Nach Angaben einer japanischen Regierungsstelle hat der Radaraufklärer IGS 4A am 23. August 2010 sein Betrieb eingestellt.
Der Ausfall des Satelliten ist wahrscheinlich auf eine Fehlfunktion im Stromversorgungssystem des Satelliten zurückzuführen, wird vermutet. Als wahrscheinlich betrachtet man ein Versagen im Zusammenhang mit den Akkumulatoren des Satelliten. Das am 2. Februar 2007 auf einer H-2A-Rakete von Tanegashima aus zusammen mit IGS 4B ins All transportierte Raumfahrzeug war zuletzt in einer annähernd kreisförmigen Bahn zwischen 480 und 500 Kilometern über der Erdoberfläche und mit einer Neigung von etwa 97,4 Grad unterwegs. IGS 4A ist der zweiten Radarsatellit, den Japan insbesondere zur Aufklärung von Aktivitäten in Nordkorea und China eingesetzt hat. Vor seinem Ausfall war er der einzige aktive japanische Radaraufklärer. Die Aussichten, den Satelliten noch einmal in einen betriebsfähigen Zustand versetzen zu können, werden als ausgesprochen gering eingeschätzt. Mit Arbeiten zur Reaktivierung des Trabanten hat man aber trotzdem begonnen.
Fünf Jahre lang hätte IGS 4A im Weltraum nutzbar sein soll, bis 2012 wollte man ihn einsetzen. IGS 1B alias IGS R-1, Japans erster operativer Radaraufklärungssatellit, erreichte ebenfalls nicht seine Auslegungsbetriebsdauer von fünf Jahren. Der 2003 gestartete Satellit fiel 2007 wegen einem Akkumulatorenproblem aus. Bleibt IGS 4A unbenutzbar, bedeutet dies einen weiteren einer Ketten von Rückschlägen im japanischen Aufklärungssatellitenprogramm.
IGS 4A alias IGS R-2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 30.586 bzw. als COSPAR-Objekt 2007-005A.
China startet Erdbeobachtungssatelliten Tian Hui 1
Am 24. August 2010 startete vom Startgelände Jiuquan aus eine Rakete, um den neuen chinesischen Erdbeobachtungssatelliten Tian Hui 1 in den Weltraum zu bringen.
CZ-2D mit Tian Hui 1 hat abgehoben (Bild: Chinesisches Verteidigungsministerium)
Der Start erfolgte um 9:10 Uhr MESZ vom Jiuquan Satellite Launch Center im Nordwesten Cinas, abgekürzt als JSLC bezeichnet. Die Rakete hob um 15:10 Uhr Ortszeit ab. Transportiert wurde der Satellit von einem zweistufigen Projektil des Typs Langer Marsch 2D (Chang Zheng-2D, CZ-2D). Es flog die 128. Weltraummission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch. Das von ihm ins All gebrachte Raumfahrzeug erreichte den vorgesehenen Orbit. Es wurde von Dong Feng Hong, einem Unternehmen der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC), gebaut.
Tian Hui 1 besitzt zwei Kamerasysteme. Eines der beiden ist mit CCD-Sensoren ausgestattet und kann Bilder im Spektralbereich zwischen 0,51 und 0,69 Mikrometern mit einer Bodenauflösung von rund 5 Metern in 3 D und einem Sichtfeld von rund 25 Grad erfassen. Das andere erreicht eine Bodenauflösung von rund 10 Metern und arbeitet in den vier Wellenlängenbereichen zwischen 0,43 und 0,52 Mikrometern, zwischen 0,52 und 0,61 Mikrometern, zwischen 0,61 und 0,69 Mikrometern sowie zwischen 0,76 und 0,90 Mikrometern. Aus dem Arbeitsorbit des Satelliten in rund 500 Kilometern Höhe über der Erde können die Kamerasysteme rund 60 Kilometer breite Streifen abtasten.
Nach Angaben des chinesischen Verteidigungsministeriums dient der neue Satellit im Wesentlichen wissenschaftlichen Experimenten. Außerdem soll er zur Beobachtung von Bodenressourcen und für Kartierungsaufgaben verwendet werden. Eine militärische Verwendung des Satelliten mit der Fähigkeit zur Anfertigung stereoskopischer Aufnahmen und einer Analyse der Erdoberfläche in unterschiedlichen Spektralbereichen ist nicht auszuschließen.
