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Autor: Stefan Heykes / 17. April 2013, 19:07 Uhr

RadioAstron - Das Interview (Teil 1)

Dr. Kirill Sokolowski vom Astrokosmischen Zentrum des Lebedew-Instituts, das das weltraumbasierte Radiointerferometer RadioAstron betreibt, stand Raumfahrer.Net für ein Interview zur Verfügung. In diesem Teil: Wie RadioAstron zu seiner Einsatzreife kam.

Quelle: RN Interview
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privat

Bild vergrößernKirill Sokolowski im Kontrollraum des Effelsberger Radioteleskops
(Bild: privat)
Raumfahrer.Net: Zunächst möchte ich Sie bitten, ein wenig über Ihre Arbeit zu erzählen. In welchem Bereich sind Sie tätig und wie kam es zu Ihrer Beteiligung an RadioAstron.

Kirill Sokolowski: Eigentlich habe ich zwei Arbeitsplätze. Hauptsächlich arbeite ich am Astrokosmischen Zentrum des Physikalischen Instituts Lebedew - hier arbeite ich für RadioAstron. Außerdem bin ich in Teilzeit als Softwareentwickler am Sternberg-Astronomie-Institut der Moskauer Universität beschäftigt und arbeite da an veränderlichen Sternen. Diese Arbeit steht nicht in Verbindung mit RadioAstron.

Ich war Student der Moskauer Universität und ging dann zum Astrokosmischen Zentrum, um meine Diplomarbeit über VLBI zu schreiben (Very Long Baseline Interferometry - Interferometrie über lange Basislängen, A.d.Ü.). Zu der Zeit suchten sie Leute für VLBI mit der Perspektive, dass RadioAstron eines Tages fliegen würde.

Raumfahrer.Net: Zu welcher Zeit suchte das Astrokosmische Zentrum (AKZ) dafür Personal?

Kirill Sokolowski: Das ist bereits längere Zeit her. Ich kam 2006 zum AKZ.

Raumfahrer.Net: Das ist etwa sieben Jahre her. Haben Sie bereits damals an dem Projekt RadioAstron gearbeitet?

Kirill Sokolowski: Zu der Zeit war ich kaum in das Projekt eingebunden. Ich arbeitete mit Daten aus erdbasierten VLBI-Beobachtungen. Nachdem ich mein Diplom bekommen hatte, ging ich zum Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn (MPIfR), um meine Doktorarbeit zu schreiben. Hier arbeitete ich weiter an erdbasierter VLBI. Wirklich eingebunden in RadioAstron wurde ich erst ab Sommer 2011, als ich nach Moskau zurückkehrte. Vor dem Start war die Arbeit an RadioAstron hauptsächlich etwas für Ingenieure. Als Astronom konnte ich zu der Zeit wenig mithelfen. Nach dem Start wurden die Dinge aus meiner Perspektive viel interessanter!

Raumfahrer.Net: Nach dem Start dauerte es einige Monate, bis RadioAstron begonnen hat, wissenschaftlich verwertbare Daten zu liefern. Wie haben Sie und die anderen Astronomen am AKZ sich gefühlt, als die ersten nützlichen Daten gewonnen wurden?

Kirill Sokolowski: Ich würde sagen, wir waren überrascht. Und sehr begeistert, natürlich! Der Wendepunkt, als wir begriffen, dass dieses Experiment ein Erfolg war, das dieses Ding tatsächlich funktioniert, war einige Zeit nach der Beobachtung am 14.11.2011 - der erste VLBI Test. Effelsberg, die drei russischen 32-m-Teleskope in Swetloje, Selentschuk und Badary sowie das ukrainische 70-m-Teleskop in Eupatoria nahmen an diesem Test teil.

