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Autor: Michael Johne / 31. Dezember 2008, 13:11 Uhr

Exoplaneten-Jahr 2008

Seit einigen Jahren wird den interessierten Lesern, die sich immer wieder gern über Exoplaneten informieren, eine jährliche Zusammenfassung über die wichtigsten Ereignisse und Entdeckungen von extrasolaren Planeten geboten. Hier ist die für 2008.

ESO
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Anzahl entdeckter Exoplaneten

Es ist schon fast zur Tradition geworden, dass diese jährlichen Zusammenfassung mit der Anzahl entdeckter Exoplaneten beginnt. Man fragt sich, wie viele Exoplaneten im Jahr 2008 entdeckt worden sind und welche Exoplaneten es sind. Und hier ist die Antwort: In diesem Jahr wurde ca. 62 Exoplaneten entdeckt.

Aufsummierte Anzahl entdeckter Exoplaneten pro Jahr

Anzahl entdeckter Exoplaneten pro Jahr
(Bild: M. Johne/EXOCHRONO2)

Die erfolgreichsten Monates des Jahres waren April, Juni und November. In diesen Monaten lag die Anzahl entdeckter Exoplaneten bei mindestens 10. Nachfolgend nun eine Auflistung der Anzahl entdeckter Exoplaneten:
  • Januar: 0
  • Februar: 5
  • März: 2
  • April: 10
  • Mai: 6
  • Juni: 11
  • Juli: 3
  • August: 0
  • September: 5
  • Oktober: 7
  • November: 10
  • Dezember: 4
Folgende Exoplaneten wurde im Jahr 2008 entdeckt: OGLE-06-109L b, OGLE-06-109L c, xi Aql b, HD 81688 b, 18 Del b, HAT-P-7 b, WASP-6 b, WASP-7 b, WASP-8 b, WASP-9 b, WASP-10 b, WASP-11 b, WASP-12 b, WASP-13 b, WASP-14 b, WASP-15 b, HD 45652 b, XO-5 b, CoRoT-Exo-3 b, CoRoT-Exo-4 b, CoRoT-Exo-5 b, MOA-2007-BLG-192-L b, HD 102272 b, HD 102272 c, HD 181433 b, HD 181433 c, HD 40307 b, HD 40307 c, HD 40307 d, HD 47186 b, HD 47186 c, HAT-P-9 b, 14 And b, 6 Lyn b, 81 Cet b, GJ 832 b, HD 154672 b, HD 205739 b, 1RXS J160929.1-210524 b, HD 131664 b, HD 60532 b, HD 60532 c, HD 153950 b, HD 20868 b, HD 145377 b, BD -17° 63 b, HD 48256 b, HR 8799 b, HR 8799 c, HR 8799 d, WASP-11 b / HAT-P-10 b, CT Cha b, Fomalhaut b, HD 191760 b, HD 191760 c, beta Pictoris b, HW Vir c, OGLE1-TR-L9 b, HAT-P-8 b, HD 183263 c und HD 181433 d.

Der Rekord mit den am meisten entdeckten Exoplaneten pro Jahr lag bisher im Jahr 2007 mit ca. 61 Exoplaneten. Die Anzahl hatte sich gegenüber dem letztem Jahr 2006 fast verdoppelt. Der Verhältnis der beiden Jahre 2007 und 2008 ist in etwa gleich geblieben. Der Rekord der entdeckten Exoplaneten konnte zwar nicht eindeutig übertroffen werden; man schaffte es aber, dass das Jahr 2008 die Nase knapp vorn hat. Insgesamt beläuft sich die Gesamtanzahl entdeckter Exoplaneten auf über 330.

Aufsummierte Anzahl entdeckter Exoplaneten pro Jahr

Aufsummierte Anzahl entdeckter Exoplaneten pro Jahr
(Bild: M. Johne/EXOCHRONO2)

Man muss allerdings anmerken, dass die ganzen Werte der Entdeckungen je nach verwendeter Quelle um einige wenige Exoplaneten (plus / minus 3) variieren können. Das kommt daher, dass einige Planetenkandiaten wegen ihrer sehr hohen Masse von einigen Personen als Braune Zwerge gehandhabt oder wegen ihres unbestätigten Entdeckungsstatus´ nicht mitgezählt werden.

