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Autor: Stefan Heykes / 20. April 2013, 01:31 Uhr

Alles, wovon man träumen kann (Interview Teil 3)

Im dritten und letzten Teil unseres Interviews mit Dr. Kirill Sokolowski: Warum viele Skeptiker am Sinn des Projekts zweifelten - und wie sehr sie daneben lagen. Außerdem ein kleiner Ausblick auf die Aufgaben für die nächsten Monate.

Quelle: RN Interview
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privat

Bild vergrößernKirill Sokolowski im Kontrollraum des Effelsberger Radioteleskops
(Bild: privat)
Dies ist der dritte Teil des Interviews. Zu Teil 1 und Teil 2.

Raumfahrer.Net: Eine andere Angelegenheit ist die interstellare Materie. Es wurde erwartet, dass diese Radiowellen streut, aber scheinbar tut sie das nicht in der erwarteten Weise?

Kirill Sokolowski: Ja! Die interstellare Streuung ist eine große Sache für RadioAstron. Ich selbst bin kein Experte dafür, aber so wie ich von meinen Kollegen höre, ist der Unterschied zwischen erwarteter und beobachteter Streuung sehr groß. Die Streuung ist vorhanden, aber sehr viel kleiner als zuvor erwartet.

Insgesamt scheint es so zu sein, dass die Streuung viel weniger homogen ist als zuvor erwartet. Das ist auch ein Grund, warum sie insgesamt kleiner als erwartet ist.

Tatsächlich war die Erwartung der starken Streuung ein großer Kritikpunkt vor dem Start von RadioAstron. Es gab eine ganze Reihe sehr kluger Köpfe, die dachten, dass RadioAstron bei mehr als 1-2 Erddurchmessern Basislänge nichts mehr sehen könnte. Mit dem derzeitigen Orbit kommen wir auf bis zu 25 Erddurchmesser. Damit ist die Auflösung geeignet für alles, von dem man träumen kann. Die Frage ist - was sind die kleinsten Details die wir trotz der interstellaren Streuung sehen können? Bereits jetzt können wir sagen, dass wir viel mehr sehen als einige Experten erwartet haben.

Raumfahrer.Net: Wann wurde Ihnen dieses Verhalten der interstellaren Materie klar?

Kirill Sokolowski: Wir waren zumindest die ersten, die dies direkt gemessen haben mit einem Interferometer bei Basislängen größer als die Erde! Für AGN gab es früh Hinweise, basierend auf Variabilität im Laufe eines Tages (schnelle Änderungen der Strahlungsstärke wegen der Streuung), dass ihre Größe klein ist. Aber diese Schätzungen sind noch mehr modellabhängig als die Größenbestimmungen bei VLBI.

Raumfahrer.Net: Also ändert sich die Streuung selbst innerhalb von Stunden?

Kirill Sokolowski: Ja! Und dies ist etwas, was wir in den nächsten Jahren detaillierter untersuchen wollen. Ein großer Punkt im AGN-Durchmusterungsprogramm im nächsten Jahr ist die Kombination von RadioAstron-Messungen mit erdbasierten Messungen der täglichen Strahlungsvariation, um die Streuung zu studieren.

Raumfahrer.Net: Das klingt ein wenig so, als ob man dieses Verhalten mit dem Verhalten der Atmosphäre im sichtbaren Licht vergleichen könnte - so wie Sterne blinken. Trifft dieser Vergleich zu?

Kirill Sokolowski: Ja, diese Analogie scheint vollkommen korrekt. Und das führt unmittelbar zu der Idee, ob es möglich ist, etwas ähnliches wie ein optisches Speckle-Interferometer im Radiobereich aufzubauen?! Und ich bin nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. Vielleicht geht es, aber ich kenne mich mit dem Thema derzeit selbst nicht gut genug aus, um das sicher zu sagen.

Raumfahrer.Net: Wir müssen also noch auf mehr Informationen warten. Sie haben die kommenden Jahre erwähnt. Derzeit läuft noch das Early Science Program, was bald enden wird. Im Juli startet das Key Science Program. Das ESP hatte einen starken Fokus auf die Untersuchung von AGNs. Wird das auch im KSP so bleiben, oder werden andere Bereiche größeren Anteil erhalten?

Kirill Sokolowski: Ausgehend von den akzeptierten Vorschlägen für das KSP wird die meiste Beobachtungszeit weiterhin für AGN verwendet werden. Maser und Pulsare werden ebenfalls beobachtet werden, aber ich denke der Anteil wird jeweils etwa gleich bleiben. Ich selbst habe ein akzeptiertes Projekt um kurzlebige Radioquellen wie etwa Supernovae oder das Zerreißen von Sternen durch schwarze Löcher zu beobachten, aber das ist ein erforschendes Projekt, was nie zuvor versucht wurde mit Weltraum-VLBI. So ist nicht klar, ob irgendwas dabei herauskommt. Aber ich denke es ist einen Versuch wert.

