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Autor: Ralph-Mirko Richter / 05. Juli 2014, 08:26 Uhr

Rosetta-Aufnahmen zeigen rotierenden Kometenkern

Nach dem Abschluss eines weiteren Kurskorrekturmanövers befindet sich die Rausonde Rosetta mittlerweile in einer Entfernung von weniger als 40.000 Kilometern zu dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Fotoaufnahmen vom 27. und 28. Juni 2014 zeigen dessen rotierenden Kern.

Quelle: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, ESA
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ESA

Bild vergrößernEine künstlerische Darstellung der Kometensonde Rosetta. Die Raumsonde führt zur Zeit mehrere kritische Kurskorrekturmanöver durch, mit denen eine weitere Annäherung an das Ziel der Mission, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, erreicht werden soll. Am 6. August soll Rosetta schließlich in eine Umlaufbahn um den Kometen eintreten.
(Bild: ESA)
Nach einer Flugdauer von mehr als zehn Jahren nähert sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Rosetta ihrem eigentlichen Ziel, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, gegenwärtig immer weiter an. Das Ziel der Mission besteht darin, dass Rosetta am 6. August 2014 in einen Orbit um den Kometen einschwenkt und diesen anschließend auf seinem weiteren Weg in das innere Sonnensystem 'begleitet' und über mehrere Monate hinweg bis voraussichtlich zum Ende des Jahres 2015 untersucht. Zuvor müssen allerdings insgesamt zehn Kurskorrekturmanöver (kurz 'OCM') durchgeführt werden, mit denen die relative Geschwindigkeit von Rosetta zu 67P/Tschurjumow-Gerasimenko schrittweise reduziert und der Verlauf der Flugbahn der Raumsonde relativ zu dem Kometen angeglichen werden soll.

Das erste dieser Manöver, das OCM-1, erfolgte bereits am 7. Mai 2014. Trotz seiner großen Bedeutung für den weiteren Flugverlauf der Raumsonde handelte es sich bei diesem Manöver lediglich um eine Art 'Testlauf', mit dem bestätigt werden sollte, dass die Systeme der Raumsonde auch nach der Beendigung des vorherigen 957 Tage andauernden 'Winterschlafs' voll einsatzfähig sind und wie vorgesehen auf Kommandos reagieren. Durch eine 45 Minuten andauernde Zündung der Triebwerke der Raumsonde wurde die Geschwindigkeit von Rosetta im Rahmen des OCM-1 um 20 Meter pro Sekunde reduziert (Raumfahrer.net berichtete).

Die nächsten drei OCMs erfolgten im Abständen von jeweils 14 Tagen am 21. Mai, am 4. Juni und am 18. Juni. Aufgrund der jeweils mehrere Stunden andauernden Zündung der hierbei eingesetzten Triebwerke und der großen daraus resultierenden Geschwindigkeitsverringerung wurden diese Manöver auch als die drei 'Big Burns' bezeichnet. Insgesamt wurde die Geschwindigkeit von Rosetta hierbei um weitere 647,8 Meter pro Sekunde verringert (Raumfahrer.net berichtete).

ESA, Rosetta, MPS for OSIRIS-Team MPS, UPD, LAM, IAA, SSO, INTA, UPM, DASP, IDA

Bild vergrößernEine der 36 Einzelaufnahmen, welche am 27. und 28. Juni 2014 mit der Tele-Kamera (NAC) von OSIRIS aus einer Entfernung von rund 86.000 Kilometern aufgenommen wurden. Der Komet nimmt eine Fläche von etwa zwei mal zwei Pixeln ein.
(Bild: ESA, Rosetta, MPS for OSIRIS-Team MPS, UPD, LAM, IAA, SSO, INTA, UPM, DASP, IDA)
Das bisher letzte Kurskorrekturmanöver wurde am 2. Juli absolviert und hatte eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung von 58,7 Metern zur Folge. Die noch ausstehenden OCMs werden ab jetzt zunächst in Abständen von lediglich nur noch sieben Tagen durchgeführt. Hierbei sollen dann weitere Geschwindigkeitsveränderungen von 25,8 (9. Juli), 11,0 (16. Juli) und 4,8 Metern pro Sekunde (23. Juli) erreicht werden. Die zwei abschließenden OCMs sollen am 3. und am 6. August erfolgen. Im Rahmen des letzten Manövers soll die Raumsonde schließlich in eine 100 Kilometer über der Kometenoberfläche verlaufende Umlaufbahn eintreten.

