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Autor: Ralph-Mirko Richter / 01. Oktober 2013, 18:29 Uhr

Der Garnelennebel - Ein Sternentstehungsgebiet

Eine Mitte September von der Europäischern Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt den im Sternbild Skorpion gelegenen Garnelennebel. Das leuchtende Durcheinander der in diesem neuen Bild sichtbaren Gaswolken bilden ein gigantisches Sternentstehungsgebiet.

Quelle: ESO
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ESO, IAU, Sky&Telescope

Bild vergrößernDie Konstellation des Sternbildes Skorpion. Der rote Kreis markiert die Position des "Garnelennebels" IC 4628.
(Bild: ESO, IAU, Sky&Telescope)
In einer Entfernung von etwa 6.000 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem befindet sich der im Sternbild Skorpion (lateinischer Name Scorpius) gelegene Emissionsnebel IC 4628. Bei diesem auch als "Garnelennebel" bekannten Objekt handelt es sich um eine etwa 250 Lichtjahre durchmessende Region des Weltalls, die mit interstellarem Gas und Staub angereichert ist.

Obwohl sich dieser Nebel über eine Fläche des Himmels erstreckt, welche in etwa der vierfachen Fläche des Vollmondes einnimmt, wird er von ungeübten Beobachtern kaum wahrgenommen, was zum einen an der geringen scheinbaren Helligkeit von 7,31 mag liegt. Zum anderen wird ein Großteil des von diesem Nebel ausgehenden Lichtes in einem Spektralbereich abgegeben, der für das menschliche Auge nicht erkennbar ist.

Bei dem Garnelennebel handelt es sich um ein typisches H-II-Gebiet - eine großflächige Ansammlung von interstellarem Gas, wo eine rege Sternentstehung stattfindet. Noch relativ junge und heiße Sterne, welche sich aufgrund lokaler Verdichtungen in dieser Gaswolke gebildet haben, senden dabei große Mengen an ultravioletter Strahlung in die Umgebung aus.

Durch die UV-Strahlung werden die Elektronen von den Atomen des in der Gaswolke enthaltenen Wasserstoffs getrennt. Im Laufe der Zeit rekombinieren diese Elektronen wieder mit den Atomen des Wasserstoffs und regen das Gas dabei zum Leuchten an, wobei die roten Emissionslinien des Wasserstoffs dominieren. Der Garnelennebel ist neben der Bezeichnung IC 4628 auch unter dem Namen "Gum 56" bekannt - benannt nach dem australischen Astronomen Colin Gum, der im Jahr 1955 einen Katalog von H-II-Regionen veröffentlichte.

ESO, Acknowledgement: Martin Pugh

Bild vergrößernDer Garnelennebel: Die in dieser Aufnahme erkennbaren Gaswolken bilden ein riesiges Sternentstehungsgebiet. Es enthält Ansammlungen von heißen, neugeborenen Sternen, welche in den Nebel eingebettet sind.
(Bild: ESO, Acknowledgement: Martin Pugh)
Auf der von der Europäischen Südsternwarte (ESO) präsentierten Aufnahme des Garnelennebels sind Ansammlungen von heißen, noch relativ jungen Sternen erkennbar, welche in Wolken aus Gas und Staub, sogenannten Sternentstehungsregionen, eingebettet sind.

Während der letzten Jahrmillionen sind in dieser Himmelsregion viele solcher Sterne entstanden, welche sowohl als Einzelsterne als auch in Form von Sternhaufen auftreten. So gibt es einen großen, verstreuten Sternhaufen mit dem Namen "Collinder 316", der sich über einen Großteil des Bildes erstreckt. Dieser Sternhaufen ist Teil einer sehr viel größeren Ansammlung von sehr heißen und leuchtkräftigen Sternen. In der Aufnahme sind außerdem diverse dunkle Strukturen und Aushöhlungen zu erkennen. In diesen Bereichen des Garnelennebels wurde die früher dort vorhandene interstellare Materie von starken Sternwinden, welche von den nahegelegenen heißen Sternen ausgehen, regelrecht weggeweht.

Die hier gezeigte Aufnahme wurde mit dem VLT Survey Telescope (kurz VST) am Paranal-Observatorium der ESO in den chilenischen Anden angefertigt. Das VST ist das größte Teleskop der Welt, welches für die Durchmusterung des Himmels im Spektralbereich des sichtbaren Lichts konstruiert wurde. Es handelt sich dabei um ein modernes, mit einer speziellen Kamera - der OmegaCAM - ausgestattetes 2,6-Meter-Teleskop. Die Aufnahme ist Teil einer detaillierten, öffentlich zugänglichen Durchmusterung eines Großteils der Milchstraße, genannt VPHAS+, welche die Möglichkeiten des VST nutzt, um nach bisher unbekannten Objekten wie zum Beispiel jungen Sternen oder Planetarischen Nebeln zu suchen. Die Durchmusterung wird außerdem - so wie bei dem hier gezeigten Garnelennebel - die bislang besten Aufnahmen von Sternentstehungsgebieten liefern.

ESO, Acknowledgement: Martin Pugh

Bild vergrößernDiese Sammlung von Ausschnitten zeigt Nahansichten von einigen der seltsamen und spektakulären Strukturen im leuchtenden Durcheinander des Garnelennebels.
(Bild: ESO, Acknowledgement: Martin Pugh)
Mit ziemlicher Sicherheit stellt dieses Bild die bisher schärfste Aufnahme dieses Objektes dar. Um die Farben zu verstärken, wurden die VST-Aufnahmen mit zusätzlichen Bildern weiter verbessert, welche der Astrofotograf Martin Pugh mit anderen Filtern aufgenommen hat. Er beobachtete das Objekt mit einem 32-Zentimeter- und einem 13-Zentimeter-Teleskop von Australien aus. Mehr Details zu diesen zusätzlichen Beobachtungen finden Sie auf der entsprechenden Informationsseite von Martin Pugh.

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