Im ESA-Pavillon der ILA 2010 in Berlin zeigten Ingenieure des DLR Oberpfaffenhofen live Fahrtests des geplanten großen europäischen Marsrovers ExoMars. Raumfahrer.net ließ sich das System ausführlich erklären.
Der ExoMars-Testrover auf seinem Prüfstand im ESA-Pavillon der ILA 2010. (Bild: Raumfahrer.net (R.-M. Richter))
Der Rover ist Teil einer für 2018 geplanten europäisch-amerikanischen Gemeinschaftsmission und soll sich vorwiegend exobiologischen Fragestellungen widmen, darunter vor allem: Gab es einst und gibt es vielleicht sogar jetzt noch Leben auf dem Mars? Dazu wird er erstmals ein Bohrwerkzeug einsetzen, mit dem er Bodenproben aus bis zu zwei Metern Tiefe beschaffen kann.
Bis es soweit ist, gilt es aber zunächst, das Grundsystem auf die Räder zu stellen und sicher zu beherrschen. Dazu ist derzeit am Standort Oberpfaffenhofen des DLR ein Testrover im Einsatz, dessen Fahrwerk und wichtige dynamische Eigenschaften bereits weitgehend dem Rover entsprechen, der 2017 zum Mars starten soll. In einem Prüfstand zur flexiblen Nachbildung der Marsoberfläche fährt er rechnergesteuert Trajektorien ab und erprobt alle möglichen Fahr- und Einsatzmodi, die den Ingenieuren in Antizipation der kommenden technischen und wissenschaftlichen Aufgaben so einfallen. Dieser Prüfstand war Bestandteil des ESA-Pavillons bei der ILA 2010 und wir hatten Gelegenheit, uns ausführlich über das System und seine derzeitigen Tests zu informieren.
Der grundsätzliche Aufbau des Rovers ist natürlich ähnlich wie bei den erfolgreichen Vorbildern, den Marsrovern der NASA, Spirit und Opportunity. Auch von der Größe und Masse her spielt er etwa in derselben Gewichtsklasse. In einigen Dingen wird ExoMars aber diesen Rovern und auch dem kommenden, wesentlich größeren NASA-Rover Curiosity überlegen sein. Dazu zählen vor allem der Aufbau der Räder und die Wendigkeit des Rovers.
Mehr dazu können Sie in unserem umfassenden Bericht nachlesen.
Quelle: Space Sciences Laboratory, University of California, Berkeley
Omega Centauri im Infrarot
Wärmestrahlung verschiedener Wellenlängen, die vom NASA-Satelliten WISE (Wide-Field Infrared Survey Explorer) gemessen wurde, hat man zu einer kontrastreichen Falschfarbenkomposition zusammengesetzt.
Kugelsternhaufen NGC 5139 (Bild: NASA/JPL-Caltech/WISE Team)
Der 16.000 Lichtjahre entfernte und etwa 150 Lichtjahre durchmessende Kugelsternhaufen Omega Centauri im Sternbild Zentaur umfasst etwa 10 Millionen Sterne und ist außergewöhnlich. Er ist etwa 10-mal massereicher als andere Kugelsternhaufen, die unsere Galaxie umgeben, besteht aus Sternen unterschiedlicher Generationen und enthält wahrscheinlich ein Schwarzes Loch. Damit ist Omega Centauri wohl eher der Überrest einer Zwerggalaxie, die ihre Randsterne bereits verloren hat. Aus Aufnahmen des Wide-Field Infrared Survey Explorer der NASA wurde nun ein Komposit zusammengesetzt, welches besondere Details des Kugelsternhaufens, der auch die Bezeichnung NGC 5139 trägt, zutage treten lässt.
Blau und zyan wurde die Wärmestrahlung von Sternen bei 3,4 µm bzw. 4,6 µm dargestellt, grün signalisiert warmen Staub zwischen den Sternen, der vor allem bei 12 µm leuchtet und seltenes Rot zeigt Objekte mit Emissionen bei 22 µm Wellenlänge.
Bereits Claudius Ptolemäus war Omega Centauri im 2. Jahrhundert bekannt, er hielt das Objekt allerdings für einen Stern. Edmond Halley identifizierte es 1677 als Nebel. Erst in den 1830er Jahren erkannte John Herschel in Omega Centauri einen Kugelsternhaufen, der unsere Galaxie umläuft.
