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Autor: Ralph-Mirko Richter / 02. November 2013, 15:16 Uhr

Chile übergibt Land für den Bau des E-ELT an die ESO

Am vergangenen Sonntag überreichte der Präsident der Republik Chile die kürzlich unterzeichneten Dokumente zur Übergabe des Landes um den Cerro Armazones durch die chilenische Regierung an die ESO. Der Cerro Armazones, ein 3.060 Meter hoher Berg in den chilenischen Anden, wird der zukünftige Standort des European Extremely Large Telescope sein.

Quelle: ESO
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ESO, L. Calçada

Bild vergrößernIn der Umgebung der beiden Berge Cerro Paranal und Cerro Armazones, dem zukünftigen Standort des E-ELT, ist ein Areal mit einer Fläche von 1.270 Quadratkilometern als Schutzzone für den Betrieb der dort befindlichen Observatorien der ESO eingerichtet.
(Bild: ESO, L. Calçada)
Die ESO (kurz für "European Southern Observatory", zu deutsch "Europäische Südsternwarte") ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschungen, welche durch den Entwurf, den Bau und den Betrieb von leistungsfähigen bodengebundenen Teleskopen astronomische Untersuchungen auf höchstem Niveau durchführt. Die Teleskope der ESO gelten als die derzeit wissenschaftlich produktivsten Observatorien auf der Erde.

Gegenwärtig entwickelt die ESO ein neues, für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und des infraroten Lichts ausgelegtes Großteleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 39 Metern, welches bereits in weniger als zehn Jahren das größte optische Teleskop auf der Erde sein wird: das European Extremely Large Telescope (kurz "E-ELT").

Bereits im Jahr 2010 hatte die ESO den Gipfel des 3.060 Meter hohen Berges Cerro Armazones in der "Región de Antofagasta" in der nordchilenischen Atacama-Wüste als zukünftigen Standort für das E-ELT ausgewählt. Das neue Teleskop soll Bestandteil des Paranal-Observatoriums werden, welches derzeit aus dem Very Large Telescope (VLT), dem VLT-Interferometer sowie den Himmelsdurchmusterungsteleskopen VST und VISTA besteht. Der Cerro Paranal ist lediglich 20 Kilometer vom Cerro Armazones entfernt, so dass große Teile der dortigen Infrastruktur von beiden Standorten gemeinsam genutzt werden können.

Am 13. Oktober 2011 unterzeichneten der ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw und der chilenische Außenminister Alfredo Moreno in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile ein Abkommen zum E-ELT. Diese Vereinbarung beinhaltet unter anderem die Schenkung von 189 Quadratkilometern Land rund um den Cerro Armazones für den Bau des E-ELT sowie die Übertragung der Schürfrechte für die umliegenden Gebiete über einen Zeitraum von 50 Jahren, was einer zusätzlichen Fläche von 362 Quadratkilometern entspricht. Diese Maßnahme wird das E-ELT vor Lichtverschmutzung und Bergbauarbeiten (die hierbei auftretenden Erschütterungen des Bodens würden den Beobachtungsbetrieb des Teleskops erheblich beeinträchtigen) schützen. Zusammen mit den bereits vorhandenen 719 Quadratkilometern Land rund um den Cerro Paranal wächst die Schutzzone rund um den Paranal-Armazones-Komplex damit auf eine Fläche von insgesamt 1.270 Quadratkilometern.

ESO

Bild vergrößernEine künstlerische Darstellung des von der ESO geplanten E-ELT. Dieses 39-Meter-Teleskop soll bis zum Jahr 2022 auf dem 3.060 Meter hohen Gipfel des Cerro Armazones errichtet werden.
(Bild: ESO)
"Das Abkommen ermöglicht es uns, das E-ELT als Teil des VLT-Systems zu errichten. Außerdem verstärkt sich dadurch unser Engagement für und die Zusammenarbeit mit der chilenischen Gesellschaft. Letztlich ergeben sich so neue Möglichkeiten für großartige Entdeckungen und technologischen Fortschritt", so Tim de Zeeuw bei seiner Rede während der entsprechenden Zeremonie im Jahr 2011.