Aufstieg der Exoplaneten

ESO

Künstliche Impression eines extrasolaren Planetensystems
(Bild: ESO)
Ein außerordentliches Merkmal des Jahres 2008 war die massenweise Bekanntgabe von Exoplaneten, deren Masse z. T. unter 10 Erdmassen liegt. Bei solchen planetaren Exemplaren spricht man von "Supererden".

Angefangen hat alles mit einer großen Studie unter der Leitung von Christophe Lovis vom Genfer Observatorium, in der die ersten Ergebnisse auf einer Konferenz der IAU (International Astronomical Union) vorgestellt wurden. Diese IAU-Tagung fand vom 19. – 23. Mai in Boston statt. Das Thema war "Transiting Planets" gewesen. Auf dieser Tagung gab Christophe Lovis bekannt, dass Hinweise auf über 45 Exoplaneten mit Massen unter 30 Erdmassen gefunden worden wären. Zudem gab es einige Exoplaneten mit Massen von weniger als 10 Erdmassen.

Schließlich wurden auch die ersten konkreten Planetenkandidaten auf dem internationalen Workshop "Extra Solar Super-Earths" vorgestellt, der vom 16. - 18. Juni in Nances (Frankreich) stattfand und ganz im Zeichen der "Supererden" stand. Die insgesamt 12 Exoplaneten, die dort erstmals veröffentlicht worden sind, haben in der Tat Planetenmassen, die größtenteils unter 10 Erdmassen lagen.

Direkte Abbildung von Exoplaneten

Völlig unerwartet hatte im 2. Halbjahr eine unabhängige Serie von Entdeckungen extrasolarer Exoplaneten gesorgt, die ihren Höhepunkt im November 2008 fand: Die Rede ist von dem visuell-direkten Nachweis einiger Exoplaneten.

Seit wenigen Jahren ist es möglich, extrasolare Planeten um andere Sterne nachzuweisen. Angefangen hat alles im Jahr 2004, als ein direkter Nachweis des Exoplaneten des Braunen Zwerges 2M 1207 gelang. Kurze Zeit später gelang es auch einige deutschen Planetenjägern, ein extrasolares Objekt um GQ Lup visuell nachzuweisen. Schließlich fanden einige amerikanische Astronomen sogar ein extrasolarer Objekt um AB Pic. Das Problem bei den beiden zuletzt genannten Kandidaten ist aber, dass sie sehr hohe Massen haben, die schon am Grenzbereich zwischen Planet und Braunem Zwerg liegt. Einige Astronomen sehen diese Objekte daher nicht mehr als Planetenkandidaten an. Auch zwei weitere Objekte aus dem Jahr 2006 – SCR 1845 b und UScoCTIO 108 b – folgen dieser Eigenschaft.