Der russische Satellitenbetreiber Gazprom Space Systems (GSS) teile am 17. August 2010 mit, dass sein neues im Bezirk Schelkowo angesiedeltes Satellitenkontrollzentrum seinen Betrieb aufgenommen hat.
Innenansicht des Kontrollzentrums (Bild: JSC GASCOM)
Seit dem 16. August 2010 ist das neue Kontrollzentrum in Betrieb, von dem die Missionen der Yamal-Satelliten gesteuert und überwacht werden. Vorher erfolgte die Kontrolle dieser Satelliten von einem 1999 aufgebauten Zentrum auf einem von RSC Energia gemieteten Gelände im rund 20 Kilometer nordöstlich von Moskau gelegenen Koroljow.
Möglicherweise wird der fast 16 Jahre alte Kommunikationssatellit Thaicom 2 im geostationären Orbit noch eine neue Position beziehen, bevor er endgültig außer Betrieb genommen wird. Damit würde Thailand das Recht zur Nutzung der entsprechenden Orbitalposition auch weiterhin behalten.
Thaicom 2 über der Erde - Illustration (Bild: Boeing)
Nach den Regeln der International Telecommunications Union (ITU) kann das Nutzungsrecht für eine Position im geostationären Orbit neu vergeben werden, wenn sie durch das Land, das die Position für sich reserviert hatte, nicht genutzt wird. Nach Informationen aus dem Ministerium für Information und Kommunikationstechnik aus Thailand läuft das Nutzungsrecht zum Betrieb eines thailändischen Satelliten an der Position bei 50,5 Grad Ost Ende 2010 aus. Gelänge es, Thaicom 2 von seiner jetzigen Position bei 78,5 Grad Ost auf die bisher nicht benutzte Position zu steuern, würde sich das Nutzungsrecht um zusätzliche achtzehn Monate verlängern.
Weil ein bei 50,5 Grad Ost stationierter Kommunikationssatellit den mittleren Osten und Afrika versorgen könnte, hält das Ministerium die Position für so wichtig, dass sie jetzt wie vom Satellitenbetreiber Thaicom vorgeschlagen vorübergehend mit Thaicom 2 besetzt werden soll, dem damit eine letzte wichtige Aufgabe zukommt, sofern das thailändische Regierungskabinett das Verfahren billigt. Der am 8. Oktober 1994 auf einer Ariane-4-Rakete ins All transportierte Satellit mit einer Startmasse von rund 629 kg hat nach den Angaben des Herstellers Boeing eine Auslegungsbetriebsdauer von 13,5 Jahren. Mit seinen 12 C-Band- und 3 Ku-Band-Transpondern erreichte der auf dem Satellitenbus 376L basierende Thaicom 2 Empfänger in Südostasien, Korea, Japan und an der Ostküste Chinas. Die auf dem Satelliten etablierten Dienste sind zwischenzeitlich auf Thaicom 5, der ebenfalls bei 78,5 Grad Ost stationiert ist, transferiert worden.
Thaicom 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 23.314 bzw. als COSPAR-Objekt 1994-065B.
Die beiden schwedischen Kleinsatelliten beginnen mit einer Serie von Navigationsexperimenten zu Formationsflug und Rendezvoustechniken.
Dazu trennten sich die bisher verbundenen Satelliten am Mittwoch, wie die Swedish Space Corporation (SSC) gestern auf prismasatellites.se meldete. Mango und Tango starteten am 15. Juni als Experiment "Prisma" an der Spitze einer Dnepr-Trägerrakete vom russischen Jasni aus ins All. Seither hat das Duo 823 Umläufe um die Erde in einer Höhe zwischen 720 und 790 Kilometern bei einer Bahnneigung von rund 98° absolviert.
"Die Telemetrie zeigt an, dass Tango frei fliegt und sich mit einer langsamen, nach der Sonne ausgerichteten Rotation stabilisiert hat. Die Batterie ist nominal und die Solarzellenfläche funktioniert", so Techniker der SSC.
Zum Zeitpunkt der Meldung waren die beiden 140 bzw. 40 kg leichten Minisatelliten etwa 120 Meter weit voneinander entfernt. Die Navigation erfolgt derzeit über GPS-Daten. Die ersten Bilder vom frei fliegenden Tango sind mittlerweile in der Bodenstation eingetroffen.
Am Projekt Prisma sind auch Institutionen aus Frankreich, Spanien, Deutschland, Dänemark und Italien beteiligt.