Noch 40.000 Kilometer bis zum Ziel

Am gestrigen Freitag befand sich Rosetta in einer Entfernung von nur noch rund 40.000 Kilometern zu der Oberfläche des Kometen. Noch während des Wochenendes wird sich die Entfernung auf einen Wert von rund 36.000 Kilometern verringern, was in etwa einem Zehntel des mittleren Abstandes des Mondes von der Erde oder der Höhe der Umlaufbahnen von geostationären Erdsatelliten entspricht.

Aufnahmen zeigen den rotierenden Kometenkern

Aufgrund der sich immer weiter verringernden Entfernung zwischen der Raumsonde und dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ist die OSIRIS-Kamera, die vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelten und betriebenen Hauptkamera an Bord von Rosetta, mittlerweile in der Lage, den Kern des Kometen soweit aufzulösen, dass die entsprechenden Aufnahmen den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern einen ersten Eindruck von dessen Form und Gestalt vermitteln.

"Nach einer langen, langen Reise haben wir jetzt das Gefühl, in der unmittelbaren Nachbarschaft von 67P angekommen zu sein", so Dr. Holger Sierks vom MPS, der für die OSIRIS-Kamera verantwortliche wissenschaftliche Projektleiter.

ESA, Rosetta, MPS for OSIRIS-Team MPS, UPD, LAM, IAA, SSO, INTA, UPM, DASP, IDA

Bild vergrößernDiese Bildsequenz zeigt, wie sich der Kometenkern innerhalb von 12,4 Stunden einmal vollständig um die eigene Achse dreht. Die aus 36 Einzelaufnahmen bestehende Bildserie wurde mit der Tele-Kamera (NAC) von OSIRIS am 27. und 28. Juni 2014 aus einer Entfernung von rund 86.000 Kilometern aufgenommen und zeigt eine solche Umdrehung.
(Bild: ESA, Rosetta, MPS for OSIRIS-Team MPS, UPD, LAM, IAA, SSO, INTA, UPM, DASP, IDA)
Auf einer Serie von 36 Fotos, welche am 27. und 28. Juni 2014 angefertigt wurden, bedeckte der Komet aus einer Entfernung von rund 86.000 Kilometern eine Fläche von etwa zwei mal zwei Pixeln. Aus diesen Aufnahmen wurde eine kurze Animation erstellt, welche einen vollständigen Rotationszyklus des Kometenkerns zeigt. Für eine Drehung um seine Rotationsachse, so ein erstes Resultat dieser Aufnahmen, benötigt 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eine Zeitdauer von 12,4 Stunden.

"Schaut man genau hin, sieht der Komet etwas unscharf aus und scheint eine etwas größere Fläche einzunehmen", so Dr. Sierks weiter. Dies sei jedoch keinesfalls das Resultat einer den Kometenkern umgebenden Koma, sondern vielmehr die Folge von physikalischen Effekten, welche in jedem optischen System auftreten. Sobald Rosetta sich dem Kometen weiter angenähert hat und die OSIRIS-Kamera auch hochaufgelöste Bilder liefert, werden diese Effekte vernachlässigbar sein. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wird das Abbild des Kometen auf eine Größe von 20 mal 20 Pixeln anwachsen. Zu Beginn des Monats August wird er dann schließlich eine Fläche von 500 Pixeln einnehmen.

Derzeit ist die Aktivität von 67P/Tschurjumow-Gerasimenko zu gering, als dass sich um dessen Kern eine sichtbare Koma bilden könnte. Allerdings deuten die in letzter Zeit gewonnenen Daten darauf hin, dass die Staubproduktionsrate wieder leicht zugenommen hat. Es sei jedoch noch zu früh, um beurteilen zu können, ob es sich hierbei lediglich um ein kurzzeitiges Ereignis wie bereits zu Beginn dieses Jahres oder um die Anzeichen eines jetzt kontinuierlich erfolgenden Aktivitätanstieges handelt, so Dr. Sierks.

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