Während es im Jahr 2007 hingegen ruhig war, begann Ende Sommer 2008 die ganze Sache zu brodeln:
  • Ein Forscherteam um Ray Jayawardhana untersuchte den Stern 1RXS J160929.1-210524, spektroskopierte und fotografierte ihn im Nahinfrarot-Bereich. Dabei entdeckte man einen planetaren Begleiter, der sich in einer sehr großen Entfernung von ca. 300 AE vom Stern befindet, eine Planetenmasse von ca. 8 Jupitermassen hat und eine Größe von ca. 1,7 Jupiterradien.
  • Einige Wissenschaftler der NASA haben sogar verkündet, dass sie konkrete Hinweise auf die Existenz eines schon lange vermuteten Planeten um dem Stern Fomalhaut besitzen und diese bald veröffentlichen wollten.
  • Noch im selben Monat haben einige deutsche Planetenjäger um Tobias Schmidt von der Universitätssternwarte in Jena das Objekt CT Cha b angekündigt, das visuell aufgespürt und nachgewiesen konnte. Seine Masse wurde zwischen 11 – 23 Jupitermassen geschätzt; im Mittel liegt sie bei 17 Jupitermassen.
Und schließlich schlug eine "Nachrichtenbombe" mit sogar gleich 2 Sentsationsmeldungen am selben Tag im November ein:
  • Astronomen, die am Keck-Observatorium auf dem Gipfel des Mauna Kea in Hawaii arbeiteten, war es zum ersten Mal in der Geschichte der Exoplanetenforschung gelungen, 3 Planeten eines fernen Planetensystems um HR 8799 direkt zu fotografieren. HR 8799 besitzt eine dicke, massive Staubscheibe, die sich bis auf 300 Astronomische Einheiten (AU = Entfernung Sonne-Erde) hinaus ausdehnt.
  • Am selben Tag meldeten Astronomen der NASA, dass ihnen mit Hilfe des Hubble Space Telescopes ein Schnappschuss eines weiteren extrasolaren Planeten um den bekannten Stern Fomalhaut gelungen ist. Die Masse des fotografierten Planeten wurde auf nicht mehr als 3 Jupitermassen geschätzt. Anhand der gemachten Aufnahmen vermutete man eine Entfernung von ca. 115 AE vom Stern. Dies entspricht einer Umlaufzeit von 872 Jahren, was im Verhältnis zur Planetenmasse einen neuen Rekord darstellt.
  • Schließlich setzte ein französisches Astronomenteam eine weitere kleine Sensation in die Welt: Es hatte mit Hilfe des Very Large Telescopes der ESO einen Himmelskörper entdeckt, der sich sehr nahe an Beta Pictoris befindet und innerhalb seiner Staubscheibe liegt. Mit einer projizierten Entfernung von 8 AE vom Zentralstern könnte es der seit langem vermutete Planet sein, der u. a. auch für die Krümmung in der Staubscheibe verantwortlich wäre. Diese Entdeckung ist aber leider noch nicht zu 100 % bestätigt.
diverse

Collage aller visuell-entdeckten Exoplaneten im Jahr 2008
(Bild: diverse)

Staubscheiben mischen mit

Auch in Sachen "Staubscheiben" gab es einige Entdeckungen:
  • Im März 2008 stellte eine Forscherguppe um Ben Oppenheimer eine neue Aufnahme der Staubscheibe des jungen Sterns AB Aurigae vor, auf der ein punktartiges Etwas in einer Lücke der Scheibe auf einen gerade entstehenden Planeten hinweisen könnte. Das Team fand auf ihren Aufnahmen in einer Entfernung von 100 AE zum Stern eine große Lücke in der zirkumstellaren Scheibe: ein erstes Anzeichen für die Entstehung von mindestens einem kleinen Körper.
  • Einem Team aus japanischen Wissenschaftlern war es gelungen, eine protoplanetare Staubscheibe um den massereichen T-Tauri-Stern FN Tauri direkt fotografisch abzubilden. Bisher kannten die Astronomen nur sehr wenige protoplanetare Staubscheiben um T-Tauri-Sterne. Das japanische Team, dass FN Tauri untersuchte, bestand aus 15 Wissenschaftlern und wurde von Tomoyuki Kodo geführt.
  • Ein wissenschaftliches Team von Astronomen, welches von Jane Greaves geleitet wurde, hatte Anfang des Monats April 2008 auf der Tagung der Royal Astronomical Society in Belfast mitteilt, Hinweise auf einen Planeten in der Staubscheibe des sehr jungen Sterns HL Tauri aufgespürt zu haben. Die Forscher nahmen an, dass vor 1.600 Jahren ein kleiner, dichter Bereich im Inneren der protoplanetaren Scheibe kollabierte, wodurch ein neuer Planet entstand. Der Gravitationskollaps, der zur Entstehung dieses Objekts führte, wurde durch eine nahe Passage eines Nachbarsterns ausgelöst, als sich dieser vor 1.600 Jahren an HL Tauri vorbei bewegte.
  • Neue Beobachtungen mit dem Spitzer Space Telescope zeigten, dass das Planetensystem um Epsilon Eridani zwei bisher nicht bekannte Asteroidengürtel besitzt. Die Beobachtungen des Spitzer Space Telescopes suggerieren bei dem äußeren der beiden entdeckten Asteroidengürtel sogar einen dritten, bisher noch nicht bekannten Planetenkandidaten. Er könnte für die Bildung des äußeren Asteroidengürtels verantwortlich sein.
 
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