Quelle: Heavens Above, n2yo.com, Gazprom Space Systems
Yamal 102 im Friedhofsorbit
Der russische Satellitenbetreiber Gazprom Space Systems teilte am 9. August 2010 mit, dass der Kommunikationssatellit Yamal 102 in einen Friedhofsorbit gesteuert und deaktiviert wurde.
Yamal-100-Satellit (Bild: JSC GASCOM)
Das mit 10 C-Band-Transpondern ausgerüstete Raumfahrzeug wurde nach Angaben von Gazprom Space Systems beim Erreichen seiner Auslegungsbetriebsdauer außer Betrieb genommen. Vom eigenen Missionskontrollzentrum aus habe man eine Orbitanhebung initiiert und sämtliche Systeme des Satelliten deaktiviert, als dieser seine neue Umlaufbahn erreicht hatte. Dieses Verfahren sei im Einklang mit den Bestimmungen der International Telecommunications Union (ITU) abgewickelt worden.
Die aktuellen Bahndaten zu Yamal 102 zeugen von einer Anhebung seiner Umlaufbahn um die Erde von etwa 80 Kilometern. Im geostationären Orbit war der Satellit während seiner aktiven Betriebszeit bei 90 Grad Ost stationiert. Am 6. September 1999 hatte eine Proton-Rakete bei einem Doppelstart den Erdtrabanten mit einer Startmasse von rund 1.300 Kilogramm zusammen mit einem Schwestersatelliten, dessen Inbetriebnahme nicht gelang, in den Weltraum transportiert.
Bei 90 Grad Ost ist aktuell der im Jahr 2003 gestartete Yamal 203 im Einsatz. 2011 sieht Gazprom Space Systems den Start von Yamal 300K vor, der anschließend bei 90 Grad Ost arbeiten soll. Außerdem plant das Unternehmen, mit Yamal 401 im Jahr 2013 seine Kapazitäten bei 90 Grad Ost auszubauen.
Yamal 102 alias Yamal 100 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25.897 bzw. als COSPAR-Objekt 1999-047B.
Der Treibstoff zur Positionskorrektur und Lageregelung des Kommunikationssatelliten Amos 5i geht schneller zur Neige, als sein Betreiber Spacecom aus Israel erwartet hatte.
Den mit 24 C-Band- und 9 Ku-Band-Transpondern ausgerüsteten Satelliten hatte Spacecom Ende 2009 von Asiasat übernommen, um ihn solange an der Position von 17 Grad Ost im geostationären Orbit einzusetzen, bis Amos 5 gestartet und in Betrieb genommen ist. Nach den derzeitigen Planungen soll der Start von Amos 5 im Juni 2011 erfolgen. Bis dahin wird Amos 5i nicht mehr einsetzbar sein, wurde am 9. August 2010 bekannt. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass sich Amos 5i bis 2012 betreiben lassen würde.
Während eines Routinemanövers zur Positionskorrektur des auf dem Satellitenbus AS-7000 basierenden Raumfahrzeugs fielen die zu geringen Treibstoffreserven auf. Nach Angaben des Präsidenten und Geschäftsführers von Spacecom, David Pollack, haben sich Berechnungen über den zum Betrieb des Ende 1995 in den Weltraum transportierten Satelliten erforderlichen Treibstoffbedarf als falsch herausgestellt. Es sähe so aus, als habe der Hersteller des Satelliten, Lockheed Martin, einen Fehler gemacht.
Für die zwanzig Kunden, die zur Zeit noch Dienste via Amos 5i ausstrahlen lassen, will Spacecom Übertragungskapazitäten auf einem anderen Satelliten anmieten.
Amos 5i ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 23.723 bzw. als COSPAR-Objekt 1995-064A.
Quelle: NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI)
Erneut phantastische Hubble-Aufnahme
Gestern wurde ein ausdrucksstarkes und detailreiches Bild von der rund 320 Millionen Lichtjahre entfernten Spiralgalaxie NGC 4911 veröffentlicht.
NGC 4911 inmitten des Coma-Galaxien-Clusters (Bild: NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA))
Das Bild wurde aus vier Aufnahmen mit einer Gesamtbelichtungsdauer von etwa 28 Stunden erstellt. Dafür wurden die Advanced Camera for Surveys und die Wide Field and Planetary Camera 2 in den Zeiträumen Dezember 2006 bis Januar 2007 sowie Januar/Februar 2009 unter Verwendung von 3 Breitband- (blau - 450 nm, grün - 606 nm, rot - 814 nm) und einem Schmalbandfilter (rotverschobene Wasserstoff-Alpha-Linie - 673 nm) eingesetzt. Insgesamt ergibt sich durch geschickte Kombination der Einzelaufnahmen ein Bild in Echtfarben, das einen Bereich von etwa 230.000 Lichtjahren erfasst.