Raumfahrer.Net: Aus welchen Ländern kommen eigentlich die meisten Vorschläge für das KSP? Russland wird mit Sicherheit das führende Land sein, aber in welchen anderen Ländern besteht das größte Interesse an RadioAstron?

Kirill Sokolowski: Zunächst noch etwas zu den AGN-Beobachtungen während des KSP: Es wird deutlich mehr Bilder geben. Nicht nur drei Stück in einem Jahr. Zum Ursprung der Vorschläge denke ich, dass die meisten, wenn nicht alle, von internationalen Gruppen kommen, mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern als Ko-Autoren eines Vorschlags. Aus dem Kopf kann ich Deutschland, die USA, Spanien, Australien, Polen und Japan nennen. Aber mit Sicherheit habe ich einige vergessen. Unglücklicherweise habe ich noch keine offizielle Informationen über die akzeptierten Vorschläge. Das RadioAstron-Programm-Evaluationskomitee hat seine Bewertungen abgegeben, aber einige der Vorschläge hängen außerdem von den Bewertungen der Programm-Komitees einzelner Bodenteleskope und Netzwerke ab, wie etwa EVN oder VLBA, daher wurde noch keine finale Liste für das RadioAstron-KSP veröffentlicht. Es kann passieren, dass einige der für RadioAstron akzeptierten Projekte von den Bodenteleskopen abgelehnt werden, so dass sie nicht durchgeführt werden können.

Raumfahrer.Net: Können Sie abschätzen, wie viele abbildende Experimente es geben wird in der ersten KSP-Phase (Juli 2013-Juni 2014). Und wissen Sie, wann die Liste der akzeptierten Vorschläge feststeht?

Kirill Sokolowski: Die abbildenden Experimente hängen am stärksten von der Verfügbarkeit der Bodenteleskope ab. Eine Gelegenheit für solche Experimente ergibt sich bei jedem Perigäumsdurchgang von Spektr-R, also etwa alle 8,5 Tage. Dies gilt unter der Annahme, dass die Bodenstation in Green Bank (USA) bis dahin verfügbar ist. Es ist schwer zu sagen, wie viele Beobachtungen tatsächlich durchgeführt werden. Ich erwarte mindestens zehn abbildende Experimente, vielleicht mehr. Das KSP-Beobachtungsprogramm steht noch nicht fest. Ich denke, es wird aber keine abbildenden Beobachtungen vor September geben, da bis dahin schwere Sichtbegrenzungen in den Sommermonaten wirksam sind. So wird es für die ersten beiden Monate des KSP nur die einfache Detektion von Interferenzmustern für AGN, Maser und Pulsare geben, wie die meiste Zeit während des ESP.

NRAO

Das 43-m-Teleskop in Green Bank/USA soll in Kürze zu einer weiteren RadioAstron-Bodenstation werden.
(Bild: NRAO)
Raumfahrer.Net: Wann werden die Bodenstationen in Green Bank und Südafrika ihre Arbeit aufnehmen?

Kirill Sokolowski: Die Bodenstation in Green Bank wird ihre Arbeit in Kürze beginnen. Der ursprüngliche Plan ist, dass sie zum Start des KSP im Juli einsatzfähig ist. Unter Berücksichtigung möglicher Verzögerungen ist unsere momentan beste Schätzung, dass sie im September verfügbar ist. Alle Papiere zwischen den USA und Russland sind unterzeichnet, die elektronische Ausrüstung wird derzeit in Puschtschino getestet. Eine potentielle Verzögerungsquelle ist die Ausfuhrgenehmigung des russischen Zolls, aber es wird darauf hingearbeitet. Die Kontrollsysteme des 40-m-Teleskops in Green Bank wurden getestet, daher denke ich, dass es bereit ist. Nachdem die eigentliche Datenaufzeichnungstechnik geliefert wurde, wird es natürlich ein wenig Zeit dauern, sie zu installieren und zu testen. Daher ist die optimistischste Schätzung Juli, die realistischere ist aber September.

Was die südafrikanische Station betrifft, denke ich, dass die Dinge immer noch auf der Ebene von Gesprächen und Verträgen zwischen den Offiziellen liegen. Derzeit wird keine technische Arbeit dafür geleistet. Daher denke ich, dass die Trackingstation in Südafrika noch mindestens ein Jahr, vielleicht länger, bis zur Inbetriebnahme brauchen wird.

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