Alfredo Moreno ergänzte bei diese Gelegenheit: "Chile hat den klarsten Himmel auf der Welt und ist Heimatland der wichtigsten astronomischen Observatorien. Das ist für uns nicht nur eine Wertanlage, sondern auch ein Beitrag zur Entwicklung der Menschheit als Ganzes. Die Anwesenheit der ESO und das E-ELT-Projekt in unserem Land zeigen deutlich, wie viel Chile an Wissenschaft und Technologie gelegen ist."

Die chilenische Regierung verpflichtete sich im Rahmen dieses Abkommens außerdem zur Unterstützung in punkto Infrastruktur. Darunter fallen unter anderem die Unterhaltung der Straßen, welche die Observatorien mit der Stadt Antofagasta verbinden sowie die Mitwirkung bei der Anbindung des Paranal-Observatoriums an das nationale Stromnetz und bei der Untersuchung von Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien. Im Gegenzug erweitert die ESO den bestehenden Anteil von 10 Prozent an Beobachtungszeit für die Anträge chilenischer Astronomen auch auf das E-ELT. Mindestens drei Viertel dieser Zeit sollen dabei für Anträge chilenischer Astronomen gewährt werden, welche bei ihren Projekten mit Astronomen aus den derzeit 15 ESO-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten. Dies soll die internationalen Kooperationen, welche ein integraler Bestandteil eines Wissenschaftsprojektes dieser Dimension sind, fördern.

ESO

Bild vergrößernBei einer am 27. Oktober 2013 auf dem Paranal-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste abgehalten abgehaltenen Zeremonie übergab der chilenische Präsident Sebastián Piñera die kürzlich unterzeichneten Dokumente zur Übergabe des Landes um den Cerro Armazones durch die chilenische Regierung an die ESO. ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw (links) nahm die Unterlagen von Präsident Piñera (rechts) entgegen. Der Cerro Armazones wird die zukünftige Heimat des European Extremely Large Telescope (E-ELT) sein.
(Bild: ESO)
Am vergangenen Sonntag überreichte Sebastían Piñera, der Präsident der Republik Chile, die unterzeichneten Dokumente zur Übergabe des Landes um den Cerro Armazones durch die chilenische Regierung an die ESO. Die entsprechende Zeremonie fand am Paranal-Observatorium statt. Präsident Piñera wurde dabei von ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw, Fernando Comerón, dem Repräsentanten der ESO in Chile, und von Ueli Weilenmann, dem stellvertretenden Direktor des La-Silla-Paranal-Observatoriums, empfangen. Der Präsident wurde sowohl von dem chilenischen Außenminister als auch von Repräsentanten der lokalen chilenischen Behörden begleitet. In seiner Rede betonte Präsident Piñera die Wichtigkeit des Schutzes des Nachthimmels im nördlichen Chile.

"Hiermit machen wir einen entscheidenden Schritt, um Chiles Status als Welthauptsitz der Astronomie zu festigen. Das European Extremely Large Telescope auf dem Cerro Armazones wird das größte Auge auf den Nachthimmel werden, ein Auge das zum chilenischen Himmel hinaufschaut und dabei all die Geheimnisse ins Visier nimmt, die das Universum noch nicht preisgegeben hat. Für die moderne Astronomie ist heute ein bedeutsamer Tag, ebenso wie für Chile."

Der Generaldirektor der ESO drückte seinen Dank gegenüber der Regierung Chiles für diesen wichtigen Meilenstein mit folgenden Worten aus: "Die Zusammenarbeit zwischen Chile und der ESO begann vor 50 Jahren und hat sich nicht nur als fruchtbar und langfristig erwiesen, sondern auch aufregende Möglichkeiten für die Zukunft mit sich gebracht - zugunsten Chiles, der ESO-Mitgliedsländer und des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts. Das E-ELT ist ein klarer Beweis dafür."

Das E-ELT ist das bislang ehrgeizigste Projekt der ESO. Wenn es Anfang des nächsten Jahrzehnts den Betrieb aufnimmt - die Fertigstellung ist derzeit für das Jahr 2022 vorgesehen - soll sich das E-ELT einigen der größten derzeitigen astronomischen Herausforderungen stellen. Dazu gehört unter anderem der Nachweis eines erdähnlichen Planeten in der so genannten habitablen Zone eines Sterns, auf dem sich unter bestimmten Bedingungen eventuell Leben bilden könnte.

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