NGC 4911 liegt im Sternbild "Haar der Berenike", einem eher unauffälligen Teil des Sternenhimmels, der ohne Teleskop nur wenige beobachtbare Objekte bietet. Kein Stern ist heller als 3m. Umrahmt wird Coma Berenices, so die lateinische Bezeichnung, von den Sternbildern Löwe und Bärenhüter.
NGC 4911 ist Teil des Coma-Clusters, einer vergleichsweise nahen Ansammlung von fast 1.000 Galaxien. Benachbarte Galaxien beeinflussen NGC 4911, indem sie die äußeren Regionen der Spiralarme aufweiten. Dazwischen erkennt man den blauen Schein vieler junger Sterne und das rosafarbene Licht riesiger Wasserstoffwolken, weiterer potenzieller Sternentstehungsgebiete.
Die Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 4C hob gegen 00:49 Uhr MESZ vom Raumfahrtzentrum Taijuan ab.
Die Nutzlast bestand aus dem Fernerkundungssatelliten Yaogan 10, der offiziell Radardaten sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke liefert. Zielorbit war eine Bahn zwischen 607 und 622 km Höhe bei einer Bahnneigung von 97,8 Grad.
Eine derartige Bahn nennt man sonnensynchron, weil der Raumflugkörper jede Stelle der Erdoberfläche immer zum selben Tageszeitpunkt überfliegt. Dadurch sind die Beleuchtungsbedingungen und Rückstrahlungen besser vergleichbar, Veränderungen können genauer erfasst werden.
Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua gab an, dass Yaogan 10 wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen werde. Dazu gehören Landvermessungen, Erntevorhersagen sowie Unterstützung bei der Bewältigung von Naturkatastrophen.
Der heutige Start war der sechste chinesische in diesem Jahr.
Kepler: Funde erdähnlicher Planeten nicht bestätigt
Meldungen, nach denen mit Hilfe des am 7. März 2009 gestarteten Weltraumteleskops Kepler mittlerweile erdähnliche Planeten entdeckt werden konnten, fehlt die Substanz. Die mit dem Teleskop arbeitenden Wissenschaftler sind zwar sehr zufrieden mit den Leistungen ihres Instrumentes, können aber aufgrund der Datenlage zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Auffinden von erdähnlichen Planeten via Kepler nicht bestätigen.
Edward W. Dunham, Leiter des Kepler-Wissenschaftsteams, Thomas N. Gautier, Kepler-Projektwissenschaftler, und William J. Borucki, Kepler-Projektleiter, legen im Namen des Kepler-Wissenschaftsrats Wert auf die Feststellung, dass die Daten des Weltraumteleskops bisher keinen Grund für Aussagen geben, derer zufolge Kepler einen erdähnlichen Planeten gefunden hätte.
Auf dem Weg zum Erreichen der Missionsziele liefere Kepler hervorragende Ergebnisse, zur Zeit laufe die Bestimmung der Häufigkeit des Auftretens von Planeten in Erdgröße, speziell von solchen innerhalb von bewohnbaren Zonen, so die Wissenschaftler in einer kurzen von der US-amerikanischen Weltraumagentur NASA am 2. August 2010 veröffentlichten Stellungnahme weiter.
Konkrete Ergebnisse wollen sie veröffentlichen, sobald diese verfügbar sind und bestätigt wurden.
Arianespace hat zwei weitere Startaufträge erhalten. Das Unternehmen teilte am 5. August 2010 mit, dass es die Satelliten GSAT 10 und Intelsat 20 in den Weltraum transportieren wird.
Intelsat 20, ein Kommunikationssatellit mit einer Startmasse von rund 5.800 kg, ist ein Produkt von Space Systems/Loral und soll im geostationären Orbit bei 68,5 Grad Ost eingesetzt werden. Mit seinen C- und Ku-Band-Transpondern ist er als Ersatz für Intelsat 7 und Intelsat 10 gedacht und dient dann Bild-, Video-, Sprach- und Datenübertragungen. Die Auslegungsbetriebsdauer des Satelliten beträgt 15 Jahre, im zweiten Quartal 2012 soll er auf einer Ariane 5 ECA fliegen.
