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Autor: Ralph-Mirko Richter / 05. Juli 2014, 14:39 Uhr

Gum 15 - Ein Sternentstehungsgebiet

Eine am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt die Sternentstehungsregion Gum 15. Die Aktivität der dort befindlichen jungen und massereichen Sterne wird letztendlich dazu führen, dass sich dieser Nebel auflöst.

Quelle: ESO
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ESO, IAU, Sky&Telescope

Bild vergrößernIn dieser Karte ist die Position des im Sternbild Vela gelegenen Emissionsnebels Gum 15 durch einen roten Kreis markiert. Aufgrund seiner südlichen Lage am Sternhimmel ist eine Beobachtung von Mitteleuropa aus allerdings nicht möglich.
(Bild: ESO, IAU, Sky&Telescope)
Eine am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt den Emissionsnebel Gum 15. Dieser unter Amateurastronomen eher unbekannte Nebel befindet sich in einer Entfernung von etwa 3.000 Lichtjahren zu unseren Sonnensystem im Bereich des Sternbildes Vela (zu deutsch "Segel des Schiffs") und gilt als ein Paradebeispiel für eine Sternentstehungsregion. Benannt wurde der Nebel von dem australischen Astronomen Colin Gum, der im Jahr 1955 den von ihm erstellten Gum-Katalog veröffentlichte, in dem insgesamt 84 Emissionsnebel katalogisiert sind.

Wasserstoff und Sternentstehungsregionen

Das chemische Element Wasserstoff (Symbol "H" im Periodensystem der Elemente) ist das häufigste im Kosmos vorkommende Element und kann von Astronomen praktisch bei jeder Untersuchung des Universums nachgewiesen werden. Sternentstehungsregionen - die so genannten H-II-Regionen (ausgesprochen "Ha zwei") - zeichnen sich dadurch aus, dass sich dort erhebliche Mengen an ionisiertem Wasserstoff befinden. Hierbei handelt es sich um Wasserstoffatome, deren Elektronen durch eine Wechselwirkung mit hochenergetischen ultravioletten Photonen entfernt wurden. Sobald die zuvor ionisierten Wasserstoffkerne diese Elektronen wieder 'einfangen', emittieren sie in verschiedenen charakteristischen Wellenlängenbereichen Licht. Eine dieser Wellenlängen verleiht Emissionsnebeln wie dem hier gezeigten Gum 15 ihr rötliches Leuchten - ein Leuchten, welches in der Astronomie als H-alpha-Linie bekannt ist.

In den meisten H-II-Regionen stammen die den Wasserstoff ionisierenden Photonen von noch relativ jungen und zugleich sehr massereichen und heißen Sternen, welche sich innerhalb dieser Regionen befinden. Dies ist auch bei Gum 15 der Fall. Einer der hierfür verantwortlichen Sterne - er trägt die Katalogbezeichnung HD 74804 - ist etwas außerhalb der Bildmitte zu erkennen. Bei diesem Stern handelt es sich um das hellste Mitglied eines Sternhaufens, welcher auch als "Collinder 197" bezeichnet wird.

ESO

Bild vergrößernDie Sternentstehungsregion Gum 15. Die dunklen Strukturen werden durch Konzentrationen von interstellaren Staubpartikeln hervorgerufen, welche das von dem Emissionsnebel ausgehende Licht abschirmen.
(Bild: ESO)
In einer H-II-Region können über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren hinweg bis zu mehrere Tausend Sterne entstehen. Diese Sterne regen den sie umgebenden Wasserstoff zum Leuchten an und verändern durch ihre Strahlungsabgabe zugleich die äußere Form der interstellaren Gaswolke. Diese Sterne sind zugleich auch für die schrittweise 'Zerstörung' dieser Wolken verantwortlich. Sobald die neu entstandenen Sterne ihr 'Kindesalter' hinter sich gelassen haben, strömen starke Teilchenströme - so genannte Sternwinde - von diesen massereichen und heißen Sternen in das Innere der Wolke, verformen diese zunächst und zerstreuen dabei im Laufe der Zeit den Wasserstoff.

Letztendlich wird sich eine H-II-Region im Rahmen dieser Prozesse komplett auflösen. Danach zeugt zunächst nur noch das Vorhandensein eines offenen Sternhaufens davon, dass in dieser Region des Universums einstmals eine intensive Sternentstehung erfolgte. Im Laufe der Jahrmillionen driften dann auch all diese ursprünglich zur selben Zeit und in der gleichen Region entstandenen Sterne langsam auseinander, bis sie nicht mehr als einstmals zusammenhängender Sternhaufen erkennbar sind.

Kosmische Edelsteine

Die klumpige und unregelmäßige Form von Gum 15, welche die Schönheit dieses Nebels auf dieser Aufnahme noch zusätzlich verstärkt, ist somit nicht ungewöhnlich für eine H-II-Region und wird letzendlich durch die umgebenden Sterne hervorgerufen. H-II-Regionen verfügen über vielfältige Formen, da die Verteilung der Sterne und des Gases in ihrem Inneren extrem unregelmäßig ausfällt. Die durch Staubpartikel erzeugten gabelförmigen dunklen Bereiche in dieser Aufnahme und einige schwache blaue Reflektionsstrukturen, welche diese teilweise kreuzen, tragen weiter zur interessanten Form von Gum 15 bei.

ESO, Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide De Martin

Bild vergrößernDiese Weitfeldaufnahme fängt die spektakuläre Himmelslandschaft um das zentrale Objekt Gum 15 ein. Neben vielen weiteren Objekten ist etwas links unterhalb des Zentrums der Sternhaufen NGC 2671 zu erkennen. Auf der unteren rechten Seite der Aufnahme sind Filamente zu sehen, welche Teil der Überreste der Vela-Supernova darstellen.
(Bild: ESO, Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide De Martin)
Die am vergangenen Mittwoch von der ESO veröffentlichte Aufnahme von Gum 15 wurde mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop, welches sich am La Silla-Observatorium in den nordchilenischen Anden befindet, im Rahmen des "Cosmic Gems"-Programms erstellt. Bei dem "Cosmic Gems"-Programm (übersetzt "kosmische Edelsteine") handelt es sich um eine Initiative der ESO zur Erstellung von astronomischen Aufnahmen, welche anschließend in erster Linie für die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden.

Das Programm nutzt dabei in erster Linie Beobachtungszeiten, während derer die Beobachtungsbedingungen nicht den strengen Ansprüchen einer wissenschaftlichen Beobachtung genügen, um Aufnahmen von interessanten und zugleich faszinierenden Himmelsobjekten anzufertigen, welche einfach nur schön anzusehen sind. Die Bilddaten sind anschließend im wissenschaftlichen Archiv der ESO für jedermann zugänglich. Auch professionelle Astronomen können diese Aufnahmen dann für ihre Zwecke nutzen.

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