Ein zehn Zentimeter großes Trümmerstück zwingt die Bodenkontrolle das für den 18. Januar geplante Bahnanhebungsmanöver auf heute vorzuziehen. Es ist die dreizehnte Bahnkorrektur der Station seit 1998, die Gefährdung der Station wurde mit der Warnstufe Rot bewertet.
Am gestrigen Abend informierte die Missionskontrolle alle sechs Raumfahrer an Bord der ISS über die notwendige Zündung der Swesda-Triebwerke. Dafür musste die Besatzung heute morgen die Schutzfenster der Module Destiny, Tranquility, Cupola und Kibo schließen, um Verschmutzungen an diesen zu vermeiden. Seit vorgestern beobachteten die Bodenstationen das Trümmerstück, welches aus der Kollision des russischen Satelliten Kosmos 2.251 mit dem Iridium-33-Satelliten im Februar 2009 hervorgegangen ist und die Station in einer Entfernung von 1 bis 24 Kilometern passieren könnte. Zwei dichte Annäherungen am heutigen Tag wären möglich gewesen, einmal um 19:38 Uhr und um 21:10 Uhr MEZ.
Gestern Abend entschloss man sich, ein DAM (Debris Avoidance Maneuver) genanntes Manöver durchzuführen. Während der Arbeitsperiode der sechs Crew-Mitglieder wurden die zwei KD-Triebwerke des ODU-Systems (Integriertes Antriebssystem) des Swesda-Moduls um 17:10 Uhr MEZ für 54 Sekunden gezündet. Das Delta-v betrug dabei 0,85 Meter pro Sekunde, wobei sich die mittlere Umlaufbahn des Orbitalkomplexes um 1,5 Kilometer auf 391,4 Kilometer erhöhte. Die Kontrolle der näheren Umgebung der ISS wird in Zusammenarbeit der Missionskontrollzentren in Koroljow (Moskau) und Houston weiter fortgeführt. Eine zusätzliche Optimierung der ISS-Flugbahn, vorbereitend auf die Ankunft von Progress-M 14M Ende diesen Monats, ist nicht nötig.
Nachdem verschiedene Quellen bereits eine Verschiebung des VEGA-Jungfernflugs auf Ende Januar oder Anfang Februar 2012 gemeldet hatten, gab die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) am 9. Januar 2012 als neues Startdatum den 9. Februar 2012 bekannt.
VEGA im Flug - Illustration (Bild: ESA/J. Huart)
Bei ihrem Jungfernflug von Kourou in Französisch-Guayana aus soll die neue vierstufige Rakete den italienischen Forschungssatelliten LARES, sechs sogenannte Cubesats, annähernd würfelförmige Kleinstsatelliten, und den europäischen Universitätssatelliten ALMASat 1 in den Weltraum transportieren.
Gestartet wird der VEGA-Flug VV01 vom überarbeiteten Startkomplex ELA-1, von dem früher Raketen der Typen Ariane 1 und Ariane 3 abhoben.
Das japanische Sonnensegelexperiment hat nach langem erfolgreichem Einsatz nun offenbar zu wenig Energie für ein korrektes Funktionieren und ist zwischen dem 26. und 29. Dezember 2011 in einen Tiefschlafmodus übergegangen.
IKAROS im All - Illustration (Bild: JAXA)
Aus diesem könnte die Raumsonde in einigen Monaten erwachen, wenn die Solarzellen am Sondenkörper wieder in einem günstigeren Winkel zur Sonne stehen. In den letzten Monaten war bereits die Datenrate der Informationsübertragung aufgrund der großen Entfernung zur Erde und des Energiemangels beträchtlich gesunken.
Zum Jahreswechsel hatte IKAROS eine Entfernung von knapp 140 Millionen Kilometern von der Sonne, war von der Erde 235 Millionen und von der Venus, die sie Mitte Dezember 2010 passierte, 237 Millionen Kilometer entfernt. Die Sonde mit aufgespanntem Sonnensegel rotiert um die Längsachse, was zu einer stabilen Lage im Raum führt, die auch durch Energiemangel nicht verlorengehen sollte.
Der Sonnensegeldemonstrator IKAROS (Interplanetary Kite-craft Accelerated by Radiation Of the Sun), benannt nach dem legendären Ikarus, startete am 21. Mai 2010 zusammen mit zwei weiteren Raumsonden und drei kleinen Erdsatelliten ins All und wurde auf eine Flugbahn in Richtung Venus gebracht.
Anfang Juni wurde das Sonnensegel in mehreren Etappen durch die Fliehkraft von vier Pilotmassen aus dem rotierenden Sondenkörper herausgezogen und am 10. Juni entfaltet. Seitdem wirkte der Lichtdruck der Sonne zur Beschleunigung der Sonde, allerdings mit sehr geringer Kraft um 1 Millinewton. Außerdem generierten Solarzellen, die einen kleinen Teil des 173 m² großen Segels bedecken, etwas zusätzliche elektrische Energie. 8 Staubdetektoren maßen die Dichte interplanetarer Partikel im inneren Sonnensystem und ein weiterer spezieller Detektor hatte Gammastrahlungsblitze erfasst. Ein neuartiges Messsystem zur Ermittlung der Entfernung der Sonde zu Erde und Venus funktionierte ebenfalls und zwei Mitte Juni ausgesetzte Kamerasonden hatten Bilder vom entfalteten Sonnensegel zur Sonde übertragen. Von dort aus wurden sie zur Erde übermittelt. Damit war die Mission bereits vor mehr als einem Jahr ein hundertprozentiger Erfolg.