GSAT 10 bringt eine Startmasse von 3.425 kg auf die Waage. Der indische Kommunikationssatellit wird Telekommunikationsverbindungen zur Verfügung stellen, Navigationsdaten liefern und Fernsehprogramme ausstrahlen können. Das von der indischen Raumfahrtorganisation ISRO gebaute Raumfahrzeug soll im geostationären Orbit bei 83 Grad Ost Position beziehen, nachdem es im ersten Quartal 2012 auf einer Ariane 5 ins All gebracht worden ist. 15 Jahre lang will man es einsetzen, um den gesamten indischen Subkontinent zu versorgen, ausgestattet ist es mit je 12 Transpondern für das C-Band, das erweiterte C-Band und das Ku-Band.
In der Nacht vom 12. auf den 13. August sind, dadurch dass die Erde eine Kometenbahn kreuzt, hunderte Sternschnuppen zu sehen.
Der Perseidenschauer im Jahr 2009 (Bild: DLR)
Alljährlich im August durchfliegt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Bahn des Kometen „Swift-Tuttle“. Bei diesem Durchflug treffen kleine Staubkörnchen und ähnliche Teilchen des Kometen, die sich dort im Laufe der Zeit angesammelt haben mit ca. 30 Kilometern pro Sekunde auf die Erdatmosphäre. Durch die hohe Geschwindigkeit verglühen diese sofort, was dann als Sternschnuppe sichtbar ist. „Was wir als Meteor am Himmel sehen, sind aber nicht etwa die Kometenstaubkörner selbst“, erklärt Wilfried Tost vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. „Es ist die vor den Staubteilchen liegende Luft, die so stark zusammengepresst wird, dass sie über 3.000 Grad heiß wird und dadurch zu leuchten beginnt.“
Das Schauspiel ereignet sich in etwa 80-100 km Höhe, aber trotzdem ist es vom Boden aus sichtbar. Etwa 100 sogenannte Meteoroiden soll man pro Stunde sehen können – solange das Wetter mitspielt und nicht mit Wolken den Beobachtern einen Strich durch die Rechnung macht. „Außerdem haben wir in diesem Jahr Neumond“, erklärt Tost weiter. „Die Perseiden lassen sich also ganz ohne störendes Mondlicht beobachten.“
Um sich gründlicher auf die auszuführenden Arbeitsschritte vorbereiten zu können, wurden die beiden Außenbordarbeiten zum Austausch eines Pumpenmoduls an der Steuerbordseite der ISS-Gitterstruktur um jeweils einen Tag verschoben.
In einem Wasserbecken wird der Außenbordeinsatz geprobt. (Bild: NASA-TV)
Während der Ausstiege muss zunächst eine Greifvorrichtung für den großen Manipulator der Internationalen Raumstation vom Ersatzmodul zur defekten Pumpe verlegt werden. Dann kann das defekte Teil abmontiert und auf eine Plattform verlegt werden. Die neue Einheit wird dann in den Kühlkreislauf A des US-basierten Segments eingebaut und angeschlossen.
Das Pumpenmodul ist mit 4 Bolzen befestigt und über 4 Ammoniakleitungen an das Kühlsystem angeschlossen. Außerdem müssen auch 5 elektrische Verbindungen hergestellt werden. Diese Arbeiten wurden an den letzten Tagen in einem großen Wasserbecken am Johnson Space Center trainiert. Dabei wurden die Schritte protokolliert und auf ihre Zweckmäßigkeit überprüft. Nach eventuellen Änderungen in der Reihenfolge werden diese Prozeduren später von den Astronauten ausgeführt.
Dabei muss man aber zusätzlich beachten, dass Wheelock und Caldwell-Dyson den Ablauf vorher nicht trainieren können. Man plant demzufolge eine gewisse zeitliche Reserve ein. Außerdem werden sich die Astronauten vor dem Wiedereinstieg noch gründlich und allseitig von der Sonne bescheinen lassen, um alle eventuell vorhandenen Restmengen des Kühlmediums Ammoniak von der Oberfläche der Raumanzüge zu verdampfen.
