Wie europäische Raumfahrt funktioniert
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Autor: geroschmidt / 02.12.2004, 21:09:19 Uhr

Das russische Raumfahrtunternehmen Energia hat ein maßstabsgetreues Modell seines Kliper getauften Raumfahrzeugs enthüllt, das auf absehbare Zeit die Soyuz-Kapseln ablösen soll.

MSNBC
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Die Fima, die bislang alle russischen bemannten Raumfahrzeuge entwickelte, hat sich mit Kliper viel vorgenommen. Der Raumtransporter soll sechs Personen und kleinere Mengen Fracht in eine Erdumlaufbahn befördern können. Zum Vergleich: Die 40 Jahre alte Soyuz bietet Platz für maximal drei Raumfahrer. Kliper wird teilweise wiederverwendbar sein; das Crewmodul soll für bis zu 25 Flüge augelegt sein. Das, so Vertreter von Energia bei der Präsentation des neuen Vehikes in der Firmenzentrale in Korolyov, einem Vorort von Moskau, werde den Betrieb besonders wirtschaftlich machen. Schon jetzt kostet ein Soyuz-Start weniger als ein Zehntel dessen, was die NASA im Schnitt für eine Shuttle-Mission ausgibt. Kliper soll die Kosten noch weiter senken. Im Unterschied zur Soyuz-Kapsel wird ihr Nachfolger ein ganzes Jahr statt sechs Monate an der ISS angedockt bleiben können. Kliper soll außerdem 15 Tage lang autonom funktionieren, damit würde sich die Neuentwicklung auch für Missionen zu Zielen jenseits des erdnahen Weltraums eignen. Welche Trägerrakete zum Einsatz kommen wird, ist noch nicht entschieden. Unter anderem käme der in der Ukraine produzierte Zenith-Booster in Frage. Ebenfalls noch ungeklärt ist, ob Kliper an Fallschirmen landen wird, oder, als geflügelte Variante, auf einer Rollbahn wie das amerikanische Space Shuttle.



Das Kliper-Modell in einer Montagehalle bei Moskau


Die entsprechenden finanziellen Mittel vorausgesetzt - Energia schätzt die Entwicklungskosten auf $1-2 Milliarden - könnte Kliper zwischen 2010 und 2012 einsatzbereit sein. Aber eben hier liegt das Problem. Auch wenn das russische Raumfahrtbudget in letzter Zeit wieder steigt, reicht das noch nicht aus, um Kliper im angestrebten Zeitrahmen realisieren zu können. Deshalb hält Energia derzeit Auschau nach internationalen Partnern. Vor allem die Europäer könnten hier einen entscheidenen Beitrag leisten und auch selbst enorm von einer Beteiligung am Kliper-Projekt profitieren; schließlich hat Europa noch immer keinen unabhängigen Zugang zum Weltraum. Das Know-How der Russen dürfte sich hier bezahlt machen. Angeblich steht Energia auch in Verhandlungen mit ungenannten asiatischen Ländern.



Die Zenith-Trägerrakete auf der Startrampe
 
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