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Autor: Ralph-Mirko Richter / 20. Januar 2014, 13:44 Uhr

ESO-Teleskop hat Rosettas Kometen beobachtet

Die ESA-Raumsonde Rosetta soll heute aus ihrem am 8. Juni 2011 begonnenen Winterschlaf erwachen. Eine Aufnahme, welche Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung bereits am 5. Oktober 2013 mit Hilfe des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte angefertigt haben, zeigt das Ziel der Mission: den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko.

Quelle: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
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ESO, Colin Snodgrass (MPS)

Bild vergrößernLinks: Durch aufwändige Berechnungen, mit denen der Hintergrund aus unzähligen Sternen entfernt wurde, tritt der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko als heller Punkt zu Tage. Rechts: Die Flugbahn des Kometen vor dem Sternenhintergrund. Die Beobachtungen wurden mit Hilfe des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte am 5. Oktober 2013 aus einer Entfernung von etwa 500 Millionen Kilometern durchgeführt.
(Bild: ESO, Colin Snodgrass (MPS))
Bei dieser Aufnahme handelt es sich um das derzeit aktuellste Bild des Kometen, welcher kurz nach dieser Beobachtung auf seiner Bahn durch das Sonnensystem von der Erde aus gesehen hinter der Sonne verschwand. Um den lediglich etwa vier Kilometer durchmessenden Kometenkern aus einer Entfernung von etwa 500 Millionen Kilometern sichtbar zu machen, war eine sorgfältige Prozessierung der gewonnenen Bilddaten notwendig.

Die Grundlage für diese hier gezeigte Aufnahme war eine umfangreiche Beobachtungsserie, welche am 5. Oktober 2013 mit dem in den chilenischen Anden befindlichen Very Large Telescope (kurz "VLT") der Europäischen Südsternwarte (ESO) durchgeführt wurde. Bei der anschließenden Bearbeitung der Bilddaten gelang es den beteiligten Mitarbeitern des im niedersächsischen Katlenburg-Lindau beheimateten Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS), den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ohne seinen Sternenhintergrund zu zeigen.

Eine weitere Aufnahme zeigt das Sternenfeld mit einer eingezeichneten Flugbahn des Schweifsterns. Zum Zeitpunkt der Beobachtungen war der Komet von der Erde aus vor dem sternreichen Hintergrund des Zentrums der Milchstraße zu sehen, weshalb sich der lichtschwache Himmelskörper kaum von den unzähligen Sternen abhebt.

"Um das aktuelle Bild zu erzeugen, benutzten wir eine Methode, die winzige Veränderungen im Erscheinungsbild der Sterne, die auf Luftbewegungen in der Erdatmosphäre beruhen, sorgfältig herausrechnet", so Dr. Colin Snodgrass vom MPS. "Dieser Trick entfernt alles, was unverändert am Himmel steht. Zu sehen sind dann nur Sterne, deren Helligkeit sich ändert, und Körper, die sich bewegen - also etwa ein Komet."

Bereits im August vergangenen Jahres hatten Wissenschaftler des MPS zahlreiche, zum Teil mehrere Jahre zurückliegende Beobachtungen des "Rosetta-Kometen" ausgewertet. Die dabei gewonnenen Ergebnisse deuten darauf hin, dass 67P/Tschurjumow-Gerasimenko bereits im März 2014 - und somit deutlich früher als ursprünglich angenommen - damit beginnen wird, eine Koma auszubilden (Raumfahrer.net berichtete).

Im Oktober vergangenen Jahres befand sich der Komet noch so weit von der Sonne entfernt, dass er noch keine Gase und keinen Staub ausstieß. Deshalb ist er in der zu diesem Zeitpunkt angefertigten Aufnahme lediglich als einfacher Punkt zu erkennen. Im Verlauf seiner Reise in das innere Sonnensystem wird sich die Oberfläche des Kometen allerdings immer weiter erhitzen. Auf der Kometenoberfläche abgelagerte gefrorene Gase werden dabei verdampfen und winzige Staubpartikel mit sich reißen. Gase und Staub werden dann zunächst eine sogenannte Koma um den Kometenkern bilden aus der sich anschließend der für Kometen charakteristische Schweif formen wird. Für den Februar dieses Jahres, wenn der Komet erneut in das Gesichtsfeld des VLT rückt, sind die nächsten Beobachtungen geplant.

Die heute veröffentlichte Aufnahme markiert auch den Beginn einer engen Zusammenarbeit zwischen der europäischen Weltraumagentur ESA und der ESO. Das Ziel dieser Kollaboration ist es, parallel zu der Rosetta-Mission den Zielkometen auch mit erdgebundenen Teleskopen zu untersuchen. Die MPS-Mitarbeiter werden im Rahmen dieser Arbeit Aufnahmen der ESO-Teleskope nutzen, um die Gesamtaktivität des Kometen mit dem detaillierten Daten der Rosetta-Instrumente zu vergleichen.

Das MPS hat die wissenschaftliche Leitung bei drei der insgesamt 21 Instrumenten, mit denen die Kometensonde und der mitgeführte Lander Philae ausgestattet sind: dem wissenschaftlichen Kamerasystem OSIRIS (Orbiter), dem Sekundärionen-Massenspektrometer COSIMA (Orbiter) und dem Gasanalysator COSAC (Lander). Zudem ist das MPS an weiteren fünf Instrumenten beteiligt: ROSINA, MIRO, CONSERT, DIM und ROMAP und hat wichtige Teile der Landeeinheit Philae entwickelt und beigesteuert.

Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko benötigt etwa 6,5 Jahre, um auf seiner Umlaufbahn einmal um die Sonne zu kreisen. Er befindet sich derzeit in der Nähe der Umlaufbahn des Jupiters. Seine engste Sonnenannäherung, die ihn zwischen die Umlaufbahnen von Erde und Mars führen wird, erreicht er im August 2015.

Mittlerweile sollte die Kometensonde Rosetta, ausgelöst durch ein internes "Wecksignal", aus der Hibernation "erwacht" sein. Der Eingang eines Signals von Rosetta, mit dem die erfolgreiche Reaktivierung bestätigt werden soll, wird für den Zeitraum zwischen 18:30 und 19:30 MEZ erwartet. Auf unserer Portalseite können Sie dieses Ereignis in Form eines Live-Berichts aus dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum (kurz "ESOC") in Darmstadt mitverfolgen.

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