erreichen können und damit kein großer Schaden entstanden ist. Klar, das ist das Wichtigste. Die ESA hat eine Untersuchungskommission einberufen, die Ursachen und Umstände untersuchen soll.

    Dass die Rakete einen anderen Kurs flog als geplant, führt hier zur Frage, ob Sicherheitsanforderungen verletzt wurden und evtl. sogar Kourou gefährdet gewesen war. Einzelheiten dazu kann man in unserem Diskussionforum verfolgen.

    Der andere Aspekt ist, dass im Webcast von Arianespace möglicherweise wider besseren Wissens eine Show geboten wurde, die mit dem tatsächlichen Flug nichts zu tun hatte. Heutzutage nennt man das wohl "alternative Fakten". Manche werden das abtun, dass das eh nur Raumfahrtfans interessiert, aber es ist nicht nur peinlich, sondern nagt doch sehr an der Glaubwürdigkeit von Arianespace.

    Man darf jedenfalls gespannt sein, ob die ESA nicht nur den technischen und sicherheitstechnischen Teil untersucht, sondern auch dem Öffentlichkeitsinteresse genüge getan wird. Es wäre jedenfalls angebracht, wenn bei der ESA - auch im Zusammenhang mit Rosetta, Exomars u.a. - nicht nur den Interessen von Industrie, Wissenschaft und Politikern, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit Rechnung getragen wird - im Sinne von Transparenz, Glaubwürdigkeit und Inspiration.

    Wir werden die Ergebnisse verfolgen und diskutieren...

    Der Missions-Thread:

    Der Arianespace-Thread:


    (Autor: Thomas Brucksch - Quelle: Arianespace, Golem, Raumfahrer.net)


    » China baut Comsat Techo 1 für Kambodscha
    29.01.2018 - Im Zuge der Unterzeichnung zahlreicher bilateraler Verträge zwischen China und Kambodscha wurde am 11. Januar 2018 auch eine Vereinbarung über den Bau des ersten Kommunikationssatelliten für Kambodscha getroffen.
    Überlegungen, dass Kambodscha konkrete Schritte zur Verwirklichung eines eigenen Kommunikationssatelliten für Telefon- und Datenverbindungen und die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen unternehmen sollte, gibt es mindestens seit 2010. Im April 2011 war dann ein kambodschanisches Unternehmenskonglomerat namens Royal Group vom Staat mit der Lizenz zum Start des ersten kambodschanischen Kommunikationssatelliten versehen worden. Die Umsetzung sollte eine Tochter der Royal Group, die Royal Blue Skies organisieren.

    Im April 2011 ging man von einem Start des Satelliten im ersten Quartal 2013 aus und bezifferte die zu erwartenden Kosten auf einen Betrag zwischen 250 und 350 Millionen US-Dollar.

    Zwei Jahre Später, im April 2013, war von erwarteten Kosten zwischen 300 und 400 Millionen US-Dollar die Rede, und ein tatsächlicher Start nicht ansatzweise in Sicht.

    Lange später, nämlich im Dezember 2016, bat der kambodschanische Premierminister Samdech Techo Hun Sen die Royal Group eindringlich, die Umsetzung der Satellitenpläne ernsthafter zu verfolgen, und drängte darauf, endlich einen geeigneten Partner für den Start des ersten Kommunikationssatelliten des Landes zu finden.

    Im September 2017 wurde bekannt, dass die Royal Group mit der internationalen Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten aus China, der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC) an einer Machbarkeitsstudie arbeitete. Im Oktober 2017 nannte die Royal Group 2021 als Jahr für einen Start des ersten Kommunikationssatelliten für Kambodscha, und teile mit, man hoffe die Unterstürzung Chinas zu gewinnen. In Kenntnis der Tatsache, dass die Planung des Projekts weder abgeschlossen noch sonst irgendwie in sicheren Tüchern war, wurden im Oktober 2017 mögliche Kosten genannt, die 150 Millionen US-Dollar erreichen könnten.

    Am 11. Januar 2018 kam es im Friedenspalast in Phnom Phen schließlich zu einer Vertragsuntereichung zwischen Partnern aus China und Kambodscha. Unterzeichner auf kambodschanischer Seite kamen laut CGWIC von der Royal Group, auf chinesischer Seite von der CGWIC. Die Premierminister beider Länder, Samdech Techo Hun Sen (Kambodscha) und Li Keqiang (China) wohnten der Unterzeichnung bei.

    Vereinbart wurde ein Rahmenvertrag, der unter anderem den Bau und Start eines Techo 1 genannten Kommunikationssatelliten festlegt. Die CGWIC soll zusätzlich das notwendige Bodensegment bereitstellen, den notwendigen Wissenstransfer ermöglichen und den Abschluss erforderlicher Versicherungspolicen organisieren. Der Paketpreis inklusive des Raumfahrzeugs mit einer Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren soll sich im Bereich von 150 Millionen US-Dollar bewegen. Aktuell geht man weiter von einem möglichen Start 2021 aus.


    (Autor: Axel Nantes - Quelle: Cambodia New Vision, CGWIC, Khmer Times, Radio Free Asia Khmer Service, Rapid TV News, The Cambodia Daily, The Phnom Penh Post)



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"InSpace" Magazin #576
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
30. Januar 2018
Auflage: 14532 Exemplare


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