Zunächst hatten wir keine funktionierende Software um die Datenreduktion durchzuführen. Wir bemerkten später, dass die Software des AKZ-Korrelators einen Fehler besaß, der nur beim Einsatz einer bewegten Antenne auffällt. Daher war dieser Fehler nicht bemerkbar bei der Verwendung von Teleskopen auf der Erde. Im Prinzip wurden in den ersten Wochen nach diesem Experiment zwei vereinfachte Software-Korrelatoren komplett neu geschrieben, um die Interferenzen nachzuweisen und den Fehler im "großen" Korrelator zu finden.

Später entwickelte James Anderson am MPIfR für den DiFX-Software-Korrelator die Fähigkeit, ebenfalls mit den Daten von RadioAstron umgehen zu können. DiFX ist der de-facto-Standard für erdbasierte VLBI-Datenverarbeitung. Aber bei den ersten Tests stand diese Software noch nicht zur Verfügung.

Auch ist zu sagen, dass es einen ziemlich sanften Übergang zwischen technischen Tests und eigentlich wissenschaftlich interessanten Beobachtungen gab. Das System befand sich in einem konstanten Debugging-Prozess bis Sommer 2012. Erst dann waren wir überzeugt, dass das System korrekt arbeitet und wir jetzt gute wissenschaftliche Daten gewinnen können.

Raumfahrer.Net: Sie haben die Beteiligung des MPIfR erwähnt. Was denken Sie über diese Beteiligung und wie wichtig ist sie?

ASC FIAN

Spektr-R im All (Bild: Astrokosmisches Zentrum)
Kirill Sokolowski: Die Zusammenarbeit mit dem MPIfR war entscheidend für das Projekt. Zunächst gewährte das MPIfR Beobachtungszeit in Effelsberg für RadioAstron-Tests. Das Effelsberger Teleskop bewährte sich als eines der nützlichsten Teleskope für die ersten RadioAstron-Tests und später während des Early Science Program (ESP, erste Phase wissenschaftlicher Beobachtungen von Ende 2011 bis Juni 2013, A.d.Ü.): Es ist sehr empfindlich, voll steuerbar und wird regelmäßig für VLBI-Beobachtungen eingesetzt, daher wird dort ständig auf alle Kleinigkeiten geachtet, die für Beobachtung und Kalibrierung wichtig sind. Es befindet sich auf dem gleichen Kontinent wie die RadioAstron-Empfangsstation in Puschtschino bei Moskau, so dass sich lange gemeinsame Beobachtungsfenster für Satellit und Bodenteleskop ergeben.

Außerdem unterstützte das MPIfR (insbesondere Direktor Anton Zensus) die Datenanalyse und die Datenlogistik. Die Hauptsache dabei war, die Implementierung der RadioAstron-Unterstützung in den DiFX-Software-Korrelator. DiFX war eine große Sache. Es wurde die wichtigste Software zur Datenanalyse, zumindest in der AGN-Gruppe (AGN=Active Galactic Nuclei - aktive Galaxienkerne, A.d.Ü.) in der ich arbeite.

Raumfahrer.Net: Wird DiFX nur in Bonn betrieben, oder kann auch das AKZ dieses Programm nutzen?

Kirill Sokolowski: Der größte Teil des "DiFXen" für die RadioAstron-AGN-Durchmusterung wird in Moskau durchgeführt. Bonn führt die Korrelation für bildgebende Experimente, die gemeinsam mit dem Europäischen VLBI Netzwerk (EVN) durchgeführt wurden. Hierbei entstehen große Datenmengen (um die 20 TB) und der MPIfR Korrelator kann diese leicht verarbeiten, was für uns in Moskau nicht wirklich zutrifft.

Wir haben kein DiFX auf unserem Großrechner (auf dem die AKZ-eigene Korrelationssoftware verwendet wird) und die Maschinen auf denen DiFX läuft sind nicht leistungsfähig genug, um ein komplettes bildgebendes Experiment zu korrelieren.

Derzeit läuft ein detaillierter Vergleich der Resultate der beiden Korrelatoren. Aber um diesen Vergleich vernünftig durchzuführen, müssen die ganzen Datensätze von beiden Korrelatoren verarbeitet werden.

Der zweite Teil des Interviews findet sich hier, der dritte hier

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