Der erste Ausstieg ist nun für den 7. August, ab 12:55 Uhr MESZ geplant. Über die Dauer der Ausstiege wurden bisher keine Angaben gemacht. Erschwert werden die Arbeiten nach Auskunft der NASA dadurch, dass Leitungen bewegt werden müssen, die unter Betriebsdruck stehen. Dadurch sind die Leitungen deutlich weniger biegsam. Das Pumpenmodul selbst sollte kein Problem darstellen. Es hat eine Masse von 350 kg und Abmessungen von 1,75 x 1,27 x 0,91 m.
Neue Aufnahmen der drei großen Teleskope der NASA, Hubble, Chandra und Spitzer zeigen als Komposition die 62 Millionen Lichtjahre entfernten Antennen-Galaxien.
Die Antennen-Galaxien aufgenommen von Hubble, Chandra und Spitzer. (Bild: NASA, ESA, SAO, CXC, JPL-Caltech, und STScI)
Das Bild besteht aus Aufnahmen der Teleskope Hubble (gold, braun), Chandra (blau) und Spitzer (rot). Es zeigt die kollidierenden Antennen-Galaxien, die ihren Namen von den durch die Kollision entstandenen langen Armen bekommen haben. Diese entstanden durch die hohen Gezeitenkräfte während der Kollision.
Die Kollision begann vor etwa 100 Millionen Jahren und dauert bis heute an. Die hervorgerufene große Sternentstehungsrate führt zur Bildung zahlreicher neuer Sterne, die jetzt teilweise schon am Ende ihres Lebens angelangt sind und ihre Hüllen als Novae oder Supernovae abstoßen.
Die blau eingefärbten Aufnahmen des Chandra-Weltraumteleskops zeigen die Überreste der Supanovae. Das Gas besteht hauptsächlich aus Sauerstoff, Eisen, Magnesium und Silizium. Aus ihm werden in astronomisch gesehen näherer Zukunft neue Sterne und Planeten gebildet.
Die roten Spitzer-Aufnahmen zeigen von Sternen erhitztes Gas. Besonders dicht und heiß ausgeprägt ist dieses im Überlappungsbereich der Galaxien.
Wie die NASA mitteilte, wurde versucht, Kontakt mit dem Marsrover Spirit aufzunehmen. Spirit hatte sich seit dem 22. März nicht mehr gemeldet, was darauf hindeutete, dass er aufgrund von Energiemangel in einen „Schlafmodus“ gewechselt hatte. Bis jetzt waren die Versuche jedoch erfolglos.
Am 26. Juli begannen die Missionsleiter am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena damit, ein Kommando ins All zu schicken, dass dem Rover den Befehl geben sollte, einen Piepton zur Erde zu schicken. Bis zum heutigen Tage hat sich Spirit jedoch noch nicht gemeldet.
Das Problem bei der Kontaktaufnahme ist, dass Spirit aufgrund der mangelnden Energieversorgung bedingt durch die geringe Sonneneinstrahlung im Winter unter Umständen den Wert seiner Missionsuhr verloren hat. In diesem Fall würde der Rover die Missionsuhr neu starten, alle vier Stunden aufwachen und auf ein Signal von der Erde hören.
Trotz der aufwendigen Kontaktversuche halten einige Wissenschaftler am JPL es für möglich, dass Spirit sich nicht mehr bei der Erde meldet.
„Es wäre das Wunder vom Mars, wenn unser geliebter Rover sich melden würde“, sagte Doug McCuistion, Direktor des Mars-Exploration-Programms in Washington. „Er musste vorher noch nie so harte Bedingungen aushalten – das ist Neuland."
Zwischen dem 31. Juli und dem 1. August 2010 fanden am Tiroler Kaunertaler Gletscher simulierte Tests mit dem in Österreich entwickelten „Aouda“-Raumanzug statt. Erstmals wurden dazu auch Kamerateams zugelassen und im österreichischen Fernsehen in der Sendung Sommerzeit vom 3. August 2010 berichtet.
Test des Raumanzugs auf Geröll. (Bild: ÖWF/Santek)
Bohrung in den Gletscher. (Bild: ÖWF/Santek)
Die Tests wurden auf 2.750 Metern über dem Meeresspiegel bei 8°C von einem 19-köpfigen Team rund um den Projektleiter Gernot Grömer durchgeführt. Der Anzug wog 45 Kilogramm und wurde am ersten Tag von Ulrich Luger und am zweiten von Daniel Föger getragen. Das Gewicht entspricht in etwa dem auf dem Mars spürbarem Gewicht.
Der Kaunertaler Gletscher wurde aufgrund des Permafrostbodens für den Feldtest ausgewählt. Erstmals wurde ein Raumanzug der Umgebung entsprechend auch über Geröll getragen um die Trittfestigkeit auszuloten. Eine weitere Aufgabe bestand darin, Proben aus dem Gletschereis zu bohren.
Entwickelt wurde der Anzug in Österreich vom Österreichischen Weltraumforum (ÖWF) unter der Berücksichtigung marsähnlicher Umgebungen. „Aouda“ befindet sich noch in der Entwicklung und simuliert daher nur einen Raumanzug.
Am 29. Juli 2010 teilte die japanische Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung JAXA mit, dass es ihr auf Grund einer neuen Vereinbarung mit dem lokalen Fischereiverband künftig möglich sein wird, über das ganze Jahr verteilt Raketen von Tanegashima aus zu starten.
Startrampen auf Tanegashima (Bild: JAXA)
Bis April 2011 ist eine Vereinbarung in Kraft, der zufolge Starts von Tanegashima, einer Insel im Süden Japans, nur innerhalb von zusammen 190 Tagen im Jahr erfolgen dürfen. Außerhalb dieses aus zwei Perioden bestehen Zeitraums hat der Schutz des Lebens in den Gewässern um Tanegashima Vorrang. Sämtliche Startaktivitäten sind im Wesentlichen auf zwei Zeitfenster beschränkt. Von Beginn den Monats März bis Ende Juni, im Monat Oktober sowie an sieben Tagen im Juli darf nicht gestartet werden. Dies beeinträchtigt Japans Wettbewerbsfähigkeit hinsichtlich des kommerziellen Startgeschäfts.
Die anschließend gültige neue Regelung sieht vor, dass wie bisher maximal 17 Starts pro Jahr von Tanegashima erfolgen sollen, so wie es bisher verabredet war, allerdings können Starts zu einem beliebigen Zeitpunkt im Jahr stattfinden. Die vorgesehenen Raketenstarts und die Bedürfnisse des Fischereiwesens werden von den betroffenen Parteien künftig jeweils zu Beginn eines jeden Finanzjahres besprochen.
Astrium baut Erdbeobachtungssatelliten für Vietnam
Der Satellitenbauer Astrium informierte am 2. August 2010, dass er von Vietnams Akademie für Wissenschaft und Technik (VAST) mit der Entwicklung, dem Bau und dem Start des Erdbeobachtungssatelliten VNREDSat 1 beauftragt worden ist.
Am 30. Juli 2010 wurde in Vietnam eine Vereinbarung unterzeichnet, der zufolge Astrium für die VAST den Erdbeobachtungssatelliten VNREDSat 1 baut und ins All transportiert. Inkludiert ist auch die Bereitstellung eines passenden Bodensegments für den Satelliten, das aus einer Bodenstation für die Missionssteuerung und einer für Datenempfang und Bildverarbeitung bestehen wird. Das Auftragsvolumen beträgt laut Astrium 55,2 Millionen Euro.
VNREDSat steht für Vietnam natural resources, environment and disaster-monitoring satellite. Entsprechend seiner Bezeichnung soll VNREDSat 1 der Regierung Vietnams die Beobachtung laufender Umweltveränderungen erlauben, bei der Verhütung von Naturkatastrophen in dem südostasiatischen Staat helfen und die Verwaltung von natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen unterstützen. Das Satellitenprogramm dient außerdem dem weiteren Ausbau der Raumfahrtindustrie Vietnams. Man erhofft sich technisches und wirtschaftliches Wachstum sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Astrium will den Satelliten im französischen Toulouse bauen lassen, und 15 vietnamesische Ingenieure am Herstellungsprozess beteiligen. Nach Angaben der VAST ist geplant, den Satelliten mit zwei optischen Sensoren auszustatten, die panchromatisch eine Bodenauflösung zwischen 2,5 und vier Metern erlauben, und in vier speziellen einzelnen Bereichen des Spektrums eine Bodenauflösung von zehn Metern bieten. Alle drei Tage soll die gleiche Stelle der Erdoberfläche abgetastet werden, ist der Satellit erst einmal im Weltraum. Im Jahr 2012 will man das Raumfahrzeug mit einer Masse von rund 150 Kilogramm im All in Betrieb nehmen. Vorgesehen ist eine Missionsdauer von fünf Jahren.